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Seite 2

Gesellschaft für drahtlose Telegraphie b: m· H:


System Telefunken
entstanden aus den funkentelegraphischen Abteilungen der Allgemeinen
Elektrizitäts-Gesellschaft (System Slaby-Arco) und Siemens & Halske
(System Prof. Braun und Siemens & Halske
Z e n t r a l v e r w a l t u n g : Berlin SW 11, Hallesches Ufer 12/13
Fernsprecher: Amt Nollendorf Nr. 3280−89

Zweiggesellschaften:
Atlantic Communication, New York
Australasian Wireless Co., Sydney
Deutsche Betriebsgesellschaft für drahtlose Telegraphie m. b. H., Berlin
Deutsche Südsee Gesellschaft für drahtlose Telegraphie A.-G., Berlin
Drahtloser Übersee-Verkehr A.-G., Berlin
Société Anonyme International de Télégraphie sans fil, Brüssel
Telefunken Ostasiatische Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H., Shanghai

Technische Büros
angegliedert an verwandte Gesellschaften in:
Buenos Aires [Siemens-Schuckert Ltd. Seccion Siemens & Halske]*)
Helsingfors [AEG Helsingfors]
Konstantinopel [Siemens-Schuckertwerke]*)
Kristiania [AEG. Eletricites Aktieselskabet]*)
London [Siemens Brothers & Co.; Ltd.]*)
Madrid [AEG. Thomson Houston Ibérica]*)
New York [Atlantic Communication Co.]*)
Peking [Siemens China Co.]
Rio de Janeiro [Compania Brasileira de Electrcidade Siemens-Schuckertwerke]
St. Petersburg [Russische Elektrotechnische Siemens & Halske A.-G.]*)
Shanghai [Siemens China Co.]
Stockholm [AEG Electriska Aktiebolaget]*)
Sydney [Australasian Wireless Co.]*)
Wien [Siemens & Halske A.-G., Wienerwerk]*)
*) Mit eigener Fabrikation

Vertretungen in:
Amsterdam – Athen – Bangkok – Basel – Batavia – Belgrad – Bogota – Brüssel –
Bukarest
Caracas – Guayaçuil – Habana – Johannesburg – Kopenhagen – Lima – Manila – Mexiko
Montevideo – Paris – Rotterdam – Santiago – São Paulo – Sofia – Tokio – Tsingtau
Valparaiso – Zentral-Amerika

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Zum 30. August 1919
Von O. Betz

N
auen verkehrt seit dem 23. Juli d. J. wieder unmittelbar mit den Vereinigten Staaten von
Nordamerika und hat damit Deutschland aus der ihm seit Anfang 1917 auferlegten Ab-
schließung von der übrigen Erde erlöst. Die Sprengung der durch den Ring der Feinde
um uns gezogenen Verkehrsfesseln ist wohl das schönste Geschenk, das die Station Nauen Graf
Georg von Arco, dessen Leben so innig mit ihrem Werden verknüpft ist, zum 50. Geburtstage
darbringen kann. Viele Jahre hat er gebangt darum, daß die Menschheit sich wieder be-
sinnen möchte auf ihre gemeinsamen Aufgaben, und sich mit seiner ganzen Person eingesetzt
für die Verwirklichung der dem ewigen Bunde aller Völker geweihten Idee. Zuletzt hatte er
noch, wie so viele unter uns, gehofft, daß der Krieg durch einen Frieden abgelöst würde, der
die Menschen einander näher bringen sollte. Nichts von dem ist bisher eingetreten! Aber
sein Geisteskind Nauen steht da, arbeitet wieder und soll dazu beitragen, daß die Kulturwelt
doch schließlich zu einer höheren Gemeinschaft zusammenwachse.
Keine technische Errungenschaft ist hierzu so geeignet, wie die zur Nachrichtengebung
benutzten elektrischen Wellen. Bei der Sicherheit, mit der sie heute von Nauen ausgesandt und
von den Empfangsstationen über den ganzen Erdkreis hin gleichzeitig aufgenommen werden,
sollen sie, wie wir hoffen, mit einer bisher nicht gekannten Wirksamkeit und Schnelligkeit die
Länder und Völker über alle interessierenden Vorgänge politischer, wirtschaftlicher und all-
gemeiner Art unterrichten. Die wechselseitige Kenntnis der Verhältnisse in den einzelnen
Ländern, der Ansichten der Menschen, und ihr gegenseitiges Verständnis müssen dadurch so
sehr wachsen, daß auch ein besserer Zusammenschluß der Völker nicht ausbleiben wird. Haß,
Neid und Rachsucht, die jetzt die Welt regieren, sind doch letzten Endes auf Ursprünge zurück-
zuführen, die in mangelndem gegenseitigen Verständnis ihre Ursache haben.
Nicht immer war es dem deutschen Volk, im Gegensatz zu anderen, politisch weiter fort-
geschrittenen Völkern, bewußt, was es bedeutet, über weltumspannende Nachrichtenmittel zu
verfügen. Daß man auf der übrigen Erde infolge des Mangels solcher Einrichtungen von dem
wirklichen Leben der Deutschen fast nichts wußte, war nur wenigen von uns klar. Die Männer,
die dieses Übel kannten und ihm steuern wollten, hatten einen schweren Stand. Die trüben
Erfahrungen des Krieges dürften jedoch das weltpolitische Verständnis in Deutschland gefördert
haben. Klar muß im Auge behalten werden, daß ein auf engem Räume eingekeiltes, zahl-
reiches und hochentwickeltes Volk, ohne großen Schaden zu nehmen, nicht existieren kann,
wenn es sich nicht sehr genau kümmert um das, was sonst in der Welt und in den Köpfen
und Seelen anderer Völker vor sich geht, und wenn es nicht andere Völker am eigenen Leben
intensiv teilnehmen läßt. Ein kleiner Kreis von Männern war es, der dies rechtzeitig erkannt
und alles daran gesetzt hatte, um den Abstand, den wir auf diesem Gebiete hinter anderen
Nationen besaßen, möglichst schnell auszugleichen,
Seien wir dankbar diesen Männern der Tat und des Erfindergeistes, unter ihnen an
erster Stelle dem heutigen Jubilar, Graf Arco, daß sie uns Nauen unter schwierigen
Umständen rechtzeitig gegeben haben, um künftigen Schaden abzuwenden.
Wie Nauen ward, wird an anderer Stelle nach den Phasen seiner historischen Ent-
wicklung eingehend geschildert. Was jetzt im Rohbau vollendet vor uns steht und
„Transradio“ aus den Händen „Telefunkens“ übernommen hat, ist, wie ausländische
Zeitschriften vielfach zugeben, „die stärkste Großstation der Welt“, berufen, das Band
zwischen den Völkern neu zu knüpfen und damit den Wiederaufbau Deutschlands sowohl
wie der übrigen Welt fördernd zu unterstützen.

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Inhalt:
Zum 30. August 1919. Von O. Betz. . . . . . . . . . . . . . Seite 1
Hertz, Slaby und Braun zum Gedächtnis . . . . . . . . . . „ 3
Georg Graf von Arco. Ein Lebensbild . . . . . . . . . . . . „ 5
Die modernen Sender ungedämpfter Schwingungen in der
drahtlosen Telegraphie. Von Graf Arco . . . . . „ 11
So ward Nauen. Von E. Quäck . . . . . . . . . . . . . . . „ 20
Nauen im Kriege. Von B. Schuchardt . . . . . . . . . . . . „ 27
Revolutionstage in Nauen. Von H. Neumann . . . . . . . „ 29
Architektonisches über die Großstation Nauen.
Von H. Muthesius . . . . . . . . . . . . . . . . . . „ 33
Bauschwierigkeiten beim Neubau der Großstation Nauen
während des Krieges. Von H. Rabes . . . . . . . „ 46
Turmbau in Nauen. Von F. Bräckerbohm . . . . . . . . . „ 51
Die Bedeutung der Großstation Nauen für den Orient
während des Krieges. Von Hauptmann Schlee . . „ 61
Der Hochfrequenz-Maschinen-Sender (400 MK) Nauen.
Von W. Dornig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . „ 65
Die Empfangsanordnung für Duplexbetrieb in Geltow.
Von Dr. A. Esau. . . . . . . . . . . . . . . . . . . „ 75
Krieg im Frieden (Eine Nacht im alten Nauen), Von Haupt-
mann Meydam . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . „ 79
Hier Mars — hier Erde. Von O. Frerichs . . . . . . . . . „ 84
Die Stadt Nauen. Von G. Eckler . . . . . . . . . . . . . . . „ 90
Nauen in der Auslandspresse . . . . . . . . . . . . . . . . . „ 95
Das Ende der Telefunkenstation Yap. Von M. Köhler . . . „ 97
Telefunkenbeamte in der Gefangenschaft . . . . . . . . . . „ 101
Beamten-Jubiläen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . „ 103
Rundschau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . „ 108

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III. Jahrgang··Nummer 17 Geschäftsstelle: Berlin SW11
August 1919 Hallesches Ufer 12/13

Herausgegeben von der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m. b. H. (Telefunken)


unter der Schriftleitung von Karl Solff, Berlin
Die Zeitung erscheint nach Bedarf und wird einem ausgewählten Leserkreis kostenlos zugestellt. Nachdruck der
Artikel unter Quellenangabe ist gestattet. Für die Übernahme von Bildern ist unsere Erlaubnis erforderlich.

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Seite 6 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 5

Georg Graf von Arco


(Ein Lebensbild)

Am 30. August d. J. feiert der Chef- Dennoch sind seine Beziehungen zur Tech-
ingenieur der im Telefunken-Konzern vereinig- nik und seine hohe Begabung für sie nicht erst
ten Gesellschaften, Dr. phil. h. c. Graf Georg aufgetreten, nachdem er bereits einen anderen
von Arco, seinen 50. Geburtstag. Aus diesem Beruf gewählt hatte; vielmehr hat sich Graf
Anlaß geben wir im Nachfolgenden ein kur- Arco schon ganz früh mit technischen Dingen
zes Lebensbild des Jubilars. beschäftigt, so wenig Begünstigung dieser Hang
Mehr als je treten die Erfolge der draht- auch im Elternhause fand. Das erste Auftreten
losen Telegraphie jetzt sichtbar in die Er- technischer Neigungen zeigte sich bei ihm, als
scheinung und einen wesentlichen Beitrag da- er mit etwa 2½ Jahren einen Katalog über

Bild l. Die Mitglieder des II. Internationalen Funkenkongresses in Nauen (1906)

zu geliefert zu haben ist das Verdienst des Dampfmaschinen, den sein Vater hatte schicken
Grafen Arco, der mit Marconi einer der weni- lassen, in die Hände bekam. Er betrachtete die
gen überlebenden Pioniere dieses jüngsten und Abbildungen stundenlang und nahm den
stolzesten Gebietes der Elektrotechnik ist. Das Katalog mit ins Bett. Speziell für bestimmte
ist um so bemerkenswerter, als er sich ur- landwirtschaftliche Maschinen hat er bis auf
sprünglich nicht dem technischen Beruf ge- den heutigen Tag eine bemerkenswerte Nei-
widmet, sondern, wie vielen unbekannt sein gung behalten.
dürfte, zuerst die Offizierslaufbahn einge- Als er drei Jahre alt war, schenkte man ihm
schlagen hatte und erst später endgültig zur die erste Maschine, die noch aus Holz war, und
Technik übergegangen ist. seit jener Zeit hat er fast nur noch für
Maschinen Interesse gehabt und fast aus-
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Seite 6 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

schließlich mit solchen gespielt. Den ganzen schiedlichkeit war, daß er inzwischen ein Buch
Tag brachte er bei dem „Pollacken“ zu, der die über Dynamomaschinen gelesen hatte. Sein
Lokomobile und die Dreschmaschine bediente Aufsatz im Abiturientenexamen war gut; er
und machte sich immerwährend an den Ma- wäre sehr gut gewesen, wenn nicht sieben
schinen zu schaffen, wozu ihm sein Geburts- orthographische Fehler die Zensur wesentlich
ort Großgorschütz in Oberschlesien sonst wei- gedrückt hätten! Ein anderes Beispiel für seine
ter keine Gelegenheit bot. Wenn man ihn Ungleichmäßigkeit war die Tatsache, daß er in
suchte, kroch er völlig berußt und mit Oel be- Obersekunda einmal im Französischen, das
schmutzt aus den Maschinen heraus. Der sonst durchaus nicht seine Stärke war, die
Vater, Alexander Graf von Arco, war ein kon- beste Arbeit mit drei Fehlern lieferte. Die
servativer Mann, für den es selbstverständlich nächstbeste Arbeit hatte 30 Fehler! Auch in
war, daß die männlichen Sprossen des Hauses Oberprima war er so schlecht, daß er ein
Offiziere oder Landwirte würden; die Technik Vierteljahr vor dem Abiturientenexamen den
galt in diesen Kreisen als kein standesgemäßer offiziellen Rat erhielt, vom Examen für ein
Beruf. Er bemerkte es mit Unlust, daß der halbes Jahr zurückzutreten. Wie so oft, be-
kleine Georg fast nur für technische Dinge folgte er auch diesen Rat seiner Lehrer nicht,
Interesse hatte, und er prophezeite ihm, er sondern setzte sich mit aller Energie hin und
würde noch einmal Techniker werden, was für holte das Versäumte so gründlich nach, daß
ihn gleichbedeutend war mit „verlorener er nach dem Ausfall der schriftlichen Arbei-
Sohn!“ ten, allerdings nur durch Ueberkompensation
in einigen Fächern, zu den 5 vom mündlichen
Es würde dem Wesen des Grafen Arco völlig
widersprechen, wenn man selbst an seinem Examen befreiten Abiturienten gehörte, wäh-
Ehrentage das tendenziös färben wollte, was rend die ändern dreißig alle mündlich geprüft
wurden (1889). In Untertertia wurde er ma-
der Mitwelt über ihn erzählt wird. Sein un-
genkrank. Er mußte daher während der
bedingter Wahrheitsdrang gebietet, auch hier
Ferien eine Brunnenkur machen, deren
wahrheitsgetreu zu berichten, was er selbst
wesentlicher Erfolg war, daß 20 entleerte
jedem sagen würde, mit dem er ins Plaudern
Karlsbader Mühlbrunnen-Flaschen, denen der
gerät. Das ist bei einer so komplizierten Natur
Hals mit Bindfaden „abgesägt“ war, als Chrom-
für den Biographen nur erfreulich, für den
säureelemente eingerichtet wurden. Er betrieb
Leser erwünscht und zur Beurteilung der ge-
mit diesen eine kleine Glühlampe. Aus Anlaß
schätzten Persönlichkeit wertvoll.
und zur Feier dieser Errungenschaft aß die
Georg besuchte in Breslau das huma- Familie bei dieser Beleuchtung Abendbrot.
nistische Gymnasium. Seine Lehrer hatten an Später bekam er eine Doppel-T-Anker-
ihm nie sonderliche Freude, denn er war durch- maschine geschenkt. Diese koppelte er mit
schnittlich ein schlechter Schüler. Dennoch einem Fahrrad und erzeugte so elektrischen
hatte er seine Hauptfächer, in denen er Gutes Strom in größerer Menge. Die Verwendung
leistete, aber das waren natürlich für die ein- des „Tretrads“ in Verbindung mit der Dynamo-
gefleischten „Humanisten“ die weniger wich- maschine hat 30 Jahre später in der Technik
tigen, nämlich Geometrie und Physik. Nur der drahtlosen Telegraphie und namentlich bei
Deutsch mochten sie einigermaßen gelten las- den Kriegsanwendungen derselben eine große
sen. Sie hatten es aber auch schwer, den Rolle gespielt.
Schüler zu beurteilen, denn er war in seinen Mit seiner technischen Passion steckte er
Leistungen außerordentlich ungleichmäßig. Die als Kind einen großen Teil seiner gleichaltri-
Lehrer schwankten deshalb oftmals, ob er seine gen Kameraden an, so daß diese sich später
Arbeit abgeschrieben oder selbst verfaßt habe ebenfalls der Technik gewidmet haben. Bei
und nahmen natürlich zu seinen Ungunsten das einem dieser Bekannten konnte man diese In-
Erstere an. Für seine Ungleichmäßigkeit ist fizierung besonders daran merken, daß er im
folgendes Beispiel charakteristisch: Einst fiel Grunde ganz andere Neigungen, nämlich künst-
ihm ein Konservationslexikons für Damen in lerische und literarische, hatte und diesen auch
die Hand, das er von A bis Z und mit großer wieder nachging, nachdem sich seine persön-
Hingabe las. Er lebte sich in den Stil dieses lichen Beziehungen zum Grafen Arco gelockert
Lexikons so ein, daß er den nächsten Aufsatz hatten. In der Pension, in der er in Breslau
ganz in diesem Damen- und Rosenstil schrieb. erzogen wurde, kam es binnen kurzem dahin,
Kurz darauf lieferte er aber einen anderen daß sich von den dort befindlichen acht Kna-
Aufsatz ab, der wegen seiner Sachlichkeit sehr ben sechs zu Weihnachten Dampfmaschinen
gelobt wurde. Der Grund zu dieser Unter- schenken ließen, obgleich sie sämtlich später

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 7

kein Interesse oder Verständnis mehr für weiter dienen wollte, hielt ihn dieser Herr für
Technik hatten. gestört, aber Arco wurde doch schon 1890
Nach bestandenem Abiturientenexamen ging Offizier. Während dreier Jahre als Leut-
er nach Berlin, um Mathematik und Physik zu nant im Garde-Schützen-Bataillon (Berlin) hat
studieren. Er stürzte sich mit Eifer auf die von er dann die Rekruten ebenso gedrillt, wie er
ihm geliebten Gebiete. Er hörte bei Prof. selbst herangenommen worden war. Seine
Hermann Amandus Schwarz Mathematik, militärische Laufbahn war aber nichts weniger
verstand davon jedoch so wenig, daß er schon als erfolgreich; bei Übungen konnte er nie
an seinen Fähigkeiten auf diesem Gebiete schnell einen Entschluß fassen, immer wollte
zweifelte. Auch ein mehrmaliges Privatissimum er noch weiter Überlegungen anstellen. Für
in der Wohnung des genannten Herrn änderte einen Feldherrn aber ist die Schnelligkeit des
an dieser Tatsache nichts. Das hatte zur Folge, Entschlusses von wesentlicher Bedeutung, so
daß er im zweiten Semester an zahlreichen daß Arco zu der Überzeugung kam, daß ihm
Fächern aller Fakultäten herumnippte und auch auf diesem Gebiete keine Lorbeeren
wahllos alles winkten. Er
durcheinander war auch von
hörte. Damals seiner Tätigkeit
gewann er auch als Offizier sehr
großes Interes- wenig befrie-
se für die Me- digt. Zu jener
dizin, und eine Zeit erwachte
große Vorliebe seine alte Liebe
für dieses Fach zur Technik
hat er bis auf wieder beson-
den heutigen ders stark, und
Tag bewahrt. er entschloß
Diese Neigung sich, den Rat
ist so stark, daß einer Autorität
er auch jetzt einzuholen. Er
noch außeror- ging zu Ge-
dentlich gern heimrat Riedler
medizinische von der Tech-
und physiolo- nischen Hoch-
gische Werke schule Charlot-
liest und sich tenburg und
im Laufe der klagte diesem
Zeit auf diesem sein Leid, wo-
Gebiete größe- bei er als be-
re Kenntnisse sonders gravie-
erworben hat. rend wieder
Die Physiologie die Tatsache
und namentlich Bild 2. Kaiser Wilhelm II. besichtigt die Großstation Nauen
hervorhob, daß
die Energetik des tierischen Körpers haben ihn er in Mathematik bei Prof. Schwarz nichts ver-
immer besonders gefesselt. standen hätte. Prof. Riedler nahm indessen
diesen Umstand merkwürdigerweise durchaus
Da er über seine Fähigkeiten so zweifelhaft nicht tragisch, sondern riet ihm, versuchsweise
geworden war, brach er sein Studium ab und in seinem Konstruktionsbureau an der Tech-
trat als Einjähriger in das Heer ein. — Er war nischen Hochschule unter einem seiner As-
der unfähigste aller Einjährigen! Der Dienst sistenten zu arbeiten, um die eventuelle Ver-
fiel ihm sehr schwer, besonders weil er doch anlagung festzustellen. Arco trat deshalb à la
von so kleiner Statur ist und unter den großen suite seines Bataillons. Die erste ihm über-
Leuten der Garde diente. Er wurde nach sämt- tragene technische Aufgabe bestand darin, aus
lichen Regeln der Kunst bis zur Erschöpfung der Modellsammlung eine Druckluftpumpe für
„geschliffen“. Aber das militärische Wesen eine Bahnbremse in ihre Teile zerlegt zu skiz-
und namentlich die stramme Disziplin impo- zieren.
nierten ihm so sehr, daß er beschloß, sich der
Offizierslaufbahn zuzuwenden. Als er seinem Als er eines Sonntags Langeweile hatte,
Hauptmann mitteilte, daß er als Avantageur zeichnete er ganz ohne Unterlagen allein

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Seite 8 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

aus dem Gedächtnis die Druckluftpumpe im tisch zu finden; dieses Verfahren ist heute
zusammengesetzten Zustande. Riedler war noch im Gebrauch.
darüber entzückt und stellte fest, daß Arco un-
gewöhnliche Raumphantasie und Formen- Da Prof. Slaby den Grafen Arco für seine
gedächtnis besitze. Er riet ihm dringend, den Versuche in der drahtlosen Telegraphie des
Abschied zu nehmen und Technik zu studieren. öfteren von der AEG reklamierte, wurde Arco
Er stellte ihm hierfür einen Studienplan mit allmählich neben seiner anderen Tätigkeit auch
der Richtung zum Maschinenbau zusammen, Ingenieur der AEG für drahtlose Telegraphie.
aber ganz ohne Rücksicht auf eine Examens- Im Jahre 1897 machte Slaby wieder einmal
möglichkeit, und Arco bezog die Technische Versuche in Sakrow; Arco war zu jener Zeit
Hochschule zu Charlottenburg. gerade zu einer Übung eingezogen und machte
diese Versuche in Uniform mit. Dadurch er-
Während seines Studiums (1893—1896) regte er das Interesse des Kaisers, dem Slaby
lernte er Professor Slaby kennen, der ihn ein- seine Versuche zeigte. Der Kaiser erinnerte
lud, als Assistent zu ihm zu kommen. Er sagte sich bei dieser Gelegenheit, daß ihm der Graf
ihm, daß er ein ganz neues Gebiet in Arbeit schon einmal gelegentlich eines Parademar-
nähme, das aussichtsreich sei und in das er sches auf dem Tempelhofer Felde aufgefallen
sich gründlich einzuarbeiten Gelegenheit hätte. sei, wo er wegen seiner kurzen Beine nicht mit-
Es handelte sich um die drahtlose Telegraphie, kam. Den Kaiser interessierte die Funkentele-
von der Slaby bei seiner Anwesenheit als Gast graphie außerordentlich und Slaby machte ihn
Marconis in England einen tiefen Eindruck er- auf deren großen Wert für die Marine auf-
halten hatte. merksam. Die Versuche dazu übertrug er
Arco. Auf diese Weise entstand die erste
Arco ging nur ungern zu dem neuen, ihm drahtlose Apparatur, und zwar in der Werk-
fremden Gebiet über, aber er wurde Assistent zeugmacherei der Kabelwerke der AEG. Für
und zwar für den Unterrichtsbetrieb während die Expedition nach China sollten ebenfalls
des Sommers im Laboratorium für zwei drahtlose Stationen mitgenommen wer-
Wärmemechanik (dem ursprünglichen Spezial- den. Arco wollte sie auf zwei Lastautomobilen
gebiet Slabys), während des Winters im Elek- einbauen, aber es gelang nur, ein einziges Last-
trotechnischen Laboratorium. Obwohl Arco automobil in ganz Berlin aufzutreiben, das
kinematische Angelegenheiten viel mehr inter- zweite bekam schließlich die Form eines aus-
essierten, blieb er doch bis 1898 bei Slaby. rangierten Bierwagens. Natürlich wurde die
Ueber seiner neuen Arbeit vergaß er, sich ex- Apparatur in der kurzen zur Verfügung stehen-
matrikulieren zu lassen, und stand so semester- den Zeit nicht fertig, und so ergab sich dann
lang am schwarzen Brett der Technischen das komische Intermezzo, daß der Maler noch
Hochschule, bis er endlich aus der Liste der mit Farbentopf und Pinsel hinter dem Bier-
Studierenden gestrichen wurde, weil er nicht wagen zu dessen letzter Verschönerung herlief,
belegt hatte. während er bereits zum Bahnhof gefahren
Zu jener Zeit hatte Graf Arco, wie er sagt, wurde.
den „Radvogel“. Beim Radeln lernte er auch Uebrigens wollte es ein tragisches Geschick,
Erich Rathenau kennen, den heute bereits daß diese mit so viel Mühe fertiggestellte erste
verstorbenen Sohn Emil Rathenaus. Erich Ra- fahrbare Militärstation nicht zur praktischen
thenau war damals Direktor des Kabelwerkes Verwendung kam: Beim Ausschiffen in China
der AEG. Dieser lud ihn ein, als Elektriker versank sie auf Nimmerwiedersehen in den
dorthin zu kommen. Er hatte zwar nicht viel gelben Fluten des Peiho!
Lust dazu, nahm jedoch das Angebot wegen
des höheren Gehaltes an und war mehrere Gelegentlich der Arbeit im Kabelwerk trug
Jahre Ingenieur des Kabelwerkes. Er verein- sich ein Unfall zu, der leicht sehr ernste Fol-
fachte einige Kabelprüfmethoden und ver- gen hätte haben können. Für einen Experi-
suchte, die Abnahmeforderungen, die damals mentalvortrag Walter Rathenaus vor dem Kai-
für Wechselstrom-Starkstromkabel besonders ser hatte Arco einen großen Tesla-Transfor-
hinsichtlich des Isolationswiderstandes hoch mator zusammengestellt, dessen Spule in einem
waren, mehr auf Isolationsfestigkeit zu ver- Petroleumbade angeordnet war. Bei einer Er-
schieben. Das entsprach, wie die spätere probung an einem heißen Sommertage schlug
Entwicklung gezeigt hat, den Bedingungen der zwischen Primär- und Sekundärwicklung ein
Wirklichkeit weit mehr und führte auch zu Funke über und im nächsten Augenblick stand
besseren Fabrikationsmethoden. Er arbeitete, das große Petroleumbad in hellen Flammen.
auch ein praktisches Verfahren aus, um Iso- Der Brand konnte durch energische Maßnah-
lationsdefekte an isolierten Drähten automa- men lokalisiert werden, obgleich eine große

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 9

Zahl von Kabelrollen in der Nachbarschaft erkennen, so daß er annahm, daß seine Be-
stand. Das eigentliche Funkenlaboratorium gabung auf anderen Gebieten läge, und ihn
brannte indessen völlig aus. Ein großer Teil aufforderte, sich mehr in die Kabeltechnik zu
seiner Einrichtung wurde ein Opfer dieser vertiefen. Eine erste konstruktive Tat auf dem
Flammen. Gebiete der Meßtechnik für die Kabel brachte
die beiden Männer wieder in nähere Verbin-
Etwa im Jahre 1900 wurde eines Tages dung, und Rendahl beteiligte sich von nun ab
Graf Arco zu Erich Rathenau gebeten, bei dem rastlos an der Entwicklung der drahtlosen
„ein Professor Braun aus Straßburg“ anwesend Telegraphie. Als die Abteilung größer ge-
sei. Dies war das erste Zusammentreffen der worden war, erhielt Rendahl das Laboratorium,
beiden Männer. Braun wollte drahtlose Appa- während die Fabrikation einer gesonderten
rate bestellen und zwar Hochfrequenztransfor- Abteilung des Kabelwerkes zugewiesen wurde.
matoren mit einer Primärwicklung, durch die Arco siedelte nach dem Schiffbauerdamm über,
die Funkenentladung nach der Schaltung seines wo unter Erich Rathenau die Schwachstrom-
berühmten Patentes hindurchgehen, während abteilung der AEG ihren Sitz gefunden hatte.
die Sekundärwicklung zum Anschlüsse des
Luftdrahtes dienen sollte. Die Transforma- Die Entwicklung der drahtlosen Telegraphie
toren sollten eine ganz besondere Konstruktion nahm einen mühseligen und ermüdenden Gang
erhalten, näm- und so kam
lich derart, es, daß Arco
daß um die den Entschluß
Primärwin- faßte, dies Ge-
dung von et- biet zu verlas-
wa l Meter sen und sich
Durchmesser anderen tech-
zehn Sekun- nischen Auf-
därwindun- gaben zuzu-
gen in kon- wenden. Er
zentrischen richtete an
Kreisen ange- Erich Rathe-
ordnet waren. nau ein Kün-
Daß Arco digungs-
mit Slaby zu- schreiben,
sammenar- ließ sich in-
beitete, war dessen durch
Braun sicht- Zureden von
lich wenig an- diesem Schritt
genehm zu abbringen
hören. Trotz- und blieb bei
dem gab er Bild 3. König Chulalongkorn von Siam in Nauen (1908) der Stange.
die Bestellung Zu Beginn
auf und sie wurde ausgeführt. Mit diesen des neuen Jahrhunderts waren also die
Transformatoren arbeitete bald darauf die beiden Systeme Braun (Siemens & Halske) und
erste historisch gewordene Braunsche Ver- Slaby-Arco (AEG) vorhanden und beide
suchsanlage zwischen Feuerschiff Elbe I und entwickelten sich so, daß sie Weltruf
Cuxhaven. gewannen. Es ist aber auch bekannt, daß
Auch eine andere für die Zukunft sehr wich- zwischen beiden Systemen ein Wettstreit ent-
tige Beziehung bahnte sich etwa 1900 an, in- standen war, der zu unerquicklichen Pro-
dem der junge Schwede Rendahl, der seine zessen führte. Durch Dazwischentreten des
Hochschulstudien noch kaum abgeschlossen Kaisers, der aus politischen Gründen auf die
hatte, in die Abteilung für Funkentelegraphie maßgebenden Persönlichkeiten einwirkte, er-
der AEG eintrat. Zunächst sollte er die In- folgte nach vielen Verhandlungen eine Einigung
stallation der Chinastation leiten, fühlte sich der beiden Parteien, die dann zur Fusion der
aber mit der Materie so wenig verknüpft, daß er beiden Gruppen führte. So entstand 1903 die
sich darauf beschränkte, stundenlang schwei- Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m. b. H.
gend im Kreise um die Montagestelle herum- in Berlin. Gründer waren die beiden deut-
zulaufen. Aus dieser ersten Probe konnte Arco schen Elektrizitätsgesellschaften; die Siemens
die spätere große Fähigkeit Rendahls kaum & Halske A.G. und die Allgemeine Elektrizi-

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Seite 10 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

täts Gesellschaft, Berlin. Ihrem technischen Maschinen-Anordnung nach dem System von
Gehalte nach stellte die neue Gesellschaft die Goldschmidt. Dadurch, daß Graf Arco mit
Vereinigung der Systeme Braun-Siemens und kühnem Griff das Verdopplungsprinzip in
Slaby-Arco dar. Das neue System erhielt die großem Stile von 50 Perioden auf 100000
Bezeichnung „Telefunken“. Technischer Direk- Perioden übertrug und hier nun alle Vorteile der
tor und Chefingenieur der neuen Gesellschaft Resonanz ausnutzte, bekam die Frequenzver-
wurde Graf Arco und ist es bis heute geblieben. vielfachung erst ihre technische Bedeutung. Er
In dieser Eigenschaft hat er auf die technische veranlaßte Dr. Alexander Meißner, im Labora-
Entwicklung der Gesellschaft dauernd den torium zunächst Versuche mit Wechselstrom
ausschlaggebenden Einfluß ausgeübt und sein von 500 Perioden auszuführen. Diese führten
Lebensgang ist von nun an eng verknüpft mit schnell zum weiteren Ausbau des Verfahrens
den epochemachenden Fortschritten der deut- und etwa ein Jahr später war die erste Hoch-
schen drahtlosen Telegraphie. Graf von Arco frequenzmaschine fertig, die bei der Grund-
war es, der die Bedeutung der Wien'schen periode von 30 000 mit zweistufiger Verdopp-
Löschfunkenstrecke (1907) für die drahtlose lung einen Hochfrequenzstrom von 120 000
Technik zuerst erkannt hat. Die wichtigsten Perioden bei etwa 2 kW Leistung hergab. Graf
Versuche mit Stoßerregung sind auf sein dau- Arco konnte sie gelegentlich des Internationa-
erndes Drängen in den verschiedensten For- len Kongresses für drahtlose Telegraphie in
men von vielen Ingenieuren bei Telefunken aus- London den versammelten Vertretern aller Na-
geführt worden. Auch in dem Prozeß gegen die tionen vorführen. Dieser kleinen ersten Ma-
inländischen und ausländischen Konkurrenten schine von noch komplizierter Bauart folgten
hat sich deutlich gezeigt, daß unter Arcos Lei- rasch einfachere Typen von immer steigender
tung nur Telefunken allein schon vom Jahre Leistung, die, in der Station Nauen aufgestellt,
1907 ab den engen Zusammenhang zwischen dieser zugute kamen. Hierdurch veranlaßt, er-
höherer Funkenfolge und Regelmäßigkeit der nannte 1916 die naturwissenschaftliche Fakul-
Funkenentladung, d. h. einer Tonerzeugung mit tät der Universität Straßburg i. Els. — wahr-
den besonderen Vorgängen der Stoßerregung, scheinlich nicht ohne Einwirkung Prof. Brauns
klar erkannt hatte und in der Lage war, hier- — den Grafen von Arco zum Ehrendoktor. Die
für die günstigsten Bedingungen festzustellen. Verleihungsurkunde ist insofern eine Merkwür-
Auch hier war es Graf Arco, der die Kräfte des digkeit, als sie die erste in deutscher Sprache
Laboratoriums auf die intensive Bearbeitung ausgestellte ist.
dieser Probleme konzentrierte und damit
schließlich dank der hervorragenden Leistun- Aber auch in der weiteren Entwicklung der
gen und der großen Hingabe seiner Mitarbeiter drahtlosen Telegraphie, die durch die Verwen-
dem tönenden Löschfunkensystem den Weg dung der Kathodenröhre charakterisiert ist, hat
über die ganze Erde ebnete. Graf Arco an mehreren einschneidenden Punk-
ten die Initiative ergriffen. Durch Prof. Nernst
Die Erfahrung bei der Telegraphie auf große ging ihm persönlich die Nachricht von der Er-
Entfernungen zeigte mit immer zunehmender findung der Lieben-Röhre zu, und zusammen
Deutlichkeit die Vorteile, die lange Wellen mit diesem veranlaßte er eine Vorführung der
wegen ihrer geringen Absorption unterwegs Röhre durch den Erfinder vor den maßgeben-
gegenüber den bisherigen kurzen Wellen hatten. den Persönlichkeiten der beiden Mutterfirmen
Gleichzeitig aber machten sich die Schwierig- Telefunkens. Hieran schloß sich die Gründung
keiten geltend, solche Wellen mittels Lösch- des Lieben-Konsortiums und die Aufnahme der
funken zu erzeugen. So drängte die Entwick- Kathodenröhre in das Arbeitsgebiet der Ge-
lung unaufhaltsam auf die Einführung unge- sellschaft. Bei der Weiterentwicklung der
dämpfter Wellen, um so mehr, als dies für den Röhre war Graf Arco der erste, der die Nach-
Empfang derselben gleichzeitig neue und sehr teile der Gasfüllung in ihrer praktischen Be-
vorteilhafte Methoden eröffnete. In dieser Phase deutung erkannte und mit allem Nachdruck
der technischen Entwicklung war Graf Arco auf den Uebergang zur reinen Vakuumröhre
einer der größten Erfolge seines Lebens drängte, obgleich anfangs noch etwa zwei Va-
beschieden. Er betraf die Entwicklung der kuumröhren notwendig waren, um die Verstär-
Hochfrequenzmaschine auf Grund des seiner- kung einer einzigen Gasröhre zu erzielen.
zeit von Joly für 50periodigen Wechselstrom So hat er ziemlich häufig, wenn es galt, ent-
angegebenen Verdopplungsprinzips. Für Hoch- scheidende Entschlüsse in der technischen Ent-
frequenzerzeugung ungedämpfter Schwingungen wicklung zu fassen, die Initiative ergriffen und
kannte man bis dahin außer dem Lichtbogen nur in seiner vielfach impulsiven Art die Arbeiten
die technisch kompliziertere Wechselstrom- mit Energie gefördert. Zwar gehört Graf Arco

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 11

zu denjenigen Leuten, die ihre Aufgabe weniger ser Art traten jedoch jahrzehntelang in den
durch theoretische Arbeit, als durch die An- Hintergrund, da er mit technischen Arbeiten
schaulichkeit des Denkens bewältigen, wie sich überhäuft war. Erst als sich Telefunken ver-
dies schon durch seine anderen technischen größerte und auch in der Geschäftsleitung eine
Arbeiten in Riedlers Büro deutlich gezeigt hatte, Arbeitsteilung eintrat, gewann er wieder Muße,
d. h. also zu den Menschen, denen die rein sich seinen freigeistigen Bestrebungen hinzu-
mathematische Behandlung des Problems geben. In Verfolg dieser Bestrebungen schloß er
ferner liegt und welche die an sie herantreten- sich den Kreisen an, die seit Beginn des
den Fragen mehr durch praktischen Blick und Weltkrieges immer wieder die Fahne der
Intuition lösen. Trotzdem hat er dafür gesorgt, Menschlichkeit ergriffen und versucht haben,
daß die Firma auch in wissenschaftlicher Be- eine Verständigung zwischen den kriegführen-
ziehung immer an der Spitze der drahtlosen den Parteien herbeizuführen.
Technik marschiert. Diese Tatsache wird
Telefunken nie vergessen und die Leitung der Wenn Graf Arco jetzt von dem Zenith sei-
Firma durch den Grafen Arco zu ihren ner Lebensbahn zurückblickt auf den Weg, den
Ruhmestiteln rechnen. — er durchlaufen, so darf er wohl dem Geschick
Es würde ein wesentliches Bild in der Cha- dankbar sein, das ihm die Möglichkeit zur Ent-
rakterzeichnung des Grafen von Arco fehlen, wicklung und Betätigung seiner ureigensten,
wollte man seine humanitären freidenkerischen auf technischem Gebiet liegenden Fähigkeiten
und freiheitlichen Bestrebungen, denen er mit in weitestem Maße gewährt hat.
großer Liebe nachgeht, hier zu erwähnen ver- Ist es ihm doch im Gegensatz zu seinen früh
gessen. Seine Entwicklung in dieser Beziehung uns entrissenen Lehrern und Vorbildern Hertz,
begann schon als Knabe. Anlaß dazu gab ein Slaby und Braun als Pionier der drahtlosen
Besuch bei einem Arzte, in dessen Warte- Technik vergönnt, das Kind, an dessen Wiege er
zimmer er als Vierzehnjähriger Büchners gestanden, nicht nur unter seiner pflegenden
„Kraft und Stoff“ fand. Er hatte es mit dem Hand wachsen und gedeihen zu sehen, sondern
ganzen ihn kennzeichnenden Enthusiasmus in auch seine Zukunft gesichert und fest gegründet
sich aufgenommen. Seit jener Zeit betrachtete zu wissen als ein nicht mehr zu entbehrendes
er es als seine Bibel. Seine Bestrebungen die- Mittel im Verkehr der Länder und Völker.

Die modernen Sender ungedämpfter Schwingungen


in der drahtlosen Telegraphie
Von Graf Arco

Die Sender gedämpfter Schwingungen ha- Sender Energie strahlt, etwa nur halb so lang
ben für mancherlei Zwecke in letzter Zeit er- wie die darauf folgende energielose Pause!
heblich an Bedeutung eingebüßt. Ihrer großen Zur Aufnahme einer gegebenen Leistung ist
Einfachheit und Betriebssicherheit stehen ge- daher einer Antenne für diskontinuierliche
wisse physikalische und technische Mängel Schwingungen größere Kapazität, d. h. größere
gegenüber. Bisher wurde die elektrische Abmessungen, zu geben, als für kontinuierliche
Qualität von Sendern fast nur nach der Inten- Energieform. Allerdings wird der Unterschied
sität beurteilt. Bei den heutigen hohen An- insofern verringert, als die Isolation der un-
forderungen der Betriebssicherheit und Tele- gedämpften Energie bei gleicher Maximalspan-
graphierschnelligkeit treten diese und noch nung schwieriger ist, d. h., die gegebenen Iso-
ein anderes Merkmal mehr in den Vordergrund. latoren reichen bei kontinuierlicher Energie
Infolge der Diskontinuierlichkeit der Ener- nicht für die gleiche Spannung aus, wie bei
gie sind bei gedämpften Sendern die Amplitu- diskontinuierlicher.
den bei gleicher Antennenleistung größer als Schwerer wiegt noch der nachteilige Ein-
bei ungedämpften Sendern. Ist doch schon fluß der größeren Amplituden auf die Stö-
bei der Welle 1000 Meter und bei einer rungsfreiheit der Empfänger. Auf andere
Dämpfung von 0.05 und 1000 Funkenentladun- Sender abgestimmte benachbarte Empfänger
gen pro Sekunde der Zeitraum, in dem der können sich nicht frei machen, weil die ge-

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dämpfte Schwingung die sehr losen Empfän- bildet sie teils als Hochfrequenzverstärker,
gerkopplungen der ungedämpften ausschließt, teils als Verstärker der niederfrequenten
also weniger selektive Empfänger erfordert. Ströme (im ersten Falle vor, im andern
Da aber mit einer weiteren raschen Vermeh- hinter dem Detektor) ein hervorragendes Mit-
rung und damit mit einer allmählichen Ver- tel, die Empfindlichkeit zu steigern und die
dichtung der Stationsanlagen in Zukunft zu Störungsfälle zu vermindern. Die Kathoden-
rechnen ist, würde dieser Uebelstand röhre ist aber außerdem ein Mittel, um die
gedämpfter Sender mit fortschreitender Dämpfung des Empfangskreises herabzusetzen
Entwicklung der drahtlosen Technik immer und dann namentlich in Verbindung mit extrem
unangenehmer empfunden werden. loser Kopplung des Empfangskreises mit der
Eine ökonomische Ausnutzung großer Antenne die ankommenden Sendeschwingungen
Stationsanlagen ist nur bei großer täglicher über viel längere Zeiten als bisher zu akkumu-
Telegrammzahl möglich. Die Schnelltelegra- lieren und somit die Energie zu integrieren.
phie ist daher ein Erfordernis für die Rentabi- Unter besonders günstigen Umständen könnte
lität einer Großstation. Auch hier ist die die Energie eines Wellenzuges vom Sender bis
diskontinuierliche Energieform nachteilig, da zu 10000 Halbschwingungen ausgenutzt wer-
schon bei normaler Telegraphiergeschwindig- den! In dieser heute gegebenen Möglichkeit
keit auf den Punkt des Morsealphabetes nur liegt aber gleichzeitig auch die Begründung,
einige wenige Funkenentladungen entfallen. weshalb mit der „Poulsen-Lampe“ erzielte un-
Dies setzt die Betriebssicherheit für Schnell- gedämpfte Schwingungen in die Praxis früher
telegraphie sehr herab, da hierbei leicht Punkte keinen Eingang gefunden haben; die für solche
ausfallen würden. Akkumulierungen notwendige Konstanz war
eben nicht vorhanden.
Allerdings haben auch die ungedämpften
Sender einen Nachteil: sie besitzen nur ein Eine so weitgehende Empfangs-Ausnutzung
individuelles Merkmal, die Wellenlänge, wäh- war besonders Voraussetzung für die Möglich-
rend bei gedämpften daneben noch das zweite keit, anstelle der bisherigen großen mehr oder
Merkmal, die Tonhöhe oder Tonfrequenz, hin- weniger offnen Empfangsantennen spul- oder
zukommt. Es ist daher bei gedämpften Sendern raumartige geschlossene Kreise, wie sie Ferdi-
u. U. möglich, zwei Sender gleicher Wel- nand Braun im Jahre 1913 zuerst erfolgreich
lenlänge, lediglich durch ihre verschiedene Ton- angewendet hat und die wir nach ihm
höhe, von einander zu unterscheiden. Indessen „Braun'sche Rahmen-Antennen“ nennen, in
lassen sich ungedämpfte Sender bei bestimm- größerem Maßstabe praktisch anzuwenden. Die
ten Erzeugungsmethoden auch so gestalten, daß scharfe Nullzone solcher Braun-Antennen in
neben der Hochfrequenz noch eine Ton- Verbindung mit der Möglichkeit, den Rahmen
frequenz ihre Individualität kennzeichnet. leicht räumlich zu drehen, gibt diesen neuen
Es erscheint zunächst überraschend, daß Antennenformen in bezug auf Störungen ge-
die Vorzüge ungedämpfter Sender jetzt aner- genüber den alten eine erhebliche Ueber-
kannt werden, während sie vor 10 Jahren beim legenheit,
Auftreten der Bogenlampe zur Erzeugung un- Störungen fremder Sender werden einer-
gedämpfter Sendeschwingungen verhältnismäßig seits infolge der sehr geringen Dämpfungen,
wenig Einführung in die Praxis gefunden andererseits infolge des Richteffekts und der
haben. Der Hauptgrund hierfür liegt in der Möglichkeit, die günstigste Zone im Raume
enormen Verbesserung, die die Empfangsmittel verschieden einzustellen, in weitestem Maße
in den letzten fünf Entwicklungsjahren erfah- abgehalten. Auch atmosphärische Störungen
ren haben. Es ist die Kathodenröhre, durch fallen in der toten Zone und in den ihr benach-
deren Anwendung die modernen Empfänger barten Bereichen aus, und selbst in der Haupt-
auf eine ungleich höhere Stufe der Energieaus- empfangsrichtung sind sie wesentlich geringer
nutzung und der Selektivität gebracht wurden. und von anderem Charakter, als bei den bis-
Der Fortschritt ist so groß, daß man ohne herigen mehr offenen Antennen. Während
Übertreibung sagen darf, daß die modernen sich nämlich bei den alten Antennen die Stö-
Empfänger etwa mit dem zehnten Teil der rungen über längere Zeiträume ausdehnen, im
früheren Empfangsenergie betriebssichere und ungünstigsten Falle sogar sich dicht aneinan-
gut lesbare Signale ergeben. der reihen, treten diese bei den Braun-Anten-
Die Kathodenröhre hat zunächst den Detek- nen kurzzeitig und schlagartig auf, lassen aber
tor als Schwingungsindikator verdrängt. Hier- viel längere Zeiträume für die Signale frei.
durch allein ist schon eine wesentliche Empfind- Als ungedämpfte Sender kommen heute
lichkeitssteigerung erzielt. Darüber hinaus folgende drei Methoden in Betracht: Die

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Hochfrequenzmaschine, die Bogenlampe lichkeiten, die verlangte Strahlung herzu-


und die Kathodenröhre. stellen, entweder mit hoher und kostspieliger
Für die größten Energien kommt allein die Antenne bei kleinerer Maschinenleistung, oder
Hochfrequenzmaschine in Frage, denn eine mit niedrigerer und billigerer Antenne bei
Begrenzung der herstellbaren Leistung ist hier höherer Maschinenleistung. Je nach den
im maschinellen Teil überhaupt nicht mehr örtlichen Bedingungen der Bauverhältnisse,
vorhanden. der Stromerzeugung usw. wird sich für den
Es lassen sich nämlich nicht nur beliebig betreffenden Fall der Ausstrahlung der
große Maschinen herstellen, die Maschinen Antenne und Leistung der Maschinen ein
lassen sich auch, wie in der Starkstromtechnik Optimum finden lassen.

Bild 4. Besichtigung der Großstation Nauen durch den chinesischen Prinzen Tsaitao (1910)

in bequemer Weise parallel schalten. Dies Bei den bisher bekannten Maschinen hängt
gewährt noch weiter den bekannten Vorteil, die Wellenlänge von der Umlaufzahl des Ge-
die Station auf billige Weise mit einem oder nerators ab und schwankt mit dieser. Den hohen
mehreren Reserve-Aggregaten ausstatten zu Anforderungen des Empfängers an
können. Wellenkonstanz ist man auf das Vollkom-
Die Grenze einer Station ist hier durch die menste durch Anwendung sehr fein arbeitender
Größe der Antenne und ihre Kosten gegeben. automatischer Apparate zur Touren-
Infolge der Unbegrenztheit der herstellbaren Konstanthaltung gerecht geworden. Während
Schwingungsenergie ist bei Anwendung der man bei den älteren primitiven Empfängern
Hochfrequenzmaschine in bezug auf die Aus- noch 1% Schwankung als zulässig ansah, und
gestaltung der Antenne ein größerer Spielraum damit in ungünstigen Fällen die Energie-Akku-
gewonnen worden als bisher. Wenn man mulierung im Empfänger auf nur 30 Schwin-
nämlich die Antennenhöhe reduziert und ihre gungen begrenzte, ergeben die neueren Anlagen
Fläche und damit ihre Kapazität gleichzeitig mit automatischer Regulierung höchstens noch
so erhöht, daß man entsprechend den verrin- Schwankungen von 1/10%. Sehr wesentlich
gerten Strahlungswirkungsgraden die Leistung ist auch die Wirtschaftlichkeit der Anlage da-
genügend steigert, so erhält man zahllose Mög- durch gesteigert worden, daß das Tasten der

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Seite 14 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Signale, wie bei den alten Funkenstationen, 30 km bis 25 km


zwischen Vollast und Leerlauf erfolgt und die 20 „ „ 16,7 „
Motorleistung dadurch nur einen Mittelwert 15 „ „ 12,5 „
zwischen Vollast und Leerlaut darstellt. Der 10 „ „ 8,3 „
totale Wirkungsgrad, der schon beim Dauer- 7,5 „ „ 6,2 „
strich bei großen Anlagen — und zwar ge-
messen zwischen Motorleistung und angege- Eine gewisse Veränderungsmöglichkeit der
bener Antennenleistung — 60 Proz. und mehr Wellenstufen ist schon deshalb wichtig, falls
betrug, wird durch dieses Tastverfahren bei künftiger Häufung von Stationen eine in-
noch wesentlich verbessert. Gerade bei großen ternationale Regelung auch für Großstationen
Anlagen, deren Rentabilität nur bei sehr regem dieses vorschreiben sollte. Die mit der Ma-
Telegraphierbetrieb erreichbar ist, hat der schine mögliche Variation ist für alle praktisch
Stromverbrauch einen sehr großen Einfluß auf denkbaren Fälle jetzt schon ausreichend. Sie
die Oekonomie der gesamten Anlage. Die kann außerdem durch Zwischenschaltung eines
Einfachheit einer Maschinenanlage, ihre in Netzperiodenumformers beliebig ausgedehnt
fast allen Teilen automatische Betriebsweise, werden.
die hohe Oekonomie im Energieumsatz, ihre Die zweite Sendemethode beruht auf der
Bemessung auf 24stündigen und längeren Bogenlampe, die in den letzten Jahren nament-
Dauerbetrieb sind alles Merkmale, die diese lich durch die sogenannte Kondensator-
Sendetype speziell und fast ausschließlich für Schaltung nach Qualität und Quantität der
Großstationen mit großen Telegraphierleistun- Schwingungen wesentlich verbessert worden
gen, vor allen Dingen auch für Schnelltele- ist. Die Bogenlampe für große Leistung stellt
graphie, geeignet machen. Eine solche Anlage einen einzigartigen Fall in der Starkstrom-
arbeitet mit der gleichen Betriebssicherheit technik dar, wo in einem Lichtbogen von re-
und Präzision, wie die Zentrale eines Licht- lativ kleinem Volumen große Leistungen von
oder Kraftwerks. 100 kW und mehr umgeformt werden. So
Wenn speziell eine Maschinenanordnung verblüffend die Möglichkeit unter den genann-
gewählt ist, bei der in der Maschine eine nie- ten Umständen ist, so bleibt natürlich die
drige Frequenz hergestellt wird, und die Schwierigkeit bestehen, die relativ große Ver-
eigentliche Hochfrequenz in ruhenden Trans- lust-Energie, die im Umformungsprozeß auf-
formatoren meist in mehreren Stufen umge- tritt (z. B. bei 100 kW und 40 bis 50% Wir-
formt wird, so ergibt sich in diesen Transfor- kungsgrad eine Verlustwärme von 50 bis
matoren ein vorzügliches Mittel, um, wenn 60 kW), abzuführen und einen Zustand der
gewünscht, die kontinuierliche Hochfrequenz- Ueberhitzung im Dauerbetrieb auszuschalten.
Energie in eine solche mit einer zweiten Pe- Diese Aufgabe scheint und ist auch wohl un-
riodizität und zwar von der Frequenz eines lösbar. Ebenso unlösbar ist die Parallel-
hörbaren Tones umzuformen, d. h. solche Ein- Schaltung von Bogenlampensendern. Die prak-
richtungen können gleichzeitig tönend senden tische Lösung für die Unterbringung großer
oder für drahtlose Telephonie ausgenutzt wer- Energien ist ein Kompromiß, nämlich die Ab-
den. Die zahlreich vorhandenen für tönende lösung eines Umformers im Zeitpunkt, wo die
Funken hergestellten Empfangsapparate be- zulässige Maximaltemperatur erreicht ist,
halten auf diese Weise ihren Wert, wenn auch durch einen Reserveumformer. Diese Umschal-
natürlich nicht unter gleicher Ausnutzung der tung muß in der Regel jede Stunde erfolgen
Sende-Energie, wie die modernen Empfangs- und bedeutet, daß jede Bogenlampenstation
apparate, und zwar sind sie demnach verwend- grundsätzlich aus zwei Generatoren bestehen
bar ebenso für Telegraphie wie für Telephonie. muß, deren jeder die volle Leistung hat. Im-
merhin bleibt es ein Triumph der betreffenden
Ein moderner Maschinensender beschränkt neuen, hauptsächlich amerikanischen, Konstruk-
sich auch bezüglich der Wellenskala nicht tion, es möglich gemacht zu haben, daß ein
mehr auf einige feste Wellen. Neben der Ver- Lichtbogen etwa eine Stunde lang die Umfor-
dopplung, Verdreifachung, Versechsfachung, merleistung ohne Unterbrechung hergibt. Es
d. h. jeder beliebigen Vervielfachung der ist ohne weiteres klar, daß in dieser Hinsicht
Grundperiode der Maschine, läßt sich jede so das Prinzip des Lichtbogens als Umformer der
hergestellte Wellenstufe kontinuierlich um maschinellen Umformung oder derjenigen in
ca. 20% verlängern. Nehmen wir z. B. eine den Kathodenröhren, bei denen zur Ableitung
Grundperiode von 6000, gleich 50 km Welle, der Verlust-Leistung die notwendigen Volu-
an, so ergeben sich folgende kontinuierliche mina und Oberflächen vorgesehen sind, nie-
Wellenbereiche: mals gleichkommen kann. Fast ebenso eigen-

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 15

artig wie vom Standpunkte der Wärmeabfüh- Das schärfste aller Kriterien aber ist ein Emp-
rung ist die Bogenlampe auch, wenn man sie fangskreis von so geringer Dämpfung, daß eine
hinsichtlich der Konstanz der Schwingungen oder mehrere tausend Schwingungen im Emp-
betrachtet. Auch hier sind dank der neuen fänger akkumuliert werden und so die Gesamt-
Kondensatorschaltung große Verbesserungen intensität festgestellt wird. Diese mit fort-
erreicht worden. Physikalisch bleibt aber die schreitender Entwicklung des Empfängers im-
Tatsache bestehen, daß die Frequenz, wenn auch mer schärfer werdenden Bedingungen kann
in verringertem Maße, von der Länge des Licht- natürlich auch die beste Lampenkonstruktion,
bogens abhängig ist und daß dieser zwischen namentlich im Dauerbetrieb, nicht in dem Maße
einer Metall- und einer Kohlenelektrode erfüllen, wie Maschine oder Kathodenröhre als
gebildet wird, wobei die Kohle in Weiß- Generator.

Bild 5. Deutsche Pressevertreter beim 1. offiziellen Funkspruch-Wechsel mit amerikanischen Kollegen. Nauen (1914)

glut gerät und dementsprechend einer raschen In den physikalischen Elementarvorgängen


Veränderung unterworfen ist. Nun sind aber, der Lampe liegt der Grund, daß die in der An-
wie bei den Empfängern dargelegt wurde, die tenne erzeugten Schwingungen keine reine
Anforderungen an die Konstanz der Frequenz Sinusform haben, d. h. Oberschwingungen ent-
und auch der Amplitude erheblich gesteigert halten. Diesen Nachteil teilt die Bogenlampe
worden. Während man früher die Qualität der mit den übrigen bekannten Erzeugungsmetho-
Bogenlampen-Schwingungen als ausreichend den, mit dem Unterschied allerdings, daß bei
ansah, wenn ein rotierendes Geißler-Rohr, von der Bogenlampe die Oberwellen am stärksten
der Hochfrequenz erregt, ein kontinuierlich ausgeprägt sind. Selbst bei einer geringen Sta-
leuchtendes Band zeigte, dient heute zur Ana- tionsdichte auf der Erde und damit bei einem
lyse des Schwingungszustandes ein Schwe- großen Stationsabstand zwischen einer Sende-
bungsverfahren, bei dem sich Amplituden oder und einer nicht zugehörigen in der Nähe gelege-
Frequenzschwingungen als Tonunreinheiten nen Empfangsstation werden die Folgen der
oder Schwankungen der Tonhöhe darstellen. Oberschwingungen mehr und mehr störend be-

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Seite 16 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

merkbar. Auch wenn nur ein Zehntel Prozent, ja lenlänge hervorgerufen werden, wobei aber die
noch weniger, der Gesamtleistung in den Leistung und Ausstrahlung (bei veränderter
Oberschwingungen auftritt, ist die Strahlung der Wellenlänge) auch während der Pause konstant
Oberschwingungen relativ stark, weil sie sehr bleibt. Diese Methode dürfte in einem moder-
kurz sind. Darum wird man sich dazu ent- nen Netz auf erhebliche Unzuträglichkeiten
schließen müssen, in Gegenden mit dichter Sta- stoßen, denn die in den Pausen vorhandenen
tionsbesetzung besondere technische Mittel an- Störungswellen erschweren natürlich in erheb-
zuwenden, um die Oberschwingungen wieder zu lichem Maße die Ausnutzung eines verfüg-
beseitigen. Hierdurch wird einer der Haupt- baren Wellenbereichs innerhalb eines Stations-
vorzüge der Lampensender, die große Einfach- netzes, weil sie gewissermaßen die Zahl der
heit der Lampe und der notwendigen elektri- durch Abstimmung oder andere Mittel auszu-
schen Zusatzapparate, teilweise aufgehoben. scheidenden Sender verdoppeln.
Was an Schwingungskreisen bei der Lampe ge- Der Bogenlampensender stört nicht nur den
spart wird, wird durch die Apparatur für Mittel Empfang eines fremden ungedämpften Senders
zur Beseitigung von Oberwellen wieder aus- durch seine Verstimmungswelle, auch der Emp-
geglichen. fang der eignen Bogenlampenstation ist durch
Es bleibt aber für die Lampe der große Vor- die Verstimmungswelle, die er mitsendet, er-
zug eines außerordentlich leichten Wellen- schwert, da die Verstimmung nur wenige Pro-
wechsels, und sicher ist dieser Vorzug nicht zu zent beträgt und der Schwebungsempfang nur
unterschätzen, soweit es sich um einzelne pro- nach derjenigen Richtung ausgenutzt werden
visorische Stationen handelt, namentlich für kann, die auf der der Verstimmungswelle ent-
militärische Zwecke. Anders aber stellt sich das gegengesetzten Seite liegt.
Bild, wenn man annimmt, daß die Bogenlampe Würde dagegen bei Empfang von einem Ma-
eine Station bildet in einem großen inter- schinensender die für den Schwebungsempfang
nationalen Stationsnetz. Hier ist an einen be- einzustellende größere Ueberlagerungswelle in
liebigen und häufigen Wellenwechsel natürlich den Bereich eines benachbarten Senders kom-
nicht mehr zu denken. Jede Station in dem Netz men, so stellt man den Ueberlagerer auf eine
wird eine Welle erhalten, die so bemessen ist, Welle ein, die kleiner ist, als die Empfangs-
daß der Sender einerseits möglichst wenig welle und umgekehrt. Man hat also die dop-
zahlreiche benachbarte Empfänger, die zu an- pelte Chance, sich störungsfrei zu machen.
dern Sendestationen gehören, stört, und die fer- Für besonders große Leistungen im Tele-
ner so bemessen ist, daß die zugehörigen Emp- graphierbetriebe, insbesondere für Schnelltele-
fänger von andern benachbarten nicht zuge- graphie, sind natürlich ferner Bogenlampen
hörigen Sendestationen möglichst wenig gestört schon deshalb weniger geeignet, weil die nach
werden. Das eine große internationale einer bestimmten Betriebszeit stets notwendige
Stationsnetz stellt also einen äußerst kompli- Umschaltung der Betriebslampe auf die Re-
zierten Komplex dar, in dem jede einzelne Sta- servelampe und ferner die hin und wieder not-
tion auf sehr viele andere Stationen Rücksicht wendigen Nachstellungen des Bogens bei
zu nehmen hat, und wo für jede Station die Schnellbetrieb den Ausfall von erheblichen
Wellenlänge nicht nach dem Optimum der Wortleistungen zur Folge haben. Auch der
Strahlung oder dergleichen, sondern nach Stromverbrauch kann mit den anderen Metho-
Größe und den allgemein für das ganze Netz den nicht konkurrieren, selbst wenn der Wir-
gültigen Organisations- und Betriebsrücksich- kungsgrad bei Dauerstrich von derselben Grö-
ten gewählt werden muß. Die Möglichkeit des ßenordnung wie bei den andern Erzeugungs-
Wellenwechsels wird zwar notwendig sein, aber methoden wäre. Denn es ist unmöglich, bei der
immer zu den größten Seltenheiten gehören. Für Bogenlampe das Tasten von Voll auf Leer aus-
ein solches Stationsnetz gilt etwa der zuführen und damit die mittlere Betriebslei-
gleiche Grundsatz, wie für jeden lebenden Or- stung auf etwa die Hälfte der Leistung im
ganismus: Je höher die Entwicklungsstufe und Dauerstrich herabzudrücken. Auch in dieser
je höher die Komplikation des Organismus, Hinsicht qualifiziert sich die Lampe mehr nach
um so geringer die Freiheit seiner Elemente, der Richtung einer provisorischen (etwa mili-
d. h. seiner Zellen oder bei dem vorliegenden tärischen) Station und nicht als moderne öko-
Beispiel: seiner Stationen — und um so größer nomische Großstation für Schnellbetriebe.
die wechselseitige Gebundenheit. Die vielseitigste und nach verschiedenen
Als Tastverfahren bedient sich die Bogen- Richtungen hin idealste Methode der Schwin-
lampe einer Methode, bei der die Signale gegen gungserzeugung ist diejenige durch die Katho-
die Pausen durch eine Verstimmung der Wel- denröhre. Nachdem es festgestellt war, daß

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 17

B i ld 6 . B e s ic ht ig u ng d e r S t at io n N a u en d u r c h d e n S t a at s s e k r et ä r d e s R e ic hs - P o st a mt c s , E xz e l l e nz R ü d l i n ( 1 9 1 7 )

sie elektrische Ströme selbst der höchsten stanz der Amplituden und Schwingungszahlen,
Schwingungszahlen einwandfrei verstärkt, daß die fast ausschließlich durch die Daten des
also keine Trägheit in den Röhren bei den vor- Schwingungskreises gegeben sind.
kommenden Frequenzen wahrzunehmen sei, Allerdings ist die Voraussetzung dabei, daß
gelang es Alexander Meißner, ein Verfahren zu die Heizung der Kathode und die Spannung der
finden, um die in einem Schwingungskreise Anode im Betriebe, namentlich die erste,
durch Stoßerregung beim Anlegen einer Span- tunlichst konstant bleibt. Da mit der Temperatur
nung entstehenden Schwingungen mittels der des Fadens die Elektronen-Emission sehr rasch
Röhre als Starkstrom-Hochfrequenzverstärkung ansteigt und bei einer Beanspruchung des
dauernd aufrecht zu erhalten, und zwar dadurch, Fadens von etwa 1000 Brennstunden die Tem-
daß ein kleinerer Energiebetrag dem peratur sich bei selbst kleinen Heizstromände-
Schwingungskreis entnommen und zur Steue- rungen sehr rasch verändert, ist die Konstant-
rung des Gitters der Röhre benutzt wurde. So haltung des Heizstromes eine in der Tat sehr
verschiedenartig die Schaltungen auch aus- schwierige technische Aufgabe. Solange die
geführt werden können, stets bleibt in allen Heizströme nach dem Ausschlag von Meßinstru-
praktisch in Betracht kommenden Fällen das menten durch Handregulierung konstant gehal-
Merkmal, daß eine Gittersteuerung durch aus ten werden mußten, ist durch die unvermeid-
dem Schwingungskreise entnommene Energie lichen Fehler ein sehr häufiges Durchbrennen
stattfindet. nach viel kürzerer Lebensdauer festgestellt
Es ist natürlich dabei ganz gleichgültig, ob worden. Dies hat sich in dem Moment geän-
diese Energierückführung durch äußere Lei- dert, als man namentlich bei Röhren größerer
tungsbahnen und mittels sichtbarer Kopplungs- Leistung grundsätzlich von der Gleichstrom- zur
organe stattfindet, oder ob die inneren Ver- Wechselstromheizung überging. Bei dieser
hältnisse der Röhre, ihre Kapazität oder ihr lassen sich selbst bei erheblichen Umdrehungs-
innerer Widerstand, zur Rückführung der Ener- und damit Periodenschwankungen des Wechsel-
gie ausgenutzt werden. Die Hauptmerkmale der stromes auf automatische Weise außerordent-
Erzeugungsmethode sind die absolute Kon- lich konstante Heiztemperaturen erzielen, so

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Seite 18 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

daß alle Handnachstellungen auf Grund von tung, wie auch in der Röhre selber auf das ge-
Messungen des Bedienungspersonals vollkom- naueste einzeln verfolgt werden können. Dies
men wegfallen. Hierdurch werden Ueberbean- hat trotz der Neuheit der Röhre als Schwin-
spruchungen des Fadens vermieden und die gungserzeuger heute schon dazu geführt, die
Lebensdauer der Röhre wesentlich gesteigert, so Vorgänge in den Röhrensendern nach allen
daß jetzt schon mit solchen von 500 bis 1000 Richtungen hin zu analysieren und vorauszu-
Stunden gerechnet werden kann. Die Anwen- berechnen. Ein ähnlicher Grad der Aufklärung
dung des Wechselstroms in Verbindung mit der theoretischen Grundlagen ist selbst auf
Hochspannungs-Gleichrichtern bietet außerdem dem Gebiete der Funkenerregung heute noch
noch ein sehr wichtiges Mittel, um die für große nicht erreicht worden.
Energien nötige hohe Anodenspannung Bei großen Leistungen kommt der Vorteil
herzustellen, und ferner bietet dieses Verfah- auch recht wesentlich in Betracht, daß das
ren die Möglichkeit, die Stromanlagen alter Tasten der Kathodenröhrensender ebenso wie
Funkenstationen beim Uebergang zu ungedämpf- bei Funkensendern in einfachster Weise
ten Schwingungen verwerten zu können. Der zwischen Vollast und Leer durchgeführt wer-
Wellenbereich erstreckt sich von einigen weni- den kann, so daß die mittlere Leistung beim
gen Schwingungen pro Sekunde durch die ganze Telegraphieren weit unter der Leistung beim
Skala der üblichen Hochfrequenzschwingungen Strich zurückbleibt. Für Schnelltelegraphie ist
hindurch, bis zu vielen Millionen pro Sekunde, diese Art des Tastens mit keinerlei Schwierig-
d. h. bis zu solchen Schwingungen, die für keiten verbunden.
Hertzsche Spiegelanordnungen noch ausgenutzt Ebenso leicht, wie bei der Hochfrequenz-
werden können. Welch' große Bedeutung die maschine, läßt sich auch hier dem Hochfre-
absolute Konstanz der Schwingungszahlen für quenzstrom eine Tonfrequenz überlagern und
die modernen Empfänger mit sich bringt, ist deren Periodenzahl in weiten Grenzen ändern,
oben bereits erörtert worden. so daß auch Röhrensender als tönende Sender
Die bisher größten Leistungen für eine ein- herstellbar sind. Gerade bei Wechselstrom-
zelne Röhre, deren Volumen durch die Glas- speisung ergibt sich diese Möglichkeit in einfach-
technik begrenzt ist, bewegen sich zwischen ster Weise durch Fortlassen des Gleichrichters.
4 und 5 kW. Trotzdem ist, wie die auch in den Ebenso wie bei der Maschine, ist es daher auch
Fachzeitschriften veröffentlichten amerikani- hier leicht, die Sender für Telephoniezwecke
schen Versuche von Washington nach dem zu benutzen, und zwar am zweckmäßigsten in
Eiffelturm gezeigt haben, und wie es durch der Weise, daß die Sprechenergie möglichst
weitere systematische Versuche bei der Gesell- direkt dem Gitter zugeführt wird.
schaft für drahtlose Telegraphie (Telefunken) Wir haben gesehen, daß jeder der verschie-
bestätigt worden ist, möglich, eine große An- denen Sender seine Vorzüge und seine Nach-
zahl von Röhren parallel zu schalten und so teile hat, so daß es auf den ersten Blick schwie-
eine Gesamtleistung zu erhalten, die gleich der rig erscheinen möchte, die richtige Wahl zu
Summe der Einzelleistungen der Röhren ist. treffen. Dies ist aber nur scheinbar, denn in
Allerdings mußte, um eine Zahl von 10, 20 Wirklichkeit, wenn es sich darum handelt, eine
oder mehr Röhren zu einer stabilen Parallel- bestimmte Aufgabe bei höchster Oekonomie zu
schaltung zu bringen, eine Reihe von Bedingun- lösen, wird kaum ein Zweifel darüber sein,
gen erfüllt werden, sowohl was die Ausgestal- welcher Methode man den Vorzug zu geben hat.
tung der einzelnen Röhre anbetrifft, wie auch Für Großstationen, die nicht militärischen
die Art ihres Zusammenbaues. Aber die Zwecken dienen, sondern sich durch die Tele-
Parallelschaltung ist heute möglich und auch grammeinnahmen rentieren sollen, ist dasjenige
ökonomisch vorteilhaft, weil ja bekanntlich der Verfahren anzuwenden, das bei geringstem
Wirkungsgrad der Röhre im Gegensatz zum Stromverbrauch die geringsten Betriebsstörun-
Wirkungsgrad von Maschinen und ähnlichen gen und daher die größtmögliche Ausnutzung
Einrichtungen nicht mit zunehmender Leistung für Schnelltelegraphie ermöglicht. Dies ist ohne
immer günstiger wird, sondern im wesentlichen jeden Zweifel die Maschine. Also wird die
konstant bleibt und etwa 50 Prozent beträgt. Maschine überall dort, wo es auf Schnell-
Die sehr konstanten Verhältnisse der Röhre telegraphie bei täglich über lange Zeiträume
und der Umstand, daß bei jeder Schaltung Ver- fortlaufenden Betrieb ankommt, und wo die
änderungen im Wellenbereich nach allen Rich- Wellenlängen groß sind (größer als 3—4 km),
tungen hin vorgenommen werden können, ha- die zweckmäßigste Erzeugungsmethode sein, d.
ben es mit sich gebracht, daß die physikalischen h., für alle kommerziellen Zwecke bei Ent-
Einzelgrößen sowohl bei der kompletten Schal- fernungen von 3000 und mehr Kilometern. Die

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 19

Bogenlampe wird die Maschine dann ersetzen, bis zu 2000 und 3000 km erweist sich bei Tele-
wenn geringere Forderungen an die Telegra- graphie heute schon die Röhre wegen ihres
phierleistungen gestellt werden, so daß häufige störungsfreien Arbeitens und wegen der weit-
kurze Unterbrechungen, vorübergehende Wel- gehenden Ausnutzung ihrer ganz konstanten
lenschwankungen und dergl. für die Rentabili- Strahlung durch die modernen Empfänger als
tät nicht ins Gewicht fallen. den andern Methoden überlegen. Der hiernach
Für den Nachrichtenaustausch bei kleinen der Bogenlampe verbleibende Bereich zwischen
und mittleren Entfernungen, insbesondere mit- Maschine und Röhre wird in dem Maße mehr
tels Telephonie, beherrscht heute schon die der Bogenlampe reserviert sein, je geringer die
Röhre fast ausschließlich das Feld. Aber auch Stationsdichte ist und je weniger hohe Wort-
für größere Entfernungen von einigen hundert leistungen gefordert werden.

Bild 7. Ansicht der Großstation Nauen um 1918

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Seite 20 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Bild 8. Nauen im Frühjahr 1912

So ward Nauen
Von E. Quäck

Die Geschichte der heute größten und Eine schwierige Frage bildete die Gelände-
leistungsfähigsten drahtlosen Station der Welt beschaffung. Die Anlage sollte nicht zu weit
schreiben, heißt zu gleicher Zeit einen Ein- von Berlin liegen, in dessen Umgebung die
blick in die Entwicklung ihrer Schöpferin, der Bodenpreise sehr hoch waren. Ein glücklicher
Gesellschaft für drahtlose Telegraphie, geben. Umstand kam der Gesellschaft zu Hilfe.
Innig verknüpft ist das technische Werden Im havelländischen Luch, etwa 4 km von
Nauens mit dem Telefunkens von Anbeginn der Bahnstation Nauen an der Strecke Ber-
gewesen und geblieben. Alle in emsiger und lin-Wittenberge-Hamburg, stellte der Fidei-
rastloser Arbeit in den Laboratorien gewon- kommisbesitzer Stoltze auf Neukammer gegen
nenen Erfindungen und Erfahrungen wurden geringe Pacht das notwendige gut geeignete
in stark vergrößertem Maßstabe auf der ur- Wiesengelände aus Interesse für die gute
sprünglich als reine Versuchsanlage gedach- Sache zur Verfügung.
ten Station Nauen in Bezug auf ihre Bedeu- Das war ausschlaggebend für die Wahl des
tung und Brauchbarkeit für den Fernverkehr Platzes, denn billiger konnte kaum ein so
erprobt. großes Gelände von 30 bis 40 000 qm Fläche
Es bleibt ein unvergängliches Verdienst der in verhältnismäßig guter Lage erhalten werden.
beiden Delegierten des Aufsichtsrates von Te- So kam die heute weltbekannte drahtlose
lefunken, Direktor Dr. Franke von Siemens Station in die Nähe der märkischen Kreisstadt
und Halske und Kommerzienrat Mamroth von Nauen und erhielt deren Namen.
der AEG, daß sie im Jahre 1906 auf Vor- Um die Gesamtentwicklung der Anlage
schlag der Telefunken-Direktion, des Grafen von ihrer ursprünglichen bis zur heutigen Ge-
Arco und des inzwischen verstorbenen kauf- stalt zu beschreiben, erscheint die Gliederung
männischen Leiters Bargmann, die Genehmi- in folgende Zeitabschnitte zweckmäßig:
gung zu dieser kostspieligen, für die damalige 1. Abschnitt: 1906—1909 Anlage nach dem
Zeit als „Riesenstation“ zu bezeichnenden Ver- Knallfunkensystem mit rd. 10 kW An-
suchsanlage erteilten. Die hierfür notwendi- tennenleistung.
gen Mittel mußten einzig und allein dem nicht 2. Abschnitt: 1909—1911 Anlage nach dem tö-
sehr beliebten Konto „Unkosten“ aufgebürdet nenden Löschfunkensystem mit rd. 25
werden. Auf finanzielle Unterstützung von bezw. 35 kW Antennenleistung.
anderer Seite war nicht zu rechnen; von Sei- 3. Abschnitt: 1911—1916
ten der Behörden war sie nur platonischer a. Anlage nach dem tönenden Lösch-
Art. Aber durchdrungen von der Erkenntnis, funkensystem mit rd. 80 bezw.
daß für die Entwicklung des drahtlosen Fern- 100 kW Antennenleistung.
verkehrs Opfer gebracht werden müßten, ent- b. Anlage mit dem Hochfrequenzma-
schlossen sich die genannten maßgebenden schinensystem mit rd. 100 kW An-
Herren zu dem Bau. tennenleistung.

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Abb. 3. Knallfunken-Senderanlage

Abb. 5. Mastfuß

Abb. 1. Station Nauen 1906


nla ge Abb. 4
. Krafta . Empf
Abb. 2 ängerti
sch

Tafel 1. Abschnitt 1906 bis 1909


lage Abb. 3
ran .
Sende Empfa
nende ngsanla
Abb . 2. Tö ge

Abb. 1. Station Nauen 1909

Abb. 4. Empfangs-Versuchsanlage in Togo Abb. 5. Empfangs-Versuchsanlage in Togo


Tafel 2. Abschnitt 1909 bis 1911
Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 21

4. Abschnitt: 1916 bis heute Anlage mit Hoch- Drosselspulen und 6 offene Hochspannungs-
frequenzmaschinensendern für 400 transformatoren, Induktoren genannt, geleitet
kW und 150 kW. und mit ihrer Hilfe auf etwa 150000 Volt
In Nachfolgendem soll nur kurz auf die transformiert. Mit diesem hochgespannten
vergangenen Zeiten eingegangen werden, da an Strom wurde ein Kondensator von rund
anderer Stelle die technischen Einzelheiten 400000 cm Kapazität, der aus 360 großen Ley-
und wichtigsten Begebenheiten erschöpfend dener Flaschen in entsprechender Schaltung
behandelt werden. bestand, geladen. Diese Flaschenbatterie ent-
lud sich über eine große Zinkfunkenstrecke
Der Abschnitt 1906—1909.
mit ohrenbetäubendem Geknatter. Zur Ab-
Das Zeitalter des Knallfunkens. Wer er- stimmung im Primärkreis und zur galvani-
innert sich nicht mehr des geräuschvollen Ar- schen Kopplung mit der Antenne diente eine
beitens der Station nach diesem System? Mit große Selbstinduktionsspule aus versilbertem
heftigem Geknalle gingen faustdicke Funken Rohr. Die sehr interessanten Versuche zur
zwischen den mächtigen Zinkfunkentellern elektrischen Bemessung des Senders führte
über, mit denen der Sender ausgestattet war. Schreiber dieses unter Leitung des Laborato-
Im Takte der Morsezeichen war der Funken- riums-Chefs R. Rendahl von Telefunken im
übergang dem Wanderer auf weite Entfernun- Herbst 1905 auf der kleinen Versuchsstation
gen hörbar. auf dem Dache der Berliner Elektrizitäts-
Unter Leitung des Dipl.-Ing. R. Hirsch war werke zu Oberschöneweide aus.
der Bau der Station 1906 beendigt worden,
eine Gesamtansicht gibt uns Tafel I, Abb. l. Die Empfangsanordnung war sehr einfach
Der Antennenträger für die Schirmantenne (Tafel l, Abb. 4). Auf einem pultförmigen
(Tafel 5, Abb. l) — ein 100 m Eisengittermast Tisch befanden sich die Geräte für Hör- und
— war in seinen Abmessungen noch etwas Schreib- (Fritter-) Empfang.
massig geraten; wie dünne Nadeln nehmen Diese erste Anlage hat ihren Zweck, neue
sich gegen ihn die später entstandenen viel Schaltungen, Maschinen und Geräte für den
höheren Brüder aus, über die in besonderer Fernverkehr unter wirklichen Betriebsverhält-
Abhandlung von ihrem Schöpfer, dem Ober- nissen zu erproben, voll erfüllt. Außerdem
ingenieur Bräckerbohm der Hein, Lehmann & wurden eingehende Messungen, besonders zur
Co. A. G. berichtet wird. Auch die Isolation Klärung der Kopplungs- und Dämpfungsver-
des Turmes am Fuße hältnisses, vorgenom-
und in den Abspannun- men, Manches war
gen war noch nicht damals noch dunkel
restlos gelöst. und oft mußte der
Am Fuße des Mastes sogenannte „drahtlose
steht ein einfaches sechste Sinn“ aus-
zweistöckiges Fach- helfen.
werkhäuschen, das bis Reichweitenver-
zum heutigen Tage suche, die mit Schif-
treue Dienste geleistet fen vorgenommen
hat. wurden, vornehmlich
In seinem Innern in Richtung nach Süd-
barg es als Kraftan- Amerika, ergaben eine
lage (Tafel l, Abb. 2) gute Nachrichtenüber-
eine 35 PS Lokomo- mittlung bis Tene-
bile, die einen Wech- riffa auf rd. 3600 km.
selstrom - Generator Die Station erregte
von 50 kW Leistung das größte Interesse
bei 500 Volt Spannung der Wissenschaftler
und 75 Perioden mit- und der Behörden
telst Riemen antrieb. aller Länder. In dem
Der von dem Gene- hier behandelten Zeit-
rator erzeugte Wech- abschnitt wurde sie
selstrom wurde im von mehr als 10000
Senderraum im oberen Personen besichtigt.
Stockwerk (Taf. 1, Fast alle Regierungen
Abb. 3) durch einige Bild 9. Der umgefallene Turm (1912) der Welt hatten Son-

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Seite 22 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

der-Ausschüsse zum Studium der Einrichtun- Die Erfolge mit dieser Senderanlage waren
gen entsandt. Als bemerkenswertes Ereignis geradezu überraschend.
mag noch der Besuch des zweiten internatio- Systematisch durchgeführte Reichweiten-
nalen funkentelegraphischen Kongresses er- versuche mit dem eigens zu diesem Zwecke
wähnt werden, der 1906 in Berlin tagte. ausgerüsteten großen Frachtdampfer „Bos-
nia“ ergaben eine gute Übertragung bis auf
Der Abschnitt 1909—1911. eine Entfernung von 5000 km.
In den Jahren 1906—1907 war durch die Das Eis war gebrochen: Mit Hilfe des
Poulsen'sche Methode zur Erzeugung unge- Reiches wurden nunmehr Empfangsversuche
dämpfter Schwingungen eine große Bewegung in Togo durchgeführt, um die Grundlagen für
in die drahtlose Technik gekommen. Die viel- eine funkentelegraphische Verbindung Nauens
fach vorausgesagte Verdrängung der Funken- mit Togo und weiter von Togo nach Windhuk
methode durch die Bogenlampensender trat zu schaffen. Diese Versuche verliefen so zu-
jedoch nicht ein. Im Gegenteil. Ein gewal- friedenstellend, daß dieser Plan feste Gestalt
tiger Anstoß zur besseren Ausgestaltung der annahm.
Funkensender durch die Wien'sche Entdeckung Zu seiner Ausführung mußte zu einem völ-
der Stoßfunkenerregung war die Folge der lig neuen Hausbau geschritten werden, wie er
Einführung einer größeren Anzahl unbrauch- im folgenden Abschnitt geschildert wird.
barer Bogenlampensender. Nach zweijähriger Während dieses Neubaues kam der Sen-
angestrengter Laboratoriumsarbeit war es Te- debetrieb in Nauen zur Ruhe,
lefunken gelungen, die erste tönende Lösch- Der vorstehend beschriebene Sender fand
funkenstation mit l kW Antennenenergie fer- ein neues Heim in Sayville auf Long Island
tigzustellen. Diese Station, auf einem Han- bei New York, wo die mit Telefunken in Ver-
delsschiff eingebaut, erregte die Bewunderung bindung stehende Atlantic Communication Co.
aller übrigen Stationen, die Gelegenheit hat- eine große Küstenstation errichtete. Ing. van
ten, die konstanten und reinen tönenden der Woude, der die erste große tönende An-
Zeichen dieses Senders zu hören. lage in Nauen eingebaut hatte, erhielt die Auf-
gabe, sie auch in Sayville aufzustellen,
Was lag näher, als die großen Vorzüge Diese Station hat besonders im Laufe des
dieses Systems so schnell wie möglich mit ersten Kriegsjahres gute Dienste im Verkehr
großer Leistung in Nauen zu verwenden? mit Nauen geleistet.
Der gewaltige Aufstieg Telefunkens setzte
mit Einführung des tönenden Löschfunken- Der Abschnitt 1911—1916-
systems ein und mit ihm auch die rasche Ent- Die Aufgabe, die Telefunken sich nach dem
wicklung der Nauenstation. Der Uebergang Ergebnis der Versuche gestellt hatte, um die
von einer Versuchsstation in eine immer mehr Verbindung mit Togo zu sichern, war die Er-
betriebsbrauchbare Verkehrsstation war damit richtung einer tönenden Löschfunkenanlage
angebahnt. für 100 kW Antennenleistung,
Verfolgen wir die Vorgänge einzeln. Um recht rasch eine Antenne von weit
Zur Aufstellung der neuen Senderanlage größerer wirksamer Höhe, wie bisher, und mit
wurde durch einige Vergrößerungen des Sta- der nötigen Kapazität herzustellen, wurde be-
tionshauses Platz geschaffen. In den Räumen schlossen, auf den kräftigen vorhandenen
des Erdgeschosses wurde der tönende Sender 100 m Eisengittermast noch einen weiteren von
(Tafel 2, Abb. 2) eingebaut, im benachbarten 100 m aufzusetzen und an diesem nunmehr
Zimmer die Empfangsanlage (Tafel 2, Abb. 3) 200 m hohen Träger eine mächtige Schirman-
derart, daß der Telegraphist durch das tenne zu befestigen.
Fenster das Arbeiten des Senders beobachten Allein bereits im Frühjahr 1912, noch be-
konnte. vor die Inbetriebnahme der fast fertiggestell-
Als Kraftquelle diente die Lokomobile; der ten neuen Senderanlage stattfand, stürzte bei
Wechselstromgenerator wurde durch eine einem Sturm der obere Teil des Turmes ab,
Gleichstromdynamo ersetzt und in einem An- durchschlug die Halteseile des unteren Tur-
bau eine Akkumulatorenbatterie als Reserve mes und brachte auch diesen zu Fall. Sta-
untergebracht. Durch Parallelarbeiten beider tionsgebäude und Menschen blieben wie durch
konnten mit dem Sender ohne Schwierigkeit ein Wunder unbeschädigt,
35 kW in der Antenne erzielt werden. Telefunken entschloß sich für die in Aus-
Die wirksame Höhe der Antenne (Tafel 5, sicht genommene Verbindung mit der Gegen-
Abb. 2) war durch Aufstellung von 12 Hilfs- station in Togo von dem Wiederaufbau einer
masten von 30 m Höhe verbessert worden. Schirmantenne abzusehen.

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Abb. 3. Senderraum

Abb. 2. Maschinenhalle Abb. 4. Empfängerraum

Abb. 1. Altes und neues Betriebsgebäude

Tafel 3. Abschnitt 1911 bis 1916


Abb. 5.
Ausleger-
Abb. 3. Türme
Antennen- der B-
ein Antenne
führung
Abb. 4. Fuß des
260-m-Mastes

Abb. 1. Der erste Spatenstich Abb. 2. Abspannturm der B-Antenne

Tafel 4. Abschnitt 1916 bis heute


Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 23

Bild 10. Baustadium der Großstation Nauen, Juni 1917

Es wurde eine L-Antenne mit bevorzugter liefert, besteht aus einem 300 PS Gleichstrom-
Strahlung nach bestimmter Richtung geschaf- motor und einem Wechselstromgenerator für
fen, deren Längsachse in die Richtung nach 250 kVA. (Taf. 3, Abb. 2). Der wichtigste und
Togo gelegt wurde. (Tafel 5, Abb. 3). Von interessanteste Teil der neuen Anlage dient
einer besonderen Kraft-Erzeugungs - Anlage der Erzeugung der Hochfrequenzenergie. Er
konnte abgesehen werden, weil ein Netzan- ist in einer auch für das Auge angenehmen
schluß an die Brandenburgischen Kreis-Elek- Aufmachung in einem großen Saale unterge-
trizitätswerke in Spandau ermöglicht werden bracht (Tafel 3, Abb. 3).
konnte. Hier wird der 475-periodige Wechselstrom
Es entstand nun ein neues Betriebsgebäude von 1000 Volt durch einen großen Transforma-
(Tafel 3, Abb. l), in Backsteinmauerwerk aus- tor auf 75000 bis 100000 Volt umgewandelt.
geführt, das sich gegen das vorhandene schon Die Kondensatorbatterie besteht nicht
in seinen Abmessungen stark abhob. mehr aus Flaschen, sondern aus besonderen
Dieses Gebäude, das später in dem großen technischen Oelkondensatoren in Eisenkästen.
Erweiterungsbau mit eingeschlossen wurde, Die Funkenstrecken sind in vier Gestellen
enthält einen Maschinensaal. Hier wird einer in Tischform untergebracht; beim regelmäßigen
Schaltkammer der Netzstrom von 15000 Volt Betrieb werden nur 75 Funkenstrecken einge-
und 50 Perioden (Drehstrom) zugeführt und schaltet. Die übrigen bilden teils die Be-
zwar von der Geländegrenze aus auf etwa triebsreserve, teils dienen sie zur Steuerung
400 m durch Kabel. Der Netzstrom wird auf des Funkeneinsatzes.
130 Volt herabtransformiert und durch zwei In hohen Gestellen sind die Selbstinduk-
Satz Einanker-Umformer in 220 Volt tionen untergebracht, deren Veränderung von
Gleichstrom umgewandelt. Die ganze Anlage einer Zentralstelle aus möglich ist. Die Wel-
ist für 300—350 kW Leistung eingerichtet. lenlänge ist zwischen 3000 und 7000 m stufen-
Der Umformer, der den 475-periodigen weise veränderlich. Das Tasten geschieht
Wechselstrommotor für den tönenden Sender durch große luftgekühlte Tastrelais mit Se-

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Seite 24 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

rienkontakten, die den primären Wechsel- Der Sender wurde, damit nicht zuviel Zeit
strom öffnen und schließen. Der Funkenüber- verstrich, im alten Häuschen aufgebaut; es
gang erfolgt trotz der gewaltigen Energie ge- war ein Glück, daß diese Senderanordnung bei
genüber der Knallfunkenanlage fast geräusch- Kriegsbeginn bereits betriebsfähig arbeitete,
los, dröhnend klopfen aber jetzt die Relais, Im Verkehr mit Sayville leistete sie große
die bald den Namen der „Nauener Hämmer“ Dienste.
erhielten. Der Empfangsraum (Tafel 3, Abb. 4) Die Maschine hatte als Erstausführung noch
erhielt bereits eine umfangreiche Ausrüstung. gewisse Mängel. Telefunken beschleunigte des-
Der Erfolg blieb nicht aus: die Antennen- halb den Bau einer weit größeren, technisch
energie von 80 bis 100 kW wurde erreicht. besser durchgebildeten Maschinentype.
Ein großes Verdienst um die elektrische Be- Große Aufgaben mußte Nauen übernehmen,
messung der Anlage haben sich die Herren Dr. als es am ersten Kriegstage der Leitung des
Meissner und Dipl.-Ing. Rosenbaum erworben, Admiralstabes unterstellt wurde. Die ersten
während den Bau und die Durchführung der Monate war Direktor Solft von Telefunken als
Betriebsversuche Obering. Tauber und Ing. Hauptmann der Nachrichtentruppen militä-
Neumann, der langjährige Stationsleiter, er- rischer Kommandeur der Station. Abgeschnit-
folgreich beendeten. Die technische Leitung ten von aller Well war Deutschland, insbeson-
lag in den Händen des jetzigen Direktors von dere nach Wegnahme seiner Kabel. Von der
Telefunken Dr. Ing. Schapira. Betriebssicherheit und Telegraphierleistung
Die Verkehrsversuche gemäß den mit dem Nauens hing unendlich viel ab, sowohl für die
Reichspostamt vereinbarten Bedingungen nach allgemeine Kriegführung, wie für den Verkehr
Togo verliefen zufriedenstellend. Das große nach Uebersee. Was Nauen in dieser Richt-
Risiko, das Telefunken mit dem Bau dieser ung geleistet hat, wird in anderen Artikeln
Verkehrslinie übernommen hatte, war besei- ausführlich gewürdigt. Mit den Leistungen
tigt — leider machte der Krieg dem gerade wuchsen die Ansprüche, die Telefunken durch
aufgenommenen gegenseitigen Verkehr ein immer neue Verbesserungen zu erfüllen bemüht
jähes Ende. blieb. So entstand während des Weltkrieges
Die tönende Station, wie vorstehend be- die Station in ihrer jetzigen Gestalt.
schrieben, besteht heute noch und dient haupt- Oberingenieur Dornig allen voran sorgte für
sächlich der Abgabe von Zeit- und Wetter- die rasche Entwicklung neuer Maschinensender
signalen sowie Presseberichten. Während des von immer größeren, früher fast für unmöglich
Krieges lagen ihr wichtige Sonderaufgaben ob. gehaltenen Hochfrequenzleistungen. Dabei
In die hier erwähnten Zeitabschnitte fal- mußten in kaum glaublich kurzer Zeit alle
len wichtige Versuche, die Telefunken erst- technischen Schwierigkeiten überwunden wer-
mals mit dem neuen Hochfrequenzmaschinen- den und niemals durfte der Betrieb darunter
System des Grafen Arco anstellte. Mit einer leiden. So feierte unter Leitung seines Schöp-
kleinen derartigen Anlage wurden Versuche fers, des Grafen Arco, das System der Hoch-
mit drahtloser Telephonie auf größere Entfer- frequenzmaschine mit Vervielfachung in ru-
nungen durchgeführt. Bei 6 kW in der An- henden Transformatoren in der praktischen
tenne erhielt man eine gute Gesprächsüber- Ausführung glänzende Erfolge und bildete das
tragung im Juni 1913 mit Wien auf 600 km, Mittel zur Durchbrechung des um Deutsch-
Als Rekordleistung möge noch erwähnt land gezogenen Ringes der Isolierung.
werden, daß ab 12. Juli 1913 mehrere Tage Am 7. Juni 1915 wurde die neue große
hindurch mit der gleichen kleinen Hochfre- Maschine in Betrieb genommen und durch
quenzmaschine Telegrammtext nach Sayville Verstärkung der Frequenztransformatoren die
auf 6400 km gegeben und dort gut aufgenommen Antennenleistung verdoppelt, also auf 200 kW
wurde. Diese Versuche ermutigten Telefunken gebracht.
zur Aufstellung einer größeren Hochfrequenz- Die Maschine hatte auf der Generatorseite
maschinenanlage, und zwar für eine Antennen- eine Leistung von ca. 500 kVA bei einer
leistung von etwa 100 kW. Grundperiode von 6000, Sie wurde also nur
Die hierzu gebaute Hochfrequenzmaschine teilweise ausgenutzt; eine weitere Steigerung
fand in dem Maschinensaal der tönenden Sta- der Antennenleistung war jedoch durch die
tion ihren Platz. Der Generator hatte eine elektrischen Abmessungen des Senders und
Leistung von ca. 150 kVA bei einer Grund- vor allem durch die nicht mehr ausreichende
periode von 8000, der Antrieb geschah durch Antennenkapazitat zunächst begrenzt. Die
einen direkt gekuppelten Drehstrommotor. volle Ausnutzung war ihr noch vorbehalten.

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 25

Diese Maschine hat von ihrer Inbetrieb- Der Abschnitt 1916 bis heute.
nahme, Juni 1915, bis zur Beendigung des So fanden im Frühjahr 1916 die Pläne, die
Krieges täglich während 20 Stunden Betriebs- zur Erfüllung dieser Aufgabe vom Verfasser in
zeit ohne jede Betriebsstörung gearbeitet. gemeinsamer Arbeit mit Oberingenieur Dornig
Ueber die Wortleistungen von Nauen wäh- aufgestellt waren, die Billigung der Geschäfts-
rend des Weltkrieges gibt ein Schaubild leitung und des Aufsichtsrats von Telefunken.
(Tafel 5, Abb. 5) einen kurzen Hinweis; es Ihre Ausführung wurde möglich, als das Reich
zeigt, wie die Fortschritte von Jahr zu Jahr in Erkenntnis der großen Wichtigkeit für
gewachsen sind. Deutschland eine finanzielle Unterstützung in
Arbeitete so auch die Verbindung Nauen- Aussicht stellte. Die schwierige Finanzierung
Sayville seit 1915 zufriedenstellend, so erga- des Baues übernahm der jetzige kaufmänni-
ben sich doch an bestimmten Tagen und Mo- sche Direktor von Telefunken, Herr Ulfers.
naten Ausfälle an der Wortleistung, was auf Die Pläne gipfelten in der Herstellung einer
sich ändernde Uebertragungsverhältnisse zu- Maschinensender-Anlage für 400 kW Anten-
rückzuführen ist. Um diese auszugleichen und nenleistung und einer solchen für 150 kW,
um für die kommende Friedenszeit eine kon- die die bisherige, etwas provisorisch herge-
stante möglichst hohe Wortleistung an jedem stellte, ersetzen sollte.
Tag und zu jeder Jahreszeit zu erzielen, mußte Ein neues Gebäude entstand, das auch das
an eine weitere Verstärkung der Station ge- Betriebsgebäude des bisherigen tönenden Sen-
dacht werden. Aber nicht allein aus diesem ders umschloß. An anderer Stelle wird dieses
Grunde! Bauwerk von seinem Erbauer und Architekten,
Längst hatte der damalige Direktor von Herrn Geheimen Regierungsrat Muthesius,
Telefunken, Hans Bredow, jetzt Ministerial- näher beschrieben.
direktor im Reichspost-Ministerium, erkannt, Für die große Senderleistung mußte eine
daß Nauen als Zentrale für den drahtlosen Antenne von einer Kapazität von rd. 30000 cm
Nachrichtenverkehr mit Uebersee und zwar mit großer wirksamer Höhe geschaffen wer-
mit den fernsten wichtigen Ländern ausgebaut den. Unter Benutzung der Mäste der bis-
werden müsse. Seiner Initiative ist es zu dan- herigen Antenne (Tafel 5, Abb. 3) entstand
ken, daß es gelang, die maßgebenden Stellen durch Hinzufügung eines weiteren 260 m
von der unbedingten Notwendigkeit eines hohen Mastes und zweier 120 m Türme die
großzügigen Ausbaues zu überzeugen. sogenannte A-Antenne (Tafel 5, Abb. 4).

Bild 11. Das Stationshaus, August 1918

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Seite 26 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Senkrecht dazu wurde für den zweiten Sen- Verbesserungen mancher Art wurden noch
der die B-Antenne (Tafel 5, Abb. 5) in Form durchgeführt. So ist der Schnellsende- und
einer Dreieck-Antenne errichtet. Bei Würdi- Empfangsbetrieb auf große Entfernungen bei
gung des hier Geschaffenen gebührt es sich, einer Wortgeschwindigkeit von 75 Worten in
der unglaublich großen Schwierigkeiten des der Minute sichergestellt, wodurch die draht-
Baues (unter Leitung des Ingenieurs Rabes) zu lose Fernübermittlung dem Kabelbetrieb in
gedenken, der durchgeführt werden mußte, gewisser Hinsicht überlegen sein wird. Nach
ohne daß der so hochwichtige Sendebetrieb Einführung des Empfanges mit der Braun-
eine Störung erfuhr. Die leider immer miß- schen Rahmenantenne ist der Duplexverkehr
licher werdenden Arbeits- und Materialver- und durch die Wunder der Verstärkereinrich-

Bild 12. Provisorische Maschinensender-Anlage


(1918)

hältnisse haben die Fertigstellung außer- tungen der Schreibempfang, auch mit Typen-
ordentlich verzögert und die Kosten naturge- druckapparaten, ermöglicht worden. An der
mäß sehr erhöht. Verbesserung der Empfängerseite haben die
Herren Dr. Esau und Leib ihre großen Ver-
Ein provisorischer Sender, der 400 kW An-
dienste. Nicht vergessen wollen wir die Tä-
tennenleistung gab, hatte Aufbau in einem Hal-
lenbau am alten Haus gefunden und wurde tigkeit der Mutterfirmen von Telefunken, von
mit der A-Antenne am l. Februar 1918 in S & H und AEG, die bei der Herstellung des
Betrieb genommen. Der tönende Sender ar- größten Teiles der Maschinen und Geräte
beitete bereits seit 31. Mai 1917 mit der B- Nauens von Anbeginn mitgearbeitet haben
und größte Leistungsfähigkeit zeigten.
Antenne zu gleicher Zeit mit der großen.
Denjenigen allen, die das große Werk ge-
Während der Bauarbeiten zur Fertigstellung
fördert haben, sei hier der Dank Telefunkens
der A-Antenne wurde der Betrieb mit der vor-
zum Ausdruck gebracht.
her fertiggestellten B-Antenne durchgeführt.
Im April 1918 ging die Gesamtanlage
Auf 20 000 km wurde nach der Vergröße- Nauen, die nunmehr ein Gelände von 300 ha
rung Nauen in der von Telefunken 1912 in bedeckt, in den Besitz der neugegründetcn Be-
Neuseeland errichteten Station Awanui ge- triebsgesellschaft „Drahtloser Uebersee-Ver-
hört, nachdem es mit 400 kW arbeitete! In kehr, A. G.“ unter der Leitung der Herren
China, Mexiko, Niederländisch-Indien usw. Ulfers, Solff und Betz über. Möge die neue Be-
nahm man die Nachrichten von POZ, dem sitzerin nunmehr volkswirtschaftlich die Sta-
Rufnamen von Nauen, während des Krieges, tion zu dem Erfolge führen, den Telefunken
regelmäßig auf. ihr in technischer Hinsicht gesichert hat.

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 27

Bild 13

Nauen im Kriege
Von B. Schuchardt

Ihrer militärischen und allgemeinen Bedeu- baren Verkehrs zwischen Nauen und Windhuk
tung entsprechend wurde unsere Großfunk- empfindlich fühlbar. Nach den vorliegenden
spruchstelle Nauen am 31. Juli 1914 mobil- Nachrichten ist zwar Nauen in Deutsch-Süd-
machungsplanmäßig militärisch besetzt und in westafrika noch einigermaßen regelmäßig auf-
Bezug auf den Betrieb dem Admiralstab der genommen worden, die rückwärtige Verbin-
Marine unterstellt. Von Anfang an wurden ihr dung von Windhuk nach Nauen ließ jedoch
fest umgrenzte Aufgaben zugewiesen und zwar sehr zu wünschen übrig. Mit der Besetzung
zunächst folgende: Deutsch-Südwestafrikas hörte auch diese Ver-
1. Verkehr mit den deutschen Kolonien bindung auf und es blieb nur noch der Ver-
Togo, Deutsch-Südwest-Afrika und kehr mit Deutsch-Ostafrika, der zunächst über
Deutsch-Ost-Afrika, Muanza geleitet wurde. Da in dieser Kolonie
2. Marineverkehr, für die zu überbrückende Entfernung in Be-
3. Nachrichten und Pressedienst, tracht kommende Sendeanlagen nicht vorhan-
den waren, hat es sich von jeher nur um die
4. Verkehr mit Amerika.
einseitige Nachrichten - Uebermittlung nach
Die gegenseitige Verständigung mit Togo Deutsch-Ostafrika handeln können. Diese ist
war bis zur Besetzung dieser Kolonie durch aber auch noch nach der Einnahme von Muanza
die Engländer einwandfrei. Wenn auch für und Tabora einwandfrei und regelmäßig er-
Togo selbst nur wenig Telegramme zu beför- folgt. Dem Admiralstab ist es auf diese Weise
dern waren, so diente diese Stelle doch als möglich gewesen, eine ganze Reihe Telegramme
wichtige und, wie sich später herausstellte, un- an den Gouverneur und an den später im Ru-
entbehrliche Vermittlungsstelle für den Ver- fidji aufgelegten Kreuzer „Königsberg“ zu
kehr mit unsern Kriegsschiffen im Südatlan- übermitteln. Das war umso wertvoller, als,
tik und mit Deutsch-Südwestafrika. Als Bei- wie nunmehr wohl allgemein bekannt, den Ver-
spiel für Nauens Bedeutung als Vermittlungs- teidigern dieser Kolonie wiederholt Hilfe ge-
stelle möge angeführt sein, daß ein Funkspruch bracht werden mußte.
des Admiralstabes, der für einen Kreuzer be- Von Kriegsbeginn an hat die Groß-Funk-
stimmt war, innerhalb 10 Stunden auf dem spruchstelle Nauen ferner dazu dienen müssen,
Wege über Nauen, Togo, Windhuk zu diesem den Auslandskreuzern die Befehle der See-
gelangte. Mit der Besetzung Togos durch die kriegsleitung zu übermitteln. Auch für die in
Engländer fiel die Großfunkspruchstelle Ka- See befindlichen U-Boote wurden die Befehle,
mina, die rechtzeitig gesprengt werden konnte, Nachrichten und sonstigen Mitteilungen über
für die Vermittlung nach Deutsch-Südwest- die Großfunkspruchstelle Nauen geleitet, ein
afrika aus. Das machte sich sofort durch die Dienst, der sich für die U-Bootkriegführung
dürftigen Ergebnisse des nunmehr unmittel- als unentbehrlich erwiesen hat. Diese Nach-

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Seite 28 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

richtenübermittlung erfolgte mit dem Tonfun- daß auf den Kap-Verdischen Inseln regel-
kensender täglich zu bestimmt festgesetzten mäßige Abnahme dieses Dienstes seit langer
Zeiten, die allen Kreuzern und U-Booten be- Zeit erfolgte. Außer der Unterrichtung der
kannt waren, sodaß diese zum Nachrichten- neutralen Presse diente dieser Dienst zugleich
empfang rechtzeitig auftauchen konnten. Nach- der Information unserer Schutztruppe in
dem im Januar 1917 auf Veranlassung des Deutsch-Ostafrika und anderer Expeditionen.
Admiralstabes in Nauen auch eine Zeitsignal- Die steigende Bedeutung dieses Dienstes hat
einrichtung eingebaut wurde, wurden außer- im Laufe des Winters 1916-17 dazu geführt,
dem täglich zweimal mit dem Tonfunkensen- auch noch mittags einen ebensolchen, aber
der Zeitsignale gegeben, die allen auf See be- etwas kürzer gehaltenen Pressedienst einzu-
findlichen Schiffen die genaue Einstellung und richten, sodaß von da ab der neutralen Presse
Nachprüfung ihrer Chronometer zum Zwecke die neuesten Nachrichten in deutscher Be-
der Feststellung ihres Schiffsortes ermöglichen leuchtung zweimal täglich zugänglich gemacht
sollten. wurden.
Während im Frieden bereits von der Funk- Die mit der Kriegserklärung erfolgte Ab-
spruchstelle Norddeich aus ein im Reichs- schneidung Deutschlands von Uebersee ließ es

Bild 14. Militärbaracken in Nauen

marineamt redigierter Pressedienst zweimal bereits kurz nach Kriegsbeginn dringend er-
täglich ausgesandt wurde, wurde dieser Presse- wünscht erscheinen, auch der Oeffentlichkeit
dienst mit Beginn des Krieges der Großfunk- und unserm Wirtschaftsleben die Benutzung
spruchstelle Nauen übertragen und damit deren des Funkspruchs zur privaten Telegrammüber-
Wirkungskreis erheblich erweitert. Die Be- mittlung nach Amerika freizugeben. Diese
kämpfung dieses Pressedienstes durch die von Freigabe erfolgte bereits im Herbst 1914 durch
feindlichen Funkspruchstellen ausgehenden den Admiralstab. Es war selbstverständlich,
Mitteilungen (z, B. Poldhu, Eiffelturm, Lyon, daß in Anbetracht der besonderen Eigentüm-
Coltano usw.), wie auch die Aufnahme der so lichkeiten des Funkspruchs besondere Zensur-
in alle Welt ausgesandten Nachrichten in bestimmungen geschaffen werden mußten. Diese
fremden Zeitungen, bewiesen seine Wichtigkeit. Zensur ist beim Admiralstab ausgeübt worden,
Der Admiralstab der Marine beschloß da- bei dem alle ein- und ausgehenden Tele-
her im Winter 1915, eine erhebliche Erweite- gramme durchliefen. Während sich noch im
rung dieses Pressedienstes vorzunehmen. Seit Winter 1914-15 die von Nauen nach Amerika
jener Zeit wurde dieser unter dem Namen beförderten Privattelegramme nur auf wenige
Tausendwortedienst vom Auswärtigen Amt re- hundert Wörter beliefen, da ja der größere
digiert. Funkentechnisch ist er mit dem Teil der Leistung Nauens für die Uebermitt-
Tonfunkensender und einer verhältnismäßig lung von Pressenachrichten nach Amerika
niedrigen Welle ausgesandt worden, sodaß sich (dem sogenannten Transozeandienst) in An-
sein Wirkungskreis auf alle Empfangsanlagen spruch genommen wurde, wurden im Winter
innerhalb eines Reichweitenkreises von etwa 1916-17 durchschnittlich 150000 Wörter mo-
1000 Seemeilen erstreckte. Sicher ist bekannt, natlich nach Amerika befördert. Diese außer-

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 29

ordentliche Steigerung der Leistungsfähigkeit Aufgaben wurde ihr nunmehr noch die zwei-
Nauens war neben anderm darauf zurückzu- mal täglich erfolgende Abgabe des Heeres-
führen, daß im Juli 1915 durch die Inbetrieb- berichts, der nachmittags erfolgende Presse-
setzung einer neuen 500 kW-Hochfrequenz- dienst für die Schiffe der Kriegsmarine und
maschine eine erhebliche Steigerung der Sen- für die Truppen des Landheeres und schließ-
derenergie herbeigeführt wurde. Bemerkens- lich der gesamte Verkehr nach Spanien über-
wert an dieser Maschine ist, daß sie seit dem tragen. Nebeneinander wurden dann auf der
Juli 1915 täglich, fast könnte man sagen, un- Antenne „B“ der Tonfunkendienst, d. h. also
unterbrochen, gelaufen ist, ohne auch nur ein mittags und nachts Pressedienst des Auswär-
einziges Mal eine Störung zu erleiden. tigen Amts, nachmittags und abends Ausgabe
Die gesteigerte Sendeleistung Nauens, wie des Heeresberichts, nachmittags Pressedienst
auch gewisse Verbesserungen in den Emp- für die Schiffe und Truppen, mittags und
fangsanordnungen, ermöglichten es uns, im nachts Nachrichtenübermittlung an Kreuzer,
Sommer 1916 zum Schnellbetrieb im Verkehr U-Boote und Sonder-Expeditionen, mittags
mit Sayville überzugehen. Nur auf diese Weise und nachts Zeitsignale, in Einzelfällen Aus-
war es möglich, die sich immer umfangreicher gabe von Wetterberichten an Marineluft-
gestaltenden Anforderungen zu erfüllen; schiffe, Telegrammverkehr nach Madrid usw.
konnte doch nunmehr bis zu 250 Buchstaben und daneben auf der Antenne „A“ der unge-
in der Minute gesendet werden. dämpfte Verkehr, d. h, Nachrichtenübermitt-
Die Fertigstellung der neuen Antennenan- lung (sogen. Transozeandienst) an unsere
lage, die im Gegensatz zur früheren Anlage Empfangsanlagen nach Uebersee, also: Java,
2 von einander unabhängige Antennen „A und Buenos Aires, Mexiko und Curacao, abge-
B“ enthält, ermöglichte im Juli 1917, zum Dop- wickelt.
pelsendebetrieb, d. h. einem Betriebe, bei dem Der große Ausbau der Station Nauen hat
zu gleicher Zeit mit 2 verschiedenen Wellen ihre Leistungsfähigkeit natürlich gewaltig ge-
ganz verschiedene Nachrichten gesendet wer- steigert; und dadurch war es möglich, alle die
den, überzugehen. Mit diesem Zeitpunkte vielen Aufgaben der Behörden restlos und zur
konnte Nauen auch den gesamten Sendebetrieb vollen Zufriedenheit zu erfüllen, die Nauen im
der Funkspruchstelle Königswusterhausen Dienste der Landesverteidigung übertragen
übernehmen. Außer den vorher geschilderten worden sind.

Bild 15. Bau der Militärbaracken

Revolutionstage in Nauen
Von H. Neumann
Wie alle militärisch wichtigen Stellen und verstärken und schickte am 7. November einen
Betriebe, war natürlich auch die Großstation Maschinengewehrzug mit vier Gewehren nach
Nauen während des Krieges durch eine starke Nauen. Als dann am 9. November auch in
Wache geschützt. Als der scharfe re- Berlin die Revolution ausbrach, glaubte die
volutionäre Wind von Norden her über das Nauener Stationsbesatzung, daß auch die Station
deutsche Land fegte, hielt es die Gegenstand heißen Kampfes werden würde.
Militär - Behörde für notwendig, den Das Preußische Kriegsministerium
Schutz der überaus wichtigen Station noch zu gab den Befehl, keinen Widerstand zu

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leisten. Die Maschinengewehre wurden ab- ten Maschinengewehren hatten die Einfahrt zur
gebaut und die Schutzwache schmolz von Station besetzt. Den Grund zur Besetzung
Stunde zu Stunde zusammen. Es hielt die hatte einer der Zivilisten, der Maschinist
Leute nicht mehr im Waffenrock, den sie so- Schmelter, gegeben. Dieser veranlaßte die
lange widerwillig getragen, und einer nach dem Wahl eines provisorischen Soldatenrates und
andern verschwand. Am Abend des 9. Novem- verließ vormittag mit der Hälfte der Mann-
ber zogen nur noch 12 Mann auf Wache; aber schaft die Station. Jetzt ergriff auch die
auch sie stellten in vorgerückter Stunde die Funkerbesatzung das Revolutionsfieber. Die
Flinte beiseite, und selbst der Führer der Be- meisten wollten unverzüglich Urlaub haben,
satzung, ein Leutnant, verließ die Station. andere sofort entlassen werden, sodaß es un-

Bild 16. Faksimile des Ausweises für Herrn


Hilderscheid

Gegen 1½ Uhr nachts erwachte ich durch möglich war, den Betrieb der Station regel-
Autogerassel und Stimmengewirr, und eilte nur recht fortführen zu können. Erst die unge-
notdürftig bekleidet in den Senderraum der wöhnliche Maßnahme einer Schweineschlach-
Hochfrequenzstation. Ich erblickte dort 4 Zivi- tung und der Herrichtung eines opulenten Re-
listen und etwa 20 schwerbewaffnete „Solda- volutionsmahles vermochte bei der Besatzung
ten“, von denen einer, von der russischen Tele- wieder einigen Geschmack an der Tätigkeit
graphenagentur, sofort einen Funkspruch für in Nauen zu erwecken. Doch ehe es dazu
Moskau aufsetzte, der auf dem Fernschreiber kam, spannte eine neue Sensation die Nerven.
nach Königswusterhausen weitergegeben, aber Ein Panzerauto näherte sich in rasender Fahrt
von dort nicht gefunkt wurde. Weitere 20 der Station und hielt dort. Ein mit Selbst-
Mann und ein Personenwagen mit aufgebau- ladepistolen drohend gespickter Zivilist und
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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 31

ein Soldat entstiegen ihm und präsentierten Duchow. Schuchardt und Neumann begaben
Dokumente, nach denen sie die Leitung der sich zum Vollzugsrat, um ihre Ausweise zu
Station Nauen zu übernehmen hätten. Ihre erhalten und ließen sich von dem Volksbeauf-
Qualifikation war ihnen vom Berliner Revo- tragten Ebert die Uebernahme der Station
lutionsausschuß attestiert. Der neue tech- Nauen bestätigen. Der Abgeordnete Wolfgang
nische Leiter entpuppte sich bei näherem Zu- Heine wurde den beiden beigegeben, um
sehen als ein alter Bekannter, als der Mon- die bisherigen Leiter der Station, Rolle und
teur Rolle vom Telefunkenlaboratorium, wäh- Hilderscheid, davon zu überzeugen, daß die
rend der militärische Befehlshaber ein Feld- Station für den Arbeiter- und Soldatenrat
webel und früherer Filmschauspieler, Flieger gesichert sei. Herr Heine hielt im Kantinen-

Bild 17. Faksimile des Ausweises für Herrn Rolle

und Autofahrer namens Hilderscheid, genannt gebäude eine kurze Ansprache, die mit einem
Tollhaus, war. Rolle gab sogleich einen Funk- Hoch auf die sozialistische Republik schloß.
spruch auf: Um 8 Uhr abends verließen die Herren Rolle,
An Alle! Hilderscheid und Heine die Station und der
Funkengroßstation Nauen in Händen des Betrieb spielte sich seitdem wieder in ruhigen
Arbeiter- u. Soldatenrates, Station sende- und geordneten Bahnen ab.
klar Das erste offizielle Telegramm aber, das
Rolle-Hilderscheid. seit langem von Nauen nach Amerika ge-
Sodann wurde der Dienst eingeteilt. Am sendet wurde, war die vom Staatssekretär
nächsten Tage, dem 11, November, ließ Herr Solff unterzeichnete Note mit der Bitte um
Rolle den endgültigen Arbeiter- und Soldaten- Milderung der Waffenstillstandsbedingungen.
rat wählen. Für den Soldatenrat wurden ge- Schon nach einer Viertelstunde traf die Emp-
wählt: Schuchardt, Neumann, Schwager, Päss- fangsbestätigung des amerikanischen Staats-
ler, für den Arbeiterrat: Rabes, Wegner, sekretärs Lansing in Nauen ein.

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Seite 32 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Bild 18. Vorderansicht des neuen Stationshauses

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 33

Architektonisches über die Großstation Nauen


Von H. Muthesins
Den Architekten für Ingenieurbauten in gerade durch die Größe und Bedeutung, die
Anspruch zu nehmen ist erst in den letzten ihr heute zukommt, am lautesten nach der
Jahrzehnten üblich geworden. Die anfäng- guten künstlerischen Form.
liche Berufung bezog sich dabei auch meist Auch bei der Großstation Nauen konnte
nur auf Nebensachen, wie äußerlich an- der Architekt nicht von vornherein seinen
gesetzte Schmuckstücke, Ornamente, Innen- Einfluß geltend machen: die allgemeine An-
ausstattung von Räumen. Die Gestaltung des ordnung der Räume und selbst die Haupt-
Bauwerks als Ganzes hat man erst in neuester gesichtspunkte für den Aufbau der Massen
Zeit dem Architekten anzuvertrauen be- des Gebäudes waren schon festgelegt. Trotz-
gonnen und selbst in Fällen wo dies jetzt ge- dem ist es möglich gewesen, durch kleine Ver-
schieht, liegt meistens schon ein Entwurf des änderungen, Verlegungen, Beschneidungen und

Bild 19. Stationshaus, fast vollendet (1918)

Ingenieurbüros vor, der für den Architekten Hinzufügen das zu erreichen, was als erstre-
eine oft als drückend empfundene Bindung benswert angesehen wurde.
bedeutet. Das Ziel der Zusammenarbeit muß Die Anforderungen, die an das neue Ge-
sein, daß Architekt und Ingenieur schon von bäude gestellt wurden, gingen dahin, eine
der ersten Fassung des Gedankens an ihre Maschinenhalle für die großen Hochfrequenz-
Meinung austauschen; denn es kommt alles maschinen zu schaffen, ferner Standräume für
darauf an, eine zu gestaltende Baumasse nicht die Spulen und andere für den Betrieb not-
erst in eine Form geraten zu lassen, die nie- wendige Teile, Sende- und Empfängerräume,
mals den Ansprüchen auf ein gutes äußeres Verwaltungsräume usw. Ein Hauptgesichts-
Gesamtbild genügen kann. Geradeso wie die punkt war dabei, die bisherige tönende Sta-
Nützlichkeit, gehört die Schönheit zu den tion fortbestehen zu lassen und sie dem neuen
Grunderwägungen bei der gedanklichen Gebäude einzuverleiben. Diese Bestimmung
Schöpfung irgend eines sichtbaren Menschen- hatte, so nebensächlich sie auf den ersten
werkes. Das bezieht sich auf alles Gebaute, Blick erscheinen mag, eine eigentlich grund-
gleichgültig ob es Architekturwerk oder In- legende Bedeutung für die Gestaltung des
genieurwerk sei. Ja, die letztere Art ruft neuen Gebäudes. Denn der vorhandene Bau,

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Seite 34 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Bild 20. Die Haupthalle mit Blick auf die Schalttafel

der übrigens eine nicht zu unterschätzende ge- war nur dadurch zu erreichen, daß die Schalt-
schichtliche Bedeutung für die Entwicklung tafel rechtwinklig zur Haupteingangsrichtung
der Funkentelegraphie hat, konnte nicht von gestellt und in die Mitte der ganzen Halle
der Hauptmasse des neuen Gebäudes ver- gerückt wurde. Da sich die Breite der Haupt-
schlungen werden, sondern mußte sich dieser halle unter dem Maß von 36 m bewegte, blieb
äußerlich-seitlich anfügen. Bei einem voll- nichts anderes übrig, als die Schalttafel noch
ständig symmetrischen Aufbau der Gebäude- beiderseits in die zwei Querflügel hinüber-
masse, die doch für ein Bauwerk dieser Art ragen zu lassen. Die mächtige Schalttafel ist
das Gegebene ist, war dadurch ein Gegenstück ein Großbauwerk für sich; sie ist ganz in Mar-
von entsprechender Form und Größe auf der mor gebaut und hat eine Einrahmung aus
ändern Seite bedingt. Da nun die Massen des schwarzem Marmor, die sich in dem ge-
neuen Gebäudes viel größer und umfang- mauerten Traggestell der ganzen Anlage nach
reicher werden mußten als das alte Gebäude, oben und unten fortsetzt.
so konnte dieses und damit auch sein Wider- Eine weitere Bestimmung, die von vorn-
spiel nur als kleinerer Anhang auftreten. herein gegeben war, war der Einbau eines Um-
Beide Bauteile fügen sich in die einspringen- ganges um die ganze Halle in einer solchen
den Ecken der sich kreuzenden Haupt- Höhe, daß der beaufsichtigende Beamte von
gebäudezüge des Hauses ein, wobei sie we- hier aus einen Ueberblick über alle in der
sentlich niedriger liegen als dieses. Halle aufgestellten Maschinen und Geräte er-
Die Gestalt der großen Maschinenhalle des halten und in geschlossenem Rundgang an
Hauptgebäudes wurde wiederum wesentlich den Ausgangspunkt zurückkehren könne. Für
bestimmt von einer ändern durch den Ge- die ganze innere Anordnung der Dachbinder
brauch gegebenen Größe, nämlich einer 36 m und der damit gegebenen Form des Innen-
langen, gewaltigen Schalttafel. Sie sollte den raumes war dieser Wunsch ausschlaggebend.
Angelpunkt der ganzen Anlage bilden. Dies Die Halle mußte jetzt eine gewisse Höhe haben

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 35

und eine bestimmte werden. Auf diese Wiese


Wandausbildung erhal- ist in Nauen unter der
ten; auch wurde die eigentlichen Halle ein
Beleuchtungsfrage durch vollständiges Unter-
den Umgang wesentlich geschoß entstanden, in
beeinflußt. dem die Heizung, ver-
Was die Höhenlage schiedene Arbeitsräume,
der Halle anbetrifft, so Abstellräume für Ge-
stellte sich bald heraus, räte und Gebrauchs-
daß es erwünscht war, stoffe, Uebernachtungs-
unter ihrer ganzen Aus- zimmer für Beamte und
dehnung ein begehbares Handwerker und eine
Untergeschoß anzulegen, große Anzahl anderer
zumal auch schon die Räume untergebracht
flache sumpfige Boden- sind.
gestaltung zu einer Her- Der Besucher gelangt
aushebung des Hallen- vermittels einer er-
fußbodens zwang. In Bild 21. Erdgeschoß höhten Vorfahrt nach
Fällen, wo eine solche Durchschreitung eines
nötig ist, ist es aber immer ratsam, den Raum Windfanges in eine kleine gewölbte Vorhalle,
unter dem Fußboden auch wirklich nutzbar zu in der zur Seite auch Ablageräume angebracht
machen, denn es bieten sich tausend Gelegen- sind. Von hier aus wird er durch eine der
heiten, solche Untergeschoßräume für allerhand beiden seitlich sich anschließenden Treppen
Nebenzwecke, wie als Speicher, Werkstätten, sogleich ins Hauptgeschoß geführt. Die Ver
Aufstapelungsräume usw., zu gebrauchen. mittlung zur Maschinenhalle übernimmt ein
Natürlich müssen alle Maschinengrundmauern stattlich ausgebildeter Vor- und Empfangs-
bis auf den tragfähigen Boden heruntergeführt raum, von dem aus die Maschinenhalle so-
und von der Kellerdecke unabhängig gehalten gleich durch einen großen Glasabschluß über-

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Seite 36 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Bild 22. Hauptgeschoß (Fußbodenhöhe)

blickt werden kann. Dieser Raum soll u. a, tion zu verwischen. Die ganze Ausstattung ist
auch, dem Nebenzweck Nauens als Muster- durch geringfügige, auf die geputzte Wand
anlage entsprechend, für die Veranstaltung angesetzte Schablonenkanten bestritten.
erläuternder Vorträge dienen. Zu diesem Unmittelbar von den Emporen der oberen
Zweck ist eine Kinematographeneinrichtung Vorhalle aus wird der umlautende Gang der
vorgesehen. Die Decke der Halle hat eine ge- Maschinenhalle betreten, so daß die Besucher
wölbte Form erhalten. Seitlich sind Emporen nicht erst in die große Haupthalle herabzu-
vorgesehen, die bei größeren Vorführungen steigen brauchen, um deren Inhalt kennen zu
eine vermehrte Zahl von Besuchern fassen lernen. Das Umschreiten sämtlicher Teile der
können. Die architektonische Ausbildung ist Halle auf dem Umgang gibt einen viel besseren
in der eigentlichen Ausschmückung äußerst zu- Ueberblick über alle Einrichtungen, als er
rückhaltend, weil darauf geachtet werden unten gewonnen werden könnte.
mußte, das Gepräge eines Ingenieurbaues Die große Maschinenhalle selbst gliedert
nicht durch Zutrag der üblichen Saaldekora- sich, wie bereits erwähnt, in ein Längs- und ein

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 37

Bild 23. Hauptgeschoß (Galleriehöhe)

Querschiff. Es ist davon Abstand genommen, ist selbstverständlich, daß die Ausschmückung
hier die sonst bei Ingenieurbauten übliche ge- der Maschinenhalle auf das denkbar einfachste
wölbte Form mit sichtbarer Dachkonstruktion Maß beschränkt wurde. Immerhin bot der
zu wählen, vielmehr erschien es hier einfacher, Umgang Gelegenheit zu einer wirkungsvollen
sparsamer und vielleicht auch für die Raum- Gliederung der Wände im waagerechten Sinne,
wirkung, sicherlich aber für die Wärmehaltung und eine senkrechte Teilung ergab sich aus
besser, eine leichte waagerechte Decke einzu- der statisch begründeten Hereinziehung tra-
ziehen. Diese ist in schlichter Weise in gender Wandpfeiler, die in denselben dunkel-
Kassetten gegliedert, von denen ein Teil die braunen Ziegelsteinen aufgemauert wurden, in
Oberlichter für die Beleuchtung des Mittel- denen die Außenseiten des Gebäudes gehalten
teiles der Halle enthält. Im übrigen wird die sind. Dadurch war zugleich die Farbengebung
Halle durch seitliche Fenster und durch zwei der Halle insofern bestimmt, als rotbraune
ganz große Fenstergruppen in den beiden Töne auch für den Fußbodenbelag (schach-
Querschiffgiebeln hinreichend beleuchtet. Es brettartig verlegte Fliesen) und für eine auf-

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Seite 38 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Bild 24. Dachgeschoß

gemalte Linienverzierung der Kassettendecke dem angefügten Gebäudeteil, der der alten
eingehalten wurden. Der Holzton der ge- tönenden Station entspricht, die Empfangs-
schlossenen Brüstung des Umganges fügt sich und Sendestation der Neuanlage, sowie ein
dem Farbenplan aufs beste ein. Zimmer für den Stationsleiter.
In der Maschinenhalle ist der vordere Teil Die Längshalle hat 20 m Spannweite bei
des großen Längsschiffes für die Hochfre- 40 m Länge, die Querhalle 14 m Spannweite
quenzmaschinen bestimmt, während die bei 55 m Länge.
Querschiffe und der hinter der Schalttafel Für die äußere Gestaltung des Gebäudes
liegende Teil des Längsschiffes zur Aufstel- galt als Leitsatz äußerste Einfachheit mit Er-
lung der Variometer und anderer Geräte und strebung eines möglichst großen Gesamtein-
Maschinen dienen. In der Kreuzung liegt ein druckes, Einen solchen zu fordern, ergab sich
großes herausgehobenes Schaltpult, von dem schon aus der Natur des Bauplatzes, einer
alle Teile der Halle überblickt werden können. endlosen, völlig flachen Ebene, aus der im
Auf der Höhe der Maschinenhalle liegt in Umkreis von mehreren Kilometern die schlan-

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 39

Bild 25. Die Haupthalle mit Blick auf Schaltpult und Maschinen

ken Eisentürme der Funkenstation von 120 bis tekt sonst als mit etwas von vornherein
260 m in gewaltiger Höhe herausragen. Gegebenen rechnen kann, im Laufe der Bau-
Ein großer beherrschender Eindruck läßt ausführung fortlaufenden Aenderungen unter-
sich aber nur erreichen durch strengste Folge- liegen, so daß häufig die anfänglichen Absich-
richtigkeit in der Gliederung der Hauptmassen ten der Formgestaltung zunichte gemacht
eines Bauwerks. Im vorliegenden Falle ergab wurden.
das Durchdringen zweier hallenartiger Bau- Auch für das äußere Gebäude — und für
körper an der Durchdringungsstelle ähnlich wie dieses erst recht — kam es darauf an, das
es bei mittelalterlichen Kirchen geschieht, die ingenieurmäßige Gepräge zu wahren, was aber
Notwendigkeit einer architektonischen Be- andererseits niemals hindern kann, einem Bau-
tonung dieser sogenannten Vierung. Nichts werke dennoch den höchsten Grad von Ein-
konnte näher liegen, als in den herausgehobe- drucksfähigkeit zu verleihen. Ausgeschlossen
nen Bauteil über der Kreuzung die Antennen war selbstverständlich die bei öffentlichen Ge-
einzuführen. Freilich wurde dadurch die ar- bäuden gangbare Anwendung des Vorrats an
chitektonische Gestaltung stark gebunden; denn geschichtlichen Architekturformen. Das Ge-
für die Form, Größe, Höhe und Einzel- bäude würde damit vielleicht einem Theater,
gestaltung waren rein technische Gründe maß- einem Bahnhof, einer Konzerthalle, nicht aber
gebend, die noch dazu während des Baues der einer Funkenstation ähnlich gesehen haben.
Station infolge der ständig fortschreitenden Auch die entfernteste Erinnerung an Säulen
Entwicklung der Technik vielfach wechselten und klassisches Hauptgesims lenkt hier den
und den endgültigen Umriß der Vierung erst Betrachter auf die ihm bisher bekannten Bau-
im allerletzten Augenblick festlegen ließen. typen hin. Hier aber handelt es sich um etwas
Das war überhaupt die Schwierigkeit bei ganz anderes: es war ein Baugebilde zu ge-
Errichtung dieses Gebäudes, daß auch die tech- stalten, das einer ganz neuen Wissenschaft
nischen Anforderungen, mit denen der Archi- dient und das Ergebnis einer ungeheuren

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Seite 40 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

menschlichen Denkarbeit umschließt. Es er- bilde einfügte, als dem Zweck völlig gerecht
gab sich, daß selbst die anfänglich versuchte wurde. Ein dunkler halbgesinterter Olden-
äußere Kennzeichnung des Daches den er- burger Klinker kleinen Formats ergab sich als
strebten Ausdruck noch nicht aufkommen ließ. willkommene Lösung der Baustoffrage. Die
Die abgeschnittene Form der Vierung, die aus Verschiedenartigkeit der einzelnen Steine, die
technischen Gründen notwendig war, wie die teils matt, teils schwachglänzend sind und
niedriger liegenbleibenden beiden, in die deren Farbe von einem tiefen Lilabraun bis
Ecken geschobenen kleineren Anbauten (das in ein sattes Rot hinein wechselt, gibt der
alte Stationsgebäude und sein neues Gegen- großen ungegliederten Fläche einen eigenar-
stück) wiesen auf die Kastenform hin, die tigen schillernden Reiz, der das tut, was ver-

Bild 26. Die Vortragshalle

nunmehr zur Erzielung eines einheitlichen Ein- langt werden muß; nämlich die Fläche in ihrer
druckes in allen Teilen durchgeführt wurde. Ungegliedertheit zu rechtfertigen. Der ganze
Statt eines vorspringenden Hauptgesimses Bau erhält durch die äußerste Schlichtheit
wurde eine Folge von nach innen zurück- der Fläche und durch die Herbheit des Ma-
tretenden Mauerstreifen als oberer Abschluß terials einen Anstrich der Größe, dem gleich-
der Seitenwände gewählt, wodurch nicht nur zeitig eine gewisse Wärme, die eben in der
eine bedeutende Ersparnis erzielt, sondern Farbe und der Abwechslung der Oberfläche
auch ein eigenartiges Gepräge des Baues er- liegt, nicht versagt ist.
reicht wurde, Scharfe Zucht war auch in der Anordnung
War somit die letzte einfachste und klarste der Fenster notwendig, um den Bau zur gro-
Form in der Kastenform gefunden, so blieb ßen Wirkung zu steigern. Bei dem Fehlen
noch übrig, einen Baustoff für die Außenwände jeglicher Pfeiler an den äußeren Wänden war
zu wählen, der sich sowohl dem Landschafts- ein Spiel langer Senkrechter erwünscht, um

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 41

der wagerechten Richtung des sich breit hin- Giebeldreieck befindet sich der einzige
lagernden gewaltigen Baukörpers ein Gegen- Schmuck des Gebäudes, eine Art plastischer
gewicht zu bieten. Es wurde deshalb durch- Vignette von Professor Petrich. Zwei
weg das schmale Hochfenster gewählt, das Männer, die die Weltkugel umspannen,
sich in den Stirnseiten des Gebäudes zu ganz sollen als Sinnbild der spielenden Ueberwin-
großen lichtgebenden Flächen zusammen- dung von Raum und Zeit dienen, die die
schließt. Diese eng aneinander gestellten drahtlose Telegraphie gebracht hat. Unter dem
Gruppenfenster geben diesen Giebelseiten ihr Giebeldreieck befindet sich die Schrift in
Gepräge. Eine schärfer betonte Ausbildung großen vergoldeten Buchstaben, die hier als
hat nur die Vorderseite des Hauptgebäude- Ziermittel eine wichtige künstlerische Aufgabe

Bild 27. Die Vorhalle

zuges gefunden. Auch hier ist eine große erfüllt. Die große Fenstergruppe ist mit
Fenstergruppe das Hauptmittel der Gestal- Kathedralglas geschlossen, um dem dahinter
tung, es legt sich jedoch über den ganzen liegenden Empfangsraume ein gedämpftes
Kopfbau ein Giebel, der links und rechts von Licht zuzuführen.
den Endungen zweier turmartiger Gebilde ein- Wenn hier als Ziel der architektonischen
gefaßt wird. In diesen Türmen liegen die zwei Ausbildung hingestellt worden ist, dem Ge-
Haupttreppen des Gebäudes, die bis über das bäude eine gewisse Wucht und Würde zu
Dach führen. Auf einem Gange über das Dach geben, so ist es vielleicht nicht überflüssig,
kann von ihnen aus auch die Vierung betreten hervorzuheben, daß ein solcher Eindruck nie-
werden. Da die dortigen Teile des Gebäudes mals durch äußere Zutaten, am allerwenigsten
verhältnismäßig selten und nur von Beamten durch Schmuckmittel, erreicht wird, sondern
begangen zu werden brauchen, genügt diese daß es allein die guten Verhältnisse des Baues
Verbindung dahin vollkommen. In dem im einzelnen sowie im ganzen, die rhythmische

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Seite 42 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Bild 28. Geländeplan der Großstation Nauen.

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 43

Gliederung und der folgerichtige Zuschnitt Herausrücken der gewöhnlichen Steine er-
der Massen sind, die nach dieser Richtung hin reicht. Wer sich diese Sachlage klarmacht,
Erfolg versprechen. Der unkundige Betrach- kann wohl kaum von Aufwand reden bei einem
ter täuscht sich gerade hierüber sehr häufig. Gebäude, das inbezug auf Schlichtheit und An-
Und so kann es geschehen, daß der Architekt, spruchslosigkeit seinesgleichen sucht. Es ist
der sich bei Wahrung äußerster Sparsamkeit ganz allein die Form, die hier wirkt, und
allein darauf beschränkt hat, durch die Ver- Form kostet nichts, sie ist ein rein geistiger
hältnisse und den Zuschnitt der Baumassen Zutrag. Aber die Form ist es, von der Goethe
seine Wirkung zu erreichen, sich dann trotz- sagte, daß sie eine geradezu magische Wirkung
dem dem Vorwurf ausgesetzt sieht, daß er ausüben könne.

Bild 29. Spulenraum der Haupthalle

zu großartig gebaut, also Verschwendung ge- Im gegenwärtigen Zustande steht das Ge-
trieben habe. Daß ein großer Eindruck durch bäude noch ziemlich unvermittelt auf seinem
verschwenderische Mittel erreicht werde, ist Platze, es ist noch dicht umgeben von Schutt,
vielen in Fleisch und Blut übergegangen. Bauhütten und Militärbaracken. Hier muß
Hier in Nauen dürfte es aber schwer dringend Wandel geschaffen werden. Es ist
fallen, auch nur einen Umstand anzuführen, unbedingt nötig, einem solchen Bauwerke
der auf irgend etwas wie Verschwendung oder einen gewissen Abstand von allem Minder-
selbst Aufwand hindeuten könnte. Kein wertigen und Häßlichen zu verschaffen, ihm
Formstein ist verwendet, kein Hauptgesims, eine Art Rahmen zu geben, der es abschließt
kein Pfeiler, keine Säule, kein Ornament an- und es dadurch in seiner Bedeutung hebt.
gebracht, es ist nichts als der einfache Stein, Dies soll geschehen durch eine Umwehrung
so wie er aus dem Ofen kommt, vermauert. mit einer hohen Hecke, die sich in einer
Eine kleine zahnschnittartige Verzierung um gewissen Entfernung und in regelmäßiger
die Fenster ist durch einfaches Zurück- und Form um den Platz des Gebäudes herumlegt.

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Seite 44 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Damit ist es aber noch nicht genug. Ein Ge- Oel der Transformatoren zu kühlen, hat hier
bäude von solcher Größe und Wichtigkeit muß dazu geführt, dem Gebäude einen künstleri-
schon am Eingang zum Grundstück ge- schen Auftakt zu geben, indem das große
kennzeichnet werden. Es soll daher dort ein Wasserbecken, das die Kühlschlangen auf-
Torbau errichtet werden, der in den Formen nimmt, vor den Kopfbau des Hauses gelegt
des Hauptgebäudes gehalten ist und sich so und mit diesem in architektonische Verbin-
gewissermaßen als Vorläufer des Haupt- dung gebracht worden ist.
gebäudes zu erkennen gibt. In zwei das Ein- Erscheint auch heute das Gebäude der
gangstor flankierenden kleineren Gebäuden Hauptstation in Nauen, obgleich die Bauaus-
können dann noch alle die Bedürfnisse gedeckt führung so gut wie fertiggestellt ist, infolge

Bi ld 30. Provi s oris ch e Au fs tellu n g d er Kond ensa t oren und Va ri om et er

werden, für die im Hauptgebäude noch nicht der noch mangelnden Aufräumungsarbeiten
gesorgt ist, wie beispielsweise die Wohnung und der fehlenden Gestaltung der Umgebung
des Stationsvorstehers, eine kleine Erfri- noch immer als im Bau befindlich, so ist doch
schungsstelle für die Beamten, Unterstände zu hoffen, daß es durch eine gründliche Säu-
für Wagen, und vor allem die Wohnung des berung des Platzes bald zu jener Geltung ge-
Pförtners. Diese Gebäude sind entworfen, langen wird, die es für die Arbeit, die darin
aber noch nicht ausgeführt. Vom Tor führt ein geleistet wird und als Umschließung der
breiter Weg auf das Hauptgebäude hin, an kostbarsten Verkörperungen wissenschaftlichen
dessen Ende sich zunächst ein großer Teich Denkens verdient.
ausbreitet. Das technische Erfordernis, das

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 45

Bild 31. Rückansicht des Stationshauses

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Seite 46 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Bild 32. Das Stationshaus im Jahre 1918

Bauschwierigkeiten beim Neubau der Großstation Nauen


während des Krieges
Von H. Rabes

Der Neu- bzw. Umbau der Funkengroß- die Arbeit an 75 Arbeitstagen vollständig ruhen
station Nauen wurde während des Weltkrieges mußte. An den übrigen Tagen konnte nur wäh-
im September 1916 begonnen und geht nunmehr rend der kurzen Tageszeit — eine künstliche
seiner Vollendung entgegen. Beleuchtung erschien bei der Art der Arbeiten
Die auszuführenden Bauarbeiten waren fol- und der Größe des Arbeitsfeldes unangebracht
gende: — gearbeitet werden. Durch die anhaltenden
a) Die alte Antennenanlage wird auf Niederschläge war das Grundwasser auf dem
2,8 km Gesamtlänge erweitert, wodurch die Bauplatz derartig hoch gestiegen, daß die Erd-
Errichtung von drei neuen Gittermasten, und und Gründungsarbeiten weit in das Jahr 1917
zwar eines von 260 m und zweier von 120 m hinein verlegt werden mußten. Der Beginn der
Höhe, notwendig wird. Bauarbeiten datiert daher eigentlich erst vom
b) Vollständig neu hinzu kommt eine Drei- April 1917. Die bis dahin vorgenommenen Ar-
eckantenne mit zwei Gittermasten von je beiten waren lediglich solche vorbereitender
150 m und einem solchen von 134 m Höhe. Der Art und kleineren Umfanges.
letztere trägt an seinem oberen Ende nach bei- Die durch den Krieg bedingten Verhältnisse
den Seiten je einen 17 m langen horizontalen sollten sich in der Folge als recht erschwerend
Ausleger. und hemmend geltend machen. Besonders
c) Die vorhandenen Sende- und Empfangs- fühlbar machte sich der Mangel an Bauhand-
räume werden durch einen umfangreichen Er- werkern und Bauarbeitern, sowie auch an den
weiterungsbau vergrößert. verschiedensten Materialien.
Die Bauarbeiten für die Turmanlage began- Bei den Arbeiten des Hausbaues waren Ar-
nen im Januar 1916. Der Beginn der Bauarbei- beitskräfte sehr oft überhaupt nicht zu erhal-
ten für den Erweiterungsbau fällt in den be- ten. Es wurde deshalb versucht, solche durch
sonders strengen und langen Winter 1916/17. Reklamationen bei der Militärverwaltung frei
Die Unterbrechungen der Arbeiten durch zu bekommen. Leider wurden wir meist in
Schnee, Kälte, Regen usw. waren so häufige, nur unzureichender Weise berücksichtigt. So
daß in den vier Monaten November—Februar wurden auf unser Ersuchen um Gestellung von

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 47

Bild 33
Baustadium
Oktober 1918

Bild 34
Baustadium
Juli 1917

Bild 35
Baustadium
Februar 1918

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Seite 48 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

18 Maurern und sonstigen Bauhandwerkern nur tern ist in Nauen und Umgegend ansässig; da-
8 Mann freigegeben, Auf eine andere Eingabe durch wurde die Errichtung besonderer Unter-
wurden an Stelle der benötigten 23 Handwer- kunftsräume sowie der Bau und Betrieb einer
ker und Arbeiter 4 Leute freigegeben. Nicht un- eigenen Baukantine nötig,
erwähnt sei ein Antrag auf Gestellung von 40 Ganz besonders hemmend auf den Fortgang
Arbeitern, auf welchen aber nur 2 Maurer er- der Arbeiten wirkte der Mangel an Bau-
schienen, Um nichts unversucht zu lassen, material, der durch die Transportschwierig-
wurde ein Kommando russischer Kriegs- keiten während des Krieges hervorgerufen
gefangener probeweise mit Erd- und Transport- wurde, Infolge der überaus starken Inan-
arbeiten beschäftigt. Sie mußten jedoch, als spruchnahme der Güterzüge für Kriegszwecke
diese Tätigkeit nach etwa 8 Wochen beendet war es sehr schwierig, Steine, Zement, Kies
war, wieder abgegeben werden, da eine ander- und andere Baumaterialien heranzuschaffen.
weitige Beschäftigung aus Gründen der mili- Die Gestellung von Waggons mußte bei den
tärischen Sicherheit nicht angebracht war. Die Linienkommandanturen besonders beantragt
Unternehmerfirmen sahen sich genötigt, jeden werden. So kam es, daß wegen Fehlens von
sich zur Arbeit meldenden Mann einzustellen, Baustoffen an vielen Tagen überhaupt nicht
selbst wenn er auch nicht für diese Arbeiten gearbeitet oder nur Nebenarbeit verrichtet wer-
geeignet erschien. Daß dadurch der Fortgang den konnte. Oft mußte der Transport nach
der Arbeiten nicht sehr gefördert wurde, da ja der Baustelle behelfsmäßig durch Lastkraft-
die Anzahl der Arbeiter nicht immer maß- wagen bewerkstelligt werden, um eine Weiter-
gebend für die Höhe der Gesamtleistung ist, arbeit überhaupt zu ermöglichen. Die Verkehrs-
soll hier nur angedeutet werden. schwierigkeiten erhöhten sich noch in ganz be-
Weitere Schwierigkeiten erwuchsen aus der merkenswerter Weise infolge der plötzlichen
Unterbringung und Verpflegung der Arbeiter. Demobilisierung und Ablieferung von Eisen-
Die Baustelle liegt über 4 km von der Stadt bahnmaterial auf Grund des Waffenstillstandes.
Nauen und den nächsten Dörfern entfernt, Nur Eine andere Behinderung im Fortgang der
eine verschwindend kleine Anzahl von Arbei- Bauarbeiten bildete der Umstand, daß verschie-

Bild 36. Vor dem Aufbringen der eisernen Binder, August 1917

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 49

dene bereits vorhandene Bau-


lichkeiten in den Neubau auf-
genommen und eingebaut
bezw. mit neuen Umfassungs-
mauern versehen werden
mußten. Diese Notwendigkeit
ergab sich aus der Lage der
vorhandenen Antennen und
Hausbauten zu der des Neu-
baues. Eine Unterbrechung
des Betriebes mußte wegen
der militärischen Wichtigkeit
der Station unter allen Um-
ständen vermieden werden.
Abgesehen davon, daß hier-
durch umfangreiche proviso-
rische bauliche Maßnahmen
nötig wurden, konnte stellen-
weise nur während ganz kurzer
Betriebspausen, zuweilen nur
2—3 Stunden täglich, gearbeitet Bild 37. Baustadium August 1917
werden. Die Nähe der Hoch-
spannungsleitungen und die damit verbundene ten Verbrennungen an den Fingerspitzen da-
Lebensgefahr machten den Einbau der mannig- vontrugen. Unter denselben Erscheinungen
faltigsten Sicherheitsvorkehrungen, Gerüste, hatten in starkem Maße die Monteure zu lei-
Abdeckungen usw. nötig. Namentlich an der den, welche die schweren eisernen Dachbinder
Südseite des neuen Gebäudes war daher das in nächster Nähe der Antennenzuleitungen
Ausführen der Umfassungsmauern sowie das aufzustellen hatten.
Einbringen der neuen Decken über der alten Auch mußten erst eingehende Versuche
tönenden Station infolge der starken Induk- mit der Hochfrequenzanlage gemacht werden,
tionswirkungen nahezu unmöglich. Die gesamte um das zur Verwendung kommende Material
Südseite des Gebäudes konnte eigentlich nur auf seine Eignung zu prüfen. Nur diesen
bei trockenstem Wetter ausgebaut werden. Die weitgehenden Sicherheitsmaßregeln und dem
Induktion war hier so stark, daß die Maurer Pflichtgefühl der Arbeiter war es zu danken,
und Arbeiter bei der Ausführung ihrer Arbei- daß der Bau seinen Fortgang nehmen konnte,

Bild 38. Zahl der am Neubau beschäftigten Bauarbeiter

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Seite 50 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

ohne daß der funkentelegraphische Betrieb des- durch eiserne Rahmenbinder zu überbrücken,
wegen auch nur eine Stunde unterbrochen zu deren Gewicht dem der schwersten Eisenkon-
werden brauchte. struktionen gleichkommt und die in einem
Bei dem Bau der Zufahrtsstraße, für die die Stück aufzubringen waren. Unsere Abbildung
schon genannten Schwierigkeiten ebenfalls zu- zeigt derartige Binder.
treffen, ist weiter noch die Beschaffenheit des Die Bauzeit für die Antennenanlagen
Geländes für den Fortgang der Arbeiten mit- währte einschließlich des ungünstigen Winters
bestimmend gewesen. Die hierbei geleistete 1916/17 und trotz der beschriebenen
Arbeit und Materiallieferungen kommen nahezu Schwierigkeiten nur 14 Monate. Dabei
einer zweimaligen Ausführung der Straße verlangte der Gittermast von 260 m Höhe 12
gleich, weil in dem moorigen Untergrund des Monate Bauzeit, während im Frieden 5-6
Geländes die aufgeschütteten Steinmassen mit Monate dafür gebraucht wurden.
der Zeit versanken. Die ganze Straße mußte
daher nochmals um 30 bis 35 cm aufgehöht Mit den Arbeiten wurde am 30. Oktober
werden. Erwähnt sei ferner, daß die Eigenart 1916 begonnen, das Ende der Hausbauten fällt
der Baulichkeiten Schwierigkeiten ergab, die in die Mitte des Monats Juni 1919.
mit anderen Bauausführungen nicht vergleich- Die Höhe der Arbeitsleistung in Arbeits-
bar sind. So waren z. B. die Vierung und deren tagen ist aus der anliegenden graphischen Dar-
4 Öffnungen von 20 und 14 m Spannweite stellung ersichtlich,

Bild 39. Bauarbeiten im Erdgeschoß

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 51

Bild 40.

Turmbau in Nauen
Von F. Bräckerbohm

Seit dem Jahre 1904 hat sich die Firma Ausbildung der Isolation am Fuß wesentlich
Hein, Lehmann & Co. A.-G., Berlin-Reinicken- erleichterte. Die Abspannseile wurden, solange
dorf, mit der Durcharbeitung zur Her- die Türme konstruktiv statisch bestimmt waren,
stellung von Masten für Zwecke der aus Rundeisen mit angestauchten Augen vor-
drahtlosen Telegraphie beschäftigt. Viele Pro- gesehen.
jekt- und Entwurfszeichnungen wurden in den Im Jahre 1906 führten die Verhand-
ersten Jahren entsprechend der Entwicklung lungen mit Telefunken so weit, daß ein
der drahtlosen Telegraphie aufgestellt. Es Turm von 100 m Höhe in Auftrag gege-
befanden sich hierunter die eigenartigsten Bau- ben wurde. Als Errichtungsort war Nauen
werke, z. B. ein Turm von etwa 140 m Höhe, bestimmt. Die dortigen schlechten
der in 125 m Höhe einen Ring von 125 m Bodenverhältnisse und der hohe Grundwasser-
Durchmesser aufwies, an dem die Antennen- stand führten bereits zur Durchbildung der im
drähte herunterhingen und am Turmfuß be- allgemeinen nachträglich ausgeführten Kon-
festigt waren. Bei diesem Turm hat die struktion. Die Unsicherheit des Baugrundes
Firma Hein, Lehmann bereits auf die Mög- und die dadurch bedingten Fundamentsenkun-
lichkeit hingewiesen, daß derselbe von der gen und Bewegungen zeigten in klarster Weise
Erde durch entsprechenden Unterbau von Mar- den Vorteil der von Hein, Lehmann wiederholt
mor oder dergleichen isoliert werden kann. empfohlenen und später ausgeführten Gelenk-
Nachträglich wurden Entwürfe mit prisma- konstruktion, indem sich dadurch die Bau-
tischem dreieckigem Querschnitt durchgear- kosten für die Fundamente bedeutend ermäßig-
beitet, die in größerer Höhe nach der Erde ab- ten. Die Kosten für die Fundamente, an denen
gespannt waren. Da derartige Bauwerke starke die starken Abspannseile befestigt waren, wur-
Schwingungen aufweisen und bedeutende den außerdem noch besonders dadurch redu-
Nebenspannungen in der Konstruktion ent- ziert, daß die großen Gewichtsmassen nicht in
stehen, so ist am Fuße des Mastes eine Gelenk- der Erde, sondern über dem Erdboden ange-
konstruktion zur Durchbildung gelangt, die ordnet wurden. Zur weiteren Verminderung

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Seite 52 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

der Kosten trug die Konstruktion dadurch bei, schädlich, da er sich auf seinem Fußgelenk
daß die Aufbauten über der Erde in hohlem frei hin und her bewegen konnte. Durch
Mauerwerk mit trockener Sandfüllung ausge- Nachziehen der provisorischen Abspannseile
führt wurden. (Bild 41). wurde der Turm dann in kurzer Zeit wieder in
Bereits dieser Mast von 100 m Höhe erhielt die gerade Stellung gebracht.
einen dreieckigen Querschnitt. Diese Konstruk- Schon in den ersten Jahren stellte sich bei
tion hat den großen Vorteil, daß sie den der stetig fortschreitenden Entwicklung der
Winden die geringste Angriffsfläche bot und drahtlosen Telegraphie heraus, daß die in den
außerdem nur 3 Abspannseile und nur 3 Fun- 100-m-Mast eingebaute Isolation in keiner
damente benötigte. Am Fuß des Mastes war Weise den erweiterten Ansprüchen genügte. In
ein sechseckiger Marmorkörper von 40 cm Erkenntnis dieses Mangels forderte dann Tele-
Höhe vorgesehen und an den unteren und obe- funken von Hein, Lehmann den Einbau stärke-
ren Enden der Abspannseile Holzkörper, die rer Isolationen und man entschied sich für die
unter Oel gehalten wurden. Verwendung von großen massiven Glaskörpern
Die Montage dieses Mastes erforderte eine von 10 cm Höhe und 40 cm Durchmesser, die
Zeit von 6 Wochen und wurde ausgeführt, be als Isolationssäulen von 3 Körpern übereinan-

Bild 41. Der 100m-Mast

vor die Abspannfundamente der Seile fertig- der unter dem Mast eingebaut werden sollten.
gestellt waren. Zu diesem Zweck wurden be- Diese schwierige Aufgabe wurde dadurch von
sondere Stellen angeordnet, an welchen die Hein, Lehmann gelöst, daß unter den Mast
provisorischen Abspannseile befestigt wurden, Stahlplatten, die den Druck auf 3 Glassäulen
Einige Tage vor dem Befestigen der endgülti- gleichmäßig verteilten, untergebaut wurden. Zu
gen Abspannseile trat ein schwerer Gewitter- diesem Zweck ist der Mast mit hydraulischen
sturm auf, bei dem in einer Entfernung von Hebeböcken angehoben und die Isolatoren un-
50 m nichts von dem Turm zu sehen war. Nun tergebaut worden. In den Abspannungen wur-
glaubte das auf der Baustelle anwesende Per- den gleichfalls die Isolationen durch Einbau
sonal bei den schweren Donnerschlägen, daß einer Kettengliedverankerung mit 4 Glaskör-
der Turm umgefallen wäre; denn selbst starke, pern von 10 cm übereinander verbessert.
mehrere hundert Jahre alte Bäume waren in (Bild 42).
der Umgebung der Station umgerissen. Nach Die angegebene Isolierung mit Glaskörpern
Klarwerden des Wetters zeigte sich dann der wies aber einen großen Mangel auf, indem die
Mast mit seinen provisorischen Abspannungen Glaskörper durch Temperaturveränderungen
in einer etwa 5 m schiefen Lage. Diese Schief- leicht sprangen. Außerdem war es nicht mög-
stellung des Mastes war aber vollkommen un- lich, die Glaskörper so genau gerade zu schlei-

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 53

fen, daß der Druck gleichmäßig auf die Körper massive Porzellankörper herzustellen, die bei
übertragen wurde. Diesen Mangel wollte man den weiteren Turmbauten verwandt wurden
dann durch Zwischenlegen von Ausgleichs- und zu glänzenden Resultaten geführt haben.
stücken, z. B. Blei, Löschpapier usw., beseiti- Im Jahre 1911 zeigte sich die Notwendig-
gen. Es zeigten sich hierbei durch Versuche im keit, den bestehenden Mast von 100 m Höhe
Material-Prüfungsamt Groß-Lichterfelde eigen- auf das Doppelte zu erhöhen. Ein Neubau er-
artige Erscheinungen. Z. B. stellte sich beim wies sich als unmöglich, da der 100-m-Turm
Zwischenlegen von Bleiplatten von l mm Stärke bereits neben dem Stationsgebäude stand und
heraus, daß die Glaskörper bei Erhöhung des bei der damals verwandten Schirmantenne ein
Druckes mit einer Wirkung, die einer Explo- neuer Mast direkt neben dem alten hätte stehen
sion gleichkam, zersprangen, während bei Ver- müssen. Da außerdem der vorhandene Mast
suchen ohne Bleiplatten die Körper sich bei während der Erhöhung bezw. eines Neubaues
der Zerstörung in einzelne Säulen zerlegten ständig in Betrieb sein mußte, so konnte auch
und diese erst durch weitere Erhöhung des der alte Mast nicht entfernt werden, um einem
Druckes zerstört wurden. Die Erscheinung der Neubau Platz zu machen. Es blieb daher nur
Explosionswirkung der Glaskörper durch Blei der einzige Weg: die Erhöhung des vorhande-
sowie auch durch Papier, das mit irgend einer nen Mastes.
Flüssigkeit getränkt war, läßt sich dadurch er- Der Hauptgedanke der Erhöhung bestand
klären, daß das Blei bezw. die Flüssigkeit sich darin, daß in den vorhandenen Mast ein leich-
am Umfang der Körper herauspressen, während ter Rohrmast eingebaut werden sollte, der
das Blei oder die Flüssigkeit in der Mitte der dann in einem Stück über Rollen, die an der
Körper nicht seitlich entweichen können. In- Spitze des vorhandenen Mastes angebracht
folgedessen wird der vergrößerte Druck nur werden mußten, durch Hochziehen in seine
noch in der Mitte der Körper übertragen, so richtige Lage gebracht werden sollte. Diese
daß die Glaskörper von innen heraus sowohl Anordnung hatte den Vorteil, daß von einer
in der Richtung des Druckes, als auch recht- Verstärkung des vorhandenen Mastes abgesehen
winklig dazu beansprucht werden, bis schließ- werden konnte. Da eine derartig steife Kon-
lich die Explosion eintritt. struktion für die Erhöhung sehr viel Abspan-
Diese Umstände führ- nungen benötigte, so
ten auch bei dem Turm wurde aus elektrischen
in Nauen zu vielfachen Gründen hiervon abge-
Sprüngen der Glaskörper sehen; man entschied
und so erwies sich auch sich für die Verstärkung
diese Isolation als un- des vorhandenen Turmes
zuverlässig. Schon im und für einen Aufbau,
Jahre 1909 ist darauf hin- der nach der nach-
gewiesen worden, daß stehend beschriebenen
die Glaskörper durch Anordnung aufgestellt
Porzellankörper ersetzt wurde.
werden müßten. Es ge- Durch all diese Ueber-
schah dies aus der Er- legungen sowie Rück-
kenntnis heraus, daß Por- sprachen mit den in
zellankörper eine zähere Frage kommenden Bau-
Struktur und eine grö- polizeiorganen, Sachver-
ßere Widerstandsfähig- ständigen usw. verstrich
keit gegen Temperatur- sehr viel Zeit, weshalb
veränderungen aufwei- mit der konstruktiven
sen. Eine Herstellung Durcharbeitung erst im
derartiger Porzellankör- September 1911 begon-
per stellte sich aber zu- nen werden konnte.
nächst als unmöglich dar, Schon im Monat Ok-
da alle Körper bei dem tober begann die Auf-
Brennprozeß oder nach- stellung. Am 20. De-
her zerstört wurden. zember erreichte der
Erst nach jahrelangen Mast die Höhe von
Versuchen ist es 1914 200 m, und sofort wur-
gelungen, derartig große Bild 42. Fuß des 100m-Mastes
den die Versuche mit

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Seite 54 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Bild 43. Der 200m-Mast

der erhöhten Antenne begonnen. Da es für Gelenkkonstruktion, die sich schon bei dem
den vorhandenen unteren Mast erforderlich 100-m-Mast und anderen Masten sehr gut be-
war, daß der Druck des oberen Mastes auf die währt hatte, ist auch bei weiteren hohen Tür-
drei Stiele gleichmäßig übertragen wurde, so men zur Ausführung gekommen. Die Abspann-
wurde auch der obere Mast auf den unteren seile des erhöhten Mastes waren ebenfalls mit
mit einem Gelenk aufgesetzt und mit einer Iso- Rundeisen mit angestauchten oder einfach ge-
lation aus Glaskörpern versehen. Die Gelenk- bogenen, geschweißten Augen ausgeführt. Der-
konstruktion wurde auch noch zu dem Zweck artige Seile weisen wegen der geringen Festig-
ausgeführt, die Bewegungen des hohen, sehr keit des Eisens sehr große Durchhänge auf.
schlanken Bauwerkes unschädlich zu machen, Um diesem Mangel abzuhelfen, waren die Mit-
so daß Nebenspannungen durch Schwingungen telpunkte bezw. Drittelpunkte der Abspannun-
des Mastes an einer Stelle ausgeschaltet wur- gen mit einem besonderen schwachen Seil nied-
den. Außerdem wurden ungleichmäßige An- rig mit dem Erdboden verbunden, um so die
fangsspannungen in den Abspannseilen durch Veränderungen der Seildurchhänge bei Stür-
das Gelenk ausgeglichen, so daß der Mast men festzulegen, und hierdurch die Bewegung
nicht von Anfang an schon bedeutende Neben- des Mastes zu reduzieren. Gewöhnliche Draht-
spannungen erhielt. Dieser Grundgedanke der seile konnten für die Abspannungen des Mastes

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 55

Bild 44
Fast vollendetes
Abspannfundament
(1916)

Bild 45
Einbetonierter
Verankerungsrahmen
(1916)

Bild 46
Bau eines Abspann-
fundaments (1916)

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Seite 56 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

nicht in Frage kommen, denn derartige Seile von der Verwendung von Seilen aus parallelen
weisen ständig konstruktive Dehnungen auf, die Drähten abgesehen werden.
aus der Konstruktion der Seile herrühren. In- Die Abspannseile waren in den Außenfunda-
folgedessen wäre ein ständiges Nachspannen menten, die in gleicher Weise, wie die des vor-
der Abspannseile notwendig gewesen. Da aber handenen Turmes ausgeführt wurden, durch
die Konstruktion des erhöhten Mastes wegen die Kettengliedisolation isoliert. Die großen
der dreifachen Abspannungen mehrfach sta- Seillängen für die Erhöhung erforderten aus
tisch unbestimmt war, so ließen sich schon aus elektrischen Gründen eine Unterteilung.
diesem Grunde gewöhnliche Drahtseile nicht Hierfür waren zu Anfang Clouthisolatoren, be-
verwenden, da der Elastizitätsmodul, der bei stehend aus einem Bügel mit eingespleißter
der Berechnung derartiger Bauwerke eine große 3 mm starker Gummiplatte, als Isolation ange-
Rolle spielt, viel zu unsicher ist. ordnet. Schon während des Baues stellte sich
Seile aus parallelen Drähten wären wegen die elektrische und mechanische Unzulänglich-
der größeren Festigkeit und des geringen Ge- keit dieser Isolatoren heraus; sie wurden des-
wichtes gegenüber Rundeisen die geeignetste halb durch die von Hein, Lehmann konstruier-
Konstruktion gewesen. Derartige Seile ließen ten und ihnen patentierten Isolatoren, beste-
sich aber nicht fabrikmäßig herstellen. Die ein- hend aus 6 Stahltraversen mit zwischenge-
zige Möglichkeit der Herstellung bestand in der schalteten 4 Glaskörpern ersetzt. Die Eigen-
Anhängung eines Leerdrahtes und Anbringung art dieser Isolatoren besteht darin, daß das
weiterer Verstärkungsdrähte. Auf diese Weise Isolationsmaterial, also Glas oder Porzellan,
sind die Hängeseile der großen Brücken in nur auf Druck beansprucht wird. Außerdem
Amerika hergestellt worden. Das Verfahren bildet die Kombination ein starres Ganzes,
war aber wegen der schrägen Lage und der gro- das in keiner Lage auseinanderfallen kann.
ßen Höhe der Abspannseile nicht anwendbar,
und da keine andere Möglichkeit bestand, die Die Erhöhung des Mastes war Weih-
Seile herzustellen, so mußte notwendiger Weise nachten 1911 bis auf einige Kleinigkeiten an

Bild 47. Fuß des 30-m Abspann-Turmes für die B-Antenne

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 57

der Spitze des erhöhten Mastes fertiggestellt. entflohenen Leute noch versucht, das an dem
Außerdem fehlte die Hilfsabspannung in der Mast gerissene Abspannungsstück zu fassen
Mitte der vorhandenen Abspannung an dem und den unteren Mastteil in seiner Lage zu
unteren Mast. Dies konnte nur bei günstigem halten. In dieser Weise legte sich dann der
untere Mast gegen den Wind langsam über
und stürzte in dieser Richtung in gestreckter
Lage zur Erde nieder, die Häuser zwischen
sich vollkommen unbeschädigt lassend.
(Bild 9). Selten hat bei einem Unglück
größeres Glück gewaltet. Nicht die geringsten
Beschädigungen und Verluste an Menschen-
leben waren zu beklagen.
Die Ursache des Einsturzes ist entweder in
dem Zertrümmern der bei dem Sturm zu hoch
beanspruchten Glaskörper zwischen dem obe-
ren und unteren Mast zu suchen, oder die feh-
lende Hilfsabspannung in der Hauptabspannung
des unteren vorhandenen Mastes hat eine zu
Bild 48. Abspannfundament große Bewegung des unteren Mastes gegen den
oberen zugelassen, so daß hierdurch die Glas-
körper oder der obere Mast zu sehr durch
Wetter oder bei Nichtbenutzung der Antenne horizontale Bewegung beansprucht wurden.
angebracht werden. Zum Zwecke der Anbrin- Festgestellt ist, daß die unterste Abspannung
gung war es notwendig, daß die Monteure mit des oberen Mastes frühzeitig gerissen ist. Es
einem besonderen Korb von der Erde aus die ist dies ein Beweis für die oben angegebenen
Abspannung entlang heraufgezogen wurden und Möglichkeiten. Durch den entstandenen Stoß
hier die Hilfsabspannung befestigten. Die stän- ist dann wahrscheinlich der obere Mast ein-
digen Versuche sowie das ungünstige Wetter geknickt und heruntergestürzt.
ließen diese Arbeit trotz monatelanger Warte-
zeit der Monteure nicht zu. Außerdem zeigten Als Notbehelf wurden auf Vorschlag von
sich an den Glaskörpern, die zwischen der Hein, Lehmann & Co. in Nauen zwei 120 m
Erhöhung und dem vorhandenen Mast hohe Rohrmaste errichtet. Sie wurden auf der,
eingebaut waren, aus den oben mitgeteilten Erde liegend zusammengebaut und in einem
Ursachen Sprünge, die aber gemäß den Stück mit Hilfe eines 40-m-Hilfsmastes aufge-
Versuchen im Materialprüfungsamt, richtet. Diese Maste, die von genannter
Großlichterfelde, keine besondere Gefahr Firma in Höhe bis zu 150 m geliefert und
boten. In diesem nicht ganz fertigen Zustande aufgestellt wurden, haben in jeder Weise ihre
wurde die Mastkonstruktion kurz vor
Wiederaufnahme der noch fertigzustellenden
Arbeiten am 30. März durch Stürme überrascht.
Aus irgend welchen Ursachen ist die Erhöhung
in etwa 150 m Höhe eingeknickt und so vom
Mast heruntergerissen worden, daß die
Eisenteile des herabgestürzten 100-Meter-
Mastes etwa 60 m weit vom Fuß des
Bauwerkes lagen. Beim Stürzen sind die Trüm-
mer über die darunter stehenden Häuser
hinweggeflogen, ohne die geringsten
Beschädigungen an den Häusern anzurichten.
Bei diesem Sturz haben die Trümmer das
Abspannseil, das in der Windrichtung, also auf
der Luvseite lag, abgeschlagen. Der Sturm war
Bild 49. Der neue 260-m-Mast für die A-Antenne
aber so stark, daß er trotz der abgeschlagenen
50 mm starken Rundeisenabspannung des
unteren Mastes den 100 m hohen alten Mast Schuldigkeit getan und sind nach Fertigstel-
noch 8 Minuten stehend gehalten hat. Während lung der endgültigen Turmkonstruktion und
dieser Zeit haben die aus den Häusern infolge Antenne in gleicher Weise umgelegt und zu
Aufschlags des gestürzten oberen Mastes Versuchen anderweitig verwendet worden.

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Seite 58 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

bezw. mit den Isolatoren sind


an den Seilenden Kabelschuhe
aus Stahlguß, in denen die
einzelnen starken Drähte um-
gebogen sind, eingegossen.
Die Vergießerarbeiten zeigt
Bild 50.
Diese Neukonstruktion
brachte in Verbindung mit den
Porzellankörpern und den
oben erwähnten H. L.-Isola-
toren eine vollständige Um-
wälzung in der Konstruktion
der Mäste hervor. Auch bei der
Herstellung der Isolations-
säulen aus Porzellankörpern
zeigten sich ähnliche Schwie-
rigkeiten, wie seinerzeit bei
den Glaskörpern. Diese sind
aber durch eine geeignete
Bild 50. Vergießen der Abspannseile Verteilung des gesamten Mast-
druckes und unter gleich-
Einige Wochen nach dem Einsturz entschied zeitiger endgültiger Durchbiegung der Auf-
sich dann Telefunken für den Wiederaufbau lagerkonstruktion gehoben worden, so daß
eines anderen Bauwerks in Höhe von 260 m. eine Zerstörung der Porzellankörper kaum in
Der Entwurf des neuen Mastes zeigte in seinen Frage kommt. Die Neukonstruktion ist
Grundprinzipien die gleichen Eigenarten wie außerdem so gewählt, daß selbst beim Zer-
der eingestürzte, nur erhielt der untere Teil brechen mehrerer Körper eine Gefahr für den
von 160 m Höhe 2 Abspannungen und der obere Mast nicht eintritt,
ebenfalls 2 Abspannungen und an der Ueber- Die Montage des 260-m-Mastes geschah in
gangsstelle ein Zwischengelenk. Diese Kon- der Weise, daß zuerst die drei unteren schrä-
struktion wies ebenfalls nicht mehr statische gen Stiele aufgerichtet und dann mit Hilfe
Unbestimmtheiten auf als der eingestürzte
Mast. Selbstverständlich ließ die Neukonstruk-
tion eine Anordnung zu, die den statischen
Verhältnissen besser entsprach. (Bild 49).
Außerdem war es inzwischen einer Porzel-
lanfabrik gelungen, die für die Isolation er-
forderlichen großen massiven Porzellankörper
herzustellen. Die Notwendigkeit der Verwen-
dung von Seilen aus parallel gelegten starken
Drähten für die Abspannungen des Mastes, die
schon 1906 beabsichtigt war, aber wegen der
oben erwähnten Unmöglichkeit der Beschaffung
bezw. Herstellung unterbleiben mußte, hat Hein.
Lehmann dazu geführt, eine Vorrichtung zu er-
sinnen, um Seile aus parallelen Drähten direkt
auf der Baustelle herzustellen. Zu diesem
Zweck werden die einzelnen Drähte zwischen
Schilde ausgespannt. Die Drähte sind durch
verschiedene Schilde und Klemmen geführt, die
jeden Draht gerade richten und in die rich-
tige genau parallele Lage bringen. Durch Her-
überziehen der Vorrichtung über das Seil und
darauf folgende sofortige Umwicklung behält
das Seil seine dauernde Gestalt. Zur Verbin-
dung der einzelnen Seilstücke untereinander Bild 51. Der 134-m-Turm mit Auslegern für die B-Antenne

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 59

Abspannfundamenten gezogen und dort be-


festigt.
Die Montage des 260-m-Mastes wurde wäh-
rend der Wintermonate 1912-1913 ausgeführt
und erforderte trotz der ungünstigen Jahreszeit
im ganzen nur 5 Monate.
Auch bei dem neuen Mast sind die Ab-
spannungen an ihren Drittelpunkten an der
Erde mit schwachen Hilfsabspannungen be-
festigt, um so die Bewegungen der Mastanlage
möglichst zu reduzieren. Selbst bei den stärk-
sten Stürmen ist kaum eine Bewegung der Ab-
spannseile bemerkbar. Dieselbe wäre auch voll-
kommen unschädlich, da der Mast sowohl an
der Erde wie in der Mitte mit einem Gelenk
versehen ist, das evtl. Schwingungen aus-
gleicht. Die Konstruktion stellt daher in ihrer
leichten und ungefährlichen Montagemöglich-
keit sowie Standsicherheit das Beste dar, was
es auf diesem Gebiete gibt.
Dies tritt besonders hervor, wenn man die
Belastungen derartiger Bauwerke betrachtet,
da auf dem in Nauen befindlichen 260-m-Mast
ein Drahtseil ruht, das ihn an der Spitze
mit 30000 kg senkrecht und 6000 kg horizontal
beansprucht. Einer derartigen Beanspruchung
wäre z. B. der Eiffelturm trotz seiner unge-
heuren Eisenmassen nicht gewachsen. Berech-
Bild 52. Das Montagegerüst mit dem Standbaum net wurde der Mast an der Spitze mit einem
Winddruck von 350 kg pro Quadratmeter senk-
recht getroffener Fläche. Das Gewicht eines
eines Standbaumes in der bei Eisenkonstruk- 260 m hohen Mastes beträgt trotzdem nur
tionen üblichen Weise aufgestellt und unter- 360000 kg. Der Druck des Mastes auf das
einander verbunden wurden, darunter befindliche Fundament bei Stürmen
Wenn dann die senkrechten Stiele mit den beträgt etwa 800000 kg. Die größten Span-
gleichen Hilfsmitteln aufgebaut
sind, wird an diesem Teil ein
Montagegerüst, bestehend aus
senkrechten Stielen mit Po-
desten und einem drehbaren
Galgen an der Spitze einge-
baut. Dieses Gerüst ist dann
mit Flaschenzügen an den
3 Stielen hochzuziehen und
mit einem Seil die nächsten
3 Stiele auf den bereits vor-
her errichteten zu befestigen.
So wird fortlaufend die Mon-
tage weitergeführt. (Bild 53.)
Nachdem die Höhe einer
endgültigen Abspannung er-
reicht ist, werden die Seile
aus parallelen Drähten von
oben nach unten in senk-
rechter Lage angehängt, die
Isolatoren eingebaut und dann
Bild 53. Bei der Montage der Stiele des 260-m-Mastes
von der Erde aus nach den

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Seite 60 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

nungen in den Abspannseilen betragen 83000 Ausleger in senkrechter Stellung an dem


Kilogramm. Die hierfür nach dem oben be- Turm hochgezogen, in ein Gelenk eingesetzt
schriebenen Verfahren angewendeten Seile und gleichzeitig beide nach außen herabge-
haben einen Durchmesser von etwa 65 mm. lassen werden. In gleicher Weise sind die
Diese sehr hohe Ausleger des 30 m
Belastungsannah- hohen Abspann-
me sowie die Ei- turmes, das di-
genart der Kon- rekt an dem neuen
struktion gewähr- Stationsgebäude
leisten die große steht, aufgestellt.
Standsicherheit Die in Nauen
des Mastes. und an vielen
Außer den vor- anderen Orten im
handenen zwei In- und Auslande
260 m hohen Mas- errichteten Tele-
ten befinden sich funkentürme sind
in Nauen noch 2 trotz der elegan-
Mäste von je 150m ten aufstrebenden
und 4 Maste von Konstruktion ab-
je 120m Höhe ähn- solut standsichere,
licher Konstruk- Bild 54. Windverankerung jeder Beanspru-
tion; ferner ein chung gewachsene
134 m hoher Turm, der in 130 m Höhe über Bauwerke, die für das Können und die
der Erde 2 Ausleger von je 20 m Länge besitzt Leistungen der deutschen Industrie ein glän-
(Bild 51). Die Montage dieser Ausleger stellt zendes Zeugnis ablegen.
insofern eine Sonderheit dar, als die beiden

Bild 55. Abspanngerüst der A-Antenne

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 61

Bild 56. Die Träger der B-Antenne

Die Bedeutung der Großstation Nauen für den Orient


während des Krieges
Von Hauptmann Schlee

Die unsichere Haltung der Balkanstaaten Alarmnachrichten, in großen Buchstaben


Bulgarien und Rumänien und deren bekanntes gedruckt, wie:
Hinneigen zu unseren Gegnern bei Ausbruch „Selbstmord des deutschen Kronprinzen”,
des Weltkrieges hatten die Gefahr nahegerückt, „Schwere Niederlage der Deutschen” usw.
daß im Falle eines Eintrittes der Türkei in den waren an der Tagesordnung. Die feindliche
Krieg auf Seite Deutschlands und Oesterreichs Nachrichtenpropaganda ging in Konstantinopel
jegliche Verbindung mit dem Orient abgeschnit- sogar so weit, dem Publikum die Versenkung
ten würde, da alle Kabel und Drahtverbindun- der „Goeben“ und der „Breslau“ im Mittelmeer
gen zwischen Deutschland und Österreich mit zu verkünden, obgleich die beiden deutschen
der Türkei über den Balkan führten. Es mußte Schiffe längst unversehrt im Goldenen Horn
damit gerechnet werden, daß der Ring, der lagen und von dort aus ihre schneidigen Kriegs-
Deutschland und Österreich von der übrigen fahrten gegen die russische Flotte und die rus-
Welt absperrte, sich auf dem Balkan schließen sischen Seebefestigungen im Schwarzen Meer
und damit auch jede Nachrichtenverbindung unternahmen.
mit dem Orient unterbrechen würde. Mit wohlgefälligem und zufriedenem Lächeln
Das einzige Mittel, diesen Ring zu sprengen, nahmen das Levantinervolk und die in der
bildete die Funkentelegraphie und die Groß- türkischen Hauptstadt noch zahlreich vorhan-
station Nauen, die mit ihrer Riesenreichweite denen „Neutralen“ diese Tartarennachrichten
dazu berufen war, im Orient das um die Mit- auf. Auch die deutschen Heeresberichte kamen
telmächte gesponnene Netz zu zerreißen. infolge fehlender direkter Nachrichtenverbin-
Wie notwendig es vor allem p o l i t i s c h dung nur auf Umwegen unter der Flagge amt-
war, gerade im leichtgläubigen und bestech- licher Mitteilungen derart entstellt zur Kennt-
lichen Orient die deutsche Wahrheit zu ver- nis des orientalischen Publikums, daß aus gro-
breiten, beweisen die Zeitungsnachrichten und ßen deutschen Siegen regelmäßig Niederlagen
Maueranschläge, welche noch monatelang nach oder höchstens „Erfolge ohne Bedeutung“
Ausbruch des Weltkrieges in Konstantinopel wurden.
und anderen Städten des Orients zu lesen In richtiger Erkenntnis der zunächst außer-
waren und die öffentliche Meinung zu Un- ordentlich wichtigen p o l i t i s c h e n Bedeu-
gunsten der Mittelmächte vergifteten. tung einer direkten Nachrichtenverbindung

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Seite 62 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

zwischen Deutschland und Österreich und nigt in die Wege geleitet, und bald konnten
dem Orient hatte das preußische Kriegs- auch in diesen Städten des türkischen Reiches
ministerium im Einvernehmen mit dem Aus- die Nauenberichte dem Publikum zur Kenntnis
wärtigen Amt und dem Reichspostamt schon gebracht werden. Weitere FT-Stationen ent-
Anfang August 1914 Schritte getan, um eine standen dann der Reihe nach in den Darda-
direkte funkentelegraphische Nachrichtenüber- nellen, in Panderma (Armeeoberkommando
mittlung zwischen Berlin—Wien und dem der 5. türk. Armee, Exzellenz Liman von San-
Orient herzustellen. ders) und in Tschanak (Oberkommando der
So entstand zunächst die Funkengroßstation Meerengen, Exzellenz v. Merten), in Smyrna
Osmanié bei Konstantinopel als Gegenstation und Ardin, in Zougouldak und Sinope an den
für die Großstation Nauen (s. unsere erste Mittelländischen- und Schwarzen Meerküsten
Kriegsnummer). Kleinasiens. Überall saßen deutsche Funker zur
Aufnahme der Nauenberichte, die täglich
Am 8. 9. 1914 ging die erste Materialsen-
sowohl von den Deutschen, wie auch von unse-
dung für Osmanie in Berlin ab, erreichte nach
ren türkischen Bundesgenossen mit Spannung
größten Durchfuhrschwierigkeiten durch das
erwartet wurden. „Was berichtet Nauen?“
„neutrale“ Rumänien am 8. 10. 1914 Konstanti-
Diese Frage haben die deutschen Funker im
nopel, und bereits am 17. 12. 1914 konnten die
Orient während der 4 Kriegsjahre wohl täg-
ersten drahtlosen Nachrichten von Nauen in
lich mehr als hundertmal gehört.
der türkischen Hauptstadt aufgenommen wer-
den. Vom 8. 1. 1915 ab fand sodann regel- Ganz besondere Bedeutung gewann Nauen
mäßiger FT-Verkehr zwischen Nauen—Kon- für die Türkei in den kritischen Tagen des
stantinopel und Wien—Konstantinopel statt. März 1915, als fast täglich mit einem Durch-
bruch der Dardanellen gerechnet werden
Mit einem Schlage war durch diese direkte mußte, welcher auch die FT-Station Osmanié
Nachrichtenverbindung das Lügennetz zerrissen, bei Konstantinopel außer Betrieb gesetzt und
das die Entente, unterstützt von „Neutralen“, damit jede Verbindung mit Deutschland ge-
bis dahin über die türkische Hauptstadt gewor- stört haben würde.
fen hatte. Ein von der deutschen Botschaft in
der Hauptstraße von Konstantinopel eingerich- Als Notstation war für diesen Fall in Eski-
Schehir in Kleinasien eine FT-Station errichtet
teter Nachrichtensaal sorgte für rasche und
worden, welche trotz der geringen verfügbaren
wahrheitsgetreue Verbreitung der Nauen-Be-
Sendeenergie des von Osmanié ins Innere
richte und an die Presse wurden die wichtig-
Kleinasiens überführten 2,5 kW-Telefunkensen-
sten Nachrichten im Auszug zur Veröffent-
ders die Verbindung mit Nauen aufnehmen und
lichung gegeben. Der Erfolg der neuen Ein-
damit die sowohl politisch wie militärisch
richtungen zeigte sich bald dadurch, daß die
wichtige Nachrichtenverbindung zwischen
bisher allein verbreiteten feindlichen Nachrich-
ten immer seltener wurden, bzw. bei Neuauf- Deutschland und der Türkei im Bedarfsfalle
tauchen derartiger Lügenmeldungen durch die sicherstellen konnte, wenn infolge eines gelun-
amtlichen Nauen-Berichte rasch widerlegt genen Durchbruchs durch die Dardanellen die
werden konnten. Die Presse in Konstantinopel ganze türkische Regierung mit den diplomati-
schen Vertretungen nach Kleinasien übersiedeln
lebte nur von den Nauen-Berichten und zeigte
und die türkische Armee ihren Widerstand in
leere Spalten, wenn ab und zu die Meldungen
Kleinasien fortzusetzen gezwungen gewesen
nicht rechtzeitig eintrafen oder Störungen bei
wäre. Zum Glück trat dieser Fall dank der
deren Aufnahmen eintraten.
heldenmütigen Verteidigung der Meerengen
Neben dieser außerordentlich wichtigen nicht ein, so daß die Station Eski-Schehir, in
Versorgung der türkischen Hauptstadt mit der Hauptsache als Abhörstation verwendet,
wahrheitsgetreuen Nachrichten spielte Nauen täglich die Nauenberichte aufnehmen und diese
auch im Austausch wichtiger diplomatischer vervielfältigt durch Mitgabe an die durchfah-
Telegramme zwischen Berlin und Konstanti- renden Züge der Anatolischen Bahn in türki-
nopel damals eine ganz hervorragende poli- scher und französischer Sprache über alle Sta-
tische Rolle. tionen dieser einzigen Bahnlinie Kleinasiens
Um nun auch in Syrien, Palästina und Meso- verbreiten konnte.
potamien baldmöglichst den die öffentliche Als dann nach und nach mit dem Heran-
Meinung zersetzenden Einfluß der lügenhaften ziehen der deutschen Truppen für den Orient
Ententenachrichten auszuschalten, wurde in auch deutsche Funkerabteilungen mit ihren
Damaskus, Jerusalem und Bagdad die Errich- Feldstationen im fernsten Süden und Südosten
tung provisorischer Empfangsanlagen beschleu- des osmanischen Reiches, an der persischen

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 63

Grenze, in den Wüsten Arabiens und der terschätzt. Der feindliche, besonders der eng-
Sinaihalbinsel aufbauten, war es wiederum lische Nachrichtendienst hat, klug und raffi-
Nauen im Verein mit der Station Osmanié bei niert ausgenutzt, schon vor dem Kriege überall
Konstantinopel, welche den deutschen Orient- ein gut Teil dazu beigetragen, die Stimmung
kämpfern im fernen Osten die täglichen ein- gegen Deutschland zu erzeugen, welche bei
zigen Nachrichten aus der Heimat brachten und Kriegsausbruch fast die ganze Welt gegen uns
sie aufrecht und zuversichtlich erhielten im eingenommen hat. Vielleicht haben wir eben-
Kampfe mit Feind, Wüstensand, Krankheit und so wie in anderen Dingen doch etwas aus dem
Entbehrung. Kriege auch in dieser Hinsicht gelernt; der
Bis nach Afghanistan, wohin eine deutsche kürzlich erhobene Ruf: „Deutsche Presse ins
Expedition von Konstantinopel aus durch Per- Ausland“ ist ein gutes Vorzeichen dafür.
sien vordrang, begleitete Nauen mit seinen Be- Aber nicht nur politisch, sondern auch mili-
richten unsere deutschen Unternehmungen im tärisch hat Nauen besonders zu Beginn des
Orient. Krieges, bevor Königswusterhausen als Zen-
Als dann im Frühjahr 1918 das Kaukasus- tralstation der Obersten Heeresleitung an seine
land Georgien das russische Joch abschüttelte Stelle trat, eine nicht unbedeutende Rolle ge-
und sich unter deutschen Schutz stellte, waren spielt.
die ersten deutschen Soldaten, welche die Insbesondere erfolgte von Nauen aus ein
Hauptstadt Tiflis des großer Teil der Befehls-
befreiten jungen georgi- übermittlung durch FT
schen Staates betraten, an die türkische Flotte,
4 deutsche Funker, die die, verstärkt durch die
inmitten der russischen deutschen Schiffe „Goe-
Bolschewisten die bei- ben“ und „Breslau“,
den in Tiflis vorhandenen dem Chef des deutschen
FT-Stationen besetzten Militärgeschwaders,
und einen erfolgreichen Exzellenz von Souchon,
Kampf aufnahmen gegen als türkischem Flotten-
die besonders durch chef unterstand, und an
englische Agenten noch die in den orientali-
aufrecht erhaltene Lü- schen Gewässern im öst-
genpropaganda. Diese lichen Mittelmeer und
wurde unterstützt durch im Schwarzen Meer
die bestehenden rus- Bild 57. Antenneneinführungen in das Stationshaus operierenden deutschen
sischen Stationsbesat- Unterseeboote. Im Zu-
zungen, welche nur sammenarbeiten mit den
englische und französische FT-Berichte auf- Großstationen Osmanié und Damaskus hat
nahmen und gegen hohen Lohn an die Presse Nauen während des ganzen Krieges für die
in Tiflis weitergaben, während die Nauen- Seekriegsführung im Orient und vor Ablösung
berichte systematisch unterdrückt wurden. durch Königswusterhausen auch für die Land-
Mit Hilfe der neuen georgischen Regierung kriegsführung ganz Hervorragendes geleistet.
wurden die Stationen in Tiflis beschleunigt
Das gleiche gilt für die im Orient verwen-
von den bestochenen alten russischen Be-
deten deutschen Luftschiffe, die von Jamboli
satzungen gesäubert und bald hielt, freudig be-
in Bulgarien aus auf dem orientalischen Kriegs-
grüßt, die deutsche Propaganda in Gestalt der
schauplatz vor den Dardanellen und im
Nauenberichte auch hier ihren Einzug.
Schwarzen Meer tätig waren.
Der hohe Wert des Nachrichtendienstes von
Nauen während des Krieges als p o l i t i - Bei der Afrikafahrt des L 59, der ebenfalls
s c h e r Faktor steht besonders für den leicht von Jamboli aus aufstieg und unseren Ost-
empfänglichen und äußeren Eindrücken so afrikakämpfern, unter v. Lettow-Vorbeck Mu-
leicht zugänglichen Orientalen außer aller nition und Material bringen sollte, war es
Frage. wiederum die Station Nauen, welche im Zu-
Leider wurde vor dem Kriege zweifellos sammenwirken mit Osmanié das Luftschiff ge-
die Bedeutung eines eignen Nachrichtendien- leitete und dem kühnen, bereits bis Chartum
stes im Auslande, verbunden mit lebhafter, auf vorgedrungenen Luftkreuzer die Befehle wäh-
die Psyche des betreffenden Volkes zuge- rend der Fahrt, Wetternachrichten usw. über-
schnittener Propaganda, von Deutschland un- mittelte.

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Seite 64 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Zusammenfassend wird die Bedeutung Mochte der Großstation Nauen, dem Mark-
Nauens für den Orient während des Krieges stein deutschen Erfindungsgeistes und deut-
nochmals dahin charakterisiert, daß die scher Arbeit auch in Zukunft eine segensreiche
deutsche Großstation politisch und militärisch Tätigkeit beschieden sein beim Wiederaufbau
unentbehrlich war und unschätzbare Dienste unseres Vaterlandes, bei der Wiedereroberung
geleistet hat. Die deutschen im Orient tätig des Weltmarktes und bei der Erweckung
gewesenen Funker werden die Leistungen freundschaftlicherer Gefühle im Ausland für
Nauens und seiner unermüdlichen Besatzung alles, was deutsch ist.
nicht vergessen.

Bild 58. Der Hochfrequenzgenerator der Maschinensonderanlage in Nauen

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 65

Der Hochfrequenz-Maschinen-Sender (400 MK) Nauen


Von W. Dornig

Im Jahre 1911 begann Telefunken in Nut ein Kunststück ist, das mit besonders ge-
großem Maßstabe Versuche anzustellen, um auf schultem Personal gelingen kann, aber auf
maschinellem Wege für Antennen brauchbare keinen Fall einen überall verwendbaren Lie-
ferungs-Artikel ergibt.
Dem großen Interesse der bauenden Firma
— der AEG — ist es trotzdem gelungen, eine
Maschine für 30000 Perioden und ca. 40 kW
herzustellen, mit der seit etwa vier Jahren die
Station Deutsch-Altenburg bei Wien ununter-
brochen arbeitet.
Die Versuche mit statischen Frequenz-
Transformatoren hatten äußerst günstige Re-
sultate ergeben. Erreichte Wirkungsgrade von
ca. 90 Prozent veranlaßten Telefunken im Jahre
1912 einen 150 kW Hochfrequenz-Generator
für 8000 Perioden in Auftrag zu geben und
gleichzeitig eine Versuchsanordnung für 100 kW
Antennen-Energie mit vier Frequenz-Verviel-
fachungs-Transformatoren zu bauen. Diese
Anlage ergab bei den ersten Versuchen mit zwei
Verdopplungs-Stufen (8000 auf 16000 auf
32000 Perioden = 9400 m Wellenlänge) in
Bild 59 a der Antenne 140 Amp; das waren bei der da-
maligen Nauener-Antenne von 5 Ohm Wider-
Periodenzahlen zu erzeugen. Es wurden gleich- stand ungefähr 100 kW. Hiermit wurde an die
zeitig die beiden möglichen Wege beschritten: Telefunkenstation Sayville bei New York am
1. Hochperiodige Maschinen von 30000 bis 18. Oktober 1913 3°° nachmittags — also bei
50000 Perioden für direkten Antennen- Tageslicht auf der ganzen Strecke — das erste
anschluß und Telegramm gesendet und dort fehlerfrei aufge-
2. mit Gleichstrom gesättigte statische Fre- nommen. Damit war der erste drahtlose Ta-
quenztransformatoren im Zusammenhang gesverkehr mit Amerika eröffnet.
mit mittelperiodigen Generatoren von
5000 bis 10000 Perioden zu verwenden.
Der erstere Weg ist wohl an sich der ein-
fachere, doch zeigte sich bald, daß mit dieser
Methode für größere Leistungen eine absolute
Betriebssicherheit — das unbedingte Erforder-
nis einer brauchbaren drahtlosen Übersee-
Station — nicht gewährleistet werden kann.
Obgleich Telefunken von vornherein den Asyn-
chron-Generator verwarf und die alte Gleich-
pol-Induktor-Type adoptierte, die bekanntlich
keinerlei rotierende Wicklung, sondern nur
einen massiven Rotationskörper aus Stahlguß
besitzt, stand für z. B. 30000 Perioden bei
210 m Umfangsgeschwindigkeit nur eine Pol-
210000
paarteilung von = 7 mm zur Verfügung,
30000
das ist 3,5 mm pro Nutteilung. Um einen me-
chanisch brauchbaren Steg zwischen den Nu- Bild 59 b
ten zu erhalten — ≈ 1,5 mm — bleiben dabei für
die Nut nur noch ca. 2 mm übrig. Für jeden Weitere Verbesserungen an Schaltung, Tast-
Techniker bedarf es keines Beweises mehr, daß Verfahren, konstruktive Ausbildung der Einzel-
das Wickeln und Isolieren einer solchen Apparate, Erhöhung der Antennen-Energie auf

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Seite 66 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

400 Amp. ≈ 400 kW in der Antenne etc., wur- vollkommen unbedenklich. Die Isolations-Prü-
den trotz der Kriegszeit und durchweg 24-stün- fung der Wicklung wurde mit 6000 Volt vor-
digem Betrieb in Nauen ausgeführt. Die chro- genommen.
nologische Aufführung der einzelnen Etappen Hierbei möchte ich auf die, dem 50-Perioden-
würde hier zu weit führen. Im folgenden soll Techniker nicht ohne weiteres geläufige
der Hochfrequenz - Maschinen - Sender von Tatsache hinweisen, daß bei konstanter Er-
400 kW beschrieben werden, dessen Zeichen regung des Hochfrequenz-Generators seine
jedem Funkbeamten auf der ganzen Erde seit Klemmenspannung infolge des auf Resonanz
Jahren bekannt sind. abgestimmten Kreises mit dem Anwachsen des
Der Hochfrequenz-Generator ist, wie schon Stromes steigt und zwar infolge der eigenen
vorerwähnt, eine so- Selbstinduktion der
genannte Gleichpol- Maschinen-Wicklung.
Induktor-Type, des- Wird der Generator
sen Aufbau mit so geschaltet, daß
geöffneten Schutz- er eine elektromo-
schildern Bild 58 torische Kraft von
zeigt. 1800 Volt und dem-
Die prinzipielle zufolge 300 Amp.
Konstruktion ist aus abgibt, dann beträgt
Bild 59 a und b zu er- die Selbstinduktion
sehen. Der Rotor ist der Maschine
ein über 7 Tonnen 240000cm.
schwerer massiver Die Induktanz-
Bild 60
Stahlguß-Körper von spannung demnach
ca. 1,65 m Durchmesser mit eingefrästen Zähnen J · ω · L =
am Umfang. Bei der normalen Tourenzahl von 300·6,28·6000·240000·10-9 = 2800 Volt; das er-
1500 p.M. beträgt die Umfangsgeschwindigkeit gibt ohne Berücksichtigung des geringen
ca. 130 m/Sek., sie ist mechanisch ohne Be- Ohm'schen Spannungsverlustes in der Ma-
denken. Der Generator gibt dabei 6000 Perioden schine eine Klemmenspannung von
∞ ⋅ 60 1800 2 + 2800 2 ≅ 3340 Volt effektiv.
entsprechend einer Zähnezahl =
n Nun kann zwar durch z.B. 4-malige Unter-
6000 ⋅ 60 teilung der Wicklung und Zwischen-Schaltung
= = 240 und doppelter Nutenzahl =
1500 von Kapazitäten, die so bemessen sind, daß sie
480 (pro Pol eine Nut.). Die Nutteilung ist die Induktanzen gerade kompensieren, die
1650 ⋅ π Maximal-Spannung in der Maschine auf den
= 10,8mm . vierten Teil reduziert werden. Doch müßte die
480
Mit diesen Werten läßt sich ein genau so Kapazität für jedes Viertel der Wicklung dann
sicherer Generator bauen, wie etwa bei 50-Pe- betragen:
rioden; der mehr als 4-jährige ununterbrochene 1 9 ⋅ 1011 ⋅ 109
C= 2 = ≅ 10 7 cm.
Betrieb mit dieser Maschine in Nauen ist bis ω ⋅ L 6,282 ⋅ 6000 2 ⋅ 60000
heute ohne die geringste Störung und ohne jede Dabei müßte diese Kondensatoren-Batterie
Reserve durchgeführt worden. Ein solches 300 Amp. dauernd vertragen können. Solche
Resultat kann kein anderer Hochfrequenz- Größenordnungen sind erstens sehr teuer und
Sender aufweisen. würden zweitens, da nur Glimmer oder Papier-
In die Stator-Bleche oberhalb der Nuten Stanniol oder dergl. in Frage kommt, eine Be-
sind Rohrschlangen (siehe Bild 58) für Wasser- triebsunsicherheit in die Anlage hinein bringen,
kühlung eingelegt, und außerdem trägt der Ro- die Telefunken gänzlich vermieden hat.
torkörper noch zwei kräftige Ventilatoren, die Die Maschine wird vielteilig parallel ge-
Frischluft durch „Hosen“ in den Schutzschil- schaltet, so daß, wie erwähnt, die induzierte
dern ansaugen und durch eine Oeffnung im Ge- EMK nur 450 Volt beträgt. Die Selbst-
häuse wieder ins Freie drücken; ähnlich wie die induktion ist dann nur noch 15000 cm
bewährte Konstruktion bei rasch laufenden und die Induktanzspannung - 9 Es = J ·ω·L =
Turbo-Generatoren. 1200·6,28·6000·15000·1 0 =675 Volt dem-
Der Generator liefert bis 450 Volt und nach die Klemmenspannung der Maschine —
1200 Ampere Hochfrequenz-Strom und erreicht ohne Berücksichtigung des Ohm'schen Span-
nur maximal 35° Ueber-Temperatur. Eine nungs-Verlustes, der gering ist —
stundenweise 30prozentige Ueberlastung ist E Kl = 450 2 + 675 2 ≅ 800Volt .

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 67

Hierbei soll eine kurze Erläuterung für die die nach außen auf einen Widerstand von
Nicht-Spezialisten eingefügt werden: Ein l Ohm nutzbar abgegeben werden kann; in die-
Hochfrequenz-Generator von z. B. denselben sem Falle ≅ 190 kW.
elektrischen Werten wie der eben beschriebene Die Maschinen-Selbstinduk-
von Nauen möge auf einen Widerstand arbei- tion beträgt = 15000 cm
ten, der selbstinduktionsfrei ist, am besten auf und die Selbstinduktion der
einen Wasserwiderstand. Der Generator sei eingeschalteten Spulen möge = 485000 cm
voll erregt auf 450 Volt und der Kreis ist durch sein.

Bild 61

Selbstinduktions-Spulen und Kondensatoren Unter Vernachlässigung der


auf Resonanz abgestimmt nach Bild 60. Selbstinduktion der Leitungen
wären demnach im Kreise vor-
Der innere Verlust-Wider- handen = 500000 cm
stand einschl. Skineffekt der 1
Maschinen-Wicklung sei = 0,02 Ohm Im Resonanzfall muß ω ⋅ L = sein; dem-
ω⋅ C
der Verlust-Widerstand der 1 11
9 ⋅ 10 ⋅ 10 9
Selbstinduktions-Spulen = 0,02 Ohm nach C = 2 =
der Verlust-Widerstand der ω ⋅ L 6,28 ⋅ 6000 2 ⋅ 500000
2

Kondensatoren = 0,02 Ohm ≅ 1,27 ⋅10 6 cm


der Verlust-Widerstand der
Die Spannung am Kondensator beträgt bei dem
Leitungen = 0,01 Ohm
im Kreise fliessenden Strom von 435 Amp. =
und der Wasser-Widerstand
sei eingestellt auf = 1,00 Ohm J 435 ⋅ 9 ⋅ 1011
Ec = =
Demnach der Gesamtwider- ω ⋅ C 6,28 ⋅ 6000 ⋅ 1,27 ⋅ 10 6
stand im Kreise: = 1,07 Ohm ≅ 8175 Volt effektiv
bei den eingeschalteten Spulen
Wird der Generator auf eine EMK = 450 E s = J ⋅ ω ⋅ L = 435 ⋅ 6,28 ⋅ 6000 ⋅ 485000 ⋅10 −9
450 ≅ 7930 Volt effektiv,
Volt (leer) erregt, so werden im Kreise ≅
1,07 und die Induktanzspannung der Maschine
435 Amp. fliessen und am Wasserwiderstand E s − Masch. = 435 ⋅ 6,28 ⋅ 6000 ⋅ 15000 ⋅ 10 −9
sind 435 Volt zu messen. Das ist die Energie, ≅ 245 Volt effektiv.
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Seite 68 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Letztere addiert sich geometrisch, da sie um Bild 62 zeigt einen Frequenz-Transfor-


90° der induzierten EMK nacheilt, zu der mator für 400 kW Sekundär-Abgabe, der die
Klemmenspannung Periodenzahl von 12000 auf 24000 erhöht.
(2 solcher Transformatoren-Kerne bilden be-
EK = [450 − (435 ⋅ 0,02)]2 + 2452 kanntlich zusammen eine Frequenz-Verviel-
≅ 505 Volt effektiv fachungsstufe.) Er besteht aus 0,07 mm dün-
Würde man zur Abstimmung die doppelte nen, gestanzten Eisenblech-Ringen von zusam-
Kapazität wählen, = (1,27 · 106) · 2 = 2,54 · men ca. 36 kg Gewicht, die in dünne Pakete
106 cm, so würde die Kondensatorspannung nur zusammengepreßt sind, zwischen denen auto-
8175 matisch eine kräftige Oel-Zirkulation statt-
noch ≅ 4090 Volt betragen. Dabei wird
2 findet. Dieser Transformator arbeitet mit ca.
an Selbstinduktion auch nur die Hälfte = 90 Prozent Wirkungsgrad; bei 400 kW Sekun-
500000 där-Leistung sind das 44 kW Verluste, die als
= 250000cm im Kreise gebraucht und Wärme abgeleitet werden müssen. Das ist un-
2 gefähr das Doppelte von dem, was ein 50-Pe-
an den Spulen wird demnach auch nur ca. die rioden-Transformator von gleicher Leistung,
halbe Spannung auftreten.
aber bei etwa zehnfachen Abmessungen, ab-
führen muß. Diese schwierige Aufgabe ist rest-
los gelöst worden. Die Frequenz-Transforma-
toren liegen in einem relativ großen Oelkasten,
dessen warmes Oel oben von einer Pumpe ab-
gesaugt und durch im Wasser liegende Rohr-
schlangen wieder unten in den Transformator-
Kasten gedrückt wird. Nach 24-stündigem
Dauerbetrieb beträgt die max. Übertempe-
ratur des Oeles ca. 40°. Die Kühlschlangen
liegen in einem Teiche vor dem Stationsge-
bäude, dessen Oberfläche zur Wärmeabfuhr
genügt, so daß Frischwasser-Zufuhr, mit Aus-
nahme des Ersatzes der Verdunstung, nicht
nötig ist. Dazu wird in Nauen das verbrauchte
Kühlwasser des Hochfrequenz-Generators
Bild 62. Frequenz-Transformator benutzt.
Das Kupfergewicht des Transformators be-
Dabei bleibt die Spannung an der Maschine trägt ca. 20 kg. Auf Bild 62 dürfte die äußerst
und am Wasserwiderstand und ebenfalls die kleine Windungszahl besonders auffällig sein.
Stromstärke im Kreise vollständig unverändert, Darüber eine kurze Erklärung:
höchstens wird der Ohm'sche Verlust-Wider-
stand der geänderten Kondensatoren und Spu- Aus der Dimensionierungs-Formel für
len einen nicht in Betracht kommenden Einfluß E ⋅10 8
Transformatoren etc. Q=
auf die Stromstärke ausüben. B ⋅ Z⋅ ~ ⋅4,44 ⋅ k
Der Hochfrequenz-Generator in Nauen liefert ist ohne weiteres zu ersehen, daß bei 12000 Pe-
aber 1200 Amp. und soll auf einen Antennen- rioden nur der 240ste Teil des Eisen-Quer-
Widerstand von 2,7 Ohm arbeiten. Zu diesem schnittes gebraucht wird, wie bei 50 Perioden,
Zwecke wird die Hochfrequenz-Energie nun unter der Voraussetzung, daß die Induktion und
vorerst einem Spannungs-Transformafor zuge- Windungszahl die gleiche wäre. Bei Re-
führt, der die an sich geringe Generatorspan- sonanzkreisen ist die übliche hohe Windungs-
nung auf den Betrag erhöht, der nötig ist, um zahl der Transformatoren aber unmöglich, weil
einschließlich der Spannungsverluste in den die Selbstinduktion und damit die Spannung
Transformatoren, Kondensatoren, Spulen, Lei- einer gegebenen Konstruktion ca. proportional
tungen etc., den gewünschten Strom in die An- mit dem Eisen-Querschnitt (Q) und dem Quadrat
tenne zu drücken. Das Schema Bild 61 gibt die der Windungszahl (Z) steigt. Unabhängig von der
prinzipielle Schaltung des Senders an. aufgedrückten EMK — z. B. auf abgestimmten
Die Wirkungsweise der Frequenz-Stei- Kurzschluß-Kreis arbeitend — entsteht an den
gerungs-Transformaforen ist bekannt und be- Transformator-Klemmen die um 90° ver-
reits in verschiedenen Abhandlungen veröffent- schobene Induktanzspannung J ⋅ ω ⋅ L .
licht worden. Es wird hier genügen, die be- Der abgebildete Transformator besitzt bei
währte Ausführungsform zu erläutern. ca. 10 Windungen eine Selbstinduktion von

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 69

etwa 100.000 cm.; das gibt bei 12000 Perioden dem Transformator; nämlich die für die
und 400 Amp. eine Induktanzspannung von Gleichstrom-Magnetisierung. An sich könnte
E s = 400 ⋅ 6,28 ⋅12000 ⋅100000 ⋅10 −9 ≅ 3000Volt wohl die Sekundär-Wicklung den Gleich-
Ein Vektor der aufgedrückten EMK von 1000 strom mit führen, weil beide Wicklungen
oder 1500 Volt würde keine wesentliche gleichsinnig laufen; doch wird an Kupfer da-
Größen-Veränderung ergeben. Daraus ist zu mit nicht gespart, weil der Querschnitt der
ersehen, daß bei größeren Stromstärken die Wicklung entsprechend den beiden gleichzei-
Klemmenspannung der Transformatoren fast tig fließenden Strömen vergrößert werden
ausschließlich von der Stromstärke bestimmt muß; andernfalls wirkt die bedingte gleiche
wird. Windungszahl praktisch einschränkend.
Bei 20 Windungen, also doppelt so viel wie bei Infolge der geringen Windungszahl wird ein
der vorhergehenden Rechnung würde die relativ starker Gleichstrom von ca. 300 Amp.

Bild 63. Geöffneter Kondensator

Selbstinduktion ca. das vierfache betragen benötigt, um die erforderliche Ampere-Win-


demnach bei gleichem Eisen-Querschnitt auch dungszahl zu erhalten; er wird von einer klei-
die vierfache Resonanzspannung an den Trans- nen Niedervolt-Dynamo geliefert. Diese muß
formatoren auftreten. Die Isolierung solcher gegen die Hochfrequenz-Spannungen ge-
Spannungen würde Platz beanspruchen, einen schützt werden, die an den verschiedenen
größeren Blechring-Durchmesser bedingen, da- Frequenz-Transformatoren in der Gleich-
durch nur schädliches, verlustbringendes Eisen- strom-Wicklung induziert werden. Das ge-
volumen schaffen, aber noch keinen Eisen- schieht durch Einschalten einer großen Dros-
Querschnitt, der infolge der erhöhten Spannung selspule vor die den Magnetisierungsstrom
wiederum erforderlich ist, um die für den Fre- liefernde Dynamo.
quenz-Vervielfachungs-Effekt günstigste In- Die Drossel besteht aus dem Eisenkern
duktion B zurückzubringen. eines normalen 50 Perioden-Transformators mit
Diese kurze Skizze zeigt, daß die Größen- zwei Wicklungen, wovon je eine Wicklung vor
wahl zwischen den beiden Faktoren Kupfer und jedem Pol der Niedervolt-Dynamo liegt. Die
Eisen, wie es z. B. bei Licht- und Kraft-Trans- Selbstinduktion der Drosselspule beträgt etwa
formatoren üblich ist, nur eine verschwindende 10 -1 Henry; das sind für 12000 Perioden =
Bedeutung hat gegenüber der Bestimmung der ω ⋅ L = 6,28 ⋅12000 ⋅10 −1 ≅ 7500 Ohm. Die
optimalen Verhältnisse bei Frequenz-Transfor- Klemmenspannung an den Transformatoren
matoren. beträgt sowohl an der Primär-, als auch an
Außer der Primär- und Sekundär-Wicklung der Sekundär- und Gleichstrom-Wicklung
befindet sich noch eine dritte Wicklung auf ca. 4000 Volt; durch die Niedervolt-Dynamo

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Seite 70 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Bild 64. Das Variometer

läuft demnach nur noch ein Hochfrequenz- einer max. Uebertemperatur von 45 Grad. Er
4000 entspricht also ebenso vollständig den Vor-
strom von ≅ 0,5 Amp, der die Betriebs- schriften des V. D. E., wie die übrigen Teile
7500
Sicherheit in keiner Weise mehr beeinträchti- eines Telefunken-Hochfrequenzsenders. Die
gen kann. Kondensatoren werden mit 15 000 Volt geprüft
Mit Ausnahme der Antennen-Verlänge- und mit etwa 6000 Volt im Betriebe bean-
rungsspulen, wovon ein Satz als Variometer sprucht; diese Spannung wird übrigens in der
ausgebildet ist, sind keinerlei Spulen weiter ganzen Anlage mit Ausnahme der Antennen-
vorhanden; die Abstimmung der übrigen Kreise spulen gegen Erde nirgends überschritten. Die-
geschieht ausschließlich durch Kapazität. Hier ser Normalkondensator kann auch anders ge-
tauchte die Aufgabe auf, einen Kondensator schichtet werden und besitzt dann eine Kapazi-
nach den Anforderungen der Starkstromtechnik tät von 130000 cm oder 230000 cm oder
zu bauen, der betriebssicher war, Transporte 450000 cm. Die Belastungsfähigkeit sinkt
aushielt usw. und gewissermaßen einen natürlich mit der Größe der Kapazität und zwar
maschinellen Massenartikel darstellt. Glimmer- verträgt der
platten, Stanniol, Glas usw. — alles Materia- 60000 cm-Kondensator 150 kVA Dauerlast
lien, die für physikalische Versuchsapparate 130000 „ 100 „ „
sich gut bewähren, mußten vermieden werden. 230000 „ 75 „ „
Auch hier hat Telefunken Neues geschaffen. 450000 „ 45 „ „
In normale Transformatorenkästen werden Die Kapazität in einem Kreise wird durch eine
abwechselnd Zink- und Preßspahnplatten ge- Batterie solcher Kondensatoren von etwa 40
schichtet und das Ganze mit Oel gefüllt. Ein Stück gebildet. Das Abstimmen des Kreises auf
solcher Kondensator von den Abmessungen die von der Maschine aufgedrückte Peri-
etwa 800×400×300 mm hat 60000 cm Kapazität odenzahl erfolgt durch Ab- bzw. Zuschalten
und verträgt eine Dauerlast von 150 kVA bei einzelner Kondensatoren mit derselben Leich-

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 71

tigkeit wie etwa das Spannungsregulieren bei pelt sind und durch Druckknopfbetätigung
einer Akkumulatorenbatterie. Bild 20 zeigt motorisch in eine beliebige Stellung gebracht
im Hintergrunde die Kondensatorenbatterien werden können; das ist der Wellenschalter.
und Bild 63 einen geöffneten Kondensator. Er schaltet gleichzeitig die gewünschten Fre-
Die Eigenschwingung der Antenne beträgt quenz-Transformatoren, die dazu gehörigen
in Nauen etwa 5000 m bei etwa 30 000 cm Kondensatorgruppen und die notwendige An-
Kapazität, während die Uebersee-Standard- tennenverlängerung ein, und es kann damit der
Welle während des ganzen Krieges etwa Wellenwechsel in etwa ½ Minute vorgenom-
12000 m war; die Antenne mußte also wesent- men werden.
lich verlängert werden durch Spulen, deren Der 400 MK-Sender Nauen arbeitet mit 4
Selbstinduktion festen Wellen von 16,8, 12,6, 8,4 und 6,3 km.
λ2 cm 12,6 2 ⋅1010 Die Wellen entstehen nach folgender Tabelle:
L= = ≅ 1,300000cm Grundperiode des Generators
(2π) 2 ⋅ C 40 ⋅ 30000 = 6000 Per. = 50000 m Welle
erreichte. Die Eigen-Selbstinduktion der An- nach einmaliger Verdopplung
tenne kann vernachlässigt werden, da ein ge- = 6000/12000 Per. = 25000 m „
wisser Ueberschuß an Spulen bei evtl. verlang- nach einmalig. Verdreifachung
ter weiterer Verlängerung der Welle und auch = 6000/18000 Per. = 16670 m „
aus Reserverücksichten vorhanden sein muß. nach zweimaliger Verdopplung
Vorgenannte Zahl gibt nur die Größenordnung an. = 6000/12000/24000 Per. = 12500 m „
Die Antennen-Verlängerungsspulen (siehe nach einmal. Verdopplung plus
Bild 29) und das Variometer haben ca. 2 m einmaliger Verdreifachung
Durchmesser und jede Einzelspule etwa = 6000/12000/36000 Per. = 8335 m „
150000 cm Selbstinduktion; drei solcher Spu- nach dreimaliger Verdopplung
len sind immer zu einer Gruppe zusammen- = 6000/12000/24000/48000 Per. = 6250 m „
gefaßt. Eine größere Anzahl Spulen in einer Da der Hochfrequenz-Generator nicht mit
Achse direkt aneinander zu koppeln würde synchroner Turenzahl läuft, werden die Wel-
infolge der entstehenden großen Felddichte len etwas länger als oben angegeben.
zu Wirbelstromverlusten und damit zu Er- Der Wirkungsgrad einer Telefunken-Hoch-
wärmungen der inneren Windungen der Spu- frequenzstation ist überraschend gut in Anbe-
len führen. Wenn der innere und damit auch tracht dessen, daß der Sender im wesentlichen
der äußere Durchmesser der Spulen vergrößert aus Maschinen und Transformatoren für 6000
wird, kommt man sehr bald an eine Grenze, bis 48 000 Perioden besteht. Die Frequenz-
bei der die wirtschaftliche Herstellungsmöglich- Steigerungs-Transformatoren arbeiten im
keit in Frage gestellt wird. Diese Erwägungen Durchschnitt mit 92—80 Prozent Wirkungs-
führten zur Aufstellung der Spulen in Gruppen. grad je nach der Periodenzahl, nach folgender
Die der Erdung zunächst liegenden Spulen Tabelle; dabei ist keine intermittierend wir-
bilden das Variometer, welches in Bild 64 zu kende Telegraphierbelastung, sondern Dauer-
sehen ist. belastung zugrunde gelegt.
Durch einen Motor angetrieben, laufen Motor - Aufnahme des Hochfrequenz-Umfor-
Stromabnehmer auf den Kupferbandspiralen mers: leer = 86 kW
und variieren dadurch die Selbstinduktion der Voll-Last = 620 kW
zwei gekoppelten Spulen von 0 bis zum Maxi- Antennen-Energie bei 66%
mum (im vorliegenden Falle bis etwa 400 000 12600 m Welle = 410 kW 56%
Zentimeter). Der antreibende Motor ist um- 8400 m Welle = 345 kW 53%
steuerbar und wird durch Druckknopf-Schal- 6300 m Welle = 330 kW
tung in Gang gesetzt. Auf dem Bedienungs-
Bei der Welle von 12600 m beträgt die
schaltpult wird durch Drücken auf einen der
Stromstärke in der Antenne etwa 400 Amp.; die
beiden Druckknöpfe das Variometer betätigt
effektive Spannung in der Antenne demnach
und die Antenne damit nach dem Antennen-
Amperemeter abgestimmt. Das ist übrigens die J 400 9 1011
E= = ⋅ ⋅
einzige Manipulation, die nach dem Einschal- ω ⋅ C 6,28 24000 30000
ten des Senders erforderlich ist, um telegra- ≅ 80.000 Volt effektiv.
phieren zu können, und dauert den Bruchteil Bei der Welle von 16 800 m würde sie bei
einer Minute. gleicher Stromstärke proportional größer sein,
Auf Bild 20 sind links oben eine Anzahl also ca. 107000 Volt effektiv. Damit ist die
5-poliger Schalter auf einer Marmorwand sicht- praktisch brauchbare Spannungsgrenze erreicht
bar, die miteinander durch eine Welle gekup- oder überschritten. Die Behauptung, auch mit

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Seite 72 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

150 000 oder 200 000 Volt arbeiten zu können, Telegraphieren möglich. Der Antennenstrom
ist von verschiedenen Seiten aufgestellt wor- fällt dabei nicht auf Null; je schneller gegeben
den; aber um in ca. 250 m Höhe bei den in wird, desto mehr verschwimmen die einzelnen
Frage kommenden großen Spannweiten im Morsezeichen und von der ausgestrahlten An-
Winter bei einer bis zu 8 cm starken Eis- tennenenergie kann auf der Empfangsseite nur
belastung des einzelnen Drahtes und evtl. ein Teil benutzt werden — die Differenz
gleichzeitig auftreten- zwischen Rest- und
dem Sturm von viel- Maximalstrom in der
leicht 30 m/Sek. keinen Antenne.
Antennenbruch zu ris- In Nauen beträgt bei
kieren — verbietet offener Taste die Mo-
sich eben erfahrungs- toraufnahme 125 kW,
gemäß aus mechani- bei Strichbelastung
schen Rücksichten eine 620 kW. Da nun auf
Isolation über 100 000 einem Morsestreifen
Volt Effektivspannung. die Gesamtlänge der
Die Benutzung sehr gro- Zeichen zu den Pausen
ßer Wellen beschränkt sich ungefähr verhält
demnach die max. wie 0,4 : 0,6, so be-
Stromstärke in der An- trägt die mittlere
tenne, falls man nicht Motoraufnahme beim
riesige und enorm teure Telegraphieren
Antennengebilde her- Bild 65. Tastrelaisanlage (620 · 0,4) + (125 · 0,6)
stellen will. Interessant = 325 kW.
dürfte die Erwähnung der Tatsache sein, daß Nauen sendet also mit einer mittleren
der cos ϕ in der Antenne bei den langen Motoraufnahme von 325 kW die Morsezeichen
Wellen etwa 0,01 beträgt. in einer Stärke von 400 kW aus. Der daraus
Der Telefunken-Hochfrequenz-Maschinen- zu errechnende paradoxe Wirkungsgrad hat
sender wird beim Telegraphieren von Voll-Last trotzdem seine Berechtigung als Vergleichszahl,
auf Leerlauf getastet. wenn man den Maschinensender mit einem
Der Bogenlampensender arbeitet dagegen Bogenlampensender vergleicht. In Tabellen-
bekanntlich mit konstanter Energie, zum form aufgestellt ergibt sich folgendes Bild:
Zwecke des Zeichengebens wird nur die Welle
geändert, z. B. durch Kurzschließen eines Motor-Aufnahme des Hoch-
Stückes der Antennen-Verlängerungsspule. frequenz-Generators
Beim Telefunken-Sender wird in den ersten beim Telegraphieren = 325 kW
(Maschinen-) Resonanzkreis (s. Bild 61) ein Zeichenstärke in der Antenne
derartig großer Widerstand eingeschaltet, bei 12 600 m Welle = 410 kW
daß eine Frequenz-Vervielfachung nicht „ 8 400 m „ = 345 kW
mehr stattfindet, demnach bei offener „ 6 300 m „ = 330 kW
Taste der Strom in der Antenne absolut Null Die Konstruktion der Tastrelais für solche
ist. Die Zeichen werden dadurch sehr scharf große Energien war eine schwierige Aufgabe.

Bild 66

und als Lautstärke an der Empfangsstelle wird Zu tasten sind an dem Tastwiderstand etwa
die ganze Amplitude ausgenutzt. Andere Tast- 320 Amp. und 1900 Volt = 6000 kVA. Es
methoden sind lange ausprobiert worden, z. B. dürfte ohne weiteres klar sein, daß mit einem
— was am naheliegendsten war — durch Tasten Relais die erforderliche große Geschwindig-
der Gleichstrom-Magnetisierung; doch ist da- keit nicht erreicht werden kann. Aus diesem
mit infolge der Remanenz der doch immerhin Grunde wurden relativ kleine Relais gebaut
beträchtlichen Eisenmengen nur ein langsames und eine Anzahl davon in Serie geschaltet.

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 73

Bild 65 zeigt den Aufbau der Tastrelais, Die relativ scharfe Resonanzkurve in der
die mit einer Geschwindigkeit von ca. 80 Wör- Antenne zwingt zur Einhaltung einer möglichst
tern in der Minute arbeiten. Da ein Wort im konstanten Turenzahl. Welch große Bedeu-
Durchschnitt zu 5 Buchstaben und ein Buch- tung dieser Frage zukommt, zeigt folgendes:
stabe zu 3 Zeichen gerechnet wird, so ergibt Resonanz in einem abgestimmten Schwingungs-
sich eine sekundliche Unterbrecherzahl
80 ⋅ 5 ⋅ 3
von = 20 . Dabei arbeiten die
60
Relais praktisch funkenfrei.
Kurze Zeit vor Abbruch des Amerika-
Verkehrs Nauen—Sayville wurde be-
reits öfters von Nauen schnell gegeben
und die Gegenstation Sayville hat in
l Stunde mit dem Tempo 50 Wörter
pro Minute = 3000 Wörter pro Std.
fehlerfrei empfangen. Leider konnte
dann infolge fehlender Überseestatio-
nen kein weiterer Ausbau des Schnell-
verkehrs zwischen Großstationen erfol-
gen. An Verbesserung und Erhöhung
der Gebegeschwindigkeit wird zurzeit
gearbeitet. Bild 67 a
Durch einen Zentrifugalventilator von etwa kreise bedeutet, daß Induktanz = Kondensanz
l PS und 500 mm Druck Wassersäule wird ist. Die Widerstände in der Antenne zeigt das
Luft zwischen die Kontakte der Tastrelais ge- Vektor-Diagramm (Bild 66), wobei der Ver-
blasen, wodurch eine Funkenbildung und un- lustwiderstand senkrecht steht, der in
zulässige Erwärmung vollkommen vermieden Nauen bei einer Kapazität von ca. 30000 cm
wird. Die Kupferkontakte von ca. 50 gr und 12500 m Welle ca. 2,7 Ohm beträgt. Die
sind auswechselbar, dies ist nach ca. 3- bis Kondensanz ist dabei =:
4wöchigem Verkehr erforderlich. Dieser mini- 1 9 ⋅1012
male Verschleiß ist übrigens mit Ausnahme der = ≅ 200 Ohm
ω ⋅ C 6,28 ⋅ 24000 ⋅ 30000
Diese Größe ist natürlich gleich
der Induktanz. Letztere steigt, bzw.
die Kondensanz fällt mit höherer
Periodenzahl = Umdrehungszahl der
Hochfrequenzmaschine und umge-
kehrt. Nehmen wir an, durch
Änderung der Periodenzahl des
Energie liefernden Netzes laufe
der Generator ½ % schneller,
so wird die Induktanz von 200 auf
201 Ohm steigen und die Kon-
densanz von 200 auf 199 Ohm
fallen. Es besteht also keine Re-
sonanz mehr. Da nunmehr die
Differenz zwischen Induktanz und
Kondensanz = 201—199 = 2 Ohm
Bild 67b
sich mit dem Verlustwiderstand
der Antenne von 2,7 Ohm
Lagerschalen usw. von rotierenden Teilen der geometrisch addiert, wird
Anlage der einzige, der bei dem Maschinen-
R Ant = 2,7 2 + 2 2 = 3,36Ohm .
sender auftritt.
Dazu soll bemerkt werden, daß der Tele- Die vom Generator abgegebene Spannung ver-
funken-Hochfrequenzumformer für 400 kW 2,7
mag nur noch J Ant ⋅ ≅ 80%
Antennenenergie seit über 4 Jahren ununter- 3,36
brochen läuft, ohne daß die Lager auch nur des Maximalstromes in die Antenne zu
ein einziges Mal geöffnet zu werden brauchten. drücken. Die Strahlung der Antenne nimmt be-

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Seite 74 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

kanntlich mit dem Quadrat der Stromstärke ab, gewünschten Ziele führen, weil dabei einmal
und sinkt infolge ½ prozentiger Tourenschwan- konstante Belastung vorausgesetzt ist, was
kung auf 64 Prozent ihres Maximalwertes her- beim Telegraphieren nicht der Fall ist, und
unter. ferner der Einfluß der Maschinenerwärmung
Bild 67a und 67b zeigen die nach vorge- auf die Drehzahl ganz ausfällt.
nanntem Beispiel errechneten Resonanzkurven Also muß der primäre Anstoß zur Einlei-
bei verschiedenen Kapazitäten und Wellen- tung der Regulierung von der Turenänderung
längen und den bedeutenden Einfluß von Tu- des zu regulierenden Motors selbst ausgehen;
renänderungen auf die Stromstärke und Ener- Bedingung dabei ist, daß der Regulator bei der
gie in der Antenne. allergeringsten Aenderung schon anspricht und
Auf der Empfangsseite verringert sich diese dabei die nötige Energie entwickelt, um relativ
Energie bzw. Lautstärke noch viel mehr, weil verzögerungslos die Korrekturwiderstände ein-
die Kapazität der Empfangsantenne bzw. der zuschalten. Das ist beim Telefunken-Regulator
Zwischenkreise gering ist. Beträgt sie z. B. der Fall; er wirkt schon bei 0,01 Prozent
nur 5000 cm, also den sechsten Teil der Sender- Turenänderung und ist trotz alledem kein
antenne, so muß der Wechselstromwiderstand empfindlicher physikalischer Versuchsapparat,
des Empfangskreises sechs mal größer und da- sondern eine praktisch brauchbare Einrich-
mit die Resonanzkurve bedeutend spitzer tung. Auch auf diesem Gebiete wird zurzeit mit
werden als bei der Senderantenne. Die durch guten Aussichten weitergearbeitet und ein
die Turenschwankung hervorgerufene Ver- späterer Artikel wird die Einzelheiten der
schlechterung sowohl auf der Sender-, als auch Regulierung näher erläutern.
auf der Empfangsseite addiert sich natürlich, Zum Schlüsse möge noch erwähnt sein, daß
und es kann daraus ersehen werden, welch un- bei dem Bau aller Telefunken-Hochfre-
geheure Bedeutung eine gut automatisch wir- quenz-Maschinensender die Prinzipien der 50-
kende Tourenregulierung besitzt. Perioden-Starkstromtechnik in allerweitestem
Telefunken hat an gelieferten Hochfrequenz- Umfange angewendet sind. Fast alle Einzel-
Maschinenstationen bereits solche automatische teile sind Normalien der Elektrotechnik, wie
Turenregulierungen ausgeführt und zwar mit Transformatoren, Schalter, Isolatoren, Schalt-
dem Erfolge, daß z. B. die maximale Turen- pulte usw.; die Kondensatoren entsprechen in
änderung zwischen Vollast und Leerlauf bei ihrer äußeren Form normalen Transformatoren.
einem 60 kW Hochfrequenzgenerator von 3000 Das einzige, was von dem Eindruck einer nor-
Touren nur noch 5 Touren beträgt, das sind 0,18 malen Elektrizitätszentrale abweicht, sind die
Proz. Bei allen bewährten, bekannten Reglern Verlängerungsspulen für die Antenne und die
wird entweder von der Spannung oder vom relativ großen Hochfrequenz-Amperemeter von
Strome aus der Reguliervorgang eingeleitet; etwa 750 mm Durchmesser für die Hochfre-
das kann aber für die verlangte Feinheit zu quenzströme in den einzelnen Kreisen und der
Zwecken der drahtlosen Telegraphie nicht zum Antenne.

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 75

Bild 68. Empfangsanlage mit Rahmenantenne in Geltow

Die Empfangsanordnung für Duplexbetrieb in Geltow


Von Dr. A. Esau

Das Bestreben, den Betrieb einer Großsta- flüsse fernzuhalten, die von der Senderanlage
tion so rationell wie möglich zu gestalten, auf ihn ausgeübt werden.
würde bedingen, daß die gleiche Antenne zur Von vorn herein ist es klar, daß der Schutz
gleichen Zeit zum Senden und Empfangen be- des Empfängers gegen diese Störungen um so
nutzt wird. Dies ist heute noch nicht möglich, schwieriger durchzuführen sein wird, je grö-
so daß eine räumliche Trennung in Sender- ßer die Sende-Energie ist, je kleiner die Wel-
und Empfangsanlage erforderlich ist. Für lendifferenz zwischen Sender und Empfänger
Nauen hat dies zu einer Stationsanordnung ge- genommen wird und je näher man mit der
führt, die im nachstehenden näher behandelt Empfangsstation an den Sender herangeht.
werden soll.
Andererseits ist es aus Betriebsgründen
Die Unmöglichkeit, dem Empfänger zeitlich wünschenswert, die beiderseitige Entfernung
die gleiche Antenne und Wellenlänge zu geben, möglichst klein zu halten, da die Kosten für ihre
die der Sender benutzt, und ihn in seiner un- gegenseitige Verbindung (Kabel für Tast-,
mittelbaren Nähe aufzustellen, besteht darin, Schreib- und Telephonleitungen) und die Mög-
vom Empfänger alle die Störungen und Ein- lichkeit von Störungen ihrerseits mit wachsen-

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Seite 76 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

der Entfernung erheblich ansteigen müssen. Es Die Empfangsanlage besteht aus der Braun-
wird also eine Duplexanlage so einzurichten schen Rahmenantenne, einer Reihe von Ab-
sein, daß Sende- und Empfangsstation in so stimmitteln, der Verstärkungsapparatur, dem
geringem Abstande wie möglich voneinander akustischen Transformator, einer Ventilröhre
gelegen sind. und dem Schreibapparat.
Die Versuche, eine diesen Anforderungen Die in Geltow zurzeit benutzte Braun'sche
entsprechende Empfangsanlage durchzubilden, Rahmenantenne von etwa 17 m Seitenlänge (im
wurden 1918 von der Gesellschaft für draht- Bau befinden sich zwei weitere von erheblich
lose Telegraphie an einem Ort vorgenommen, größeren Abmessungen), aufgehängt an einer
der in etwa 200 km Entfernung von Berlin ge- etwa 25 m hohen einfachen Leiter, ist ein aus
legen war (Naumburg). Diese recht unbequem mehreren Windungen bestehender Rahmen,
große Entfernung wurde zunächst gewählt, der die Form eines auf die Spitze gestellten
weil aus hier nicht näher zu erörternden Grün- Quadrates hat.
den die Aufgaben dieser Station dazu zwangen. Mit einem Drehkondensator bildet sie den
Nachdem in diesem Abstande von Nauen der auf die Empfangswelle abgestimmten I. Schwin-
Empfang von Wellen über 13,5 km und unter- gungskreis. Dieser Kreis wirkt in loser Kopp -
halb von 11,3 km bei einer Senderwelle von lung auf den II. Sekundärkreis, dessen Energie
12,6 km und 400 kW Schwingungsenergie in dem Hochfrequenzverstärker zugeführt wird,
der Antenne einwandfrei durchgeführt worden indem sie in mehrstufiger Verstärkung auf den
war, ging man daran, die Empfangsanlage näher 10000 fachen Betrag und mehr ihres ursprüng-
an Nauen heranzuschieben. lichen Wertes gebracht und dann in einem
Als Stationsort wurde ein Gelände in der Audion gleichgerichtet wird. Von hier aus ge -
Nähe von Geltow bei Potsdam gewählt, das langt sie dann zwecks weiterer Verstärkung in
etwa 30 km von Nauen entfernt liegt. einen Niederfrequenzverstärker, um dann in
Nachdem es auch hier gelungen war, im eine andere Energieform übergeführt zu wer -
Duplexbetrieb mit Nauen zu arbeiten, konnte den. Diese Transformation vollzieht sich in
man daran denken, die zunächst nur für Hör- einer Apparatur, die im wesentlichen als ein
empfang eingerichtete Anlage auch für den akustischer Resonanztransformator angesehen
Schnellverkehr auszubauen, d. h. die Tele- werden kann. In dieser neuen Form ist die
gramme nicht abzuhören, sondern aufzu- Empfangsenergie aber für die Betätigung der
schreiben. Schreibapparatur nicht geeignet und aus die -
Es bedurfte eingehender Versuche, um den sem Grunde wird eine Rückverwandlung in
beim Schreibempfang vorliegenden wesentlich ihre erste Form notwendig. Bevor sie dann
veränderten Bedingungen zu entsprechen. Die zum eigentlichen Schreiber gelangt, passiert
Schwierigkeit lag hierbei in erster Linie in der sie noch eine Ventilröhre.
Notwendigkeit, die Empfangsenergie so weit
zu steigern, daß sie für die Betätigung der Läßt man das akustische Glied in der be -
Schreibapparatur ausreichend war. schriebenen Anordnung fort, führt man also
Es gelang zwar verhältnismäßig leicht durch die vom Niederfrequenzverstärker gelieferte
immer weitergehende Verstärkung den hierfür Energie unmittelbar der Ventilröhre zu, so
notwendigen Energiebetrag herzustellen. Doch werden einerseits die Rückwirkungen der Re -
traten hierbei derartig starke Rückwirkungen laisströme beim Schreiber und dann die von
auf die Abstimmorgane auf, daß an eine atmosphärischen Störungen hervorgerufenen
sichere Betriebsaufnahme nicht zu denken war. Stromstöße auf die Verstärker derartig groß,
Auch die atmosphärischen Störungen traten daß sie aufhören zu arbeiten.
infolge der hohen Verstärkung so stark hervor, Es ist deshalb das Vorhandensein des aku-
daß eine Störung des Schreibers unvermeidlich stischen Resonanztransformators schon allein
wurde. Es mußten daher Mittel und Wege aus diesem Grunde unbedingt notwendig.
gefunden werden, um diese rückwärtigen Infolge seiner Resonatoreigenschaft erweist
Störungen auszuschalten und die Intensität der er sich aber außerdem auch noch nach einer
Luftstörungen auf einen möglichst geringen anderen Richtung hin als sehr nützlich.
Betrag herabzudrücken. Beim Empfang von Bogenlampensendern,
Nach einer Reihe von fehlgeschlagenen die infolge der verwendeten Tasteinrichtungen
Versuchen gelang es, eine Anordnung zu fin- 2 Wellen aussenden, die Haupt- und Neben-
den, die diese Bedingungen erfüllte und auf welle, letztere auch als Verstimmungswelle be-
die an Hand von Bild 69 jetzt näher einge- zeichnet, ist es besonders bei sehr großen Wel-
gangen werden soll. lenlängen sehr schwierig, ja, vielfach unmög-

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 77

Bild 69. Schematische Darstellung der Empfangsanlage in Geltow


lich, den Empfänger so einzustellen, daß die jeder Seite der Empfangswelle im Mittel weni-
„positiven” Zeichen der Hauptwelle allein ge- ger als 10 Prozent und es besteht begründete
hört werden. Hoffnung, daß die tote Wellenzone in nächster
Mittels des akustischen Resonators gelingt Zeit noch eine weitere Einengung erfahren wird.
die Trennung der beiden Wellen viel leichter Der tönende Sender von Nauen tritt bei den
und vollständiger. in Frage kommenden Empfangswellen, die über
Für die Aufnahme ungedämpfter Wellen ist 9000 m liegen (amerikanische Stationen), stö-
die obige Anordnung noch durch einen klei- rend nicht in die Erscheinung, da sein Wellen-
nen Generator (Ueberlagerer) zur Erzeugung abstand für den Schnellempfang größer und
der für den Schwebungsempfang notwendigen seine Energie kleiner sind, als bei der Ma-
Schwingungsenergie zu ergänzen. Die Zufüh- schinenwelle (= 12,6 km).
rung dieser Hilfsenergie kann hierbei entweder Für die jeweilige Benutzung der einen oder
in den Rahmenkreis I oder auch in den Sekun- der anderen Schreiberart sind die herrschen-
därkreis II erfolgen. den Empfangsverhältnisse maßgebend.
Nach den bisher vorliegenden Erfahrungen
Die Schreibapparatur ist in zwei Ausfüh- wird man in den Herbst-, Winter- und Früh-
rungsformen durchgebildet. Entweder erfolgt lingsmonaten mit dem Morseschreiber allein
die Aufnahme mit einem Morseschreiber, der auskommen. Bei starken atmosphärischen
selbst noch bei einem Telegraphiertempo von Störungen, wie sie in der Uebergangszeit zum
500 Buchstaben (100 Worte) pro Minute be- Sommer und in diesem selbst vorhanden sind,
triebssicher arbeitet, oder mit einem Phono- wird man zu einem gemischten Betriebe über-
graphen, der aber in der Geschwindigkeit nicht gehen müssen, d.h., man wird mit dem Morse-
ganz den Morse erreicht. schreiber so lange arbeiten, wie die atmosphä-
rischen Störungen es zulassen. Erst wenn er
Leistungen der Anordnung. versagt, wird man auf den Phonographen über-
Infolge des Vorhandenseins der großen gehen.
Senderenergie und des verhältnismäßig gerin- Immerhin werden im Hochsommer be-
gen Abstandes von der Sendestation wird es stimmte Tagesstunden vorhanden sein, wo der
technisch unmöglich sein, die Empfangswellen- Schreibempfang in gleicher Weise wie der Hör-
bereiche zu benutzen, die der Sendewelle un- empfang über sehr große Entfernungen nicht
mittelbar benachbart sind. Es wird daher bei je- unbedingt durchgeführt werden kann.
der Duplexanlage eine von der Senderenergie Bei einer Duplexanlage kann man die Be-
und der Entfernung der Empfangsanlage ab- tätigung der Sendetaste entweder auf der Sta-
hängige „tote Wellenzone“ geben, innerhalb tion selbst vornehmen, oder aber man tastet
deren keine Empfangsmöglichkeit bestehen auf der Senderstation.
kann. Im letzteren Falle braucht man die Verbin-
Je weniger ausgedehnt diese Zone ist, um dungsleitung zwischen beiden Anlagen für die
so idealer ist die Anlage. In Geltow beträgt Tastströme, die auf der Senderstation die
der ausfallende Wellenbereich zurzeit nach Haupttaste betätigen.

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Seite 78 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Erfolgt das Telegraphieren umgekehrt an graphisten außerdem die Möglichkeit zu geben,


der Sendestelle selbst, so wird es zweckmäßig mit dem Ohr zu kontrollieren, ob die Gegen-
sein, das eigentliche Niederschreiben der emp- station noch arbeitet, kann man, ohne die Zahl
fangenen Telegramme nicht auf der Empfangs- der Verbindungsleitungen zwischen beiden Sta-
station allein, sondern gleichzeitig auf der tionen zu vermehren, auf sehr einfache Weise
Sendestation vorzunehmen. die Zeichen der Empfangsstation im Sender-
Die vorher näher beschriebene Anlage ge- raum laut hörbar machen. — Diesbezügliche
stattet dies ohne weiteres. Die von dem Relais Versuche haben ein einwandfreies Arbeiten der
des auf der Empfangsstation befindlichen soeben näher beschriebenen Anordnung er-
Schreibers ausgehenden, für die Hebung und geben. Die weitere Ausgestaltung und Vervoll-
Senkung des Schreibrädchens notwendigen kommnung der Duplexanlage ist Gegenstand
Gleichstromstöße werden über eine Doppel- der im Gange befindlichen Versuche, die noch
leitung einem zweiten auf der Sendestation be- einschneidende Verbesserungen erhoffen lassen
findlichen Schreiber zugeführt, der genau so und über die gelegentlich näheres zu berich-
ausgeführt ist, wie der erste. Um den Tele- ten sein wird.

Bild 70. Isolator in den Abspannseilen

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 79

Krieg im Frieden
(Eine Nacht im alten Nauen)
Von Hauptmann Meydam
Minus mal Minus gibt Plus. Nicht bloß in drängten sich über meine jugendlichen Leut-
der Mathematik! Manchmal auch beim Kom- nantslippen.
miß. Jedenfalls: der „Premier“, genannt der In Nauen brachten wir unser Gepäck im
Funkenlöwe, fragte mich erst: „Haben Sie „Hamburger Hof“ unter und ratterten dann
schon mal einen 200 Meter hohen Funkenmast mit einem Auto zur Station. Das Auto stellte
gesehen?“ den Motorkenntnissen der Stationsbeamten
„Nee!“ übrigens ein glänzendes Zeugnis aus: Nur er-
„Haben Sie 'ne Ahnung von Großstations- probte Fachleute durften sich ihm anvertrauen,
betrieb?“ denn der Motor pflegte unterwegs die Mitfah-
„Nee!“ renden vor technische Aufgaben zu stellen, die
„Na dann — (man beachte Minus mal Minus der Kraftwagenführer allein zu lösen nie im-
gleich Plus) — na dann können Sie eigentlich stande gewesen wäre!
mit nach Nauen.“ Die Station war damals noch nicht
„Wie lange?“ annähernd das, was sie heute ist, aber trotzdem
„Weiß ich noch nicht. Richten Sie sich ein imponierender Beweis deutscher Funken-
darnach ein!“ technik. Leise auf dem Glasfuß hin und her
Es gibt gar nichts schöneres wie eine klare schwingend schien sich der damals eben fertig
Auskunft! — Ich packte also für so 'ne halbe gewordene 200 Meter hohe Turm in den Wol-
Woche Zigarren ein, Nachtzeug und Zahnbürste ken zu verlieren; das neue Stationshaus lag
und 2 Stunden später fuhren wir per Eisenbahn blitzsauber da. Ich konstatierte in kurzem, daß
nach dem kleinen, märkischen Städtchen, das ich den tiefsinnigen Betrachtungen über Kapa-
damals durch die Flugversuche, die sein Rat- zität, Leistungsfaktoren, Hoch- und Niederfre-
hausturm in einer stürmischen Nacht machte, quenz, in denen die Telefunken-Ingenieure mit
gerade wieder vorübergehend berühmt gewor - dem „Premier“ begeistert dahinplätscherten,
den war. doch nicht folgen könne und kroch auf eigene
Faust in der Station herum, denn unser eigent-
Unterwegs beklopfte Leo erst sachgemäß licher Dienst sollte erst am nächsten Tage be-
mit dem Funkerschwert die Kupeewände, ob ginnen. Es wurden nämlich noch zwei Offi-
wir vor unberufenen Lauschern sicher wären, ziere und eine Anzahl Mannschaften erwartet.
drohte mir dann kalt aber eindringlich den Tod
durch Erschießen oder 15 Jahre lang absolutes Im Maschinenraum fand ich als Hauptsach-
Sendeverbot für die mir etwa unterstellten verständigen einen Italiener — und bei den
Funkenstationen an (was ich im Vergleich zum Apparaten oben einen deutsch-russischen In-
Erschießen für eine sehr grausame Strafe genieur! — Ganz harmlos erzähle ich dem
finde) und machte mich dann mit dem Zweck „Premier“ diesen internationalen Zug, der die
des Unternehmens bekannt. weltumspannende Bedeutung Telefunkens sicht-
bar dokumentiere, um ihm zu beweisen, welch
Die Oesterreicher — von deren Funkerei Interesse ich bereits entwickelt hätte.
wir damals ebensowenig wußten, wie ein
„Drahter“ von unserer eigenen — hatten nach Beim Italiener zuckte er bloß, aber als ich
Pola einen neuen Tonfunkensender bekommen den Russen nannte, packte er mich gewaltig
und der sollte nun mal auf Reichweiten usw. am Arm und schrie: „Wo liegt er?“
ausprobiert werden. Als vermittelnde Stelle Mein Gesicht war wahrscheinlich ebenso
und damit die Sache nicht so auffiele, sollte schlau wie nichtssagend, denn mit dem Schrei
die Festungsstation Metz mitspielen. Das „der Kerl muß weg“ entsprang der Premier
Ganze war natürlich noch viel geheimer, als ins Haus. Die ganze Diskussion, die er mit
sich das so beschreiben läßt, und insbesondere dem Stationsingenieur, einem weiland Einjäh-
sollten wir uns vor dem bösen Eiffelturm hüten, rig-Gefreiten der Frankfurter Funker-Abtei-
der uns schon so manches liebe Mal gestört lung, hatte, habe ich leider nicht gehört, aber
und geärgert hatte. ich kam doch noch rechtzeitig, um das Bild
Ich war schwer begeistert und allerhand voll zu genießen.
poetische Betrachtungen über „Krieg im Der Stationsingenieur, die Linke an den
Aether“ und „Wettstreit der Elektronen“ Empfangstisch geklammert, während er in der

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Seite 80 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Bild 71
Das Stationshaus
1911-16

Bild 72
Die Drehstrom-,
Gleichstrom-
Umformer

Bild 73
Der 500 Perioden-,
generator des Ton-
funken-Senders

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 81

Rechten offenbar als letzte Waffe für die Ver- darauf, wir hättens lieber nicht tun sollen!
teidigung eine Liebenröhre hielt, davor der Denn als ich 10 Stunden später zum Nacht-
Premier, die Rechte am Funkerschwert, die Linke dienst antrat, fand ich den „Premier“, der sich
drohend erhoben; „Herr, ich mache Sie persönlich mit mir darin teilen sollte, stirnrunzelnd über
für alles, verstehen Sie, alle Folgen verantwortlich. das Stationsbuch einerseits und über ein
An der Mastspitze —.“ — — Diensttelegramm andererseits gebeugt:
Der Rest des Ungewitters kam über mein „Zur Stelle!“
Haupt, denn ich hatte den Ernst der Lage lei- „Sie wissen, daß Sie vor ein Kriegsgericht
der verkannt und das lachenerstickende gehören?“
Taschentuch nicht mehr rasch genug vors Ge- Ich sah den Feldmarschallstab im allge-
sicht bekommen. meinen und meine Laufbahn als Funkeroffizier
Im übrigen dampfte der Halbrusse mit dem im besonderen langsam aus meinem militäri-
nächsten Zuge nach Berlin, um irgend einen schen Zukunftsbilde entschwinden und kam erst
dringenden Patentwellenmesser zu holen, der wieder zu mir bei dem Gedanken, daß ich als
aber erst in 8 Tagen fertig sein konnte. jüngster Dachs unmöglich die alleinige Ver-
Am Nachmittage trafen die anderen Fun- antwortung für die Ereignisse des heutigen
ker ein und der Rest des Tages verging uns Morgens zu tragen brauchte.
mit gründlichem Kennenlernen der Station. Ich „Was ist denn eigentlich los?“
schwur mir dabei und zwar ohne Hintergedan- „Was los ist? Blamiert sind wir. Vor
ken, mich der spröden Technik erheblich inten- der ganzen Funkenwelt, vor dem Eiffelturm
siver zu widmen; denn so wie der „Premier“ und was noch schlimmer ist, vor der Groß-
diese ganzen verzwickten Maschinen und station Metz, die sich so wie so schon immer
Schaltungen begriff und auseinandersetzte, das über uns Feldfunker lustig macht! Hier!“
imponierte mir doch mächtig. Was sahen meine Augen?
Sicherlich ist die Behauptung, daß man aus „SS-Telegramm von Radio Metz an Radio
einem Bleistift, etwas Schokoladentafelstanniol- Nauen. “
papier, einer Streichholzschachtel, Draht und Auszug aus hiesigem Stationsbuch von
einer Lage Butterbrotpapier „bequem“ 'ne heute Vormittag. Absatz: Von Nauen an Metz:
Funkenstation bauen könne, etwas gewagt. Das geht ja großartig. Wer dort? Hier M. G.
Wenn ich aber bedenke, wie der „Premier“ und E. Absatz.
damals die Entwicklung der gewaltigen Isola- Von Eiffelturm an Metz:
toren, Funkenstrecken, Drähte und Spulen aus „C'est ça! Merci beaucoup! Vous — êtes
obigen Ingredienzien schilderte (denn das war très aimables de nous communiquer les noms
eines seiner Lieblingsthemata), so erscheint des Officiers de Nauen. Vous ne pouvez — pas
mir nichts mehr unmöglich. peutêtre nous envoyer le Journal de Nauen
Am nächsten Morgen fingen wir an — der directement ? “*)
Verkehr mit Pola sollte erst am Nachmittag Gleiche Meldung erging an Inspektion der
stattfinden — uns ein wenig mit Metz zu Feldtelegraphie.
unterhalten. Der Premier war nicht dabei, Unterschrift Radio Metz.
weshalb weiß ich nicht mehr, und wir anderen, „Allmächtiger,“ dachte ich — „das —“
wir waren alle drei soweit ganz muntere Bur- „Na“ — das na war so lang wie der Fun-
schen, hatten aber von dem Großfunkenbetrieb kerturm hoch — „na — wie finden Sie das? “
recht wenig Ahnung. Ja — als echte stark Man kann den Römern für die Erfindung
kavalleristisch angehauchte Feldfunker verach- der rhetorischen Fragen nicht dankbar genug
teten wir die Großstationen im Grunde unse- sein! Denn so bot sich mir die Möglichkeit, des
res Herzens. Als sich Metz nun so prompt „Premiers“ Frage als rhetorische zu behandeln,
meldete und der schon erwähnte Stationsinge- nämlich gar nicht zu beantworten. Ein Ver-
nieur sogar mit Hilfe des Lautverstärkers — fahren, das übrigens beim Kommiß schon oft
eines Apparats, der damals rein äußerlich wie Schlimmeres verhütet hat. Vielmehr begann
ein 4—6zylindriger Stern-Umlaufmotor aus- ich mit Rieseneifer den Lautverstärker einzu-
sah — den Empfangsraum mit lautpfeifenden stellen, so daß der Premier von seinem Tele-
Signalen durchtönen ließ, imponierte uns das gramm abließ und, um der gänzlichen Un-
doch und wir konnten unseren Gefühlen nicht brauchbarmachung dieses wertvollen Appara-
besser Ausdruck geben, als dadurch, daß wir tes vorzubeugen, begann, mich energisch in
— unchiffriert natürlich — an Metz funkten;
*) Das stimmt! Besten Dank! Es ist zu liebenswürdig, daß
„Das geht ja großartig. Wer dort? Hier Sie uns die Namen der Nauener Offiziere mitteilen. Können Sie
M. . . . G. . . und E. . ." Ich gebe mein Wort uns nicht gleich das Stationsbuch von Nauen schicken?

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Seite 82 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

seine Mysterien einzuweihen. Mir ist noch schrift! Die kannte ich nämlich, denn der
heute der von ihm dabei herangezogene Ver- Hauptmann legte Wert darauf. Ganz abge-
gleich der ein Kind schaukelnden Gouvernante sehen davon, daß ich nicht wußte: war das nun
mit den aufgeschaukelten Schwingungsenergien eine Aufforderung, wir sollten den Roller
gegenwärtig. nehmen oder hieß das, sie werden ihn nehmen?
Der Verkehr mit Pola klappte ganz ordent- Den Teufel auch: das österreichische Dol-
lich und die Großstation sorgte auch im übri- metscherexamen hatte keiner von uns gemacht!
gen dafür, daß über unseren Leuten und uns Die Aufklärung folgte in ganz kurzer Zeit:
wahrer Funkergeist waltete und der Betrieb rerr, rerr, rerr, rerr fing das Telephon an zu
mit Dampf ging. rollen: „Anfangszeichen“ — unser Anruf —
Die Versuche Nauen—Togo hatten uns ge- „von Pola“ alles stimmte und: „Natürlich“,
rade zu einer nicht unangenehm empfundenen rief der „Premier“: Den „Roller“ hat er ge-

Bild 74. Empfängerraum der Großstation Nauen während des Krieges

Pause verholfen und wir saßen nun wieder nommen. Die haben außer der tönenden noch
alle da, wie Funker zu sitzen pflegen: den ne Knarrfunkenanlage.“
Hörer am Ohre, Bleistift in der rechten Hand, „Man lernt nie aus,“ philosophierte ich,
Zigarre im Mundwinkel und die Linke am Kon- „knarren heißt auf österreichisch also rollen,
densator, und erwarteten Polas Antwort auf — Nu wenn schon.“
unseren Anruf. Pola kam auch, aber gleich- Lange dauerte leider die „Rollerfreude“
zeitig kam noch jemand anders und der konnte nicht, denn der Eiffelturm hatte die Kunstpause
leider besser, nämlich der Eiffelturm. Zufall, ebenfalls gut benutzt und „rollte“ uns nun
dachten wir uns und riefen wieder. Dasselbe seinerseits dazwischen, daß Pola nicht mehr
Bild! dagegen aufkam und nach einigen vergeblichen
„Nanu?“ Nochmal gerufen und dazu: Verständigungsversuchen aufhörte. Wir waren
„Nehmt mehr Energie, Eiffelturm stört.“ Um- am Rande unserer Kunst, die Funker feixten,
schalten, horchen, Pola fängt an und dann — der Ingenieur goß für alle Fälle Schnaps ein,
rumms Eiffel und diesmal ganz zynisch und und ich entfernte die zerbrechlicheren Gegen-
offen: „Bonjour messieurs M. G. E.! Comment stände aus des „Premiers“ Nähe. Er aber —
ça va-t-il?“ Der „Premier“ tobte und ich er- es ist leicht einen Feldherrn zu schildern, der
bleichte schuldbewußt. Nach einer Weile hörte die Seinen zum Siege führt, schwieriger dage-
dann Eiffel auf und — wir wollten gerade wie- gen, den Gedankengängen eines alten Funker-
der rufen — da kam Pola wieder: „Eiffel stört. fuchses zu folgen. Er also dachte nach, lächelte,
Nehmens jetzt den Roller. Servus.“ Der dann lachte er und sagte zu mir: „Sind Sie
Anfang war klar, der Schluß war klar, aber der Humanist?“ Ich beschloß, ihn nicht erst durch
„Roller" stand nicht in unserer FT-Vor- Fragen nach Vernunftsgründen zu reizen, und

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 83

antwortete kurz und militärisch „Jawoll“. denn doch, daß nach weiteren 10 Minuten plötz-
„Können Sie griechisch?“ Mein dicker Onkel lich der Eiffelturm, mit wilden Störzeichen da-
aus Neidenburg in Ostpreußen sagte mir als zwischen hieb, die er nach einem wahren
Fahnenjunker, daß Frechheit das halbe Leben Höllenradau von etwa 3 Minuten in die
wäre und daß man als Leutnant alles könne. Ich ironische Anerkennung: „Vous parlez — donc
sagte also — blaß aber zum äußersten le grec? Bravo, bravo, bravo!“ ausklingen
entschlossen: „Griechisch? — Jawoll!“ ließ, womit er dann zur allgemeinen Befriedi-
„Schön,“ sagte der Premier, „was heißt gung seine höchst unnütze Tätigkeit für diese
höher?“ Nacht einstellte.
„Hoch? — ach so, das ist ja das komische Als die anderen Herren dann ablösen
Wort, das hoch und tief bedeutet, das ich da- kamen, und unsere Tatenspuren im Stations-
her noch weiß, also: hoch heißt: altys und buche lasen, konnte der eine von ihnen die
höher althon!“ etwas spöttische Frage: ob denn griechisch nun
„Gut, nu passen Sie Achtung. Griechisch auch in den Rekrutenlehrplan rein solle, nicht
lernen die Franzosen nicht auf der Penne, aber unterdrücken. Der „Premier“ blitzte ihn aber
die Bundesbrüder können ja meist alle Spra- bloß mit den blauen Fritz'schen Augen an und
chen.“ Sprachs, griff zur Taste und funkte sagte: „Rekrutenlehrplan ist mir ganz wurscht!
4—5 mal hintereinander: „Pola von Nauen. Funker sein heißt: immer ein Stück Bindfaden,
Lamda althon 450, Lamda althon 450.” ein Messer und 'n Bleistift bei sich haben —
Und war es schon komisch, daß der Pre- denn statt auf Papier kann man zur Not auf
mier auf diesen Ausweg kam, so war es noch den Mützenschirm schreiben — Funker sein
komischer, daß tatsächlich nach etwa 4 bis 5 heißt: sich zu helfen wissen. Wie, ist egal,
Minuten Pola erst auf dem Roller und dann wenns sein muß mit Griechisch!“
tönend uns antwortete genau um 450 Meter Und damit hatte er — wie überhaupt
höher. — Das komischste aber — und des- meistens in dieser Geschichte — unbestreit-
wegen ist mir die Sache so unvergeßlich — ist bar recht.

Bild 75. Auslegung der Abspannseile

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Seite 84 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Bild 76. Professor Februzius im Laboratorium der Fernkraftzentrale in Marsium

Hier Mars — hier Erde


Von O. Frerichs

Durch die ausländische Presse ging vor blitzenden Knöpfen, Hebeln und Schaltern.
einiger Zeit die Meldung, daß Marconi sich
geäußert habe, nach seinem Dafürhalten be- Riesige Mikroskope und Vergrößerungsgläser
stände wohl die Möglichkeit, zwischen der sowie feine eigenartige Werkzeuge stehen und
Erde und dem Mars oder einem anderen Planeten
eine funkentelegraphische Verbindung herzu- liegen durcheinander. Über den ganzen Tisch
stellen. Voraussetzung sei natürlich, daß die läuft eine schmale, schräg gestellte, wunderbar
Planeten bewohnt seien und ihre etwaigen Be-
wohner über F.T.-Empfangsgeräte verfügen. geschliffene Spiegelscheibe entlang, auf deren
In der folgenden Erzählung soll das Zu- linkem Ende die Linse eines ungeheuren Spie-
standekommen einer drahtlosen Verbindung
zwischen der Erde und dem Mars als Zukunfts- gelfernrohrs, das durch die Decke nach außen
phantasie geschildert werden. ragt, sitzt.
Professor Februzius beschäftigt sich mit sei-
Auf dem Heliopartos.
ner neuesten Erfindung, einer Heliumröhre. Er
Professor Februzius, der Leiter der großen schraubt die Röhre in einen vor ihm stehenden
drahtlosen Fernkraftzentrale in Marsium, der Empfänger für drahtlose Schwingungen ein und
Hauptstadt des Planeten Heliopartos,*) sitzt im kann sogleich ein schwaches Aufleuchten der-
Versuchslaboratorium der Zentrale. Im selben feststellen. Mit der linken Hand schraubt
Dämmerlicht des sinkenden Tages leuchten an Februzius die Linse des Spiegelfernrohrs in
der blau-grau gefärbten Kuppeldecke des Rau- eine schräge Stellung zur Spiegelscheibe. Auf
mes alle vom Heliopartos aus sichtbaren derselben erscheint in kleinem Maßstabe, doch
Sterne, die in dieselbe als Radiumleuchtkörper außerordentlich scharf der dunkle Körper eines
eingelassen sind, nach und nach auf. Auf dem in Fahrt befindlichen Luftschiffes. Die bunten
Laboriertisch des Professors, auf dem eine Lichter und die Scheinwerferstrahlen des Luft-
große Heliumlampe sehr hell und doch eigen- fahrzeuges sind in dem Spiegel deutlich er-
artig leuchtet, herrscht ein scheinbar wahlloses kennbar. Professor Februzius stellt seinen
Durcheinander großer und kleiner Quecksilber- Empfänger auf die Sendewelle der Luftschiffs-
lampen, bauchiger Retorten mit Flüssigkeiten funkstation, die gerade sendet, ein und bringt
in grellen, schillernden Farben, zahllosen dadurch die Heliumröhre zum hellen und steti-
gen Aufleuchten.
*)
Mars

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 85

Bild 77. Die drahtlose Fernkraftzentrale Waszolium auf dem Heliopartos im Verkehr mit Nauen

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Seite 86 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Gerade will Februzius seine Versuche ein- „Ophalius“, welches gerade mit der bekannten
stellen, als die Heliumröhre ein merkwürdiges Fernkraftzentrale Wulpurgium auf der östlichen
rhythmisches Flackern zeigt. Er stellt seinen Hälfte unseres Planeten drahtlos telephonierte
Apparat genauer ein und beobachtet ein stär- und um Verstärkung der Betriebsenergie für
keres rhythmisches Aufleuchten der Röhre. sich bat, da ein Propeller wegen nötiger Repa-
Verwundert klemmt der Gelehrte sich einen ratur abgestellt werden mußte. Gleichzeitig
Fernhörer an die Ohren und vernimmt in die- hatte ich das Luftfahrzeug durch unser Spiegel-
sem ein schwaches, zirpendes Geräusch. Rasch fernrohr festgestellt. Die Heliumlampe leuch-
schaltet er einen kleinen Apparat, in dem er tete trotz der außerordentlichen Entfernung der
eine einzelne kleine birnenartige Röhre zum sendenden Luftschiffstation sehr hell und
Aufleuchten bringt — einen Hochfrequenzver- stetig, so daß ich über das Ergebnis meiner
stärker für drahtlose Wellenzüge — ein. Nun Untersuchungen und Versuche recht erfreut
hört er im Kopftelephon deutliche, scharf abge- war. Nach einiger Zeit zeigte die Lampe ein
rissene Zeichen, die er niederschreibt: . . . how merkwürdiges rhythmisches Flackern, welches
strong are our wireless telephone signals — bei feinerer Einstellung noch bedeutend stärker
Nauen. wurde. Ich schaltete unseren allerneuesten
Dann hören die Zeichen wieder auf. Profes- Hochfrequenzverstärker ein und konnte im Ma-
sor Februzius merkt sich die Wellenlänge, auf ximum-Fernhörer leise zirpende, rhythmische
der er die unverständlichen Worte gehört hat, Geräusche wahrnehmen. Am gestrigen Helio-
und versucht durch weitere Schaltungen noch finis haben meine verehrte Assistentin, Genos-
mehr aufzunehmen. Nach etwa 30 Sixionen*) sin Anonia, und ich die Schaltung noch ver-
flackert die Heliumröhre wieder auf, und es bessert und die ankommenden Zeichen nieder-
sind abermals zirpende Geräusche im Fern- geschrieben. Die Abzüge mit den aufgenom-
hörer zu vernehmen. Es gelingt Professor Fe- menen Worten, die unser genialer Meister der
bruzius jedoch erst nach verschiedenen Schal- Dechiffrierkunst, Genosse Defralius, zusam-
tungen, die Zeichen deutlicher und abhörbar zu mengestellt hat, wird unser junger Fachgenosse
machen: Cadetius jetzt verteilen.
. . . here very clear. We understand you very Auf den Abzügen waren in der einfachen
well. — Avanui. Schrift der Marsbewohner folgende Worte zu
Wieder verschwinden die Zeichen. Trotz lesen:
aller Bemühungen kann der Forscher sie wäh- „Wireless high power Station Avanui, New
rend des ganzen Heliofinis**) nicht wieder Zeeland.
vernehmen. Tief nachdenklich verläßt er ge- Please answer by radio how strong are our
gen Helionadirus***) das Laboratorium. wireless telephone signals — Nauen."
Zwei Heliosfinen später hat Professor „Wireless high power Station Nauen, Ger-
Februzius seine Fachgenossen von der Fern- many.
kraftzentrale im Laboratorium um sich ver- Your wireless telephony is here very clear.
sammelt und richtet an die Versammelten We understand you very well. — Avanui.”
folgende Ansprache: „Werte Genossen,“ fuhr Professor Febru-
zius fort, „ich weiß zwar nicht, was das Auf-
„Werte Genossen, ich habe Sie hierher ge-
genommene heißt. Es liegt jedoch klar auf der
beten, um Ihnen etwas sehr Merkwürdiges mit-
Hand, daß von irgendwo aus in einer uns
zuteilen. Vor zwei Heliosfinen wollte ich an
fremden Sprache drahtlos telegraphiert wird
der hiesigen großen Kontrollantenne für unsere
und zwar nach einem Zeichensystem, das dem
drahtlos ferngelenkten Luftfahrzeuge eine mei-
unserigen nicht sehr fernstehen dürfte. Ich bin
ner neuen Heliumröhren, die ich, wie Sie alle
nach vielen Ueberlegungen zu der Ueber-
wissen, für unsere Fernlenkfahrzeuge als Be-
zeugung gekommen, daß die hier aufgenomme-
leuchtungskörper benutzen will, ausprobieren
und feststellen, welche Sendeenergie genügt, um nen Zeichen von unserem Nachbarplaneten,
die Röhren zum Aufleuchten zu bringen. Sie dessen stilles Leuchten uns jede Nacht erfreut,
wissen ferner, daß die Heliumröhre, wenn sie dem Heliopresto,*) mit dem wir schon seit
als Wellenanzeiger in einen Empfangsapparat vielen Heliotunden**) Verbindung suchen,
stammen. Es ist nunmehr unsere Aufgabe, zu
geschaltet ist, äußerst empfindlich gegen draht-
erreichen, daß zwischen uns und dem Helio-
lose Schwingungen ist. — Ich beobachtete den
presto eine drahtlose Verbindung hergestellt
drahtlosen Verkehr des Passagierluftschiffes
wird. Wir müssen also auch durch drahtlose
*) Marsminuten
**) Marsabend *) Erde
***) Marsmitternacht **) Marsjahre

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 87

Bild 78. Nachts im Empfängerraum der Großstation Nauen

Telegraphierzeichen die Aufmerksamkeit der Auf der Erde


Bewohner des Heliopresto auf uns lenken. Ich Nachts um 11 Uhr im Empfangssaale der
beabsichtige, unserem Genossen, Professor Ge- Funkengroßstation Nauen bei Berlin. Die
gambrius, auf der Fernkraftzentrale für unsere Funkbeamten Karl Benderich und Walter Pöl-
gesamte Über- und Unterwasser-Schifffahrt in nitz haben Apparatdienst. Karl nimmt die
Waszolium meine Entdeckung vorzutragen und 10 Uhr-Abendpresse der südafrikanischen
ihn zu bitten, mit aller zur Verfügung Großstation Kapstadt auf, während Walter
stehenden Sendeenergie seiner mächtigen die japanische Station Funabashi abhört.
Großanlage die hier aufgefangenen Worte auf Karl Benderich macht ein bitterböses Ge-
der uns bekannten Wellenlänge abzutelegra- sicht und stellt alle Augenblicke an dem
phieren mit dem Zusatz: Hier drahtlose Fern- Empfangsapparat herum. Endlich wird er
kraftzentrale Waszolium auf dem Planeten ärgerlich:
Heliopartos. „Himmeldonnerwetter, wer funkt denn da
Sobald sich etwas Neues in dieser fabelhaf- dauernd in die Kapstadtwelle hinein. Der Kerl
ten Sache zugetragen hat, werde ich Sie, werte ist überhaupt nicht hinauszubringen, so laut
Genossen, davon unterrichten.“ brüllt er dazwischen.“

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Seite 88 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

„Ruhe“, sagt Walter Pölnitz. „Karl, . . . Wireless high power Station Nauen,
ärgere dich nicht, davon wirst du nur häßlich.“ Germany.
„Rede kein dummes Zeug", knurrt Karl Your wireless telephony is here very clear.
und versucht, die Station Kapstadt wenigstens We understand you very well. — Avanui.
stückweise aufzunehmen. . . . Waszolium . . . Heliopartos . . .
Nach einer Viertelstunde ist Funabashi „Ja, Mensch, Walter, das sind doch die
aufgearbeitet. Walter Pölnitz legt das Kopf- Telegramme, die wir vor drei Tagen nach dem
telephon weg und blättert seine Aufnahme Telephonie-Versuch mit Avanui gewechselt
durch. Wenige Minuten später reißt Karl den haben. Aber die anderen Worte?! Die
Hörer vom Kopf: Sprache kenne ich nicht! Vielleicht macht

Bild 79. Die neuesten Nachrichten über die drahtlose Verbindung zwischen Mars und Erde

„Das soll der Teufel aufnehmen können! sich irgendwo so ein spleeniger Yankee einen
Komm doch mal her, Walter, und schalte dich Spaß daraus, Blödsinn in die Welt hinaus-
mit ein. Wir wollen doch einmal hören, wer der zutelegraphieren.“
Quasselfritze eigentlich ist!“ „Hör mal, Karl, laß deine Redensarten.
Beide Freunde nehmen die Fernhörer wie- Ich glaube“, sagte der sehr nachdenklich und
der an die Ohren und stellen den Empfänger ernst gewordene Walter Pölnitz, „wir erleben
auf die Welle der unbekannten Station, die in diesem Augenblick etwas sehr Bedeut-
noch immer sendet, ein. sames. Die Station, die da telegraphiert, muß
. . . Waszolium . . , Heliopartos . . . eine Riesenenergie aussenden und sehr weit
. . . Wireless High power Station Avanui entfernt sein. Der Ton ist so durchdringend,
— New Zeeland. Please answer by radio wie ich in meiner ganzen Praxis noch keinen
how strong are our wireless telephone sig- gehört habe. Sieh mal, wenn wir den Emp-
nals. — Nauen .-. fangsapparat auch ganz lose koppeln, so ist

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 89

die Station immer noch zu hören. Ich halte Eines Tages um die Mittagszeit flatterten
es für meine Pflicht, daß wir diese merkwür- auf der ganzen Erde in allen Sprachen un-
dige Aufnahme der Stationsleitung melden. gezählte Extrablätter auf die hoch auf-
Diese muß darauf hinwirken, daß die un- horchende Menschheit hernieder:
bekannte Station dauernd beobachtet wird.“ „Die drahtlose Verbindung mit dem Mars
Einige Tage später erließ die Leitung der ist soeben hergestellt.“
Großstation Nauen eine Rundfrage an alle Es sind klare Zeichen:
Großstationen der Welt, ob auch auf anderen Hier Mars — hier Erde
Großanlagen die merkwürdigen Telegramme ausgetauscht worden,“ . . .
gehört worden seien. Da viele bejahende
Antworten einliefen, die jedoch auch über den Auf dem Heliopartos warfen an einem
Namen und Standort der Station, sowie über Heliozenitos*) kleine drahtlos betriebene Flug-
die Bedeutung einiger aufgenommener Worts zeuge, die in tiefem Flug rasend dahinsausten,
einer unbekannten Sprache keinen Aufschluß ganze Ballen photographische Druckabzüge auf
gaben, traten die namhaftesten Sprachgelehr- die Marsbewohner hinunter;
ten und Forscher, Astronomen und Ingenieure
aller Nationen miteinander in Verbindung, Hier Mars — hier Erde!
um das drahtlose Geheimnis zu erforschen.
Nach einigen Wochen schwerwiegendster Auf der Erde, sowie auf dem Mars ar-
Forschertätigkeit konnte als feststehend an- beitet man jetzt mit aller Kraft daran, auf
genommen werden, daß die auf den Groß- drahtlosem Wege die Sprachen der Bewohner
stationen der Erde aufgenommenen draht- der beiden Planeten zu erlernen. Der über-
losen Zeichen von einer Riesen-Funkstation ragende Geist des Professors Februzius und
auf dem Nachbarplaneten der Erde, dem der seiner gelehrten Genossen wird auch die-
Mars, herrührten. ses Riesenproblem in Kürze bewältigt haben.

*) Marsmittag

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Seite 90 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Bild 80

Die Stadt Nauen


Von G. Eckler, Nauen

„Ob Nord, Süd, Ost, West, dem Märker eigen ist, ließ ihn nicht ruhen,
in Nauen ist's am allerbest!" immer wieder das Verlorene neu erstehen zu
hieß das Verslein, welches mein Kollege Pohl lassen, und so sehen wir Nauen anno 1813
am 20. Oktober 1892 in seinem Schaufenster als ein Städtchen von 2400 Einwohnern, wo-
als erleuchtetes Transparent zeigte; er wollte runter auch Juden waren, die ein eigenes Got-
seinem Wohlergehen in Nauen einen bürger- teshaus besaßen.
lich zufriedenen Ausdruck verleihen und er-
sann es daher. Im Mittelalter mag es wohl in Nauen still
Wir feierten an diesem Tage das 600jährige gewesen sein; die Ackerbürger gingen emsig
Stadtjubiläum. Die alten Römer würden sa- an ihre Arbeit und verlebten ohne geistige Ein-
gen: „ubi bene ibi patria“; da nun aber am flüsse durch die Naturarbeit ein Jahr so wie
10. Juni 1156 Albrecht der Bär Nauen er- das andere. Dagegen war das Handwerks-
oberte und die deutsche Sprache einführte, ist leben reger. Es waren alle Gewerbe in Nauen
es schon besser, wir halten die deutsche vertreten, sogar Zinngießer, die ihre eigene
Sprache in Ehren, trotzdem der Nauener noch Marke führten. Durch die Jahrmärkte kam
seine alte Sprache, mit wendischen Sprach- eine Abwechselung in das alltägliche Leben.
resten durchwebt, bis heute beibehalten hat. 1317 gab Markgraf Waldemar der Stadt das
Die Stadt hatte von jeher schwere Schicksals- Recht, Jahrmärkte abhalten zu dürfen, welche
leiden zu durchleben; weil sie an der Heer- aber 1892 aufhörten. Der Jahrmarkt war für
straße lag, wurde sie von den Quitzows, später die Einwohner der Stadt und der umliegenden
von Ernst von Mansfeld und von Tilly zer- Dörfer von großer Bedeutung. Die Handwer-
stört; einige große Brände hemmten ebenfalls ker, welche alle nebenbei eine kleinere Land-
ihr Aufblühen. Sehr bedauerlich empfindet wirtschaft betrieben, verkauften die selbstge-
man es noch heute, daß am 14. Mai 1695 durch fertigten Gegenstände und erfreuten sich des
einen großen Brand das Rathaus vernichtet Erlöses; ebenso kaufte oder verkaufte der
wurde und dadurch sämtliche Urkunden ver- Ackerbürger seine Produkte, hauptsächlich
loren gingen. Die eiserne Zähigkeit, welche Wolle; auch befand sich der Viehmarkt in vol-

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 91

lem Schwung. An den Hauptmarkttagen be- der seine Eltern, — der Vater war hier Pre-
kamen die Knechte und Mägde den Lohn; an diger — besuchte. Den Einflüssen des jun-
diesem Tage wurde das Gesinde gemietet, das gen Salpius war es zu verdanken, daß die
vierteljährliche Mieten von Gesinde war nicht Verhältnisse erträglicher wurden; aus Dank-
Sitte. Durch irgendwelche Verhältnisse muß barkeit wählten ihn die Bürger zum Bürger-
sich ein Zusammenschluß der Ackerbürger meister. Er lehnte diese Ehre ab. Wie un-
nötig gemacht haben, denn 1773 entstand endlich groß die obigen Lasten für die Stadt
die Koppelkommune, die heute noch die ent- von 2400 Einwohnern waren, ersieht man dar-
legenen Landwege zu ihren Aeckern auf eigene aus, daß vom 24. Aug. 1807 bis 15. Juni 1808
Kosten in Ordnung hält. In früheren Tagen 3296 Offiziere, 6287 Unteroffiziere und 71869
wurde die Zeit der Zusammenkünfte der Gemeine viele Tage lang verpflegt werden
Ackerbürger durch die Wröh-Glocke, die bis mußten. Die immerwährenden Durchmärsche
1874 im Kirchturm hing, bekanntgegeben. Da- von Truppen schwächten das Vermögen der
gegen war das Leben der Handwerker ein an- Bürger und ruinierten die Landwege derartig,
deres. Die Gewerke wurden durch die Nach- daß z. B. ihre Benutzung von Friesack nach
barstädte und durch die Zunftrechte geistig Nauen im Amtsblatt 1816 amtlich verboten
mehr beeinflußt. Der Handwerker führte wurde. Das Jahr 1813 verlangte, nachdem
Kämpfe gegen die Obrigkeit und gegen die Pa- Nauen bereits erschöpft war, noch größere Opfer.
trizier, welche, wie noch heute, den Handwer- Am 18. Mai verfügte der Landrat, Nauen
ker gegen die Wand drücken wollten. Am solle 50000 Quart Branntwein für die
meisten waren den Patriziern die wandernden durchziehenden Truppen liefern; dies war aber
Gesellen im Wege; diese brachten Nachrichten nicht möglich, da nur noch 500 Quart Brannt-
von einer Stadt zur andern, zerstörten auch wein vorhanden waren; dennoch wurden in
häufig die Pläne der Patrizier, wodurch die 3 Wochen 5400 Quart Branntwein in 26 Fäs-
Innungen (welche später dennoch heimlich sern nach Trebbin gefahren. Aehnlich erging
bestanden) 1530 aufgelöst wurden. Letztere es mit Lieferungen von Brot, Pferden, Beklei-
erlangten ihre privilegierten Rechte erst 1648 dungsstücken, wodurch die Kriegskasse, die
wieder. Der 30- und der 7jährige Krieg hiel- im Januar 15 Taler besaß, vollständig ver-
ten die fortschrittlichen Bestrebungen im sagte.
Handwerk ebenfalls auf; erst als sich Kur- Der Magistrat war genötigt, Geld von einer
fürst Friedrich III., der spätere König Ww. Dorothee Plesser in Berlin, 5000 Taler
Friedrich I., der Innungen annahm, erhielt zu 6 Prozent Zinsen, zu leihen, und verpfän-
jede Innung ein erneuertes geschriebenes Pri- dete für diese Schuld das Erbpachtvorwerk
vilegium, und damit kam wieder Ordnung in Neukammer, das seit 1315 zur Stadt Nauen
das Innungsleben. Der Bürger fühlte sich all- gehörte. Ebenfalls wurden der Schneider-
mählich durch die geregelten Verhältnisse und Schuhmacher-Innung große Auflagen
wohler; jedoch sollte dieses Wohlergehen gestellt, die aber wegen der herrschenden
nicht lange dauern. Als 1806 das Kriegsun- Geldnot sich langsamer, als gefordert, ab-
glück über das Vaterland kam, wurde Nauen wickelten. Haftstrafen erließ der Magistrat
davon schwer betroffen. Die Bürger lehnten in den Jahren 1813—16 wegen Vergehen nicht;
die schweren Lasten am 16. Januar 1806 ab, die Sühne war nur bares Geld für die Stadt-
erhielten aber am 18. Januar vom Steuerrat kriegskasse. In dieser traurigen Zeit nahm
von Lindemann in Lindow die Antwort, daß der Diebstahl, der auch von vielen Bürgern
sich die Bürger in Lieferungs- und Einquar- ausgeführt wurde, überhand. Später, noch am
tierungslasten zu finden hätten. Am 17. Okto- 4. April 1845, erließ der Magistrat ein „Sta-
ber kam die Königin Luise auf der Flucht tut über die bürgerlichen Ehrenrechte solcher
durch Nauen und erfuhr beim naheliegenden Personen in Nauen, welche sich des Holz-
Sandkrug durch einen Kurier die Niederlage diebstahls schuldig machen.“ Durch dieses
von Jena und Auerstädt. Zwei Tage später Statut ging ein Bürger, der dreimal beim
flüchtete der König durch Nauen und mit ihm Holzdiebstahl gefaßt wurde, zeitlebens der
die Kriegskasse. Zu derselben Zeit erschie- bürgerlichen Ehrenrechte verlustig.
nen die Bernadotteschen Truppen, und da Nachdem der Krieg 1815 beendet war, trat
diese die Kriegskasse hier nicht fanden, be- in Nauen eine Zeit der Besitzlosigkeit ein,
drängten sie die Bürger in unflätiger Weise, durch welche z. B. die Schützengilde 40 Mor-
wozu sich noch das Mißgeschick gesellte, daß gen Land, an dem Wege nach Lietzow lie-
niemand in der Stadt der französischen gend, verlor.
Sprache mächtig war. Der Retter in der Not Die Stadt Nauen hat während dieser Zeit
war der Hallenser Student Wilhelm Salpius, das Stadtbild beibehalten. Rings um die

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Seite 92 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Stadt führte eine Mauer, die aus Stein und sich längst verschwundene Straßentypen, wie
Pallisadenwänden bestand, welche von zwei Schnelläufer, Zigeuner, Mausefallenkerle, Bä-
Toren unterbrochen wurde; im Süden durch renführer mit Affen, Dromedaren usw.
das Mühlentor, später Potsdamertor, im Nor- Wöchentlich sandten ein bis zweimal die
den durch das Ruppiner Tor. Außerhalb der 30 umliegenden Dörfer Botenfrauen, welche
Stadt waren 16 Windmühlen, das Armenhaus, Einkäufe für die Dörfer besorgten und auch
an dessen Stelle heut das Rathaus steht, und bestellte Waren mitnahmen. Eine Botenfrau
eine Herberge, damit die Reisenden, welche war die Seele des Dorfes; sie war mit allen
nach Schluß der Tore zuwanderten, Unter- Heimlichkeiten der Frauen gut vertraut und
kunft fanden; an ihrer Stelle steht heute das den Geschäftsleuten sehr willkommen. Gern
erste Hotel, der Hamburger Hof. wurde ihr Gastfreundschaft gewährt, damit
Durch die Revolution in Berlin am sie alles richtig besorgte. Auf einem Hunde-
18. März 1848 erhielt Nauen am 20. März wagen beförderte sie die Einkäufe.
Einquartierung von Garde - Fußsoldaten, Außer den zweimal in Nauen stattfinden-
welche nach 14 Tagen von Garde-Kürassieren den Schützenfesten ist wohl neben den Jahr-
abgelöst wurden. Diese blieben bis zum märkten wenig Abwechslung in der Stadt ge-
Herbst hier. Da die Bürgerschaft die Sold- wesen. Im Jahr 1854 entstand die Lieder-
aten gut aufgenommen hatte, versprach der tafel, welche mit der Nauener Bürgerschaft
König der Stadt Nauen für 25 Jahre Militär. heute noch in guten freundschaftlichen Be-
Im Herbst 1848 kamen 2 Schwadronen Zie- ziehungen steht und immer noch in Freud und
ten-Husaren in Nauen in Garnison. Bemer- Leid zum Lied bereit ist,
kenswert ist, daß der Generalfeldmarschall Wie bereits früher erwähnt, hatte die Stadt
Graf Haeseler in Nauen als Offizier die mili- viel unter Feuersgefahr zu leiden. 1802 wurde
tärische Laufbahn begann. 1860 wurden die die erste Königl. Preuß. Feuerordnung für die
Husaren durch 2 Schwadronen vom dritten Stadt Nauen gedruckt; fünf andere folgten bis
Garde - Ulanen - Regiment abgelöst, welche 1885. Ein nächtlicher Feuerlärm war von
Nauen 1876 verließen. Durch das Garnison- derartigem Getöse, daß bald ein Toter auf-
leben wurde es in Nauen lebendiger. Es pas- wachen konnte. Die Glock' brammte (Nau-
sierte eben mehr, wodurch der Weiblichkeit ener Ausdruck), die Nachtwächter tuteten in
Stoff zum Klatschen gegeben wurde; auch hat- das Horn, und jeder, der die Straße betrat,
ten die Bürger mehr oder weniger Vorteile rief „Feuer“. Mit fürchterlichem Gerassel
durch die Soldaten. Wir sahen die Garde- fuhren die Wassertienen zur Brandstelle. Eine
Ulanen 1866 und 1870 in das Feld rücken jede Wassertiene wollte die erste sein, da
und nach Kriegsende auch in die festlich ge- dem Fahrer 5 Thaler Prämie winkten; ob
schmückte Stadt wieder einziehen. Wasser in der Tiene war, blieb Nebensache.
Die Stadt wurde vom Bürgermeister, einem Die Feuerspritzen wurden von den Gewerken
Beigeordneten, vier Ratsmännern und zwölf bedient und erhielten das Wasser von den 38
Stadtverordneten verwaltet und war in vier Stadtbrunnen. Den Brunnendienst versah
Bezirke geteilt; jeder Bezirk hatte einen Vier- der Brunnenherr mit seinen Mannschaften.
telskommissarius zum Vorstand und für die Sehr praktisch war folgende Verordnung: Ein
Ruhe sorgten bei Tage zwei Polizeidiener und jeder Hausbesitzer hat bei einem Gewitter
in der Nacht zwei Nachtwächter. Wie fried- einen großen Eimer mit Wasser gefüllt zu
lich muß es im Städtchen gewesen sein! Mor- stellen; dadurch war in der Not Wasser zum
gens blies der Kuhhirt das Horn; aus vie- Löschen zur Genüge vorhanden. Die Feuers-
len Häusern kam das liebe Vieh zusam- not war bald zu bewältigen, da es in der Stadt
men, um zur Weide zu gehen. Dann wurde nur zweistöckige Häuser gab; erst nach 1870
es reger in den Straßen; die Ackerbürger wurde von einer Frau Kraatz ein dreistöcki-
fuhren nach den Aeckern. Das allgemeine Ta- ges Haus gebaut. Die Familie Kraatz war
gewerk begann morgens um 6 Uhr. Allmäh- hier stark vertreten, darum hatte jede Familie
lich erschienen die Schulkinder; Knaben und Kraatz einen Beinamen. Der Volksmund
Mädchen wurden zusammen unterrichtet. Es legte dieser Frau Kraatz den wohl einzig da-
ist zu bewundern, daß die Knaben in der stehenden Beinamen „die 3stöckige Kraatzen“
einfachen vier-, später sechsklassigen Schule bei.
wöchentlich vier lateinische Unterrichtsstun- 1861 sollte nun das Jahr sein, welches
den hatten. Programmäßig kam nach Ostern Nauen in andere Bahnen lenkte. Es entstand
der Tanzlehrer Stahl aus Potsdam nach ein Turnverein, ein Vorschuß-Kassenverein,
Nauen und brachte der Jugend die Tanzkunst der heute noch segensreich wirkt, und als
und die Anstandslehre bei. Auch zeigten dritter im Bunde ein Gewerbeverein. Letz-

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 93

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Seite 94 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

terer führte die Bürger aus allen Ständen zum alten Stadtteil, so sehen wir in der Damm-
geistigen Leben durch Vorträge, Liebhaber- straße rechts die Peter-Paulskirche, links das
theater und Anderes zusammen. Postamt und das neu erbaute Realgymnasium.
Es ist eine eigentümliche Erscheinung, daß Diese Straße heißt deshalb Dammstraße,
sich nach Kriegen eine neue geistige Rich- weil sie ursprünglich ein Knüppeldamm ge-
tung im Volke bemerkbar macht. Nach dem wesen ist. Die Alten bauten diese Holzwege
Kriege 1870 schuf der Oberprediger Dr. aus Baumstämmen in einer Länge von 2 bis
Stürzebein aus der Volksschule die Anfänge 4 m und sägten sie dreikantig; ihnen war
einer höheren Bürgerschule; im Jahre 1875 bekannt, daß dreieckige Balken sicher ruhen;
konnten die ersten 6 Abiturienten entlassen ein Original befindet sich im Stadtmuseum.
werden. Mit dieser Zeit hörte das alte Spieß- Dieser Damm war von altersher der einzige
bürgerleben auf. Es kamen Bauernsöhne vom Verkehrsweg durch das Luch. Er muß sehr
Lande zum Besuch dieser Schule in die Stadt, alt sein, denn am 21. Juli 981 schenkte Kaiser
man fing immer mehr zu reisen an, die Kul- Otto II. seiner Gemahlin Theophana Novenis
tur wuchs, so daß die Behörden ebenfalls an castrum, die Burg Nauen.
größere Einrichtungen der Geschäftsbetriebe Am 18. Juni 1675 verkündeten die Turm-
denken mußten. Die Entwicklung der Stadt glocken von der St. Jakobikirche dem
ging nun schneller vor sich; so war bereits großen Kurfürsten den glorreichen Tag von
1864 eine Gasanstalt erbaut worden. Das ge- Fehrbellin; auf demselben Damm zogen seine
sellschaftliche Vereinsleben wuchs und Nauen Truppen durch Börnicke, Linum und Haken-
vergrößerte sich an Einwohnerzahl. Während berg, wo die Schlacht stattfand. Wir ver-
Nauen 1813 2400 Einwohner hatte, stieg diese lassen die Stadt und gehen durch die sechs
Zahl 1848 auf 4800 und beträgt jetzt 10000 Bahnüberfahrten weiter; links breitet sich das
Einwohner. Im Jahre 1886—87 wurde die havelländische Luch aus und rechts liegt die
Zuckerfabrik erbaut, welche nach allen Rich- Gasanstalt und das neu erbaute Schützenhaus.
tungen den Handelsverkehr und das Vermö- Nachdem man die große Grabenbrücke über-
gen der Havelländer hob und heute noch för- schritten, gelangt man bald zum Walde, über
dert. Ganz besonders verdanken wir ihr den welchem von weitem her schlank die Telefun-
Einfluß, der zum Bau der Kleinbahnen we- kentürme, die heute der Stolz Nauens sind,
sentlich beigetragen hat. emporragen. Mit einer gewissen Anmaßung
So zeigt sich nun Nauen heute als eine sagen die Nauener zu den Fremden: Haben
freundliche märkische Stadt. Vor dem Rat- Sie schon unsere Funkentürme gesehen? Als
hause befindet sich der Königsplatz, auf dem am 30. März der zuerst erbaute Turm umge-
das Denkmal Friedrichs I. steht, der sich um fallen war, war ein allgemeines Bedauern in
die Urbarmachung des havelländischen Luchs der Bürgerschaft vorhanden. Was wird nun?
verdient gemacht hat. Gegenüber ist das Ein jeder fühlte, daß die Weltbedeutung Nau-
Landratsamt mit den verschiedenen Verwal- ens in Frage gestellt war. (Dagegen herrschte
tungshäusern und in nächster Nähe der wohl- allgemeine Freude, als am 11. Februar 1911
gepflegte Stadtpark, in welchem das Krieger- der Turm vom Rathaus vom Wirbelwind ab-
denkmal steht und an besonderen Tagen die gedreht wurde).
Wasserkunst lustig plätschert. Im Innern der Die Funkenstation bildet nicht nur für
Stadt, welche gut gepflasterte Straßen hat, wissenschaftliche Vereine und Interessenten
befindet sich die Jakobikirche, die Mädchen- aus aller Herren Ländern eine große An-
schule mit dem Stadtmuseum, die höhere ziehungskraft, sondern ganz besonders auch
Mädchenschule, das Amtsgericht. Die Mittel- für uns. Wir Nauener sind und bleiben stolz
straße ist die Hauptverkehrsader; in ihr be- auf unsere Funkentürme. Wenn diese auch
finden sich die meisten Geschäfte und diese Niemandem von uns gehören, so werden sie
erzeugen ein recht reges Leben. Von hier doch immer unser bleiben. Wir wissen, daß
entwickelt sich der Hauptverkehr zum Staats- der Name unserer guten Stadt durch sie in der
bahnhof. Verlassen wir auf diesem Wege den ganzen Welt bekannt geworden ist.

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 95

Nauen in der Auslandspresse


Bei der großen Aufmerksamkeit, die auch powers of her installations”. Hiermit umschrieb
während des Krieges das neutrale und feind- das Blatt die ihm wohlbekannte Tatsache, daß
liche Ausland allen technischen Neuerungen Telefunken die Leistung seiner Station durch
und Vervollkommnungen entgegenbrachte, die die in der Antenne nachweisbare Schwingungs-
von Deutschland ihren Ausgang nahmen, ist es energie bezeichnet, während Marconi die zum
selbstverständlich, daß auch jeder Schritt in Betrieb benötigte Gesamtenergie angibt, wobei
der Weiterentwicklung der deutschen Funken- nicht erkennbar ist, ein wie großer Teil der
telegraphie und besonders der Großstation primär aufgewendeten Energie während des
Nauen stets eingehend in der Auslandspresse Sendeprozesses in der Apparatur selbst aufge-
besprochen wurde. bracht wird und wieviel als Nutzenergie
Da die Leistungen Nauens gegebene Tat- schließlich in die Antenne gelangt. Die von
sachen waren, so enthielten solche Besprechun- Telefunken angewendete Energiebezeichnung,
gen meistens eine gewisse Anerkennung, gleich- die dem Käufer sagt, was er wirklich erwirbt,
gültig, ob die sie bringenden Zeitschritten der ist schon jahrelang gebräuchlich und allen In-
Entente oder dem neutralen Ausland angehör- teressenten Telefunkens wie seinen Konkurren-
ten oder auch nur dem Namen und Erschei- ten genau bekannt.
nungsort nach neutral waren. Unterschiedlich Schweren Kummer bereitete es naturgemäß
dagegen, je nach der Stellung des einzelnen dem feindlichen Ausland, als Nauen nicht nur
Blattes, waren dann allerdings die Betrachtun- den deutschen Amerikaverkehr abwickelte,
gen, die an diese technischen Tatsachen ge- sondern auch Telegramme aus Amerika nach
knüpft wurden. den skandinavischen Ländern beförderte. Im-
Die Ententeblätter, mit Ausnahme vielleicht merhin räumte aber dann wieder ein Wireless
einiger japanischer Zeitschriften, suchten den World Artikel vom März 1917 folgendes ein:
günstigen Eindruck, den derartige Meldungen „Among the wireless stations, which have
auf den Leser machen mußten, durch Zusätze come into prominence in the great war is that
abzuschwächen, die ihren eigenen Funkendienst of Nauen, the giant Telefunken Station in the
in ein besonders günstiges Licht rücken soll- vicinity of Berlin.”
ten. Oft begnügten sie sich auch mit der ein- Auch die Verbindung Nauen—Windhuk
fachen Behauptung, diese an und für sich sehr wird anerkennend gewürdigt, indem man dem
schönen Erfolge ständen leider im Dienste Leser empfiehlt, einen Blick auf die Karte zu
einer sehr schlechten Sache. Geradezu charak- werfen, um sich eine rechte Vorstellung von
teristisch hierfür ist die Nummer der Pariser dieser Entfernung zu machen. Man rühmt es
„Industrie Eléctrique“ vom 25. 9. 1918, die in an derselben Stelle ferner, daß die Folge des
einem Nauen-Artikel die Station hinstellt als bekannten Einsturzes des 200 m-Turmes ein-
die fach der schleunige Neubau eines noch um
„ . . . admirable Station de Nauen qui, par 60 m höheren Turmes gewesen ist — aber
malheur, inonde le vaste monde des odieux später folgt prompt der Rückschlag: Der Wire-
mensonges de nos ennemis. leß World ist es vorbehalten geblieben, sich
In ähnlicher Weise berichtete auch die eng- und ihre Mitarbeiter gewissermaßen selbst zu
lische Fachzeitschrift für drahtlose Telegra- desavuieren, indem sie in der Novemberausgabe
phie „Wireless World“, die von der Marconi- 1918 die Heranziehung der Wissenschaft zur
Gesellschaft herausgegeben wird und daher deutschen Kriegsführung als „Scientific prosti-
speziell deren Interessen vertritt. In der tution“ bezeichnete. Tiefer gehängt zu werden
Augustnummer 1915 beschäftigt sie sich ein- verdient es auch, wenn sie noch im Februar
gehender mit Nauen, wobei sie die Kinder- 1919, also lange nach Einstellung der Feind-
krankheiten, die naturgemäß bei der Inbetrieb- seligkeiten, eine Abbildung Nauens, „the nerve
nahme des Verkehrs Nauen—Sayville über- centre of Germany's Wireless Propaganda“
wunden werden mußten, für sich auszunutzen mit der Ueberschrift „Lying Aerials“ versieht.
suchte, indem sie auf die eigene „long expe- Die „Japan Times“ vom 22. 11. 1916 be-
rience of transatlantic work“ hinweist, wäh- schränkt sich darauf, anzugeben, daß Nauen
rend „the Germans, however, lacked the neces- von der japanischen Großstation Funabashi
sary experience, and suffered accordingly“. (die ebenfalls von Telefunken gebaut ist) auf-
Hieran schloß sich noch erläuternd die Behaup- genommen wurde. Ebenso berichtete der
tung: „Germany systematically mistakes the „Scientific Australian“ vom Empfang der Sta-
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Seite 96 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

tion Nauen in Perth und Sydney (von Tele- Nutzanwendung für Holland zog und auf die
funken errichtet) und die „Electrical Review“ Notwendigkeit einer direkten Verbindung
vom 25. l. 1918 von der Aufnahme Nauens auf zwischen Holland und dessen indischen Kolo-
der gleichfalls von Telefunken eingerichteten nien hinwies, ist das javanische „Soerabaya
Station Awanui in Neuseeland. Handelsblad“ gewesen. Eine hiesige Korre-
Im Gegensatz zu diesen nicht gerade un- spondenz berichtet darüber: „Nach dem „Soe-
parteiischen Aeußerungen unserer Gegner rabaya Handelsblad“ v. 2. 3. 1916 hat die Fun-
stehen naturgemäß die sympathischen Artikel, kenstation in Sabang (Niederländisch-Indien
die die Presse unserer ehemaligen Verbünde- — von Telefunken gebaut —) im Anschluß an
ten uns widmete, wie z. B. die „Wiener Reichs- fortgesetzte Versuche ihres Leiters wiederholt
post“ am 10. Februar 1918: „Der deutsche die offiziellen drahtlosen Telegramme des deut-
Heeresbericht wird täglich über die deutschen schen Hauptquartiers auffangen können, so daß
Grenzen hinausgefunkt und damit das Lügen- damit seine unmittelbare Verbindung mit der
netz unserer Feinde bis zu einem gewissen Station Nauen hergestellt sein dürfte. Das
Grade zerrissen. Welch wertvolle Dienste javanische Blatt bemerkt hierzu, die Frage der
Nauen dem U-Bootkrieg und den auf See be- telegraphischen Verbindung zwischen Holland
findlichen Kreuzern leistete, braucht nicht und seinen Kolonien — gleich wichtig für die
näher dargelegt zu werden.“ Regierung wie für den Handel — könne nur
durch Errichtung einer eigenen kräftigen Sta-
Auch die wirklich neutralen Auslandszei- tion im Mutterlande, unabhängig von England,
tungen schreiben, wenn sie Nauen ganz allge- gelöst werden.“
mein oder im Zusammenhang mit politischen
Tagesereignissen erwähnen, in ähnlicher Weise, Und schon bald zwang dann Englands rigo-
wie z. B. das holländische Journal „De Toe- rose Handelszensur tatsächlich die Niederlän-
komst“ am 16. 2. 1918: „Während vor einigen dische Regierung dazu, der Telefunkengesell-
Jahren Nauen noch den Charakter einer Ver- schaft Auftrag zur Herstellung einer direkten
suchsstation hatte, hat es sich seit dem Krieg funkentelegraphischen Verbindung zwischen
auf besonders schnelle Weise entwickelt mit Holland und Niederländisch-Indien zu erteilen,
dem Erfolg, daß es jetzt einen ersten Platz in um eben den Verkehr des Landes mit seinen
der Reihe der drahtlosen Weltstationen ein- eigenen Kolonien unabhängig von englischer
nimmt.“ Bevormundung und Beaufsichtigung zu machen.
Wenn auch der ganz in englischem Fahrwasser
Günstig über die Arbeitsweise von Nauen segelnde „Telegraaf“ nun unter dem Kampf-
schreibt auch das „St. Gallener Tageblatt“ vom ruf „die holländische Industrie ist von der eige-
8. 2. 1918: „. . . wie schnell dabei gearbeitet nen Regierung ausgeschaltet worden“, eine
wurde, kann man daraus ermessen, daß der wütende Artikelserie gegen die Regierung los-
Anfang der großen Rede des Reichskanzlers ließ und gleichzeitig die englische Marconi-
von Bethmann-Hollweg bereits in Amerika war, gesellschaft für die Ausführung dieses Projek-
als er sie im Reichstag beendete.“ tes zu empfehlen suchte, so änderte dies nichts
Eins der ersten holländischen Blätter, wel- an der Entscheidung der Niederländischen Re-
ches aus den Leistungen Nauens die mögliche gierung für das Telefunken-System.

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 97

Bild 87. Auf der Insel Yap

Das Ende der Telefunkenstation Yap


Von M. Köhler

Trotz der Abgelegenheit unserer kleinen Am l. August abends wurde über Yap der
Insel waren wir doch durch die Tagespresse Kriegszustand verhängt. Am folgenden Tag
über den Ernst der politischen Lage im Juli erklärte der Kaiserliche Bezirksamtmann die
des Jahres 1914 unterrichtet. Unsere Station Station als Reichseinrichtung und wir wurden
war in jenen Tagen stark überlastet und da es zu Reichsbeamten gemacht und unter Militär-
wegen der Dienststunden mit Angaur und Nauru strafgesetz gestellt.
und der sehr großen atmosphärischen Störun- Am 7. August kam das Kriegsschiff „Planet“
gen nicht möglich war, alles Telegrammaterial in Yap an. Der Kommandant und die Offiziere
für das deutsche Geschwader in der vorge- besichtigten nachmittags die Station und das
schriebenen Dienstzeit zu erledigen, bot ich umliegende Gelände, um die für die Verteidi-
diesem an, meine Station von 5 Uhr nachmittag gung in Frage kommenden Punkte festzulegen.
bis 3 Uhr morgens ununterbrochen in Betrieb Am 8. August kam dann ein Kommando, be-
zu halten. Vom 31. Juli ab genügte auch das stehend aus einem Kapitänleutnant, einem
nicht mehr und die Station war nunmehr Tag Oberleutnant und 30 Mann, nach Tora, um die
und Nacht besetzt. Da der große Umformer Verteidigung der Station zu organisieren.
fast täglich von 5 Uhr abends bis 6 Uhr mor- Am 12. August, morgens 7.50 Uhr, wurden
gens durchlaufen mußte, wurde nachts der Schiffe gemeldet, die kurz darauf als feind-
Betrieb mit Maschine und Batterie parallel ge- liche erkannt wurden; es waren ein englischer
führt. Kreuzer („Minotaur“) und ein Zerstörer („New

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Seite 98 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Castle“). Um 8.15 Uhr gab der Kapitänleutnant in Richtung auf das Maschinenhaus abgegeben,
Befehl, das Ueberfallszeichen zu geben. Es die aber zu kurz gingen.
wurde abwechselnd mit der großen und der Bei dem Brande wurde alles Telegramm-
kleinen Station und verschiedenen Wellen ge- material, Briefe, Pläne, Zeichnungen, Abrech-
funkt. 8.50 Uhr wurde in einer Sendepause ge- nungen usw., so weit sie nicht als geheim schon
hört. „Minotaur“ gab ein Telegramm an uns, vorher durch Schwefelsäure zerstört waren,
daß sich alles Personal aus dem Bereich der vernichtet. Die durch die Granatexplosion und
Station entfernen solle, um 9 Uhr würde die den Brand verursachte Hitze war so groß, daß
Beschießung derselben beginnen. Wir gaben ein großer Teil der Gläser geschmolzen war.
weitere Ueberfallzeichen. Die beiden Schiffe Die Engländer entfernten sich nach dem letzten
fuhren während dieser Zeit auf und ab und Schuß mit großer Eile.
versuchten, die Kabel zu fischen. Am 7. Oktober erschien ein japanisches
Ich sollte, sobald die Schüsse in die Nähe Linienschiff („Satsuma“) und schiffte während
des Turmes fielen, diesen durch Lösen der des Vormittags eine Besatzungsabteilung von
Pardunenschrauben umwerfen. Zwei Pardunen etwa 150 Mann aus. Um l Uhr kam ein Kom-

Bild. 88. Faksimile des. Gesuchsformulars um Rücktransport mit der von der japanischen Marine beigegebenen deutschen Uebersetzung

hatte ich los, als auch der letzte Eingeborene mando in Tora an und übernahm die Station
weggelaufen war; es gelang mir nicht, den im Namen des Kaisers von Japan. Es wurde
Turm, bevor er getroffen wurde, umzuwerfen. uns unter Hinweis auf die zu erwartenden
Kurz nach 9 Uhr gab der „Minotaur“ mit Ernährungsschwierigkeiten freigestellt, die In-
großer Erhöhung einen Warnungsschuß über sel zu verlassen. Der Transporter „Kamakura
die Insel hinweg ab. Etwa 5 Minuten später Maru“ fuhr dann am 2. November mit uns ab
traf der erste Schuß etwa 25 m vom Turme ent- und kam am 7. November in Nagasaki an. Wir
fernt. Der zweite, nach weiteren 5 Minuten wurden dann an Bord so lange zurückgehalten,
abgegebene Schuß schlug dicht vor der Werk- bis der nach Amerika fahrende Dampfer
statt auf und ging unter dem Fundament hin- „Mandschuria“ den Hafen verlassen hatte. Am
durch, so daß er innen krepierte und das ganze 10. November, nachmittags um 5 Uhr, wurden
Gebäude in kaum einer halben Minute in Flam- wir dann, nachdem wir noch einen Schwurbrief,
men stand. Der zehnte Schuß traf den Turm, im Verlauf dieses Krieges nicht weiter gegen
dessen unterer Teil bis zur ersten Abspannung Japan zu kämpfen, unterschrieben hatten, mit
harmonikaartig in sich zusammensackte. Eine der Verpflichtung entlassen, Japan mit nächster
ganze Weile darauf wurden noch zwei Schüsse Gelegenheit zu verlassen. Meiner Dissenterie

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 99

wegen blieb ich noch da und ging in das Hospi- anderen Morgen 8 Uhr die Einschiffungsorder.
tal. Während dieser Zeit wurde ich auf allen Noch am selben Tage besorgte ich mein Gepäck
Wegen von einem Polizisten begleitet. Am zum Zollamt, 350 Pfund englisch, also etwa 150
24. Dezember fuhr ich dann von Japan nach Kilogramm pro Kopf der Familie, wozu mir
China, da der Weg über Amerika durch das die Polizei ein Automobil stellte, und am
Verbot, Fahrscheine an Deutsche zu verkaufen, Dienstag, den 11., morgens 10 Uhr, fuhr ich mit
gesperrt war. Ich kam am 26. Dezember 1914 meiner Familie von der Polizei im Auto zum
in Shanghai an und blieb bis 13. März 1919 Dampfer. Die Revision des großen Gepäckes
dort. Die Japaner und Chinesen haben mich auf dem Zollamt war sehr oberflächlich, vor
immer sehr gut behandelt und mich nie be- dem Dampfer hingegen äußerst gründlich; es
lästigt. wurde sogar Leibesrevision abgehalten und das
Nachdem China uns den Krieg erklärt hatte, Geld nachgezählt. Jeder Erwachsene durfte
wurde auf englisches Betreiben für die Deut- höchstens 200 und jedes Kind 100 Dollar mit-
schen in China die Meldepflicht eingeführt. Ich nehmen.
mußte mich auf chinesischem Gebiete zweimal An Bord standen Soldaten und Shanghaier
monatlich melden, während die in Shanghai an- Freiwillige bis an die Zähne mit aufgepflanztem

Bild 88. Hauptgebäude der Station Yap

sässigen Deutschen sich wöchentlich zweimal Bajonett, doppeltem Patronengurt und Revol-
und in der letzten Zeit sogar täglich zwischen ver bewaffnet. Hier wurde alles Gepäck noch-
9 und 3 Uhr und die Frauen dreimal wöchent- mals gründlich nach Waffen untersucht. Mes-
lich melden mußten. ser mit Klingen über 10 cm Länge, große Sche-
Nachdem die Repatriierung der Deutschen ren, Papierscheren, Hämmer und Alkohol wur-
beschlossen war, habe ich mich gleich für den den abgenommen und am letzten Reisetage mit
ersten Transport gemeldet. Am Sonntag, den Ausnahme des Alkohols (der angeblich über
9. März, erhielten viele Deutschen ihre Zu- Bord geworfen worden wäre) zurückgegeben.
stellung, sich am Dampfer einzufinden. Ich Der Dampfer Nora, auf dem wir fuhren, ist in
war mehrere Male auf dem Heimsendungs- Friedenszeiten für 94 Passagiere eingerichtet.
bureau und bekam schließlich den Bescheid, Wir waren 576 Deutsche an Bord; für uns war
daß mein Name nicht in den Listen des ersten das oberste Ladedeck eingerichtet. Rings um
Transportes stände. das Schiff lief eine Anzahl Holzverschläge, in
Abends um 10½ Uhr desselben Tages kam denen die Schlafkisten, immer 2 übereinander,
die Polizei, 3 Mann hoch, Dolmetscher, Polizei- eingebaut waren. Eng zusammen waren so 16
hauptmann und Polizist, und brachten mir für bis 24 Schlafgelegenheiten in einem Raume vor-

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Seite 100 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

handen. Zwischen den Schlafräumen waren portleitende Leutnant schon ohne Revolver,
von einer Seite zur anderen Tische und Bänke und die Posten ohne aufgepflanztes Seiten-
aufgeschlagen, an denen gegessen wurde. Das gewehr. Die Deutschen schienen den Englän-
ganze Deck hatte kein Tageslicht, die Luken dern schließlich so ungefährlich, daß sie alle
konnten zur Ventilation nur bei gutem Wetter militärischen Vorsichtsmaßregeln außer acht
geöffnet werden. Auch kleine Kinder mußten ließen.
hier hausen. Die Kochvorrichtung bestand Eine schwere Influenzaepidemie bewies die
aus drei dampfgeheizten Kesseln, einem nie be- absolut unzureichende sanitäre Ausstattung
nutzten Dampfbratofen und einem Herde. des Schiffes. Sogar die Medizin mußte zum
Zu essen gab es früh: Porridge, etwas But- großen Teil erst unterwegs gekauft werden; all
ter und Weißbrot, teilweise verschimmelt, teil- das machte die Reise noch unangenehmer. Es
weise mit Einlagen (schmutzigen Lappen), Tee; ist ein Wunder, daß nur drei Todesfälle zu ver-
zu Mittag: Bodensehsuppe (für 600 Personen zeichnen waren. In Rotterdam wurden vier
von 15 Pfund Hammelknochen mit wenig sehr schwer Kranke zurückgelassen.
Fleisch gekocht), Gulasch von Hammelfleisch Schon unterwegs wurde das Schiff in Singa-
mit 2 bis 3 Kartoffeln; um 5 Uhr nachmittags: pore vier Tage unnütz aufgehalten und die
etwas Butter, Weißbrot wie oben, und für 16 Reise hier wie auch sonst stark verzögert. Un-
Personen eine kleine Büchse (etwa 400 g) Mar- ter der Hitze hatten wir schwer zu leiden. Wir
melade, Tee. hatten bis 37° im Schiff und für ungefähr zwei
Die starke Bewachung fiel schon in den Wochen schwankte die Temperatur zwischen
ersten Tagen weg, als die Engländer wohl ein- 31° und 33°.
sahen, daß die Passagiere keinen anderen Am 6. Mai kamen wir endlich in Rotter-
Wunsch hatten, als schnell ihre Heimat zu er- dam an, wo uns ein äußerst warmer Empfang
reichen. Nach fünf Tagen erschien der trans- bereitet wurde.

Bild 89. Gesamtansicht der Station Yap

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 101

Telefunkenbeamte in der Gefangenschaft


Der plötzliche Ausbruch des Weltkrieges, gel an Zeitungen zu leiden, aber mit den ihnen
der so viele Deutsche, die im Ausland beruflich von hier aus gesandten Unterstützungsgeldern
tätig waren, an der Heimreise verhindert hat, konnten sie sich manche Erleichterungen ver-
überraschte auch eine große Anzahl unserer In- schaffen. Zu Weihnachten erhielten sie von
genieure, Monteure und Telegraphisten in über- uns stets eine größere Büchersendung, die
seeischen Ländern. Sehr verschieden war das auch richtig an den Bestimmungsort gelangte.
Schicksal, das ihnen bereitet wurde; einige Sehr schlecht spielte dagegen das Schick-
sind bereits aus der Gefangenschaft entlassen sal dem Telegraphisten Grün mit. Dieser
worden, die meisten andern werden noch zu- wurde nach wenigen Monaten aus Ursachen,
rückgehalten. die sich unsrer Kenntnis entziehen, von den an-
Die beim Bau der vier Südseestationen dern Herren getrennt und auf die Festung
(Samoa, Yap, Nauru, Rabaul) beschäftigten Be- Devonport gebracht, wo er längere Zeit blieb.
amten wurden nach Einnahme der Stationen Dort traf er mit den Leuten des deutschen
auf drei verschiedene Lager in Australien Kriegsschiffs „Seeadler“ zusammen, beteiligte
verteilt. Eine Gruppe, bei der sich Ingenieur sich bei deren Fluchtversuch, der leider ein
Hirsch befand, kam nach Motuihi, einer Insel vorzeitiges Ende nahm, und wurde nun von
in der Bucht von Auckland, andere Herren un- neuem gefangen gesetzt. Die Nachrichten, die
ter Führung des Betriebsleiters Hermann Kas- wir durch seine Familie erhielten, lauteten
par nach dem deutschen Konzentrationslager nicht sehr günstig.
in Liverpool bei Sydney, Ingenieur Brauns, Von Ingenieur Hirsch wie auch von andern
der Frau und Tochter bei sich hatte, nach Herren, hatten wir hin und wieder Nachrich-
Berrima, einem Orte im Innern von Neu Süd- ten, in denen er uns über das Tun und Treiben
Wales. Der Bauleiter der Station Rabaul, auf der Insel und ihre Beschäftigung, um den
Ingenieur Kleinschmidt, erkrankte wenige Tage Geist rege zu erhalten, Bericht erstattete. Auch
nach Ausbruch des Krieges an Gehirn- einige Bilder erhielten wir, obgleich mancher
malaria; er kam in das Hospital in Brief sein Ziel nicht erreichte. In Motuihi be-
Herbertshöhe, wo er am 16. September fanden sich auch Regierungsbeamte aus
starb; auch er muß als Opfer des Welt- Samoa.
krieges angesehen werden. Dem Bauleiter der Die mit Betriebsleiter Kaspar nach Liver-
Station Yap, Ingenieur Köhler, glückte es, pool bei Sydney gebrachten Herren hatten, wie
wenige Wochen nach Ausbruch des Krieges aus den spärlichen brieflichen Nachrichten her-
über Japan nach Shanghai zu gelangen, wo vorgeht, ebenfalls im allgemeinen nicht zu kla-
er während der Dauer des Krieges verblieb. gen; natürlich lastete drückend auf allen der
Seit Mitte April befindet er sich bereits in Verlust der Freiheit, obgleich sie mehr Bewe-
Deutschland. Mit ihm zusammen war der Mon- gungsfreiheit gehabt zu haben scheinen als
teur Hermann, dem es ebenfalls gelang, über die Herren auf Motuihi.
Japan nach Shanghai zu kommen. Ingenieur Brauns, der, wie oben bereits
Ingenieur Hirsch und die bei ihm befind- mitgeteilt, mit Frau und Tochter in einem La-
lichen Herren hatten, bevor sie nach Motuihi ger in der Nähe von Berrima interniert war,
gebracht wurden, noch einige recht gefährliche schrieb uns ebenfalls, daß er und die Seinen
Stunden auf der Station in Samoa durch- nicht schlecht behandelt würden. Er bewohnte
machen müssen. Sie hatten im letzten Augen- ein kleines Häuschen, trieb etwas Landwirt-
blick einige wichtige Teile der Apparate ihrer schaft, beschäftigte sich auch wissenschaftlich;
Station unbrauchbar gemacht und weder die aber auch ihn bedrückte der Verlust der Frei-
Zusage einer hohen Belohnung, falls die Station heit sehr.
wieder in Gang käme, noch die Androhung mit In den letzten Monaten wurden sämtliche
Erschießen konnte sie dazu bewegen, den Eng- Herren nach Konzentrationslagern gebracht;
ländern ihren Willen zu tun. Aufrechte Cha- anscheinend sammelt man die in verschie-
raktere, so wie wir sie stets kannten, blie- denen Orten befindlichen Gefangenen, um sie
ben sie auch standhaft gegenüber dem Feinde. für die Heimsendung mehr beisammen zu
Den Reichsbehörden wurde ihr standfestes haben.
Verhalten bekannt gegeben; die Anerkennung Die in unserer Großstation Windhuk befind-
wird hoffentlich nicht ausbleiben. lichen Herren wurden nach Besetzung der
Sonst ging es den Herren in Motuihi im allge- Kolonie durch die Engländer aus der Station
meinen leidlich; sie hatten zwar unter dem Man- entfernt, aber es war ihnen, wie allen Deut-
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Seite 102 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

sehen in Deutsch-Südwest gestattet, sich eine Lagern untergebracht wurden. Auch hier war
Beschäftigung zu suchen und ihr ungehindert den Internierten nicht gestattet, nach der Hei-
nachzugehen. Sie hatten allerdings in der mat zu schreiben, noch von dort Nachrichten
ersten Zeit Schwierigkeiten zufolge der Ent- zu empfangen. Auch die ihnen gesandten Un-
wertung der deutschen Mark, auch dauerte es terstützungsgelder wurden ihnen nicht ausge-
einige Zeit, ehe sie eine Beschäftigung fanden, zahlt; erst später wurden ihnen nach endlosen
aber immerhin durften sie sich in der Kolonie Bemühungen Teilbeträge ausgehändigt.
frei bewegen.
Unter den seiner Zeit nach Dahomey und
Am schlimmsten spielte das Schicksal un- später nach Algier Transportierten befand sich
sern in Kamina (Togo) befindlichen Beamten auch der Erbauer der Großstation Kamina,
mit. Nachdem die Station von den vereinigten Baron Codelli nebst Frau und Kind, das noch
englischen und französischen Kräften genom- nicht l Jahr alt war. Wegen andauernder und
men worden, wurden un- wiederholten Dysenterie-
sere Herren ebenso wie Anfälle wurden unser In-
alle andern in der Ko- genieur Doetsch und der
lonie befindlichen Deut- beim Bau in Kamina be-
schen den Franzosen schäftigt gewesene AEG-
übergeben, und die Lei- Monteur Fichter nach
den, die sie bis zu ihrer Südfrankreich gebracht.
endgültigen Internierung Endlich nach langen Re-
in Frankreich durchzu- klamationen der Reichs-
machen hatten, werden behörden wurden unsere
auf ewig ein Schandmal andern noch in Algier
in der Geschichte Frank- und Marokko verbliebe-
reichs bilden. Schreiben nen Herren Ende 1916
war ihnen nicht gestattet, nach Frankreich gebracht
sonstige Nachrichten tra- und zunächst in Uzès,
fen von drüben nicht ein. später in Ile Longue (Dép.
Erst Ende 1916 nach der Finisterre) interniert, wo
Rückkehr einiger Regie- sie sich mit Ausnahme
rungsbeamten bekam man des Herrn Dr. Esau, der
von ihnen zu hören. Die späterhin in der Schweiz
deutschen Männer, Frauen interniert und dann frei-
und Kinder wurden, von gelassen wurde, noch be-
Schwarzen bewacht, unter finden. In den letzten
dem Kommando von fran- Wochen erlangte der
zösischen Offizieren nach Monteur Kößler, da er
dem Innern von Dahomey Oesterreicher ist, die
(Cotonou, Caya und Candi) Freiheit. In Ile Longue
transportiert. Den un- Bild 90. Station Lüderitzbucht
war die Behandlung be-
gefähr 800 Kilometer deutend besser. Die
langen Weg mußten sie größtenteils zu Herren leiden aber natürlich sehr unter der
Fuß in der größten Hitze, kaum mit dem jahrelangen Internierung und trotz aller un-
Notdürftigsten versehen und bei der denkbar serer Bemühungen gelang es nicht, die Ueber-
schlechtesten Beköstigung zurücklegen. Und führung nach der Schweiz durchzusetzen.
dies mutete man Leuten zu, die teilweise jahre- Durch regelmäßige monatliche geldliche Un-
lang in den Tropen gelebt hatten. Für Heil- terstützungen, Sendungen an Kleidungsstücken
mittel war nicht im geringsten gesorgt, und und Genußmitteln zu Weihnachten, suchten wir
hätten sich nicht bei den einzelnen Abteilungen das Los unserer Herren nach Tunlichkeit zu
deutsche Regierungs- und Militärärzte aus der erleichtern. Alle unsere Beamten, ohne Aus-
Kolonie befunden, so wären alle elend umge- nahme, befaßten sich mit wissenschaftlichen
kommen. Nach langen Monaten der Gefangen- Arbeiten, um sich rege zu erhalten; und was
schaft wurden alle teils zu Fuß, teil mit der sie hauptsächlich aufrecht erhielt, war die Hoff-
Bahn an die Küste geschafft und von da nach nung auf baldige Freiheit. Hoffen wir, daß
Marokko und Algier verladen, wo sie, also auch ihr allersehnlichster Wunsch bald in Erfüllung
unsere Herren, in kleinen Städten im Innern geht und sie wieder in ihrem alten Wirkungs-
unter ganz unzulänglichen Verhältnissen in kreis tätig sein können.

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 103

Bei Redaktionsschluß dieser Zeitung sind Eickhoff und Ullrich soeben glücklich in
wir zu unserer Freude in der Lage, eine An- Deutschland eingetroffen. Wir möchten nicht
zahl von Herren begrüßen zu können, die zu verfehlen, ihnen auch von dieser Stelle aus ein
uns zurückkehren konnten. Während Herr Dr. herzliches Willkommen zuzurufen und der
Esau, den das Schicksal bei Gelegenheit des Hoffnung Ausdruck zu geben, auch die noch
Falles der Großstation Kamina in Togo im fehlenden Herren recht bald wieder unter uns
August 1914 ereilte*), schon seit Jahresfrist zu sehen.
bei uns weilt, sind die Herren Brauns. Schröter
Hirsch, Kaspar, Köhler, Ruckschus, Grün, *) 2. Kriegsnummer der Telefunkenzeitung, Seite 31.

Bild 91. Nauen. Nach einer Radierung von Heinrich Otto-Werniger

Beamten - Jubiläen
Viereinhalb Jahre Weltkrieg sind vorüber, für Krieg hinaus der ausländischen Industrie
Telefunken eine ebenso lange Spanne intensiv- gegenüber konkurrenzfähig zu halten. Wenn
ster Arbeitstätigkeit. War doch der größte Teil es nun gelang, allen diesen Anforderungen
des enormen Bedarfes von Funkenstationen für jederzeit gerecht zu werden, so ist dies in
die Land-, Wasser- und Luftstreitkräfte von erster Linie mit darauf zurückzuführen, daß
vier großen Nationen in schnellen Lieferungen Telefunken über eine Anzahl von alteinge-
zu decken, ohne daß die anderen Interessen- arbeiteten Angestellten in allen Geschäfts-
ten, insonderheit das neutrale Ausland, ver- zweigen verfügt, welche das Stammpersonal
nachlässigt werden durften. Und auch in den für die Durchführung des Betriebes von Tele-
Laboratorien ruhte die Arbeit nicht: die Ent- funken bilden. Viele von ihnen sind bereits
wicklung der Rahmenantenne, Kathodenröh- seit Gründung der Gesellschaft ununterbrochen
ren, drahtlosen Telephonie usw. stellten hohe bei dieser beschäftigt und konnten also im Laufe
Anforderungen an Ingenieure und Techniker, der Kriegsjahre auf eine 15jähr. Tätigkeit
um die Erzeugnisse Telefunkens auch über den zurückblicken. Noch größer ist natürlich die

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Seite 104 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Zahl derjenigen, welche in der gleichen Epoche Kriegszeit hindurch bis zum heutigen Tage inne
eine zehnjährige Arbeitszeit hinter sich brach- hat.
ten. In der Tat auch ein schönes Zeichen für
das Verhältnis zwischen den Angestellten der Eine Persönlichkeit die bereits die ersten
Firma und ihrer Direktion. Anfänge in der Entwicklung der deutschen
Als ein Zeichen dankbarer Anerkennung Funkentelegraphie mitgemacht; hat, ist Herr
wurde den Angestellten gelegentlich ihrer zehn- Oberingen. Oskar Lorenz. Am 30. 4. 1874 in
bezw. fünfzehnjährigen Tätigkeit eine Radie- Neustadt (Sachsen) geboren, genoß Herr Lorenz
rung, die Station Nauen darstellend, über- seine technische Ausbildung an der Polytech-
reicht. nischen Gewerbeschule in Wien. Seit dem
Nachstehend bringen wir kurze Berichte l. 10. 1900 gehörte er dem Laboratorium für
über den Lebenslauf der am längsten in un- Funkentelegraphie der AEG an und hatte an
seren Diensten befindlichen Angestellten und der Durchbildung des Systems Slaby-Arco
ihre bisherige Tätigkeit bei der Gesellschaft. regen Anteil; so wurden z. B. die Stationen
Diese Berichte geben gleichzeitig ein gutes Bild Duhnen (Cuxhaven) und Bremerhaven (Lloyd-
über die, die ganze Erde umfassende erfolg- halle) im Jahre 1901 von ihm eingerichtet. Bei
reiche Tätigkeit von Telefunken im angespann- der Gründung von Telefunken wurde er am
testen Wettkampf mit den übrigen Systemen 15. Juni 1903 mit übernommen. Nach der Vor-
der drahtlosen Telegraphie. führung von fahrbaren Stationen vor König
Alfons von Spanien leitete Herr Lorenz 1904 die
Herr Oberingenieur Georg Borkel, der zur- Montage von Scheveningen, worauf er im Jahre
zeit im vierzigsten Lebensjahr steht, gehört 1905 eine längere Montage- und Vorführungsreise
der Firma bereits seit dem 30. Mai 1904 an, nach Ostasien unternahm. Unter seiner Lei-
zu welchem Zeitpunkt er als Konstrukteur bei tung wurde 1906/07 die Station Norddeich ge-
Telefunken eintrat. Anfang 1905 war er als baut, woran sich dann bis zum Jahre 1909
Laboratoriumsingenieur und von 1906 ab im neue Versuche in der Schweiz anschlossen.
Kriegstechnischen Büro der Technischen Ab- 1909 übertrug man ihm den Posten als Leiter
teilung tätig, wo er in erster Linie die Entwick- der Montagen für die Kriegsmarine und im
lung unserer fahrbaren und tragbaren Militär- Anschluß daran die Übernahme der ständigen
stationen bearbeitete. Aufgaben dieses Tätig- Telefunkenvertretung in Kiel. Nach Beendi-
keitsgebietes führten ihn u. a. nach Belgien, gung des Krieges kehrte Herr Lorenz zum
Schweden, Portugal und Japan. Im Jahre 1913 Stammhause nach Berlin zurück und übernahm
übernahm Herr Borkel den wichtigen Posten hier die neugegründete Postabteilung.
als Vorstand des Auslands-Armee-Büros,
den er bis Kriegsausbruch inne hatte. Den Krieg Herr Oberingenieur Eugen Reinhard, geboren
machte er als Funkeroffizier mit, wurde mit am 30. Oktober 1877, hat die Technische Hoch-
dem E. K. ausgezeichnet und zum Hauptmann schule in München besucht. Am 9. Mai 1904 trat
d. R. der Nachrichtentruppe befördert. er als Ingenieur bei Telefunken ein, wo er in
verschiedenen technischen Betriebszweigen, wie
Herr Otto Dölle wurde am 10. November Montagebüro, Laboratorium und Betriebs-
1888 in Berlin geboren. Er gehört mit zu dem büro tätig war. Anschließend hieran führten
Teil des Personals, welches bei der Gründung die nächsten Jahre Herrn Reinhard in ab-
am 15. 6. 1903 von den Vorgängern von Tele- wechselnder Reihenfolge in fast alle Teile der
Welt, wo er teils als Montageleiter, teils als
funken übernommen wurde. Er war anfangs
technischer Berater der Auslandsvertretungen
als Monteur tätig, vom l. Juli 1917 ab als Lab-
wirkte.
orationsbeamter. Am l. Juli 1919 wurde er zum
1904/05, während des russisch-japanischen
Techniker ernannt; als solcher ist er zurzeit
Krieges, war er in Petersburg, von wo aus er
noch im Laboratorium beschäftigt.
sich nach Peru begab, wo er die schwierige Mon-
tage von fünf im Urwald gelegenen Stationen
Herr Richard Hansel trat am 12. 4. 1904 im ausführte. 1908/10 wurde die Auslandstätig-
Alter von 24 Jahren als Packer bei Telefunken keit durch eine nochmalige Anwesenheit bei
ein und wirkte bis zum Jahre 1914 als der Montage-Abteilung in Berlin unterbrochen;
Vorarbeiter in der Versandabteilung. In dieser das Ende des Jahres 1910 sah ihn aber schon
Zeit wurde Herr Hansel zum Packmeister wieder in Kamtschatka bei der Montage der
befördert, welchen Posten er auch die ganze Stationen Nikolajewsk und Petropawlowsk.

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 105

Von dort aus bereiste Herr Reinhard Meßbüro der Berliner Elektrizitätswerke
Japan, China, die Philippinen und Niederlän- tätig, später im Elektrizitätswerk Oberspree.
disch-Indien, wo u. a. die bekannte Station Am 20. Juli 1901 wurde er von der damali-
Sabang von ihm errichtet wurde. gen Slaby-Arco-Abteilung für drahtlose Tele-
Unter seiner Führung fanden auf den Süd- graphie der AEG im Kabelwerk Oberspree
see-Inseln mehrere Expeditionen zur Auffin- engagiert und ist von dieser Zeit ab dauernd,
dung geeigneter Stationsplätze statt. Nach zunächst bei dieser Abteilung und der später
Fertigstellung der Stationen in Niederländisch- daraus hervorgegangenen Gesellschaft für
Indien stand Herr Reinhard der dem Tele- drahtlose Telegraphie tätig. Von An-
funken-Konzern angegliederten Australasian fang an widmete er sich mit Vorliebe der Ent-
Wireless Co. zur Verfügung, welche ihn zur wicklung der drahtlosen Empfänger und deren
Montage der Stationen Awanui und Awarua Zubehör (Fritter, Detektoren, Vakuumröhren
nach Neuseeland entsandte. Nachdem dann usw.). Er ist der Erfinder der nach ihm be-
noch die Verbindung Sydney-Neuseeland her- nannten elektrolytischen Zelle; die Firma ver-
gestellt war, reiste Herr Reinhard wieder nach dankt ihm eine Reihe von Patenten und Ge-
Japan, wo er die Vorarbeiten für die Errich- brauchsmustern auf dem Gebiete des Empfangs-
tung der Station Funabashi erledigte, um dann wesens.
über Sibirien nach Deutschland zurückzu- Herr Schloemilch ist fast ausschließlich im
kehren. Laboratorium tätig gewesen, führte aber auch
Der Krieg führte ihn dann noch einmal nach eine Anzahl von Installationen funkentelegra-
Österreich-Ungarn, Rumänien und Bulgarien; phischer Anlagen aus. Seine Reisen nach dem
seit seiner Beendigung gehört er dem Groß- Ausland (Dänemark, Norwegen, Schweiz, Spa-
stationsbüro in Berlin an. nien, Türkei usw.) hatten fast ausschließlich
den Charakter von Versuchsreisen und handelte
es sich hierbei hauptsächlich um die Erprobung
Herr Oberingenieur Heinrich Schiefer-
neuer Apparate und Systeme.
stein wurde am 5. Mai 1877 in Lich
(Hessen) geboren. Seine technische Ausbil-
dung genoß er in Ilmenau, Karlsruhe, Mitt- Herr Franz Stichel wurde am 19. 9. 1879
weida und Chemnitz. Am 27. August 1904 in Gurkow, Kr. Friedeberg, geboren. Nach
trat Herr Schieferstein als Konstrukteur bei mehrjähriger praktischer Ausbildung als
Telefunken ein, arbeitete später etwa ein hal- Mechaniker und nach Besuch einer Gewerbe-
bes Jahr im Laboratorium, um dann die Lei- Fortbildungsschule war er in verschiedenen Be-
tung des Betriebes und des Konstruktions- trieben der AEG tätig und wurde dann am
büros zu übernehmen, die er bis zum Jahre 15. 6. 1904 in die neu gegründete Telefunken-
1907 inne hatte. In diesem Jahre wurde er gesellschaft mit übernommen, wo er als Mecha-
als Montageingenieur zur Firma Siemens & niker beschäftigt wurde. Später wurde er dann
Halske nach Wien entsandt, welche die Ver- Revisor und ist als solcher seit dem l. Januar
tretung der Telefunkengesellschaft für Oester- 1912 fest angestellt.
reich-Ungarn hatte. Bald darauf wurde ihm
die Leitung der FT-Abteilung obiger Firma
Am 30. 5. 1904 begann die Tätigkeit des
übertragen, die die umfangreichen Lieferun- Herrn Oberingen. Nikolai Tauber bei Telefun-
gen für die österreichische Armee, Marine ken. Am 22. 12. 1879 in Kopenhagen geboren,
und Schiffahrtsunternehmen auszuführen hat er dort das Gymnasium besucht und im Jahre
hatte. Diesen wichtigen Posten hatte Herr
1898 das philosophische Examen an der dorti-
Schieferstein auch während des ganzen Krie-
gen Universität bestanden. Im Jahre 1903 er-
ges inne, nach dessen Beendigung er dann
hielt er das Ingenieurdiplom am Polytechnikum
wieder zum Stammhaus nach Berlin zurück-
in Zürich. Nach anschließender Werkstatt-
gekehrt ist.
praxis trat er zum oben angegebenen Zeitpunkt
bei Telefunken ein. Bis zum Jahre 1911 war
Herr Oberingenieur Wilhelm Schloemilch er im Laboratorium und im technischen
wurde am 19. September 1870 zu Leipzig ge- Büro, hauptsächlich aber bei der Montage
boren und besuchte nach einer mehrjährigen von Stationen in Deutschland und im Aus-
praktischen Vorbildung die technischen Hoch- lande tätig. Besonders ist der Bau sämt-
schulen zu Darmstadt und Charlottenburg. licher von Telefunken für Dänemark geliefer-
Nach einem Studium von 6 Semestern war er ten Stationen unter seiner Leitung ausgeführt
im Maschinen-Laboratorium der AEG und im worden. Nachdem Herr Tauber im Jahre 1912

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Seite 106 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

in England, Bulgarien und in der Türkei be- worden, leitete er in den Jahren 1916-17 die
schäftigt war, übernahm er dann bis zum Jahre Montage der Großstationen Bagdad und Da-
1914 die Leitung des Kolonialbüros. maskus. 1917-19 übernahm er das Großsta-
1915 führte er die Durchkonstruierung des tionsbüro, um dann im April 1919 die Lei-
70-TV Senders für Königswusterhausen aus. tung der gesamten Bauabteilung zu überneh-
Nachdem er 1916 zum Oberingenieur ernannt men.

Nachstehend bringen wir eine Zusammenstellung der Namen aller derjenigen Herren,
welche auf eine mindestens zehnjährige Tätigkeit bei Telefunken zurückblicken können.
Kaufmann Karl Peter Oberingenieur Dr. ing. E. Morck
(Diensteintritt; 15. 6. 1903, mit Unter- (Diensteintritt: 10. l. 1905),
brechung),
Handlungsgehilfe Johannes Müller
Techniker Theodor Nicolas (Diensteintritt; l. 2. 1905, mit Unter-
(Diensteintritt; 15, 6, 1903, mit Unter- brechung),
brechung), Dipl.-Ing. Richard Hirsch
Meister Max Jäger (Diensteintritt: 15, 2, 1905, mit Unter-
(Diensteintritt: 15. 6. 1903, mit Unter- brechung),
brechung), Oberingenieur August Leib
Kaufmann Erich Wruck (Diensteintritt; 15, 2. 1905, mit Unter-
(Diensteintritt: 2. 9. 1903, mit Unter- brechung),
brechung), Kaufmann Paul Kremonke
Ingenieur Wilhelm Eickhoff (Diensteintritt; l. 3. 1905, mit Unter-
(Diensteintritt: l. 10. 1903, mit Unter- brechung),
brechung), Ingenieur Ferd. Burghardt
Kautmann Hermann Hoch (Diensteintritt: 21. 3. 1905),
(Diensteintritt: l. 2. 1904, mit Unter- F.-T, Beamter Hermann Witthinrich
brechung), (Debeg; Diensteintritt: 3. 4. 1905),
Ingenieur Gustav Reuthe Revisor Rudolf Romeyke
(Diensteintritt: 6. 4. 1904, mit Unter- (Diensteintritt; 17. 4. 1905, mit Unter-
brechung) , brechung),
Ingenieur Fritz van der Woude Kaufmann Paul Janke
(Diensteintritt: 18. 4. 1904, mit Unter- (Diensteintritt: l. 5. 1905),
brechung) , Prokurist Obering. Erich Quäck
Oberingenieur Sophus Larsen (Diensteintritt; 13, 5. 1905, mit Unter-
(Diensteintritt: l. 9. 1904), brechung),
Ingenieur Karel Moens Werkmeister Adolf Oelkers
(Diensteintritt: l. 10. 1904, mit Unter- (Diensteintritt: 20. 5. 1905),
brechung), Techniker Karl Schwarz
Techniker August Schlinke (Diensteintritt: 22. 5. 1905),
(Diensteintritt: l. 10. 1904), Ingenieur Albert Sölfer
(Debeg; Diensteintritt; l, 7. 1905),
Techniker Walter Voigtmann
(Diensteintritt, l. 10, 1904), Oberingenieur Paul Schwarzhaupt
(Diensteintritt: 17. 7. 1905),
Oberingenieur Alexander Siewerl
(Diensteintritt: 20. 10. 1904, mit Unter- Kaufmann August Kauder
brechung), (Diensteintritt: l; 8. 1905),
Ingenieur Erich Brauns F.-T, Beamter Albert Dickele
(Diensteintritt: l. l. 1905), (Debeg; Diensteintritt; 25, 9. 1905),
Techniker Ernst Müller Direktor, Hauptmann a. D. K. Solff
(Diensteintritt 6. l. 1905), (Diensteintritt: l, 10. 1905, mit Unter-
brechung),

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 107

Techniker Franz Graßnick Inspektor Kurt Schicke


(Diensteintritt: l. 10. 1905), (Debeg; Diensteintritt; l. 5. 1907),
Techniker Paul Fehse Ingenieur Gustav Tropitz
(Diensteintritt; l. 10. 1905), (Diensteintritt: l. 5. 1907),
Techniker Julius Billerbeck F.-T. Beamter Gustav v. Duhn
(Diensteintritt: 2. 10. 1905), (Debeg; Diensteintritt: 7. 10. 1907),
Direktor Hermann Behner Techniker Paul Müller
(Debeg; Diensteintritt; 5. 10. 1905), (Diensteintritt: 7. 10. 1907),

Kaufmann Hermann Pritsche Registrator Erich Ohle


(Diensteintritt: l. 12. 1905), (Debeg; Diensteintritt: 15. 10. 1907),
Kaufmann Paul Loth
Direktor Dr. Ing. Karl Schapira
(Diensteintritt: 5. 11. 1907),
(Diensteintritt: l. l. 1906),
Ingenieur Hans-Eberhard von Kluck
Ingenieur Arthur Schmidt (Diensteintritt: 3. l. 1908, mit Unter-
(Diensteintritt: 2. l. 1906, mit Unter- brechung),
brechung),
Ingenieur Christian Grüner
Meister Adolf Bardehle (Diensteintritt: 3. l. 1908),
(Diensteintritt: 3. l. 1906),
F.-T. Beamter Walter Zipfel
Techniker Ernst Hornoff (Debeg; Diensteintritt: l. 3. 1908),
(Diensteintritt: 17. l. 1906),
F.-T. Beamter John Wagner II
Kaufmann Hermann Kurth (Debeg; Diensteintritt: 7. 5. 1908),
(Diensteintritt: 6. 6. 1906),
Kaufmann Wilhelm Bitzkus
Techniker Karl Schmidt (Diensteintritt: 10. 8. 1908),
(Diensteintritt: 23. 7. 1906),
Oberingenieur Dr. Alexander Meißner
Ingenieur Heinrich Eberhard (Diensteintritt: l. 9. 1908),
(Diensteintritt: l. 9. 1906),
Kaufmann Walter Lebrenz
F.-T. Beamter Wilhelm Mambar (Diensteintritt: 15. 9. 1908),
(Debeg; Diensteintritt: 20. 9. 1906), F.-T. Beamter Gotthold Feeser
Hauswart Johann Kastalsky (Debeg; Diensteintritt: 27. 9. 1908),
(Diensteintritt: l. 12. 1906), F.-T. Beamter Hans Steinbrecht I
F.-T. Beamter Heinrich Theuerholz (Debeg; Diensteintritt: 15, 10. 1908),
(Debeg; Diensteintritt: 11. 12. 1906), Kaufmann Alwin Lindemann
Ingenieur Johannes Meyer (Diensteintritt: l. 3. 1909),
(Diensteintritt: l. l. 1907), Oberingenieur Otto Renner
(Diensteintritt: l. 3. 1909).
Kaufmann Willy Wipperling
(Diensteintritt: 11. 2. 1907), F.-T. Beamter Heinrich Laupenmühlen
(Debeg; Diensteintritt: 6. 3. 1909),
Ingenieur Desider Revy
(Diensteintritt: 17. 2. 1907), F.-T, Beamter Gustav Kaulitz
(Debeg; Diensteintritt: 7. 4. 1909),
Techniker Otto Konrad
(Diensteintritt: 15. 3. 1907), F.-T. Beamter Erich Langguth
(Debeg; Diensteintritt; 16. 4. 1909),
Ingenieur Ernst Hasselkus
(Diensteintritt; 18, 3. 1907, mit Unter- F.-T. Beamter Eduard Heck
brechung), (Debeg; Diensteintritt: 15. 6. 1909),
Registrator Robert Drescher Kontoristin Wilhelmine Beer
(Diensteintritt; 17. 4. 1907), (Debeg; Diensteintritt; l. 8. 1909),

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Seite 108 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

Funkentelegraphie im Dienste der Nähe von Bordeaux in Angriff nehmen. Die


Reichspost. unter dem Namen Lafayette-Station bekannt
Das Reichspostministerium beabsichtigt, gewordene Großstation wurde von der ameri-
zur Ergänzung des Drahttelegraphennetzes ein kanischen Marine gebaut; soweit bisher be-
Netz von Funkstellen über ganz Deutschland kannt geworden ist, verfügt die Station über
zu errichten. Man will dadurch ein Mittel 1200 kW und hat 4 Mäste von 275 m.
schaffen, um wichtigen Verkehrsplätzen auch Nach einer Meldung des „Petit Parisien“
dann Telegraphenverbindungen zur Verfügung vom 2. März 1919 ist die Station inzwischen
zu stellen, wenn die Drahtleitungen infolge von an die französische Regierung verkauft wor-
Naturereignissen oder aus sonstigen Gründen den; der Kaufpreis beträgt 22 Millionen Francs.
unbenutzbar werden sollten. Geplant sind zu-
nächst 30 bis 40 Funkstellen, die ihre Tele-
gramme an neun Funkleitstellen (darunter Anerkennung für das deutsche Groß-
Hamburg) absetzen sollen; diese wiederum Stationsnetz.
werden mit der Funksammelstelle in Berlin Die Anlage des deutschen Großstations-
verkehren. Die Funkstellen erhalten ihren Sitz netzes, welches die Heimat mit seinen Kolo-
in unmittelbarer Nähe, möglichst in demselben nien und über die Vereinigten Staaten mit
Gebäude, wie die Telegraphenämter, damit der übrigen neutralen Welt verband und wäh-
sich die Draht- und die Funkentelegraphie ge- rend des Krieges so viel Nützliches geleistet
genseitig ergänzen können. Das Netz soll hat, läßt einen anerkennenswert weiten Vor-
nach und nach weiter ausgebaut werden. (Die ausblick der beteiligten deutschen Kreise er-
Umschau). kennen. Bemerkenswert ist in dieser Beziehung
folgende Aeußerung des Pariser „Excelsior“
Brand eines Funkenturms. vom 11. l. 1916: „Man muß zugeben, daß
Der „Christian Science Monitor“ vom Deutschland vor dem Krieg außerordentliche
15. Februar 1919 meldet aus Washington, daß Vorkehrungen getroffen hatte, um seinen Ver-
beim Marine-Departement Berichte über den kehr mit der ganzen Welt für den Fall zu
Brand des 200 m hohen Turmes der Station sichern, wenn ihm das Meer verschlossen sein
South S. Francisco eingegangen sind. Das würde.
Feuer war in einer derartigen Höhe aus-
gebrochen, daß keine erfolgreichen Löschversuche Funkentelegraphie und U-Bootkrieg.
unternommen werden konnten. Ueber das Ent-
stehen des Feuers ist nichts bekannt; der Ver- Die englische Presse hat wiederholt erklärt,
dacht, daß es sich um einen Sabotageakt han- daß die Funkentelegraphie eines der besten
delte, konnte durch nichts begründet werden. Mittel sei, um den Gefahren des U-Bootkrieges
zu begegnen, da ein bedrohtes Schiff fast im-
mer mittels Funkentelegraphie noch in aus-
Die amerikanische Riesenstation in reichend kurzer Zeit die Hilfe eines in der
Frankreich. Nähe befindlichen Kriegsschiffes herbeirufen
Da General Pershing häufig Schwierigkeiten könnte. Die „Wireless World“ behauptet es
im Verkehr mit Amerika hatte, ließ er für die dann in ihrer Februar-Ausgabe 1919 als fest-
Zwecke der amerikanischen Heeresleitung die stehend: Unfitted vessels were falling like
Errichtung einer Station größten Stils in der ripe plums into the U-boat basket.

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Nr.17 TELEFUNKEN – ZEITUNG Seite 109

Bemerkenswerte Reichweite. daß ein Angebot der Marconi-Gesellschaft


Das niederländische Kriegsschiff „De Zeven betreffs Einrichtung mehrerer Großstationen
Provincien“ hat Empfangsversuche angestellt, daraufhin abgelehnt worden sei.
welche die Reichweite der von Telefunken er-
bauten Station Bandoeng in Niederländisch-
Nach einer Temps-Meldung vom 7. Februar
Indien ergeben sollten. Bei einer Entfernung
ist durch Erlaß der französischen Regierung
von 12 000 km wurden immer noch einwand-
verfügt worden, daß alle während des Krieges
freie Zeichen aufgenommen; da diese Distanz mit Funkentelegraphie ausgerüsteten französi-
die Luftlinie Holland—Bandoeng bedeutend schen Schiffe von 500 Tonnen aufwärts diese
übertrifft, dürfte die Verbindung Hollands mit Anlagen vorläufig beibehalten müssen. Der
Niederländisch-Indien sichergestellt sein. Erlaß wird durch die immer noch bestehende
Gefährdung der Schiffahrt durch Minen be-
Gesetze und Verkehrsvorschriften. gründet; der Zeitpunkt, von welchem ab die
Laut Mitteilung der britischen Admiralität Stationen später entfernt werden dürfen, wird
sind ab l. Mai 1919 alle Einschränkungen des von der Regierung bekanntgegeben werden.
kommerziellen funkentelegraphischen Verkehrs
in sämtlichen Gewässern aufgehoben worden
Erfolge der drahtlosen Telephonie.
mit Ausnahme von Nordsee, Kanal östlich der
Linie Dungeneß-Boulogne, nordrussische Ge- Die englischen Märzzeitungen brachten
wässer, Mittelmeer, Schwarzes Meer und Mar- spaltenlange Artikel über die gelungene Her-
mara Meer. stellung einer drahtlosen Telephonieverbindung
zwischen Irland und dem amerikanischen Kon-
tinent. Wie der „Public Ledger“, Philadelphia,
Wie der „Christian Science Monitor“ vom vom 21. März hierzu bemerkt, soll der Expert
13. 2. 1919 berichtet, hat das Dominion Naval für Funkentelegraphie des U. S. Navy Dept.
Departement in Ottawa jede Zensur über den hierüber sein Erstaunen ausgedrückt haben, da
Verkehr zwischen Küstenstationen und Schif- die Station der amerikanischen Marine in New
fen aufgehoben, welche sich an der Pacific- Brunswick bereits seit einiger Zeit sowohl nach
küste oder im Atlantischen Ozean bis 40 Grad Honolulu wie auch nach Paris telephoniere.
West befinden. Allerdings sei die Verbindung mit dem Eiffel-
Die Betriebsbeschränkungen für Privat- turm nur einseitig, da bei diesem keine aus-
und Amateurstationen bestehen vorläufig noch reichende Telephonie - Sendestation einge-
weiter, baut sei.
Tatsächlich hat die amerikanische Marine
Laut „Manchester Guardian“ vom 28. Mai viel Mühe und Sorgfalt auf die Weiterentwick-
1919 ist im Oberhause ein Gesetzentwurf ein- lung der Radiotelephonie verwandt. So wur-
gebracht worden, der eine bedeutende Erweite- den kürzlich derartige Versuche mit dem nach
rung der jetzt schon bestehenden Zwangsvor- Europa fahrenden Dampfer „George Washing-
schriften für die Einrichtung von Funkenstatio- ton“ unternommen, die bis auf eine Entfernung
nen an Bord britischer Handelsschiffe vor- von 800 engl. Meilen gute Resultate gezeitigt
sieht. Nach den neuen Vorschriften muß jeder haben. Versuche mit Flugzeugen ergaben eine
für den Seeverkehr bestimmte Passagierdamp- gute Verständigung über 125 engl. Meilen. Be-
fer mit einer Station ausgerüstet sein, desglei- achtenswert ist die Ansicht des Marinevertre-
chen jedes andere Schiff von 1600 Tonnen ters, daß nach seiner Auffassung die drahtlose
aufwärts. Die Stationen müssen mit einem Telephonie niemals eine große Rolle im Han-
oder mehreren Telegraphisten besetzt sein. delsverkehr spielen würde. Dies ist um so
Bestimmungen über eine noch abzufassende bemerkenswerter insofern, als auch M.
Dienstanweisung und über die zum Einbau zu Branly, eine der größten französischen Kapa-
verwendenden Typen werden vom General zitäten auf diesem Gebiet, laut „Eclair“ vom
Post Master gemeinsam mit dem Board of 13. Februar 1919 sich ähnlich skeptisch ge-
Trade erlassen werden. Zuwiderhandlungen äußert hat. Auf die Frage, ob diese Erfin-
werden mit Strafen bis zu 500 Lstr. bedroht. dung sehr wichtige praktische Folgen zeitigen
würde, antwortete Branly: „Ich glaube es
nicht.“
Die Regierung von Australien hat beschlos-
sen, Konzessionen für den Betrieb von Funken-
Großstationen an Private nicht mehr zu ertei- Auch die Telefunkengesellschaft hat wäh-
len. Die „Times“ vom 10. Mai 1919 berichten, rend der letzten Jahre auf die Weiterentwick-

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Seite 110 TELEFUNKEN – ZEITUNG Nr.17

ung der drahtlosen Telephonie den größten Vergleich mit den Erzeugnissen des Auslandes
Wert gelegt. Unter Verwendung von Kathoden- nicht zu scheuen hat.
röhren und Rahmenantennen ist es gelungen,
einen drahtlosen Telephonbetrieb herzustellen,
der in bezug auf gute Verständigung und Be- Die Amerikaner über den Hochfrequenz-
triebssicherheit der bisher üblichen Draht- Maschinen-Sender.
telephonie völlig ebenbürtig ist. Während man Die 150 KVA-Hochfrequenzmaschine, die
bei den früheren Versuchen mit drahtloser 1915 von Nauen nach Sayville geschafft
Telephonie entweder nur sprechen oder nur wurde, um die Leistung dieser Station zu ver-
hören konnte und ein Übergang vom einen bessern und zum zuverlässigen transozeani-
zum anderen eine verhältnismäßig umständ- schen Verkehr mit Nauen geeignet zu machen,
liche Änderung der Schaltung voraussetzte, hat sich nach amerikanischen Mitteilungen
kann man heute mit seinem Gegenüber beliebig dort glänzend bewährt. Der Korvettenkapitän
hin- und hersprechen, genau so, wie man es der amerikanischen Marine, Todd, der die An-
bisher beim gewöhnlichen Fernsprechapparat lage besucht hat, berichtete in Tuckerton, sie
tun konnte. Infolge des Krieges ist es bisher stelle ein glänzendes Beispiel von german effi-
allerdings der Telefunkengesellschaft noch cency dar. Auch nachdem die Station von der
nicht möglich gewesen, großzügige Versuche amerikanischen Marine übernommen und mit
zur Feststellung der Reichweiten der von ihr dem Maschinensender betrieben wurde, äußerte
entwickelten Telephonieapparate anzustellen; sich die Marine mündlich und schriftlich, sie
doch ist ohne weiteres anzunehmen, daß auch sei die beste Senderstation, die man in Amerika
in dieser Beziehung die deutsche Technik einen besitze.