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Joachim Grzega

MATERIALIEN
ZU EINEM
ETYMOLOGISCHEN WÖRTERBUCH
DES DOLOMITENLADINISCHEN

(MEWD)

© 2002, 2005 (http://www.grzega.de)


Inhaltsverzeichnis

Einleitung.......................................................................................................................... 3

Quellen, Sekundärliteratur und wissenschaftliche Hilfsmittel......................................... 7

Grödnischer Teil............................................................................................................. 13

Fassanischer Teil............................................................................................................ 83

Buchensteinischer Teil.................................................................................................. 235

1
2
Einleitung

Die Entstehungsgeschichte des vorliegenden Werkes beginnt mit der Veröffentlichung


des letzten Bandes von Johannes Kramers EWD, in dem dieser Folgendes mitteilt: “ent­
sprechend dem französischen und spanischen Sonderteil bei Diez sollte auch im EWD
jeweils ein Sonderteil die Wörter erfassen, die es im Abteital nicht gibt. Aus einem
praktisch-organisatorischen und einem in der Entwicklung des wissenschaftlichen Um­
feldes liegenden Grundes kommt dieser Plan nicht wie vorgesehen zur Ausführung”
(EWD VIII: 7). Der buchensteinische Sonderteil soll von EWD-Mitarbeiterin Ruth Bo­
ketta-Homge in Angriff genommen worden und so gut wie fertig gewesen sein. Die vor­
läufige Version aus Verweisen und etymologischen Artikeln soll – im EWD-Layout –
500 Seiten umfasst haben. Dies hätte mit Kramers Worten den letzten EWD-Band “zu
einem Monstrum von zwischen 1500 und 2000 Seiten anschwellen lassen, die Horror­
vorstellung jedes Lexikographen. Hier drängte es sich einfach aus praktischen Gründen
auf, die Notbremse zu ziehen, und diese Entscheidung wurde durch ein nochmaliges
Überdenken des wissenschaftlichen Umfeldes erleichtert” (EWD VIII: 8). So sei das
Buchensteinische ohnehin schon gut durch zwei Arbeiten etymologisiert; gemeint sind
wohl Tagliavinis Arbeit von 1934 und Pallabazzers Arbeit von 1980 (zusätzlich sollte
noch 1986 genannt werden). Das Grödnische sei fast ebenso gut durch Lardschneiders
etymologische Anmerkungen bearbeitet. Für das Ennebergische verweist Kramer auf die
Arbeit von Kuen (1980-1981). Lediglich für das Fassanische stellt Kramer fest, dass es
“für dessen Etymologie [...] heute noch [...] traurig aussieht” (EWD VIII: 8). Für das
Fassanische sollten aber die wertvollen etymologischen Angaben in Elwerts (1943)
Monographie sowie Hubschmids (1950) Diskussion einiger dieser Vorschläge nicht un­
genannt bleiben. Da offensichtlich nicht einmal der schon weit gediehene buchen­
steinische EWD-Sonderteil publiziert werden soll, wuchs in mir die Idee, eine Samm­
lung des Sonderwortschatzes ggf. mit etymologischen Hinweisen auf der Grundlage des
jeweils wichtigsten Wörterbuches für die Talvarietäten erstellen. Daraus entstand das
Projekt für die vorliegenden Materialien für ein etymologischen Wörterbuch des Dolo­
mitenladinischen (MEWD), das ich sodann bei der Luigi-Heilmann-Stiftung im Rahmen
eines Forschungswettbewerbes als Vorschlag einreichte. Verbunden mit der glücklichen
Zusicherung von finanziellen Mitteln war die Vorgabe, das Projekt binnen zwei Jahren
fertigzustellen. Das Wörterbuch war dann auch im Oktober 2002 erstellt; Versuche einer
technischen Umwandlung in das übliche Datenbank-Format des Istitut Cultural Ladin
nahmen jedoch unerwartet lange Zeit in Anspruch. Bei einer Korrekturphase im Früh­
jahr 2004 konnten dann nur noch kleinere Verbesserungen und Ergänzungen vorgenom­
men werden; die Einarbeitung von nach 2002 erschienener Literatur konnte nicht mehr
berücksichtigt werden. Nachdem bis Sommer 2005 das Istitut Cultural Ladin meine Da­
ten immer noch nicht adäquat mit ihrem System umformatieren konnte, habe ich mich
entschlossen, die Daten über 3 Jahre nach ihrer Erstellung in meinem eigenen Layout
und Format endlich der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die zeitliche Vorgabe einer Zweijahresfrist, die in der Projektausschreibung vorgegeben


war, schloss aus, dass sämtliche Vokabularien, die für die nichtgadertalischen Varietä­
ten vorlagen, ausgewertet konnten. Ich musste mich daher auf je eines pro Talvarietät
beschränken. In die Auswertung gelangten die Wörterbücher von Lardschneider (1933,
in der überarbeiteten Fassung von 1992) für Gröden, Mazzel (1995) für das obere Fas­

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satal, Rossi (1914, in der überarbeiteten Auflage von 1999) für das untere Fassatal und
Pellegrini/Masarei (1985) für Buchenstein (nicht mehr über den Handel beziehbar, vom
Verlag dankenswerterweise gratis überlassen). Moenatische Formen sollten nur dann ge­
nannt werden, wenn sie eine interessante Lautung, Morphologie oder Semantik auf­
weisen, die auch für die etymologische Beurteilung eines Lexems interessant sein
können. Auf eine Einarbeitung des ampezzanischen Sonderguts verzichtete ich schließ­
lich aus dreierlei Gründen: (1) auch im EWD, das als Ausgangspunkt dieses Projektes
diente, wurde das Ampezzanische nicht zum Dolomitenladinischen gerechnet, (2) das
Wörterbuch von Quartu/Kramer/Finke (hier QFK abgekürzt) ist vollkommen vergriffen,
was die Auswertungsarbeit durch notwendiges Kopieren usw. sehr verzögert hätte, (3)
der zeitliche Rahmen von zwei Jahren erschwerten eine rechtzeitige Auswertung ohne­
hin. Die Auswertung der genannten Wörterbücher wurde zunächst von studentischen
Hilfskräften vorgenommen, welche die im EWD verzeichneten Wörter in den Taldiktio­
narien abhakten. Die unmarkierten Lemmata blieben dann für meine Arbeit übrig. Die
erste Auswertung durch die Studentinnen musste dann noch einmal überprüft werden,
da sich herausgestellt hatte, dass noch weitere Lemmata im EWD eingearbeitet waren,
die Schreibung jedoch manchmal falsch wiedergegeben worden war und die Entspre­
chungen somit zunächst nicht wiedergefunden wurden. Außerdem ist die alphabetische
Ordnung in Pellegrini/Masarei oftmals nicht eingehalten, was das Auffinden der Wörter
erschwerte. Es bleibt zu hoffen, dass hier nun kein Lexem aufgenommen worden ist, das
sich nicht doch im EWD findet.

Die Graphie entspricht der heute allgemein üblichen “Standard”-Graphie, wie sie etwa
auch in der Usc di Ladins Eingang gefunden hat. Gelegentlich habe ich aber zur
Verdeutlichung Akzente hinzugefügt, wo die Akzentstruktur nicht unbedingt ersichtlich
ist. Dabei zeigt der Akut Geschlossenheit, der Gravis Offenheit der Vokale an.

Bei der Niederschrift der Wörter stellte sich bald heraus, dass der Umfang der noch
einzuarbeitenden Lemmata selbst bei Beschränkung auf ein Quellwörterbuch pro Varie­
tät noch verhältnismäßig hoch für ein einbändiges Werk war, das quasi im Alleingang
innerhalb von zwei Jahren zu erstellen war. Ich vezichtete daher auf Aufnahme aller
formal und semantisch durchsichtigen Komposita und Ableitungen – es sei denn, ent­
sprechende Formen aus den anderen Talvarietäten waren im EWD schon aufgenommen.
Ebenso verzichtete ich auf die Nennung einer unterfassanischen Variante, wenn die
oberfassanische im EWD verzeichnet war und umgekehrt – es sei denn, die Bedeu­
tungen waren sehr divergent oder die Form bot Interessantes (z.B. Norditalianismus vs.
Italianismus). Selbst dies ließ noch eine relativ hohe Zahl an Lemmata für ein MEWD
übrig: 881 grödnische Lemmata, wobei bei 8 lediglich eine Zuordnung zu anderen
Lemmata erfolgt (unter den verbleibenden 873 Lemmata werden 823 kommentiert und
267 Buchensteinischen und/oder dem Fassanischen verknüpft); 3.188 fassanische
Lemmata, wobei bei 161 lediglich eine Zuordnung zu anderen Lemmata erfolgt (unter
den verbleibenden 3.028 Lemmata werden 2.414 kommentiert und 593 Grödnischen
und/oder dem Buchensteinischen verknüpft); 2.155 buchensteinische Lemmata, wobei
bei 55 lediglich eine Zuordnung zu anderen Lemmata erfolgt (unter den verbleibenden
2.100 Lemmata werden 1.301 kommentiert und 589 mit dem Grödnischen und/oder
dem Fassanischen verknüpft). Weiterführende Hinweise findet der Benutzer also bei
rund 95% der grödnischen Lemmata, bei über 80% der fassanischen Lemmata und bei
über 80% der buchensteinischen Wörter. Damit dürfte auch die von Kramer angeführte
Forschungslücke zum Fassanischen durch die hohe Zahl an etymologischen Kommenta­

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ren ein wenig kleiner geworden sein. Die gewählte Reihenfolge “grödnisch – fassanisch
– buchensteinisch” beruht auf der abnehmenden Größe der Sprecherzahl.

Ich konnte also nur selten originäre und originelle etymologische Anmerkungen an­
bringen und musste mich also im Wesentlichen auf die folgenden Leistungen beschrän­
ken:
1. Es sollte eine Sammlung des lexikalischen “Sondergut” nach Tälern erfolgen. Die ge­
wählte Reihenfolge “grödnisch – fassanisch – buchensteinisch” beruht auf der ab­
nehmenden Größe der Sprecherzahl.
2. Die grödnischen, fassanischen und buchensteinischen Wörter sollten zunächst einmal
untereinander verknüpft werden. Dies machte es auch unnötig, etymologische
Anmerkungen, die in einer vorangehenden Talsektion schon genannt wurden, noch
einmal zu wiederholen. Es genügte im fassanischen Teil ggf. ein Verweis auf ein
grödnisches Lemma und im buchensteinischen Teil ggf. ein Verweis auf ein gröd­
nisches und/oder fassanisches Lemma.
3. Mögliche “vergessene” Schwesterformen und Ableitungen zu EWD-Lemmata sollten
diesen zugeordnet werden. Dies war ein Fall, der nicht selten eintrat. D.h. es wurden
vom EWD zum einen Wörter übersehen, die direkte Verwandte zu einem
gadertalischen EWD-Lemma repräsentierten, zum anderen wurden im EWD-Ab­
leitungsteil bisweilen nicht alle Talvarianten zu einem Typ gegeben. Es ist zu un­
terstreichen, dass nur eine Zuordnung zu EWD-Lemmata erfolgt; eine Kom­
mentierung der EWD-Etymologien selbst bleibt aus. Hier sollte man stets die in
EWD VIII aufgeführten bibliographischen Hinweise mitberücksichtigen, wie sich
auch Kramer wünscht, “daß man sich nie mit den eigentlichen Wortartikeln der
Bände I bis VII begnügen sollte, sondern daß man immer im Band VIII nachschauen
muß, ob inzwischen Ergänzungen, Richtigstellung oder einfach andere Auffassungen
publiziert wurden” (EWD VIII: 11).
4. Mögliche “weitere” Ableitungen zu EWD-Lemmata, sofern sie interessant oder nicht
komplett formal und semantisch transparent schienen, wurden ebenfalls aufgeführt
und zugeordnet.
5. Tirolische Quellenangaben von Schöpf wurden durch jene von Schatz (1955-56) und
ggf. Fink (1972), wenn dieser neue Informationen lieferte, ergänzt bzw. aktualisiert.
6. Die etymologischen Basisvorschläge von Lardschneider, Tagliavini (1934), Elwert
(1943) und Pallabazzer (1980, 1986) wurden eingearbeitet. Die Arbeit von EWD-
Mitarbeiterin Boketta-Homge wurde mir leider nicht zugänglich gemacht.
7. Eingearbeitet wurden ferner die etymologischen Vorschläge aus Gsells Beiträgen
(1989a-1993a, 1989b-1999b) sowie jene aus weiteren etymologischen Wörterbü­
chern, nämlich DELI, DESF, DEVI, DIDE, LEI und REW, darüber hinaus DEI,
FEW, Faré, HWR und Alessio (1976), wenn diese neue Informationen lieferten.
8. Gegenenfalls wurden noch eigene etymologische Kommentare hinzugefügt.

Enthält ein Lemma keinen etymologischen Kommentar muss dies aber nicht automa­
tisch heißen, dass es dafür noch keinen etymologischen Vorschlag gibt. Noch einmal
muss betont werden, dass im Rahmen von zwei Jahren zunächst nur eine Bestandsauf­
nahme möglich war und etymologische Anmerkungen daher eher als Sahnehäubchen
betrachtet werden. Dennoch habe ich versucht, möglichst viele Lemmata mit solch
einem Sahnehäubchen zu versehen.

Neben allgemeingültigen und den üblichen Abkürzungen für die Idiome wurden in den

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Lemmazeilen [U] für Unterfassa und [O] für Oberfassa verwendet. Für Lautumschriften
wurde in eckigen Klammern die IPA verwendet, in den etymologischen Erklärungen
aber auch historische Lautschrift in Kursivschrift (wie sie etwa der AIS verwendet).

Der Aufbau eines Eintrages ist somit folgender: (a) Lemma, (b) Bedeutung, (c) ggf.
Zuordnung zu einem anderen Lemma (wenn es sich um eine lediglich phonetische Vari­
ante oder eine Ableitung zu einem anderen Lemma handelt), (d) ggf. etymologischer
Kommentar (die Quelle der Sprachform und die etymologischen Urheber sind ggf. in
getrennten Klammern genannt; scheinen mehrere Etymologen unabhängig voneinander
die gleiche These vorzuschlagen, sind sie durch Semikolon statt durch Komma getrennt)
– bei Norditalianismen wurde vielfach auf die Nennung der präzisen Ausgangsform ver­
zichtet, wenn diese sich durch Vergleich von ladinischem Lemma und standard­
italienischer Variante selbst erklärten, bei Italianismen wird auf die genaue Nennung der
Ausgangsform verzichet, wenn eine Ladinisierung kaum oder gar nicht eingetreten ist –,
(e) u.U. auch die Nennung von verwandten Nachbarformen, ohne dass dabei jedoch
immer ein vollständiges sprachgeographisches Bild gezeichnet werden konnte, (f) ggf.
Nennung von abgeleiteten Formen, (g) ggf. Verweis auf das Lemma eines anderen Tales
– G für Gröden, F für Fassa und B für Buchenstein – (wobei dieser Klammern gesetzt
ist, wenn nicht die genaue lautlich-morphologische Entsprechung vorliegt, und mit
einem Fragezeichen versehen worden ist, wenn die Zuordnung unsicher ist).

Zum Schluss möchte ich jenen Dank zu sagen, die mich bei diesem Projekt unterstützt
haben:
– der Luigi-Heilmann-Stiftung für die großzügige finanzielle Förderung des Projektes;
– dem sprachwissenschaftlichen Team des Institut Cultural Ladin “Majon di Fascegn”,
insbesondere Dr. Fabio Chiocchetti, für inhaltliche Hinweise
– meinem akademischen Lehrer und Doktorvater Herrn Professor Dr. Otto Gsell, für
manche Ratschläge;
– meinen studentischen Hilfskräften Sofia Paparizos und Christine Wagner;
– meinen Eltern.

Eichstätt, im Dezember 2005 Joachim Grzega

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Quellen, Sekundärliteratur und wissenschaftliche Hilfs­
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11
12
GRÖDNISCHER
TEIL

13
14
A amanonder ‘herum, umher’ ♦ Tir. um­
εnąndεr (Schatz 673) (Lardschneider;
ademel: lascé jí ademel ‘zugrunde rich­ Zanotti 1990: 105). ► F B manonder
ten lassen’ (Das Lemma fehlt in Lard­
schneiders Original von 1933). ♦ Steckt amunté ‘betragen, sich belaufen’ ♦ Sollte
dahinter ein lat. ad + de + malum im EWD als Ableitung unter dem
‘schlecht’? Lemma muntè ‘sich belaufen auf, aus­
machen’ stehen (wie gad. amuntè).
ades ‘fast, beinahe’ ♦ Gemäß Lard­
schneider von it. adesso ‘jetzt’. Es andlot ‘Aal, Flussaal’ (Das Lemma fehlt
dürfte jedoch zu lat. dē(n)sus ‘dicht’ in Lardschneiders Original von 1933).
(REW 2558) zu stellen sein.► F B ♦ Lat. anguilla ‘Aal’ + Diminutivsuffix
-ottum: *ànguillóttum > *anglot >
afa ‘Affe’ ♦ Mhd. Affe (Lardschneider). andlot (LEI II: 1218ff.).

aiet: (i)n aiet ‘plötzlich’ ♦ Gemäß Gsell anternabl ‘[bei Getreide:] später aufge­
(1989a: 143; 1993a: 117) ist das Wort hend, so dass sich zwischen dem schon
zu gad. aiet ‘Augenblick, Nu’ zu Reifen noch Grünes findet’ ♦ Lard­
stellen und auf lat. *in-ad-ictum (zu ic­ schneider führt das Wort auf ein lat.
tus ‘Schlag’, REW 4254) zurückzu­ alternabile zurück, das ich jedoch für
führen. Gsell folgt damit einer Deutung das Lateinische nicht belegen kann. Ein
Ascolis (vgl. REW). Diese Deutung *alternabile müsste jedenfalls als Ab­
untermauert auch Bambeck (1963: leitung zu alternāre ‘etw. abwechseln
365ss.) durch eine Reihe lateinischer lassen, mit etw. abwechseln’ gesehen
Belege, in welche die romanische Se­ werden. Die semantische Entwicklung
mantik schon zu spüren ist. von ‘abwechselbar’ (-abilis dient ja
zum Ausdruck der Möglichkeit und
ajache ‘da nun, weil ja’ (Das Lemma fehlt entspricht etwa dt. -bar) zu ‘später auf­
in Lardschneiders Original von 1933). gehend’ bedürfte dann aber noch einer
♦ Vergleichbar mit deache aus lat. de Erklärung, falls man nicht von einem
+ via + que. Grödn. ajache setzt dem­ sekundären Suffixwechsel ausgehen
nach lat. ad + via + que fort, wobei -ž- will. Sehr viel naheliegender scheint
wohl als Hiatustilger anzusehen ist. ► mit Blick auf fass. ‹anternàbech› eine
B (a)jache/aja(che) Zusammensetzung aus anter- ‘zwi­
schen’ (< lat. inter) + nabech ‘nackt’ (<
alam ‘Alaun’ ♦ Wahrscheinlich dt. (Lard­ tir. nakket?) (vgl. Mazzel) mit Suffix­
schneider). wechsel. Semantisch vgl. → arguiá. ►
F anternàbech
alaut ‘hoch’ (Das Lemma fehlt in Lard­
schneiders Original von 1933). ♦ antlaríes sf. pl. ‘Kleinigkeiten, kleine
Grödn. Zusammensetzung aus a + l’ Schmuckgegenstände’ ♦ Tir. tantlerei,
(bestimmter Artikel) + aut ‘hoch’. aufgefasst als “d’antlerei” (Lard­
Lässt sich im EWD als Ableitung unter schneider), d.h. der Initiallaut wurde als
dem Lemma àlt ‘hoch’ einordnen. femininer Artikel aufgefasst (vgl. schon
Kuen 1923; ebenso Boquoi-Seifert
amalons ‘einmaleins’ ♦ Tir. (Lard­ 1984: 55).
schneider).
antleda ‘Verlassenschaftsverhandlung’

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(Das Lemma fehlt in Lardschneiders Grünes findet:] noch grün’ ♦ Lard­
Original von 1933). ♦ Hängt mit gad. schneider hält es für möglich, dass es
intlada ‘gerichtliche Vorladung’ zu­ mit tosk. andarsene in rigoglio ‘in die
sammen, welches im EWD fehlt. Gsell Blätter schießen’ zusammenhängt. Se­
(1989a: 159f.) schreibt: da die Rechts­ mantisch vgl. → anternabl
pflege in Ladinien seit jeher in deut­
schen Händen war, liegt es nahe, an arjëi ‘Gesträuch, Abhang mit viel Ge­
ahd. in-ladon oder mhd. inladen ‘ein­ sträuch und Gestrüpp’ ♦ Gemäß Lard­
laden, vorladen’ zu denken. Das ent­ schneider von lat. *laricētum. Lautlich
sprechende Verbalabstraktum lautete ist *laricētum zwar sicher eine mögli­
mhd. ladunge, dessen Suffix im che Quelle (mit Aphärese von l- wegen
Ladinischen durch das einheimische Fehldeutung als Artikel), doch
-ada (mit dem ebenfalls Handlungen romanische Fortsetzer finden sich ge­
bezeichnet werden) wiedergegeben mäß REW nur von laricātum ‘Lärchen­
wurde”. harz’ und larictum ‘Lärchenwald’. Dar­
über hinaus müsste man sich auch nach
anunji ‘geradewegs, direkt, ohne Aufent­ der semantischen Motivation von ‘Lär­
halt, ohne Unterbrechung’ ♦ Lat. in uno chen’ zu ‘(Abhang mit viel) Gesträuch’
ire, wörtlich “in einem gehen” (Lard­ fragen. Eher möchte man da an das lat.
schneider). Partizip rādīcētum von rādīcēscere
‘Wurzel schlagen’ mit Metathese von
ánzentrogher ‘Deichselträger (Polstergurt ra- denken. Allerdings finde ich dazu
zum Schutze des Pferdehalses gegen keine Parallelformen. ► F
die Last der Deichseln, geht über den
Rücken des Pferdes und fasst die armonica ‘Ziehorgel, Ziehharmonika’
beiden Deichseln in der Mitte, so dass (Das Lemma fehlt in Lardschneiders
sie nicht auf das Kummet drücken)’ ♦ Original von 1933). ♦ Dt. oder tir.
Tir. anzentroger ‘dito’ (Lardschneider, Harmonika.
vgl. auch Schatz 27).
arsciná ‘gebeugt, gebrochen’ ♦ Das Le­
aptach ‘habt acht!’ ♦ Tir. (Lardschneider). xem ist wohl im EWD zu gad. arsciné
► F atach ‘schmächtig’ zu stellen.

aradl ‘Spornrädchen’ ♦ Tir. a radl ‘ein artën ‘Beständigkeit, Ruhe’ ♦ Postverbal


Rädchen’ (Lardschneider). zu arteni ‘zurückhalten’ (Lardschnei­
der).
arfes ‘mager, leer (vom Vieh)’ ♦ Lard­
schneider gibt keine Etymologie an. arz ‘Lust und Liebe zur Arbeit,
Bei Pallabazzer (1986: 340) finden wir “Schneid”; Raschheit bei der Arbeit’ ►
für Buchenstein und Colle S. Lucia die F
Form afés ‘dito’, die er als Tochterform
von lat. fessus ‘stanco, sfinito, sfianca­ arziché ‘berühren, antasten’ ♦ Mhd. zi­
to’ vermutet (er versieht diese These cken ‘stoßen, necken’, also wohl erzi­
allerdings mit einem Fragezeichen). ► cken (Lardschneider), bzw. tir. zikkn
B afes ‘etwas berühren’ (Schatz 729) (Palla­
bazzer 1980: 126). Im EWD I wird
arguiá ‘[bei Getreide, das später aufgeht, unter einem Eintrag aziché ‘dito’
so dass zwischen dem Reifen sich noch lediglich ein Verweis auf ein Lemma

16
zìch, das aber im EWD VII nicht lautlicher Filiation ausgehen:
aufscheint. Besteht evtl. auch Ver­ *pèdikéllu > *bèdičéllu (sporadische
wandtschaft mit gad. zinghené ‘etwas Anlautsonorisierung wie etwa bei lat.
streifen’ (vgl. EWD). ► F ziché pastu < fass. best, vgl. Kramer [1981:
100], wobei -d- unterstütztend gewirkt
Aufertoch: Jubeia dl Aufertoch ‘Christi haben mag) > *beičél (Schwund von
Himmelfahrtstag’ ♦ Tir. auffεrttâ*g intersonorem -d-) ~ *baičél (übliche
‘dito’ (Fink 15) (Lardschneider). Schwankung im Vortonvokal) >
bevicel (-v- als Hiatustilger [vgl.
auscion ‘großer Meißel (um Dachrinnen Kramer 1981: 132]) ~ avicel
aus Baumstämmen auszuhauen)’ ♦ (sporadische Aphärese des Anlaut­
Lässt sich im EWD als Ableitung unter konsonanten wie etwa bei lat. cardō­
dem Lemma àscia ‘breites Beil’ ein­ nem > fass. ardon ‘Distel’ [vgl. Kramer
ordnen (inhaltlich vgl. man fass. ascia 1981: 173]). Die übrigen Formen sind
da molin ‘Meißel zum Behauen der etwa jüngere Verballhornungen (mit
Mühlsteine’). De- und Agglutinationen) oder stellen
alte Formen dar, die sich gegenseitig
ausené ‘haushalten’ ♦ Tir. hausn ‘dito’ beeinflusst haben (dann steckte hinter
(Schatz 284) (Lardschneider). ► F levicel evtl. lupicellus zu lupus ‘Wolf’
ausenèr und hinter nevicel evtl. naevicellus zu
naevus ‘Muttermal’). Zu den Bezeich­
aviciuel ‘Geschwür, Furunkel, “Ais”’ ♦ nungen für Furunkel vgl. auch Grzega
Lat. apiceolum (< apex ‘äußerste (2002/2003). ► F avicel, devicel, evi­
Spitze’, REW 518) (Lardschneider). cel, levicel, revicel
Doch mangelt es an parallelen Toch­
terformen. Daher sollte man sich zu­ B
nächst die Vielfalt der Formen im Fass.
vor Augen halten: avicel, devicel, evi­ balesté ‘schwanken’ ♦ Lässt sich im EWD
cel, levicel, revicel sowie bevicel. In als Ableitung unter dem Lemma barést
benachbarten Gebieten finden sich ‘Schleuder, Wurfmaschine’ einordnen.
auch die Subtypen nevicel, glavicel und
gavicel (vgl. dazu AIS 685). Im Moenat baniuel ‘Trog (um Rüben oder Gehäcksel
findet sich giaviciöl (Hinweis Fabio fürs Vieh abzubrühen)’ ♦ Lat. *baneo­
Chiocchetti). Die Problematik besteht lum ‘kleine Wanne’ (REW 915, nicht
darin, dass nicht mehr zu eruieren ist, im LEI) (Lardschneider). Auch fleim­
welches die älteste Form ist. Elwert stal. bagnöl (Hinweis Fabio Chioc­
(1943: 102) nennt für bevicel als Ety­ chetti). Könnte man im EWD unter ba­
mon lat. pedicellus, wobei er den gné ‘benetzen, begießen’ einordnen.
Anlaut nicht zu erklären weiß und das
-v- als Assimilation an diesen Anlaut bántlera ‘Frauenzimmer, das bald mit
d- darstellen soll. Wenn tatsächlich lat. dem, bald mit jenem eine Liebschaft
pedicellus ‘kleine Laus’ (REW 6349) anfängt, “anbandelt”’ ♦ Gemäß Lard­
vorliegen soll, was onomasiologisch schneider ist “fraglich, ob man es mit
keine Schwierigkeiten darstellt (vgl. dem dtir. anbandeln zusammenbringen
rum. pãducel ‘Krankheit an der Fuß­ kann, da junges dt. b- im grödn. p- ge­
sohle, die sich durch heftiges Jucken ben sollte”.  bantlerné ‘immer
äußert’, ait. pedicello ‘Wurm im wieder neue Liebschaften anfangen’
Pferdehuf’), müsste man von folgender

17
bauf ‘Flaumfeder auf dem Hut’ ♦ Ex­ schielend’) ableitet (Grzega 2001: 75).
pressiven Ursprungs?
beruez ‘zweirädriger Vorderteil des ein­
becler ‘eine besondere Form von Brot’ ♦ spännigen Wagens (daran wird das in­
Tir. weggl (Schöpf 806, Schatz 695) tercstel oder darauf der palanch befes­
(Lardschneider). tigt)’ ♦ Lat. bi-rotium ‘zweirädriger
Karren’ (REW 1114); davon auch tir.
beòbes sf.pl. ‘Alphabet; [die Anfangs­ protz (Lardschneider, Elwert 1943: 50;
stücke der alten Fibel]’ ♦ Gemäß Lard­ Aschenbrenner 1972: 75). Die buch.
schneider ursprünglich die Anfangsstri­ Variante biroz kann auch aus der
che der Fibel: ba, be, bi, bo, bu. Dies Padania entlehnt sein (vgl. DESF I:
ist semantisch nachvollziehbar, über­ 221f.). Das Wort könnte unter Um­
zeugt jedoch lautlich nicht – zum einen ständen im EWD-Artikel bróde ‘Wal­
wegen der Anlautsilbe be- statt ba-, ze; Zirbelkiefernzapfen’ untergebracht
zum anderen wegen der Akzentstrukt­ werden. ► F broz, B biroz
ur; zumindest müsste man dann
irgendeinen Sekundäreinfluss besalister ‘sagenhaftes Tier, mit einem
annehmen. Doch welchen? Hahnenkopf, endet in einem Wurmleib,
ausgebrütet aus dem Ei eines Hahns
berca ‘Boot, Kahn’ ♦ Sollte im EWD un­ alle sieben Jahre’ ♦ Wohl lat. ba­
ter dem Lemma bàrca ‘kleines Schiff, siliscus ‘Basilisk’ (REW 973a, LEI IV:
Kahn’ stehen. 1707ff.) (Lardschneider; LEI IV: 1709).

berdóles: jí a berdoles ‘sich überkugeln, beta ‘Einsatz beim Spiel’ ♦ Tir. wettε
abstürzen; durch Fallen, Ausgleiten, (Schatz 702) (Lardschneider).
also durch ein Unglück zum Hinunter­
rollen kommen’ ♦ Sollte im EWD als bëuja ‘großer, breiter Sack zu 5 Star’ ♦
Ableitung unter dem Lemma brodorè Gall. (kelt.) bulga ‘Sack’ (REW 1382)
‘kollern, rollen, herabstürzen’ stehen (Lardschneider). ► F bolga, B bulga
(wie buch. bródola ‘Purzelbaum’).
biá ‘zufrieden’ (nur in Verbindung mit
berloch ‘1. Vogel, der etwas größer ist als s’udëi biá) ♦ Lardschneider führt das
ein Spatz, hält sich nur oben in der Lexem auf lat. beatus ‘glücklich’ zu­
baumlosen Höhe auf, kommt nicht in rück. Doch scheint dieses in der üb­
das Tal herunter, ähnlich dem rigen Romania erbwörtlich völlig aus­
“verdon”; 2. Alpenbraunelle, prunella gestorben zu sein. Halbgelehrt kommt
collaris’ (Die erste Bedeutung ist im das Wort noch in frl. biâ ‘arm’ und in
Original-Lardschneider von 1933 ange­ altbdr. bios vor (LEI V: 666), in der üb­
geben, die zweite in der Überarbeitung rigen Romania nur gelehrt. Wenngleich
von Craffonara.) ♦ Lardschneider gibt nicht allzu häufig, so ist ein solcher ar­
keine Etymologie an. Die Form erinnert chaischer Zustand in der Alpenromania
sehr an fr.dial. (Angères) berluche bisweilen doch anzutreffen (z.B. albus
‘Haubenlerche’ (FEW XXI: 228 oder I: > bdr. alb ‘weiß’), und Lardschneiders
253f.), welche möglicherweise auf ein Interpretation kann daher durchaus
frankolat. *bar-luscus “blinder (bzw. richtig sein.
schielender) Herr” zurückgeht oder sich
aus einem kelt. *barros ‘Schopf’ (LEI biaberné ‘immer klagen, jammern, raun­
IV: 1497ff.) (+ luscus ‘blind; zen’ ♦ Alem. babern/bebern/bibern,

18
lautmalerischen Ursprungs (Lard­ lebhaft’ (so wie auch buch. vispo). Der
schneider). Hierher gehört dann auch Wandel v- zu b- kann zwar im
fass. bibiar/bibier, das im EWD zu Un­ Fassanischen des Öfteren beobachtet
recht unter bìbia ‘Bibel’ eingeordnet werden (bespa, bipera), gilt aber nicht
ist.  biëbern ‘Jammerer, Klagender; in gleicher Weise für das Grödnische.
einer, der immer lamentiert’ Kontamination mit tir. wisplεn ‘pfeifen,
zischen’ (Schatz 710)? ► B vispo
biegher ‘Wiegemesser’ ♦ Tir. wiεgmessεr
(Schatz 704) (Lardschneider). bladech ‘[Schimpfwort auf einen dicken
Menschen]’
bieh ‘[von Speisen:] mit Butter, Schmalz
tüchtig getränkt’ ♦ Tir. wiεch ‘fett, blandé ‘nass machen, benetzen,
stark geschmalzen’ (Schatz 704) (Lard­ bespritzen’  blandela ‘Nasswerden’
schneider).
bloch ‘Sprudel, Aufbrausen’ ♦ Lard­
bimba ‘Ziege, die noch nicht trächtig ist’ schneider fragt, ob es sich um ein
♦ Gemäß Lardschneider und Tagliavini Schallwort handeln könnte. Doch
(1934: 78) (und so vom LEI V: 1634 scheint fraglich, ob mit einem Stamm,
übernommen) von lat. bīmus ‘zweijäh­ der auf -k endet, ein sprudelndes, brau­
rig’ (REW 1107). Möglich scheint aber sendes Geräusch symbolisiert werden
auch eine Anbindung an das expressi­ kann.
ve, aus der Kindersprache stammende
it. bimbo, bimba ‘bambino, bambina’ bóghen ‘Wagen für zwei Pferde; Gesell­
(Stamm bimb-). Ausgangspunkt wäre schaftswagen, Postwagen’ ♦ Tir. wâ*gn
dann also ein Ausdruck expressiver (Schatz 682) (Lardschneider).
Herkunft für ‘klein (noch nicht ge­
schlechtsreif)’, ‘dumm’. Vgl. REW 921 bohtla ‘Wachtel’ ♦ Tir. wąchtl (Schatz
bamb-, DELI bimbo ‘Kind’. ► F B 681) (Lardschneider).

bincé ‘wünschen’ ♦ Tir. wintschn (Schatz bos ‘Kuss’ ♦ Derivation zu → bussé, wel­
714) (Lardschneider). ches von mhd. bussen stammt.

binché ‘winken’ ♦ Tir. winkn (Schatz bracia ‘Schwätzerin’ ♦ Lardschneider gibt


707) (Lardschneider). keine Etymologie an. Möglicherweise
handelt es sich wie bei dt. ratschen
binda ‘Winde (um schwere Lasten zu ‘schwätzen’ um eine expressiv-onoma­
heben)’ ♦ Entweder von it. binda (< topoetische Bildung.
ahd. winde ‘Gerät’, vgl. DELI) oder
von tir. windε (Schatz 707) (vgl. auch braus ‘herb, von unangenehmem Gesch­
Lardschneider und Tagliavini 1934: mack; [vom Wetter] feucht und kühl,
78). ► F B unangenehm’ ♦ Lardschneider gibt
keine Etymologie an. Die von Zanotti
bíspam ‘Heustange’ ♦ Tir. wîspam (ent­ (1990: 43) aufgegriffene These Ber­
spricht dt. Wiesenbaum) (Schatz 709) nards, das Wort zu tir. praut ‘das letzte
(Lardschneider). Heufuder (es wird schon hergerichtet);
Falchsabfall’ (Schatz 105) zu stellen,
bispul ‘lebhaft, munter’ ♦ Gemäß Lard­ überzeugt nicht. Das Wort ist eventuell
schneider von it. vispo ‘bereit, schnell, mit eng. braus ‘angefault’ und eng.

19
brausel ‘schwach, heiser’ zur kelt. budeleda ‘Mädchen’ ♦ Derivation zu
Wurzel brī-s- ‘zerbrechen’ erstellen einem boda (Lardschneider), das sich
(vgl. Grzega 2001: 106ff.). ► F im REW (1182a) in der Form bod-
‘Schallwort zur Bezeichnung des Di­
bre(t) ‘[bei Geld:] bar’ ♦ It. pretto ‘rein’; cken’ befindet. Zur semantischen Ent­
um den unerwarteten Lautwandel p > b wicklung vergleiche man im REW
zu erklären, verweist Lardschneider auf veltl. bóder, -a ‘Junge’, ‘Mädchen’.
die parallele Entwicklung in bast, Belardi (1994: 8) verweist außerdem
bargamina und batulja, deren italieni­ auf die verwandten Formen gad. böta
sche Ausgangsformen ebenfalls eigent­ ‘Fratz, Schlingel’ (vgl. EWD) und roc­
lich p- zeigten. chesan. bódia ‘ragazza corpulenta’ und
hält einen Zusammenhang mit it. boto­
brocia ‘Knirps’ ♦ Das Wort sollte wohl lo, botolotto für möglich.
im EWD unter burìćio ‘Knirps;
Mistvieh’ stehen. Im EWD wird der buië ‘sehr heiß sein’ ♦ Wenn buiana
Lexemtyp auf obit. buricio zurückge­ ‘große Hitze’ und boia ‘Hitzewelle’ im
führt, Lardschneider setzt lat. broccus EWD (I: 314s.) zu bolì gestellt werden,
(REW 1319, LEI VII: 588ff.) als Ety­ so sollte dies auch bei buië sein, wel­
mon an. Der These des EWD ist wohl ches Lardschneider auf lat. bullicāre
für Gröden zuzustimmen, doch bedarf ‘sieden’ (REW 1388) zurückführt.
es noch einer gesonderten Erklärung
für die grödnische Lautentwicklung. buië vb.imp. ‘Schneegestöber sein’ ♦
Möglicherweise aber auch Kreuzung Lardschneider fragt, ob hierin lat. bullī­
mit brocia ‘Nagel; männliches Glied’ re ‘sieden’ stecken könnte. Dies scheint
(vgl. EWD bròćia ‘Holznagel, Schuh­ semantisch abwegig.
nagel’) oder sogar dasselbe Wort mit
anderer Bedeutungsentwicklung (vgl. bunerif ‘früh an der Zeit; früh auf dem
dt. Stift ‘Halbwüchsiger’ < ‘dünner Wege, bei der Arbeit etc.’ ♦ Sollte im
Gegenstand, Schreibgerät’, wozu Klu­ EWD als Ableitung unter dem Lemma
ge/Seebold (1995) schreiben: „Die Be­ bun ‘gut’ stehen (wie fass. bonorìf). ►
deutung ‚Halbwüchsiger‘ ist zunächst B bonorif
im Rotwelschen bezeugt (17. Jh.) und
ist deshalb wohl eine sexuelle Meta­ buriani sm. ‘Gerstenkorn am Auge’ ♦
pher und Metonymie.“). ► F brocheta, Lässt sich im EWD als Ableitung unter
B dem Lemma böra ‘Hautpustel’ einord­
nen.
broculi ‘Nocken in der Suppe’ ♦ It. broc­
coli ‘Brokkoli’ (Lardschneider). ► F burzené ‘langsam arbeiten und nicht viel
brocol ausrichten’ ♦ Dt. wurzen (Lardschnei­
der). Im Deutschen und Tirolerischen
brusea ‘Karren vor dem Pflug für zwei heißt wurzen aber gerade ‘hart arbeiten;
Pferde’ (Das Lemma fehlt in Lard­ einen ums Geld bringen, beim Spiel
schneiders Original von 1933). ♦ betrügen’ (Schatz 715). Ist die negative
Herkunft unklar. Aschenbrenner (1972: Bedeutung im Grödnischen über die
75) hält es aber für die feminine Form negative Sekundärbedeutung im Ti­
von → beruez, was durchaus möglich rolerischen zu Stande gekommen? 
scheint. ► (F broz?) burzenadoi sm. ‘einer, der langsam
arbeitet und nicht viel ausrichtet’

20
grödn. canón ‘Kanone’ erscheint). Mögli­
bus ‘Buchsbaum, Buchsbaumholz’ ♦ Ge­ cherweise gekreuzt mit vorlat. *kalon-
mäß Lardschneider ist wegen des u ‘Schenkel’ (REW 1523).
nicht lat. buxus als Etymon anzuneh­
men, sondern it. busso. calonder ‘Zigeunerkraut, Hyoscyamus
niger L.’
busareda! interj. ‘Sonderbar! Ei ei!’ ♦
Lässt sich möglicherweise zu bùseres calzina ‘Ruß im Kamin’ ♦ Lardschneider
‘List, Ausflüchte’ und damit im EWD gibt keine Etymologie an. Möglicher­
unter bùser ‘lebhafter Mensch’ stellen. weise stammt das Wort aus dem Vene­
Vergleiche dazu auch Gsell (1989b: tischen, wo calsìna ‘Kalk’ belegt ist
283), der das Wort im Gegensatz zum (DEVI), – das -z- wäre dann eine
EWD nicht zu tir. wusεrn, sondern zur Ladinisierung oder “Gardenisierung”.
italoromanischen Wortfamilie bugge­ ►F
rare und damit zu lat. bulgārus ‘Bul­
gare’, spätlat. būgerus (REW 1383) camenoster ‘ungeschickte, meist große
stellt. Frauensperson (die alles, was sie in die
Hand nimmt, zerschlägt, fallen lässt
busca: tré (a)la busca ‘(aus)losen, das u.ä.) ♦ Lardschneider gibt keine Etymo­
Los werfen’ ♦ It. busca ‘Suche’ (Lard­ logie an, verweist lediglich auf die
schneider). ► F B brusca Telfser Form karnòster ‘nichtsnutziges
Frauenzimmer’. Es scheint jedenfalls
bussé ‘küssen’ ♦ Mhd. bussen (Lard­ das abwertende Suffix -aster dahinter­
schneider, Tagliavini 1934: 89). ► B zustecken. Der erste Teil muss einst­
 bussamënt ‘wiederholtes Küssen’ weilen noch im Dunkeln bleiben; mög­
licherweise steckt darin lat. camera
C ‘Zimmer’ (vgl. dt. Frauenzimmer, heu­
te abwertend).
cadriel ‘Schrot’ ♦ Gemäß Lardschneider
von lat. quadrus, wobei aber die Ab­ cania ‘Militär’ (Das Lemma fehlt in Lard­
leitungssilbe unklar bleibe. In der Tat schneiders Original von 1933). ► F B
scheint ein Suffix -iellus, das anzu­ cagna
setzen wäre, sonst nicht vorzukommen.
Liegt eventuell Kreuzung der Endun­ capëures adv. ‘verloren’ (Das Lemma
gen -ellus und -iolus vor? Man könnte fehlt in Lardschneiders Original von
das Wort dann im EWD zu cadrel 1933).
‘Viereck, Würfel’ stellen.
carabot ‘herumziehender Krämer’ ♦ Tir.
caif inv. ‘[vom Haar:] dicht; [vom Speck:] krąwá*t (< Kroate) ‘Slovene’ (Schatz
fest, nicht schwammig; [von Grund und 355) (Lardschneider). → crabot. ► F
Boden:] dicht, fest’ ♦ Tir. kaif ‘fest, B
prall, gedrängt’ (Schatz 329) (Lard­
schneider). caratier ‘Kutscher’ ♦ Sollte im EWD als
Ableitung unter dem Lemma ćiàr ‘Wa­
calon ‘Röhre’ ♦ Lardschneider gibt keine gen’ stehen (wie fass. caretier).
Etymologie an. Wohl lautliche Variante zu
canon ‘dito’ und dann im EWD unter carmin ‘Schminke’ ♦ It. carminio ‘Kar­
càna ‘Rohr’ (wo fälschlicherweise auch minrot’ (Lardschneider). ► F

21
nannt; für die grödnische Form wäre
carnela ‘Kornelkirsche’ ♦ Lardschneider dann eine Variante *calcitrellum, mit
geht von zwei Möglichkeiten aus: (a) Diminutivsuffix, anzusetzen. Der Aus­
dt. Entlehnung, (b) zu cornea ‘dito’ fall des -l- ist zwar nicht regelmäßig,
(REW 2235), wobei aber die Betonung taucht aber bisweilen auf (vgl. z.B. lat.
Schwierigkeiten bereitet. Daher ist alter > lad. ater); das -l- ist im
wohl Pallabazzers (1965: 301) These Fassanischen (neben Formen mit -n-)
einer separaten Ableitung von lat. cor­ noch erhalten. Zu klären wäre auch,
nus ‘Kornelkirschbaum’ (REW 2241) warum im Anlaut k- und nicht č- steht.
wahrscheinlicher. → curnel. Dies deutete wiederum auf Übertra­
gung übers Padanische.
carofa ‘Schlingel; schwächlicher, unter­
ernährter Junge’ (Das Lemma fehlt in cëcia ‘Zecke’ ♦ Lardschneider geht von
Lardschneiders Original von 1933). zwei möglichen Etyma aus: (a) fränk.
ticka (REW 8730), (b) langob. zekka,
carsetl ‘Sonntagsleibchen der Frauen und beide ‘Zecke’. Lautlich passt zweiteres
Mädchen (mit aufgebauschten Är­ besser. ► F
meln)’ ♦ Gemäß Lardschneider von tir.
korsetl ‘Bluse; Oberteil des Röckel­ cenacul ‘Saal des Letzten Abendmahls’
gewandes’ (Schöpf 350), was über­ (Das Lemma fehlt in Lardschneiders
zeugender ist als der Ansatz lat. corpus Original von 1933). ♦ Lässt sich im
+ -ittu von Boquoi-Seifert (1984: 34). EWD als Ableitung unter dem Lemma
cëna ‘Abendessen’ einordnen. Der
castl ‘Kasten, Stehkasten’ ♦ Tir. kastl erste Bestandteil des Wortes stellt lat.
(Lardschneider). cēna ‘Abendmahl’ dar. Der zweite Teil
repräsentiert lat. -aculum, wie man es
catrin ‘Viertelkreuzer’ ♦ Lässt sich im von tabernaculum her kennt. Da das
EWD als Ableitung unter dem Lemma Suffix nicht zu -tl abgeschwächt wird,
càter ‘vier’ einordnen. ist anzunehmen, dass Entlehnung vor­
liegt: it. cenacolo oder obit. cenacol.
cauf [beim Kegelspiel, wenn zwei Teil­
nehmer gleich viele Kegel, und zwar cënta ‘Gürtel’ ♦ Sollte wohl im EWD un­
mehr als alle anderen Spieler, schieben, ter centüna gestellt werden. Geht ge­
so heißt es:] l ie cauf [dann müssen alle mäß Lardschneider auf lat. cinctum
anderen sich neuerdings in die scionza ‘dito’ zurück – besser cincta. ► F cent,
einkaufen und es wird neu geschoben]’ (B cenje)
♦ Tir. kauf (Schöpf 328) (Lard­
schneider). chedl ‘Labmagen, Lab [wird als Ferment
zur Käsebereitung gebraucht]’ ♦ Lard­
cavania ‘Rückenkrame (wie sie die Hau­ schneider gibt keine Etymologie an. Es
sierer trugen)’ ♦ Von it. cavagno steckt sicher coagulum ‘Lab’ dahinter
‘Korb’ (Lardschneider; Aschenbrenner (über eine Zwischenstufe *quag(u)lum
1972: 62). wie quaglator neben coagulator).

cazedrel ‘ein kleiner Kessel’ ♦ Lard­ chegaissa, chegaita ‘Ungeduld, Neu­


schneider gibt keine Etymologie an. Im gierde’ ► F, B chegaiza
REW (1502) ist ein Etymon *calcitrum
‘Kessel’, unbekannter Herkunft, ge­ chemun sf. ‘Gemeinde, Gemeindehaus’ ♦

22
It. dial. kemun oder dt. dial. kemune ckene Mehlspeise’ ♦ Tir. kiεchlε
(Lardschneider). (Schatz 360) (Lardschneider).

chervon ‘Schlittenholz (die gebogenen chínzdiern ‘Kindermädchen’ ♦ Tir.


Schleifhölzer des Schlittens; so heißen (Schöpf 316, Schatz 130, Fink 152;
sie beim luson)’ ♦ Gemäß Lardschnei­ Kindl 1999: 142) (Lardschneider; Za­
der von lat. curbus + -ōnem. Das Wort, notti 1990: 87). ► F chindsdir
zu dem Lardschneider keine Bedeutung
angibt, kann ich aber weder im ALDH chinzené ‘Kinder warten’ ♦ Tir. (Schöpf
noch im ThLL finden. Es liegt wohl ein 316) (Lardschneider).
Schreibfehler für curvus ‘krumm,
gekrümmt, gebogen’ vor. chita ‘Quitte, Cydonia oblonga’ ♦ Tir.
kittε (Schatz 335) (Lardschneider).
cherzuel ‘felsiges Gelände mit Gesträuch,
Rasen usw.; ein Felsblock, der aus ciacèr, ciascer ‘Mäher’ ♦ Tir. tschaschern
einem grünen Abhang hervorlugt’ ♦ ‘mit den Füßen oder mit dem Rechen
Derivation zu crëp ‘Fels’ (Lardschnei­ das Heu zu Haufen ansammeln’ (vgl.
der), was jedoch aufgrund des -z- nicht Fink 282 tschasch ‘Almheumäher’)
gänzlich überzeugt. Nach Lardschnei­ (Lardschneider). Möglicherweise be­
ders Theorie müsste das Wort dann im steht ein Zusammenhang mit gad.
EWD zu crëp ‘Fels’ gestellt werden. céscer ‘Tölpel’ (vgl. EWD).

chëuf ‘Höhle, Nest, Brut’ ♦ Lässt sich im ciaí sm. ‘Säumer’ ♦ Tir. tschâhi ‘Soldat
EWD als Ableitung unter dem Lemma des Fuhrwerkskorps; Trainsoldat’
cuè ‘brüten’ einordnen. Vielleicht liegt (Schöpf 763, Fink 282) (Lard­
eine Kreuzung zwischen (Tochterfor­ schneider).
men von) lat. cubare ‘brüten’ und
(Tochterformen von) lat. cavus, covus ciaidl ‘Nähkissen, Nähzeug’ ♦ Tir.
‘hohl’ vor. Von letzterem stammt auch tschaidl ‘niedriger, runder Kopfkorb’
fass. → chëf ‘dicke Garbe aus gedro­ (Schöpf 763) (Lardschneider).
schenem Stroh’ ab.
ciambonf: dut a ciambonf ‘Hals über
chëulòmp ‘Kohlamsel’ ♦ Tir. kouląngst Kopf’ (Das Lemma fehlt in Lardschnei­
‘Kohlamsel’ (Schatz 348) (Lard­ ders Original von 1933). ♦ Herkunft
schneider). unbekannt. Zusammenhang mit ciàmp
‘links’?
chibl ‘Kübel’ ♦ Tir. kîbl (Schatz 360)
(Lardschneider; Zanotti 1990: 85, ciampec ‘Gekröse, “Kuttelfleck”’ ♦ Lard­
Kindl 1999: 141). ► F chibel, B schneider gibt keine Etymologie an,
verweist lediglich auf trent. zampezole
chíchera ‘kleine Schale [verächtlich, ‘centopelle (dello stomaco dei rumi­
gegenüber copa, wenn z.B. bei einem nanti)’ (Ricci). ► F ciampeces
Besuch eine Frau nur eine kleine
Schale Kaffee bekommt statt na copa cianceleda ‘Altargitter’ ♦ Gemäß Lard­
de café]’ ♦ It. chicchera ‘Tasse, Schale’ schneider von lat. cancellare oder
(Lardschneider). ► F cìchera Neubildung zu ciancel ‘Zaungitter’. ►
F cancelada, F ciancel
chiehla ‘flache, runde, in Schmalz geba­

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ciantlin ‘Randstück; Randkruste vom ciarliera’ (Pallabazzer 1986: 342): “è
Brotlaib; Randstück der Holzscheiben, stato inspirato dal traballare e dallo
welche man sägt, um daraus Platten scricchiolare dei carretti condotti a
zum Schnitzen von Tieren zu hacken; mano”.
die Randstücke müssen weggehackt
werden, da sie auf einer Seite rund sind ciasarina ‘Hausfrau’ (Das Lemma fehlt in
[der unregelmäßige Splitter des Baum­ Lardschneiders Original von 1933). ♦
stammes, den man wegsägen muss, um Lässt sich im EWD als Ableitung unter
dann gleichmäßige Scheiben absägen dem Lemma ćiàsa ‘Haus’ zuordnen.
zu können, heißt ondla oder ciavëster]’
♦ Lat. canthus ‘Radreifen’ + -ul-i-nus ciasp ‘mit nach einwärts gekehrten Füßen’
(Lardschneider). ♦ Lardschneider hält das Wort für eine
Ableitung von mhd. zaspen ‘scharrend,
cianva ‘Glockenband der Kühe’ ♦ Lard­ schleifend gehen’. Im Tirolerischen
schneider will es zu cannabis ‘Hanf’ lautet die Form tscha(t)schn (Schatz
stellen; doch dies entbehrt jeder se­ 657), zospm (Schatz 733) oder zaspm
mantischen Grundlage. Es ist vielmehr (Schatz 721) – letzteres mit den Bedeu­
zu kelt. *kanip- ‘Krummholz’ zu tungen ‘rascheln wie die Mäuse’ (Wel­
stellen (vgl. Grzega 2001: 151). Zur ge­ schn), ‘schwerfällig gehen’ (Tux) oder
naueren lautlichen Entwicklung ver­ ‘mit den Füßen scharren, auseinander
gleiche man Gsell (1990b: 355f.). zerren’ (Pustertal, Galtür). Da mhd. z-
für gewöhnlich als solches auch im
cianvel ‘Schwaden beim Mähen’ ♦ Lard­ Grödnischen erscheint, wird man wohl
schneider gibt keine Etymologie an. eher von einer tir. Vorform ausgehen.
Das Wort ist eventuell aus einer Kreu­ Allerdings bereitet die Semantik
zung von kelt. kanip- ‘Krummholz’ Schwierigkeiten. Gsell (1990b: 367)
und kelt. *gabella ‘Garbe, Holzbündel’ möchte den Worttyp im EWD zu ćias­
entstanden; möglicherweise liegt aber pa ‘Schneereifen’ stellen (vgl. dazu
auch eine Verbindung zu kelt. auch DESF II: 371), da “alle eine An­
*k(o)nou&a ‘Nuss’ vor (vgl. Grzega omalie der Bein- oder Fußstellung be­
2001: 151ff., 138f.). Gsell (1990b: 356) zeichnen, wie sie vom Gehen mit den
geht von einer Ableitung *kanepāle ćiaspes her zu erklären ist.” Aschen­
von *kanip- aus (vgl. REW 1566). Das brenner (1972: 43) schreibt: “An der
Wort ist auch in Fassa zu finden (cian­ Bildung des eng verzahnten ladinisch-
vel, Hinweis Fabio Chiocchetti). bairischen Wort- und Begriffskomple­
xes sind offensichtlich eine große Zahl
ciarchené ‘mit nach einwärts gekehrten von semantischen und formalen Ele­
Füßen auftreten, unsicher gehen, menten beteiligt, die onomatopoetisch
schwankend gehen’ (Das Lemma fehlt zusammengeführt wurden.” ► (F
in Lardschneiders Original von 1933). ciaspèr, B ciaspé)►

ciaruia ‘Leiterwagen’ ♦ Lat. carrūca ciater ‘Flößer’ ♦ Ableitung zu it. chiatta


‘Wagen’ (Lardschneider). Lässt sich im ‘Fähre’ oder oberit. ciata ~ zata (Lard­
EWD als Ableitung unter dem Lemma schneider). ► F ciatier
ćiàr ‘Wagen’ zuordnen. Das Wort hat
in Colle S. Lucia und in Selva di Cado­ ciauscion ‘Saatkrähe, Corvus frugilegus’
re in Form eines Adjektivs die Bedeu­
tung ‘[di donna:] sventata, sciocca, cie ‘etwas; was’ ♦ Sollte im EWD unter ći

24
genannt werden, denn Kramers Aus­ ciui! ‘juche!’ ♦ Schallwort (Lard­
sage trifft fürs Grödnerische nicht zu: schneider).
“In den übrigen Dolomitentälern hat
das Relativpronomen che die Funktion ciuml ‘Trotzkopf, Dummkopf; einer der
des Interrogativpronomens mitüber­ wenig redet, auf Fragen nicht ant­
nommen”. wortet’ ♦ Herkunft ungeklärt. Besteht
ein Zusammenhang mit gad. ciürtl
ciles sf.pl. ‘dürre Blätter des Mais’ ♦ Tir. ‘Dummkopf’ (< tir. tschûrl ‘Kraus­
tschillen ‘Deckblätter des Maiskolbens’ kopf’), gekreuzt mit tir. tumm ‘dumm’
(Schöpf 767) (Lardschneider). bzw. tuml ‘dummer Einfall’ (Schatz
666)?
cima ‘Baumwipfel’ ♦ Lat. cima ‘dito’
(Lardschneider). ► F ciuntl ‘Jochstrick zur Befestigung des Jo­
ches an der Deichsel’ ♦ Tir. tschungl
ciorca ‘Dummkopf’ (Das Lemma fehlt in ‘Hornband’ (Schöpf 770, Schatz 602)
Lardschneiders Original von 1933). ♦ (Lardschneider).
Herkunft ungeklärt. Möglicherweise
besteht ein Zusammenhang mit it. ci­ ciurnoch ‘Kopfnuss, Schlag auf den
orcello ‘cercine, persona malvestita o Kopf’ (Das Lemma fehlt in Lard­
buona a poca’ (< lat. circellus ‘kleiner schneiders Original von 1933). ♦ Der
Kreis’) oder mit gad. ciürtl ‘Dumm­ Ausgang des Wortes scheint expressi­
kopf’ (EWD s.v.) an, welches auf tir. ver Natur zu sein. Der erste Teil lässt
tschûrl ‘Krauskopf’ (Schatz 663) zu­ sich wohl mit gad. ciùrn ‘schwindlig’
rückgeführt wird. gleichsetzen.

ciota ‘Pfote, [scherzh.:] Hand’ ♦ Lard­ ciuti ‘[Schimpfwort auf Knaben:] Range,
schneider gibt keine Etymologie an. Gassenjunge’ ♦ Lardschneider sieht wie
Das Wort gehört wohl irgendwie zu schon das EWRS das Wort als Nat­
ciata ‘zampa’ (EWD s.v. ciata ‘Pranke, urlaut an.
Tatze, Schneereifen’), doch bleibt der
Haupttonvokal unklar. cnëidl ‘Frauenhut in der alten Tracht
(runde, knödelförmige Kuppe, breite
ciu ‘[Lockruf für Schweine]; Schwein’ ♦ geschwungene Krempe)’ ♦ Tir. kneidl
Tir. tschu ‘dito’ (Schöpf 394) (Lard­ (Fink 156) (Lardschneider, Boquoi-
schneider); gemäß Schatz (661) handelt Seifert 1984: 43).
es sich bei tir. tschu allerdings um
einen Lockruf für Schafe! Es ist daher coc(u)l ‘Wauwau; Gespenst, mit dem man
eher an expressives romanisches ču die Kinder schreckt’ ♦ Tir. gockl
‘[Lockruf für Schweine]’ (REW 2454a) ‘Hahn; Klaubauf’ (Schöpf 198) (Lard­
zu denken. ► F ciocio B ciui schneider). Oder onomatopoetischer
Herkunft (vgl. EWD s.v. còco ‘Ei’).
ciuána ‘Eimerchen, Stötzel an einem
langen Stiel’ coches ‘Beulen’ ♦ Lardschneider geht von
tir. gagkesnoster ‘dito’ (Schöpf 168)
ciucelea: dumënia de ciucelea ‘Fa­ aus. Dabei wäre aber die Lautentwick­
schingssonntag, Sonntag vor dem lung äußerst bemerkenswert. Vielleicht
Aschermittwoch’ ist das Wort einfach nur expressiver
Herkunft (vgl. EWD còco ‘Ei’) oder es

25
geht auf lat. coccum ‘Fruchtkern, Aus­ laden’ ♦ Tir. ggastholz ‘gitteriges Ge­
wuchs an einer Pflanze’ zurück (vgl. stell auf dem Schleife als Unterlage für
EWD còca Tannenzapfen). Vgl. dazu Heu und Streu; Querholz an den
auch den nächsten Eintrag. Schleifen (Kastenholz)’ (Schöpf 188,
Schatz 207) (Lardschneider; Aschen­
cocula ‘Beule’ ♦ It. coccola ‘Beule’ brenner 1972: 82).
(Lardschneider). Zu gad. còco ‘Ei’?
Vgl. dazu auch vorhergehenden Ein­ crabot ‘Kroate, der hausiert’ ♦ Tir.
trag. krąwá*t (< Kroate) ‘Slovene’ (Schatz
355) (Lardschneider). → carabot.
contrabocia ‘“Gegenmündung” des Ofens
[von der Küche in den Stubenofen führt crafla ‘Gesindel’ ♦ Tir. kraffl ‘unnützes
die Feuerung, die aber auch als Rauch­ Zeug, Gerümpel’ (Schöpf 337, 527,
abzug dienen muss, unmittelbar; Schatz 217) (Lardschneider; Kindl
angeblich, damit der Rauch besser ent­ 1999: 140). ► F grafl, B grofl
weichen kann, wird auf der Küchen­ ‘Plunder’
seite etwa die halbe Dicke der Mauer
hinein eine Vertiefung rund um die cragl ‘Rand, Saum, Ende; Hemdkragen,
Feuertür ausgehöhlt, die meist viere­ Halskragen’ ♦ Tir. kragele ‘Hemd­
ckig ist und in der Fläche etwa doppelte kragen’ (Schöpf 338) (Lardschneider).
Ausmaße des Feuertürviereckes hat]’ ♦
Grödn. Zusammensetzung aus contra craizcstel ‘Hinterteil eines vierrädrigen
‘gegen’ und bóćia ‘Mund’. Wagens (mit zwei festen Stangen, die
auf den buez festgebunden werden)’ ♦
contraspiz ‘Ende des Dachfirstes’ ♦ Tir. (vgl. Schatz 225, 357) (Lard­
Grödn. Zusammensetzung aus lat. con­ schneider; Aschenbrenner 1972: 77).
tra + tir. Spitz. Lässt sich im EWD als Lässt sich im EWD als Ableitung unter
Ableitung unter dem Lemma spìz dem Lemma cstél ‘Gestell’ zuordnen.
‘spitz’ zuordnen. ► B
cráizoter sf. ‘Kreuzotter’ ♦ Tir. (Lard­
conturbé/cunterbé ‘verwirren’ (Das schneider).
Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­
nal von 1933). ♦ Lat. conturbāre ‘dito’. crala ‘eiserner Rechen mit drei Zinken an
einem langen Stiel [mit einem Zinken
cosp ‘Holzschuh; Tölpel’ ♦ Lardschneider heißt dasselbe tral; die crala gebraucht
(und im Anschluss daran Boquoi- der Müller, um den Wassergraben zu
Seifert 1984: 48) und Gsell (1989a: reinigen; in kleinerer Form wird sie
148f.) sehen in dem Wort lat. cuspus zum Zusammenscharren der Baumna­
‘Holzschuh’ (REW 2426) (vgl. auch deln, die als Streu dienen, gebraucht]’ ♦
Aschenbrenner 1972: 51). Gsell stellt Lardschneider will sich auf keine Ety­
die grödnerische Form zu Recht mit mologie festlegen, verweist aber auf tir.
gad. cosp ‘Holzschuh’ (welches im kral ‘zackiges Ackerwerkzeug’. Diese
EWD fehlt) und fass. cospa zusammen. Vermutung kann angesichts der Ex­
► F cospa istenz eines tir. Femininums krâle
‘kleiner Kräuel, Gerät zum Scharren;
còstolz ‘gebogenes Holzgitter, das man Kralle’, wie es sich bei Schatz (353)
auf die Schleifen oder auf das craizcs­ findet, erhärtet werden.
tel legt, um Mehlsäcke usw. aufzu­

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cramáic ‘[ein hölzernes Spielzeug, “Bär” nischen mit einem weiteren Wort ge­
und “Schmied” genannt]’ ♦ Herkunft kreuzt worden sein. Das Wort könnte
ungeklärt. Lardschneider vermutet, man dann im EWD zu róra
dass es sich um ein fremdes Wort ‘klimmendes Labkraut, Galium apa­
handelt, das der Erfinder gehört hat. rine’ stellen. Pallabazzers (1965: 299)
Möglicherweise verbirgt sich hinter der These eines *rubarius (REW 7414)
Form aber tir. gramáisch ‘Gerümpel, überzeugt wenig. Man vergleiche eher
wertlose Sachen’ (Schatz 248). die Ausführungen bei Gsell (1991a:
115, 1994b: 335) und im DIDE (362),
crestl ‘Speise aus gerösteten Erdäpfeln wo róra auf lat. rēpere ‘kriechen’ zu­
und Fleischstücken, “Greastl”’ ♦ Tir. rückgeführt wird. Ich will hier noch
(Schöpf 564) (Lardschneider). eine weitere Möglichkeit ins Feld füh­
ren, und zwar die Anbindung an kelt.
cridlé ‘schwer atmen, keuchen’ ♦ Tir. *rigulla ‘Winde [Pflanze]’ (vgl. etwa
kriglen ‘dito’ (Schöpf 346, Schatz 358) ir. adring ‘alligo’, altir. ring- ‘tordre,
(Lardschneider). torturer’), für die das FEW (XXI: 199)
bislang nur ibero- und franko­
criecs ‘Kriegspartie [Kegelspiel, bei dem romanische Formen aufgeführt hat (vgl.
man in zwei gleich starken Parteien auch Grzega 2001: 222).► F coreola,
spielt; jeder der verspielenden Partei B ròvola
zahlt einem Gegner die Punkte, die die
Gegenpartei mehr gemacht hat, nach cripta ‘Krypta’ ♦ Buchwort aus lat. cryp­
einer vereinbarten Einheit, z.B. je 1 ta.
Kreuzer für einen Punkt]’ ♦ Tir. für
Kriegs(partie) (Fink 162) (Lard­ cristé ‘schwer atmen (wenn die Luftröhre
schneider). nicht vollkommen frei ist)’ ♦ Mhd.
krîsten (Lardschneider). Das Wort wird
criedl/criegl ‘Krug’ ♦ Tir. kriεgl ‘dito’ von Gsell (1989a: 149) zu Recht zu
(Schatz 359) (Lardschneider; Taglia­ gad. cristé ‘keuchen, schnaufen’ ge­
vini 1933: 295; DIDE 161, Zanotti stellt, welches im EWD fehlt.
1990: 91). ► F crighel, B criegl
crítisc ‘[Kartenspiel] Kritischwatten’ ♦
criës ‘Gekröse (minderwertiges Einge­ Tir. (Lardschneider). ► F B
weidefleisch); Krause (der früheren
Tracht)’ ♦ Tir. kreas ‘dito’ (Schöpf crosa ‘Schale, Schneckenhaus’ ♦ Lard­
342) (Lardschneider). ► F cres schneider sieht in Anlehnung an eine
These Ascolis einen Zusammenhang
criola ‘Ackerwinde (Convolvulus arven­ mit okz. cros, fr. creux (vgl. auch Ga­
sis)’ ♦ Lardschneider gibt keine Ety­ millscheg 1935: 281), welche vom
mologie an. Neben criola gibt es die REW (2257) auf lat. corrōsus ‘zernagt’
Form riola, die Pellegrini/Rossi [1964: zurückgeführt wird, wobei Lardschnei­
369] und Pallabazzer [1968: 64f.] mit der für die grödnische Form noch zu­
fleimst. rìgola, amp. règora auf lat. re­ sätzlich Kreuzung mit *cloca ‘Schne­
pullulāre ‘wieder ausschlagen, wieder cke, Schneckenhaus’ (REW 2011) an­
hervorsprossen’ [REW 7231] und nimmt. Sowohl die transalpinen als
möglicher Kreuzung mit olēre ‘rie­ auch die alpinen Formen dürften aber
chen’ [REW 6053] zurückführen. Die vielmehr von gall. *krosu ‘hohl’ stam­
Form riola müsste dann im Gröd­ men (Hubschmid 1950b: 63; Grzega
2001: 146f.). In Lardschneiders Ori­

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ginal wird das Lemma mit stimmlosem cucia2 ‘Zaunkönig’ (Das Lemma fehlt in
-s- geschrieben, welches Gamillscheg Lardschneiders Original von 1933). ♦
(1935: 282) auf eine Kreuzung von Eventuell kohyponymische Übertra­
crosa und cossa zurückführt. Es dürfte gung der Bezeichnung für den
sich hier aber um einen Druckfehler Kuckuck. Dann wäre das Wort letzten
handeln. Sowohl in der Ausgabe von Endes onomatopoetischen Ursprungs
Craffonara als auch in der etymo­ und im EWD zu cùch ‘Kuckuck’ zu
logischen Diskussion in der Original- stellen.
Ausgabe wird das Wort mit stimm­
haftem [z] aufgeführt. ► F cueca ‘alte, schlechte Kuh’ (Das Lemma
fehlt in Lardschneiders Original von
cròzen ‘[Kartenspiel: 3 oder mehr Spieler, 1933).
jeder 4 Karten, jeder spielt für sich,
eine Art Hasard]’ ♦ Tir. (Lard­ cuinuem ‘Familienname’ (Das Lemma
schneider) (bei Schatz oder Fink jedoch fehlt in Lardschneiders Original von
nicht belegt). 1933). ♦ Lat. cognōmen ‘Zuname’.
Lässt sich im EWD als Ableitung unter
crúmras ‘schwarzes, ziemlich dickes dem Lemma inóm ‘Name’ einreihen.
Tuch, aus dem man die Frauenröcke
der Tracht macht’ ♦ Gemäß Lard­ cuit ‘quitt’ (Das Lemma fehlt in Lard­
schneider tir. (im Schatz jedoch nicht schneiders Original von 1933). ♦ Tir.
belegt). kwitt ‘dito’ (Schatz 365).

csazl ‘Strophe eines Liedes; Liedchen; cumblon ‘Pfannenbürste (aus ziemlich


Schnadahüpfl’ ♦ Tir. gsatzl (Schöpf steifen Halmen, die in der Mitte zu
586, Schatz 219) (Lardschneider). einem Bunde gebunden sind); Zinn­
kraut [?]’ ♦ Lardschneider gibt keine
cspas ‘Spaß’ ♦ Tir. gspass (Schöpf 684, Etymologie an. Steckt dahinter evtl.
Schatz 224) (Lardschneider). eine substantivale Ableitung mit
Augmentativsuffix zu cōmere ‘käm­
cspuela ‘Küchenabfälle als Schweinefut­ men; glatt streichen (und schmücken)’
ter, Spülicht’ ♦ Tir. gspuεlε (Schöpf bzw. cŏmula ‘Härchen’ (vgl. REW
586, Schatz 224) (Lardschneider). 2071, Faré)? Da eine Bürste eine An­
sammlung an Haaren, bzw. hier Hal­
cuaterna ‘große Menge (Zeug)’ (Das men, ist, könnte man dann an ein
Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­ *cŏmulōnum denken.
nal von 1933). ♦ Buchwort aus dem It.,
quaterna ‘nel gioco del lotto, combi­ cunferlon: jí a san cunferlon ‘irgendwo­
nazione di quatro numeri vincenti se hin gehen, wo man schwer zu sehen
estratti sulla stessa ruota’, mit metony­ oder nicht zu finden ist; schlafen ge­
mischer Bedeutung. hen’ ♦ Herkunft ungeklärt. Lard­
schneider verweist auf eine Deutung
cucia1 ‘Nuss’ ♦ Lat. coccum ‘Fruchtkern, Schnellers, nach der casa inferōrum da­
Scharlachbeere’ (Lardschneider, Mer­ hinter zu vermuten sei, was aber weder
kens 1956: 105). Lässt sich im EWD lautlich noch begrifflich gut passt.
als Ableitung unter dem Lemma còca
‘Tannenzapfen’ zuordnen. cunfertin: pan de cunfertin ‘Gebäck,
Zuckerwerk’ ♦ It. confortino ‘[Name

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eines Gebäcks in Florenz, dann Honig­ ckene Mehlspeise’ ♦ Lardschneider gibt
kuchen]’ (Lardschneider). keine Etymologie an. Dahinter mag –
mit Suffixwechsel – ein lat. *cutica ~
cunforma ‘je nachdem’ ♦ It. conforme a *cutina ‘Haut’ stecken, das in romani­
(Lardschneider). schen Mundarten Bedeutungen wie
‘Scholle’ (emil.), ‘Schwarte’ (bdr.,
cunsuegher ‘Verschwägerter’ ♦ Lat. kat.), ‘Kruste’ (pg.), ‘Kuhfladen’ (fr.)
consŏcer ‘Mitschwiegervater’ (REW annimmt; zu diesen Begriffen stünde
2166) (Lardschneider). Doch wie ist die grödnische cutla in metaphori­
das -gh- zu erklären? Einfluss von schem Zusammenhang. Die buch.
dt./tir. Schwager? Form tutra dürfte dann das Resultat
einer Kreuzung mit dem lexikalischen
cunzené ‘bewältigen, einem gewachsen Typ tortel sein. ► B tutra
sein’ ♦ Lardschneider: “erinnert an
[tir.] hunzen, müsste ein ‘g’hunzen’ cutlina ‘Oxford [ein Baumwollstoff, ver­
sein, das pp. lautet aber dtir. ‘g’hunzt’”. schieden gefärbt]’ ♦ Dt. Kotoline
Eine Anbindung an hunzn ‘ohne Scho­ (Lardschneider).
nung vorgehen, einen überanstrengen’
ist aber auch semantisch nicht ganz un­ D
problematisch.
davën ‘davon, weg’ (Das Lemma fehlt in
curnel: lën da curnel ‘Kornelbaum’ (Das Lardschneiders Original von 1933).
Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­
nal von 1933). ♦ Sollte im EWD unter del sm. ‘Würfel’ ♦ Gemäß Lardschneider
dem Lemma cornél ‘Kornelkirsch­ von lat. *datum ‘dito’ (REW 2486).
strauch’ stehen. → carnela. Doch woher das -l? Rückbildung aus
pl. dei?
cusé ‘Kumpf (Behälter für den Wetzstein,
beim Mähen rückwärts an einem Furt d(e)let ‘Muttermal’ ♦ Postverbale Ab­
zu befestigen)’ ♦ Lat. cōtiārium leitung zu ndleté ‘gelüsten’ (Lard­
‘Schleifsteinfutteral’ (REW 2283) schneider). Dies bedarf einer seman­
(Lardschneider). Das Wort kann somit tischen Erläuterung; doch findet sich
im EWD dem Lemma cudà ‘Wetz­ immerhin eine parallele Erscheinung
steinkumpf’ (< lat. cōtārium) zugeord­ mit it. voglia ‘Lust; Muttermal’. Der
net werden. Ursprung dieser Metapher ist wohl in
der Hexenmythologie zu suchen.
custiané ‘schelten, brummen’ ♦ It. ques­
tionare (Lardschneider). Dabei muss se deriejer ‘sich zu helfen wissen, sich
die inhaltliche Veränderung wohl über selbst helfen’ ♦ Vlat. dērigere ‘richten’
die italienische Bedeutung ‘zanken, (REW 2649) (Lardschneider), statt
sich auseinandersetzen’ gegangen sein. klassischem dīrigere.
custion ‘Körper- und Gesundheitszustand; desćimá ‘[von Bäumen] entstellt,
Naturell’ ♦ It. costituzione mit volks­ verwachsen; schief aufgelegt (z.B. eine
etymologischer Umdeutung nach custi­ Tischdecke); [von Frauenröcken] ge­
on ‘Frage, Problem’ (Lardschneider). schweift (oben eng, unten weit oder
umgekehrt)’ ♦ It. cimare ‘stutzen’
cutla ‘flache, runde, in Schmalz geba­ (Lardschneider).

29
EWD-Lemma tlòta ‘Zottel, verfilzter
desconturbé/descunterbé ‘stören, den Haarbüschel’. Lardschneider verweist
Kopf verdrehen’ → conturbé auf → desluté ‘entwirren’, während
Gartner (1923: s.v. zlòter) darin tir.
desdën/desdëni ‘Unglück, Missgeschick’ schlattern ‘schlottern, klappern’
♦ Lardschneider schreibt: “es wird doch (Schöpf 624, Schatz 529) sah. Für das
it. disdegno, sdegno, sein. Ent­ grödnischen Substantiv und das Verb
lehnungen aus dem It. nehmen leicht (vgl. nächsten Eintrag) scheint mir je­
eine andere Bed. an, dazu kommt, dass doch Gartners Deutung weiterhin be­
das Wort fast gar nicht bek. ist, viell. achtenswert.
früher ‘Zorn’ bedeutet hat”.
deslucë ‘Lücken reißen/machen’ ♦ De­
desgort ‘unersättlich, nimmersatt, gefrä­ rivation zu locia ‘Lücke’ (Lard­
ßig’ ♦ Lässt sich im EWD wie grödn. schneider) (zu EWD s.v.). ► (B
ngòrt unter ingòrde ‘gierig’ einordnen. deslocé)  desluciá ‘mit Zahnlücken’
► B desgost
desluté ‘entwirren’ ♦ Gemäß Lard­
desgrusc ‘[von einem Zimmer:] leer, öde schneider Gegensatz zu luté ‘löten’.
und kalt’ (Das Lemma fehlt in Lard­ Wohl aber eher zu desloter ‘weiter
schneiders Original von 1933). ► B Kamm zur Toilette (um die Haare zu
desgruje entwirren)’ und mit diesem zu tir.
schlottern bzw. schlottern lassen ‘et­
deslaber ‘geschmacklos, ungesalzen’ ♦ was dem natürlichen Gange überlassen’
Tir. gschlâ*dεr ‘schlechtes Getränk, (Schöpf 624) zu stellen. → desloter.
wässrige Suppe’ ~ gschlappεr/
gschlattεr ‘schlechtes, wässriges Essen’ desmanuí ‘ausrotten’ ♦ Lardschneider
(Schatz 221) mit volksetymologischer denkt an eine Kombination aus lat. dis
Umdeutung von gsch- (Lardschneider). + minus ‘weniger’ (REW 5594). Doch
Vgl. dazu auch → slabergoz. ► F führt dieses ja zu desmendrì ‘ver­
slaber kleinern’. Die Herkunft muss also
einstweilen im Dunklen bleiben. Even­
deslater ‘lose, nicht fest angenagelt [z.B. tuell besteht aber ein Zusammenhang
Bretter, die angenagelt waren und lang­ mit gad. grödn. desmàn ‘abgelegen’
sam lose werden; auch von den Dauben (vgl. EWD màn ‘Hand’).
eines Fasses]’ ♦ Tir. derlattεrt (Schatz
375) (Lardschneider). desparedlé ‘ein Paar teilen [z.B. ein zu­
sammengehöriges Paar Ochsen]’ ♦ Ge­
deslaus ‘geschmacklos, ungewürzt’ (Das mäß Lardschneider lat. dis + pariculus
Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­ ‘gleichartig’ (REW 6241), eher wohl
nal von 1933). aber grödn. Neubildung zu parëdl.
Sollte dann im EWD wie gad. paridlè
deslinch ‘eben, leicht [vom Weg]’ (Das ‘zusammengewöhnen [vom Zugvieh]’
Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­ unter parëdl ‘Hoden’ stehen. ► B spa­
nal von 1933). riglé

desloter ‘grober Kamm zur Haarpflege destëi adv. ‘leicht ansteigend [von einer
[um die Haare zu entwirren]’ ♦ Gsell Anhöhe]’ (Das Lemma fehlt in Lard­
(1992a: 140) stellt das Wort zum schneiders Original von 1933). ♦ Lat.

30
distēsus ‘ausgestreckt, ausgedehnt’. ► jedoch die italienische Endung. Es
B desteis scheint dann eine Kreuzung mit dem
EWD-Lemma tùnco ‘Gemisch aus
destënder òra ‘[ein Tuch] ausbreiten’ ♦ Zieger und Butter’ vorzuliegen, zu dem
Lässt sich im EWD als Ableitung unter Gsell (1999b: 255) donco ohnehin
dem Lemma tëne ‘ausbreiten’ zuord­ stellt. (Auch in Moena in der Form ton­
nen. Ist auch fass. (Hinweis Istitut Cul­ co zu finden; Hinweis Fabio Chioc­
tural Ladin). chetti).

destumé ‘im Preise fallen’ (Das Lemma driz òngher ‘ein dreifacher Hanger beim
fehlt in Lardschneiders Original von Kartenspiel’ ♦ Tir. dritzigεr hąngεr
1933). ♦ Offenbar eine Ableitung zu ‘dito’ (Schöpf 241, Schatz 136) (Lard­
tumé ‘fallen’, wobei aber das des- nicht schneider).
gegensätzlich, sondern höchstens ver­
stärkend wirkt. Es wird daher wohl eine drusé ‘verkehren, das Innere nach außen
Präfixkombination aus de + ex, und wenden, das Obere nach unten kehren’
nicht dis- vorliegen. Lässt sich im ♦ Lat. retrorsus ‘zurückgewendet’
EWD als Ableitung unter dem Lemma (REW 7272), wobei re- nach Sono­
tomè ‘fallen’ zuordnen. risierung des -t- abgefallen wäre (Lard­
schneider). Lässt sich im EWD als Ab­
dlavéa ‘Blattern, Pocken’ ♦ Gsell (1999b: leitung unter dem Lemma redùs ‘umge­
257) stellt das Wort zum EWD-Lemma stülpt, verkehrt’ einordnen.
variòra, ohne näher auf die eigenartige
Lautung einzugehen. Lardschneider dublëta ‘Überschlag des Bettleintuches’ ♦
denkt dagegen an lat. *clavaria. Dieses Sollte im EWD als Ableitung unter
dürfte dann wohl – wie das REW dem Lemma doblié ‘biegen, beugen’
(1984) vermutet – eine Ableitung zu einordnen (wie gad. indoblët
cla(v)us ‘Nagel; Furunkel’ darstellen. ‘Rockaufschlag’). (Auch fass.: dopieta;
In Fassa gibt es dazu eine Form vea Hinweis Fabio Chiocchetti).
(Hinweis Istitut Cultural Ladin) (Wort­
kürzung?). duel sm. ‘Schmerz (innerlich, seelisch),
Leid’ ♦ Postverbal zu dulëi ‘schmer­
dlu(v)a ‘Stecknadel’ ♦ Mhd. glufe ‘dito’ zen’ (Lardschneider). Die Ableitung
oder tir. glûf(e) (Schatz 243) (Lard­ lässt sich im EWD unter dorëi
schneider, Tagliavini 1933: 291 et ebenfalls nachtragen (wie gad. dorìa
1934: 145; Zanotti 1990: 72f., Kindl ‘Schmerz; pl.: Geburtswehen’). Ver­
1999: 140); ist auch ins Gad. als tlûfa gleiche zum Fassanischen auch Elwert
entlehnt worden (Gsell 1992a: 141, (1943: 104).  due(l)ies sf.pl. ‘Wehen’
1999b: 234f.). ►F gluf, B glua  (wie gad. dorìes ‘Wehen’) ► (B dolíe)
ndlu(v)é ‘mit einer oder mehreren
Stecknadeln festheften’ dulá ‘steile Felswand’ (Das Lemma fehlt
in Lardschneiders Original von 1933).
dobra ‘kleiner Bart, Flaum’ (Das Lemma ♦ Zu lat. dolāre ‘behauen’ (REW 2718)
fehlt in Lardschneiders Original von (Hubschmid 1950a: 345). ► F B dola­
1933). da

donco ‘Tunke’ ♦ Gemäß Lardschneider dulé ‘“ausschoten”, aushülsen’ ♦ Gemäß


von tir. dunke(n) ‘dito’; eigenartig ist Lardschneider von lat. dolāre ‘behau­

31
en’ (REW 2718). Doch wie lässt sich verbirgt. Doch kann aus einem ahd.
die inhaltliche Entwicklung erklären? wala ‘dito’, das bei der ennebergischen
Eher möchte man an eine Verbindung Form wohl anzusetzen ist (nicht mhd.
zum EWD-Lemma dói ‘hohl’ (< lat. wâl), durchaus auch ein originär
dōlium ‘hohles Fass’, REW 2723) den­ grödnisches era entstehen; auch im
ken. Grödnischen schwankt die Entwicklung
von lat. v- ~ ahd. w- zwischen v- (lat.
dunché ‘tunken, eintauchen’ ♦ Mhd. dun­ vallem > val ‘Tal), b- (lat. vespa >
ken (so auch tir.) (Lardschneider). → bespia) und ∅- (volēre > ulëi ‘wollen’,
donco. voltāre > outé ‘umwenden’).

E èrum ‘aber, dagegen’ ♦ Lardschneider


will sich auf keine Etymologie
ebl ‘Eiter, schleimige Flüssigkeit an of­ festlegen, verweist aber auf dt. wieder­
fenen Wunden’ ♦ Lardschneider legt um, tir. hérentgegen und dérentgegen
sich nicht genau fest, denkt aber an tir. ‘dagegen’. Dieser Ansatz ist aber mit
afel ‘Eiter’ (Schöpf 5, Schatz 9 âfl). vielen Unregelmäßigkeiten verbunden.
Schwierigkeiten bereitet in diesem Fall Vielleicht besteht ein Zusammenhang
der Anlaut. Vielmehr dürfte das Wort mit → ierum.
mit pad. ával ‘ascesso’ auf lat. apulus
‘weichgekochtes Ei’ (LEI II: 1704ff.) ëu! ‘oh!’ ♦ Sollte wie ohó! im EWD unter
zurückzuführen sein (Gsell 1999c: ohó! stehen. ► B
113f.) (vgl. zur buch. Form auch Vigo­
lo [1993a: 278]). ► B laol ëuca!/ëuch! ‘[Ausruf des Schmerzes]’ ♦
Sollte im EWD als Ableitung unter
eder conj. ‘aber, jedoch’ ♦ Lardschneider dem Lemma àu ‘dito’ stehen (wie gad.
schließt sich der These Gartners an, àuca).
von einer Kreuzung aus aber und oder
auszugehen. Eventuell steckt noch eh ëurden ‘Streifen Wiese, den 3-5 Mäher
dahinter. hintereinander mähend im Ganzen mä­
hen’ ♦ Lardschneider meint: “der Bed.
ëifl ‘Backrohr im Sparherd’ ♦ Tir. öfele nach könnte es ein *orulus sein”. Eher
‘dito’ (Schöpf 480) (Lardschneider). scheint mir jedoch ōrdinem ‘Reihe,
Ordnung’ (REW 6094) zu passen,
ënghe ‘auch’ ♦ Sollte im EWD unter dem dessen Nachfolgeformen in romani­
Lemma inće ‘dito’ stehen. schen Mundarten unter anderem zur
Bezeichnung von ‘Mahd’ (fr.dial.,
engrossa: ala engrossa ‘en gros’ ♦ Sollte oberit. dial.), ‘Reihe Bäume’ (it.dial.)
im EWD als Ableitung unter dem und ‘Reihe Rebstöcke’ (log.) dienen.
Lemma gròs ‘dick’ stehen (wie gad. Diese These findet sich im Übrigen
ala ingròssa). Auch fass. (Hinweis auch schon bei Gamillscheg (1935:
Fabio Chiocchetti). 281) und im FEW (VII: 407).

era ‘[arch.:] Wahl’ ♦ Sollte im EWD unter F


dem Lemma vàra ‘Auswahlfrist’
stehen. Lardschneider hält es für mög­ fantòrum ‘Inventar’ ♦ Gemäß Lard­
lich, dass sich dahinter eine ennebergi­ schneider wohl dt. Ursprungs. Auf­
sche Form zu grödn. vela ‘Wahl’ grund des -f- ist sicher von bairisch-ti­

32
rolerischem Ursprung auszugehen. Bei
Schatz (313) finden wir die Formen in­ fieter ‘Futterknecht’ ♦ Tir. fiεttεrεr ‘dito’
fentûr und impfentûr. Eigenartig ist die (Schatz 194) (Lardschneider; Zanotti
zusätzliche Endung -um, die man wohl 1990: 63, Kindl 1999: 142). Diese
als “Hyperlatinisierung” ansehen muss. Form ist auch in Fassa zu hören, neben
Das Lexem könnte man im EWD unter fieter (Hinweis Fabio Chiocchetti). ►
imventàr miteinreihen. ► F FB

fanziëuta ‘gefüllter Krapfen’ ♦ Lässt sich filastoca ‘Eulenspiegelstreich; Spaß;


im EWD als Ableitung unter dem Kleinigkeit’ ♦ It. filastrocca ‘Kinder­
Lemma fàna ‘Pfanne’ einordnen. Dort reim’ (Lardschneider). ► F filastroca
findet man auch grödn. faneda ‘Mehl­
speise in Schneckenform’. filz ‘Schweinefett [Fett neben den Speck­
seiten]’ ♦ Dt. (Lardschneider). Oder
ferlëigher ‘Schnitzwarengroßhändler’ ♦ eher tir. filz ‘Eingeweidefett des
Gemäß Lardschneider tir. (ist jedoch Schweins’ (Schatz 172).
ohne Beleg im Schatz).
filza ‘Reihe’ ♦ It. filza (Lardschneider).
fersëila ‘Fisole’ ♦ Tir. fiseile ~ fεrseilε
‘dito’ (Schöpf 789, Schatz 174) (Lard­ fírpristl ‘Brusttuch der Frauen und Mäd­
schneider). chen [reicht von ungefähr der Leibes­
mitte bis zum Hals und zu den Armen,
fiera ‘Jahrmarkt’ ♦ Lardschneider zitiert wo es überall halbkreisförmige Aus­
Ettmayer: “feria wurde ohne weiters schnitte hat]’ ♦ Lässt sich im EWD als
mit offenem -e- eingeführt, da ein ge­ Ableitung unter dem Lemma prùst
meinit. *feria mit off. -e- mit älterem ‘Brusttuch’ einordnen.
Umlaut des geschlossenen in off. -e-
wie in neve anzusetzen ist”. Auch El­ fírsciait ‘Vorscheit; die Querstange am
wert (1943: 46) gibt klar feria als Ety­ Fuhrwerk, an die ein Zugtier gespannt
mon für das Fass. an. Es lässt sich aber wird [für zwei Zugtiere kommt zu­
auch ein Venetismus (ven. fiera) nächst (bes. am Pflug) die boga, daran
annehmen (Tagliavini 1934: 133). ► F zwei fírsciaic]’ ♦ Tir. fourschait ~ fir-
B (Schatz 184) (Lardschneider; Aschen­
brenner 1972: 84).
fiërs ‘sehr heiß’ ♦ Gemäß Lardschneider
liegt ein lat. *fersus von fervere ‘sie­ físpon ‘Blankscheit; Miedereinlage aus
den’ zu Grunde (vgl. auch Elwert 1943: Fischbein, heute auch allgemein für
40). Möglicherweise gab es auch solche Einlagen aus anderem Material’
Einfluss seitens lat. ferus ‘wild, stolz’. ♦ Tir. fischpân ‘Fischbein’ (Schatz 42)
► F fers  fiërs ‘große Hitze’ (Lardschneider).

fiërtla ‘Rückenbahre, “Kraxe’; Hosenträ­ fleghé ‘(einen Kranken) pflegen’ ♦ Mhd.


ger’ ♦ Lat. ferculum ‘Trage’ (Lard­ phlegen (Lardschneider).
schneider) – mit Motion zum Femini­
num (Tagliavini 1933: 311, Elwert fliscia ‘Grieben; Teilchen, die vom
1943: 88; Aschenbrenner 1972: 60, brennenden Feuer wegfliegen (z.B. auf
Gsell 1989a: 153). ► F ferchia, B fier­ die Kleider)’ ♦ Lardschneider gibt
cla keine Etymologie an. Elwert (1943: 59)

33
schlägt für fass. felisces ‘Funken’ lat. mühen’ (Lardschneider). Ließe sich im
favilla mit Suffixtausch (ergo *fallisca) EWD dann zu fugné ‘zaudern, langsam
vor; dabei würde aber mehr als nur das arbeiten’ stellen.
Suffix ausgetauscht werden. Pallabaz­
zer (1980: 45) schlägt dagegen germ. folta ‘Schuppen [gedeckt, an Haus oder
falavīska ‘Funken’ (REW 3152) vor, Stadel angebaut]’ ♦ Tir. folt ‘dito’
wobei sekundär lat. favilla mit hinein­ (Schöpf 147, Schatz 183) (Lard­
gekommen sein mag. Möglicherweise schneider).
ist auch kelt. *vlisku ‘Rute; Stäbchen’
(REW 9425) mit beteiligt (vgl. Grzega forba ‘Anstrich (eines Gebäudes)’ ♦ Tir.
2001: 261). ► F feliscia, B fąrb ‘Farbe’ (Schatz 156) (Lard­
schneider).
flistra ‘Stücke, Scherben, Zerschlagenes’
♦ Lardschneider gibt keine Etymologie frea ‘Erdbeere’ ♦ Lat. fragum ‘dito’
an. Besteht ein Zusammenhang mit der (REW 3480, Lardschneider) bzw. Plu­
kelt. Wurzel bris- ‘zerbrechen’ (vgl. ral fraga (vgl. auch Pellegrini/Rossi
Grzega 2001: 106ff.)? Zusammenhang 1964: 367, Merkens 1956: 94, Pelle­
mit vorigem? grini 1980: 81). ► F fraa

flucion ‘Rucksack’ (Das Lemma fehlt in fruencer ‘Schmarotzer; einer, der nicht
Lardschneiders Original von 1933). ♦ arbeitet und sich von anderen erhalten
Grödn. Derivation zu fluc ‘kleiner lässt’ ♦ Lardschneider gibt keine Ety­
Mehlsack’ (< lat. *folliceus bzw. *fol­ mologie an. Besteht eine Verbindung
luceus) mit Augmentativsuffix. Ließe zu → fruncé ‘erhalten, unterhalten’?
sich im EWD zu fòl ‘Mehlsack aus Le­
der’ stellen. fruetené ‘kleine Arbeiten im Haus ver­
richten; sich herumfretten’ ♦ Tir. fruo­
fluter: fé l fluter ‘[beim Kartenspiel:] ten ‘nützen’, sich fruoten ‘sich beeilen’
schwindeln’ ♦ Lardschneider gibt keine (Schatz 191) (Lardschneider). Auch
Etymologie an. Besteht ein Zusammen­ fass.: frotenar (Hinweis Fabio Chioc­
hang mit tir. fluttεr ‘Schmetterling’ chetti).
(Schatz 182)?
fruetla ‘schnell’ (Das Lemma fehlt in
fluterné ‘flattern’ ♦ Dt. flattern; der Lardschneiders Original von 1933). ♦
Wandel -a- > -u- im Vorton zeigt sich Tir. fruεtla ‘sogar’ zu fruεtig ‘schnell,
auch in furné, puchené, bunderjé (Lard­ sehr, sonst’ (Schatz 191).
schneider).
fruncé ‘erhalten, unterhalten, den Lebens­
flutra ‘Fledermaus’ (Das Lemma fehlt in unterhalt verschaffen’ ♦ Lardschneider
Lardschneiders Original von 1933). ♦ gibt keine Etymologie an. Ob dahinter
Entweder liegt eine Ableitung zu wohl ahd. frummjan ‘fördern, voll­
fluterné ‘flattern’ oder eine gekürzte bringen’ steckt? Vgl. auch → fruencer.
Form zu tir. fluttεrmaus (Schatz 182)
vor. frusté ‘zerreißen’ ♦ It. frustare ‘con­
sumare, logorare’ (Lardschneider, Pal­
foia sm. ‘einer, der in seinem Arbeiten labazzer 1980: 46).  frustené
nicht vorwärts kommt; ein Saumse­ ‘zerreißen’
liger’ ♦ Postverbal zu → fuië ‘sich ab­

34
fuc ‘futsch, pfutsch, verloren’ ♦ Gemäß morphologische Filiation scheint je­
Lardschneider deutsch, doch darf man doch unklar. Oberitalienisch? Lässt
wohl auch von einer eigenständigen sich im EWD als Ableitung unter dem
onomatopoetischen Bildung ausgehen. Lemma folè ‘walken’ einordnen.

fugurel ‘Sparherd’ (Das Lemma fehlt in fumbl [meist pl.: fumbli] ‘“Glättstöck­
Lardschneiders Original von 1933). ♦ len”, Polierhölzer der Schuster’
Lat. *focurellus ‘kleiner Ofen’. Lässt
sich im EWD als Ableitung unter dem fundric: fën fundric ‘am Boden
Lemma füch ‘Herd’ oder unter frogorè liegendes, verdorbenes Heu in einem
‘Herd’ einordnen. Heustock’ ♦ Derivation zu fundus mit
den Suffixen -oris + -iceum (Lard­
fui! ‘[Interjektion des Abscheus]’ (Das schneider). Ließe sich im EWD als Ab­
Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­ leitung unter fùnz ‘Boden, Grund’ ein­
nal von 1933). ♦ Expressiven Ur­ ordnen. ►F B fondric
sprungs; evtl. von dt./tir. pfui. ► F B
pui furmescere ‘Frühmesser; Tabaksblume
(Petunia hybrida)’ ♦ Mhd. vrüe-messer
fuia ‘Tasche, Sack in einem Kleidungs­ ~ *vrüe-messaere ‘dito’ (Lard­
stück’ ♦ Lardschneider will sich auf schneider).
keine Etymologie festlegen, verweist
aber auf Alton, der von einer Ableitung furtlé ‘begatten [von Menschen]’ ♦ Lard­
zu follis ausging. Dann wäre das Le­ schneider legt sich auf keine Etymolo­
xem im EWD unter fòl ‘Mehlsack aus gie fest, hält es aber für möglich, dass
Ledern’ einzuordnen. Gegen diese The­ das Lexem auf ein (tir.?) fuglen ‘Ge­
se schreibt allerdings Salvioni (1938: schlechtsverkehr haben; vögeln’ zu­
85). “alla connessione si oppone l’ú. rückgeht. Allerdings stören sowohl das
Meglio muover da FŪRJU [‘diebisch; -r- als auch -t- (statt -d-) diese These.
ladronesco’] (REW., 3600), ricordando
insieme l’u. furaiola (da FUR) tasca in­ fuscer ‘Pfuscher’ ♦ Dt. (Lardschneider).
terna negli abiti da uomo, it. ladra, e ► F B  fuscerné ‘pfuschen’
l’u. e rom. mariòla”.
fuselé ‘scherzhalber stehlen (z.B. einem
fuiacia ‘großer, runder, flacher Laib Brot’ Freunde etwas stehlen, wovon man
♦ Lat. focācea ‘Art Kuchen’ (REW weiß, dass er keinen Wert darauf legt);
3396) (Lardschneider). ► F fugaza stehlen’ ♦ Tir. fûslεn ‘tändeln, Kleinli­
ches treiben’, fûslεr ‘der ohne Ernst
fuië ‘sich abmühen, ohne viel auszurich­ arbeitet’ (Schöpf 163, Schatz 197)
ten; tändeln, in der Arbeit nicht vor­ (Lardschneider). ► F f(r)usoler, (B
wärts kommen’ ♦ Lardschneider geht fusera)  fuselné ‘fuselé’, fúseler
von lat. fodicāre ‘wühlen’ (REW 3403) ‘einer, der Kleinigkeiten stiehlt’, fúsela
aus. Dies wäre dann eine Variante zu ‘Tändlerin’
*fodināre (REW 3403), von welcher
sich gad. fugné ‘zaudern, langsam fustania ‘Barchent, stark, dick und gefärbt
arbeiten’ ableitet. [wird zu Hosen u.ä. verwendet]’ ♦ Ge­
mäß Lardschneider wohl zu einem tir.
fuloni ‘Walker’ ♦ Ableitung zu it. follare fustani. Ein solches Wort ist jedoch im
‘walken’ (Lardschneider). Die genaue Schatz nicht nachweisbar. Gegen eine

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tir. These spricht auch der Ausgang auf Stich mit Zehner oder As [erst, wenn
-ani. Es ist also eher an it. f(r)ustagno man einen solchen hat, darf man
‘Barchent’ mit Motion zu denken oder “zwanzig” und “vierzig” ansagen];
– so Boquoi-Seifert (1984: 59) – direkt Zehner oder As’ ♦ Laut Lardschneider
an mlat. fustaneum ‘dito’. ► F fustagn, von tir. Gewisse. Das Wort kann ich
B frustagn zwar im Schatz nicht nachweisen, der
Sinnbezirk spricht aber in der Tat für
fusté ‘zerschlagen, abhacken’ ♦ Derivati­ tir. Herkunft.
on zu lat. fūstis ‘Knüppel’ (Lard­
schneider). Verwandt mit → frusté ghëissl/ghëistl ‘Gussform [wenn man
‘zerreißen’? ► B frusté Butter oder Schweinefett auslässt, gibt
man das dann in ein Geschirr zum
G Abkühlen, dann kann man die ent­
standene Form herauslösen]’ ♦ Gemäß
gabanot ‘20-Heller-Stück’ ♦ Trent. gaba­ Lardschneider weisen ghe- und reines
not ‘vecchia moneta austr. da dieci sol­ [!] -s- auf dt. gießen (bzw. mhd. giezen
di’ (Ricci) (Lardschneider). ► F ahd. geozan). ► B ghisa

gabeles ‘Umlage [= Beitrag] an die Kirche ghemuera ‘durch Wildbäche herunterge­


oder den Priester’ ♦ It. gabella ‘Steuer’ triebenes Geröll; Bahn mit Geröll,
(Lardschneider). ► F gabela Steinen etc.’ ♦ Tir. Mure, Gemure/Ge­
muer (Lardschneider, später bekräftigt
galantaría ‘Galanteriewaren [= Schmuck, durch Belardi [1994: 612]).
Kurzwaren]’ ♦ Neologismus (Lard­
schneider). ghétun ‘Dorfteil, wo die Häuser nahe bei­
sammen gebaut sind [es ist fast in je­
galota ‘Holzschuh mit ledernem Oberteil’ dem Dorfe ein bestimmter Teil, der
♦ Boerio galoz, durch Umdeutung Sg. diesen Namen trägt]’ ♦ It. ghetto (Lard­
galot(a) (Lardschneider) bzw. galozza schneider). Eigenartig ist dabei der
‘dito’ (Boquoi-Seifert 1984: 50) mit Wortausgang; es kann sich dabei kaum
Suffixwechsel (Aschenbrenner 1972: um ein Augmentativsuffix handeln, da
57). sonst die Betonung auf dem Suffix
liegen müsste.
gamela ‘Speiseschale der Soldaten’ ♦ It.
gamella ‘Kochgeschirr der Soldaten’ ghiné/ghinië ‘trachten, lüstern sein’ ♦
(Lardschneider). ► F B Mhd. ginen ‘Mund aufsperren, Rachen
aufsperren’ (Lardschneider). Vgl. auch
genueja ‘eine alte Goldmünze, Genueser → giangené ‘dito’.
Dukaten [entspricht evtl. 4 Dukaten]’ ♦
It. genovese (Lardschneider) bzw. ghinia sm. ‘schlechter Kerl; Spitzbube’ ♦
besser: eine nordit. Variante. Wohl wie grödn. ghigna ‘mürrisches
Gesicht’ im EWD zu ghìgna ‘Fratze,
gërva ‘Gerberei’ ♦ Mhd. gerwen oder ahd. Grimasse’.
gariwan (Lardschneider). Man verglei­
che dazu im EWD auch den Artikel giajëi ‘brüten [von Hennen]’ ♦ Lat. iacēre
gàlber ‘Gerber’. (Lardschneider, Pallabazzer 1980:
100). Auch im Gadertal lokal bekannt
ghebisa ‘[beim Mariage-Kartenspiel:] (Gsell 1993a: 120); ebenso freilich in

36
den angrenzenden Gebietne der Pada­ re, nicht genießbare Äpfel’ ♦ Lard­
nia. ► B jajéi schneider fragt sich, ob dt. Sauerling
dahinter stecken könnte.
giandlon ‘großer Knochen’
giut ‘lange (Zeit)’ ♦ Ableitung von lat. diu
giandluja ‘Drüse, Lymphdrüse’ ♦ Lard­ ‘lange’ (Lardschneider).
schneider vermutet ein westtirolisches
Wort dahinter und verweist auf Ricci glaih ‘“Gleich” [bei verschiedenen
“giandusa gangola del fegato” und Boe­ Kartenspielen]’ ♦ Tir. (Lardschneider).
rio “giandussa piccola ghianda”. Das
-l- müsste man dann als Kreuzung mit gor ‘gar, sogar’ ♦ Tir. gâ*r ‘dito’ (Schöpf
it. ghiandola resp. einer erbwörtlichen 175, Schatz 205) (Lardschneider).
Entwicklung von vlat.-grch. ganglion
‘Drüse’ ansetzen. ► F giánola gordl ‘Wirbel, Strudel; Stoß’ ♦ Lard­
schneider setzt ein vlat. *gurgulus von
giangené ‘lüstern sein’ ♦ Lardschneider lat. gurges an; im REW steht das Wort
enthält sich einer Etymologisierung. unter gurga (REW 3921) und gurgus
Vgl. auch ghiné ‘dito’. (REW 3923). ► F gordeon

giapé ‘bekommen, finden, erhalten’ ♦ Lat. gra sm. ‘Dank’ ♦ Lat. gratum (REW
captāre (REW 1661) oder *capitāre 3848) (Lardschneider). ► F
(REW 1635). Lardschneider schreibt:
“wohl doch captare zu giatè und dann granacia ‘Kinnlade; Gebiss; die Gesamt­
Einfluss v. ven. ciapar” (so auch Gsell heit der Zähne’ ♦ Lardschneider sieht
1990b: 357). Sollte dann im EWD un­ einen Zusammenhang mit it. ganascia,
ter ćiatè ‘dito’ stehen. ► F ciapar, B ven. ganassa, trient. ganasa und
ciapè verweist auch auf grasala, geht aber
sonst nicht weiter auf die Etymologie
giarët: n vedl giarët ‘[Schimpfname auf ein. Anscheinend liegt eine Kreuzung
alte Personen]’ ♦ Lardschneider enthält von Wörtern vor.
sich einer Etymologisierung. Seman­
tisch ließe sich das Wort mit lat. griji ‘Aufgeblasenes Leimkraut, Tau­
garrītum ‘Geschwätz’ (metonymisch benkropf (Silene inflata, Silene vulga­
zu ‘Schwätzer’, dann zu ‘alte Person’) ris)’ [nach Gsell (1991a: 134) auch riji]
verbinden. Lautlich müsste man dann ♦ Sollte im EWD wohl unter grijurun
aber an einen Ersatz von -ītum durch ‘Taubenkropf-Leimkraut, Silene vulga­
das Suffix -ittum denken. Dies scheint ris’ stehen. Lardschneider gibt keine
denkbar angesichts der Tatsache, dass Erklärungen. Gsell (1991a: 134) er­
-ītum eine recht seltene Endung ist. innert an einen Vorschlag Tagliavinis
Störend ist freilich, dass garīre (1943/44: 32), der die Bezeichnung auf
‘schwätzen’ nur wenig in der Romania lautmalerischen Ursprung zurückführt:
verbreitet zu sein scheint (vgl. REW “In der Tat wird der ‘Taubenkropf’
3691, FEW IV: 71). volkstümlich gerne nach dem knallen­
den Geräusch beim Zerdrücken der
giaté ‘finden, bekommen, erhalten’ → Samenkapsel benannt, vgl. grödn.
giapé stlupëc für griji oder gaskognisch pèt
für die Kapsel der Pflanze [...]. Das
giaurlins sm.pl. ‘kleine (nussgroße), sau­ alles liefert aber noch keine

37
Begründung, warum im oberitalie­ H
nisch-alpinen Raum die Benennungen
des fraglichen Krautes von einer Basis hechelné ‘häkeln’ ♦ Dt. häkeln (Lard­
*sgri(t)s- ihren Ausgang nehmen”; schneider).
möglicherweise durch “sekundäre
(volksetymologische) Anlehnung an helfer ‘Helfer beim Preferancespiel [einer
die alpinoberitalienische Wortfamilie ist dabei der Spieler, die anderen zwei
(s)grič-, (s)gris- ‘brivido, solletico; sind die Helfer]’ ♦ Dt.-tir. (Lard­
ribrezzo ecc.’” (Gsell 1992b: 235). schneider).
grim ‘Bauchgrimmen’ ♦ Mhd. grimme hoca ‘altes, schlechtes Pferd’ ♦ Lard­
oder tir. grimm(εn) (Schöpf 213, Schatz schneider stellt das Wort offenbar zu
256) (Lardschneider). aca ‘dito’, kann es aber nicht weiter er­
klären. Aschenbrenner (1972: 95)
guínt ‘Schraubengewinde’ ♦ Tir. gwint verweist zu Recht auf tir. hâgge ~ hôg­
(Schatz 229). ► F guindol ge ‘mageres Weib’ (Schatz 270).
gulujía ‘Genäschigkeit, Lüsternheit’ ♦ It. huche(r)né ‘lange verweilen, “hocken”’ ♦
golosia (Lardschneider). Lässt sich im Tir. hokkn ~ hukkn (Schatz 299) (Lard­
EWD als Ableitung unter dem Lemma schneider).  hucher ‘einer, der gerne
golùs ‘gierig, lüstern’ einordnen. lange verweilt, “Hocker”’
gumier ‘Pflugschar’ ♦ Lardschneider stellt huza ‘Baumknollen’ ♦ Tir. hutzε
das Wort richtigerweise zu REW 9450, ‘Ball(en), Spielkugel’ (Schatz 308)
*vōmerea ‘dito’, unter dem auch mas­ (Lardschneider).
kuline nordit. Formen zu finden sind
(DIDE 232). Die ladinischen Formen
sind gemäß Elwert (1943: 38, 66) aus I
dem Nordit. entlehnt, gemäß Pellegrini
(1984: 110) direkt vom lat. Etymon. ► idrant ‘Hydrant’ (Das Lemma fehlt in
F Lardschneiders Original von 1933). ♦
Dt. Hydrant.
gura ‘altes, schlechtes Pferd’ (Das
Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­ iérum: ah iérum! ‘ja richtig, darauf hatte
nal von 1933). ♦ Geht wohl zurück auf ich jetzt ganz vergessen!’ ♦ Lard­
ein ahd. *gūrra zum Mask. *gūl, von schneider verweist auf Schöpf (292),
welchem nhd. Gurre resp. Gaul ab­ der das Wort als Euphemismus für
stammen (Belege für diese Worttypen Jesus ansieht. ► F
finden sich allerdings erst ab dem
13./14. Jh., vgl. Kluge/Seebold 1995: ih! ‘[Zuruf an die Zugtiere, um sie anzu­
302 und 343). Möglich ist natürlich treiben]’ ♦ Sollte im EWD unter dem
auch, dass eine tir. Entsprechung vor­ Lemma hì! ‘vorwärts [Zuruf ans
liegt (Aschenbrenner 1972: 94). Die Pferd]’ stehen. ► F i!, B
Herkunft der deutschen Wörter ist
allerdings unklar. intercstel ‘Hintergestell beim Pferdefuhr­
werk (auf das man die Schleifen [= pa­
lanch] legt)’ ♦ Tir. (Lardschneider;
Aschenbrenner 1972: 77).

38
interzescion ‘Fürsprache; Fürbitte; In­ Auflage von Kluge/Seebold (1995)
terzession’ ♦ Norditalianismus. Lässt heißt es: “(< 13. Jh.). Mhd. saf[f]rān ist
sich im EWD als Ableitung unter dem entlehnt aus afrz. safran, dieses aus
Lemma zéde ‘nachgeben, weichen’ ein­ span. azafrán, aus arab. za‘farān ‘Kro­
ordnen. ► (B interzede) kus’.”

iosto! ‘[Interjektion des plötzlichen Er­ jaghé ‘mutmaßen, verdächtigen, in Ver­


innertwerdens]’ ♦ Lardschneider zitiert dacht haben’ ♦ Lardschneider lässt die
Schöpf (292): “o Hear Jonschas nua”, Etymologie offen. Zu Recht lehnt er die
wobei Jonschas wohl eine euphemis­ Theorie Schnellers ab, dass dt. sagen
tische Verballhornung von Jesus dar­ ursprünglich diese Bedeutung gehabt
stellt. Interjektionen mit religiösen haben könnte und verweist auf Kluge,
Wortschatz werden in der Tat gerne nach welchem nhd. sagen schon seit
verballhornt. alters nur die heutige Bedeutung hatte.
Vermutlich ist aber auch gar nicht von
iredentist ‘Irredentist’ ♦ (Nord-)Italianis­ ahd. sagōn auszugehen, sondern von
mus oder Germanismus. ahd. sagēn, das gemäß Splett (1992)
und Köbler (1993) unter anderem die
izené ‘hetzen’ ♦ Lardschneider verweist Bedeutungen ‘behaupten, zuschreiben,
auf dt. hetzen sowie tir. hitzen, wobei er deuten’ hat. Von diesen ist es dann im
jedoch zugibt, dass letzteres nur ‘heiß Frame der Anklage ein leichtes, zu den
machen’ bedeute. Vielmehr scheint es ladinischen Bedeutungen zu gelangen.
mir daher angebracht, auf das Lemma Das grödnische Wort dürfte daher nicht
he5tzn bei Schatz (292) zurückzugreifen. unmittelbar mit gad. jaghè ‘plaudern’
Das e ist durch den darunter gesetzten zusammengestellt werden, wie Gsell
Punkt schon eigens als (besonders) ge­ (1989a: 160) meint, wohl aber mit fa.
schlossen markiert; möglicherweise jaghèr ‘supporre, sospettare; molestare’
wird es im ladinischen Ohr als i perzi­ und buch. jaghé ‘supporre, ammettere,
piert. Auf der anderen Seite könnte indovinare’. Die gad. Form dürfte eher
auch ven. izzare ‘aizzare’ (Prati 1968: zu ahd. sagen ‘sagen, reden, berichten,
86) den Vokalismus beeinflusst haben. versichern, bezeugen etc.’ oder sagōn
► (F izlenar)  izenadoi sm. ‘Hetzer’ ‘sagen, berichten’ zu stellen sein. Ein
Lemma jaghè fehlt im EWD. ► F
jagher, B
J
jambon ‘Schinken’ (Das Lemma fehlt in
jacanië/jachiné ‘kränkeln’ (Das Lemma
Lardschneiders Original von 1933). ♦
fehlt in Lardschneiders Original von
Lehnwort aus dem Französischen: jam­
1933). ♦ Ausgangsbasis ist eine suffi­
bon ‘dito’.
gierte Form von iacēre ‘liegen’, auch
‘(krank) darniederliegen’, wohl *iaci­
jandlel ‘Sanddorn (Hippophae
nāre.
rhamnoides)’ (Das Lemma fehlt in
Lardschneiders Original von 1933). ♦
jafaran ‘Safran’ ♦ Gemäß Lardschneider
Im ersten Bestandteil könnte man dt.
weist der grödnische Anlaut auf
Sand (zumindest eine volksetymolo­
Entlehnung aus ahd. Zeit, bei Kluge sei
gische Umdeutung nach selbigem),
ein safran, das letztlich auf ein arab.
ahd. sant mit “germanischem Diminu­
Etymon zurückgeht, jedoch erst ab
tivsuffix” plus “romanischem Diminu­
mhd. Zeit belegt. Auch in der letzten
tivsuffix” sehen.

39
in einem Glase eine Flüssigkeit hin und
jandlon → giandlon her rütteln’ (Schöpf 659, Schatz 562).
Dies ist aber lautlich und inhaltlich pro­
jarëc → giarët blematisch.

jarné ‘übervorteilen, benachteiligen’ (Das L


Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­
nal von 1933). ládesc ‘Meer; großer Fluss’ ♦ Gemäß
Lardschneider handelt es sich um eine
jarócul ‘verkrüppelter Baum oder Zusammensetzung aus dem bestimm­
Strauch; verdrehter, unaufrichtiger ten Artikel und Atagis: “vgl.
Mensch’ Schn[eller] 116: ‘... ad Atacem’ aus d.
Des. com. civ. Trid. 312, also kann
jenodl ‘Knie’ (Das Lemma fehlt in Lard­ man das lautlich besser passende Atacis
schneiders Original von 1933; dort ist nehmen”. Ist schwer nachzuvollziehen.
nur snodl verzeichnet.) ♦ Sollte im
EWD unter dem Lemma jonëdl ‘Knie’ laira ‘Leier’ ♦ Nhd. Leier (vgl. DIDE
stehen. ► (F jene(g)ion)  se jenudlé 244).
(ju) ‘(nieder)knien’
lamboscia ‘Jauche’ ♦ Lardschneider legt
jop ‘Menge, Haufe; soviel man mit zwei sich nicht fest und zitiert nur folgende
Händen fassen kann’ ♦ Lardschneider Hypothesen: la-im-boacia (Alton
fragt: “dt. Schock?” Dies überzeugt je­ 1879), lama ‘Sumpf’ (REW 4862),
doch lautlich nicht (ž < š? Ersatz des -k mhd. butze ‘Klumpen, der abgeschnit­
durch -p?). Das Wort kann einstweilen ten weggeworfen wird’ (vgl. EWRS
nicht weiter gedeutet werden. 531 zu fr. bouse, okz. boza). Keine
dieser Ansätze kann jedoch über­
junanza ‘Jugend [konkret]’ ♦ Fr. *jeun­ zeugen.
ance (Lardschneider). Lässt sich im
EWD als Ableitung unter dem Lemma lapelné/laplené ‘[mit Richtungsadverbi­
jónn ‘jung’ einordnen. en:] einen irgendwohin locken, “nar­
ren”’ ♦ Tir. lapplεn ‘einen zum Lappen
junëza ‘Jugend, Jugendlichkeit [abstrakt]’ haben, betrügen, spotten’ (Schöpf 368,
♦ Fr. jeunesse (Lardschneider). Lässt Schatz 373) (Lardschneider).
sich im EWD als Ableitung unter dem
Lemma jónn ‘jung’ einordnen. larifari ‘Geflunker, Wichtigtuerei’ ♦ Dt.
tir. larifâri ‘nichtssagende Sache,
juntoi ‘Strick zur Befestigung der Deich­ Tand’ (Schöpf 368, Schatz 374) (Lard­
sel am Joch’ ♦ Lat. iunctorium (Lard­ schneider). ► F
schneider). Lässt sich im EWD unter
junje ‘verbinden’ einordnen. lasa ‘Glatze’ ► F las

jupel ‘kurze Joppe’ ♦ Arab. g&ubba ‘baum­ ledam ‘Schmutz, Unrat’ ♦ Lardschneider,
wollenes Unterkleid’ + -ellum (REW Elwert (1943: 176) und Tagliavini
3951) (Lardschneider). (1934: 184) führen das Wort auf lat.
laetamen ‘Dünger’ (REW 4845) zurück
jutlé ‘rauschen’ ♦ Lardschneider stellt das (so auch REW 394), was lautlich
Wort zu dt.-tir. schwąttlεn ‘plätschern, durchaus überzeugt (vgl. auch Palla­

40
bazzer [1980: 110f.] bezüglich fass. Tagliavini (1934: 189) Recht zu geben,
sladamé ‘beschmutzen’). In seman­ wenn dort das Wort auf latro ‘Räuber’
tischer Hinsicht sollte man zumindest (resp. [herba] latrōnum) zurückgeführt
erwähnen, dass “Dünger” im agrari­ wird (vgl. auch Merkens 1956: 113f.).
schen Bereich eher positiv, “Schmutz, Dass nebentoniges -a- zu -i- wird,
Unrat” dagegen eher negativ assoziiert findet sich auch in anderen Wörtern. ►
ist. Hier mag aber die kulturelle B liron
Entwicklung eingewirkt haben. Man
kann jedoch auch mit Einfluss eines limpea ‘mit ihm, mit ihr, zusammen, da­
kelt. ligita ‘Schlamm’ rechnen (Grzega mit’ ♦ Lat. (ille) in paria ‘jener zu­
2001: 198, Gsell 1997: 140f.). ► F B gleich’ (Lardschneider).

lëis ‘starr, lahm’ ♦ Lat. laesus ‘verletzt, lina ‘der 1 dm breite Saum innen unten
versehrt’ (REW 4844) (Lardschneider). am chitl’ ♦ Lardschneider gibt keine
► F B leis Etymologie an. Möglicherweise stammt
das Wort von einer vlat. Variante *līna
lënta ‘Linse (als Frucht und optisch)’ (Das zu līnea ‘Zeile, Linie’, für die es aber
Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­ zugegebenermaßen sonst keine Hin­
nal von 1933). ♦ Lat. *lenta, rückge­ weise gibt.
bildet aus lentem ‘dito’ (REW 4979).
lincant ‘Versteigerung’ ♦ Die Variante
lësc sm.: reves da lësc ‘gesottene Rüben’ fehlt im EWD unter incànt, wo nur
♦ Lat. lix ‘Lauge’ (Lardschneider). grödn. incant verzeichnet ist.

lesta sf. ‘der letzte Schlag bei einem Fang­ lindorna ‘Schnecke’ ♦ Lardschneider gibt
spiel der Kinder’ ♦ Tir. letzter (Lard­ keine Etymologie an. Die gleiche Form
schneider). mit gleichem Inhalt taucht auch im
Engadinischen auf und wird im REW
lëuden ‘Loden [Art Wollstoff]’ ♦ Tir. (4885a) auf mhd. landern ‘schlendern’
loudn ‘dito’ (Lardschneider, Boquoi- zurückgeführt, was jedoch inhaltlich
Seifert 1984: 59). ► F loden problematisch ist.

levigia ‘[eine Goldmünze: es gab leviges lingian sm.: fé da lingian ‘schwindeln,


scëmples und leviges doples]’ ♦ Ab­ betrügen [beim Kartenspiel, bei
leitung zu Luigi (Lardschneider). Lard­ Kinderspielen]’ ♦ Lässt sich im EWD
schneider meint, dass der Geschlechts­ als Ableitung unter dem Lemma in­
wandel auffällig sei, doch sind gerade gianè ‘täuschen, betrügen’ einordnen.
in der Romania Metonymien mittels ► (F lingera)
Genuswandel nicht unüblich.
lingiola ‘Eidechse’ ♦ Lardschneider lehnt
lidron ‘Klatschmohn (Papaver rhoeas)’ ♦ die Etymologie lacerta ‘Eidechse’ im
Lardschneider gibt keine Etymologie REW (4820) ab, weiß jedoch keine
an. In einigen östlichen Mundarten Alternative zu geben. Die enneber­
wird der Klatschmohn bisweilen als gische Form arbjaia ‘dito’ dürfte ent­
Zigeunerkraut (vgl. auch kroat. gegen Lardschneiders Ansicht nicht
ciganka) bezeichnet (vgl. Marzell III: hierher gehören. Im AIS (449) ist für
561). Daher ist wohl dem REW (4931), Gröden nur die Form r6ing!óla verzeich­
Pedrotti/Bertoldi (1930: 196f.) und net (Selva). Diese könnte aber wei­

41
terhelfen: vielleicht steckt hinter
diesem Typ ein lat. raniōla von rana listés pron.dem.inv. ‘dasselbe’ ♦ Ven. l’is­
‘Frosch’. Verwechslungen und Kreu­ tesso ‘dito’ (Lardschneider). Sollte im
zungen mit der Bezeichnung für den EWD unter dem Lemma instës ‘selbst’
Frosch hält schon Klett (1929: 37, 63) stehen. ► F stes, F listesc B stâsc
in seiner Dissertation für französische
und (mittel- und süd-)italienische lobl ‘Laib Brot’ ♦ Tir. lâb(l) ~ loab(l)
Mundarten fest. Es kann sich aber auch ‘dito’ (Schöpf 359, Schatz 368) (Lard­
um Einfluss von lat. lancea ‘Lanze’, schneider, Elwert 1943: 247; Zanotti
gewissermaßen lanceōla, handeln; auch 1990: 99). ► F labl
hier vergleiche man Klett (1929: 56),
der aber nur für das Unteritalienische loca ‘Lache, Pfütze’ ♦ Tir. ląk(kε) ‘dito’
Tochterformen mit suffigiertem -otto (Schöpf 362, Schatz 370) (Lard­
auflistet. Vortoniges a vor Nasal kann schneider, Elwert 1943: 246; Zanotti
durchaus zu i werden. Eine dritte 1990: 100). ► F B
Möglichkeit ist, von lat. anguis
‘Schlange’ (REW 462) + -ōla + agglu­ locer ‘Krummeisenhobel, um Dachbretter
tiniertem bestimmten Artikel auszuge­ rechts und links mit einer Rinne zu
hen (vgl. Griera [1928: 27] und [Klett versehen’ ♦ Wohl zu → lucë ‘Dach­
1929: 60] für AIS-Punkt 193). Schwie­ bretter (mit dem locer) mit Rillen
rigkeiten bereitet in allen drei Theorien versehen’ zu stellen. ► (B loi ‘Krum­
das g&, denn im ersten Fall wäre ñ zu meisenhobel’?)
erwarten, im zweiten nč, im dritten ng.
Die zweite These ließe sich stützen, lola ‘ungeschicktes, unangenehmes, ge­
wenn man von einer Vorstufe lincióla schwätziges Weib’ ♦ Tir. lolla ‘kin­
ausgeht, wo man einen Zwang verspü­ disches Mädchen’ (Schöpf 362) (Lard­
ren konnte, das Wort deutlicher von schneider) bzw. lollε ‘derbes, kräftiges
grödn. lincióla ‘Zirbelnuss’ trennen zu Mädchen’ (Schatz 394) – letzten Endes
müssen. Die dritte These ließe sich wohl expressiven Ursprungs.
stützen, wenn man von folgender
Entwicklung ausgeht: *anguiola > losa ‘Radspur, Geleise’ ♦ Tir. lais, loas
*angiola (Vereinfachung des Tri­ ‘dito’ (Schöpf 362, Schatz 369) (Lard­
phthongs) > *anžola/*andžola (mit schneider, Elwert 1943: 108; Pallabaz­
Einschub eines Gleitkonsonanten oder zer 1980: 62, Zanotti 1990: 101). ► F
alternierender Entwicklung wegen B
Seltenheit der Kombination -ngi&-) (vgl.
dazu auch LEI II: 1235ff.). Die Arbeit loxir ‘Abführ-, Laxiermittel’ ♦ Tir. lągsíεr
von Klett zeigt aber ohnehin, dass die ‘dito’ (Schatz 379) (Lardschneider).
(volksetymologischen) Varianten der
Eidechsennamen so zahlreich sind, lubrí ‘falten, biegen’ (Das Lemma fehlt in
dass gewisse Typen nur lokal oder Lardschneiders Original von 1933). ♦
kleinregional begrenzt sein können und In Lardschneiders Original ist nur die
außerdem zahlreichen unregelmäßigen Form rublí verzeichnet. Auch die l-
Lautwandeln unterliegt, dass dies kein Form ist natürlich im EWD zu lobrí
“obstacle majeur” darstellen sollte. ‘falten, einen Nagel umschlagen, löten’
(Grzega [2002] beschäftigt sich zu stellen (vgl. dazu Gsell 1993b: 178).
intensiver mit den übrigen ladinischen
Eidechsennamen). ► F gnignola lucë ‘Dachbretter (mit dem locer) mit

42
Rillen versehen’ ♦ Ahd. lucka ‘Lücke, Tirol. [EWD IV: 265]), doch ist dies
Zwischenraum, Öffnung, Luke’ (Lard­ semantisch abwegig. Viel eher scheint
schneider). Ist das Wort zu lóćia eine Ableitung von lat. lutum ‘Kot’,
‘Lücke’ zu stellen?  locer ‘Krum­ luteus ‘kotig’ (Ableitungen davon auch
meisenhobel, um Dachbretter rechts in Oberitalien, vgl. FEW V: 476), lutā­
und links mit einer Rinne zu versehen’ re ‘beschmutzen’ dahinterzustecken.
Da würde sich lautlich ein *(terra)
lujonga ‘Rückkaufbedingung (ein altes lutōrāria anbieten. Allerdings würde
Recht, ein verkauftes Objekt zum alten ein Adjektiv *lut-(t)or-ārius die
Preis wieder zurückzunehmen)’ ♦ Das Bedeutung ‘zum Beschmutzer gehörig’
Wort ist im EWD zu lijunga ‘Ertrag bedeuten. Möglicherweise ist dann
des Feldes’ (EWD IV: 213 bzw. 241) doch eher ein Adjektiv *lut-āria (wo
zu stellen. Ausgangsform ist ahd. lô­ das Zugehörigkeitssuffix direkt an den
sunga oder mhd. loesunge ‘Geldein­ Nominalstamm, lut(um), tritt) anzu­
nahme, Erlös’ (Gsell 1989a: 162, setzen; über eine Zwischenstufe
1993b: 177). *lutrāria (Assimilation) gelangte man
dann zu lutrèa. Es könnte aber auch
lustrel ‘Luchs’ ♦ Lardschneider gibt keine eine Kontamination von Wörtern vor­
Etymologie an. In der Tat kann das liegen.
Wort auf lat. lynx nicht zurückgeführt
werden. Als möglicher Ausgangspunkt M
böte sich lat. lustrum an, das neben
‘Morast, Schmutz; Ort, an dem sich die magia ‘Jucken, Beißen’ ♦ Gemäß Lard­
Schweine wälzen’ auch die Bedeutung schneider eine Derivation zu magé
‘Aufenthalt der Tiere im Wald, Wild­ ‘fressen’.
höhle, Wildbahn, Wildlager’ hat. Das
Suffix -el dürfte dann – wie sehr häufig mai! ‘Ach Gott! Oh mein!’ ♦ Tir. mai(n)
bei sog. Diminutivsuffixen zu beobach­ ‘mein’ (Schöpf 431, Schatz 421) (Lard­
ten – zum Ausdruck einer kontigen schneider) – wohl von mei(n Gott).
(metonymischen) Assoziation dienen:
der Luchs ist derjenige, der in der maië ‘essen’ ♦ Lardschneider hütet sich
Wildhöhle/Wildbahn lebt. Getrübt wird vor einer Festlegung und verweist dar­
diese Sicht freilich durch die Tatsache, auf, dass obw. lomb. maglia im REW
dass lustrum nur sehr sporadisch belegt (5235, 5292) zu lat. *magulum gestellt
ist (vgl. FEW V: 475, REW 5183, Faré werden. Dies scheint auch für die gröd­
5183). nische Form eine wahrscheinliche Ety­
mologie zu sein.  maia ‘was man für
luté ‘löten’ ♦ Lardschneider vermutet die Mähzeit zum Essen auf die Alm
mhd. loeten dahinter. führt’
lutrèa ‘schlammiger, vom Regen auf­ maioch ‘Wäschebleuel; Starrkopf’ ♦ Lat.
geweichter Boden’ ♦ Lardschneider malleus ‘Hammer, Schlachtbeil’ + -uc­
sieht das Wort als Derivation zu luter cus (Lardschneider, Elwert 1943: 96).
‘lauter, dünn; lau in religiöser Hinsicht’ Lässt sich im EWD als Ableitung unter
(vgl. auch gad. lüter ‘weich, teigig (von dem Lemma mài ‘Schmiedehammer’
Speisen)’, < mhd. lûter ‘lauter, klar, einordnen. ► F maoch
rein’, möglicherweise auch ‘dünn­
flüssig (von Suppen, Brühen)’ wie im majaran ‘Majoran’ ♦ Dt. Nebenform Ma­

43
seran (etwa bei Hans Sachs) (Lard­ Auch buch. (marmaia), aber bei Pelle­
schneider). grini/Masarei verzeichnet. ► F mar­
maa
majaré ‘bleichen’ ♦ Lat. mācerāre ‘ein­
weichen, mürbe machen’, vermutlich marsc+! ‘pack dich! loś’ ♦ Sollte im
über it. macerare (Lardschneider). EWD unter dem Lemma màrsc ‘los,
marsch!’ stehen (wie grödn. marsc
mandra ‘eingezäunter Raum für Ochsen ‘Marsch’).
auf der Weide; Höhlung, wo die
Ochsen Schutz suchen können’ ♦ Lat. maruc ‘Heuhäufchen [wie man es bei der
mandra ‘Herde’ (REW 5290) (Lard­ Heuarbeit macht, damit das Heu trock­
schneider). ► F net, bes. wohl damit es nicht in der
Nacht zu feucht wird]’ ♦ Vor allem in
manduchel ‘Gliederpuppe’ ♦ Lard­ der Padania gut belegt. Laut Lard­
schneider vermutet folgende Entwick­ schneider, Tagliavini (1934: 201), Mer­
lung: “vgl. lautlich und begrifflich frz. kens (1956: 121), Heilmann (1980: 67)
mannequin, aus dem mndl. mannekin, und Elwert (1943: 208) ist von lat.
viell. so, dass diese Figuren von *marra ‘Haufen, Geröll’ + -uceus
hausierenden Grödnern erst aus Frank­ (REW 5369) auszugehen, wobei er auf
reich bekannt geworden wären”. Dies ven. marela ‘Heuschwaden’ verweist.
passt begrifflich. Lautlich müsste man ► F maraut, marodel, B  maru­
dann aber etwa folgende Entwicklung ciamënt ‘eine Menge Heuhäufchen’
annehmen: mannequin > manechel
oder manuchel (frz. Auslaut durch masaron ‘schief gewachsener Baum’ ♦
grödn. Suffix eingetauscht! Doch Ahd. masar ‘Maser, knorriger Aus­
weshalb Vokalwechsel? Schwa falsch wuchs an Bäumen’ (Lardschneider).
gehört?) > manduchel (in Anlehnung
an grödn. mandl ‘Holzfigur, einen mascët ‘kleine Verrichtung, kleines Ge­
Mann darstellend’ – dann lässt sich der schäft, Botengang’ ♦ Lardschneider
Eintrag im EWD unter màndl ‘gutaus­ vergleicht das Lemma mit tir. maschett
sehender junger Mann; Stofffigur’­ ‘eine Art Agent beim Wareneinkauf’,
stellen). welches Schöpf (426) auf rom. masser
zurückführt, legt sich aber sonst auf
mansèster ‘Cordsamt (ein Baumwoll­ keine Etymologie fest. Gsell (1990a:
samt)’ ♦ Tir., wohl vom Ortsnamen 123) stellt das Wort jedoch zu Recht zu
Manchester (Lardschneider) (Zanotti gad. massàc ‘kleine häusliche Verrich­
1990: 105). ► F mansest tungen’ (EWD IV: 349 und 351) und
führt die Sippe zusammen mit dem aus
mantilia ‘Paletot, Kragenmantel’ ♦ It. dem Trent. stammenden tir. maschett
mantiglia ‘dito’ (Lardschneider). auf lat. mesītes ‘Makler’ zurück: “Die
ladinische Sonderentwicklung könnte
mariasc ‘Mariage (Kartenspiel)’ ♦ Von durch ven. messo ‘messaggiero’ [...],
tir. maria(t)schn ‘Mariage spielen’ aber auch ‘messaggio’ [...], beeinflußt
(Schöpf 424, Fink 185) (Lard­ sein, möglicherweise auch durch den
schneider). Worttyp massar(o) ‘fante, servo’.”

marmaia ‘Kinderschar; Gesindel’ ♦ It. mauch ‘Frühlingssafran (Crocus albiflo­


marmaglia ‘Gesindel’ (Lardschneider). rus, Crocus vernus); Sommersprosse’ ♦

44
Es liegen wohl zwei Lexeme vor. Für gen zurückgehen soll. Wenn mecn auf
‘Sommersprosse’ ist die fass. Bedeu­ ein dt. Wort zurückgeht, ist ein -n wohl
tung ‘Furunkel’ ausschlaggebend. Ety­ als Partizip-II-Endung eines starken
mon scheint tir. mauk ‘Erkrankung der Verbes zu deuten, was mögen (mit für
Klaue, des Hufes’ (Schatz 419) zu sein die Präterito-Präsentia typischem
(genauere Beschreibung der Krankheit schwachen Partizip gemocht) dann aber
in einem Lexikon-Zitat unter dem ausscheiden lässt. Eher ist auszugehen
Lemma mauke ~ mauche im DW [X: von einem ahd. megīn ‘stark, mächtig’.
1782]: “ist eine kleine Geschwulst,
welche sich an denen füszen der pferde medel ‘Kochhütte auf der Alpe in der
unter den langen haaren zwischen den Nähe des Heustadels’ ♦ Lat. mētāle
fesseln setztet, endlich aufbricht, und ‘kegelförmig’ (REW 5549) (Lard­
grindigt wird”) (vgl. auch Grzega- schneider). Zur Bedeutungsentfaltung
L.).► F vergleiche man im REW val-soan.
mual, lyon. mio ‘Heuschober’. ► F
mazapúlesc ‘[kindersprachl.:] Daumen’ ♦ medel, (F medil?)
Grödn. Kompositum (Lardschneider),
wobei der zweite Teil auf lat. pūlex mëinacrëp ‘Bergführer’ ♦ Kompositum
‘Floh’ zurückzuführen ist, der erste je­ aus mené ‘führen’ + crëp ‘Fels, Berg’.
doch lautlich auf mazé ‘töten, schlach­ Lässt sich dann auch unter den gleich­
ten, ermorden’. Das Wort lässt sich im lautenden Lemmata im EWD einord­
EWD entweder unter mazè ‘töten’ oder nen.
unter püresc ‘Floh’ einordnen. ► F
mëinamusa ‘Schwätzer’ ♦ Grödn.
se mblaté ‘sich blähen’ (Das Lemma fehlt Kompositum aus mené ‘führen’ + musa
in Lardschneiders Original von 1933). ‘Maul, Mund’ (Lardschneider).

mbué ‘durch Aufnahme von Feuchtigkeit melciafiá ‘schlecht gekleidet’ ♦ Kompo­


anschwellen [z.B. Fensterladen, Tür­ situm aus mel ‘schlecht’ + PP von cia­
rahmen, so dass sie dann schwer auf- fië ‘genug haben, auskommen mit
und zugehen]’ ♦ Lat. imbuēre ‘befeuch­ einem gegebenen Vorrat; die beab­
ten’ (Lardschneider). Eigenartig ist, wie sichtigte Arbeit mit dem gerade zur
Lardschneider zu Recht bemerkt, dass Verfügung stehenden Werkzeug aus­
das Wort sonst im Romanischen nicht führen können’ (Lardschneider).
vertreten zu sein scheint (außer ge­
lehrtes fr. imbuer ‘befeuchten’). Bzgl. meldant ‘Bauchweh, Sodbrennen’ ♦
der inhaltlichen Entwicklung wäre zu Grödn. Kompositum (Lardschneider).
bemerken, dass es sich hierbei um Ist wie gad. mè dànt (sowie mè de vën­
einen Umsprung handelt, den Blank ter) ‘Brustleiden, Magenleiden’ unter
(1998) als Auto-Konverse bezeichnet, mè ‘Übel’ einzuordnen.
der dann von einer Metonymie gefolgt
wird: ‘befeuchten’ > ‘feucht werden’ > melsëch ‘Abzehrung, Schwindsucht’ ♦
‘wegen Feuchtwerden anschwellen’. ► Grödn. Kompositum (Lardschneider),
F mboar, B mbué aus mel ‘schlecht’ + sëch ‘fest’. Ist wie
gad. mè sëch ‘dito’ unter mè ‘Übel’
mecn ‘gewachsen, überlegen’ ♦ Lard­ einzuordnen.
schneider selbst legt sich nicht fest,
verweist aber auf eine Theorie Gart­ mënda ‘Beanstandung, Bemängelung’ ♦
ners, nach der das Wort auf mhd. mö­

45
Lat. menda ‘Schreibfehler; Körperge­ zu finden scheinen. Eine Verbindung
brechen, Fehler’ (Lardschneider). zwischen ‘dumm’, ‘albern’ und ‘Junge;
Mädchen’ scheint es auch bei
mesel ‘gesundheitlich mittelmäßig (d.h. romanischen Formen mit einem Stamm
nicht gerade krank, aber auch nicht *matt- zu geben, den einige auf
ganz wohlauf)’ ♦ Lardschneider vermu­ *mattea ‘Keule’ (vgl. REW 5426),
tet eine lat. Zusammensetzung medius andere auf *mattus ‘feucht; betrunken’
‘mittler; mittelmäßig’ + -ellus. Ein me­ (vgl. FEW VI,1: 524; HWR I: 471) zu­
diusellus wäre aber von der lat.-rom. rückführen. Da der semantische Um­
Wortbildung her äußerst ungewöhnlich; sprung aber in vorliterarischer Zeit
höchstens wäre ein medi(c)ellus zu stattfand, kann man nicht genau sagen,
erwarten, was aber keine Vorstufe zu welche Bedeutung über welche Bedeu­
mesel sein kann. Gamillscheg (1935: tung entstanden ist (‘dumm’ > ‘Junge’
282) führt das Wort auf lat. misellus oder ‘Junge’ > ‘dumm’ oder ganz un­
‘gar elend, gar unglücklich’ zurück, abhängig von einer anderen Vor-Be­
was überzeugender ist (so auch REW deutung).
5607).
milba ‘Milbe’ ♦ Dt. Milbe (Lard­
mespies [nach lokalen Präpositionen wie schneider).
a, via per, ja] ‘am Fußboden’ ♦ Lat.
medios pedes, wörtlich ‘mittlere Füße’ míncherli sm.pl. ‘kleine, würfelförmige,
(Lardschneider). Lässt sich im EWD aus gegorenem Teig hergestellte, in
als Ableitung unter dem Lemma méz Schmalz gebackene Mehlklöße, mit
‘halb’ einordnen. Mohn gefüllt’ ♦ Tir. minkerlen ‘dito’
(Lardschneider).
mestura ‘dickes Gemengsel (von einer
Speise)’ ♦ Lat. mixtūra ‘Gemisch’ mor ‘Mohr’ ♦ Dt. Mohr (Lardschneider).
(Lardschneider). ► F mistura
mostra: ala mostra ‘sehr’ ♦ It. mostra
mëur ‘Knabe’ [ebenso: mëura ‘Mäd­ oder Derivation zu mustrè ‘zeigen’
chen’] ♦ Lardschneider kann keine Ety­ (Lardschneider). Lässt sich dann unter
mologie angeben, schreibt lediglich: im EWD unter mostrè ‘zeigen’ einord­
“Akk. v. major lautlich kaum nen.
möglich”; ebenso wenig der Nomina­
tiv. Auch bei Pauli (1919: 385) heißt es mpatussá ‘verwirrt, verwickelt’
nur: “d’etymologie inconnue”. Lautlich (Das Lemma fehlt in Lardschneiders
möglich scheint mir lat. mōrus ‘när­ Original von 1933).
risch, albern’. Inhaltlich dürfte die
Entwicklung nachvollziehbar sein mpëni ‘Verpflichtung, Eifer, Engagement’
(Kinder sind albern), auch wenn es da­ (Das Lemma fehlt in Lardschneiders
für wenig direkte Parallelen in anderen Original von 1933). ♦ Wohl erbwörtli­
Dialekten oder Sprachen gibt. Bei Buck che Nebenform zu mpenio ‘Einsatz,
(1949: 92) finden wir zumindest in Engagement’ (zu EWD gad. pëinch
ngrch. mwrÒ ‘Kind’ < agr. mwrÒj ‘Wetteinsatz’), wo schon grödn. mpé­
‘dumm, dümmlich’ (vgl. auch ir. noid­ nio ‘Einsatzfreude, Energie’ verzeich­
he ‘Kind’ < *no-widiōn- ‘nicht net ist. ► (B mpigné)
wissend’) eine ähnliche Entwicklung.
Nachteilig ist aber, dass sich ansonsten se mpiciadrí ‘sich versündigen, eine
keine roman. Fortsetzer des lat. Wortes

46
Sünde begehen’ ♦ Gemäß Lard­ meln’ mit Metathese (Lardschneider).
schneider Derivation zu piciadëur  muferlamënt ‘undeutliches Reden’
‘Sünder’. Wäre im EWD unter pićé
‘sündigen’ zu stellen. mujenëi ‘steiniges Wiesenstück’ ♦ Lat.
*muzina ‘Steinhaufen’ (REW 5800) +
mpontamostro ‘nach oben, aufwärts’ ♦ -ētum, ergo *muzinētum (Lard­
Lat. in + puncta + mostro ‘ich weise schneider).
hin’ (Lardschneider).
mula ‘das letzte Fuder Heu von der Alpe
mpralauter/mprolauter ‘nebeneinander, [es ist kleiner als die früheren]’ ♦ Lard­
beieinander’ ♦ Grödn. Kompositum aus schneider legt sich nicht fest, zitiert le­
lat. unum prope (ad) illum alterum diglich Tetzners These von lat. mutilus
(Lardschneider). Wäre im EWD unter ‘verstümmelt’. Mit Blick auf die Se­
ater ‘ander’ zu stellen. mantik ist aber wohl besser von einer
vorröm. Form *mut(t)-ila ‘kleine Bo­
mpulsá ‘beseelt’ ♦ Lardschneider gibt als denerhebung’ auszugehen. Zur Wurzel
Etymon it. impulsato an. Doch lässt *mutt- ‘Bodenerhebung’ und seine se­
sich diese Form im (Standard-) mantischen Entwicklungen (wie ‘Hau­
Italienischen nicht nachweisen, so dass fen’ [z.B. nfr. motte], ‘Hügel’ [z.B. afr.
wohl von einer grödnerischen Bildung motele], ‘gepresste Gerberlohe’ [z.B.
zu it. impulso ‘Antrieb, Anstoß’ aus­ nfr. motte]) vgl. Grzega (2001: 212f.).
zugehen ist.
mulesté ‘belästigen’ ♦ It. molestare ‘dito’
muché1 ‘verdrießen’ ♦ Lardschneider gibt (Lardschneider). ► F molestar, B mo­
keine Etymologie an. Sollte im EWD lesté
unter dem Lemma mochè ‘verdrießlich
sein, Ärger haben’ (dieses wiederum ist munfrina ‘[ein Tanz]’ ♦ Lardschneider
im EWD unter móch ‘Docht, Stum­ gibt keine Etymologie an, verweist le­
mel’) stehen (vgl. auch Gsell 1990a: diglich auf ven. monfrina. Im DEVI ist
128). nur die Variante manfrina verzeichnet,
von der wohl die fass. Form stammt.
muché2: se la muché ‘sich heimlich und Das Wort geht auf monferrina ‘zu
eilends davonmachen’ ♦ Lardschneider Monferrato gehörig’ zurück (DEVI
führt das grödn. Wort auf ein wtir. mo­ 279). ► F manfrina
carsela ‘fliehen’ zurück. Das REW
(5706) hingegen sieht das Wort als munghené ‘mit der Mange(l) [dem
Entlehnung aus dem Venezischen an: Glättholz] glätten’ ♦ Derivation von
ven. mokarsela ‘sich aus dem Staub mąngεn ‘Tuch pressen, Tuch glätten’
machen’ (< *mukkāre ‘schnäuzen’, vgl. (Schatz 412) (Lardschneider). Fass.
Prati 1968: 105). ► B mucé manghen dürfte dagegen mhd. sein. ►
F monghener, (manghen?)
mueter ‘Weinmutter [d.h. Hefe im Wein]’
♦ Tir. mueter ‘dito’ (Schöpf 447, Fink N
195) (Lardschneider).
ncantëur ‘herum, umher’ ♦ Lat. in + eccu
muferlé ‘still, undeutlich reden; sich im + hac + in tornum ‘im Kreis’ (Lard­
Stillen, im Geheimen erzählen’ ♦ Tir. schneider).
murflen ‘unverständlich reden, mur­

47
se ncarunië ‘sich auf etw. (Schlechtes, nfiré
Schädliches) einlassen’ ♦ It. incarog­
narsi ‘dito’ (Lardschneider). (se) nfiré ‘(sich) versorgen’ ♦ Gemäß
Lardschneider handelt es sich beim
ncertlé ‘mit Reifen umspannen’ ♦ Lässt Substantiv nfir um eine Wiedergabe
sich im EWD als Ableitung unter cërtl von tir. in für (kaufen). Davon soll sich
‘Reifen’ einordnen. ► F ncerciar dann das Verb se nfiré ableiten. Die tir.
Wendung finde ich jedoch nicht belegt.
ncësa ‘Heimat’ ♦ Kompositum aus lat. in Intuitiv möchte man außerdem ange­
(bzw. grödn. n) + lat. casa (bzw. sichts der Bedeutungen viel eher vom
grödn. cësa). Verb ausgehen. Es scheint mir daher
viel angemessener von folgender Filia­
se nciuté ‘zu gefrieren beginnen’ ♦ Ge­ tion auszugehen. Im REW (3250)
mäß Lardschneider ein grödn. Zu­ finden wir das Lemma fēria ‘Feiertag,
sammensetzung aus in + ciot ‘Quark, Jahrmarkt’. Die einzelnen Verbala­
“Tschotten” [tir.]’, was semantisch je­ bleitung lassen auf Entwicklung ‘fei­
doch wenig überzeugen kann. ern’ (z.B. ait. feriare), ‘für einen/den
Feiertag einkaufen’ (vgl. valsug.
se ncunferté ‘sich auf etw. freuen’ ♦ (n)ferar la spoza ‘der Braut den
Sollte im EWD als Ableitung unter Schmuck kaufen’) und schließlich ge­
dem Lemma comfortè ‘trösten, stärken’ neralisierend ‘einkaufen’ (pg. feirar)
einordnen (wie fass. se inconfortèr schließen. Von ‘einkaufen; für den Fei­
‘sich trösten, sich freuen’). ertag einkaufen’ ist der Weg zu ‘sich
versorgen; sich Vorräte zulegen’ nun
ndëmia ‘geschäftige Lustigkeit; teuf­ nicht mehr weit. Auch lautlich dürfte es
lische, wahnsinnige Freude’ bei einem Ansatz *ìnfēr(i)āre kaum
Bedenken geben.  nfir ‘als Vorrat,
ndëur ‘zurück, hinten’ (Das Lemma fehlt im vorhinein’
in beiden Auflagen des Wörterbuchs
von Lardschneider). ♦ Ist gemäß Gsell se ngeneré ‘sich vermehren’ ♦ Lässt sich
(1989a, 157) zu gad. indò zu stellen im EWD als Ableitung unter dem
und geht auf lat. in + advorsum ‘zu­ Lemma generè ‘erzeugen’ einordnen.
rück’ zurück. Im EWD wird indò
allerdings als Tochterform von in + dē­ ngranda: ala ngranda ‘nobel, vornehm’
pos(t) gedeutet. (Das Lemma fehlt in Lardschneiders
Original von 1933). ♦ Wohl grödn. Zu­
ndlu(v)é ‘mit einer oder mehreren Steck­ sammensetzung aus lat. in + grandem.
nadeln festheften’ → dluva ‘Steckna­ Lässt sich im EWD als Ableitung unter
del’ dem Lemma gràn ‘groß’ einordnen.

ndurmenzé ‘einschläfern’ ♦ Lat. *indor­ ngraviné ‘vermuren’ ♦ Grödn. Zu­


mentiāre ‘dito’ (REW 4382) (Lard­ sammensetzung aus lat. in + gravinia
schneider, Tagliavini 1934: 645). Lässt ‘Mure’ (Lardschneider). Lässt sich im
sich im EWD als Ableitung unter dem EWD als Ableitung unter dem Lemma
Lemma dormì ‘schlafen’ einordnen. ► grà(v)a ‘Kiesufer, Bachbettgestell’ ein­
F ndormenzar, B ndormenzé ordnen.

nfir ‘als Vorrat, im vorhinein’ → (se) ngrënsc ‘mürrisch, barsch, wortkarg’ ♦

48
Lardschneider legt sich auf keine Ety­ selten auch zu pejorativen Zwecken bei
mologie fest, fragt sich aber, ob in­ Personenbezeichnungen verwendet
gressus ‘einherschreitend’ (REW 4431) wird, zu interpretieren. Vgl. außerdem
dahinterstecken könnte. Lautlich und → niòch.
inhaltlich problematisch. ► B ngrenje
nmez ‘hin, hinzu’ (Das Lemma fehlt in
niehter ‘nicht betrunken’ ♦ Tir. niεchtεr Lardschneiders Original von 1933). ♦
‘dito’ (Schatz 456) (Lardschneider). Lautlich gesehen liegt eindeutig lat. in
+ medius ‘mittel’ vor. Die Wortbildung
niòch ‘Angsthase’ ♦ Lardschneider fasst muss man im Gegensatzpaar nmez ‘hin­
diesen mit dem vorangehenden Eintrag zu’ vs. demez ‘weg’ verstehen. Lässt
zusammen. Dies bereitet jedoch seman­ sich im EWD als Ableitung unter dem
tisch Probleme. Man vergleiche dazu Lemma méz ‘halb; Hälfte’ einordnen.
besser das lautlich und inhaltlich nahe
niorlo im nächsten Eintrag. Wie letz­ nruzé ‘einem Tier einen Reif oder auch
teres wäre nioch verwandt mit sp. ñoño nur eine Schnur so um ein Kniegelenk
(< lat. nonnus, REW 5817, letztlich ex­ binden, dass es nicht mehr schnell
pressiven Ursprungs [DCECH IV: 255, laufen kann [bei Tieren, die gern von
DCELC III: 537]), wobei die zweite der Herde weglaufen]’ ♦ Ließe sich im
Silbe dann durch ein expressives -k EWD als Ableitung unter ròz ‘Reif’
ersetzt worden wäre. Im EWD findet einordnen. Das buch. nrozè ist fälschli­
sich unter dem Lemma gnòch ‘Mehl­ cherweise unter róz(za) ‘Klepper’ ein­
kloß’ der Eintrag grödn. niòk ‘Nocken; geordnet (Gsell 1994b: 341). ► F inro­
Dummkopf’; bei letzterer Bedeutung zer
handelt es sich wohl um unser Wort.
Doch glaube ich nicht, dass diese mit se ntafië ‘sich vollfressen’ (Das Lemma
‘Nocken’ unter einen Hut gebracht fehlt in Lardschneiders Original von
werden kann. Vgl. außerdem → niòrlo. 1933). ♦ Es liegt wohl letzten Endes
eine expressive, lautmalerische Wurzel
niòrlo ‘Dummkopf; unbeholfener Bur­ vor. Man vergleiche dazu camp. laz.
sche’ ♦ Lardschneider gibt keine Ety­ taffio ‘pranzo, pasto; cibo’ (DIDE 428;
mologie an, verweist lediglich auf trent. DEI V: 3697).
gnorlo ‘dito’ (Ricci), woher das Wort
wohl auch stammt. Man vergleiche dar­ se ntané ‘sich einnisten’ ♦ Lässt sich im
über hinaus den frl.-ven.-kalabr.-siz. EWD als Ableitung unter dem Lemma
Typ gnógno ‘stupido, sciocco’ (auch tàna ‘Höhle’ einordnen (vgl. Gsell
neap. in der Bedeutung ‘timido’), wel­ 1999b: 253).
chen das DIDE (225) in Anlehnung an
das DEI und andere auf span. ñoño ntarené ‘(den Schnee) mit Erde, Asche,
‘timido, impacciato’ (gem. DCELC Sand bestreuen (damit es früher aper
[III: 537] expressiven Ursprungs) zu­ wird)’ ♦ Lässt sich im EWD als Ab­
rückführt. Im Ladin. ist das Wort auf­ leitung unter dem Lemma tarëgn
grund des auslautenden -o sicher ein ‘schneefrei’ einordnen (Gsell 1999b:
Lehnwort. Doch wie erklärt sich -rl-? 253). ► F anterenar/interer/nterenar,
Möglicherweise wurde das Wort volks­ B nteré
etymologisch an (si)gnore angelehnt,
das als familiäre Form im DEI (III: nterciá ‘eine Reihe der übereinanderge­
1836) verzeichnet ist; -(o)lo wäre dann legten Bretter des Schindeldaches’ ♦
als “Diminutivendung”, die ja nicht

49
Derivation von ntercë ‘flechten’ (Lard­ Längsfäden einziehen, zetteln, auch in­
schneider). ordi.” Danach müsste man dann ebenso
ein unorganisches v- annehmen wie bei
ntesé ‘berauschen’ ♦ Grödn. Zusammen­ vèrder ‘brennen’ (< lat. ardĕre) oder
stellung zu tëis ‘ganz betrunken’ (Lard­ vèster ‘sein’ (< lat. essere). Das Wort
schneider). Oder direkt auf lat. in-to­ sollte also im EWD unter ordí ‘zetteln’
xicāre ‘vergiften’ zurückzuführen; dar­ stehen. Vgl. auch Gsell (1994b: 327).
aus entwickelt sich aber auch ntussié
‘vergiften’. Ließe sich im EWD im Ab­ O
leitungsteil unter tëiss ‘vollgegessen’
einordnen. ► F intesir olba ‘Halbe [altes Maß für Getränke]’ ♦
Tir. hąlwε ‘dito’ (Schöpf 237, Schatz
ntëur ‘rundherum’ ♦ Lat. in + grch. tor­ 274) (Lardschneider).
nos ‘Kreis’ (Lardschneider). ► F
ntorn, B ntourn olca ‘ungeschicktes Weib’ ♦ Tir. holka,
wenngleich – wie Lardschneider be­
ntlaudé ‘einem Pferde einen Nagel beim merkt – bei Schöpf (273) und Schatz
Beschlagen zu tief einschlagen [wenn (300) nur holpe verzeichnet, was aber
man es nicht merkt, eitert die Wunde]’ lautlich als Ausgangspunkt auch nicht
♦ Gemäß Lardschneider von lat. in + umöglich ist.
claus (REW 1984); möglicherweise
aber doch eher grödn. Derivation zu òmreles: mueder da òmreles ‘Mieder der
tlaut ‘Hufeisennagel’ (vgl. im EWD Jungfrauen, die die gherlanda spiza
tlàlt ‘handgeschmiedeter Nagel’). Dazu tragen’ ♦ Lardschneider gibt keine Ety­
gehört auch gad. intlaidé ‘hinkend mologie an. Das Wort dürfte wohl eine
[Pferd]’ (vgl. Gsell 1989a: 160). (Rück-)Entlehnung aus dem Tirole­
rischen sein. Bei Schatz (462) finden
ntramé ‘Tramen legen’ → tram wir den Eintrag ómεreln: “(Welschn.)
etwa 3 cm breite grüne Samtstreifen am
nturtidlé ‘winden, einwinden; (Fäden) ómεrelmiεdεr)”. Das tir. Wort selbst
drehen; (die Haare) in Locken wickeln, stammt von it. ombrello ‘Regen­
in Spiralenform eindrehen’ ♦ Lässt sich schirm’.
im EWD als Ableitung unter dem
Lemma torcorè ‘eindrehen, zusammen­ ongher ‘Reihe von aufeinanderfolgenden
drehen’ einordnen. Karten der gleichen Farbe beim Spiel’
♦ Tir. hanger ‘dito’ (Schöpf 241)
nuzet: lascé jí (la roba) a nuzet ‘(das (Lardschneider).
Zeug) zugrunde gehen lassen’ ♦ Gsell
(1996b: 252) führt das Wort auf lat. opa ‘soviel man mit zwei Armen fassen
non sectum zurück. Vgl. REW 7764ff., kann’ ♦ Lardschneider gibt keine Ety­
Elwert (1943: 198). ► F nosset mologie an. Das Wort ist wohl ex­
pressiver Herkunft (im Sinne von dt.
nverdí ‘Tuch weben’ ♦ Lardschneider “Hauruck”?). Es sollte dann wie grödn.
scheut vor einer Etymologie, merkt upa, up(e)la ‘[Interjektion beim Heben
aber Folgendes an: “man lässt das eines Gegenstandes oder eines Kindes,
Tuch, wenigstens früher, meist in wenn es irgendwo hinaufsteigen will
Enneberg weben, daher wohl [...] enb. und man nachhilft]’ im EWD unter
ordi (v. lat. ordire, [REW 6093]) die ùp(l)a ‘hau ruck’ stehen.

50
leitung unter dem Lemma pàno ‘Tuch’
P einordnen.

paf: cialé paf tl mus ‘einem einen jähen parl ‘[eine Form von Brot]’ ♦ Tir. pârl
Blick zuwerfen; einen plötzlich starr ‘aus zwei Teilen bestehendes Weizen­
anschauen; überrascht sein und darum brot’ (Schöpf 487, Schatz 47) (Lard­
jdn. sprachlos anschauen’ ♦ Tir. ganz schneider).
paff sein ‘überrascht und darum sprach­
los sein’ (Lardschneider). ► B passl/pastl ‘kleine, trockene Rübe samt
dem Kraute’ ♦ Das Wort wäre im EWD
páirisc-polca ‘Bayrisch Polka’ ♦ Gemäß zu pósl ‘kleine Rübe’ zu stellen (tir.
Lardschneider dt. Ursprungs, wegen pąssl, Schatz 49) (Gsell 1990a: 156,
des Anlauts aber vielleicht doch eher 1993b: 333). ► F passol  passlin
tir., was jedoch zugegebenermaßen ‘kleine, gedörrte Rübe’, passlina
durch den Diphthong unwahrscheinli­ ‘Menge kleiner, gedörrter Rüben’
cher wird. Man kann also entweder
eine standarddt.-tir. Kreuzung (so auch passua: ua passua ‘Zibebe’ ♦ Lard­
Elwert 1943: 246f.) oder Fernassimi­ schneider führt das Syntagma auf ein
lation annehmen. ► F bairisc, B paie­ lat. uva passa ‘getrocknete Traube’ zu­
risc rück, wie es sich auch bei Meyer-Lübke
findet (REW 6270). So heißt es etwa in
panaruel ‘Nudelbrett’ ♦ In Moena heißt Fassa ua passa (Hinweis Fabio Chioc­
es panaöl. Lardschneider schreibt: “es chetti). Lautlich bereitet jedoch das -ua
gibt lat. panariolum ‘Brotkörbchen’, Schwierigkeiten. Man darf wohl eine
was in der Bed. nicht passt, also erst Volksetymologie nach ua ‘Traube’ da­
rom. Bildung zu panis, *panaria gibt hinter vermuten. ► B passua
panea” (auch ven. panariol). Auch El­
wert (1943: 79) sieht in dem Worttyp pauca ‘Pauke’ ♦ Dt. Pauke (Lard­
eine Ableitung zu panem ‘Brot’. Aber schneider).
eine Ableitung zu panis ‘Brot’ kann se­
mantisch erst durch einen Blick aufs pelda ‘Bildstock’ ♦ Lardschneider vermu­
Fass. erklärt werden, wo die Bedeutung tet, dass das Wort mit Bild zusammen­
‘Brotknettisch’ verzeichnet ist. Man hängt. Kuen (1982: 178) präzisiert: “ist
mag aber auch an einen Zusammen­ sehr früh aus abair. piladi entlehnt”,
hang mit it. penna ‘Nudel’ (< lat. pen­ das mit ‘(Eben)bild, Ab-; Vor-; Vor­
na ‘Flügel’ und pinna ‘Feder’ gekreuzt) lage; Beispiel; Form, Gestalt, Erschei­
denken. Der Typ taucht im Übrigen nung, Wesen’ (vgl. Splett s.v. bilidi)
auch im Gad. auf (Gsell 1993b: 337), glossiert werden kann. Sehr bemer­
wo er allerdings eigenartigerweise kenswert wäre in jedem Falle aber das
‘Laufgestell’ bedeutet, welches seman­ auslautende -a. Auch wenn man eine
tisch nun wieder grödn. → pisaruel frühe Entlehnung dieses sonst isolierten
nahe kommt.. Letztendlich ließe sich Wortes annimmt, wäre im Grödn. ein
das Lexem im EWD unter pàn ‘Brot’ haupttoniges -ë- üblicher als -e- (vgl.
einordnen. ► F panarel ahd. krippa > grödn. crëpa; ahd. sinn >
grödn. sën; germ. *frisk > grödn.
panuc ‘Wickeltuch für Kinder’ ♦ Lat. frësch).
pannucius (REW 6202) (Lard­
schneider). Lässt sich im EWD als Ab­ pëngula ‘Vogelleim’ ♦ Nordit. pegola

51
‘Pech’; zum Einschub von -n- schreibt
Lardschneider: “viell. eingeschoben, perzapula ‘Mühle [Brettspiel]’ (Das
weil die Silbe peg- selten ist, ja mit be­ Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­
tontem -e- überhaupt nicht vorkommt”. nal von 1933). ♦ Das Wort ist wohl als
► F péngola perza-pula zu analysieren. Hinter dem
ersten Wort könnte wie hinter ait.
penic ‘Schnitztisch’ ♦ Gemäß Lard­ perzare eine transalpine Entlehnung
schneider könnten pëne, pënia und stecken: percer ‘durchstoßen’ (< lat.
penic vom gleichen Stamm kommen, pertū(n)siāre ‘dito’; vgl. REW 6436
der etwa ‘aus Fichtenholz’ bedeutet und FEW VIII: 285ff.).
(REW 6511), gibt aber zu bedenken,
dass pīneus langes -ī- habe. Zur hier pesslé/pestlé ‘langsam/ohne Lust essen,
vorliegenden Form schreibt er: “In naschen; [von Tieren:] das Gras lang­
[penic] ist das -e- durch Diss. erklär­ sam, aussuchend, wählerisch fressen,
lich, viell. hat dieses dann den Stamm­ abzupfen [bei Schafen]; [an Hautaus­
vokal der anderen zwei beeinflusst”. ► schlägen bzw. sich abschürfender
F Haut:] zupfen’ ♦ Lässt sich im EWD
als Ableitung unter dem Lemma pestè
penion ‘Ansicht, Meinung’ ♦ Sollte im ‘zerstampfen, zerhacken, zertreten’ ein­
EWD unter dem Lemma opiniùn ‘dito’ ordnen (wo schon fass. pestoler
stehen. verzeichnet ist).  pesslamënt ‘Tätig­
keit des pesslé’ (auch fass.: pesto­
penont: fé penont ‘einen Vertrag auf eine lament; Hinweis Fabio Chiocchetti)
größere Lieferung zum ständig gleichen
Preis abschließen (so machen es der pestech ‘Besteck’ ♦ Gemäß Lardschneider
Schnitzer und der ferlëigher für die dt., wegen des Anlauts vielleicht aber
Schnitzwaren, die ersterer einen ganzen auch tir.
Winter lang liefern wird)’ ♦ Gemäß
Lardschneider von tir. beinand ‘beiein­ pëut/pot ‘Bote’ ♦ Tir. (Schatz 99) (Lard­
ander’. Besser: tir. pεnąnd (Schatz 55). schneider). ► F poat

percanté ‘irgendwohin tragen/legen, dass pever ‘nicht gemahlener Pfeffer’ ♦ Lat.


man es nicht mehr findet; ein Stück da­ pipor ‘Pfeffer’ (REW 6521) (Lard­
hin, ein Stück dorthin vertragen (wie es schneider, Tagliavini 1934: 665). ► F
Kinder oft machen); von Frauen, die B peiver
alles vertun, aus dem Haus tragen’ ♦
Auch in Moena zu hören: percantar piesel ‘Manschette des Hemdärmels’ ♦
(Hinweis Fabio Chiocchetti). Tir. piεsl ‘Besatz, Rand am Hemd’
(Schatz 77) (Lardschneider).
percia ‘Pflugbaum’ (Das Lemma fehlt in
Lardschneiders Original von 1933). ♦ pigulier ‘Erker’ ♦ Lardschneider gibt
Sollte im EWD unter dem Lemma pér­ keine Etymologie an. Das Wort kann
tia ‘dito’ stehen. wohl historisch mit grödn. piguel ‘Söl­
ler’ zusammengestellt werden, das im
perdrët ‘eigentlich, von rechtswegen’ ♦ EWD (V: 289f.) mit gad. piol ‘Erker’
Sollte im EWD als Ableitung unter zu lat. *podiōlum ‘kleine Anhöhe’
dem Lemma dër(t) ‘recht, richtig’ (REW 6626; Faré 6626; FEW IX: 111,
stehen (wie gad. purdërt). Gsell 1990a: 150) gestellt wird. Wäh­

52
rend Kramer jedoch die gad. Form piol 1968: 133).
als bellunesisches Lehnwort ansieht,
vermutet er hinter piguel erbwörtliche pissulí: da pert da pissulí ‘auf der
Entwicklung “Vorstufe piùel, -g- als Schattenseite’ ♦ Lardschneider gibt kei­
Hiattilger” (EWD V: 290); das vor­ ne Etymologie an. Gsell (1990a: 156)
tonige -i- ließe sich gemäß Gsell stellt das Wort zu Recht zu gad.
(1990a: 150) in Analogie an die frl. Va­ porsorí ‘Schattseite, Rückseite eines
riation pujûl/pjûl durch Synkope der Gebäudes’ (welches im EWD in der
Vortonsilbe erklären. Die hier vor­ Form purssurì unter sorëdl ‘Sonne’
liegende Form wird dann wohl eine steht) und führt es unter Hinweis auf
grödn. Ableitung sein, denn ein roman. Zamboni (1984) auf lat. post solīvu zu­
*podiōliārium wäre sehr merkwürdig rück. ► F persorí, (F resoí?)
und würde auch eher ein grödn. *pod­
lié erwarten lassen. pista [-st-] ‘Beichte’ ♦ Lardschneider will
sich auf keine Etymologie festlegen,
piné ‘kämmen, hecheln’ ♦ Lässt sich im verweist aber auf Schnellers These von
EWD als Ableitung unter dem Lemma ahd. pigiht. Kuen (1982: 177) erklärt
piet(e) ‘Kamm’ einordnen. ► F pete­ im Prinzip nur die enn. Form písja:
nar, B petené “aus abair. pijiht f. (daraus tirol. pajxt)
vor dem Wandel von langem i zu aj
pinta ‘Band’ ♦ Dt. Binde (Lardschneider) entlehnt und mit dem Femininzeichen
bzw. mhd. binde (Boquoi-Seifert 1984: -ja versehen”. Die Erklärung kann für
51). die grödn. Form nur bei Annahme
folgender Entwicklung ausgeweitet
pirl ‘Kreisel [in einem viereckigen Gestell werden: píjiht (f.) > *píži(h)t > *pížita
sind Abteilungen eingebaut mit Öff­ (Analogie an andere Feminina) >
nungen, durch die der drehende Kreisel *pižta > *pišta (mit Assimilation). Da­
gerade durchgehen kann; in den Abtei­ mit wären wir bei einer Stufe pišta
lungen sind kleine Kegel aufgestellt angelangt. Es heißt aber heute pista
und dazu Zahlen am Boden, die umso [}pista], so dass man dann noch nach
größer sind, je weiter oder schwieriger eine weitere Irregularität erklären
der Weg bis zum Kegel ist; vorne an müsste.  pisté ‘Beichte hören’, se
dem Kasten setzt man den Kreisel mit­ pisté/jí a pista ‘beichten’
tels einer Schnur in Bewegung]’ ♦
Onomatopoetischer Stamm (REW pístula ‘Epistel’ ♦ It. epistola mit
6522b), davon auch trient. pirlo, frl. Ladinisierung oder eigenes Buchwort,
pirli (Lardschneider). ► F B pirlo lat. epistula.

pisaruel ‘Gehschule, Gängelwagen’ ♦ pitra ‘kleines Fässchen’ ♦ Vom tir.


Lardschneider gibt keine Etymologie bitterer rückentlehnt, ursprünglich rom.
an. Das Wort kann theoretisch als (1) aus grch. pitharion ‘Fässchen’ (REW
pisa-ruel, (2) pis-a-ruel oder (3) pis(-) 6544b) (Lardschneider; vgl. auch Gsell
ar-uel analysiert werden. Bei Analyse 1990a: 151).
(1) und (2) könnte der erste Wortteil als
ein Reflex von lat. pī(n)sāre ‘zerstoßen, plëiscer ‘Mensch, der seine Sache nicht
zerstampfen’, im Romanischen auch zu vertreten versteht, der sich nicht zu
‘treten’ (!) (REW 6517), gedeutet wehren weiß; unbeholfener Mensch’ ♦
werden. Das Wort muss aber einstwei­ Lardschneider gibt keine Etymologie
len im Dunkeln bleiben (vgl. auch Prati

53
an. Das Wort sieht tir. aus, doch
vermag ich kein passendes Etymon zu pòhet/porhet ‘Barchent’ ♦ Tir. barchet
finden. ► B ‘Barchent’ (Schöpf 30) (Lard­
schneider). ► B pòrgat
plester ‘dicke Schichte [von einer Salbe
o.ä.]; dicker Fleck, auf einem Strumpf polca ‘Polka [Tanz]’ ♦ Dt. Polka (Lard­
aufgenäht; eine recht fette Frau’ ♦ schneider). ► F B
Lardschneider fragt sich, ob (grch.-)lat.
emplastrum ‘Pflaster’ (REW 2863) da­ poles ‘Spreu vom Buchweizen’ ♦ Gemäß
hinterstecken könnte. Ähnlich denkt Lardschneider einerseits von tir. palln
Gsell (1990a: 152) an mlat. plastrum, ‘Abfälle des durch die Windmühle ge­
unterstreicht aber, dass der Vokalismus triebenen Getreides’ (Schöpf 85, Schatz
im verwandten gad. plèster ‘dicke 44), andererseits von it. pula ‘Spreu’
Schicht von einer porösen Masse’, wel­ (unbekannter Herkunft, vgl. DELI). Die
ches im EWD fehlt, noch einer Erklä­ These eines Etymons pula scheint mir
rung bedarf; buch. plèster ‘impiastro, zu genügen. ► F pola
cerotto’ ist hingegen als regelmäßig zu
betrachten. ► B ponn ‘Bannwald’ ♦ Tir. pąnn ‘dito’
(Schöpf 29, Schatz 46) (Lard­
plinta ‘kleine, schlechte Talg- oder Öl­ schneider).
lampe; blinde Patrone’ ♦ Dt. Blinde
(Lardschneider). pontanciò dant y do, tanc nen ues’a?
‘[wenn einer Bohnen in der ge­
plisc ‘Plüsch’ ♦ Nhd. Plüsch (Lard­ schlossenen Hand hält oder Eier in
schneider). einem Schurz und er will einen anderen
raten lassen, wieviel er habe, so sagt er
pluf ‘Büschel’ ♦ Lardschneider gibt keine diesen Kindervers; der andere sagt:
Etymologie an. Eventuell expressiver Lascia udëi! – da öffnet der erste für
Herkunft.  plufa (de ciavëi) ‘Haar­ einen Augenblick die Hand (bzw. den
schopf’ Schurz) und der andere rät dann]’

plusa ‘Bluse’ ♦ Tir. plûs(ε) (Schatz 93) pordla/porgila ‘Garbengabel (zweizinkig,


(Lardschneider, Pallabazzer 1980: 87, klein, an einem langen Stiel, um die
Zanotti 1990: 126). ► F B plus Garbe von der Tenne in den Oberboden
hinaufzureichen)’ ♦ Derivation von lat.
pluza ‘Bettflasche’ (Das Lemma fehlt in porrigere ‘darreichen’ (REW 6667)
Lardschneiders Original von 1933). ♦ (Lardschneider, Elwert 1943: 173). ►
Lateinisch kann das Wort kaum sein, F pórgola
vorlateinisch ist angesichts des
Wortinhalts auch wenig wahrscheinlich pòrica ‘Emporkirche’ ♦ Dt. Emporkirche
(es sei denn, das Wort hat zuerst ein (Lardschneider). Aphärese von em-
anderes Gefäß bezeichnet). Die Suche (fälschliche Interpretation).
nach einem germ., dt. oder tir. Etymon
hat bislang nicht weit geführt. Le­ posanza ‘Pathos, Stolz, stolzes Gehabe
diglich tir. plutzn ‘aufgedunsene Wan­ beim Reden, Gehen, im Auftreten’ ♦
ge’ (Schatz 94) würde sich zumindest Gemäß Lardschneider von it. impo­
anbieten (allerdings ist das Wort im sanza oder noch eher von ven. possan­
Tir. maskulin). za ‘alterigia’.

54
pótgrom ‘Podagra/Fußgicht; Steifheit in presbitere ‘Presbyterium’ (Das Lemma
den Gliedern’ ♦ Tir. putigram ‘poto­ fehlt in Lardschneiders Original von
gramischer Schmerz’ (Schöpf 521, 1933). ♦ Wohl von it. presbitero mit
Schatz 123) (Lardschneider). Ladinisierung der Auslautsilbe. ► F
presbiterie
pra ‘bei, neben, zu’ ♦ Lat. prope ad (Lard­
schneider). Sollte wie grödn. prò(d) im prihté ‘streiten, vor Gericht streiten’ ♦ Dt.
EWD unter prò ‘dito’ stehen. berichten, vgl. tir. sich brichten lassen
‘sich belehren lassen’ (Lardschneider).
pracsa ‘breites, ganz aus Eisen geschmie­
detes Messer’ ♦ Tir. prags(ε) ‘dito’ pruet [bes. im Pl. gebraucht] ‘Insekten­
(Schöpf 52, Schatz 100) (Lard­ brut’ ♦ Lardschneider nimmt als Ety­
schneider). mon mhd. bruot ‘Hitze; Brut’ an. Laut­
lich und kulturgeschichtlich besser
pramuesc ‘Mus aus Weizenmehl mit ein­ passt jedoch tir. pruεt ‘Brut, Vogelbrut;
geriebenem Brot und darüber Mohn ge­ Gesindel’ (Schatz 113).
streut [wie es früher am Vortage von
Weihnachten gekocht wurde]’ ♦ Lard­ prun ‘je, für jeden’ ♦ Lat. per + ūnus
schneider will sich nicht definitiv fest­ (Lardschneider).
legen, vermutet im zweiten Bestandteil
jedoch tir. mus, im ersten Teil eventuell pu ‘ja; doch’ ♦ Wohl Kurzform zu pure
brei. Es würde jedoch auch tir. (Lardschneider).
prąntmueεs ‘Mus aus weißen Bröseln
oder Gries mit Weinbeeren [bei Toten­ pua ‘Arbeit des Pflügens’ → pué
mählern]’ (Fink 49), wenngleich die ‘pflügen’
lautliche Wiedergabe mit -a- statt -o-
nicht ganz erwartbar ist; doch die fass. puáta ‘zum Spinnen vorbereiteter Lein
Bedeutung ‘feiner Rahmmus aus Wei­ [der Flachs wird durch die Raffel gezo­
zenmehl, geriebenem Weißbrot, worauf gen; in dieser bleibt die stopa, das
noch Weinbeeren [!] gestreut und andere ist puáta]’ ♦ Lardschneider gibt
ausgelassene Butter geschüttet wird’ keine Etymologie an. Möglicherweise
spricht eindeutig dafür.► F pramesc ist die Form puáta eine Ableitung zu
einem postulierten pūga ‘Zacken’, von
praunn ‘braun [als Farbe der Tiere, sonst welchem auch aokz. puada ‘Egge’,
ros, das aber auch von Tieren gesagt aokz. puat ‘Weberkamm’ oder alimous.
wird; ros ist dunkler]’ ♦ Gemäß Lard­ puat ‘Kirchenleuchter für Wachs­
schneider von nhd. braun; man sollte kerzen’ (vgl. FEW IX: 509ff.). Dann
jedoch – eingedenk des Initiallautes – müsste man von folgender Bildung und
besser an tir. praun (Schatz 104) den­ Entwicklung ausgehen: *pūgātum ‘Ge­
ken (Zanotti 1990: 128). ► F braon zacktes o.ä.’ > *puát > puáta (Erweite­
rung an Anlehnung an stopa oder
prëm 3.sg. [nur diese Form] ‘am Herzen wegen metonymischer Inhaltsä­
liegen’ ♦ Lardschneider vermutet it. nderung?). (Man vergleiche darüber
premere ‘drücken’ dahinter. Dies kann hinaus die Ausführungen unter → pué).
durch die parallele it. Wendung mi pre­
me ‘mir liegt am Herzen’ nur bestätigt pudlëus ‘lausig’ ♦ Derivation zu podl
werden. ► F premer, B prâme ‘Laus’ (Lardschneider).

55
puent ‘ponte; pavimento della stalla’
pudlëusa ‘Sumpfheidelbeere, “Lausbee­ (EWD V: 427); die Motivation wäre
re”, Moosbeere’ ♦ Lat. [bacae] palu­ dann etwa “Brücken bauen”. Man stellt
dosa ‘sumpfige [Beere]’ (REW 6179) schon bei einem Blick ins REW (6649)
mit Metathese (Lardschneider, Pe­ fest, dass feminine Tochterformen von
drotti/Bertoldi 1930: 423). pōns nur in den Randzonen der
Romania auftauchen, nämlich pg.,
pué ‘pflügen’ ♦ Lardschneider führt das rum., bdr., tess. und veltl. Für das Do­
im Dolomitenladinischen isolierte Wort lomitenladinische allerdings fänden
auf mhd. bûwen ‘bauen; mit Feldbau sich gemäß EWD nicht einmal in der
bestellen, düngen, säen, pflanzen’ zu­ Toponomastik feminine Nachfolger.
rück. Doch bereitet dabei der Anlaut Die Bildung eines Femininums mit
Probleme. Man müsste zumindest ein metonymischer/kontiger Bedeutung
abair. pûen annehmen. Ein Blick in den dürfte dann erst für die grödn. Zeit
AIS (1433) verrät, dass der Worttyp angesetzt werden, falls man die hier
überhaupt unter allen cisalpinen vorgeschlagene Ableitungsbasis über­
Dialekten fast isoliert ist; erst in der haupt akzeptieren will.
Provinz Aosta finden sich wieder Be­
lege. Sollten diese beiden Areale auf puepa ‘Blechzylinder am Ende des
einen etymologischen Typ zurückzu­ Dreschflegelstiels [damit dieser durch
führen sein, scheidet die mhd.-abair. die eingeführte Eisenschraube, an der
These aus. Dann müsste man eher an mittels des culere und der curea der
eine Ableitung von *pūga ‘Zacken’ Flegel befestigt ist, nicht gesprengt
(REW 6810; FEW IX: 509ff.) denken. wird]’ ♦ Lardschneider gibt keine Ety­
Von *pūga finden sich Nachfolge­ mologie an. Lautlich müsste eine Vor­
formen in der Iberoromania und Fran­ stufe *pŏppa angesetzt werden, für das
koromania; sie bezeichnen verschie­ es jedoch keine Hinweise gibt. Im
dene Gerätteile und Geräte. Wartburg REW (6854) findet sich lediglich der
stellt sicher auch piem. büa ‘Zacken am Eintrag *pŭppa ‘kleines Mädchen, Pup­
Rechen u.ä.’ zu Recht hierher. Daneben pe; Brustwarze, Zitze’. Es scheint nun
listet Wartburg unteritalienische For­ denkbar, dass ein Zylinder am Ende
men auf (Typ puca, z.B. ‘Propfreis’ eines Stiels durchaus mit einer Zitze
oder ‘Stachel des Stachelschweines’), verglichen werden kann. Die lautlichen
die jedoch auf eine Vorstufe *pūca zu­ Schwierigkeiten lassen sich überwin­
rückzuführen wären. Letztlich wäre ein den, wenn man bedenkt, dass gerade
*pūga auf pungere ‘stechen’ Etyma expressiver Natur mitunter
zurückzuführen, wobei dann wie bei einen nicht-vorhersehbaren Wechsel
pūgio ‘Dolch’ das nasale Infix ge­ zwischen ū, ŭ, ō und ŏ aufweisen. Gut
schwunden und der Vokal (ersatz-)ge­ belegt ist in der Romania neben
dehnt worden wäre (vgl. dazu auch *pŭppa auch *pūp(p)a (vgl. REW
DCECH IV: 668f. sowie DECLC VI: 6854, REW 6856, EWD V: 346f.).
844). Die inhaltliche Entwicklung
dürfte kaum Probleme bereiten.  pua puntl1 ‘Klöppelkissen’ ♦ Gemäß Lard­
‘Arbeit des Pflügens’ schneider von tir. pundl ‘rundes Ge­
schirr von Drechsler- oder Spengler­
puenta: fé puenta ‘standhalten, das Ge­ arbeit’ (Schöpf 67, Schatz 119); dies
schäft in Gang halten’ ♦ Lardschneider bereitet jedoch semantische Schwierig­
gibt keine Etymologie an. Das Wort er­ keiten. Gegen diese These spricht auch
innert formal und semantisch an grödn. die fass. Form. Man will eher an eine

56
Ableitung zu lat. punctum ‘Stich’ bieten, doch müssten viele lautliche
(REW 567) denken. ► F púnchie, B Besonderheiten angenommen werden.
puoncle Man kann auch auf ahd. bulge oder tir.
pulge ‘lederner Mehlsack, Pulversack’
puntl2 ‘Aftergewächs’ ♦ Tir. büngkel, (Schatz 118) zurückgreifen, wofür sich
pünggl ‘dito’ (Schöpf 67) (vgl. punggl etwa Aschenbrenner (1972: 65) aus­
‘wulstiges Bündel von Stroh, Flachs’ spricht, mit dem Hinweis: “der Rhota­
bei Schatz 119) (Lardschneider). zismus spricht für eine frühe Über­
nahme”. ► F bolga, B bulga
pur ‘doch, nur’ ♦ Lat. pūre < pūrus ‘rein’
(Lardschneider). purtoi ‘Weg, Steig im Schnee; Skipiste’
(Das Lemma fehlt in Lardschneiders
pur ‘rein’ ♦ Lat. pūrus ‘dito’ (Lard­ Original von 1933). ♦ Das Wort ist im
schneider). EWD unter dem Lemma porta ‘Tür’
einzureihen, wo sich auch fass. portói
pura ‘Last aus drei bis vier Holzklötzen, ‘Durchlass’ befindet.
die man beim Handschlitten anhängt
und nachschleifen lässt als Hemmung, puscené ‘(die Karten) betrügerisch
damit der Schlitten nicht zu stark zu mischen’ ♦ Das Wort lässt sich wie
Tal treibt; “Musellast”; Baumstamm’ ♦ fass. pùscen ‘Busch, Blumenstrauß’ im
Tir. bur ‘Last’ (Schöpf 68) (vgl. EWD unter puscéla ‘ungeordnetes
pur(rε) ‘Schlittenladung’ bei Schatz Stroh, Spreu’ einordnen.
121) (Lardschneider, Elwert 1943: 245;
Zanotti 1990: 130). Zusätzlich will puselné ‘kleine Arbeiten verrichten, bas­
Aschenbrenner (1972: 74) darin eine teln’ ♦ Mhd. bozeln/bosseln ‘leichte
Kreuzung mit vorlat. *burra/*borra Arbeiten verrichten’ (Lardschneider).
‘Holzklotz’ (REW 1224a, LEI VI: Dazu verzeichnet Pallabazzer (1986:
1097ff.) sehen, weil dies dann die se­ 347) für Rocca Pietore das Lexem pu­
mantische Verengung erklären können. sel ‘cosa minuscola, infima’, meint
Dies trifft für ‘Baumstamm’ zu; spezi­ aber im Gegensatz zu Lardschneider:
elle Belege für eine Bedeutung ‘Last “Dovrebbe avere lo stesso etimo di pu­
aus Holzklötzen; Hemmung’ lassen sillo, da pūsus [‘Knäbchen; ragazzin­
sich in der Cisalpina dagegen nicht o’], della famiglia di puer”. Aus inhalt­
finden (Grzega 2001: 121f.). ► F licher Sicht ist an der germanischen
These nicht zu zweifeln. Aufgrund des
purempò ‘doch, doch noch’ (Das Lemma Anlauts ist aber eher von einer
fehlt in Lardschneiders Original von Entlehnung aus dem Tir. (vgl. Schatz
1933). ♦ Lat. per + in + pos(t). 122) oder dem Abair. auszugehen.
Eigenartig mutet aber in beiden Fällen
purené ‘steinigen, mit Steinen bewerfen’ das stimmhafte [z] an.
♦ Derivation von puron ‘großer Stein’
(Lardschneider). pustejé ‘brummen, murren’ ♦ Lard­
schneider hält es nicht für ausgeschlos­
purga ‘Umhängetasche, Schultasche’ ♦ sen, dass dt. pusten ‘mit starkem Hauch
Lardschneider gibt keine Etymologie blasen’ dahintersteckt. Gemäß Gsell
an. Auch ich weiß nichts Rechtes anzu­ (1990a: 159), der noch das im EWD
bieten. Inhaltlich würde sich ein vorlat. fehlende gad. pustajè ‘schelten’ nennt,
bulga ‘lederner Sack, Ranzen’ an­ liegt lautlich it. posteggiare zugrunde,
“das wohl im Sinne von ‘mëte(r) a

57
post’, d.h. ‘zurechtstutzen, -weisen’ radlpech ‘einrädriger Schubkarren’ ♦ Tir.
umgedeutet wurde; die buchensteini­ radlbeg ~ râdlpeigε ‘dito’ (Schöpf 525,
sche Bedeutungsentwicklung [buch. Schatz 466) (Lardschneider; Aschen­
postejé ‘vantarsi, gloriarsi’] ist noch brenner 1972: 66).
schwieriger zu verstehen (‘sich in
Positur werfen’?)”. raitsciol ‘Querstück auf dem beruez, auf
dem dann das craizcstel ruht [es ist in
pustom ‘Buchstabe’ ♦ Tir. puεgstąm der Mitte durch einen langen Eisenstift
‘dito’ (Schatz 116) (Lardschneider; am beruez so festgemacht, dass es sich
Kuen 1981: 75).  pustemé ‘buch­ um diesen Stift drehen kann]’ ♦ Tir.
stabieren’ raidn ‘drehen’ und schąl ‘Schale’
(Schatz 478, 510) (Lardschneider).
puter ‘Schlagsahne’ ♦ Tir. putter ‘Butter;
Schlagsahne’ (Schöpf 70, Fink 58) rascia ‘Eile’ ♦ Lardschneider fragt, ob
(Lardschneider, Elwert 1943: 109; Za­ sich dahinter dt. rasch verbergen könn­
notti 1990: 130). ► F te.

putl ‘Mehlbeutel (durch den das Mehl von rassënt ‘scharf, beißend, stark gesalzen,
den Mühlsteinen heruntergeschüttelt gewürzt’ ♦ Wohl zu ras ‘scharf’ wie
wird, wobei das feinste in die putladoia sulënt zu sëul und scurënt zu scur
durchstäubt; das übrige rinnt in die (Lardschneider). Aus tir. râss ‘dito’
śaibra heraus, durch deren Sieb wieder (Schatz 472) entlehnt (Gsell 1994b:
ein Teil durchgeht, das auch noch als 340). Sehr eigentümlich ist daher die
Mehl gilt; was übrig bleibt, wird ge­ fass. Form → rezent ‘pikant, anzüglich,
mahlen, bis nur mehr die Kleie als letz­ scharf, beißend’ (Kreuzung mit lat. re­
tes bleibt)’ ♦ Lardschneider hält ahd. cens?).
butil [richtiger: bûtil] ‘Beutel, Börse’
für möglich. Aufgrund des Anlautes ist raudlé ‘auflockern’ ♦ Tir. ro(u)gl ‘lo­
aber besser ein abair. pûtil anzusetzen. cker’, (auf)ro(u)glεn ‘dito’ (Schöpf
Ahd. bûtil ist jedoch der Aus­ 562, Schatz 489) (Lardschneider).
gangspunkt für grödn. butla (auch gad.,
enn., buch.) ‘Blase, Schweinsblase; rauscia ‘Blätter der Bärentraube (Arcto­
Tabaksbeutel’. staphylos uva-ursi)’ ♦ Lässt sich im
EWD als Ableitung unter dem Lemma
puzer ‘Lichtschere’ ♦ Nhd. Putzer ‘Licht­ ràosc ‘haarige Alpenrose’ einordnen
putzschere’ (Lardschneider). (vgl. Gsell 1994b: 340).

R rebescitl ‘Art Einlaufsuppe’

racé ‘schwätzen’ ♦ Tir. râtschen ‘dito’ rebuf de pan ‘Brotkruste; Stück zer­
(Schöpf 537, Schatz 473) (Lard­ drücktes und sehr hart gewordenes
schneider). Brot’ ♦ Lardschneider gibt keine Ety­
mologie an. Der AIS (990) zeigt, dass
racherné ‘sich plagen mit der Arbeit; der Worttyp onomasiologisch isoliert
angestrengt arbeiten’ ♦ Tir. raggεrn ist. Möglicherweise ist das Wort ein­
‘dito’ (Schöpf 527, Schatz 467) (Lard­ fach auf den onomatopoetischen
schneider). Stamm buff- zurückzuführen (REW
1373, FEW I: 594-599). In unseren

58
Sachbereich würden etwa die grödn. raganië ‘necken, belästigen’ im
folgenden Formen fallen: nokz. boufo EWD zu ragagné ‘unnütz arbeiten’.
und neuch. boufe ‘victuailles; Lebens­
mittel’, fr.-comt. tout d’une bouffée ‘un reiam ‘Königreich, Reich’ (Das Lemma
seul morceau; in einem Stück’ und fehlt in Lardschneiders Original von
Orne bouffon ‘gros morceau de pain; 1933). ♦ Es kann keine erbwörtliche
ein großes Stück Brot’. Entwicklung von lat. regimen ‘Reich’
(REW 7170; FEW X: 208ff.) vor­
rechia ‘Ruhe’ ♦ Kirchenlat. requiem (ae­ liegen. Möglicherweise liegt eine
ternam) ‘ewige Ruhe’ (Lardschneider). Entlehnung aus afr. roiame, mfr. reame
►F vor. Das Wort, das auch in der Form
fass. ream zu hören ist (Hinweis Istitut
recion ‘Nietnagel [am Finger]’ ♦ Lard­ Cultural Ladin), könnte im EWD unter
schneider hält lat. reduvia ‘Nietnagel’ rè ‘König’ eingereiht werden.
+ -ōnem für möglich. Da die Entwick­
lung von -vi&- in den Sellatälern sehr un­ rëibes sf.pl. ‘Reben (Vitis vinifera)’ ♦ Tir.
einheitlich verläuft, ist diese Deutung reibn pl. ‘dito’ (Schöpf 540, Schatz
befriedigend. ► F ricion 476) (Lardschneider).

recl ‘“Reklpfeife”’ ♦ Tir. reggl ‘kleine rëidl ‘redlich’ ♦ Tir. reidlich ~ reidla
Tabakpfeife, Stummelpfeife [Kopf aus (Schöpf 544, Schatz 477) (Lard­
Messing, Eisen, Holz]’ (Schatz 477) schneider).
(Lardschneider). ► B
rëit ‘gerade, aufrecht’ ♦ Gemäß Lard­
reda ‘Unterschied zwischen Forderung schneider von lat. rigidus ‘starr’ (REW
und Angebot’ ♦ Das Wort dürfte wohl 7314). Möglicherweise aber auch von
zu gad. rade ‘Fehler in der Rechnung’ dīrēctum ‘gerade’ (REW 2648).
(vgl. EWD) zu stellen sein – so auch
Gsell (1991a: 106). Das gad. Wort wird reja ‘Pech’ ♦ Lat. rasia ‘Harz’ (REW
im EWD auf tir. road ‘Reihe’ (Schöpf 7073) (Lardschneider, Tagliavini 1933:
488) zurückgeführt. Gemäß Lard­ 317, Elwert 1943: 28). ► F
schneider liegt lat. errāta ‘Fehler’ (vgl.
errāticus ‘herumirrend’, REW 2905) rëjes ‘Kirchtentor’ ♦ Lardschneider führt
vor – dieser Meinung hatte sich Kramer das Wort unter Hinweis auf Schneller
im EWGt (VI: 57) noch angeschlossen (246) auf lat. (portae) rēgiae ‘dito’
–, wobei folgende Entwicklung (REW 7169a) zurück. Wohl Padanis­
anzunehmen sei: grödn. véster d’ ereda mus (Elwert 1943: 98). ► F reja, B
> vester de ’reda. Gsell schreibt hin­
gegen: “Dieses [gad. rade] paßt aber rëm: mené rëm ‘[beim Pflügen, bei
lautlich exakt zu ampezz. ràdego ‘erro­ Schneefahrten:] vor dem Fuhrwerk Un­
re’, das vom selben Kramer richtig auf rat, Hemmnisse, Hindernisse (Wurzeln
ERRATICUS (REW 2905) zurückge­ bzw. Schnee) ansammeln, so dass es
führt wird” (vgl. Quartu/Kramer/Finke schwer weiterkommt’ ♦ Lardschneider
III: 252). verweist auf tir. ram ‘Ruß, Schmutz’
(Schöpf 530, Schatz 469), was jedoch
redani ‘Bosheit, Zanksucht’ (Das Lemma semantisch nicht unproblematisch ist.
fehlt in Lardschneiders Original von Eher ist an tir. ren ‘abrutschendes Ge­
1933). ♦ Wie synonymes regani und röll’ (Schatz 481) oder rêne ‘Masse,

59
Haufen’ (Schatz 482) zu denken. reviërsa: ala reviërsa ‘verkehrt’ ♦ Lat.
reversa ‘dito’ (Lardschneider, Taglia­
rembumbé ‘widerhallen’ ♦ Sollte im vini [1934: 191]). ► B luviers
EWD als Ableitung unter dem Lemma
bómba ‘Bombe’ (wie buch. rembombé revin ‘Rost’ (Das Lemma fehlt in Lard­
‘widerhallen’). ► F rimbomber, (B re­ schneiders Original von 1933). ♦ Der
bomp) isolierte Worttyp lässt sich auf lat. rōbī­
go (Obl. robīginem) ‘dito’ zurückfüh­
remida ‘[etwa:] Bewegung’ ♦ Das Wort ren, wie schon im EWD (V: 579)
scheint nur in der Wendung ne fè remi­ richtig vermerkt. Man würde dann zu­
da ‘sich nichts anmerken lassen’ vorzu­ nächst ein rovin erwarten, das dann –
kommen. Lardschneider schreibt: “man möglicherweise noch in Anlehnung an
denkt unwillkürlich an frz. remuer, aber grödn. revina ‘Verderben, Verfall’ (<
wie stellt sich grödn. -i- zu frz. -u-?”. lat. ruīna; EWD V: 571f.) – zu revin
Von einem lat. remōta würde man in umgeformt wurde. (Vgl. auch AIS
der Tat ein grödn. remëuda erwarten. 410).
►F
riel ‘rundes Holzstück, um das bei
rëni ‘barsche Anrede, barsches Wort’ ♦ Wagenladungen der Strick beim Zuzie­
Lardschneider gibt keine Etymologie hen geht’ ♦ Tir. riεl ‘rundes Stäblein
an. Falls Zusammenhang mit buch. aus Hartholz, das am spôl das Bindseil
rené ‘knurren’, dann wohl expressiven straff hält’ (Schöpf 554, Schatz 484)
Ursprungs oder auf lat. rana ‘Frosch’ (Lardschneider, Elwert 1943: 245). ►
(REW 7038) zurückgehend (Pallabaz­ F
zer 1980: 93). ► (B rené?), (F renolar
‘wiehern’?) riola → criola

restier ‘widerspenstig’ ♦ Lat. rūsticārius rion ‘Lebenskraft’ ♦ Sollte im EWD unter


(fehlt allerdings im REW und im FEW) ardiun ‘Vollkraft’ stehen; ebenso das
(Pallabazzer 1980: 95). Findet sich nicht verzeichnete gad. riun (vgl. zu
auch im Amp.-Cador. ► B dessen Etymologie Gsell 1991a: 113,
1992b: 239; ebenso Salvioni 1938:
revëus ‘von einer Ansicht wieder abge­ 88f.).
kommen sein’ ♦ Lardschneider sieht
das Wort als Derivation zu ruè ‘reuen’ riosa ‘Labkraut (Galium)’ ♦ Lard­
an, welches im EWD wiederum auf in­ schneider gibt keine Etymologie an.
revé ‘reuen’ zu stellen wäre. Der ge­ Besteht ein Zusammenhang mit → rio­
naue formale Ableitungsprozess bleibt la (evtl. über Volksetymologie)?
jedoch ungeklärt. Auch inhaltlich
würde man gerne Parallelfälle haben. rispl ‘Bleistift’ (Das Lemma fehlt in Lard­
Möglicherweise liegt auch lat. revoltus schneiders Original von 1933). ♦ Das
‘zurückgewendet’ (REW 7284) mit Wort erinnert an bdr. risplí (HWR II:
Kreuzung von lat. reversus ‘zurück­ 672), der schwdt. Entsprechung von tir.
gewendet’ (REW 7277) vor: revoltus > raisplai (das sich ebenfalls im Lad. in
*revout > *revous (s von revers) > der Form raisplai(s) wiederfindet
revëus (in Analogie an Wörter auf lat. [EWD V: 459; Schatz 480]). Wie aber
-ōsus). das bdr. Wort ins Grödnische gelangt
ist, muss zunächst unklar bleiben.

60
ristla ‘Schiefer, Splitter’ ♦ Sollte im EWD rudlé ‘rollen’ ♦ Gemäß Lardschneider De­
unter dem Lemma arìstla ‘Span’ rivation zu rodl ‘Ballen (Tuch)’. Dies
stehen.  se ristlé ‘sich einen Schiefer überzeugt wenig. Es liegt schlichtweg
einziehen’, ristlëus ‘leicht Splitter lat. *rotulāre ‘dito’ (REW 7396) zu
bildend [Holz]’ Grunde, ggf. über ven. rodolare (vgl.
auch Tagliavini 1934: 688; Prati 1968:
rita ‘Inlett [Baumwollstoff für Feder­ 146, 148). ► F rodolar, B rodolé
betten]’ ♦ Tir. [Bett]ritten[stoff] (Lard­
schneider). ruescia ‘Frau, die sich mit allen
einlässt/abgibt’ ♦ Gemäß Lardschneider
riza ‘Ritze, Ritz’ ♦ Gemäß Lardschneider von tir. rueschen ‘brünstig sein’
liegt eine Entlehnung von nhd. Ritze (Schöpf 567); besser ist jedoch, von
vor. Doch warum soll ein derartiges ruεsch ‘verrufenes Weib’ auszugehen
Wort aus dem Neuhochdeutschen ent­ (Schatz 495).
lehnt werden? Vermutlich liegt viel
eher eine mhd. Entlehnung vor: mhd. rujin ‘Traube, Weintraube’ ♦ Lat.
ritze ‘Ritze’ (BMZ II,1: 756). Das Wort racēmus oder racīnus ‘Traube’ (REW
ist auch in Fassa zu hören (Hinweis 6984) (Lardschneider). Ist auch fass.:
Istitut Cultural Ladin). rajin (Hinweis Fabio Chiocchetti).

roch ‘grüner Schlamm im Wasser’ ♦ rumé ‘[vor dem Mähen eine Wiese von
Lardschneider gibt keine Etymologie Steinen, Ästen usw.] reinigen, räumen,
an. Möglicherweise von mhd. roc freilegen’ ♦ Mhd. rûmen ‘räumen’
‘Hautschichte, Rinde’ für ‘Schlamm, (BMZ II,1: 790ff.) (Lardschneider).
der auf dem Wasser schwimmt’, aber
wieso dann nur für den grünen rumpl ‘Rummel; der Zusammenbruch
Schlamm? von 1918’ ♦ Tir. rumpl ‘Rummel’
(Schatz 496) (Lardschneider)
rof ‘Reifrock [tragen die Frauen unter
dem Rock, damit dieser unten weit runfla ‘Runzel’ ♦ Tir. rumpfla ‘dito’
vom Körper absteht]’ ♦ Tir. roafkitl (Schöpf 556, Schatz 496) (Lard­
(Lardschneider, Boquoi-Seifert 1984: schneider).
38).
ruscon ‘alter, knorriger Baum’ (Das
romps ‘[ein Kartenspiel: 2-5 Spieler, jeder Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­
für sich, jeder 5 Karten, eine Farbe nal von 1933). ♦ Gemäß Elwert (1943:
wird als Trumpf aufgelegt, es zählen 188) zu lat. rūscum ‘Mäusedorn’ (REW
die Stiche]’ ♦ Derivation zu tir. rąmsn 7460). Lautlich könnte aber eher ein
‘[Kartenspiel]’ (Schatz 470) (Lard­ gall. rūska ‘Rinde’ (FEW X: 581-586)
schneider). dahinterstecken. Erweiterungen mit
-ōne finden sich dann auch in franko­
rúcsoch ‘Rucksack’ ♦ Tir. ruggsak ‘dito’ romanischen Mundarten, allesamt in
(Schatz 495) (Lardschneider; Aschen­ metaphorischen Bedeutungen (z.B.
brenner 1972: 64). ► F B Chablis ruchon ‘tas de gens; ein
Haufen Menschen’). Die Bedeutung
rudl ‘Rudel [Gemsen u.ä.]’ ♦ Nhd. Rudel ‘alter, knorriger Baum’ ist zumindest
(Lardschneider). metonymischer Art und wird wohl über

61
eine Zwischenstufe ‘knorrige Rinde’ ru(v)el ‘oft’ (Das Lemma fehlt in Lard­
wie sie sich auch in Barc. ruíssa schneiders Original von 1933). ♦ Der
‘écorce grossière d’arbre’ gelaufen Bezeichnungstyp scheint nach Ausgabe
sein. Diese Entwicklung ließe sich mit des AIS (704) auf das Ladinische
Hilfe der Prototypensemantik erklären. beschränkt. Man vergleiche dazu buch.
Man denke an das prominente Bild (de)revel ‘oft, immer’ und fass. refle
einer alten, knorrigen Eiche. Dass die ‘oft, sehr, schnell’. Die Bedeutung
Rinde der Eiche ohnehin vielfältig ‘sehr’ lässt auf einen direkten Zu­
verwendet wurde, beweisen auch ande­ sammenhang mit ven. revèl, troppo,
re Bedeutungsentwicklungen von acuto, forte’ und ladino-venetisch a re­
rūsca. So bezeichnen Nachfolgeformen vel ‘assai, in abbondanza’ schließen,
in okzitanischen und westoberitalie­ welche auf lat. rebellis ‘aufrührerisch’
nischen Mundarten die Gerberlohe; die (REW 7104) bzw. lat. rebellāre (REW
Verwendung zur Herstellung von 7103) zurückgeführt werden können
Bienenkörben zeigt sich etwa in fr. (DIDE, DEVI). Die semantische Ent­
ruche. wicklung müsste dann folgendermaßen
gelaufen sein: ‘aufrührerisch’ > ‘mit
russa ‘Kreisel [auf dem Boden zu dre­ Widerstreben, mit Widerstand’ (vgl.
hen]’ ♦ Lardschneider legt sich nicht frl.) > ‘heftig, sehr [Stärke]’ > ‘sehr
fest. Er verweist auf Paul, wo ruscheln [Häufigkeit], oft’. Das -f- in der fass.
als ‘sich rasch bewegen’ angegeben Form erklärt evtl. durch den Einfluss
wird, und Schmeller, wo raussen, von bair. raffeln ‘sich abrupt bewegen’
russen ‘schnarchen’ angegeben wird. (vgl. Gsell 1994b: 334), rąffln
Der AIS (751) zeigt, dass das Wort of­ ‘geräuschvoll rattern’ (Fink 1972: 209)
fenbar völlig isoliert ist (vgl. auch ALF oder nordit. refol ‘gran quantità’
1319). Tir. r(a)ussen, das wohl selbst (onomatopoetischer Natur, Prati 1968:
von it. russare ‘schnarchen’ kommt, 143). Vgl. zu diesen Ausführungen
kann inhaltlich gesehen kaum als Ety­ auch Grzega (Grzega-L.). ► B derevel
mon in Frage kommen. Möglicher­ F refle
weise liegt einfach nur ein expressiver,
kindersprachlicher Ausdruck vor. ► F S
rusa
sa ‘auf, oben, in’ ♦ Lat. susum + ad (REW
rutl ‘Sprossenring (bei der Mühle)’ ♦ 8478) (Lardschneider). Auch fass.
Lardschneider will sich auf keine Ety­ (Hinweis Istitut Cultural Ladin).
mologie festlegen, sieht aber in mhd.
rutel ‘Pflugreute’ ein mögliches Ety­ salanc ‘mit Wasser verdünnte (gekochte)
mon, was allerdings semantisch proble­ Milch; Wasser aus einem Gefäß, in
matisch ist. dem Milch gewesen ist’ ♦ Vielleicht
von einer vorla.t Basis *sala
ruvé ‘ankommen, gelangen’ (Das Lemma ‘Wasserlaufe, Flussbett’ – so Pallabaz­
fehlt in Lardschneiders Original von zer (1980: 99). Man könnte aber auch
1933). ♦ Diese Variante kann nun zu
an Zusammenhang mit → salansé den­
den beiden anderen Varianten ruè, revè
ken. Das Wort ist auch fass. und buch.
ergänzt werden, die bereits im EWD
(Hinweis Istitut Cultural Ladin). ► B
(V: 521) verzeichnet sind. Für alle drei
salënc
gilt als Etymon: *ad-rīpāre ‘ans Ufer
gelangen’ (REW 675).
salansé ‘(Gefäß) spülen; die Wäsche zu­

62
nächst in kaltem Wasser einweichen ‘warm waschen; ausspülen’ (FEW III:
oder auch überhaupt nur mit kaltem 263ff., z.B. nfr. échauder ‘warm
Wasser waschen; einen Verweis geben’ waschen’). Im Grödnischen führt uns
♦ Lardschneider und Elwert (1943: die Entwicklung zunächst zu einem
229) geben keine Etymologie an. Gsell *sla(va)ng&é, das vielleicht aufgrund des
(1996b: 225) beobachtet, dass gemäß Einflusses von einem anderen Wort zu
AIS 1528 fast flächendeckend für die *salang&é wurde (Volksetymologie?)
Cisalpina Nachfolger von lat. recentāre und per Fernassimilation zu salansé.
vorliegen, so dass er für Gröden, Fassa, ► F salanser, B nsalensé  salanseda
Buchenstein (zumindest teilweise ge­ ‘einmaliges Ausspülen; Verweis’, sa­
bräuchlich) an einen Germanismus lanc ‘mit Wasser verdünnte (gekochte)
denkt, “ohne daß aber ein geeigneter Milch; Wasser aus einem Gefäß, in
Ausdruck zur Verfügung stünde” dem Milch gewesen ist’
(Gsell 1996b: 226). Anders Gamill­
scheg (1935: 182): “erinnert an frz. sanmartin ‘Frühlingsenzian (Gentiana
essanger, dessen Zusammenstellung verna)’ (Das Lemma fehlt in Lard­
mit lat. sanies ‘Jauche’ REW 7577 schneiders Original von 1933). ♦ Das
[und REW 3065a] wenig befriedigt”. Wort leitet sich wie viele andere Pflan­
Stellt man den rein nordfrz. Typ zennamen von einem Heiligennamen
essanger und den nur in Gröden und ab. Die Verbindung mit dem Hl. Martin
Fassa vorkommenden Typ salansé ist jedoch eigenartig. Üblicher ist
nebeneinander (die übrigen Sellamund­ aufgrund der Blütezeit etwa die Ver­
arten haben den Typ rezentár; vgl. AIS bindung mit dem Hl. Josef (Josefstag:
1528), scheint sich in der Tat eine Ver­ 19. März), wie etwa das grödn. Syn­
knüpfung aufzudrängen. Es ist durch­ onym ciofes de sant Ushep zeigt, mit
aus möglich, dass beide Typen auf ein dem Hl. Georg (Georgstag 24. April)
*ex-lavandiāre ‘aus-waschen’ zurück­ oder der Hl. Julia (15. Mai) (vgl.
gehen. Von lat. lavāre finden sich Marzell II: 636ff.). Möglicherweise
Tochterformen, die aus einem *exlavā­ liegt eine Namensübetragung vor, wie
re hervorgehen müssen; daneben auch sie gerade bei Pflanzen nicht selten auf­
solche, die ein *lavandāre verlangen tritt. (Im AIS [6401] findet sich le­
(z.B. pik. lavainder ‘laver la vaisselle’, diglich der Eintrag Enzian [allgemein]).
St-Pol lave$de5 ‘laver [de petites] lessi­
ve’; FEW V: 216). Neben einem *la­ santacatarina ‘Mehlprimel (Primula fa­
vandāre scheint auch ein *lavandiāre rinosa)’ (Das Lemma fehlt in Lard­
berechtigt (vgl. fundāre ~ *fundiāre schneiders Original von 1933.) ♦ Das
oder mundāre ~ *mundiāre). Von Wort leitet sich wie viele andere
einem ex-lavandiāre kommt man dann Pflanzennamen von einem Heiligen­
im Frz. zunächst auf ein *eslangier, namen ab. Die Katharina ist auch
welches per Assimilation (da esl- nicht Namensbestanteil deutscher
gerade häufig ist) zu essang(i)er Mundartbezeichnungen für die Mehl­
werden konnte. Möglicherweise kam es primel. Das dahinter stehende Motiv ist
hier auch zu einer Beeinflussung sei­ die Form der Blätter: sie erinnern an
tens der Fortsetzer von lat. ex-aquāre ein Rad, welches das Zeichen des Mar­
‘entwässern; ausspülen’ (FEW III: tyriums der Hl. Katharina ist (vgl. auch
258ff., z.B. afr. mfr. essever ‘ent­ Marzell III: 1042).
wässern’, Neufch. saiwer und nokz.
eissaga ‘ausspülen’) und ex-caldāre santantònesc sm.pl. ‘Flieder’ (Das

63
Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­ sbaissech: Zu dt. (tir.?) schweißig (El­
nal von 1933). ♦ Das Wort leitet sich wert 1943: 195; Zanotti 1990: 144). ►
wie viele andere Pflanzennamen von F sbaissech
einem Heiligennamen ab. Warum aber
der Hl. Antonius hier Namensgeber ist, sblauscé ‘beim Mähen das Gras schlecht
vermag ich nicht zu sagen. Möglicher­ schneiden; viel zurücklassen, weil die
weise liegt auch hier eine Namensüber­ Sense wenig schneidet; beim Essen
tragung vor. Der Flieder wird im Üb­ schlürfen’  sblausciamënt ‘Schlürfen
rigen oft mit dem Holunder ver­ bem Essen’
wechselt (vgl. auch AIS 607).
scacaré/scaché ‘verschwenden [im Haus­
śaurasupa ‘saure Suppe, Kuttelflecksup­ halt, beim Kochen]’ ♦ Lardschneider
pe’ ♦ Dtir. für saure Suppe (Lard­ hält eine Verbindung mit fränk. skak
schneider). ‘Raub’ (REW 7969), von welchem alt­
nordit. scaco stamme, für denkbar.
sbaizer ‘Schweizerkäse’ ♦ Dt. (Lard­ Wahrscheinlich ist das Wort jedoch
schneider). wie grödn. sciacaré im EWD unter
sciacarè ‘schachern, feilschen, Handel
sbaizra ‘weiß gefleckte Kuh’ ♦ Tir. treiben’ zu stellen (tirolerischer Her­
schwaizer ‘Schweizer [Kuh]’. kunft). Die Bedeutung ‘verschwenden’
dürfte dann sekundär sein; alte und
sbalé ‘Schnee [z.B. von den Schuhen] ab­ neue Bedeutung sind noch in fass.
kratzen’ scacarer enthalten.  scacaron
In Lardschneiders Original ist die Be­ ‘Verschwender’
deutung als ‘mit Schneeball bewerfen’
angegeben. ♦ Lardschneider denkt an scaderné ‘aus den Fugen bringen’ ♦ Von
ahd. balla ‘Ball’ (REW 908, nicht im it. squadernare ‘durchblättern, vor
LEI) als möglichem Etymon. Im FEW Augen halten, unter die Nase halten’
(I: 216f.) steht unter dem Lemma germ. (Lardschneider). Gsell (1996b: 229)
*balla ‘Ballen’ der Beleg afr. esbaler scheint an eine erbwörtliche Entwick­
‘débarasser; entledigen’, was gut zu un­ lung zu lat. quaternus ‘jeder vierte’
serem Lemma passen würde. (REW 6944) zu denken. Das Wort ist
auch fass. (Hinweis Fabio Chiocchetti).
sbaraica: furní ala sbaraica ► B descadergné
‘schlecht/sonderbar/unpassend ge­
kleidet’ ♦ Lardschneider gibt keine Ety­ scalzé ‘hinten ausschlagen’ ♦ Von it. scal­
mologie an. Gsell (1991a: 122) führt ciare ‘dito’ (Lardschneider). ► (F
diesen wie nächsten Eintrag auf ven. a scalz)  scalzeda ‘Schlag mit einem
la sbara(g)ia bzw. sbara(g)iar ‘sba­ Hinterfuß’
ragliare, disperdere’ zurück. ► B
scané ‘spreizen’  scanetl ‘(meist
sbaraites sf.pl. ‘Rausch, Ausschreitungen kleiner) Mensch mit O-Beinen’
eines Lumpen, Unordnung’ ♦ Lard­
schneider gibt keine Etymologie an. scarabaita ‘unordentliches, ausgelassenes
Das Wort gehört zum vorhergehenden Frauenzimmer’ ♦ Bei Lardschneider
Eintrag. heißt es: “Schn[eller] 178 gibt wtir.
scaraguaita ‘Scharwache’, grödn. also
sbaviz(e) ‘schlüpfrig’ ♦ Im Fass. heißt es zunächst ‘ein Weib, das sich mit den

64
Wachsoldaten abgibt”. Zusammenhang Fugen, aus den Dauben’ ♦ Das Wort ist
mit → sbaraica ‘schlecht gekleidet’? zu gad. scherdëi ‘undicht, aus den
Fugen’ zu stellen, das im EWD fehlt.
scarjé ‘[von Kühen:] nicht aufnehmen, Lardschneider gibt keine Etymologie
nicht trächtig werden, alle 2-3 Wochen an, fragt aber, ob es sich um eine De­
brünstig sein’ ♦ Sollte im EWD unter rivation von schedra ‘Winkelmaß,
scarastrè/scarajè ‘bespringen [Kuh]’ Lineal’ handelt. Gsell (1996b: 229)
stehen (Gsell 1996b: 228). hingegen denkt an eine (direkte) An­
bindung an lat. quadrus ‘viereckig’
scech ‘Erlagschein, Scheck’ (Das Lemma (REW 6921) und/oder quaternus ‘jeder
fehlt in Lardschneiders Original von vierte’ (REW 6944). ► F scherdeil, B
1933). ♦ Dt. Scheck. scherden

scef ‘Vorstand’ (Das Lemma fehlt in sciaduné ‘viereckiger, nach unten vereng­
Lardschneiders Original von 1933). ♦ ter Behälter, in den die Köchin die
Dt. Chef. Schöpflöffel usw. gibt’ ♦ Derivation
von sciadon ‘Löffel’ (Lardschneider).
scefra ‘weiß gekleidetes Mädchen bei fei­
erlichen Umzügen’ ♦ Dt. Schäferin sciaferné ‘Aufträge erteilen, anschaffen
(Lardschneider). (am unrechten Platz, überflüssig, ohne
Recht oder Verständnis)’ ♦ Tir. schaffn
scela ‘Stiege, Treppe’ ♦ Lat. scala ‘dito’ (Schatz 508), “wohl mit Einmischung
(Lardschneider). ► F sciala des Subst. Schaffer” (Lardschneider).
Ließe sich im EWD evtl. zu sciòfer
scelper ‘großer Meißel’ ♦ Sollte im EWD ‘Verwalter’ stellen (vgl. Gsell 1996b:
unter dem Lemma scarpél 254).  sciafernadoi ‘einer, der alles
‘Stemmeisen, Meißel’ stehen.  scial­ leiten/verstehen will, ohne das Recht
perné ‘mit dem Meißel arbeiten/be­ oder das Verständnis dazu zu haben’
arbeiten’
sciaftighé ‘in allem anschaffen/befehlen
scëmia ‘Maske, Larve; [verächtlich:] wollen, ein rechtes “Getue” haben’ ♦
Gesicht’ Tir. gschaftlεn ‘sich vordringlich betä­
tigen’ (Schatz 219) (Lardschneider).
scésela ‘Falte des Weiberrockes, eine Rei­
he Falten des Weiberrockes’ ♦ Tir. scialam(i) ‘Salami’ ♦ Gemäß Lard­
schessl ‘frei herunterhängender unterer schneider Entlehnung von it. salami
Teil eines Oberkleides’ (Schöpf 744) ‘dito’. Aufgrund des Anlautes ist wohl
(Lardschneider). eher von einem Norditalianismus aus­
zugehen. ► F B
schelza ‘ellipsenförmiger Ring bei der
Brettersäge, der das Säugetier mit der scialier ‘Stufe einer Treppe’ ♦ Lat. scala
Triebkurbel verbindet’ mit dem Suffix, das sich auch in flelir
‘Stiel des Dreschflegels’ und lesir
schenn sm. ‘“ums Kennen”’ ♦ Dt. ums ‘Kufe des Schlittens’ findet (Lard­
Kennen > (um)s Kenn(en) (Lardschnei­ schneider). → scela. ► F sciala
der).
scialperné ‘mit dem Meißel arbeiten/be­
scherdëil/sgherdëil ‘auseinander, aus den arbeiten’ ♦ Neubildung zu → scèlper

65
‘großer Meißel’ (Lardschneider). die latinisierten Formen des Typs si­
gnur auf).
scialpiër ‘Leiter in einer Felsschlucht (be­
stehend aus einem verdorrten Baum, sciorf ‘streng’ ♦ Tir. schąrf ‘dito’ (Schöpf
den man umgelegt hat und dessen Äste 591, Schatz 512) (Lardschneider). ► F
die Sprossen bilden); Röhrenbohrer’ ♦ B
Bei Lardschneider heißt es: “lautlich
Ablg. von shèlper, begrifflich müsste sciosció: l ie n pue da sciosció ‘er ist et­
man annehmen, dass es urspr. eine grob was dumm/geistig beschränkt’ ♦ Ge­
ausgemeisselte Stiege oder Leiter ge­ mäß Lardschneider von tir. so-so ‘mit­
wesen, was wohl leicht möglich ist.” telmäßig’ (Schöpf 678). Doch ist der
Konsonantismus eigenartig. Man
scies ‘Schießen, Schießscheibe’ ♦ Tir. möchte eher an expressiven Ursprung
schiessn (Fink 231). denken.

sćima ‘Baumwipfel [mit den Ästen dar­ sciossa ‘Frauenrock, mit vielen kleinen
an]’ ♦ Wohl it. cima ‘dito’ (Lard­ Falten versehen [Sonntagsrock]; ärmel­
schneider) bzw. tir. schintl ‘Schindel’ loses Unterhemd’ ♦ Bair.-österr. schoss
(Schatz 524, Fink 232). → cima.  ‘Kleidrock’ (REW 7986) (Lardschnei­
sćimá ‘[von Bäumen:] schön, schön der, Boquoi-Seifert 1984: 37).
gewachsen [mit vielen Ästen und
Zweigen]’ sciuel ‘Lederzunge vorne an den Schuhen’
► F scioatol
scintla ‘Dachschindel’ ♦ Dt. Schindel
(Lardschneider). sciup ‘Schub von Landstreichern, mittel­
losen Leuten’ ♦ Tir. schûb (Schatz 555)
scioia ‘Spaßmacher’ (Lardschneider).

sciola ‘Achsenlager der Normalachse in scoaciamin ‘Kaminfeger’ (Das Lemma


der Mühle, welche den drehenden fehlt in Lardschneiders Original von
Mühlstein trägt’ ♦ Gemäß Lard­ 1933). ♦ Sollte im EWD als Ableitung
schneider von tir. schâ*le ‘Schale, ge­ unter dem Lemma scuè ‘fegen’ stehen
höhltes Brett’ (Schöpf 588, Schatz (wie gad. scoaćiamìn).
510).
scunjeré ‘beschwören, flehentlich bitten;
scionza ‘gesamter Einsatz bei einem Spiel irgendwohin verzaubern, verbannen;
[bes. beim Kegeln]; Kegelspiel, bei einen, der lästig ist, fortbekommen/los­
dem jeder für sich spielt und der Beste werden’ ♦ Gemäß Lardschneider Ent­
den gesamten Einsatz [= la scionza] ge­ lehnung von it. scongiurare ‘beschwö­
winnt’ ♦ Tir. schąnz ‘Einsatz beim ren’. Die Lautung spricht für erbwört­
Kegelspiel’ (Schöpf 590, Schatz 511) liche Entwicklung aus lat. coniurāre
(Lardschneider). (mit verstärkendem dis- oder ex-). ► F
sconjurar
scior ‘Herr [als Hausherr]’ ♦ Ven. sior
(Lardschneider). Kann im EWD unter seculin ‘eher mager, nicht gerade fett [von
siùr ergänzt werden, wo bereits gad. Personen]’ ♦ Derivation von sëch ‘tro­
scior, buch. scior und fass. sior aufge­ cken, dürr’ (vgl. EWD sëch) wie matu­
nommen sind (daneben listet das EWD lin ‘närrisch’ von mat ‘närrisch’. Ist ge­

66
mäß Gsell (1996b: 255) auch im Buch.
zu Hause (secolin). se sfrundlé ‘sich drängen’ ♦ Liegt
vielleicht eine Rückbildung zu einem
sedil ‘kleiner Söller’ ♦ It. sedile ‘Sitz’ Partizip Präteritum sfront vor (→
(Lardschneider). sfronjer)?  sfrundleda ‘Zusammen­
pressen, Erdrücken’
segosta ‘Feuerkette’ ♦ Vgl. wtir. trient. se­
gosta; Schneller (181) denkt an sgaioz → scaioz
succutere, pp. secusta ‘in die Höhe ge­
hoben’, doch vermag ich die seman­ sgherdëil → scherdëil
tische Entwicklung nicht nachzuvoll­
ziehen. Lardschneider gibt keine wei­ sgors ‘Anlauf; Schichte, Reihe’ ♦ Lard­
tere Etymologie an. Der Herkunft muss schneider schlägt zwei Thesen vor: lat.
einstweilen ungeklärt bleiben. ► F ex-cursus oder postverbal zu → se
sgursè ‘einen Anlauf nehmen’. In Fassa
sejelé ‘Korn schneiden’ ♦ Sollte im EWD ist die Form engors üblich (Hinweis
als Ableitung unter dem Lemma sëjura Fabio Chiocchetti).
‘Sichel’ stehen (wie grödn. seslè). ► B
sejeladou sgura ‘saure Molke, die man verwendete,
um den Salat zuzubereiten; schlechte
sëlva ‘Wald, Waldung, großer Wald [das Schlegelmilch, schlechte Suppe,
Wort wird in Sagen, Märchen u.ä. ge­ schlechter Wein, überhaupt schlechtes
braucht, gar nicht aber für einen Wald Getränk’ ♦ Wohl nordit. (vgl. lomb.
im Tale selbst]’ ♦ It. selva, lat. silva sgurà ‘fegen’, moden. sgureer ‘reini­
‘Wald’ (Lardschneider). ► F B gen’) (Lardschneider). Es bietet sich
jedoch eher ein Zusammenhang mit →
senester ‘unbequem, lästig’ ♦ Lat. sinister fass. jagura ‘Art Essig, der von den
bzw. sinexter (REW 7947) (Lard­ Bauern durch Sauerwerden der Molke
schneider). ► F und Zusatz von Sauerampfer gewonnen
wird; Käsewasseressig’ an (man
seniá ‘Geweihtes [geweihte Kräuter, die vergleiche die dortige etymologische
man dann aufs Feld oder übers Heu Diskussion). ► F jagura
streut, auch dem Vieh gibt, wenn man
glaubt, es sei verhext]’ ♦ Lässt sich im se sgursé ‘einen Anlauf nehmen’ ♦ Lat.
EWD als Ableitung unter dem Lemma excursare ‘auslaufen’ (REW 2993)
signé ‘das Kreuzzeichen machen’ ein­ (Lardschneider; Aschenbrenner 1972:
ordnen. 37). Vgl. dazu auch → sgors.
śessl ‘Kirchenbank’ ♦ Mhd. sezzel ‘Sessel’ siena ‘Strauch’ ♦ Nur dolomitenladinisch.
(Lardschneider). ► F sesla Von vorröm. *sena ‘Hecke, Zaun aus
Stauden’ (Hubschmid 1950b: 21).
sfinderla ‘Leinwandfaden’
siepa ‘[Krankheit der Schafe: Bläh­
sfronjer ‘drängen’ ♦ Lardschneider gibt sucht?]’
keine Etymologie an. Besteht ein Zu­
sammenhang mit sfranjer ‘zerdrücken, sieres ‘Molke’ ♦ Lat. sērum ‘Spätmolke’
zerquetschen’ (dieses im EWD unter (Lardschneider).
frënje ‘reiben, drücken’)?

67
slabergoz ‘schlecht Gekochtes; Misch­ 4057) oder harpago ‘Hakenstange’
masch; Kraut und Rüben durchein­ (REW 4055) vor. Die fass. und buch.
ander’ ♦ In slaber dürfte die tir. Basis Formen gehören ebenfalls hierher (im
repräsentiert sein, die auch in tir. Moenat heißt es argion). ► F arlion, B
schlâwεrn ‘schlürfend trinken, schnap­ arion
pend essen’, schlôwεrsupe ‘lautere
Brennsuppe’ (Schatz 528) steckt; goz slaterné ‘schlottern, wackeln; nicht fest­
ist lat. *guttia ‘Tropfen’ (vgl. REW geheftet sein’ ♦ Tir. schlattern ‘locker
3928, 3929). ► F slaber ‘verlängerter sein’ (Schöpf 624, Schatz 529) (Lard­
und wenig gutschmeckender Kaffee’, schneider). Lässt sich im EWD auch zu
(B slagarot) slanghernè ‘wackeln’ stellen (Gsell
1996b: 256).► (F slender?), slenderné
slacarin ‘erweicht, lauter, nachgiebig’ ►
(F slagarí ‘erweicht, lauter, nachgie­ slauderné ‘verleumden’ ♦ Tir. schlaudεrn
big’?) ‘übereilt, nachlässig verfahren’ (Schöpf
618, Schatz 529) (Lardschneider).
slagl ‘Vogelfalle’ ♦ Tir. schlâgl ‘dito’ Eigenartige semantische Entwicklung.
(Schöpf 614, Schatz 526) (Lard­
schneider). ► F slagher slei ‘Schauder, Schrecken’ ♦ Zu lat. gladi­
us ‘Schwert’ (REW 3773)? Vgl. piem.
slaidra ‘Ohrgehänge; Eisenring’ ♦ Tir. sgiai ‘Angst’ (DIDE 12), aokz. glai
schlaidεr ‘Eisenklammer’ (Schöpf 621, ‘effroi, Schreck’, akat. esglay ‘Schreck’
Schatz 532) (Lardschneider). ► F etc. (FEW IV: 144ff.).

se slamadé/se slamedé ‘sich (mit Kot u.ä. slëuf ‘locker in richtigem Maße’ ♦ Sollte
auf dem Wege) beschmutzen’ ♦ Lard­ im EWD unter slóf ‘lose gedreht
schneider gibt keine Etymologie an. [Garn]’ stehen.
Eine Ableitung zu dt./tir. Schlamm?
Oder eine Kreuzung aus dt./tir. slica ‘etw. Lauteres [z.B. Straßenkot]’ ♦
Schlamm und ledam ‘Schmutz, Unrat’. Lardschneider hält dt. Schlick ‘ange­
 slamadëusa ‘unreinliche Frau, die schwemmter lehmartiger Boden’ als
sich immer leicht schmutzig macht’ Etymon möglich (→ slihta).

slanch: fé na rocia en slanch ‘einen slihta ‘etw. lauter Gekochtes [für Kälber
Frauenrock schlank, nach oben verengt, kocht man etw. Mehl in Wasser];
fertigen’ ♦ Dt. schlank (Lardschneider). lauteres Mus’ ♦ Lardschneider hält dt.
► (F slancent ‘schlank, behände’) Schlich ‘Schlamm, den zurücktretendes
Wasser zurücklässt’ als Etymon
slargion ‘Querstück an einer Kette [womit möglich (→ slica).
sie innerhalb eines Loches festgehalten
wird, z.B. die Kuhkette am Barren, die slimé ‘(die Gedärme) ausputzen’ ♦ Lat. ex
Uhrkette im Knopfloch der Weste]’ ♦ + līmus ‘Schlamm’ (REW 5058) (Lard­
Gemäß Lardschneider Derivation zu schneider).  slimëus ‘schlüpfrig [von
lat. largus ‘breit’. Ist dann wohl zu gad. Wegen]’
slargé (vgl. EWD), grödn. slargë
‘erweitern, breiter machen’ zu stellen. slofa ‘Frau, die zuviel isst’ ♦ Lard­
Möglicherweise liegt aber auch eine schneider denkt an trent. slofa ‘leiser
Tochterform zu harpax ‘Haken’ (REW Furz; Schwätzerin’ (Ricci). Dies ist se­

68
mantisch unbefriedigend. Vielmehr ist schneider).
an einen Zusammenhang mit frl. slofā(
‘mangiare ingordamente’ zu denken, snuera ‘Schnur, aus Garn oder Spagat ge­
die das DIDE auf lō!f ‘Wolf; gefräßige wunden, welche man an die Peitsche
Person’ zurückführt: “dal femminile hängt [daran wird dann erst die cuera
lóve ‘lupa’ il sinonimo (s)lovā(”. Gsell (= Seidenschnur) befestigt]’ ♦ Mhd.
(1993a: 122) stützt diese Deutung und snuor ‘Schnur’ (Lardschneider). Oder
geht von einem ven.-trent. Lehnwort eher tir. schnuer ‘Schnur’, wofür der
aus (vgl. Slofón ‘pappone’ bei Prati sachlich-kulturelle Aspekt spricht.
[1968: 169]). ► (B slo(v)é)
sobanch ‘Abortschmutz’ ♦ Lat. sub +
smaché ‘schmal abbeißen’ ♦ Wtir. (Lard­ germ. bank oder erst grödnische Zu­
schneider). sammensetzung (Lardschneider).

smagë ‘ausfressen [Holz durch ständige soia ‘Saumgurt [der Gurt, welcher die
Reibung]; eine Höhlung ausreiben Ladung am Sattel festhält]’ ♦ Lat. sōca
durch häufigen Gebrauch’ ♦ Derivation ‘Seil’ (REW 8051) (Lardschneider).
zu magë ‘fressen’ (Lardschneider). Dagegen gehen die gad., fass., buch.
und amp. Formen gemäß Gsell (1991a:
snaida ‘Bergkamm, Grat’ ♦ Tir. die 128) auf ven. soga zurück (vgl. auch
schneid ‘dito’ (Schöpf 639) (Lard­ Prati 1968: 171). ► F B soga
schneider).
śolba ‘Salbe’ ♦ Gemäß Lardschneider von
snait/snaida ‘Mut, Entschlossenheit’ ♦ tir. sąlwε ‘dito’ (Schöpf 577, Schatz
Tir. die schneid ‘dito’ (Schöpf 639, 502). Eigenartig ist dabei das [z-].
Schatz 545) (Lardschneider; Zanotti
1990: 160). ► F B śolbra ‘nichtsnutziges Frauenzimmer’

snaridl ‘Nasenschleimmenge’ ♦ Lat. ex + soltner ‘Saltner, Weinbergwächter’ ♦ Tir.


*narīcula ‘Nasenloch’ (REW 5825) sąltnεr ‘dito’ (Schöpf 578, Schatz 503)
(Lardschneider). Sollte im EWD unter (Lardschneider).
narìsc stehen (wie fass. snarìglie). ► F
snarigle sopia ‘Querstange an den Schleifen’ ♦ Ge­
mäß Lardschneider und REW (8375)
snegher ‘tiefer Schnitt ins Fleisch’ von lat. sublica ‘Brückenpfahl’. Schon
das REW schreibt jedoch: “Schwierig
snipa ‘[verächtlich:] Mund, Schnabel’ ♦ bleibt die Unterdrückung des -l-”; es
Mhd. snippen ‘schnappen, in kurzer verweist daher weiter auf lat.
Bewegung schnellen’ (Lardschneider). suppedaneus ‘Fußschemel’ (REW
 snipá ‘vorlaut’ 8465). Aschenbrenner (1972: 83)
schreibt unter Verweis auf Hubschmid
(1950a: 347): “Es ist denkbar, daß
snirtl ‘Schleifrolle aus Zirbelholz’ ♦ Tir.
durch Kontamination *supica
schnirggl ‘dito’ (Lardschneider).
entstanden sei, das über *supia zu
zentrallad. sópia [...] führen konnte.”►
snobla ‘Plaudertasche, plauderhaftes
F
Mädchen’ ♦ Tir. schnâ*bl ‘Schnabel,
Rüssel; vorlautes, schnippisches Kind’ sotët ‘Dachboden’ ♦ Lat. *sub-tēctum
(Schöpf 633, Schatz 541) (Lard­

69
‘Unter-Dach’ (Lardschneider). Tischlers, mit dem er die zu hobelnden
Bretter auf der einen Seite stützt (das
sotsëura ‘Unordnung’ ♦ Kompositum aus andere Ende ist im Schraubstock fest­
sot ‘tief’ (< lat. subtum) und sëura gemacht)’ ♦ Tir. schrâ*gn ‘Gestell mit 4
‘über’ (< lat. supra). Das Kompositum schrägen Beinen, Gestell als Unterlage’
fehlt im EWD unter dem Lemma sót (Schöpf 645, Schatz 551) (Lard­
‘unter’ (im Gegensatz zu gad. sotissura schneider).
‘Durcheinander’ und den fass. Vari­
anten). sroma ‘Schramme, Narbe’ ♦ Tir. schrąm­
mε ‘dito’ (Schöpf 645, Schatz 551)
spénodl ‘Haarnadel’ ♦ Tir. spênâ*dl (Lardschneider).
‘Stecknadel’ (Schöpf 683, Schatz 584)
(Lardschneider). ► F stadif ‘[von Wetter:] lange gleichbleibend
(schön oder schlecht)’ ♦ Lat. stativus
a spieta ‘auf Zuwarten’ ♦ Postverbal zu ‘stehend, still stehend’ (Lardschneider).
(a)spité ‘erwarten’ (< lat. *adspectare) Ließe sich im EWD als Ableitung unter
(Lardschneider). Sollte im EWD als stè ‘sein’ einordnen.
Ableitung unter dem Lemma aspetè
‘warten’ stehen (vgl. gad. a spéta ‘auf stafuná ‘verstopft’ ♦ Zu germ. stopfa
Kredit’). ► F spet, B speta ‘Fülling, Stoff’ (REW 8332).

spilené ‘beim Preferancespiel Spieler stauscia ‘richtiger Augenblick’


sein’ ♦ Tir. spîln ‘spielen’ (Schöpf 688,
Schatz 586) (Lardschneider). Das Wort stauscië ‘verrenken’ ♦ Möglicherweise
sollte im EWD unter dem Lemma spil dt./tir. stauchn (Schatz 598) (Lard­
stehen (wie gad. spilnè teàter ‘Theater schneider).
spielen’).
stefta ‘Schuhnagel, kurzer Nagel’ ♦ Tir.
spíndel ‘Stab; Sprosse des rutl, senkrecht steftε ‘dito; Stift’ (Schöpf 704, Schatz
stehend’ ♦ Dt. die Spindel (Lard­ 599) (Lardschneider).
schneider).
stënder ‘ausbreiten [z.B. Tuch]’ ♦ Lat.
spínerl ‘mager, dünn, schlank’ ♦ Lard­ extendere ‘dito’ (Lardschneider).
schneider führt das Wort auf mhd.
spinnel, spinele ‘Spindelförmiges, stermile ‘große Menge, Unmenge’ (Das
Walzenförmiges’. Ich möchte noch auf Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­
tir. spindldírr ‘sehr dünn’ verweisen nal von 1933). ♦ Sollte im EWD als
(Schatz 586). Ableitung unter dem Lemma strumenè
‘etwas verlegen’ (wie buch stermìnio
springher ‘[eine eigene Art geschnitztes ‘großer Haufen, große Menge’). Unter
Spielzeug]’ ♦ Dt. (Lardschneider). diesem Lemma befinden sich auch die
grödnischen Formen stermìnio und
srógheni/srógheri ‘hölzernes Gestell, um stermìlio.
die Brotbretter übereinander aufzulegen
(senkrechte Stangen mit Querleisten); stermin ‘Beuteltuch zum Ausnähen’ ♦
Holzrahmen mit Haken, um das ge­ Sollte im EWD als Ableitung unter
schlachtete Jungvieh aufzuhängen; za­ dem Lemma stràn ‘Stroh’ stehen (wie
ckig ausgeschnittenes Gestell des gad. stranìn ‘Putzlappen’, fass. stramin

70
‘Stramin zum Stricken’). auch im EWD (VII: 110f.) verzeichnet.
Möglicherweise haben hier zwei Fakto­
stërpa ‘alte Ziege, die nicht mehr auf­ ren zusammengewirkt, so dass man von
nimmt; [auch Schimpfwort für un­ folgender Filiation ausgehen könnte:
ordentliche, nachlässig gekleidete Frau­ (1) von grödn. tlof ‘Hülse’ wird ein
en]’ ♦ Lat. *exstirpus ‘unfruchtbar’ stlufé (lat. *ex-kelyph-are) ‘enthülsen,
(REW 3072) (Lardschneider, DIDE ergo: abschälen’ gebildet, (2) davon
416). Kommt auch in Enneberg vor wird dann wieder ein stlofa ‘Frucht­
(stèrpa) (Gsell 1996b: 246). Vielleicht schale’ gebildet, (a) per Rückableitung
übers Ven. (vgl. Prati 1968: 178). ► F und (b) gefördert von der Existenz von
sterpesc, B mhd. sloufe, dessen Bedeutung als me­
taphorisch zu ‘Hülse’ gesehen werden
stíbel ‘kleine Schlafkammer neben dem konnte.
Wohnzimmer’ ♦ Tir. stîbl ‘kleine heiz­
bare Stube’ (Schöpf 723, Schatz 615) stoch: fé al stoch ‘[Kinderspiel:] jeder
(Lardschneider). versucht, einen Kreuzer in ein Loch am
Boden zu werfen; wer dem Loch am
stiërn ‘mit weißem Kopf [sonst rot, von nächsten kommt, darf als erster weiter­
Rindern]’ ♦ Tir. stearna ‘Kuh mit spielen; er schlägt mit einem Stein auf
weißem Fleck auf der Stirn’ (Schöpf die übereinander gelegten Kreuzer, und
350, Schatz 602) (Lardschneider).  alle Kreuzer, die mit dem Kopf nach
stiërna ‘Kuh mit weißem Kopf’ oben zu liegen kommen, gehören ihm;
wenn kein Kreuzer mehr mit dem Kopf
stifté ‘stiften’ ♦ Dt. stiften (Lard­ nach oben zu liegen kommt, ist der
schneider). nächste Spieler dran]’ ♦ Lardschneider
gibt keine genaue Etymologie an,
stintl ‘Stengel’ ♦ Tir. stingl ‘dito’ (Schöpf schreibt aber: “jedenfalls dt.”.
712, Schatz 605) (Lardschneider).
Gsell (1996b: 246) verweist darüber stòl ‘Haken des Pferdehufeisens’ ♦ Sollte
hinaus auf gad. stinfa ‘Stengel, Zweig’ im EWD unter dem Lemma stòl ‘Huf­
als möglichem Verwandten. eisendorn’ stehen.

stirpa ‘Spur’ stom ‘stumm’ ♦ Ahd. stumm (Lard­


schneider).
stiza ‘Stütze [konkret]’ ♦ Nhd. Stütze oder
tir. Entsprechung (Lardschneider). stonder ‘Stand-, Steh-, Anlagefass’ ♦ Tir.
stąndεr (Schöpf 809 und 699, Schatz
stlufé ‘schälen, abschälen’ ♦ Eine par­ 596) (Lardschneider).
allele verbale Form gibt es auch im
Fass. (Hinweis Fabio Chiocchetti). stont ‘Obst-, Gemüsestand’ ♦ Tir. stąnd
Lardschneider nennt zum einen mhd. ‘Stand, Verkaufsstand’ (Schöpf 699,
sloufe ‘Bekleidung (eines Säuglings)’ Schatz 596) (Lardschneider). ► F
und mhd. s(c)loufen ‘schlüpfen lassen,
schlüpfen’, schreibt aber zum anderen storza ‘Ziehbrunneneimer’ (Das Lemma
auch: “an [REW 4688] grch. kelyphos fehlt in Lardschneiders Original von
‘Schale, Hülse’, erinnert grödn. tlóf 1933).
‘Hülse’, das viell. wieder von ‘stlófa’
nicht zu trennen ist”. Diese These ist stradlon ‘langes, schlechtes Gras’

71
strajuré ‘feierlich schwören’ ♦ Lässt sich stropacúi ‘Frucht der Rosa canina, Hage­
im EWD als Ableitung unter dem butte’ ♦ Trent. stropacul ‘rosa di mac­
Lemma juré ‘schwören’ einordnen. chia o canina’ (Lardschneider). ► B
stropacul
stralòia ‘Sonderling, Hexenmandl’ (Das
Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­ strosa ‘Schlitten, Steinfuhre; Egge mit
nal von 1933). ♦ Belardi (1994: 29ff.) Äste, um Dünger auf dem Felde zu zer­
führt das Wort auf eine lat. Verbalform kleinern’ ♦ Lardschneider gibt lediglich
*(a)strólocat (zu *astrolocāre, einer in Klammern an: “formell wäre es das
postulierten Ableitung von astrologus Fem. zu stróz [‘Haken, der in einen ge­
‘Astrologe’ (LEI III,2: 1965). Über alt­ schleppten Baum eingeschlagen wird’],
grödn. *strólo*ia, dann mittels Akzen­ die Grundbed. von beiden das
tumsprung *stroló*ia (wie bei anderen Schleifen am Boden”. Das Wort wäre
Proparoxytona, z.B. lat. ordĭnat > im EWD wie gad. stróza ‘Kurz­
grödn. ordëina) und schließlich volks­ schlitten’ zu lad. strozè ‘schleppen,
etymologischer Umdeutung der ersten schleifen’ zu stellen. Gsell (1996b:
Silbe zu stra- (sonst lat. extra- oder 249) führt das Wort wie lad. strozè
trans-) gelangte man zur modernen ‘schleppen, schleifen’ auf bair.-alem.
Form. Die These stützt sich auf sehr strutzen ‘schleppen, schleifen’ zurück
viele Ausnahmeentwicklungen. Lässt (und nicht wie das EWD [VI: 40ff.] auf
sich im EWD noch zu stròligo ‘Son­ lat. *tractiāre), wobei das -ó- dann auf
derling’ stellen (Gsell 1996b: 259). dieselbe Quelle zurückgehen müsste
wie nordit. (s)trüsa (Gsell 1991a: 159)
stravagant ‘wunderlich, ungewöhnlich, (vgl. dazu auch die Ausführungen unter
sonderbar’ ♦ It. stravagante ‘dito’ → stroser und bei Aschenbrenner
(Lardschneider). ► F  stravagant [1972: 70]). Auch fass. und buch. (vgl.
‘Sonderling’ Zanotti 1990: 177, Vigolo 1993b: 299).
►F
straverté ‘durcheinanderbringen’ ♦ Lard­
schneider fragt ob, lat. *extra-vertere stroser ‘Vagabund, Landstreicher’ ♦ Lard­
dahinterstehen könnte? Möglicherweise schneider gibt keine genaue Etymolo­
ist das Wort im EWD auch zu stravè gie an, schreibt aber, dass es sich auf
‘verstreuen, verschütten’ zu stellen. jeden Fall um ein deutsches Wort han­
deln müsse. Pallabazzer (1986: 351)
straverton ‘schlechter, verkrüppelter alter verknüpft das Wort mit Laste stròseña,
Baum; unaufrichtiger, schwer zu be­ Alleghe stròsina ‘donnaccia, sgual­
handelnder Mensch’ ♦ Gemäß Lard­ drina’, dem phraseologischen Typ ji a
schneider Derivation zu straverté stroz ‘girovagare, andare a zonzo; fare
‘durcheinanderbringen’, doch wie wäre la sgualdrina’ und strozé ‘trascinare’
dies semantisch zu erklären? ► /F und sieht dahinter ein tir. strutzn
stravert) ‘Holzstämme am Wege schleifen’
(Schatz 615). Das Wort sollte dann im
strieva ‘magere Frau’ EWD unter dem Stichwort strozè
‘schleppen, schleifen; Holz ziehen’
stropa ‘Weidenband’ ♦ It. stroppa (Lard­ erscheinen. Das EWD (VI: 470ff.) hatte
schneider) bzw. trent. stropa ‘vermea lad. strozè ‘schleppen, schleifen; Holz
con cui si lega la vite ecc.’ (Ricci). ► F ziehen’ auf lat. *tractiāre zurückführen

72
wollen, was Gsell (1996b: 249) schon
deshalb ablehnt, weil dieses ja bereits suditëus ‘misstrauisch’ ♦ Lardschneider
in lad. stracè vorliege. Es sei tat­ vermutet – wohl zu Recht – eine De­
sächlich vielmehr von einem bair.- rivation zu sudezion ‘Scheu’ (Lard­
alem. strutzen ‘schleppen’ auszugehen. schneider).
Eigenartig bleibt freilich das -o-. Gsell
(1991a: 160) verweist deshalb auch auf śudler ‘einer, der beim Schreiben nach­
frnhd. strotzer ‘Vagabund, Landstrei­ lässig ist/kritzelt’ ♦ Tir. sûdlεr ‘dito’
cher’, das einen zusätzlichen Einfluss (Schatz 619) (Lardschneider). Eigen­
gehabt haben kann. artig ist die Aussprache mit [z-].

strufions sm.pl. ‘Klumpen von ge­ suel ‘[von Zimmern:] reinlich, sauber,
ronnenem Blut’ hell; [von der Stimme:] hoch und hell’
♦ Von lat. solidus; bezüglich der Be­
stuel ‘Stuhl’ ♦ Mhd. stuol (Lardschnei­ deutung verweist Lardschneider auf
der). ven. trent. solio ‘schietto’ (vgl. auch
Prati 1968: 172, Ricci), hinter dem er
stuné jú ‘in einem Streit vermittelnd ein­ ebenfalls lat. solidus vermutet. Fragli­
greifen, besänftigen, beschwichtigen’ ♦ che Theorie.
Gemäß Lardschneider Derivation von
ton ‘Ton, Klang’, wobei man dann eine sufrina ‘[eine Goldmünze]’ ♦ Lard­
Zwischenbedeutung ‘abtönen’ schneider verweist auf eine persönliche
annehmen müsste. ► F stoné Auskunft von Professor Dr. Karl Lech­
ner, gemäß welchem sufrina auf sou­
stuné ‘falsch spielen, falsch singen’ → verain d’or zurückgehe, einer nieder­
stuné ju ländischen Goldmünze, die seit ca.
1760 in den österreichischen Nieder­
stupeda ‘Ausklopfen eines Kleides’ ♦ De­ landen geprägt würde und einen Wert
rivation zu stupé ‘stauben, Staub von von 14 fl 56 kr habe.
sich geben [von Kleidern, die man aus­
klopft]’ (Lardschneider). suiá: l mel dal suiá ‘Bauchkolik,
Grimmen, Appendizitis, Typhlitis,
stupené ‘(Strümpfe) stopfen’ ♦ Lässt sich Blinddarm- oder Grimmdarmentzün­
im EWD als Ableitung unter dem dung’ ♦ Lässt sich im EWD als Ab­
Lemma stopè ‘zudecken, verstopfen’ leitung unter dem Lemma suié ‘trock­
einordnen.  stupeneda ‘Stopfen’ nen’ einordnen.

sturzé ‘das Wasser auswinden (aus der sumës ‘Spannweite zwischen Daumen
Wäsche durch Drehen)’ ♦ Lat. ex- + und Zeigefinger’ ♦ Lat. sēmissis ‘halber
*tortiare ‘drehen, winden’ (REW Aß, halber Fuß’ (REW 7812) (Lard­
8803) (Lardschneider). schneider). Auch im Gad. (enn. somés)
und Buch. (somâs) (Gsell 1996b: 241,
súbit ‘sofort, sogleich’ ♦ It. subito (Lard­ Pallabazzer 1980: 113); darüber hinaus
schneider).  subitëus ‘jähzornig’ auch im Fass. sowie in ganz Norditali­
en.► F somëis
sudezion ‘Scheu, Unterwürfigkeit’ ♦
Trent. sudizion ‘imbarazzo’ (Lard­ sunarin ‘Wecker(uhr)’ (Das Lemma fehlt
schneider, Ricci). ► F sudizion in Lardschneiders Original von 1933).

73
♦ Das Wort ist zu suné ‘klingeln, läu­ T
ten’ zu stellen.
tabela ‘Tabelle’ ♦ It. tabella (Lard­
suzeder ‘sich ereignen, geschehen’ ♦ schneider). ► F B
Sollte im EWD unter einem Lemma
suzéde stehen, das offenbar übersehen tacadum ‘ewiges Einerlei, immerwäh­
worden ist. ► F sozeder, B suzede rendes Reden/Schreien u.ä.’ ♦ Grödn.
Kompositum. Lässt sich im EWD als
se svacë ‘sich hinauslehnen, sich auf oder Ableitung unter den Lemmata tachè
über etw. hinlehnen’ ♦ Sollte im EWD ‘befestigen, kleben’ und adüm ‘ge­
unter dem Lemma asvaćé ‘sich meinsam’ einordnen.
anlehnen, sich anstemmen’ stehen.
Gsell (1989a: 149f.) setzt als Etymon tacë ‘beflecken, auf etw. einen Fleck ma­
ein lat. ex vacca an. ► B chen’ ♦ Derivation zu tacia ‘Fleck’
(Lardschneider, Gsell 1992a: 129). ►
svaië ‘schreien, laut rufen’ ♦ Lard­ F, B tacia  taculá ‘gesprenkelt, sche­
schneider gibt keine Etymologie an, ckig’
weist lediglich daraufhin, dass it.
sguaiato denselben Stamm haben talchené ‘teigig machen, teigig verarbei­
müsse, ebenso trent. sbaiar ‘bellen, ten’ ♦ Gemäß Lardschneider von nhd.
lärmen, schreien’, sbai ‘Bellen’, sbaion talken ‘zusammenkneten’, gemäß Gsell
‘Lärmmacher, Schreier’ (Ricci). Das (1992a: 141) jedoch wie gad. tolchenè
Wort wäre dann wie baië ‘bellen’ bzw. ‘undeutlich reden’ von tir. tąlggn ‘in
gad. ‘sprechen, reden’ auf ein expressi­ Breiigem herumdrücken, undeutlich
ves baiāre zurückzuführen.  svaiëur sprechen’ (Schatz 627).  talchëus
‘Geschrei; Klagegeschrei’, svaion ‘teigig, klebrig, talkig’
‘[bes. von Kindern:] Schreier’, svei
‘Schrei’ taliër ‘großer Bohrer’ ♦ Lardschneider
schreibt: “irgendwie zu taratrum”. Man
svansé ‘in der Mitte nach innen/unten geht am günstigsten von einer Form
biegen/drücken’ ♦ Lardschneider gibt *tāleārium (< tālea ‘Spitzpfahl; abge­
keine Etymologie an, schreibt aber, schnittenes Stück’, REW 8538) aus.
dass ven. svanzar ‘die Ecke, den Win­ Hängt wohl mit gad. tàia ‘Rundholz’
kel eines Gegenstandes, einer Mauer, zusammen.
einer Tischlerarbeit abschneiden’,
svanzà sm. ‘der Teil der Mauer, wel­ tancer ‘Trödler’ ♦ Gemäß Lardschneider
cher schräg abgeschnitten ist neben tir., “aber in Wbn. [= Wörterbüchern]
dem Fensterrahmen’) verwandt sein nicht zu finden”. In der Tat hat auch
könnten. Schatz (628) nur tantlεr (vgl. nächsten
Eintrag). Sekundäreinfluss?
svei ‘Schrei’ → svaië
tandler ‘Trödler’ ♦ Tir. tantlεr (Schatz
sverta ‘Schwarte (Seitenstück des Baumes 628). Vgl. dazu auch vorangehenden
beim Brettersägen)’ ♦ Mhd. swart(e) Eintrag.
‘Schwarte, Schwartenbrett’ (Lard­
schneider).  svertëus ‘mit viel tascina ‘Ochsenpolster (unter dem Joch
Schwarte’ auf dem Kopfe der Ochsen)’ ♦ Lässt
sich im EWD wohl unter tàscia ‘Ta­

74
sche’ einordnen. Pfote, Pranke’ einordnen.

tastené ‘wanken, schwanken, im Zickzack tea ‘Scheide, Futteral; leere Hülle, Etui’ ♦
gehen’ ♦ Dt. tasten (Lardschneider; Lat.-grch. theca ‘dito’ (REW 8699);
Aschenbrenner 1972: 43) oder lat. Lardschneider schreibt: “passt lautlich
*tastāre (Gsell 1999b: 227). ► F taste­ nicht genau, das grödn. Wort wird als
nar, B tastolé enb. gefühlt, aber auch dort passt es
lautlich nicht genau; eher eine Dissimi­
tatl ‘Schublade’ ♦ Tir. tâtl ‘Fach’ (Schöpf lation gegenüber dem -a, lautlich wäre
739, Schatz 630) (Lardschneider, El­ *tëia richtig, man hört auch neben ‘ci­
wert 1943: 245; Zanotti 1990: 185). aucëia’ die Form ‘ciaucèa’”. ► F teca
Kommt auch im Gadertal vor, fehlt
aber im EWD (Gsell 1992a: 133). ► F teáter ‘Theater; Schauspiel; Streitszene’ ♦
‘Mülleimer’ Neologismus (Lardschneider). ► F

taulon ‘Talon [eine oder zwei Karten, die tëigl ‘Tiegel; Dummkopf’ ♦ Tir. teigl
beim Verteilen abgesondert gelegt ‘dito’ (Schöpf 741, Schatz 634) (Lard­
werden und vom Spieler ausgetauscht schneider). ► B tègola
werden können]’ ♦ Tir. Rück­
entlehnung (Lardschneider). telpa ‘Kleidermotte’ ♦ Gemäß Lard­
schneider von lat. talpa ‘Maulwurf’
tausené ‘polternd schelten, laut schelten’ (REW 8586), was jedoch semantisch
♦ Lardschneider fragt, ob tir. tasmen kaum nachvollziehbar ist. Es ist zu­
‘tosen’ (Schöpf 747) dahinterstecken nächst von lat. tarmēs ‘Motte’ auszuge­
könnte. Vielleicht auch tir. tautsch hen (das Wort sollte demnach im EWD
‘grobschlächtiger Kerl’ (Fink 272)? ► unter tèrma ‘Motte’ stehen); mögli­
F taussenar cherweise fand jedoch irgendwie später
eine Kreuzung mit talpa statt. Gsell
taverna ‘Höhle, Spelunke; schlechte (1992a: 134) schreibt zu den grödn.
Hütte’ ♦ It. taverna ‘dito’ (Lard­ und fass. Formen: “Der Übergang ist
schneider). ► B tavierna wohl über *tarpa und *talpa erfolgt,
wie die räumlich koexistierenden Vari­
taxa ‘Taxe, Übernahmsgebühr bei Erb­ ante in AIS III, 482 erkennen
schaften oder Käufen’ ♦ Dt. (Lard­ lassen.”► F cialpa, celpa, telpa
schneider).
temult ‘Lärmszenen, polterndes Schelten
taza ‘Tasse’ ♦ It. tazza (Lardschneider). (auf Kinder)’ ♦ Gemäß Lardschneider
►FB Entlehnung von it. tumulto ‘dito’. Es ist
aber auch erbwörtliche Entwicklung
tazl ‘Handschuh, der nur das zweite und von tumultus denkbar.
dritte Glied der Finger (aber nicht die
Fingerspitzen) bedeckt [wurden früher tënia ‘böser Grind’ ♦ Lat. tinea ‘Kopf­
an den Festtagen von den Frauen viel grind’ (REW 8746) (Lardschneider).
getragen]’ ♦ Findet sich auch im Gad. Lebt auch im Gad. fort. Vgl. dazu auch
(tazl) und stammt von tir. tatzl ‘dito’ Gsell (1992a: 134, 1999b: 228). ► F B
(Schatz 631) (Gsell 1999b: 227). Lässt tegna
sich im EWD aber notfalls als Ab­
leitung unter dem Lemma tòza ‘Tatze, tercher ‘Nichtstuer, Vagabund, Landstrei­

75
cher’ ♦ Tir. tercher ‘Landstreicher’ tirá ‘sehr geizig’ ♦ It. tirato ‘geizig’
(Schöpf 81, Schatz 637) (Lard­ (Lardschneider). (Auch fass.; Hinweis
schneider; Elwert 1943: 242; Zanotti Fabio Chiocchetti).  tirá ‘Geizhals’
1990: 185). ► F
tirititua ‘Jodler’ ♦ Naturlaut (Lard­
tercin ‘luftgedörrte Rüben (als Viehfut­ schneider).
ter)’ ♦ Salvioni (1938: 90) sieht darin
eine Ableitung zu torrēre ‘rösten’ tlarí ‘klären, erklären’ (Das Lemma fehlt
(REW 8801). in Lardschneiders Original von 1933).
♦ Lässt sich im EWD als Ableitung un­
terla ‘Fensterladen, Fensterchen, Guck­ ter dem Lemma tlèr ‘klar’ einordnen.
loch (beim Beichtstuhl)’ ♦ Gemäß
Lardschneider tir. von Türlein (vgl. tlassa ‘Klasse [Schule, Eisenbahn]’ (Das
Schatz 668). Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­
nal von 1933). ♦ Variante zu classa.
terlich terlach! ‘[Interjektion des Unglau­ Sollte im EWD unter dem Lemma
bens]’ ♦ Lardschneider fragt, ob das clàssa ‘Klasse’ stehen.
Wort auf ein nordit. Etymon
zurückgehe. tlavier ‘Klavier’ (Das Lemma fehlt in
Lardschneiders Original von 1933). ♦
termënt ‘sehr, überaus’ ♦ Gemäß Lard­ Wohl aus dem Dt. entlehnt.
schneider Entlehnung von it. tremendo
‘schrecklich’. Angesichts der Lautung tlel ‘hölzerne Kanne mit langem Stiel;
ist aber auch erbwörtliche Entwicklung kleines, rundes Schaff mit einer Hand­
von lat. tremendus ‘zitternd’ denkbar. habe, wie sie die Wassereimer haben’
► F trement, B tremendo
tòmbula ‘Tombola’ ♦ It. tombula ‘dito’
tesor ‘Schatz’ ♦ It. tesoro ‘dito’ (Lard­ (Lardschneider). In den Wörterbüchern
schneider). ► F des Fassatals nicht verzeichnet, aber
auch dort zu hören (Hinweis Fabio
tíbet ‘Tibet [Stoffart für Kopftücher]’ ♦ Chiocchetti). ► B tòmbola
Dt. (Lardschneider).
tompra ‘Härtung, Stählung’ ♦ Sollte im
tica ‘Leid, Verletzung’ ♦ Lässt sich im EWD als Ableitung unter dem Lemma
EWD als Ableitung unter dem Lemma tumpurè ‘härten’ stehen (wie gad. tëm­
tichiné ‘misshandeln’ oder unter tìchisc pra ‘Stählung’).
‘tückisch’ einordnen. Das Wort scheint
eine Kontamination aus einer tonfla ‘hölzerne Puppe’ ► (F tonforlon
romanischen Wurzel und dem tir. tikkn ‘plumple, kleine Person’?)
darzustellen (Gsell 1991a: 150, 1992a:
135, 1999b: 230, 253)► F tica ‘Tücke, torcer ‘unreinlicher Mann’ ♦ Derivation
Groll, Schärfe, Rache’, (B tìchisc) zu → turcené ‘sudeln, mit Wasser un­
reinlich umgehen’ mit deutscher
tímpenes ‘Maultrommel’ ♦ It. timpano Endung (Lardschneider).
‘Pauke’ (Lardschneider). ► F tímpena
torzes ‘die großen Leuchter, auf denen die
tiota ‘Lärm’ Ministranten an hohen Feiertagen beim
Hochamt die Kerzen tragen; dicke,

76
reich verzierte Festtagskerzen’ ♦ Lard­ 1992a: 144, 1999b: 237).► F traina, B
schneider schreibt: “der Bed. nach it. treina (beide ‘Heureste auf der Wiese’)
torcia, also wohl Kirchenspr. (Es gibt
auch mhd. torze und dtir. die tarzen tral ‘eiserner Rechen mit einem Zinken an
‘Fackel’, Sch[öpf] 747.)” Doch erweist einem langen Stiel’ ♦ Lardschneider
sich sowohl lautlich als auch inhaltlich gibt keine Etymologie an. Es liegt eine
eher tir. torzn ‘kirchlicher Leuchter an lautlich-morphologische Variante zu →
Stangen’ (Schatz 643) als bessere Aus­ crala vor. Ausgangsform ist sicher tir.
gangsform. ► F torcia krâl ‘Ackergerät mit rechtwinklig ge­
bogenen Zinken; Kralle’ (Schatz 353).
tox ‘Ausrufungspreis bei Versteigerungen’
♦ Tir. tągs ‘dito’ (Schöpf 741, Schatz tram ‘Bodenbaum, Bodenbalken, Tra­
633) (Lardschneider). men’ ♦ Mhd. tram ‘dito’ (Lardschnei­
der). ► F B  tramesé ‘Tramen und
tra ‘Schusterdraht’ ♦ Auch in Fassa kann Fußboden legen’, ntramé ‘Tramen
man fil da tra hören (Hinweis Fabio legen’
Chiocchetti). Gemäß Lardschneider
möglicherweise von dt. Draht. transené ‘müßiggehen, langsam arbeiten,
Fraglich. nichts vom Fleck bringen’ ♦ Tir. tren­
zen ‘bei einer Arbeit langsam sein’
trabuní ‘irgendwohin vertragen oder (Schöpf 754) (bei Schatz 649 ist nur
verlegen, dass man das betreffende die Bedeutung ‘den Speichel fließen
Ding nicht mehr findet’ ♦ Man verglei­ lassen, leicht stöhnen’ verzeichnet)
che dazu auch ven. strabuir ‘alienare’ (Lardschneider).
(Frey 1962: 123). Ebenso vergleiche
man → trapiné ‘übersiedeln’. Lard­ trapiné ‘übersiedeln; [obj.] fortbringen,
schneider gibt keine Etymologie an. fortschaffen [leblose Gegenstände oder
Pallabazzer (1980: 122) denkt an einen Lebewesen, die sich nicht mehr selbst
Zusammenhang mit dt. treiben (mhd. bewegen können]’ ♦ Zu dem im EWD
trîben ‘treiben’) mit einer Übergangsb­ fehlenden gesamtladinischen Worttyp
edeutung ‘schleudern, werfen; ver­ schreibt Gsell (1992a: 145): “Man wird
setzen, verpflanzen’, was semantisch mit Schmeller [...] auf eine frühmittel­
problematisch bleibt. Steckt ein lat. alterliche germanische (ahd.?) Basis
extra-ponere mit Konjugationswechsel *trappôn ‘trappe(l)n, treten’ zurück­
dahinter? ► F (de)strabonir, B trabuí greifen dürfen [...] (vgl. FEW 17,
359f.)” (vgl. auch Gsell 1999b: 237f.).
traiber ‘Viehtreiber (anlässlich der Man vergleiche dazu auch → trabuní
Märkte)’ ♦ Tir. traiwer ‘dito’ (Schöpf ‘irgedwohin vertragen’. Aschenbrenner
754, Schatz 648) (Lardschneider). ► F (1972: 67) schreibt zu Recht, dass tir.
B trappm ‘fest schreitend, rasch gehen’
(Schatz 646) weniger gut passt. ► F
traina ‘Einerlei’ ♦ Nordit. traina trapiner, B
‘Schleppen, Fuhre’ (Lardschneider).
Der gesamtladinische Worttyp zeigt trënser ‘nichtstuender Mensch’ ♦ Tir.
eine breite semantische Entfaltung: trenzer ‘der langsam ist, langsam zu­
gad. ‘ermüdender, langweiliger Vor­ greift’ (Schöpf 755) (Lardschneider).
gang’ (fehlt im EWD), grödn. ‘Einer­
lei’, fass. buch. ‘Heureste’ (Gsell tretlé ‘mehrmals hintereinander oder häu­

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fig furzen’ ♦ Wohl Naturlaut (Lard­ tulmac ‘Dolmetsch’ ♦ Sollte im EWD un­
schneider). ► F trechie ter dem Lemma tólmec ‘dito’ stehen.

trip ‘Vorrichtung, mit der beim Heufuder tumencel ‘Vorspanndeichsel; Deichsel für
der Strick, der den Heubaum vorne die Egge’ ♦ Sollte im EWD als Ab­
fasst, gespannt wird [rückwärts wird leitung unter dem Lemma tumùn
der Heubaum durch l ciabl festgehal­ ‘Deichsel’ stehen (wie fass. temoncel
ten; der trip hat eine Walze, die mit den ‘Vorspanndeichsel’).
steles da trip gedreht wird; um sie wird
der Strick aufgedreht’ ♦ Dt. Trieb tumperjé ‘mischen, “pantschen”, (Wein
(Lardschneider) oder besser tir. trîb mit Wasser) vermischen’ ♦ Gemäß
‘Antrieb’ (Schatz 650), während gad. Lardschneider Derivation zu tumpré
trîbl ‘Hebel oder Rolle zum Seil­ ‘im Wasser abkühlen’. Man mag aber
spannen’ (EWD s.v.) aus mhd. trîbel auch an einen Zusammenhang mit gad.
‘Knebel’ oder bair. trîbl ‘hölzerne tumpurè denken, das auch ‘mischen’
Rolle’ stammt (Gsell 1999b: 239). bedeutet.

trola ‘schlechte, arbeitsscheue, unordent­ tunel ‘Tunnel’ ♦ Dt. (Lardschneider). ► F


liche Frau’ ♦ Lardschneider und B
Pallabazzer (1980: 122) sprechen sich
für eine tir. Etymologie aus, entweder tupa ‘Taube’ ♦ Ahd. tûba ‘dito’ (Lard­
trolle ‘kindisches Mädchen’ (Schöpf schneider).
750, Schatz 652) oder trolle ‘unbe­
hilfliches, plumpes Weib’ (Schöpf 758, turba ‘Schar, Haufen; Wettersturm, plötz­
Schatz 652) (vgl. auch DIDE 446). Das liches Ungewitter’ ♦ It. turba ‘Schar’
Wort ist auch gad., aber im EWD nicht (Lardschneider).
verzeichnet (Gsell 1992a: 147). ► (F
truie ‘schwerfälliger Mensch, lin­ turcené ‘sudeln, mit Wasser unreinlich
kischer Mensch, Klotz’?), B umgehen; beim Kochen unreinlich
arbeiten’ ♦ Tir. tartschen, tortschen ‘im
trosa ‘Erdgrübchen in steilen Wiesen; of­ Flüssigen tändeln, plätschern’ (Schatz
fene erdige Stelle’ ♦ Lardschneider will 629) (Lardschneider); auch ins Gad. als
sich auf keine Etymologie festlegen. torcenè entlehnt (Gsell 1992a: 142,
Möglicherweise besteht ein Zu­ 1999b: 235, 252). ► F torcenar 
sammenhang mit it.dial. tròso ‘Pfad’. turcenadoi ‘Sudler, Schmierer, unrein­
Dieses wird vom DIDE auf kelt. *tro­ liche Person’, turcenamënt ‘Sudelei,
giu/*troju ‘Weg’ zurückgeführt. Im Schmiererei, unreinliches Arbeiten
Grödn. hätte dann zusätzlich Motion (auch beim Kochen)’, torcer ‘unreinli­
stattgefunden. Die erbwörtliche Ent­ cher Mann’
wicklung von *tro(g)iu liegt in grödn.
troi vor. turist ‘Tourist’ ♦ Dt. (Lardschneider).

truga ‘Truhe’ ♦ Mhd. truhe (Lard­ turnier ‘Turnier’


schneider, Gsell 1999b: 237). (Das Lemma fehlt in Lardschneiders
Original von 1933). ♦ Aus dem Dt.
tuia ‘Wiesenbocksbart (Tragopogon entlehnt.
pratensis L.)’
turnoi ‘Tournier, Wettbewerb’ (Das

78
Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­ valisc ‘Felleisen, Ranzen’ ♦ Trent. valis%
nal von 1933). ♦ Aus dem Fr. (evtl. ‘dito’ (Lardschneider, Ricci). ► F B
Afr.) entlehnt.
vantaja ‘Vorteil, Profit’ (Das Lemma
U fehlt in Lardschneiders Original von
1933, dort nur vantagio). ♦ Fr. avan­
uche(r)né ‘lange verweilen, “hocken”’ → tage. ► F vantac, B vantagio
hucherné
vedlijes sf.pl. ‘[Krankheit der Rinder: sie
ula ‘Krapfenfülle’ ♦ Ahd. fullî, mhd. vülle bekommen trübe Augen und gehen
(Lardschneider) (Gsell 1992b: 237). bald drauf]; Drehkrankheit der Schafe’
Doch woher der Initialschwund von f-, ♦ Ließe sich im EWD als Ableitung un­
der doch nur bei v- zu erwarten wäre? ter ödl ‘Auge’ stehen.

urbejidla ‘Blindschleiche’ (Das Lemma vëis sf.pl. ‘Feierabend’ ♦ Sollte im EWD


fehlt in Lardschneiders Original von unter dem Lemma vöia, pl. vöies ‘dito’,
1933). ♦ Lat. orbisicula. Sollte im stehen.
EWD unter dem Lemma arp(e)jëia
‘Eidechse’ stehen, wenn dort auch velgamía ‘ziemlich’ ♦ Lat. aliqua mica
fass. und buch. Parallelen aufgelistet ‘irgendein Krümel’ (Lardschneider,
sind; zu dessen Etymologie vergleiche Gsell 1992a: 149).
aber Grzega (2002).
vencëi ‘Reisigbündel’ ♦ Lat. *vincīlia
urdenar ‘gemein; gewöhnlich’ ♦ It. ordi­ ‘Band’ (REW 9339) (Lardschneider).
nario bzw. dt. ordinär (Lardschneider).
verghiht ‘Fraisen [Kinderkrankheit]’ ♦
urdëni ‘unangenehme, abstoßende Per­ Mhd. vergicht oder tir. fεrgicht ‘dito’
son; Werkzeug, Stück Hausrat’ ♦ Lat. (Schöpf 792, Schatz 164) (Lard­
*ordinium ‘Werkzeug, Einrichtung’ schneider).
(Lardschneider). ► F ordegn
viesta ‘Kleidungsstück’ ♦ Sollte im EWD
urmei ‘nunmehr, fast, beinahe, allerdings, unter dem Lemma iésta ‘Kleid, Ge­
schon’ (Das Lemma fehlt in Lard­ wand’ stehen. ► B vestí
schneiders Original von 1933). ♦ Lat.
hora magis ‘nun mehr’. vinela ‘kleiner Bohrer’ ♦ Lardschneider
scheut sich, sich auf eine Etymologie
urtionga ‘Abschiedsfrühstück; Abfindung festzulegen. Möglicherweise steckt da­
bei einer Heirat’ (Das Lemma fehlt in hinter eine Ableitung von lat. vīrāre
Lardschneiders Original von 1933). ♦ ‘drehen’ (REW 9300) bzw. einem
Vgl. auch synonymes fass. desgorta. grödn. *viré ‘drehen’, wobei dann zu­
nächst eine Zwischenstufe *virela und
uś ‘[Ausruf, um den Hund zu hetzen]’ ♦ anschließende Dissimilierung anzuneh­
Sollte im EWD unter dem Lemma ùś men sind.
‘fasś’ stehen (vgl. dazu auch Gsell
1993a: 117). vinsslé ‘winseln’ ♦ Mhd. winseln ‘dito’
(Lardschneider).  vinssl ‘einmaliges
Winseln’
V

79
víscula ‘Peitsche’ ♦ Gall. vlisca ‘Rute, ciborio ‘Ziborium’. Aufgrund der Lau­
Stäbchen’ (REW 9425) (Lardschneider; tung ist besser von einem Nord­
vgl. auch Grzega 2001: 261) oder lat. italianismus auszugehen. ► B ziborio
*vīscula ‘(Weiden-)Rute’ (Gsell 1992a:
154, 1999b: 245), wohl übers Nordit. zebron ‘große Menge von Speisen, die für
(Nicht von viscum ‘Mistel’, wie Taglia­ eine Mahlzeit gekocht werden’ ♦ Aug­
vini [1934: 763] und Aschenbrenner mentativ zu → zëiber ‘große Menge
[1972: 108] glauben). Das Wort taucht von einer Speise’ (Lardschneider).
auch in der übrigen Taldialekten auf;
gad. vistla ist jedoch im EWD nicht zeche ‘angeblich’ ♦ Lat. quis sapit quid
verzeichnet. Zum Teil können Padanis­ ‘wer etwas wisse’ (Lardschneider).
men vorliegen. ► F vischia, B viscla
 visculé ‘mit der Peitsche züchtigen’ zefir ‘Zephyr’ ♦ Dt.

Z zela ‘Zelle’ ♦ Gemäß Lardschneider


Entlehnung von it. cella. Aufgrund der
zabarië ‘kleinere Arbeiten verrichten’ Lautung ist besser von einem
Norditalianismus zu sprechen (so El­
zafon ‘Spund, Zapfen’♦ Ahd. zapfo ‘dito’ wert 1943: 67). ► F
(vgl. auch REW 8565, welches ein lan­
gob. Etymon ansetzt) (Lardschneider). zemënt ‘Zement’ ♦ Dt. (Lardschneider)
oder nordit. (für standardit. cimento)
zah ‘zähe’ ♦ Tir. zâch ‘dito’ (Schöpf 823, (Pallabazzer 1980: 126). ► F B
Schatz 717), auch mhd. zach(e) ‘dito’
(Lardschneider; Zanotti 1990: 199f., zënter ‘Mittelpunkt; Stadtmitte, Orts­
Gsell 1992a: 160, 1999b: 247). ► F mitte’ (Das Lemma fehlt in Lard­
zach schneiders Original von 1933). ♦
Nordit. (zu standardit. centro). ► B
zapadascia ‘kleiner Trumpf [beim zentro
Kartenspiel]’ ♦ Grödn. Zusammenstel­
lung aus zapé ‘treten’ (vgl. im EWD zentrinia ‘Stück (Fleisch)’ ♦ Mhd. zent­
zàpa ‘Haue, Hacke’) und dascia rinc ‘dito’ (Lardschneider).
‘Baumgezweige’ (Lardschneider).
zentrum ‘Mittelpunkt (besonders auf der
zariëus ‘schwierig, vewickelt’ ♦ Lässt Schießscheibe)’ ♦ Dt. (Lardschneider).
sich im EWD als Ableitung unter dem
Lemma zaré ‘zerreißen’ einordnen. zeracúl ‘kleiner Trumpf [beim Karten­
spiel]’ ♦ Grödn. Kompositum. Lässt
zbich: na rocia taiëda en zbich ‘ein ge­ sich im EWD als Ableitung unter dem
schweifter, oben enger, unten weiter Lemma zaré ‘zerreißen’ und unter cü
Frauenrock, also mit einem keilför­ ‘Hintern’ einordnen.
migen Einsatz zugeschnitten’ ♦ Tir.
zwickl ‘keilförmiger Einsatz’ (Schöpf zerilé ‘zieren, schmücken’ (Das Lemma
834, Schatz 740) (Lardschneider; Gsell fehlt in Lardschneiders Original von
1999b: 249). 1933). ♦ Kann im EWD unter dem
Lemma ziloré neben grödn. zirlè einge­
zebore ‘Ziborium, Hostiengefäß’ ♦ Ge­ ordnet werden.
mäß Lardschneider Etlehnung von it.

80
zertl ‘kleine Haue, Gartenhacke’ ♦ Lat. zimocul ‘Quaste, Troddel der Zipfelhau­
sarculum ‘Hacke’ (REW 7602) (Lard­ be; jemand, der seine Sache nicht zu
schneider). Lässt sich im EWD als Ab­ vertreten weiß, sich übervorteilen lässt’
leitung unter dem Lemma sartlè ‘ha­ ♦ Lardschneider verweist lediglich auf
cken’ einordnen. trent. mazzocola ‘Quaste’ (vgl. Ricci
263) und grödn. mazoco ‘Dummkopf’
zerze ‘trocken [von Speisen], mager, nicht und mazocul ‘Stumpf’.
gedüngt [von Äckern]’ ♦ Lardschneider
gibt keine Etymologie an. Möglicher­ zíntlin ‘Sterbeglöcklein’ ♦ Gemäß Lard­
weise wie eng. zert ‘arm’ von lat. schneider von tir. zügnglöckl ‘dito’. Es
desertus (oder *desertius) ‘wüst’ dürfte jedoch eine volksetymologische
(REW 2592). und verballhornte Form der Wendung
in zîgn lîgn ‘im Sterben liegen’ oder
zes ‘Abstand’ ♦ Postverbal zu zessé ‘zu­ des Substantivs zîgnlaitn ‘das Sterbe­
rückweichen’ (Lardschneider). glöcklein läuten’ (Schatz 736) zu
Grunde liegen.
ziam ‘nämlich’
ziprëssa ‘Zypresse (Cypressus horizon­
ziba ‘kleine Ziege; [Lockruf für die talis)’ (Das Lemma fehlt in Lard­
Ziege]’ ♦ Lardschneider will sich auf schneiders Original von 1933). ♦ Dt.
keine Etymologie festlegen, verweist bzw. tir. und/oder nordit.
lediglich auf das historisch ungeklärte
Lexem it. zeba ‘junge Ziege’. Das Wort zirca ‘ungefähr’ ♦ Neologismus aus dem
ist wohl einfach expressiver Herkunft. Dt. (Lardschneider). ► F B

zidron ‘Auerhahn (Tetrao urogallus)’ ♦ zirtl ‘Kreis, Zirkel’ ♦ Dt. Zirkel (Lard­
Lardschneider gibt keine Etymologie schneider).
an. Wohl aus dem Norditalienischen.
Gleicher Herkunft wie it. (gallo) ce­ znëich ‘eigensinniger, eingebildeter, dum­
drone, dessen Ursprung jedoch noch mer Mensch’
nicht klar ist. ► F B zedron
zoh ‘roher Mensch’ ♦ Tir. zoch ‘dito’
ziedl ‘Ziegelstein’ ♦ Tir. ziεgl (Schatz (Schöpf 830, Schatz 732) (Lard­
727) (Lardschneider; Zanotti 1990: schneider, Gsell 1999b: 247).
203, Gsell 1992a: 158). ► F B ziegl
zol ‘Zoll [Maß]’ ♦ Dt. (Lardschneider). ►
zigl ‘Halfterleine’ ♦ Tir. zigl ‘Zügel’ F
(Lardschneider; Aschenbrenner 1972:
105). zúcpleter ‘Pferdegeschirr, das man
verwendet, wenn man firsciait einge­
hängt wird’ ♦ Dt. Zugblätter (Lard­
zimoch ‘verkrüppelter Baum’ (Das schneider; Aschenbrenner 1972: 105).
Lemma fehlt in Lardschneiders Origi­
nal von 1933). ♦ Herkunft ungeklärt. zuh ‘Kraft, Wucht’ ♦ Tir. zûg ~ zûch
Semantisch vgl. → jarócul. (Lardschneider).

81
82
FASSANISCHER
TEIL

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84
A afan [O] ‘Atemnot; Unbehagen’ ♦ It. af­
fanno ‘dito’. Derivation zu affannare
àboa (indekl.) [U] ‘weiß, bleich’ ‘bekümmern’, welches über das Aokz.
auf lat. *afannāre ‘sich abmühen’
abonar [U]; aboner [O] ‘abbonieren, be­ (REW 252) zurückzuführen ist.
stellen’ ♦ It. abbonare.
agacial [U], egacèl [O] ‘Wasserkanal’ ♦
abort [O] ‘Abort’ ♦ Germanismus. Ließe sich im EWD als Ableitung unter
éga ‘Wasser’ einordnen.
aboz [U] ‘Konzept, erster Entwurf’ ♦ Zu­
sammenhang mit gad. bot ‘Schlag’? agajon sf. [U], egacion [O] ‘Über­
schwemmung, Hochwasser’ ♦ Ließe sich
abracer [O] ‘umarmen’ ♦ Lat. ad- im EWD als Ableitung unter éga ‘Wasser’
brāc(c)hiare (Derivation zu brāc(c)hi­ einordnen. Ist aber gemäß Elwert (1943:
um ‘Arm’). Vgl. dazu auch it. ab­ 183) Neubildung. ► B
bracciare.
agavita/aga de vita [U] ‘Schnaps, Brannt­
acà [O] ‘vor, in, nach’ ♦ Lat. ad + quam. wein’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
leitung unter éga ‘Wasser’ einordnen.
àcherle sm. [U], [O] ‘Häkelnadel’ ♦ Tirol.
Hàkerle, Diminutiv von Haken. Auch agorsà [O] ‘keuchend, atemlos’ ♦ Zu
im Trent. zu finden. (Tagliavini 1933: einer nordit. Variante von standardit.
290 et 1934: 55; Elwert 1943: 108, gorgia ‘Kehle’ (< fr. gorge)? Zu grödn.
245; Zanotti 1990: 27; DIDE 5) ► B → sgors? Zu it. corsa?

acont sm. [U], [O] ‘Abschlagszahlung’ ♦ aina [O] ‘Phalanx, Knochenglied (jeder
Italianismus. der kleinen Fingerknochen)’ ♦ Vgl. frl.
ayine ‘Fingerknöchel’. Wohl metapho­
se n’ader [O] ‘wahrnehmen’ ♦ In Moena risch zu lat. agīna ‘Bestandteil der
heißt es se l’andar. Sollte im EWD un­ Waage; snodo, braccio della bilancia’.
ter anadè ‘merken’ stehen. So auch LEI (I: 1318ff.), DESF (I: 40).

ades [U], [O] ‘jetzt, gleich, sofort’ ► G B ajejo/ajescio [O] ‘Kleinigkeit; Dings’

adort/dort [O] ‘steil’ ♦ Wohl wie ert aladeta! [O] ‘verflixt!’ ♦ Sollte im EWD
‘steil’ im EWD zu ërt ‘steil’ zu stellen. unter maladët ‘dito’ stehen. ► B

aèl [O] ‘Tenne in der Nähe der Berghütte; albo comunale [U], [O] ‘Gemeindetafel’
ebener Platz, auf dem man den Wagen ♦ Italianismus.
zum Heutragen vorbereitet’ ♦ Lat.
areāle ‘zur Tenne gehörig’ (REW 627). albor [O] ‘Weiß’ ♦ Zu lat. albus ‘weiß’.
Kann wie aa ‘Tenne’ im EWD zu àra
‘Dreschtenne’ gestellt werden. album [U] ‘Album’ ♦ Italianismus und/
oder Germanismus.
afa [U] ‘Schwüle, vollkommene Wind­
stille’ ♦ It. afa (unbekannter Herkunft, aledecia! (maladeta)! [U] ‘verflucht!’ ♦
vgl. DELI). Sollte im EWD unter maladët ‘dito’
stehen.

85
Ladinisierung (àmpel > *ampl > *amp­
alfabet [O] ‘Alphabet’ ♦ Germanismus la [wegen femininen Genus] > àmpola
oder Italianismus mit Ladinisierung des [aus euphonischen Gründen]).
Suffixes. ► (B alfabeto)
anal sm. [U] ‘Jahrestag’ ♦ Ließe sich im
alfiar/arfiar [U] ‘schnaufen, schwer at­ EWD als Ableitung unter ànn ‘Jahr’
men’ ♦ Lat. reflāre ‘atmen’ (REW einordnen.
7155) (vgl. auch ven. arfiar ‘dito’).
andadora sf. [U], [O] ‘Gerüsttreppe der
alincontro [U] ‘dagegen, wogegen’ ♦ Maurer (bestehend aus Brettern mit
Ließe sich im EWD als Ableitung unter Querleisten)’ ♦ Norditalianismus (De­
cùntra ‘gegen’ einordnen. ► B rivation zu andar ‘gehen’?) (Ricci 14).
aliscontro
andèda [O] ‘Abfahrt, Abfahrtszeichen’ ♦
alis [U] ‘abgewetzt, zerzaust, struppig’ ♦ Von it. andata mit Ladinisierung des
Im EWD zu (de)slìs ‘zerschlissen’ (< Suffixes.
mhd. slîzec) mit Präfixwechsel?
andìbia; andìvia/endivia [U], [O] ‘Endi­
alver sm. [U] ‘Bienenstock’ ♦ Buchwort, viensalat’ ♦ Dt. Endivien und/oder it.
lat. alveare ‘dito’ (REW 390a) (zu al­ indivia.
veus ‘Holzgefäß’, REW 392).
anghelot/anghilot [O] ‘Aal’ ♦ It. anguil­
alvers/dalvers [U] ‘ordentlich, genau, zu lotto ‘Aal’ oder selbstständige Bildung
recht’ ♦ Offenbar zu ver ‘wahr’ zu zu lat. anguilla ‘kleine Schlange’ (von
stellen. Mit eigenartigem adverbialen anguis ‘Schlange’) (LEI II: 1235ff.).
-s. Im EWD zu vers ‘gegen ... hin’ zu
stellen? anglienar/anghienar [U], [O] ‘angeln
(auch fig.), schachern, handeln’ ♦ Zu
alvesc/àlveis [U] ‘Flussbett’ ♦ Vgl. dazu dt. angeln.
it. alveo, welches das DELI als Toch­
terform von lat. alveus ‘Gefäß’ deutet. antana sf. [U] ‘Dachzimmer’ ♦ Venetis­
Für die fass. Form und dazugehörige mus (zu it. altana) (< lat. altus ‘hoch’,
pad. Formen (Typ a(v)es) geht Hubsch­ REW 387).
mid (1950b: 52) von einem vorrom.
*ábisi&o- (ven.-illyr. Ursprungs) aus, das anterenar [U] ‘im Frühling Ruß oder
sich aber teilweise mit lat. alveus ge­ Erde auf den Schnee streuen, damit er
kreuzt haben könnte. schneller zergeht’ → nterenar

amer sm. [U] ‘kleines Feld, kleines anterores [O] ‘bei Sonnenuntergang, in
Grundstück, Tagmahd’ ♦ Aus oder zu der Dämmerung’ ♦ Ließe sich im EWD
fr. amers ‘borne de séparation’? (Vgl. als Ableitung unter ànter ‘zwischen’
zu den frankoromanischen Formen oder óra ‘Stunde’ einordnen.
FEW XVI: 550ff.).
antìfona [O] ‘Antiphon’ ♦ Italianismus.
ameta sf. [U] ‘Füßchen, kleine Säule, Im Buch. gibt es neben antifona auch
Tragfüßchen’ die Form antéfena ‘risposta aspra e
mordace’ (Pallabazzer 1980: 24). ► B
àmpola sf. [U] ‘Ampel’ ♦ Dt. Ampel mit

86
an(u)al sm. [U] ‘Jahrestag’ ♦ Ließe sich
im EWD als Ableitung unter ànn ‘Jahr’ ari! [U] ‘hü! [Kommando, Zuruf um Esel
einordnen.  anualmenter [U] ‘jähr­ anzutreiben]’ ♦ Norditalianismus
lich’ (DEVI 11, Prati 1968: 5, Ricci).

aòstola [U] ‘dicker Dachbalken, worauf arjégola [O] ‘großer Sauerampfer, Berg­
die tulete befestigt sind; lange Dach­ hasenampfer’ ♦ Lat. acidula ‘Sauer­
schindel’ → òstola ampfer’ (REW 104, FEW I: 21); auch
im Fr. und Pad. (Merkens 1956: 119).
arbègola [O] ‘Lorbeer’ ♦ Sollte im EWD Vgl. → arbégola, → jagura.
unter robégola ‘Lorbeer’ stehen.
arjei [O] ‘kleine Sträucher, Gestrüpp’ ►
arber/arbor/alber sm. [U] ‘Baum’ ♦ Lat. G
arbor ‘dito’ bzw. albarus (REW 318)
(Tagliavini 1934: 125, Salvioni 1938: arlechin sm. [U] ‘Harlekin’ ♦ Italianismus
83). ► B elber und/oder Germanismus. ► B

arbuir [O] ‘blenden’ ♦ Ableitung zu lat. arlion [O] ‘Eisen, um die Kette der
orbus ‘blind’. Vgl. → norbir, → Rinder an der Krippe festzumachen’ ♦
endorbir, → ndorbir. Im Moenat heißt es argion. ► G slar­
gion, B arion
archèr [O] ‘krümmen’ ♦ Ableitung von
lat. arcus ‘Bogen’. se arloer [O] ‘weggehen, losgehen’ ♦ Ety­
mologische Dublette zu arlevèr und da­
arcion [U], [O] ‘Wiegenbogen, Sattelbo­ mit von lat. relevāre ‘erheben’? Zur Se­
gen, Bogen’ ♦ Ableitung von lat. arcus mantik vgl. man annähernd (metony­
‘Bogen’. Im EWD befindet sich nur die misch) grödn. se arlevé ‘sich erheben’.
Form arcon. ► B
arnecià [U] ‘schlaff, sehr ermattet, er­
arciudar [U] ‘verschmachten’ müdet und durstig nach einer schweren
Arbeit und dergl.’ ♦ Im EWD zu ars­
ardel [U], [O] ‘Speck’ ♦ Lat. laridellus ciné ‘schmächtig’? Zusammenhang mit
‘Stück Speck’ (Heilmann 1980: 71) → arnesciar?
(vgl. DELI lardo).
arneje [O] ‘Gerät, Gebrauchsgegenstand’
aren: jir aren [U] ‘auf abhängenden ♦ Sollte im EWD unter arnèsc ‘Werk­
Wiesen rutschen’ ♦ Zusammenhang mit zeug’ stehen (wie unterfass. arnes).
lat. haerentāre ‘hängen bleiben’?
arnesciar [U] ‘vernachlässigen, verlassen’
arfier [O] ‘atmen’ → alfiar ♦ Lat. renesciare ‘verkümmern’ (nicht
im REW) (Elwert 1943: 101). Mögli­
argagn [O] ‘Gerät, Winde, Getriebe’ ♦ cherweise besteht auch ein Zusammen­
Lat. organium bzw. vlat. *arganium hang mit gad. arsciné ‘schmächtig’, für
‘Werkzeug’ (vgl. DELI argano). ► F welches das EWD ein Etymon ven. ar­
arghëgn ‘kleines Ungeheuer’ sirà (< lat. *assīderātus) sieht. 
arnescià/nescià [U], [O] ‘armseliges
argument [U] ‘Argument’ ♦ Germanis­ Wesen, vernachlässigt, schlecht ge­
mus bzw. Italianismus. kleidet, verlassen’

87
ascòrjer [U] ‘bemerken, erfahren, ge­
arnéz (ant.) [U] ‘Winter’ ♦ Ein Blick in schickt (verständig) sein, beobachten,
Merlos (1904) Index zeigt, dass der verspüren’ ♦ Das Wort ist im EWD im
Worttyp in der Romania völlig isoliert Kommentar zu acórt ‘vorsichtig’
dasteht. Man müsste allenfalls eine Va­ erwähnt und wird als Kontamination
riante (*hībernātia) ~ [tempus] *hī­ mit škutèr ‘zuhören’ erklärt.
bernātium zum pad. Typ hībernāta
(vgl. Merlo 1904: 236f., Faré 4124a) asfalt [O] ‘Asphalt’ ♦ Dt. oder it.
annehmen: *hībernāti&um > *īb_ernati&u (Aschenbrenner 1972: 35). Auch buch.
> ernez (Aphärese, wie sie sporadisch und grödn. ► B  asfalter [O]
vorkommt [vgl. Kramer 1981: 173], -b- ‘asphaltieren’
wird ohnehin instabil) > arnez
(Schwankung e ~ a vor r ist häufig). asperges [O] ‘Weihwedel’ ♦ Buchwort,
Alinei (1999: 161) schlägt dagegen lat. asperges ‘dito’.
*hibernitius vor.
asper [U] ‘herb, beißend, streng’ ♦ Lat.
arnolar [U] ‘werben, zuzählen, einreihen, asperum ‘herb’.
aufnehmen’
aspért [U] ‘aufgeweckt, leicht begreifend,
arpitar [U] ‘begegnen, entgegenkommen’ verständig’ ♦ Sollte im EWD unter es­
pért ‘erfahren, tüchtig’ stehen.
ars [U]; ars/ers [O] ‘ausgedörrt, ausge­ Allerdings handelt es sich hier – im
trocknet, versengt, beißend (Gesch­ Gegensatz zur gad. Form – nicht um
mack von Speisen), blutarm’ ♦ Lat. ar­ einen Italianismus, sondern um eine
sus ‘verbrannt’ (Partizip Perfekt zu erbwörtliche Entwicklung von lat. ex­
ardere, REW 620) (Pallabazzer 1980: pertus ‘erfahren’.
41). Sollte im EWD als Ableitung unter
vèrde ‘brennen’ stehen (wie buch. ers). assa [U], [O] ‘Holzstoß, Schichte’ [far su
 arsura [U] ‘Dürre, Hitze, äußerste asse [U] ‘Holzstöße aufschichten’] ♦
Armut’ Lat. assis ‘Brett’ (REW 732) (Elwert
1943: 98). Gsell (1992a: 133) hält auch
arsoladura [U] ‘Besohlung, Eisenbe­ eine Anbindung an lat. tassella ‘Klötz­
schlag bei Palank’ ♦ Ließe sich im chen, Baustein’ (vgl. REW 8680) für
EWD als Ableitung unter sòra möglich.
‘Schuhsohle’ einordnen.
assìr [U], [O] ‘eindünsten, einkochen,
artefizio [O] ‘Kunstgriff’ ♦ Italianismus sich setzen (Kaffee)’ ♦ Sollte im EWD
bzw Norditalianismus. unter arsì ‘sinken’ stehen. ► B arsì

arz [U] ‘schelmisch, spitzbübisch (von astech [O] ‘Wildsellerie, selleriegleiches


Kindern), langweilig, überdrießig (von Kraut zum Würzen von Gerstensuppe’
Erwachsenen)’ ► G  arz(e) sm. [U]
‘Spitzbube, Schelm’ astei (ant.) [U] ‘Sommer’ ♦ Sollte im
EWD unter isté ‘Sommer’ stehen (wie
arzi... [U] ‘Erz...’ ♦ Norditalianismus. fass. istà) (vgl. dazu auch Alinei [1999:
161f.]).
asbest [O] ‘Asbest’ ♦ Dt. Asbest.
atach! [O] ‘Vorsicht! Obacht!’ ► G ap­

88
tach
avent [O] ‘Advent’ ♦ Sollte im EWD un­
atempà [U] ‘bejahrt, reich an Jahren’ ♦ ter advënt ‘Advent’ stehen.
Möglicherweise von it. attempato oder
eigene Bildung, dann wie gad. atampè avez [U], [O] ‘Tanne’ Lat. *abieteus
im EWD zu tëmp ‘Zeit’. ► B atempé ‘Tanne’ (REW 25) (Pedrotti/Bertoldi
1930: 2, Tagliavini 1934: 63, Pallabaz­
atentat sm. [U] ‘Attentat, Frevel’ ♦ Dt. zer 1965: 276). Vgl. auch ven. avezzo
oder Italianismus mit Ladinisierung. (Prati 1968: 7). ► B

ativar [U] ‘aktivieren, in Tätigkeit (Be­ avicel sm. [U] ‘Abszess, Aiß, Furunkel’ ♦
trieb) setzen’ ♦ Italianismus. Vgl. auch → devicel, → evicel, → levi­
cel, → revicel. ► G aviciuel
atòr sm. [U], [O] ‘Schauspieler’ ♦
Italianismus. azalea sf. [U] ‘Azalee’ ♦ Italianismus.

auga [O] ‘Einspannung in die Baumstäm­ àzola sf. [U], [O] ‘wilde Feuerlilie (die ro­
me, um sie auf dem zweirädrigen ten Blütenblätter wurden gegessen; den
Wagen zu ordnen, so dass die Räder Kühen gibt man ins erste birót nach der
weder vor- noch zurückrollen können’ Geburt solche Blätter, damit die Milch
sich verbessert)’ ♦ Unbekannter Her­
aura [O] ‘Schein, Äußeres’ ♦ Buchwort, kunft (Tagliavini 1934: 64). Der Typ
lat. aura, bzw. Germanismus. taucht sonst nur im Fleimstal, im
Buchensteinischen und im Cado­
aurél sm. [U] ‘Korb, Nähkorb’ ♦ Ließe rinischen auf. ► B
sich im EWD als Ableitung unter òra
‘Tagewerk, Tagelohn’ oder lauré B
‘arbeiten’. Vorstufe wäre ein lat.
*operellus. Zur semantischen Entwick­ baa sf. [U] ‘Fabel, Aufschneiderei,
lung vergleiche man engl. housewife Albernheit, Scherz’ ♦ Expressiver Na­
‘Hausfrau’ zu ‘Nähzeug’ (heute [}hUzçf] tur.
gesprochen).
bacanada [U] ‘Lümmelei, Durchsauferei’
ausener [O] ‘Haushalt führen, die häusli­ ♦ Sollte im EWD als Ableitung unter
chen Arbeiten erledigen’ ► G ausené, ben ‘Großbauer’ stehen (wie buch. ba­
(B aisnerin) canada ‘dummer Handel’).

avantòr sm. [U], [O] ‘Kundschaft, Gast’ badàie sm. [U] ‘Geifer, Mundschaum’ →
♦ It. avventore. sbateiar

avegnir sm. [U] ‘Zukunft’ ♦ Zusammen­ badàuchia sf. [U] ‘Eisenbeschlag am un­
setzung aus a und vegnir. Ließe sich im teren Ende der Pflugsterze, damit diese
EWD als Ableitung unter gnì ‘kom­ sich nicht so schnell abwetzen; arme
men’ einordnen. dumme Frau’ ♦ Bei der zweiten Bedeu­
tung scheint Verwechslung bzw. Kreu­
avelir [O] ‘erniedrigen, entwürdigen, de­ zung mit → badàucia vorzuliegen.
mütigen’ ♦ It. avvilire bzw. nordit. Va­
riante. badàucia sf. [U] ‘Fetzen, schlecht ge­

89
kleidetes und schlauderhaftes, armse­ baldin [ant.] [O] ‘Tischtuch aus Leinen’ ♦
liges Weib’ Norditalianismus (< Bagdad, REW
881).
badessa sf. [U], [O] ‘Äbtissin’ ♦
Italianismus. ► B baldresca [U]; baldarescia [O] ‘Kasten­
bett, das bei Tag als Kasten, bei Nacht
baél sm. [U] ‘Lärm, Geschrei’ ♦ Ließe aber herabgelassen werden kann und
sich im EWD als Ableitung unter baié als Bett dient’ ♦ Im Italienischen wird
‘sprechen’ einordnen. das Objekt als letto a cassa con bal­
dacchino bezeichnet. In der Tat könn­
baer [O] ‘Wasserlache, Pfütze’ ten baldarescia/baldresca und baldac­
chino zusammenhängen.
baf: no dir baf [U], [O] ‘kein Wort
sagen’ ♦ Trent. (Ricci) (lautmalerischer balech [O] ‘angeschlagen, zerdrückt, zer­
Herkunft). ► B quetscht’ ♦ Vgl. ven. baleco ‘scheel,
schielend; krumm; weichgekocht;
bagàes sm. [U] ‘Bretter am Türpfosten [in angeheitert’ (unbekannter Herkunft,
Penia werden die Jochbestandteile so Prati 1968: 9)?
benannt]’
balosc/palosc [U] ‘Trottel, Dummkopf’ ♦
bàgherle sm. [U], [O] ‘leichte Kutsche, Im EWD wohl zu bàla ‘Kugel’ zu
Wagerl’ ♦ Tir. wâ*gε[r]lε (Schatz 682) stellen wie moen. balùch ‘dumm’. ► B
(Elwert 1943: 108f.; Aschenbrenner
1972: 75f., Pallabazzer 1980: 26, Za­ baòn [U] ‘Aufschneider, Lügner’ ♦ Ließe
notti 1990: 31). ► B bàghele sich im EWD als Ableitung unter baié
‘sprechen, reden’ einordnen (dort auch
bagolar [U]; bagoler [O] ‘herabhängen, buch. baioch ‘unbeachtenswerter
hin- und herschweben, vor Kälte Schwätzer’).
zittern, wackeln’ ♦ Von einer expressi­
ven Wurzel bag-/*bak- (DIDE 59). ► barabeca sm. [U] ‘Säufer, Lump’ ♦ Ließe
(B bagolé?)  bàgola sf. [U], [O] sich im EWD als Ableitung unter barà­
(auch: cagola) ‘Beere mit langem Stiel, ba ‘Bösewicht, Lump’ einordnen.
herabhängender Fetzen, Franse, Auf­
schneiderei’ [Ob wirklich dasselbe baraz [U] ‘Verlegenheit’ ♦ Wohl aus
Wort hinter ‘Beere’, ‘herabhängender einem italienischen Dialekt. It. imba­
Fransen’ und ‘Aufschneiderei’ steckt? razzare selbst geht auf sp. embarazar
Beeren mit langem Stiel hängen wohl zurück.
herab, aber kann Aufschneiderei mit
herabhängenden Fetzen verglichen barbaria [U] ‘Barbarei, Grausamkeit’ ♦
werden?] Italianismus.

bairisc [U] ‘bayerischer Tanz, Polka’ ► barbolar [U] ‘in den Bart brummen’ ♦
G páirisc-polca, B paierisc Ließe sich im EWD als Ableitung unter
bèrba ‘Bart’ einordnen.
balanzana/valanzana [U] ‘wollene De­
cke’ ♦ Venetismus (< sp. Toponym Va­ barcolar [U] ‘schwanken, wanken, wa­
lenza, DIDE 456) ckeln’ ♦ Italianismus (Tagliavini 1934:
71). ► B barcolé

90
Ableitung unter bàte ‘schlagen’ einord­
baromet [O] ‘Barometer’ ♦ It. oder dt. mit nen.
Ladinisierung des Suffixes.
batonac [O] ‘Drohne’ ♦ Im EWD zu bàte
barùgol [O] ‘Klumpen, Gerinsel, etwas ‘schlagen’?
Rundliches’ ♦ Sollte im EWD als Ab­
leitung unter baurìa ‘Warze’ stehen batùm [U] ‘Schneide durch Dengeln (Si­
(wie fass. barugola ‘Warze’). chel, Sense)’ ♦ Ließe sich im EWD als
Ableitung unter bàte ‘schlagen’ einord­
bataut [O] ‘Krach, Tratsch’ ♦ Ließe sich nen.
im EWD als Ableitung unter bàte
‘schlagen’ einordnen. baucar [U]; bauchèr [O] ‘bellen, beson­
ders in tiefen Tonlagen’ ♦ Onomato­
batiala [U] ‘Flügelschlag’ ♦ Ließe sich im poetischer Herkunft (vergleichbar dt.
EWD als Ableitung unter bàte wau-wau)?
‘schlagen’ und unter àra ‘Flügel’ ein­
ordnen. baùtol [U] ‘kleine, nackte Schnecken (die
auf dem Salat leben)’ [gelten als giftig]
batiboi [O] Durcheinander’ ♦ Ließe sich ♦ Zum expressiven Stamm bab- (REW
im EWD als Ableitung unter bàte 852) bzw. zu *baba ‘Geifer’ wie siz.
‘schlagen’ einordnen. babbaluci ‘Schnecke mit Haus’? (Ob
ein Zusammenhang zu buch. baìtol
batifiànch [U] ‘hochfährtiges, hochmü­ ‘Lichtmotte, Nachtfalter’ besteht?
tiges Benehmen; besonderes Gehen der
stolzen Mädchen, die dabei den Hintern bèchen/bèchin [O] ‘längliches Brot’ ♦
verdrehen’ ♦ Ließe sich im EWD als Tir. weggn ‘[Art Gebäck]’ (Schatz 694)
Ableitung unter bàte und unter flànć (Elwert 1943: 80 109, 247; Zanotti
‘Flanken’ einordnen. 1990: 35). Zanottis Behauptung, dass
sich der Typ nicht in den Tiroler
baticher [U] ‘Herzklopfen, Angst, Furcht’ Wörterbüchern findet, kann durch die
♦ Ließe sich im EWD als Ableitung un­ Angabe bei Schatz widerlegt werden.
ter bàte ‘schlagen’ und unter cör ‘Herz’
einordnen. befa [U] ‘Spott, Spötterei’ ♦ It. beffa (oder
eigene expressive Bildung).  befart
batilon [U] ‘Glockenschwengel, Tropf’ ♦ [U] ‘spöttelnd; Spötter, Possentreiber,
Ließe sich im EWD als Ableitung unter Verleumder’
bàte ‘schlagen’ einordnen.
beghelé [U] ‘Totenkauz [Eulenart]’ ♦ Vgl.
batistrada sm. [U] ‘Wegmacher ♦ It. frl. begherèle ‘Eule’, das vom DESF (I:
battistrada. 198) auf lat. bragulāre ‘schreien’
(REW 1263) zurückgeführt wird. Für
batn [O] ‘altes und verbreitetes Spiel mit die weitere Entwicklung müsste man
deutschen Spielkarten’ ♦ Tir. wattn von einer Nebenform *b(r)egul- ausge­
‘dito’ (Schatz 691, Fink 298, Zanotti hen.
1990: 34).
begolar [U]; begoler [O] ‘blöken, me­
batolament [U] ‘Geklapper, Ratscherei, ckern, unheimlich schreien’ ♦ Lautma­
Geschwätz’ ♦ Ließe sich im EWD als lerischer Herkunft (vgl. auch Tagliavini

91
1934: 73, Elwert 1943: 200). Wohl zu
lat. bragulāre ‘schreien’ (REW 1263) bersciaglio [U] ‘Schießstand’ ♦
zu stellen. Möglicherweise auch an lad. Norditalianismus (zu standardit. ber­
bèga ‘Streit, Rauferei’ (EWD s.v.) (< saglio, dieses aus dem Afr.).  bers­
nordit. < got. *bêga, REW 1018) anzu­ ciaglier [U] ‘Schütze’
binden. Vgl. dazu auch vorhergehenden
Eintrag. ► B begheré  begolament bert [O] ‘Wert’ ♦ Tir. wert ‘dito’ (Schatz
[U] ‘Geblöke’, begol [U], [O] ‘einma­ 701) (Zanotti 1990: 36).
liges Blöken, unheimlicher Schrei’
besua [U], [O] ‘Sauerdorn, Berberitze
belia/velia/belie [U] ‘Schneefall mit (die Rinde wird als Färbemittel
Regen vermischt, trockener feiner verwendet; die Früchte dienen zum
Schnee’ ♦ Im Moneat liegt die Form Putzen des Metallgeschirrs, Kupfer
böile vor. Herkunft ungeklärt. Besteht usw.)’
ein Zusammenhang mit dem Typ
bulìfra ‘Schneegraupel’ (vgl. EWD) betela [U], [O] ‘phantastisches Wesen,
bzw. bulifa? Dieses existiert auch im nicht normales Mädchen’
Fass., allerdings in der Bedeutung
‘Funke; jähzornige Person’?  belear beteon [O] ‘faul, träge; jemand, der nie­
[U]; belier [O] ‘anfangen zu schneien, mals eine Arbeit zu Ende bringt’
vermischt regnen und schneien’
betin: far betin e betela [U] ‘Waldbee­
belimpont [O] ‘eben, genau’ → belapon­ ren, die man in ein Gefäß gesammelt
tin hat, unversehens verschütten, so dass
alle am Boden zerstreut liegen’
beliscim [U] ‘prächtig, prachtvoll, herr­
lich’ ♦ Es dürfte sich um einen bez [U], [O] ‘Knabe, Bube, Kind’ ♦ Dürf­
Norditalianismus handeln (zu stan­ te kindersprachl.-expressiven Ur­
dardit. bellissimo). Das Wort ließe sich sprungs sein (vgl. REW 1057 bes-).
dann im EWD als Ableitung unter él Gemäß Elwert (1943: 223) könnte das
‘schön’ einreihen. Wort evtl. zu ven. bezzo ‘kleine
Kupfermünze’ gestellt werden (<
belva [U] ‘Ungetüm, Raubtier, wildes schweiz. batze ‘kleine Münze’, REW
Tier’ ♦ Spätlat. belva ‘wildes Tier’. 998a), was jedoch semantisch nicht
nachvollziehbar ist.
berlìchete [U] ‘Hanswurst, Kasperl, Ko­
bold’ ♦ Kann man im EWD wohl zu biaca [U] ‘bleiweiß’ ♦ It. biacca ‘Blei’.
berlìn ‘närrisch’ stellen. Basis wäre
dann ein expressives berl-. Vgl. auch biaf [U] ‘blass, bleigrau, bleich’ ♦ Germ.
frl. berlichete, woher die fass. Form blao (REW 1152). Vgl. im REW auch
vielleicht auch entlehnt ist (DESF I: montbél. byer ‘bleich’, it. sbiadito
206). ‘bleich’.

berlin [U] ‘Felleisen, Kleiderpack (wenn biat [U], [O] ‘Rüttelsieb, Schüttelsieb (in
man reist)’ ♦ Hängt wohl metonymisch der Mühle)’ ♦ Besteht ein metony­
mit it. berlina, frl. berline ‘Berline, mischer Zusammenhang mit it. biado ~
Reisewagen’ (< ahd. bretling ‘Brett­ biada ‘Getreide’ (dessen letztendliche
chen’, REW 1288) zusammen. Herkunft ist umstritten: das DELI

92
spricht sich für fränk. Ursprung aus, birlé
das LEI [VI: 238ff.] für eine kelt. Ba­
sis)?  biatadoa [U] ‘Rüttelsieb­ birlanti [U] ‘Ohrringart’ ♦ It. brillanti.
kasten’, biaton [O] ‘Kleienmehl’
birot [U], [O] ‘Viehtrank (lauwarmes
biate: erba da le biate [U] ‘Drachenmaul, Wasser mit Mehl und Salz)’ ♦ Ließe
Horminum pyrenaicum’ ♦ Dazu ver­ sich im EWD als Ableitung unter bëire
gleiche man auch fass. biata ‘vescica ‘trinken’ einordnen.
cancherosa’ (Alinei 1999: 157). Wohl
Zusammenhang mit lat. blatta ‘Kü­ bisacia [O] ‘Quersack’ ♦ It. bisaccia (<
chenschabe’ (vgl. auch ven. biate ‘dis­ lat. bisaccia ‘Doppelsack’). Im Moenat
tomi, vermi che si trovano nei condotti ist die Form bissaca ‘gängig’.
e nella vescica biliare di pecore affette
dal mal delle biatte’ [Prati 1968: 15, bisce: fior da le bisce [U] ‘Akelei, “Aqui­
Vigolo 1993a: 274])? (Dann im EWD legia”’
zu blàta ‘Brustschleim’).
bisest: an bisest [U] ‘Schaltjahr’ ♦ Sollte
bij [U] ‘grau’ ♦ Norditalianismus (zu stan­ im EWD unter [ann] barést ‘Schalt­
dardit. bigio ‘grau’, dessen letztendli­ jahr’ stehen.
che Herkunft ungeklärt ist) (Tagliavini
1934: 79). ► B bisc biscot [U], [O] ‘Rübenpflanze, die noch
 bija [U] ‘graue Kuh’, bijamora [U] auf dem Feld ist; Rübenspeise [die
‘schwarzgraue Kuh’ Blätter hat man abgebrüht und in einem
Bottich wie Kraut gären lassen]’ 
bijogna [U] ‘Gestell, um Kühe zu be­ biscoté [O] ‘Bottich, in dem man die
schlagen’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­ “biscot” genannten gekochten Rüben
leitung unter bujëgn ‘Bedarf’ einord­ aufbewahrt’
nen.
biterbot [U], [O] ‘Durcheinander, Spek­
bimbo [U] ‘Waise’ ► G, B bimba  takel’ ♦ Lautmalerischen Ursprungs.
bimba [U], [O] ‘unfruchtbare Ziege’
bloch [O] ‘Block’ ♦ Dt. Block oder
binda [U], [O] ‘Winde zum Heben von Italianismus mit Ladinisierung. ► B
Wagen und dergl.’ ► G B bloco

bioscac [U] ‘saftige Kräuter, bes. um boagnel [U] / buagnel [O] ‘Schnecke mit
Almhütten’ Gehäuse, Schneckenhaus, Muschel’ ♦
Die moenat. Varianten sind bavagnöl
birena [U], [O] ‘kleine Tierchen, die im und bubagnöl. Gemäß Elwert (1943:
fließenden Wasser, z.B. im Duronbach, 253) aus dem Trent. (< lat. *bavaneo­
am Boden herumkriechen (Wasser­ lum, besser *bōvaneolum ‘ochsenartig’,
spinnen) [giftig]’ vgl. REW 1225). Vgl. auch frl. buàgn,
fleimstal. boàgnol, comel. buàn (DESF
birla [U] ‘Zorn, Wut, Jähzorn, I: 276).
Wasserstrudel, Wasserwirbel’ ♦ Von
einem lautmalerischen-expressiven boana [U] ‘dichter Nebel (z.B. bei
Stamm birl- (REW 6522b). Hängt zu­ Wasser)’
sammen mit → pirlo ‘Kreisel’. ► B

93
boar [U] ‘gären, brodeln’ ♦ Im EWD zu fung’ und moen. sböjà ‘ausgeschnitten,
burvé ‘gären’ stellen? entblößt, dékolletiert’.

bocal [U] ‘Pokal, Krug’ ♦ It. ven. boccale bolf sf. [U] ‘Wolfsmeißel’ ♦ Tir. wolf
‘Krug’ (Tagliavini 1934: 80). ‘Wolf; [auch zur Bezeichnung ver­
schiedener Arbeitsgeräte]’ (Schatz
boch [O] ‘Wärmtopf, Feuerkieke’ ♦ Zu 711).
vorherigem?
bolga [U], [O] ‘Reisetasche’ ♦ Kelt. bulga
bociada [U]; bocèda [O] ‘ein bisschen, so ‘lederner Ranzen’ (REW 1382). Eigen­
viel man auf einmal in den Mund artig ist jedoch, dass das g vor a nicht
nehmen kann (nur von Esswaren)’ ♦ palatalisiert. ► (G porga), (G bëuja), B
Ließe sich im EWD als Ableitung unter bulga
bóćia ‘Mund’ einordnen.
bombol [U] ‘Zuckerl’ ♦ Süddt. bomberl.
bociarda [U] ‘Stockhammer der Stein­
metze’ ► B bonasera [U] ‘Serenade, Ständchen’
♦Nordit. bonasera.
bòder [O] ‘Arzt’ ♦ Dt. Bader ‘Arzt,
Friseur’ mit tir. Vokalismus (Schöpf bondanza [U] ‘Menge, Überfluss’ ♦ It.
25) (vgl. auch Zanotti 1990: 39f.). abbondanza mit Deglutination durch
das Syntagma l’abbondanza > la bon­
bogher [O] ‘sich aneignen, stehlen’ ♦ Zu danza.
lat. bulgarus ‘Bulgare’ (REW 1383)?
Vgl. immerhin it. buggerare ‘be­ bonela: vacia bonela [U] ‘semmelgelbe
trügen’. Wegen des -g- müsste man (wollige und schwarze) Kuh mit
aber von pad. Herkunft ausgehen (vgl. weißen Flecken, gute Milchkuh’ ♦ Zu
pad. bògher ‘furfante’, DIDE 83). bon ‘gut’ (EWD bùn)?

boiaca [O] ‘flüssiges Zementgemisch, um bonf/bouf: jir en bonf/bouf [O] ‘schwan­


Ritzen und Risse auszufüllen oder Un­ ken, wanken, wackeln’ ♦ Expressiven
regelmäßigkeiten in der Parkettierung Ursprungs.
auszugleichen’ ♦ Padanismus (DIDE
83). bonza [U] ‘Wanze’ ♦ Tir. wąnzε (Schatz
688) (vgl. auch Zanotti 1990: 40).
boila-boila!/bòlie-bòlie [U]; boila [O]
‘[Ruf- und Kosename für Kühe]’ boratina [U] ‘zylindrisches Mehlsieb’;
buratina [O] ‘Mehlsieb, Mehlbeutel’ ♦
bojia/sbojia [U] ‘Raum zwischen Hemd Wie it. burratto ‘Mehlsieb’ zu lat. būra
und Körper, der nach unten durch den ‘grober Wollstoff’ (REW 1398). Vgl.
Hosenriemen abgeschlossen ist und als auch LEI (VI: 1230).
eine Art Tasche dient [man gibt das Ta­
schentuch hinein; es wird bei der borcia [U] ‘Rheumatismus’
Arbeit darin Sacktuch, Tabakbeutel
usw. aufbewahrt]’ ♦ Dürfte im EWD zu borda [U] ‘Borte, Besatz’ ♦ Germ. bord
büsc ‘Loch’ zu stellen sein (< lat. būsi­ ‘Rand’ (REW 1215).  bordar [U]
um). Dort findet sich auch fass. busc ‘besetzen, einfassen, bordüren’, bordu­
‘Loch’ neben fass. buja ‘Grube, Vertie­ ra [U] ‘Bordüre, Borte, Einfassung,

94
Besatz’, bordurar [U] ‘Bordüre u.ä. bòter [O] ‘konkaves Skalpel, Hohleisen,
machen’ Hohlmeißel’ ♦ Ließe sich im EWD als
Ableitung unter bòt ‘Schlag, Schlag­
borel/borin [U] ‘kleine Kugel beim Boc­ anfall; Schuss’ einordnen.
ciaspiel’ ♦ Im Moena heißt es bolin.
Sollte im EWD als Ableitung unter botiglia [U] ‘Flasche’ ♦ It. bottiglia ‘dito’
bóra ‘Baumknorpel; Holzklotz’ stehen (< lat. but(t)icula ‘kleines Fass’).
(wie moen. borel ‘Teil einer bora’,
fass. borela ‘kurzer Baumschnitt, Prü­ bouf: jir n bouf [U] ‘schwankend,
gel’). Möglicherweise besteht aber schwerkelnd gehen vor Müdigkeit und
auch ein Zusammenhang mit bala ‘Ku­ Schwäche (oder Rausch)’ → bonf
gel’ (im entsprechenden EWD-Eintrag
ist auch fass. balin/bolin ‘Schrotkugel, brach [U] ‘Spürhund, Spürnase, Schimpf­
Spielkugel’ verzeichnet). name der Fassaner im Untertal’ ♦
Germ. brakko ‘Jagdhund’ (REW 1268).
borlin [U] ‘rotbraun gefleckter Mas­
tochse, Mastkalb, scheckig’ ♦ Mögli­ braf [U] ‘geziert und eingebildet, hof­
cherweise zu lat. būrius ‘feuerfarben, färtig, hochmütig’ ♦ Sollte im EWD
glutrot’ (REW 1410). ► B bertin unter bràu ‘hochmütig, stolz; tüchtig,
brav’.
borsichie sm. [O] ‘nichtsnutzige Person’
♦ Wohl eine Ableitung zu borsa ‘ragaz­ braja [U] ‘glühende Kohle’ ♦ Germ. bra­
zo apprendista’, das wiederum von dt. sa ‘glühende Kohle’. ► (B brajei) 
Bursche abstammt (vgl. Mazzel). braje [U] ‘Glut, Gluthaufen’

bortauf [U] ‘schreckliches Weib’ bramous [U] ‘angelegentlich, dringlich,


eifrig, hastig’ ♦ It. bramoso ‘begierig,
bortezza [U] ‘Fraisen (Kinderkrankheit)’ heftig verlangend’.  bramura [U]
‘Eifer, Verlangen, Dringlichkeit’
bos [U], [O] ‘Kuss’ ► G
bràndol [O] ‘Küchengerät, um das Holz
bòsema [U]; bòsima [O] ‘Papp, Web­ auf dem Herd zu halten; Bratspieß;
schlichte’ ♦ It. bozzima oder direkt von Feuerbock’ ♦ Pad. bràndol (< germ.,
lat.-grch. apozema ‘Absud’ (REW 532, REW 1273), auch im Gad. und im
Faré), dessen Nachfolgeformen in Fass. zu Hause (Gsell 1993a: 118;
Norditalien zur Bezeichnung von ‘We­ DIDE 142; Zanotti 1990: 43).
berschlichte’ dienen (vgl. Prati 1968:
22). ► bòsima braon [U] ‘braun, dunkel’ ► G praunn

bòsserlait [O] ‘Wasseranlage, braus [U], [O] ‘schwierig, schauderhaft,


Wasserleitung’ ♦ Tir. wąsserlait(ung) entsetzlich, schlecht, streng, schwer
(Elwert 1943: 109, 247, Zanotti 1990: auszuführen, holprig, bedenklich, un­
41). angenehm’ ► G

bòssersoch [O] ‘Blase für das Pfeifen­ braujel [U] ‘Amulett; Skapulier, worin
wasser’ ♦ Tir. wąssεrsąk (Elwert 1943: geweihte Kräuter sind’ ♦ Die moenat.
109, 245; Zanotti 1990: 41). Form ist bravijel.

95
brazedel [U] ‘spanischer Teig, Brot aus die die Deichsel am “broz” befestigen’
spanischem Teig, Weißbrot’ ♦ Vgl.
trent. brazedel ‘ciambella, chicca’ (Ric­ brian [U] ‘juckend, rauhe Haut im
ci). Gesicht’ ♦ Zu kelt. brigantes ‘Milben’
(REW 1294b; Grzega 2001: 104)?
brechier sm. [O] ‘Po’
briglia [U] ‘Wasserwehr’ ♦ It. briglia (<
brèda [U] ‘Schneekruste’ ♦ Metaphorisch got. bridgil, DELI).
zu got. brid ‘Brett’ (REW 1294)?
brigolent [O] ‘unbefangen, zwanglos, un­
bredaa [U] ‘Brühe, Lauterkeit, Straßen­ gezwungen, lebhaft, schwungvoll, feu­
kot, Kot’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­ rig’ ♦ Zu lat. bullicāre ‘sieden’ (REW
leitung unter bròda ‘klare Suppe; 1388, Faré) (vgl. borm. brigol ‘unru­
Schmutz’ einordnen.  sbredèr [O] higes, lebhaftes Kind’).
‘Durchfall haben [bei Tieren]’
brina [U] ‘Reif’ ♦ Italianismus oder lat.
bref [O] ‘Angeberei, Sich-Brüsten’ ♦ Zu pruīna ‘dito’.
tir. prêfl ‘großsprecherisch reden’
(Schatz 106). broa [U]; [O] ‘Nasenkatarrh, Gärung’ ♦
Gehören die beiden Bedeutungen
breghes pl. [U]; brega [O] ‘Heidekraut, wirklich zu einem Lexem? Innerhalb
Heiderich, Erika’ ♦ Hängt wohl mit lat. der Ladinia nur noch im Amp. Wohl
brūcus ‘dito’ zusammen (REW 1333, deverbal zu broé ‘heiß sein’ und damit
Faré, Grzega 2001: 111ff.). Eigenartig zu germ. brōjan ‘brühen’ (REW 1325)
ist jedoch das -e-; daher nimmt Elwert zu stellen (Pallabazzer 1980: 30).
(1943: 215f.) eine Nebenform *braucu
an, was jedoch ebenso wenig die Pro­ brocheta sm. [U] ‘kleines Kind, Knirps’ ♦
bleme löst. Auf lat. brūcus werden im Besteht ein Zusammenhang mit gad.
Übrigen auch die Einträge unter dem burìćio ‘Wicht, Knirps’? Im Moenat
EWD-Lemma borbéla ‘Erika’ zurück­ gibt es brocheta ‘Nagelschmied’ (Hin­
geführt (gad. borbela, grödn. bur­ weis Fabio Chiocchetti). Warum ist
vel/bruel, fass. bruel). In Moena heißt brocheta aber maskulin? Geht dies auf
es bröghes. eine tir. Endung -er zurück? ► B bro­
cia
bregòstola [U] ‘Kerzentropfen’
brocol [U] ‘Knospe, Blütenknospe,
brejam [U] ‘Musart’ Schößling’; [O] ‘Spargelkohl, Brokko­
li’ ♦ Wohl Norditalianismus. ► G bro­
brejar [U] ‘lügen’ culi, (B broch2?)

bretudela/brutadela [U] ‘[veraltet:] broz [U], [O] ‘Wagenvordergestell,


Knödel aus Gerstenmehl oder Buch­ Protze’ ► G beruez, B biroz
weizenmehl’; bretudela [O] ‘Trank für
Kleinvieh’ ♦ Besteht ein Zusammen­ brugna [U], [O] ‘Zwetschge’ ♦ Spätlat.
hang mit bret ‘Flüssigkeit, Brühe, Sup­ prūnea ‘Zwetschge’. Der sonorisierte
pe’ (EWD bröt)? br- Anlaut lässt sich wohl nur erklären,
wenn man Entlehnung annimmt (El­
brences [O] ‘die zwei krummen Hölzer, wert 1943: 63).  brugné [U]

96
‘Zwetschgenbaum’ cacajù: temp cacajù [U] ‘Regenbogen­
wetter’ ♦ Zu lat. cacāre ‘kacken’ (REW
brusca [U], [O] ‘Los, Wahl’ ♦ Zu­ 1443) (vgl. auch Alinei 1999: 158)?
sammenhang mit bìsca ‘Schlange; Los,
Auslosung’? ► G busca, B  bruscar cada (vb.def., 3.sg. von *cader) [U] ‘man
[U] ‘auslosen, auswählen’ soll, man darf, man kann, es geht an’ ♦
It. cadere ‘fallen’.
bruschin [U] ‘Bürste’ ♦ It. bruschino
‘Pferdebürste’ oder eigenständige Bil­ cadaver [U] ‘Kadaver, Leichnam’ ♦ It.
dung von lat. brūscus ‘Mäusedorn’. cadavere oder dt. Kadaver.

brutel [U] ‘Fraß’ ♦ Möglicherweise zu cademia [U] ‘Akademie’ ♦ It. accademia


den EWD-Lemmata bröt ‘klare Suppe’ mit Reinterpretation des a- als Bestand­
oder bròda ‘klare Suppe; Schmutz’. teil des bestimmten Artikels (l’acade­
Man vergleiche auch das Lemma → mia > la cademia).
bretudela. ► B bruot
cafernèr [O] ‘aufgehen, sich trennen, ent­
buagnel [O] ‘Schnecke’ → boagnel fremden, berauben’

bugarol [O] ‘Laugenasche’ ♦ Die moenat. cafez [U] ‘Nachkaufen [beim Kegelspiel]’
Form ist bugaröl. Von trent. (Ricci) (< ♦ Tir. kâffn ‘kaufen’ (Schatz 328)?
germ. bûkon ‘Wäsche bauchen, REW
1379, Faré). cage [U] ‘Auswurfspeichel’

bupar [U] ‘bellen’ ♦ Lautmalerischer cagna [U], [O] ‘Militärdienst [spöttisch]’


Herkunft. ♦ Im Moenatischen liegt die Bedeutung
‘anstrengende Arbeit’ vor (Hinweis
buratina [O] ‘Mehlsieb, Mehlbeutel’ cf. Fabio Chiocchetti). Im EWD zu ćiàn
boratina ‘Hund’ (als italienische Ableitung)
bzw. hier zu → caìn ‘einer, der sich ab­
burosch [O] ‘Hahnenfuß, Ranunkel’ ♦ plagt’? ► G cania, B
Zusammenhang mit rūscum ‘Mäuse­
dorn’? cagnada [U] ‘Plagerei, Rackerei,
Schinderei’ → caín ► B scané
burtal [U] ‘brutal, roh, grob’ ♦ It. brutale
oder eigenständige ladinische Ab­ cagnara [U] ‘Albernheit, Kleinigkeit’ ♦
leitung (EWD bùrt ‘hässlich’). Trent. (Ricci). ► B cagnera

bussar [U], bussèr [O] ‘küssen’ ► G F caìn [U] ‘einer, der sich abplagt (abra­
bussé ckert)’ ♦ Besteht ein Zusammenhang
mit lat. canis ‘Hund’? Im EWD finden
C wir jedenfalls unter ćiàn ‘Hund’ auch
das semantisch verwandte gad. ca­
cabarè [O] ‘Tablett, Servierbrett’ ♦ It., gnüra ‘lästige Angelegenheit’.  ca­
welches wiederum von r. cabaret ab­ gnada [U], cainada [U]; cainèda [O]
stammt – doch wie kommt es zu dem ‘Plagerei, Schinderei’, cainar [U] ‘sich
Bedeutungswandel? abrackern’

97
cajat [U] ‘kleiner Hauskäse’ ♦ Ließe sich Sommer getragen wird und keine
im EWD als Ableitung unter ćiajó Ärmel hat’ ♦ Gehört das Wort im EWD
‘Käse’ einordnen.  cajelo [O] zu ćiamëja ‘Hemd’ (< lat. camisia)? Im
‘Molkerei, Käserei’ EWD ist fass. camejòt ‘langer Frauen­
rock aus Wolle’ angegeben. Möglicher­
cal [U], [O] ‘Hühnerauge’ ♦ Lat. callum weise gehört camelot ebenfalls in diese
‘Schwiele’. ► B etymologische Familie, wobei es das
-l- noch zu klären gälte.
calancà [U] ‘buntbedruckter Stoff’
camerier [O] ‘Diener’ ♦ It. cameriere
calcola [U] ‘Webertritt, Fußtritt beim ‘dito’.
Webstuhl’ ♦ Lässt sich auf calcāre ‘tre­  cameriera [U] ‘Stubenmädchen’
ten’ (REW 1491) zurückführen, wobei
zur Bildung des Substantivs das Suffix canàgola [O] ‘Gerät zur Messung des
-ula angehängt worden ist. Vgl. it. cal­ Durchmessers eines Baumstammes’ ♦
cole ‘dito’. Im Gegensatz zu buch. cèr­ Im Moenat. liegt die Form canaula vor.
cole liegt aber im Fass. keine erbwörtli­ Von lat. cannabula ‘Halfter, Glocken­
che Entwicklung vor. Vgl. dazu auch band’ (REW 1600) bzw. eine Ab­
Pallabazzer (1980: 36). ► B cèrcole  leitung zu canna ‘Rohr’ (REW 1597)?
calcolar [U] ‘den Webertritt treten’
canalin [U], [O] ‘italienischer Bettler’ ♦
calor [U], [O] ‘Wärme’ ♦ It. calore bzw. Ursprünglich liegt die Bedeutung ‘Per­
eine nordit. Variante. ► B calour son aus Canale d‘Agordo und Umge­
bung zu Grunde’ (Hinweis Fabio
calzedrel [U], [O]; canzedrel [U] Chiocchetti).
‘kupferner Wasserkessel’; caze(l)drel
[O] ‘kupferner Wassereimer von eigen­ canapé [U], [O] ‘Sofa, Kanapee’ ♦ It.
tümlicher Form’ ♦ Trent. calcedrel canapè (welches letztendlich aus dem
(Ricci 62). Fr. kommt) oder dt. Kanapee (so Za­
notti 1990: 83). ► (F cánape?)
calzina [U] ‘ungelöschter Kalk’ ♦ Ab­
leitung zu lat. calx ‘Kalk’ (*calcīna, cancelada [U] ‘Kommunionsgitter’ ► G
REW 1501) oder von it. calcina bzw. cianceleda
einer nordit. Variante. ► G  calzinaz
[U] ‘Überbleibsel in Kalkofen nach canchen [O] ‘kleine, typisch tirolische
dem Kalkbrennen; abgefallener Mauer­ Pfeife (halb aus Holz, halb aus Neu­
bewurf’ silber); Angel, Haspe’ ♦ Gemäß Mazzel
handelt es sich um ein trent. Lehnwort.
camamila [U]; camamilia [O] ‘Kamille, Dieses müsste dann auf lat. canchalus
Kamillentee’ ♦ Ven. camamila (< lat. ‘Türangel’ zurückgehen. Bei -l zu -n
camomilla) (Tagliavini 1934: 158, El­ liegt sporadischer Austausch von Li­
wert 1943: 67). ► B canamilia quid durch Nasal vor.

cambrich [U] ‘feines Baumwolltuch’ ♦ canìcola [U] ‘Hundsstern, Hundstag’ ♦ It.


Engl. (via it.) cambric ‘dito’. canicola ‘dito’ (von lat. canis ‘Hund’).
Ließe sich im EWD als (it.) Ableitung
camelot da pegnola [U] ‘Alltagsjacke mit unter ćiàn ‘Hund’ stellen.
angenähtem Faltenrock, die nur im

98
canocel [O] ‘Fernglas, Fernrohr’ ♦ Wohl ‘Reh’ (REW 1649). ► B
Norditalianismus zu standardit. can­
nocchiale ‘dito’. Ließe sich im EWD capusciara [U], [O] ‘Kohlhändler’ ♦ Die
als Ableitung unter càna ‘Rohr’ einord­ fass. Form capusciara ist zwar im
nen. EWD unter capüc ‘Kohlkopf; Dumm­
kopf’ verzeichnet, allerdings nur in der
cantina [U] ‘Kantine’ ♦ It. cantina oder Bedeutung ‘[Name eines Gesell­
dt.-tir. Kantine.  cantinier [U], [O] schaftsspiels]’; diese Bedeutung gilt es
‘Kantinenbesitzer’ zu ergänzen. ► (B capuc?)

canzedrel [U] ‘kupferner Wasserkessel’ caràbola [U], [O] ‘Johannisbrotfrucht’ →


→ calzedrel caròbola

canzelar [U] ‘ausstreichen, tilgen’ ♦ It. carabot [O] ‘Hausierer’ ► G B


cancellare in nordit. Realisierung.
carafina [O] ‘Fläschchen, Ölflasche, Öl­
capeta [U], [O] ‘Zündkapsel’ ♦ Derivati­ ständer’ ♦ Ableitung zu it. caraffa.
on zu lat. caput ‘Kopf’.
carantena [O] ‘Quarantäne’ ♦ It. qua­
capeza [U] ‘Kapuze’ ♦ Ließe sich im rantena oder dt. Quarantäne.
EWD als Ableitung unter càpa
‘Kinderhaube’ einordnen. carata [O] ‘rote Rübe’ ♦ Trent. (Ricci).
Lat. carōta mit unregelmäßiger
capitel [U], [O] ‘Bildstock’ ♦ Nordit. Ab­ Entwicklung im Vokalismus und in der
leitung zu lat. cappella (REW 1644) Semantik?
(Elwert 1943: 73): *cappellittum >
*kapilet > capitel (Metathese). carater [U], [O] ‘Charakter’ ♦ It. ca­
rattere.
capitolear [U] ‘in die Jahre gehen [wenn
bereits über 50 Jahre]’ cardegol [U] / cherdegol [U] ‘leicht­
gläubig’ ♦ Ableitung zu credere ‘glau­
capitulazion [U] ‘Kapitulazion, Über­ ben’ mit Metathese und anschließender
gabe’ ♦ Dt. Kapitulazion. Öffnung von e > a vor r. Ließe sich im
EWD als Ableitung unter crëie ‘glau­
caponar [U] ‘kapaunern, starrköpfig sein’ ben’ einordnen.
♦ Norditalianismus zu standardit. cap­
ponare kapaunern’ oder eigenständige carejèr [O] ‘karren, mit Karren befördern’
Ableitung zu lat. *cappōnem ‘Kapaun’. ♦ Norditalienisch für standardit. car­
reggiare. Ließe sich im EWD als Ab­
caporion [U] ‘Hauptanführer, Rädelsfüh­ leitung unter ćiàr ‘Wagen’ einordnen.
rer’ ♦ It. caporione. Im Moenat liegt ein ladinischer Anlaut
vor: ciarejar.
capotar [U] ‘verhaften, arretieren; im
Kartenspiel alle Stiche machen’ ♦ It. carela [U] / cherela [O] ‘Klage’ ♦ It.
Ableitung zu lat. capere ‘fangen, querēla (spontaner Wandel e > a vor
fassen’. r).

capriol [U], [O] ‘Reh’ ♦ Lat. capreolus careza [U]; carecia [O] ‘Schilfrohr’ ♦

99
Ven. trent. (< lat. caricia ‘Riedgras’, als Ableitung unter ćiàsa ‘Haus’ ein­
REW 1691). ordnen (aus dem It. entlehnt).

carga [U] ‘Charge’ ♦ Ließe sich im EWD cascada [U]; caschèda [O] ‘Kaskade,
als Ableitung unter ćiarié ‘beladen’ großer Wasserfall’ ♦ It. cascada ‘dito’.
einordnen. Es liegt aber eine (nord)it.
Form vor. caslir [O] ‘mit Baumstämmen befestigter
und eingefriedeter Ort (aus vor­
cargnofa [O] ‘Schlingel, Schelm’ ♦ Tir. italischer Zeit)’
für standarddt. Ganove?
casot [U] ‘Gartenhäuschen’ ♦ Ließe sich
cariagio [O] ‘Fahrzeug, Beförderungs­ im EWD als Ableitung unter ćiàsa
mittel’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­ ‘Haus’ einordnen (aus dem It. ent­
leitung unter ćiarié ‘beladen’ einord­ lehnt).
nen. Es liegt aber eine (nord)it. Form
vor. cassar [U] ‘mit den Hörnern stoßen
[Rindvieh]’ ♦ Lat. quassāre ‘schütteln,
cari(g)ola [U] ‘Bett mit Gitter für Kinder; zerbrechen’ (REW 6939).  cassada
niederes Bett, das am Tag unter ein [U] ‘Hörnerstoß, Aufspießung mit Hör­
anderes geschoben wird; Kinderstuhl’ ♦ nern’
In Moena heißt es cargiola. Möglicher­
weise im EWD unter ćiàr ‘Wagen’ cassat [U] ‘kleiner Hauskäse’ ♦ Im Rossi
einzuordnen. Die Lautung weist jedoch evtl. verschrieben für casat? Dann
auf ven. cariola hin (Tagliavini 1934: wohl zu ćiàsa ‘Haus’.
160). ► B cariola
casserna [U] ‘Kaserne’ ♦ Dt. Kaserne.
carmin [O] ‘Karmin, Karmesin’ ♦ Dt.
Karmin. ► G caster [U] ‘Falz, Fuge’; chester [O] ‘Ein­
schnitt’ ♦ Wie it. incastro ‘dito’ zu lat.
carnavosta [O] ‘1. August’ ♦ Ließe sich incastrāre ‘einzwängen’ (REW 4344).
im EWD als Ableitung unter ćèr
‘Fleisch’ einordnen. catafalch [O] ‘Bahre mit 4 Füßen, auf
denen man den Sarg zum Transport auf
carniola [U] ‘Karneol’ ♦ Lat. corneola den Friedhof befestigt; Totenbahre;
‘dito’. Krankenbahre’ ♦ It. catafalco
‘Brettergerüst’.
caròbola [O] ‘Johannisbrot’; caràbola
[U], [O] Johannisbrotfrucht’ ♦ Zu it. cataloch [U] ‘Preisverzeichnis’ ♦ Dt. Ka­
carruba ‘dito’ (< arab. harrūba ‘dito’). talog.
►B
catarata [O] ‘Schleuse, Schütz’ ♦ It. ca­
cartarola [U] ‘Holzgefäß, kleiner Holz­ taratta ‘dito’.
stoß, hölzerner Nachttopf’ ♦ Erinnert
an it. quartaro. ► B cartaruol cataster [U] ‘Kataster’ ♦ Dt. Kataster.

cartucia [U] ‘Kartusche’ ♦ It. cartuccia. catitemp [O] ‘schlechtes Wetter’ ♦ Ließe
sich im EWD als Ableitung unter catìf
casal [O] ‘häuslich’ ♦ Ließe sich im EWD ‘elegant [ursprünglich; böse]’ und unter

100
tëmp ‘Zeit; Wetter’ einordnen. ‘Schmutz’?

catolich [U], [O] ‘katholisch; Katholik’ ♦ cedean [O] ‘Jahrestag’ ♦ Fass. Zu­
It. cattolico oder dt. Katholik. sammensetzung aus ce ‘Ende, Kopf’ +
de + an ‘Jahr’.
catram [U] ‘Teer’ ♦ It. catrame ‘dito’ (<
arab.). ► B cefa [U] ‘Schnauze, Vormaul’ ♦ Sollte im
EWD unter céfa ‘mürrisches Gesicht’
catrin [U], [O] ‘Wachsstöckl’ ♦ Man stehen.
möchte das Wort wie fass. cerot ‘dito’
zu cëra ‘Wachs’ stellen. Doch lässt ca- cefiar [U]; (se) cefier [O] ‘schleppend ge­
auf italienische Entlehnung schließen hen, hatschen, Füße nachschleifen’ 
(vgl. it. quattrino). cefion [O] ‘Hatscher; einer, der die
Füße nachschleift’
caturà [U] ‘unpässlich, unwohl, ka­
tarrhig’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­ cégola [U] ‘nicht ständig fließende
leitung unter catàr ‘Katarrh’ einordnen. Quelle, leicht versiegbare Quelle’ ♦
Vergleiche dazu auch → scaternà ‘ka­ Hängt möglicherweise mit frl. cégole,
tarrhig’. cèule ‘voragine, inghottitoio’ zusam­
men und wäre aufgrund der Verbrei­
caut [U] ‘vorsichtig, klug’ ♦ Wohl it. tung gemäß DESF (II: 333f.) auf eine
cauto. vorrom. Wurzel zurückzuführen (das
DESF setzt eine idg. Basis *kaiwa an).
cavalot [U] ‘feines Oberleder’ ♦ Ven. ca­
valoto ‘fondo dei pantaloni’ (DEVI). cei: mostaciogn e cei [U] ‘Püffe und Stö­
ße’ ♦ Falls das Wort mit frl. cei ‘piglio,
cavidoler [U] ‘Hirte für Jungvieh’ ♦ Wohl ceffo’ zusammenhängt, ist es auf lat.
Padanismus (< *cavitāre ‘sich vorse­ cilium ‘Augenbraue’ (REW 1913, Faré)
hen’, REW 1793). In Moena heißt es zurückzuführen (vgl. DESF II: 324).
ciavedolé.
ceidar vb.def. [U] ‘fast, kaum’ → cedaa
cazal [U] ‘Mörteltrage’ ♦ Sollte im EWD
als Ableitung unter ćiàza ‘Holzlöffel’ ceif/seif [U] ‘massenhaft, viel, Masse,
stehen (wie gad. cazàl). Menge’ ♦ Fabio Chiocchetti weist mich
daraufhin, dass die Angaben von Rossi
cazo: n cazo! [U] ‘nichtś nein! ein wohl falsch sind. ceif sei als ‘Speise’ in
Schmarrn!’ ♦ It. cazzo! ‘zum Teufel!’. fassanischen Texten belegt; seif müsse
etwas anderes sein. Die erste Form ist
cecia [U] ‘Zecke, Schafsmilbe’; ceces [O] damit zu lat. cibus ‘Speise’ (REW 180)
‘Filzläuse (bei Schafen)’ ► G cëcia zu stellen und sollte im EWD unter cëi
stehen. Ob das Wort mit seif ‘Unschlitt,
cedaa [U] ‘fast, kaum, schwer’ ♦ Ließe Talg, ausgelassenes Rinderfett‘ (EWD
sich im EWD als Ableitung unter ciodè sëi von lat. sēbum) zusammenhängt?
‘beinahe etwas tun’ einordnen (Gsell ► (G zëiber?)
1999b: 258).
céiver [U] ‘Behälter, Waschzuber’ ♦ Vor­
cedam [O] ‘Bodensatz’ lat. *du&ibros ‘Gefäß mit zwei Hand­
♦ Steckt darin auch → ledam haben’ (vgl. bdr. tseiver ‘Zuber’)

101
(Grzega 2001: 167). ► G zëiber, B tinnāre ‘klingeln’ (REW 8752). Vgl.
zeiber etwa frl. centenâ (DESF II: 326). ► (B
centené, tentené)
cejendel [O] ‘Öllampe, die man vor dem
Allerheiligsten anzündet’ ♦ Lat. centurel [U] ‘Dragoner/Spange an der
cicindēla ‘kleine Lampe’ (REW 1904). Hose, am Gilet, Mantel usw.’ ♦ Zu lat.
Die buch. Form stellt einen Padanismus cento ‘Lumpen’ (REW 1814)?
dar. ► B zesendel
cep [U] ‘von schlechter Qualität, schlecht,
cejer [U], [O] ‘fallen, verfallen, umsin­ schwach’ ♦ Wohl zu tir. tscheppεrn
ken, hinsinken, stürzen’ ‘misstönend klingen’, tscheppεrεr ‘alter
Löffel’ (Schatz 659).
cela [U] ‘Topf’ ♦ Aus formaler Sicht
könnte man an metonymischen Zu­ cercel [O] ‘schwalbenschwanzartiger Ein­
sammenh mit lat. cella ‘Vorrats­ schnitt ins Holz’ ♦ Lat. circellus
kammer’ (REW 1802) denken. Es ‘kleiner Ring’ (REW 1939).
fehlen allerdings semantische Paralle­
len. Aus inhaltlicher Sicht könnte man cerena [O] ‘Nebelhaftigkeit, die das
an lat. *tegella ‘Ziegel’ (REW 8614) Filtern der Sonnenstrahlen nicht
denken, das durchaus zur Benennung verhindert’ ♦ Besteht Zusammenhang
von Kochgefäßen dient (vgl. auch FEW mit dem EWD-Lemma ćiarü ‘Nebel’
XIII: 156f.). Man würde jedoch als (< lat. cāligō)? Dazu das Verb ciarenar
Ergebnis ein fass. *(te)jela erwarten. ‘rannuvolarsi del cielo’ (Hinweis Fabio
Chiocchetti).
cela-cela [U] ‘[Ruf- und Kosename für
Schafe]’ ♦ Expressiven Ursprungs. cerpa [O] ‘Motte’ ♦ Variante zu → ci­
alpa, → telpa. Kreuzung von tarmes
cencia [O] ‘Kurbel, Griff’ ‘Holzwurm’ (REW 8586), *cariolus
‘Holzwurm’ (REW 1694) und einem
ce(r)nijech [U] ‘Kälte, wenn der Wind weiteren Wort? ► G telpa
den Schnee herumtreibt; trübes Wetter
mit leichtem Regen’; cenijech [O] cerva: vaca cerva [U] ‘Kuh mit schön ge­
‘Dunst’ ♦ Möglicherweise zu lat. cerni­ wundenen Hörnern’ ♦ Ließe sich im
culum ‘grobes Sieb’ (REW 1833), das EWD als Ableitung unter cèrf ‘Hirsch’
in Frankreich gelegentlich zur Be­ einordnen.
zeichnung von Schneehaufen oder eben
gefegte Schneeflächen, die durch den cerver [U] ‘Wintertrieb (der Kartoffeln,
Wind entstanden sind dient (FEW II,1: Rüben)’ ♦ Wohl zu lat. germen ‘Keim’
606f.). (REW 3744), wie → jerf.

cent [O] ‘Riemen, Gürtel’ ♦ Lat. cinctum cesciar [U] ‘ausradieren, auslöschen’ ♦
‘dito’ (REW 1921) (Elwert 1943: 92). Wohl lat. cessāre ‘aufhören, been­
Ließe sich im EWD gut zu centüna digen’ (REW 1851, FEW II,1: 615f.).
‘dito’ stellen. Nebenform: centa. ► G Evtl. aus der Padania entlehnt (wegen
cënta, (B cenje) -š- statt -s-).  cescio [O] ‘Arbeits­
zimmer’
centenon [U], [O] ‘schwankend, schwer­
kelnd, taumelnd, torkelnd’ ♦ Lat. tin­ cescon [O] ‘Busch, Strauch’ ♦ Lat.

102
*cēspōne(m), zu *cēspus ‘Gesträuch’ cheiadoa [O] ‘Kegeln; Bowling;
(vgl. it. cespo, DELI). Bemerkenswert Kegelbahn’ ♦ Sollte im EWD als Ab­
ist jedoch der Tausch von -sp- und -sc-. leitung unter chìdl ‘Kegel’ stehen (wie
grödn. chidladoia ‘Kegelbahn’).
cespol [U] ‘Busch, Strauch’ ♦ Lat.
*cēspōne(m), zu *cēspus ‘Gesträuch’ chepo! [U] ‘nun!’ ♦ Ließe sich im EWD
(vgl. it. cespo, DELI). als Ableitung unter che ‘was’ und pó
‘nun’ einordnen.
cet [U] ‘gefallen, gestürzt’ ♦ Lat. cadutus.
cherdegol [U] ‘glaubhaft, leichtgläubig’
cevijela [U] ‘hölzener Zapfen (vorderster → cardegol
an der Deichsel)’ ♦ Spätlat. cavīcla
(statt clavīcula ‘Schlüsselchen’) mit cherdol [U] ‘Passepoil (eingenähter 2 mm
Suffixwechsel. Ließe sich im EWD bei breiter Streifen am Korpetin [am
tlè einordnen. Rücken])’; [O] ‘Lederstreifen, den der
Schuster außen zwischen Oberleder
cevon [O] ‘Haupt, Kopf; Dickkopf’ ♦ und Sohle, um eine bessere Nicht­
Sollte im EWD als Ableitung unter ćé durchlässigkeit zu erhalten, genäht hat ’
‘Kopf’ stehen (wie gad. ćiaùn, grödn. ♦ Zu cardo ‘Türangel’ (REW 1684),
ciavón). das vielfach metaphorisch zur Bezeich­
nung von ‘Winkel’, ‘Falz’ etc. dient?
checené [U] ‘roter Felsen auch vom Al­
penglühen’ ♦ Ließe sich im EWD als cherela [O] ‘Streit’ → carela
Ableitung unter cöc(e) ‘rot’ einordnen.
chèster [O] ‘Einschnitt’ → caster
chëf/chiëf f. [U] ‘dicke Garbe aus gedro­
schenem Stroh’ ♦ Die moenat. Form ist chézena [U] ‘geistreiches, anmutiges
cöf (Hinweis Fabio Chiocchetti). Lat. Mädchen’ ♦ Sollte im EWD als Ab­
cavus ‘hohl’ (REW1796) (Vgl. bol. kof leitung unter cöc(e) ‘rot’ stehen (wie
‘Garbe’). ► G chëuf ‘Höhle, Nest, fass. checen ‘lebhaft, geistreich’).
Brut’?)
chibel [U]; chibl [O] ‘Kübel’ ► G F
chegaie [O] ‘unbedeutende Person’ ♦ Im chibl
EWD zu caghé ‘scheißen’.
chìchera [O] ‘Kaffeetasse, kleine Tasse’
chegaissa [O] ‘ungeduldig, eilig, hastig; ►G
Ungeduld’ ► G, B chegaiza
chienchernèr [O] ‘schütteln, schwingen,
chegoza [U], [O] ‘Hundsrose [aber nur wackeln’ ♦ Zu lat. tintinnāre ‘klingeln’
Blüte oder Frucht], Hagebutte’ ♦ Sollte (REW 8752), wovon auch → centenon
im EWD als Ableitung unter caghé ‘schwankend’?
‘scheißen’ stehen (wie fass. chegora
‘Hagebutte’, das vielleicht nur eine chiesura [O] ‘eingezäuntes Grundstück’ ♦
falsche Abschreibung aus Rossi dar­ Sollte im EWD unter tlisüra ‘einge­
stellt).  chegozé [U] ‘wilder Rosen­ zäunte Wiese’ stehen (wie fass. chius­
strauch, Hundsrosenstrauch’, chegòzo­ ciura ‘eingezäunte Wiese’).
la [O] ‘Hundsrose’
chincaliaria [O] ‘Kurzwarenhandlung’ ♦

103
It. chincaglieria ‘dito’. Schweiß offen werden)]’; cee [O]
‘Holzwurm, der sich unter der getrock­
chindsdir [U]; chinzidier/chinzier [O] neten Rinde von Tannenholz befindet’
‘Kindermädchen’ ► G chínzdiern  ciaade pl. [U] ‘Gänge der Bor­
kenkäfer, Löcher durch Spechte
chiocia [U] ‘Brut, Gluckhenne’ ♦ It. verursacht’
chioccia (< lautmalerischen Ursprungs,
DELI). ciacagna [O] ‘Augenbutter’ ♦ Wohl zu
lat. caecus ‘blind’ (REW 1461, Faré);
chiomper [O] ‘Ausbesserer’ ♦ Sollte im vgl. rom. cecagna ‘Schläfrigkeit’
EWD unter tlòmper ‘Klempner’ (wie (Übergang ähnlich wie bei dt. Schlaf,
fass. clonper). Mit it. Anlautver­ das sowohl für ‘Schläfrigkeit’ als auch
bindung. für ‘Augenbutter’ stehen kann).  cia­
cagnous [O] ‘triefäugig’
chiont [U], [O] ‘Stengel der Kobis­
pflanze’ ciajoncéla [U] ‘Campanula cervaria =
Glockenblumenart, deren Blätter im
chioterna [O] ‘zerzaustes Haar’ ♦ Ließe Frühling, so lange sie noch jung sind,
sich im EWD als Ableitung unter tlòta zur Spinatbereitung dienen’ ♦ Die
‘verklebtes Haarbüschel’ einordnen Verwendung zur Spinatbereitung lässt
(vgl. Gsell 1992a: 140, 1999b: 254). ► an einen Zusammenhang mit →
B ciuita ciaroncel ‘mit Spinat oder Anderem
gefüllte Cannellone’ denken und sollte
chiovertech [U]; chuerte/chiuvertech im EWD unter cajincél ‘Krapfen’
[O] ‘Ofendeckel, Deckel’ ♦ Variante zu stehen.
cuerchie. Sollte daher im EWD unter
cuèrtl stehen. cialinà [U] ‘Zapfen, der in die eisenbe­
schlagene Radachse kommt, damit das
chiozin [O] ‘im Ofen gedörrte Birne’ ♦ Rad nicht herausfällt’; cialina [O]
Ließe sich im EWD als Ableitung unter ‘Feuerstein, Schusterstahlnagel, der
clòza ‘Dörrbirne’ einordnen (wie fass. verwendet wird, um das Leder zu­
clozen ‘im Ofen oder an der Luft ge­ sammenzuhalten, während die Naht
dörrte kleine Birne’). ausführt’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
leitung unter tlàlt ‘handgeschmiedeter
chit [O] ‘Kitt’ ♦ Dt. tir. Kitt (Schatz 335) Nagel’ einordnen. Zu it. accialina (El­
(Zanotti 1990: 86).  chitenar [U]; wert 1943: 102).  cialin [O] ‘Grille’,
chitener [O] ‘kitten’ cialinar [U] ‘vernageln, verzapfen’

chiusana [U] / ciuzena [O] ‘Raupe des cialpa/ciaspa [U] ‘Motte, Kleidermotte’ ♦
Kohlweißlings’ ♦ Gemäß Elwert (1943: Man vergleiche dazu die Einträge →
178) und Heilmann (1980: 70) zu lat. cerpa und → telpa. ► G telpa
calcea (ergo ‘Strumpf’, REW 1495).
cialvéisa [U], [O] ‘Schwarzbeere’ ♦ Pelle­
ciaa [U] ‘Borkenkäfer; Pulver, das die grini (1976: 699) sieht zu Recht keine
Borkenkäfer erzeugen [es wird als Pu­ Anbindungsmöglichkeit an einen
der auf wundgeriebenen Stellen des Stamm *glast-. Die Herkunft muss
Körpers verwendet (z.B. bei Wolf, bei einstweilen im Dunkeln bleiben. (So
Kindern, die infolge der Bettnässe oder auch Merkens 1956: 96).  cialvesé

104
[O] ‘Schwarzbeerpflanze’ ciao! [U], [O] ‘[Begrüßungs- und Verarb­
schiedungswort]’ ♦ Italianismus. ► B
ciampeces pl. [U] ‘Eingeweide, Gekrös,
Wanst’; ciampec pl. [O] ‘Dickbäuche; ciap/chiap [U] ‘Schar, Menge’ ♦ Im EWD
Kaldaunen’ ► G ciampec möglicherweise zu ciapòt ‘Misch­
masch, Durcheinander’ zu stellen.
ciampedir [U] ‘einschlummern, einni­
cken, einschläfern’  nciapedir [U] ciapar [U], ciapèr [O] ‘bekommen, erhal­
‘einnicken, schlummern, beginnen’; se ten, fangen, annehmen, auffinden’ ♦ G
inciampedir [O] ‘einschlummern’ giapé, B ciapé

ciampedon [U], [O] ‘Stange mit vorne ciapìe de stram [U] ‘Margaritenblume,
und rückwärts einem Einschnitt, um die Orakelblume’ ♦ Viele frl. Pflanzen­
canzedrie zu halten, damit man sie auf namen haben ciapièl als erstes
der Schulter tragen kann’ ♦ Sollte im Element; dieses geht auf lat. cappellus
EWD als Ableitung unter ciamp ‘links’ ‘Hut’ (REW 1645) zurück (vgl. DESF
stellen, wenn dort auch buch. ciampe­ II: 356).
don ‘Stange’ verzeichnet ist. Wahr­
scheinlicher scheint aber ein kelt. Ety­ ciarampa [O] ‘roher und in Bewegungen
mon kanip- ‘Krummholz’, das als unbeholfener Mensch’
Ausgangsbasis für romanische Wörter
mit der Bedeutung ‘Radfelge’, ‘Glo­ ciarbonata [U] ‘Bolzrohr’ ♦ Im EWD zu
ckenhalsband’ und ‘Joch’ diente (vgl. ćiarbùn ‘Kohle’?
Grzega 2001: 152). Vgl. auch Elwert
(1943: 218). ciarcel [U] ‘Knoten; Verdickung am
Grashalm; Verdickung, worin die noch
ciampilota [U]; ciampi(r)lota[O] nicht aufgeblühte Ähre steckt; Zapfen
‘Purzelbaum nach rückwärts’ ♦ Trent. durch die Jochweide’ ♦ Zu lat. circellus
(Elwert 1943: 230). Evtl. zum EWD- ‘kleiner Ring’ (REW 1939).
Lemma ciamp ‘links’? ► (B capòto­
la?) ciareadoi [U]; cer(g)iadoi [O] ‘Umlade­
platz, Aufladeplatz, Lagerplatz der Bo­
ciancel [U], [O] ‘Gattertür, Gittertor, tenfuhren’ ♦ Ließe sich im EWD als
Feldgatter’ ► G cianceleda Ableitung unter ćiarié ‘beladen’ ein­
ordnen.
cianfun [U] ‘Wiesbaum; Stange, worauf
die Steine am Dach gelegt werden’ ♦ ciarìa [O] ‘in Tamion verwendeter Hand­
Liegt (zumindest der ersten Silbe) ein karren’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
kelt. Etymon kanip- ‘Krummholz’ zu leitung unter ćiàr ‘Wagen’ einordnen.
Grunde, das als Ausgangsbasis für
romanische Wörter mit der Bedeutung ciarìa [U] ‘zwei lange Stangen auf dem
‘Radfelge’, ‘Glockenhalsband’ und Wagenvorderteil’ ♦ Ließe sich im
‘Joch’ diente (vgl. Grzega 2001: 152)? EWD als Ableitung unter ćiàr ‘Wagen’
einordnen.
cianta [U], [O] ‘faltenreicher Frauenrock’
♦ Lat. cinctus, cincta ‘gegürtet’ (REW ciarlatan [U], [O] ‘Scharlatan, Quack­
1921, 1924) (DIDE 141). salber’ ♦ It. ciarlatano ‘dito’.

105
ciarol [U] ‘Kern, Inhalt einer Nuss usw., Fleisch’ ♦ Expressiver Herkunft.
Inhalt einer Sache’ ♦ In Moena heißt es
ciaroch. ciciolar/cicionar [U]; ciciolèr [O]
‘lispeln, zischeln, wispern, flüstern,
ciaroncel [O] ‘mit Spinat oder Anderem zwitschern, locken (Vögel)’ ♦ Onoma­
gefüllte Cannellone’ ♦ Könnte in Zu­ topoetischer Natur.  ciciolament [U]
sammenhang mit ciajoncéla ‘Campa­ ‘Gelispel, Gezwitscher, Gezisch, Lispe­
nula cervaria = Glockenblumenart, de­ lei’
ren Blätter im Frühling, so lange sie
noch jung sind, zur Spinatbereitung cigna [U] ‘Fuge (in der Daube)’
dienen’ stehen.
cilé [O] ‘Stübchen in der Berghütte’ ♦
ciaspèr [O] ‘das Bein nachziehen, sich Möglicherweise von lat. cellārium
tastend vorwärts bewegen’ ► G ciasp ‘Keller’ (REW 1804). Sollte dann im
EWD unter ciolà ‘Vorratskammer’ ste­
ciasterna [U], [O] ‘Zisterne, Zieh­ hen.
brunnen’ ♦ Lat. cisterna ‘dito’.
cima [U] ‘Gipfel, Spitze (in dieser Be­
ciatiér [U], [O] ‘Flößer’ ► G ciater deutung wird es meistens durch su n
som umschrieben), Holzstamm von
ciavai: se dar ciavai [U] ‘rutschen’ ♦ Im Wagenlänge, Langholz (Prügel)’ ► G
Buch. gibt es die Wendung se fé ciavai
(Hinweis Fabio Chiocchetti). cìmberle [O] ‘angeheitert’ ♦ Lat. (grch.)
cymbalum ‘Schallbecken’ (REW 2441,
ciavatol [U] ‘angebranntes Holz (Scheit, Faré). Wohl über it. essere in cimberli
Prügel usw.), angebrannter Baum, ‘essere ubriaco’. ► B
Weihwasserwedel’ ♦ Ließe sich im
EWD als Ableitung unter ciavàt ‘abge­ cimesc [U] ‘Wanze’; [O] ‘Holzwurm,
nutzter Schuh’ einordnen. ► (B ciava­ kleiner Holzparasit unter der Rinde der
tol ‘Bergfink’?) Balken von Berghütten’ ♦ Lat. cīmex
‘Wanze’ (REW 1915).
ciavatona [U] ‘große Feldkröte’ ♦ Ließe
sich im EWD als Ableitung unter cia­ cindernar [U] ‘klirren’ ♦ Onomatopoe­
vàt ‘abgenutzter Schuh’ einordnen. tischer Herkunft.

ciavedel [O] ‘menschliche Brustwarze’ ♦ ció [O] ‘ungeordnet, unordentlich; un­


Lat. capitellum ‘Köpfchen; Brustwarze’ ordentliche Person’
(REW 1636) (Elwert 1943: 58, 175).
ciòcera/ciònera [U] ‘Weide um den Hals
ciavoèr [O] ‘brünstig sein’ der Zugtiere beim Joch’

cica [O] ‘Zigarrenstummel, Zigaretten­ ciocio [U] / ciuciu [U] ‘[Rufname für
stummel’ ♦ It. cicca ‘dito’ (und davon Schweine]’ ► G ciu B ciui
tir. tschigg). Sollte im EWD unter cìch
‘Portion Kautabak’ stehen (wie un­ ciorl [U] ‘gelockt, gekraust’ ♦ Tir. tschûrl
terfass. cica ‘Kautabak’). ‘Krauskopf’ (Schatz 663). Das Lemma
ließe sich dann im EWD zu ciürtl
cicia [U] ‘[kindersprachlich:] weißes ‘Dummkopf’ stellen.  ciorl/ciurl [U]

106
‘Haartracht der Weiber, wenn in Eile ‘Kistchen’).
rückwärts eine Schnecke aufgedreht
wird; Haartracht allgemein, wenn die ciuzena [O] ‘Kohlweißlingsraupe’ →
Haare wie eine Schnecke aufgewunden chiusana
sind’; ciurlà [U] ‘zerzaust, zerrauft,
ungekämmt, halbverrückt’ clea [O] ‘Klee’ ♦ Tir. klea (Schatz 338,
Fink 154) (Elwert 1943: 246; Zanotti
ciuciaa [U], [O] ‘Kalkofen’ ♦ Ließe sich 1990: 87).
im EWD als Ableitung unter ćiàuc
‘Kalk’ einordnen. cleba [U] ‘[ant.:] Straßenkot’ ♦ Steckt dt.
kleben ~ tir. klêbm dahinter?
ciuciu [U] ‘[Rufname für Schweine]’ →
ciocio cleternar [U]; cleternèr [O] ‘klettern’ ♦
Tir. klettern (Schatz 338) (Aschen­
ciudar [U] ‘Sensenstiel’ brenner 1972: 48, Zanotti 1990: 87). 
cleter [O] ‘Kletterer’
ciufanel [O] [ant.] ‘Nachttopf’
clin [O] ‘Strahl Milch’ ♦ Lässt sich neben
ciumarel(a) [O] ‘mit Stielen von Bären­ clip im EWD unter tlìp ‘Milchstrahl’
klau gemachte Pfeife’ ♦ Lat. calamel­ einordnen.
lus ‘Röhrchen’ (REW 1484, Faré). Vgl.
lecc. ciummaredda ‘Hirtenflöte’. coanif [U] ‘das letzte Ei, das ausgebrütet
ist; Nesthocker’ ♦ Ließe sich im EWD
ciumitier [O] ‘Friedhofskapelle’ ♦ Lat. als Ableitung unter cuè ‘brüten’ einord­
coemetērium ‘Friedhof’ (REW 2023). nen.

ciuril [U], [O] ‘Pflugsäule’ ♦ Gemäß El­ cobes [U], [O] [ant.] ‘Kobis, Kohl’ ♦ Tir.
wert (1943: 176) von lat. caprīle (Schöpf 297, Schatz 321) (Elwert 1943:
‘Ziegenstall’ (REW 1653), was aber se­ 108, 245; Zanotti 1990: 88, Kindl
mantisch wenig einleuchtet. 1999: 142).

ciurlà [U] ‘zerzaust, zerrauft, ungekämmt, còbia [U], [O] ‘Koppel, Paar, Gespann’ ♦
halbverrückt’ → ciorl Venetismus (< lat. cōpula ‘Band’,
REW 2209, Faré) (DEVI).  cobiar
ciusch [O] ‘zerzaust’ ♦ Ließe sich im [U], cobièr [O] ‘koppeln, paaren, (drei
EWD als Ableitung unter cióscia Mal beim) Ave läuten’
‘Grasbüschel’ einordnen. Vgl. auch El­
wert (1943: 182).  ciuscon [U], [O] coch [U] ‘Rosenkranzgralle aus lagrime
‘verkrüppelter, breiter Waldbaum, Christi’
Struwwelpeter; auf den Wiesen her­
vorragender Felsen’ cocler [U] ‘Kachler, Hafner’ ♦ Tir.
kąchlεr ‘dito’ (Schatz 320) (vgl. auch
ciutra [O] ‘Flaschenkürbis’ Kindl 1999: 141).

ciuzela [O] ‘Holzkassette, um zwei Was­ cocol(a) [U] ‘Kachel, Tiegel, Farbtopf’;
serröhren zu vereinigen’ ♦ Sollte im cocol [O] ‘Topf, Gefäß, Nachttopf’; co­
EWD als Ableitung unter ćialzà cola [O] ‘Tasse aus Metall’ ♦ Die
‘Schuh’ stehen (wie grödn. ciauzela ursprüngliche Bedeutung ist ‘Gefäß’;

107
‘Kachel, Tiegel’ dürfte sekundär in bindung zu ‘kleiner Balken’?
Anlehnung an → cocler hinzugekom­
men sein. Etymon ist entweder lat. co­ colin [O] [neol.] ‘Sieb’ ♦ Ableitung zu lat.
culus ‘Kochgeschirr’ (REW 2021) (El­ colāre ‘filtern’.
wert 1943: 118) oder tir. kąchl ‘Kachel,
große Schale, Nachttopf’ (Schatz 320; colocar [U] ‘austellen, ordnen, nie­
Zanotti 1990: 88) oder eine Kreuzung derlassen, vorsorgen, unterbringen’ ♦
der beiden Etyma. It. collocare oder eigenes Buchwort,
lat. collocāre ‘dazustellen, zusammen­
cocolèr [O] [neol.] ‘verhätscheln’ ♦ Ex­ stellen; setzen, stellen, legen’.
pressiver Natur. Evtl. aus dem Ven.
(DEVI 102). ► B cocolé colombina [U] ‘Wiesennelken’ ♦ Zu lat.
columbīnus ‘taubenfarbig’ (REW
codolon [U] ‘Widder mit langem 2064).
Schweif’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
leitung unter códa ‘Schwanz’ einord­ colomìa [U], [O] ‘Ökonomie, Wirtschaft’
nen. In Moena liegt die Bedeutung ♦ Variante zu economia mit Aphärese
‘verwöhntes Kind’ vor (Hinweis Fabio und Dissimilation.
Chiocchetti).
coman [O] ‘besonderer Knoten, um ein
coei sm. [O] ‘Holzeimer zum Viehträn­ Seil zu kürzen’
ken’ ♦ Zu lat. cūpa ‘Daube’ (REW
2401). Vgl zur Semantik etwa engad. combrìcole pl. [U] ‘heimliches Geschäft,
cuagl ‘Holzeimer’. Heimlichkeiten’ ♦ It. combriccola.
Auch frl. (DESF II: 445). Für das DELI
cogner [U], [O] ‘müssen, sollen, brau­ unbekannter Herkunft, für das DEI
chen’ ♦ Trent. ven. (Ricci 93, DEVI (1027) wahrscheinlich zu einem
105) (< lat. convenire ‘sich schicken, *combriccolare ‘zusammenwerfen’,
zusammenkommen’, REW 2192) (El­ welches wiederum von briccolare
wert 1943: 229, 235, 244). ‘werfen’ stammen soll.

cògol [O] ‘Tropfsteinhöhle, Höhle’ ♦ comedia [U] ‘Schauspiel’ ♦ It. commedia


Sollte im EWD unter cogol ‘Heu­ (Buchwort, lat. comoedia). ► B 
schober’ stehen. Trent. cogol (Elwert comediant [U] ‘Schauspieler’
1943: 172) bzw. von lat. cucullus ‘Ka­
puze’ (REW 2359, Faré 2359) (Gsell companadech [O] ‘Zuspeise’ ♦ It. com­
1989a: 147, 1990b: 358). panatico mit Ladinisierung oder halb­
gelehrt von mittellat. companāticus
coladura [O] ‘Mutterkuchen, den die ‘dito’.
Kühe beim Bespringen durch die Stiere
ausstoßen’ ♦ It. colatura ‘Abgestropf­ companaso [O] ‘Zuspeise’ ♦ It. com­
tes’. panatico mit Suffixwechsel oder halb­
gelehrt von mittellat. companāticus
colantin(a) [U] ‘fast quadratische Sta­ ‘dito’.
kette’; colantin [O] ‘kleines Kloster;
kleiner Balken, (Dach-)Latte’ ♦ Erklärt competent [U] ‘Mitbewerber’ ♦ It. com­
sich die Bedeutung ‘Kloster’ aus ir­ petente ‘Fachmann, Kenner’.
gendeiner volksetymologischen An­

108
compieta [U] ‘volle Anzahl; komplett’ ♦ contorn [U] ‘Gegend, Umgebung, Umriß’
Ließe sich im EWD als Ableitung unter ♦ It. contorno.
complì ‘vollenden’ einordnen.
contrabandier [U], [O] ‘Schmuggler’ ♦
compliment [O] [neol.] ‘Kompliment’ ♦ It. contrabbandiere.  contrabant
Germanismus oder Italianismus. [U]; contrabando [O] ‘Kontraband,
Schmugglerei, Schmugglerware’
comprativa/coperativa [O] ‘Verein, Ge­
nossenschaft’ ♦ It. contradota [U] ‘Nadelgeld, Vatererbe
von der Mutter und Ihrigen’ ♦ It. con­
concim [O] ‘Dünger’ ♦ It. concime. ► B trodote mit Ladinisierung.
conzime
contrafenestra [U] ‘Doppelfenster’ ♦
confession [U] ‘Bekenntnis, Einge­ Ließe sich im EWD als Ableitung unter
ständnis, Beichte’ ♦ Germanismus oder finèstra ‘Fenster’ einordnen.
Italianismus.  confessional [U], con­
fescionel [O] ‘Beichtstuhl’ contravenzion [U], [O] ‘Übertretung,
Waldfrevel’ ♦ It. contravvenzione.
conform [U] ‘gleichförmig, überein­
stimmend, gemäß, je nachdem’; con­ contrumazia [U] ‘Kontumaz’ ♦ It. contu­
forma [O] ‘gemäß’ ♦ Germanismus macia mit volksetymologischer Um­
oder Italianismus. Im Buch. wohl von deutung.
ven. conforme (DEVI). ► B conforme
conzal [U] ‘Konzal [Art Hütte]’ ♦
se congratular [O] [neol.] ‘sich gratu­ Germanismus oder Italianismus.
lieren’ ♦ It. congratularsi.
conzert [U], [O] ‘Konzert’ ♦ Germanis­
consenar [U] ‘nicht das richtige Wort mus oder it. concerto.
finden’ ♦ Trent. consenar ‘cosare’, das
von Faré zu lat. causāre ‘sich be­ Conzeta [U], [O] ‘unbefleckte Empfäng­
klagen’ (REW 1782) gestellt wird, was nis Mariä (8. Dez.)’ ♦ Lat. conceptum
jedoch lautlich problematisch ist. ‘empfangen’ bzw. von nordit. Tochter­
form.
consister [U] ‘zusammengesetzt sein, be­
stehen’ ♦ It. consistere oder eigenes cor [O] ‘Chor’ ♦ Germanismus oder it.
Buchwort, lat. consistere ‘dito’. coro. → coro.

conte [U] ‘Graf’ ♦ Italianismus (< afr. coradela [U] ‘Geschlinge, Ragout’ ♦
conte ‘Graf’) oder aus dem Afr. (oder Padanismus (< lat. corātum ‘Ge­
direkt von lat. comes, comitem ‘Be­ schlinge’, REW 2220).
gleiter’).  contéa [U] ‘Grafschaft’
coradure pl. [U] ‘Nachgeburt, Mut­
contejèr [O] ‘rechnen, berechnen, ver­ terschwamm’; curadure pl. [U] ‘Ab­
rechnen’ ♦ It. conteggiare bzw. eine fälle aus der Mühle, die als Hennenfut­
nordit. Variante. ter dienen’ ♦ Gemäß Elwert (1943: 57)
von einem lat. *corporatūra ‘?’. Hub­
contenuto [U] ‘Inhalt’ ♦ Italianismus. schmid (1950a: 349) lehnt diese wie
auch eine These, die von lat. corātum

109
‘Geschlinge’ (REW 2220) ausgeht, ab. nicht nur um eine volksetymologische
Letztere scheint mir aber vertretbar, Sekundärentwicklung handelt, ange­
wenn man den lad. Typ zu coradela sichts der buch. Form. ► (B nconiglé
‘Geschlinge’ (vgl. frl. coradele ‘Einge­ ‘kanalisieren’?)  corniglia/corniglie
weide’, ven. coradela ‘coratella’ ‘Ge­ m. [U] ‘unterirdischer Wasserabzugs­
schlinge’) stellt (vgl. auch DESF II: kanal’
483). Hubschmid selbst setzt lat.
cūrāre ‘reinigen’ bzw. lat. cūrātus an. coro [U] ‘Chor, Kirchengesang’ ♦ It. coro.
Dann wäre allerdings fass. (lad.) u statt Vgl. auch → cor.
o zu erwarten. Für Hubschmids These
spricht freilich amp. cura, comel. cúrä corsà [O] → coresá
‘placenta’.
cortoi [O] ‘Deckgarben des Garben­
coraza [U] ‘Kürass, Panzer’ ♦ It. corazza. haufens; Leichentuch, um die Bahre
während der Trauerfeier zuzudecken’ ♦
cordoncin/cordonzin [O] ‘Bindfaden’ ♦ Lat. coopertōrium ‘Decke’ (REW
Sollte im EWD als Ableitung unter 2206, Faré) (Elwert 1943: 57, Gsell
córda ‘Strick’ stehen (wie grödn. 1989a: 148).
curdencin ‘kräftige, dünne Schnur’).
cos: pere coś [U] ‘armer Kerl! armer
corent/torent [U] ‘Wildbach’ ♦ It. tor­ Narr!’; cos [O] ‘Mitleid erregende Per­
rente, mit teilweiser volksetymolo­ son; armer Teufel; Schwachsinniger’ ♦
gischer Umdeutung. Ließe sich im EWD als Ableitung unter
còscio ‘Dings’ einordnen.
coreola [U] ‘Ackerwinde’ ► G criola, F
ròvola cosc [O] ‘Wurm, Raupe, Larve, Käse­
made’ ♦ Im EWD zu còscio ‘Dings’?
cor(e)sà [O] ‘erzürnt’ ♦ Zu lat. currere
‘laufen, rennen’ (REW 2415) (vgl. coscita [U], [O] ‘so, also, auf diese Art’ ♦
span. corrido ‘aufgebracht’)? Nordit. Variante zu standardit. così
‘so’.
coridor [U] ‘Korridor, Gang’♦ Germanis­
mus. coscrizion [U] ‘Konskription, Militärstel­
lung’ ♦ Germanismus oder Italianis­
corispondenza [O] ‘Korrispondenz’ ♦ mus.  coscrit [U]; co(n)scrit [O]
Sollte im EWD unter corespondènza ‘Stellungspflichtiger’
‘dito’ stehen.
cospa [O] ‘Holzschuh’ ► G cosp
corle [U] ‘Haspel, Garnwinde, Dumm­
kopf, horizontale Haspel’; corle de cossa [O] ‘armer Teufel’ ♦ Im EWD zu
vent [O] ‘Zyklon’ ♦ Zu lat. currere cóssa ‘Sache, Ding, Angelegenheit’?
‘laufen’ (REW 2415) wie frl. korli
‘Garnwinde’, pad. korlo ‘Winde’. costina [O] ‘Kotelett, Karbonade, Rippen­
stück’ ♦ Im EWD zu còsta ‘Berglehne,
cornicio [U] ‘ausgewölbter oder ze­ Hügelkuppe’, wo beispielsweise auch
mentierter Wasserkanal’ ♦ Ließe sich costëi ‘Rippe’ verzeichnet ist? Evtl.
im EWD als Ableitung unter cór steckt dahinter costola mit Suffix­
‘Horn’ einordnen, falls es sich dabei wechsel.

110
crech [U] ‘leichter Knall, Krach’ ♦ Sollte
cotara [U] ‘erwärmendes Getränk, im EWD unter cràch ‘Krach’ stehen.
Schnaps, Glühwein’
créisser [U] ‘Gekrös’ → cres
cotema [O] ‘Grippe, Erkältung’ ♦ Zu­
sammenhang mit lat.-grch. pathēma cremenzinol [U] ‘schwächlich und lang,
‘Leiden’ (REW 6291)? täppisch, zart, kretin; Schwächling’

cotolina [O] ‘Baumwollstoff’ ♦ Zu coton cren [U] ‘Kren, Meerrettich’ ♦ Tir. kren
‘Baumwolle’. (DIDE).

coudagnela [O] ‘[sagte man von einem, crena1 [U], [O] ‘Pferdemähne’ ♦ Sollte im
dessen Hose am Hintern zerrissen war, EWD als Ableitung unter tlìnes ‘Mäh­
wodurch das Hemd zum Vorschein ne’ stehen, wo schon fass. clina ver­
kam]’ zeichnet ist. Die hier vorliegende Va­
riante dürfte ein Padanismus sein. ► B
coudol [O] ‘Saubohnenschote, Erbsen­ crine
schote’ ► (B guzol?)
crena2 [O] ‘Felsabhang’
couf [U] ‘streitsüchtiges Familienmit­
glied, Uneinigkeit in der Familie; Wirt­ crepacia [O] ‘Krankheit der Kühe, die
schaft, wo ewig Streit und Hader wegen der zu großen Hitze oder wegen
herrscht’ des trockenen Bodens den Huf von
Zweihufern befällt [es handelt sich um
cougol [U], cògol [O] ‘Tropfsteinhöhle, eine Schwärung im Spalt der Kralle]’ ♦
Felsenhöhle’ ♦ Könnte im EWD unter Sollte im EWD als Ableitung unter
cogol ‘Heuschober’ stehen, auch wenn cherpé ‘verenden, bersten, reißen’ ste­
es dort heißt, dass dieses als separates hen (wie gad. cherpaces ‘Klauenseu­
Lexem zu lat. *cubulum gehöre. Trent. che’).
cogol (Elwert 1943: 172) bzw. von lat.
cucullus ‘Kapuze’ (REW 2359, Faré cres [U] ‘Gekrös’ ► G criës  créisser
2359) (Gsell 1989a: 147, 1990b: 358). [U] ‘Gekrös’

craciolar [U] ‘krächzen/piepsen, wenn die crest [O] ‘Steilhang; Zahnstein; Schmutz
Kinder nicht direkt weinen, sondern auf den Händen oder auf dem Hals von
schreien; heimlich reden’ ♦ Im EWD denen, die sich wenig waschen’ ♦
zu cràch ‘Krach’? Sollte im EWD unter crésta ‘Hahnen­
kamm; Felsgrat’ stehen.
cranabet/cranabit [O] ‘Branntwein mit
Holunderbeeren und Enzianwurzeln’ ♦ crevaie [U] ‘große Quantität’ ♦ Elwert
Tir. krânεwit (Schatz 353). (1943: 171) verzeichnet nur die Be­
deutung ‘starker Schneefall’ und stellt
crapela [U] ‘Stegeisen’; cherpela [O] das Wort zu crepāre ‘*bersten’ (REW
‘Harpune’ ♦ Ableitung von lat. carpere 2313), so dass das Wort im EWD zu
‘fassen, fangen’. cherpè zu stellen wäre.

crea [U] ‘Kren, Meerrettich’ → cren crevar [U] ‘schmerzen [Muskeln] infolge
Überanstrengung, einschlafen [Fuß,

111
Glied]’ ♦ Könnte im EWD als Ab­ torisch könnte Polysemie vorliegen.
leitung unter cherpé ‘verenden, bersten, Sollte im EWD unter cràch ‘Krach’
reißen’ stehen (wie fass. crepar ‘ber­ stehen (dort schon fass. crach). ► B
sten, brechen, zerplatzen’) oder zu lat. croché  crochenar [U] ‘krachen,
gravis gestellt werden (man vergleiche knarren’
dazu auch die nahestehende Semantik
von it. gravare).  crevà: ciarn cre­ crochia [U] ‘Schale von hartschaligen
vada [U] ‘schmerzhafte Waden Früchten [z.B. Nüssen]’; [O] ‘altes
nachlangem Marsch, eingeschlafenes Ding, faule Frau, alte kranke Frau’ ♦
Glied’, se creventar [O] ‘sich quälen Zu lat. corrūgāre ‘runzlig machen’
und anstrengen, bis man zu Grunde (REW 2260a)?
geht’
cronch [O] ‘abschüssige Stelle’
cria [O] ‘(früher übliche) Tonsur der
Priester’ croòn [U], [O] ‘Pflughandhabe, Pflugs­
terze, die hornartigen Fortsätze am
cribiadura [O] ‘Sieben’ ♦ Ließe sich im Wagenhinterteil (um den Wagen zu
EWD als Ableitung unter criblé heben)’ ♦ Gemäß Elwert (1943: 182)
‘sieben’ einordnen. von lat. *curvōnes (Derivation zu *cur­
via ‘Tragstange’, REW 2422a). Mögli­
cridar [U] ‘schreien, schimpfen, schelten, cherweise aber mit dem lad. Typ corn
verweisen’ ♦ Lat. quiritāre (Elwert zu lat. cornus ‘Horn’ (REW 2440) zu
1943: 73) bzw. *critāre ‘schreien’.  stellen (vgl. zu letzterem Pellegrini
cridada [U] 1984: 118f.) oder Kreuzung der beiden
Etyma.
crighel [U]; crigl [O] ‘Bierkrug, Krügel’
► G criedl, F criegl crosa [U], [O] ‘Eierschale, harte Hülle’ ►
G
crìpela [U] ‘Weihnachtskrippe’, [O] ‘Vi­
trine mit Ikone’ ♦ Tir. krippl (Schatz crosava [O] ‘Urgroßvater’ ♦ Offenbar
358) mit Ladinisierung (Elwert 1943: Kreuzung von ava ‘Großmutter’ mit dt.
247). Vgl. dazu eine entsprechende Groß-.
Anmerkung im EWD (II: 310) unter
dem Stichwort crëpa ‘Futternapf’. crosin [O] ‘Glaskügelchen, die auf einem
gewellten Stahldraht aufgereiht sind,
crispaum [O] ‘Weihnachtsbaum’ ♦ Dt. um das Äußere und die Säume der
Christbaum (Elwert 1943: 149; Zanotti Winterjacken von Frauen zu
1990: 92). schmücken’ ♦ Ven. crosin ‘pietra di
confine con incisa una croce per indi­
cristier [U] ‘Klistier’ ♦ Dt. Klistier mit care la direzione delle proprietà’ (<
Fassanisierung. crūx ‘Kreuz’, REW 2348) (DEVI)?

crìtisc (batn) [O] ‘deutsches Kartenspiel crosolèr [O] ‘hart schlagen (mit einem
mit den drei “Crìtisc”: “Marchi”, Herz Knüppel)’  crosolèda [O] ‘Schlag’,
König, “Weli”, Karte “wele”, “Spiz”, crosolon [O] ‘durch den Wind
Eichel Sieben’ ► G B entwurzelter Pflanzenstumpf’

croch [U] ‘Krach’, [O] ‘Entlobung’ ♦ His­ crot [O] ‘Rabe’ ♦ Zu crotalum ‘Klapper’

112
(REW 2339)?
cruzena [U] ‘kleines, schlechtes
crùcol [O] ‘Haarknoten und -zopf’ ♦ Anwesen, kleines Feld’ ♦ Sollte im
Möglicherweise von trent. crucol ‘croc­ EWD unter grüz(e)na ‘kleines Anwe­
chia, crocchino de’ capelli’ (Ricci), sen’ stehen.
valsug. crucolo ‘rilievo rotondeggiante
(di terreno o altro); bernoccolo; noc­ cruzie [O] ‘Zorn’ ♦ Padanismus zu stan­
chio’ (Prati 1968: 52). dardit. cruccio ‘Zornausbruch’ (< fr.,
DELI).  cruzier [O] ‘sich ärgern,
crujech [U] ‘schimmelig, schlecht, sich abmühen, sich abplagen, sich
verdorben’ Sorge machen, vorsehen’, cruzià [O]
‘besorgt’
crùmaras [O] ‘englische Tuchqualität’
cuacio [O] ‘ruhig, betäubt’
crumbsnobel [U], [O] ‘Kreuzschnabel
[verhindert die Erkrankung der Haus­ cuadro [U] ‘[selten:] direkt auf die Wand
bewohner, indem er die Krankheit an gemaltes Bild’ ♦ It. quadro.
sich zieht]’ ♦ Tir. krumpschnâ*bl
(Schatz 359). Vielleicht sind hierher cuc [O] ‘still, schüchtern’
auch trent. crosnobol, bell. crosnobel
zu stellen, die von Faré (4772a) zu bair. cucaloch [U] ‘Kasten, der auf dem
kraizschnabel gestellt werden (vgl. Rücken getragen und um ein Almosen
dazu auch Prati 1968: 52, Ricci; ebenso geöffnet wird’ ♦ Evtl. über dt. Guck­
Zanotti 1990: 93). loch im EWD zu cuché ‘gucken’?

crump [O] ‘lahm, hinkend’ ♦ Tir. cucarela [U] ‘Purzelbaum’


krumpm ‘krumm gehen’ bzw. krumpεt
‘hinkend’ (Schatz 359) (Zanotti 1990: cuches [U] ‘Dotterblumen’ ♦ Sollte im
94). EWD als Ableitung unter cùch
‘Kuckuck’ stehen (wie fass. fior dal
cruscia [U] ‘Kruste’ ♦ Ließe sich im cuch ‘dito’).
EWD wie fass. grosta wohl ebenfalls
unter crósta ‘Kruste’ einordnen. cùgola [U] ‘Kugel’ ♦ Übers Trent. von dt.
Kugel (Elwert 1943: 76, Zanotti 1990:
crusce [U]; crusćia [O] ‘Kleie’ ♦ Wohl 94).
oberit. cruscia (Elwert 1943: 232).
Letztendlich von germ. *krūska ‘dito’. culbianch [U] ‘Wasseramsel [sobald sie
► B cruscia  cruscet1 [U], [O] sich zeigt, kommt ein Schneefall]’ ♦
‘Kleienbrot, Brot aus Nachmehl’ Ließe sich im EWD als Ableitung unter
blànch ‘weiß’ einordnen.
cruscet2 [U] ‘vier silberne Haarnadeln, die
der Bräutigam der Braut schenkt und curadure f.pl. [U] ‘Abfälle aus der Müh­
die sie für den ersten Sonntag, an dem le, die als Hennenfutter dienen’ → co­
sie verkündet wird, trägt, wobei sie radure
eine eigene Haartracht trägt’ ♦ Zu lat.
crūx ‘Kreuz’ (REW 2348)? curareza [U] ‘Haarnadel’ ♦ Bellun.
curarecie ‘stuzzicorecchi’ (Tagliavini
crusćia [O] → crusce 1934: 180). Taucht auch in Ampezzo

113
und im Veneto auf. ► B curarecio
dama [U] ‘Dame’ ♦ It. dama. ► B
curasc [U] ‘Courage, Mut’ ♦ Dt. tir.
Courage. damasch [U]; damesch [O] ‘Damast’ ♦ It.
damasco.
curenda [U], [O] ‘Zirkular’ ♦ Evtl. im
EWD zu córe ‘brünstig sein; laufen’ dampò [U] ‘sogar’ ♦ Ließe sich im EWD
stellen? als Ableitung unter impò ‘doch,
dennoch’ einordnen.
curent [U] ‘kleiner See mit starkem
Wasserabfluss’ ♦ Evtl. im EWD zu danza [O] ‘Vorstoß bei traditionellen Rö­
córe ‘brünstig sein; laufen’ stellen? cken; Podest bei Prostituierten’

curf [U] ‘gebogen, gekrümmt’ ♦ It. curvo dapede [U] ‘[ant.:] Hausgarten’
oder direkt von lat. curbus ‘dito’.
 curvar [U] ‘verbiegen, krümmen’ dapez [O] ‘seit langem’ ♦ Sollte im EWD
als Ableitung unter péza ‘Lappen,
curia [O] ‘Kurie’ ♦ Italianismus. Tuch’ stehen, wo auch fass. pez ‘Stück’
aufgelistet ist (wie buch. dampez
cursor [O] ‘Gerichtsdiener’ ♦ Italianis­ ‘dito’).
mus.
dasset [O] ‘alte österreichische Münze
curvar [U] ‘verbiegen, krümmen’ → von 5 Groschen’ ♦ Lat. de + ad + sep­
curf tem (Pallabazzer 1980: 38). Vgl. dazu
im EWD gad. dassies ‘10-Kreuzer-
custodia [U], [O] ‘Gehäuse, Schutzvor­ Stück’ unter dem Lemma sìs ‘sechs’.
richtung, Futteral’ ♦ It. custodia ‘Auf­ Darüber hinaus gibt es auch ven. traro,
sicht, Gewahrsam’. venez. tràgiaro ‘piccola moneta veneta
da cinque soldi’ (< dt. drei, Prati 1968:
cutia [O] ‘Angst, Furcht’ → scutièr 193), venez. sižin ‘piccolissima moneta
veneta del valore di due quattrini’ (<
cutin [O] ‘Mönchskutte’ ♦ Ließe sich im lat. sex ‘sechs’, Prati 1968: 168). ► B
EWD als Ableitung unter còta ‘Chor­
hemd’ einordnen. datempruma [O] ‘schon seit Anbeginn’ ♦
Ließe sich im EWD als Ableitung unter
cuzolar [U] ‘ducken, hocken’ ♦ Im EWD tëmp ‘Zeit’ oder unter prüm ‘erster’
zu cùz(i)o ‘Unterschlupf (bes. für einordnen, wo auch fass. mpruma ‘zu­
Hühner)’? ► B cuzé erst, anfangs’ steht.

D datol [U] ‘freigiebig’ ♦ Ließe sich im


EWD als Ableitung unter dè ‘geben’
dalbon [O] ‘ernsthaft, wahrlich’ ♦ Trent. einordnen.
dal bon (Ricci) (wohl von lat. de + ad
+ illum + bonum). davantin [U], [O] ‘Hemd, herzförmiges
Bruststück der Weiber’ ♦ Ließe sich im
dalior [U] ‘Krankheit (Aufstoßen), die EWD als Ableitung unter inànt ‘vor,
man infolge Ekels bekommt, dann In­ voran’ einordnen.
fluenza’

114
davanz [O] ‘im Überfluss’ ♦ It. d’avanzo. dejudië ‘dito’ bleiben soll. Eher ist aber
vielleicht an einen Zusammenhang mit
daze f.pl. [U] ‘Abgaben’ ♦ Ließe sich im → odech zu denken.  dejodeaa [U],
EWD als Ableitung unter dàz ‘Zoll, [O] ‘Lässigkeit, Nachlässigkeit, Ver­
Maut’ einordnen. nachlässigung’, dejodech [O] ‘un­
bewohnter und liederlicher Ort’, dejo­
debel [U], [O] ‘ordentlich, flink, schnell’ dech [O] ‘schmutzig, liederlich, un­
♦ Zusammensetzung aus de + bel ordentlich’
‘schön’.
dejordeaa [U] ‘Unordnung, Verwirrung,
debolot [U] ‘schwächlich’ ♦ It. deboluc­ Nachlässigkeit’ ♦ Ließe sich im EWD
cio mit Suffixwechsel oder eigene Bil­ als Ableitung unter òrdine ‘Ordnung’
dung. Sollte im EWD als Ableitung un­ einordnen.  dejordir [U] ‘abwickeln’
ter débl ‘schwächlich’ stehen (wie gad.
deblot ‘dito’). dejun [U] ‘fasten, nüchtern’ ♦ Nord­
italianismus (zu standardit. digiuno).
dedut [O] ‘Allerlei’ ♦ Ließe sich im EWD
im Ableitungsteil unter düt ‘ganz’ ein­ delebech [U] ‘schwächlich, wenig
ordnen. ► B widerstandsfähig, nicht anhaltend,
zweifelhaft, zweifelhaftes Wetter in der
defalco [U] ‘Abschlag, Abzug’ ♦ Italianis­ Luft hängend’ ♦ Sollte im EWD als
mus.  defalcar [U] ‘aushandeln, di­ Ableitung unter débl ‘schwächlich’ ste­
vidieren’ hen (wie gad. deblot ‘dito’). Es liegen
jedoch ein anderes Suffix als bei der
defalcar [U] ‘aushandeln, dividieren’ → gadertalischen Form und Metathese
defalco ► B defalché vor. Vielleicht aber auch Zusammen­
hang mit → deslebeèr.
defenir [U], [O] ‘erklären, festsetzen, be­
stimmen, ganz entscheiden, beenden’ delegar [U] ‘abordnen, beauftragen’ ♦ It.
♦ Lat. definīre. ► B definí delegare.  delegat [U] ‘Delegierter,
Beauftragter’
dejanchià [O] ‘schlecht gekleidet’ ♦ Im
EWD zu desanchè ‘aus der richtigen deler [O] ‘schmerzen’ ♦ Sollte im EWD
Lage bringen’? unter dorëi ‘dito’ stehen (wie grödn.
doler).
dejastrèr [O] ‘schmähen, grob beleidigen,
öffentlich (auch von der Kanzel aus) delibrar [U] ‘befreien, freisprechen’ ♦ It.
die Fehler einer Person verbreiten’ deliberare.  delibrazion [U] ‘Befrei­
ung, Freispruch’
dejentèr [O] ‘abstumpfen; die Schneide
einer Sichel, eines Messers oder delis/alis [U]; delisc [O] ‘abgenützt, abge­
anderen Schneidegeräts zerstören’ ♦ wetzt’ ♦ It. de/a liso.
Padanismus (vgl. alomb. desentar <
absentare ‘entfernen’, REW 42a). denigrer [O] [neol.] ‘verleumden’ ♦ It.
denigrare.
dejodear [U] ‘vernachlässigen’ ♦ Ließe
sich im EWD als Ableitung unter òdio dentiera [O] [neol.] ‘Zahnprotese’ ♦
‘Hass’ stellen, wenn dort auch grödn. Ließe sich im EWD als Ableitung unter

115
dënt ‘Zahn’ einordnen. Verwandt mit frl.. disbrigâ ‘ausräu­
men, räumen’, welches das DESF (II:
dentin [U] ‘Weisheitszahn, Milchzahn’ ♦ 600) als Italinismus zu disbrigo an­
Ließe sich im EWD als Ableitung unter sieht.
dënt ‘Zahn’ einordnen.
desbroar [U] ‘vergeuden, ausleeren,
denunziar [U] ‘verklagen’ ♦ Ließe sich vertun’; desbroier [O] ‘ausräumen,
im EWD als Ableitung unter denùnzia entwirren’ ♦ Wohl Padanismus. Auch
‘Anklage’ einordnen. frl. (DESF II: 600; it. imbrogliare, afr.
Herkunft, DELI s.v.). ► B desbroié
depojitar [U] ‘deponieren, hinterlegen,
verwahren lassen’ ♦ Norditalianismus desbutar [U]; desbutèr [O] ‘besprechen,
(zu standardit. depositare).  depojit disputieren’ ♦ It. disputare mit
[U] ‘Deposit, Hinterlegung, Aussage, Ladinisierung.  desbuta [U] ‘De­
Verwahrung’ batte, Disput’

deputato [U] ‘Abgeordneter’ ♦ Italianis­ descantar [U]; descantèr [O] ‘erwachen,


mus  deputazion [U] ‘Abordnung, aufwachen, ermuntern’ ♦ Norditalianis­
Deputation’ mus (Gegenteil zu nordit. incantar
‘einschlafen’, vgl. lat. incantāre ‘ver­
derembie [O] ‘Knüppel, knorriger Stock’ zaubern’, REW 4341, Faré) (Prati
♦ Sollte im EWD unter drèmbl ‘dito’ 1968: 56, Ricci 128).
stehen (wo schon unterfass. drembl,
tremel verzeichnet ist) (Hinweis Fabio descapit [U] ‘Einbuße, Verlust’ ♦ It.
Chiocchetti). discapito mit Ladinisierung.  desca­
pitar [U] ‘einbüßen, verlieren (beim
deribolent [U] ‘unbändig, ausgelassen, Wiederkauf)’
aufgeweckt, beweglich, munter’
se descaveger [O] ‘sich von einer lästigen
desbalz [U] ‘flink, schnell in Trapp’ ♦ Person oder wenig willkommenen Sa­
Ließe sich im EWD als Ableitung unter che befreien’
sbàlz ‘Sprung’ einordnen.
descendenza [U] ‘Nachkommenschaft’ ♦
desbanir [U], [O] ‘verschwinden, bannen’ It. discendenza.  descendente [U]
♦ Ließe sich im EWD als Ableitung un­ ‘Nachkomme’
ter bandì ‘bannen’ einordnen.
deschiarir/-ar [U] ‘aufklären, erklären,
desbastir [O] ‘die Heftnaht entfernen’ ♦ auseinandersetzen; klären [Wolken];
It. sbastire. sich setzen [Kaffee]; verteilen
[Wolken, Falten, Wasser]’ ♦ Ließe sich
desbioter [O] ‘vergeuden, zerstreuen’ im EWD als Ableitung unter tlèr ‘klar’
einordnen.
desbrigar [U] ‘loslösen, freimachen, ent­
scheiden, herauswinden’ ♦ Sollte im se desciapedir [O] ‘aus dem Halbschlaf
EWD als Ableitung unter brìa ‘Mühe’ aufwachen’
stehen (wie gad. desbrighé ).
descocassar [U] ‘zerstören’
desbrijar [U] ‘ausverkaufen, ausgeben’ ♦

116
déscol [U] ‘unruhig, unfolgsam [Schüler]’ einordnen.
♦ It. discolo.
desgojèr [O] ‘freimachen, das Hindernis
descondon [U] ‘heimlich’ ♦ Trent. ven. wegnehmen, verstopfte Rohre freima­
de scondon ‘dito’, zu lat. abscondere chen’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
‘verbergen’ (REW 41) (Ricci 129; leitung unter gòsc ‘Kropf’ einordnen.
DEVI).
desgorer [U] ‘abfließen, abrinnen, ab­
desconear [U] ‘entkeilen’ ♦ Ableitung zu tropfen’ ♦ Lat. *discurrāre statt
lat. cuneus ‘Keil’. dēcurrere ‘abfließen’ (REW 2509,
Faré).
descorèr [U] ‘sprechen, reden, vortragen,
abreden, bereden’ ♦ It. discorrere. desgorta [U] ‘Hochzeitsfrühstück, Ab­
schiedsessen in der Wohnung der
descors [U], [O] ‘Rede, Gespräch, Abre­ Braut, Verabschiedung, Hochzeitge­
derei’ ♦ It. discorso mit Ladinisierung. leit’; [O] ‘Entlassung, Abschied’ ♦ Be­
steht Zusammenhang mit desgorjer
desdeta [U] ‘Kündigung, Aufsage, Ver­ ‘wegschicken’?  desgortar [U]
weigerung, Abweisung’ ♦ It. disdetta ‘wegschicken, verjagen, verabschieden,
mit Ladinisierung. beurlauben’

desdurir [O] ‘erweichen’ ♦ Sollte im desgrejar [U] ‘den Wurzelstock aus­


EWD als Ableitung unter dür ‘hart’ reißen, zustutzen, auseinanderzwängen,
stehen (wie grödn. desdurì). Holz spalten’; desgrejer [O] ‘das Bre­
chen oder Ausreißen eines Hufes [von
desertar [U] ‘desertieren’ ♦ Sollte im Tieren]’ ♦ Ven. desgresare ‘sgrossare,
EWD unter desèrt stehen (wie auch levare il grosso, dirozzare’ (DEVI),
oberfass. desertèr).  desertor [U] trent. desgrez%ar ‘dirozzare, scozzonare,
‘Deserteur, Fahnenflüchtling’ digrossare’ (Ricci).

desfacià [U], [O] ‘unverschämt’ ♦ It. desgrezar [U] ‘das erste Mal eine Sense
sfacciato mit Ladinisierung. dengeln’ ♦ Vgl. frl. disgrezâ ‘dirozzare,
abschleifen’ (DESF II: 610).
desfiamar [U] ‘zurückgehen [bei Ent­
zündung]’ ♦ Ließe sich im EWD als desgrossir [U] ‘vorarbeiten, dünner ma­
Ableitung unter flàma ‘Flamme’ ein­ chen, grob arbeiten’ ♦ Ließe sich im
ordnen. EWD als Ableitung unter gròs ‘dick’
einordnen (wie oberfass. dejgroser).
desfiar [U] ‘abschwellen, zurückgehen
[bei einer Geschwulst oder Ent­ desgrostèr [O] ‘die Rinde bzw. Kruste
zündung]’ ♦ Zu lat. conflāre ‘zu­ entfernen’ ♦ Sollte im EWD als Ab­
sammenblasen’, dann auch ‘an­ leitung unter crósta ‘Rinde, Kruste’
schwellen’ (REW 2135). stehen (wie andere Talvarianten).

desforcèr [O] ‘ein Tier das erste Mal vor desiderar [U] ‘wünschen’ ♦ It. desidera­
das Joch spannen, um es daran zu ge­ re. Ließe sich im EWD mit der Vari­
wöhnen’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­ ante dejidrar unter dejidré stellen.
leitung unter forzè ‘etwas erzwingen’

117
deslaibar [U] ‘unmoralisch werden, am (vgl. Kramer 1981: 175).
Glauben verzweifeln, schlampig
werden’  deslaibá [U] ‘Verruchter, desperscia [O] ‘Verlust’ ♦ Trent. (Maz­
Verzweifelter, unordentlicher Mensch’ zel).

deslanciar [U] ‘abwenden [Wurf, Stoß despetenar [U] ‘(die Haare) zerraufen’ ♦
etc.]’ ♦ Ableitung zu lat. lanceāre ‘die Norditalianismus (zu standardit. spetti­
Lanze werfen’ (REW 4879). nare). Ließe sich im EWD als Ab­
leitung unter piét(e) ‘Kamm’ einord­
deslatar [U] ‘entwöhnen [Milch]; zurück­ nen.
gehen [Baumssaft im Herbst]’ ♦ Ließe
sich im EWD als Ableitung unter làt despetolar [U] ‘entwirren, herauswinden,
‘Milch’ einordnen. herauswickeln, befreien, loswickeln,
entfalten, aufklären, die Verzogenheit
deslebeèr [O] ‘schmelzen [Schnee]’  den Kindern abgewöhnen’ ♦ Ließe sich
deslebeà [O] ‘weich [vom Schnee]’ im EWD als Ableitung unter piét(e)
‘Kamm’ einordnen. ► B despetolé
desmear [U] ‘bereden, schimpfen, übelre­
den, verleumden’ ♦ Lat. ex-magāre ‘der dessater [O] ‘zerstreuen, vergeuden,
Kräfte berauben’ (REW 3022) mit Prä­ verschwenden, zerstören, vernichten’
fixwechsel.
dessema [U], [O] ‘zusammen, mitein­
desmisciar [U] ‘aufwecken, erwecken, ander, gemeinsam’ ♦ Kreuzung aus it.
aufwachen’ ♦ Vgl. bresc. desmisčà, insieme und tir. zusamma/de(r)samma.
ebenso ven. trent. desmissiar(e) ‘dito’
(DEVI, Ricci 132). Von lat. miscere dessenar [U] ‘erzürnen, in Wut geraten,
‘mischen’ bzw. hier misculāre ‘mi­ aus dem Häuschen bringen’ ♦ Sollte im
schen’ (vgl. sp. mecer ‘wiegen, schau­ EWD als Ableitung unter sënn ‘Zorn’
keln’ [etwa: in den Schlaf]’ (REW stehen (wie gad. dessenè).
5604, 5606, Faré, Prati 1968: 57).
dessenolar [U] ‘hässlich werden, abwel­
(se) desnervar [U] ‘Sehnen strecken’ ♦ ken, verschwinden, schrumpfen, ver­
Ließe sich im EWD als Ableitung unter blassen, verwelken’
nèrf ‘Nerv’ einordnen.
dest1 [U] ‘[ant.:] gestern’ ♦ Nach Alinei
despart [U] ‘unpaarig, ungleich’ ♦ Lässt (1999: 163f.) möglicherweise von lat.
sich im EWD mit despèr unter desper dies istu, wörtlich “Tag dieser” und
‘ungerade’ einordnen. schließlich ‘dieser letzte Tag’ (bei der
Variante sest läge dann Assimilation
despengolar [U] ‘vom Pech befreien, her­ vor oder ein Etymon ipse istu).
ausarbeiten, befreien, entwirren’ ♦ Vgl. Vielleicht aber einfach auch nur deik­
trent. despegolar ‘toglier via la pece’ tische Form expressiver Natur. Vgl. →
(Ricci), despogolarse ‘levarsi d’impac­ sest.
cio, liberarsi da un importuno’ (DEVI).
Geht also auf lat. picula ‘Pech’ (REW dest2 [U] ‘[ant.:] wir’ ♦ Gemäß Alinei
6483) zurück. Eigenartig ist der Nasal­ (1999: 164) könnte sich darin lat. istu
einschub, der eigentlich im Ladinischen ‘dieser’ verstecken. Vielleicht aber
vor -g- in der Regel nicht auftaucht einfach auch nur deiktische Form ex­

118
pressiver Natur. desvajol [U] ‘zart, schwächlich, zimper­
lich, heikel, duftig, flüchtig’ ♦ Im
dest3 [U] ‘[ant.:] Ihr/Sie’ ♦ Gemäß Alinei Agord. gibt es ein Wort deśvéśol ~
(1999: 164) könnte sich darin lat. istu deśvàśol, das sich auf Speisen oder Ge­
‘dieser’ verstecken. Vielleicht aber tränke bezieht, die man schnell verzehrt
einfach auch nur deiktische Form ex­ und auch für ‘Verschwender, Vergeu­
pressiver Natur. der’ steht; dies ließe sich zumindest an
die Bedeutung ‘flüchtig’ des fass. Le­
dester [U] ‘schlampig, zwecklos, günstig; xems anbinden. Der agord. Typ wird
vorgestern’ ♦ Die Bedeutungen sind von Faré (9161) zu lat. vas ‘Gefäß’ ge­
meines Erachtens nicht alle zu­ stellt. Doch fehlt es noch an der ge­
sammenzustellen. Letztere ist zu dest1 nauen formalen und inhaltlichen
zu stellen. Entwicklung aller Formen mit Bedeu­
tungen.
destinguer/destinger [U], [O] ‘unter­
scheiden, auszeichnen’ ♦ It. distinguere detar [U] ‘diktieren, ansagen’ ♦ It. detta­
mit unterschiedlichen Graden von re.
Ladinisierung.
devent: jir devent [U] ‘verflüchtigen,
destinzion [U] ‘Auszeichnung, Unter­ verdunsten [Äther, Kampfer usw.]’ ♦
scheidung, Distinktion’ ♦ It. dis­ Ließe sich im EWD als Ableitung unter
tinzione. vënt ‘Wind’ einordnen.

destirpèr [O] ‘ausrotten’ devicel [O] ‘Furunkel’ → avicel

destorjer [U] ‘aufdrehen, aufwickeln, diabl! [U] ‘Teufel!’ ♦ Sollte im EWD un­
abwinden, entwickeln, entwirren, ab­ ter diàul ‘dito’ stehen (wie auch fass.
bringen’; [O] ‘eine Person durch Nach­ diaol).
ahmen der Stimme oder irgendwelcher
Defekte lächerlich machen’ ♦ Ließe diàmberna! [O] ‘verflixt!’ ♦ Im EWD zu
sich im EWD als Ableitung unter tórje dì ‘Gott’ oder diàul ‘Teufel’.
‘drehen’ einordnen.
dìcioi [O] ‘Zeugnis, Bezeugung’ ♦ Im
destrabonir [U] ‘Erde aufkratzen EWD wohl zu dì ‘sagen’.
[Hennen], wegtragen, verschleppen,
klug verfahren’; [O] ‘verlieren, diet(a) [U] ‘Diät’ ♦ Variante mit -a aus
verlegen’ → strabonir dem Italienischen, Variante ohne -a aus
dem Deutschen.
destranech [U] ‘spaßig, eigentümlich,
außergewöhnlich’ ♦ Zu lat. extrāneus dirigent [O] ‘Dirigent’ ♦ Germanismus
‘fremd, sonderbar’ (REW 3098). oder Italianismus.

destropar [U], [O] ‘entkorken, ent­ dirijer [O] ‘leiten, lenken’ ♦


pfropfen, erschließen, öffnen’ ♦ Auch Norditalianismus (zu standardit. dirige­
frl. distropâ (DESF II: 625) und ven. re). → rejer
(DEVI). Zu lat. stroppus ‘Riemen’
(REW 8321). discepol [U] ‘Jünger Christi’ ♦ Italianis­
mus.

119
dorëi ‘schmerzen’.
dissalaor [U] ‘Werktag, Arbeitstag’ ♦ El­
wert (1943: 75) verzeichnet das Lexem domanot [U] ‘vor einer Woche’ ♦ Zu­
als dizelaór, also mit [z]. Elwert etymo­ sammensetzung aus doman ‘morgen’
logisiert es als: die(m) de labora(m) > und ot ‘acht’.
*die De laBóra > di ze laór.
domar [U], domèr [O] ‘beherrschen, bän­
distretual [O] ‘Bezirks-’ ♦ It. distrettuale. digen, abrichten, überragen’ ♦ It.
domare. ► B domé
dita [U] ‘Firma’ ♦ It. ditta.
dombrar [U], dombrèr [O] ‘zählen,
dita sm. [U] ‘Spitzbube, durchtriebener nachzählen, rechnen’ ♦ Lat. numerāre
Mensch’ ♦ Ausgangspunkt ist wohl die ‘dito’ mit Dissimilation von n-m zu d-
trent. Wendung l’è na dita ‘è una birba, m (Elwert 1943: 102).  dombra­
un mariolo, un omaccino! è fantino!’, ment [U] ‘Zählen, Nachzählen, Rech­
die von Ricci unter dem Lemma dita nen’
‘Firma’ eingeordnet wird. Das Wort
würde dann auf ven. dito, -a ‘genannt, domiziglio [U] ‘Heimat, Wohnort, Domi­
besagt’ zurückgehen (Prati 1968: 58; zil, Heimatrecht’ ♦ Norditalianismus
DELI s.v. ditta). (zu standardit. domizilio).  domiz­
igliar [U] ‘beheimatet sein, wohnen’
divertir [O] ‘vergnügen’ ♦ It. divertire. 
divertiment [O] ‘Vergnügung’ dordol [U], [O] ‘Drossel, Dummkopf’ ♦
Zu lat. turdus ‘Drossel’ (REW 8999)
divider [U], [O] ‘verteilen, teilen, son­ (Tagliavini 1934: 122). Möglicher­
dern’ ♦ It. dividere. ► B divide weise Lehnwort aus dem Padanischen –
wegen -ol (Elwert 1943: 64). Auf der
divòrzio [U] ‘Ehescheidung’ ♦ Italianis­ anderen Seite ist t- > d- durchaus
mus. heimisch. ► B

docef [O] → dacef dorjer [U] ‘abbiegen, krümmen, zurecht­


weisen’ ♦ Zu lat. torcere ‘drehen’
doje sf. [U] ‘Quantität, Dosis’ ♦ (REW 8798) (Hinweis Fabio Chioc­
Norditalianismus (zu standardit. dose). chetti), aus der Padania entlehnt (we­
gen -ž-).
dolada [U] ‘Bergsturz’; doleda [O]
‘Hobelzug’ ► G dulá, B dormenzar [U] ‘einschlafen; zum Ein­
schlafen bringen’ ♦ Ließe sich im EWD
dolenzous [U] ‘empfindlich, leicht be­ als Ableitung unter dormì ‘schlafen’
leidigt’ ♦ Im EWD zu doiùs ‘schmerz­ einordnen.
haft, empfindlich’? ► B ndolenzous
dosa [U] ‘Dose’ ♦ It. dosa. Siehe auch →
dolìe pl. [U], [O] ‘Geburtswehen, Schmer­ doje.
zen’ ► G duel, B
dotrei [U], [O] ‘einige, wenige’ ♦ Zu­
dolous [U] ‘empfindlich’ ♦ Wie Variante sammensetzung aus den Wörtern für
doous im EWD zu doiùs ‘schmerzhaft, ‘2’ und ‘3’.
empfindlich’ oder wie grödn. dulëus zu

120
doucedìe! [O] ‘o Gott!’ ♦ Könnte im (Schatz 152). ► B
EWD unter dùc ‘süß’ oder unter dì
‘Gott’ eingeordnet werden. ecelscio [U] ‘erhaben [nur relig.]’ ♦
Norditalianismus (zu standardit. ec­
doucejin [O] ‘widerlich süß’ ♦ Im Moenat celso).
heißt es doicejin (Hinweis Istitut Cultu­
ral Ladin). Sollte im EWD als Ab­ ecia(a)/eciada [U] ‘Hochwald mit dich­
leitung unter dùc ‘süß’ stehen (wie tem Waldbestand, mit schönen Bäu­
etwa fass. doucejin). men’

dragac [O] ‘bäuerliches Gerät, Schubkar­ eco [U] ‘Echo, Widerhall’ ♦ It. eco.
ren ohne Rand’ ♦ Ließe sich im EWD
als Ableitung unter tràdl ‘Ver­ editor [U] ‘Herausgeber, Verleger’ ♦ It.
bindungsrahmen von Vorder- und Hin­ editore.
terprotzen beim Wagen’ einordnen
(Gsell 1999b: 254f.). egacél [O] ‘Wasserkanal’ → agacial

se dragar [U], se draghèr [O] ‘sich stark egajon [O] ‘Überschwemmung, Hoch­
verkühlen, wobei die Haut förmlich an wasser’ → agajon
die Knochen klebt [Viehkrankheit];
Rippenfellentzündung’ ♦ Im EWD zu egal [U] ‘gleich, eins’ ♦ Germanismus.
dragùn ‘Drache’ (wie lad. dragonada
‘Magen- und Darmkrankheit beim egar [U] ‘mit dem (Falz-)Leimhobel
Vieh’). Vgl. auch Vigolo (1993a: hobeln’ → egon
281f.).
egher [O] ‘sauer’ ♦ Lat. *acrus/acer ‘dito’
duca sm. [U] ‘Herzog’ ♦ Italianismus. (REW 92) (Elwert 1943: 27, 90).

ducant [U] ‘alles, ganz und gar’ ♦ Ließe egoijim [O] ‘Egoismus’ ♦ Norditalianis­
sich im EWD als Ableitung unter düt mus (zu standardit. egoismo).  egoist
‘alles’ einordnen. [O] ‘Egoist’ ► B

duel [O] ‘Duell’ ♦ Dt. egon [O] ‘Stoßhobel, Rauhobel’ ♦ In


Moena heißt es öga.  egar [U] ‘mit
dugo [U] ‘alberner Mensch, Dummkopf’ dem (Falz-)Leimhobel hobeln’
♦ Von lat. dūcu ‘Uhu’ (REW 2789a),
vgl. dt. “schräger Vogel”? ejato [O] ‘exakt, genau’ ♦ Norditalianis­
mus. ► B  ejateza [U], [O] ‘Genau­
durel [O] ‘Magen’ ♦ Von lat. dūrus ‘hart’ igkeit, Sorgfalt, Pünktlichkeit’
(REW 2808). Der Typ durel ist auch
ven. (‘Vogelmagen’) (DEVI), comel. ejent [U] ‘frei, untauglich (bei Militär­
(‘Hühnermagen’), trent. (‘Vogelmagen; stellung)’ ♦ Norditalianismus. 
Labmagen’, Ricci) bdr. (‘Leber’), ostfr. ejentazion [U] ‘Ausmusterung, Un­
(‘Leber’) (vgl. auch Prati 1968: 59). tauglichkeit’, ejenzion [O] ‘Befreiung’

E ejitèr [O] ‘zögen’ ♦ Norditalianismus (zu


standardit. esitare).
ebicait [O] ‘Ewigkeit’ ♦ Tir. eawikait

121
èlber [O] ‘Baum’ → alber Bedeutung ‘Winter’ würde eher an
irgendein zu HIEMS gehöriges Etymon
elech [U] ‘ölig; steile, schlüpfrige Wiese denken lassen [...]. Angesichts der
mit kurzem Gras’ ♦ Lat. olicum ‘ölig’ Tatsache, daß der Typ SEPTIMĀNA ‘con­
(zu oleum ‘Öl’, REW 6054) (Elwert temporaneamente da Venezia e da
1943: 48, 54). Möglicherweise Kreu­ Trento’ als Neuerung ins Ladinische
zung mit tir. eilig ‘ölig’ (Schatz 461). vordrang und den älteren Typ über­
Kindl (1999: 140) geht von einem rein lagerte [...], wäre es nicht ausgeschlos­
dt. Lehnwort aus. sen, daß in ena/ema tatsächlich noch
eine Erinnerung an das ältere Wort sich
eleganza [U] ‘Eleganz, Feinheit’ ♦ bis zum Anfang unseres Jahrhunderts
Italianismus. gehalten hätte, wobei es denkbar wäre,
daß den Gewährspersonen, die Rossi
elejer [O] ‘auswählen’ ♦ Norditalianismus gehabt haben muß, die wirkliche
(zu standardit. eleggere). ► B elege Bedeutung nicht mehr geläufig war.”
Es kann sich aber auch um zwei
elementare [U] ‘elementar’ ♦ It. ursprünglich getrennte Wörter handeln
elementare oder Germanismus. (worauf der Unterschied -m- “Winter”
vs- -n- “Woche” hindeutet), die zufällig
elezion [O] ‘Wahl’ ♦ It. elezione. ► B lautlich sehr ähnlich wurden und mit­
unter zusammenfielen und so zu einem
elenco [U] ‘Auszug, Verzeichnis’ ♦ It. Homonymenkonflikt führten. (Für ema
elenco. ‘Winter’ hält Alinei [1999: 160f.] auch
slawisch-balkansprachliche Herkunft
eletor [U] ‘Wähler’ ♦ It. elettore. für möglich).

elmo [U], [O] ‘Helm’ ♦ It. elmo. encin [U] ‘hölzener krummer Haken,
besonders aber der hölzerne Haken am
emer [U] ‘Eimer [56,6 l]’ ♦ Tir. êmεr Wiesbaumseil’ ♦ Lat. uncīnus ‘Häk­
‘Eimer [auch altes Maß]’ (Schatz 146). chen’ (REW 9055).

emigrèr [O] ‘emigrieren’ ♦ It. emigrare. encujem [O] ‘Amboss’ ♦ Ließe sich im
 emigrant [O] ‘Emigrant’ EWD als Ableitung unter ancügn ‘Am­
boss’ einordnen (wo schon andere fass.
se emprevalèr [O] ‘Kraft gewinnen’ ♦ Varianten stehen).
Ließe sich im EWD als Ableitung unter
varëi ‘gelten, wert sein’ einordnen. endivia [O] ‘Endivie’ ♦ Dt. Endivie.

ena [U] ‘[ant.:] Woche’ ♦ Lat.-grch. heb­ endorbir [O] ‘blenden’ ♦ Ableitung zu
domas ‘Woche’. Taucht auch im lat. orbus ‘blind’. → ndorbir, norbir,
Gadertal auf (vgl. Alinei 1999: 163). arbuir
Das Wort ist nicht in allen Rossi-Ma­
nuskripten gelistet (vgl. Anmerkung in se engorser [O] ‘sich stürzen’ → ngorsar
Rossi 1999). Das EWD (III: 151f.)
verzeichnet nur ena ~ ema mit der Be­ enorm [U] ‘enorm, ungeheuer’ ♦
deutung ‘Winter’ und schreibt dazu: Germanismus.
“Ob [dies] wirklich zu HEBDOMAS gehört,
ist nicht eindeutig festzustellen; die entasseler [O] ‘flicken’ ♦ Ließe sich im

122
EWD als Ableitung unter tasséla risch’ ♦ Ist das gleich aéreo?
‘Garbenschicht; Abteil für Garben in
der Heuscheune’ einordnen (vgl. fass. erezion [U] ‘Aufrichtung, Errichtung’ ♦
tassél(a) ‘Einsatz-Fleck’). It. erezione.

entesir [O] ‘sättigen’ ♦ Sollte im EWD als érica [O] ‘Erika, Heidekraut’ ♦ Italianis­
Ableitung unter tëiss ‘vollgegessen’ mus oder Germanismus.
einordnen (vgl. Gsell 1999b: 253).
eror [U], [O] ‘Irrtum, Fehler, Vergehen,
se entestardir [O] ‘sich versteifen’ ♦ Zu Umherirren’ ♦ It. errore oder direkt
testa ‘Scherbe; Kopf’ (REW 8682) von lat. error.
(vgl. it. testardo ‘eigensinnig’, d.h. ‘auf
seine Meinung versteift’)? èrpa [O] ‘Harfe’ ♦ Sollte im EWD unter
èrpa ‘Harfe’ stehen (wie auch die Vari­
entramesa [O] ‘Zwischenwand’ → ante arpa).
ntramez
èrs [O] ‘ausgedörrt, ausgetrocknet,
epidemia [U] ‘Epidemie, Seuche’ ♦ It. versengt, beißend, blutarm’ → ars
epidemia.
esclamazion [U] ‘Ausruf’ ♦ It. esclama­
epìstola [O] ‘Epistel’ ► G pístula zione.

época [U] ‘Epoche, Zeitpunkt’ ♦ It. epoca. escluder [U] ‘ausschließen’ ♦ It. esclude­
re. ► B esclude
epura [O] ‘und doch’ ♦ It. eppure.
esperienza [U] ‘Erfahrung’ ♦ It. esperi­
erànzia [U] ‘Furcht, Angst’ enza.

erar [U] ‘umherirren’ ♦ It. errare oder di­ esproprièr [O] ‘enteignen’ ♦ It. espro­
rekt von lat. errāre. priare.  espropriazion [U] ‘Enteig­
nung’
erbacina [U], [O] ‘rote Rübe’ ♦ Ließe
sich im EWD als Ableitung unter èrba essenza [O] ‘Essenz’ ♦ It.
‘Gras, Kraut’ einordnen.
éstero [U] ‘Ausland’ ♦ Italianismus.
erboz [O] ‘hohes und dichtes Gras’ ♦
Ließe sich im EWD als Ableitung unter estorjer [O] ‘erzwingen, ablisten’ ♦ Ließe
èrba ‘Gras’ einordnen. sich im EWD als Ableitung unter tórje
‘Fäden zusammendrehen’ einordnen.
erc da fèr da mat [O] ‘Spielzeuge’ ♦ Im
EWD wohl am Besten zu èrt ‘Kunst’ estrat [U] ‘Auszug’ ♦ It. estratto. 
zu stellen. estrazion [O] ‘Auszug’

erede [U], [O] ‘Erbe’ ♦ It. erede. ► B  estrem [U] ‘extrem, am Ende, aufs
(e)reditá [U] ‘Erbschaft’, (e)reditar Äußerste, aufs Höchste’ ♦ It. estremo.
[U] ‘erben’
estrous [U] ‘launisch, wunderlich, kapri­
éreo [U] ‘sonnig und luftig, duftig, äthe­ ziös’ ♦ Lat. extrōrsus ‘nach außen ge­

123
wendet’ (REW 3104). facera [U] ‘Maske, Larve’ / [O] ‘Maske,
wenig vertrauenserweckende Person’ ♦
etich [U], [O] ‘schwindsüchtig, tuberku­ Padanismus (letztendlich aus dem Fr.)
lös’ ♦ It. etico oder direkt von lat. hec­ (Elwert 1943: 38).
ticus ‘von dauerhaftem Fieber befal­
len’. ► B etigo faetà [O] ‘verändert, verdorben, verfau­
lend, verderbend, gereizt, erregt’
etijìa [O] ‘Tuberkolose, TBC’ ♦
Norditalianismus (für standardit. etisia faia [U] ‘bestimmte Anzahl (von Gläsern,
‘dito’). (Im Grödnischen liegt eine Tellern usw.)’ ♦ Mit ven. faia ‘fascio
Neubildung melsëch vor.) ► B (di erbe in genere), covone’ (unbekann­
ter Herkunft, DEVI, Prati 1968: 61)
eventare [U] ‘Inventar, Todesfallauf­ metaphorisch verwandt?
nahme’ ♦ It. inventario mit Ladini­
sierung. falìbol [U] ‘Überwurf über das National­
kostüm’
eventualmenter [U] ‘allenfalls’ ♦ It.
eventualmente. falcar [U] ‘beuteln, schütteln um etwas in
einen Sack zu zwängen’ ♦ Lat. falcāre
evicel [O] ‘Furunkel’ → avicel ‘krümmen’ (REW 3153).

evitar [U] ‘verhindern, vermeiden, aus­ falò [U] ‘Freudenfeuer’ ♦ It. falò.
weichen’ ♦ It. evitare. ► B evité
falopa [U], [O] ‘Prahlerei, Aufschneide­
eviva [U] ‘hoch! lebe hoch!’ ♦ It. evviva! rei, Märchen, Lüge, Fabel’ ♦ Ist im
EWD zu fàbola ‘Fabel, unwahre Ge­
ezescion [U] ‘Ausnahme’ ♦ Norditalianis­ schichte’ zu stellen, wo auch fass.
mus (für standardit. eccezione). fa(v)ola verzeichnet ist. Die Metathese
erklärt sich vielleicht aus einer Kreu­
F zung mit falè ‘sich irren, sich täuschen’
heraus. ► B
faa [U] ‘altes, hexenähnliches Weib, das
gerne Märchen erzählt’ ♦ Entspricht it. falsét [U] ‘Falsett, Fistelstimme’ ♦
fata ‘Fee’, nordit. fada und ist daher Germanismus oder it. falsetto.
auf lat. fata ‘Fee, Schicksalsgöttin’
(REW 3219, Faré) zurückzuführen fantajia [U], [O] ‘Einbildung, Phantasie’
(vgl. DELI s.v. fata sowie Alinei 1999: ♦ Italianismus. Auch in Buchenstein zu
158). hören (Hinweis Istitut Cultural Ladin),
aber in Pellegrini nicht verzeichnet.
fac pl. [U] ‘Grimassen’ / [O] ‘(häusliche)
Angelegenheiten, Geschäfte’ ♦ Ließe fantaria [U] ‘Infanterie, Fußtruppen’ ♦ It.
sich im EWD als Ableitung unter fà fanteria.
‘machen, tun’ einordnen. Möglicher­
weise liegt aber beim unterfass. Vari­ fantòrum [O] ‘Inventar; zahlreiche unter­
ante ein eigenes Lexem vor, das evtl. schiedliche Dinge’ ► G
mit dt. Faxen oder Fratze zusammen­
hängt. farfolà [U] ‘knollig, nockig, schlecht ver­
rührt, schlecht aufgelöst’ ♦ Lat. fodi­

124
culāre ‘wühlen’ (REW 3404). zum Aderlass der Rinder’ ♦ Tir. feidεr­
messεr (es gibt wohl auch eine Form
farinela [O] ‘Abfallmehl; Tierfutter’ ♦ mit -e-) ‘die kleine Klinge am Taschen­
Sollte im EWD unter farìna ‘Mehl’ messer’ (Schatz 160).
stehen, wo schon fass. farinola ver­
zeichnet ist. félena [U], [O] ‘Lederhose, Fellhose’ ♦
Tir. fellεrnε (vgl. Elwert 1943: 196; Za­
farloch [U] ‘Verfluchter, Blödling’ ♦ notti 1990: 62).
Trent. farloc ‘scimunito’ (Ricci 183)
(Elwert 1943: 192). feler [U] ‘Kopfweide’ ♦ Tir. fêlεr ‘Felber,
Weide’ (Schatz 162).
fato [O] ‘Güter’ ♦ Lat. factum (REW
3135). feliscia [O] ‘Funken’ ► G B fliscia

faturech [U] ‘Geist, Verhexung, Verzau­ felize [U], [O] ‘glücklich, zufrieden’ ♦
berung, Verwünschung, Gespenst Norditalianismus (für standardit. feli­
(überirdisches Wesen)’ / faturec [O] ce). ► B  felizitá [U], [O] ‘Glück,
‘Hexerei, Zauberei’ ♦ Gemäß Elwert Zufriedenheit’
(1943: 194) von lat. *factureum. Im
REW (3134) ist nur *factōrium ‘Öl­ felpa [U] ‘harter Filzstoff, Felbel’ ♦ It.
presse’ verzeichnet, was aber seman­ felpa. ► B felpé
tisch schlecht passt. Man vergleiche
venez. fatturezzo (Hinweis Istitut Cul­ felter [O] ‘Seidentuch, mit dem man den
tural Ladin). Hals von Stuten vor dem Regen
schützt’ ♦ Tir.?
faussa [O] ‘großes Unwohlsein wegen
schlechter, schmerzender Verdauung; feltrar [U] ‘filtrieren’ ♦ It. filtrare.
nächtlicher Alpdruck oder Druck, als
ob jemand auf dem Körper des Schla­ fenc pl. [U], [O] ‘Jünglinge, Burschen’ ♦
fenden lastet’ ♦ Im EWD zu fàlz Lat. fanti, von fans ‘sprechend’ (Elwert
‘falsch, unaufrichtig’? 1943: 36); im REW ist nur infans
‘Kind’ verzeichnet (REW 4393).
faussernèda [O] ‘falsche Handlung’ ♦
Ließe sich im EWD als Ableitung unter fenil [U] ‘Heustadel, Heuboden, Abtei­
fàlz ‘falsch, unaufrichtig’ einordnen. lung für Heu im Stadel’ ♦ Lat. fēnile
‘Heustadel’.
fa(v)ela [U] ‘Sprachvermögen, Sprache’ ♦
Sollte im EWD unter fàbola ‘Fabel, un­ fensciup/fersciup [O] ‘ausgestattet mit
wahre Geschichte’ stehen (wie die Va­ Begleitpapier’
riante fa(v)ola).
fentil [O] ‘Ventil, Klappe’ ♦ Germanis­
fecondar [U] ‘befruchten’ ♦ It. fecondare. mus.

feda/feida [U], feida [O] ‘Schaf’ ♦ Lat. feradoa [O] ‘Abquälerei des Hubsch­
fētus ‘Kind’ bzw. die entsprechende mieds beim Beschlagen von Rindern
weibliche Form (REW 3273). und Pferden’ ♦ Ließe sich im EWD als
Ableitung unter fèr ‘Eisen’ einordnen.
féder [O] ‘Messer mit dreieckiger Spitze

125
feradoi [O] ‘Bremse des Karrens’ ♦ Ließe als Ableitung unter frësc ‘frisch,
sich im EWD als Ableitung unter fèr schnell, munter’ stehen, wo auch die
‘Eisen’ einordnen. gleich lautende unterfass. Form auf­
gelistet ist. ► (G bispul?)
ferchia [U], [O] ‘Kraxe zum Holztragen,
im Unterschied zur craches, die zum feza [O] ‘Hefe’ ♦ Norditalianismus (zu
Lastentragen dient’ → fercol ► G standardit. feccia).
fiërtla, B fiercla
fiacher [U] ‘Fiaker’ ♦ Dt. bzw. tir.
ferchièr [O] ‘hereinlegen, übers Ohr hau­
en’ fiador [U] ‘Dampf, Hauch, Dunst im Stall
oder Backofen’ / [O] ‘schlechter Atem;
fercol [U] ‘Trage, um bei Prozessionen Dampf, der aus dem Stall kommt’ ♦
die Heiligenstatuen zu tragen’ ♦ Lat. Lat. flator ‘Geruch’ (REW 3358).
ferculum. → ferchia
fiandela [U] ‘[ant.:] so viel Wolle als auf
ferie pl. [U] ‘Ferien’ ♦ Italianismus. der Kartsche Platz hat’

ferla [U] ‘Krücke’ ♦ Lat. ferula ‘Krücke’ fiar [U] / fier [O] ‘wetzen, fegen
(REW 3263) (Pallabazzer 1980: 43). ► [Kinder], abwetzen, abnutzen’
B ferle
fiasch [U] ‘runde Blechflasche; Misser­
ferloch [O] ‘jemand, der ein bisschen folg’ ♦ Germ. flaska ‘Flasche’ (REW
dümmlich und ungeschickt, aber groß 3355) bzw. die maskuline Entspre­
und dick ist’ chung.  fiaschet [U] ‘Feldflasche,
Pulverhorn’
feroce [U] ‘wild, grimmig’ ♦ Italianismus.
► B feroze fièa [O] ‘[ant.:] Feldfrüchte, Ernte’

fers [U], [O] ‘heiß, hitzig, glühendheiß; fiedil / fiedin [O] ‘Art Federmesser, das
Hitze, Sonnenglut’ ► G fiërs aus mehreren Schneiden besteht, die im
Griff zurückgezogen sind und in einem
fersciumar/versciumar [U] ‘versäumen, spitzen und scharfen Dreieck enden,
Felder vernachlässigen’ ♦ Mhd. versû­ und das zum Aderlass bei Rindern ge­
men. braucht wird’

ferstont [O] ‘Verstand’ ♦ Dt. Verstand fiegol [O] ‘beraubt der Sinne, ohnmächtig,
(Mazzel) bzw. – eher zutreffend – die schwach, matt’ ♦ Nordit. (trent.) für
tirolische Variante (Zanotti 1990: 63). standardit. fievole (Elwert 1943: 78).
► B ferstând Von lat. flēbilis ‘schwach’ (REW 3362)
(Pallabazzer 1980: 44). Als Ableitung
fertech inv. [U] ‘fertig’ ♦ Tir. fertig ist fiegol de luna ‘Neumond’ inter­
(Schatz 168). essant. ► B flëol de luna ‘Neumond’

fertraiber [U] ‘großer, flacher Pinsel’ ♦ fier [U] ‘wütend, wild, rasend [besonders
Tir. von Tieren]’ ♦ Lat. ferus ‘wild’. ► (G
fiërs)
ferùscol [O] ‘lebhaft’ ♦ Sollte im EWD

126
fiera [U], [O] ‘Markt, Jahrmarkt, Markt­ ‘Blüte, Blume, das Beste’ einordnen,
platz’ ► G B wenn man Elwerts (1943: 90) These
folgt. Gemäß Zanotti (1990: 65) und
fieter [O] ‘Stallbursche’; fieterer [U] DEI (s.v. fedara) jedoch zu einem
‘Futterknecht’ ► G B  fieterar [U] / germ. fedara ‘Art Stoff’ (REW 3233).
fieterer [O] ‘füttern [Vieh]’
fiorin [U], [O] ‘Gulden’ ♦ It. fiorino.
fif [U] ‘Getränkemaß, ein halbes Seidel,
eine Kleinigkeit’ ♦ Expressiver Natur. fioròstola [O] ‘Rest; Reste von Kleidung,
► F fifol Stroh, Korn und andrem, das Mäuse
auf dem Dachboden oder anderswo zu­
fifich [O] ‘umsichtig, verschlagen, pfiffig’ rücklassen’
♦ Dt. pfiffig (Mazzel).
fisciazion [O] ‘fixe Idee, Einbildung,
fifolèr [O] ‘zu schneien beginnen’ ♦ Gibt Wahnvorstellung, Phobie’ ♦ It. fissa­
es auch im Trent., allerdings in der Be­ zione. ► B
deutung ‘pfeifen’. Onomatopoetischen
Ursprungs. fiun [O] ‘feuerrot’ ♦ Scheint isoliert zu
sein. Angesichts der Semantik könnte
fignart/fingiart [U] ‘Simulant; verschla­ man an eine metathetisierte Form zu
gen’ lat. *fulinus (Alessio 1976: 183), besser
*fūlīnus, von fūlvus ‘braungelb’ (REW
filandara [U] ‘Spinnerin’ ♦ Ließe sich im 3565, Faré) denken (ohne Metathese
EWD als Ableitung unter firé ‘spinnen’ vgl. → fuin). Ungewöhnlich wäre bei
einordnen. diesem Ansatz aber der Ausfall des -l-;
außerdem scheint der Typ nur in
filastroca [U], [O] ‘Salbaderei, Wort­ Süditalien verbreitet.
schwall’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
leitung unter fì ‘Faden’ einordnen. ► G flap [O] ‘schlaff’ ♦ Nordit. flap (Mazzel),
filastoca möglicherweise zu einem langob. flapp
‘fiacco, floscio’ (Zanotti 1990: 65).
filostra [O] ‘Stengel von krautartigen Man vergleiche außerdem den Typ flac
Pflanzen’ ♦ Ließe sich im EWD als ‘welk’ (< lat. flaccidus).
Ableitung unter fì ‘Faden’ einordnen.
 filostres [O] ‘Rückstand von Butter floscensuch [O] ‘Flaschenzug’ ♦ Tir. (El­
oder Öl nach der Friteuse’ wert 1943: 247; Zanotti 1990: 66). ►
B floscenzuch
filza [O] ‘Reihe’ ♦ It. filza.
fondric [O] ‘auf der Erde verstreut; letzter
fiòcina [O] ‘Instrument aus einer langen Heurest in der Scheune’ ► G fundric,
Stange mit hakenförmiger Spitze, die B
dazu diente, vom Wasser wegge­
schlepptes Holz wiederzuerlangen’ ♦ fontech [O] ‘Handelshaus, Lager’ ♦ It.
Italianismus (< lat. fuscina ‘Harpune’, fondaco (< arab. funtuq) mit
REW 3610). Ladinisierung. ► B

fioreta [O] ‘kleiner Kissenbezug’ ♦ Ließe forandel [U], [O] ‘schwarzes Brot aus
sich im EWD als Ableitung unter flù Nachmehl in Form einer Anguilotte/

127
eines Halbmonds’ ♦ Vergleiche dazu fraa [U] ‘Erdbeere’ ► G frea
auch nachstehenden Eintrag.
fraco [O] ‘große Menge’ ♦ Venetismus
forenghie [O] ‘Typ Mischbrot aus Kleie’ (zu lat. frangere ‘brechen’, REW 3482,
♦ Im EWD zu fùr ‘Backofen’ oder zu DEVI).
fùrfora ‘Kleie’? Vgl. auch vorange­
henden Eintrag. fraièr [O] ‘verschwenden, vergeuden’ ♦
Sollte im EWD unter fraié ‘ohne Arbeit
forenghièr [O] ‘mit einem Gerät herum­ gut leben’ stehen. ► (B fraion)
wirtschaften/hantieren; pfuschen, zu­
sammenschustern’ fraila [U] ‘nobles Fräulein’ ♦ Tir. frailε
‘Mädchen von höherem Stande’
foregnar [U] ‘durchfahren [mit einem In­ (Schatz 188).
strument], putzen’ ♦ Erinnert irgendwie
an tir. fôrn ‘fahren’ (Schatz 157). frajar [U] ‘reiben, streifen, streichen, fest
aneinander pressen’ ♦ Trent. fras%ar
foret [O] ‘Ahle, Pfriem, Schusterhand­ ‘streifen’ (Ricci). Wohl expressiven
werk’ ♦ Zu lat. forāre ‘bohren, durch­ Ursprungs.  frajada [U] ‘Reibung,
bohren’ (REW 3430, Faré). Streichen, Streifung’

fòrfol [O] ‘kleiner Mehlklumpen’ ♦ Sollte fraje [U] ‘Phrase’ ♦ Norditalianismus (zu
wie die Varianten ferfol und farfol im standardit. frase).
EWD unter fèrfo ‘Teigkügelchen’
stehen. frajech [U] ‘spröde, zerbrechlich, mild,
etwas warm und trocken [bes. Wind,
forin [O] ‘draußen’ ♦ Ließe sich im EWD Wetter]’
als Ableitung unter fòra ‘dito’ einord­
nen. frantoi [O] ‘Presse, Quetsche, Brecher’ ♦
It. frantoio.
forinsom [O] ‘gründlich, tief’
frantum [U] ‘Trümmerhaufen, Trümmer,
formai [U], [O] ‘Käse’ ♦ Lat. fōrmaticum Zerstörung, Zusammensturz, Erdab­
‘der geformte (REW 3441: fōrma sturz’ ♦ It. frantume oder eigene Ab­
‘Gestalt, Form’)’. ► B leitung zu lat. frangere ‘brechen’
(REW 3482).  frantumar [U] ‘zer­
formela [U] ‘Eberwurz [der fleischige stückeln, zertrümmern, zerschmettern,
Blütenboden wird gegessen]’ zerstören’

formentin [O] ‘kleiner Finger’ ♦ Im EWD frassar [U] ‘scharren [Hennen], zu­
zu formè ‘formen’? sammenscharren, zusammenstreifen’ ♦
Venetismus (DEVI).
fornasc [U], [O] ‘Schmelzofen’ ♦ Ließe
sich im EWD als Ableitung unter fùr fratac [O] ‘Reibebrett, Schrubber’ ♦ It.
‘Backofen’ einordnen. frataccio ‘Reibebrett’ oder nordit. Vari­
ante (< *frictiāre ‘reiben’, REW 3506,
forsenèr [O] ‘das Metallgestell auf die Faré).
Brillengläser setzen’
fratar [U] ‘miteinander ausmachen’

128
Sparren’
frataré [O] ‘ein Haufen Kram’ ♦ Ließe
sich im EWD als Ableitung unter fràta frisc [U] ‘schwarzsamtenes Stirnband,
‘Gestrüpp’ oder infratè ‘mit Gerümpel Haarnadel mit großen Knauf’
füllen’ einordnen (Gsell 1989a: 159).
frite sf.pl. [U] ‘Kuttelfleck, Fritte’
fredolent [U] ‘kühl, ziemlich kalt’ ♦ ♦ Italianismus.
Sollte im EWD als Ableitung unter
frëit ‘kalt’ stehen (wie buch fredolent). friza [U] ‘Pfeil, Uhrzeiger, spitze Waffe’
♦ Trent. friza ‘freccia’ (Ricci 202) (El­
fregolèda [O] ‘Fall, Schlag, großer wert 1943: 253).  frizar [U] ‘mit
Haufen’ ♦ Metonymisch zu lat. fricāre Pfeilen beschießen, mit spitzen Waffen
‘reiben’ (REW 3501, Faré). (Vgl. trent. werfen’
fregol ‘briciolo, minuzzolo’, Ricci,
ven. fregola ‘briciola’, DEVI). frota [U] ‘Menge, Masse, eiserner Haken
an Stange (um Holz zu fischen), Nacht­
freta [U] ‘Eile’ ♦ It. fretta. wächterlanze’ ♦ It. frota (< fr. flotte
‘Schar’ < ags. flota ‘Ansammlung von
friciolar [U] ‘rippeln, reiben, kratzen, Schiffen’, REW 3383a).
beißen’; fricolar [U] ‘sich reiben
[gegen Ungeziefer], abreiben, hinein­ frotola [U] ‘Märchen, Geschwätz’ ♦ It.
zwängen, zerreiben, zerknüllen, über­ frottola.
listen [spaßhaft]’; fricoler [O] ‘reiben,
abreiben, scheuern’ ♦ Zu lat. fricāre fruper [O] ‘pfuschen, zusammenschus­
‘reiben’ (REW 3501).  fricolada [U] tern’  frupon [O] ‘ungeschickt; Per­
‘Zerknäuelung, Zerreibung, Einzwän­ son, die schlecht arbeitet und alles ka­
gung, Reiben an der Mauer [bei Unge­ putt macht’
ziefer]’
f(r)usolèr [O] ‘wegtragen; rauben ohne
fries [U] ‘Fries [Fenster, Türen u.ä.]’ ♦ eine Spur zu hinterlassen; betrügen’ ►
Tir. friεs (Schatz 190). G fuselé

frignacol [O] ‘Neujahrsgebäck’ ♦ Vgl. frutarol [O] ‘Obsthändler’ ♦ Ließe sich


trent. frignòcola ‘biscottino, buffetto’ im EWD als Ableitung unter früt
(Ricci). ► forognocol ‘Frucht’ einordnen.

frignolar [U] ‘mit der Laterne fischen, fruzela [O] ‘Hexerei’


Mais/Türken rippeln’
fufa [U] ‘Angst, Furcht’ ♦ Expressiven
frijet [U] ‘dicker Sparren’ → frijo Ursprungs (etymologische Beteiligung
von dt. Muffe). Vgl. auch it. fifa.
frijo [O] ‘Brettchen, das die Verbindungs­
stücke von großen Tischen in mit Holz fufigna [U] ‘Schmuggel’ ♦ Ließe sich im
ausgestatteten Zimmern bedeckt’ ♦ EWD als Ableitung unter fùfula ‘Be­
Metaphorisch zu lat. ferrūgo ‘Rost’? trug, Schwindel’ stehen.
Sieht aufgrund der Endung nach Ent­
lehnung aus, doch kann ich nichts fugaza [U] ‘Fugaze, feines Brot’ ♦
Passendes finden.  frijet [U] ‘dicker Norditalianismus (zu standardit. focac­

129
cia) oder dt. Herkunft. ► G fuiacia Heller)’ ► G

fuìn [U] ‘feuerrot’ → fiun gabela [U] ‘Steuer, Abgabe, Maut, Zoll’
► G gabeles
fujolar [U] ‘mit der Spindel spinnen,
pfuschen, paskeln’ gaida [U], [O] ‘eine der zahlreichen Fal­
ten am Frauenrock cianta, dann am
fument [O] ‘Ausräucherung, Räucherung’ camejot und an der gabana; Falte’ ♦
♦ Ließe sich im EWD als Ableitung un­ Trent. gaida ‘Schoß’ (< langob. gaida
ter füm ‘Rauch’ einordnen.  fu­ ‘Pfeilspitze’, REW 3637; Zanotti 1990:
mentèr [O] ‘rauchen, dampfen’ 70).  ngaidar [U] ‘viele Falten ma­
chen, falten [bei Tuch, Kleidern usw.]’
funerale [U] ‘religiöse Handlung beim
Begräbnis’ ♦ It. funerale ‘Begräbnis’. gais [U] ‘Anhetzung [Hund]’  gaissar
► B funeral [U] ‘anhetzen’, gaissa [U] ‘Eile, Über­
eilung’; [O] ‘Bangigkeit, Angst’,
fuscer [U], [O] ‘Pfuscher, Patzer’ gaissà [U] ‘übereilt, überhastig, unge­
► G  fuscernar [U] / fuscerner [O] stüm, gierig’, ingaisser [O] ‘hetzen, er­
‘Kleinliches treiben, pfuschen’ ► G B regen, anregen, mit List anlocken [Tie­
re oder Menschen]’
fuscinat [O] ‘Werkstatt, Werkstätte’ ♦
Ließe sich im EWD als Ableitung unter gaist [O] ‘Geist’ ♦ Dt. Geist oder (so Za­
fujìna ‘Schmiede; Werkstatt’ einord­ notti 1990: 70) tir. gaist (Schatz 231).
nen- Auch buch., aber in den traditionellen
Wörterbüchern nicht verzeichnet.
fusoler [O] → frusolèr
gaitech [U], [O] ‘geizig, habsüchtig’ ♦ Zu
fustagn [U], [O] ‘Fustanstoff, Barchent­ tir. gait (Schatz 231) (Elwert 1943:
stoff’ ♦ It. fustagno. ► (G fustania), B 195, 248; Kuen 1980: 130; Zanotti
frustagn 1990: 70) und damit im EWD unter
gàit ‘Geiz’ (vgl. auch Kindl 1999:
fustort [O] ‘Betrug, schlecht ausgeführte 140). ► B gaitig
Arbeit’
gala [U] ‘Festgewand, Staat, Gala’ ♦
G Germanismus oder Italianismus.

gaar [U] ‘Lein oder Flachs weich machen, galaria [U] ‘Galerie, Stollen; pl. Berg­
d.h. durch die Hanfbreche ziehen’ werk’; galeria [O] ‘Galerie’ ♦ It. galle­
ria. ► B galeria
gaardon [U] ‘Riese, Kraftmensch’ ♦
Verwandt mit ven. gaiardo ‘vigoroso, galda/galta [U] ‘Wagenstrebe, Arme
forte, gagliardo’ (DEVI) und trent. beim Langbaum, Galte an Deichsel’ ♦
gaiardot ‘fortetto, gagliardetto, piutto­ Elwert (1943: 251 ann. 690) schreibt:
sto vigoroso’ (Ricci). Vielleicht sogar “galde ist zu stellen zu trient. gaida
von letzterem abstammend (mit sekun­ ‘Schoß’ (Ricci 206)”.
därem Suffixwechsel).
galder [U] ‘[ant.:] genießen’ ♦ Sollte im
gabanot [U], [O] ‘[ant.:] 10 Kreuzer (= 20 EWD unter gòde ‘dito’ stehen. ► B gi­

130
audé bzw. Germanismus. ► B

galedìe [O] ‘Verdickung der Pulsadern gasér [U], [O] ‘Lärm, Gepolter, Durchein­
wegen übergroßer Anstrengung’ ander, Streit’ ♦ Trent. (Mazzel) oder
ven. (Pallabazzer [1986: 343] verweist
galilel [U] ‘Geschwätz, Geschnatter’ auf ven. gaz!arar ‘betrügen’ und führt
dieses auf grch. kaQaroi ‘Katharer’ zu­
galìlie pl. [U] ‘Erkrankung der Mandel­ rück). ► B
drüse’
gazeta [U] ‘Zeitung’ ♦ Fr. gazette.
galon [U], [O] ‘Oberschenkel [bes. bei
Tieren], Keule’ ♦ Vorlat. kalon- gecorinela! [U] ‘mein Gott!’
‘Schenkel’ (REW 1523). ► (G calon
‘Röhre’?) generel [O] ‘generell; General’ ♦ Die
beiden Bedeutungen sollten in ge­
galop [U], [O] ‘Galopp’ ♦ Dt. (und it.). ► trennten Lemmata aufscheinen. gene­
B  galopar [U] / galopèr [O] ‘galop­ rel1 sollte dann im EWD unter
pieren’ generàle ‘allgemein’ stehen; generel2
ist dann ein anderer Italianismus,
gàmber [U], [O] ‘Krebs (Tier)’ ♦ Trent.
gamber (Ricci 236). ► B genitori [U] / genitores [O] ‘Eltern’ ♦
Sollte im EWD unter genitori ‘dito’
gambon [O] ‘drehbares Eisengestell, das stehen.
den Stift der Glocke stützt; Stift,
Angel’ ♦ Möglichweise von vorlat. gerum! [U] ‘[Empfindungswort des
*kanip- ‘rundes, gebogenes Holz’, das Schreckens]’ ► G ierum
auch die Bedeutung ‘Glockenhalsband’
und ‘Radfelge’ annimmt (vgl. Grzega gheba [U], [O] ‘tiefliegender Nebel, Erd­
2001: 151ff.). dunst’ ♦ Trent. (Ricci).

gamela [U], [O] [neol.] ‘Menageschüssel’ ghebelt [U] ‘sehr großes Feldstück’, [O]
►GB ‘holpriger Steilhang’

garan [U] ‘(furchterregendes) Ungetüm’ ghebo [U], [O] ‘Wasserbett, Untiefe in


Gewässer, steiles Ufer, Kiesgrund’ ♦
garbui [O] ‘Wirrsal, Durcheinander’ ♦ It. Ven. trent. (< lat. cavea ‘Höhlung’,
garbuglio (oder eine nordit. Variante). REW 1789, DEVI, Prati 1968: 74, Ric­
ci) ► B
gardelin [U] ‘Stieglitz’ ♦ It. cardellino
(zu lat. cardo ‘Distel’, REW 1684, ghenao [O] ‘genau’ ♦ Dt. genau oder tir.
Pallabazzer 1980: 48). ► B (Zanotti 1990: 71). ► B

gardol [U] → gherdol ghenga [O] ‘Gesellschaft von Lebe­


männern, Bande, Schwarm, Clique’ ♦
garmial [U] ‘Schurz, Schürze’ ♦ It. grem­ Ven. (< engl. gang, DEVI 194, Prati
biale. 1968: 72))

gas [U], [O] [neol.] ‘Gas’ ♦ Italianismus gherbo [O] ‘Unhöflichkeit’ ♦ Man nehme

131
trent. gherb ‘acerbo, agro, brusco, ghinghenar [U] ‘sumsen, schlecht mu­
aspro’ und it. sgarbo und garbo in die sizieren, kratzen, geigen’
Betrachtung mit auf. Für die Herkunft
von garbo ‘Freundlichkeit’ gibt es im ghisa [U], [O] ‘gelblicher Lehm; Tau’ ♦
Wesentlichen drei Thesen: (a) got. It. ghisa.
*garwi ‘Vorbereitung’, got. garwôn
‘herrichten’ (REW 3695) (so das DEI giac pl. [U] ‘Küchenschelle’ ♦ Ist das
und das FEW XVI: 23); (b) arab. qālib Wort im EWD zu giàt ‘Katze’ zu
‘Modell’ (so das DELI); (c) ahd. gara­ stellen? ► B
wî ‘Schmuck’ (EWRS 156); (d) grch.
calopoios ‘schön handelnd’ (REW giaculatoria [O] ‘Stoßgebet, Verwün­
1524, Faré). Aus lautlicher und inhaltli­ schung’ ♦ It. giaculatoria.
cher lässt sich kaum eines der vorge­
schlagenen Etyma vorziehen; der Sinn­ giaf [U] / (g)iaf [O] ‘Großvater’ ♦ Die
bezirk “Benehmen” scheint aber die moenat. Form ist au. Von lat. avus
Thesen (a) und (c) eher unwahrscheinl­ ‘dito’ (REW 839) (Elwert 1943: 27,
ich zu machen. Dass nun die fass. Form 102, 140, 225). Die weibliche Form
ohne privatives s- gerade das Gegenteil ava hat sich hingegen auch im Gad.
bedeutet, mag an Einfluss seitens des und Grödn. erhalten, wird aber immer
trent. Wortes oder seitens tir. gerbe mehr vom Typ nona verdrängt (vgl.
(Schatz 234) liegen. EWD s.v. àva). Nono ist auch die Be­
zeichnung für den Großvater im Buch.;
gherdol [U] ‘blinder Streifen am Rande im Grödn. und Gad. bedient man sich
der Sohle [Oberteil der Schuhsohle]’ des aus dem Tir. stammenden Typs
nene.
gherp [O] ‘bitter, herb’ ♦ Tir. gerbe
(Schatz 234) oder (so Zanotti 1990: giagrafar [U] ‘die breite Fläche eines
71f.) angesichts der weiten Verbreitung Brettes abholen, zuhobeln’
im nordit. Raum (vgl. etwa auch Ricci
211) auf ein langob. *harwo zurückge­ giandarmo [O] ‘Gendarm’ ♦ It. ► B
hend.
giànola [U], [O] ‘Drüse’ ♦ Norditalianis­
gheto: far gheto [U] ‘die Nacht durch­ mus (für standardit. ghiandola). ► G
lungern’ ♦ Zu (nord)it. ghet(t)o giandluja
‘Ghetto; fig. Durcheinander’.
giaolon [O] ‘Konfekt, Bonbon’
ghevert [U] ‘zornige, stutzige Antwort,
Beleidigung’  ghevert [U] ‘kurz­ giardin [U], [O] ‘Garten’ ♦ It. giardino.
angebunden’  giardinier [O] ‘Gärtner’, giardinie­
ra [O] ‘Kutsche’
ghibl [O] ‘Giebel’ ♦ Dt. tir. Giebel (Za­
notti 1990: 72). giavees pl. [U] ‘Radkranz [Radholz]’ ♦ Zu
gall. *gabilo- ‘Radspeiche’ (REW
ghifl [O] ‘Kipfel, Kipf, Hörnchen’ ♦ 3629, Faré), das auch in ganz Oberitali­
Tir. (über trent. chifel, Ricci 83) (El­ en verbreitet ist.
wert 1943: 249; Zanotti 1990: 72).
giavons [O] ‘steiniges, wenig fruchtbares
ghinghen [U] ‘Sumser, lästige Person’  Gelände’ ♦ Wohl Dublette bzw. Vari­

132
ante zu gia(v)on ‘gramigna d’una spe­ Gladiole? Oder lat. gladius ‘Schwert’?
cie infesta ai prati; panicastrella’. Ge­
mäß Prati (1968: 75) ist das Wort unbe­ glàndola [U] ‘Mandeldrüse, Drüse’ ♦ Lat.
kannter Herkunft; Alessio (1976: 108) glandula ‘Halsdrüse’ (REW 3777).
möchte es zu lat. clāva ‘Pfropfreis;
Keule’ (REW 1975) stellen, was jedoch glizerina [O] ‘Glyzerin’ ♦ Norditalianis­
semantisch problematisch ist. Mögli­ mus (zu standardit. glicerina).
cherweise zu lat. cavum ‘hohl’ (Vor­
schlag Fabio Chiocchetti), aber auch gloriet [U] ‘Gartenhaus’
hier bestehen semantische Probleme.
gluf [U] ‘Gluf; Stecknadel’ ► G dlu(v)a,
giajena [U] ‘Schwarzbeere’ ♦ Sollte im B glua
EWD unter dlàs(e)na ‘Heidelbeere’
stehen. gnàgnera [O] ‘Schwachheit, Unwohlsein’
♦ Norditalianismus unklarer Herkunft
giei! [U] ‘komm!’ (Prati 1968: 76, Ricci).

gies/śes [U] ‘Kreide’ ♦ Norditalianismus gnaoler [O] ‘miauen’ ♦ Onomatopoe­


(zu standardit. gesso). tische Bildung (Elwert 1943: 200).

giornal [O] [neol.] ‘Journal’ ♦ Dt. gnasco [O] ‘bosnisch’ ♦ Lat. *bosniacus
Journal. ‘bosnisch’ mit eigenartiger Kürzung
von bo- und Metathese des -s-.
giostra [U] ‘Hexe’ ♦ Besteht ein Zu­
sammenhang mit afr. genesche ‘Hexe’, gnech [O] ‘weich, feucht, schlaff’ ♦ Im
dann wäre das Wort auf *Dianiscus/-a EWD zu sgnech ‘Schnecke’.
(< Göttin Diana) zurückzuführen
(Grzega 2001: 178)?  giostro [O] gneco [O] ‘Lamm’ ♦ Steckt dahinter ein
‘Ungeheuer, Spitzbube, Halunke, Stra­ lat. agnellus (REW 284, LEI I: 1338ff.)
ßenräuber’ mit Suffixwechsel, also agneccus, und
Aphärese? Im Buch. bedeutet das Wort
giuleis [U] ‘[ant.:] Jahreslohn, Jahresge­ ‘Knirps’. Wie für obw. niech ‘Tölpel’
halt’ darf man wohl dem REW Folge leisten
und lat. nēquam ‘nichtsnutzig, schlecht,
giusmarzian [U] ‘[ant.:] jüngster Tag, elend’ (REW 5895) als mögliches Ety­
Weltende’ mon ins Gefecht führen.► B

giustament [U], [O] ‘Ausgleich, Ab­ gnengol [O] ‘klein’ ♦ Wohl expressiven
findung’ ♦ Pseudoitalianismus. Ursprungs.

giustificar [U] / giustifichèr [O] ‘recht­ gnich/cnich [U] ‘Knicker’ ♦ Trent.


fertigen’ ♦ Sollte im EWD unter giu­ gnic[h] ‘Trödler, Altwarenhändler,
stifiché ‘dito’ stehen. Krämer’ (Ricci).

giutèr [O] ‘helfen’ ♦ Sollte im EWD unter gnignola [O] ‘Eidechse’ ► G lingiola
daidé ‘helfen’ stehen.
gno [O] ‘Schnecke’
glàdia [U] ‘Schwertlilie’ ♦ Kürzung zu dt.

133
gocia [U], [O] ‘Tropfen’ ♦ Lat. *guttia goma/guma [U], [O] ‘Gummi’ ♦ It. gom­
‘dito’. In den übrigen Dialekten finden ma. ► B
sich hingegen Tochterformen von lat.
gutta (EWD s.v. góta) (vgl. auch gomper [O] ‘platzraubend, sperrend’ ♦
Tagliavini 1934: 145); deshalb ist auch Erinnert formal an tir. gąmpεr ‘be­
von einem nordit. Lehnwort auszuge­ quem, weich’, semantisch allerdings
hen (Elwert 1943: 95, 230). ► B goc eher an dessen Gegenteil ungąmpεr
 goc [U], [O] ‘Tröpfchen, Schlück­ ‘steif, unbequem, schwer, groß’ (Schatz
chen, Rest von Flüssigkeiten’, gociar 202). Möglichweise liegt ungąmpεr zu
[U] / giocer [O] ‘tropfen, tröpfeln, Grunde und das un- wurde als unbe­
triefen’, gociolinear [U] ‘fein tröpfeln, stimmter Artikel missgedeutet und da­
fein regnen, rieseln’ her deglutiniert.

goerno [U] ‘Regierung, Leitung’ ♦ It. go­ gonz [U] ‘Hengst’ ♦ Steckt dahinter tir.
verno. gąnz ‘nicht kastriert’ (Schatz 204; vgl.
die Wendung a gąnzεr wîdεr ‘Widder’)
gof [U] ‘Rippenstoß [als Zeichen]; Puffer; – gewissermaßen in Opposition zum
Deuter mit dem Ellbogen [oder Rip­ Wallach?
penstoß], Aufmerksammachen durch
Stoß’ ♦ Onomatopoetisches Wort. gonza [U], [O] ‘ein Liter [früher eine
Mass]’ ♦ Tir. [a] gąnzε [mass] ‘eine
gojo: aèr n gojo [U], [O] ‘überdrüssig ganze Mass’ – im Gegensatz zur
sein’ ♦ Sollte im EWD unter gòsc (grödn.) olba ‘ein Halbe’?
‘Kropf’ stehen (wie etwa gad. góje ‘un­
terdrückter Zorn, Verdruss, Überlas­ gordeon/gorgheon [U], [O] ‘Wasserstru­
tung’). del, Wasserwirbel, Geizkragen’ ► G
gordl
gola [O] ‘Galle’ ♦ Gemäß Mazzel dt.
Galle. Wahrscheinlich steckt aber das gormial → garmial [U]
tir. gąllε (Schatz 201) dahinter (vgl.
auch Zanotti 1990: 73). goton [U] ‘großer Schluck’ ♦ Ließe sich
im EWD als Ableitung unter góta
golbia [U], [O] ‘tiefe Wasserstelle, Un­ ‘Tropfen’ einordnen.
tiefe, Wasserstauung bei Untiefen,
Wasserstrudel’ ♦ Hubschmid (1950b: goz [U] ‘Schöpflöffel’ ♦ Ließe sich im
52f.) bringt das Wort mit frl. sgòif ~ EWD evtl. unter gòt einordnen. Man
sgòip ‘luogo del fiume dove l’acqua si müsste aber von einem lat. *guttius
fa più profonda e vorticosa’ zusammen. ausgehen.
Er führt die Formen auf ein vorrom.
*gulu&i&o- zurück, welches eine Ablei­ gozar [U] ‘der Rotz herabhängen haben’ ♦
tung zu einem *gulu&ā sei, welches wie­ Lat. guttiāre ‘tropfen’ (REW 3929).
derum mit lat. gula urverwandt sei.
gra/grato [U] ‘Dank’ ► G  gra [U],
golic [U] ‘ein wenig, ein Hand/Mund voll, [O] ‘dankbar, bequem, kommod,
Koster’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­ passend’
leitung unter góla ‘Esslust, Appetit’
einordnen. gradela [U], [O] ‘Kohlenrost im Ofen’ ♦
Lat. cratella, zu lat. cratis ‘Gitter’

134
(REW 2304). ‘kratzen, schaben’

gradir [O] ‘annehmen, entgegennehmen’ gres/gries [O] ‘kiesiger Ort’ ♦ Im EWD


♦ It. gradire. (II: 433, grà(v)a ‘Kiesufer’) ist nur die
Variante grec ‘Kiesgrund eines Ge­
grafl [U] ‘Graffl, Plunder’ ► G crafla, B wässers’ verzeichnet. Der Worttyp ge­
grofl hört aber letztendlich nicht zu lad. gra­
va, sondern entweder zu lat. crep(i)tāre
granada [U], [O] ‘Baumnadeln, Nadel­ ‘platzen’ (REW 2316) (Gsell 1992b:
laub, Waldstreue, Waldströb’ ♦ Zu lat. 239) oder – und dies wirkt schlüssiger
granum ‘Korn’ (REW 3846)? – zu tir. griεss (Schatz 255; Zanotti
1990: 76).
granata [O] ‘Halskette aus dunkelroten,
Granat genannten Steinen, die man an grescinier/griscinier [U] ‘Türscharnier,
Stelle von Korallen während der Türband’
Fastenzeit benutzt’ ♦ It. granata ‘Gra­
nat’. gresta [O] ‘Kamm’ ♦ Sollte im EWD un­
ter crèsta ‘Kamm’ stehen (wie fass.
granic [O] ‘Ruß, der am Kessel haften cresta).
bleibt; hartherzige Leute’
gric [U] ‘Gritsch, Geknarre’ ♦ Tir. gritsch
grasca [U] ‘Weichselkirsche’ (Schatz 257).

graspa [U] ‘Kamm der Weintraube’ ♦ It. grief [U], [O] ‘schwer, schwerfällig,
graspo mit Motion (< germ. *raspōn). drückend, gewichtig, bedächtig, unver­
daulich’ ♦ Lat. gravis ‘schwer’ (REW
gratac [O] ‘Gerät zum Entnerven des 3855) (Elwert 1943: 39). ► B
Flachses’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
leitung unter gratè ‘(ab)reiben’ einord­ griglia [U] ‘Jalousie’ ♦ Italianismus (< lat.
nen. cratīcula ‘Gitter’, REW 2303). Man
vergleiche auch → grila. Auch buch.
gratl [U] ‘Grattl, Wägelchen’ ♦ Tir. grâtl (grilia), aber in den traditionellen
(Schatz 250; vgl. auch Tagliavini 1933: Wörterbüchern nicht verzeichnet.
292, Kindl 1999: 141).
grignar [U] / grignèr [O] ‘lachen, wie­
gravana [U] ‘Wurzelwerk, Reibwurzeln’ hern’ ♦ Expressiven Ursprungs. Zu­
sammenhang mit ghìgna ‘Fratze, Gri­
gravar [U] ‘drücken, belasten, beschwe­ masse’ (EWD s.v.), wo auch gad. grig­
ren’ ♦ It. gravare. ► B gravé na ‘Grimasse’ verzeichnet ist? 
grignotar [U] / grignotèr [O] ‘lächeln,
grazarcar [U] ‘mit Karst etc. Unkraut kichern’, grignolent [O] ‘lächelnd’,
ausjäten; Kartoffel graben’ ♦ Evtl. im grignèda [O] ‘Lächeln’
EWD zu crazè ‘kratzen, schaben’?
grila [U] ‘Eisenrollade, Jalousie’ →
grazie! [U], [O] ‘danke!’ ♦ It. griglia

grazola [U] ‘[ant.:] Striegel’ ♦ Ließe sich grilet [U] ‘Hahn bei Feuerwaffen’ ♦ It.
im EWD als Ableitung unter crazè grilletto mit Ladinisierung.

135
(Schatz 262) (nicht unbedingt von der
gringola [U] ‘Humor, Lust, Freude’ ♦ zu Variante gupf, die Kindl [1999: 141]
grignar ► (B gringola?) ansetzt).  guf [U] ‘das abgeplattete
Ende des Eies, Guf’
griscigner [U] ‘Türscharnier mit Ver­
zierung’ → grescinier guindol [O] ‘Gewinde, Kreisel, Garn­
winde, lebhafter Bub’ ► G guint
gronda [U] ‘der stark vorstehende Teil
des Daches an der Frontseite des guma → goma
Daches, Dachtraufe’ ♦ It.
gumier [U], [O] ‘Pflugschar’ ► G
gronsin [U] ‘Zittergras’ ♦ (Onomasiolo­
gisch vgl. auch → piopio, → pirla, → I
pirol).
i!/ié! [U] ‘hü! [Kommando für Tiere zum
grotenèr [O] ‘knarren, knirschen’ ♦ Laut­ schneller Gehen oder Anziehen]’ ► G
malerischen Ursprungs. Ließe sich im B ih!
EWD als Ableitung unter rotè ‘knab­
bern, Zähne knirschen’ einordnen. Zu icé [U] ‘kleiner, dichter Wald’
dessen Etymologie vgl. Gsell (1993b:
335f.). ► (B grociolé)  grotenament ìcheje [U] ‘x [Buchstabe]’ ♦ Dt. bzw. it.
[O] ‘Geknirsche, Geknarre’ [iks] mit Anpassung an die kanonische
Form der ladinischen Silbe (in nordit.
grozech [O] ‘Fuchsschwanzsäge’ ♦ Dt.- Aussprache).
tir. Kratzer (Elwert 1943: 246; Zanotti
1990: 78). ìcori [O] ‘Hickory [für Kanada typischer
Baum, der zur Herstellung von Skiern
grugoler [O] ‘das Girren des Bergfasans dient] ♦ Engl. hickory.
im Frühjahr zur Brunftzeit’
ié! [U] ‘hü!’ → i!
grupo [U] ‘Kruppkrankheit’ ♦ Dt. Krupp.
iècoli che bel! [O] ‘ach wie schön! schau
gruzenar [U] / grunzenèr [O] ‘knurren, wie schön!’ ♦ Vgl. it. ecco!.
knarren, raspeln, knirschen, abbeißen
[Brot, Zucker]’ ♦ Lautmalerischen Ur­ ijolar [U] ‘isolieren, vereinzelnen’ ♦
sprungs. Vgl. auch → grotener.  Norditalianismus (zu standardit. isola­
grunzenament [O] ‘Knurren, Knarren, re).  ijolant [O] ‘isolierend’, ijolator
Raspeln, Knirschen, Abbeißen’ [O] ‘Isolator’
guacia [U] ‘Fladen, Kuhfladen’ ilba [O] ‘Feldesche’
guarnizion/guarnijion [U] ‘Verzierung, ìlchenes/ilches [U] ‘Isländisch Moos
Aufputz’ ♦ It. guarnizione. [Arznei gegen Lungenkrankheit]’ ♦ It.
lichene mit Metathese.
guba [O] ‘zwiebelförmiger Glockenturm’
se imagonèr [O] ‘sich vollstopfen’ ♦
guf [U] ‘abgerundet’ ♦ Tir. guff ‘rundliche Sollte im EWD als Ableitung unter
Erhebung des Hutes; rundes Eiende’ magùn ‘Magen’ stehen (wie gad.

136
imagunè). ► B nmagoné
impontedinaut [O] ‘aufgesperrt’ ♦ Sollte
se imbasteèr [O] ‘sich ärgern, wütend im EWD als Ableitung unter punta
werden’ → mbastear ‘Spitze’ stehen, wenn dort auch grödn.
mpontàut ‘sperrangelweit’ unterge­
imbezile [O] ‘dumm, blöd’ ♦ Nord­ bracht ist.
italianismus (zu standardit. imbecile).
impreja [O] ‘Unternehmen’ → mpreja
imbocià [O] ‘verstopft’ ♦ Im EWD zu
bóćia ‘Mund’? improvis [O] ‘aus dem Stegreif’ ♦ It.
(all’)improvviso.
imboèr [O] → mboar
impiaster [U] ‘Pechpflaster, Wund­
imbramì [O] ‘erstarrt, steif [vor Kälte]’ pflaster’ ♦ It. impiastro.

imbrocèr [O] ‘vernageln, festnageln’ ♦ It. inagudèr [O] ‘mit Nägeln oder Schrauben
imbroccare. befestigen’ ♦ Zu lat. acus ‘Nadel’
(REW 130).
impascionà [O] ‘betrübt, bekümmert’ ♦
Ließe sich im EWD als Ableitung unter se inajumèr [O] ‘vermuten, gewahr
pasciùn ‘Leidenschaft; Leiden’ einord­ werden, vorsehen’
nen.
inalbèr [O] ‘[ant.:] weißen, bleichen’ ♦
impassì [O] ‘Bestätigung’ Zu lat. albus ‘weiß’.

impatinèr [O] → mpatinar incensa [U] ‘Wetterregel’

se impenentèr [O] ‘sich anschicken, inchioster [O] ‘Tinte’ → nchioster


wagen’ ♦ Lat. *pagināre ‘zusammen­
fügen’ (REW 6147) (Salvioni 1938: se inciampedir [O] ‘einschlummern’ →
86). ciampedir

imperator [U] ‘Kaiser’ ♦ It. imperatore. inciasà [O] ‘verheiratet’ ♦ Ließe sich im
Könnte man im EWD wie (i)mpéro un­ EWD als Ableitung unter ćiàsa ‘Haus’
ter impèro ‘Kaisertum’. Im Buch. gibt einordnen.
es die Form imperadou, die aber in
Pellegrini/Masarei nicht verzeichnet ist. incin [O] ‘[Teil des bäuerlichen Wagens]’
 imperatrice [U] ‘Kaiserin’, imperio ♦ Zu → encin ‘hölzener krummer Ha­
[U] ‘Kaisertum’ [auch buch. imper, ken, besonders aber der hölzerne Ha­
aber in Pellegrini/Masarei verzeichnet] ken am Wiesbaumseil’?

impestèr [O] ‘mit der Pest anstecken, ver­ incronchià [O] ‘verkrümmt, gelähmt’ ♦
pesten’ ♦ It. impestare. Kreuzung aus it. ingranchire ‘ver­
steifen, erstarren lassen’ (bzw. Partizip
impetolà ‘wirr, zerzaust, liederlich, ver­ ingranchito) und tir. krąnk ‘krank’
picht’ ♦ Zu → petola. (Schatz 353)? Vergleiche auch → in­
gronchià ‘versteift, erstarrt’.
impicèr [O] ‘aufhängen’ ♦ It. impiccare.

137
indèna [O] ‘jedoch’ ♦ Sollte im EWD un­
ter indère ‘dito’ stehen. Eigenartig ist ingrosa ‘en gros’ [U] ♦ Frz. en gros.
jedoch der Wechsel der Auslautsilbe.
se inirèr [O] ‘erzürnen, wütend werden’
inderdena [O] ‘während; zwischenzeit­ → nirar
lich’
inizèr [O] ‘zum ersten Mal anziehen,
inderno [U] ‘umsonst, nutzlos’ ♦ Ven. in­ anfangen, anstechen, anschneiden’ →
derno (zu it. indarno). Unbekannten nizar
Ursprungs (Prati 1968: 83f.; DELI).
inlengia/enlengia [O] ‘neben’ ♦ Variante
indeter [O] ‘diktieren, eingeben’ ♦ Lat. zu → nlongia (Elwert 1943: 48).
in-dictare. ► B ndité
inrà [O] ‘unbequem’ ♦ Sollte im EWD als
indirao [O] ‘scheinbar; anscheinend’ → Ableitung unter rè ‘selten’ stehen,
ndirao wenn dort auch gad. inrè ‘zuwider,
widrig, ungern’ verzeichnet ist. Gsell
indolaric [O] ‘steif geworden’ (1989a: 159) denkt aber eher an tir. râd
‘ärgerlich, zuwider’ (Schatz 466).
(se) indormenzèr/(se) indromenzèr [O]
‘einschlafen’ ♦ Ließe sich im EWD als inrizolèr/enrizolèr [O] ‘[Haare] locken,
Ableitung unter dormì ‘schlafen’ ein­ aufwickeln, brennen; [Nase] rümpfen;
ordnen. ► B ndormenzé [Fell] sträuben’ ♦ Ließe sich im EWD
als Ableitung unter rìci ‘Locken’
infetà [O] ‘infiziert’ ♦ Italianismus. stellen.

ingaidèr [O] ‘Falten machen’ → ngaidar inrozèr [O] ‘einen der Vorderfüße der
Kuh hochbinden, um sie am Aus­
ingaissèr [O] ‘hetzen, erregen, anregen, schlagen während des Melkens zu hin­
mit List anlocken [Tiere oder Men­ dern’ ► G nruzé
schen]’ → gais
insaonèr/ensaonèr [O] ‘einseifen’ →
se ingiorgèr [O] ‘sich rühmen’ nsaonar

ingolicèr [O] ‘zerknittern, reiben’ insema [O] ‘zusammen’ → nsema

ingorsà [O] ‘schnell, ungestüm’ → ngor­ inseveèr ite [O] ‘einzäunen, umzäunen’
sa → nsevear ite

ingozimà [O] ‘mit Resten bekrustet; sehr instadì/enstadì [O] ‘in diesen Tagen, neu­
schmutzig’ ♦ Gehört zu lad. coz lich’ → nstadí
‘Schmutz’ (vgl. → ncozar).
interenèr/enterenèr [O] ‘schneller
ingres [U] ‘Kraft, Antrieb, Stärkung’ ♦ It. schmelzen, damit der Boden frei wird’
ingresso. → nterenar

ingronchià [O] ‘starr, steif’ ♦ Dublette zu interèr/enterèr [O] ‘glatte Straßen oder
→ incronchià? Schnee mit etw. besprengen, damit das

138
Schmelzen beschleunigt wird’ → investir/envestir [O] ‘investieren’ ♦ It. in­
nterenar vestire.

intervegnir/entervegnir [U] ‘in­ inzecolèr/enzecolèr [O] ‘die Bretter von


tervenieren, dazwischentreten’ ♦ Im Stapeln zur Ablagerung herrichten,
EWD ist nur intravegnir ‘zustoßen, zu­ wobei zwischen den Schichten Leisten
kommen etc.’ verzeichnet. gelegt werden, damit die Luft zirku­
lieren und somit trocknen kann’ ♦ Kann
se intesir [O] ‘satt werden’ ♦ Ließe sich das Wort von → zecol ‘Scheit, Span;
im EWD als Ableitung unter tëiss Stück Brennholz (wie es in der Haus­
‘vollgegessen’ einordnen. haltsküche verwendet wird)’ abgeleitet
sein?
ìntima [O] ‘Leinen für Kissen oder Ma­
tratze’ ♦ It. (biancheria) intima. inzidonèr [O] ‘die Brotbretter (“panaes”)
auf dafür vorgesehenen Gestellen
intivèr/entivèr [O] ‘erraten, ins Schwarze (“corgn”) mit einem gewissen Abstand
treffen, Erfolg haben’ → ntivar übereinanderlegen, um die Brote dar­
aufzulegen; Ausstreuen des Kleien­
intorbolir [O] ‘trüben’ ♦ Zu lat. turbulus mehls auf besagte Bretter damit der
‘trüb’ (REW 8998) bzw. turbulare ‘trü­ Teig für die Säuerung nicht auf den
ben’ (REW 8997) mit Suffixwechsel. Brettern kleben bleibt. um dann das
Brot auszulegen’
intorn [O] ‘um ... herum’ → ntorn
ira [U], [O] ‘Zorn, Wut’ ♦ It. ira oder di­
intramesa/entramesa [O] ‘Trennwand’ rekt von lat. ira. Auch buch., aber bei
→ ntramez Pellegrini/Masarei nicht verzeichnet.

intrameser/entrameser [O] ‘mit einer iranumina [U] ‘Art Gespensterzeichen’


Wand trennen’ → ntramez
irescir [O] ‘untersuchen, entdecken’
intrevèr/entrevèr [O] ‘mit Balken zwi­
schen zwei Stockwerken decken’ ♦ iscel [O] ‘Holztür, die auf das Geländer
Ließe sich im EWD als Ableitung unter des Heubodens führt’ ♦ Ließe sich im
trèe ‘Balken’ einordnen. EWD als Ableitung unter üsc ‘Tür’ ein­
ordnen.
se introfolèr ite [O] ‘sich ungebührlich
und verstohlen hineindrängen’ ♦ It. in­ ischia [O] ‘Röhricht’ ♦ Gall. sēsca ‘Rohr,
trofolarsi mit Ladinisierung. Schilf’ (REW 7877) mit volksetymolo­
gischer Anbindung an it. ischia ‘Eiche;
se intrometèr [O] ‘sich einmischen’ ♦ Rainweide?
Ließe sich im EWD als Ableitung unter
mëte ‘setzen, stellen, legen’ einordnen. iscia [O] ‘Ischias’ ♦ Dt. Ischias.

inumidir [O] ‘anfeuchten’ ♦ It. inumidire. iscio [U], [O] ‘Vogelleim’ ♦ Lat. visculum
Ließe sich im EWD als Ableitung unter zu viscus ‘Mistel’ (REW 9376).
dem Lemma tüme ‘feucht’ einordnen.
► B inumidì, B ntumié ispetor [O] ‘Inspektor’ ♦ It. ispettore. 
ispezion [O] ‘Inspektion’

139
(das aber wegen -d- aus der Padania
istadela [O] ‘das Beben von anliegenden entlehnt sein muss, vgl. frl. zedola). Für
Luftschichten über begrenzten Landflä­ die vorliegende fass. Form müsste man
chen aufgrund von heftigen konvek­ aber einige Unregelmäßigkeiten anneh­
tiven Bewegungen’ ♦ Zu statēra men: acidula > *akíkula (Assimilie­
‘Waage’? rung der Konsonanten!) > *agégula
(Sonorisierung zwischenvokalischer
istoria [O] ‘Geschichte’ ♦ Lat. historia in Tenueś) > *ažégula > *ažágula (As­
Form eines Buchwortes. similierung der Vokale!) > *ažagura
(Rhotazismuś) > žágura (Aphärese von
iutèr [O] ‘helfen’ → giuter a-, als Element des bestimmten
Artikels missgedeutet) > žagúra (evtl.
izlenar [U] ‘aufbrausen, erhitzen, erzür­ in Anlehnung an grödn. sgura). Vgl.
nen, aufhetzen’ ♦ Mehrere Wörter dürf­ semantisch und formal auch →
ten sich hier vermengt haben: tir. hitzn arbégola und → arjégola. Vgl. auch
‘Hitze machen’ (Schatz 298), tir. hitzig die Ausführungen bei Merkens (1956:
‘zornmütig, rasch erregt’ (Schatz 297), 119), Pallabazzer (1965: 303) und
tir. (auf)he5tzn ‘(auf)hetzen’ (Schatz Pellegrini (1980: 107) [z.B. karn.
292), ven. izzare (entspricht standardit. sédala]. ► B jëdola, (G sgura?)
aizzare), das auf eine “voce di provoca­
zione e di eccitamento’ zurückgehe jambuiere [U], [O] ‘Zwerghimbeere; Ru­
(Prati 1968: 86) und letztlich unbe­ bus saxatili’ ♦ Lat. sambūcāria (zu
kannter Herkunft ist (DELI). ► (G sambūcus ‘Holunderbeerbaum’, REW
izené) 7561, Pedrotti/Bertoldi 1930: 341).

J jano [U] ‘geziertes Gehen, Selbstbewuss­


tein, Stolz, Einbildung’
jache [O] ‘da, weil’ ► G ajache
jeaa [O] ‘Unordnung, Konfusion’ ♦ Zu­
sammenhang mit → jaga?
jaga [U] ‘mit schlechtem Stroh gefüllter
Strohsack, schlechtes Bett, Unordnung’
jédole [U] ‘Blätter und Stiel des Sauer­
→ jega
ampfers, solange sie noch weich und
essbar sind’ ♦ Lat. acidula ‘Sauer­
jaghèr [O] ‘vermuten, verdächtigen, be­
ampfer’ (REW 104) (Pellegrini 1980:
lästigen, herumstochern’ ► G B jaghé
109). Zur Etymologie vergleiche auch
→ jagura. Von der Akzentstruktur mit
jagùra [U], [O] ‘Art Essig, der von den
der buch. Form direkt zusammenzu­
Bauern durch Sauerwerden der Molke
und Zusatz von Sauerampfer gewonnen stellen. ►B jëdola
wird; Käsewasseressig’ ♦ Gemäß El­
wert (1943: 187) evtl. zu lat. acidu jega [O] ‘jämmerliches, schmutziges und
‘sauer’ + acqua ‘Wasser’ + -ūra. Statt unordentliches Lager’ ♦ Dürfte wie
acidus ‘sauer’ ist wohl besser acētum andere Wörter für ‘Lager’ auf das Verb
‘Essig’ (REW 98) anzunehmen. Man lat. iacēre ‘liegen’ (REW 4562) zu­
kann aber auch einen Padanismus von rückgehen. Vgl. auch → jaga und →
lat. acidula ‘Sauerampfer’ (REW 104, jeaa.► B
Faré, FEW XXIV: 105ff.) annehmen,
wofür vor allem buch. jëdola spricht jerf [U], [O] ‘Wintertrieb, Winterspross’

140
♦ Zu lat. germen ‘Keim’ (REW 3744) nießungsrecht hat’
(Elwert 1943: 40, 889). → cerver. 
jervar [U] ‘Wintertriebe treiben [im jufol/ciufol [U] ‘stürmisch, betäubt,
Keller], sprossen [von Kartoffeln, Rü­ besoffen’ ♦ Lat. sibilāre bzw. *sūfilāre
ben usw. im Keller]’ ‘pfeifen’ (REW 7890).

jerjen [U], [O] ‘Jätunkraut, Unkraut­ junson/junsom [O] ‘am Boden unten’ ♦
wurzeln (die herausgezogen werden)’ ♦ Ließe sich im EWD als Ableitung unter
Gemäß Elwert (1943: 66f.) besteht ein jö ‘unten’ einordnen.
möglicher, aber unklarer Zusammen­
hang mit lat. circinum: “Lat. circinu jur [U] ‘Eid, Schwur’ ♦ Sollte im EWD
müßte als *čerčen erscheinen. Tat­ als Ableitung unter juré ‘schwören’
sächlich ist in Fass. circinu als če5rčen stehen (wie gad. jùr ‘dito’).  jurà [U]
‘Jochdeichselriemen’ erhalten. Ande­ ‘Geschworener’
rerseits läßt sich žé5ržen ‘das dürre Un­
kraut, das auf dem Felde zusammen­ L
geharkt worden ist und verbrannt wird’
nicht trennen von folgender Wortgrup­ labl/lobl [O] ‘Brotform’ ► G lobl
pe: Frl. cercenâ ‘tagliare circolarmente
la corteccia degl [sić] alberi, perché si lacar [U] ‘lackieren, firnissen’ ♦ Sollte im
secchino ai piedi’, cercenât ‘zona degli EWD als Ableitung unter làch ‘Lack’
stavoli estivo-autunnali, dove il bosco è stehen (wie buch. laché).
stato trasformato in pascolo o prato,
mediante il disseccamento degli alberi’ laché [U] ‘Maskenkostüm voller Bänd­
Pir. 115; span., port. und ostfrz. chen und Spitzen’ / [O] ‘typische
Entsprechungen in REW. 1941. In Gestalt der fassanischen Folklore’
Canazei heißt ein Hof jenseits des
Avisio inmitten einer Rodung ladra [O] ‘Gummiröhrchen zum Um­
čerčená.” Hubschmid (1950b: 25) gießen des Weines; Steckdose im
führt das Wort auf einen vorrom. Lampensockel’ ♦ Norditalianismus (El­
Stamm *gerg- zurück (dem schließen wert 1943: 27).
sich auch Merkens [1956: 112], Gsell
[1997: 139] und Grzega [2001: 178f.] laistn [O] ‘Holzleiste, Brettchen, kleine
an). Dazu stellt Gsell auch gad. serjö, Leiste’ ♦ Mazzel verweist auf dt. Leis­
das im EWD fehlt.  jerjenar [U]; te. Trefflicher ist, von einer tirolischen
jerjenèr [O] ‘mit der Hand Unkraut Variante auszugehen (Elwert 1943:
ausreißen; einen Garten, Acker usw. 246; Zanotti 1990: 97). Man vergleiche
von Unkrautwurzeln reinigen’, jerjiva dazu im EWD auch làsta ‘Leiste’.
[U] ‘ausgerissenes Unkraut’
laita [U] ‘Leite [etwas steiniges und ziem­
jirar [U] → śirar lich steiles Terrain], sonniger Hang’ ♦
Dt. Leite bzw. (so Hubschmid 1950b:
joel [O] ‘Wassergraben’ 83) bair.

juciar [U] ‘werfen’ ♦ Lat. iactāre ‘dito’. lameta [U] ‘Ohrring’ ♦ Evtl. im EWD zu
làma ‘Messerklinge, Blech, Schiene’?
judeijum [O] ‘Anteil, den die Erben je­
manden geben müssen, der das Nutz­ lamperì [O] ‘Verkleidung in rustikalem

141
Holz bis auf halber Wandhöhe’
laur: vacia laura [U] ‘schwarz-weiß oder
lanicia [U] ‘[ant.:] Nest’ ♦ Zu­ rot-weiß gefleckte Kuh’; laur [O]
sammensetzung aus dem bestimmten ‘scheckig, gefleckt’ ♦ Gemäß Elwert
Artikel la und ven. nicia ‘Nest’ (zu (1943: 38) von lat. laurus ‘Lorbeer’
standardit. nicchia). Unbekannter (REW 4943). Das REW zeigt, dass
Herkunft (DEVI, Prati 1968: 112), hiervon zahlreiche Farbbezeichnungen
möglicherweise zu nicchio ‘Muschel’ abstammen (Gsell 1990b: 367). Das
(DELI s.v. nicchia)? Wort könnte im EWD zu s(t)laurí
‘bleich’ gestellt werden.
lapiétn [O] ‘altes und verbreitetes deut­
sches Kartenspiel’ ♦ Mazzel und Za­ lausa [U] ‘Faulbeere [essbar]’ ♦ Vorlat.
notti (1990: 98) denken an dt. Lab *alousa ‘[Farbadjektiv]; Faulbeere’
bieten (mit Verweis auf labêt ‘Name (Hubschmid 1950b: 56f.; Grzega 2001:
eines Kartenspiels bei Schöpf 356). 58). Findet sich in Pflanzennamen von
Richtiger Ausgangspunkt ist aber viel­ Graubünden bis Friaul.
mehr tir. lâb piεtn ‘Laub [eine der vier
Spielkartenfarben] bieten’ (Fink 172). laussa [O] ‘[ant.:] große Steinplatte’ ♦
Vorlat.-kelt. *lausa ‘Steinplatte’ (Grze­
largia/lerga [U] ‘Weite, Breite, Fülle, ga 2001: 194).
Freiheit’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
leitung unter lèrch ‘breit’ einordnen. lavert [O] ‘Biestmilch; zwei oder drei
Tage alte Milch, die eine grünliche
larifari [U] ‘gleichgültige Sache’ ► G Farbe hat’ ♦ Prestoform eines lat vert
‘grüne Milch’.
larjina [O] ‘heruntergefallenes nadelför­
miges Laub der Lärche’ ♦ Ließe sich im leciada [U]; lecèda [O] ‘Schleckerei, Le­
EWD als Ableitung unter lèrsc ‘Lär­ ckerei, Näscherei, Schmeichelei’ ♦ Das
che’ einordnen. DELI (s.v. leccare) und Prati (1968:
87) fassen zwei Thesen zusammen,
las [U] ‘kahl’ ► G lasa nämlich (1) ein germ. Etymon *lekkon
‘lecken’ (FEW XVI: 455-462, DEVI)
lasaron [O] ‘Tagedieb’ ♦ Sollte im EWD und (2) lat. *ligicāre zu *lingere ‘le­
unter lazarùn ‘Strolch’ stehen. cken’ (REW 5027, Faré). Der Typ ist
auch im Frankromanischen sowie in
lascit [O] ‘Vermächtnis’ ♦ Norditalianis­ Mittel- und Unteritalien verbreitet. Bei­
mus (zu standardit. lascito). Ließe sich de Thesen sind vertretbar, wenngleich
im EWD als Ableitung unter lascè gegen These 2 spricht, dass der eigent­
‘lassen’ einordnen. lich lat. Verbalstamm *ling- (mit Na­
sal) in den Ableitungen überhaupt nicht
latìa [U] ‘Bocksbart, wenn er bereits ver­ mehr zu finden ist.
blüht und holzig ist’
ledam [U] ‘Mist, Unflat’ ► G B 
latiròs [U] ‘rote Milch’ ♦ Zu­ ledamé [U], [O] ‘Misthaufen, Unflat,
sammensetzung aus lat und ros mit Düngerhaufen, Dünger’
Svarabhakti-Vokal.
lega [U], [O] ‘Bund, Bündnis, Gesell­
latrina [U] ‘Latrine’ ♦ Italianismus. schaft, Verein, Legierung’ ♦ It. lega. ►

142
B ‘Auswahl’ unter lì ‘wählen’ stehen.

legat [U] ‘Legat, Vermächtnis’ ♦ Dt. letor [U] ‘Wähler, Vorleser’ ♦ It. lettore.
Legat oder it. legato mit Ladinisierung.
Ließe sich im EWD als Ableitung unter levazion [O] ‘Erhebung’ ♦ It. elevazione
lége ‘Gesetz’ einordnen. mit Aphärese. Ließe sich im EWD als
Ableitung unter levé ‘erheben’ einord­
legitim [O] ‘legitim’ ♦ It. legitimo. Ließe nen.
sich im EWD als Ableitung unter lége
‘Gesetz’ einordnen.  legitimar [U] leventar [U] ‘auferwecken’ ♦ Ließe sich
‘legitimieren, rechtfertigen, ausweisen’ im EWD als Ableitung unter levé
‘erheben’ einordnen.
leis [U], [O] ‘lahm, gelähmt [Finger], un­
beweglich’ ► G B levicel [U] ‘Abszess, Furunkel’ ♦ Falls
alt, evtl. zu lupus ‘Wolf’ (REW 5173),
lejia [U] ‘Kirche’ ♦ Mit anderen Formen ergo *lupicellus (als ursprünglicher Be­
im EWD zu dlìjia ‘Kirche’. zeichnung für Hämorrhoiden oder einer
anderen Krankheit im Gesäß- oder
lejuda [U] ‘Leserei, Vorlesung, Lesen’ ♦ Afterbereich; vgl. dazu auch Gsell
Ließe sich im EWD als Ableitung unter 1993c: 83ff.)? Kann nicht getrennt
lì ‘lesen’ einordnen. gesehen werden von → avicel und re­
präsentiert daher vielleicht auch nur
lelech [U] ‘schwächlich, wehleidig, arm­ eine Form mit agglutiniertem Artikel.
selig, läppisch’ ♦ Ließe sich im EWD
als Ableitung unter lèlo ‘dumm’ ein­ lezin [O] ‘Rizinuspflanze’ ♦ Lat. ricinus
ordnen. ‘dito; Schaflaus’ (REW 7300, Faré) mit
Lambdazismus.
lembrana [U] ‘Bindehaut, Zwerchfell’ ♦
Dt. Membran oder it. membrana mit lia [U], [O] ‘Boden des Ofens/Backofens’
Dissimilation. ♦ Kelt. *likka ‘Steinplatte’ (vgl. kymr.
llech, bret. lec’h ‘Steinplatte’ (Hubsch­
lenghejela [U], [O] ‘Verlängerung; mid 1950b: 62f.; Grzega 2001: 197).
zungenartige Verlängerung, um die Nachfolgeformen auch in der Trans­
Deichsel am Wagenvordergestell zu alpina sowie in Pisa und Arezzo.
befestigen’ ♦ Ließe sich im EWD als
Ableitung unter lùnch ‘lang’ einordnen. libret [U], [O] ‘kleines Buch, Dienstbo­
tenbuch, Arbeitsbuch’ ♦ Ließe sich im
lengon [U] ‘Schwätzer, Schnabler, Läs­ EWD als Ableitung unter lìber ‘Buch’
terer’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­ einordnen.
leitung unter lëinga ‘Zunge’ einordnen.
►B lidron [O] ‘Jahresgeld einer Witwe’

leps [O] ‘Treberwein’ ♦ Tir. leps ‘Tres­ liegher [U] ‘munter, lustig, froh’ ♦ Sollte
terwein, verwässerter Wein’ (Schatz im EWD unter alégro ‘fröhlich, lustig’
386): ► B stehen.

leta: a la leta [O] ‘zur Verfügung’ ♦ lighé [O] ‘Grummet, Augustheu, Heu des
Sollte im EWD wie unterfass. leta zweiten Schnitts’ ♦ Vorlat. (Elwert

143
1943: 207, 213).
lisam [U] ‘Oberhaut; die erste und zweite
lim [U] ‘feinster Sand, Reibsand, feinster Hautschicht’  lisan [O] ‘Hautirritati­
Flussschlamm’ ♦ Lat. līmus ‘Schlamm’ on’
(REW 5058). Die Bedeutung ‘feinster
Sand, Reibsand’ kann sekundär reinge­ lìsora: vacia lìsora [U] ‘Kuh, die die
rutscht sein durch ein lad. flims, das in Befruchtung nicht angenommen hat;
gad. flìms ‘feinster Sand’ lebt (< tir. Kuh, die einen verhältnismäßig kleinen
flins). Auch buch., aber bei Pellegrini/ Bauch hat’ ♦ Ven. (valsug.) lisora ‘vac­
Masarei nicht verzeichnet.  limous ca sterile in quell’anno che dà latte’
[O] ‘schlammig’ ► B (gem. Prati [1968: 89] expressiver
Herkunft).
lincin [O] ‘Haken’ ♦ Lat. uncīnus ‘Ha­
ken’. listadela [O] → istadela

linesc sm.pl. [O] ‘Nestei’ ♦ Ist im EWD lita [U], [O] ‘Prozess, Streit [Gericht],
s.v. lünesc neben fass. in(d)esc zu Zank’ ♦ It. lite.
ergänzen (< lat. index).
liz [U] ‘Litze’ ♦ Dt. Litze.
lingera [O] ‘Verschwender, Lump, Schur­
ke, Grobian, Faulpelz, Freigeist’ ♦ liza [U] ‘ant.: [Waffenspiel]; Spiel auf
Neben lingéra finden sich in der dem Col de mé (Maihügel), wobei die
Padania auch die Varianten ligéra, mit Blumen bekränzten Fassaner um
liséra, legéra, lìngia. Das DIDE fasst eine Strohpuppe tanzen’ ♦ It. lizza (<
die bisherigen Theorien knapp zu­ germ. *līstja ‘Turnierschranken,
sammen: (a) gerg. leggera ‘miseria’ (< Kampfplatz’, REW 5084).
it. leggero), (b) Variante zu visiera
‘maschera’ > ‘uomo mascherato’ > lìzia [U] ‘Rotschwänzchen (Vogel)’ ♦
‘malandrino’ (mit Verweis auf die Vgl. auch → ziria.
Wendung triest. butar jo la visiera,
ven. calar la visiera ‘togliersi la ma­ loaa [O] ‘Düsterkeit, kalter und wüster
schera, scoprirsi il volto’), (c) zur Ort, auch wegen des Gefühls von Leere
Wendung esser della legge mit späterer aufgrund der Abwesenheit von Leuten’
Substitution von legge durch leggera
im ausgehenden 19. Jh.; dies ist auch loada [U] ‘Zustand der Milch, wenn sich
die These, die vom DIDE (252) – wohl die Käsemasse nicht setzen will’ ♦ Lat.
zu Recht – favorisiert wird. Vgl. auch *liquidāta (Hubschmid 1950a: 349).
Prati (1968: 88) ► (G lingian), B lin­
gia loata [O] ‘harte und geschwollene Brust
der Kühe nach dem Melken; Aus­
lior [U] ‘Grippe, Influenza’; [O] ‘Lippen­ wüchse unter dem Bauch der Tiere’ ♦
herpes’ ♦ Vgl. → dalior. Evtl. zu lat. lupus, lupa wie der pad.
Typ mal de la loa (vgl. Vigolo 1993a:
lis [O] ‘verbraucht’ ♦ Wohl ven. lis ‘glatt’ 278)?  loàtola [O] ‘dito’/roàtola [U]
(DEVI, Prati 1968: 89) mit Bedeu­ ‘weiche Blase am Bauch der Tiere
tungs- bzw. Kollokationsverengung.  [Krankheit]’
speisa lisa [U] ‘[ant.:] Straube [Mehl­
speise]’ lobl [O] ‘Brotform’ → labl

144
Leben’ ♦ Venetismus unbekannten,
loca [U], [O] ‘Lache, Pfütze; Schlamm’ vielleicht expressiven Ursprungs
►GB (DEVI, Prati 1968: 90).

local [U] ‘Lokal, Örtlichkeit; örtlich’ ♦ lougol [U] ‘Alectorolophus spec.’


Germanismus.
louva: erba louva [U] ‘Aconitum na­
loden [U] ‘Loden’ ♦ Germanismus oder pelles, Eisenhut, Sturmhut (Pflanze)’ ♦
Italianismus. ► G lëuda Das Wort ist von seiner Motivation und
seiner etymologischen Grundstruktur
lodolon [U] ‘Lobhudler’ ♦ Ließe sich im mit buch. lovària vergleichbar und
EWD als Ableitung unter laldé ‘loben’ könnte ebenso als Ableitung im EWD
einordnen. zu lù ‘Wolf’ gestellt werden.

lodra [O] ‘Fischotter, volkstümliche lovaa [U] ‘Lokal mit dumpfer Luft, Stall
Mütze aus Fischotterpelz’ → lora mit dumpfer Luft’  lovária/lovera
[U] ‘unbewohnte, kalte und dumpfe
logar [U] ‘stellen, hinsetzen, unter­ Hütte’
bringen, plazieren, einquartieren, woh­
nen, kampieren’ ♦ Dialektale cisalpine lucentèr [O] ‘glänzend machen’ ♦ Ließe
Variante zu standardit. locare. ► B sich im EWD als Ableitung unter lujé
loghé ‘glänzen’ einordnen.

lopa [U] ‘Schlacke, Eisenschlacke’ ♦ lucerna [U] ‘offene Lampe, eiserner und
(Nord)italianismus (vgl. etwa Ricci drehbarer Leuchter; Licht’ ♦ Ließe sich
245). im EWD als Ableitung unter lujé ‘glän­
zen’ einordnen. ► B lucierna
lopaitl sm.sg. & sm.pl. [O] ‘Meißel, um
Löcher ins Holz schlagen’ ♦ Tir. lugarin/lugherin [U] ‘Zeisig, Pfiffikus’ ♦
lochpaitl (Schatz 393) (Elwert 1943: Norditalianismus (zu standardit. lu­
246; Zanotti 1990: 100). cherino, < *lūcārinus ‘Zeisig’, REW
5135). ► (B lugher)
lora1 [U] ‘Fischotter’; lodra [O]
‘Fischotter, volkstümliche Mütze aus lujerp [U] ‘Eidechse’ ♦ Kombination aus
Fischotterpelz’ ♦ Lat. lutra ‘Fischotter’ lat. lacerta ‘dito’ und serp(ent)em
(REW 5187), möglicherweise Lehn­ ‘Schlange’ (REW 4821). Außerdem
wort von trent. lodra (Elwert 1943: 90). mag auch lux ‘Licht’ Anteil an der Bil­
► (B lodra ‘Zigeuner, schlampiger dung gehabt haben (Grzega 2002).
Mensch’?)
lujingar [U] ‘liebkosen, schmeicheln, her­
lora2 [O] ‘wirbelhafte Wasserdrehung, ausschwindeln’ ♦ Nordit. Variante für
Wirbel’ ♦ Lat. lura ‘Trichter’ (REW standardit. lusingare  lujon [U]
5174). ‘Schmeichler; Schwindler’

losa [U] ‘Wagenspur, Furche auf der Stra­ luleous [U] ‘trübes, unlustiges Wetter’
ße’ ► G B
lumenaria [O] ‘Festbeleuchtung’
loto-loto [U] ‘gemach, langsam, ohne ♦ Sollte im EWD als Ableitung unter

145
lüm ‘Licht’ stehen (wie buch. lumi­
naria). magnonot [U] ‘Knauser, Schmarotzer’ ♦
Zum nächsten Eintrag.
luminé [U] ‘Stellage, um die Pfannen auf­
zuhängen’ magnucolar [U] ‘langsam und wenig,
aber öfters essen’ ♦ Zu lat. mandūcāre
lustich inv. [U] ‘lustig, fröhlich’ ♦ Tir. ‘kauen’ (REW 5292) mit Assimilation
lustig (Schatz 400). ► B von -nd-c- zu -ng-c-.

lustro [U] ‘Glanz, Pracht, Herrlichkeit’ ♦ mago [O] ‘Magier, Zauberer; Tölpel’ ♦ It.
Lat. lustrum ‘Glanz’ (REW 5184). ► mago. ► B
B luster  lustrar [U] ‘polieren, glän­
zend machen’, lustriscem [U] ‘hoch­ maia [O] ‘Pullover’ ♦ Trent. maia (Ricci
wohlgeboren’, luster [O] ‘glänzend’, 93) (Elwert 1943: 96).
lustrofin [O] ‘poliertes Möbel’
majarèr/majerèr [O] ‘mahlen’ ♦ Gemäß
luze [U] ‘Licht’ ♦ Lat. lux ‘dito’. Elwert (1943: 73) von lat. macerāre
‘mürbe machen’ (REW 5203). Es liegt
M aber semantisch und formal nahe, das
Wort im EWD zu majenè ‘mahlen’ zu
mac [U] ‘gedrückt, ermüdet von Arbeit’ ♦ stellen (von lat. mac(h)ināre ‘mahlen’,
Tir. matsch ‘ermattet, erschöpft’ REW 5206). Das -r- im Stammauslaut
(Schatz 418). erklärt sich vielleicht durch Einfluss
von → majaria ‘Meierhof’. ► B ma­
madalenza [U], [O] ‘Bosheit, Unver­ jeré?
schämtheit, Schlechtigkeit’ ♦ Wohl
ursprünglich maladenza (Metathese!) majaria [U] ‘Meierhof; Baumaterial’ ♦
zu einer Basis mal- ‘schlecht, böse’. Norditalianismus (zu standardit. massa­
Ließe sich im EWD dann unter mè ria). Sollte im EWD zu massarìa ‘dito’
‘Schmerz’. gestellt werden.

madoca! [U] ‘potztausend!’ ♦ Trent. (Ric­ majenacern [O] ‘Hackmaschine,


ci). Auch im Buch. zu hören, aber bei Fleischwolf’ ♦ Fass. Kompositum aus
Pellegrini/Masarei nicht verzeichnet. majenar ‘hacken’ + cern ‘Fleisch’

madocà [O] ‘schlecht gemacht oder majer/majerar [U] ‘den Flachs auf den
wenig appetitlich [von Speisen]’ Wiesen dörren, Flachs rösten’ ♦ Lat.
macerāre ‘mürbe machen’ (REW
maeta [O] ‘Heftelmütterchen, Unterhemd’ 5203) wie it. macerare ‘Hanf rösten’.
♦ It. maglietta. Vgl. → maia.
malagràzia [U] ‘Ungeschicklichkeit, Un­
maginar [U] ‘einbilden, erdenken, er­ höflichkeit, Grobheit’ ♦ Kombination
sinnen’ ♦ Sollte wie imaginèr im EWD aus mal ‘schlecht’ und grazia ‘Höflich­
unter imaginé stehen. keit’.

màgine [U] ‘Heiligenbild’ ♦ Sollte im malandrot [U] ‘verschlagener Mensch,


EWD unter imàgine ‘Bild, Ebenbild’ schlaue Person’ ♦ Ist im EWD wohl am
stehen (wie fass. imagine ‘Gemälde’). Besten zu maladrìn ‘Straßenräuber’ zu

146
stellen (mit Suffixwechsel!). oder Hürden treiben zum Nächtigen’,
mandrez [U] ‘Ort, an dem eine
malignaza! [U] ‘potztausend!’ ♦ Laut mandra steht oder stand’, mandric [O]
Faré (5260) handelt es sich bei malgi­ ‘Weidenzone’
naza bzw. malignanza um “adattazioni
e alterazioni eufoniche del merid. manducar [U] ‘mümmeln, kauen, essen
malannaggia, [REW] 487 [annus wie eine zahnlose Person’ ♦ Buchwort,
‘Jahr’], che si ode a Milano nella sua lat. manducāre ‘kauen’. ► B manduca
schietta forma”.
manezin [O] ‘[ant.:] Ärmelschoner aus
malòforo [U] ‘Schuft’ ♦ Zu lat. malus farbiger Wolle, die von Frauen
‘schlecht’ (REW 5273). verwendet wird, um den Unterarm zu
bedecken’ ♦ It. manichino bzw. nordit.
malstechen [U] ‘Malstock’ ♦ Tir. (vgl. Variante.
stekkn bei Schatz 600).
manfrina [U] ‘[alter Volkstanz]’ ► G
mamaluch [U] ‘Mameluk, Blödling’ ♦ It. munfrina
mammalucco.
manganel [U] ‘Stock, der zum Aufdrehen
mamol inv. [U] ‘biegsam, elastisch, nach­ des Kalanders dient; Knüttel, Knebel’ ♦
giebig, flaumig’ ♦ Metaphorisch zu Arab. mánganum ‘Schleuder’ (REW
ven. mamolo ‘dumm’ (kindersprachli­ 5297) (wie pad. manganel ‘Mangel­
chen Ursprungs, DEVI, Prati 1968: holz, Dreschflegel’).
94)?  mamolar [U] ‘nachgeben;
murmeln, murmelnd essen’ manghen [U], [O] ‘Mange, Kalander
(z.B. Heuwagen, um die Heustricke
manar [U], manèr [O] ‘schicken, senden, aufzuwinden)’ ♦ Wohl mhd. mange
übersenden, melden’ ♦ Lat. mandare. (BMZ II,1: 60f.); nicht tir. mąng
► B mané (Schatz 412), da sonst im Fass. o zu
erwarten wäre. Vgl. dagegen → mong­
mandat [U] ‘Mandat, Anweisung, Auf­ hener. ► B mënghen  manghenar
trag’ ♦ Germanismus bzw. Italianis­ [U] ‘mangen, den Kalander aufwinden’
mus. Auch buch., bei Pellegrini/Masa­
rei nicht verzeichnet. manoie sm. [U], [O] ‘ungefähr eine halbe
Garbe (vor dem Dreschen)’ ♦ Sollte im
mandatar [U] ‘Mandatar, Bevoll­ EWD unter manòdl ‘Flachsbündel’
mächtiger’ ♦ Germanismus. stehen. Letztendlich zu màn ‘Hand’
(im Sinne einer Maßeinheit) (Gsell
mandolin [O] ‘Mandoline’ ♦ It. mandoli­ 1990a: 122).
no. Auch buch., fehlt aber bei Pelle­
grini. manonder [O] ‘umher, herum’ ► G
amanonder, B
mandra [U], [O] ‘Pferch; Hütte; einge­
zäunter Platz, wohin das Vieh während manota [O] ‘Händchen’ ♦ Ließe sich im
der Nacht getrieben wird; manchmal EWD als Ableitung unter màn ‘Hand’
befindet sich dort auch ein höchst einordnen.
primitiver Stall dabei’ ► G 
mandrar [U] ‘das Vieh in die Pferche manscest [O] ‘Manschette’ ♦ Dt. Man­

147
schette. rìn ‘Straßenräuber’ (wie gad. marcadët
‘boshaft’).
mansest [U]; mansèster [O] ‘Manchester,
gepresster Samt (Männeranzüge)’ ► G marcar [U] ‘markieren, merken, anzeich­
mansester nen, bezeichnen, vorstellen, abstem­
peln’ ♦ It. marcare (Zanotti 1990: 106).
mantech [O] ‘Blasebalg’ ♦ It. mantice ► B marché
bzw. nordit. Variante.
marcolfo [U] ‘unmanierlicher, ungebilde­
maoch [U], [O] ‘Wäscheprügel; Starr­ ter Mensch’ ♦ Marculfus ‘[Eigen­
kopf’ ► G maioch name]’ (REW 5346a) (vgl. z.B.
romagn. markolf ‘einfältig’).
maoren [U] ‘volljährig, mündig’ ♦ Zu lat.
maior ‘größer’ (REW 5247)? marengo [O] ‘Marengo (Geldmünze des
19. Jh., 20 Lire)’ ♦ It. marengo.
mara [U] ‘Maurerhaue zum Mischen des
Kalkes’ marìgole! [O] ‘Donnerwetter!’ ♦ Sollte im
EWD als Ableitung unter marìta ‘dito’
maraghin [U] ‘Napoleon d’or; Goldfink’ stehen (wie fass. marije).

marangon [U], [O] ‘Zimmermann’ ♦ marinar [U] ‘Matrose, Seemann, Schif­


Venetismus, von lat. mergus ‘Taucher, fer’ ♦ It. marinaio mit Ladinisierung.
Rebsenker’, REW 5528): “vene dal
fatto che i maestri d’ascia si tuffavano marisena [O] ‘sumpfige Wiese’ ♦ Von
per riparare le carene delle navi” einer germanischen Variante zu fränk.
(DEVI). Von dort aus auch nach *marisk- ‘Sumpf’ (REW 5360a).
Graubünden (vgl. HWR I: 463).  ma­
rangona [U], [O] ‘Zimmermannsaxt’ marmaa [O] ‘Gesindel’ ♦ It. marmaglia.
► G marmaia
marasca [U] ‘Weichselholz’ ♦ Zu amarus
‘bitter’ (REW 406), welches dann zu­ marochin [U] ‘Marochin, rotes Leder’ ♦
nächst zur Bezeichnung der Weichsel It. (cuoio) marocchino.
(vgl. auch dt. Sauerkirsche) gedient
hätte.  maraschin [O] ‘Maraschino, marodech [U] ‘marod, unpässlich’ ♦ Dt.
Weichselkirschlikör’ marod (Elwert 1943: 195; DIDE 272)
mit lad. Suffixerweiterung (die auch
marascon [U], [O] ‘Maske, die Mas­ zur Wiedergabe von dt. -ig dient). Za­
kengesellschaft in den Häusern an­ notti (1990: 106) zieht dagegen eine
meldet [er ist über und über mit Glo­ These Pellegrinis vor, von tir. marod
cken behangen]’ ♦ Wohl zu arab. mas­ (Schöpf 424) über agord. maròde aus­
kara ‘Possenreißer’ (REW 5394) mit zugehen. Neben marodech gibt es in
Metathese (vgl. it. maschera ‘Maske’). Fassa auch die Variante marot (Hin­
weis Fabio Chiocchetti). ► B marot
maraut [O] ‘noch nicht getrockneter Heu­
häufchen auf den Wiesen’ ► G maruc marodel/marudel [O] ‘noch nicht ge­
trockneter Heuhaufen, der sich auf den
marcadota! [U] ‘potztausend!’ ♦ Sollte Wiesen anhäuft’ ♦ Vgl. dazu auch ma­
im EWD als Ableitung unter maland­ raut sowie ven. marognel ‘Heuhaufen

148
auf der Wiese’ (DEVI). ► G maruc
masćio [U] ‘männlich, mannhaft; Männ­
maron/baron [U] ‘Gewühl, Unterein­ chen, Eber’; [O] ‘männlich’ ♦ Venetis­
ander, Dummheit, Fehler, Großtat’ ♦ mus (DEVI).  masćia [U] ‘un­
Ven. far maron ‘tradirsi, sbagliarsi’ zu tersetztes, kräftiges Weibsbild; Mann­
maron ‘Marone; maronenfarbig’ (< weib’
vorlat. *marro ‘Kastanie’, REW 5375)
(vgl. auch frz. être marron ‘dumm massacra/masciacro [U] ‘Gemetzel, Nie­
sein’). Ob die Variante mit b- einfach derlage, Verwüstung’ ♦ Ließe sich im
nur auf Dissmiliation beruht, ist noch EWD als Ableitung unter massacrè
zu klären. ‘massakrieren’ einordnen.

maron! [U] ‘[Ausdruck der massarirn: far massarirn [U] ‘massa­


Verwunderung!]’ ♦ Wohl zu vorigem rieren, malen’ ♦ Tir.
Eintrag.
mastauz [O] ‘Mischung, Speise aus meh­
mars [U] ‘mager’ ♦ Gehört zu gad. mêrz reren unterschiedlichen Ingredenzien’
‘mager (Boden)’, welches im EWD zu
mêrz ‘März’ gestellt wird, was schon mastro [U] ‘braver und schöner Mann,
Gsell (1990a: 126, 1993b: 181) kri­ ordentlicher schöner Mensch’
tisiert. (Evtl. aus südslaw. mršav
‘mager, dürr’, vgl. Gsell 1993b: 181). matana [U] ‘Kopfkatarrh’ ♦ Ließe sich im
EWD als Ableitung unter màt ‘när­
marter [U] ‘Marter, Quälerei’ ♦ Dt. risch’ einordnen.
Marter.
matematich/matematico [O] ‘sonderbar’
martin [U] ‘schwerer Hammer, Ramm­ ♦ Italianismus.
klotz, Pilotenhammer; Tölpel’ ♦ Sollte
im EWD unter martél ‘Hammer’ maton [U], [O] ‘großer Narr’ ♦ Ließe sich
stehen (mit Suffixwechsel). im EWD als Ableitung unter màt ‘när­
risch’ einordnen.
martina! [U] ‘mein Gott!’ ♦ Verballhor­
nung zur Vermeidung von dì ‘Gott’. matonac [O] ‘Drohne, Hummel’ ♦ Ließe
sich im EWD als Ableitung unter
marudel [U], [O] ‘kleiner Heuhaufen, der matùn ‘Drohne’ einordnen. Hier liegt
gemacht wird, wenn man einen Regen ein Venetismus mit lad. Suffixerweite­
befürchtet [nachdem die Gefahr vor­ rung vor (Elwert 1943: 169, Gsell
über ist, wird das Gras wieder zum 1990a: 124).
Trocknen ausgebreitet]’ → marodel
matrecol [O] ‘sonderbar’ ♦ Im EWD zu
mascera [O] ‘Hausfrau, Hausgehilfin’ ♦ màt ‘närrisch’?
It. massaio mit Ladinisierung und Mo­
tion. matricola [U] ‘Matrikel’ ♦ Italianismus.

masciacro [O] ‘Massaker’ → masacra matrimònio [U] ‘Ehe, Heirat’ ♦ Italianis­


mus.
masciar [U] ‘Meier’ ♦ Norditalianismus
zu standardit. massaro. màuch/mauchie [U] ‘Fistel; Aiß am Hals

149
[das sehr gefährlich ist, weil es nicht sich wie Beeren ineinander verwirren,
nach außen aufbricht, sondern ge­ einmachen, zusammendrücken (wie
schnitten werden muss]’; [O] ‘Beule, Beeren), beieinander sein’
Furunkel’ ► G mauch
mbrojar [U] ‘berußen, rußigen’ ♦ Wohl
mauz [U] ‘wertlos, unnütz, nichts wert’ mit fass. bružàr ‘brennen, verbrennen,
entbrennen, sengen’ im EWD zu burjé
mazapùlesc [O] ‘Daumen’ ► G ‘brennen; verbrennen’.

mazocol [U] ‘Schlägel, Kolben, Blüten­ medeat [O] ‘Augenblick’ ♦ It. immediato.
knospe, Dummkopf’ ♦ Gehören die Be­
deutungen wirklich alle zu einem Ein­ medel [U] ‘Kochhütte’ ► G
trag. Bei letzterem könnte man eine
Ableitung zu mat ‘dumm, närrisch’ medil [O] ‘Hintergrund von Brettern, auf
denken, bei den ersten dreien dagegen denen die “meida” vom Heu aufge­
an eine Ableitung zu maza ‘Stock’ (vgl. schichtet wird’ ♦ Zu → meida; vgl. frl.
EWD màza ‘Stock, Stab, Stiel, Hahn’). medil ‘Mittelstange des Heuhaufens’
(Elwert 1943: 176). Sekundär zu →
mazulca [U]; mazurca [O] ‘Mazurka’ ♦ medel ‘Kochhütte’?
It. oder dt.
medion [U]; medeon [O] ‘Kragstein, ho­
mbacucar [U] ‘einrollen, fest einwickeln, rizontaler Tragbalken für den Balkon’ ♦
einmummeln’ ♦ It. imbacuccare. ► B Lat. materium ‘Balken’ (REW 5409)
mabacuché (Tagliavini 1934: 193). Noch im Alt­
pad. und Altit. sowie in franko­
mbarazar [U] ‘verlegen sein’ ♦ It. [esse­ romanischen Mundarten.
re] imbarazzato.
mei [U] ‘Meile; Hirse’ ♦ Die beiden Be­
mbastear [U] ‘verdrießen, betrüben, deutungen gehören nicht zu demselben
missfallen’; se imbasteèr [O] ‘sich Lexem. mei ‘Meile’ ist auf lat. mīlle/
ärgern, wütend werden’ mīlia ‘tausend’ (REW 5573) zurück­
zuführen, während mei ‘Hirse’ eine
mbastir [U] ‘heften, einschlagen (Tuch), Tochterform von milium ‘dito’ (REW
einleiten’ ♦ Sollte im EWD als Ab­ 5572) ist.
leitung unter bàst ‘Lastensattel; Rück­
entrage’ stehen (wie gad. imbastì ‘an­ meida [U], [O] ‘großer Heuhaufen vor
heften’). dem Aufladen; Heuschober auf Alpen,
wo kein Stadel ist’ ♦ Lat. mēta ‘Säule’
mboar [U] / imboèr [O] ‘anschwellen (REW 5548) (Elwert 1943: 44). Im
[dürres Holz, wenn es feucht und nass Buch. gibt es die Wendung mëda de
wird]’ ► G mbué, B mboé fen ‘Heuhafen’.

mbotir [U] ‘auswattieren’ ♦ It. imbottire. mela [U], [O] ‘Klinge’ ♦ Sollte im EWD
► B mbotí  imbotida [O] ‘Bettde­ als Ableitung unter lamela ‘dito’ stehen
cke, Leichentuch, Steppdecke aus (wie gad. lamela) (Elwert 1943: 102,
(Baum-)Wolle’ Pallabazzer 1980: 70). Elwerts (1943:
230) Ansicht, dass es sich im Fass. um
mbozolar [U] ‘einwickeln, einpuppen, einen Padanismus handelt, scheint un­

150
nötig. ► B cano.

melaur [U]; melaur/melor [O] ‘Schatz, mercola [U], [O] ‘Merkzeichen, Denkzei­
Glück und Reichtum, Wohlergehen’ ♦ chen, Merkmal’ ♦ Zu trent. marcare,
Gemäß Pallabazzer (1980: 70) von fr. marca ‘marchio’ (Elwert 1943: 173).
milord (< engl. my lord). Besser ist
aber wohl Mazzels These der Kombi­ mero [U] ‘nur, allein, bloß’ ♦ Lat. merus
nation aus lat. melis und aurum (Maz­ ‘rein’ (REW 5535).
zel). ► B melor
merudel [O] → marudel
melif [U] ‘Backenstreich’
mesa [U] ‘Hälfte’ ♦ Lat. media ‘Mitte,
melissa/melissia [U] ‘Melissenpflanze’ ♦ Hälfte’ (Elwert 1943: 95). ► B  me­
Italianismus. ► B samania [U] ‘Armstutzen, Halbärmel’,
mesemans della Madonna [U] ‘An­
melodia [U] ‘Melodie, Wohlklang’ ♦ thyllis spez.’, mesora [U] ‘halbe
Italianismus. Stunde’ ► B mesemania

meltatarà [O] ‘schlecht gekleidet, unge­ mesacouda [O] ‘die Federn vom Schwanz
ordnet’ ♦ Zu ven. tararare ‘compiere eines Bergfasans, den die jungen Leute
cose di poco conto; toccare per malvez­ auf ihre Hüte befestigten’ ♦ Zu­
zo questa o quella cosa’ (DEVI). sammensetzung aus mesa ‘Hälfte’ und
couda ‘Schwanz’.
melvidà [O] ‘schlecht gekleidet, un­
ordentlich’ → malvidà messa [O] ‘Messe’ ♦ Italianismus.

memoria [U] ‘Gedächtnis’ ♦ Sollte im messo [O] ‘Gerichtsdiener’ ♦ Italianismus.


EWD unter memòria stehen, wo auch
die oberfass. Form verzeichnet ist. meta [U] ‘trockene Erdmuhre, Erdabrut­
schung’ ♦ Im REW ist ein germ. motta
mena [U] ‘Miene, Finte, Anschein’ ♦ Dt. ‘Erdhaufen’ (REW 5702) verzeichnet.
Miene mit sekundärer Anbindung an Es lässt sich aber auch von einem vor­
menar ‘führen, bringen, herbeiführen, röm. *mutt- ‘Bodenerhebung’ (REW
leiten, treiben, rühren, rütteln’.  5785a; Grzega 2001: 212f.) ausgehen.
menes [O] ‘Finte’ Eigenartig ist freilich der Vokalismus.

méndola [U] ‘Spitze der Peitschenschnur, meticolous [O] ‘peinlich genau’ ♦ It. me­
zugespitztes Ende einer Schnur’ ♦ Lat. ticoloso.
mentula ‘männliches Glied’ (REW
5513). mevous [U] ‘rührend, beweglich’ ♦ Zu lat.
movere ‘bewegen’ (REW 5703).
menomal [U] ‘mittelmäßig, ziemlich gut’
meza [U] ‘Hebel an der Binderbank’
menoren [U] ‘minderjährig, unmündig’ ♦
Ließe sich im EWD als Ableitung unter mic [U] ‘Samen mit Haar’ ♦ Zu lat. mīca
mëinder ‘kleiner, jünger’ einordnen. ‘Krümchen’ (REW 5559).  mices pl.
[U] ‘die Früchte (aller Pflanzen), wel­
merican [O] ‘amerikanisch’ ♦ It. ameri­ che behaarte Samen haben und vom

151
Winde leicht verweht werden [z.B. Lö­ mingolar [U] ‘verkleinern, abbröckeln,
wenzahn]’ kleinweise zusammensuchen’ ♦ Gemäß
Elwert (1943: 103) zu trent. migol
micia [U], [O] ‘Lunte’ ♦ It. miccia. ► B (Ricci 269), von lat. mīcula ‘Krüm­
chen’ (REW 5564): “Das epenthetische
miciocol [U] ‘noch hellgrüner Trieb n begegnet auch in lomb. minga
[besonders bei Nadelbäumen], Weiden­ ‘mica’”.
kätzchen’ ♦ Die Bedeutung ‘Weiden­
kätzchen’ und seine deutsche metapho­ miscionarie [O] ‘Missionar’ ♦ Padanis­
rische Bezeichnung lassen eine Ab­ mus (zu standardit. missionario). Im
leitung von mi- ‘[Rufform für die Buch. gibt es auch die Form miscionar,
Katze]’ (REW 5557) hinter dem die aber bei Pellegrini/Masarei nicht
fassanischen Wort vermuten. ► B mi­ verzeichnet ist.
cio
misc-masc [O] ‘Gemisch, Mischung,
miei pl. [U] ‘kleine kalkartige Kugeln im Mischmasch’ ♦ Germanismus (evtl.
Fleisch, die Würmer enthalten’ ♦ Lat. über Nordostitalien) (Gsell 1990a:
mīcula ‘Krümchen’ (REW 5564) (wie 127f.); gemäß Gsell auch im Gadertal
eng. miel ‘dito’). und in Gröden heimisch (vgl. auch Za­
notti 1990: 107). ► B
migliara [U] ‘eine Art Russelen’
misericordia [U] ‘Barmherzigkeit’ ♦
mignela/minela [U]; mignela [O] ‘0,34 Italianismus oder eigener Latinismus.
Liter’ ♦ Zu grch. hemīna ‘[Art Hohl­
maß]’ (REW 4105) (vgl. sulzberg. mistier [U] ‘Mysterium [relig.]’ ♦ Sollte
mineta ‘[Getreidemaß]’). im EWD unter mistére ‘dito’ stehen
(wie fass. mistero) (Elwert 1943: 230).
mignol [O] ‘kleiner Finger’ ♦ Ableitung ► B mistero
zu lat. minor ‘kleiner’.
mistura [O] ‘Mischung, Gemisch’ ► G
mijoca [U] ‘Betschwester, Heuchlerin’ mestura

militare sm. [U] ‘Militär, Soldat’ ♦ It. miz [U], [O] ‘speckig [Teigspeisen; man
militario. sagt so von einem wenig aufge­
gangenen und daher hart und beinahe
mìmio [U] ‘mimiumrot’ ♦ It. minio mit ungenießbaren Brot], schlaff, welk,
Assimilation. überreif, weich’ ♦ Lat. *mītius ‘welk,
überreif’ (REW 5614, Faré). In ganz
mina [U] ‘Mine’ ♦ Italianismus oder dt. Norditalien verbreitet. ► (B mizich?)
Mine mit Ladinisierung. ► B
mizàgoi/mizàtoi pl. [U] ‘Friegelensuppe
minar [U] ‘minieren, untergraben’ ♦ Gall. mit hineingeschnittenen Rüben’
meina ‘rohes Metall’ (REW 5465;
Grzega 2001: 206). Auch buch., aber moa [U], [O] ‘auffallend tiefe Stelle im
bei Pellegrini/Masarei nicht verzeich­ Wasser’ Elwert gibt als Bedeutung
net.  minador [U] ‘Minier, Berg­ ‘feuchter Grund’ an und führt das Wort
mann’ somit folgerichtig auf lat. *mollia
‘feucht’ (REW 5649) zurück.

152
Mus kann aus lautlichen Gründen kaum
moal [U] ‘großer Trog, Schleifsteintrog’ ♦ daherstecken. ► B
Zu lat. mola ‘Mühlstein’ (REW 5641)
bzw. molere ‘mahlen’ (REW 5642). mòjina [U] ‘Sparbüchse, Almosenbüchse’
♦ Buchwort, lat. eleēmosyna
moat [U] ‘wohlhabend, reich; Reichtum, ‘Almosen’. ► B elemòjina
Überfluss, Menge’ ♦ Sollte im EWD
unter möt ‘Wohlstand’ stehen. molejin [U], [O] ‘weich, weichlich, bieg­
sam, mild’ ♦ Ließe sich im EWD als
mocar [U] ‘abstumpfen, Licht mit der Ableitung unter mòl ‘nass’ einordnen.
Lichtschere oder dem Finger putzen,
zustutzen’; se la mochèr [O] ‘sich aus molena [U] ‘Schlappschwanz’ ♦ Ließe
dem Staub machen’ ♦ Sollte im EWD sich im EWD als Ableitung unter mòl
als Ableitung unter móch ‘Stummel, ‘nass ; (weich)’ einordnen.
Docht’ stehen (wie grödn. mochè ‘ab­
stumpfen’). ► (B mocol) molenda [U] ‘Mahlgebühr für das Mah­
len’ ♦ Zu lat. molīnāre ‘mahlen’ (vgl.
moder [U] ‘[ant.:] Dachstuhl’ ♦ Ist im REW 5643, 5644).
EWD evtl. zu müdl ‘Heuschober’ zu
stellen. molerchie [O] ‘jemand, der Dinge nicht
gut gemacht hat’
moel [O] ‘großer Kasten mit dem Wasser
für den Schleifstein’ → moal molestar [U]; molestèr [O] ‘belästigen,
quälen’ ► G mulesté, F molesté
moet [U] ‘verschroben, fröhlich und mun­
ter, lustig/verrückt; Fröhlichkeit, Lust monch [U] ‘verstümmelt; stumpfer Finger
und Liebe, Anlage, Vermögen’ → (ohne Fingerspitze)’ ♦ Zusammenhang
moat mit EWD-Lemma munché ‘an etwas
schwer herumkauen’ (tir. munggn
mofar [U]; mofèr [O] ‘schnüffeln, spü­ ‘langsam oder zahnlos kauen’)? 
ren’ ♦ Wohl onomatopoetischer Natur. moncar [U] ‘verstümmeln, abtrennen,
abschneiden’
mogol [O] ‘Schuft, Schelm’ ♦ Im EWD
evtl. zu mùgo ‘kurzohrig’ (< lat. *mu­ mones del col [O] ‘Halssehne’ ♦ Fass. Zu­
culus ‘gestutzt, verstümmelt, stumpf’)? sammensetzung.

mòine pl. [U] ‘Schmeichelei, Liebkosung’ monghenèr [O] ‘glätten, glänzend ma­
♦ Ist wohl im EWD am Besten zu chen, herausputzen’ ♦ Vgl. zur Etymo­
menìna ‘Liebkosung’ zu stellen. ► B logie auch → manghen. ► G mung­
hené
moja [U] ‘Papp, Kindermus, Schuster­
papp’ ♦ Wohl aus dem Veneto oder mongol [O] ‘einfache Rolle aus Stein oder
Trentino. Vgl. ven. mòsa ‘pappa di latte rundem Holz, mit flachem Untergrund
e farina di granoturc condita con burro und Stielende zum Bügeln der Nähte
e formaggio; uomo lento, irresoluto’ von Kleidungsstücken’ ♦ Tir. mąngl
(DEVI 311, Prati 1968: 108), trent. (Schatz 412).
mòs%a ‘farinata; pappa (de’ bambini)’
(Ricci). Ist unbekannter Herkunft. Dt. montèr [O] ‘Monteur’ ♦ Mazzel verweist

153
auf dt. Monteur (vgl. auch Zanotti morsa/smorsa [O] ‘eiserner Schraub­
1990: 108). stock’ → smorsa

mora [U] ‘Moraspiel, Brombeere’; [O] mórtoi/martoi [U] ‘Benne [d.i. Art Korb]
‘Moraspiel’ ♦ Die beiden Bedeutungen mit vielen tausend feurigen Augen [sie
scheinen mir nicht zusammenzugehö­ kann sich turmhoch erheben und wird
ren. Die Beerenbezeichnung geht auf dabei immer dünner und dünner]’
lat. mōra ‘dito’ (REW 5696) zurück
(vgl. auch Merkens 1956: 91). Die moschéta [U] ‘Fliegenbart (unter der Un­
Herkunft des Spielnamens ist mir nicht terlippe)’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
klar.  moré [U] ‘Brombeerpflanze, leitung unter móscia ‘Fliege’ einord­
Brombeeren’ nen.

morbech [U] ‘biegsam, weich, weichlich, moscheda/nousc mouschèda [O] ‘Mus­


nass, sanft’; morbe/morbech [O] katnuss’ ♦ It. moscata mit
‘frühreif [5- bis 6-monatige Kälber]’ ♦ Ladinisierung.
Dt. morbid mit Suffixwechsel.
mòscoi pl. [U] ‘Mückenschwärme’ ♦
morc sg./pl. [U] ‘kleine Hügel in den Ließe sich im EWD als Ableitung unter
Wiesen; Fläche mit zerstreuten Grasfle­ móscia ‘Fliege’ einordnen.
cken, wenn dazwischen nichts wächst’
moscola [U] ‘große Schwarzbeere’
morcia [U] ‘Bodensatz beim Auslassen
der Butter’ ♦ Lat. amurca ‘Ölschaum’ mosì [U] ‘[ant.] Sonnenstand zur Mittags­
(REW 433) (Elwert 1943: 101). Ver­ zeit’
gleiche dazu den Hinweis im EWD
(IV: 458). mostazèr [O] ‘watschen’ ♦ Wie ven.
mostacio ‘dito’ zu lat. mustacium ‘dito’
morcil/morcel (pl. morcie) [U] ‘unbe­ (DEVI 313).  mostazon [U] ‘Ba­
hauener Baumstamm; Verknüpfungs­ ckenstreich, Maulschelle’; mostazada
balken, der zur Zusammenfügung eines [U], mostazèda [O] ‘Backenstreich,
Blockhauses, Sennhütte etc. dient’; [O] Maulschelle, Watschen’
‘Stamm einer Tanne zum Bau von
Berghütten und antiken Heuschobern mota [U], [O] ‘Haufen, Menge’ ♦ Vorlat.
im Tal’  morceladura [U] ‘Verknüp­ *mutt- ‘Bodenerhebung’ (REW 5785a,
fung von Balken [wie bei Alpenhütten, Grzega 2001: 212f.).  motera [U]
Blockhäuser], Blockhausbau’ ‘große Menge’

morincol [U] ‘Sanddorn [die grünen moza [U], [O] ‘(dichter, drückender)
Knospen – bevor sie austreiben – Nebel’ ♦ Laut Heilmann (1980: 70) von
werden von Kindern sehr gern gege­ einem lat. *mutea ‘?’.  mózera [U]
ssen und die reifen Beeren dienen zum ‘starker Nebel’
Scheuern des Metallgeschirrs (bes.
Kupfergeschirr)]’ mpassir [U] ‘eindörren, eintrocknen,
abwelken, verdorren, hart werden
moróide sf.pl. [U] ‘Hämorrhoiden’ ♦ Dt. [Brot]’ ♦ Ableitung zu lat. passus
Hämorrhoiden mit Aphärese. ‘verwelkt’ (REW 6270).

154
mpatinar [U] ‘sich schön und herrisch mucer [O] ‘anstacheln, anreizen, stimu­
kleiden [ant.]; [heute:] Flecken aufnä­ lieren; wählen, auswählen’ ♦ Trent.
hen’; impatinèr [O] ‘Creme auf die muciar ‘anstacheln, reizen’ (Ricci).
Schuhe auftragen’ ♦ Ließe sich im
EWD als Ableitung unter patüc ‘Stoff, much [U] ‘abgestumpft, hörnerlos [wenn
Tuch’ einordnen. das Vieh sich die Hörner abgestoßen
hat]’; [O] ‘unwissend, zotig’ ♦ Vorlat.
mpeà: lat mpeà [U] ‘saure Milch’ cf. peà *mutt- ‘stumpf’ (REW 5788, Grzega
2001: 213).
mpeciar [U] ‘versündigen’ ♦ Ließe sich
im EWD als Ableitung unter pićé much: vacia muca [U] ‘schwarze (dun­
‘Sünde’ einordnen. kelfärbige) Kuh’

se mpetar [U] ‘sich täuschen’ muc-muc [U] ‘[Ruf- und Kosenamen für
Schweine]’ ♦ Expressiven bzw. laut­
mpetolar [U] ‘verwickeln, verwirren, malerischen Ursprungs.
verstricken, festhalten, anpicken’ ♦ Zur
Etymologie vgl. → petolar. ► (B mucignar [U] ‘beschmutzen, besch­
mpeté) mieren’ ♦ Ableitung zu dt. Schmutz?
Im EWD evtl. zu smuzighé.  muci­
mpiaster [U] ‘Pflaster’ ♦ Norditalianis­ gnous [U] ‘schmutzig’
mus?  mpiastrar [U] ‘bepflastern’
mula [U] ‘hörnerlose Ziege’ ♦ Entweder
mpigolar su [U] ‘hinaufklettern’ zu vorlat. *mutt- ‘stumpf’ (REW 5788;
Grzega 2001: 223) oder zu kelt. *multo
mpilar [U] ‘aufhäufen, anhäufen’ ♦ Sollte ‘Hammel’ (REW 5739; Grzega 2001:
im EWD als Ableitung unter pìra ‘Sta­ 210ff.) bzw. Kreuzung der beiden Ety­
pel’ stehen (wie buch. mpilé ‘Holz auf­ ma. Hubschmid (1950b: 41) konstruiert
schichten’). ein illyr. *mūllo- ‘ungehörnt’, was auf­
grund der unsicheren Position eines il­
mpiolar [U] ‘sprossen, keimen [Feld­ lyrischen Substrats nicht überzeugend
früchte im Aufbewahrungsort, wenn sie sein kann.
Wärme bekommen]’
municipio/munizipio [O] ‘Rathaus’ ♦ It.
mport [U] ‘Betrag, Import, Einfuhr’ ♦ Dt. municipio.
Import oder it. importo mit Ladini­
sierung. muscia [U] ‘Eselin; Muslholz; kleiner
Heuhaufen; langgestreckter Ofen; klei­
mportanza [U] ‘Wichtigkeit’ ♦ Sollte im ne Bergfuhre (Heu); letzte Heufuhre;
EWD wie die entsprechenden übrigen Wasserross; große Schwarzbeeren’; [O]
ladinischen Varianten unter importè ‘großer Ofen aus Mauerarbeit, den man
stehen. in der “stua” benutzt’ ♦ ‘Eselin’ steht
im EWD unter müsc. Dazu gehört wohl
mpreja [U] / impreja [O] ‘(staatliche) auch die Bedeutung ‘Wasserross’. Dier
Unternehmung’ ♦ Norditalianismus (zu Bedeutung ‘große Schwarzbeeren’ ge­
standardit. impresa).  imprejario [O] hört zum EWD-Lemma müscia
‘Unternehmen’ ‘Sumpfheidelbeere’. Die Bedeutungen
‘Muslholz’, ‘Heuhaufen’, ‘Ofen’ sind

155
etymologisch ebenfalls zu trennen.
nascia [U] ‘Fischreuse’ ♦ Venetismus (<
muscol [U] ‘Muskel’ ♦ It. muscolo.  lat. nassa ‘Reuse’, REW 5838).
muscoli pl. [U] ‘zerraufte rauhe Haut
am Bauch der Tiere’ nascorjer [U] ‘(be)merken’ ♦ Wie ascor­
jer im EWD zu acòrt.
musdina! [U] ‘potztausend! mein Gott!’ ♦
Verballhornung zur Vermeidung von nasela [U] ‘Nüster’ ♦ Ließe sich im EWD
dì. Vgl. → martina. als Ableitung unter nès ‘Nase’ einord­
nen.
mut [U], [O] ‘stumm, still’ ♦ Lat. mūtus
‘stumm’ (REW 5798) (Tagliavini nat [U] ‘geboren, entstammend’ ♦ Lat.
1934: 218). ► B natus ‘geboren’ (REW 5851).

muzar [U] ‘beschmutzen, beschmieren’ ♦ navigar [U] ‘Schiff fahren’ ♦ It. navigare.
Im EWD evtl. unter smuzighé ‘dito’.
nbirlà [U] ‘konfus’
N
ncapotar [U] ‘verhaften, einsperren, in
naa [U] ‘Sippe, Menschenmasse’; [O] Arrest setzen’ ► B ncapoté
‘Wert oder Nichtwert einer entspre­
chenden Generation, Vererbung, Erb­ ncassar [U] ‘einbringen [dann in Kisten
lichkeit’ verpacken]’  ncassament [U] ‘Ein­
treibung, Einkassierung’
nabech: nut e nabech [U], [O] ‘ganz
nackt’ ♦ Dt. tir. nackig mit Suffixwech­ ncerar [U] ‘einwachsen’ ♦ Sollte im
sel.  anternàbech [O] ‘nackt, entblö­ EWD als Ableitung unter cëra ‘Wachs’
ßt, weder leer noch voll’ stehen (wie etwa buch. nceré ‘dito’).

naf sf. [U] ‘Schiff’ ♦ Lat. navis ‘dito’ ncercenar [U] ‘umkreisen’ ♦ Sollte im
(REW 5863). EWD als Ableitung unter cërcenè ‘um­
geben’ stehen (wie etwa buch ncercené
nagolier [U] ‘Ofenkrücke’ ‘einkreisen’).

nagolir [U] ‘lindern, mildern’ ncerciar [U] ‘bereifen’ ► G ncertlé

naia [U] ‘Rekrutenabrichtung, Militär­ ncerumar [U] ‘(Faden) einwachsen’ ♦


dienst’ ♦ Wohl Padanismus (< lat. Ließe sich im EWD als Ableitung unter
natalia, DEVI 318). ► B cëra ‘Wachs’ einordnen.  ncerum
[U] ‘Wachs zum Einwachsen des
nan [U] ‘wackelnd’ ♦ Wohl zum Lallwort Fadens’
nanna (REW 5817), von welchem auch
Wörter wie ‘wiegen’ abzuleiten sind. nchiòster [U] ‘Tinte’ ♦ It. inchiostro
(Tagliavini 1934: 155).
nancar/nanchenar [U] ‘meckern, beläs­
tigen, etwas erzwingen wollen, zu­ nciapedir [U] ‘einnicken, schlummern,
dringlich sein, etwas durchaus an­ beginnen’ → ciampedir
streben’ ♦ Expressiver Herkunft?

156
nciaredir [U] ‘verteuern’ ♦ Ließe sich im → inderno
EWD als Ableitung unter ćèr ‘teuer’
einordnen. ndertant [U] ‘unterdessen, mittlerweile’ ♦
Zusammensetzung aus in + der(t)
nciodar [U] ‘nageln, vernageln, annageln’ ‘recht’ + ntant ‘unterdessen’.
♦ Ließe sich im EWD als Ableitung un­
ter tlàlt ‘Nagel’ einordnen. ndester [U] ‘vergeblich, nutzlos, um­
sonst’ ♦ Zu lat. dexter ‘rechts; gewandt’
nconear [U] ‘verkeilen, einkeilen, ver­ (REW 2618) mit privativem in-?
drießen’ ♦ Ableitung zu lat. cuneus
‘Keil’ (REW 2396). ndirao [U] / indirao [O] ‘es scheint’ ♦ In
Moena heißt es endirave.  te n ndi­
nconfront a [U] ‘im Vergleich zu’ ♦ It. in rao [U] ‘unvermutet’
confronto a. ► B
ndizio [U] ‘Beweis, Anzeichen’ ♦ It. in­
ncozar [U] ‘besudeln, die Wäsche dizio.
schlecht waschen’ ♦ Man vergleiche
auch → scoz ‘Milchschaum, Bier­ ndorbir [U] ‘erblinden, verblenden,
schaum’, fass. coz ‘Schmutz, Schmutz­ blenden, blind machen’ ♦ Ableitung zu
kruste’. Wohl ven., letztendlich aber lat. orbus ‘blind’. → arbuir, endorbir,
unbekannter Herkunft (DEVI 119, Prati norbir.
1968: 50). ► B ncozé
ndormenzar/ndromenzar [U], indor­
ncronfear [U] ‘verkrampfen, erstarren, menzèr/indromenzèr [O] ‘einschlafen,
krampfhaft halten’ ♦ Ließe sich im einschlummern, einschläfern’ ♦ Ließe
EWD als Ableitung unter gràmf sich im EWD als Ableitung unter dor­
‘Krampf’ einordnen. mì ‘schlafen’ einordnen.  indro­
menzà [O] ‘schläfrig, träge, wenig
ncucar [U] ‘aufrecht stehenbleiben [von wach’
einem abgehackten Baum, der vom
Strunk gerutscht ist, aber nicht umfällt, ndotar [U] ‘dotieren, ausstatten, an­
weil ihn die anderen halten]’ treiben’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
leitung unter dòta ‘Mitgift’ einordnen.
ncunar [U] ‘abbiegen, beugen’ ♦ Zu lat.
cuna ‘Wiege’ (REW 2391)? nefa [U] ‘Betneffe, Betschwester’ ♦ Dt.
Neffe.
ndagar [U] ‘bewässern’ ♦ Zu lat. aqua
‘Wasser’ (REW 570). neigher [U], [O] ‘schwarz, dunkel; Neger’
♦ Lat. niger ‘schwarz’ (REW 5917);
ndana [U] ‘mittlerweile, während, auch im Comelico. Im Ladinischen In­
einstweilen, wie, als , unterdessen’ ♦ novation aus dem Süden (Tagliavini
Gemäß Prati (1968: 83) unbekannter 1934: 645, Elwert 1943: 230). ► B
Herkunft. Möglicherweise lat. in tantā.
nechetar [U] ‘erzürnen, necken; aufge­
ndardana/nderdana [U] ‘endlich, zu­ bracht sein’ ♦ Dt. tir. necken.
letzt’
nela-nela [U] ‘[Ruf- und Kosename für
nderno [U] ‘nutzlos, vergeblich, umsonst’ Schaf]’ ♦ Expressiven Ursprungs.

157
hen, anziehen = ziehen (wenn die Per­
nemanco [O] ‘auch nicht’ ♦ Italianismus. son oder das Tier ausgerastet ist)’ ♦ Im
EWD als Ableitung unter fùrćia
néo [U] ‘Muttermal, Leberfleck, kleine ‘Heugabel’ zu stellen (Hinweis Fabio
Menge [besonders von Flüssigkeiten]’ Chiocchetti). Die Variante mit -ca-
♦ It. neo (< lat. naevus ~ neus ‘Mut­ dürfte aus der Padania stammen (vgl.
termal’, REW 5807). z.B. bellun. trent. forca). ► (B
nfourcé?)
nerbe [U] ‘[ant.:] November’ ♦ Etymolo­
gie unklar. Merlo (1904) bietet kein nforenar [U] ‘einfahren [Pferde]’ ♦ Tir.
passendes Etymon. ainfâ*rn (vgl. Schatz 157).

nervous [O] ‘nervös’ ♦ Ließe sich im nfrizar [U] ‘mit Pfeilen beschießen’ ►
EWD als Ableitung unter nèrf ‘Nerv’ (B nfrizé?)
einordnen. Im Buchensteinischen liegt
ein klarer Italianismus vor. ► B ner­ nfugà [U] ‘fllüchtender Mensch, eilig da­
vojo her gelaufen (und noch schwitzend), er­
hitzt (von Laufen)’ ♦ Ließe sich im
nesci? [U] ‘nicht wahr?’ ♦ Zu­ EWD als Ableitung unter fugì ‘flüch­
sammensetzung aus ne ‘nicht’ + sci ten’ einordnen.
‘ja’. ► (B nòe ‘dito’)
nfumear [U] ‘räuchern, ausräuchern, sel­
nesciol [U] ‘sehr kleines Grundstück chen’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
(Wiese, Acker); klein’ leitung unter füm ‘Rauch’ einordnen.

nesciun [U], [O] ‘niemand, keiner’ ♦ nfunir [U] ‘anfressen, anpampfen, an­
Padanismus (für standardit. nessuno). stopfen [mit Essen]’

neto [U] ‘Netto’ ♦ It. netto. ngaidar [U] ‘viele Falten machen, falten
[bei Tuch, Kleidern usw.]’ → gaida
nezescario [U] ‘notwendig’ ♦ Padanismus
(zu standardit. necessario). ngaitar [U] ‘anspornen, aufstacheln, auf­
hetzen’ → gais
nfenjer [U] ‘anspornen, aufstacheln,
bitten, auffordern’ ♦ Lat. infingere ‘sich ngorsa [U] ‘Ungestüm, Heftigkeit,
vorstellen’ (REW 4402a). ► B nfenje Wucht, Wut’  ngorsà [U] / ingorsà
[O] ‘hitzig, ungestüm, heftig, wütend,
nfiamazion [U] ‘Entzündung’ ♦ wuchtig’, ngorsar [U] ‘Anlauf
Norditalianismus (zu standardit. in­ nehmen, um etwas auszuführen,
fiammzione). anlaufen; Anschwung nehmen; sich an­
schicken, anfeuern, reizen’
nfizar [U] ‘einfalten, einschlagen, zer­
knüllen’ ♦ Sollte im EWD als Ab­ ngres [U] ‘Aufmunterung, Stärkung, Zu­
leitung unter fìza ‘Falte’ stehen (wie fuhr, Erfrischung, Kraft’ → ingres
buch. nfizé).
niaciar [U] ‘(er)frieren’ ♦ Ließe sich im
nforcar/nforciar [U] ‘mit großem Eifer EWD als Ableitung unter dlàcia ‘Eis’
arbeiten, nach einer Rast schneidig ge­ einordnen.

158
hen’ ♦ Lat. initiāre ‘anfangen’ (REW
niàndola [U] ‘Blatterbse’ 4440) (Elwert 1943: 94). ► B inizié

niec [U] ‘Wollgras’ ♦ Zu nächstem Ein­ njuciar [U] ‘bewerfen, anwerfen, an­
trag? stoßen, anstänkern’ ♦ Zu lat. iactāre
‘werfen’ (REW 4568)?
niech [U] ‘weich, schlutzig, schlaff;
Schnecke’ ♦ Die Wörter sind nicht alle nlongia [U]; inlèngia/enlèngia [O]
zusammenzustellen. Die Adjektivbe­ ‘neben, längs’ ♦ Ließe sich im EWD
deutungen lassen sich vergleichen mit als Ableitung unter lùnch ‘lang’ einord­
eng. gnec ‘teigig, matt, schlaff’, ven. nen (wie gad. delongia ‘längs’).
(s)gneco (ungeklärter, vielleicht laut­
malerischer Herkunft, HWR I: 374, nol [U] ‘Mietfuhre; Fuhre, die in Un­
DEVI). Die Substantivbedeutung ist si­ glücksfällen geleistet wird’; [O] ‘Pacht,
cher auf tir. schnegg (Schatz 545) bzw. Miete’ ♦ It. nolo.  nolejar [U] ‘Miet­
nordit. sgnec(o) zurückzuführen. fuhre leisten; Fuhre, die in Unglücks­
fällen geleistet wird, machen’, nolejin
nignola [U], [O] ‘Eidechse’ ♦ Die moenat. [U] ‘kleiner nol; Fuhrmann’
Form lautet gnignola. Von lat. *ranio­
la ‘kleiner Frosch’ (Grzega 2002). nomea [O] ‘Ruf’ ♦ Ließe sich im EWD
als Ableitung unter nominé ‘nennen,
nigolous [O] ‘neblig’ ♦ Ließe sich im benennen’
EWD als Ableitung unter nìo ‘Wolke’
einordnen. non [U], [O] ‘Pate’ ♦ Ven. nono (Taglia­
vini 1934: 648). Auch im Comelico
nimbo [U] ‘Heiligenschein, Nimbus’ ♦ und in Ampezzo. ► B nono
Italianismus.
nonzech [U], [O] ‘Leumund, Ruf; Ver­
nina [U] ‘[kinderspr.:] Schlaf’ ♦ Im EWD dacht’
ist das Lemma ninè ‘Kinder wiegen’
verzeichnet; dieses stammt von dem norbir [U] ‘blenden, verblenden, er­
expressiven Wort nina bzw. nana ab. blinden’ ♦ Ableitung zu lat. orbus
 nina-nana [U] ‘Wiegenlied zum ‘blind’. → arbuir, endorbir, ndorbir.
Einschläfern der kleinen Kinder’
norei [O] ‘Erlenwald’ ♦ Zu nora
nino-nino [U] ‘[Ruf- und Kosename für ‘Bergerle’, ergo lat. nora + -ētu (doch
Pferde]’ ♦ Expressiven Ursprungs. weder im REW noch im ALDH) (El­
wert 1943: 206).
nirar [U] ‘erzürnen’; inirèr [O] ‘erzür­
nen’ ♦ Ableitung zu lat. īra ‘Zorn’ norma [U] ‘Norm, Richtschnur’ ♦
(REW 4542).  inirous [O] ‘zornig, Italianismus.
wütend’
noschèda: nousc noschèda [O] ‘Muskat­
niscin [U] ‘Heuschneidemesser’ nuss’ ♦ Vgl. den Eintrag → moschet.
Im Anlaut erfolgte bei noscheda jedoch
nizar [U] ‘aufschneiden’; inizer [O] ‘zum Assimilation an den Initiallaut von
ersten Mal anziehen, anfangen’; nizer nousc. Sollte im EWD unter nùsc
[O] ‘anfangen, zum ersten Mal anzie­ ‘Nuss’ stehen (wie gad. buch.).

159
ntaar [U]; intaèr [O] ‘einschneiden,
nosset [U], [O] ‘brach, unbebaut, unge­ schön schnitzen, gravieren’ ♦ Ließe
mäht, belassen, keusch; unberührt, un­ sich im EWD als Ableitung unter taié
befleckt’ ♦ Lat. non sectum ‘ungemäht’ ‘schneiden’ einordnen.  ntaadura
(vgl. REW 7764ff.) (Elwert 1943: 198). [U] ‘feine Schnitzerei, Intarsie, Gra­
► G nuzet, B nansiët vierung’

nostran [U] ‘einheimisch’ ♦ Ließe sich im ntacolar [U] ‘betupfen, tüpfeln,


EWD als Ableitung unter nòsc ‘unser’ punktieren, beflecken’ → tacolar
einordnen.
nter(e)dana [U] ‘einstweilen, mittlerwei­
nótera [U] ‘Näherin, Schneiderin’ ♦ Tir. le, indessen, inzwischen, unterdessen’
noterin ‘Näherin’ (Kindl 1999: 141). → ndana, → nderdana

notomia [U] ‘Sektion, Anatomie’ ♦ It. nterenar [U] ‘Ruß, Erde, Asche etc. auf
anatomia. den Schnee werfen, damit er schneller
schmilzt’; interenèr/enterenèr [O]
novena [O] ‘neuntägige Andacht (vor ‘schneller schmelzen, damit der Boden
einem Fest)’ ♦ It. novena. frei wird’; interèr/enterèr [O] ‘glatte
Straßen oder Schnee mit etw. be­
noviz [U] ‘Noviz’ ♦ Germanismus.  no­ sprengen, damit das Schmelzen be­
viziato [O] ‘noviziato’ schleunigt wird’ ► G ntarené, B nteré

nscin [U] ‘bis (zu einer bekannten Stelle), ntermez [U] ‘Zwischenfall’ ♦ It. in­
sogar’ ♦ Zusammensetzung aus in + termezzo ‘Zwischenspiel’.
scino (vgl. it. sino).
ntivar [U] ‘zufällig etwas machen, sich
nsegnament [U] ‘Lehre, Belehrung’ ♦ zufällig ereignen, zufällig begegnen’;
Sollte im EWD als Ableitung unter intivèr/entivèr [O] ‘erraten, ins
inssigné ‘lehren’ stehen (wie grödn. in­ Schwarze treffen, Erfolg haben’ ♦ Ven.
seniamënt). intivare ‘indovinare, imbroccare, az­
zeccare’, unklarer Herkunft (DEVI). ►
nsema [U]; insema/ensema [O] ‘zu­ B ntivé
sammen, zugleich’ ♦ Lat. insimul ~ in­
semul (REW 4465) (Elwert 1943: 46). ntonar [U] ‘anstimmen, intonieren’ ♦ It.
intonare. ► B ntoné
nsevear ite [U]; inseveèr ite [O] ‘um­
zäunen, einzäunen’ ♦ Ließe sich im ntorn a [U]; intorn a [O] ‘herum, um,
EWD als Ableitung unter sì ‘Zaun’ ein­ bei, ungefähr, ringsumher’ ♦ Lat. in
ordnen. Vgl. auch Elwert (1943: 201). torno. ► B ntorn

nspenentar [U] ‘anstemmen, sich an­ ntoronar [U] ‘abrunden, kreiseln,


stemmen, sich anstrengen, anspannen, beschreiben’ ♦ Ließe sich im EWD als
abmühen’ Ableitung unter torónn ‘rund’ einord­
nen (wie etwa fass. toronar).
nspraissà (te l lurier) [U] ‘bei der Arbeit
angestrengt, geschwitzt’ ntramez [U] ‘Einschiebsel, Zwischen­
wand, Scheidewand, Trennwand, Par­

160
enthese, Zwischenfall’ ♦ Erbwörtlich
von lat. intra-medium, evtl. mit ocel [O] ‘Fernglas’ ♦ Lat. ociale ‘zum
Einfluss des Trent. (vgl. Elwert 1943: Auge gehörig’. Ließe sich im EWD als
40, 42f.). Sollte wie moen. antramesa Ableitung unter ödl ‘Auge’ einordnen.
im EWD unter ànter ‘zwischen’ ► (B ocialin)
stehen.  intramesa/entramesa [O]
‘Zwischenwand’, ntramezar [U]; in­ ocol dal pie [U] ‘Rist am Fuße’
tramesèr/entramesèr [O] ‘mit einer
Wand trennen, dazwischensetzen’ oculista [O] ‘Augenarzt’ ♦ Italianismus.

ntrar [U] ‘Anlage haben, geschickt sein, ocupazion [O] ‘Beruf, Beschäftigung’ ♦
gut anfangen, neigen zu’ ♦ Wie entrar It. occupazione.
im EWD zu entrè ‘eintreten’.
odech [U], [O] ‘demelen, moderig,
ntravagliar [U] ‘verwickeln, verwirren; dumpf, öd, verlassen [Stall]; Öde, de­
stark arbeiten’ ♦ Ließe sich im EWD meliter Geruch [z.B. in einem Stall,
als Ableitung unter travaié ‘Fäden worin lange kein Vieh stand]’ ♦ Dt.
verwickeln’ einordnen. (tir.) öd bzw. abair. odi (Schatz 462)
mit lad. Suffix, das auch zur Wieder­
ntrich [U] ‘Intrige, Verwicklung, Schwie­ gabe von dt. tir. -ig dient (Elwert 1943:
rigkeit’ ♦ Wie intrigo im EWD zu in­ 195, Gsell 1994b: 326). Für Zanotti
trighé. (1990: 113) ist die tir. These vorzuzie­
hen. Gsell verweist auch auf das bis­
ntrinzenar [U] ‘necken, tratzen’ ♦ Im lang in keinem Wörterbuch verzeichne­
Moenat. heißt es entrizar. Sieht tir. aus, te gad. ôde ‘unlustig, unwillig, fade’.
doch findet sich nichts Passendes bei
Schatz oder Fink. odor [O] ‘Geruch’ ♦ Lat. odor.

nùgola [U] ‘Wolke’ ♦ Wie die Varianten ofertorio [O] ‘Opfergebet’ ♦ It. offertorio.
nigol(a) und négola im EWD zu nìo
‘Wolke’.  nugolar [U] ‘bewolken’ ognipotent [U] ‘allmächtig’ ♦ It.

nuriar [U] ‘verübeln [Krankheit], dazu­ ognitant [U] ‘zu Zeiten, von Zeit zu Zeit,
schlagen [zur Krankheit]’ manchmal’ ♦ It.

nvaolà [U] ‘blatternarbig, blattersteppig’ oler(g)ia [O] ‘giftige, robuste Pflanze mit
→ vèa langem Stiel (80 cm) und gelben
schlecht riechenden Blüten’ ♦ Zu olēre
nzanar [U] ‘die Zähne zeigen’ ♦ Zu dt. ‘riechen’ (REW 6053)?
Zahn?
ombra [U] ‘Gespenst, Geisterschatten’ ♦
O Lat. umbra ‘Schatten’ (REW 9046).

obit [U] ‘feierliches Begräbnis’ ♦ Trent. ombreles sf.pl. [U] ‘Pflanze mit fast
obit(o), ven. obito (< lat. obitus ‘Tod’, sonnenschirmgroßen, weißen Blüten
REW 6011c; allerdings dürfte ein [gehört zu den Umbellifloren]’ ♦ Sollte
Buchwort vorliegen) (Ricci 1904, im EWD unter ambréla ‘Regenschirm’
DEVI). stehen.  ombrelon [U] ‘Parasolpilz’

161
einordnen. ► B oreje
omescel [O] ‘Fadenknäuel’ ♦ Variante zu
nomescel (EWD s.v. limiscél ‘Knäuel’). orendo [O] ‘schrecklich, monströs’ ♦ It.
orrendo. ► B
opojizion [O] ‘Opposition’ ♦
Norditalianismus (zu standardit. oppo­ organisar [U] ‘organisieren’ ♦ It.
sizione). organizzare oder dt. organisieren. ► B
organisé
se opor [O] ‘sich widersetzen, dagegen
sein’ ♦ It. opporsi. oril/ouril [U]; oril [O] ‘April’ ♦ Lat. aprī­
lis (REW 562). Lebt auch in den üb­
opura [O] ‘oder’ ♦ Lat. aut + pūre, evtl. rigen ladinischen Mundarten ein­
auch von it. oppure. schließlich des Gadertalischen fort.

oràcol [O] ‘Orakel’ ♦ It. oracolo. orina [O] ‘Urin’ ♦ Sollte im EWD unter
orìna ‘dito’ stehen.
orbo [U], [O] ‘blind’ ♦ Ven. orbo (< lat.
orbus ‘dito’, REW 6086) (Tagliavini orladura [U] ‘Passepoil’ ♦ It. orlatura.
1934: 652). Vgl. auch → orp. ► B 
orbent: orp e orbent [U] ‘ganz blind’, oror [U] ‘Schauder’ ♦ It. orrore oder dt.
orbejin [U] ‘kurzsichtig’ Horror.

òrcena [U], [O] ‘schmieriges Weib, orp [U] ‘blind’ ♦ Entweder direkt von lat.
Schlampe; Unreinlichkeit; Tauge­ orbus (REW 6986) oder wie → orbo
nichts’ ♦ Herkunft ungeklärt – in jedem aus dem Veneto mit Ladinisierung.
Fall ist Kuens Vorschlag eines tir.
urchenonder abzulehnen (Gsell 1990a: ortenjia [O] ‘Hortensie’ ♦ Padanismus
135). (für standardit. ortensia).

ordegn [U], [O] ‘Werkzeug’ ► G urdëni ortolan [O] ‘Gemüsegärtner, Gemüse­


händler’ ♦ It. ortolano.
ordidura [O] ‘Anzettelung’ ♦ Ließe sich
im EWD als Ableitung unter ord(e)nè ossocol [O] ‘Genick’ ♦ It. ossocollo. Ließe
‘anordnen’ einordnen. sich im EWD als Ableitung unter òs
‘Knochen’ oder còl ‘Hals’ stellen.
ordinarie [O] ‘gewöhnlich, gemein’ ♦
Sollte im EWD als Ableitung unter òstola [O] ‘Dachlatte von Berghütten, die
òrdine ‘Anordnung’ stehen (wie etwa parallel zum Gipfel angebracht ist’; aò­
gad. ordinario). stola [U] ‘dicker Dachbalken, worauf
die tulete befestigt sind; lange Dach­
orèfize [O] ‘Goldschmied, Uhrmacher’ ♦ schindel’ ♦ Suffigierung zu lat. costa
Ließe sich im EWD als Ableitung unter ‘Seite, Rippe’ (REW 2279) (Elwert
óra ‘Uhr’ einordnen. Norditalianismus 1943: 100).
für einen standardsprachlichen Aus­
druck oraficio (Elwert 1943: 236). ostolins: pomes ostolins [O] ‘frühreife
rötliche Kartoffel, die im August reif
oreiar [U] ‘Uhrmacher’ ♦ Ließe sich im wird’ ♦ Zusammenhang mit fass. aóst
EWD als Ableitung unter óra ‘Uhr’ ‘August’?

162
deutung (Schatz 51), welches unter
ostra [U] ‘Fremde, Ferne’ ♦ Ableitung zu pątsch ‘klatschendes Geräusch beim
lat. hostis ‘Fremder’.  ostran [U] Aufschlagen’ eingeordnet ist, hat die
‘nördlich; ausländisch, auswärts’ ähnliche Bedeutung ‘schmatzend
essen’.  pacenada [U] ‘Beifallklat­
otegnir [O] ‘[neol.:] erhalten’ ♦ Lat. ob­ schen, schallender Fall, Schlag’
tenīre ‘dito’ oder Padanismus.
paceca [U] ‘Straßenkot, Schlamm’ ♦ Zum
otel [U] ‘Hotel’ ♦ Dt. Hotel. ► B Schallwort pač, das gemäß REW
(6138b) auch für ‘Kot, Schlamm’ steht.
òutria [U], [O] ‘Wendebrett [Pflug]’ ♦ ►B
Die moenat. Form ist oitra. Ließe sich
im EWD als Ableitung unter óta ‘mal’ pachera [O] ‘Bagger, Bulldozzer’ ♦ Auch
einordnen. Suffigierung zu lat. voltus gad.; von dt. Bagger (Aschenbrenner
‘gewälzt, gewendet’. 1972: 35).

P pachiar [U] ‘einpacken; schmausen,


fressen; backen, ausbacken (in Fett)’ ♦
paacià [U] ‘habgierig, gierig; Vielfraß, Rossi listet all diese Bedeutungen unter
Geizhals’ ♦ Ließe sich im EWD als einem Lemma auf. Die Bedeutungen
Ableitung unter paćenè ‘gierig essen’ sind aber wohl zu getrennten, homony­
einordnen. Vgl. dazu auch Gsell men Wörtern zu stellen. Bzgl. ‘packen’
(1990a: 138, 1994b: 328).  paaciada sollte das Wort im EWD unter pachèt
[U] ‘Gier, Habgier’ ‘Paket’ stehen (wie fass. mpacar ‘ein­
packen’). Die Bedeutung ‘fressen’ sug­
pàbol [U] ‘Futter, Speise, Mahlzeit’ ♦ Lat. geriert expressiven Ursprung. Die Be­
pabulum ‘Futter’ (REW 6131), mögli­ deutung ‘backen’ legt tirolischen Ur­
cherweise über trent. pábol. sprung nahe.  pachies [U] ‘geba­
ckene Speisen’
pac1 [U] ‘Unkräuter’  pacità [U] ‘Un­
krautgewächse’ pacifico [U] ‘friedlich, ruhig’ ♦ Italianis­
mus. ► B
pac2 [U] ‘Klatschen’ ♦ In Rossi sind die
beiden Bedeutungen unter einem Ein­ padela [U] ‘Flick, Fleck, Fettfleck;
trag pac [U] ‘1. Unkräuter; Klatschen; Kniescheibe’ ♦ Rossi listet all diese Be­
2. patsch! (Klangnachahmung)’ zu­ deutungen unter einem Lemma auf. Die
sammengestellt. Zunächst einmal ist in Bedeutung ‘Kniescheibe’ dürfte aber
semantischer Hinsicht zu bemerken, davon zu trennen sein; sie geht auf lat.
dass [U] ‘Klatschen’ und [U] ‘patsch!’ patella ‘Pfanne, Kniescheibe’ (REW
zusammenzuführen; darüber hinaus 6286) zurück. Der erste Bedeutungsk­
sind diese Bedeutung wohl auch in ety­ omplex geht möglicherweise auf grch.
mologischer Hinsicht von pac1 zu pitta ‘Kuchen’ (REW 6546, mit Toch­
trennen. Das Lemma pac2 ist sicher terformen der Bedeutung ‘Fleck, Fli­
onomatopoetischen Ursprungs (vgl. cken’ in der peripheren Romania) bzw.
pač, REW 6138b). Im EWD ist das lat.-grch. pittacium ‘Flicken’ (REW
Verb pacenar ‘Beifall klatschen’ unter 6547, nordit.) mit Suffixwechsel. ► B
paćenè ‘gierig essen’ eingereiht. Tir.
patschn hat angeblich auch diese Be­ padon [U] ‘sehr steile Bergwiese, jäher

163
Grat’ findet sich bei Schatz und Fink keine
Entsprechung.
padrescianto [U] ‘Beichtvater’ ♦
Norditalianismus (zu einem standardit. paissenar [U] ‘abpassen, lauern’ ♦ Sollte
padresanto). im EWD als Ableitung unter pàissa
‘Köder’ stehen (wie gad. paiss(e)nè
padreterno [U] ‘Gottvater’ ♦ It. Padre­ ‘auflauern, aufpassen’).
terno.
pait [U] ‘Truthahn’ ♦ Tir. paita ‘Trut­
paela [O] ‘Eisenkessel zum Polentako­ henne’ (Schatz 58).  paita [O] ‘Trut­
chen’ ♦ Ven. pa(d)ela (< lat. patella hahn’
‘Pfanne’, REW 6286) (Tagliavini
1934: 654). ► B padela paiz [O] ‘Beize um Holzobjekte zu
bräunen’ ♦ Dt. Beize, und nicht tir.
paerisc [O] ‘bairische Polka’ → bairisc (poaz), wie Elwert (1943: 108) meint.
Zanotti (1990: 117) zieht Kramers
paf! [U] ‘pumś paff! sie[h] da!’ ♦ Ex­ These eines mhd. Etymons beize oder
pressiven Ursprungs. eines mbair. Etymons peize.  pai­
zenèr [O] [Die moenat. Form paizenar
pagnoca [O] ‘Laib Brot’ ♦ Ließe sich im bedeutet ‘Baumstämme mit dem „za­
EWD als Ableitung unter pàn ‘Brot’ pin“ (Spitzhacke zum Holzziehen) ver­
einordnen. ► B schieben und umdrehen, um den
Transport oder den Schub ins Tal zu
pagnocol [U] ‘Tölpel; Ballen, Leinwand’ erleichtern’.]
♦ Die Bedeutungen ‘Ballen’ und ‘Lein­
wand’ lassen sich im EWD unter dem palanca [O] ‘Planke, Pfahl; Geld’ ♦ It.
Lemma pàno ‘Tuch’ einordnen. Wie es palanca (mit gleicher Bedeutungs­
zu der Bedeutung ‘Tölpel’ kommt, vielfalt). Bei palanca handelt es sich
muss noch geklärt werden. Möglicher­ um eine alte it. Münze.► B
weise handelt es sich um einen Pada­
nismus (man vgl. etwa ven. pagnàca palco [U], [O]; palch [O] ‘Stadel, in dem
‘persona stupida’, ungeklärter Her­ Theaterstücke (Tänze) aufgeführt
kunft, DEVI, Prati 1968: 117). wurden; offene Bühne auf dem Dorf­
platz aufgestellt’ ♦ It. palco ‘Loge im
paic sf./páicen sf. [U]; paic sf./paicin sf. Theater’ (< balko ~ palko ‘Balken’,
‘Peitsche’ ♦ Tir. (Elwert 1943: 246; Za­ REW 907). ► B palco ‘Gerüst’
notti 1990: 115).  paicenar [U]; pai­
cenèr [O] ‘peitschen’, paicenèda [O] palen [U] ‘halbmorsch, holzig’; palegn
‘Peitschenhieb’ [O] ‘verdorben, beschädigt, schadhaft’

pais [U] ‘Prügel; Ruck mit dem pergais


oder zapin, um auf ebenem Boden palfa [U] ‘[ant.:] Mooswiese, Sumpf­
einen Holzstamm vorwärts zu bringen’ wiese’ ♦ Zusammenhang mit lad. pàlta
♦ Klingt tir., doch finde ich bei Schatz ‘weicher Grund, Sumpfboden’ (EWD
und Fink nichts Passendes. s.v.)?

paisdrin [U] ‘Türangel, worin der palgher [U] ‘Widder’ ♦ Zu tir. pąllá*gg
Schnapper einschnappt’ ♦ Tir., doch ‘verschnittener Hengst’ (Schatz 44)?

164
im EWD als Ableitung unter pàno
palier [U] ‘Polier’ ♦ Sollte im EWD unter ‘Tuch’ einordnen.
pulìr ‘Maurerpolier’ stehen.
panocia [U] ‘Rispe [Hirse usw.], Kolben
palina [U] ‘Aussteckpfahl [z.B. bei Weg­ [von Mais]; Werg aus feinstem Hanf
markierung]’ ♦ Ließe sich im EWD als ohne Abfälle’ ♦ Lat. panucula ‘Hirse­
Ableitung unter pè ‘Pfahl’ einordnen. büschel; Geschwulst’ (REW 6209)
(wie ven. comask. panocia ‘Ge­
palmon [U] ‘Lunge’ → polmon schwulst’).

palosc [U] ‘Trottel, Dummkopf’ → ba­ pantalon [U] ‘Soldatenhose, Faulenzer,


losc Dummkopf’ ♦ It. pantaloni ‘Hose’. ►
B
se pamfenar [U] ‘sich anfressen’ ♦ Tir.
mampfen. pantocol [O] ‘wenig wertvoller Stoff, der
dazu diente, lange Röcke anzufertigen’
panà [U] ‘derb’ ♦ Trent. panà ‘appannato, ♦ Im EWD zu pàno ‘Tuch’?
amerigliato’ (Ricci)?
pànzerle [U] ‘Fässchen, Banzerl’ ♦ Tir.
panagio [U], [O] ‘Gehalt, Broterwerb, panzεlε ‘Fass für Wein, Bier, Wasser’
Anstellung’ ♦ Ließe sich im EWD als (Schatz 46).
Ableitung unter pàn ‘Brot’ einordnen.
papin [O] ‘Ohrfeige, Kinnhaken’ ♦ Trent.
panarel [U], [O] ‘Anrichttisch, Nudel­ (Mazzel). ► B
brett, Brotknettisch, Schneidbrett’ ♦
Die moenat. Variante lautet panaöl. ► paràbola [O] ‘Parabel’ ♦ Italianismus.
G panaruel
parada [U] ‘Parade, Wehre, Abwehr,
pancada [U] ‘[ant.:] Gürtel’ Schranke, Schutzvorrichtung, Zusam­
mentreiben (des Viehs)’ ♦ It. parata.
pancil [U] ‘gedeckter Gang zwischen
Stadel und Wohnhaus’ paragon [O] ‘Vergleich’ ♦ It. paragone.
►B
pané [U] ‘Brotgitter’ ♦ Ließe sich im
EWD als Ableitung unter pàn ‘Brot’ paragraf [O] ‘Paragraf’ ♦ Germanismus.
einordnen.
parbuda [U] ‘Wohlgestalt, schönes Aus­
panevin [O] ‘Sauerklee’ ♦ Zu lat. panis sehen, schöne Form [Menschen oder
‘Brot’ (REW 6198) (wie auch im Trent. Dinge]’; [O] ‘Gestalt, Präsenz’
und Frl.) (vgl. auch Merkens 1956:
117) und vīnum ‘Wein’ (REW 9356). pares [U] ‘Hochzeitszeugen’ ♦ Sollte im
Zur Motivation der Bezeichnung EWD unter père ‘Vater’ genannt
schreibt Pellegrini (1980: 113): “Il werden.
sapore delle foglie è gradevolmente
acidulo e esse contengono una notevole pari [U] ‘gleich, stark einer wie der ande­
quantità di ossalato acido di potassio.” re, gleich an der Zahl’ ♦ Italianismus.

panina [U] ‘feiner Wollstoff’ ♦ Ließe sich parìglia [U] ‘Gespann (mit gleichfarbigen

165
Tieren); Ähnlichkeit’ ♦ Italianismus (< Ließe sich im EWD als Ableitung unter
lat. paricula ‘Paar’, REW 6240). Vgl. passè ‘vorübergehen’ einordnen.
auch → pàrlia.
passol [O] ‘kleine ausgetrocknete Rübe’
pàrlia [U] ‘Gespann (von gleichen ► G passl
Tieren)’ ♦ Lat. paricula ‘Paar’ mit Ak­
zentwechsel im Sprechlateinischen. pastoar [U] ‘koppeln, weidendes Vieh an
Vgl. auch → parìglia. den Füßen binden, fesseln’ ♦ Sollte im
EWD als Ableitung unter pastorìn
parloscent [O] ‘gesprächig, geschwätzig’ ‘Hinterzehe des Rindes’ stehen, wenn
♦ Zu it. parlare ‘sprechen’. dort auch grödn. pastuië ‘weidende
Tiere fesseln’ eingetragen ist.
paroncin [U] ‘oberer Bansenraum; Dach­
boden des Stadels, der nur aus dünnen pastorar [U] ‘weiden’ ♦ Sollte im EWD
Stangen gemacht wird, um die Garben als Ableitung unter pastüra ‘Weide’
zum Dörren zu geben’ stehen (wie gad. grödn. pasturè).

paroscent [U], [O] ‘fröhlich, heiter, lus­ pasciuda [U] ‘Mehl, Heu, Salz und
tig; gesprächig, schwatzhaft; auf­ Wasser (= Trank für Kühe)’ ♦ Sollte im
geweckt; zutraulich’ EWD als Ableitung unter pasciü
‘wohlgenährt, satt’ stehen, wenn dort
partener [U] ‘verlangen, beanspruchen, auch grödn. pasciudàz ‘Gemengsel von
behaupten’ ♦ It. pretendere ‘behaupten’ Speisen’ verzeichnet ist.
(Hinweis Fabio Chiocchetti).
pat [U], [O] ‘Vertrag, Bedingung’ ♦ It.
partit [O] ‘partito’ ♦ It. partito. patto.

partorecia [U] ‘schwangere Frau, pata [O] ‘Epakte’ ♦ It. epatta.


Wöchnerin’ ♦ It. partoriente ‘Wöchne­
rin’. patachion [U] ‘großer, schlecht befestig­
ter (nicht passender) Fleck, Flickwerk;
paruca [O] ‘parrucca’ ♦ It. parucca. schlampiger Mensch’ ♦ Evtl. im EWD
zu patacùn ‘Vierkreuzerstück; Kleinig­
paruscent [U], [O] ‘gesprächig, schwatz­ keit, Nichtigkeit; Pappenstiel’?
haft, heiter, lustig, munter, aufgeweckt,
zutraulich’ → paroscent patauch [O] ‘Knoten, Verwirrung, Durch­
einander, Umschlag’ ♦ Ließe sich wie
parzial [U] ‘parteiisch’ ♦ It. parziale.  grödn. patussà ‘verwirrt’ unter patüc
parzialità [U], [O] ‘Parteilichkeit’ ‘Stoff; Zeug, Gerümpel’ einordnen.

pascionar [U] ‘leiden, trauern, abhärmen, paté sm. [U] ‘[ant.:] nobles Kleid; Un­
abquälen’ ♦ Sollte im EWD als Ab­ kraut, das aus den Feldern entfernt
leitung unter pasciùn ‘Leidenschaft, wurde (aber noch als Futter benutzt
Leiden’ (wie buch. pascioné). wird für Schweine)’ ♦ Im Moena liegt
die Bedeutung ‘Kleinholz, Unkraut,
passabl [U] ‘leidlich’ ♦ It. passabile. Abfall’. Handelt es sich wirklich nur
um éin Wort? Die Bedeutung ‘Un­
passoa [U] ‘Steg, Brett als Brücke’ ♦ kraut’ lässt sich vielleicht mit einer

166
Wurzel expressiver Herkunft ver­ Latinismus (lat. pauper ‘arm’).
binden; Elwert (1943: 184) vermutet
darin eine Ableitung zu paz ‘schmut­ paures sf.pl. [U] ‘Hieracium spez.,
zig’, was semantisch jedoch wenig Habichtskraut’
überzeugt. Man vergleiche dazu auch
pac1 ‘Unkräuter’. paurous [O] ‘ängstlich’ ♦ Ließe sich im
EWD als Ableitung unter póra ‘Angst’
patela: no ... patela [U], [O] ‘ganz und einordnen. Im Fass. liegt aber ein
gar nicht’ ♦ Im EWD zu patòch ‘voll­ oberit. Lehnwort vor.
ständig, ganz’ (< nordit. patòc(o)) mit
Suffixwechsel. pauscial [U] ‘Pauschale’ ♦ Dt.

patena [U], [O] ‘Patene’ ♦ It. patena. pazion [U] ‘Geduld’ ♦ It. pazienza mit
Suffixwechsel oder alpenromanische
patent sf. [U], [O] ‘Patent’ ♦ It. patente Ableitung zu lat. patiens ‘krank,
und/oder dt. Patent. leidend’ (REW 6292).

pàtica [U] ‘Anemone hypatica, Leber­ pazon [U] ‘Schmierfink, schmutziger


blümchen [die Blätter mit Öl bestri­ Mensch’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
chen, heilen schnell jede Wunde]’ ♦ It. leitung unter pàz ‘schmutzig’ einord­
epatica. nen.  pazótol [U] ‘kleiner Schmier­
fink’
pàtina [U], [O] ‘Schuhwichse’ ♦ Kann im
EWD unter patüc ‘Stoff’ eingereiht peà: lat peà [U] ‘geronnene Milch’ ♦ Lat.
werden, wenn dort auch gad. patìnes *pīliāta ‘genommen’ (REW 6503).
‘glatt, rutschig’ verzeichnet ist.  pati­ Vgl. frl. peá ‘gerinnen’.
nar [U], [O] ‘aufflicken, wichsen,
Schuhe putzen’ peana/pedana [U] ‘Falbel, Besatz (am
unteren Teile des Rockes), Leinenver­
pato1 [O] ‘Treppenabsatz’ ♦ Vgl. ven. band (bei Fußkrankheiten); eine Art
pato ‘pianerottolo, predella (dell’alta­ Krätze zwischen den Hufen (der
re); montatoio’ (unbekannten Ur­ Kühe)’ ♦ Im EWD ist nur moen. peàna
sprungs, Prati 1968: 121). ‘Fußkrankheit der Rinder’ verzeichnet.
Davon metonymisch abgeleitet ist
pato2 [O] ‘Abmachung, Vertrag’ ♦ It. ‘Leinenverband’, davon metaphorisch
patto. ‘Besatz’.

patofia [O] ‘Erzählung mit zweifelhaftem pecalen [U] ‘Baumspecht’ ♦ Ließe sich
Wahrheitsgehalt’ im EWD als Ableitung unter pìch
‘Specht’ einordnen.
patrear [U] ‘verbrüdern, anschmiegen’ ♦
Ableitung zu lat. pater ‘Vater’ (REW pechenar [U]; pechenèr [O] ‘picken, pe­
6289). cken, Eier aufpicken (Kinderspiel)’ ♦
Tir. pikkn ‘kleben, haften’ (Schatz 78)
patulia [O] ‘Patrouille, Streifen’ ♦ It. (Zanotti 1990: 121). Auch grödn.
pattuglia.
pechétene [U] ‘Richter’; [O] ‘Hauptmann,
pauper [O] ‘wenig umsichtig, einfältig’ ♦ Kapitän’

167
pelanda [O] ‘Prostituierte’ ♦ Auch ven.
peclin [O] ‘Hering’ ♦ Klingt irgendwie trent. (Prati 1968, Ricci). Gemäß Prati
nach dt. Bückling, doch findet sich (1968: 124) zu lat. pellis ‘Fell’ (REW
keine tir. Entsprechung bei Schatz oder 6377), was jedoch semantisch nicht un­
Fink. problematisch ist. ► B

pecont [O] ‘bekannt’ ♦ Tir. (vgl. auch peloch [U] ‘Haarlocke der Männer auf der
DIDE 333; Zanotti 1990: 122). Auch Stirn’ ♦ Im EWD zu pél ‘Fell’ oder pëi
grödn. ‘Fell’ mit Suffix. Könnte von venez.
pelocco stammen (Hinweis Fabio
pedal [O] ‘Pedal’ ♦ Sollte im EWD unter Chiocchetti).
pedàl ‘Pedal’ stehen.  pedaler [O]
‘treten, Rad fahren’ pelon [U] ‘langes, grobes Haar; langes Fe­
dergras; struppiges, fast blattloses
pedimentà [O] ‘invalid, verstümmelt, be­ Berggras’; [O] ‘hartes Berggras’ ♦ Im
hindert’ ► B pedimenté EWD zu pél ‘Fell’ oder pëi ‘Fell’ mit
Suffix; vgl. unter zweiterem das De­
pedrir [U] ‘überfressen; Magenschmerzen rivat políf ‘kurzes, hartets Berggras’
bekommen, wenn man gierig isst’ (Gsell 1994b: 338) .

pedurar [U] ‘Seitenpfeiler machen, Stre­ pelot [U] ‘kurzes Federgras’ ♦ Im EWD
bepfeiler machen’ ♦ Ließe sich im zu pél ‘Fell’ oder pëi ‘Fell’ mit Suffix.
EWD als Ableitung unter pè ‘Pfahl’
einordnen. pelter [U], [O] ‘große Zinnschüssel,
feines Zinngeschirr’ ♦ Ven. trent.
pefel [O] ‘Befehl, Anweisung, Manifest’ ♦ peltre ‘dito’ (Elwert 1943: 83, Gsell
Dt. Befehl in süddt. Aussprache (vgl. 1990a: 147). ► B  peltra [U], [O]
Schatz 55: pεfehln ‘befehlen’). Man ‘Metallschüssel, Zinnschüssel’
vergleiche dazu auch ven. befel (DEVI,
Prati 1968: 14). ► B peluca [O] ‘Winterpelzmütze’ ♦ Ließe
sich im EWD als Ableitung unter pëi
pegnolà [U] ‘geblümter Stoff (für ‘Fell’ oder pél ‘Fell’ einordnen.
Schürze)’ ♦ Wohl zu ven. pégno ‘fioc­
chi dei calzetti di lana; lanugine dei peluch [U], [O] ‘Pelz, Pelzware’ ♦ Ließe
frutti’ (unbekannter Herkunft, DEVI). sich im EWD als Ableitung unter pëi
‘Fell’ oder pél ‘Fell’ einordnen. Im
pégola [U] ‘Pech’ ♦ Lat. picula (REW Fass. liegt ein Venetismus vor (Elwert
6483), übers Pad., z.B. Ven. (DEVI 1943: 192).
363). ► B  pegolar [U] ‘verpichen’
pelucar [U]; peluchèr [O] ‘auszupfen,
peiver [U], [O] ‘Pfeffer’ ♦ Lat. piper fressen (als ob die Tiere zupfen
‘dito’ (REW 6521) (Elwert 1943: 44, würden), rupfen’ ♦ It. piluccare (Gsell
55). ► B 1994b: 338) oder direkt von lat. piluc­
cāre.
pelacrist [U] ‘Herrgottsschinder, Über­
nahme der Einwohner von Mazzin’ ♦ penarol [U] ‘Federbüchse’ ♦ Sollte im
It. pelacristi. EWD als Ableitung unter pëna
‘Schreibfeder’ stehen (wie buch. pena­

168
rola ‘Griffeldose’). für Violine’ ► G pëngula
 pengolar [U] ‘zusammenpichen,
penc [U] ‘[ant.:] voll, gefüllt’; [U] Kaminpech im Kamin sich bilden’
‘trächtig [Kuh]’; [O] ‘beleibt, schwer­
gewichtig’ ♦ Sollte im EWD unter penic [O] ‘Schnitzerbank, Stecherbank’
pònc ‘plump, dick’ stehen, von tir. ►G
pantsch (Schatz 46) ‘Bauch, Wanst’,
wobei für das Fassanische wohl haupt­ penol [U], [O] ‘Brotgitter, Brotgestell
sächlich – zumindest Einfluss von –- (Gestell zum Hartwerdenlassen der
lat. pinguis ‘Schweinefett’ vorliegen Brote)’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
mag, welches für Buchenstein belegt leitung unter pàn ‘Brot’ einordnen.
ist. Vgl. dazu Gsell (1990a: 147f.,
1993b: 332). Von tir. a sollte man pension [U] ‘Pension’ ♦ It. pensione oder
allerdings lad. a erwarten, und eine Va­ dt.
riante pąntsch oder pontsch ist weder
bei Schatz noch bei Fink verzeichnet. pentecoste [U] ‘sf.pl. [U] ‘Pfingsten’ ♦ It.
► (B pench?) Pentecoste.

penchia [O] ‘Lumpen, Fetzen’ ♦ Sollte im pentiment [U], [O] ‘Reue, Mitleid, Leid’
EWD als Ableitung unter pingulé ‘her­ ♦ Sollte im EWD als Ableitung unter
abhängen’ stehen (wie gad. pientla pentì ‘bereuen’ stehen (wie buch.
‘Kleiderfetzen’) (Gsell 1990a: 149). ► pentiment).
B piencle
penultim [U], [O] ‘vorletzter’ ♦ It.
pender/pener [U] ‘hängen, schweben, penultimo.
abhängen’ ♦ Lat. pendere ‘hängen’. ►
B pende  pendente [U] ‘unentschie­ penzin [O] ‘Benzin’ ♦ Tir.
den, schwebend, abhängig’, pendenza
[U] ‘Behängung, Streitsache, Unent­ peraguides [O] ‘Schraubenzieher’ ♦
schiedenheit, Abhängigkeit’, pendol Sollte wie unterfass. paraguida im
[U] ‘Pendel’ EWD unter parè ‘abwehren, abhalten;
treiben’ stehen.
penech [U] ‘Borte’ ♦ Die Bedeutung
‘Borte’ ist in Rossi (1999) verzeichnet. perasite [O] ‘Blitzableiter’ ♦ Fass. Zu­
Tagliavini (1934: 666) zitiert aus dem sammensetzung aus perar ‘drehen’ und
Rossi-Manuskript hingegen penech sita ‘Blitz’.
‘Larde’. Wenn letzteres zutrifft, ist das
Wort im Zusammenhang mit buch. peratarlui [O] ‘Blitzableiter’ ♦ Fass. Zu­
pench zu sehen. ► (B pench?) sammensetzung aus perar ‘drehen’ und
tarlui ‘Blitz’.
penentèr [O] ‘übereinkommen, sich ver­
ständigen, sich einmischen, sich er­ percstoch [U] ‘Bergstock’ ♦ Tir.
kühnen, wagen, beginnen, sich aus­
kennen’ perdi(a)na! [U] ‘potztausend! mein Gott!’
♦ Verballhornung eines per dì.
pener → pender
perdurar [U] ‘ausdauern, aushalten, auf­
péngola [U], [O] ‘Pech, Kaminpech, Harz nehmen in sich, (etwas) lernen, ein­

169
tragen’ ♦ It. perdurare oder direkt von ergreifen, einholen’ einordnen.  per­
lat. perdurāre. peá [U] ‘ergiebig, fruchtbar’

perfil [U] ‘Profil’ ♦ Germanismus oder perquisizion [O] ‘Durchsuchung’ ♦ It.


Italianismus mit Metathese. perquisizione.

perfit [U] ‘perfid, treulos, unredlich’ ♦ Dt. perscémol [U], [O] ‘Petersilie’ ♦ Trent.
tir. perfid (mit Auslautverhärtung!). ven. persemol (Elwert 1943: 89,
DEVI), nicht bellun. parsemol (zu stan­
pergais [U], [O] ‘Bergeis[en] (Art Pickel, dardit. prezzemolo) (< lat.-grch. pe­
um den Boden aufzugraben); Ring, um troselinon, REW 6448) wie Tagliavini
Holzschlitten zu bremsen’ ♦ Tir. (1934: 658) meint. Im Grödnischen
pergaisn (Schatz 61). liegt hingegen der Tirolismus peter­
simbl vor. ► B persèmol
perir [U] ‘Gefahr laufen, zu Grunde ge­
hen’ ♦ It. perire oder direkt von lat. perscin [O] ‘sogar’ ♦ Zur Etymolo­
perīre. gisierung vgl. → nscin.

perit(o) [U], [O] ‘Sachverständiger, persorì [U] ‘schattenseitig’ ♦ Lat. post


Schätzmann’ ♦ It. perito. solīvum mit Präpositionswechsel bzw.
sekundäre Assimilation an pursura
perizia [O] ‘Erfahrung, Untersuchung, (Gsell 1990a: 156). ► G pissulí
Begutachtung’ ♦ It. perizia. ► B
persum [O] ‘Lab gewonnen aus dem aus­
perlina [O] ‘schmales bearbeitetes Brett’ getrockneten Bauch von Milchkälbern’
♦ Zu lat. prehendere ‘nehmen’ (REW
permescio [U] ‘Urlaub, Erlaubnis, Be­ 6736, dort z.B. ait. presime ‘Lab’) (El­
willigung’ ♦ Padanismus (für stan­ wert 1943: 79).
dardit. permesso).
persùt [U]; persciut [O] ‘Schinken’ ♦ It.
pèrmuta [O] ‘Austausch’ ♦ It. permuta. prosciutto mit Präfixwechsel.

pernisc [U], [O] ‘Rebhuhn’ ♦ It. pernice persvajer [U] ‘überzeugen, überreden, be­
oder direkt von lat. perdix ‘dito’ (REW reden’ ♦ Lat. persuadēre ‘dito’ (nicht
6404; mit Sekundäreinfluss von perna im REW) oder Lehnwort aus dem
‘Schinken’?). Padanischen.

perno [U], [O] ‘Angel, Zapfen, Stütze’ ♦ peruca [U] ‘Perücke’ ♦ It. parrucca (<
Italianismus. fr.).

però [O] ‘aber, jedoch’ ♦ Italianismus. ► pestujum [U], [O] ‘Jungvieh, Kleinvieh’
B ♦ Gemäß Gsell (1994b: 338) im EWD
zu pastèr ‘Hirt’ zu stellen. Anderer
perpear [U]; perpeèr [O] ‘gedeihen, ein­ Vorschlag: im EWD als Ableitung un­
tragen, vermehren, sich mehren, ausge­ ter pestè ‘zerstampfen, zerhacken,
ben [= ergeben], fruchtbar sein’ ♦ Ließe zertreten’ (wie buch. pestujum ‘zer­
sich gemäß Gsell (1994b: 339) im hacktes Zeug’). Der Bedeutungswandel
EWD als Ableitung unter pié ‘fangen, ‘zerhacktes Zeug’ > ‘Jungvieh, Klein­

170
vieh’ müsste dann im Fleischer-Frame
metonymisch entstanden sein. Evtl. pianjer [U], [O] ‘weinen, wimmern’ ♦
liegt auch volksetymologische Anbin­ Lat. plangere ‘klagen, weinen’ (REW
dung an bestia ‘Tier’ vor. 6572).

petarol [U] ‘Löwenzahnsteil, an der piantajon [O] ‘Anpflanzung’ ♦ Padanis­


dünneren Seite etwas zugebissen, der mus (zu standardit. piantagione)
den Kindern zum Hervorbringen eines
summenden Tones dient’ ♦ Zu pad. pe­ pianura [U] ‘Ebene, Fläche’ ♦ Italianis­
tare ‘drücken, pressen, schlagen’, un­ mus.
bekannter Herkunft (Prati 1968: 126)?
piasta [U] ‘Metallplatte, Platte, Schloss­
petenar [U] ‘kämmen’ ► G piné, B pe­ kasten’ ♦ It. piastra (< lat.-grch. empla­
tené strum ‘Pflaster’).

petersimbl [U] ‘Petersilie’ ♦ Sollte im piatadoi [U] ‘Gestell, um die Kühe wäh­
EWD unter pètersil ‘dito’ stehen. rend des Beschlagens anzubinden’ ♦ Im
EWD zu plàt ‘platt, flach’ (REW
petit [U], [O] ‘Esslust, Appetit’ ♦ It. ap­ 6585).
petito oder dt. Appetit.
piauta [O] ‘Fuß, Pfote, Tatze’ ♦ Lat.
petizion [U], [O] ‘Bittschrift, Gesuch, Pe­ plautus ‘plattfüßig’ (REW 6589) (El­
tition’ ♦ It. petizione ► B wert 1943: 38).

pétola [O] ‘Klümpchen von Unreinem, pic sm.pl. [O] ‘Parasiten an der Gerste,
Knoten von Fäden o.Ä.’ ♦ Ließe sich am Gemüse, an Blumen’ ♦ Expressiven
im EWD als Ableitung unter pëta Ursprungs (vgl. dazu REW 6477,
‘Haufen, Klumpen’ einordnen. 6494).

petolar [U] ‘verwöhnen, verhätscheln, pichet [U] ‘Pikett, Absteckpfahl bei


verwickeln’ ♦ Die Bedeutung ‘verwi­ Bauten’ ♦ It. picchetto oder dt. Pikett.
ckeln’ legt es nahe, das Wort an das
EWD-Lemma pëta ‘Haufen, Büschel’ picon [U] ‘große Picke, Pickel’ ♦ Sollte
anzuschließen. ► (B petolé?) im EWD als Ableitung unter pìcl ‘Pi­
ckel’ stehen, wenn dort auch buch. pi­
petòrcena [U] ‘faules Weib, unbeholfenes con ‘Spitzhacke’ verzeichnet ist; es
Mädchen’; [O] ‘großer Schmutz; handelt sich jedoch im Gegensatz zum
Grippe’ ♦ Man vergleiche dazu → Tirolismus picl um einen Italianismus.
òrcena.
picoza [O] ‘Hacke’ ♦ It. piccozza. Vgl. →
petrignous [O] ‘lebhaft; unruhig’ picon.

petròlio [U], [O] ‘Petroleum’ ♦ It. petro­ piega [U] ‘Biegung’ ♦ Hier haben wohl it.
lio. piega ‘Falte; Wendung’ und dt. biegen
(tir. piεgn) ~ Biegung zusammenge­
pevida [U] ‘Rotz, Nasentröpfchen’ wirkt.

pfui! [U] ‘pfui!’ → pui pieta [U] ‘Bug, Umstülpung [z.B. Bettde­

171
cke, damit man gleich ins Bett steigen Im EWD zu pìra ‘Stapel’.
kann], Einbug [z.B. bei Leintüchern]’ ♦
Lat. plica ‘Falte’ (REW 6600) bzw. pimpinela [U] ‘Pimpernelle’ ♦ It. pim­
plicta ‘Falte’ (REW 6602). pinella.

pif/bif [U] ‘schick, biff, schneidig, pinacol [O] ‘Felswand; hohe Errichtung;
elegant, aufgeputzt, prächtig’ ♦ Sollte instabile Konstruktion’ ♦ It. pinnacolo
im EWD unter bìf ‘selbstgefällig, ‘Felsgrat’, auch trent. pinacol (Ricci).
schlau’ stehen.  se pifer [O] ‘sich
herausputzen’, spifenar [U] ‘auf­ pindoi pl. [U] ‘silbernes Bäuerinnenhals­
putzen, zieren, verzieren, protzen’ band aus mehreren Ketten und gemein­
samer große Schließe’ ♦ Lat. pendulum
pigagol [U] ‘Birkenfrucht, Erlenfrucht’ ♦ ‘hängend’ (REW 6388).
Im EWD zu pìca ‘Traube’?
pinza [U], [O] ‘großer Laib von Hausrog­
pighenza [U] ‘Spitzhammer’ ♦ Wie gad. genbrot (20-30 cm Durchschnitt)’ ♦
pigòt ‘Holzhammer’ wohl zu lat. pīcus Trent. pinza ‘torta grossolana cotta
‘Specht’ (REW 6484a). sotto la cenere’ (Ricci) oder ven. pinza
‘schiacciata (dolce) con uva o fichi sec­
pignorament [O] ‘Pfändung, Be­ chi’ (lautmalerischer Herkunft, DEVI
schlagnahme’ ♦ Sollte wie die un­ 381). Ist auch amp. und frl. Wird von
terfass. Variante pegnorament im EWD Pallabazzer (1980: 85) als Variante zu
unter pëinch ‘Wetteinsatz’ stehen. pizza angesehen, das auf eine germ.
Wurzel zurückgehen soll, die mit Biss
pigol [O] ‘Steilabhang’ ♦ Vgl. dazu verwandt ist. ► B
nächsten Eintrag.
piolar [U] ‘herabhängen, welken, piepen,
pigolar [U] ‘schweben, ranken, klettern, zwitschern, wehklagen, wimmern’ ♦
hängen, Gefahr laufen’ ♦ Sollte im Vgl. it. pigolare (Hinweis Fabio Chioc­
EWD unter pingulè ‘herabhängen, her­ chetti). Es liegt demnach das lautmale­
abpendeln’ stehen. Bei der dort einge­ rische vlat. piulāre (REW 6551) zu
tragenen fass. Form pendolar handelt Grunde (DELI).
es sich dagegen um einen Italianismus.
piopio [U] ‘Zittern, Rispe, Zittergras’ ♦
pilastrada [U] ‘Blendpfeiler aus Kolz, Expressiven Ursprungs. (Onomasiolo­
Wandblendpfeiler in getäfelten gisch vgl. auch → pirla, → pirol, →
Zimmern’ ♦ Kreuzung aus it. pilastro gronsin).
und dt. Palustrade. Lässt sich im EWD
als Ableitung unter pìra ‘Stapel’ ein­ piòtola [U] ‘Tschurtsche, Tannenzapfen,
ordnen, so wie buch. pilastrela ‘Dach­ Nadelholzzapfen’
giebelstützbalken’.
piovèna [O] ‘anhaltender Regen, Über­
pilonadice pl. [U] ‘Schalen der Korn­ schwemmung’ ♦ Ließe sich im EWD
früchte, welche beim Mahlen abfallen’ als Ableitung unter plovëi ‘regnen’ ein­
♦ Hängt wohl mit lat. pilāre ‘schälen’ ordnen.
(REW 6502) zusammen.
pipì [U] ‘Urin [kindersprachl.]’ ♦ Ex­
en pilota [O] ‘einer über dem anderen’ ♦ pressiven Ursprungs.

172
(wie gad. pisciot). Gibt es auch im
pirè [O] ‘Kartoffelpüree’ ♦ It. purè (de Buch. (‘Bub, Lausbub’), ist aber bei
patate) oder tir. Form von dt. Püree Pellegrini nicht verzeichnet.
(mit entrundetem Palatalvokal).
pissauch/pissouch [U] ‘Ständer, Regal,
pirla [U] ‘Zittergras, Rispe, Crocus ver­ Plattform [Stellage hoch oben meist
nes’ ♦ Zum Schallwort pirl- ‘wirbeln’ ums ganze Zimmer]; Bergplatte (wo
(REW 6522b)? Neben pirla findet sich man leicht abstürzen kann), hochge­
auch die Variante → pirol. (Onoma­ legene sehr steile Bergplatte’
siologisch vgl. auch → piopio, →
gronsin).  pirlanti pl. [U] ‘Fi­ pistacion [U] ‘starker und dicker (genüg­
ligranschmuck (Haarnadeln), samer) Mann’ ♦ Zu nächstem Eintrag.
Zittergräser’
piston [U] ‘große Korbflasche’ ♦ Trent.
pirlo [U]; pirle [O] ‘Kreisel; Kreiseldre­ (Ricci).
hen’ ► G pirl, B  pirlar [U]
‘kreiseln, kreisen, drehen, umkreisen’, pistor [O] ‘Bäcker’ ♦ Ven. pistor ‘dito’ (<
pirlech [U] ‘Schwung, Drehhung, lat. pistor, REW 6539) (Tagliavini
Hupfer, Sprung’ 1934: 672). ► B  pistora [O]
‘Bäckerin’, pistoria [O] ‘Backofen’
pirol [U] ‘Ohrring mit herabhängender,
tropfenförmiger Koralle; Herz­ pitenar [U]; pitener [O] ‘betteln’ ♦ Tir.
zittergras’ ♦ Man vergleiche → pirla. für pittn (Schatz 82).
Die buch. Entsprechung pirol ‘Ohrge­
hänge’ ist im EWD unter dem Lemma pitola [U] ‘jedes bunte Insekt’ ♦ Zu­
pìlora ‘Pille’ – sicher zu Unrecht. sammenhang mit → pitota (de senta
Maria).
pìrole pl. [U] ‘Wolfsmilch “Euphorbia”
[der Saft wird an den Schläfen ein­ pitota de senta Maria [O] ‘Marienkäfer’
gerieben, wodurch schwache Augen ♦ Zusammenhang mit → pitola.
gestärkt werden sollen]’ ♦ Ven. trent.
(Elwert 1943: 102). pizarei pl. [U] ‘würfelig geschnittene und
eingebrannte Feldrüben’ ♦ Sollte im
piron [U] ‘große zweizinkige Kochgabel; EWD unter pózi ‘geschnittene Nudeln’
Querstück an der Kuhkette, um sie an stehen, wenn dort auch oberfass. pi­
der Futterkrippe durch den Ring zu zie­ zarél verzeichnet ist. Ließe sich im
hen und zu befestigen’ ♦ Ven. piron (< EWD aber besser als Ableitung unter
lat.-grch. peiron ‘Zapfen’, REW 6366) pisé ‘Mehl in Wasser einrühren’ und
(Tagliavini 1934: 671). ► B pirona  unter rè ‘Rübe’ statt unter pózi einord­
pirona [U], [O] ‘Essgabel’, pironèda nen.
[O] ‘eine Gabel voll’
pizòtoi pl. [U] ‘Rübenbrocken in mit
pirst [O] ‘großer Pinsel um zu Weißeln’ ♦ Mehl verrührter Milch oder Wasser ge­
Tir. pîrst ‘Bürste’ (Schatz 124) (Elwert kocht’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
1943: 247; Zanotti 1990: 124). leitung unter pisé ‘Mehl in Wasser ein­
rühren’ einordnen.
pisciot [U] ‘Brunzer’ ♦ Sollte im EWD als
Ableitung unter piscé ‘pissen’ stehen placa [U] ‘Blache, Kapuze’ ♦ Tir.

173
plâ*(c)hε (Schatz 84) müsste eigentlich unter die Räder zu befestigen’ ♦ Tir.
plo(c)a ergeben, sodass man eher an pok ‘Balken mit schrägen Füßen,
ahd. blaha ~ plaha denken möchte. Stützen zum Holzschneiden’ (Schatz
95) (Zanotti 1990: 126). ► (B poch
placat [O] ‘Plakat’ ♦ Italianismus ‘Bock (des Wagens)’?)
und/oder Germanismus. Für Zanotti
(1990: 125) handelt es sich eindeutig pocia [U] ‘Filzschuh, Patsche, Pantoffel;
um einen Germanismus. ► B placato tölpisches Mädchen’ ♦ Tir. pątsche
‘Filzschuh, Hausschuh’ (Schatz 51)
plao: fèr plao [O] ‘Ferien an Arbeitstagen und pątschε ‘ungeschickter Mensch’
machen, blau machen; nach der Arbeit (Schatz 50) (Elwert 1943: 244f.;
feiern’ ♦ Mazzel verweist zu Recht auf Aschenbrenner 1972: 59, Zanotti 1990:
dt. blau machen ‘Ferien an 126).  pocen [U]; pocen/pocin [O]
Arbeitstagen machen’ (fürs Tir. vgl. ‘dito’
Schöpf 45); ist auch im Com. zu Hause
(Zanotti 1990: 125). ► B podarel [U], [O] ‘Art Taschenmesser;
Hippe’ ♦ Padanismus (Elwert 1943:
plich [U] ‘geschlossener Brief, Paket, 174), zu lat. putāre ‘Bäume und Reben
Korrespondenzkarte’ ♦ Zu plicare ‘fal­ beschneiden’ (REW 6869). ► B poda­
ten’ (REW 6601)? ruol

plic-plac+! [U] ‘plitsch-platsch!’ ♦ Dt. tir. pojar [U]; pojèr [O] ‘stellen, hinstellen;
plitsch-platsch. hinlegen, niederlegen, hinterlegen,
deponieren, anlehnen, anstützen’ ♦ Lat.
plota [O] ‘Steinplatte, Zementplatte ar­ *pausāre ‘ruhen’ (REW 6308).  po­
mato’ ♦ Tir. pląttε (Schatz 86) (Elwert jada [U] ‘Halteplatz, Rastplatz, Ruhe­
1943: 247). ► B platz; Essbesteck’

plus [O] ‘Leinenjackett, Bluse’ ► G plu­ pojin/pujin [U] ‘Kopfkissen’ ♦ Lat.


sa, B pulicīnus ‘Küchlein’ (REW 6820).

poat [U], [O] ‘Knirps; noch sehr junger, pola [U], [O] ‘Zweig, Ästchen, Rispe,
kleiner Bursche; noch sehr junger, Blütendolde, Sprosse, ährenförmige
kleiner Baum; Küken; noch dampfende Blütenstange’ ► G poles ‘Spreu von
Brandstätte; gelöschter, dampfender Buchweizen’
Kohlenmeiler’ ► G pëut
polca [U] ‘Polka’ ♦ Germanismus
pocem [U], [O] ‘gemeinsames und/oder Italianismus. ► B
Abendessen (oder Imbiss nach dem
Abendessen) aller derjenigen, welche polir [U] ‘polieren, glätten (Metall),
beim Rübenentblättern mitgeholfen reinigen (Metall)’ ♦ It. pulire und/oder
haben, aus gekochten Rüben und Er­ dt. polieren.
däpfel in Uniform’ ♦ Lat. postcēnium
‘nach dem Essen’ (Elwert 1943: 47). polmon/pulmon [U] ‘Lunge’ ♦ Ven. pol­
mon (< lat. pulmo ‘dito’, REW 6833)
pocen [U], [O] ‘Pantoffel’ → pocia (Tagliavini 1934: 676). ► G B  pol­
monaa [U] ‘Lungenseuche’, palmonaa
poch [U] ‘Schlittenkufe, um im Winter [U] ‘Rinderpest, Lungenpest’

174
co ‘schmutzig’ einordnen.
pomela [U] ‘Nadel mit Glaskopf oben,
Knopfnadel’ ♦ Ließe sich im EWD als pordoi [U] ‘[ant.:] eine dem wilden Hafer
Ableitung unter póm ‘Apfel’ einordnen. ähnliche Pflanze’

pongol [U] ‘Gocke (Hautausschlag), Mit­ porfir [U] ‘Porphyr’ ♦ Germanismus.


esser’; [O] ‘Beule; Warze’ ♦ Zu lat.
*pungellus ‘Stachel’ (REW 6851); man pòrgola [U], [O] ‘Garbengabel [es ist eine
müsste aber von einer Variante lange hölzerne Stange und an deren
*pungullus ausgehen. Die Bedeutung Ende eine Astgabelung, die zur Auf­
ist wohl metonymisch-metaphorisch zu nahme der Garben dient, sich befindet]’
sehen: die Hauterhebung sieht aus wie ► G pordla
die Folge eines Insektenstiches bzw.
Bienenstichs. ► (B pongol ‘Borstgras, porlont [O] ‘Zement’
Sumpfgras’?)
posauna [U] ‘Posaune’ ♦ Germanismus.
pontapeto [O] ‘Anstecknadel, Brosche,
Kamee’ ♦ Venetismus (Pallabazzer posol! [U] ‘[Spottwort]’
1980: 88). Zu lat. pungere ‘stechen’?
►B postern [U], [O] ‘schattenseitig’ ♦ Zu lat.
posterio ‘Hinterer’ (REW 6690) bzw.
pontassù [O] ‘nach oben’ ♦ Zu­ *posternus (DEVI 394f.). ► (G
sammensetzung aus lat. punctum pissulí), F pustiern
‘Punkt’ + ad ‘nach’ + supra ‘oben’.
potacia [U] ‘viereckiges Leinwandsäck­
ponzen [U] ‘Banzen, Fass, dickbauchiger chen, in das geweihte Kräuter, Bilder
Mensch’ ♦ Sollte im EWD unter pùnza und Sprüche eingenäht sind; Talisman,
‘Bauch’ stehen. der hinter der Zimmertäfelung und in
der Küche unter dem Boden versteckt
popa de jeneie [U] ‘Kniescheibe’ ♦ Un­ wird [bringt Glück in jedem Haus]’
terfass. popa ist eigtl. [U] ‘Puppe, Pu­
pille’. Offenbar metaphorisch über­ potazion [U] ‘frisch aufgegangene Saat;
tragen. Acker mit frisch aufgegangener Saat’

poperle [O] ‘Steinchen, dass für ein unter potif [U] ‘mächtig, gewaltig, böser
Hirtinnen beliebtes Spiel diente’ ♦ Tir. Mensch’ ♦ Zu lat. potestas ‘Gewalt’
(Elwert 1943: 247). (REW 6697) (vgl. altfr. poesteif ‘mäch­
tig’).
popo [U] ‘kleiner Fatschenbube [= kleiner
Bube in Windeln]’ ♦ Im EWD wohl zu potifa [U] ‘unbedeutendes, gemeinsames
popa ‘Puppe, kleines Mädchen’ (< lat. Klatschweib’ ♦ Zu lat. potta ‘dicke
(expressiv) puppa zu stellen. Lippe’ (REW 6703). Vgl. formal auch
trent. ven. potifa ‘potta; stupido; scioc­
por [U], [O] ‘Warze, Auswuchs; Poren’ ♦ co; vile; permaloso; bietolone, cencio
Lat. porrum ‘Lauch’ (REW 6670). molle’ (Prati 1968: 136, Ricci).

porcon [O] ‘schmutzig; luxuriös’ ♦ Ließe potol [U] ‘grobe Stoppe (Werg), schlech­
sich im EWD als Ableitung unter pòr­ ter Hanf oder Lein, Flachsreste; einge­

175
schrumpfte Rübe; entmutigter Mensch’ ‘Prise Tabak’ (neben fass. preja) zu
♦ Bellun. potol ‘pallottola’ oder trent. stellen sein.
pòtol ‘frutta intristita o imbozzacchita o
di un viso grinzoso’ (Tagliavini 1934: prejempio [U] ‘Beispiel’ ♦ It. per esem­
679). Weitere mögliche Belege im Bu­ pio in padanischer Aussprache.
chensteinischen, im Comelico (potal
‘groviglio di capelli, blocchetto di lana prejenza [U], [O] ‘Anwesenheit’ ♦
arruffata, sudiciume formantesi sul vel­ Padanismus (für standardit. presenza).
lo degli animali; lappola’) und im
Veneto (pòtole ‘sorbe infilzate’). Die prejepio [U]; prejepie [O] ‘Weih­
letztendliche Herkunft dieses Worttyps nachtskrippe’ ♦ Italianismus.
ist gemäß Tagliavini schwer zu klären.
Sollten alle erwähnten Formen jedoch premer [U], [O] ‘daranliegen, treiben, ei­
zusammengehören, so könnte gemäß lig sein’ ► G prëm, B prëme  pre­
Tagliavini eine Verbindung zu mura [U] ‘Eile, Eifer, Verlangen’, pre­
schweizfr. faire la potte ‘maulen’ zu murous [U], [O] ‘angelegentlich,
sehen sein, welches auf potta ‘dicke dringend’
Lippe’ (REW 6703) zurückzuführen
wäre. Die semantische Entwicklung presbiterie [O] ‘Presbyterium’ ► G pres­
müsste dann folgendermaßen von bitere
Statten gegangen sein: ‘dicke Lippe’ >
‘Grimasse, Fratze’ > ‘Runzel’ > ‘runz­ presciapech [U], [O] ‘ungefähr’ ♦ In
lig’ > ‘runzlig [von Obst]’ > ‘Obst­ Moena heißt es presapöch. Zu nächs­
abfall’ > ‘Getreideabfall’. Wirkt jedoch tem Lemma?
sehr konstruiert. ► B potoi
prescio [U] ‘nahe, nächst, fest, neben’ ♦
poz [O] ‘Widerstand’ ♦ Zu trent. pòz%(o) Sollte im EWD als Ableitung unter
‘appeggiatoio; spalliera’ (Ricci)? prësc ‘bald’ stehen.

pramesc [U] ‘feiner Rahmmus aus Wei­ prescion [O] ‘Druck’ ♦ Norditalianismus
zenmehl, geriebenem Weißbrot, worauf (zu standardit. pressione).
noch Weinbeeren gestreut und ausge­
lassene Butter geschüttet wird’ ► G present [U] ‘Geschenk’ ♦ It. presente
pramuesc oder dt. Präsent.

preàmbol [O] ‘Vorrede; Zeremonie’ ♦ It. presor [U], [O] ‘Lab zur Bereitung von
preambolo. Käse’ ♦ Trent. (Ricci 342) (Elwert
1943: 186).
prèda [U] ‘Pflasterplatte, Marmelstein;
Beute’ ♦ Handelt es sich hier wirklich pressa [U] ‘Presse’ ♦ Italianismus
um Polysemie? Die letzte Bedeutung und/oder Germanismus.  pressar [U]
ist sicher auf lat. praeda ‘Beute’ zu­ ‘pressen’
rückzuführen. ► B
pretest [U] ‘lügnerische Entschuldigung,
preisa [U] ‘Strapazen, Mühe, Not; Prise, Vorwand, Vorspiegelung, Protest’ ♦ It.
Dosis; Lohn; Behandlung’ ♦ Liegt hier pretesto. Die Bedeutung ‘Protest’ kann
wirklich Polysemie vor. Die Bedeutung getrennt werden; dann ist pretest Vari­
‘Prise, Dosis’ dürfte im EWD zu préja ante zu → protest.

176
Frühmesser’ ♦ It. primessario.
pretor [O] ‘Amtsrichter’ ♦ It. pretore.
Ließe sich im EWD als Ableitung unter pronosticare [U] ‘voraussagen, vorher­
pretùra ‘Amtsgericht’ einordnen. sagen, prognostizieren’ ♦ It. pronosti­
care. ► B pronostiché  pronostech
prevaler [U] ‘überragen, überwiegen, [U] ‘Prognose, Vorhersagung’, pronò­
Oberhand haben, prahlen’ ♦ It. prevale­ stiche sf.pl. [U] ‘Vorhersagungen, Pro­
re oder eigene Bildung zu lat. valēre gnose’
‘wert sein’ (dann im EWD zu varëi).
pròroga/pròlega [U] ‘Einvernahme, Ver­
preventif [U] ‘Vorsorge, Verhinderung; tagung’ → prólega ► B proroghé
vorsorglich’ ♦ It. preventivo und/oder
dt. präventiv. prosa [U] ‘Prosa’ ♦ Italianismus und/oder
Germanismus. ► B
prezio/prezo [U] ‘Preis, Wert’ ♦ Italianis­
mus. se prosciumèr [O] ‘sich aufopfern; sich
Sorge machen um’
prezioji sm.pl. [U] ‘Schmucksachen, Pre­
tiosen, Kostbarkeiten, Wertsachen’ ♦ protest [U] ‘Protest’ ♦ It. protesto
Padanismus (zu standardit. preziosi). und/oder dt.

prezipitar [U] ‘übereilen, überstürzen, protet [O] ‘Schützling’ ♦ It. protetto.


hinabstürzen, beschleunigen, hin­
abwerfen, sich hinabwerfen’ ♦ Nordita­ provijorio [U]; provijorie [O] ‘proviso­
lianismus (für standardit. precipitare). risch’ ♦ Padanismus (zu standardit.
provvisorio).
prezipizio [U] ‘Abgrund, Verderben’ ♦
Padanismus (zu standardit. precipizio). prudel [O] ‘Zugtier, das man bei schwe­
ren Wegstrecken oder bei sehr schwe­
procurar [U] ‘vorsorgen, besorgen, be­ ren Wägen anspannt; Handpferd’ ♦
vollmächtigen’ ♦ Sollte im EWD unter Trent. prodel, ven. prodelo ‘Vorspann’,
procuré ‘verschaffen, besorgen, trach­ von lat. protēlum ‘Deichsel’ (REW
ten’ stehen.  procura [U] ‘Voll­ 6790a) (Ricci, Prati 1968: 137).
macht, Prokura, Besorgung’, procura­
tor/curator [U] ‘Bevollmächtiger, Pro­ prugna [U] ‘Zwetschge’ ♦ Spätlat. prū­
kurist’ nia.  prugné [U] ‘Zwetschgenbaum’

pròlega [U] ‘Verschiebung einer prùjia [U] ‘Bruse, Brösel’ ♦ Tir. prûschε
Gerichtsverhandlung’ ♦ Italianismus. ‘Brosame’ (Schatz 115).

pròlogo [U] ‘Prolog, Vorwort, Vorrede’ ♦ puf [O] ‘Schopf, Büschel; Bremse,
Italianismus. Stechfliege’ ♦ Expressiven Ursprungs.
► (B puf?)
prolongiar/slongiar [U] ‘verlängern, hin­
ausschieben, verschieben’ ♦ It. pro­ pugnal [U] ‘Dolch’ ♦ Ließe sich im EWD
lungare bzw. nordit. Variante. als Ableitung unter pugné ‘raufen,
rangeln’ einordnen.
promessare [U] ‘Frühmessgeistlicher,

177
pui [U] ‘pfui’ ► G fui, B kaum fertige Butter’ ► G

pujin [U] ‘Kissen’ → pojin putìa [O] ‘wirres Zeug’ ♦ Expressiven Ur­
sprungs?  putiar [U]; putier [O]
pulac [U] ‘Käsegerinsel (wenn die Masse ‘pfuschen, kleine Arbeiten, verrichten’,
noch im Kessel ist, sich aber bereits putièda [O] ‘schlecht gemachte Arbeit’
von der Molke getrennt hat)’
R
puleta [O] ‘Eisenkessel, um Polenta zuzu­
bereiten’ ♦ Zu lat. polenta ‘Gersten­ ra: en ra en ra [O] ‘nach und nach’ ♦
graupen’ (REW 6634)? Vgl. dazu auch Steht im EWD unter ingrè fälschlicher­
→ pulac und → pult. weise als in re (vgl. Gsell 1993b: 184).
pult [U], [O] ‘unrichtig gekochte Speise raa [U] ‘Floß’ ♦ Lat. ratis ‘dito’ (REW
(bes. aber sehr weiche Polenta oder 7088) (vgl. auch Hubschmid 1950a:
sehr dickes Türkenmus oder Mus aus 349).
schlechtem Mehl)’ ♦ Lat. puls, pultem
‘Brei aus Spelt- oder Bohnenmehl’ rabesc [U] ‘Habgieriger’ ♦ Ließe sich im
(REW 6836). Zusammenhang mit → EWD als Ableitung unter rabiùs ‘wü­
puleta? tend, gierig’ einordnen bzw. direkt auf
lat. rapum ‘Rübe’ (REW 7065) zu­
pulmon [U] → polmon rückführen, wenn dort auch canav.
rabasar ‘zusammenraffen, aufhäufen’
pum! [U] ‘bum!’ ♦ Lautmalerischen Ur­ genannt ist. Eine andere Möglichkeit ist
sprungs. jedoch, von einer Wurzel *rabb-
‘schlagen, Lärm machen’ (FEW X:
pumpenèr [O] ‘dröhnen, widerhallen, 1ff.) auszugehen (Pallabazzer 1980:
lärmen’ ♦ Lautmalerischen Ursprungs. 90). ► (B rabascé)
Evtl. tir. (vgl. Schatz 119, Hinweis
Fabio Chiocchetti).  pumpenèda [O] rabico [O] ‘arabisch’ ♦ Lat. arabicus
‘Widerhall, heftiger Schlag’ ‘dito’ mit Aphärese.
pùnchie [U] ‘Klöppelkissen, Bünkel rabie sm. [U], [O] ‘Ofenkrücke, um die
[patholog.]’; [O] ‘Magen, Eingeweide, Glut aus dem Ofen zu kratzen’ ♦ Lat.
Nadelkissen; dicker und schlecht rutabulum ‘Ofenkrücke’ (REW 7472)
hergestellter Gegenstand; großes und (vgl. auch DIDE 229). Wohl von ven.
schweres Kopfkissen, das mit einem rabio beeinflusst (vgl. Prati 1968: 139);
dumpfen Schlag von der Decke zu eine besser konservierte Form stellt →
fallen scheint (Aberglaube)’ ► G rodàbie dar (Elwert 1943: 59). Sollte
puntl, B puoncle im EWD unter radabl ‘Ofenkrücke’
stehen (Gsell 1994b: 340).
pura [O] ‘schwere Schleppe; Baumklötze
oder Baumstämme, die als Bremse bei rabin [U] ‘Forscher, Nachspürer, Lang­
Schlitten oder Karren (beim Hinab­ finger’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
steigen in den Bergen) verwendet leitung unter ràbia ‘Zorn, Wut’ einord­
werden’ ► G nen (vgl. fass. rabár ‘nachspüren’).
puter [O] ‘noch im Fass befindliche, raca [U] ‘Haken, Widerhaken’ ♦ Von lan­

178
gob. raka ‘Rechen’ (REW 7018)?  ler]’ ♦ Padanische Variante zu stan­
rach [U] ‘Kind, das mit einem an einer dardit. graffietto?
Holzstange befestigten Haken, dem
anderen Kind, das einen Drachen flie­ ragesc [O] ‘Zerstörung, Vernichtung’
gen lässt, den Faden abzureißen trach­
tet; Widerhaken’ ragio [O] ‘Strahlenkranz für die Ausle­
gung des Allerheiligsten’ ♦ It. raggio
racer [U] ‘Ratscher’ ♦ Tir. râtschn ‘trat­ (< lat. radius ‘Strahl’, REW 6999).
schen, ausplaudern’ (Schatz 473). ►
(B racia?) raiber [O] ‘Schraubenhaken, Fenster­
riegel, Klinke’ ♦ Tir. raiwεr ‘drehbarer
rach [U] ‘Kind, das mit einem an einer Riegel’ (Schatz 478) (Elwert 1943:
Holzstange befestigten Haken, dem 247; Zanotti 1990: 131).
anderen Kind, das einen Drachen
fliegen lässt, den Faden abzureißen ràisera [U] ‘dürres Reisig; dünner, dürrer
trachtet; Widerhaken’ → raca Ast’ ♦ Tir. raissεr ‘dito’ (Schatz 479).

racheta [O] ‘Skistock; Rakete’ ♦ It. rac­ raisnegl [O] ‘Reißnagel’ ♦ Mazzel
chetta. verweist auf dt. Reißnagel. ► B
raisneghel
racolar [U] ‘röcheln’ ♦ Vom lautmale­
rischen Stamm *rak- ‘dito’ (REW raja [U] ‘hartes Pech, Harz; Kaupech, das
7017).  rácola [U] ‘Röcheln, Schnar­ man im Mund kaut’ ♦ Wortkürzung
re’ von rejina?  rajer [U] ‘Pechsamm­
ler’, rajera [U] ‘große Menge Pech’,
radopiar [U] ‘verdoppeln’ ♦ Ließe sich rajina [U] ‘Instrument, um die Fugen
im EWD als Ableitung unter dópl für den Boden eines Schaffes zu bepe­
‘doppelt’ einordnen. ► B radoplé chen’

se radunar [U] ‘sich zusammenraffen’ ♦ ramaisser [O] ‘heimliche Dinge aufspü­


It. radunare (lat. adunāre, REW 209). ren; durchstöbern’ ♦ Trent. ven.
 radunanza [O] ‘Zusammenkunft, ramaissar ‘far un leggero rumore mo­
Versammlung’ vendosi di continuo, moversi colla per­
sona’; vielleicht expressiven Ursprungs
rafa/rife-rafa [U] ‘riff-raff’ ♦ Dt. rif-raf. (Ricci, Prati 1968: 140).

rafagna [U] ‘Plunder, Gerümpel’ ♦ Zu rampeghina [U] ‘Pulmonaria officinale’


ahd. raffôn ‘raffen, rupfen’ (REW ♦ Von germ. rampa ‘Haken, Kralle’
7005)? (REW 7032) (vgl. pad. rampeg(h)en
‘Mauerspecht’).
rafar [U] ‘raffen, ergreifen, zusammen­
stehlen’ ♦ It. arraffare mit Aphärese. ramusc: fèr ramusc [O] ‘konsumieren,
verbrauchen; zerstreuen’
rafenèr [O] ‘sich zanken, aneinander ge­
raten, klettern’ ♦ Im EWD zu rafè rana [U], rèna [O] ‘Frosch’ ♦ Lat. rana
‘reiben, nagen’. ‘dito’ (REW 7038). ► B

rafet [U] ‘Risswinkel, Strichmaß [Tisch­ rànchen [U] ‘Ranke; aus einem Gabelast

179
gefertigter Holzhaken’ ♦ Tir. rąnkε cken’  rassegnazion [O] ‘Resignati­
‘Ranke’ (Schatz 471). on, Ergebung’, rassegner [O] ‘nie­
derlegen, [Rücktritt] einreichen’
rango [U] ‘Rang’ ♦ It. rango.
raut [U] ‘Reut; steiniger, unfruchtbarer
rapa [U], [O] ‘Feldrübe; Karst, um das Boden’, [O] ‘gerodeter Boden, wieder
Unkraut auszukratzen [mit 3-4 Zäh­ aufgewerteter Boden’ ♦ Tir. raut ‘Raut,
nen]’ ♦ Es liegen wohl zwei unter­ Rodung’ (Schatz 475).  rautar [U]
schiedliche Etyma vor, die lautlich zu­ ‘reuten, urbar machen, den Boden um­
sammengefallen sind: 1. it. rapa wühlen’
‘Rübe’, 2. germ. krappa ‘Haken’
(REW 4760, Faré; Zanotti 1990: 132). ravaèda [O] ‘Riss im Lack’ ♦ Zu germ.
 rapar [U], [O] ‘raffen, mit dem rapôn ‘reißen’ (REW 7057).
Karst das Unkraut ausjäten [wie alles
zusammenraffen z.B. zum Anfeuern]’ raz [U] ‘Rakete, Feuerwerk’ ♦ It. razzo.

rapatumar [U] ‘aussöhnen, versöhnen, razier [O] ‘Person, die für die Überwa­
besänftigen’ ♦ It. rappatumare, auch chung des Kaminputzes verantwortlich
trent. rapatumar (Ricci). ist’

rapedicàpedi [U] ‘über Kopf und Hals’ ♦ razion [O] ‘Ration, Portion’ ♦ Italianis­
Expressiven Ursprungs. mus.

rapiment [U] ‘Entführung, Raub’ ♦ It. ra­ realisar [U] ‘realisieren, in Geld um­
pimento. setzen’ ♦ It. realisare.

rasar [U] ‘eben abstreichen (eben ausglei­ rebadir [U] ‘nieten, vernieten, Nagel­
chen), beseitigen, niederreißen’ ♦ It. spitze (Eisen) umschlagen’ ♦ It. ri­
rasare. badire (unbekannter Herkunft, DIDE).

rasciadure sf.pl. [U] ‘Abschabware, rebalton [O] ‘Umsturz, Stoß,


Abgeschabtes, Abgekratztes’ ♦ Ließe Zerschmetterung, Zertrümmerung, Er­
sich im EWD als Ableitung unter rascè schütterung, Umwälzung, Tumult’ ♦ It.
‘reiben, abkratzen, liebkosen’ einord­ ribaltone.
nen.
rebalza [U] ‘Klappe, Falltüre’; [O] ‘Fall­
rasear [U] ‘schwer atmen, rasseln, rö­ tür mit entsprechender Klappe; Tür im
cheln’ ♦ Lautmalerischen Ursprungs? Fußboden, um an die unteren Räum­
lichkeiten zu gelangen; Tür in Decke,
rasera [U] ‘Sandsieb, Sandgitter’ um an die oberen Räumlichkeiten zu
gelangen’ ♦ Venetismus (Prati 1968:
ràsina [U] ‘Fuge; Falz; Einschnitt; Instru­ 142) zu it. ribalta (Pallabazzer 1980:
ment, um Fugen etc. zu machen’ ♦ Lat. 91). Während man beim it. Wort von
*rasicāre ‘schaben, kratzen’. einem lat. *rebalta (vgl. dazu DELI s.v.
ribaltare) ausgehen kann, müsste man
rassegna [U] ‘Militärstellung [veraltet]’ ♦ beim fass. Lexem dann von *rebaltia
Ließe sich im EWD als Ableitung unter ausgehen.
rassegné ‘sich ergeben, sich dareinschi­

180
rebombar [U] ‘widerhallen’ → rim­ verlangen, ersuchen’ ♦ It. ricercare.
bombèr
recevuda [U] ‘Empfang, Empfangschein,
rebotam [O] ‘Tumult, Heidenlärm, Quittung’ ♦ It. ricevuta. Ließe sich im
Zerschmetterung, Zertrümmerung’ ♦ EWD als Ableitung unter recève ‘erhal­
Expressiven Ursprungs. Mit Einfluss ten’ einordnen.
von lad. bot ‘Schlag, Schuss’.
rechia [U], [O] ‘Requiem, Ruhe, Tast’ ►
rebuf [O] ‘skorbutisch, mürrisch, gries­ G
grämig; unzugänglich’ ♦ Mazzel führt
das Wort auf das Trent. zurück. ► (G recluta sm. [U], [O] ‘Rekrut’ ♦ It. recluta.
rebuf ‘Brotkruste’?)
recor [U] ‘Reue, Mitleid, Leid’; [O] ‘Be­
rebusc [U] ‘Rebus, Rätsel; Luftröhre’ ♦ dauern; Erinnerung, Andenken’ ♦ Es
Die Bedeutungen sind wohl zu trennen. stecken wohl zwei Lexeme dahinter.
Es liegt wohl Norditalianismus (zu Die Bedeutung ‘Erinnerung, Anden­
standardit. rebus) vor, was die Bedeu­ ken’ lässt sich im EWD als Ableitung
tung ‘Rebus, Rätsel’ betrifft. Bei der unter recordè ‘erinnern, erwähnen’ ein­
zweiten Bedeutung sucht man eher eine ordnen.
Anbindung an gad. büsc dl nes ‘Nasen­
loch’, büsc dla orëdla ‘Gehörgang’ recorer [U], [O] ‘rekurieren, Zuflucht
(EWD s.v. büsc ‘Loch’, < *būsium, nehmen’ ♦ It. ricorrere.
REW 9115).
recors [U] ‘Rekurs, Zuflucht’ ♦ Sollte im
recamar [U], recamèr [O] ‘sticken’ ♦ It. EWD unter recùrs ‘Einspruch’ stehen.
ricamare. ► B recamé  recam [U]
‘Stickerei’ redejin [U] ‘Netz, Haarnetz, Vo­
gelfangnetz’ ♦ Ließe sich im EWD als
recapitar [U], [O] ‘wiederkehren, zu­ Ableitung unter rëi ‘Netz, Haarnetz’
stellen, einlösen [Wechsel]’ ♦ It. rica­ einordnen. Von lat. *rēticina ‘Wurf­
pitare.  recapit [U] ‘Wiederholung, netz’ (REW 7259).
Weisung, Bestimmungsort, Adresse,
Absatz; schlechter Lebenswandel’ rédena [U], [O] ‘Zügel’ ♦ Lat. *retina
‘Zügel’ (REW 7261).
se recar [U] ‘sich begeben, überreichen,
herbeibringen’ ♦ It. recarsi. redìmer [U] ‘loskaufen, erlösen’ ♦ It.
redimere ‘erlösen’.
recascar [U] ‘zurückfallen, umfallen’ ♦
Zu it. cascare.  recascada [U] redir [U] ‘aufkündigen, verweigern, los­
‘Rückfall’ sagen, absagen’, [O] ‘auf die Erbschaft
verzichten’ ♦ Ließe sich im EWD als
recavar/reciavar [U] ‘herausziehen, ent­ Ableitung unter dì ‘sagen’ einordnen.
nehmen, kapieren’ ♦ In Moena liegt die
Bedeutung ‘verdienen’ zu Grunde. It. redità [U] ‘Erbschaft, Erbe, Nachlass’ ♦
ricavare mit unterschiedlichen Graden It. eredità. ► B redité  reditar [U]
der Integration. ‘erben, beerben’

recercar [U] ‘aufsuchen, untersuchen, refenar [U] ‘darreichen, hinreichen’

181
ferig sind (= Firstmahl)’
referir [U] ‘referieren, berichten’ ♦ It.
riferire. ► B referí reja/resa [U]; reja [O] ‘Kirchentor; Skon­
trierung, Nachrechnung’ ► G B rejes
refizar [U] ‘nochmals falten, einfalten’ ♦
Ließe sich im EWD als Ableitung unter reja [O] ‘Harz; Geschrei’ ► G
fìza ‘Falte’ einordnen.
rejentar [U] ‘versilbern’ ♦ Lat. argentare
refiziar [U] ‘den Hunger stillen’; se refi­ mit Metathese in der Anlautsilbe.
zièr [O] ‘sich erquicken, sich stärken,
sich laben’ ♦ In Moena liegt die Be­ rejentèr [O] ‘spülen, abwaschen’ ♦ Lat.
deutung ‘ausbessern, sich stärken, sich recentāre ‘mit Wasser abspülen,
laben’ vor. Von ven. refiziarsi ‘ristorar­ reinigen’ (REW 7110) (Gsell 1996b:
si’ (< ait. refiziarsi) (Prati 1968: 143). 226), evtl. übers Ven. (vgl. Prati 1968:
144) oder trent. res%entar (Ricci). ► B
refle: de refle [U] ‘oft, häufig’ ► G rasent ‘nagelneu’
ru(v)el, B derevel
rejister [O] ‘widerstehen’ ♦ Padanismus
reflescion sf. [U] ‘Reflex, Widerschein, (für standardit. resistare).  rejistenza
Rückstrahlung’ ♦ Padanismus (zu stan­ [O] ‘Widerstand’
dardit. riflessione).
rela [U] ‘Heuschwade, Heuscheibe auf
refletar [U] ‘reflektieren, widerstrahlen, der Wiese’ ♦ Lat. rotella (von rotāre
zurückstrahlen, zurückwerfen’ ♦ It. ‘herumdrehen’, dann auch ‘Korn zu­
riflettere bzw. nordit. Variante mit Suf­ sammenscharren’, REW 7388).
fixwechsel.
relichia [U]; reliquia [O] ‘Reliquie’ ♦ It.
reflus [U] ‘Widerschein, Zurückstrahlung, reliquia.
Reflex, Nachdenken, Überdenken’ ♦ In
Moena liegt die Bedeutung ‘Unord­ remanar [U] ‘rücksenden, zurücksenden’
nung, Verwirrung’ vor. Von it. riflusso ♦ Zu lat. mandāre ‘übergeben’ (REW
bzw. nordit. Variante. 5286).

refratario [O] ‘Schamotteziegel; feu­ remarcar [U] ‘bemerken, beobachten, be­


erfester Stoff’ ♦ It. refrattario. achten’ ♦ It. rimarcare.

refrigerio [U] ‘Abkühlung, Trost, etwas remarco [U] ‘Bemerkung, Beobachtung’


Ruhe’ ♦ Italianismus. ♦ It. rimarco.

refugiar [U] ‘flüchten, fliehen’ ♦ It. rifu­ rembie [U]; [O] ‘Gerippe, Gerüst, Spar­
giare.  refugio [U], [O] ‘Zu­ renwerk’; rembia [O] ‘verwahrloste
fluchtshaus, Schutzhaus, Zuflucht’ Kuh’ ♦ Tir. rempε ‘magere Kuh’
(Schatz 481).
regal [U] ‘Geschenk [nobel]’ ♦ It. regalo.
► B  regalar [U] ‘beschenken’, re­ remenat [U], [O] ‘Fenster (über der
galia [O] ‘Jause oder Abendessen, das Türe), Oberfenster, Sprengbogen’ ♦
man Bauarbeitern anzubieten pflegt, Trent., ven. remenato (Ricci, DEVI
wenn sie mit dem Rohbau des Hauses Prati 1968: 143).

182
en, laut lachen, rote Milch geben’ 
remenent [U] ‘beweglich, unruhig, zappe­ renol [U] ‘Nüster, Rüssel, Wiehern,
lig’ Gewieher, Geschrei’, renolèda [O]
‘Gewiehere’ ► (G rëni ‘barsche Anre­
remida [U] ‘Geräusch, Lärm (bes. infolge de, barsches Wort’?)
eines Falles)’; [O] ‘Zeichen, das brüns­
tige Kühe geben’ ► G renomar [U] ‘renomieren, herum­
schwätzen, groß sprechen’ ♦ It.
remonèr [O] ‘reinigen, säubern; ver­
jüngern, auffrischen; im Frühling die reomatismo [U] ‘Rheumatismus’ ♦
Wiesen wieder hinaufsteigen’ ♦ Die Italianismus.
Bedeutung ‘im Frühling die Wiesen
wieder hinaufsteigen’ ist wohl ein reout [U] ‘gewölbt; Gewölbe’ ♦ Von lat.
eigener Eintrag und wird auf lat. re-volvere ‘wälzen’ (REW 7284).
*montāre ‘steigen’ (REW 5668) zu­ Ließe sich im EWD als Ableitung unter
rückgehen. Der erste Bedeutungskom­ óta ‘Biegung’ einordnen. ► B
plex weist dagegen auf lat. remundāre
‘reinigen’ (REW 7203). repesc [U] ‘Wintersprossen [= Winter­
blätter] der Weißrüben’; [O] ‘Waldspi­
remonta [U] ‘Remonte’ ♦ It. remonta nat’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
und/oder dt. Remonte. leitung unter rè ‘Rübe’ einordnen.

remunerar [U] ‘belohnen, vergelten’ ♦ It. repetar [U] ‘zurückwerfen, niederwerfen,


remunerare.  remunerazion [U] vorwerfen, zurückschnabeln’ ♦ Lat.
‘Remuneration, Vergeltung, Beloh­ repeditāre ‘mit den Füßen schlagen’
nung’ (REW 7220) (vgl. nordit. ‘um sich
schlagen, sich gegen etwas auflehnen,
rencignà [U] ‘vernachlässigt, protestieren’).
schwächlich, verwildert, dürr;
Schwächling’; [O] ‘schlaff, welk’ ♦ Zu­ repeter [U] ‘wiederholen, überdenken’ ♦
sammenhang mit EWD-Lemma rénce­ Von it. ripetere.
na ‘steile, schlechte Wiese’ (nur im
Gad., unbekannter Herkunft)? Eine repezar [U] ‘aufflicken, aufrichten, her­
Kreuzung mit tir. ran ‘schmächtig’ richten, wiederherstellen’ ♦ Ließe sich
(Schatz 481)? im EWD als Ableitung unter péza
‘Lappen, Tuch’ einordnen.
renegar [U] ‘verleugnen, abschwören,
lästern, verraten’ ♦ It. rinnegare reprendadure [U] ‘Erkältung’ ♦ Wohl
‘verleugnen’. ► B reneghé Pseudo-Italianismus zu prendersi un
raffreddore / una infreddatura.
renolà: lat renolà [U] ‘rote Milch (wenn
die Ziegen etc. das Euter geschwollen res [U] ‘Ableger [Pflanzenteil], Sprosse’ ♦
haben)’ ♦ Wohl Volksetymologie nach Lat. resex ‘Stück Wurzel, das übrig
→ renolar ‘wiehern, schreien’ zu einer bleibt, wenn der Senker der Rebe abge­
früheren Form rondolà, die etwa im schnitten ist’ (REW 7242) (vgl. trent.
Buch. zu Hause ist. ► B rondolé res ‘Pflänzling’).

renolar [U]; renolèr [O] ‘wiehern, schrei­ resćiaudar [U] ‘erwärmen, aufwärmen,

183
erhitzen, aufbrausen, erzürnen’ ♦ Ließe
sich im EWD als Ableitung unter ćiàlt ressentir [U] ‘empfindlich sein, beleidigt
‘heiß’ einordnen. sein, leicht grollen, ärgern’ ♦ It. risenti­
re.
rescidenza [U] ‘Residenz’ ♦ Padanismus
(für standardit. residenza). restogn sf.pl. [U] ‘Getreidehülsen, die
beim Mahlen abfallen; Grütze’ ♦ Lat.
rescir/roscir [U] ‘ausforschen, forschen, *restoneus (zu restāre ‘zurückbleiben’,
erforschen’ REW 7248) (Tagliavini 1934: 686,
265). ► B restogn ‘licht, spärlich,
resconei [O] ‘Mäusedorn’ ♦ Zu lat. schütter’
rūscum ‘dito’ (REW 7460).
restorant [O] ‘Restaurant’ ♦ Dt. Restau­
reser [U] ‘flennen, weinen’ rant.

reserva [U] ‘Reserve, Vorbehalt, restrénjer [U] ‘zusammenziehen, zu­


Rückhalt’ ♦ It. riserva. sammendrücken, eindrücken, ein­
schließen, beschränken, verengen, nö­
resoì/resorì [U] ‘sonnseitig’ ♦ Vgl. dazu tigen’ ♦ Norditalianismus (zu stan­
auch → persorí. ► (G pissulí) dardit. restringere).

resp [O] ‘von geringem Wert’ ♦ Zu → re­ retaar [U] ‘zuschneiden, beschneiden, zu­
spa ‘Reisig’? schnitzeln’ ♦ Sollte im EWD als Ab­
leitung unter taié ‘schneiden’ einord­
respa [U] ‘Reisig’; [O] ‘Splitter, dünne nen. ► B  retai/retaes pl. [U] ‘Zu­
trockene Ästchen’  respar [U] schneideabfälle, Schnitzabfälle, Ab­
‘Reisig sammeln’ schnitzel’

respac [U] ‘das Rauhe auf der Zunge’ ♦ retegn [O] ‘Rückhalt; Organisation’ →
Zu vorherigem? retegnir

réspete! [O] ‘Schneller! Beeil dich!’ ♦ retegnir [U] ‘dafürhalten’ ♦ Lat. retinēre
Ließe sich im EWD als Ableitung unter ‘zurückhalten’ (REW 7263).
rèsc ‘ungestüm, voreilig’ einordnen.
retejìa [U], [O] ‘Bosheit, böse Tat’
ressent [U] ‘empfindlich, leicht beleidigt,
grollend, herb, ärgerlich’ reten [U] ‘Netz, Garn, Milchseihtuch’ ♦
Variante zu re. Im EWD zu rëi ‘Netz,
ressentada [U] ‘Absatz, Stufe (im Gebir­ Haarnetz’.
ge), Ausschwänzung’ ♦ Metonymisch
zu trent. ressentada ‘risciacquata’ (Ric­ retornar [U] ‘zurückkehren, umkehren,
ci 366). Vgl. dazu nächsten Eintrag. zurücksenden’ ♦ Ließe sich im EWD
als Ableitung unter tornè ‘drehen’ ein­
ressentar [U] ‘ausschwenken [Fässer], ordnen.  retorn [U], [O] ‘zurück, re­
ausspülen, auswaschen von Fässern mit tour; Rückkehr, Rücksendung, Um­
heißem Wasser, wobei das Fass hin kehr’
und her gerüttelt wird; Silber etc. glän­
zend machen’ → rejentar revedoz [U] ‘Lärm, Geräusch, Gepolter,

184
Getrampel, Erdbeben [der Lärm etc. rez: pèr di(a)na e rez! [U] ‘Potztausend!
soll stets auch das Gefühl erwecken, Bei Gott!’
dass er durch Getrampel, Umwerfen,
nie aber durch Wort u.ä. entsteht]’; [O] rezeiver/rizeiver [O] ‘erhalten’ ♦ Im
‘Lärm’ EWD ist nur receiver verzeichnet (s.v.
recève). Hier handelt es sich um einen
reveièr [O] ‘sich erheben, sich empören, Padanismus.  rezevuda/rizevuda
hervorrufen’ ♦ Lat. revigilāre ‘wachen’ [O] ‘Erhalt’
(REW 9326).  reveièda [O] ‘Erhe­
bung, Empörung’ rezent [U] ‘pikant, anzüglich, scharf,
beißend’ ► G rassent
revel: de revel [U], [O] ‘schnell, flink,
häufig’ → refle rezess [O] ‘Verringerung, Schmälerung;
Behinderung, körperlicher Fehler’ ♦
revelèr [O] ‘ertragen, verkraften’ ♦ Lat. Sollte im EWD als Ableitung unter
rebellāre ‘sich auflehnen’ (REW zessè ‘zurückweisen, wegrücken’ ste­
7103). hen.

reverir [O] ‘verehren’ ♦ It. riverire. rezet [U] ‘Rezept’ ♦ Dt. Rezept.

revers [U] ‘Rückseite, Reversseite, rezetar [U] ‘laut hersagen, vorbeten, vor­
verschrobener Mensch [= Narr]; umge­ lesen’ ♦ Sollte im EWD unter rezité
kehrt, verkehrt’; [O] ‘Abhang, Gefälle, ‘rezitieren’ stehen.
Grat durch den besten schattigen Platz’
♦ Lat. reversus ‘zurückgewendet’ rezevitor [U] ‘Steuereinnehmer’ ♦ Pseu­
(REW 7277).  reversa [U] ‘Rücksei­ doitalianismus.
te, Verkehrtheit’; a la reversa [O]
‘entgegen, zufällig, übel’, reversar rezevuda/rizevuda [O] → rezeiver/rizei­
[U], reversèr [O] ‘umschütten, ver­ ver
schütten, umwerfen, umkehren, auslee­
ren’ rezin [U], [O] ‘Rizinus, Rizinusöl’ ♦ Pa­
danismus (zu standardit. ricino).
reversar [U], [O] ‘umschütten, ver­
schütten, umwerfen, umkehren, aus­ ribrez [U] ‘Widerstand, Störrigkeit,
leeren’ → revers ► B loversé Schauder’ ♦ It. ribrezzo.

reversin [U] ‘Naht, Masche [Strumpfma­ richent [U], [O] ‘sehr reich’ ♦ Ließe sich
sche]’ ♦ Zu lat. reversāre ‘umwenden’ im EWD als Ableitung unter rìch
(REW 7276). ‘reich’ einordnen.

revicel [O] ‘Furunkel; Abszess’ → avicel ricio [U] ‘Igel’ ♦ Lat. erīcius ‘dito’ (REW
2897) oder indirekt von it. riccio.
revijion [O] ‘Revision’ ♦ Padanismus (zu
standardit. revisione).  revijor [O] ricion [U], [O] ‘Nietnagel [= lose Fleisch­
‘Revisor’ fetzen an den Fingern neben den Nä­
geln]’ ► G recion, (B ric?)
revista [U] ‘Heerschau, Durchsicht’ ♦ It.
rices [U] ‘Schachtelhalmfläche’

185
ricon [O] ‘sehr reich’ ♦ Sollte im EWD rima [U], [O] ‘Reim, Vers, Gedicht’ ♦ It.
als Ableitung unter rìch ‘reich’ stehen rima. ► B
(wie die entsprechenden Variaten der
übrigen Dolomitentäler). rimbombèr [O] ‘dröhnen, widerhallen’
► G rembumbé, B rembombé
ricors [O] ‘Rekurs; Ruf, Appell’ ♦ It. ri­
corso. rimescia [U] ‘Zustellung, Erlass, Nach­
lass’ ♦ Norditalianismus (zu standardit.
ricover [O] ‘Asyl; Altenheim’ ♦ It. rico­ rimessa).
vero.
rimproverar [U] ‘vorhalten, tadeln (eine
ridìcol [O] ‘lächerlich’ ♦ It. ridicolo. ► Tat, aber nie eine Arbeit), vorwerfen,
Sollte wie unterfass. redíkol im EWD verweisen’ ♦ It. rimproverare.
als Ableitung unter rì ‘lachen’ stehen.
rincrescer [U] ‘missfallen, lästig werden,
riel1 [U] ‘Knebel an der Holzspule des leid tun, verdrießen’ ♦ Ließe sich im
Heuseiles [Walzennagel über dem EWD als Ableitung unter crësce
Spal]’; [O] ‘Holzpflock, auf dem das ‘wachsen’ einordnen.
Seil in das Weberschiffchen gleitet’ ►
G rinsar [U] ‘ritzen, hetzen [Hund], hussen’
♦ Mhd. rîzen ‘reißen’ mit epenthe­
riel2 [O] ‘wirklich, genuin, ohne Fäl­ tischem -n- (Elwert 1943: 103). Mögli­
schung, gereinigt’ ♦ Dt. reell (Elwert cherweise sind auch ahd. rîzzan, mhd.
1943: 249; Zanotti 1990: 135). ritzen, atir. rîzan ‘strappare, scalfire’,
tir. ritzn ‘ritzen, ankratzen’ (Schatz
rif [U] ‘Riffler, Kratzer; Aufschürfung 488) an der Entwicklung beteiligt (Pal­
(Haut); Riff, kleine Bergrinne, kleine labazzer 1980: 85, Zanotti 1990: 136).
Kluft, kleiner Bach’ ♦ Hier scheinen
von Rossi mehrere Lexeme vereint riparto [U] ‘Einteilung, Verteilung, Aus­
worden zu sein. Die Bedeutungen ‘Riff, teilung, Abteilung’ ♦ Italianismus.
kleine Bergrinne, kleine Kluft, kleiner
Bach’ dürfte auf lat. rīvus ‘Bach’ ripiego [O] ‘Ausweg, Mittel’ ♦ It. ripiego.
(REW 7341) zurückführen zu sein (in
Moena liegt entsprechend die Bedeu­ risech [O] ‘Gefahr, Wagnis, Risiko’♦ Tir.
tung ‘Bach, Fluss’ vor).  rifar [U] oder dt.
‘leicht kratzen, aufschürfen, ab­
schürfen, raffeln’ risma [U] ‘Menge; Ries; Fraisen’ ♦
Italianismus.
rif: de rif o de raf [O] ‘mit allen Mitteln’
♦ Auch trent. (Ricci 127). Expressiver risparmio [U] ‘Ersparnis’ ♦ Italianismus.
Natur. Die Diskussion zu möglichen ► (B risparmié)
weiteren Etyma von rif und raf, wie sie
Zanotti (1990: 135) führt, ist unnötig. rìsola [U] ‘Windrad (Dachschmuck,
Brunnenschmuck)’; [O] ‘Rutschbahn;
rigor [U] ‘Ernst, Strenge, Härte’ ♦ It. ri­ Kanal im Wald, um die Baumstämme
gore.  rigorous [U], [O] ‘ernsthaft, talwärts zu transportieren; Schrauben­
streng, hart, genau, rigoros’ linie’ ♦ Stellen die unterfass. und die

186
oberfass. Bedeutung wirklich éin Le­
xem dar? Für das Ofass. liegt am ehes­ rocia [O] ‘Spinnrocken; Hölzchen am
ten ein Anschluss an das EWD-Lemma Spinnrad’ ♦ Got. *rukka ‘Spinnrocken’
rìssa ‘Holzrinne’ (< tir. rîsε, Schatz (vgl. EWD s.v. rochìn). Auch buch.
487) nahe. und agord. (Zanotti 1990: 138).

ristorar [U] ‘restaurieren, herstellen’ ♦ It. rodàbia [U] ‘1. eine auf den Hochgebir­
restaurare bzw. padanische Variante. gen wachsende Pflanze, die der
Pestwurz ähnelt [olivgrüne Blätter, ro­
ritar [U], ritèr [O] ‘erben’ ♦ Lat. ter Stiel]; 2. Wiedehopf [Vogel]’ ♦ Me­
hereditāre ‘dito’ (REW 4113) (Elwert taphorische Übertragungen von lat.
1943: 179), wohl aber Einfluss aus dem rutabulum ‘Ofenkrücke’ (REW 7472)
Standarditalienischen, da sonst -t- nicht (vgl. dazu den nächsten Eintrag)?
zu erklären wäre.  ritá [U] ‘Erb­
schaftsanteil’, ritadin [U] ‘Erbe (eines rodàbie [U], [O] ‘Ofenkrücke’ ♦ Lat.
Teiles)’, [O] ‘Alleinerbe’, ritajion/ rutabulum ‘dito’ (REW 7472, Faré).
ritazion [U]; ritajon [O] ‘Erbschaft’ Man vergleiche dazu das Lemma →
rabie.
ritenar [U] ‘reiten’ ♦ Ableitung zum dt.
tir. Stamm ritt- ‘dito’. rodana [U], [O] ‘Wagenspur, Eisenbahn­
schiene, Geleise’ ♦ Ließe sich im EWD
riunion [O] ‘Vereinigung, Wiedervereini­ als Ableitung unter rodé ‘kreisen, um­
gung’ ♦ It. riunione. hergehen’ einordnen.

rìzer [O] ‘Schnitzer, Steinhauer, kleiner rodolar/rotolar/rutolar [U]; rodolèr/ru­


Stechbeitel, kleiner Meißel’ ♦ Tir. tolèr ‘rollen, walzen, kugeln, purzeln,
ritzεr (Schatz 488). abrutschen, abbröckeln, abstürzen, her­
abstürzen’ ► G rudlé, B rodolé  ro­
rò [O] ‘große Knarre für die Karwoche; tolar [U] ‘Überpurzelung, Überkuge­
Schwungrad alter Mühlen’ ♦ Lat. rotus lung, Absturz, Abrutschung’, rodolan
statt rota ‘Rad’ (REW 7387) (Elwert [O] ‘großes Rad; Purzelbaum’, rudo­
1943: 51). lon ‘Purzelbaum’, routola [O] ‘Purzel­
baum, Bocksprung’
roan [U], [O] ‘dunkelviolett’ ♦ Lat. ravi­
dus ‘grau’ (REW 7100) (wie comel. rojear [U] ‘laut atmen, rasseln (wie Krop­
aru&an ‘violett’). fige), schnarchen’ ♦ Padanismus (zu
standardit. russare).
roàtola [U] ‘weiche Blase am Bauch der
Tiere [Krankheit]’ ♦ Vgl. → loata. romanzina [O] ‘Standpauke, Strafpredigt,
Vorwurf’ ♦ It. romanzina ‘dito’.
roca [O] ‘Spinnrocken’ ♦ It. rocca
und/oder dt. Rocken. Oder aber bereits rompel [O] ‘jemand, der wegen nichts zu
mhd. rocke(n); dann sollte das Wort im Boden fällt; ohne Kraft in den Beinen’
EWD unter rochìn ‘dito’ stehen. ♦ Ließe sich im EWD als Ableitung un­
ter rùmpe ‘brechen’ einordnen.
rochel [U] ‘Zwirnspule, kleiner Felsen’ ♦
Ableitung zu lat *rocca ‘Fels’ (REW rompicol [U] ‘halsbrecherisch, wagemu­
7357). tig, steil, jäh, abstürzend’ ♦ It. rompi­

187
collo oder eigene Bildung (dann im rot [U], [O] ‘Beschimpfung, Bruch [=
EWD als Ableitung zu ròmpe ‘brechen’ zorniges Wort], Uneinigkeit’ ♦ It. rotto
und còl ‘Hals’). oder direkt von lat. ruptum ‘gebrochen’
(Partizip Perfekt zu rumpere, REW
rompsar [U] ‘einschrumpfen [Holz], 7442). ► B
schwinden, zusammenziehen [Holz],
verziehen [Bretter], eingehen’ ♦ Kreu­ routola [O] ‘Purzelbaum, Bocksprung,
zung aus dt. schrumpfen und tir. Sturz’ → rodolar
rumpsln ‘zerknittern’ (Schatz 497)?
rove [U] ‘rau, roh, grob’ ♦ Lat. *rūgidus
ronda [U] ‘Runde, Kreis’ ♦ Lat. rotunda. ‘rau’ (REW 7427). (Die Variante gro­
vek ist zu Recht unter dem EWD-
ronfa [U] ‘Reihe, Folge, Hanger [= eine Lemma gró(o) ‘grob, rau’ eingeordnet,
Serie nacheinanderfolgender Spiel­ welches als Kreuzung aus mhd. grob +
karten mit gleicher Farbe]’, [O] ‘Über­ lat. rūgidus etymologisiert wird).
fluss; schöne Karten beim Kartenspiel’
♦ Trent. (Ricci). rubro [U] ‘rot’ ♦ Zu lat. ruber ‘rot’ (REW
7405a).
ros [U] ‘Gaul, Mähre’ ♦ Sollte im EWD
unter ròz ‘Schindmähre’ stehen. ruciar [U] ‘rutschen, schlüpfen, gleiten’ ♦
Dt. tir. rûtschn ‘rutschen’ (Schatz 498).
rosapila [U] ‘Rotlauf’ ♦ It. erisipela (<
grch. erysipelas) mit volksetymolo­ rudolon [O] ‘Purzelbaum’ → rodolar
gischer Angleichung an ros ‘rot’.
rufiei sm.pl. [U] ‘Schupfnudel aus Teig
roscignol [U] ‘Nachtigall’ ♦ Padanismus und Sauerkraut’ ♦ Wohl ven. rufioi
(< fr. rossignol). (Var. zu rafioli < mlat. rabiola ‘kleine
Rübe’, DEVI 438, 406, Prati 1968:
roscon [O] ‘Staude’ → ruscon 148).

rost [U] ‘Rost, Eisenrost’ ♦ Dt. tir. Rost. rugar [U] ‘mit dem Stock antreiben, sta­
cheln, sticheln, durchsuchen, durch­
rostic [U], [O] ‘Einbrenn, eingebranntes wühlen mit einem Stock’ ♦ Zu lat. *ru­
Mehl (zum Kochen)’ ♦ Ließe sich im dica ‘Rührstab’ (REW 7419)?
EWD als Ableitung unter ar(e)stì
‘rösten’ (im Fass. auch ‘einbrennen’) rugon [O] ‘Makkaroni’ ♦ Trent. rugon­
einordnen. cini ‘cannonciotti’ (Ricci).

ròsui [O] ‘himmelblau, meerblau’ ♦ Ab­ rujech [U]; ruzech [O] ‘rauh, roh, grob,
leitung zu ros ‘rot’; ließe sich im EWD rostig’ ♦ Lat. *rūgidus ‘rau’ (REW
unter róss ‘braun, rotbraun’ einordnen, 7427) mit Suffixwechsel (Elwert 1943:
wenngleich die Verschiebung bis zum 194).
himmelblauen Ton schon sehr bemer­
kenswert ist (immerhin kommt die gad. rulò [O] ‘Rolladen’ ♦ Dt. tir. (< fr. rou­
Form rossié ‘rot werden (vom Himmel leau).
bei der Abend- oder Morgenröte)’ in
Kontexten mit dem Himmel vor). rusa [O] ‘Kreisel’ ► G russa

188
ruscenèr su [O] ‘herumstöbern, durchstö­ safran [U] ‘Safran’ ♦ Dt.
bern’ ♦ Expressiven Ursprungs. Vgl.
dazu auch ven. ruscare ‘dito’ (DEVI, sagrar [U] ‘weihen, salben’ ♦ Lat. sacrā­
Prati 1968: 149). re.

ruscon [U]; ruscon/roscon [O] ‘form­ śal [U], [O] ‘gelb’ ♦ Ven. zalo (< lat.
loser Zwergbaum, Strauch, Staude’ ♦ galbinus, REW 3646) (Tagliavini
Gemäß Elwert (1943: 188) zu lat. 1934: 769, Elwert 1943: 68). ► B sel
rūscum ‘Mäusedorn’ (REW 7460).  śalic [O] ‘gelblich’
Evtl. auch Ableitung zu vorlat. *rusk-
‘Baumstamm’ (vgl. Grzega 2001: salà [O] ‘gesalzen’ ♦ Sollte wie ufass.
223f.). salà ‘gesalzen’ im EWD unter sarè
‘salzen’ stehen?  grignar salà [U]
ruspar [U] ‘erübrigen, erraffen, ersparen’ ‘laut lachen’
♦ It. rūspāre ‘durchforschen, durchsu­
chen’ (REW 7462, Faré). Ähnliche Be­ salanser [O] ‘die Wäsche reinigen’ ► G
deutungsentwicklungen im Pad., von salansé, B nsalensé  salansèda [O]
dort vielleicht sogar entlehnt (vgl. auch ‘kurz ausgespült; [Wäsche] gereinigt’
ven. ruspare, DEVI 440).  rusp [U]
‘Ersparnis, Errafftes, Erübrigung’; [O] salar(e) [U] ‘Gehalt, Lohn’ ♦ It. salario.
‘Vorrat, Ersatz, Notgroschen’
salas [O] ‘Aderlass’ ♦ It. salasso.
ruspech [U] ‘gruspelig, rispig, knusperig’
♦ Kreuzung aus tir. rispig ‘knusperig’ saldon [U] ‘Siegel, Siegelkapsel’
und grusplεt ‘zerbröckelt’ (Schatz 487,
260). salecia [U], [O] ‘Bergweide mit 3-4 m
langen Zweigen’ ♦ Zu lat. salix
russoch [O] ‘Rucksack’ ► G B rucsoch ‘Weide’ (REW 7542) (Elwert 1943: 45,
97).  salecei [O] ‘Weidengehölz’
rutolar [U] → rodolar
saleiga [U] ‘kleine ausgehobene Rinne,
ruzech [O] ‘rau, roh, grob, rostig’ → ru­ die als Grenze gilt und die beiderseits
jech außerdem noch mit Gras bewachsen
ist’ ♦ Ließe sich im EWD als Ableitung
S unter sàla ‘Rinne’ einordnen. Vgl. dazu
auch Hubschmid (1950b: 50).
śabador [U] ‘Scharreisen’  śabadura
[U] ‘Schaberei’ salesc [U] ‘wilde Bach- oder Korbweide’
♦ Lat. salix ‘Weide’ (REW 7542)
sacaiar [U] ‘Huckepack tragen’ ♦ Zu dt. (Pallabazzer 1965: 303). ► B
tir. Sack.
salier [U] ‘Grenzgrasstreifende, das höher
śach e tach [O] ‘sofort’ ♦ Ven. Sache (e) gewachsen ist; Eingang’ ♦ Im EWD zu
tache ‘dito’; Prati (1968: 150): “Es­ sàla ‘Rinne’?
pressione imitativa con rima.”
salota [O] ‘Schemel’ ► B saleta
sacotant [O] ‘einige’
salute sf. [U] ‘Wohl, Gesundheit’ ♦ It. sa­

189
lute. regg. belsa ‘Spannstock’). Fraglich ist,
ob die Bedeutung ‘Märchen’ auch
sàlvia [U] ‘Gartensalbei’ ♦ It. salvia. hierher zu stellen ist.

śano/jano [U] ‘Hochmut, Hoffart’ ♦ sbampolar [U] ‘sich zerstreuen, ab­


Padanismus. schweifen, zappeln, sich unruhig be­
nehmen, unruhig sitzen, flackern’ ♦
santonina [U] ‘Wurmpulver’ ♦ Zu lat. Ven. trent. (zu bampa ‘Dampf’, Prati
santonicum ‘Absinth aus Saintonge’ 1968: 153; Ricci).
(REW 7538b).
sbaous [O] ‘geifernd, schleimig, schäu­
saon [U], [O]‘Seife’ ♦ Ven. saon (Taglia­ mend’ ♦ Lat. ex-babōsus zu *baba
vini 1934: 700) oder direkt von lat. ‘Geifer’ (REW 853).
*sapōnem ‘Seife’ (Elwert 1943: 72). ►
B  saoneta [O] ‘kleine Seife’ sbarbol [U]; sbèrbol [O] ‘Trieb, kleiner
Zweig, Edelreis’ ♦ In Moena liegt die
sarech [U] ‘dürr und trocken [bes. Wetter, Bedeutung ‘Strang des Zopfes, Spross,
Wind etc.]; roter, harter Ackerboden’ Ende eines Seils’ vor. Von lat. barbula
‘Bärtchen’ (REW 949) (vgl. fr.
sargente [U] ‘Oberjäger, Feldwebel’ ♦ It. barbelle ‘Bärtchen in der Botanik’).
sergente.
sbateiar [U] ‘gähnen, geifern’ ♦ Lat. ex-
sasset: jiar a l sasset [U] ‘Geld stöckeln bataculāre oder Padanismus zu stan­
(durch darauf Werfen eines Steines dardit. sbadigliare.  sbateie [U] /
zum Wenden bringen – Bubenspiel)’ ♦ badàie [U] ‘Geifer, Mundschaum’
Ließe sich im EWD als Ableitung unter
sàss ‘Stein, Fels’ einordnen. sbatuzar [U] ‘zerraufen [Wolle, Haare
etc.], in Unordnung bringen’ ♦ Ließe
satin [O] ‘Satin’ ♦ It. satino. ► B setin sich im EWD als Ableitung unter bàte
‘schlagen’ einordnen (wie gad. sbaturé
sava [U], sèva [O] ‘Holzschwelle, ‘auf- und zuschlagen’).
Türschwelle, Schwelle’ ♦ Wenn unter
gad. seva ‘Zaumpfahl, Tragbalken’ (so sbauf [O] ‘Rüffel, Vorwurf’ ♦ Expressi­
auch fass.) auf sì verwiesen wird, hätte ven Ursprungs?
dort auch fass. sava aufgenommen
werden können. Auszugehen ist aber sbeghelar [U] ‘blöken, laut schreien, laut
nicht von lat. saepes ‘Hecke’, sondern schimpfen’ ♦ Trent. sbeghelar ‘belare’
von vorlat. *sāba ‘dicker Zaunpfahl’ (Ricci). Vgl. dazu auch ven. sberegare
(vgl. bdr. sava ‘Schwelle’) (Hubschmid ‘laut schreien’ (Prati 1968: 153). Ex­
1950b: 62; Grzega 2001: 224f.). pressiver Herkunft und evtl. Einfluss
durch bega ‘Streit, Rauferei’. → bego­
sbaissech [U] ‘schlüpfriger, rutschiger lar
Boden; Schlüpfrigkeit [bei großer
Nässe]’; [O] ‘rutschig, schlüpfrig, glatt; sbelar [U] ‘eine Ausbauchung oder Leis­
klebrig’ ► G sbavize tenbruch bekommen’

sbalza/svalza [U] ‘Hebel; Märchen’ ♦ Zu sberbol [O] ‘Trieb, kleiner Zweig’ →


lat. balteus ‘Gürtel’ (REW 919) (vgl. sbarbol

190
bultjo ‘Bolzen’ (REW 1391).
sbetolament [O] ‘Geklatsche, Geschwätz’
sbop [O] → sbof
sbica [U], [O] ‘Spritze aus Weiden
[Kinderspielzeug]’ ♦ Langob. bika ~ sbotrinar [U] ‘anschwellen, aufschwel­
bīga ‘Garbenhaufen’ (REW 1094), len, aufblähen, ausbauchen’ ♦ Expressi­
evtl. übers Nordit. (Zanotti 1990: 145). ver Herkunft.  sbotrinà [O] ‘ange­
 sbicar [U], sbichèr [O] ‘mit einer schwollen [nicht ‘abgemagert’, wie
Weidenspritze schießen’ Mazzel behauptet – Hinweis Istitut
Cultural Ladin]’
sbich [O] ‘lebhaftes Kind’
sbrasalar [U] ‘ausstreuen, ausbreiten,
sbiench [O] ‘bitterer Geschmack der spreizen, zerstreuen, verbreiten [z.B.
Milch, verursacht durch das Frühjahrs­ Glut im Backofen, damit er überall
gras in den ersten Tagen, in denen die gleichmäßig warm wird]’ ♦ Zu → bra­
Kühe Heu essen und sich auf der ja.
Weide von frischem Gras ernähren’
sbratar [U], sbratèr [O] ‘schürfen, auf­
sbilench [O] ‘schief’ ♦ It. sbilenco (Za­ schürfen, abschürfen’ ♦ Wohl expressi­
notti 1990: 145). ven Ursprungs.  sbrat [O] ‘Riss in
der Haut, Verletzung, Wunde’, sbratè­
sbiofa [O] ‘Schaum, Geifer, Speichel’ ♦ da [O] ‘Hautabschürfung; Riss’
Zu lat. baba ‘Geifer’ (REW 853).
sbredèr [O] ‘Durchfall haben [bei
sbizegar [U] ‘jucken, zwicken’ ♦ Padanis­ Tieren]’ → bredaa ‘Brühe, Lauterkeit,
mus zu standardit. pizzicare oder Straßenkot, Kot’
eigene expressive Bildung.
sbrenèr [O] ‘ausrotten; ausjäten; Fel­
sbociar [U] ‘die Bocciakugel mit einer dunkräuter entwurzeln’
anderen wegschießen’ ♦ Ableitung zu
it. boccia (< *bokya ‘Kugel’, REW sbrodolar [U] ‘gären’ ♦ Wie ist der Zu­
1191a). sammenhang mit fass. broar ‘dito’ (<
nordit. brovar, im EWD s.v. burvè
sbof/sbop/sbol [O] ‘Küchenschabe’ ♦ Ex­ ‘dito’)?
pressiver Natur (wenn man Küchen­
schabe zertritt). Gemäß Elwert (1943: sbroscia [O] ‘Überbleibsel in der Krippe
109, 246) tir. Ursprungs (schwâ*b, der Kühe’ ♦ Zur Wurzel brusk- ‘Trüm­
Schatz 559). mer’ (Grzega 2001: 115, 106ff.).

sbofa [U] ‘Schaumblase, Blase (im Bier, sbugolèr [O] ‘aufreißen’  sbugolà [O]
Wasser etc.)’ ♦ Expressiver Natur ‘starr [Augen], aufgerissen [Augen],
(wenn Blase zerplatzt). Vergleiche mit Glotzaugen’
auch → sbiofa.
sbupar [U] ‘schnauben’ ♦ Lautmale­
sbol [U] ‘Schabe, Küchenschabe’ → sbof rischer Herkunft.

sbolzon [U] ‘Türkrampe für die Tür­ sburèr [O] ‘ein Tier von Verstopfung
klinge, Türriegel’ ♦ Zu germ. (fränk.) befreien’ ♦ Zu (vor)lat. *burra ‘Loch’

191
(REW 1411a, Faré)? scalzar [U], scalzèr [O] ‘ausschlagen,
aushauen; umgraben’ ► G scalzé
scach [U] ‘Schreibfeder, Schach, Schach­
feld’ ♦ Padanismus (zu standardit. scancelar [U], scancelèr [O] ‘auslöschen,
scacco). Ob die Bedeutung ‘Schreibfe­ ausradieren, ausstreichen’ ♦ Italianis­
der’ nicht ein eigenes Lexem darstellt, mus (vgl. Elwert 1943: 70). ► B scan­
bleibt fraglich.  scachiera [U] celé  scancelèda [O] ‘Auslöschung’
‘Schachbrett’
scancìa [O] ‘Ständer, Regal, Wandbrett’
scaiar [U], scaièr [O] ‘spucken [bes. bei → scanzía
Husten den Auswurf], ausspucken’ ♦
Ließe sich im EWD als Ableitung unter scandaleta [U] ‘Schmerz und Anschwel­
scaia ‘Schleim’ einordnen. Dieses ist lung des Handgelenkes [Muskelzer­
jedoch von der Bedeutung ‘Splitter’ zu rung]’
trennen und auf ein lat. *ex-gallea ‘bla­
sig’ zurückzuführen (Gsell 1991a: 125, scàndela [U] ‘dünne Holzsprosse, um die
1996b: 228). vollen Milchschüsseln übereinander
stellen zu können [tir.: Dinkel, Spelt]’
scaiscignar [U] ‘schleppen, verschleppen, ♦ Lat. scandala ‘Spelt’ (REW 7650).
verziehen, fortschleifen, Kinder
schlecht herumtragen und dabei abbeu­ scanèr [O] ‘die Kehle durchschneiden, ab­
teln’ schlachten’ ♦ It. scannare. Ließe sich
im EWD als Ableitung unter càna
scala [U] ‘Bronus arbensis [eine dem ‘Rohr’ einordnen.
Roggen ähnliche Unkrautpflanze, die
aber keine Körner trägt und keine scanzìa [U]; scancìa [O] ‘Ständer, Stel­
Grannen besitzt]’ ♦ Lat. stēlla ‘Stern’ lage, Schüsselrahmen mit Stellage’ ♦
(REW 8242). Venetismus (Prati 1968: 155) (< fries.
skatja ‘Stelzfuß, Stelze’? REW 7984,
scalar [U] ‘leiterähnliches Gestell am Faré).
Heuwagen, das entweder aus Weiden
geflochten oder mit Sprossen versehen scap/sciap/schiap [U] ‘Schar, Truppe,
ist’; scalà [O] ‘Holzgestell, das man Herde’ ♦ Auch in der Padania verbrei­
waagrecht auf dem bäuerlichen agen teter Typ zu lat. capulum ‘Fangseil’
aufsetzt, damit es Lasten trägt’ ♦ Zu (REW 1666, Faré, Prati 1968: 158). 
einem lad. *scàla (im EWD nur schiapada [U] ‘id.’, schiaparec [O]
scalìn). ‘Herde’

scalz [U] ‘Gewehrkolben, Kehricht­ scapucèr [O] ‘einen Jungenstreich ma­


schaufel; Fußtritt; Schlag mit den Hin­ chen’ ♦ Könnte im EWD als Ableitung
terfüßen [Pferd, Esel, Muli usw.]’, [O] unter capüc ‘Kohlkopf, Dummkopf’
‘Gewehrkolben, Kehrichtschaufel’ ♦ In gestellt werden (< it. cappuccio <
Moena liegt die Bedeutung ‘Schublade, *cap(p)ūceus).
Kasten zur Aufbewahrung von Ge­
treide oder Mehl; Gewehrkolben’ vor. scaputar [U] ‘kopfüber stürzen;
Von trent. scalz (Elwert 1943: 253).  Purzelbaum machen’ ♦ Ließe sich im
scalz [U] ‘barfüßig’, scalzèda [O] EWD als Ableitung unter càpa
‘Fußtritt; Schlag mit den Hinterfüßen’, ‘Kinderhaube’ einordnen.

192
tarrh’ einordnen. Vergleiche dazu auch
scapuzar [U] ‘überragen, stolpern, strau­ → caternà ‘unpässlich, unwohl, ka­
cheln, Bock schießen’ ♦ Zusammen­ tarrhig’.
hang mit lat. caput ‘Kopf’ (REW
1668)? scatornar [U], scatornèr [O] ‘die Haare
raufen, zerraufen; zerzausen’ ► B
scarabut [U] ‘Skorbut (Krankheit)’ ♦ descaturlé, (B scaturlé?)
Venetismus (< russ. skrobotu ‘dito’,
REW 8012, Faré). scavalvar [U] ‘schnell reiten, galoppieren;
sprungweise, um nicht zu schaden’ ♦
scaramolin [U] ‘Huckepack’ Zu lat. caballicāre ‘reiten’ (REW
1439) (vgl. it. cavalcare).
scaranzia: mal da la scaranzia [U]
‘Kopfschmerzen und gleichzeitiges scecacorni [O] ‘Quälgeist, lästiger
Erblinden’ ♦ It. scheranzia. Mensch’ ♦ Sollte im EWD als Ab­
leitung unter scechè ‘necken’ stehen
scarìbia [U] ‘leiterähnliches Gestell am (wie buch. scecacorni ‘lästiger
Heuwagen, das entweder aus Weiden Mensch’).
geflochten oder mit Sprossen versehen
ist’ scedola [U] ‘Roselspan, Hobelspan,
schwarze Paspoul, Schnurr mitten
scarpar [U], scarpèr [O] ‘aufböschen, durch den camejot’; [O] ‘Roselspan;
abböschen, einen Damm (Erde) ab­ dünne, vom Hobel abgetragene Holz­
schrägen’ ♦ Wohl auf der Basis von it. schicht, der sich in Locken dreht’ ♦ Lat.
fare scarpate gebildet. ► B scarpé schedula ‘Zettel’ (REW 7681) (Elwert
1943: 226; Heilmann 1980: 70).  sce­
scarselin [U] ‘Westentasche’ ♦ Ahd. dolar [U] ‘Hobelspäne machen’
*skerpa ‘Westentasche’ (REW 7989).
► B scarscela sceduta [U] ‘Sitzung, Versammlung’ ♦
Padanismus.
scartabel [O] ‘Plakat, Anschlagzettel,
Manifest’ ♦ Lat. charta ‘Papier’ (REW scefer [O] ‘kleiner Eimer mit langem
1866). ► (B scartabelé) Griff, um die Jauche aus dem Brunnen
zu entleeren’ ♦ Zanotti (1990: 148)
scartin [U] ‘Ausschuss, Ausschusskarte greift die These von Bernard auf, das
(schlechte Spielkarte), Abfall, Ab­ Wort auf tir. schaff (Schöpf 585) zu­
lehnung’ ♦ Nach it. scarto, scartina (zu rückzuführen. Es liegt jedoch sicher tir.
lat. carta, DELI) sche5pfεr ‘Kübel an einem Stiel’ (Schatz
518) vor.
scartòciol [U] ‘Struwwelpeter; ein Mann
mit zerrauften Haaren’ scela [O] ‘Treppe’ → sciala

scartòfol/scartòciol [U] ‘Dütte, Schar­ scelem/sceleri [U], scelem [O] ‘Sellerie­


nitzel’ ♦ Nach it. cartoccio (Derivat zu pflanze’ ♦ Bei sceleri liegt dt. (oder tir.)
carta, DELI). Sellerie vor – evtl. mit Übertragung
über das Norditalinienische.
scaternà [U] ‘katarrhig’ ♦ Ließe sich im
EWD als Ableitung unter catàr ‘Ka­ scelt(o)/scielto [U] ‘ausgewählt, ausge­

193
sucht, auserlesen, trefflich’ ♦ It. scelto. Ließe sich im EWD als Ableitung unter
chieté ‘beruhigen’ einordnen.
sceminario [O] ‘Seminar’ ♦ Norditalianis­
mus (zu standardit. seminario). schena [U], [O] ‘Rücken, Buckel, Gebir­
gsrücken’ ♦ Norditalianismus (Elwert
scémole pl. [U] ‘Kleienmehl, Kleie’ ♦ 1943: 231), germ., vermutlich langob.
Evtl. über Norditalien von ahd. zemisa Herkunft (Zanotti 1990: 153). ► B 
‘Kleie’ mit Suffixwechsel (dagegen schénetra [U] ‘Gerippe, Skelett’
aber Gsell 1999b: 248).
scherdeil [O] ‘gesprungen, gerissen,
scemper [U], semper [O] ‘immer, stets’ ♦ [Daubenbehälter]’ ► G
Italianismus bzw. Norditalianismus. 
scempiterno [U] ‘ewig, immerwäh­ scherpin [O] ‘Sauerdorn, Berberitze’ ♦
rend; Ewigkeitsblume, Strohblume’; Lat. *(a)crispīnum ‘Berberitze’ (REW
sempiterni [O] ‘Ewigkeitsblume, 113a) (Elwert 1943: 103) mit volksety­
Strohblume’ mologischer Kreuzung durch scarpa
(Tagliavini 1934: 710) – möglicherw­
scémplize [U], [O] ‘einfach, schlicht, arg­ eise aber auch Metathese ohne Sekun­
los’ ♦ Padanismus (für standardit. sem­ däreinfluss. Parallelformen im Buch.,
plice) ► B Amp. und Trent. Vgl. auch Pallabazzer
(1965: 300). ► B scarpia
scena [U] ‘Szene’ ♦ It. scena.
schiancolèr [O] ‘schwanken, wanken’ ♦
scenara [U] ‘Senfpflaster’ ♦ Zu lat. sina­ Möglicherweise zu it. scancare zu
pis ‘Senf’ (REW 7933). stellen, das eine Ableitung zu germ.
*hanka ‘Hüfte’ darstellt (Zanotti 1990:
scenscia [U] ‘Himmelfahrt’ ♦ Nach it. 154).  schiàncol [O] ‘Wanken’
Ascensione.
schiap [U] ‘Schar, Haufe, Truppe, Rotte,
scentil/scintil [U] ‘Schindel, Dach­ Herde; Nähtling, Stück Faden zum Nä­
schindel’ ► G scintla hen’; [O] ‘Truppe, Schar, Haufen’;
sćiap [U] ‘Schar, Truppe, Herde,
sćervelar [U] ‘verrückt werden, von Schwarm (Vögel)’ → scap
Sinnen kommen’ ♦ Ließe sich im EWD
als Ableitung unter cervél ‘Gehirn’ ein­ schiapar [U] ‘abbrechen, auseinanderbre­
ordnen. chen, aufklären’ ♦ Zum lautmalerischen
Stamm klapp ‘schallen’ (REW 4706a)
scescion [U] ‘Sitzung, Session’ ♦ Padanis­ (so auch it. schiappare).
mus (zu standardit. sessione).
schiaparec [O] ‘Herde’ → scap
sćeson [U] ‘Kalender’ ♦ Dt. Saison in
nordit. Aussprache. schiapucèr [O] ‘sein Wort nicht halten;
wenig vertrauenswürdig sein’
sceta [O] ‘unerwarteter Schrecken;
Sprung aus einem Versteck hervor, um schiara [U] ‘Schnalle; großer Eisenring’ ♦
jemanden zu erschrecken’ Ließe sich im EWD als Ableitung unter
tlèr ‘Spannknebel am Wagen’ einord­
sćetar [U] ‘beruhigen, besänftigen’ ♦ nen.

194
(evtl. übers Padanische).
schiarir [U], [O] ‘aufhellen, lichten, auf­
klären’ ♦ It. schiarire oder direkte Ab­ sćiadàs [U] [in Moena heißt es sćiadöl]
leitung zu lat. clarus ‘klar’. → siadás

schiaufer [O] ‘dünn, schmächtig, abge­ sciaga/jaga [U] ‘schlecht gefüllter Stroh­
zehrt’ sack, schlechter Strohsack’

schiavo [U] ‘Sklave’ ♦ Italianismus.  sćiala [U]; sciala/scela [O] ‘Stiege,


schiavitú [U] ‘Knechtschaft, Sklaverei’ Treppe, Skala, Maßstab’ ♦ Lat. scāla
‘Stufe’ oder it. scala. ► B  sćialet
schicia [U] ‘Klemme, Klammer, Quet­ [U] ‘Stufe’, sćialer [U] ‘kleine Leiter,
sche’ ♦ Zu lat. *extlatteāre ‘ridurre Malerleiter’, sćialeta [O] ‘Leiterchen’
simile a una chiatta’ (DELI s.v. schiac­ scaletta
ciare).  schiciar [U], schicèr [O]
‘klemmen, einklemmen, quetschen, scialada [O] ‘lautes Gelächter’
einklammern, herauswinden, heraus­
arbeiten, herausdrücken, das Lachen scialam [O] ‘Salami’ ► G B
verheben’, schicèda [O] ‘Quetschung’,
schicià [O] ‘platt’ ► B schicé sćialeta [O] ‘Leiterchen’ → sćiala

schieton [U] ‘Einfaltspinsel, Dummkopf’ scialù [O] ‘Jalousie, Fensterladen’ ♦ Tir.


♦ Wohl Suffigierung von schiet schalû ‘dito’ (Schatz 510).
‘schlecht, geringwertig’, welches ge­
mäß Elwert (1943: 238) von ahd. sleht scianscèr [U] ‘Sensal, Makler’
‘dito’ stammt. Lässt sich aber wie it.
schietto auch zu germ. slihts ‘einfach’ sćiantif [O] ‘echt, gleich’
(REW 8026) stellen.
sćiap [U] ‘Schar, Truppe, Herde,
schinz [U] ‘Anstoß, Ursache, Zufall’ Schwarm (Vögel)’ → scap

schiujel [O] ‘Gesamtheit der Bretter der sciapentar [U] ‘verscheuchen, verjagen,
Verschalung/Holztäfelung der vertreiben’
“stua”/Stube’
se sciardolèr [O] ‘das Sonnen der Hühner
schiusana [U] ‘Raupe, Kohlweißling’ ♦ auf dem Boden (was ihre Art sich zu
Elwert (1943: 178): “vielleicht zu škyu­ waschen darstellt)’
fa ‘Schale’”.
sćiarir [U] ‘verteuern’ ♦ Ließe sich im
schiussela [U] ‘hängendes oder hochge­ EWD als Ableitung unter ćèr ‘teuer’
legenes Kästchen (z.B. für Salz)’ ♦ einordnen.
Schatz schissl ‘Rahmengestellt für Kü­
chengeschirr’ (Fink 244). Mit sekun­ sćiarnir [O] ‘aufklären, erhellen’ ♦
därem Einfluss eines anderen Wortes? Möglicherweise im EWD als Ableitung
unter tlèr ‘klar’ einzuordnen. Eventuell
schiva [U] ‘Holzspan zum Anfeuern’ aber auch unter cèrne ‘absondern, aus­
suchen’, von lat. cernere ‘sichten’
schizar [U] ‘skizzieren’ ♦ It. schizzare (Hinweis Fabio Chiocchetti), das al­

195
lerdings im Dolomitenlad. in der Regel sciolombel/sciolombin [O] ‘essbare rote
für ‘trennen’ gebraucht wird, insbe­ Beere, ähnlich der Erdbeere’
sondere auch ‘Vieh trennen’.
sciolter [O] ‘Lichtschalter’ ♦ Tir. schąltεr
sciatica [U] ‘Ischias, Gicht’ ♦ It. sciatica. ‘dito’ (Schatz 510) (Elwert 1943: 247;
Zanotti 1990: 162). Kommt auch in
sćiavear [U] ‘an den Haaren ziehen; beim allen übrigen ladinischen Tälern vor,
Kämmen mit dem Kamm in den Haa­ ohne dass dies im EWD oder bei Lard­
ren stecken bleiben, wenn die Haare schneider verzeichnet wäre (Gsell
verwirrt sind’ ♦ Ließe sich im EWD als 1996b: 231). ► B
Ableitung unter ćiavëi ‘Haare’ einord­
nen. ► B scaivarié sciorba [U] ‘Saugpumpe, Wasserpumpe’

sćiavez [U] ‘eigensinniger und wagemu­ sciorf [U] ‘scharf’ ► G B


tiger Mensch; Verbrecher, der nicht auf
sein Leben achtet’ ♦ Wohl als Ab­ sciorìa [O] ‘Verbeugung, Kompliment’
leitung im EWD unter ćé ‘Kopf’, wo
sich auch gad. ćiaùn ‘Dickkopf’ be­ scirar [U], scirèr [O] ‘ausdörren, ein­
findet. trocknen, schwinden [Holz], zu­
sammenschrumpfen’ ♦ Mlat. sid(e)ra­
sciches [U] ‘Kohlrübe, Gartengemüse­ tus ‘gelähmt’ (vgl. lat. sīderāticus ‘ge­
pflanze’ lähmt’); vgl. engad. schirer, obw. schi­
rar ‘erlahmen, verdorren, zusammen­
sciena [U] ‘Zaun aus Stauden, lebender schrumpfen’, alomb. sirrao ‘assidera­
Zaun’ ► G siena ‘Strauch’ to’, nonsberg. sidrar ‘erstarren’, comel.
siró ‘rattrapito, paralitico’ (Hubschmid
scin [U], [O] ‘bis’ ♦ Pad. (zu standardit. 1950a: 349).  scira [U] ‘Magendörr
sino a). [Krankheit]’, scirà [O] ‘trocken, dürr,
steif’
scinchen [O] ‘Schinken’ ♦ Mazzel
verweist auf dt. Schinken. Vermutlich sciroch [U] ‘kalter Wind nach einem Un­
stammt das Wort aus dem Tirolischen wetter; Regen; schlechtes Wetter, aber
(Schöpf 585) (Zanotti 1990: 150). nicht kalt’ ♦ It. scirocco.

scintil [U] ‘Dachschindel’ ► G schintla sciubion [O] ‘Blasrohr, Blasebalg des


Schmieds’
scintila [U] ‘Feuerfunke’ ♦ It. scintilla
‘dito’. sciudar [U], sciudèr [O] ‘wärmen, er­
hitzen’ ♦ Lat. excalidāre ‘dito’ (Elwert
scioatar [U], scioatèr [O] ‘verjagen, ver­ 1943: 61).
treiben, wegjagen, wegtreiben’
sciuìna [U] ‘Schrecken, Erschrecken’ ♦
scioìna [O] ‘Angst, Erschrecken’ → sciuì­ Vielleicht zu einer Interjektion sciu (El­
na wert 1943: 180).

scioler [O] ‘der vierte Teil eines 1 Meter sciurz [O] ‘Schürzchen in lebhaften
langen Baumstammes’ Farben’ ♦ Dt. Schürze bzw. tir. Schurz
(Elwert 1943: 99).

196
sciutèr [O] ‘verjagen, wegschicken, aus­ sconcir [O] ‘schlecht werden [Milch],
einander treiben’ sauer werden’ ► B sconcí

sciz [U] ‘kalt [bes.: Wind]’  sciza [U] sconzar [U] ‘verderben, schädigen, auf­
‘Kälte infolge des Windes’ machen’

sclip [U]; sclit/clip [O] ‘so viel Milch, als sconjurar [U], sconjurèr [O] ‘beschwö­
man mit einmal Drücken aus der Zitze ren, bannen’ ► G scunjeré
herausmelkt; Milchstrahl, eine kleine
Menge von einer Flüssigkeit; einige scopaciar [U] ‘watschen, tachteln,
Tropfen’ ♦ Expressiver Herkunft. ► B prügeln, durchschimpfen’ ♦ Ließe sich
sclit  sclipar [U], sclipèr [O] ‘mel­ im EWD als Ableitung unter cópa
ken, wenn das Milchvieh wenig Milch ‘Tasse’ einordnen (man vergleiche da­
gibt; dünnstrahlig fließen, verspritzen zu etwa gad. copè ‘umbringen, erschla­
(wenig), herumspritzen’ gen, erlegen’).  scopaciada [U]
‘Tachtel, Watsche, Prügel, ordentliche
sclita [U] ‘Blase, die bald zerplatzt, z.B. Zurechtweisung’, scopacion [U]
Mus, Kalk usw.’ → sclita ‘Tachtel, Watsche’

sclitèr [O] ‘bespritzen’ ♦ Lautmalerischer scopièr [O] ‘explodieren’ ♦ Lautmale­


Natur. → sclipar  sclit [O], sclit­ rischer Herkunft.
ament [O] ‘Spritzen’, sclitèda [O]
‘Spritzer’, sclita [U] ‘Blase, die bald scopolar [U] ‘behüten, bewahren,
zerplatzt, z.B. Mus, Kalk usw.’ verhindern, erretten, [Krankheit] ver­
treiben, retten, verdächtigen, glauben’,
sclouser [U] ‘Schlosser’ ♦ Im Tir. ist die scopolèr [O] ‘entgehen, entrinnen,
Form schlo(u)ssεr (Schatz 534). Der überleben, entkommen, sich davon ma­
Anlaut ist im Fass. jedoch ungewöhn­ chen, davonkommen’
lich.
scorear [U] ‘peitschen, mit der Peitsche
scodà [U] ‘unten übermäßig dichter, nach knallen’ ♦ Lat. *excorrigiāta ‘Peitsche’
oben plötzlich immer lichter werdender (REW 2987, Faré).
Waldbaum’ ♦ Ließe sich im EWD als
metaphorische Ableitung unter scodè scorlar [U], scorlèr [O] ‘schütteln,
‘Gerste zum dritten Male dreschen’. ► rütteln, beuteln, beben, locker sein, un­
(B scodaruol) vernünftig/halbverrückt sein’ ♦ Ven.
sgorlare (< lat. crotulāre) (DEVI). 
scoeta [U] ‘kleiner Besen, Rührbesen’ ♦ scorlada [U]; scorleda [O] ‘Rütteln,
Ließe sich im EWD als Ableitung unter Beuteln, Schütteln, Beben, Erschütte­
scuàc ‘Kehrwisch’ einordnen. rung’, scorle [U] ‘Rüttler, Schüttler’,
scorlon [U] ‘dito; halbverrückter
scompartir [U], [O] ‘aufteilen, verteilen’ Mensch’, scorlon [O] ‘Schütteln, Stoß,
♦ It. scompartire. ► B scompartí  Schauder’ ► B scorlé
scompart [U] ‘Aufteilung, Verteilung’
scortear [U] ‘Haut abschälen, infolge des
sconcèr [O] ‘in Unordnung bringen’ ♦ Urins oder des Schweißes die Haut sich
Lat. excomptiāre ‘dito’ (REW 2982). aufschürfen, wund werden’ ♦ Lat. ex­

197
corticāre ‘*schinden’ (REW 2988,
Faré). scroca [O] ‘Hosenbein’; scroche sf.pl.
[ant.] [U] ‘Hosenträger’
scòsola [U] ‘Peucedanum spec.’ ♦ Muss
zusammen mit → scrola betrachtet scròfole sf.pl. [U] ‘Skrofeln’ ♦ Italianis­
werden. mus.

scòusol/còusol [U] ‘Schale der Hülsen­ scrola [U] ‘Peucedanum spez.’ ♦ Muss
früchte’ zusammen mit → scòsola betrachtet
werden.
scouz [U] ‘barfüßig’ → scalz
scudo [U] ‘Schild, Zahnrad’ ♦ It. scudo.
scoz/scaoz [O] ‘Milchschaum, Bier­
schaum’ ♦ Etymologie unbekannt (Prati scuèrjer [U], [O] ‘abdecken, aufdecken,
1968: 50); vgl. → ncozar. offenbaren’ ♦ Sollte im EWD als Ab­
leitung unter curì ‘decken’ stehen (wie
scremenzin [U] ‘schwächlich, fass. cuerjer).
schmächtig’ → cremenzinol
scuièr [U], [O] ‘Löffel’ ♦ Zu lat. scutella
screpent → scherpent ‘Löffel’ (REW 7756). Oder wie it. cuc­
chiaio ‘Löffel’ zu lat. cochlearius
screpin [U], [O] ‘Dornstrauch’ → scher­ (REW 2012) (Hinweis Fabio Chioc­
pin chetti); dieses ist aber im Dolomiten­
lad. nicht weiter belegt.
screpinol [U] ‘Grünspecht’
scùria [U] ‘Peitsche’ ♦ Lat. excorrigiāta
screpolar [U] ‘aufbrechen, brüchig ‘dito’ (REW 2987) (Aschenbrenner
werden, abbröckeln’ ♦ Lat. crepāre 1972: 108).  scuriar [U] ‘peitschen,
‘bersten’ (REW 2313). knallen’, scurion [U] ‘her­
umfliegender, brennender Balken bei
screvedar [U], screvedèr [O] ‘knirschen, Bränden’
knistern, prasseln, krachen (Holz beim
Witterungswechsel und beim Gehen scutièr [O] ‘wagen; Mut haben’ ♦ Lat.-
darauf)’  screvedada [U], screvedè­ grch. cottizāre ‘wagen’ (REW 2287).
da [O] ‘Gekrach, Krach (bes. des
Holzes beim Witterungswechsel), Ge­ sdarmolar [U] ‘mit den darmole hauen’ ♦
knister, Geprassel usw.’, scrévet [U], Fass. Neologismus.
[O] ‘Krachen, Knirschen, Knistern, Ge­
prassel’ sdraciar [U] ‘abreißen, zerreißen’ ♦ Lat.
ex-tractiāre (wie it. stracciare, DELI).
scrìbia [U] ‘Sieb’ ♦ Sollte im EWD als
Ableitung unter criblé ‘sieben’ stehen sdramar [U] ‘abästeln’ ♦ Sollte im EWD
(wie grödn. scriblè ‘sieben’).  scri­ als Ableitung unter ràma ‘Ast’ stehen
biar [U] ‘aussieben, durchsieben, aus­ (wie fass. ramàr).
scheiden’
sdrenar [U] ‘beben, zittern (wenn etwas
scritorio [O] ‘Schreibtisch’ ♦ Venetismus zusammenfällt), zusammenfallen,
oder ait. scrittorio (Prati 1968: 160). lärmen, rumpeln’; sdrenèr [O] ‘sich

198
krümmen [Rücken]’ eines Feldes’

seboir [O] ‘wieder aufkochen, aufwallen, semenscianto [U] ‘kleine Mün­


aufkochen, gären [vom Heu und zu­ zenzuckerlen [Pflanze]’
sammengetragenen und schlecht ge­
trocknetem Getreide]; vermodern [von semper [O] ‘immer’ → scemper
Holz]’ ♦ Sollte im EWD als Ableitung
unter bolì ‘löten, schweißen’ stehen, sen: peza da sen [O] ‘Busen’ [man
wenn dort auch gad. sboìr steht (vgl. verwendet es nur im Ausdruck ‘peza da
auch DIDE 396). Angesichts der Be­ sen’, Hemdbrust, dreieckiges Brust­
deutung ‘vermodern’ lässt sich an Ein­ stück, das in der alten Tracht die Brust
fluss von subuì ‘muffig, stickig’ den­ bedeckt] ♦ Lat. sinus ‘dito’ (REW
ken. ► B sebuí 7950).

sedia [U] ‘nobler Sessel, Lehnstuhl’ ♦ sen: da sen [O] ‘wahrlich’ ♦ Zu it. senno
Italianismus.  sediól [U] ‘Fasslager, (Hinweis Fabio Chiocchetti); dieses
Sitz, Konsole’ stammt von afr. sen ‘Verstand’ (DELI).

segosta [U], [O] ‘Herdkette, Feuerkette’ sena [U] ‘Sennesblätter’ ♦ It. senna (<
►G arab. sena ‘dito’, REW 7815).

segura [U] ‘Sicherheit, Kühnheit’ ♦ Ließe séneca [U] ‘dürres, mageres, bleiches
sich im EWD als Ableitung unter sigü Wesen, schlecht aussehende, magere
‘sicher’ einordnen (wie etwa fass. se­ Person oder Tier’ ♦ Vgl. it. seneca
gurar ‘sichern’). ‘bleicher, magerer Mensch’.

selch [U] ‘finster, trüb, trübselig, düster, senester [U], [O] ‘unbequem, unkommod,
scheel, einäugig’ unpraktisch, linkisch, unhandlich; He­
xenschuss [Krankheit]’ ► G
selear [U] ‘lüften, durch warme Luft (wie
Wind) auftrocknen’  selech [U] ‘sehr senjon [U] ‘Himmelfahrt’ ♦ It.
trocken, dürr, ausgedörrt, staubig; tro­ Ascensione.
ckener Ort, trockene Luft, Zugluft’
sensà [U] ‘gleichgültig, natürlich’ ♦ Fass.
selièr [O] ‘sonnen’ ♦ Derivation zu lat. Bildung, eigentlich “man weiß wohl”.
sōl ‘Sonne’ (REW 8059).
sentessiadit [O] ‘Augenblick’ ♦ Fass. Zu­
selva [U], [O] ‘großer Wald, Waldwild­ sammensetzung.
nis’ ► G B
sentoldì: dutol sentoldì [U] ‘den ganzen
semar [U] ‘einschrumpfen, schwinden Tag’ ♦ Nach it. tutto il santo giorno.
[Holz u.ä.]’ ♦ Lat. sēmāre ‘halbieren’
(REW 7799). sepontar [U] ‘unterstützen, durch senk­
rechte Pfeiler etc. stützen, behaupten’;
sembl [O] ‘Semmel’ ♦ Sollte im EWD un­ sepontèr [O] ‘stützen’ ♦ Venetismus
ter séml ‘Brötchen’ stehen. (Prati 1968: 163).  seponta [U], [O]
‘Stützpfeiler, senkrechte Stütze, Unter­
semel [O] ‘Erdhaufen beim oberen Rand stützung’

199
sferz [U] ‘schlechtes Heu, Grummet in
śerlo [U] ‘Rückenkorb’ ♦ Padanismus (zu den Wäldern’ ► (G fiërs?)
standardit. gerla).
sfess [O] ‘gespalten, aufgesprungen’ ♦
śerpia [U] ‘Baumwanze’ Sollte im EWD als Ableitung unter
sfëssa ‘Kluft, Spalt’ stehen. 
śes [U], [O] ‘Kreide, Gips’ ♦ Ven. zesso sfessura [U] ‘Klamm, tiefe Kluft’
(< lat.-grch. gypsum, REW 3936) (El­
wert 1943: 68). ► B sfiamenèda [O] ‘rasch auflodernde
Flamme, großer Funken, Geglitzer,
sescion [U], [O] ‘Sitzung’ ♦ Nordit. für Blitz, Schein’ ♦ Ließe sich im EWD
standardit. sessione. unter flàma ‘Flamme’ einordnen.

sesla [U] ‘Sessel’ ► G śessl sficiar [U] ‘das Gesicht zum Weinen run­
zeln, weinen’ ♦ Ließe sich im EWD als
sessache: po sessache [O] ‘sicherlich’ Ableitung unter fićé ‘stechen, hinein­
stechen’ einordnen.
sest [U] ‘gestern’ → dest1
sfilz [U] ‘Filz (damit das Spinnrad nicht
setemana [U]; setemèna [O] ‘Woche’ ♦ schreit)’ ♦ Tir. filz. ► B  sfilzar [U]
Ven. trent. (EWD III: 152). ► B ‘einfädeln, einreihen, anreihen [Ko­
rallen, Perlen, Glasperlen, Ketten etc.],
setimin [O] ‘7-Monats-Kind’ ♦ Zu lat. einfilzen [Spinnrad]’
septimus ‘siebter’ (REW 7835).
sfilza [U] ‘Reihe, Folge, Schnur, Menge’;
setin [U] ‘Werkzeug des Sägers, Heuern­ [O] ‘Schnur’ ♦ It. sfilza.
tegeräte, Heuerntewerkzeuge’ ♦ Lat.
sectinum zu secāre ‘mähen’ (REW sfoar [U] ‘blättern [Buch], entblättern’ ♦
7764). Ließe sich im EWD als Ableitung unter
föia ‘Blatt’ einordnen.  sfoèda [O]
setor [O] ‘Schnitter, Mäher’ ♦ Ließe sich ‘sfogliata’
im EWD als Ableitung unter setù ‘Mä­
her’ stehen. sfodegar [U] ‘stochern, wühlen, durchsu­
chen, durchstöbern, stacheln, ansta­
sèva [O] ‘Türpfosten, Fensterpfosten, cheln, herumstöbern’, sfodeghèr [O]
Bretterzaun, Säule, Schwelle’ → sava ‘im Tiefschnee laufen, bevor die Straße
geschaufelt wird’ ♦ Norditalianismus
sevear/nsevear [U] ‘zäunen’ ♦ Sollte im (< lat. exfordicāre ‘wühlen’, REW
EWD als Ableitung unter sì ‘Zaun’ 3403) (Prati 1968: 163; Ricci).
stehen (wie gad. sié ite).
sfogor [O] ‘Hautverbrennung’ ♦ Ließe
sfers [U] ‘Hitze, Mittagshitze, Ungestüm, sich im EWD als Ableitung unter füch
Mut, Feuer; heiß, hitzig, ungestüm, feu­ ‘Feuer’ einordnen. Gemäß Elwert
rig, mutig’ ♦ Lat. fervidus ‘siedend’ (1943: 186) ist aus dem Trent.
(REW 3265a).  sfersar [U], sfersèr
[O] ‘erhitzen, anstacheln, anfeuern, sfondrar [U] ‘erniedern, ausheben
ermutigen’ [Grund]’ ♦ Könnte im EWD als Ab­
leitung unter fùnz ‘Boden, Grund’ auf­

200
genommen werden. anhaltend brennen (jucken) bei
Wunden’ ♦ Sollte zusammen mit →
sformijear [U] ‘kriebeln, beißen, sfrijar betrachten werden.
wimmeln, einschlafen [Körperteil,
wenn man das Gefühl hat, als ob sgalar [U] ‘in den Lenden lahmen, die
Ameisen herumkriechen würden]’ ♦ Füße [besonders bei Tieren] in den
Ließe sich im EWD als Ableitung unter Hüften [speziell auf dem Eis] aus­
formìa ‘Ameise’ einordnen. kegeln’; sgalèr [O] ‘die Beine spreizen
oder sie zu weit gespreizt halten’ ♦
sforzin [U], [O] ‘guter und schön ge­ Wohl von → sgalonar rückgebildet.
wundener Strick, Peitschenschnur’ ♦
Ließe sich im EWD als Ableitung unter sgalizar [U] ‘brechen, beschädigen’;
fórza ‘Stärke, Kraft’ einordnen. sgalizèr [O] ‘funkeln’

sfratumar [U] ‘zerdrücken, zertrümmern, sgalonar [U] ‘in den Lenden lahm sein’ ♦
zermalmen, zerstören’ ♦ Ließe sich im Ven. sgalonarse ‘slogarsi le ossa delle
EWD als Ableitung unter desfratè ‘auf­ gamba’ (DEVI).  sgalonà [U]
räumen’ einordnen. ‘lendenlahm’

sfratazin [U] ‘Glättbrett mit einer Hand­ sgaluzar [U] ‘flimmern [z.B. Sterne],
habe, um den Mauerbewurf zu ebnen’ ♦ glänzen [von Fenstern in der Sonne],
Zu lat. frictāre ‘reiben’ (REW 3505) glitzern, reflektieren, funkeln’; sgalizer
(vgl. sen. sfratazzo, bol. sfraton).  [O] ‘funkeln’
sfratazinar, sfratajinar [U] ‘den Mau­
erbewurf glätten’ sgars [U] ‘Trieb, Sprössling, Spross’ 
sgarsar [U] ‘Triebe/Sprossen weg­
sfrazeèr [O] ‘hantieren, schaffen’ ♦ Zu schneiden’
lat. fractiāre ‘brechen’ (vgl. fracta
REW 3466, fractio REW 3467) sgarsol [U] ‘Wintertrieb [der Kartoffeln,
(Pallabazzer 1980: 106). ► B sfrazé Rüben usw.]’ ♦ Wohl zusammen mit
→ sbarbol zu betrachten. Sicher ist
sfreadora [U] ‘Abspülerin, Abreiberin’ aber auch an eine (volksetymologische)
Ableitung zu → sgars zu denken.
sfrijar [U] ‘kratzen, kratzen (Gesicht), im
Gesicht aufschürfen, beißen, stechen sgaruzar [U] ‘funkeln’ → sgaluzar
von einer Wunde, andauernd
schmerzen bei Wunden, Streifen ma­ sghevert [U] ‘Beschimpfung, Beleidi­
chen’ ♦ Sollte zusammen mit → sfrizar gung’  sghevertar [U] ‘beleidigen,
betrachten werden.  sfrisc [U] beschimpfen, anschnarren; zornige,
‘Schmarre, Kratzer im Gesicht, stutzige Antwort geben’
Verunzierung, Beschimpfung, Strei­
fen’, sfrijada [U] ‘Kratzer, Haut­ sghiciar [U] ‘einklemmen, pressen, drü­
aufschürfung, Gekritzel’, sfrijon [U] cken, quetschen, knacken’ ♦ Expres­
‘großer sfrisc’ siver Herkunft.  sghicia/schicia [U]
‘kleine Presse, Drucke’
sfrisc [U] → sfrijar
sghinza [U] ‘Funke’ ♦ Expressiver
sfrizar [U] ‘mit Pfeilen beschießen, Herkunft.  sghinzar [U] ‘funkeln’

201
sammenhang mit ghìgna ‘Fratze, Gri­
sglurièr [O] ‘glucksen [bei Hennen]’ ♦ masse’ (EWD s.v.), wo auch gad. grig­
Lautmalerischer Herkunft. na ‘Grimasse’ verzeichnet ist?

sgnaus/sgnauz [O] ‘(großer) Riss der sgrignot [O] ‘kleines Lächeln’ ♦ Vgl. vo­
Haut’ rigen Eintrag.

sgnerten [O] ‘Leiste aus Fichtenholz, die sgrijolar [U] ‘schneien, wenn die Schnee­
der Schnitzer verwendet, um die flocken hart und hagelähnlich fallen’;
Meißel zu schärfen’ ♦ Tir. (Elwert se sgrijolèr [O] ‘Übelkeit oder Ekel
1943: 246). zeigen; schaudern’ ♦ Ließe sich im
EWD als Ableitung unter sgrìc ‘Ekel’
sgninfa [O] ‘zimperliches Mädchen’ ► einordnen.  sgrijol [O] ‘Schauer,
(B sgninfa ‘Fratze, Grimasse’?) Übelkeit, Ekel’, sgrijolon [O] ‘Leim­
kraut; Schauer’
sgociar [U] ‘auströpfeln, abtröpfeln,
abtriefen’ ♦ Ließe sich im EWD als sgrisinier/sgrisinieres (da l usc) [U]
Ableitung unter góta ‘Tropfen’ einord­ ‘Türbeschlag; Türangel mit Ver­
nen. zierungen; Türscharnier; Löcher, worin
sich die Zapfen eines Stadeltores be­
sgof [U] ‘leichter Rippenstoß, um auf­ wegen’; sgrijinier [O] ‘Brett der Holz­
merksam zu machen; Stoß mit dem Ell­ tür, wo die Türbänder für die Türangel
bogen’ ♦ Lautmalerischer Natur.  angebracht werden’ → grescinier
sgofar [U] ‘durch einen Rippenstoß
andeuten oder auf etwas aufmerksam sgrizar [U] ‘kratzen, aufschürfen, raspeln’
machen; leichten Rippenstoß mit dem ♦ Expressiver Natur. Vgl. auch →
Ellbogen geben’ sgrif.

sgòlbia [U] ‘Hohlmeißel’ ♦ Gall. gulbia sgrizolar [U] ‘ausglätten; Haarlocken ma­
‘dito’ (REW 3911). chen’ ♦ Wie die beiden Bedeutungen
zusammenzubringen sind, scheint uner­
sgriciolar [U] ‘knistern, krachen’ ♦ Ex­ klärlich; sie bedeuten ja gewissermaßen
pressiver Herkunft. ► B sgriciolé das Gegenteil. Bezüglich der zweiten
Bedeutung weist das Sem ‘Haarlocken’
sgrif [U] ‘Kratzer, Ritzer’ ♦ Expessiver auf gad. rici ~ buch. rizi ‘Locken’ (vgl.
Natur. Vgl. auch → sgrizar.  sgrife EWD).
sf.pl. [U] ‘Verzierung (Spitzen) an den
Hemdärmeln der Frauen’ sgronfious [O] ‘skrofulös’ ♦ Zu it. scro­
foloso ‘dito’.
sgrifa del malan [O] ‘Bergrapunzel, Teu­
felskralle’ ♦ Zu sgrifa ‘Kralle’? sguger/sguier [O] ‘Löffel’ ♦ Nordit. (El­
wert 1943: 38).
sgrife sf.pl. [U] ‘Verzierung (Spitzen) an
den Hemdärmeln der Frauen’ → sgrif siaman [U], [O] ‘Handtuch’ ♦ Sollte im
EWD als Ableitung unter suié ‘trock­
sgrifon [O] ‘Klecks’ nen’ stehen (wie fass. suaman).

sgrignacèda [O] ‘größes Gelächter’ ♦ Zu­ sibéria [U] ‘sehr kalter Ort’ ♦ Siberia.

202
daher sehr steil ist’ ♦ Das REW (7510)
sibol [U], [O] ‘dünnes Wassermus aus stellt puschl. séitola ‘Mühlgraben’ zu
Türkenmehl, Brei’ lat. sagittula ‘kleiner Pfeil’. Doch ist
die semantische Entwicklung nicht
sich indecl. [U] ‘ausgezeichnet, deutlich, ganz klar. ► B seitol
klar, genau’ ♦ Lat. sīc ‘so’ und dt. si­
cher gekreuzt?  numer sich [U] slabadausèr [O] ‘Faulpelz; Quälgeist;
‘ausgezeichnet’ Faulenzer; unverschämt’

sigdar [U] ‘tschinkelen, brenzlich rie­ slaber [O] ‘verlängerter und wenig
chen’ gutschmeckender Kaffee’ ► G
slabergoz ‘schlecht Gekochtes’
sin [U] ‘Heiliger’ ♦ Sollte im EWD unter
sànt ‘heilig’ stehen (wie fass. sent). slach [O] ‘Unterkinn, Doppelkinn’

śina śina [U] ‘[Ruf- und Kosename für sla(d)ronar [U] ‘grob beschimpfen’ ♦ Ab­
die Kuh]’ leitung zu lat. latro ‘Räuber’ (REW
4931).
sinedicentes [U] ‘unendlich’ ♦ Pseudo-
Italianismus (in Anlehnung an sine die slagarì [O] ‘vor Hunger erschöpft’ ► (G
‘auf unbestimmte Zeit’?) oder verball­ slacarin ‘erweicht, lauter,
horntes krichenlat. sine fine dicentes. nachgiebig’?)

śinśenar [U], sinsenèr [O] ‘sausen, brum­ slagher [O] ‘Falle (oder Schlinge), um
men, summen, sumsen’ ♦ Onomatope­ Vögel zu fangen’ ► G slagl
tischer Herkunft.  śinśenament [U],
sinsenament [O] ‘Brummen, Summen, slaidra [U] ‘Schleuder am Wagen =
Gesums, Sausen’ Eisenband, damit die Achsenzapfen
nicht zu schnell abgewetzt werden;
śirar [U]; śirer [O] ‘in Umlauf setzen, Eisenscheiben an einer Stange, um im
umgehen [Rad], herumstreifen, umher­ Winter die Heuschlitten zu bremsen;
reisen’ ♦ Padanismus (zu standardit. gi­ Eisenring zwischen sporeč e pasét;
rare).  śirada [U] ‘Gang, Ausflug, großer, runder Ohrring; Eisenring, der
Umdrehung’, śiro [O] ‘giro’ in den palanch hineingeschoben wird,
um zu bremsen’; slaidera [O] ‘massi­
sireous [U] ‘windig und kalt [Wetter]’ ver Eisenring, um das Heraustreten des
Rads von der Nabe zu verhindern; Ohr­
śiśa [U] ‘Frost’ ♦ Expressiven Ursprungs? ring in Tellerform; Schraubenmutter’;
slaid(e)ra [O] ‘platter Ohrring in Halb­
siser [U] ‘kleiner Platz, kleine Wiese’ mondform, den man zu alten Ge­
wändern trägt’ ► G
sitèda [O] ‘scharfer Schmerz, Stich,
Krampf, Stoß’ ♦ Ließe sich im EWD slaifenar [U], slaifernèr [O] ‘schleifen,
als Ableitung unter saìta ‘Pfeil, Blitz’ abschleifen, glätten, schleifen (auf Eis)’
einordnen. ♦ Ließe sich im EWD als Ableitung un­
ter slàifer ‘Schleifer’ einordnen. 
sitol [U] ‘hölzerne Wasserrinne, die das slaifen sf. [U] ‘Schleifplatz der Kinder
Wasser zum Mühlrad herableitet und auf der Gasse usw.’

203
‘lässig, müßig herumgehen’ (Schatz
slaifra [U] ‘unmoralisches Weib, die mit 531) und/oder schlenggεrn ‘schlenkern,
anderen Männern hurt’ ♦ Sollte im hin- und herschwingen’ (Schatz 531)
EWD wohl unter slàifer ‘Scheren­ verbergen. ► (B slenderné)
schleifer’ stehen.
sleventar [U] ‘schleudern, abschütteln,
slalbar [U] ‘dämmern, aufdämmern’ ♦ hinauswerfen, hinausschmeißen’
Sollte im EWD als Ableitung unter
àlba ‘Morgendämmerung’ stehen (wie slinch [U], [O] ‘Sprung; flink, leicht’ ♦
gad. dejalbar). Man vergleiche → slanc.  slinchèr
[O] ‘schnell rennen’
slanc [U] ‘großer Sprung; in Eile ge­
machter großer Nadelstich; flink, fesch, slinz [U] ‘Maulschelle’
schneidig’; [O] ‘weite Nadelstiche’ ♦
Ableitung zu lanceāre ‘die Lanze slinza [U] ‘großer (langer) Funke; ein
werfen’ (REW 4879)? ► B slëncir bisschen’

slancent [O] ‘schlank, behände’ → slìnzola [U] ‘Kinderschaukel (Hutsche)


slanzent aus einem Heuseil gemacht’

slandrion [U] ‘Schlendrian, Vagabund, slisc [U], [O] ‘glatt’ ♦ Ven. slisc (Prati
Landstreicher’ ♦ Sollte im EWD als 1968: 169).  slisciar [U] ‘glätten
Ableitung unter slònder ‘Vagabund’ [Pferde], striegeln, schmeicheln’
stehen (wie gad. slandron).  slandro­
nar [U] ‘vagabundieren, schlendern, slofa [O] ‘Furz’ ♦ Expressiven Ursprungs.
herumstreichen, herumstreifen’
slontanar [U] ‘entfernen, weggeben’ ♦ It.
slanear [U] ‘lockern, locker werden, allontanare.
verwirren, ohne Zusammenhang
schreiben’ slonzin [O] ‘Person, die ständig um­
herstreunt; Vagabund’ ♦ Ließe sich im
slanzent [U] ‘fesch, mutig, flink; EWD als Ableitung unter slònder
schneidig, kühn, verwegen’; slancent ‘Vagabund’ einordnen.
[O] ‘schlank, behände’ ♦ Wohl von →
slanc abgeleitet. slosa [U], [O] ‘Radschuh [= Bremse]’ ♦
Ließe sich im EWD als Ableitung unter
slapa [U] ‘Schlappe, Schlappschuh’ ♦ Tir. liösa ‘Rodel’ einordnen.
schlapp(εr) ‘loser Hausschuh, Halb­
schuh mit Holzsohle’ (Schatz 528). slutriar [U] ‘schlenkern, schütteln (beim
Tragen von Flüssigkeiten)’
slaronar [U] ‘gröblich beschimpfen’ →
sladronar sluz/sluzech [U] ‘schmutzig, schlüpfrig,
glatt’ ♦ Man vergleiche formal bellun.
slemer [U] ‘Schlemmer, Verschwender’ ♦ veltl. sloz ‘nass’, welches sich auf lat.
Tir. schlemmεr (Schatz 531). lōtium ‘Urin’ (REW 5129) zurückfüh­
ren lässt. Nicht ganz unproblematisch
slender [O] ‘nachgelassen, schlaff, locker’ wäre jedoch die semantische Entwick­
♦ Dahinter können sich tir. schlendεrn lung. ► B sloza  sluzièr [O] ‘glät­

204
ten’ 538) (Zanotti 1990: 158).

smacafam [U] ‘Art Torte, die aus Buch­ smergol [O] ‘kleine steile Felsen, kleine
weizenmehl, Milch, Eier und Speck abschüssige Stellen’
angerührt in eine Pfanne getan wird,
worauf sie mit einem Deckel mit Glut smever [U] ‘entfernen, wegheben, losma­
darauf bedeckt und gar kochen gelassen chen’ ♦ Lat. ex-movēre (REW 3024a)
wird’ ♦ Trent. smacafam ‘tortacciolo mit Konjugationswechsel. In Moena
(ma di grano saraceno) (Ricci), ven. heißt es smöver.
(s)macafame (Prati 1968: 170).
sminizolar [U] ‘rippeln, reiben, kratzen’ ♦
smacar [U] ‘klopfen, pochen, klappern, Ließe sich im EWD unter minuzé ‘klein
schlagen, zuschlagen, hauen’; smachèr schneiden’ unter den Ableitungen ein­
[O] ‘schlagen’ ♦ Auch frl. smac(ai)â ordnen.
‘acciaccare’. Entweder zu lang.
smahhan ‘beschimpfen’ (REW 8037) smisciar [U] ‘vermischen, zusammen­
oder lautmalerischen Ursprungs (DEI mischen’ ♦ Lat. miscitāre ‘mischen’
646) (Zanotti 1990: 158). ► B smaché (REW 5605). ► B smescedé
‘schmeißen, werfen’  smacada [U]
‘Klopfen, Pochen, Schlag’ smoar [U], smoèr [O] ‘einweichen,
erweichen, eintauchen, eintunken, nass­
smach [U] ‘Wachtel’ machen, benetzen’ ♦ Lat. ex- + molliā­
re ‘erweichen’ (REW 5646) (Elwert
smaltadura [U] ‘Mauerverputz, Verputz’ 1943: 96).  smoa [U] ‘Einweichung,
♦ Ließe sich im EWD als Ableitung un­ Erweichung, Auswaschung (Erdrut­
ter màlta ‘Mörtel’ einordnen (wie buch. schung infolge der Nässe); Steingerölle
smaltada). und Erde mit Wasser vermischt; Ein­
tauchung, Einweichen, Wäche’; smoè­
smanghenèr [O] ‘hämmern [Schmerz], da [O] ‘Einweichung; Nässe’; smoi
pulsieren’ ♦ Wohl zu lat. manganum [O] ‘Einweichung, Seifenlauge’
‘Schleuder’ (REW 5297) zu stellen.
smonejèr [O] ‘erweichen’ ♦ Im EWD zu
smantear [U] ‘stoßweise blasen, stoß­ mòl ‘weich’ oder morjél ‘weich’ (unter
weise atmen; den Stiel (von Beil, Ham­ letzterem steht auch buch. smonejelé.
mer usw.) entfernen’ ♦ Es scheinen hier
zwei Lexemen zusammengefallen zu smorm [O] ‘Schmarren’ ♦ Variante zu
sein. Sie ließen sich im EWD als smorn und auf tir. schmąrn (Schatz
Ableitung unter màntia ‘Griff’ bzw. 532) zurückzuführen; auch amp.,
unter mantesc ‘Blasebalg’ einordnen. anaun., sol., trent. (Zanotti 1990:
159f.). ► B smorn
smardacèr [O] ‘beschmutzen’ ♦ Sollte im
EWD als Ableitung unter mèrda smorsa [U], [O] ‘eiserner Schraubstock’ ♦
‘Scheiße, Kot’ stehen (wie gad. smar­ Ließe sich im EWD als Ableitung unter
dacé). smórz ‘einmaliger Sensenzug beim Mä­
hen’ einordnen (Gsell 1996b: 256). 
smarozon [O] ‘Schmarotzer’ ♦ Mazzel smòrsola [U] ‘kleiner Schraubstock,
verweist auf dt. Schmarotzer; man be­ Verzahnung, Spagat der Peitsche’,
denke aber auch tir. schmąrôzn (Schatz smorson [O] ‘Haken der Türklinke’

205
smorzar [U] ‘mit Gewalt löschen, verlö­ snierle [U] ‘kleiner Rausch’ ♦ Hört sich
schen, auslöschen; Licht/Stimme däm­ tir. an. Es findet sich aber nichts Ent­
pfen’ ♦ Von it. smorzare (oder einer sprechendes bei Schatz oder Fink.
padanischen Variante) oder direkt von
lat. admortiāre ‘Licht löschen, Licht snizer [O] ‘anschneiden [Torte, Käse], ein
dämpfen’ (REW 185) mit Präfix­ Glas Marmelade anbrechen’; snizenar
wechsel. [U] ‘schnitzeln’ ♦ Zu tir. schnitz ‘abge­
schnittenes Stücklein’ (Schatz 547).►
smotear [U] ‘sich zieren, sich drehen [der B snizé
Mädchen], ausarten, geziert tun’
snopar [U] ‘schnappen’ ♦ Tir. schnąppm
smulà [O] ‘abgekantet, abgeschrägt, ‘schnappen’ (Schatz 543).  snop [U]
schmale Schultern habend’ ► B smulé ‘Schnappen’

smusar [U] ‘abstoßen, abschlagen, ab­ snufar [U] ‘schnüffeln, wahrnehmen, wit­
sagen, ins Gesicht schlagen, mit dem tern, herumschnüffeln’ ♦ Tir.
Gesicht anstoßen, die Enden der Musl­ schnûf(lε)n ‘dito’ (Schatz 547).
hölzer bearbeiten, die Enden der Musl­
hölzer bearbeiten’ ♦ Zu lat. *mutius soàc pl. [U] ‘saugendes Jungvieh’ ♦ Zu
‘abgestumpft’ (REW 5792).  smuson lat. *sūctiāre ‘saugen’ (REW 8415).
[U] ‘abschlägige Antwort, Absage’,
smusada [U] ‘abschlägige Antwort, soàlz [U]; soauza [O] ‘Unterlage; keilför­
Absage’ miges Lederstück, das der Schuster
zwischen die Form und das Leder
snait [O] ‘Mut, Energie’ ► G B steckt; Hebel’ ♦ Trent. (Faré 8346a). ►
B soàuz
snap [U] ‘Schnepfe’ ♦ Im Tir. lautet das
Wort schnepf (< ahd. snepfo) (Schatz soatol [U] ‘Schwade, Windstoß’
546). Vokalismus und Auslautkonso­
nant verblüffen daher. sobit [U], [O] ‘gleich, sofort, sogleich,
plötzlich, schnell, geschwind’ ♦ Lat.
snervar [U] ‘den Fuß verrenken, die Ner­ subito ‘plötzlich’ (REW 8366).  so­
ven aus der Lage bringen’ ♦ Ließe sich bitous [O] ‘überstürzt, impulsiv’
im EWD als Ableitung unter nèrf
‘Nerv’ einordnen. socol [U] ‘Sockel’ ♦ Dt. tir. Sockel und it.
zoccolo gekreuzt.
sniacar [U] ‘darankriegen, überlisten, roh
abschlagen, schleudern, werfen’ ♦ Gibt socors [U] ‘Unterstützung, Hilfe’ ♦ Ab­
es auch im Gad. (sgnachè), fehlt aber in leitung zu lat. succurrere ‘zu Hilfe
den Wörterbüchern. Der Typ stellt eine kommen’ (REW 8412).
Kontamination aus smacar ‘beflecken’
und nordit. (s)gnèch ‘schleimig, soda [O] ‘Soda’ ♦ Germanismus und/oder
Schleim’ dar (Gsell 1996b: 238). ► Italianismus.
sgnaché
sofran [U] ‘Safran, gelbes Pulver zum
sniaus [U] ‘Schmarre; große, tiefe Lebensmittelfärben’ ♦ Tir. sąffran
Wunde’ ► G snegher (Fink 223).

206
soga [U] ‘Glockenstrang, Strang, Tau, som [U] ‘höchster’ ♦ Lat. summus
Seil, dicke Hanfschnur, Bauchriemen ‘höchst’ (REW 8454) (Tagliavini 1934:
(um Esel zu beladen)’ ► G soia, B  721). ► B
sogat [U] ‘dünnes Seil’, sogar [U]
‘Seiler, Riemer, Sattler’ sombrìa [O] ‘Schatten; Schattenplatz’ ♦
Sollte im EWD als Ableitung unter
sogetar [U] ‘unterwerfen, unterliegen, ambrìa ‘Schatten’ stehen (wie fass.
ergeben’ ♦ It. soggettare oder direkt sumbrian ‘Schattenseite’).
von lat. *subi&icāre ‘unterwerfen’
(REW 8367). someis/sumeis [U] ‘Spanne (der Zwi­
schenraum zwischen dem ausgespann­
sogot [O] ‘Schnur’ ♦ Mazzel führt das ten Daumen und dem Zeigefinger)’ ►
Wort auf das Trent. zurück. → soga G sumës

śol-śol [U] ‘Kose- und Rufname für sòmet [O] ‘resistenter Stoff aus Wolle und
Schaf’ ♦ Ähnlich wie der nächster Ein­ Hanf für Arbeitskleidung’
trag von lat. *haediolum?
somor [O] ‘große schwere Schuhe’
śola-śola [U] ‘Kose- und Rufname für
Ziege’ ♦ Lat. *haediola ‘Zicklein’ sopia [U], [O] ‘gebogenes Querholz am
(REW 3973) (Elwert 1943: 50) hinteren Teil des palanch’ ► G

solac [U] ‘sonnig; großes Gelächter’ ♦ Zu soponta [O] ‘Stützpfeiler, Stütze, Hilfe’ ♦
lat. sol ‘Sonne’ (REW 8059). Ließe sich im EWD evtl. als Ableitung
unter pùnt ‘Brücke’ einordnen.
solevech [O] ‘weich; gut aufgegangen
(vom Brot)’ soraan [O] ‘für ein Jahr’ ♦ Zu­
sammensetzung aus sora ‘über’ und an
solim [U] ‘Sohlenleder; Besohlung, die ‘Jahr’.
Zwischenlage aus Lederflecken zwi­
schen Sohle und Brandsohle’ ♦ Ab­ soracea/soracìa [O] ‘Braue’ ♦ Ließe sich
leitung zu lat. solea ‘Sohle’ (REW im EWD als Ableitung unter cëia ‘dito’
8064). einordnen.

solister [U] ‘Sonnenschein unter oder soracuerta [U], soracoerta [O] ‘Briefum­
nach dem Regen’; soluster [O] ‘Licht­ schalg’ ♦ Nachbildung von ven. sorac­
strahl’ ♦ Zu lat. sol ‘Sonne’ (REW overta ‘dito’ (Tagliavini 1934: 723). ►
8059). ► B soluster B souracuierta

solo [U] ‘Solo’ ♦ Italianismus. sorampech [O] ‘in Kürze’ ♦ Fass. Zu­
sammensetzung.
solter [U] ‘gespaltener Baumprügel’ ♦
Sieht tir. aus, doch findet sich nichts sorandorar [U] ‘vergolden’ ♦ Nach it. in­
Passendes bei Schatz oder Fink. dorare.

solvie [O] ‘weich; locker [Erde]’ → sole­ soraos [O] ‘Überbein, Verdickung an den
vech Rändern eines Knochenbruchs’ ♦ Ließe

207
sich im EWD als Ableitung unter òs schnitt’ ♦ It. sottogola, pad. (vgl. imol.
‘Knochen’ einordnen. sotgola) oder eigene Bildung.

sorastante [U], [O] ‘Oberst, Gewalthaber’ sotecouda [U] ‘der Begleiter des Fähn­
→ soraster richs, der den Fahnenzipfel hält; Pan­
toffelheld’; [O] ‘Teil des Geschirrs un­
soraster [O] ‘überragen’ ♦ Ließe sich im ter dem Schwanz von Reit- und Zug­
EWD als Ableitung unter stè ‘sein’ ein­ tieren; Schwanzriemen; Begleiter des
ordnen. soprastare  sorastante [U], Fähnrichs’ ♦ Zusammensetzung aus sot
[O] ‘Oberst, Gewalthaber’ ‘unter’ und couda ‘Schwanz’ (< lat.
cauda ‘Schwanz’, REW 1774).
soravìa [O] ‘darüber hinaus’ ♦ Ließe sich
im EWD als Ableitung unter vìa ‘weg’ sotemanvìa [O] ‘heimlich’ ♦ Sollte im
einordnen. EWD als Ableitung unter sót ‘unter’
stehen (wie buch. sotemën ‘heimlich’).
sorbech [U] ‘Überschnabel’ ♦ Selbst­
erklärendes Kompositum aus sor und sotepel [O] ‘Brett der Handelsklasse III’
bech.
soterar [U] ‘untergraben, vergraben, ein­
sordon [U] ‘Tauber; einer, der nicht hören graben’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
will’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­ leitung unter tèra ‘Erde’ einordnen.
leitung unter sùrt ‘einordnen’ einord­
nen. sotstar [U] ‘unterstehen, unterworfen
sein, untertänig sein, abhängen’ ♦ Ließe
sortiment [O] ‘Sortiment’ ♦ Germanis­ sich im EWD als Ableitung unter stè
mus. ‘Sein’ einordnen.

sortir [U] ‘hervorkommen, herausgehen, sozedèr [U], [O] ‘ereignen, sich ereignen,
ausgehen’ ♦ Lat. sortīre ‘herauskom­ geschehen’ ► G suzeder
men’ (REW 8110).
soziar [U] ‘vereinigen, zugesellen’ ♦ It.
sospreis [U] ‘lind, locker, flaumig, federn, associare bzw. nordit. Variante.  so­
aufgegangen [Teigwaren], elastisch; zio [U], [O] ‘Genosse, Kamerad’, so­
wiegender Gang’ zietà [O] ‘Gesellschaft’ ► (B sozi, so­
zieté)
sotagar [U] ‘unterwässern, unterschwem­
men, unter Wasser (heimlich) arbeiten, spaco [O] ‘Prunk’ ♦ Sollte im EWD als
unter Wasser setzen’ ♦ Ließe sich im Ableitung unter spaché ‘zerbrechen’
EWD als Ableitung unter éga ‘Wasser’ stehen (wie unterfass. spàco ‘Aufsehen,
einordnen. Eindruck’).

sotcuert [U]; socoert/sotcuert [O] ‘Dach­ spais [O] ‘Ungeduld’ → sprais


boden’ ♦ Sollte im EWD als Ableitung
unter curì ‘decken’ stehen (wie fass. spampanar [U] ‘rühmen’  spampanon
cuert ‘Dach’). [U] ‘gleichgültiger Mensch’

sotegola [U] ‘Jochstück am modernen spanduch [U], [O] ‘große, weite Terrain­
Joch [und zwar an der stela]; Halsaus­ fläche’ ♦ Norditalianismus (Elwert

208
1943: 192). Im EWD zu spàna ‘Spanne
einer Hand’ oder spàne ‘mit der Gabel sperenèr [O] ‘die Straße von Steinen etc.
ausbreiten’? räumen’ ♦ Zu → sparar.

n spar [U] ‘paarweise eingehängt; beson­ sperjurèr [O] ‘falsch schwören’ ♦ Ließe
ders bei Verlobten, wenn sie Arm in sich im EWD als Ableitung unter juré
Arm gehen’ ♦ Zu lat. par ‘gleich’ ‘schwören’ einordnen.
(REW 6219).
sperlengèr [O] ‘verlängern’ ♦ Ließe sich
spara [U] ‘Sparre, Brett (bei Geländern im EWD als Ableitung unter lùnch
usw.)’ ♦ Dt. Sparre oder tir. oder nur ‘lang’ einordnen. ► B sperlongé
sekundär auf fass. sbara ‘Dachsparre’
(vgl. EWD sbarè ‘versperren’).  spersvajèr [U] ‘überzeugen’ ♦ Neubil­
sparela [U], [O] ‘Sparre, Brett’ dung zu it. persuadere. In Moena heißt
es spersvader.
sparar [U] ‘die Straßen herrichten (von
Steinen reinigen)’ ♦ Sollte im EWD als spes [ant.] / spis [U] ‘Spieß, Bratspieß’ ♦
Ableitung unter péra ‘Stein’ stehen. Vgl. tir. spiss (Schatz 587).

sparela [U], [O] ‘Sparre, Brett’ → spara spet [U] ‘Kredit, Borg’ ► G spieta, B
speta
spars [U] ‘zerstreut, vereinzelt, sparsam’
♦ It. disperso. spetacol [O] ‘Spektakel’ ♦ It. spettacolo.
 spetacolous [O] ‘spektakulär’
spauc [O] ‘Terassenabhänge’
spezar [U] ‘in Stücke reißen, zerstückeln,
spavì [O] ‘bleich, blass’ ♦ Zusammenhang abreißen’ ♦ Ableitung zu gall. *pettia
mit EWD-Lemma spàu ‘scheu’? ‘Stück’ (REW 6450). (It. spezzare be­
deutet dagegen ‘zerbrechen’). ► B
spazar [U], spazèr [O] ‘kehren, reinigen, spezé
freimachen’ ♦ Kann im EWD unter
spazaćiamin ‘Kaminkehrer’ ergänzt spianar [U], spianèr [O] ‘ebnen, glätten’
werden.  spazà [O] ‘Lichtung’ ♦ Ließe sich im EWD als Ableitung un­
ter plàn ‘eben’ einordnen. spianare.
spelonca [O] ‘Spelunke’ ♦ Sollte im
EWD unter spelùnca ‘dito’ stehen. spiatèr [O] ‘platt machen’ ♦ Ließe sich im
EWD als Ableitung unter plàt ‘platt’
spenodl sf. [U] ‘Spennadel’ ► G einordnen.

speraman [O] ‘Stock, den man früher zu spico [U] ‘Effekt, Reiz, Wirkung, Ein­
Hause oder in der Schule verwendet druck’ ♦ Ableitung zu lat. *pīkkāre
hat, um Kindern zur Strafe auf die ‘stechen’ (REW 6495).
Handfläche zu schlagen’
spièna [O] ‘große Quantität, Haufen’ ♦
sperdenzar [U] ‘vorbeten, vorsprechen, Lat. plēnus ‘voll’ (REW 6596).
bedachtsam ausgeben, bedachtsam aus­
teilen, langsam ausstreuen, langsam spiench [O] ‘ranzig’
verstreuen’

209
spifenar [U] ‘aufputzen, zieren, verzieren, delikat, spöttisch’ ♦ Von dt. Spott abge­
protzen’ → pif leitet (Elwert 1943: 187); man verglei­
che auch tir. spott (Schatz 588) (Zanotti
spighet [U] ‘Schnur am unteren Rand des 1990: 169).
Weiberrockes, damit sich dieser nicht
abwetzt’ ♦ Gemäß Elwert (1943: 246) spraisar [U] ‘überanstrengen, übereilen’ ♦
tir. Herkunft (vgl. auch Zanotti 1990: Sollte im EWD unter spràiza ‘Stütze;
166); im Schatz (585) ist aber nur spig­ keckes Mädchen’ stehen (Gsell 1996b:
gεt ‘Lavendel, Gartenspeik’ verzeich­ 258).  sprais [U] ‘Überanstrengung,
net, woher das fass. Wort semantisch Anstrengung, Spreizung, Lüsternheit,
kaum kommen kann. Gusto, Übereilung’; sp(r)ais [O] ‘Un­
geduld, irrequietezza’
spinradl [U] ‘Spinnrad’ ♦ Tir. spinrâdl
‘dito’ (Schatz 586). sprazolar [U] ‘kratzen (wie Hennen),
scharren; altes Brot essen, wobei es
spis → spes zerbröselt’

spiuma [U] ‘Schaum, Abschaum, Hefe’ ♦ spreisa [U] ‘Portion’


Germ. skūms ‘Schaum’ (REW 8013).
sproar [U] ‘sich abmühen, bemühen, aus­
splendor [O] ‘Glanz’ ♦ It. splendore. probieren, versuchen, spreizen’ ♦ Pada­
nismus (zu standardit. provare).
spoctlerner [O] ‘spachteln, Stuck ver­
arbeiten’ ♦ Mazzel verweist auf dt. spruie [O] ‘minderwertiges Getreide;
spachteln. Man vergleiche auch tir. nicht gut gewachsen (Spätentwick­
spąchtl ‘Schabblech’ (Schatz 579) (Za­ lung)’
notti 1990: 168).
spruzenèda [O] ‘Spritzer’ ♦ Pseudo-
spolpèr [O] ‘entfleischen’ ♦ It. spolpare Italianismus zu it. spruzzata.
(zu polpa, unbekannter Herkunft,
DELI). spuntar [U] ‘hervorschießen [Pflanzen,
Gras]’ ♦ Wie oberfass. spontar ‘die
spont [U] ‘gestochen [nicht Kartenspiel]’ Spitze abbrechen’ im EWD zu punje
♦ Ließe sich im EWD als Ableitung un­ ‘stechen’?
ter pùnt ‘Punkt’ einordnen.
sputanèr [O] ‘unpassende Bemerkungen
sporela [U] ‘Holzstück beim Wendebrett’ aussprechen, Huren besuchen’ ♦ Sollte
♦ Im EWD zu spòra ‘Weberschiff­ im EWD als Ableitung unter putàna
chen’? ‘Hure’ stehen (wie grödn. sputané ‘hu­
ren’).
sporet [U], [O] ‘Achsennarbe’ ♦ Zu mhd.
sport ‘Spur’ (Elwert 1943: 242). Im squadra [O] ‘Winkel, Dreieck’ ♦ Wie
EWD zu spòra ‘Weberschiffchen’? fass. scadra im EWD unter scadrè
‘Bauholz behauen’.
spotich [O] ‘gleich, identisch’
srafnel [O] ‘im ersten Weltkrieg verwen­
spotous [U], [O] ‘heikel, weichlich, ver­ dete Kanonenkugel’ ♦ Nhd. Schrapnell
weichlicht, empfindlich, zimperlich, (Zanotti 1990: 170).

210
259, Zanotti 1990: 172f.), welches
stabiliment [O] ‘Anstalt, Fabrik, Gebäu­ wohl die unmittelbare Ausgangsbasis
de’ ♦ Ließe sich im EWD als Ableitung für die fass. Form darstellt. Die trent.
unter stabilì ‘festigen’ einordnen. Form mag von der nhd., der tir. oder
der mhd. Form stammen.
staif [O] ‘stark, widerstandsfähig’ ♦ Auch
trent. ven. (Prati 1968: 177, Ricci 446). sterpesc [O] ‘junges, noch unfruchtbares
Von tir. staif ‘steif, fest; [bei Perso­ Vieh’ ► G stërpa, B sterpa
nen:] kräftig, widerstandsfähigkeit’
(Schatz 599) (Zanotti 1990: 170). stes [U] ‘selbst’ ♦ Vergleiche → istes. ►
B stësc
stampenada [U] ‘Sache, die Mühe und
Anstrengung verursacht’ ♦ Von germ. stileta [O] ‘derjenige, der auf einer beson­
stampôn ‘stampfen’ (REW 8224)? deren Tabelle die Punkte für Spieler
notiert’ ► B
stanfar [U] ‘abdichten’ ♦ Venetismus.
Ven. stanfar stamme gemäß Prati stinco [O] ‘dürr, steif, gelähmt, bewe­
(1968: 77) von einem sonst nicht weiter gungslos’ ♦ In Moena liegt die Bedeu­
belegten lat. *extumefacere ‘?’. Besser tung ‘todmüde, stockbetrunken’ vor.
ist jedoch von lat. *extūfāre ‘dämpfen’ Von it. stinco ‘Schienbein’?
(REW 3108) auszugehen, wie es etwa
Faré tut. stinf da neif [O] ‘Zaunkönig’

stantepede [U] ‘sofort, ohne Umstände’ ♦ stinferna [O] ‘Strumpfbein’ ♦ Zu tir.


Italianismus. st(r)umpf (Schatz 614).

staonèr [O] ‘mit scharfer Waffe zer­ stinzen/stìnzena [U] ‘kleine Menge, biss­
stückeln’ chen’

stato [U] ‘Staat; Zustand’; stat [O] ‘Staat; stipulèr [O] ‘entscheiden; verordnen’
Zustand’ ♦ It. stato. ► B
stiz [O] ‘Stück Brennholz; unerhebliche
statura [U], [O] ‘Statur, Wuchs, Figur, Sache’ ♦ Tir. stizl ‘Stummel, Strunk’
Größe’ ♦ Italianismus. (Schatz 618).

stegnes [U] ‘Fensterverbleiung’ stocfisc [U]; stocafisc [O] ‘Stockfisch’ ♦


Dt. bzw. tir. Stockfisch (REW 8273)
stelasc [O] ‘Stütze, Gestell, Halt, Piedis­ (Elwert 1943: 245). Auch ven. trent.
tall, Sockel, Bock, Staffelei’ ♦ Dt. Stel­ (dort allerdings mit auslautendem -s,
lage (Elwert 1943: 249; Zanotti 1990: vgl. Prati 1968: 178). Vgl. dazu auch
172). ► B Zanotti (1990: 173).

stelbog[he]n [U] ‘Stellwagen’ ♦ Tir. stoch [U], [O] ‘Türstock’ ♦ Dt. bzw. tir.
ste5llwâ*gn (Schatz 600). (Schatz 606) (Elwert 1943: 245; Za­
notti 1990: 173).
steora [U]; steora/stevera [O] ‘Steuer’ ♦
Mazzel verweist auf dt. Steuer. Kommt stofech [O] ‘Schwüle’ ♦ Zu lat. suffōcāre
im Nordit. in der Form steora vor (Fink ‘ersticken’ (REW 8431) (wie pad. stó­

211
fek ~ stófok ‘Schwüle’). stont [O] ‘Verkaufsbank, Verkaufsstand;
Zielfeld, Zielscheibe’ ► G
stofeèr [O] ‘anekeln’ ♦ Im Unterfass.
lautet die Form stomear, was wohl wie storcolèr [O] ‘verrenken’ ♦ Ließe sich im
ven. stomegar auf lat.-grch. stomachos EWD als Ableitung unter torcorè ‘zu­
‘Magen’ (REW 8276a) zurückgeht sammendrehen’ einordnen.
(DEVI 577). Das -f- erklärt sich evtl.
als Einfluss von → stofegar. stornarel [U] ‘Totzen, Kreisel’ ♦ Ließe
sich im EWD als Ableitung unter tornè
stofegar [U] ‘anstopfen, anpampfen, viel ‘drehen’ einordnen.
essen, anfressen’ ♦ Ven. stofegar ‘ersti­
cken’ wohl mit metaphorischer Bedeut­ stoz/stozn [U]; stoz [O] ‘Stotzen’ ♦ Übers
ungsentwicklung. Prati (1968: 178, Trent. von tir. stotz (Schatz 608) (El­
171) geht davon aus, dass es sich hier wert 1943: 249; Zanotti 1990: 174).
um eine Kreuzung aus lat. suffōcāre Gsell (1996b: 247) verweist darüber
‘ersticken’ (REW 8431) und lat. hinaus auf gad. stóz ‘Unsinn’ als mögli­
*extūfāre ‘dämpfen’ (REW 3108) chem Zusammenhang.► B
handelt, Faré (9024) führt den Typ je­
doch auf lat.-grch. typhos ‘Rauch, strabonir [O] ‘verlieren, verlegen’ ► G
Qualm, Dunst’ zurück. trabuní, B trabuí

stol [U] ‘Tunnel, Stollen’, [O] ‘Höhle’ ♦ stradef ‘[U] saftig [Heu]; [O] Heu, das
Gemäß Gsell (1996b: 258) im EWD zu Rinder beim Essen zu Boden fallen
stòl ‘Hufeisendorn’ zu stellen, wohl lassen; minderwertiges Heu’ ♦ Sehr
aber separate Entlehnung von dt. eigenartige Bedeutungsopposition im
Stollen. unteren und oberen Fassatal.

stolpiar [U] ‘stolpern’ ♦ Dt. bzw. tir. stol­ strafugar [U] ‘schmuggeln, schwärzen’ ♦
pεrn (Schatz 606). Ließe sich im EWD als Ableitung unter
füga ‘Flucht’ einordnen.  de stra­
stolzernèr [O] ‘sich etwas einbilden; da­ fugo [O] ‘heimlich, verstohlen’
herstolzieren’ ♦ Dt. stolzieren (Mazzel)
bzw. tir. stolzelen (Schöpf 714) (Za­ stragauc [O] ‘Strapaze’ ♦ In Moena liegt
notti 1990: 174). die Bedeutung ‚hastige und unordentli­
che Geschäftigkeit‘ vor. Ließe sich im
stondel [O] ‘Standöl’ ♦ Mazzel verweist EWD als Ableitung unter stràch ‘mü­
auf dt. Standöl (Zanotti 1990: 174); de, matt’ einordnen (vgl. Gsell 1996b:
allerdings muss die tir. Aussprache zu 258). ► (B stragauz ‘kleine Person,
Grunde gelegen haben. unscheinbare Person, winziges Ding’?)

stonfie [O] ‘Stengel (von Blumen und stranech [U], [O] ‘fremd, fremdartig, selt­
Gräsern)’ ♦ Ist Ableitung zu tir. stumpf sam’ ♦ Lat. *extrānicus (vgl. extrā­
‘Stumpf’ (Schatz 617) (Zanotti 1990: neus ‘dito’, REW 3098, mit Suffix­
174). Kommt auch in Ampezzo und in wechsel). ► B stranié
Buchenstein vor, ebenso in ven. stonf
‘ceppaia, troncone’, trent. stonfo ‘palo strantener [O] ‘missverstehen’ ♦ Es liegt
grosso e corto’ (Prati 1968: 178). wohl eine Bildung *extra-intendere zu
Grunde. ► B strantëne

212
8298a), allerdings liegt entweder ein
straor [O] ‘Lärm; übertriebener Lärm (im Buchwort oder ein Italianismus vor. ►
Schmerz)’ B strepité

straoutar [U] ‘straucheln, falsch auftre­ stringot [U] ‘Schnur am unteren Rand des
ten, verdrehen, verrücken’ ♦ Könnte im Weiberrocks, damit sich dieser nicht
EWD wohl als Ableitung zu óta ‘Bie­ abwetzt’ ♦ Ableitung zu lat. stringere
gung’ gestellt werden.  straouta [U], ‘zusammenziehen’ (REW 8315) (vgl.
[O] ‘falscher Auftritt (Fehltritt), it. stringa ‘Schnürband’).
Sehnenzerrung’
strodeèr [O] ‘das zu sensende Gras zertre­
strapassin [O] ‘Riegel’ ♦ Im EWD steht ten’ ► B stroié
die unterfass. Variante strapacin (bei
Rossi heißt es strapazin) unter stront/stronz [U], [O] ‘Exkrement von
strabacè ‘misshandeln’. Eher liegt je­ Pferd oder Esel’ ♦ Ist auch obw., grödn.
doch trent. strapasin (Ricci 452) vor frl.; stammt von lat. struntus ‘Kot’
(Elwert 1943: 180). (REW 8322) (Zanotti 1990: 176f.). ►
B
strascurar [U] ‘versäumen, vernach­
lässigen’ ♦ It. trascurare. stropa [U], [O] ‘Weidenband, Weissager’
►G
strasor: tel strasor de la net [O] ‘mitten
in der Nacht’ ♦ Zu lat. hōra ‘Stunde’ stropadoi [U] ‘Verstopfungsmittel,
(REW 4176) mit Voranstellung von lat. Ofendeckel, Ofentüre’ ♦ Sollte im
extra. EWD als Ableitung unter stopè ‘zude­
cken, verstopfen’ stehen.  stropol
stravagant [O] ‘fremd, seltsam, extra­ [O] ‘Spund, Stöpsel, Zapfen, zapfen­
vagant’ ► G förmig zusammengerolltes Stück Pa­
pier’ ► B
stravalicar [U] ‘im Traum aufreden und
aushauen, rasen, irrereden, unvernünf­ strosa [U], [O] ‘niederer Schlitten, um
tig handeln’ ♦ In Moena liegt die Be­ schwere Lasten zu führen’ ► G  st­
deutung ‘maßlos arbeiten; ersinnen, roset [U], [O] ‘Handschlitten’
sich den Kopf zerbrechen’ vor. ► B
stravaliché  stravalicada [U] ‘Ver­ strozenar [U] ‘glotzen, sprotzen, strotzen’
rücktheit, Narretei, Dummheit, Mär­ ♦ Gemäß Zanotti (1990: 177f.) von tir.
chen’ strozn (angeblich Schöpf 722). Ein sol­
ches Wort findet sich aber bei Schöpf
stravert [U] ‘formlos, verschroben, ver­ gar nicht.
krüppelt’ ► G straverton
strudl [O] ‘Strudel’ ♦ Dt.[-tir.] Strudel
strazar [U] ‘abreißen [Gras]’ (Elwert 1943: 245; Zanotti 1990: 178),
möglicherweise übers Nordit. ► B
streca [O] ‘Eisenbahnlinie’ ♦ Dt. Strecke. strudel
►B
strugot [O] ‘Schlinge’
strepitèr [O] ‘zanken; lebhaft diskutieren’
♦ Lat. strepitāre ‘lärmen’ (REW strutar [U] ‘Steine zusammenkehren,

213
mühsam etwas zusammentragen’ ♦ lat. solidus ‘fest’, REW 8069) mit
Sollte im EWD unter sturté ‘die Heu­ angeblichem Einfluss von validus
ernte abschließen; Heureste sammeln’ ‘wert’ (Pallabazzer 1980: 101, DIDE
eingereiht werden, wo auch unterfass. 381, DEI 3316), eher aber wahrschein­
sturtar ‘das letzte Fuder Heu oder Ge­ lich von lat. sabulo ‘Sand’.
treide einfahren’ und oberfass. strutèr
‘raccogliere i rimansugli, ammucchiare, sudeijum [U] ‘die Abgabe von Lebens­
mettere insieme, comandare di smette­ mitteln an verheiratete Familienange­
re, adunare qualche cosa’. hörige, Lebensunterhalt an Eltern
(wenn sie alt sind), Hinterstüberl’
struto [O] ‘Schmalz, Schweinefett’ ♦
Trent. (Elwert 1943: 248). Vgl. im sudizion [O] ‘Untertänigkeit, Unterwor­
EWD den Eintrag strùzer ‘Metzger’. fenheit, Verlegenheitsgefühl, Ängst­
lichkeit’ ► G sudezion
struzn [O] ‘längliches Brot’ ♦ Tir. strûz
‘hufeisenförmiges Brot’ (Schatz 614, sujech [U] ‘außerordentlich hart; Schmer’
Fink 264) (Zanotti 1990: 179). Das -n ♦ Handelt es sich hier um éin Lexem?
stammt eigentlich vom Plural. Im EWD zu sunja ‘Schmer’ wie fass.
sonja?
studar [U], studèr [O] ‘löschen, auslö­
schen’ ♦ Lat. *extūtāre ‘löschen’ (vgl. superbon [O] ‘aufgeblasen’ ♦ It. su­
auch aven. studar) (REW 3110, Faré). perbone.
Sollte im EWD unter destudé ‘löschen’
stehen, wo auch die fass. Varianten mit supiera [O] ‘Suppenterrine’ ♦ Wohl
des- stehen. Norditalianismus (DEVI 599, Ricci
458).
stùdena [U]; studèna [O] ‘Lichtputz­
schere’ ♦ Vgl. → studar (Elwert 1943: surtelea (ant.) [U] ‘Anrichtteller, Auf­
196). tragteller’

sturion [O] ‘angebrannter und vom Feuer sussìa/sciussìa [O] ‘Blutegel’


angeschwärzter Holzscheit’ ♦ Pallabaz­
zer (1980: 118) geht von einem frl. suzedèr [U], [O] ‘ereignen, vorfallen, ge­
Lehnwort aus, für welches er folgende schehen’ ► G, B suzede
Entwicklung ansetzt: lat. *sturigāre ‘?’
> sturigà > sturig&é5.► B svajar [U] ‘umgießen, umfüllen, um­
schütten [von einem Gefäß ins andere],
stutar [U] ‘wickeln, falten’ das Wasserbett abkehren’ ♦ Neben lat.
versāre ‘wenden’ (REW 9242) muss es
stuzia [O] ‘unhöfliche und arrogante Ant­ auch eine Variante *vessāre gegeben
wort’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­ haben, wie die Iberoromania zeigt (pg.
leitung unter stuzené ‘sich wundern’ vessar ‘beackern’, kat. vessar ‘er­
einordnen.  stuzièr [O] ‘einer Frage gießen’). Das Schwanken von -rs- ~
mit arroganten Antworten ausweichen’ -ss- zeigt sich etwa auch in lat. dorsum
~ dossum ‘Rücken’.
sudam [U], [O] ‘Reibsand, feinster Sand,
feiner und leicht abrutschender Sand’ ♦ svalza [U] ‘Hebel; Erfindung, Märchen’
Wie it. saldame zu lat. *solidāmen (< → sbalza

214
anzuzünden’
svanz [U] ‘Blindrahmen, Türfutter, Licht­
weite, Vorsprung’ ♦ Vgl. nächsten Ein­ svolgo [O] ‘Verbreitung’
trag.
T
svanzar [U] ‘erübrigen, vorstehen, vor­
springen, hervorragen’ ♦ Nach it. tabaita [O] ‘großflächige Weide’
avanzare oder direkt von lat. *abantiā­
re ‘vorwärtsbringen’ (REW 5, LEI I: tabela [U] ‘Tabelle’; [O] ‘Schiefertafel,
48) (mit Wechsel von ab- zu ex-). Wandtafel’ ► G B  tabelon [O]
‘große Tabelle’
svànzega [U] ‘20-Kreuzer-Stück’ ♦ Der
Vokalismus -à- und das -b- lassen dar­ tacia [O] ‘Fleck’ ♦ Unter tacùn ‘Schmutz­
auf schließen, dass die nhd. Form zu fleck’ findet sich ein Hinweis auf ein
Grunde liegt. Im Buch. ist aufgrund des Lemma tach ‘Schmutzfleck’, das je­
-b- tir. Einfluss spürbar. ► B sbànzega doch nicht existiert. Am Anfang steht
wohl eine expressive Basis. Vgl. dazu
svareèr [O] ‘den Rand beschädigen [ins­ auch Gsell (1992a: 129, 1999b: 224)
besondere einer Vase]’ und Zanotti (1990: 183). ► B
sveiar [U] ‘aufwecken, erwecken, ermun­ tacolar [U] ‘betupfen, punktieren, bema­
tern’ ♦ Norditalianismus (über aokz. es­ keln; zanken’ ♦ Venetismus (Tagliavini
velhar auf lat. vigilāre ‘wachen’, REW 1934: 738). ► (B tacol)  tácola [U]
9326, zurückgehend) (DEVI 601, Ric­ ‘Tupfer; leichter Streit, Zank’
ci 459).  sveiarin [U] ‘Wecker’ ► B
svelgiaria taf [U] ‘Fressen; hastiges Essen’ ♦ Ex­
pressiven bzw. lautmalerischen Ur­
svelto! [U], [O] ‘schnell!’ ♦ Italianismus. sprungs. Aus dem Trent. stammt zu­
mindest tafion (Elwert 1943: 181). ►
svenzenèr [O] ‘spülen, abwaschen’ ♦ Tir. G ntafië  tafiar [U], tafièr [O]
schwenzen ‘Wäsche waschen, Gefäß ‘fressen, hastig essen’, tafion [U], [O]
mit Wasser ausspülen’ (Schatz 564) ‘Fresser’
(Gsell 1996b: 226).
tàglia [U] ‘Taglie, Prämie’ ♦ It. taglia.
svercignèr [O] ‘anblinzeln’ ♦ Vgl. it.
sbirciare < bircio ‘blind’. Ließe sich taìro [U] ‘Gestell zum Aufhängen der
im EWD als Ableitung unter vèrc canzedrie’
‘blind’ einordnen.
taissar [U] ‘zurückziehen, zurückweichen
se svertolar [U] ‘sich herausreden, sich [Zugtiere]’ ♦ Venetismus (unbekannter
entschuldigen’ ♦ Zu lat. averta ‘Fell­ Herkunft, Prati 1968: 184, 188).  taiś
eisen’ (REW 822, LEI III,2: 2641ff.), [U] ‘zurück! [Kommando für Esel und
wenn dorthin auch it. svertare ‘alles Rind]’
heraussagen’ hingehört.
tajentar [U] ‘besänftigen, beruhigen,
svesćia [O] ‘Art Lunte, die man zu­ stillen, beschwichtigen’ ♦ Zu lat. tacēre
sammen mit der “cialina” und dem “zè­ ‘schweigen’ (REW 8517).
col de lum” benutzte, um das Feuer

215
tàjer [U] ‘schweigen, ruhig sein’ ♦ Lat. (Ricci).
tacēre ‘dito’ (REW 8517). Lebt auch
im Gad. fort (abt. taji! ‘schweig!’ und taretassar [U] ‘beschmutzen, besch­
enn. tajé ‘schweigen’) (Gsell 1999b: mieren, beflecken’
225). ► B tajëi
tarifa [U], [O] ‘Tariffe’ ♦ It tariffa.
tampin [U], [O] ‘Wiederkäuermagen’
tarlar [U] ‘schäbig werden, sich enthaa­
tananai [U], [O] ‘Verwirrung, Konfusion, ren [Stoff], wurmstichig werden’ ♦ Zu
Verwechslung, Krawall, Unordnung, einer Kreuzung aus lat. *tarmes ‘Holz­
Lärm, langweiliger und verwickelter wurm’ (REW 8586) und *cariolus
Handel, unordentlicher und kompli­ ‘Holzwurm’ (REW 1694), wohl übers
zierter Zustand’ ♦ It. tananai oder (Nord)it. (DELI s.v. tarlare, Ricci).
Norditalianismus (vgl. Prati 1968: 185,
DEVI, Ricci 464). ► B tarlo [U] ‘Loch, Öffnung [bes. von
Spechtarten in Bäumen]’ ♦ Zusammen­
tantatel [ant.] [U] ‘wackelig, wankend’ ♦ hang mit → tarlar.
Zu lat. tintinnāre ‘klingeln’ (REW
8752) (vgl. it. tentennare ‘wanken’). ► tarter [U] ‘Tarter, Zwerg, kleiner
B tentené Mensch, Mehlvogel’ ♦ Trent. (Ricci)
oder tir. (aber kein Beleg bei Schatz
tàola/taula [U] ‘Tafel, Brett, Tisch’ ♦ Das oder Fink). Möglicherweise von mlat.
Wort sollte im EWD (VII: 129ff.) unter Ta(r)tarus ‘Angehöriger eines Mongo­
tòra stehen. Es ist folglich auf lat. lenstammes’ (vgl. dt. Ta(r)ter ‘Zigeu­
tabula ‘Tisch’ zurückzuführen – mögli­ ner; koboldartiges Gespenst’, DW
cherweise übers Ven. (DEVI 610, Prati XI,1,1: 159)
1968: 186).
tartofola [U] ‘Trüffel’ ♦ Padanismus (zu
tapar [U] ‘tappen, tasten’ ♦ Lautmale­ lat. tūber ‘Knolle’, REW 8966, Faré).
rischen Ursprungs.
taruscio [U] ‘dick, untersetzt, dick und
tara [U], [O] ‘Tara’ ♦ It. und/oder dt. stark [nur von jungen Leuten]’ ♦ Ven.
tarusso ‘ragazzo atticiato, tarchiato’
tarà [O] ‘wurmstichig, verdorben, (Prati 1968: 186), trent. taruso ‘atticia­
schmutzig’ ♦ Bildung zu it. tara to, tarchiato’ (Ricci).
‘perdita di valore di una merce’ (Gsell
1992a: 132, 1999b: 226). Dazu gibt es tassa [O] ‘Tasse’ ♦ Germanismus
im Gad. die Bildung tar(l)îsc, die im und/oder Padanismus. → taza.
EWD jedoch fehlt. ► B tarisé
tasson [U] ‘Haufen’ ♦ Gemäß REW
taramban [U] ‘Nichtsnutz, Taugenichts, (8591) germ. (fränk.) tas ‘dito’, laut
halbverwilderter Mensch’ ♦ Expressi­ Hubschmid (1950b: 34) jedoch von
ver Natur? einem kelt. *dassi- ‘dito’, was ange­
sichts inselkeltischer Vergleichsformen
tarapatin [O] ‘ganz lebhaftes und stets in wie air. dais, kymr. das auch über­
Bewegung seiendes Kerlchen; unru­ zeugender scheint.
higes Kind’ ♦ Trent. tarapatin ‘omino,
ometto; omettino; saputello, boriosetto’ tastar [U] ‘befühlen, versuchen, kosten,

216
verkosten’ ♦ It. tastare oder direkt von ‘Dummkopf’ (gad., grödn., buch.).
lat. *tastāre ‘kosten, befühlen’ (REW
8595) (Elwert 1943: 174). Man verglei­ teca [O] ‘Mappe; Aktendeckel’ ► G tea
che dazu auch den Eintrag → tastenar.
 tastarel [U] ‘Stuhl, in dem die tech [U], [O] ‘schlaff, matt, weich, müde,
kleinen Kinder gehen lernen’ ► B ta­ unpässlich, unwohl, lauter, teigig
starol [Obst, Brot]’ ♦ Herkunft unbekannt. Zu
einigen cisalpinen Parallelformen und
tastenar [U] ‘tasten, befühlen, versuchen’ zum möglichen Zusammenhang mit
► G tastené, B tastolé gad. téc ‘Dummkopf’ vgl. Gsell
(1999b: 227f.).
tatarà [O] ‘schlecht gekleidet; ungeord­
net’ ♦ Wohl zu ven. tatarare ‘compiere techenèr [O] ‘frech und beständig reden’
cose di poco conto; toccare per malvez­ ♦ Sollte im EWD unter tichiné ‘reizen’
zo questa o quella cosa’ (< ait. tattera stehen. Vergleiche darüber hinaus →
‘minuzia, cosa da nulla’, DEVI). tica.

tatica [O] ‘Knowhow; Klugheit, Taktik’ ♦ tecia [U] ‘Schmalzkübel, Schmalztiegel’;


Italianismus. ► B [O] ‘Tiegel’ ♦ Ven. tecia (Tagliavini
1934: 743, Elwert 1943: 88). ► B 
tatl [O] ‘Mülleimer, Kehrrichtschaufel’ ► tec [U] ‘Kasserolle, Tetschen, durch
G Klopfen an Metalle entstandener Bug’

taulich [O] ‘tauglich [für Einberufung teciar [U] ‘sich am Bauch niederlegen,
beim Militär]’ ♦ Dt. tauglich. ► B wenn man unpässlich ist; unpässlich
werden’
taussenar [U] ‘murren, schimpfen’; taus­
se(r)ner [O] ‘laut schreien; laut han­ tega [U], [O] ‘Hülsenfrüchte mit Hülse als
tieren’ ► G tausené Speise zubereitet, z.B. junge Fisolen als
Salat’ ♦ Gemäß Elwert (1943: 74) ven.
taza [U] ‘Glas, Weinglas, Tasse’; [O] tega ‘grüne Bohnen’. Laut Tagliavini
‘Glas’ ► G B (1934: 743) liegt lat.-grch. thēca
‘Scheide, Futteral’ (REW 8699) vor.
tè [O] ‘Tee’ ♦ It. the. ► B Gehört zu gad. tëia, das jedoch im
EWD nicht verzeichnet ist, und findet
teàc [U], [O] ‘Vorhalle [bes. von Kir­ sich auch im Bellun. und Ven. wieder.
chen], Schutzdach’ ♦ Das Wort sollte ► B teia
im EWD (VII: 79f.) unter tiàc ‘Holz­
hütte, Brennholzschuppen’ stehen. Es tegna [U] ‘Erbgrind [= Krätzenart]; Ver­
ist auf kelt. tegia ‘Hütte, Haus’ zurück­ stopfung infolge Verhebens in der Not­
zuführen. durft’ ♦ In Moena liegt die Bedeutung
‘Grind; starrsinnige Person’ vor. Von
teater [U], [O] ‘Theater’ ♦ Germanismus. lat. tinea ‘Kopfgrind’ (REW 8646)
(Tagliavini 1934: 744). ► G tënia, B
tec [U] ‘Kasserolle, Tetschen, durch
Klopfen an Metalle entstandener Bug’ tegnirol [U] ‘Halter [bes. beim Schnitz­
→ tecia ♦ Vgl. Schatz 638 tetsch ‘Zer­ bock]’ ♦ Zu lat. tenēre ‘halten’ (REW
drücktes [Eier, Teig]’ und EWD téc 8646).

217
‘liederlicher Mensch’ ► G
tejoro [U] ‘Schatz’ ♦ It. tesoro in nordit.
Aussprache. → tesor. terchie [O] ‘geizig, knickerig’ → tercher

telon [O] ‘Vorhang’ ♦ It. telone. ► B termometro [O] ‘Thermometer’ ♦


Italianismus.
telonio [O] ‘undankbare Arbeit; Misch­
masch’ ♦ Trent. (Ricci) oder it. Zu lat.- terno [U], [O] ‘Terno, Glücksfall’ ♦
grch. telōneion ‘Zollhaus’ (REW Italianismus.
8622)?
teroldech [O] ‘Teroldego Wein, der in der
tèlpa [O] ‘Motte’ ► G trentinischer Weingegend Piana Rota­
liana produziert wird’ ♦ It.
temolic [U], [O] ‘scheu, schüchtern’ ♦ Zu
temer ‘fürchten’, ergo im EWD unter teror [O] ‘Terror’ ♦ Germanismus
t(e)mëi ‘fürchten’. und/oder Italianismus.

temperin [U] ‘Federmesser’ ♦ It. tempe­ terpentin [O] ‘Terpentin’ ♦ Dt. Terpentin
rino. ► B templarin (Zanotti 1990: 186). ► B

tempora sf.pl. [O] ‘Jahreszeiten’ ♦ Sollte tesada [U] ‘Sättigung’ ♦ Ließe sich im
im EWD unter tëmp ‘Zeit; Wetter’ EWD als Ableitung unter tëiss ‘gesät­
stehen (wie gad. tëmpora). tigt’ einordnen.  teson: teis e teson
[U] ‘übersatt’
tenda [O] ‘Vorhang, Zelt’ ♦ Lat. tenda
‘Zelt’ (REW 8639). tesor [O] ‘Schatz’ ► G

tendela [U] ‘Gerät zum Verteilen beim tessera [O] ‘Ausweiskarte, Lebensmittel­
Weben; Ausdruck für den Zustand, karte’ ♦ Italianismus.
wenn die Milch den Rahm nicht gut ab­
scheidet’ ♦ Lat. tendicula ‘ausgespann­ testadura [O] ‘Kopfende eines Baum­
ter Strick’ (REW 8641) (vgl. frl. tende­ stamms’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
le ‘Spannbaum am Webstuhl’) leitung unter tésta ‘Kopf’ einordnen.

tenghelnar [U] ‘dengeln’ ♦ Tir. tenglεn testarel [O] ‘Gehege für Kälber, Laufstall
(Schatz 636). für Kinder’ → tastarel

ténjer [U] ‘färben, tünchen’ ♦ Padanismus teté [U] ‘Ruf- und Kosename für Hunde’
(DEVI 616, Ricci 469) oder direkt von ♦ Expressiven Ursprungs.
lat. tingere ‘färben’ (REW 8750).
tia [U] ‘Kienholz, pechiges Holz’; [O]
tenor [U] ‘Tenor’ ♦ Germanismus oder ‘harzhaltiges Mark/harzhaltiger Kern
Italianismus. ► B der Zirbelnuss, das/der als Docht für
Hauslampen verwendet wird’ ♦ Lat. ta­
tentor [U] ‘Färber’ ♦ Wohl trent. (Ricci eda ‘Kien’ (REW 8520).
469). ► B tentour
tica [U] ‘Tücke, Groll, Schärfe, Heim­
tércher [U] ‘Dörcher, Landstreicher’; [O] tücke’; [O] ‘Halsstarrigkeit, Rache’ ►

218
G, (B tìchisc) tiran [O] ‘Tyrann’ ♦ Sollte im EWD unter
tirànn ‘dito’ stehen.
tiji [O] ‘Tuberkolose (TBC)’ ♦ Lat.-grch.
phtisim ‘Husten’ (vgl. phtisicus ‘hus­ tirent [O] ‘ausgedehnt, der Länge nach’ ♦
tend’, REW 6472).  tijech/tijico [O] Ließe sich im EWD als Ableitung unter
‘TBC-krank’ ► B trà ‘ziehen’ einordnen.

tìmpena [U], [O] ‘Mundtrommel’ ► G tiro [U], [O] ‘Zug, Schuss, Entfernung’ ♦
tímpenes Italianismus. Ließe sich im EWD als
Ableitung unter trà ‘ziehen’ einordnen.
timpruma [O] ‘zuerst, anfänglich’ ♦ Lat. ►B
tempus primum mit Genuswechsel oder
de ad in prima. tiron [U] ‘Ruck, Zuckung; [ant.:] Schlüs­
sel’; [O] ‘scharfer Schmerz, Stich,
tina: pèr tina! ‘Donnerwetter!’ ♦ Verball­ Krampf, Stoß’ ♦ Ließe sich im EWD
hornung von per dì ‘bei Gott’. als Ableitung unter trà ‘ziehen’ einord­
nen (vgl. Gsell 1999b: 254).
tinac [U], [O] ‘Bottich, Kufe’ ♦ Zu lat.
*tinum ‘Kufe; Weinbutte’ (REW 8741) toàl [U], [O] ‘Tobel; Holzrinse; schmales,
(Elwert 1943: 59).  tinel [U] ‘kleiner steiles Tal; Bergrinne, worin man das
Bottich, kleine Kufe’ Holz herabgleiten lässt; schmale Berg­
schlucht’ ♦ Gemäß Elwert (1943: 26)
tinson [O] ‘innen hinten’ ♦ Fass. Zu­ von einem lat. *tobalem (so auch Hub­
sammensetzung. schmid [1950b: 72]. Dieses dürfte wohl
zu lat. tubula ‘kleine Röhre’ (REW
tintan [U] ‘leeres, fades Geschwätz’ ♦ 8968) zu stellen sein. Heilmann (1980:
Sollte im EWD unter tin-tòn ‘langwei­ 62f.) sieht das Wort als vorlat. an. 
liges Einerlei’ stehen. toalar [U], toalèr [O] ‘Holz in einem
toál herabkollern lassen’
tintar [U] ‘tünchen, übertünchen’ ♦ Ließe
sich im EWD als Ableitung unter tìnta tocazo [O] ‘lange Zeitspanne, großes
‘Tinte’ einordnen.  tintarol [U] Stück’ ♦ Ließe sich im EWD als Ab­
‘großer Streichpinsel’, tintor [U] ‘Tün­ leitung unter tòch ‘Stück’ einordnen.
cher’ → tentour
tofània: pasca tofania [U] ‘Heiligdrei­
tinter [U] ‘[Binderwerkzeug]’ ♦ Könnte könig’ ♦ Zu lat.-grch. theophania
vom Sinnbezirk tir. sein, lässt sich aber (REW 8701, Faré), übers Ven. (Prati
bei Schatz und Fink nicht belegen. 1968: 190).

tìntia: far na tìntia [U] ‘schlampig nä­ tofer1 [U] ‘sonderbar, eigentümlich,
hen’ komisch, halbnärrisch, stinkend, duns­
tig, schwül’; [O] ‘sympathisch, tüchtig,
tirafort [U] ‘ein Strick, der durch eine be­ prima’ ♦ Die Bedeutungen weisen auf
stimmte Anordnung am Joch bewirkt, das EWD-Lemma tóf ‘Geruch’ (vgl.
dass eine Kuh mehr zieht’ ♦ Ließe sich Gsell 1999b: 254).
im EWD als Ableitung unter trà ‘zie­
hen’ einordnen. ► tiraforte tofer2 [O] ‘sympathisch, tüchtig, prima’ ♦
Unbekannter Herkunft.

219
Sollte im EWD unter tampèsta ‘dito’
tola [U], [O] ‘Holzschloss = einarmiger (wie fass. tampesta).
Hebel, der sich um einen Nagel dreht
und in einen Holzhaken einschnappt; toncar [U] ‘tunken, eintauchen’ ► G
Holzriegel; Holzschuber; kleines Brett’ dunché
♦ Lat. tabula ‘Brett’.
tonda [O] ‘Drehung, Reigen’ ♦ Zu lat.
tólmen [O] ‘Lufthose, Wirbelwind’ ♦ Zu rotundus ‘rund’ (REW 7400).
lat. turbinio ‘Wirbelwind’ (REW 8995)
bzw. lat. *turbo ‘Wirbelwind’ (REW tonder [O] ‘Schafscherer’ → toner
8996a) (Akk.: turbōnem) mit Lambda­
zismus und früher Dissimilation von tònega [U] ‘Kutte der Mönche’ ♦ Lat.
-m-n-. Vgl. auch → tormen. tunica ‘Mantel’ (REW 8985).

tololò [U] ‘Rumor, Gerede, Geschwätz, toner [O] ‘scheren, die Wolle schneiden’
Ratscherei’ ♦ Expressiver Natur. ♦ Lat. tondere ‘scheren’ (REW 728)
(vgl. den Hinweis in EWD [VII: 205])
tolp [U] ‘tölpisch, ungeschickt, dumm’; mit Konjugationswechsel.  tonder
[O] ‘einfältig’ ♦ Zu tir. tolpen ‘tölpisch [O] ‘Schafscherer’
handeln’ (Schatz 642) (Elwert 1943:
247) (Gsell 1999b: 254; Zanotti 1990: tonfolar [U] ‘hinplumsen, klopfen,
187). prügeln, pochen, zwecks Aufmerksam­
keit anstoßen’; tonfolèr [O] ‘Ellenbo­
toma [U] ‘Schuhüberzeug; Teil, Band; genstöße geben’ ♦ Expressiver bzw.
[ant.:] Morgentau’ ♦ Die Bedeutungen lautmalerischer Herkunft.  tonforlon
sind wohl in zwei Lemmata aufzuspal­ [O] ‘Dickerchen, plumpe kleine Per­
ten. ‘Schuhüberzeug; Teil, Band’ ist son’ ► (G tonfla ‘hölzerne Puppe’?)
wie it. tomaia auf grch. tomari ‘Leder’
(REW 8772) zurückzuführen. Die Be­ tono [U] ‘Ton [Musik]’ ♦ Italianismus.
deutung ‘Morgentau’ dürfte dagegen
eher mit lad. tume ‘feucht’ verwandt tora: vacia tora [U] ‘unfruchtbare Kuh’ ♦
sein und könnte daher im EWD unter Lat. taurus ‘Stier’ bzw. taura ‘junge
tüme stehen. ► B tomaia Kuh’ (REW 8602) (vgl. dazu pg. toura
‘unfruchtbare Kuh’).
tomba [U] ‘Grab, Gruft’ ♦ Lat. tumba
‘Grab’ (REW 8977).  tombin [U], torcelin [O] ‘Spiralfeder, Gewinde, spi­
[O] ‘unterirdischer Wasserabzugs­ ralförmiger Gegenstand’ ♦ Ließe sich
graben, Minengang’ ► B (tombin) im EWD als Ableitung unter tórco
‘Schraube’ einordnen.
tomber [O] ‘roh, plump, ungebildet’ ♦ Dt.
tir. torcenar [U] ‘sudeln, im oder mit Wasser
spielen’ ► G tarcené
tomera [O] ‘Oberleder, wenig auf­
geweckte Person’ → toma torchie [O] ‘Presse, Kelter’ ♦ Ließe sich
im EWD als Ableitung unter tórco
tomia [U] ‘Anatomie’ ♦ It. anatomia. ‘Schraube’ einordnen.

tompesta [O] ‘Sturm, Hagelschauer’ ♦ torcia/torza [U] ‘Fackel’ ► G torzes

220
 tosada [U] ‘Schur, Scheren’
torent [U] ‘Torrent, Wildbach’ ♦ It. tor­
rente. tosela [U] ‘Käsewasser und Käsemasse,
gleich nachdem man die Milch gelabt
tormen [U] ‘Wirbelwind, Strudel, hat, bevor sie gesalzen ist und sich die
Schwarm [Mücken, Bienen usw.]’ ♦ Zu genannten Käsewasser und Käsemasse
den ersten beiden Bedeutungen vgl. → getrennt haben’; [O] ‘geronnene Milch
tolmen. Bei der dritten Bedeutung liegt zur Herstellung von Käse, Quark’
wohl Kreuzung von lat. *turbo ‘Wir­
belwind’ (REW 8996a) bzw. *turbinio toset [U] ‘Knabe über 10 Jahre alt, aber
‘Wirbelwind’ mit turma ‘Herde’ (REW noch kein Jüngling’; [O] ‘Jugendlicher’
9005) vor. → tous

tormol [O] ‘spiralförmige Holzfaser, die tossear/ntossear [U] ‘vergiften’ ♦ Ließe


einen Knoten und einen Auswuchs auf sich im EWD als Ableitung unter
Pflanzenstämmen formen’ tósser ‘Gift’ einordnen.

tornir [O] ‘drehen, an der Drehbank totalit [O] ‘komplett’ ♦ Zu lat. tōtus ‘dito’
arbeiten’ ♦ Sollte im EWD unter tornè (REW 8815) bzw. zu it. totale.
‘drehen’ stehen, wenngleich tornir na­
türlich eine andere lat. Konjugations­ tòtola [O] ‘Beule, Bluterguss, Knorren’
klasse aufweist.  torno [O] ‘Dreh­
bank’ ► B tous [U], [O] ‘Bursche, Jüngling’ ♦ Vene­
tismus (< lat. tonsus ‘geschoren’, REW
torobet [O] ‘Männlein (pej.)’ ♦ Padanis­ 8785) (Tagliavini 1934: 751) oder doch
mus (Ricci 479, Prati 1968: 191). Erbwort (Elwert 1943: 52)? Damit ist
auch die Behauptung des EWD (VII:
torta sm. [O] ‘Dummkopf, ungeschickter 205) widerlegt, dass tōnsus im Dolomi­
Mensch’ ♦ Metaphorisch zu torta ‘Tor­ tenladinischen nicht heimisch sei. ► B
te’? tosa  toset [U] ‘Knabe über 10 Jahre
alt, aber noch kein Jüngling’; [O] ‘Ju­
tortel [U] ‘weicher Krapfen aus Germ’ ♦ gendlicher’
It. tortello oder direkt von lat. *tōrtula
(zu tōrta, REW 8802). ► B tortel tozola [U] ‘Krügel, Bierkrügel’

tortie da le vace sm.pl. [U] ‘Cirsium trabacolar [U] ‘einfangen, umstürzen,


spec.’ ♦ In einigen trent. Pflanzen­ zerstören’ ♦ Ließe sich im EWD als
namen steckt torta (vgl. Ricci 479). Ableitung unter trabècula ‘komische
Möglicherweise besteht hiermit ein Zu­ Maschinerie’ einordnen (vgl. Gsell
sammenhang. 1992a: 143).

tortolaa [O] ‘Woche vor der Fastenwo­ trabater [U], [O] ‘durchziehen, lüften’ ♦
che’ Die Herkunft des Wortes ist ungeklärt.
Man vergleiche dazu auch die
torza → torcia Diskussion im REW (9119) unter *va­
ditāre ‘schreiten’.
tosar [U] ‘scheren, [Haare] schneiden’ ♦
Lat. *tōnsāre ‘scheren’ (REW 8781). traboca [U] ‘schlecht erhaltenes Haus’ ♦

221
Hängt wohl mit → trabacolar zu­ noch zurückbleibt’ ► G, B treina
sammen; daher im EWD unter trabèco­
la einzureihen (vgl. Gsell 1999b: 237, trajandà [O] ‘verwahrlost, schlampig, un­
254).  trabochet [U] ‘Schlinge, Fall­ gepflegt, nachlässig’ ♦ Norditalianis­
tür’ mus zu standardit. trasandato.

traciar [U] ‘tratschen, ausplaudern’ ♦ Tir. tram [U], [O] ‘Tram, Bodenbalken;
trątschn ~ trâtschn (Schatz 646). Tramway’ ► G B

tràcola [U] ‘Gerümpel; Plunder; armse­ trama [U] ‘Schussfaden, Webzettel, Web­
liger, schwacher Mensch; hinfällige zettelung’, [O] ‘Schussfaden; Ränke,
Person’ ♦ Sollte im EWD unter tràpula Anzettelung, Hinterhalt’ ♦ Lat. trama
‘schlechtes Gerät’ stehen (Gsell 1999b: ‘Einschlag im Gewebe’ (REW 8847).
255).  tramar [U], tramèr [O] ‘ein­
schießen (weben), mit dem Schuss­
trafijel [U]; travijel [O] ‘Stellage, Gestell faden durchziehen’
zum Aufhängen der canzedrie;
Schlüsselrahm, vorragende Verdachung trambai [O] ‘Gestell, Bock, Staffelei,
bei Fenstern, Stuckarbeit’; traujel [O] Konsole, Bettwärmer; wackeliges Ge­
‘Abtropfregal für Geschirr in alten Kü­ stell, Fahrzeug in schlechtem Zustand’
chen (mit mehreren Stufen)’ ♦ Gemäß ♦ Prati (1968: 191) zitiert ein val-sug.
Elwert (1943: 57) von einem lat. trabi­ trambai ‘Baracke’ und ver. rover. trent.
cellum. Dies ist zwar im REW nicht strambai ‘Vogelscheuche’. Damit
verzeichnet, doch dass es sich um eine könnten zumindest die ersten drei Be­
Ableitung von lat. trabs ‘Balken’ dürfte deutungen zusammenhängen. Prati
unstrittig sein. Deshalb lässt sich das führt den Typ auf eine Wurzel *tramb-
Wort im EWD als Ableitung unter trèe zurück, liefert jedoch keine weiteren
‘Balken’ einreihen. Vgl. auch Gsell Beweise bzw. Hinweise für diese
(1999b: 255). These.

trafugar [U], trafughèr [O] ‘schmug­ tramiscier [U] ‘Frächter, Bote’ ♦ Trent.
geln, wildern, hintergehen’ ♦ Wie fass. tramiser ‘Landbote; Vermittler’ (Ric­
trafigher im EWD zu trafighé ‘Handel ci).
treiben’.  trafugo [U], [O] ‘Schmug­
gel, Wilddiebstahl, Hintergehung’ trànjit [O] ‘Durchgang, Übergang’ ♦
Trent. transit (Ricci) tranjitèr [O]
traghe [U] ‘Trage, Gitter’ ♦ Wie fass. tra­ ‘passieren., überschreiten’
je im EWD zu tràdl ‘Verbindungs­
rahmen von Vorder- und Hinterprotzen trapinèr [O] ‘wegtragen’ ► G B trapiné
beim Wagen’?
trascurèr [O] ‘vernachlässigen’ ♦ Sollte
traiber [U], [O] ‘Treiber, Viehtreiber, im EWD unter trascuré ‘dito’ stehen.
Farbenvertreiber’ ► G B
traslatar [U] ‘übertragen [Summe]; über­
train [O] ‘Fuhre; Konvoi’ ♦ It. traino. setzen, überführen, versetzen, verle­
gen’; translatèr [O] ‘übersetzen’ ♦
traina [U], [O] ‘der Rückstand an Gras, Neubildung zu lat. translatio, trans­
der nach dem Rechen auf dem Feld latum.

222
folge der Arbeitsunfähigkeit, arbeits­
tratativa [O] ‘Unterhandlung’ ♦ It. tratta­ unfähige Person, unbrauchbarer
tiva. Gegenstand’  tréfie [U] ‘arme
arbeitsunfähige Person, Bettler’
tratoi [U], [O] ‘Schleuder’ ♦ Ließe sich
im EWD als Ableitung unter trà ‘zie­ tremar [U], tremèr [O] ‘zittern, beben,
hen’ einordnen (Gsell 1999b: 254). fürchten, ängstigen’ ♦ Lat. tremāre
‘zittern’ (Variante zu tremere, REW
trator [O] ‘Traktor’ ♦ Germanismus 8877) (Elwert 1943: 46). In den üb­
und/oder Italianismus. ► B rigen sellaladinischen Idiomen finden
sich nur Tochterformen von lat. tre­
tratumèr [O] ‘Kinder erzeugen, sich mulāre, welches im Fassatal ebenfalls
vermehren [Tiere]’ ♦ Ließe sich im existiert (vgl. EWD VII: 183f.).  tre­
EWD als Ableitung unter trà ‘ziehen’ marela [U], [O] ‘Zittern, Beben,
einordnen (Gsell 1999b: 254). Angst, Furcht’, tremendo [O]
‘schrecklich, fürchterlich’ [Italianis­
tràucen [U] ‘tölpischer Schwätzer, Töl­ muś], trement [U] ‘fürchterlich, sehr’
pel’ ♦ Wohl zu tir. trâtsch ‘Klatsch­ ► B tremé, (G termënt)
weib’ (Schöpf 751, Schatz 646) (Elwert
1943: 196, Zanotti 1990: 188f.), jedoch trementina [U] ‘Terpentin’ ♦ Italianis­
ist das -au- eigenartig.  tràucena [U] mus.
‘tölpische Tratscherin, Zuträgerin,
Klatschbase’; [O] ‘Hure, Klatschbase’ treno [O] ‘Zug’ ♦ It. treno.

traujel [O] ‘Abtropfregal für Geschirr in trepìe [U] ‘Dreifuß’ ♦ It. treppiede.
alten Küchen (mit mehreren Stufen)’
→ trafijel tress(c)et [O] ‘Siebenunddreißig (Karten­
spiel)’ ♦ Zusammensetzung aus den
travajar [U], travasèr [O] ‘umfüllen, Wörtern für ‘3’ und ‘7’.
umschütten’ ♦ Norditalianismus (zu
standardit. travasare). triangol [O] ‘Triangel’ ♦ Italianismus.

travareous/zavareous [U] ‘aufbrausend, tribol [U] ‘Weihrauchgefäß’ ♦ It. turibolo.


jähzornig’ ♦ Zur Etymologie vergleiche
→ zavarear ‘albern reden, aufbrausen, tribunal [U], tribunèl [O] ‘Tribunal,
schlecht aufgelegt, bekümmern, faseln, Landesgericht’ ♦ Germanismus
grantig sein, phantasieren’. und/oder Italianismus.

travijel [O] ‘Stellage, Gestell zum Auf­ trinchenèr [O] ‘zechen, saufen’ ♦ Dt. tir.
hängen der canzedrie; Schlüsselrahm, trinken (Zanotti 1990: 189). ► B trin­
vorragende Verdachung bei Fenstern, chené
Stuckarbeit’ → trafije
trinzenèr [O] ‘belästigen’ ♦ Mazzel
trechie [O] ‘Furz’  trechièr [O] ‘ge­ verweist auf südtir. tratze. Man verglei­
räuschvoll furzen’, trechion [O] ‘skur­ che auch tir. tratzn ‘necken’ (Schatz
rile Person’ ► G tretlé 647) (Zanotti 1990: 189). Das Wort
ließe sich wie fass. trazenar ‘necken’
trefiaa [U] ‘Arbeitsunfähigkeit, Not in­ im EWD unter trazè einordnen.

223
trotolèr [O] ‘sich wie ein Kreisel drehen,
tripa [U], [O] ‘Kaldaune, Wanst, dickbau­ sich in Eile bewegen’ ♦ Wohl zu germ.
chiger Mensch’; tripe sf.pl. [U] ‘Kut­ trottôn ‘laufen, traben’ (REW 8939).
telfleck, saure Suppe’ ♦ Italianismus.
►B trozenèr/truzenèr [O] ‘verspotten, höh­
nen, scherzen, sticheln, beleidigen’ ♦
tripolar [U] ‘trippeln, hüpfen, stampfen, Sollte im EWD als Ableitung unter
aus Zorn auf den Boden stampfen, trazè ‘belästigen, necken’ oder a trüz
kleine Schritte machen’ ♦ Germ. ‘zum Trotze’ stehen (wie fass. traze­
trippôn ‘hüpfen’ (REW 8915). nar).

trist [U] ‘unwohl, schlecht, schwach, trubl [U] ‘Unruhe, Verwirrung’ ♦ Dt.
elend, trübsinnig, böse, boshaft’; ‘trau­ Trubel.
rig, abgezehrt, abgemagert, bleich,
schlecht schmeckend’ ♦ Im EWD ist truchet [U] ‘fester, molliger Bube’ ♦
nur für das Gad. und das Grödn. das Ließe sich im EWD als Ableitung unter
Substantiv tristëza ‘Traurigkeit’ ver­ trùco ‘stämmiger Mann’ einordnen.
merkt (obwohl es schon bei Mazzel
verzeichnet ist und nach Auskunft des truie [U] ‘schwerfälliger Mensch, lin­
Istitut Cultural Ladin auch in Buchen­ kischer Mensch, Klotz, schwerfälliger
stein vorkommt); im etymologischen Gegenstand’ ♦ Gehört das Wort zu
Kommentar wird aber bereits auf den grödn. buch. trola oder besteht ein Zu­
adjektivalen Italianismus in den üb­ sammenhang zu trùco ‘stämmiger
rigen Taldialekten hingewiesen. In Mann’. ► (G B trola ‘dickes, faules
Moena liegt außerdem die Bedeutung Mädchen’?)
‘schlecht im Geschmack’ vor. ► B 
tristeza [O] ‘Traurigkeit’ trum [U] ‘großes Stück von etwas Zerbro­
chenem’ ♦ Tir.
troar [U], troèr [O] ‘finden, vorfinden,
antreffen, erwischen, bemerken, er­ trundernar [U], trundernèr [O] ‘rütteln,
finden, besuchen’ ♦ Wohl aus it. tro­ trundern, wiegen, schütteln, lärmen,
vare bzw. einer padanischen Variante. poltern’ ♦ Expressiven Ursprungs? 
Zur Etymologie von it. trovare, fr. trunden [O] ‘Getöse, Lärm’, trunden­
trouver vergleiche jüngst Grzega ament [O] ‘Getöse, Lärm, Schütteln’,
(2003), wo von einer Kreuzung aus lat. trundenèda [O] ‘Getöse, Lärm’
turbāre ‘verwirren’ und lat. *tropāre
‘komponieren; Melodien finden’ ausge­ trunf [O] ‘ Trumpf [in deutschen Karten­
gangen wird. ► B trové  retroar [U] spielen]’ ♦ Tir. trumpf (Schatz 654).
‘wiederfinden, aufsuchen, entdecken’
trupa [U], [O] ‘Truppe’ ♦ It. truppa
troia [O] ‘Sau’ ♦ It. troia oder direkt von und/oder dt. Truppe.
lat. troia ‘dito’ (REW 8933).
trutela [U] ‘Rochel, Zahnradübersetzung,
troncar [U] ‘verstümmeln, abstumpfen, Übersetzung’ ♦ Trent. trutela ‘Forelle,
abschneiden’ ♦ Von it. troncare oder Karpfen’ mit kohyponymischer Ver­
direkt von lat. truncare (REW 8953). wechslung (‘Rochel’) und anschlie­
 tronch [U] ‘Strunk, Stumpf, Klotz’ ßender metaphorischer Erweiterung
(‘Zahnradübersetzung’ > ‘Überset­

224
zung’)? tunfolar [U] ‘mit dem Kopf stoßen’ ► (B
tunf)
truzenèr [O] → trozenèr
tùnia [U] ‘eine mit Schafpelz ausge­
tubo [U], [O] ‘Tube, Lampenzylinder’ ♦ fütterte Weste’ ♦ Lat. tunica ‘Mantel’
Italianismus. ► B (REW 8985) (Hinweis Fabio Chioc­
chetti).
tudor [O] ‘Vormund’ → tutor
tunz [O] ‘Schwüle’ ♦ Tir. tunst ‘Dunst,
tuf [U] ‘Tuffstein; dumpfer Geruch, Ausdünstung’ (Schatz 667).
Modergeruch’ ♦ Es ist von zwei unter­
schiedlichen Wörtern auszugehen. Das turnon [U] ‘Parasolpilz’
zweite, mit der Bedeutung ‘Geruch’
sollte im EWD unter tóf ‘Geruch’ tuscin [O] ‘Kohl aus der Rübe, mit der
stehen. Ersteres stellt ein Lehnwort von man Tortellonifüllung macht [auch “ca­
ven. tofo ~ togo ‘dito’ (< lat. tofus, pusc dal cef de tera” genannt]’
REW 8764) dar und ist auch ins Gad.
entlehnt worden (tógo) (Gsell 1999b: tutor [U], [O] ‘Vormund’ ♦ It. tutore. 
235). tutela [U], [O] ‘Vormundschaft’

tuìo [U] ‘Schilfrohrsänger’ ► (G tuia) U


tujech [O] ‘feucht, faulig, verwest’ ♦ ucé [U], [O] ‘oberer Bansenraum; Dach­
Gsell (1999b: 255) sieht darin einen boden des Stadels, der nur aus dünnen
Mischling aus túmech ‘dito’ und Stangen gemacht wird, um die Garben
mújech ‘dito’. Das Wort wäre dann im zum Dörren zu geben’
EWD zu tüme ‘feucht’ zu stellen.
udienza [O] ‘Audienz’ ♦ Italianismus. ►
tulon [O] ‘die beiden Karten, die der Ge­ B
ber im “Petl”-Spiel auf dem Tisch
lässt’ ♦ Zusammenhang mit tulon ‘Feld udir [ant.] [U] ‘hören’ ♦ Sollte im EWD
in der Wand- oder Deckentäfelung’ unter aldì ‘hören’ stehen. ► B udí
(vgl. im EWD unter tòra)?
udor [O] → odor
tumor [U] ‘Rumor, Lärm’; [O] ‘Tumor’ ♦
Dt. Tumor, im unteren Fassatal inhalt­ ùlcera [O] ‘Geschwür’ ♦ It. ulcera.
lich mit Rumor assoziiert. ► B
ulter [U] ‘Gerät, um Gewölbe zu bauen’ ♦
tumult [O] ‘Tumult’ ♦ Italianismus Zu lat. volvita ‘Wölbung, Wendung’
und/oder Germanismus. (REW 9459).
tunech [U] ‘weder nass noch ganz tro­ uné [U] ‘Erle’ ♦ Lat. alnētānus ‘dito’
cken, feucht’ ♦ Sollte im EWD unter (REW 374).
tüme ‘feucht, nass’ stehen (wie fass. tu­
mech). uragan [O] ‘Orkan’ ♦ It. uragano.
tunel [O] ‘Tunnel’ ► G B ura(i)a [U]; uraa [O] ‘Störarbeit, Tag­
lohn, Tagwerk’ ♦ Ließe sich im EWD

225
als Ableitung unter òra ‘Tagelohn’ ein­ Mühlrad zu führen’; vegn sm. [U]
ordnen. ‘hölzerne Wasserrinne, hölzerner
Wasserkanal’ ♦ Vorlat. venna
ùria [U]; ur(g)ia [O] ‘Ekel, Grausen’ ‘Schleuse im Mühlgraben’ (REW
9201) (Gsell 1999b: 243f.). Hätte im
ùrsori [U] ‘Betreibung’ ♦ Trent. (Ricci). EWD zu vàno ‘runder, flacher Korb’
gestellt werden können, da dort auch –
urta [O] ‘gelegentliche Hilfe in der Feld­ wenngleich fälschlicherweise – buch.
arbeit’ ♦ In Moena liegt die Bedeutung van, fass. van ‘Wasserkanal’ aufgelistet
‘unentgeltliche Mithilfe’ vor. Sollte im ist. Das Lexem va(g)n gehört jedoch
EWD unter urté ‘anstoßen, treffen’ nicht zu lat. vannus ‘Getreide­
stehen (Gsell 1999b: 256). schwinge’, wie das EWD glaubt (vgl.
Grzega 2001: 256) oder zu balneum
us de frut [U] ‘Nutznießung’ ♦ It. us­ ‘Bad’ (REW 916), wie Hubschmid
ufrutto. (1950a: 348) meint.

uscir [U] ‘ausgehen, hinausgehen, vai [O] ‘Weinen, Tränen’ → vaar


gelingen, herauskommen’ ♦ Lat. exīre
‘hinausgehen’. vajiva [U] ‘zum erstenmal trächtig (Kuh,
Schaf)’ ♦ Im Moenat. liegt die Bedeu­
usener [O] ‘hetzen, jagen, verfolgen, auf­ tung ‘Schaf, das noch nicht geworfen
reizen’ ♦ Zur tir. Interjektion huss (El­ hat’ vor. Trent. vaz%iva ‘di pecora che
wert 1943: 247); man vergleiche dazu non ancora figliò’ (Ricci). Vgl. ven.
auch frl. uziná ‘grido di saluto e di ri­ vadiva ‘dito’ (< lat. vacīvus ‘leer’,
chiamo dei montanari’ (Zanotti 1990: REW 9113, Prati 1968: 196)
193).
vajol [U], [O] ‘Topf’ ♦ Zu lat. vasculum
V ‘Gefäß’ (REW 9164) bzw. vascellum
‘kleines Gefäß’ (REW 9163). ► B
vaar [U], vaèr [O] ‘heulen, weinen’ ♦ vajo
Auch frl. Wohl von lat. vagīre ‘quäken,
brüllen’ (REW 9124) (Hinweis Fabio val [U] ‘Wall, Graben’ ♦ Lat. vallis ‘Tal’
Chiocchetti) mit Konjugationswechsel; (REW 9134) (Elwert 1943: 30).
sonst allerdings nur katalanisch.  vai
[O] ‘Weinen, Tränen’ valanghin [U] ‘Halbkreis, Halbrundung
bei Gewölbe’
vac [O] ‘leer; nicht gemäht [Wiese]’ ♦
Wohl zu lat. vacuus ‘leer’ (REW valanzana → balanzana
9115).  vach [O] ‘leer, öd’
valena [U] ‘Walfisch’ ♦ Sollte im EWD
vacià [U] ‘Brachfeld, vernachlässigtes unter balèna ‘dito’ stehen (wie fass.
Grundstück, Feld mit viel Unkraut’ ♦ balena).
Lat. vicia ‘Wicke’ (REW 9308) (Mer­
kens 1956: 113). valisc [U], [O] ‘Felleisen, Handkoffer,
Handgepäck’ ► G B
vacinèr [O] ‘impfen’ ♦ Lat. vaccinare.
valuscela [U] ‘kleine Tälchen; kleine
vagn [O] ‘Luftkanal um das Wasser zum Rinnen im Terrain’ ♦ Zu lat. vallis

226
‘Tal’ (REW 9134). vëdo/vëdua ‘Witwer’ einordnen.

vanar [U] ‘sichten, sieben, worfeln’ ♦ Im veduta [U] ‘Gesicht, Aussicht, Ausblick’
EWD als Variante zum Lemma van­ ♦ Italianismus. ► B veduda
turè ‘worfeln’ (neben fass. ventolar)
(Gsell 1999b: 256). Lat. *vannēre für vegn sm. [U] ‘hölzerne Wasserrinne,
vannere ‘schwingen’ (REW 9141) hölzerner Wasserkanal’ → vagn
(Tagliavini 1934: 756). Zahlreiche Par­
allelen in den angrenzen cisalpinen vei [O] ‘hervorragendes Eisenstück der
Mundarten. ► B vané Holznabe des Mühlenrads oder des
Wagenrads’
vanarel/vantarel [U] ‘Protzer, Prahler’ ♦
Trent. vanarel ‘vanerello, vanitoso’ veia (da l’ega) [O] ‘Brunnensäule, aus der
(Ricci). Wasser tritt’

vaneza [U] ‘Größenwahn, Eitelkeit, velen [U], [O] ‘Gift’ ♦ Norditalianismus


Ruhmsucht’ ♦ Variante zu vanità. (zu standardit. veleno). ► B  velenar
[U] ‘vergiften’, velenous [U], [O] ‘gif­
vantac [U]; vantaie [O] ‘Vorteil’ ► G tig’
vantaja, B vantagio
velozepé [O] Fahrrad’ ♦ Italianismus mit
vantarel → vanarel Ladinisierung.

vantor [U] ‘Kunde, Gast, Kundschaft’ ♦ ventura [U] ‘Zukunft, Schicksal’ ♦ It. av­
Von it. avventore oder direkt von lat. ventura.  venture sf.pl. [U] ‘Vorher­
adventor ‘Gast’ (REW 219). sagung, Weissagung, Wahrsagung’

vanz [U] ‘Überschuss, Erübrigung, Rest’ veranda [O] ‘Veranda’ ♦ Sollte im EWD
♦ Möglicherweise zu lat. abantiāre unter verànda ‘dito’ stehen.
‘vorwärtsbringen’ (REW 5).
verbo [O] ‘Wort’ ♦ Italianismus.
vardabosch [U] ‘Waldhüter’ → verda­
boschi verdaboschi [O] ‘Förster’ ♦ Nach it.
guardaboschi. → vardabosch.
varicous [U], [O] ‘hinterlistig, spitzbü­
bisch, sich mit List sichernd, tückisch’ verderam [O] ‘Grünspan’ ♦ It. verderame
♦ Trent. varicos ‘Krampfadern habend; oder direkt vom Lat.
ausgedehnt’ (Ricci)?
verech [O] ‘wahr, tatsächlich, abgelagert’
vaussa [O] ‘abschüssiges Gelände’ ♦ Ließe sich im EWD als Ableitung un­
ter vëi ‘wahr’ einordnen (Elwert 1943:
vèa [O] ‘Pocken’ ♦ Wie fass. vaole ‘dito’ 28). Allerdings ist zu bezweifeln, dass
im EWD unter variòra ‘dito’ (vgl. auch die Bedeutung ‘abgelagert’ hier­
Gsell 1999b: 257).  nvaolà her gehört; diese wäre vielmehr in
‘blatternarbig, blattersteppig’ einem eigenen homonymen Lexem zu
fassen.
vedoina [U] ‘Erba scabiosa columbaria’ ♦
Ließe sich im EWD als Ableitung unter verep [U], [O] ‘unbeachtet gelassenes

227
Gras, das nicht gemäht wird (z.B. im len, beschleunigen, sich umtun’ ♦ Bei
Wald, am Straßenrand)’ ♦ Ließe sich Elwert (1943: 110, 248) findet sich nur
im EWD als Ableitung unter vér verteer ‘fertig machen, die letzte Ölung
[eigentlich vére] ‘alt’ einordnen (Gsell geben’, welches er zu tir. fertig stellt.
1999b: 257).
vertech [U], [O] ‘fertig, beendet, zum Ge­
verga [U] ‘belaubte Rute, grüne Rute, hen bereit’ ♦ Tir. fertig (Elwert 1943:
Edelreis, junger Zweig’ ♦ Italianismus. 110, 248; Zanotti 1990: 198).
►B
vertolar [U] ‘herausreden, entschuldigen,
vérjeghe! [U] ‘mein Gott!’ ♦ Möglicher­ Ausflüchte finden’ ♦ Zu lat. vertere
weise eine Verballhornung zu lad. ver­ ‘wenden’ (REW 9249) (Elwert 1943:
gin(e) ‘Jungfrau Maria (Hinweis Fabio 173).  vértola [U], [O] ‘Ausrede,
Chiocchetti) oder zum entsprechenden Entschuldigung, Ausflucht’
lat. Wort virgo (REW 9364).  ver­
jegheta! [U] ‘Potztausend!’ vescigna [O] ‘trockene, leicht entzündbare
Zweige’ ♦ Zu lat. *vesc(id)us ‘welk’
verjer/daverjer [U], verjer [O] ‘öffnen, (REW 9271, 6463b) (Gsell 1992a: 154,
aufmachen, aufschließen’ ♦ 1999b: 245). → vesp.
Norditalianismus (< lat. de-aperīre
‘öffnen’, REW 515, DELI) (Elwert vesop [U] ‘Häufchen, eine Handvoll’
1943: 251). Könnte im EWD unter
daurí ‘dito’ aufgelistet werden, wenn vesp [O] ‘zu trocken; trocken (vom Heu)’
kein eigenes Lemma a(r)vêrje ‘ergere’ ♦ Zu lat. *vesc(id)us ‘welk’ (REW
emporheben verzeichnet wird (vgl. 9271, 6463b) (Gsell 1999b: 245). →
auch Gsell 1992b: 224f.). vescigna.

verjumar [U] ‘verschummern; versäu­ veter [U] ‘Wetter’ ♦ Dt. Wetter.


men, verpassen, vernachlässigen’ ♦
Mhd. versûmen ‘versäumen’ (BMZ veteran [O] ‘Veteran’ ♦ Germanismus
II,2: 729). ► (B verjum) und/oder Italianismus.

verla/ferla [U] ‘Dreschflegel, langer vetrasc [O] ‘Glastür’ ♦ It. vetrata.


Stock’ ♦ Vgl. ven. ferle ‘Kleiderbügel’
(DEVI) (< lat. ferula ‘Rute’). Der Typ vetura [U] ‘Gespann, Zweigespann,
mit v- muss noch geklärt werden. Fuhrgeschäft, Fuhrlohn’ ♦ It. vettura.
Vielleicht (metonymischer) Einfluss
von ven. verla ‘Weichsel(baum)’? veze [U] ‘Vize-, Stellvertretung, Stell­
vertreter’ ♦ Padanismus (zu standardit.
verscio [O] ‘Maß, Mittel’ ♦ Im EWD ist vice). ► B vezi
das Lemma vèrscio nur mit einem
Verweis auf vèrs versehen, fehlt dort viajar [U], viajèr [O] ‘reisen, wandern’ ♦
dann aber. Trent. viaz%ar (Ricci).  viajador [U],
[O] ‘Reisender, Wanderer’
verselin [O] ‘Girlitz’ ♦ Zu lat. viridem
‘grün’ (REW 9368a, DELI). vial [U], vièl [O] ‘Steig, Steg, Pfad’ ♦
Padanismus (Elwert 1943: 229). Vgl.
se vertear [U], se verteèr [O] ‘sich beei­ etwa trent. vial (Ricci).

228
vindol [O] ‘Garnwinde’ ► G guínt
vicini [O] ‘Ortsbewohner, die das Wohl
des “uso civico” genießen’ ♦ Italianis­ violin [U] ‘Violine, Geige’ ♦ Dt. tir. (El­
mus (ließe sich im EWD noch zu vijìn wert 1943: 248). ► B
‘Nachbar’ stellen).
vis [U], [O] ‘Stirn, Angesicht, Gesicht,
vidar [U], vidèr [O] ‘lenken, leiten, trif­ Sehkraft’ ♦ Lat. vīsus ‘dito’ (REW
ten, hinabgleiten’ ♦ Padanismus (zu 9384). ► B  vista [U] ‘Gesichts­
standardit. guidare ‘dito’) oder – wie kreis, Einsicht, Sehkraft, Schätzungs­
Elwert (1943: 75) meint – direkt von vermögen’
got. *wida (REW 9528) (Zanotti 1990:
198).  vida [U] ‘Unordnung, Verwir­ vìschia [U], [O] ‘Weidenart mit kurzen,
rung, Schmutz, Schweinerei’; vida [O] dünnen Ästen, Weidenrute’ ► G víscu­
‘Art, Weise’ la, B viscla  vischiaciada [U] ‘Ru­
tenstreich’
vidimar [U], videmèr/vidimèr [O] ‘be­
glaubigen, vidimieren, bevoll­ visiér [U] ‘Visier, Schild bei Kappen’ ♦
mächtigen’ ♦ It. vidimare. Germanismus.

vidóa [U], [O] ‘Leitung, Trift, vista [U] ‘Gesichtskreis, Einsicht, Seh­
Wasserleitung’ ♦ Wohl zu → vidar (El­ kraft, Schätzungsvermögen’ → vis
wert 1943: 187, Zanotti 1990: 198).
vocal [ant.] [U] ‘Buch’ ♦ Der semantische
vidor [ant.] [U] ‘Garten’ Übersprung von ‘Vokal’ zu ‘Buch’ ist
wohl metonymisch mit einem Zwi­
vidòrcol/vidòrgol [O] ‘S-förmiger Ring, schenglied ‘Schulbuch; Fibel’ zu erklä­
den die Stricke bilden, wenn sie nass ren.
sind, oder die ein Anzeichen von
schlechtem, feuchtem Wetter sind’ vocazion [O] ‘Berufung’ ♦ It. vocazione.

vièl [O] ‘Pfad’ → vial vodo [O] [ant.] ‘Gelübde’ ♦ It. voto mit
Ladinisierung.
vijerapert [U] ‘Besichtigung an Ort und
Stelle, Tatbestandsaufnahme’ ♦ Fass. voiarela [O] ‘Nadelbüchse’
Zusammensetzung aus dem Stamm vi­
jer- ‘schauen’ und pert ‘Teil’. Z
vijidaa [U] ‘Scheintod, Delirium’; [O] zacal [U] ‘Kauwerkzeug, Mund’ ♦ Vene­
‘Verzückung, Vision’ ♦ Ableitung zu tismus (vgl. ven. zacar ‘kauen, beißen’
lat. visum (Partizip Präteritum zu vidē­ < onomatopoetischen Ursprungs, Prati
re ‘sehen’). 1968: 202).
vila [O] ‘angenehmer und fröhlicher zacarola [O] ‘Bagatelle, Kleinigkeit’ ♦
Abend’ ♦ Zu lat. vigilāre ‘wachen’ Trent. zacarola ‘Larve [verschiedener
(REW 9326) (vgl. etwa ossol. veltl. Tiere]’ (Ricci). Metaphorische Über­
vila ‘abendliche Zusammenkunft im tragung, ähnlich dem deutschen Sprich­
Stall’). wort aus einer Mücke einen Elefanten
machen? ► (B zacaram ‘Plunder’?)

229
legen, scharf angreifend, andauernd,
zach [-X] [U] ‘zäh’; [O] ‘feucht; geizig’ langweilig’; zasiégol/zisiégol [O] ‘un­
► G zah ruhig, rasend, unzufrieden’ ♦ Sollte im
EWD unter sajiô ‘lästig, zudringlich’
zafie [U] ‘nicht handliches Gerät; ein stehen. Zu dessen Etymologie vgl. aber
schwerfälliger Mensch’; [O] ‘Polizist, Gsell (1991a: 119, 1996b: 225).
Spitzel, Gerichtswächter, Scherge,
Häscher’ ♦ Gemäß Mazzel stamme das zavarear [U] ‘albern reden, aufbrausen,
Wort über das Trent. letztlich aus dem schlecht aufgelegt, bekümmern, faseln,
Langobardischen. Auch die Annahme grantig sein, phantasieren’ ♦ Es besteht
expressiver Herkunft ist aber nicht zu wohl Zusammenhang mit ven. trent.
verwerfen (Zanotti 1990: 199). Mögli­ zavariare ‘farneticare; rabbuiare, deli­
cherweise liegen zwei unterschiedliche rare’ (Prati 1968: 204, DEVI 459, Ric­
homonyme Lexeme vor. ci). Wird vom DEVI auf variāre ‘sich
färben’ (REW 9152, Faré) zurückge­
zaiga/zaigon [O] ‘streitsüchtiger Mensch, führt, wobei die erste Silbe za- (bzw.
Provokateur’ ♦ Zusammenhang mit tra-) noch einer Erklärung harren muss.
zanchenar ~ zanghenar ‘streiten’ (vgl. ♦ Ließe sich im EWD unter ciaurié
EWD zanganè).  zaighèr/zaighenèr ‘träumen’ auflisten.  zavareá [U]
[O] ‘streiten, provozieren, zanken, ‘albern, kummervoll, gedankenvoll’,
hetzen, aufreizen’ travareous/zavareous [U] ‘albern, fa­
selnd, wankend, jähzornig’; [O] ‘unru­
zambelar [U] ‘zappeln, wackeln, vor hig, rasend, unzufrieden’, zavarir [U]
Arbeit sich nicht auskennen’ ♦ Ex­ ‘irre reden’
pressiven Ursprungs.
zea/cea [U] ‘Abart der Wachtel, altes
zanch [U] ‘links, linkshändig, unge­ abergläubisches Weib’; zea [O] ‘Blau­
schickt’ ♦ (Nordit.) Variante zu der im meise’ ♦ Sollte im EWD unter càia
EWD unter ciàmp verzeichneten Form ‘Wachtel’ stehen.
cianch.
zeche [U] ‘etwas, irgendein’ ♦ Sollte im
zanichiar [U] ‘kleinweise etwas tun, EWD unter zacà(l) ‘dito’ stehen.
kleinweise etwas arbeiten, unbeholfen
und nur stückweise einen Baum fällen, zèchena [O] ‘altes Weinmaß’ ♦ Man ver­
(be)nagen’ gleiche dazu trent. zechena ‘Schlemme­
rei, Prasserei’ (Ricci) sowie tir. zechε
zapalin [O] ‘Entfaserungsmaschine, Gerät ‘Zeche, Verbrauch im Wirtshaus’
zur Entfaserung von Flachs’ ♦ Ließe (Schatz 722).
sich im EWD als Ableitung unter zàpa
‘Haue, Hacke’ einordnen. zecol [U] ‘Scheit, Span; männliches
Glied’; [O] ‘Stück Brennholz (wie es in
zapolà [U], [O] ‘Schmarrn’ der Haushaltsküche verwendet wird)’
► (B zecol ‘Körbchen’?)
zararé [U] ‘Gemurmel, Gemurre, Lärm,
Rauschen’ ♦ Expressiven bzw. lautma­ zedron [U], [O] ‘Auerhahn’ ► G zidron,
lerischen Ursprungs. B

zasiégol [U] ‘lästig, zudringlich, unge­ zedù [U] ‘nachgegeben, abgelassen, über­

230
lassen, nachgelassen’ ♦ It. ceduto. standardit. censura) oder Germanis­
mus.
zef [U] ‘kleines Papiergeld’
zèntena [O] ‘Zwischenwand; Haut­
zefa [U] ‘hässliches Gesicht; Grimasse’ ♦ streifen, auf den das Oberleder und die
Sollte im EWD unter céfa ‘mürrisches Sohle genäht werden’ ♦ Venetismus zu
Gesicht’ stehen. standardit. centina ‘Lehrgerüst’ (Gsell
1999b: 248f.). ► B
zela [U] ‘Zelle’ ► G
zertificat [U] ‘Zertifikat, Bescheinigung’
zelplot [O] ‘Tarngewebe für Militärzelte’ ♦ Norditalianismus und/oder Germanis­
♦ Tir. (jedoch kein entsprechender Be­ mus.  zertificar [U] ‘bescheinigen,
leg bei Schatz oer Fink). Mazzel bestätigen, begläubigen, Zeugnis abge­
verweist auf dt. Zeltblatt (Zanotti 1990: ben, Zeugnis ausstellen’
202).
zerto [U] ‘gewiss, sicherlich, bestimmt’ ♦
zelten [O] ‘Weihnachtsgebäck der Region Es handelt sich hier nicht um ein Erb­
Trentino-Alto Adige’ ♦ Dt. Zelten. wort von lat. certus, sondern um einen
Norditalianismus. Wenn jedoch gad.
zelton [U] ‘gewölbtes Holz, womit man zerto im EWD unter dem Artikel cèrt
die Gewölbe ausrüstet und unterstützt’ verzeichnet ist, so sollte dort auch die
♦ Variante zu fass. zelter (vgl. EWD fass. Form stehen.
s.v. zélter).
zet [U] ‘Holzscheit, Span, Leitersprosse’
zement [U],
cement/ciment/zement/ziment [O] zeto [U] ‘ausgenommen, außer’ ♦
‘Zement’ ► G B Norditalianismus (für standardit. ec­
cetto).
zendal [U] ‘Schal aus Seide, Sendel’ ♦ It.
zendale.  zendalina [U] ‘Filigram­ zeveron [O] ‘große Bütte, die man vor
blumenkrone mit kleinen Goldsternen allem in der Mühle verwendet’ ♦ Im
auf dem Haupt der Braut; rotes Band EWD zu cevìra ‘Schubkarre’?
(als Kopfputz), Haarschmuck’; [O]
‘Brautschmuck’ zibion/ziblon [U] ‘Schnittlauch’ ♦ Sollte
wie die Varianten mit c- im EWD unter
zendel [U], [O] ‘Schnur, womit die cióla ‘Zwiebel’ stehen.
Kinder bei Hochzeiten den Brautleuten
den Weg absperren und nach Erhalt zibol [U] ‘sehr lauteres Mus aus Po­
eines Geschenkes ihn wieder freigeben’ lentamehl’
♦ Mit vorigem verwandt?
zi(e)gl [O] ‘Ziegelstein’ ► G ziedl, B
zenghia [O] ‘Pinzette mit rundem Kopf’ ♦
Venetismus (DEVI). zigdar [U] → sigdar

zenouber [O] ‘Zinnober’ ♦ Tir. zinóuwεr zigolèr [O] ‘brennen; ansengen, ver­
(Schatz 730). brutzeln’ ♦ Vergleiche ven. zigolo
‘Holzspan’ (Prati 1968: 208) bzw. zi­
zensura [U] ‘Zensur’ ♦ Padanismus (für golare ‘pfeifen’ (DEVI). Offenbar met­

231
onymisch und expressiven Ursprungs. zomp [U] ‘hinkend, lahm, einseitig, unbe­
 zigol [U] ‘Brand’, zigolin [U] hilflich, schlecht, verstümmelt; Stum­
‘kleiner Zimmerbrand’; [O] ‘kleiner mel, Arm ohne Hand’; [O] ‘schwach,
Brand’, zigolon [U] ‘Brandstätte’, zi­ matt, minderwertig’ ♦ Sollte im EWD
golèda [O] ‘Verbrennung’ unter zùmf ‘Stummel’ stehen (mit se­
kundärem Einfluss von it. zoppo?).
zimberle [O] → cimberle
zon [U] ‘Kegel’ ♦ Venetismus (unbe­
ziment [O] → zement kannter Herkunft, DEVI 666). ► B
zone  zonaa [U] ‘Kegelbahn’
zimentèr [O] ‘provozieren, aufreizen’
zondra [U], [O] ‘Alpenrose, Zunder’ ♦
zipal [ant.] [U] ‘Eule’ ♦ Lad. cevìta mit Gemäß Elwert (1943: 205) und Heil­
Suffixwechsel? mann (1980: 64f.) von vorlat. tsundra
‘Zunder’ (nicht im REW). Dies aber
zirafa [O] ‘Giraffe; unruhiger Junge’ ♦ laut Hubschmid (1950b: 84ff.) nur mit­
Norditalianismus. telbar, direkte Gebersprache sei das Ti­
rolische.  zondré [O] ‘Alpenrosen­
zirca [U], [O] ‘zirka, um, ungefähr’ ► G strauch’
B
zopa [O] ‘wenig intelligente Person;
zircular [U] ‘umkreisen, umlaufen, zirku­ Dummkopf’ ♦ Expressiver Natur? Me­
lieren’ ♦ Norditalianismus (zu stan­ taphorisch (humoristisch) zu ven. zopa
dardit. circolare). ► B zircolé  zir­ ‘Erdscholle, Baumstumpf’ (DEVI, Prati
culare [U] ‘Rundschreiben’ 1968)?

zìria [U], [O] ‘Rotschwänzchen’ ♦ Vgl. zopegar [U] ‘hinken, stottern’ ♦ Nordit.
auch → lizia. (DEVI, Ricci) für standardit. zoppicare.

zisogn sm.pl. [U] ‘grobes Mehl, Nach­ zopèl [O] ‘Pantoffel; Flachziegel;
mehl’; zison [O] ‘Mehl; feines Kleie­ Türschwelle’ ♦ Sollte im EWD als Ab­
mehl’ ♦ Tagliavini (1934: 767): “Forse leitung unter zópa ‘Haufen’ stehen (wie
in rapporto col tirol. zà¨s’n”. ► B zis­ gad. zapel ‘Steilstück des Wegs, Bö­
ons schung’ stehen (vgl. Gsell 1992a: 156).
► B zapel  zopela [U], [O]
zitar [U] ‘berufen, zitieren, vorladen’ ♦ ‘Schlappschuh, Sandale’; [O] ‘Pantof­
Padanismus (zu standardit. citare). fel’

zitol [U] ‘Heckenbraunelle (grünlicher zopìe de la madona [U] ‘Polygala


Vogel); Zaunkönig’ chamaebuxus; buchsblättrige Kreuzblu­
me’ ♦ Zu vorhergehendem Eintrag.
zol [U] ‘Zoll [Maß]’; [O] ‘Zoll [altes
Maß]; kleine Pfeife, halb aus Holz und zopina [U], [O] ‘Klauenseuche’ ♦ Trent.
halb aus Alpaka mit kurzem dünnen (Ricci).
Halm, den die Tiroler Bauern benutz­
ten’ ♦ Tir. zoll ‘abgehacktes Stück’ zopon [O] ‘Erdscholle’ ♦ Vgl. ven. zopa
(Schatz 733), auch als Maß. ‘Erscholle’ (Prati 1968: 210, DEVI).

232
zorla [U] ‘Maikäfer’ ♦ Wohl zum EWD-
Lemma züla ‘dito’ zu stellen (vgl. auch zul1 [U] ‘abwärtsstehend’ ♦ Gsell (1999b: