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Ein FuBweg geht durch das alte Stadtchen


Mayenfeld. Er fuhrt über grüne Felder und
\7á1der, durch duftende Berfl<rauter direkt zu
den Alpen hinauf.

die Alm

die GeiB
An einem sonnigen Junímorgen steigt auf die- Jetzt kommt eine dicke Frau aus der Tür und
sem'Weg eine junge Frau hinauf. Sie hat ein geht weiter mit den beiden. Heidi wandert
Kind, das etwa ftinf Jahre alt ist, an der Hand. hinter den zwei Frauen her, die sich gut unter-
Das Gesicht des Kindes ist rot vor Hitze. Es halten.
ist so verpackt, dass man die kleine Person gar
"Aber wohin willst du eigentlich mit der
nicht erkennen kann. Zwei oder drei Kleider Kleinen, Dete?", fragt die dicke Barbel. "Es ist
hat es übereinander und noch ein groBes' rotes wohl das Kind deiner Schwester, nicht wahr?"
Tüch darüber. Die kleinen FüBe stecken in ''Ja.,, sagt Dete, "ich will mit Heidi hinauf
schweren Bergschuhen. Öhi. Sie muss dort bleiben."
Als die beiden eine Stunde gestiegen sind, ','*,,'W'as? Beim Alm-Öhi soll das Kind bleiben?
kommen sie zu einem kleinen Dorf. Hier wer- Du bist nicht recht b'ei Verstand, Dete! Wie
den sie fast von jedem Haus aus gegrüBt, denn kannst du so etwas tirn? Der Alte wird dich
hier ist der Heimatort der jungen Frau. gleich heimschicken!"
Sie machen aber nirgendwo Halt. Alle "Das kann er nicht! Er ist Heidis GroBvater.
15 GrüBe und Fragen beantwortet die junge Frau Ich habe das Kind bis jetzt gehabt. Aber nun 15

im Vorbeigehen, ohne stehen zu bleiben. habe ich Arbeit in Frankfurt bekommen und
kann sie nicht mitnehmen. Jetzt muss er etwas
Dann ruft aus dem letzten Haus eine Stimme: tun.<<

"'Warte einen Augenblick, Dete. Ich komme "Ja, aber er


ist doch nicht wie andere Leu-
mit." te<, sagt Barbel, "du kennst ihn ja. !7as wird
Die junge Frau bleibt stehen. Sofort macht er mit so einem Kind anfangen?"
"Er ist der GroBvater. Er muss fur Heidi sor-
sich das Kínd von ihrer Hand los und legt sich
auf den Boden. gen.,,
"Bist du müde, Heidi?", fragt Dete. "Ich möchte nicht das Kind sein!,., ruft Bar-
"Nein, aber mir ist heiB", antwortet das bel. "Niemand weiB, was mit dem Alten da
Kind. oben ist. Er will mit keinem Menschen etwas
"'Wir sind in einer Stunde oben. Du musst zu tun haben."
dich noch ein bisschen anstrengen und groBe
Schritte nehmen.,. I n au",siehe Zeichnung auíSeite 5

7
Sie fasst Dete am Arm: "Du weiBt doch wohl
"Für das kleine Kind von Adelheid und
die ganze Geschichte von deiner Schwester, Tobias sorge ich", erzáhlt Dete weiter. "Aber
nicht Dete?" wo gehst du eigentlich hin, Barbel?'!Vir sind ja
"Ob er immer so war, weiB ich nicht genau. schon fast auf der Alm."
Ich bin jetzt sechsundzwanzig und er isr wohl "lch bin gleich da, wo ich hin muss<<, ant-
siebzig Jahre alt." Sie sieht sich um, ob das wortet die Barbel. "lch will zu GeiBen-Peters
Kind nicht zu nahe ist und alles hört, was sie GroBmutter. Leb wohl, Dete!"
sagen will. Aber es ist gar nicht zu sehen.
"Ich sehe es<<' sagt Barbel. "Es láuft mit dem Dete bleibt stehen, wáhrend Barbel auf eine
Peter und seinen Geil3en. Das ist gut. Nun alte, braune Hütte zugeht.
kannst du mir alles sagen." Hier wohnt der elfiahrige GeiBen-Peter mit 10

seiner blinden GroBmutter. Jeden Morgen holt


Und dann beginnt Dete zu erzáhlen, was sie Peter unten im Dorf dle GeiBen. Er geht mit
über Heidis GroBvater weiB: ihnen hoch auf die Alm, wo sie Kráuter íres-
t5 Alle nennen ihn Öhi. Seit er auf der Alm sen. Abends kommt er mit den GeiBen wieder
lebt' heiBt ef nur Alm.Öhi. Er redet mit hinunter und jeder holt seine GeiB.
niemandem und es geht ihm auch jeder aus Dete wartet und sieht sich nach den Kin-
dem Weg. dern um. Sie kann sie aber nirgendwo sehen.
Der Öhi hatte einen Sohn, den Tobias.
Tobias Frau war Adelheid, Detes Schwester.
Tobias aber kam bei der Arbeit ums Leben und 2,
kurz danach starb Adelheid aus Kummer. Die
Leute sprechen immer noch von dem traurigen Peter kennt so viele Stellen, wo Gutes fur seine
Ende. Sie sagen, das sei die Strafe, weilder Öhi GeiBen zu fressen ist.
mit Gott und den Menschen in Unfrieden Erst lauft Heidi ihm nach. Es ist anstrengend
lebt. in der schweren Kleidung. Tánte Dete hat ihr
das Sonntagskleid über das Alltagskleid ange-
die Gei!3, siehe Zeichnung auf Seite 5
zogen, damit sie es nicht tragen muss.
der Kwnmer, Schmerz im Herzen Heidi schaut auf Peter, der ohne Schuhe und
rnit leichten Hosen hin und her springt. Dann "Drr kannst die Kleídcr noch bis '.'m Öhi
sctzt síe sicl'r auf eintrral auí clen Boden, zieht hinauí tragen", meint Dete.
schnell Schuhe und Strün-rp{e ausj auch das
dLcle luch und Lll. Kl,'d, r und .rehr nrn rm
leichten Rock da.
)i( 5IreclI vergnügr Jr.' Arme JU.. 5píing|
leicht und írei neben Peter hcr und íragt und
fragt, "Wie heiBt dul - Wie vicle GeiBen hast
dul - Wohin gehst du mit den Ge iBenl"
Peter lacht' als er Heidis Zeug auí dern
Boden sreht. Er beantwortet aber ihre vielen
Fragcn.

Endlich kommen die Kinder oben bei der Hüt'


te an, wo Dete au{ sie wartet.
"Heidi, was machst duJ lío hast drr deine
Kleider und das Tirchl Ganz ner.re Schuhe habe
ich dir gekauít? Heidi' wo hast du alles]"
Heidi zeígt rtrhig den Berg hinr.rnter: "Dort
untenl" Uncl so kommen sie bald auí die Alm' wo die
"Ach. du dummes Kind! Warum hast du Hritte des alten Öhi steht. Er sitzt auí cler
alles ausgezogenl" Bank' eine Píeiíeim Mund, die Hánde auí clen
"lch brauche es nichtl", erklárt clas Kind. Knien. Ruhig schaut er, wie die Kinder, die
"Peteq lauí clu zurück und hol alles! Du GeiÍ]en und Dete langsarrr náher kommen.
sollst auch etwas daíür haben.. Dete }rált ihm Heidi ist zrrent oben. Sie geht arrídcn Alten
ein Geldstúck hin. zu, streckt ihm die Hand hin;
"Guten Abend.
Peter láuft die Alm hinuntel und ist schnell GrolJvaterl"
mit dem Zeug zurück. Sein Gesicht stralrlt, als Der Alte schaut das Kind an. Heidi gibt clen
er das Geldstúck in seine Tásche steckt. Blick zurück. f)er GloBvateÍ hat einen sehr
l0 11
langen, grauen Bart. Dann láuft sie schnell den Berg hinunter bis
lch wJntche h eirten grrl, n Tag. Öhi .'
eu. ins Dorf.
sagt Dete,
'hier bdnge ich euch das Kind vom
Tobias und der Adelheid."
nSo, und was soll das Kir-lil bei rnirl..' íragt )
der Alte kurz, "und du dort", ruít eI Peter zu'
gehen mit deinen GeiBenl" Nachdem Dete weg ist, setzt sich der Öhi wie-
"du kannst
Peter geht soíort, denn der Öhi sieht streng dcr auf die Bank und raucht seine Pfeife. Er
aus. sagt kein Wort.
"Heidi muss bei euch bleiben", antwortet Heidi geht um die Hütte heturrl, .urrr
L)ete. "lch habe vier Jahre für sie gesorgt." GeiBenstall und zu den alten 'lamen. Sie
Der ALm'Öhi wirft L)ete einen schar"fen bleibt stehen und hört dem Wind zu. der
Bli, k zu. l nd wenn d.r. Kind cníángt -u uei- rnu5\ hr lnd rau\r. A lr e"
"tiller
wird, lommt .r,
nen, was muss ich dann tun?" zum Grollvater zuraick. Sie stellt sich vor ihn
hin, legt die Hánde auí den Rücken und sicht
"Das ist eure Sache", meint Dete. "Mir hat
auch kein Mensch gesagt, wie ich es machen thn an.
sollte' Jetzt muss ich meine Arbeit in Frar-rkíurt Der GroÍ]vater schaut auí "Was willst du
aníangen und ihr seid Heidis GroBvater. Wenn jetzt tunl", fragt er
ihr sie nicht behalten könnt' dann macht mit "Ich will deine Hütte sehen."
ihr' was íhr wollt!" "I)ann komm!" Der Grofjvater steht auí
"Nimm dein Zeug mit!"
Dete hat gar kein gutes Gefohi bei der Sache. "Das brauche ich nicht rrrehro, erklárt Heidi.
Bei ihren letzten lforten ist der Öhi au{ge- Der Alte dreht sich um. lhre dunklen Augen
standen. "Mach, dass du hinunter kommst, strahlen.
und zeig dich nicht so bald wieder!" Er streckt Warum brauchsr du die Sachen nicht
"
den Arm aus, so dass sie einige Schritte mehrl", íragt er.
zurückgeht.
Das lásst Dete sich nicht zweimal sagen. "So die ftnn., sieh. Zeichnunr: 3uf -sc:tc I 1

lebt wohl, und du auch, Heidi!"

1Z t3
"Ich will am liebsten gehen wie die Geif3en. "!7o du willst", antwortet er.
Sie haben ganz leichte Beine." Heidi schaut sich um. Neben dem Bett des
"Gut, das kannst du, aber hol das Zeug! Es GroBvaters fuhrt eine kleineLeiter zumHeubo-
kommt in den Schrank." den. Schnell steigt sie hinauf. Da liegt frisches,
duftendes Heu und durch ein kleines rundes s
Heidi tut, was der GroBvater sagt. Er macht die Fenster kann man weit ins Tá1hinab sehen.
Tür auf und Heidi geht hinter ihm in die Htit-
te hinein.
Dort gibt es einen Tisch, einen Stuhl und
10 das Bett des GroBvaters. In einer Ecke hangt
ein groBer Kessel über eine Feuerstelle, auf der
anderen Seite ist eine Tür in der's7and.

der Kessel

Der GroBvater macht sie auf. Es ist der


Schrank. Seine Kleider hángen da und auf
einem Brett stehen Teller, Tássen und Gláser.
15 Auf einem anderen Brett liegen Brot, Schinken
und Káse. Das ist alles, was der Alm-Öhi
braucht. "Hier will ich schlafen", ruft Heidi hinun.
teq "hier íst es schön! Komm und sieh einmal,
Heidi wirft schnell ihr Zeug hinein, weit hin- wie schön es ist, GroBvater!"
ter GroBvaters Kleider. Dann fragt sie: "'!7o "lch weiB es schon.,, meint der GroBvater. 10

soll ich schlafen, GroBvater?" "Aber du musst mir ein Bett-Tirch bringen."
I4 15
"$6, 5e... Der GroBvater kommt bald mit "Das ist gut, dass du selbst an so etwas
einem langen Tuch die Leiter herauf. denkst." Der GroBvater legt den Káse auf das
Heidi hat sich ein richtiges kleines Bett Brot, "aber es fehlt noch etwas.<(
gemacht. Heidi lauft wieder zum Schrank. Sie findet
,rletzt kommt nur das Tuch darauf,., sagt der aber nur ein einziges Schr.isselchen. Das und ein
GroBvater, "aber warte noch!" Er nimmt eine Glas stellt sie auf den Tisch.
groBe Menge Heu und macht das Bett dicker,
"Recht so, du weiBt dir zu helfen. Aber jetzt
damit man den harten Boden nicht ftihlen iss!"
kann. Dann legen sie beide das Tuch über das Heidi trinkt und trinkt. Ihr Durst von der
Heu. langen Reise ist groB. Dann holt sie tief Luft
Heidi stellt sich davor. "Ich wünschte, es und stellt ihr Schüsselchen hin.
wáre schon Nacht!.., sagt sie. "Schmeckt dir die Milchl", fragt der
"Ich meine, wir könnten erst mal etwas GroBvater.
essen<<, sagt der Gro8vater, naber was meinst
"Ich habe noch nie so gute Milch ge'
du?" trunken,., antwortet Heidi. 15

Heidi merkt erst jetzt, dass sie groBen Hunger "So musst du mehr haben." Der GroBvater
hat. fullt das Schüsselchen noch einmal. Heidi
"Ja, das meine ich auch", sagt sie. trinkt frohlich die Milch und beiBt in das Brot.
Die beiden steigen die Leiter hinab. Der Der weiche Káse schmeckt kráftig und gut.
GroBvater macht Feuer unter dem Kessel. An
das Schüsselchen
einer langen Gabel halt er ein groBes Sttick
Káse über das Feuer und dreht es so lange hin
und her, bis es auf allen Seiten goldgelb ist.
@ry
Heidi sieht zu. Auf einmal lauft sie an den Nach dem Essen geht der GroBvater in den
Schrank und von dort ein paar Mal hin und GeiBenstall und bringt vieles in Ordnung.
her. Als der GroBvater mit dem warmen Káse Heidi geht hinter ihm her und schaut ihm
an der Gabel an den Tisch kommr, liegt schon dabei zu.
das runde Brot darauf. Auch zwei Teller und Der Abend kommt. Ein starker Wind
Messer, alles schön geordnet. rauscht durch die alten Thnnen. Das findet

I6 2 Heidi I7
Heidi sehr schön, und siefuÍ,tpft írohlich unter
den Báumen umher. Der GroBvater steht in
der Tür und schaut ihr zu.
Plotzlich hören sie etwas.
Von oben herab kommen sie gesprungen, die
GeiBen, und in der Mitte Peter. Mit einem
Freudenruf lauft Heidi zu ihnen hin.

Zwei schöne schlanke GeiBen, eine weiBe und


eine braune, kommen auf den GroBvater zu.
"Gehören sie unsl Kommen sie in den Stalll
Bleiben sie immer bei uns?", fragt Heidi hinter-
einander und der GroBvater kann nicht
schnell genug "Ja, ja!" zwischen den Fragen hinein und steigt zu ihrem Bett hinauf.
I5 sagen.
"'Wie heiBen sie, GroBvater, wie heiBen In der Nacht wird es stürmisch. Der Wind
sie?" Iwult. Der GroBvater steht auf und sagt vor
sich hin: "Das Kind wird sich wohl fÍnchten."
"Die weiBe heiBt Schwanli und die braune
Bárli." Er steigt auf den Heuboden. Der Mond
Er melkt von der !7eiBen ein Schüsselchen leuchtet durch das runde Fenster. Lange steht s

voll, schneidet ein St{ick Brot ab und sagt zu der GroBvater vor dem friedlich schlafenden
Heidí: ''Nun iss, und dann geh hinauf und Kind. Dann ist der Mond wieder hinter den
schlaf!" \ü7olken. Es wird dunkel und er geht die Leiter
Heidi macht sich schnell fertig. hinunter.
2s >Gute Nacht, GroBvater! Gute Nacht,
Schwánli, gute Nacht, Bárli!,,, ruft sie, geht Heidi erwacht am frtihen Morgen. Vor der r

Hütte steht schon der GeiBen-Peter und der


hupfen, mit einem oder beiden FtBen kleine Sprünge in die Luft
machen I t langen klagenden Laut machen
"rk",einen Angst haben
melken, siehe Zeichnung auf Seite 19 I frrchren,
srch

1B z* 19
GroBvater bringt Schwanli und Barli aus dem Dann geht er in die Hütte und ruft Peter zu:
Stal1.
'Komm her und bring deinen Rucksack mit.r.
der Strahl Der Alte steckt Brot und Káse hinein. Peter
macht groBe Augen, denn die beiden Stticke
Ítir Heidi sind viel gröBer als seine.
"So, und nun das Schtisselchsn", sagt der
Alte, "Heidí kann nicht trinken wie du, gleich
von der GeíB weg. Du melkst ihr zwei Schtis-
selchen voll zu Mittag. und pass auf sie au{
dass sie nicht über die Felsen hinunterfállt,
hörst du?"

Nun geht es lustig dle Alm hinauf. Heidi


springt hierhin und dorthin und pflückt von
allen Blumen ein paar. Peter hat mehr Arbeit
als sonst, denn die GeiBen machen es wie Hei-
"Willst du mit auf die Weide?.", fragt der di. Sie laufen auch hierhin und dorthin.
GroBvater.
"'!7o bist du schon wiedeq Heidi?", ruft er.
ja!" Heidi htipft hoch vor Freude.
"Ja, ',Komm her! Du darfst nicht tiber die Felsen
"Aber erst waschen und sauber sein, sonst hinunterfallenl"
lacht einen die Sonne aus. Dort kannst du
"'Vfo sind die Felsen!,,' fragt Heidi zurück.
dich waschen." Der GroBvater zeigt auf eine
"Dort oben, ganz oben. !7ir haben noch
weit!"

dieHolzwanne Der lVeide -Plarz liegt am FuBe der hohen Fel-


W sen. Peter nimmt seinen Rucksack ab und
streckt sich auí den sonnigen Boden aus. Heidi
Holzwanne voll'Wasser, die vor der Tür in der
Sonne steht. I d", F"k"n, siehe Zeichnung auf Seite 11

20 z1
setzt sich neben ihn und schaut sich um. Das Peter schaut Heidi verwundert an. Dann
Thl liegt weit unten. nickt er dankbar.
Um sie ist eine groBe, tiefe Stille. Nur ganz "\ü7ie heiBen sie alle, die GeiBen?",
fragt
leise geht der Wind über die blauen und gel. Heidi.
ben Bltimchen. Heidi wünscht sich nichts Das weiB Peter. Er nennt eine nach der
mehr, als immer hier zu bleiben. anderen und zeigt mit dem Finger auí iede
GeiB. Es dauert nicht lange, dann kennt Heidi
jedes Tier beim Namen.
5 Sie merkt gar nicht, wie schnell der Tág
vergeht. Schon steht die Sonne tief hinter den
Peter holt den Rucksack herbei. Die groBen Bergen. Auf einmal springt sie auf und schreitr
Stticke Brot und Káse legt er auf Heidis Seite 'Peter! Peter! Es brennt! Es brennt! Alle Berge
und die kleinen auf seine. Dann nimmt er das brennen! Oh, sieh doch! Schnell, Peter,
ro Schüsselchen und melkt frische Milch hinein. schnell! Sieh die Felsen! Sieh doch die Tán-
nen!..
Peter ruhig, "aber es
"Das ist immer so<<, sagt
ist kein Feuer...
"'!Vas ist es denn?u, ruft Heidi
"Es kommt von selbst!<<, antwortet Peter.
"Oh, sieh! Auf einmal werden die Berge
rosa.'Wie schön sie sind! Und nun werden sie
grau. Nun ist alles aus, Peter!" Heidi setzt sich
traurig auf den Boden.
"Es ist morgen wieder 5o", erklárt Peter.
''Steh auí wir müssen heim." Er ruft die
GeiBen herbei.
Heidi fangt bei der Mílch an. Das meiste "Ist es alle Tage s61", will Heidi wissen, als
Brot und den Káse reicht sie Peter hintiber. sie neben Peter die Alm hinunter geht.
ja! Morgen schon!"
"Das kannst du haben. Ich habe genug." "Ja,
z2 23
Heidi ist ganz still, bis sie bei der Almhütte tf'er über die Berge zu rauschen. Nun sagt der
ankommen. tGroBvater manchmal:
"p1sr1. bleibst du da,
"Oh, GroBvater!.., ruft sie, 'rd2s ist alles so lleidi!"
schön! Das Feuer und die Felsen. Und die Blu- Dann wird es sehr kalt und auf einmal fallt
men!.. nber Nacht tiefer Schnee. Am Morgen ist die
Sie sieht díe Blumen an' die sie gepflückt glrueAlm weiB und kein grünes Blatt ist mehr
hat. Aber wie sehen die aus! Sie erkennt sie m sehen. Nun kommt Peter nicht mehr mit
nicht mehr. Alle Blumen sind wíe Heu. den GeiBen.
"GroBvater, was haben sie?"
"Die wollen drauBen stehen in der Sonne,., Als Heidi und der GroBvater an einem Nach-
sagt er. mittag am Feuer sitzen, klopft auf einmal
"Dann will ich keine mehr mitnehmen.., iemand an die Ttir. Es ist GeiBen-Peter, der
den Schnee von seinen Schuhen abschlagt. Er
Spáter, als Heidi vor ihrem Schüsselchen sitzt hat Heidi acht Thge lang nicht gesehen.
und der GroBvater neben ihr, will sie vom ihm
15
'Guten Abend!<<, sagt er, stellt sich ans I5

wissen, woher das Feuer am Abend kommt. Feuer und sagt weiter nichts mehr. Aber sein
"Siehst du," erklárt der GroBvater' ,rdas Gesicht lacht vor Freude.
macht die Sonne, wenn sie den Bergen gute 'Nun General, wie steht es?", fragt der
Nacht sagt. Sie wirft ihnen die schönsten GroBvater. "Musst du nun in die Schule
Strahlen zu." gehen?"
,'.Warum muss er in die Schule gehen,
Am anderen Morgen ist die Sonne wieder da. GroBvater?", fragt Heidi.
Und Peter kommt mit den GeiBen. So geht es
"Im !7inter muss man das.., erklárt der
Tág fur Tág. Heidi wird bei diesem \7eideleben GroBvateg "dort lernt man lesen und schrei-
kráftig und ihr fehlt nichts. i ben. Das kann sehr schwierig sein." 25

"Das ist wahr!<<, sagt Peter.


Im Herbst fángt der !7ind an, lauter und kráí.

I der Straht,siehe Zeichnung aufSeite 20


I tt p1"", auf etwas schlagen

z4 z5
Heidi will alles wissen tiber díe Schule, was es
da zu hören und sehen gibt.
Dann wird es dunkel und als Peter >Gute
Nacht!" sagt, dreht er sich noch einmal um
s und meint: "Am Sonntag komme ich wieder.
Du solltest auch einmal zur GroBmutter kom-
men, Heidi. Das hat sie gesagt."
Das ist etwas ganz Neues fur Heidi, dass sie
zu jemandem gehen soll. Gleich am náchsten
Thg sind ihre ersten'VTorte: jetzt
"GroBvater,
muss ich zu Peters GroBmutter. Sie wartet auf
mich."
"Es ist noch zu kalt. Es liegt auch zu viel
Schnee,., meint der GroBvater.

15 Erst nach vier Tágen ist die Sonne wieder zu


sehen. Der GroBvater holt den Schlitten hinter schnell die Alm hinab, dass Heidi meint, sie
der Hütte. "Dann komm!", sagt er. fiiege in der Luft wie ein Vogel.
Heidi lauft strahlend vor Freude in die Plotzlich steht der Schlitten still. Da ist die
Schneewelt hinaus. Hütte vom GeiBen-Peter.
geh hinein<<, sagt der GroBvater'
"Sieh GroBvater! Sieh das Silber und Gold 'nSo, nun
s

auf den Tánnen!" .und wenn es dunkel wird, dann hole ich dich
Der GroBvater setzt sich, packt Heidi fest in sieder ab."
eine Decl<.e. und los geht die Fahrt. Es geht so
der Schlitten, siehe Zeichnung auf Seite 27
Heidi macht die Ttir auf und kommt in ein
die Decl<e, siehe Zeichnung auf Seite 27 kleines Zimmer hinein. Dort sitzt ein altes,

Z6 27
blindes Mütterlein und spinnt. Heidi schaut sich um. ',Dorr klappert ein
"Guten Tág, GroBmutter. << Brett und auch dort. Der GroBvater würde es
Die GroBmutter hebt den Kopf und sucht .rfort wieder festklopfen.
Heidis Hand. "
"Ach, du gutes Kind", sagt die GroBmutter,
.sehen kann ich es nicht, aber hören kann ich
e. wohl. Überall klappert eS' wenn der Wind
heult. In der Nacht furchte ich manchmal, das
Haus könnte zusammenfallen.
"
"Aber warum kannst du das nicht sehen?
Wenn es hellwird, kannst du es dann sehenJ..
"Nein, nein, niemand kann es mir mehr hell
rnachen! Aber weiBt du, Heidi, wenn man
nichts sehen kann, dann hört man gern ein
gutes'Wort. Ich höre es gern' wenn du sprichst.
Setz dich zu mir und erzáhlmir, was du machst 15

und was der GroBvarer macht. Ich habe ihn


früher gut gekannt."
"Warte nur, GroBmutter, ich will es dem
GroBvater sagen. Er bringt alles wieder in Ord-
nung.<

"Bist du das Kind, das beim Alm-Öhi So kommt es, dass der GroBvater und Heidi in
wohnt? Bist du die Heidi?" der náchsten Zeit oft mit dem Schlitten hin'
"Ja, ja, ich bin gerade mit dem GroBvater abfahren. Kaum macht Heidi die Ttir au{ da
im Schlitten heruntergefahren. r. ruft schon die GroBmurter: ,rDa kommt das
"Dann stimmt es also doch, was peter Kind!" Sie streckt beide Hande nach ihr aus.
erzáhlt hat*, sagt die GroBmutter.
',Ich habe
gedacht, ein Kind halt es keine drei lTochen
aus da oben.r. Happem, hier: wenn zwei lose Bretrer mehrmals aneinander schlagen

ZB 29
In der Zwischenzeit arbeitet der Alm-Öhi 'Aber das Kind ist keine GeiB und kein
viete Stunden an dem Haus und klopft die lfo'gel. Es ist ein Menschenkind!"
losen Bretter wieder fest. 'Ich kann doch das Kínd nicht jeden Mor-
gen durch Sturm und Schnee den Berg hinun-
cr schicken, zwei Stunden weit?"
7 '\ü(/arum zieht ihr dann nicht wieder hinun-
rer ins Dorf?", fragt der Pfarrer.
Zwei Jahre lang lebt Heidi nun schon beim 'Das ist nichts ftir mich.., meint der
GroBvater. An einem Morgen im Márz steht GroBvater. "Die Menschen im Dorígehen mir
plotzlich ein schwarz gekleideter Herr vor der ars dem \7"g - und ich ihnen. Hier oben habe
Hütte. Freundlich sagt er: "Du bist Heidi, bh meíne Ruhe."
nicht wahrl \ü7o ist der GroBvaterl.. 'Glaubt mir.., sagt der Pfarreq 'es kann
',Er sitzt ain Tisch." Heidi macht die Ttir noch gut werden. Kommt und sucht Frieden!"
auf. Als Heidi am Nachmittag zur GroBmutter
Der Herr geht auf den Alten zu. >Guten gehen will, sagt der GroBvater nur kurz: "Heu-
Morgen, Alm-Öhit" te nicht!..
uGuten Morgen, Herr Pfarrer!" pg. GroB,
vater steht auf und stellt ihm seinen Stuhl Nach dem Mittagessen kommt ein neuer
hin. Besuch. Es ist Dete in einem schönen Kleid.
"lch komme, um etwas mit euch zu be- 'Was ftir ein Gltick Heidi har.., ruft sie. ,,Eine
sprechen", sagt der Pfarrer und setzt sich. "lch reiche Familie in Frankfurt sucht eine Freundin
will euch fragen, warum das Kind nicht zur frrr ihre Tochter. Die sitzt im Rollstuhl und ist
Schule gehtl" immer allein." Dete strahlt: "Pack deine
"lch will es nicht in die Schule schicken", Sachen, Heidi!"
antwortet der GroBvater. ,Davon will ich nichts wissen!", erklárt der
Der Pfarrer schaut ihn an. "\ü7as wollt ihr GroBvater.
aus dem Kind machenl', Aber Dete spricht schnell weiter: "Heidi ist
"Nichts! Es lebt mit den GeiBen und den
Vogeln. Es lernt nichts Böses." I all-noU"rrrlrt,siehe Zeichnung aufseite 37

30 3T
jetzt acht Jahre alt und kann nichts und weiB * sich freuen!"
nichts. Ihr wollt sie in keine Schule und in 'Ja!.,, strahlt Heidi, "das schwarze Brot ist
keine Kirche schicken. " uiel zu hart ftir sie."
"Bist du bald fertig?" Nun lásst Dete Heidi nicht mehr los.
Er geht mit groBen Schritten zur Tür hinaus. Sie laufen beide den Berg hinab und hören s

"Dete, nimm
micht, wie die GroBmutter ruft:
'''Wenn du Heidi mitnimmst, so komm mír nie
mehr unter die Augen!", ruft er noch. ms das Kind nicht weg. Nimm uns Heidi
nicht!"
"Du hast den GroBvatef böse gemacht", sagt
Heidi und sieht Dete unfreundlich an. Vorr dem Táge an macht der Alm-Öhi ein
'o
boses Gesicht, wenn er durch das Dorf kommt.
"Er wird schon wieder gut! \7o sind deine
Kleider?" &geht weit ins Tal hinab, verkauft dort seinen
"Ich komme nicht", erklárt Heidi.
Káse und nimmt Brot und Schinken mit
"Ach was, komm jetzt'! Du hast es ja gehört. antick. Es ist gut, dass er die losen Bretter an
Er will uns nicht mehr sehen. Du weiBt gar GroBmutters Hütte fest geschlagen hat, denn rs

nicht, wie schön es ín Frankfurt ist. Und du hier zeigt er sich auch nicht mehr.
kannst immer wieder heimgehen." wer bei.der GroBmutter spinnen lásst, hört
Dete nimmt Heidis Kleider unrer den Arm cb immer wieder traurig sagen: "'Wenn ich nur
und Heidi an die Hand. So gehen sie den Berg noch einmal Heidi hören könnte!"
hinunter.
I
In der Nahe von seiner Hütte sieht sie der
GeiBen-Peter. "'!7o willst du hinl", fragt er h Hause von Herm Sesemann sitzt die kranke
Heidi. Ibchter Klara im Rollstuhl und wartet. >>Ist es
"Ich muss nach Frankfurt", antwortet Heidi denn immer noch nicht so weit, Fráulein Rot- zs

und will schnell noch zur GroBmutter hinein. mrrmeier?"


"Das ist schon zu spát<, sagt Dete. ''Du Seit Klaras Mutter gestorben ist, führt Fráu-
kannst der GroBmutter etwas Gures mitbrin, kin $.ottenmeier das Haus. Herr Sesemann,
gen, schöne weiche Brötchen. Darüber wird KtaÍas Vater, ist meist auf Reisen. Als Klara

3Z 33
zum zweiten Mal nach der neuen Freundin Heidi steht immer noch an der Tür. Die ganze
fragt, klopft es an der Tür. Dete ist da mit Eeit hat Klara sie angeschaut. Jetzt winkt sie
Heídi. Heidi zu sich: "Komm hierher!"
Heidi geht an den Rollstuhl.
Fráulein Rottenmeier schaut Heidi Von unten
'lÜ(/illst du lieber Heidi heiBen oder Adel-
bis oben an. "'W'ie heiBt du?" hidl", fragt Klara. s
*Ich heiBe nur Heidí und sonst nichts.., ant.
"\Üfiel Das ist doch kein christlicher Torrer Heidi.
Name!.,, ruft Fráulein Rottenmeier.
'Dann will ich dich immer so nennen!..,
"Heidi heiBt Adetrheid wie ihre Mutter.., erklárt Klara. "Bist du gern nach Frankfurt
erklart Dete. gekommen?"
"Gur. Adelheid ist ein richtiger Name.,, sagr 'Nein. Morgen gehe ich wieder heim und
Fráulein Rottenmeier. "Und wie alt ist das bringe der GroBmutter weiche Brötchen."
Kindl"
'Du bist aber ein merkwürdiges Mádchen!r.,
"Ich bin acht, hat der GroBvater gesagr.< meint Klara. "Du sollst doch mit mir zusam-
15
''!7as, erst acht Jahre alt?", ruft Fráulein men lemen. Pass auf! Es wird lustig. Ich kann ,s
Rottenmeier. ''Klara ist schon zwölf. Und was urhören,'wenn du lesen lernst."
hast du gelemt, Adelheid?"
Eáulein Rottenmeier kommt wieder ins Zim'
"'S7as?
Du kannst nicht lesen? !7ie ist das mer. "Ich muss dir viel beibringen, Adelheid.
möglich?" Fráulein Rottenmeíer dreht sich um Das sehe ich." Sie fangt gleich an, Heidi zu
und sagt streng zu Dete: "'Was haben Sie uns cr*láren, was sie alles machen soll: '' ... und zo
da ins Haus gebracht!" denke immer daran, Adelheid! Hast du es
Aber Dete antwortet nur: "Das Kind sollte recht verstanden?"
ja etwas Besonderes sein und nicht wie die Klara und
'Heidi schlaft schon lange!<<, sagt
anderen. Jetzt muss ich gehen." hcht.
Fráulein Rottenmeier wartet einen kleinen 25
Augenblick, dann lauft sie Dete nach, um sie Áls Heidi am ersten Morgen in Frankfurt ihre
zurück zu rufen. Augen aufmacht, weiB sie gar nicht, wo sie ist.
34 35

*-
l
Sie sitzt in einem groBen, weiBen Bett. An der
!7and steht ein Tisch mit vielen Sachen, die
sie noch nie gesehen hat.
Sie geht an das eine und an das andere Fen-
ster, um den Himmel zu sehen. Doch sie sieht
nur Háuser, andere Fenster und wieder Háuser.
"'!7o kann man hier hinaus sehenl,., fragt sie
spáter Klara.
"Man macht ein Fenster auf und schaut hin-
aus,<< sagt Klara frohlich. Sie freut sich schon
auf das Neue, das heute geschehen wird.

Der Hauslehrer kommt. Heidi muss von vorn


15 anfangen und sie sitzt auch ganz still. Plotzlich
hebt sie ihren Kopf. !7as ist das?
Fráulein Rottenmeier hort einen máchtigen
Krach vom Zimmer, wo der Hauslehrer das
ABC durchnimmt. Sie stürzt hinein. Da liegt
auf dem Boden alles übereinander: Bücher,
Hefte, Tintenfass.
Der ganze Teppich und die Hose des Lehrers
sind voller schwarzer Tinte.
Und Heidi ist weg. p1á,t1ein Rottenmeier
'Da haben wir es!"
rctrlagt die Hande zusammen. ''So ein Un-
der Krach,Larm
glnckskind!"
das 'Trntenfass, siehe Zeichnung auf Seite 37

36 37
mmen steckt sie ein Brötchen in die Thsche.
"Es ging so schnell", erklárt Klara. "Sie ist
hinaus gestüfzt und alles ist auf den Boden h Zimmer legt sie es in den Schrank zu den
gefallen!" Klara muss lachen. nderen.
Fráulein Rottenmeier láuft die Tieppe hin-
unter. Vor der Haustür steht Heidi und schaut Nachmittags muss Klara ruhen. Dann sitzt
verwundert nach allen Seiten. Heicli allein und denkt an die Alm. Sie sieht
fallt dlr ein? !7ie kannst du so davon üe Berge und das ganze weite Tá1 vor sich. Sie
"'W'as
laufenl" "lFnk an das, was Dete gesagt hatte: "Du
lennst immer wieder heimgehen!"
"Ich habe die Tánnen rauschen gehört. So kommt es, dass Heidi eines Tages alle
Aber ich sehe sie nicht und nun höre ich sie
auch nicht mehr!" Brötcb.en in ihr Tuch zusamÍneffolIt und sich

"Thnnenl Sind wir denn im Wald?.., ruft


dden Heimweg macht.
Fráulein Rottenmeier. Doch schon unten an der Haustiir ist die
Erst jetzt versteht Heidi, dass es rauscht, ileise zu Ende! Fráulein Rottenmeier steht vor
15 wenn die \ü/agen durch die StraBen fahren. Sr- 'Was willst dul"
'
'Ich will heimgehen!"
Der Hauslehrer hilft Heidi beim Lesen.'!7enn 'Heimgehen!" Fráulein Rottenmeier schlagt
er die Form der Buchstaben erklárt, ruft Heidi: ilb Hande zusammen. "Fortlaufen willst du?
IIr bist aber ein undankbares Kind!"
"Das ist eine GeiB!" oder "Das ist ein Vogel!"
Klara findet es lustig und lacht. 'Ich will ja nur heim. Die GroBmutter
Am Nachmittag erzáhlt Heidi ihr von der cünaftet mich. Der GeiBen-Peter bekommt
Alm und dem Leben beim GroBvater. Immer lrinen Káse und hier kann man nie sehen, wie
wieder sagt sie: oNun muss ich aber wieder db Sonne zu den Bergen gute Nacht sagt!"
heim. Die GroBmutter soll dle Brötchen 'Geh auf der Stelle wieder hinauf!", ruft
haben." Aber Klara redet Heidi gut zu: >Du ffimlein Rottenmeier.
musst doch bleiben, bis Papa kommt!" Beim Essen sitzt Heidi still und sagt kein
'V7enn ich noch Won. Sie isst und trinkt nicht. Nur das Bröt'
einen Tág bleibe, denkt
Heidi, dann kann ich der GroBmutter noch rhen hat sie schnell in die Tásche gesteckt.
mehr weiche Brötchen bringen! Bei jedem KaÍa will Heidi einige von ihren Kleidern
39
schenken und Fráulein Rottenmeier geht in Als Klaras GroBmama Heidi sieht, ruft sie
Heidís Zimmer und macht den Schrank auf. freundlich: "Ah, da ist ja Heidi! Komm mal
"'Was sehe ich, Adelheid? Was finde ich? ber zu mir und lass dich ansehen!"
Kleine, harte Brote! Das muss alles weg! 'Guten Tág, Frau Gnádige", sagt Heidi.
"Nein! Nein!" schreit Heidi. "Die Brötchen 'Sagt man so bei euch?", lacht die GroB-
sind fur GroBmutter!" Heidi wirft sich an Kla-
"Hast du das auf der Alm gehört?"
tnama.
ras Rollstuhl und fangt an zu weinen, immer 'Nein, bei uns heiBt niemand so<<, antwortet
mehr, immer lauter. Heidi.
"Heídi, Heidi, weine nicht so!" Klara hört, 'Auch bei uns nicht." Die GroBmama
wie unglücklich Heidi ist. "Ich gebe dir viele bchelt Heidi an. uHier bin ích die GroBmama,
Brötchen ftir die GroBmutter' wenn du einmal rrch fur dich."
heimgehst. Und dann sind sie ganz frisch und
weich. Komm Heidi, weine nicht mehr!" 'Vas macht Heidi, wenn Klara ru[1J", fragt
"Gibst du mir so viele, wie ich hatte?" die GroBmama Fráulein Rottenmeier.
t5
"Natürlich! Und noch mehr. Sei nur wieder .Adelheid sitzt im Zimmer. Leider denkt sie
froh!" si*r dort oft merkwtirdíge Sachen aus." t5

'Dann holen Síe sie", sagt die GroBmama.


.Ich habe einige Bücher mitgebracht."
10 'Was soll Adelheid denn mit Büchernl Sie
hm j" noch nicht einmal das ABC gelernt!",
Klara freut sich auf den Besuch ihrer GroB- nfr Fráulein Rottenmeier.
mama. Sie erzáhlt Heidi so viel von ihr, dass
Heidi auch anfángt' von der "Q166mama<< zu tleidi macht groBe Augen, als sie die Bücher
sprechen. nit den schönen Bildern sieht.
Als Fráulein Rottenmeier das hört, erklárt 'Nun erzáhl mir.., sagte die GroBmama,
sie ihr sffeng' dass sie die alte Dame mit "gná- .kmst du gut und kannst du was?"
dige Frau., anreden soll. "Verstehst du das, 'Oh nein!<<, antwortet Heidi, "Lesen kann
Adelheid l", fragt Fráulein Rottenmeier. nan nicht lernen. Das ist zu schwer!"
Heidi antwortet nicht. .Und woher weiBt du das?"

40 41
"Der GeiBen-Peter sagt es. Er kann es auch
nicht lemen. Es ist zu schwer.., 11
"Aber Heidi! Man muss es doch selbst ver-
suchen!<<, sagt die GroBmama. "Glaub mir, du háulein Rottenmeier geht unruhig im Hause
kannst lesen lernen! Und wenn du es kannst, herum. Sie schaut sich oft um, in alle Ecken
bekommst du das Buch mit den schönen Bil- und auch hinter sich.
dern!" Seit einigen Tágen steht jeden Morgen die
Heidis Augen strahlen. tlaustür offen, aber es ist niemand zu sehen. Im
Hause fehlt nichts. Jeden Abend wird die Ttir
Nach etwas mehr als einer'SToche sitzt Heidi frst zugeschlossen. Aber es hílft nichts. Am
neben Klara und liest ihr eine Geschichte vor. h{orgen steht sie wieder offen.
Noch am selben Abend liegt auf Heidis Teller Etwas stimmt doch nicht!
das Buch mit den schönen Bildern. Sie sieht háulein Rottenmeier schreibt einen Brief
fragend auf und GroBmama sagt freundlich: an Klaras Vater. Er muss sofort kommen!
,rJa, nun ist es dein Buch."
t5
"Für immerl Auch wenn ich heímkommel,. Zwei Táge darauf steht Herr Sesemann vor der
"Für immer!"
Ttr. Noch am selben Abend will er zusammen
nit dem Hausfreund, dem Doktor, die ganze I5

Jeden Abend sitzt Heidi lange über ihrem Nacht aufbleiben und aufpassen.
Buch. Am liebsten schaut sie auf ein Bild von Kurz nach Mitternacht hebt der Doktor den
einer grünen Weide mit vielen kleinen hger: "Pst, Sesemann' hörst du das?u Einen
GeiBen. Oft kann sie dann nicht einschlafen. Aqgenblick spáter hören sie, wie die Haustür
Sie denkt an die Alm und weint ganz still, geOffnet wird.
damit niemand es hört. 'Du furchtesr dich wohl nichtl", fragte der
Jeden Thg wird sie trauriger, aber sie zeigt es floktor.
keinem. 'Vorsicht ist besser." Herr Sesemann fasst
nrinen Revotuer und leise gehen sie beide aus

il ro n"*u.', siehe Zeíchnung auf Seite 44

42 43
-Komm, ich bringe dich ins Bettlu Der Dok-
nimmt vorsichtig Heídi bei der Hand und
tL]r
geht mit ihr die Treppe hinauf.
.Nicht fürchten, nicht furchten", Sagt er
neundlich. "Ganz ruhig, es wird alles wieder
grtl"

[n Heidís Zimmer nimmt er Heidi auf den


Arm, legt sie in ihr Bett und deckt sie zu. "So,
nun sag mir mal, wo wolltest du hin?"
.lch weiB es nicht. Ich war auf einmal da."
.So, so. Und hast du getráumt in derNacht?n
.Ja, jede Nacht tráume ich vom GroBvater
mlJ von der Alm. Dann höre ich die Tánnen
nr-r-.chen und ich laufe hin und mache die Ttir
a-Ú- in der Hütte. Aber wenn ich erwache, ll
Jann bln ich immer noch in Frankfurt." Heidi
Éngt an zu weinen. Sie weint immer mehr und
h;mrn gar nicht mehr aufhören.
.Weine nur! Das kann nicht schaden." Der
Drktor legt seine Hand auf Heidis Kopf. "Und
dem Zimmer. Durch die weit geöffnete Haus- .lann musst du schlafen. Morgen wird alles
tür leuchtet der Mond herein. Srtl*
Eine kleine Person im Nachtkleid steht ganz
still und schaut hinaus. Lnten setzt der Doktor sich. ,Sesemann, Klaras
'!7as
"Kind! machst du hier?" Llerne Freundin ist krank! Sehr krank vor
Das Kind dreht sich um und schreit auf. ITannu,eh. Sie braucht schnelle Hilfe. Du musst

"lch weiB nicht." Heidi ist ganz weiB im


Gesicht. := :{armt^ueh, Tiaurigkeít, weil man wünscht, daheim zu sein

44 45
Alm!"
sie zurück schicken auf die ,Nun Heidi, was sagst du?", fragt Herr Sese-
"Krank? Heimweh? Und das alles in mei-
nprnn, als Heidi ihm
"Guten Morgen< sagt.
nem Haus! Und niemand sieht es und weiB 'Heute gehst du heim!"
was davon? Aber ich kann das Kind doch .Heim?" Heidi kann kein'V7ort sagen. Sie
s nicht krank zU dem GroBvater zurück rir'd ganz rot. Sie weiB gar nicht, ob sie tráumt
schicken. Es muss erst wieder gesund sein.o nJer wach ist.
''Sesemann!.., erklárt der Doktor, "nicht
durch Pillen, nur durch die gute Bergluft wird
das Kind gesund. Und das kann nicht schnell t2
ro genug gehen!"
Erst auf der langen Reise versteht Heidi es
Am frühen Morgen schreibt Herr Sesemann E@r. Sie ist wirklich auf dem Weg zum
einen langen Brief an Heidis GroBvater. Dann CnoBvater, auf die Alm, zur GroBmutter und
erzáhlt er Klara, dass Heidi nach Hause muss. nrn GeiBen-Peter! Alles kommt ihr wieder
"Du siehst doch ein, nicht wahq dass es rw Augen. Aber auch ein neuer Gedanke t5

I5 nicht anders sein kannl" cigt auf: Die GroBmutter wird doch noch am
Klara nickt traurig. treben sein?
"Der Doktor bringt Heidi zurück und im
náchsten Jahr besuchen wir Heidi auf der Ak sie im Dorf ankommen, will Heidi allein
Alm!", verspricht der Vater. grhen. 20

'Ich kenne den


\ü7eg auf die Alm", erklárt
"Ich möchte ihr so gem etwas Schönes mit-
geben,., sagt Klara. rb und láuft so schnell sie kann, denn sie hat
"Ja, tu das!" Der Vater ist froh, dass Klara rnch die Brötchen zu tragen.
nicht weint. Bald sieht sie die Hütte. ob die GroBmutter
"Heidi soll auch frische, weiche Brötchen ch am Spinnrad sitzt? Ihr Herz fangt aÍlzlJ 25
fur die GroBmutter haben!", erklárt Klara. ldryfen. Dann steht sie da mitten in dem klei'
"Alles, was du willst!"
mr /imms1.
.Ach, du mein Gott<, kommt eine Stimme
I A, nUr, ein kleines rundes Medikament zum Einnehmen rns der Ecke, "so ist immer unsere Heidi her-

46 47
eingekommen. !7enn ich sie noch einmal bei Heidi steigt weiter die Alm hinauf.
mir haben könnte! !7er ist da?" Immer wieder bleibt sie stehen und schaut
"Da bin ich, GroBmuter, da bin ich ja!" such um. Die Abendsonne leuchtet. Über das
Heidi stürzt in die Ecke, fasst die Hande der ganze Tá1liegt Gold. Alles ist noch viel schöner
GroBmutter und kann vor Freude nichts mehr als in den T|áumen.
sagen. Dann werden ihre Schritte schneller. End-
"Ja,
ja, das sind ihre Haare und es ist ihre lrch! Auf der Bank sitzt der GroBvater und
Stimme. Du lieber Gott, dass ich das noch raucht seine Pfeife.
erlebe!,, Aus den blinden Augen laufen ?ri- .GroBvater, GroBvater, GroBvater!.., ruft sie
nen. "Sag noch etwas, Kind, dass ich dich und wirft sich um seinen Hals. Etwas anderes
hören kann." kann sie nicht sagen.
Der GroBvater sagt auch nichts. Nur fáhrt er
mit der Hand über die Augen.
die Tiáne "So, bist du wieder heimgekommen, Heldi?
Haben sie dich weggeschickt?" I5

'Oh'nein, GroBvater. Das darfst du nicht


glauben. Sie waren alle so gut. Aber siehst du
"Sieh, was ich dir mitgebracht habe." Heidi CnoBvater, ich konnte es gar nicht mehr aus.
packt die Brotchen aus. "Du brauchst kein halten!"
hartes Brot mehr essen.<< Heidi gibt dem GroBvater den Brief von
15 "Ach, Kindlu Die GroBmutter hált Heidis Herm Sesemann. "Es steht alles darin."
Hand ganz fest.
"GroBmutter, jetzt kann ich auch lesen! \'or Freude über das Wiedersehen htipft Heidi
So11 ich dir ein Lied vorlesen aus deinem alten rn die Hütte und steigt die Leiter hinauf.
Buch7" 'GroBvater, ich habe kein Bett mehr!"
"Oh ja!" Die GroBmutter sitzt ganz still, "Das kommt schon wieder. Ich wusste ja
wáhrend Heidi liest. nicht, dass du heimkommst. Jetzt komm zur
"Du machst es mir wieder hell, Heidi. Ganz }'íilch!"
hell im Herzen!" Als Heidi das Schüsselchen wieder hinstellt,

4B r :-!Jr 49
"So gut wie unsere Milch ist doch gar
sagt sie:
Sprachübungen
nichts auf der !7elt!"
A. Jedes !7ort an seinen Platz!
Dann hebt sie den Kopf. Von der Alm herunter
kommen die GeiBen. Sie htipfen und springen Berge - Die - rosa - werden
mit Peter in der Mitte. Sprachlos schaui er Die - GeiB. heiBt. Schwánli - weiBe
Heidi an. Alm-Ohi - Der. GroBvater - Heidis - ist
>Guten Abend, Peter!.., ruft Heidi und daheim - Heidi . jede . Nacht - tráumt - von
stürzt zu den GeiBen. Sie ruft sie alle beim im - ist - Ktara - krank - Rollstuhl - sitzt - und
Namen. alt - blind - Die - GroBmutter - ist - Peter - von
"Bist du denn wieder dal.., fragt peter ver- - und
wundert.
"Kommst du morgen wieder mit?..
"Morgen nicht, da muss ich zur GroBmutter, B. Ordne folgende Ausdrücke und Wörter zu
aber übermorgen.<< vier Sátzen
"Es ist gut, dass du wieder da bist!"
Heidi
Als Heidi wieder in die Hütte kommt, íst ihr hinauf
Bett gemacht. Das Heu duftet und der GroB- Blumen
vater hat ein weiBes Bett-Tirch darüber gelegt. Brötchen
Am Abend legt Heidi sich glticklich hinein. Heidi
auf der Alm
Wahrend der Nacht steigt der GroBvater in die Thsche
viele Male die Leiter hinauf. Er schaut auf Heidi
Heidi, die so fest und friedlich schliift, wie sie Milch
lange Zeit nicht geschlafen hat. steckt
Nun wandert sie nicht lánger umher in der steigt
Nacht. Sie hat die Berge und Felsen in der trinkt
Abendsonne wieder gesehen und die Thnnen Heidi
pfltickt
rauschen gehört.
die Leiter
Sie ist wieder daheim auf der Alm. aus dem Schüsselchen

50 5T
C. Setze der, die oder das ein E. \Ü7elches'\ü7ort fehlt hierl

1. Sie stellt Schüsselchen auf den Die Anfangsbuchstaben bilden einen Voma-
Tisch. men.
Z. GroBvater steigt Leiter hin.
auf. Heidi gibt Peter ein groBes Sttick
3. Er geht weit in Tál hinab.
4. Jeden Morgen steht Ttir offen. Heidi soll lemen.
5. Fráulein Rottenmeier schlágt Hánde Fráulein Rottenmeíer nennt Heidi
zusammen.
6. Peter ruft GeiBen zusammen. Die Tochter von Herrn Sesemann sitzt im
7. Nur- gute Bergluft macht Heidi wieder
gesund. Heidi ist wieder auf der
8. Nimm uns _ Kind nicht weg, ruft
GroBmutter. E Fragen
9. Du bekommst- Buch mit den schönen
Bildern. 1. !7arum bringt Dete Heidí zu dem GroB-
10. Wind heult und _ Thnnen vater?
rauschen. z. ]Ü7ie denken die Leute über ihnl
3. Was macht Peter mit den GeiBenl
4. \ü7arum will Heidi auf dem Heuboden
D Wie heíBt das Wort im Plural? schlafen?
5. 'V7as
\íinter machen?
muss Peter im
die Ecke die Wolke 6. Warum freut sich die GroBmutter über
die Hütte die Stunde Heidis Besuche?
die Frage die Menge 7. !ías will der Pfarrer von dem GroBvater?
'!7arum
die Tánne die Tásche 8. holt Dete Heidi nach Frankfurtl
die Sache die !7oche 9. \ü7arum ist der GroBvater dagegen?
10. \ü7ie behandelt Fráulein Rottenmeier Heidij

5Z 53
11. Was willHeidi mit den vielen Brötchen?
12. \Ü7arum glaubt Heidi, dass Lesen und
Schreiben zu schwer istl
13. \Ü7arum steht die Haustür jeden Morgen
offen?
14. \ü7ann versteht Herr Sesemann, dass Heidi
krank istl
É.Wie macht Heidi es der GroBmutter wie-
der hetll

i..
\Ü7eitere Ubungen und Anregungen unter
www.easyreaders.eu

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