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Passive

Aktivität

Naturschutz in der Stadt - Eine Studie anhand des Văcărești Naturparks

Forschungsantrag

Richard Zaiser, 1427599 Roman von Dall’Armi, 1427074 Max Weinstock, 1304638

Im Rahmen der Lehrveranstaltung:

280.540 Field Trips in Public Space future.lab Technische Universität Wien Sommersemester 2018

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1

2. Expeditionsziel – Văcărești Naturpark, Bukarest, Rumänien

2

2a. Lage und Einbettung im Stadtraum

3

2b. Entstehungsgeschichte – vom kommunistischen Bauvorhaben zur grünen Oase im urbanen Kontext

5

3. Gegenstand der Forschung

9

3a. Polarität zwischen Mensch und Natur

9

3b. Urbane Feuchtgebiete und deren Potential

9

3c. Forschungsinteresse

11

4. Forschungsfragen

13

5. Herangehensweisen und Methoden der Forschung

14

6. Wiener Relevanz

15

7. Kosten und Zeitplan

15

Literaturverzeichnis

16

1. Einleitung

Im Zuge der Lehrveranstaltung „Field Trips in Public Space” ermöglicht das future.lab der Technischen Universität Wien unserer Gruppe eine Reise in den Südosten Europas, in die Hauptstadt Rumäniens, Bukarest. (Abb. 1) Wir werden aufgefordert einen konkreten, öffentlichen Raum aufzusuchen und diesen auf seine spezifische Besonderheit hin zu untersuchen und im Bezug zum Wiener Planungsdiskurs neue Blickwinkel aufzuzeigen.

Die experimentelle, inter- und transdisziplinäre Forschungsarbeit ermöglicht uns, neben der Zusammenarbeit mit Kommilitonen verwandter Studienrichtungen, wie beispielsweise der Architektur und Raumplanung, den Schreibtisch zu verlassen und aktiv vor Ort zu forschen.

den Schreibtisch zu verlassen und aktiv vor Ort zu forschen. Abbildung 1 – Lage Bukarest 1

Abbildung 1 – Lage Bukarest 1

1 Adaptierte Karte mit Kennzeichnung der Lage in Rot - [WWW Quelle] URL

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d7/Romania_location_map.svg

2. Expeditionsziel – Văcărești Naturpark, Bukarest, Rumänien

Bukarest liegt im Südosten Rumäniens und weist eine komplexe, heterogene Stadtstruktur auf, die von vielen Seen und Wasserflächen geprägt ist. Die Hauptstadt galt einst als eine Stadt der Gärten, die heutzutage aber durch den Einfluss der Autos und dem damit verbunden Ausbau von Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen geprägt ist. Die entstandene Notwendigkeit an Parkplätzen und Infrastruktur verdrängte nach und nach die Wichtigkeit von Grünflächen und Freiräumen, sodass Bukarest heute, laut Beschreibung von Street Delivery, als eine der meist verschmutzten und verstopften Hauptstädte der Europäischen Union gilt. Gemäß Street Delivery sollte ein Grünflächenanteil von 50 m 2 pro Kopf an urbaner Grünfläche in Stadtgebieten vorhanden sein. Nach Aussage der Europäischen Union genügen für jede(n) EinwohnerIn rund 26 m 2 . Die aktuelle Situation in Bukarest liegt per Stand 2014 unter 10 m 2 pro Person. 2 Laut Cristian Lascu beträgt der Anteil an urbaner Grünfläche in Bukarest sogar weniger als 7 m 2 pro Kopf. 3 Unsere Forschungsreise befasst sich mit dem Gebiet des Văcărești Naturparks, welcher der oben genannten Problematik entgegenwirken könnte.

der oben genannten Problematik entgegenwirken könnte. Abbildung 2 – Sektoreneinteilung Bukarest und Verortung

Abbildung 2 – Sektoreneinteilung Bukarest und Verortung Văcărești Naturpark 4

2 vgl. Street Delivery, 2017, Despre Street Delivery [Über Street Delivery], [WWW Quelle] URL

http://street.delivery/despre-street-delivery-2017/

3 vgl. Lascu, Cristian, 2012, Delta dintre blocuri [Das Delta zwischen den Wohblocks] in National Geographic România, [WWW Quelle] URL https://www.natgeo.ro/natura/habitat-conservare/9690-delta-dintre-blocuri-2

4 Selbst erstellte Karte, Hintergrundgrafik von Google Earth

2a. Lage und Einbettung im Stadtraum

Das untersuchte Areal unserer Expeditionsreise, der Văcărești Naturpark, liegt im südlichen Teil Bukarests, im 4. Sektor und stellt Europas erstes Naturschutzgebiet im urbanen Kontext dar. Er erstreckt sich über eine Fläche von rund 186 Hektar, lässt sich rund vier Kilometer entfernt vom Stadtzentrum verorten und grenzt nördlich an den Fluss Dâmbovița an. Die genaueren Grenzen des Naturschutzgebiets umfassen angefangen im Norden, die Kreuzung zwischen der Glădiței Straße und der Hauptstraße Splaiul Unirii. Der nordöstlich parallel zur Vitan-Bârzești Straße verlaufende Damm grenzt das Gebiet rund eineinhalb Kilometer weiter ab. Im Süden folgt die Gebietsgrenze dem irregulären Verlauf des Damms bis zum Wendepunkt im Südwesten, der Sun Plaza Mall. Von hier aus verläuft die Grenze wieder entlang des Damms bis zur Kreuzung im Norden.

Umgeben wird der Văcărești Naturpark von einem dichten städtischen Gefüge. Nördlich findet man zwei stark befahrene Hauptverkehrsadern, die Verbindungen zum Stadtzentrum darstellen und entlang des Flusses Dâmbovița verlaufen. Im Osten des Naturparks befinden sich Entlang der Straße wieder Konsumzonen wie zum Beispiel Händler sowie eine Mall. Südlich grenzt der Park an das Wohngebiet Berceni, im Westen befinden sich in unmittelbarer Nähe weitere Wohngebiete sowie eine Entwicklungszone, die sich im Streifen zwischen dem Wohnkomplex Asmita Gardens und der Shopping Mall Sun Plaza widerfindet. Durch die herabgesenkte Struktur des Naturparks entkommt die Natur jedoch zumindest teilweise dem umgebenden Druck und innerstädtischen Lärm.

teilweise dem umgebenden Druck und innerstädtischen Lärm. Abbildung 3 – Stadtraum rund um das Naturschutzgebiet 5

Abbildung 3 – Stadtraum rund um das Naturschutzgebiet 5

Der 4. Sektor erstreckt sich über eine Fläche von rund 34 km 2 und weist zwei beachtlich große, aneinandergrenzende Grünflächen auf: Der „Parcul Tineretului“ sowie in etwa 500 Metern Entfernung

5 Selbst erstellte Karte, Hintergrundgrafik von Google Earth

das untersuchte Gebiet des Văcărești Naturparks. Der Naturpark allein macht etwa 5,47% der Gesamtfläche des 4. Sektors aus. Wie bereits unter Punkt 2. angesprochen wurde, ist die Situation der Grünraumversorgung in Bukarest in einem sehr kritischen Zustand, da diese im Moment unter 10 m 2 pro Kopf liegt. Laut Aussage von Cristian Lascu könnte der fast 186 Hektar große Naturpark den Anteil an urbaner Grünfläche von den aktuellen 7 m 2 auf 8 m 2 pro Kopf erhöhen. 6 Dies mag zwar als ein nicht wirklich großer Unterschied angesehen werden, jedoch ist es sicherlich ein wichtiger Schritt für eine Verbesserung der aktuellen Situation. Ein weiterer Vorteil des Naturparks zur Freiraumversorgung der Stadt ist, im Gegensatz zu allen anderen Freiflächen, die „Wildnis“. Die restlichen Freiflächen der Stadt sind künstlich, vom Menschen angelegt, welche sich im Wesentlichen nicht zueinander unterscheiden. Man findet Asphalt, Sitzbänke, Laternen, Zäune, sogar gepflasterte Abkürzungen auf, um nur einige Beispiele zu nennen. Der Văcărești Naturpark stellt für eine wahrscheinlich kleine Minderheit der Stadtbewohner einen natürlichen, nicht angelegten Freiraum zur Verfügung, in welchem die Naturverbundenheit vollstens ausgeschöpft werden kann.

6 vgl. Lascu, Cristian, 2012, Delta dintre blocuri [Das Delta zwischen den Wohblocks] in National Geographic România, [WWW Quelle] URL https://www.natgeo.ro/natura/habitat-conservare/9690-delta-dintre-blocuri-2

2b. Entstehungsgeschichte – vom kommunistischen Bauvorhaben zur grünen Oase im urbanen Kontext

Am Anfang des 20. Jahrhunderts stellte das heutige Gebiet des Văcărești Naturparks ein bloßes Stück Land, in unmittelbarer Nachbarschaft der „Valea Plângerii“ (dt. Tal des Klages), dar. Ein unbedeutendes Gebiet in der damaligen Peripherie der Stadt. Im Gegensatz zur vorherrschenden Schönheit des Stadtzentrums, welches damals als „Kleines Paris“ bezeichnet wurde, war die Peripherie, eine weite und ungepflegte Zone, die eher dem ärmeren Teil der Bevölkerung ausgelegt war. (Abb. 4)

dem ärmeren Teil der Bevölkerung ausgelegt war. (Abb. 4) Abbildung 4 – Valea Plângerii 7 Das

Abbildung 4 – Valea Plângerii 7

Das Tal des Klagens wurde lange Zeit als Müllhalde der Stadt genutzt (Abb. 5) und kann innerhalb eines Dreiecks verortet werden, welches sich über den noch heute erhaltenen, südwestlich gelegenen Bellu Friedhof, dem im Norden gelegenen Krematorium „Cenușa“ und dem östlichen gelegenen Schlachthaus erstreckt, welches dieses „makabre“ Dreieck abschließt. 8 1921 beschloss König Ferdinand I. das Gebiet des heutigen Văcărești Naturparks Privatpersonen zuzuteilen, um dort Gemüse- 9 und Blumengärten 10 zu kultivieren. Während das angrenzende Tal des Klagens im Zuge der

7 Bild [WWW Quelle] URL http://1.bp.blogspot.com/_iDRlyfXvxlQ/S-

LRWmSi27I/AAAAAAAAEZI/T4cbHi7uMcc/s1600/tigani+valea+plangerii.JPG

8 vgl. Lascu, Cristian, 2012, Delta dintre blocuri [Das Delta zwischen den Wohblocks] in National Geographic România, [WWW Quelle] URL https://www.natgeo.ro/natura/habitat-conservare/9690-delta-dintre-blocuri-2

9 vgl. Simion, Luana, 2016, Conservation assessments of Văcărești urban wetland in Bucharest (Romania): Land cover and climate changes from 2000 to 2015, S. 20 10 Aussage eines Landbesitzers in einem Interviewvideo der Zeitung Adevărul, 2013, [WWW Quelle] URL

http://adevarul.ro/news/bucuresti/bucuresti-balta-vacaresti-berlin-1_52028e82c7b855ff56b555a1/index.html

kommunistischen Planung in den heute zweitgrößten Park der Stadt verwandelt wurde, dem Parcul Tineretului 11 , blieb der landwirtschaftliche Charakter im Nachbargebiet, dem heutigen Văcărești Naturpark, bis circa 1988 erhalten, trotz dessen, dass das Areal 1948 größtenteils zum Staatseigentum erklärt wurde. 12 Ehemalige Straßenzüge welche das Areal durchquerten, wie beispielsweise die Glădiței Straße, sind heute noch kleinteilig im Gebiet aufzufinden (Abb. 6).

sind heute noch kleinteilig im Gebiet aufzufinden (Abb. 6). Abbildung 5 – Müllhalde Valea Plângerii, heute

Abbildung 5 – Müllhalde Valea Plângerii, heute der Parcul Tineretului 13

Valea Plângerii, heute der Parcul Tineretului 1 3 Abbildung 6 – Karte ehemaliges Gebiet Văcărești, 1974

Abbildung 6 – Karte ehemaliges Gebiet Văcărești, 1974 14

11 vgl. Lascu, Cristian, 2012, Delta dintre blocuri [Das Delta zwischen den Wohblocks] in National Geographic România, [WWW Quelle] URL https://www.natgeo.ro/natura/habitat-conservare/9690-delta-dintre-blocuri-2

12 vgl. Simion, Luana, 2016, Conservation assessments of Văcărești urban wetland in Bucharest (Romania): Land cover and climate changes from 2000 to 2015, S. 20

13 Bild [WWW Quelle] URL http://4.bp.blogspot.com/_iDRlyfXvxlQ/S-

LRWcOGfZI/AAAAAAAAEZA/fBOxfaQCKyM/s1600/valea+plangerii+tineretului.JPG

14 Ianoș et al., 2014, Unclear perspectives for a specific intra-urban space: Văcăreși Lake area (Bucharest City) in: Carpathian Journal of Earth and Environmental Sciences, S. 218

Ein anderes spezifisches Merkmal der heutigen Văcărești Naturparkzone stellte das Kloster Văcărești dar. Dem Kloster, welches in der Zeit zwischen 1984 bis 1985 15 unter der Herrschaft Ceaușescus abgerissen wurde, folgte 1988 die radikale Enteignung der verbliebenen Landbesitzer 16 . Grund dafür war ein von Ceaușescu in Auftrag gegebener Entwicklungsplan, der den Titel „Amenajare Lac Văcărești“ (dt. Einrichtung See Văcărești) trug. Eine hydrotechnische Anlage die den Schutz vor Überflutungen, durch den Fluss Dâmbovița, welcher die Stadt durchquert, gewährleisten sollte. 17 Die Bauarbeiten begannen nachdem die EigentümerInnen aus ihren Häusern in angrenzende Wohnblocks umgesiedelt wurden. Für den Abriss ihrer Häuser wurde ihnen eine Summe von LEI 80.000 ausgezahlt. (vergleichsweise zum damaligen LEU-USD Kurs eine Summe von circa USD 20.000). 18 Durch die autoritäre Interessensdurchsetzung seitens des kommunistischen Regimes entstanden problematische Eigentumsverhältnisse, die bis heute nachwirken. Für die massive Seeanlage wurde, nach dem Aushub des Bodens, von Ingenieuren ein künstlicher Betondamm entwickelt, der einen Umfang von rund 4 km misst. 19 Nach der Fertigstellung des Damms wurde versucht die massive Fläche mit Wasser zu füllen, welches aus dem angrenzenden Fluss Dâmbovița herausgepumpt wurde. 20 Durch Planungs- und Umsetzungsfehler konnte der künstlich angelegte See die Wassermasse allerdings nicht halten und so wurden die Bauarbeiten nach einem Besuch Ceaușescus, wegen dessen Unzufriedenheit, im Sommer 1989 vorerst eingestellt. 21 Mit dem Fall des kommunistischen Regimes und dem Tod Ceaușescus im Dezember 1989 geriet das eingestellte Entwicklungsprojekt in Vergessenheit und die Zone verblieb als stillgelegte Baustelle. 22 (Abb. 7).

Zone verblieb als stillgelegte Baustelle. 2 2 (Abb. 7). Abbildung 7 – Baustellenzustand 1989 des

Abbildung 7 – Baustellenzustand 1989 des Entwicklungsprojektes 23

15 vgl. Aussage Bărbulescu, Dan in Popovici, Iaromira, 2017, Epopeea Parcului Natural Văcărești [Das Epos des Văcărești Naturparks] in Dilema veche Nr. 681, [WWW Quelle] URL http://dilemaveche.ro/sectiune/societate/articol/epopeea-parcului-national-vacaresti

16 vgl. Parcul Natural Văcăreși, 2016, Istoric [Geschichte], [WWW Quelle] URL http://parcnaturalvacaresti.ro/istoric

17 vgl. Merciu et al., 2017, The “Văcărești Lake” Protected Area, A neverending debatable issue? in: Carpathian Journal of Earth and Environmental Sciences, S. 464-465

18 vgl. Kurs LEU USD, 1988 [WWW Quelle] URL http://www.bnr.ro/apage.aspx?pid=404&actId=22706

19 vgl. Vino, Alessandro, 2013, Der seltsame Fall des Văcărești Sees in Bukarest, [WWW Quelle] URL http://thisbigcity.net/de/der-seltsame-fall-des-vacaresti-sees-in-bukarest/

20 vgl. Aussage Bărbulescu, Dan in Popovici, Iaromira, 2017, Epopeea Parcului Natural Văcărești [Das Epos des Văcărești Naturparks] in Dilema veche Nr. 681, [WWW Quelle] URL http://dilemaveche.ro/sectiune/societate/articol/epopeea-parcului-national-vacaresti

21 ebd.

22 vgl. Parcul Natural Văcăreși, 2016, Istoric [Geschichte], [WWW Quelle] URL http://parcnaturalvacaresti.ro/istoric

23 Bild [WWW Quelle] URL

http://api.components.ro/uploads/0a90a3b699e57186656238381eadbc74/2018/03/Andrei_Birsan_Vacaresti_

1989_web.jpg?1521717922208

Durch verschiedene Grundwasserquellen, die in dem Gebiet vorhanden waren, wurde nach und nach unterschiedlichen Fischarten der Zugang ermöglicht. Durch den schützenden Charakter des Damms, die heterogene, geologische und somit für die Besiedelung ungeeignete Bodenbeschaffenheit und eine gewisse Hilflosigkeit der Stadt und Bevölkerung, aufgrund der ungeklärten Eigentumsverhältnisse, entwickelte sich das Gebiet langsam von selbst weiter. 24 2003 wurde durch das Umweltministerium eine behördliche Genehmigung erlassen, durch welche das Gebiet, für eine Summe von USD 6 Millionen, für 49 Jahre an die SC Royal Romanian Corporation verpachtet wurde. Der Investor hatte eine Investition von über einer Milliarde US Dollar geplant, mit welcher das Gebiet Schritt für Schritt in eine Wohn-, Sport- und Kulturzone verwandelt werden sollte 25 (Abb. 8). Doch keiner dieser Pläne wurde umgesetzt, sodass das Gebiet für weitere neun Jahre weitgehend unbeachtet blieb. 2012 erschien nach zahlreichen fotografischen Aufnahmen, der Vogel- und Tierarten, durch Helmut Ignat, ein Artikel von Cristian Lascu im National Geographic România mit dem Titel „Delta dintre blocuri“ (dt. Das Delta zwischen den Wohnblocks). Dieser diente als Anstoß für die Gründung eines Vereins mit dem Namen “Asocitația Parcul Natural Văcărești“ (APNV). Die Organisation, die seit 2012 tätig ist, setzte sich seither dafür ein, dass der Văcărești Naturpark aufgrund seiner einzigartigen Biodiversität, gebildet aus verschiedenen schützenswerten Tier-, Vogel- und Pflanzenarten, zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Nach langen Bemühungen mit verschiedensten internationalen Organisationen, wie zum Beispiel der IUCN, aber auch lokalen und nationalen Vereinen, Experten und Behörden, ist es dem Verein Văcărești Naturpark gelungen alle notwendigen Unterlagen und Genehmigungen einzuholen, sodass im Mai des Jahres 2016 durch den Regierungsbeschluss Nr. 349/2016 das Gebiet innerhalb des Damms offiziell zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. 26

Damms offiziell zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. 2 6 Abbildung 8 – Plan der Kommerzialisierung des Gebiets

Abbildung 8 – Plan der Kommerzialisierung des Gebiets durch die SC Royal Romanian Corporation 27

24 vgl. Aussage Bărbulescu, Dan in Popovici, Iaromira, 2017, Epopeea Parcului Natural Văcărești [Das Epos des Văcărești Naturparks] in Dilema veche Nr. 681, [WWW Quelle] URL http://dilemaveche.ro/sectiune/societate/articol/epopeea-parcului-national-vacaresti

25 Ianoș et al., 2014, Unclear perspectives for a specific intra-urban space: Văcăreși Lake area (Bucharest City) in: Carpathian Journal of Earth and Environmental Sciences, S. 219

26 vgl. Parcul Natural Văcăreși, 2016, Istoric [Geschichte], [WWW Quelle] URL http://parcnaturalvacaresti.ro/istoric

27 Ianoș et al., 2014, Unclear perspectives for a specific intra-urban space: Văcăreși Lake area (Bucharest City) in: Carpathian Journal of Earth and Environmental Sciences, S. 219

3. Gegenstand der Forschung 3a. Polarität zwischen Mensch und Natur

In einer Auseinandersetzung mit dem Văcărești Naturpark in seinem städtischen Kontext treffen wir auf grundlegende Fragen der Diskrepanz zwischen Stadt und Land, zwischen Mensch und Natur, zwischen Baukultur und Biosphäre, sowie zwischen Grünraum und Raumplanung. „In seiner allgemeinsten und fundamentalsten Bedeutung bezieht sich der Terminus Natur auf alles Nicht- Menschliche und nicht vom Menschen Produzierte und insofern auf das der Kultur, der Gesellschaft, der Geschichte, dem Bewusstsein etc. Entgegengesetzte und Äußerliche“. 28

Bewusst wurde der Begriff der Polarität und nicht der Dualität verwendet. Die Dualität beschreibt immer zwei Teile, die in einem unversöhnlichen Gegensatz zueinanderstehen. Dahingegen gibt es spezifische Zustände, welche eben nur durch eine Gegensätzlichkeit zweier Teile entstehen kann. Bei der Polarität zwischen Mensch und Natur oder eben Stadtraum und Naturraum gehen wir grundsätzlich davon aus, dass das Eine von dem Anderen profitieren kann und genau aus dieser Begebenheit dem Leben des Menschen gerecht wird.

Der Văcărești Naturpark ist in seiner Geschichte ein, vom kommunistischen Regime, künstlich angelegtes Stadtgebiet, welches durch die Unterstützung der Nicht-Unterstützung des Menschen, also mit der reinen Passivität von menschlichem Eingriff, sich zu einer Biosphäre mit dem Status eines Naturschutzgebietes bis heute entwickeln konnte. Diesen Prozess fassen wir durch den Begriff der „passiven Aktivität“ zusammen und stellen uns direkt die Frage, wo eine Symbiose von Mensch und Natur noch stattfindet und wie diese eine sinnvolle Anwendung im urbanen Kontext finden kann.

In der Architektur kann man im Diskurs der Symbiose von „Low-Tech Lösungen“ sprechen. Ein Beispiel dafür finden wir im Ricola Kräuterzentrum in Laufen, Schweiz. „Die Lagerung der Kräuter erfordert eine ganz gezielte Einhaltung der Luftfeuchtigkeit, um den hohen Qualitätsanspruch zu sichern. […] Die gängige Lösung wäre eine sehr komplexe technische Klimatisierung mit aufwendigem Steuerungssystem zur Be- und Entlüftung der Raumluft. Durch den Einsatz von Lehm konnte darauf komplett verzichtet werden. 29 Dies zeigt, wie der Mensch die Natur formen und diese auf eine Art kultivieren kann, welche von gegenseitigem Respekt geprägt ist und eine Art der Symbiose darstellt. Wir sehen uns betroffen von der Dichotomie Natur und Kultur. Lassen wir einmal alle ethischen Fragen beiseite, kann man den Naturpark, die Hinterlassenschaft eines willkürlich-autoritären Regimes, als einen Glücksfall betrachten, anhand dessen unseren Forschungsfragen (Kap. 5) nachgegangen wird.

3b. Urbane Feuchtgebiete und deren Potential

Zu Beginn ist eine wertfreie Auseinandersetzung und Analyse entscheidend, um eine Ausgangslage der Feldforschung zu schaffen, sich eine Sensibilität für dieses Gebiet zu erarbeiten und die Besonderheiten dieses urbanen Stadtgebietes zu erkennen.

28 Amir, Isabella, 2013, So wie NATUR ist, bleibt sie NICHT in dérive N° 51, Verstädterung der Arten, S. 28 29 Rauch, Martin, 2018, „Einfach Lehm“ in Einfach Smart, S.31

Im Văcărești Naturpark finden wir ein Naturschutzgebiet im urbanen Kontext. Eine Tatsache und eine Exposition, welche zumindest in Europa ihres gleichen sucht. Dieses System ist entstanden durch die in Kap. 2b angesprochenen historischen Zusammenhänge. Das Potential des „Nicht-Eingreifens“, des „Nicht-Kontrollierens“ durch den Menschen, und die Passivität, die in diesem Kontext eine Wandlung zum Aktiven erfährt, sind Wesenszüge des Văcărești Naturparks. So kann man den Naturpark mit einem „Schiffswrack als Naturparadies“ 30 vergleichen. Die dortige Natur kann als „eigenwilligen, unberechenbaren und sich permanent wandelnden Agenten, der […] aber alles andere als passiv ist.“, angesehen werden. 31

Folgt man der Meinung von einigen GeologInnen und UmweltwissenschaftlerInnen, welche die Stadt als eine Art Fremdkörper im Ökosystem Erde sehen, so kann auch hier eine Besonderheit im Văcărești Naturpark erkannt werden. Paul Krutzen, ein niederländischer Geologe und ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts, schlug vor das „neue Zeitalter“, nach der „dominierenden, alles verändernden Spezies, Mensch“, griechisch „anthropos“, zu benennen. 32 Daraus ergibt sich eine Verantwortung des Menschen für das globale Ökosystem. Aufgrund des Populationsanstiegs und der Stadtflucht wachsen unsere Städte in rasender Geschwindigkeit. Herr Lötsch, Professor an der Technischen Universität Wien, beschreibt den negativen Einfluss des Menschen auf die Biosphäre in der Ringvorlesung Ökologie 2016. Was würde Herr Lötsch über den Einfluss einer urbanen Oase, wie den Văcărești Naturpark, auf die Stadt Bukarest sagen? Welche positiven Einflussfaktoren würde er erkennen?

Die Auswertung von klimatischen Datensätzen bildet ein komplexes Bild von der klimatischen Verwundbarkeit, sowohl während der Sommersaison, als auch auf den Effekt der Linderung des Klimas durch die Grünräume der Hauptstadt Bukarest. Ein erwähnenswertes Beispiel in diesem Kontext stellt der Văcărești Naturpark als Feuchtgebiet dar, welches innerhalb einer Auseinandersetzung zwischen der zivilen Bevölkerung, dem politischen Regime und den Massenmedien liegt. Dieser Grünraum ist derzeit und solange der Erhalt gelingt, das erste und einzige urbane Naturschutzgebiet in Rumänien und seine ökologischen und sozioökonomischen Vorteile wären äußerst bemerkenswert. Die Verwundbarkeit der klimatischen Bedingungen der Stadt, welche die Bevölkerung betreffen stellen sich aus den zunehmend langen Dürreperioden, der steigenden Anzahl an Hitzetagen, den tropischen Nächten, des hohen Levels an Sonneneinstrahlung und dem auftreten von Staubstürmen zusammen. Dies alles führt zu einer Dysfunktion der klimatischen und bioklimatischen Gegebenheiten der Stadt Bukarest. 33

Des Weiteren hat die wissenschaftliche Plattform SciVerse Science Direct den Einfluss von dem innerstädtischen Feuchtgebiet Xixi in Hangzhoug, China, analysiert und die Ergebnisse der dritten Internationalen Konferenz, der ESIAT 2011, veröffentlicht. Es heißt: Die Ergebnisse zeigen, dass städtische Feuchtgebiete eine vortreffliche Auswirkung auf die Temperaturregulierung haben. Die Effizienz der Regulierung und das Entgegenwirken des städtischen Feuchtgebietes auf die urbanen Hitzeinseln variieren in Bezug auf die Typologie des Feuchtgebietes. Der Kühlungseffekt von Feuchtgebieten wirkt indirekt oder direkt auf die angrenzende Umwelt und das Klima. Das ist förderlich zur Verbesserung des Mikroklimas der lokalen städtischen Gebiete und schwächt die urbanen Hitzeinseln. Diagramme der Forschungsarbeit zeigen, dass die maximale Oberflächentemperatur im Jahr 2004 nahe bei 40°C lag. 10°C höher, als in der Zone des urbanen Feuchtgebietes und gleichmäßig sinkend vom Kern der Stadt in die umliegende Gegend. Der Oberflächenalbedo drückt den Reflektionsgrad der Oberflächen in Bezug auf die Sonneneinstrahlung aus. Im Prozess der

30 Amir, Isabella, 2013, So wie NATUR ist, bleibt sie NICHT in dérive N° 51, Verstädterung der Arten, S. 29

31 Amir, Isabella, 2013, So wie NATUR ist, bleibt sie NICHT in dérive N° 51, Verstädterung der Arten, S. 29

32 Lötsch, Harald, 2016, Vortrag im Rahmen der Lehrveranstaltung 253.118 Ringvorlesung Ökologie

33 Manea et al., 2015, Biourbanism – a solution for mitigation of urban climate. Case study Bucharest city in:

Forum geographic. Studii și cercetări de geografie și protecția mediului, S. 30-39

Urbanisierung, wurden die natürlichen Oberflächen ausgetauscht durch künstliche Strukturen von Gebäuden und anderen Konstruktionen und lassen den Oberflächenalbedo herabsinken. Das bedeutet schlussendlich, dass die kurzwellige Strahlung der Sonne sich gesteigert in langwellige Wärmestrahlung verwandelt und die verschiedenen Materialien die Luft aufheizen. 34

In einer Studie aus dem Jahr 2013 wurde im Zuge einer Umfrage versucht, eine Einschätzung der Bevölkerung zum Văcărești Naturpark zu ermitteln. Die Ergebnisse der Interviews von Probanden verschiedener Altersklassen zeigt, dass die jüngeren Personen die Idee eines Naturparks durchaus schätzen und es als eine gute Möglichkeit für Naherholungszwecke betrachten. Demgegenüber stehen die Meinungen der älteren Bevölkerung, welche überwiegend der Ansicht ist, dass ein Naturschutzgebiet, aufgrund von hohen Kosten, Verwaltung und der Unschlüssigkeit der allgemeinen Qualitätssteigerung der Umgebung, hier fehl am Platz sei. 35 Im Jahre 2016 erlangte der Park schließlich den Status eines Naturschutzgebietes. Die gemeinnützige Organisation APNV bemüht sich durch Projekte und Partizipation, die Identifikation der Bevölkerung mit dem Naturpark voranzutreiben, um einerseits den gesellschaftlichen Rückhalt zu erhalten und andererseits das Bewusstsein der BürgerInnen für den Naturschutz zu schärfen. 36

3c. Forschungsinteresse

Auf internationaler Ebene ist der Begriff „Naturschutz“ jenen Ländern bekannt, die für natürliche und halbnatürliche Gebiete mit ökologischem Wert und Potenzial, mit Hilfe von Maßnahmen und Reglementierungen, Grenzen des Urbanisierungsprozesses festgelegt haben, um der ökologischen Zerstörung entgegenzuwirken. In Rumänien stellt der Begriff eines städtische Naturschutzgebietes ein neuartiges Fachgebiet dar, welchem im städtischen Diskurs bislang wenig Bedeutung beigemessen wurde. 37 Laut Trzyna, sind städtische Schutzgebiete jene Gebiete, die sich in oder am Rand größerer Ballungszentren befinden. Diese Flächen erfüllen die IUCN-Definition eines Schutzgebiets, wenn sie sich in einer von sechs IUCN-Kategorien einordnen lassen. „In Bezug auf die Verwaltung der Areale liegen die Meisten in der Verantwortung der Bundes- bzw. Landesregierung oder auf der lokalen Ebene. Eine andere Möglichkeit der Verwaltung stellen NGO’s, Institutionen, Initiativen oder andere kollaborative Organisationen dar. 38

Wie bereits erwähnt findet in Zusammenhang mit dem Văcărești Naturpark eine Verwaltung durch eine NGO, die Organisation APNV, statt.

Es sollen beispielsweise Fragen untersucht werden, welchen Stellenwert das Schutzgebiet Văcărești Naturpark im städtischen Diskurs einnimmt und von welchen Seiten und durch welche Netzwerke der Văcărești Naturpark Wandlungsprozessen ausgesetzt ist? Dadurch sollen Erkenntnisse bezüglich des Handelns bzw. Planens, oder Nicht-Handelns bzw. Nicht-Planens seitens der Stadt in Erfahrung

34 Wang et al., 2011, Analysis of the Impact of Urban Wetland on Urban Temperature Based on Remote Sensing Technology in: Procedia Environmental Sciences, S. 1546-1552

35 vgl. Merciu et al., 2017, The “Văcărești Lake” Protected Area, A neverending debatable issue? in: Carpathian Journal of Earth and Environmental Sciences, S. 467-468

36 vgl. Parcul Natural Văcăreși, 2016, Parcul [Der Park], [WWW Quelle] URL http://parcnaturalvacaresti.ro/parcul

37 vgl. Manea et al., 2016, Arguments for Integrative Management of Protected Areas in the Cities – Case Study in Bucharest City in: Procedia Environmental Sciences 32, S. 81

38 ebd.

gebracht, sowie der Stellenwert und die Bedeutung privater Initiativen und NGO´s im Zusammenhang mit dem Naturpark Văcărești ermittelt werden.

Wir leben in einer Zeit, die von Begriffen wie Nachhaltigkeit, Ökologie, Klimawandel, Überhitzung und Feinstaub geprägt sind. Wir befinden uns in einem Abschnitt des Mensch-Sein, welches zum Handeln für die Natur und für einen Lebensstil in Symbiose mit der Natur aufruft!

Öffentlicher Raum war im ursprünglichen Sinne immer dazu aufgefordert, dem in die Gesellschaft eingebetteten Menschen einen Mehrwert zu generieren. Entweder hilft er dabei, den Menschen politisch zu organisieren, er hilft ihm sich selbst zu organisieren oder er hilft Begegnungsraum zu schaffen, um Toleranz und ein Wir-Gefühl zu erzeugen. In Zusammenhang mit der Feldforschung in Bukarest soll überlegt werden, welche Potentiale und Qualitäten der Văcărești Naturpark als öffentlicher Raum in seiner aktuellen Verfassung beinhaltet. Qualitäten werden immer an den aktuellen Stand und die Bedürfnisse der Gesellschaft angepasst. Wir sehen das am Beispiel der antiken Griechen. Die Agora war grundlegend, um die damals neue Staatsform Demokratie überhaupt aufrechtzuerhalten. Doch ist die Agora aus soziologischen entwicklungsabhängigen Tatsachen entstanden oder wurde diese so geplant, um räumlich eine soziologische Grundlage zu schaffen? In Bezug auf solche Phänomene legt Georg Simmel fest, dass die Stadt Ausdruck soziologischer Tatsachen ist, welche sich räumlich äußern. 39 Von welcher Art des öffentlichen Raumes sprechen wir bei dem Văcărești Naturpark? Wir haben es hier mit einem Raum zu tun der aufgrund seiner Entstehungsgeschichte, erstmal nicht als soziologische Tatsache betrachtet wird, trotzdem ist hier, als räumliche Tatsache, eine soziologische Auswirkungen möglich.

„Kant definiert den Raum einmal als „die Möglichkeit des Beisammenseins“ – das ist er auch soziologisch, die Wechselwirkung macht den vorher leeren und nichtigen zu etwas für uns, sie erfüllt ihn, indem er sie ermöglicht.“ Die Möglichkeiten des Beisammenseins und „die verschiedenen Arten der Wechselwirkung der Individuen“ werden von dem Raum, in dem diese stattfinden, getragen. So können Räume zum Beispiel aufgrund ihrer ökologischen Beschaffenheit, ihrer sozialen und politischen Einbettung oder aufgrund historischer Begebenheiten direkten Einfluss auf die Begegnung der Menschen nehmen. Welches Potential liegt in diesem Sinne im Văcărești Naturpark und kann dieser als öffentlicher Raum eine Vergesellschaftung beeinflussen. 40

39 vgl. Simmel, Georg, 1992, Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung in Gesamtausgabe in 24 Bänden, Band 11, S. 687-698 40 ebd.

4. Forschungsfragen

Welchen Stellenwert nimmt das Schutzgebiet Văcărești Naturpark im städtischen Diskurs ein?

Welche Qualitäten machen den Văcărești Naturpark schützenswert?

Durch welche Akteure ist der Văcărești Naturpark Wandlungsprozessen ausgesetzt und wie sehen mögliche Zukunftsszenarien aus?

Welche Schutzmechanismen wirken sich aktuell auf den Văcărești Naturpark aus und wie und mit welchen Mitteln können diese gefestigt und ergänzt werden?

5. Herangehensweise und Methoden der Forschung

Grundlage für die Feldforschung ist, neben den qualitativen Forschungsmethoden, die Recherchen zu allen relevanten Kontexten, welche den Văcărești Naturpark betreffen. Die Inhalte waren ganz unterschiedlicher Natur und greifen über historische, politische und gesellschaftliche Punkte zu städtebaulichen, kulturrelevanten und ökologischen Feldern. Einerseits haben wir versucht uns über Literatur den Themen zu öffnen, andererseits haben wir uns mittels Fachzeitschriften, Zeitungsartikeln, Internetartikeln, Foren und Filmmaterial mit der Thematik vertraut gemacht.

Durch verschiedene Methoden der Feldforschung soll ein Zugang zu den erarbeiteten Forschungsfragen ermöglicht werden. Über soziale Medien und persönliche Kontakte versuchen wir, sowohl vor der eigentlichen Forschungsreise, als auch während der Forschungsreise Verbindungen aufzubauen. Es besteht bereits Austausch mit einem Architekten, einer Landschaftsplanerin, einem Mitglied der „Asocitația Parcul Natural Văcărești“ und einem Autor, der über eine im Park lebende und ehemals ansässigen Roma-Familie geschrieben hat. Qualitative Interviews sollen helfen, den aktuellen Status und die Festigung der Schutzmechanismen einzuschätzen und den Fragen der Zukunftsorientierung und der Zukunftsszenarien auf den Grund zu gehen.

Im Văcărești Naturpark selbst sollen in Bezug auf die Frage des Schutzes und des Erhalts die gebauten Konstruktionen beobachtet werden und in der Auseinandersetzung mit NutzerInnen überlegt werden, wie diese einen Beitrag zum Schutz und Erhalt des Parks leisten. Maßgebende Stichworte, wie Identität Zugänglichkeit und Erfahrbarkeit der Flora und Fauna, sowie deren Qualitäten, tragen als Grundlage für den Schutz des Parks bei und werden unter anderen Gegenstand der Forschung. Auch wird versucht, für die Fragestellung der Identifikation mit dem Park Văcărești, eine Stellungnahme zu den beobachteten Phänomenen und Verhaltensmustern von den Akteuren zu bekommen. Über narrative Interviewformen soll eine Bewertung und Meinungen eingeholt, sowie Unstimmigkeiten und Wünsche in Erfahrung gebracht werden. Welche Möglichkeiten zur Identifikation mit diesem Ort existieren und welche Akteure, ob öffentlicher Hand oder privater Natur, sind beteiligt? Durch solche oder ähnliche Fragestellungen möchten wir der Frage auf den Grund gehen, wie und mit welchen Mitteln der Schutz und Erhalt gestärkt und erweitert werden kann.

Durch die Kunstform des Happenings, welche eine Art der Aktionskunst darstellt und auf Partizipation und Co-Kreative Prozesse beruht, soll zusammen mit BesucherInnen des Parks ein karikatives Bild geschaffen werden. Dafür wird eine ca. 6 m² große Leinwand mit den groben Umrissen des Naturschutzgebiets als Vorlage vorbereitet, welche im Park aufgestellt wird. Schließlich soll in einem partizipatorischen Prozess ein allumfassendes Bild mit den jeweiligen Gedanken, Erinnerungen, persönlichen Bezügen, Wünschen, Ideen und Zukunftsszenarien kreiert werden. Die dahinterstehenden Vorteile dieser Kunstarbeit beinhalten einerseits, eine besondere Art der Datenerfassung mit einem nicht unbedingt akademischen Zugang, andererseits die Überwindung der Sprachbarierre und natürlich auch die Möglichkeit der Teilnahme an der Forschung von Kindern und Jugendlichen.

Die Daten sollen durch textliche Berichte, Fotografie, Tonaufnahmen, Zeichnungen, Fragebögen und Film erhoben und festgehalten werden. Die so zu entstehenden Produkte der Arbeit sind einerseits das Radiofeature und andererseits ein Präsentationsplakat.

6.

Wiener Relevanz

Die Stadt Wien beschäftigt sich intensiv mit den Themen Parks, Gärten, Wälder, Landwirtschaft sowie Naturschutz. „Menschen in der Stadt können Natur im Alltag erleben. Dies versucht der Naturschutz als Dienstleistung zu vermitteln. Es gilt, den Menschen geistige und reale Brücken hinaus in die Natur zu bauen.” so die Stellungnahme der Stadt Wien. 41

Ein Credo der Wiener Umweltministerin Ulli Sima lautet im Vorwort des Wiener Naturschutzberichtes von 2016: „Sicherung der hohen Umweltqualität auch für kommende Generationen. Das bedeutet den hohen Grünanteil von über 50 Prozent, die Sauberkeit, die gute Luft und das frische Hochquellwasser zu erhalten.” 42

Als Großstadtmetropole ist Wien auch von Umweltfragen betroffen. In dem Bericht „Urban Heat Islands Wien” arbeitete die Stadt eine Strategie gegen die sommerliche Überhitzung durch passive und aktive Maßnahmen aus. Durch unsere Forschung mit Inhalten wie Schutz und Erhaltung von Grünraum anhand des Văcărești Naturparks versuchen wir den Stellenwert und den Umgang mit solchen Gebieten zu sensibilisieren.

7. Kosten- und Zeitplan

Kostenplan und vorläufige Kostenschätzung

Beschreibung

Anz.

Preis pro Einheit in EUR

Gesamtpreis in EUR

Hin- und Rückflug (Wien-Bukarest/Bukarest-Wien)

3

ca. 200

ca. 600

Unterkunft Bukarest für 10 Nächte (Apartment)

1

ca. 20/Nacht/Person

ca. 600

Transport innerhalb Bukarests

3

ca. 17/Woche/Person

ca. 51

Methodenmaterial

     

Bedruckte Plane

1

ca. 75

ca. 75

Rahmenkonstruktion (Holzrahmen + Schrauben/Nägel)

1

ca. 20

ca. 20

Edding 850 Permanent Marker

6

ca. 10

ca. 60

   

ca. 1406€

Summe *alle Preise werde in EUR angegeben, Wechselkurs wird auf LEI 4,60/EUR festgesetzt

Zeitplan - Zehntägige Reise nach Bukarest im Zeitraum Juli – August (spätestens 4. August, aufgrund von Urlaubszeiten und möglicher Abwesenheit unserer Kontaktpersonen)

Tag 1 – Anreise und erster Besuch des Văcărești Naturparks Tag 2-9 – Interviews, Gespräche, Beobachtungen, Kunstarbeit, Reflexion der Erkenntnisse Tag 10 – Abreise

41 Wiener Umweltschutzabteilung (Magistratsabteilung 22), Naturschutz und Grünraum, [WWW Quelle] URL https://www.wien.gv.at/umweltschutz/naturschutz/index.html 42 Sima, Ulli, 2016, Naturschutzbericht 2016, S. 3 [WWW Quelle] URL

https://www.wien.gv.at/umweltschutz/naturschutz/pdf/naturschutzbericht-2016.pdf

Literaturverzeichnis

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Krapmeier, Helmut (2018), Einfach Smart, Wolfurt, PEERfekt Events

Manea G., Matei E., Vijulie I., Tîrlă L., Cuculici R., Cocoș O., Tișcovschi A. (2016), Arguments for Integrative Management of Protected Areas in the Cities – Case Study in Bucharest City in: Procedia Environmental Sciences 32, Bukarest

Manea G., Vijulie I., Tirla L., Matei E., Cuculici R., Tișcovschi A., Cocoș O. (2015), Biourbanism – a solution for mitigation of urban climate. Case study Bucharest city in: Forum geographic. Studii și cercetări de geografie și protecția mediului, Craiova

Merciu F., Sîrodoev I., Merciu G., Zamfir D., Schvab A., Stoica I., Paraschiv M., Saghin I., Cercleux A., Văidianu N., Ianoș I. (2017), The “Văcărești Lake” Protected Area, A neverending debatable issue? in:

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Simion, Luana (2016), Conservation assessments of Văcărești urban wetland in Bucharest (Romania):

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Simmel, Georg (1992), Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung, Band 11 in Gesamtausgabe in 24 Bänden, (Hg.) Otthein Rammstedt, Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag

Wang C., Zhu W., (2011), Analysis of the Impact of Urban Wetland on Urban Temperature Based on Remote Sensing Technology in: Procedia Environmental Sciences, Amsterdam

Quellenverzeichnis

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Banca Naționala a României, (s.a), [WWW Quelle] URL http://www.bnr.ro/apage.aspx?pid=404&actId=22706 (29.04.2018)

 

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Popovici, Iaromira, 2017, Epopeea Parcului Natural Văcărești [Das Epos des Văcărești Naturparks] in Dilema veche Nr. 681, [WWW Quelle] URL http://dilemaveche.ro/sectiune/societate/articol/epopeea- parcului-national-vacaresti (04.04.2018)

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Istoric

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Wiener Umweltschutzabteilung (Magistratsabteilung 22) (2016), Naturschutzbericht 2016, [WWW Quelle] URL https://www.wien.gv.at/umweltschutz/naturschutz/pdf/naturschutzbericht-2016.pdf

(30.04.2018)