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Sächsisches Staatsministerium Geltungsbereich:

für Kultus - Allgemein bildendes Gymnasium


- Abendgymnasium und Kolleg
Schuljahr 2006/07 - Schulfremde Prüfungsteilnehmer

___________________________________________________________________

Schriftliche Abiturprüfung
Grundkursfach Chemie

-ERSTTERMIN-
Material für den Prüfungsteilnehmer
_________________________________________________________

Allgemeine Arbeitshinweise

Ihre Arbeitszeit (einschließlich Zeit zum Lesen aller Aufgaben und der Zeit
zur Auswahl der Wahlaufgabe) beträgt 210 Minuten.

Die Prüfungsarbeit besteht aus den zu bearbeitenden Teilen A, B und C


(experimenteller Teil). Informieren Sie den Aufsicht führenden Lehrer, wenn
Sie mit der experimentellen Bearbeitung des Teils C beginnen möchten.

Bei Berechnungen muss der Lösungsweg zu erkennen sein.


Werden GTR-Programme genutzt, so muss in der Darstellung des
Lösungsweges deutlich werden, aus welchen Eingabedaten mit Hilfe
des Programms welche Ergebnisse gewonnen wurden.

Die im Anhang angegebenen Daten sind für Berechnungen zu verwenden.

Erlaubte Hilfsmittel:

Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung


Grafikfähiger, programmierbarer Taschenrechner ohne
Computer-Algebra-System (GTR)
Tabellen- und Formelsammlung ohne ausführliche Musterbeispiele
(im Unterricht eingeführt)
Zeichengeräte

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Prüfungsinhalt

Teil A ( 25 BE )

Bearbeiten Sie die nachstehende Aufgabe.

Phosphor und seine Verbindungen

1 An der Luft strahlt weißer Phosphor im Dunkeln Licht aus, was dem
Element seinen Namen ("Lichtträger") gab.

1.1 Leiten Sie aus dem Atombau die Stellung des Elementes Phosphor
im Periodensystem ab.
Gehen Sie von der Elektronenkonfiguration aus.

1.2 Begründen Sie mit Hilfe Ihrer Kenntnisse über stabile Elektronen-
konfigurationen das häufige Auftreten der Oxidationsstufen –3 und
+5 bei dem Element Phosphor.

Erreichbare BE-Anzahl: 5

2 Zum Ausräuchern von Vorratschädlingen wird die einfachste


Phosphorwasserstoffverbindung Monophosphan (PH3) verwendet.

2.1 Geben Sie für diese Verbindung die Formel in Elektronenschreibweise


an. Nennen und beschreiben Sie die chemische Bindung im Mono-
phosphanmolekül.

2.2 Phosphorwasserstoff besitzt trotz größerer Molekülmasse eine


geringere Siedetemperatur als Ammoniak. Begründen Sie.

Erreichbare BE-Anzahl: 5

3 Diphosphorpentoxid wird als Trocknungsmittel verwendet. Es kann


durch Verbrennen von Phosphor nach folgender vereinfachter
Gleichung hergestellt werden.

4 P + 5 O2 → 2 P2O5

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3.1 Berechnen Sie die Masse an Diphosphorpentoxid, die beim
Verbrennen von 10 g Phosphor entsteht.

3.2 Diphosphorpentoxid reagiert mit Wasser zu Phosphorsäure.

P2O5 + 3 H2O → 2 H3PO4

Geben Sie die Reaktionsart an und berechnen Sie die molare


Reaktionsenthalpie für diese Reaktion.

Erreichbare BE-Anzahl: 5

4 Eines der Säure-Base-Puffersysteme des Blutes ist der Dihydrogen-


phosphat-Hydrogenphosphatpuffer.

4.1 Entwickeln Sie für dieses Puffersystem die Reaktionsgleichung in


Ionenschreibweise.

4.2 Beschreiben Sie die Wirkungsweise dieses Puffers.

Erreichbare BE-Anzahl: 4

5 Bei der Abwasserbehandlung in Klärwerken werden Phosphat-Ionen


mit Eisen(III)-Ionen ausgefällt, um den Grenzwert für die Phosphat-
Ionenkonzentration einzuhalten.

5.1 Entwickeln Sie die Reaktionsgleichung für das Löslichkeitsgleich-


gewicht von Eisen(III)-phosphat und geben Sie die Gleichung für
das Löslichkeitsprodukt an.

5.2 Berechnen Sie die Konzentration an Eisen(III)-Ionen, die mindestens


vorhanden sein muss, um die Phosphat-Ionenkonzentration unter
2 . 10 –5 mol . l –1 zu senken.

5.3 Begründen Sie, wie sich die Zugabe von Eisen(III)-Ionen zu einer
gesättigten Eisen(III)-phosphatlösung auswirkt.
Nennen Sie die zu erwartende Beobachtung.

Erreichbare BE-Anzahl: 6

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Teil B ( 20 BE )

Bearbeiten Sie die nachstehende Aufgabe.

Rund ums Auto

1 Ein wichtiger Bestandteil von Benzin-Kraftstoffen ist Octan.

1.1 Entwickeln Sie die Reaktionsgleichung für die vollständige


Verbrennung von Octan.

1.2 Der Begriff “Octanzahl“ als Maß für die Klopffestigkeit eines Benzins
wurde abgeleitet von einem Isooctan (2,2,4-Trimethylpentan), einem
besonders klopffesten Kohlenwasserstoff (Octanzahl 100).
Geben Sie die Strukturformel an.

Erreichbare BE-Anzahl: 2

2 Beim Verbrennen des Benzins im Motor entstehen auch Nebenprodukte


wie Kohlenstoffmonooxid, Stickstoffoxide und verschiedene Kohlen-
wasserstoffe.

2.1 Nennen Sie einen Grund für die Notwendigkeit des Einsatzes von
Katalysatoren in Kraftfahrzeugen und entwickeln Sie die Reaktions-
gleichung für die Reaktion von Kohlenstoffmonooxid mit Stickstoff-
monooxid an der Platinoberfläche des Autoabgas-Katalysators.

2.2 Erläutern Sie anhand eines Energiediagramms für diese exotherm


verlaufende Reaktion den Einfluss eines Katalysators auf die
Aktivierungsenergie.

Erreichbare BE-Anzahl: 5

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3 Stählerne Karosseriebleche werden als Korrosionsschutz häufig
mit Zink beschichtet.

3.1 Begründen Sie die Beschichtung mit Zink.

3.2 Durch Steinschlag kann eine Beschädigung der Zinkschicht erfolgen.


Erläutern Sie unter Einbeziehung der Reaktionsgleichungen für Anode
und Katode die an der Schadstelle unter dem Einfluss von Luft und
Wasser ablaufenden chemischen Prozesse.

3.3 Ein quadratisches Stahlblech mit einer Kantenlänge von 0,90 m soll
elektrolytisch beidseitig mit einer 0,2 mm dicken Zinkschicht überzogen
werden.
Berechnen Sie den Bedarf an elektrischer Arbeit, wenn mit einer
Spannung von U = 1,6 V gearbeitet wird.

Erreichbare BE-Anzahl: 7

4 Für die Innenausstattung eines Kraftfahrzeuges werden verschiedene


Kunststoffe, z.B. Polypropylen (PP), eingesetzt.
Polypropylen wird aus Propen hergestellt.

4.1 Ordnen Sie das Reaktionsprodukt einer Kunststoffgruppe zu und


begründen Sie Ihre Zuordnung.

4.2 Propen ist ein ungesättigter Kohlenwasserstoff. Beschreiben Sie


eine Möglichkeit, diese Aussage experimentell zu bestätigen.
Entwickeln Sie dazu die entsprechende chemische Gleichung.

Erreichbare BE-Anzahl: 4

5 Glykol (Ethan–1.2–diol) wird als Frostschutzmittel dem Kühlwasser


zugesetzt.
Leiten Sie ausgehend von den Strukturmerkmalen bzw. den
Eigenschaften zwei Gründe für die genannte Verwendungsmöglichkeit ab.

Erreichbare BE-Anzahl: 2

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Teil C ( 15 BE )

Wählen Sie eine der nachstehenden Aufgaben aus und bearbeiten Sie diese.

Aufgabe C 1 Ammoniaklösung

Konzentrierte Ammoniaklösung kommt als 25- bis 30-prozentige Lösung in den


Handel. Beim längeren Stehen verringert sich die Konzentration des Ammoniaks.

1 Untersuchen Sie das Reaktionsverhalten einer wässrigen Ammoniak-


lösung.

1.1 Ermitteln Sie den pH−Wert der vorgelegten Ammoniaklösung.

1.2 Leiten Sie aus Ihrem Messergebnis die Reaktionsgleichung für das
Protolysegleichgewicht des Ammoniaks ab.

2 Bestimmen Sie durch Titration mit Salzsäure den Massenanteil von


Ammoniak in einer konzentrierten Ammoniaklösung.
Von der konzentrierten Ammoniaklösung wurden 10 ml auf 1000 ml
verdünnt. Bestimmen Sie die Stoffmengenkonzentration dieser Lösung
durch Titration mit Salzsäure (c = 0,1 mol . l –1).

2.1 Entwickeln Sie die Reaktionsgleichung in Ionenschreibweise für die


der Titration zu Grunde liegende Säure-Base-Reaktion.

2.2 Als Indikator wird Methylorange verwendet (Umschlagsbereich


pH−Wert 3,0 ... 4,4). Begründen Sie die Eignung dieses Indikators.

2.3 Fordern Sie die erforderlichen Geräte beim Aufsicht führenden Lehrer
schriftlich an.
Entnehmen Sie der vorgegebenen Ammoniaklösung jeweils 10 ml
und führen Sie die Titration mindestens zwei Mal durch.
Notieren Sie die Messergebnisse.

2.4 Leiten Sie eine Größengleichung zur Auswertung dieser Titration her.

Berechnen Sie ausgehend von Ihrem ermittelten Titrationsergebnis

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die Stoffmengenkonzentrationen der verdünnten und der
konzentrierten Ammoniaklösung.

Geben Sie näherungsweise den Massenanteil an Ammoniak


in der konzentrierten Ammoniaklösung an.

Hinweis: Nutzen Sie die Tabelle im Anhang.

Aufgabe C 2 Brausetablette

Brausetabletten enthalten unter anderem Vitamin C, Citronensäure und


Natriumhydrogencarbonat.

1 Untersuchen Sie diese Inhaltsstoffe von Brausetabletten.


Führen Sie dazu die folgenden Experimente durch.
Notieren Sie jeweils Ihre Beobachtungen.

Experiment A
Lösen Sie in 5 ml Wasser eine Spatelspitze Vitamin C und ermitteln
Sie den pH−Wert der Lösung.

Experiment B
Versetzen Sie die Vitamin C-Lösung aus Experiment A mit 5 Tropfen
Kaliumpermanganatlösung.

Experiment C
Lösen Sie in 5 ml Wasser eine gehäufte Spatelspitze Citronensäure.
Weisen Sie die Bildung von Kohlenstoffdioxid bei der Reaktion von
festem Natriumhydrogencarbonat mit der hergestellten Citronensäure-
lösung nach.
Fordern Sie dafür vom Aufsicht führenden Lehrer entsprechende
Geräte und ein Nachweismittel schriftlich an.

Experiment D
Geben Sie in einen trockenen Gasentwickler die bereitgestellten 0,2 g
einer zerriebenen Brausetablette. Tropfen Sie ca. 2 ml verdünnte Salz-
säure (Xi) zu und fangen Sie das entstehende Kohlenstoffdioxid in
einem Kolbenprober auf.
Ermitteln Sie das Gasvolumen.

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2 Auswertung

2.1 Geben Sie für die Lösung bei Experiment A die


Stoffmengenkonzentrationen der Hydronium- und Hydroxid-Ionen an.

2.2 Vitamin C dient in Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmitteln auch


als Antioxidationsmittel. Begründen Sie den Sachverhalt anhand Ihrer
Beobachtungen aus Experiment B.

2.3 Entwickeln Sie für die Reaktion der Vitamin C-Lösung mit
Kaliumpermanganat die Reaktionsgleichung in Ionenschreibweise.
Gehen Sie von den Teilgleichungen aus.

→
Hinweis: C6H8O6 + 2 H2O ←
 C6H6O6 + 2 H3O+ + 2 e

Vitamin C

2.4 Entwickeln Sie für die Reaktion von festem Natriumhydrogencarbonat


in saurer Lösung und den Nachweis von Kohlenstoffdioxid bei
Experiment C jeweils die Reaktionsgleichung.

2.5 Berechnen Sie ausgehend von Ihrem Messergebnis bei Experiment D


den Massenanteil von Natriumhydrogencarbonat in der untersuchten
Brausetablette.

Hinweis: Molares Volumen von Gasen bei 20 °C: Vm = 24,0 l . mol –1.

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Anhang

Standardbildungsenthalpien ∆BH 0

Stoff ∆BH 0 in kJ . mol –1


H2O − 286
H3PO4 − 1279
P2O5 − 1492

Löslichkeitsprodukt KL

Stoff KL in mol 2 . l –2
FePO4 10 –34

Dichte von Zink: ρ(Zn) = 7,14 g . cm –3

FARADAY-Konstante: F = 26,8 Ah . mol –1

Berechnung nach den FARADAYschen Gesetzen: I.t = F.n.z

Elektrische Arbeit: W = U.I.t

Massenanteile ω(Ammoniak) / Konzentrationen c(Ammoniaklösung)


Auszug aus einem Tafelwerk:

c in c in c in c in
ω in % ω in % ω in % ω in %
mol . l –1 mol . l –1 mol . l –1 mol . l –1
20,49 11,14 23,03 12,38 25,65 13,67 28,33 14,97
21,12 11,43 23,68 12,70 26,31 13,99 29,01 15,30
21,75 11,75 24,33 13,03 26,98 14,32 29,69 15,62
22,39 12,07 24,99 13,35 27,65 14,64 30,37 15,94

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