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Horn Schinder

„Der Schinderhorn“. Ehemals Schinder, Unratsammler


und Henker von Stapelhügel.

Alter: 32
Vater: Brock Schinder, bei Mórr
Mutter: Anna Schinder, bei Mórr
Jüngere Schwester: Liev Schinder, 28, Unratsammlerin

Eine Kindheit zwischen Ratten und Kadavern

Horn wurde in der Schindhütte von Stapelhügel geboren, weit draußen im Drakwald, fern des Dorfes.
Hier verwertete seine Familie seit Generationen Tierkadaver und Dung. Die Knochen aus der wurden
dem Seifensieder in Calden, die verfaulte Fleischmasse den Salpetersiedern am Reik, und die Häute
dem lokalen Gerber zugeführt. Seine Eltern nannten ihren Erstgeborenen Horn, zu Ehren Taals, des
gehörnten Gottes, dem Herr der Tiere. Horn musste von frühester Kindheit schuften. Unrat sammeln,
Mäuse fangen, Knochen abschälen, Häute reinigen. Da er aus einer unehrenhaften Familie stammte,
hatte er selten normalen Kontakt zu den Dörflern. Trotzdem hörte er früh überall gut zu, wo spannende
Geschichten erzählt wurden. Sein einziger Freund war Ulmund, der Sohn des (ebenfalls unehrenhaften)
Müllers.

Horn wurde zu einem harten, furchtlosen Jungen, der keine Keller scheute, um Ratten zu jagen. Vor
Gefahren schützt er sich seit früher Kindheit mit selbstgeschnitzten Glücksbringern aus Holz und
Gebein: Geweihe und Streitäxte Taals, Sanduhren Mórrs, weiße Wölfe Ulrics. Und doch konnte den
Jungen nichts schützen vor dem Grauen, das ihm zwei Ereignisse brachten: seine Prophezeiung – und
der Tod seines Vaters und was damit verbunden war...

Horns Verdammnis

Die Pfaffen vom Drakfried wollen nicht, dass man „Verdammnis“ sagt, aber Horn wusste schon von
seinem Vater, dass die „Weissagung“ der hohen Herren in Schwarz genau das war: die Verdammnis,
wie man später sterben würde. Also nannte er es so, auch gegenüber den Pfaffen. In der Schinder- und
Rattenfängerfamilie nahm man noch nie ein Blatt vor den Mund, Flüche kommen Horn leicht von den
Lippen. Dennoch... als er den Singsang des alten Mórrianers hörte und den Rauch der schwarzen
Kerzen sah, wurde ihm schummerig... er griff nach seinen Talismanen, als er die Worte des Schwarzen
Mannes hörte: „Es wird von hinten kommen.“ Diese Worte würde er nie vergessen. In
keinem Rattenkeller, und in keiner Gasse. Es würde von hinten kommen. Aber was? Und: Wann?

Die Herren des Waldes und des Todes

Horns Familie ist inbrünstig religiös, in der Weise des einfachen Volkes. Obwohl er im Mórr-fürchtigen
Stapelhügel aufwächst, ist der wichtigste Beschützer der Schinder Taal – „der Herr des Waldes“. Und
damit auch seine Frau Rhya, „Mutter Erde“. Horn weiß, dass Taal stärker ist als sein Verbündeter,
Sigmar, tödlicher als Mórr und älter als sein Bruder Ulric. Sofern ihn jemand darauf hinweist, achtet er
seine heiligen Tage: die Frühjahrs- und Herbst-Tag-und-Nachtgleiche sowie Voll- und Neumond.
Monatlich zu Neumond opfert er zu Taal. Er achtet „Taals Geschenke“, vor allem die Tiere, für die er
Dankesgebete spricht, wenn er sie fängt oder schindet. Er ist, wie alle Anhänger Taals, misstrauisch
gegen jede Technologie, vor allem Pulverwaffen.
Mórr ist Horns zweiter wichtiger Begleiter. Tod und Dunkelheit sind schließlich immer seine Begleiter,
deshalb fürchtet und respektiert er den Gott – und seine Priester. Erst spät erfährt Horn, warum Brock
Schinder, sein Vater, so ein besonderes Verhältnis zu Mórr hatte....

Ganz unten – im Folterkeller

Horns Vater, Brock Schinder, war für viele der „unehrenhaften“ Arbeiten in Stapelhügel verantwortlich,
die mit Schmutz, Strafe und Tod zu tun hatten. Neben dem Schinden, periodischen Rattenfangen und
ständigem Unratsammeln hatte der Stapelhügeler Schinder schon immer auch das Henkershandwerk zu
vollrichten. Todesurteile kamen selten genug vor, peinliche Befragungen hingegen öfter. Zumeist traf es
Vaganten, fahrendes Volk und Diebesgesindel. Auf der Moorburg gab es ein Verlies, um dort jemand
zu verhören. Es gab dort Werkzeuge für die „peinliche Befragung“, und als Horn 12 Jahre alt war,
nahm ihn sein Vater erstmals mit in den Folterkeller. Ein fahrender Kesselflicker sollte gestehen,
gewildert und gestohlen zu haben. Horn lernte die Instrumente kennen, und sah, dass auch der alte
Bader Bornemann dort war. Auch in Zukunft würde der Bader immer wieder bei den Befragungen
dabei sein – erst der alte, später der junge Borne. Meist ging es dabei darum, eine Ohnmacht des
Gefangenen zu verhindern oder seine Knochen wieder zu richten. Manchmal linderte der Bader aber
auch die Schmerzen der Gepeinigten, wenn es angemessen schien. Am Abend nach seiner ersten
Befragung hatte der Vagabund jedenfalls alles zugegeben – und Horn trank mit seinem Vater seinen
ersten Schnaps. Nun wusste er, warum der Vater sich nach Aufträgen auf der Moorburg meist die Sinne
weggesoffen hatte...

Geschichten am Herdfeuer

In den Geschichten, die Horn manchmal an den Feuern


und im Wirtshaus hörte, gab es viele Helden. Er wusste,
er würde nie so einer sein. Wenn ihm doch nur einmal
etwas gelingen würde, was die Menschen achteten...
Oder ob es gar gelingen könnte, als Held ein ehrbarer
Mann zu werden?Vor allem die Kräuterkundige
Griselda hatte immer so glänzende Heldengeschichten
zu erzählen... Ach wass, Kinderkacke, mit so einem
Gesicht und so einer Herkunft... vergiss es! Horn
tauchte lieber immer tiefer in Schreckgeschichten ein...
Sagen vom Rattenkönig, von Blutsaugern und den
Geistern auf den Spiegelmooren...

Auch seine Einsätze in der Miliz zeigten Horn, dass es


für Leute wie ihn kein Glanz und Gloria gab. Pferde
versorgen, sich vorausschleichen, die Drecksarbeit
machen. So sahen die kleinen Kriege und Scharmützel
für ihn aus. Aber ja, er kam klar. Einen Speer kann er
führen. Kräftig ist er geworden, geschickt und hart im
Nehmen. Aber sollte das wirklich alles sein? Es sah so
aus.

Horn, der Henker?

Horns Eltern, Brock und Anna Schinder, bekamen vor


zwei Jahren Husten, Schüttelfrost und Atemnot. Der
Milzbrand ist die Plage, die einer der unausprechlichen
dunklen Götter den Schindern und Gerbern sendet. Er raffte die beiden innerhalb einer Woche dahin.
Damit wurde Horn im Alter von bereits 30 Jahren der offizielle Schinder, Rattenfänger – und Henker –
von Stapelhügel. All das war ertäglich für den inzwischen kräftig und rau gewordenen Kerl.

Dann aber kam der Tag, an dem Wolf Kohlmeyer gerichtet wurde. Wolf war einer der Köhler draußen
im Drakwald. Er war in Horns Alter, und weil beide zu den „unehrenhaften“ Schmutzfinken der
Gegend gehörten, waren sie sich näher gekommen. Keine Freundschaft, aber man achtete sich, half sich
aus. Wolf Kohlmeyers Frau war tot am Steinbruch gefunden worden. Schnell
hieß es, dass es Wolf gewesen sein musste. Er war als jähzornig bekannt, und
was vorher nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt wurde, machte nun offen
die Runde: Martha war schwanger, aber nicht von Wolf, sondern vom
Flussschiffer Emmerich Pollmächer! Landvogt Alrich hatte bald blutige
Beweise für die Tat in der Köhlerhütte gefunden, sodass sein Urteil
unausweichlich war: Tod durch den Strang – zu vollstrecken am nächsten
Morgen vom Henker. Und der war nun Horn selbst. Er würde zum ersten Mal
ganz bewusst einen Menschen töten müssen, noch dazu einen, den er gut
kannte. Das war zu viel für den sonst ziemlich hartgesottenen Rattenfänger...

Bei Nacht und Nebel

In dieser Nacht betete der Schinderhorn so viel zu Taal und Rhya, zu Mórr und sogar zu Ulric wie noch
nie zuvor. Bis er nach Mitternacht, betrunken und schlaflos, ohne ein Wort zu seiner Schwester Liev die
Schinderhütte verließ, um nie mehr wiederzukehren. Er würde seinen Weg in der Welt finden.
Überleben könnte er mit seinen Fertigkeiten: Ratten fangen, Tiere häuten, harte Drecksarbeit. Und
dann würde er vielleicht in die Armee gehen, vielleicht aufsteigen können, zu etwas Ansehen kommen.
Ein neues Leben. Sollte die Drecksarbeit doch der junge Borne machen, der den alten, kranken Bader
bei der letzten Folter schon ersetzt hatte...

Auf großer Fahrt

Auf Waldwegen konnte Horn das nahe Calden umgehen und sich nach Leydenhoven durchschlagen.
Doch schon hier verließ ihn langsam der Mut, das Reich zu verlassen und im großen Marienburg sein
Glück zu versuchen. Er hatte gegen das feudale Gesetz verstoßen und ohne Erlaubnis seinen Leibherrn
verlassen. Und wie konnte er nur seine Schwester einfach so zurücklassen? Das Gewissen nagte an
Horn... denn so war er: Ziemlich harte Schale – mit einem einigermaßen weichen Kern.

Statt nach Marienburg zu ziehen, mied er lieber die großen Straßen und schlug sich auf dem Grenzweg
entlang des Waldsaums bis nach Gorssel durch, unterhalb der Wooduin Zollstation. Hier verdingte er
sich eine gute Weile als Rattenfänger, bis er weiterzog, immer nach Norden, und in den Dörfern Dung
sammelte, den Gerbern oder Schindern half und natürlich Ratten jagte. Ab und zu gab es auch in den
lokalen Milizen etwas zu tun, wenn es ums Kämpfen ging, reichte es meist aber nur dafür, kurzzeitig als
fremder Schläger eingekauft zu werden für ein paar Heller.

Auf der Straße hörte er immer wieder von dem neugegründeten, reichen Hafen Neues Emskrank.
Offenbar ein Ort der Freiheit, wo kein Graf oder Baron regierte, sondern ein Rat aus Händlern. Doch
auf dem Weg dorthin musste Horn immer wieder anhalten und Geld verdienen. Bis er in Untergard in
den Grenzkrieg mit den Goblins und den Gockeln von Aarnau geriet. Unter Oberst Schiller durfte
Horn Schinder erstmals in der Armee dienen. Nun ja, fast. Als Milizionär kämpfte er Seite an Seite mit
Soldaten. Er fühlte sich geehrt. Bis die Kämpfe vorbei waren und es keinen Sold gab. Augenblicklich
packte der Schinder seinen alten Rattenspeer und wanderte mit ein paar Flüchtlingen den Schaukel-
Fluss entlang Richtung Neues Emskrank, der Stadt aller Verheißungen...