Sie sind auf Seite 1von 36

Achim Felz

Denkmale - von uns bewahrt

Mit 86 Fotos Mit Zeichnungen von Karl-Heinz Döring 272 Seiten • Pappband • 11,20 M

Aus Liebe zum Denkmal Auf Zukunft programmiert Zwischen Altar und Antenne Im Dschungel der Gefahren Aus der Werkstatt der Denkmalpfleger

Der Autor macht mit der Sprache der Denkmale vertraut, die „Geschichte zum Anfassen" sind, und hilft, sie richtig zu sehen, wobei er oft Anekdotisches einflicht. Er vermittelt die historische Aussage und die künstlerische Wirkung der Denkmale und informiert über die komplizierten Aufgaben bei ihrer Erhaltung, Konservierung, der Instandsetzung und Restaurierung.

Verlag Neues Leben Berlin

t

Otto Werner Förster

Die kleinen grünen Männer

Eine phantastische Geschichte

t Otto Werner Förster Die kleinen grünen Männer Eine phantastische Geschichte Verlag Neues Leben Berlin

Verlag Neues Leben Berlin

Mit Illustrationen von Günther Lück

ISBN 3-355-00762-5

© Verlag Neues Leben, Berlin 1988 Lizenz Nr. 303 (305/118/88)

LSV7S03

Umschlag: Günther Lück Typografie: Walter Leipold Schrift: 9p Timeless

Gesamtherstellung: (140) Druckerei Neues Deutschland, Berlin Bestell-Nr. 644 518 7

Grün, sagst du, waren sie? Grün. Und klein? Ziemlich klein.

»

Und wahrscheinlich hatten sie Tentakel am Kopf und einen Trompeten-

? Sam grinste, stützte seinen wirren schwarzen Vollbart, den Ober-

körper halb über den Tisch geworfen, in die rechte Hand und sah mich väter- lich an. Ja, hatten sie, aber sie können nicht so unverschämt das Maul aufreißen, wenn sie sich über andere Leute lustig machen! Ich schlug mit der Faust auf den Tisch, daß Sams elektronisches Bastelzeug einen Moment lang über dem Tisch schwebte, warf beim Aufstehen den Hocker um und knallte kurz darauf die Tür hinter mir zu. Die Holztreppe nahm ich in zwei Sprüngen, wobei ich fast über Sams häß- liche bunte Katze gestürzt wäre, warf mich in den Lieferwagen, startete und fuhr los. Wohin ich eigentlich wollte, war mir nicht klar. Erst einmal fort. Meinen Ärger abreagieren. Zu Mary in die Bar bestimmt nicht. Sie hätte wie- der dies und jenes an mir gefunden, die Sicherheitsnadel zum Beispiel, die ein Stückchen Naht meiner bequemen alten Jacke völlig unsichtbar und praktisch zusammenhielt, und sie hätte mich nicht eher wieder in die Welt entlassen, bis das in Ordnung gebracht worden war.

Ich fuhr also raus aus unsefm Nest, mich links haltend, und hätte beinahe einen Funkmeßwagen gerammt, der sich mit langsam drehender Antenne durch den Ort schob. Was machte der hier? Von uns konnten die nichts wol- len, unsere Lizenzen waren in Ordnung. Irgendein schwarzfunkender Ama- teur sicher, dem man auf der Spur war. Schnittig bog ich ab auf die Landstraße in Richtung Küste und drehte auf. Hinter mir eyie imposante Staubwolke, die Baumwollfelder zu beiden Seiten wurden zu grünlichen Bändern. Mit steigender Geschwindigkeit verflog mein Ärger. Vorn tauchte die Abzweigung zum Camp auf. Das alte Institutsschild mit dem Pfeil stand immer noch. In einiger Entfernung dahinter hellorange- farbene Flecken am Straßenrand, verwischt von der flimmernden Luft über der Straßendecke. Hallo, sagte ich mir, dort wird doch nicht Da war ich schon ran. Ich hörte nur die Bremsen kreischen, wurde an die Tür gedrückt, hielt aber krampfhaft das Lenkrad fest. Das Auto scherte nach rechts aus auf eine Wagenspur im Feld, umfuhr mit gut sechzig Meilen, die hatte ich mindestens noch drauf, die leuchtenden Flecken, die inzwischen zu Baumaschinen geworden waren, die Aufbauten des Transporters ächzten und rasselten fürchterlich, ein Wunder, daß der Wagen überhaupt zusam- menhielt, bis ich, schließlich wieder auf die Landstraße und zum Stehen kam. Ich rieb mir die schmerzenden Druckstellen am linken Arm, stieg aus und stand ziemlich ratlos in der Gegend. Blödsinnigerweise sah ich zuerst auf meine. Armbanduhr, aber das war nicht mal eine, das war überhaupt keine Uhr. Zumal das Ding weder Zeiger hatte noch irgendwas anzeigte. Ich hatte es einfach aus Gewohnheit am Handgelenk gelassen. Meine Uhr lag oben im Camp. Ich stieg wieder in un- seren geschundenen Lieferwagen und fuhr langsam rückwärts.

rüssel

Tatsächlich, Baumaschinen. Nichts aber von einer Baustelle zu sehen. Nirgends ein Mensch. Über die ganze Breite der Straße zog sich eine schwarzglänzende Öllache. Am Rand lag eine Tonne, die in rhythmischem Abstand aus der unverspundeten Öffnung noch immer Öl verschwappte. Sie mußte sich von einer der Baumaschinen gelöst haben. Gerade in dem Au- genblick übrigens, als ich auf die Stelle zuraste. Seltsam. Und Schwein hatte ich gehabt. Vor allem Geistesgegenwart. Ich bewunderte ein bißchen meine schnelle Reaktion. Die hätte ich mir gar nicht zugetraut. Auch das würde mir Sam nicht glauben, der große schweigsame Kumpel, das sarkastische Ekel. Auch das würde über seinen trägen Horizont gehen. Okay, lassen wir das. In stiller Größe stieg ich wieder in den Wagen und fuhr weiter, etwas lang- samer, versteht sich! Nach zwanzig Minuten kam die Bucht in Sicht, die ein- zige Stelle weit und breit, wo die Steilküste sich absenkte und in eine Art Strand auslief. Hier lag unser Boot neben anderen aus unserem Nest und schaukelte leicht vor sich hin. Mit dem verkorksten Tag war sowieso nichts mehr anzufangen, also nichts wie raus zum Angeln! Ein wildes Durcheinander erwartete mich, als ich die hintere Tür des Transporters öffnete; die Angeln waren zum Glück heil geblieben. Das Zeug ins Boot und raus in die Bucht! Wenn ich so nahe am Wasser bin, hält mich nichts mehr. Ich sah förmlich schon die Muränen nach meinem Köder lech- zen. Draußen, an der Grenze zwischen Bucht und offenem Meer, ankerte ich und warf die Angern aus. Die Welt war wieder in Ordnung.

Das war sie heute vormittag auch schon mal gewesen. Der alte Parker hatte mich angerufen und aufgeregt erklärt, seine Kli- maanlage sei wieder defekt. Zumindest hatte ich das seinen umständlichen Erläuterungen entnommen, nachdem ich ihm nahegelegt hatte, er solle auf- hören, dauernd seinen Priemsaft am Telefonhörer vorbeizuspucken, sonst würde ich auflegen. Ich bin also mit dem Wagen rauf zum Camp. Eine ganze Weile schon war ich nicht mehr hier oben gewesen. Hier wurde gebaut, seitdem die Army ihre Hand im Spiele hatte, Gebäude, Lager, ein mindestens zehn Fuß hoher Zaun rund um das Gelände. Was da drinnen vor sich ging, konnte man sich im Ort auch nicht aus den Gerüchten zusammenreimen, denn die angebli- che Züchtung fleischfressender Wasserpflanzenmonster schien mir doch übertrieben. Merkwürdig auf jeden Fall, daß sich die Army auf einmal für unser Institut interessiert hatte. Für das abgelegene und durch Meer und Steilküste natürlich gesicherte Gelände, muß man wohl besser sagen, das er- klärt vielleicht manches. Im Augenblick hatte ich auch andere Sorgen, zum Beispiel Parkers Kli- maanlage. Er kam mir schon entgegen aus seiner Pförtnerbude, als ich das Auto abstellte, und begleitete mich, spuckend und pausenlos redend, hinein. Den Fehler sah ich auf den ersten Blick: In der Frischluftzufuhr steckte eine weiße Ratte. Eine weiße. Wie kommt eine weiße Ratte in ein militärisches Camp, könnte man sich fragen: Aber ich zerbrach mir nicht weiter den Kopf darüber, sondern mußte nach draußen, um von dort das Vieh herauszuan-

geln. Dazu brauchte ich einen längeren starken Draht, den hatte ich nicht bei mir. Erwähnen muß ich noch ein kleines Malheur. In Parkers Bude hatte ich mich unvorsichtig gebückt - und mit einem lauten trockenen Geräusch war die hintere Näht meiner Kombination bis unten hin gerissen. Peinlich. Auch daran war Sam schuld, denn der hatte letztens den Arbeitsanzug mit zur Kochwäsche gepackt und abgegeben, und als ich die Kombination heute morgen wieder anzog, kam ich nur mit Müh und Not hinein, die Ärmel reichten bis kurz über die Ellenbogen, und vorn konnte ich nicht alle Knöpfe schließen aufgrund meiner durchaus breiten Schultern. Parker bekam fast einen Asthmaanfall vor Lachen, und er spuckte mit er- höhter Frequenz, aber wenigstens gab er mir einen makellos gebügelten wei- ßen Kittel aus seinem Schrank, damit ich meine Blöße bedecken konnte. So bin ich also raus und wollte den Draht suchen. Hinter der zweiten alten Baracke, das war mir bekannt, lag von jeher ein Haufen Blech, Maschinen- teile, zerbrochenes Laborgerümpel - und eben auch Draht. Ich hatte kaum die erste Baracke erreicht, da schwenkte lautlos das riesige neue Tor auf, und ich sah einen LKW mit kofferartigem Aufbau hereinfahren. Neben dem Fah- rer saßen zwei Leute von der Army, vor und nach dem LKW Kradfahrer, und es schien mir, als hätte ich hinter dem einzigen Fenster am LKW-Aufbau verschwommene Gesichter gesehen. Das konnten aber auch Lichtreflexe ge- wesen sein. Weiter kam ich mit meinen Beobachtungen nicht, denn ein bulliger Sol- dat drückte mich seitlich mit dem Lauf seines automatischen Gewehrs gegen die Barackentür. Mann, Doc, machen Sie sich rein! fauchte er mich an, und da war ich schon drin. Er mußte mich mit irgendeinem Doc aus dem Camp verwechselt haben.

Dumm sehe ich ja nicht aus, und dazu der weiße Kittel

Ich stand völlig

im Dunkeln - hinter mir war die Tür geräuschlos ins Schloß gefallen - und suchte nach einem Lichtschalter. Der war weder links von der Tür, wo er hätte sein müssen, noch rechts, also tastete ich mich weiter. Die Jungs, die hier arbeiteten, waren wahrscheinlich zum Mittagessen, das fiel mir ein, als ich meinen Magen knurren hörte. Der Raum, in dem ich mich befand, hatte eine quadratische Grundfläche von vielleicht zwei mal zwei Metern, ein Vorraum sicher, was sich bestätigte, als ich eine weitere Tür entdeckte. Behutsam öffnete ich die, und die Aku- stik sagte mir, daß hier ein größerer, der eigentliche Arbeitsraum sei, und der müßte mit Sicherheit einen Notausgang haben. Auch hier war kein Schalter zu finden, die Streichhölzer lagen im Auto. Mit tiefer Befriedigung fingerte ich meine Uhr vom Handgelenk, um ein bißchen Licht zu bekommen. Ich mag Uhren mit Zeigern, bei den digitalen muß ich mir immer erst die Zah- len in Zeigerstellung umdenken, und das ist mir zu mühsam. Um aber Sams Ausfällen im Zusammenhang mit meinem Zeigertick - ich könne nicht ewig antiquiert und technikfeindlich, also vertrottelt, durch die moderne Welt lau- fen - entgegenzutreten und seinen Argumenten das Wasser abzugraben, hatte ich mir wenigstens Licht und einen winzigen Schalter in die altmodi- sche Uhr bauen lassen. Das war im Dunkeln schon nützlich.

Die Uhr in der rechten, die linke Hand am Lichtknopf, ging ich weiter. Und da War ic h auc h scho n übe r irgendwelche Kabe l gestolpert , lag au f de m Bauch und die Uhr irgendwo im Dunkeln. Beim vorsichtigen Herumtasten bekam ich glücklicherweise das Armband zu fassen und streifte es über. An einem Stück Metall, anscheinend ein Tischbein, zog ich mich hoch. Die enge Kombination hinderte enorm, so daß ich fast wieder abgerutscht wäre, hätte ich nicht noch einen Vorsprung auf der Tischplatte zu fassen gekriegt. Im selben Moment flammte vor mir grelles Licht auf. Schnitt haarscharf einen gewaltigen Quader aus der Dunkelheit, wie von sehr starken Schein- werfern. Aber die können einen solchen Effekt eigentlich nicht hervorrufen. Und was ich dann sah, verschlug mir den Atem, und ich duckte instinktiv den Oberkörper hinter die Apparate auf dem Tisch. Da vorn liefen Figuren durcheinander, hantierten, gestikulierten: Klein, grün, mit Tentakeln am Kopf und mit Trompetenrüssel, Telleraugen, je zwei Froschärmchen und seitlich eingeknickten Schlauchbeinchen. Sie sind also da! ging es mir durch den Kopf. Deshalb die Army! Von draußen hörte ich gedämpfte Stimmen. Die Jungs kamen zurück. Ich ließ mich auf den Boden fallen, vor Angst schwitzend, und robbte zurück in den Vorraum, kauerte mich in die Ecke hinter die Außentür. Die ging auch gleich auf, und ich sah, wie zwei Weißkittel den Vorraum durchquerten und in der Baracke verschwanden, in der es nun taghell war. Das mußte mit dem Öffnungsmechanismus der Tür zusammenhängen. Bevor die wieder ins Schloß gleiten konnte, hatte ich zwischen sie und die Schwelle einen Papier- streifen geschoben - die Innentür hatten die beiden gleich hinter sich zuge- zogen - und huschte schnellstens nach draußen. Der Bullige stand noch immer auf der Campstraße, und er tippte lässig an die Mütze, als ich, scheinbar nachdenklich, gesenkten Hauptes, die Arme auf dem Rücken und mit zittrigen Knien, an ihm vorbeischritt. Parker lief gerade armeschwingend und spuckend vor seine Bude. Zwi- schen Daumen und Zeigefinger der Linken den rosa Schwanz der toten Ratte. He, David, wo bleibst du? krächzte er, aber ich war jetzt ziemlich in Eile, schob ihn beiseite und sah zu, daß ich zum Wagen kam. Mein Kittel! hörte ich ihn noch rufen, da war ich schon auf dem Rückweg.

Nun hockte ich im Boot in der Bucht und ordnete meine Gedanken oder besser: ließ sie einfach kommen und gehen, da ergibt sich manche Einsicht von selbst. Aber nichts ergab sich. Wieso weiß keiner, daß die Grünen gelan- det sind? Die Presse hätte das mit Sicherheit aufgegriffen. Vielleicht hatte ich die Zeitungen zu flüchtig gelesen? Hinweise auf irgendwelche unidentifi- zierten Objekte, die Reporter ließen sich doch sonst kein UFO-Märchen ent- gehen! Da müßte ich einfach noch mal nachgrasen. Vor allem, um Sams Überheblichkeit einen Dämpfer zu versetzen. Nur so einen kleinen. Dann würde ich großzügig seine Engstirnigkeit in dieser Sache vergessen. Denn manchmal hatte dieser Sturkopf ganz gute Ideen. Und die brauchte ich, um an meine Uhr ranzukommen, die immer noch irgendwo auf dem Fußboden in dieser Baracke lag. Was ich jetzt am Arm hatte, war ein elastischer Metall- streifen mit einer flachen Verdickung. Das klingt dämlich, ich weiß, aber an-

ders ist das Ding nicht zu beschreiben. Im Dunkeln konnte man's schon für eine Uhr halten. Bei Lichte besehen, hatte es wenig davon: kein Glas, keine Zeiger, keine Zahlen - nichts. Aber es vertrieb das Gefühl der Leere am lin- ken Handgelenk, also behielt ich's erst mal dran. An meinen Angeln hatte sich bis jetzt nichts getan, nur schien es mir, als husche ab und zu ein Schatten in der Tiefe unter dem Boot dahin. Schwertfi- sche vielleicht - oder große Wrackbarsche,-die verirren sich manchmal hier- her. Der Wellengang konnte aber auch etwas vortäuschen. Noch kein Biß, gut, die Landschaft war Entschädigung genug für nichtgefangene Fische. Zu beiden Seiten der Bucht ragte die Steilküste vierzig, fünfzig Meter empor, unten wütete die Brandung zwischen den Felsen, zuweilen bis an die dunkel abgehobenen tiefen Auswaschungen hochschlagend. Hier gab es auch Grot- ten, deren Zugänge unter dem Meeresspiegel lagen und die sich ein paar hundert Meter weit ins Land hineinzogen. Bis auf die Höhe des Camps, fiel

mir ein, denn als Jungen waren wir häufig dort eingestiegen. Damals war dort weder Camp noch Institut, sondern Parkers abenteuerlich vergammeltes An- wesen. Wir waren dort eingestiegen, wo Parker seine Vorräte aufbewahrte, und wenn er uns auf seinem Gelände entdeckte, lief er uns hinterher, fürch- terlich mit dem Stock drohend. Da waren wir aber schon in der geheimnis- vollen und weitläufigen unterirdischen Welt verschwunden und stiegen aus einem ganz anderen Loch wieder aus. Später hatte man Parker das Anwesen für einen königlichen Preis, wie man munkelte, abgekauft. Da war es vorbei mit dem Abenteuer. War es auch so, denn ich hatte den Freiplatz auf dem

Vom barfüßigen Farmerburschen zum hochbezahlten

Wissenschaftler! American way of life

Technik-Service dieser fiesen Apartment-Firma. Der Zuschuß von zu Hause wurde immer geringer. Paar Monate später war der Traum vom Akademiker ausgeträumt. Vater und Mutter waren plötzlich gestorben. Nach dem Bank- rott ihrer armseligen Landwirtschaft

Und heute war Parker wahrscheinlich der reichste Pförtner an der Ostkü- ste, den Job hatte er sich vertraglich ausbedungen. Während ich mich so in Erinnerungen zu verlieren begann, hatte sich dem Boot ein kugelrundes, mit metallischen Auswüchsen besetztes Etwas genä- hert. Das hatte ich bisher nur im Unterbewußtsein registriert. Nun schien es mir doch seltsam, zumal es sich gegen die Wellen bewegte, als werde es ange- trieben oder gezogen. Vor Jahren war ein Fischerboot dreißig Meilen südlich auf eine Treibmine gelaufen, die sich hierher verirrt hatte - von Mittelame- rika vielleicht. Daran dachte ich noch, dann versuchte ich hastig, die Anker hochzuhieven, um mich davonzumachen. Der vordere Anker saß allerdings fest. Jacke aus, Schuhe aus, so schnell war ich noch, nie aus den Klamotten, doch als ich' eben im Begriff war, nach hinten ins Wasser zu springen, zog es die große Angel ins Wasser. Gleich darauf bewegte sich die Kugel am Boot vorbei in Richtung offenes Meer, blieb noch ein Dutzend Meter an der Ober- fläche, bis sie schließlich in der Tiefe verschwand. Widernatürlich Die Angel mit Sams neuer Hochseerolle, war weg! Als Köder hatte ich eine mittlere Seebrasse dran und war eigentlich auf Muränen aus. Das hier mußte ein größerer Fisch, vielleicht ein Wrackbarsch, gewesen sein. Ein solches

Tierchen im Tausch mit der Angel! Das hätte Sam schon ausgesöhnt

Aber

Tags College, nachts Gehilfe beim

College bekommen

dann hätte ich ja auch die Angel noch! Verstimmt blickte ich auf die See, dorthin,

dann hätte ich ja auch die Angel noch! Verstimmt blickte ich auf die See, dorthin, wo etwa Fisch, Angel und Ku- gel verschwunden waren. Plötzlich schoß weit draußen eine Fontäne aus dem Wasser. Das Boot vibrierte, schon schob sich eine hohe Welle in Rich- tung Bucht. Ich machte mich noch mal über die Ankerseile her, jetzt ging es leichter, warf den Motor an und fuhr mit Vollgas zum Strand. Die Schnur der zweiten Rute hatte ich gekappt! Man macht so seine Erfahrungen

Zugegeben, ein bißchen entnervt hatte mich der Tag schon. Den Wagen

stellte ich hinter dem Schuppen ab, so daß er Sam nicht gleich auffiel. Im-

merhin bot er einen etwas ramponierten Anblick

stück schlich ich mich auf kürzestem Wege zur Bar. Mary, so hoffte ich, be- diente nicht mehr, war schon zu Hause. Die paar Leute, die drin saßen, hoben kaum die Köpfe, als ich ein- schwenkte: ein paar Berufstrinker, einige verfrüht eingeflogene Saisonarbei- ter aus .dem Norden, die sich ihren Job sichern wollten vor den Massen, die bald anrücken würden zur Baumwollpflückzeit. Das Hauptgeschäft in der Bar ging gewöhnlich erst in einer guten Stunde los, wenn die Dämmerung kam. Ich hob mich auf den Ecksitz der Theke. Jim hatte schon auf mein Handzeichen von der Tür her einen doppelten Gin rübergeschoben. Kurz darauf servierte er mir ein Steak. Nach Fisch war mir nicht. Und wieder war die Welt im Lot. Ein bißchen Aufregung, ein bißchen

Über das Nachbargrund-

Ruhe, das hält den Kreislauf in Gang. Das verstehe ich unter pulsierendem Leben. Nur, wenn ich an Sams Angelrolle dachte, hatte ich unangenehme Vorahnungen. Genau hier in der Bar hatte ich Sam übrigens kennengelernt. Samuel Wackenroder, seltsamer Name. Vor vier Jahren war er im Ort aufgetaucht. Vom Schiff der Küstenlinie gefallen bei Sturm. Kann ja passieren. Ohne Ge- päck. Mit taufrischen Papieren zwei Tage später. Da war nicht zu rütteln dran. Hier gefalle es ihm, das Klima, die Leute, hier wolle er bleiben, er habe sowieso nichts Bestimmtes vor. Genau zu der Zeit war er aufgetaucht, fiel mir jetzt ein, als die oben das Institut zu vergrößern begannen. Aber mit de- nen hatte er nie zu tun. Immer schickte er mich los, wenn oben etwas anlag, wollte danach aber genau über den Auftrag informiert werden, wo, wie, Um- stände, Details. Für die Abrechnung und die Kundenkartei. Sam war da ein pingeliger Krümelkacker. Sam hatte jedenfalls auf diesem Hocker gesessen, hier in der Bar, und sich nicht abweisen lassen. Ich war laut geworden, hatte ihn übel beschimpft. Ich kann mioh da steigern. Sam reagierte nicht, grinste nur freundlich. Bis mir die Luft ausging. Ich brauch einen Partner zum Streiten. Setz dich, Sonny, brummte er wohlwollend und schob mir ein Glas vor den Hocker daneben, neben den Holzbalken, der die Thekenecke markierte und oben die Decke stützte. Wir saßen also über Eck, und es wurde ein ziemlich lustiger Abend. Bald hatte er mich überzeugt, daß mein Ein-Mann-Klempnerbetrieb ausgebaut werden müsse, er sei der geeignete Partner. Denn einer wie ich brauche noch einen Praktiker an seiner Seite in einem solchen Geschäft. Was maßte sich dieser hergelaufene, vom Schiff gefallene, haarige Dick- schädel eigentlich an? Aber nach dem sechsten Gin hieß unser Unterneh- men: „David Soulfield und Söhne. Service aller Art." Warum meine Söhne, von deren Existenz ich bisher keine Ahnung gehabt hatte, ins Spiel und so- mit in den Firmennamen kamen, erklärte mir Sam damit, daß es so wie ein Familienunternehmen klinge, und mit Familie assoziiere der Kunde Solidi- tät, Anständigkeit und akzeptable Preise. Sam war nicht nur mit Meer-, sondern auch mit allen möglichen anderen Wassern gewaschen. Und Service aller Art wurde es tatsächlich. Sam über- nahm elektrische und elektronische Reparaturen und sonstige diffizile Ba- steleien, das traute man ihm nicht zu, bei diesen groben Händen. Er hätte es mal irgendwo gelernt, sagte er, aber wo, da schwieg er sich aus. Wie auch über die sonstigen erstaunlichen Kenntnisse, die er besaß. Das bekam ich nach und nach mit, wenn ich beispielsweise über die Army schimpfte, die sich oben an der Steilküste breitmachte, über das Geld, was da rausgeschmis- sen wurde, und er hin und wieder einen treffenden Kommentar gab. Mir fiel in unserm Betrieb die Grobarbeit zu, das heißt, ich fuhr durch die Gegend, reparierte und installierte. Einmal haben wir ein zwischen den Klippen gestrandetes U-Boot der Navy flottgemacht, das war eine unserer größten Leistungen. Und dann die Sache mit der Halskette der ältlichen Touristin. Der war beim Besuch eines Wan- derzirkus hier in der Nähe der einzige und dazu senile Elefant zu nahe ge-

kommen. Und der vernaschte mit Begeisterung glitzernde Gegenstände. Nach einem Fäßchen Rizinus und anschließend einer

kommen. Und der vernaschte mit Begeisterung glitzernde Gegenstände.

Nach einem Fäßchen Rizinus und anschließend einer Woche gemeinsamen

Aufenthalts von Sam und mir im Waschtrog war alles vergessen

sind andere Geschichten. Als ich so daran zurückdachte, lachte ich wahrscheinlich ein bißchen vor mich hin, so daß mir Jim ein Glas Soda rüberrückte. In meinen Gedanken gestört, blickte ich auf - und Sam ins freundlich grinsende Gesicht. Er saß sicher eine ganze Weile schon über Eck neben dem Balken und erheiterte sich. An meinem Anblick. Hallo, Sam! sagte ich unsicher, ich hab dir was zu beichten. Ich war heute angeln, weißt du Weiter kam ich nicht, denn etwas pfiff von hinten an meiner rechten Schulter vorbei und schlug eine Handbreit vor meinem Glas ins Holz der Theke. Ich hatte noch nicht einmal den Kopf richtig gedreht, da war Sam schon draußen. Die Leute standen auf und gafften, keiner wußte, was eigent- lich passiert war. Vor der Tür zwei, drei dumpfe Geräusche, und Sam er- schien wieder. In der rechten Schaufelhand einen Jackenkragen, und in der Jacke hing ein glattrasierter, schmieriger und kurzgeschorener Typ. Sam schleifte das Bündel bis zur Theke und knallte es dort auf den Boden. Holt den Sheriff! war das einzige, was er sagte, und dann setzte er sich wie- der auf seinen Platz. Dicht neben mir steckte eine Art Injektionsgeschoß im Tresen, wie es die

Aber das

Xierfänger in Filmen manchmal benutzen. Mit zittrigen Händen wollte ich das Ding schon aus dem Holz ziehen, aber Sam fiel mir in den Arm, das heißt, er griff das erste Mal daneben. Laß das, wir warten auf Madam! Madam war der Sheriff. Und der hieß schon seit unserer Schulzeit so, weil er beim Sprechen so piepste und außerdem ein ängstlicher Scheißer war. Hätte mich treffen können! bemerkte ich beiläufig, und es sollte gleichgül- tig klingen. Sam schien jetzt nicht weiter darüber reden zu wollen. Aber in ihm wühlte es, das sah ich ihm an. Du, Sam, begann ich wieder, ich war heute angeln, und deine neue Rolle Erzähl mir deine Geschichte von heute vormittag noch mal! Vielleicht hab ich doch nur gesponnen, lassen wir das. Ich lenkte ein. Noch mal, und alles! Sam, ich warne dich, da ist noch mehr dazugekommen. Okay, um so besser. Los, fang an! Ich erzählte ihm flüsternd alles noch mal, auch, was ich am Nachmittag erlebt hatte. Rücksichtslos. Das hatte er davon. Und Sam hörte zu, unterbrach mich nicht, grinste nicht. So ist das also, war sein Kommentar. Meine Uhr hole ich mir wieder, sagte ich mehr zu mir selbst als zu Sam, nachdem ich geendet hatte. Deine Uhr kriegst du wieder, verlaß dich drauf! Reich mir mal das Ding rüber, das du am Arm hast, ich nehm's mal mit. Nichts nimmst du mit, du kannst dir's mal angucken! Und ich hielt ihm mein Handgelenk mit dem Metallband vor die Nase. Sam wollte sich schon mit seiner Optikerlupe - die hatte er immer einstecken - darüber herma- chen, da erschien Madam. Du kommst recht spät, Sheriff, begrüßte ihn Sam, und in seiner Stimme war Unmut. Unten in der Bucht sind zwei Taucher angespült worden, tote, piepste der Sheriff, aber er blickte dabei nicht zu Sam auf. Dann straffte er sich, wurde sich offensichtlich seiner amtlichen Würde bewußt, blickte suchend auf Bal- ken, Theke und die Wand dahinter. Schließlich hatte er entdeckt, was er suchte, zog ein Tuch aus der Tasche und entfernte damit vorsichtig das Pro- jektil samt Kanüle aus dem Holz. Er hatte mich zu diesem Zweck beiseite geschoben, als wäre ich ein Hocker. Noch bevor ich mich darüber aufregen konnte, bemerkte ich Sams besänftigende Geste. Vorsichtshalber den Fleck gut ausscheuern, Jim! piepste Madam über die Theke und wollte schon die Bar verlassen. Sam hielt ihn am Ärmel der Lederjacke zurück. Den nimmst du auch mit! Er wies auf den Burschen am Boden. Jener hatte sich inzwischen halb aufge- richtet, Jim half nach mit einem halben Eimer Eiswasser, das über die Theke schwappte. Auf ein Zeichen Sams zerrten zwei Farmer den glitschigen Kerl vom Bo- den und dem Sheriff hinterher nach draußen. Hätte er nicht ein Protokoll aufnehmen müssen? Oder uns wenigstens be-

>*

.

^

fragen sollen? Ich versuchte, Sam eine Äußerung zu entlocken.

Hätte er. Und Sam nippte, zumindest äußerlich gelassen, weiter an seinem Gin. Und warum hat er nicht? Weil er mehr darüber weiß als wir.

So ist das also

Ich verstehe

Nichts verstehst du! Der hatte es auf dich abgesehen, Sam

Auf mich? Nein, du störst die Kreise einiger Leute da oben. Ich? Du! Durch deine Schnüffelei im Camp. Schnüffelei! Du weißt genau, daß die Ratte in der Klimaanlage Die halten dich für einen ganz Ausgekochten. Wieso mich? Ich hab nichts zu verbergen

,!

Aber warum

?

Du hast ihnen was geklaut. Ich wollte schon empört aufbrausen, aber Sam legte mir besänftigend die Hand auf den Unterarm, was beim zweiten Versuch auch klappte. Der Gin

an deine

Uhr rankommen. Nein, ich muß zu Mary! Oje, seufzte Sam. Aber bleib in der Wohnung! Morgen früh sehen wir uns in der Werkstatt, klar? Klar.

Paß auf: Wir gehen jetzt nach Hause und überlegen, wie wir

,

. Wir zahlten und gingen.

Jetzt sehnte ich mich nach meiner rehäugigen Mary. Diese Abenteuer schienen mir immer unheimlicher. Mary war der Trost an sich. Vor dem Grundstück blickte ich gewohnheitsmäßig aufs Handgelenk - das Armband war weg! Sam, der Taschenspieler. Ich kehrte um, lief zur Werkstatt. Sam saß in seiner Bastelbude, die Kopfhörer aufgesetzt, vor dem Funkge- rät und notierte lange Zahlenreihen. Er stand im Amateurfunkverkehr mit Gott und der Welt. Mit einigen wenigen hatte er öfter Kontakt, wie mir

schien. Die versorgten ihn auch mit Geräten, Fachliteratur, einem Klein- computer. Freundlich, diese Funker. Aber sich gerade heute seinem Hobby

hinzugeben

Er bedeutete mir unmißverständlich, still zu sein und zu warten. Ich blätterte schnaubend in den überall verstreuten Fachzeitschriften, auf- geschlagen jeweils, bei thematisch ähnlichen Beiträgen, das bekam ich im- merhin mit in meinem Zorn. Holographie, brummte Sam und schaltete das Funkgerät ab. Ich scheiß auf deine Holographie, du hast mir mein Armband geklaut! Richtig, wein dich aus, Sonny. Das Armband kriegst du gleich wieder. Solltest dich trotzdem mal mit Holographie beschäftigen. Man kann damit eine ganze Menge zaubern. Bilder zum Beispiel, plastische. Du kannst sie ir- gendwo auftauchen lassen, und du kannst sie nicht unterscheiden von der Wirklichkeit

_ Vielleicht willst, du dir einen 3-D-Fernseher basteln, aber mich laß zufrie-

Sam, du Gaukler, mein Armband!

den, ich hab andere Sorgen Eben

Eben! Natürlich, das ist ein Fernseher, und den hab ich den Jungs da oben weggenommen, und nun sind sie böse auf mich!

Da steckt noch viel

mehr drin als 3D. Vor allem, wenn sich solche Leute - er wies mit dem Dau-

men hinter sich in Richtung Camp - dafür interessieren. Okay, von mir aus, aber Laß gut sein. Mach inzwischen den Lieferwagen wieder flott. Er gab mir das Armband zurück und schob mich zur Tür hinaus. Bleib zu Hause! rief er noch, da hatte ich seine Stimme schon im Rücken.

Die Außentür von Marys Bungalow war unverschlossen. Irgendwann wird mal jemand Mary wegfangen, dachte ich. So ein Leichtsinn. Ich schlich zum großen Mittelzimmer. Die Badtür stand weit offen. Aha. Bist du's, David, rief Mary aus dem Bad. Sie hängte Wäsche auf. Ihr knap- per Kittel war beim Hochrecken ganz schön verrutscht. Ich bin's. Und warum kommst du so spät? Weil es schon dunkel ist. Jetzt mußt du noch fragen: Großmutter, warum hast du so dicke Augen? Ich stand schon im Türrahmen. Spinner. Hast du Hunger? Wenn du es so nennen willst Fleischklößchen oder frische Muscheln? Am liebsten beides. Ole! Da war ich schon hinter ihr, und sie kreischte gekonnt auf. Du Mädchen- schänder! Gib nicht so an! Und ich stieß mit dem Fuß die Badtür ins Schloß.

Gegen Mitternacht mochte es schon sein, und ich lag immer noch wach. Da- bei hätte ich ordentlich müde sein müssen. Nach so einem Tag, von dem

Der Schlaftrunk half auch nicht. Ich

heißen Abend gar nicht zu reden

schob das Glas angewidert weg. Es war schwül. Mary schlief nackt neben mir. Die Innenseite ihres abgewinkelten Schenkels glänzte matt im Licht der klei- nen Lampe. Aber im Moment gab mir der Anblick höchstens ästhetische Im- pulse. Die Grünen gingen mir nicht aus dem Kopf. Und Sam. Halluzinationen von solchem Ausmaß hatte ich noch nie gehabt. Über- haupt noch keine. Völlig lautlos war die Szene vor mir abgelaufen, merkwür- dig. Ich stand leise auf und ging in die Küche. Mary stapelte hier ihre Tages- zeitungen. Und sie hielt drei verschiedene. In einer Ausgabe der vergangenen Woche stieß ich auf die sarkastische Bemerkung eines Sportre- porters, die zunächst favorisierten, dann aber himmelweit abgeschlagenen „Shadow-Cookies" seien wahrscheinlich von der unerklärlichen Leuchter- scheinung über dem europäischen Teil Rußlands geblendet worden. Eine un- bemerkte Landung? Ich riß den Artikel vorsichtshalber heraus, auch wenn ich nicht glaubte, daß er mir weiterhelfen würde. Dann fand ich noch ein Interview mit einem, der behauptete, von Außerir-

Holographie

Du hast mich selbst drauf gebracht

dischen verschleppt worden zu sein. Aber die waren tiefblau und sehr groß. Seine hochinteressanten Fotos, sagte er, habe das Labor versaut. Der Ver- schleppte war übrigens Psychiater. Ich gab's auf. Außerdem wurde ich jetzt ernsthaft müde. Mary lag noch immer so aufreizend, als ich wieder ins Bett stieg. Gähnend griff ich nach meiner Uhr, um sie aufzuziehen. Mit Daumen und Zeigefinger versuchte ich, schon halb im Schlaf, an der Krone zu dre- hen, doch die war nicht vorhanden. Da sah ich mich plötzlich auf Parkers Pförtnerbude zugehen. Er stand davor, priemend und die Hände in den Ta- schen, seine dünnen Stachelbeerbeine ragten aus den kurzen Hosenbeinen hervor. Noch ehe ich ihn begrüßen konnte, bremste neben mir ein Landrover von der Army. Ein Militärpolizist mit lässig über der Schulter hängendem automatischem Gewehr stieg aus, nach ihm zwei Gestalten in Trenchcoats. Ich sah, wie ich von dem einen untergehakt wurde und mit ihm, scheinbar plaudernd, den Weg zur Steilküste ging. Hinter uns in einigem Abstand der Uniformierte. Dann ein schreckliches Bild: Unten auf dem Wasser zwischen den Klippen schaukelte der Körper des Militärpolizisten. Ich verdeckte mit meiner Jacke eine Pistole und lief zu meinem Wagen zurück. Die Bilder ver- schwanden. Mir war heiß. Ich preßte das kühle Metallarmband an die Stirn. Irgendwas hob mich aus dem Bett. Ich schwebte zum weit offenen Fenster hinaus, ge- wann schnell an Höhe. Peinlich war mir das insofern, als ich den Pyjama an- hatte. Ich knöpfte mir schnell das Oberteil zu. Flugträume hab ich zwar manchmal, obwohl ich absolut nicht schwindelfrei bin, aber so was! In der Nähe unserer Werkstatt, kurzzeitig von einer Straßenlampe erhellt, kurvte der Funkmeßwagen. Da hatte ich den Ort schon weit unter mir gelassen. Vorn erschien die Bucht, mit einem fahlen Dreiviertelmond darüber. Ra- send schnell verlor ich an Höhe, gleich mußte der Aufschlag kommen. In sol- chen Träumen bemühe ich mich immer, die Augen weit aufzureißen, um munter zu werden. Das klappt meistens. Hier funktionierte es nicht. Schon tauchte ich lautlos und ohne Widerstand in das Wasser ein. Auch empfand ich weder Wärme noch Kälte noch Nässe. Nichts. Die Höllenfahrt verlang- samte sich, ich drang durch schattenhafte Fischschwärme, sah die Konturen größerer Meerestiere. Aber sie flohen nicht vor mir. Die Schwärme blieben beieinander. Jetzt tauchte das schwarze Riesenmaul eines Grotteneingangs auf. Ich glitt hinein. Ein Tunnel verengte sich zunehmend. Da war ich auch schon wieder über dem Wasserspiegel. Nun ging es an bizarren Felsen und Steinskulpturen vorbei, an Halden glitzernden Gerölls. Dann war ich in ei- ner weiten Höhle. Darin standen - Baracken! Auf eine schwebte ich zu: eine gepanzerte Tür, ein kleines, dick verglastes Fenster Der seltsame Traum brach urplötzlich ab. Marys Rumoren in der Küche hatte mich geweckt. Das Frühstück war fertig. Guten Morgen, du Unhold, rief sie herüber. Hast deine Kräfte wohl ein bißchen überschätzt, was? Eine Antwort konnte sie von mir so früh nicht erwarten, schon gar nicht auf solche Unverschämtheiten. Ich brummelte nur etwas vor mich hin« warf den Pyjama aufs Bett und schlurfte ins Bad. Als ich dann am Tisch saß, war sie schon im Schlafzimmer und schüttelte die Decken auf. Durch die offene

Tür sah ich ihr dabei zu. Aus meiner Pyjamajacke kollerte ein glitzerndes Steinchen auf den Boden. Sag mal, schleppst du deine Gerümpelsammlung auch noch mit ins Bett? fragte Mary, aber da hatte ich schon vor Staunen das Ei ganz runterge- schluckt. Zum Glück war es geschält. Mary? - Sie saß mir inzwischen gegenüber und goß Tee ein. Ja? Mary, ist dir in der Nacht irgendwas Überirdisches aufgefallen? Außer dir nichts! Ich* war doch die ganze Nacht bei dir? Das kann man wohl sagen! Warum fragst du so komisches Zeug? Dann darfst du mir auch nächstens zwei Eier kochen! - Ich frühstückte mit gutem Appetit. Dann stand ich auf, fand meine Schuhe auch gleich im Zeitungskorb und wollte mich davonmachen. Ich muß zu Sam! Am Nach-

mittag brauchst du nicht auf mich zu warten. Wir haben da einen

Auftrag.

Ich zögerte, ob ich ihr schnell noch die Sache andeuten sollte. Aber die Zeit war knapp, und ich verschob es auf später.

Du kommst nicht aus dem Haus, bis ich deine Jacke geflickt habe! Und dein rechter Schnürsenkel ist auch gerissen Ich ergab mich.

Sam wartete schon, die Katze auf dem Schoß. Er war unruhig, das merkte ich daran, wie er sich von Zeit zu Zeit durch den Bart fuhr. Ich wollte zu einer weitschweifigen Erklärung für meine Verspätung ansetzen, aber er schnitt mir das Wort ab. Setz dich! Ich setzte mich. Du willst deine Uhr wiederhaben So wichtig ist die mir nun auch wieder nicht

?

Und deine

Außerirdischen?

Ach ja. Ich tat, als wäre mir das total entfallen und Sam hätte mich in die- sem Moment wieder an sie erinnert. Ins Camp kommt keine Ratte mehr ohne Passierschein. Auf-diesem Weg haben wir keine Chance. Sam schob die Katze von seinem Schoß, während er sprach. Wir müssen von der Seeseite rein. Du hast mir mal eriahlt, daß ihr als Jungen in den Grotten

Ich hab dir das erzählt? fragte ich verwundert. Wir hatten uns hie über un- sere Vergangenheit ausgetauscht. Ich kann mich nicht erinnern, dir jemals davon erzählt zu haben. Sam, mir schwant, hier ist was faul. Ich geh nicht wieder ins Camp. Ich laß die Uhr sausen. Basta. Aus der Sache kannst du nicht mehr aussteigen. Da hängt mehr dran Ich geb das Ding zurück Das kriegen die auch so. Du weißt zuviel. Von den Grünen etwa? Das hab ich wahrscheinlich gesponnen. Laß mich in Ruhe! Warum interessiert dich das eigentlich plötzlich so brennend? Bist du vom CIA? Vom FBI? Ich war aufgestanden und hatte die Hände in die Taschen gesteckt, so, als wollte ich mir nicht die Hände beschmutzen. Die forschen da oben nicht aus Spaß und für das allgemeine Glück. Das

sind Militärs! Sam verlor immer mehr seine Gelassenheit. Sollen sie, wenn sie mich in Ruhe lassen, und du auch! Werden sie nicht. Die stecken Millionen und Millionen in ihre Forschung,

und du schleppst die Ergebnisse dummdreist in die Welt. David - er kam mit seinem dicken Zeigefinger auf mich zu -, die haben in der Holographie

militärische Möglichkeiten gefunden

gen, Täuschung, Manipulation Jetzt weich nicht aus, Sam! Bist du ein Bulle, oder was? Woher weißt du

das alles?

Sam lehnte sich wieder zurück, sah mich abschätzend an und fuhr sich durch den Bart. Es gibt Interessengruppen, denen wird das da - er wies mit dem Daumen wieder hinter sich - allmählich zu teuer, und zu heiß. Nicht nur das, aber das auch. Die Militärs hier experimentieren mit arbeitslosen Freiwilligen, die keinen Job haben, vor allem mit Akademikern. Die haben die trainierteren Gehirne Er hielt inne und steckte sich ein langes helles Zigarillo an. Es gibt da Analogien zwischen einem Hologramm und dem menschlichen Gehirn: In einem optischen holographischen Gedächtnis gehen Aufbewahrung und Be- arbeitung der Information wie im Gehirn vor sich, außerordentlich schnetl, assoziativ, komplex. Wenn man das technologisch beherrscht, hat man auch die Umkehrung: Aus der reinen Wissenschaft wird bei diesen Leuten wieder eine Waffe. Eine schlimme und lautlose und tückische. Die bringt Geld. Und man kann erpressen damit. Man könnte Menschenmassen%eeinflussen, ein bißchen die Gehirne manipulieren, Gedächtnisse ausschalten, gewaltige Halluzinationen hervorrufen. Scheißkerle.

? Ich fühlte maßlose Enttäu-

Projektionen über große Entfernun-

Du bist also deswegen hief? All die Jahre

schung in mir. Von wegen Freund und Kompagnon. Möglich. Kannst du so sehen. Sam hatte sich wieder in der Gewalt. Ich sah, wie er die Kiefer zusammenpreßte. Wir steigen also durch die Grotten ein. Die Eingänge liegen unter Wasser, unterbrach ich ihn mechanisch. Und deshalb fahre ich nachher los und besorge die Ausrüstung. Die ver- steckst du in der Dämmerung zwischen den Klippen. Aber so, daß dich kei- ner sieht dabei. Keiner, verstanden! Und solange ich unterwegs bin, verläßt du den Ort nicht. Okay? Den Schirm hier - Sam reichte mir einen uralten Stockschirm rüber - behältst du ständig bei dir und gibst ihn nicht aus der Hand!

Es wird nicht regnen, das weißt du so gut wie ich, da geniere ich mich! Sams Einfall fand ich durchaus blöd und vor allem sinnlos, und überhaupt wollte ich mit der Sache nichts mehr zu tun haben. Daß ich mich so ge- täuscht hatte in Sam Wäre ein völlig neuer Zug an dir, wenn du dich genierst. Ach, übrigens, gestern abend hat jemand in der Werkstatt rumgestöbert. Und? Mach also die Fenster zu, wenn du gehst, und schalte die Alarmanlage ein. Ich fahre los! Er schlug mir mit der flachen Hand in den Nacken, als wollte er mich zu sich ranziehen, besann sich aber und ging. Ich legte die Bejne auf den Tisch und begann zu grübeln. Kurz darauf

rauschte der Lieferwagen am Fenster vorbei. Im Hause hielt es mich natür- lich nicht. Und auch nicht im Ort. Ich verrammelte die Werkstatt und machte mich auf, Marys Sportwagen zu holen. Den Schirm am Arm. Unter- wegs trat ich zweimal auf meinen Schnürsenkel und stolperte. Ich hatte den kaputten gegen einen neuen getauscht. Und der war zu lang. Mit Marys Wagen fuhr ich zum Camp hoch. Um das Armband gegen meine Uhr zu tauschen. Die Sache'mußte bereinigt werden. Zum Helden tauge ich so wenig wie zum Märtyrer. Parker stand vor seiner Pförtnerbude als ich ankam, priemte und hatte die Hände in den Taschen. Aus seinen wei- ten, kurzen Hosen ragten dünne Stachelbeerbeine. Wie in diesem merkwür- digen Traum! Mir lief ein Schauer über den Rücken. Ich starrte ihn an. Bist wohl unter die Regenmacher gegangen, hähähä, meckerte er mir ent- gegen und spielte damit auf meinen Schirm an. Wer dich so sieht, kann nur noch an Regen denken, gab ich zurück. Aber sag mal, meine Uhr hab ich gestern nicht zufällig bei dir liegenlassen? Parker schüttelte den Kopf.

? Ich legte ihm Fußangeln

mit der Frage, und hätte er was gewußt, er wäre reingetapst. Ich kenne ihn. Wenn du die Grünschnäbel von der Army meinst - die dürfen sich nicht mit mir unterhalten, und die Denker dort, er wies auf die Barackenanlagen, die stinken vor Geld. Die brauchen deine Uhr nicht. Was forschen die eigentlich hier? wollte ich fragen, kam aber nicht dazu. Hinter mir quietschten Bremsen. Jetzt erscheinen die Trenchcoats, sagte ich zu Parker. Der sah mich nur verständnislos an. Ich drehte mich langsam um. Tatsächlich! Ein Uniformierter stieg aus, dahinter zwei Zivile. Hallo, David! rief der eine, in einem Ton, als wären wir hier verabredet. Blacky war das, natürlich, das war Blacky! Er wurde in der Schule so ge- nannt wegen seiner schwarzen Zähne. Und wegen der schwarzen Seele. Ging damals nicht das Gerücht, er hätte die Baumwollfelder in Brand gesteckt, um jemandem die Konkurrenz auszuschalten? Dann tauchte er in der Stadt auf, lungerte in den Bars rum, drängte sich, uneingeladen, in unsere Partys, küm- merte sich mit aufdringlicher Penetranz um unsere privatesten Angelegen- heiten. Und er hatte nie Geldsorgen. Ein widerwärtiger Kerl. Geh zum Ge- heimdienst, hatten wir gespottet, da können die Feinde dich nachts nicht sehen, wenn du den Mund aufmachst! Blacky hatte nur schwarzmäulig ge- lacht dazu. Und nun kreuzte der ausgerechnet hier auf! Meine Stimmung wurde aggressiver.

He, Blacky, was treibt dich denn her? Ich spuckte demonstrativ aus. Fein, daß ich dich hier treffe, David. Sonst hätte ich dich womöglich noch suchen müssen. Blacky bleckte das schwarze Gebiß.

Jetzt müßte er mich gleich unter-

haken, dachte ich. Er hakte mich unter. Das kann ich mir denken, deshalb will ich mit dir plaudern. Komm, wir gehen ein Stück.

Und daß sie einer von den kleinen Grünen

Im Moment, weißt du, hab ich zu tun

Und warum läuft der Kerf mit der Flinte hinter uns her?

Auf den mußt du gar nicht achten. Der beschützt uns nur. Vor der Sonne oder vor den Mücken?

Man weiß nie

Das soll früher Indianergebiet gewesen sein, haha.

Also, was willst du von mir?. Wir gingen einen Pfad Richtung Steilküste, ein ganzes Stück parallel zur festungsartigen Campmauer. Blacky hing mir immer noch am Arm, meinen Schirm aber hielt ich fest.

Er schüttelte, mit der Zunge schnal-

zend, den Kopf. Das kann nicht gut ausgehen Was für Sachen?

Nun, zum Beispiel, daß es dir im Camp so gut gefällt. Die haben aber auch

Da kann man schon mal was mitgehen lassen, ei-

nen hübschen Armreif etwa Parkers Klimaanlage war.kaputt, und meine Uhr Die Klimaanlage! Hübsch Was geht dich'das eigentlich an?„tch löste mich mit einem Ruck von sei- * • '

nem Arm.

interessante Dinge dort

Man hört da Sachen von dir, David

• • Sieh mal, Da^id, ich bin "ein bißchen verantwortlich für das Camp. Die Forschungen, weißt du? Da sollte doch kein Fremder drin rumschnüffeln! - Er drohte mir gezielt mit dem Finger, wobei sein Mantelärmel den Unterarm freigab. Und eine vernarbte Brandwunde.

Mir fielen auf einmal die brennenden Baumwollfelder wieder ein und der Bankrott meiner Eltern, denen damals die gesamte Ernte vernichtet war.

Sag mal, Blacky, mit den Brandstiftungen seinerzeit hattest du wohl nicht

zufällig zu tun

Bleiben wir bei der

Sache. Die kleinen

Unannehmlichkeiten gestern hast du großartig über-

standen. Du bist gerissener, als wir dachten. Das kann doch nicht so weiter- gehn, nicht wahr?

? Ich umklammerte

mit beiden Händen den Schirmknauf, daß die Knöchel weiß wurden.

Und für die Klitschen

hat sich der Anbau sowieso nicht gelohnt, eine Samaritertat, wenn du so willst. Der Job hier im Camp ist einträglicher. Wenn du mir erzählst Du bist ein Schwein, Blacky! Meinst du wirklich? Aber. Ach, David, da ist noch etwas. Heute nachmit- tag kommt ein Bulldozer von den Pioniertruppen durch die Stadt. So ein überschwerer, weißt du. Der Fahrer wird ein wenig betrunken sein. Da kön- nen böse Unfälle passieren. Mit deinem dicken Sam und der Werkstatt zum Beispiel. Und mit deiner Liebsten Laß Mary aus dem Spiel, ich bring dich vor den Sheriff, du Verbrecher! " Dazu wirst du kaum noch Gelegenheit haben. Vor den Sheriff, ach je. So- was Widerborstiges. Schade! Das werden wir noch sehen, Blacky! Ich bückte mich, um meinen Schnür- senkel zu binden. Im selben Augenblick flog etwas über mich hinweg, und kurz darauf drang von Fern ein klatschendes Geräusch herauf. Ich blickte über den Rand des Steilufers - da waren wir inzwischen angelangt - und wandte mich gleich wieder ab. Unten schaukelte der leblose Körper des Mili- tärpolizisten zwischen den Klippen. Den Kerl hatte ich ganz vergessen. Mir wurde übel. Bleib stehen, David, das war dein letzter Streich! hörte ich Blacky wie

?

Sei nicht so vulgär, David, darüber redet man nicht

Los, Blacky, hast du die Felder angesteckt damals

Ein paar kleine Feuer, was soll's? Ein Job eben

durch Watteberge rufen. Ich drehte mich um. Blacky hielt eine Pistole in der Hand und

durch Watteberge rufen. Ich drehte mich um. Blacky hielt eine Pistole in der Hand und zielte auf mich. Ein dumpfer trockener Knall - an mir vorbei pfiff eine Kugel. Ein zweiter Schuß - mit dem gleichen Effekt. Blacky stand mit weit aufgerisse- nen Augen ein paar Meter vor mir. Da war ich schon bei ihm, trat von unten mit dem Fuß gegen seinen Arm und rollte mich seitlich ab. Dabei bekam ich die Pistole zu fassen und stand schon wieder. Um ein Haar hätte ich auf den Burschen abgedrückt, besann mich aber, als ich die angstschlotternde Gestalt sah. Ich bin ein Außerirdischer vom Großen Bären, und ich mache dich kalt, wenn du mich nicht in Ruhe läßt, rief ich ihm zu. Du rührst dich nicht von der Stelle die nächsten drei Stun- den!

— Ich ging mit vorgehaltener Waffe rückwärts, meinen Stockschirm in der Linken, und machte mich auf den Rückweg zum Auto. Als das Camptor in Sicht kam, steckte ich die Pistole mit dem Schalldämpfer hinten in den Ho- senbund. Weit vorn auf der Steilküste hob sich eine kleine dunkle Silhouette vom hellen Himmel ab. Blacky stand tatsächlich noch dort und rührte sich nicht. Vor dem Camp war niemand zu sehen. Ich warf mich in Marys Wagen und raste in den Ort zurück. Wo Blacky seine Hand im Spiele hatte, stank es. Mir stieg das Bild wieder auf, wie Vater starr vor seinem noch rauchenden Asche- feld stand. -

Innerhalb der Ortschaft kam ich nicht weit. Mitten auf der Hauptstraße, vor Jims Bar, schien ein Volksfest im Gange zu sein. Ich stellte den Motor ab, stieg aus und zwängte mich durch eine wogende Menschenmenge. Die ge- samte Einwohnerschaft und sämtliche Saisonjobber der Umgebung mußten hier zusammengelaufen sein. Eine Drei-Mann-Band lärmte auf ihren Instru- menten, Zuschauer beteiligten sich mit Blechbüchsen und Metallröhren ver- schiedenen Kalibers. Es wurde getanzt. Was geht denn hier vor, fragte ich mich besorgt. Sam stand auf einer Lei- ter vor der Kneipe und befestigte ein flüchtig gemaltes Schriftband über der Tür. Die Farbe glänzte noch feucht. „100 Jahre Jims Bar." He Sam, bist du ausgeflippt? rief ich hinauf. Ich bin so gut wie erschossen, und du feierst hier! David! Er stieg von der Leiter. Gut, daß du da bist, ich hab mir schon Sor- gen Was du nicht sagst, ich bin gerührt! Ich spuckte gegen seine Leiter und wollte gehen. Warte! Ich hab alles mitbekommen. Er zog mich von der Menschenmenge weg hinter die Hausecke. Da drin - er tippte auf den Schirm - ist ein Sender mit einem Mikro. Das hier, das hab ich inzwischen arrangiert. Wenn der Bulldozer kommt Aber dein Schild über der Tür! Hundert Jahre ist der ganze Ort nicht alt. Sei nicht so ein Kleingeist. Da stand eben die Bar zuerst! Ist auch egal; wir müssen den Bulldozer stoppen. Den hat nämlich dieser feine Sheriff bestellt, der ist noch oben im Camp. Ich hab ein langes starkes Drahtseil besorgt, das liegt zwischen den Büschen auf seinem Grundstück. Du begibst dich unauf- fällig dorthin. Die Leute werden nicht auf dich achten. Dann legst du das Seil rund um Madams Bungalow, das eine Ende ziehst du durch das andere, und die Schlaufe versteckst du hinter dem Busch an der Straße. Wenn die Maschine kommt, hängst du die Schlinge schnell hinten ein und verschwin- dest. Klar? Klar! Jetzt war mir schon alles gleich. Die Sache ließ sich verhältnismäßig schnell erledigen. Danach fuhr ich den Wagen über Umwege zu Marys Haus, kehrte dann zurück und mischte mich unter die feiernde Bevölkerung. Ein solches Fest hatten wir lange nicht! Sam versteht was vom Feiern. Ich hatte mich soeben zu den tanzenden Mädchen und Farmern gesellt, da er- schien Madam. Aufgeregt fuchtelnd und piepsend. Was geht hier vor? fistelte er. Siehst du doch. Es wird gefeiert, erwiderte Sam. Nicht ohne meine Erlaubnis! Die Straße wird geräumt! Großspurige Ge- sten hatte Madam schon damals draufgehabt. Aber da hörte auch keiner auf ihn. Dann räum sie doch! Sam hatte sich den alten Schaukelstuhl aus dem Hinterzimmer der Bar rausgeschleppt, saß zufrieden darin und genoß das Schauspiel aus einigem Abstand. Das werde ich auch! Der Sheriff wurde zornrot und warf sich in die Menge. Keiner hörte auf ihn, sein Stimmchen ging unter im Krawall. Da tuckerte ein Bulldozer die Straße herauf. Und was für einer! Vorn ein Schiebeschild, gut drei Meter hoch und doppelt so breit. Das war kein Spaß

mehr. Dicht vor den Leuten kam das Ding zum Stehen. Ich verschwand, um meinen Anteil am Schauspiel zu Ende zu führen. Ganz wohl war mir dabei

nicht. Aber diese Verbindung Blacky, Camp, Sheriff

ernst. Der Fahrer beugte sich oben aus der Tür seiner Kabine und hob ratlos die Schultern. Madam kämpfte sich zur Maschine durch und schrie auf ihn ein. Was, das ging im Motorgerassel unter. In den Bulldozer kam Bewegung. Das Schild senkte sich langsam und dro- hend. Kreischend und schimpfend stob die Menge auseinander, die Musiker griffen ihre Instrumente und flüchteten in die Bar, ein Haufen Leute drängte nach. Die Maschine ruckte an, irgendwo lautes Knirschen. Die Maschine kam in Fahrt, die Ketten wühlten Staubwolken auf. Da kam in Madams Bun- galow schräg gegenüber gleichfalls Bewegung.

Die meinten es bitter

Der Sheriff lief zu seinem Haus, dann zurück und dem Bulldozer hinter- her. Der Fahrer hörte nichts. Der Bungalow knarrte und ächzte, und die vor- deren Fenster fielen klirrend heraus. Madam zog den Colt, feuerte auf das Fahrerhaus. Die hintere Scheibe zer- sprang, das Ungetüm kam wieder zum Stehen. Mit einem Satz war der Fah- rer unten und ging drohend auf den Sheriff zu. Du Idiot! Ich bring dich um! heulte Madam dem Fahrer entgegen. Die Leute kamen langsam wieder näher. Sam schaukelte zufrieden in seinem Stuhl.

Mach die Tür zu und gib mir die Waffe! Ich schloß die Tür und legte die Pistole, die ich Blacky abgenommen hatte, auf den Tisch. Damit hat er auf dich geschossen? Zweimal. Aus drei, vier Meter Entfernung. Und hat dich nicht getroffen? Du bedauerst doch nicht etwa

Den Ölfleck hast du umfahren, na gut. Die Mine hat dich auch nicht er-

wischt. Kann auch sein. Das Projektil ist um dich rum nicht auch langsam merkwürdig vor? Das schon.

Sam stand, die Linke in der

Hosentasche, am Tisch, mit der anderen Hand wühlte er im Bart. Urplötzlich schoß eine geballte Rechte auf mich zu, der massige Körper flog hinterher - und knallte neben mir auf den Fußboden. Ich stand immer noch so, auf den Tisch gestützt, wie ich vorher stand. Ich war zu überrascht. Sam! Man kann doch nicht einfach so umfallen! Ich wollte ihm beim Aufstehen helfen, aber er schob fluchend meine Hände weg. Mit dir ist was faul, keuchte er, als er sich erhoben hatte. Mit deinem Arm- band. Da wundert mich gar nichts mehr! Und er rieb sich die schmerzende Faust. Ich betrachtete nachdenklich diesen Metallstreifen. Wieso ist mit mir was faul? Du bist soeben umgefallen! Das war ein Test! Deine Naivität möchte ich mal haben.

Kommt dir das

Und nun gleich zwei Schüsse aus der Nähe

Geschenkt! Weiß ich ja. Blacky wird inzwischen die gesamte Army alar- miert haben. Die werden mir den Tod von diesem Uniformierten anhän-

gen

Könnte ja sein, daß da noch andere Leute im Hintergrund agieren, wäre ja

denkbar, nicht

becher und zerrieb dann die Asche.

! Ich wog die Pistole abschätzend in der Hand. David,

viel Zeit haben wir nicht mehr. Du fährst jetzt runter zur Bucht, mit Marys Wagen, und versteckst die Taucherausrüstung. Niemand darf dich beobach- ten. Niemand! Sam nahm die Waffe an sich und verschwand in seiner Ba- stelkammer.

Was er in den Grotten vorhatte, war mir nicht ganz klar. Ich band mir den Schnürsenkel zu und wollte gerade das Haus verlassen, als ich über Sams Katze stolperte, die laut aufschrie. Betroffen schaute ich in Sams Richtung, denn ich wußte, wie er sich ärgerte, wenn jemand seinem Liebling weh tat. Die Tür zu seiner Bude stand einen Spalt breit offen. Sam saß vor den Ge- räten, einen Kopfhörer auf, und funkte. Der Mensch gab sich tatsächlich schon wieder seinem Hobby hin! Oder hing die Funkerei mit dieser Sa-

che

Ich holte Marys Wagen, fuhr damit in unsern Schuppen und packte die Ausrüstung ein. Dann verließ ich den Ort auf der anderen Seite, fuhr einen Riesenbogen, so daß ich die Bucht von der Nordseite erreichte, und parkte hart am Felsen, dort, wo die ersten Klippen begannen und sich aus der Bucht bis ins offene Meer vorschoben. Hier im Schatten war der Wagen nicht gleich auszumachen. Ich stieg aus, ein harmloser Spaziergänger, und erkun- dete die Umgebung. Außer Möwen und Kormoranen, die sich alle Augen- blicke aufkreischend in die Wellen stürzten, war kein Lebewesen zu sehen. Ich holte das große Fernglas aus dem Auto und suchte die See vor der Bucht ab. Für einen Moment schien es mir, als ob ziemlich weit draußen ein schwar- zer Kegel aus den Wellen ragte. Aber gleich hatte ich die Erscheinung wieder aus dem Blickfeld verloren, wahrscheinlich ein Wal oder eine Welle. Ich zog Jacke und Hose aus, packte mir Sauerstoffflaschen, Gummianzüge und das Kleinzeug auf Buckel und Brust und watete ins Wasser. Ein Dutzend Meter vom Ufer stand eine Felsgruppe, zu der man relativ problemlos gelangen konnte. Wenn man's wußte! Bis auf das kleine Plateau, das zur Hälfte von ei- nem höhlenartig ausgewaschenen Felsen überdeckt war, reichten die Wellen bei normalem Seegang nicht. Hier deponierte ich die Ausrüstung. Dann zum Wagen, Klamotten wieder an und auf demselben Weg zurück in den Ort. Es wurde schon dunkel.

Sam verbrannte einen zahlenbedeckten Zettel im Aschen-

Ich jedenfalls bin kein Superman.

Aber was wir beide da tun wollen

?

So ist das also

? Leise ging ich los.

Als ich in die Werkstatt trat, legte sich Sam gerade einen Schultergurt um. Mit Pistolentasche. Er warf mir einen ähnlichen auf den Stuhl. Da, bind um! Brauchen wir vielleicht. Die Frage, die mir auf der Zunge lag, hob ich mir für später auf. Sam zog sich eine Jacke drüber, stopfte zwei wasserdichte Taschenlampen in einen Beutel und warf ihn über die Schulter. Wir machten uns auf. Draußen steuerte ich auf den Lieferwagen zu, aber Sam hielt mich zurück.

Da lang! Durch die Felder. Zu Fuß. Ich stöhnte, maulte aber nicht, sondern lief hinter ihm her. Immerhin war das eine gute Stunde Weg. Trotz der Abkürzung durch die Baumwollfelder. Für einen Moment glaubte ich, Brandgeruch in der Nase zu spüren. Diese Erinnerungen Glücklicherweise hatte ich mir leichte Turnschuhe angezogen. Ausgiebige Spaziergänge sind nicht unbedingt meine Leidenschaft. Sam sprach den gan- zen Weg lang kein Wort. Wir traten aus den Büschen. Die Bucht mit ihren drohenden schwarzen Felsen zu beiden Seiten lag vor uns. Auf dem bewegten Wasser schaukelte ein fahler, zerrissener Mond. Ein bißchen unheimlich wurde mir schon. Sam riß mich aus meinen Gedanken. Geh du voran! Wir liefen zum Ufer, dorthin, wo der Wagen gestanden hatte, und zogen uns aus. Die Sachen nehmen wir mit! befahl Sam halblaut. Ich hielt mein Bündel über den Kopf und watete voran. Die Wellen schlu- gen mir jetzt bis zur Brust. Im Dunkeln war ich hier noch nie ins Wasser ge- stiegen. Aber keiner von uns beiden rutschte aus. Beim Plateau angelangt, warf ich das Bündel vor und zog mich hoch. Sam folgte mir. Schweigend leg- ten wir die Taucherausrüstungen an. Sam band mir den Pistolengurt über den Gummianzug, als ich nicht wußte, wohin damit.

mach dir nicht

in die Hosen! Der hatte gut reden. Ich dachte an den Wrackbarsch, der vielleicht die An- gel auf dem Gewissen hatte. Die werden immerhin bis zu vierhundert Kilo schwer Ich ließ mich rückwärts ins Meer gleiten, die Taschenlampe in der linken Hand. Das Wasser wurde schnell tiefer. Hier unten war vom Seegang nichts mehr zu spüren. Auch die Dunkelheit hatte ich mir schwärzer und bodenlo- ser vorgestellt. Wir schwammen ein ganzes Stück dem offenen Meer zu, in gehöriger Entfernung von den Klippen. Dann tauchte ich kurz auf, um mich zu orientieren. Den Durchgang zwischen den beiden großen Felsen mußten wir passieren, dahinter war ein geeigneter Grotteneinstieg. Unter dem Wasserspiegel natür- lich. Sams Kopf erschien neben mir. Sam machte mit den Händen ein Zei- chen: Auf den Grund tauchen! Das hätte ich sowieso getan. Ich hakte die Lampe in die Vorrichtung am Brustteil des Anzugs ein und ging tiefer. Der Lichtkegel riß einen scharf abgegrenzten Korridor in das hier unten pechschwarze Wasser. Schwärme von kleinen, blitzenden Fischen än- derten wie auf Kommando die Richtung, als das Licht sie traf. Weit vorn huschte ab und zu ein größerer Schatten vorbei. Ich hielt mich kurz über dem sandigen Grund, bemüht, nicht in die Nähe der Felsen zu kommen. Mit Muränen war nicht zu spaßen. Jetzt mußten wir die Klippen hinter uns gelas- sen haben. Sam überholte mich und schwamm voran. Da waren wir schon an der Grotte.

Sam leuchtete die große Höhlung sorgfältig aus, bevor er mit vorsichtigen Flossenschlägen hineinglitt. Keine Meerestiere, die uns gefährlich werden konnten. Nur ein kleiner Krake preßte sich in eine Felsspalte.

Das Wasser schadet nichts. Du schwimmst voran. Und

Ich hielt mich dicht hinter Sam. Nach kurzer Zeit verengte sich die Grotte zu einem

Ich hielt mich dicht hinter Sam. Nach kurzer Zeit verengte sich die Grotte zu einem gerade noch mannshohen Tunnel. Hier gab es nicht mal mehr Wasserpflanzen, nur schartiges Gestein. Soweit war ich noch nie vorgedrun- gen. Trotzdem kam mir alles seltsam bekannt vor. Dieser merkwürdige ^

Der Tunnel stieg leicht an. Sam stoppte, und ich stieß gegen seine Beine. Dann war er plötzlich verschwunden. Zwei Schläge mit den Flossen - und ich ragte mit dem Oberkörper aus dem Wasser. Sam saß schon auf einem Stein, die Lampe neben sich nach oben gerich- tet, und befreite sich von der Ausrüstung. Ich stieg aufs Trockne, riß die Maske runter und legte die Flaschen ab. Ging besser, als ich dachte, sagte ich keuchend. Und nun? Was wollen wir hier? Meine Worte hallten und verloren sich irgendwo. Leiser! zischte Sam. Sonst hätten wir gleich durchs Tor gehen können. Wir besahen uns die Höhle genauer: Die Decke hing nicht allzu hoch, der Felsboden war mit Geröll und Steinbrocken übersät, und in der hinteren Wand entdeckten wir in halber Höhe eine weitere tunnelartige Grotte. Wie weit sie in den Berg führte, konnten wir mit den Lampen nicht ausmachen. Ich zog meine Turnschuhe wieder an und schüttelte das Wasser aus mei- ner Pistolentasche. Was wollen wir eigentlich mit den Schießeisen, Sam? Sam reagierte überhaupt nicht auf meine Frage. Komm, wir müssen wei- ter! war alles, was er sagte. Dabei zeigte er mit dem Lichtstrahl auf Fleder-

Traum

mause, die sich oben in den Fels gehängt hatten. Einen Ausgang mußte es also geben! Wir waren auf dem richtigen Weg. Allerdings wurde es eine müh- same Kletterei. Den Tunnel konnte man nur halb gebückt passieren, und dazu ging es leicht aufwärts. Die Plackerei zog sich gut vier-, fünfhundert Meter hin. Dann verbreiterte sich der Tunnel zu einer nicht sehr großen, aber hohen Kammer. Sam, ich kann keinen Schritt weiter! Ich muß erst mal Luft holen. Auch Sam schnaufte, aber er schien lange nicht so erschöpft zu sein wie ich. Das hätte ich dem Fleischberg gar nicht zugetraut! Okay, Pause, ließ er sich gedämpft vernehmen. Wir sind sowieso gleich da. Und er zeigte nach oben. Ein diffuser Lichtschein drang durch eine Spalte kurz unter der Decke herein. Setz dich, jetzt haben wir Zeit - er sah auf die Uhr -, bis die Wachen abgelöst werden. Woher weißt du, wann hier Wachen abgelöst werden? Wenn ich nicht mal das wüßte, sollten wir gar nicht hier unten rumkrie- chen. Viele Ohren und Augen und Köpfe kann man gewissen Interessengrup- pen schon zutrauen. Und bei solchen Aktionen An was für einer Aktion bin ich eigentlich beteiligt, wenn ich fragen darf? Ich hab dich ein bißchen ausgenutzt, David, geb ich ja zu. Aber diese For- schung da oben im Camp muß an die Öffentlichkeit. Bestimmte Dokumente, die einiges beweisen. Das ist die einzige Chance. Du kannst dir ausmalen, was diese Möglichkeiten und Entwicklungen, die ich dir angedeutet habe, in

den Händen solcher Blackys und Madams bedeuten würden

Er zögerte,

setzte aber nichts hinzu. Okay, Sam, ich hab's begriffen. Sams leise, aber eindringlich vorgetragene Erklärung war mir in die Glieder gefahren. Mir stand wieder Blackys Brand- narbe vor Augen und unser brennendes Feld' damals. Ich schlug mit der Lampe auf die Steine. Das war ihr Ende. Dann erhob ich mich und betrach- tete meinen Revolver zum erstenmal genauer. Im Schein von Sams Taschen- lampe.

Den nimmst du nur im äußersten Notfall! Und die Lampe leg ich dir oben hin. Mir? Du gehst denselben Weg zurück. Ich steig oben aus. Sam begann an der schrägen Wand hochzuklettern, hielt aber nochmals inne und drehte sich halb zu mir um. Noch etwas. Wenn dann dort drin - er wies nach oben - al-

les gelaufen ist, hörst du einen Möwenschrei. Du machst dich sofort und un- bemerkt auf den Rückweg. Besser nicht in die Werkstatt. Zu Mary! Hörst du,

zu Mary! Mit mir wird alles okay sein, auch wenn es anders aussieht

faßte mich derb an der Schulter und schüttelte mich. Anders konnte er seine Rührung nicht ausdrücken. Ich sagte nichts dazu und kletterte ihm hinterher. Der Spalt an der Decke erwies sich - aus der Nähe betrachtet - als viel größer. Wir konnten bequem durchkriechen. Die Lichtquelle aber war immer noch nicht auszumachen. Vor der Felsöffnung stand in geringem Abstand ein gewaltiger Stein, der sie, von der anderen Seite aus gesehen, verdeckte. Ich richtete mich auf, stellte mich neben Sam und wagte einen Blick um den Felsblock herum.

Sam

Wir befanden uns knapp unter der Decke einer riesigen Grotte. Batterien von Scheinwerfern mühten sich, diese Unterwelt auszuleuchten, ließen aber auch unzählige Abstufungen von bizarren Schatten entstehen. In verschiede- nen Ebenen, systemlos angelegt, so wie der Felsgrund es anbot, standen fla- che, langgestreckte Gebäude. Einige glänzten metallen, andere schienen massiv aus Beton gegossen. Fensteröffnungen konnte ich selten entdecken. Die Gebäude verband ein Gewirr von Treppen, Brücken und Gehsteigen - stählerne Gerippe, unter denen hier und da in der Tiefe Wasserflächen ver- irrtes Scheinwerferlicht reflektierten. Von jedem der Gebäude führte eine starke Röhre, umwunden von einer Stahltreppenspirale, in die Schwärze über den Scheinwerfern. Versorgungsleitungen, nahm ich an. Weit hinten ein ge- waltiger eckiger Turm, wahrscheinlich ein Fahrstuhlschacht. In dieser Halle war ich als Junge nie gewesen. Die kleinen Grotten, die wir durchklettert hat- ten, mußten darüber liegen und nur Vorkammern sein. Was die hier alles gebaut hatten, ohne daß wir im Ort etwas mitbekamen! Sam tippte mich an. Er hatte aus seinem Beutel ein langes, dünnes Seil ge- holt, mit Knoten in regelmäßigen Abständen. Das eine Ende schlang er um einen Felsvorsprung, das andere ließ er langsam nach unten gleiten. Wir stecken hier in einem abgelegenen Winkel der Höhle, flüsterte er, gut! Achte trotzdem auf jeden Schritt Und was hab ich zu tun? fragte ich leise, nun doch ungeduldig geworden. Sam drückte mich dicht an den Felsblock, so daß ich gerade noch vorbei- sehen konnte, stellte sich hinter miph und wies auf ein Betongebäude, das in halber Höhe in einer Felsnische klebte. Der Klotz ruhte auf Pfeilern, Zugang schien nur über eine steile Eisenstiege möglich. Paß auf! Dort drin ist ein Tresor, im dritten Raum auf der rechten Gang- seite. In dem liegen zwei dicke Mappen mit Dokumenten. Top secret! Die holst du raus und versteckst dich unter dem Gebäude in den Felsen. Bis ich zurückkomme. Ich mach mich inzwischen an die Computerspeicher Ich sah Sam ratlos über die Schulter an. Ich kann mich nicht erinnern, je- mals einen Safe geknackt zu haben. Noch dazu ohne irgendwelches Werk- zeug. Präg dir den Code ein. Und Sam nannte eine achtstellige Zahl, die ich mehrmals wiederholte. Zahlen kann ich mir merken. Als Ziffernbild. Mit Namen dagegen hatte ich von jeher Schwierigkeiten. Ich bin ein bißchen blöd, Sam, ich weiß, aber werden die Buden nicht elektronisch überwacht? Nur zum Teil. Aber das laß meine Sorge sein. Die fühlen sich hier unten

noch sicher. Oben sieht's da schon anders aus

Sam packte das Seil und

hangelte, sich mit den Beinen am Fels abstützend, hinunter. Ich folgte, als er mit einem kurzen Ruck das Zeichen gab. Zwei, drei Meter ging es steil hinab. Dann war das Seil nicht mehr nötig. Die Wand führte jetzt schräg ab- wärts. Zu Fragen oder Gesprächen war nun nicht mehr die Zeit, auch nicht die Gelegenheit. Wir hatten zu tun, ständig Deckung hinter Steinbrocken und Felsnadeln suchend, unbemerkt nach unten zu gelangen. Und dabei hatte ich etliche Fragen an Sam. Zum Beispiel, warum er nichts mehr von diesen Grünen erwähnt hatte. Meine Begegnung mit ihnen war ja eigentlich der Anlaß zu all den haarsträubenden Ereignissen.

Ein Stück vor mir rutschte ein Stein und kollerte, in dieser Stille sehr laut, in die Tiefe. Ich erstarrte, wie ich stand, den linken Fuß angehoben, die Hand in einen Vorsprung gekrallt. Das würde wohl das Ende unseres Aus- flugs sein! Der umsichtige, allwissende Sam hatte einen Fehler gemacht! Aber nichts rührte sich zwischen den Gebäuden. Möglicherweise kam es öf- ter vor, daß ein Stein herabfiel. Durch Fledermäuse vielleicht, oder weil der Berg arbeitete. Wir verharrten noch ein paar Minuten, dann kletterten wir weiter. Sam bedeutete mir, daß er allein vorangehen würde. Ich verschnaufte ein Weilchen und prüfte dabei nochmals die Pistole. Ich hatte Angst. Vor den Unwägbarkeiten dieser Sache und vor den Dimensionen, die sie ange- nommen hatte. Ich dachte an die ahnungslosen Freiwilligen, versuchte mir vorzustellen, wie man ohne Gedächtnis, ohne seine Erinnerungen leben könne, ausgeliefert solchen Leuten wie Blacky Zwischen den Felsblöcken, schon in der Nähe der ersten Baracke, sah ich für einen Augenblick einen schwarzen Schatten huschen. Sam! Ich riß mich aus meinen Gedanken. Jetzt gab es kein Zurück mehr! Schnell und leise drang ich voran, war bald in dem Bereich angelangt, wo ich Sam zuletzt be- merkt hatte. Die Rückfront des ersten Gebäudes lag vor mir. Aber die Dek- kungsmöglichkeiten wurden immer weniger. Hinter dem Gebäude war kein Durchkommen; der Fels reichte unmittelbar an die Mauer. Die Vorderseite wurde fast schattenlos von den Scheinwerfern angestrahlt. Zudem ging es dort abrupt gut zwanzig Meter in die Tiefe. Sam mußte doch auch hier ent- '

langgeklettert sein Aus meiner Deckung heraus horchte ich mit angehaltenem Atem. Nichts. Nirgends die leiseste Bewegung. Den Körper an die Wand gedrückt, arbeitete ich mich Zentimeter um Zentimeter an der Mauer entlang, krampfhaft be- müht, nicht in den Abgrund hinter mir zu blicken, Der Schaumgummi im Taucheranzug war vom Schweiß gesättigt. Nach Ewigkeiten bekam ich die Hausecke zu fassen und zog mich herum. An Ausruhen jedoch war nicht zu denken. Das stählerne Plateau vor dem Gebäude, auf dem mehrere Treppen, Brücken und Gehsteige zusammenliefen, lag voll im Licht. Trotzdem wagte ich einen Blick durch ein kleines, dick verglastes Fenster seitlich der gepan- zerten Tür. Ich schaute in einen hellerleuchteten schmalen Raum mit kahlen Wänden, rechts eine Tür mit dem gleichen Fenster wie jenes, durch das ich gerade sah. Kabelbündel liefen hin zu einer Reihe von Apparaten auf niedrigen Ti- „ sehen. Genau unter dem Fenster, längs in den Raum gestellt, ein Kranken- hausbett. Darauf eine sehr große, lakenbedeckte Gestalt. Ich streckte mich, so hoch es ging, konnte aber den Kopf dennoch nicht sehen, lediglich ein Stück Haube mit einer Unzahl von Elektroden, wie sie wohl für Elektroenze- phalogramme benutzt werden. Und nun fielen mir auch die unnatürlich lan- gen Arme der Gestalt auf: Von Lederriemen festgehalten, reichten sie ein ganzes Stück über die Stelle, wo die Knie hätten sein müssen. Nur die Hände schauten aus dem Stoffweiß heraus: bleich, bläulich schimmernd - und mit nur vier sehr langen, offensichtlich gelenklosen Fingern! Noch ein Außerirdischer etwa? Wo sollten die nur alle plötzlich herkom- men? Klein und grün, groß und bläulich, bläulichklein, großgrün, kleinblau, großklein; mir ging wirres Zeug durch den Kopf.

Die gepanzerte Tür ließ sich ohne weiteres öffnen, von innen hatte sie al- lerdings weder Klinke noch Knopf. Ich war schon mit einem Bein drinnen - da öffneten sich die Flügeltüren des Gebäudes auf der anderen Seite des Ab- grunds. Ich kehrte um, warf mich über das Geländer des Plateaus und klam- merte mich in die Stahlverstrebungen. Den Kopf bekam ich nicht mit drun- ter, sondern mußte ihn an den kalten Stahl pressen, von einem Schattenstreifen nur leidlich gedeckt. Da dröhnte es auch schon über die Brücke. Die Stahlkonstruktion schwankte unter den Tritten. Gestiefelte Uni- formierte. Jetzt waren sie auf meiner Höhe. Das war's, dachte ich noch. Die Uniformierten aber schwenkten auf die nächste Treppe. Das Dröhnen ent- fernte sich in den hinteren Teil der Grotte, bis es der Fahrstuhlschacht schließlich verschluckte. Mir waren die Hände starr geworden am Stahl. Mühsam begann ich die Finger einzeln zu bewegen, bis ich wieder Gefühl in die Hände bekam. Dann zog ich mich hoch, schwang mich auf die Bodenplatten und stand wieder. Sam war sicher bald fertig. Und ich mußte zum Tresor. Für Umwege war keine Zeit mehr. Also die steile, mehrmals gewinkelte Stahlstiege! Katzenhaft glitt ich hoch. Der letzte Treppenabsatz ruhte mit kurzen Stützen auf einem Felsvorsprung, der sich, ansteigend, bis unter den Gebäudeeingang zog. Als ich mich zwischen Treppe und Felswand über das Geländer geschwun- gen hatte, wäre ich beinahe auf einen Körper getreten: ein offensichtlich ohnmächtiger Wachsoldat, geknebelt, die Hände mit dem Koppel an eine Stahlstrebe gebunden. Daneben lagen Uniformjacke und Käppi. Das mußte Sam gewesen sein! Er schien zu Recht von meinen nahkämpferischen Fähig- keiten nicht sonderlich überzeugt zu sein. Ich zog mir die Jacke über und setzte das Käppi auf. Die kurze Maschinenpistole, die dabeilag, nahm ich an mich. Gleich fühlte ich mich eine Spur sicherer. Die Tür oben stand weit offen. Sie führte in einen langen düsteren Gang. Aus einem Raum auf der rechten Seite fiel ein Lichtschein. Ich schlich mich in den Gang, verharrte vor dem Raum, aus dem das Licht kam. Nichts rührte sich. Ich riskierte einen Blick hinein: Ein Tisch mit einer Leselampe, in ei- nem Aschenbecher qualmte eine fast abgebrannte Zigarre mit langem wei- ßem Aschekörper. Hinter dem Tisch an der Wand flimmerten zwei Reihen Monitore, ohne ein Bild zu zeigen. Das hätte schiefgehen können! dachte ich erschrocken. Den Lauf der Maschinenpistole voran, betrat ich den Raum. Niemand da. Ich sah mich um. Links an der Wand Schränke, davor eine Sesselgruppe. In der Ecke ein klobiger Stahlschrank, teilweise in die Mauer eingegossen. Aha! Der Zahlen- kode fiel mir auf Anhieb wieder ein. Ich horchte nochmals zur Tür hinaus auf den Gang. Stille wie vordem. Dann ging ich zum Safe und prägte mir die eingestellte Zahlenkombination ein. Erst danach benutzte ich den Kode, zog vorsichtig an der Tür - und die ging tatsächlich auf. Im mittleren Fach lag eine Pistole, unten eine Kassette, und oben waren zwei dicke Mappen, ver- schlossen und mit Dienstsiegeln. Die nahm ich an mich, schob die Tür wie- der zu, stellte die ursprüngliche Zahlenreihe wieder her und wischte mit dem Käppi mögliche Fingerabdrücke weg. Die Mappen unterm Arm und die MPi im Anschlag, schlich ich denselben Weg zurück. Vom Gang aus war durch

die Tür ein breites Terrain zu überblicken. Noch immer keine Seele zu se- hen. Kaum war ich über die Schwelle getreten und auf dem Treppenvorbau an- gelangt, preßte sich von hinten eine Hand wie eine Eisenklammer auf mei- nen Mund, und ich wurde in den Schatten gezogen. Bleib ruhig, ich bin's! flüsterte ein? Stimme. Sams Stimme Ich muß sagen, ich war erleichtert. Wahrscheinlich bin ich doch nicht zum Abenteurer geboren. Ich versuchte, meine Kinnlade wieder in die rich- tige Lage zu bringen, und.überreichte Sam die Mappen. Sind das die richti- ?

gen Sie sind's, gab Sam leise zurück, er hatte nur einen kurzen Blick auf die Siegel geworfen und steckte sie in den Beutel, den er noch immer bei sich trug. Und nun Du verschwindest auf dem schnellsten Weg aus der Grotte! Durch den Tunnel. Und geh nicht in die Werkstatt, man könnte uns dort erwarten, gleich zu Mary! Ach noch etwas. Sam gab mir eine Uhr. Meine Armbanduhr.

?

Wo hast du die her

Die hab ich dem da unten abgenommen. Sam zeigte zur Treppe. Und nun

? Ich war wirklich platt.

verschwinde! Mach's gut

Ich streifte das Metallband über das andere Handgelenk, da saß es aller- dings lockerer, und schob meine Uhr an ihren Platz. Als ich wieder aufsah, war Sam schon auf dem Dach der Baracke und schickte sich an, die gewun- dene Leiterstiege an der Versorgungsröhre hinaufzusteigen. Sam kletterte ge- wandt und schnell, als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan.

Nun mußte auch ich sehen, daß ich hier wegkam. Die Maschinenpistole noch immer umgehängt, lief ich schnell die Treppe hinunter. Unten wollte ich mich wieder in den Schutz der Felsblöcke und Felsen begeben. Von dort war es nicht mehr allzu weit bis zum Einstieg. Gerade wollte ich das Gelän- der überwinden, als plötzlich jemand mit hallenden Schritten über die Brücke kam. Ich drückte mich in den Gebäudeschatten, so gut es ging. Die Gestalt war ziemlich nahe, ein Zivilist.

Kommen Sie, Mann, kommen Sie! rief er scharf. Er konnte nur mich mei- nen. Kommen Sie, da oben klettert jemand rum! Die Gestalt wartete nicht erst, als sie auf meiner Höhe war, sondern* lief weiter, die Treppe hinauf, die ich soeben herabgekommen war. Na, kommen Sie schon! Ich ging langsam hinterher. Jetzt nur die Nerven behalten. Schießen Sie! Der Zivilist wies feldherrenhaft in die Höhe. Dort war Sam schon nahe an die Schattengrenze der Scheinwerfer gelangt. Schießen Sie doch endlich! Die Stimme kam mir bekannt vor. Ich werde nicht schießen, sagte ich leise, aber deutlich, und stieg langsam höher. Der Zivilist drehte sich um, blickte mich verständnislos an. Wie sehen Sie

denn aus, Mann! Was sagen Sie '

Allerdings sah ich eigenartig aus in meinen Turnschuhen und dem Tau- cheranzug, darüber Uniformjacke und Käppi. Blacky war der Zivilist, der da vor Staunen und Empörung verstummt war. Ja, ich bin's, und ich werde nicht schießen, du Gangster! Und wenn du auf

Das sagte er mit eigenartiger Betonung.

? Es klang gefährlich.

mich schießt, dann ist es auch vorbei! Blacky hatte die Beherrschung verloren. Er zog einen länglichen Gegen- stand aus.der Tasche und ließ eine blitzende Klinge herausspringen. Mich hast du nur einmal übertölpelt, David! Er tapste mir breitbeinig die Treppe herunter entgegen. Einen Kolben, mit dem ich zuschlagen konnte, hatte die MPi nicht, also packte ich sie beim Lauf und holte aus. Blacky stieß urplötzlich zu, in die- sem Spiel war er geschickter als ich. Seitlich" konnte ich eben noch auswei- chen und traf mit der Waffe nur die Treppenstufe, daß die Funken stoben. Sein zweiter Angriff war besser berechnet, er täuschte, warf das Messer von der Rechten in die Linke, stieß zu, auf meine für einen Moment ungedeckte Seite - und hätte mich unbedingt getroffen. Wenn nicht - ja, wenn er nicht das Messer plötzlich verloren hätte und irgendwie abgerutscht wäre. Sein Schwung trug ihn an mir vorbei auf das Geländer. Blacky kippte wirbelnd vornüber und schoß, sich drehend, in die Tiefe. Wie aus einem Brunnenschacht hörte ich noch ein Aufklatschen, das mehr- fach gebrochen in der Grotte widerhallte. Dann war es still. Ich blickte keuchend nach oben. Von Sam war nichts mehr zu sehen. Ei- nen Möwenschrei hatte ich aber auch nicht gehört Auf dem Rückweg wollte ich unbedingt noch einen Blick auf die bläuliche Gestalt hinter der Panzertür werfen. Diese stand weit offen, als ich hinkam, der Raum aber war leer. Nur die verschlungenen Drähte an den Geräten vi- brierten noch leicht. Das übrige Geschehen ist mir nur bruchstückhaft im Gedächtnis geblie- ben. Uniformteile und MPi hatte ich in eine Felsspalte geworfen. Dann bin ich wie im Traum durch den Tunnel gekrochen. Sams Sauerstoffflaschen in der kleineren Höhle hatte ich versenkt, das wußte ich noch. An den Rückweg unter Wasser kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Bevor ich dann im Baumwollfeld untertauchte, sah ich mich noch einmal um. Der Dreiviertölmond war inzwischen ziemlich hoch gestiegen, verschlei- ert von bizarren Wolkenbänken. Es war weit nach Mitternacht. Von dort, wo das Camp liegen mußte, waren kurz hintereinander Schüsse zu hören. Gleichzeitig trug der aufgefrischte Wind ein Brummen heran. Eine kreisför- mige Funkenbahn stieg ein Stück über Land, flog dann über die Steilküste aufs Meer hinaus. Ein Hubschrauber. Irgendwann war ich bei Mary angelangt. Die Haustür offen, zum Glück. Ich fiel aufs Bett und war auch schon eingeschlafen.

David! Steh auf, David! Marys Stimme klang ungeduldig, sie mußte schon mehrmals erfolglos gerufen haben. Der Reporter war schon zweimal da. Sie zog mir das Kopfkissen weg.

? Ich quälte mich hoch und starrte Mary verständnis-

los an. Na, einer von denen, die seit heute morgen hier rumstöbern. Ich war sofort aus dem Bett, stürzte zum Fernseher und schaltete ein. Wer- bung, Werbung, dann Nachrichten: Weltpolitik, Anschläge, ein neuer Kern- waffentest, ein mißglückter Startversuch - und am Schluß: Die von der Nachrichtenagentur AP veröffentlichten Dokumente haben Proteste und Un-

Welcher Reporter

ruhe unter Politikern ausgelöst. Eine Regierungskommission ist noch in den Morgenstunden zu einer Sondersitzung zusammengekommen. Das Fernsehbild wechselte. Es wurden Dokumente in Nahaufnahme ge- zeigt. Dahinter zwei Mappen mit aufgebrochenen Dienstsiegeln: die Map-

pen, die ich in der Nacht aus dem Tresor geholt hatte

David, bevor du frühstückst, mußt du noch schnell die Gardine wieder an-

bringen, die hängt schon zwei Tage herunter

Küche. Ach, und Sam hat den Kassettenrecorder für dich gebracht.

Mary wirtschaftete in der

Ich schaltete aus.

Wieso Sam? Und was für einen Recorder? Na, bevor er verreist ist, das weißt du doch

So, das wußte ich also, na ja. Ich rückte mir die Leiter ans Fenster, schal- tete dann das Gerät ein und stieg hoch, die Gardine zu richten. Hallo, David, erklang es, ich hoffe, du hast die letzte Nacht gut überstan- den. Schalte den,Fernseher ein, dann erfährst du mehr. Mary wird dir erzählt

haben, daß ich für längere Zeit verreist bin

übrigens, vielleicht interessieren die dich noch. Die waren auch ein hologra- phisches Produkt, eine Computerspielerei der Techniker. Ich danke dir für

, und auch sonst. Bist ein feiner Kerl. Mach's gut, David. Das

Band löscht sich von selbst. Längere Zeit war nur ein feines Rauschen zu hören, dann ein schriller Mö- wenschrei. Ich wollte das Band stoppen und zurückspulen. In der Hast verfehlte ich die Leiterstufe,

Das hört sich ja gut an, David! Der Reporter auf dem Stuhl neben meinem Bett zwinkerte mir schalkhaft zu. Wir kaufen Ihnen die Geschichte ab, okay? Ich sah verärgert auf mein hochgebundenes Gipsbein. Der Mensch glaubte mir anscheinend nicht! Und wo haben Sie das mysteriöse Armband? Das haben Sie doch wohl den Außerirdischen nicht wiedergegeben? Er lachte herzlich und haute sich da- bei auf die Schenkel. Ich Idiot! Das muß ich auf dem Rückweg verloren haben! Ich schlug mir mit der rechten Hand an die Stirn. Der Arm war allerdings auch in Gips.

den Tip

Deine kleinen grünen Männer

wo bleiben sie eigentlich, die Einsteins, Plancks oder Röntgens von heute? wo sind die Entdecker, Erfinder - diese ge- nialen Menschen

ein Buch herausgegeben, das über

den Alltag junger Wissenschaftler berichtet, die schon heute „Spitze" sind, die aber noch auf weit Größeres hoffen lassen.

Hans-Gert Schubert hat

Leben an der Spitze

heißt dieser - vom gewohnten Buchformat etwas abwei- chende - Reportageband, der damit aber auch äußerlich je- nen stillen - etwas „ungenormten" - Helden aus den Labors und Prüffeldern entspricht. Dreizehn Porträts über Männer und Frauen werden dem Le- ser von Journalisten unterschiedlichster Handschrift vorge- stellt: junge Experten, „die auf der Suche nach noch nie er- dachten sinnvollen wissenschaftlich-technischen Lösungen

smcl " -

Stimme der DDR

Sie alle wissen, woher sie kommen,

wohin sie gehören, welches ihre Ziele sind. Sie haben ihre Partner, ohne die sie nie bestehen könnten, Ehrgeiz, Kampf-

geist, ihre ganz großen Aufgaben, und die sind kompliziert genug, um auch des Lesers Geist zu fördern.

Junge Welt, Berlin

Alle um die 30 Lenze

Mit 26 Fotos • 148 Seiten • Broschiert 7,80 M

Verlag Neues Leben Berlin