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Geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft
 

Handlungsbereich „Rechts- und Aufgabenbezogenes Handeln“

1. Rechtskunde

Lektion 3/5

1.5 Strafrecht / StGB Allgemeiner Teil

Einführung:

Das Sachgebiet StGB ist sehr wichtig, da es im schriftlichen Teil der Prüfung bei allen
bisherigen Prüfungen abgeprüft wurde.

Im dieser Lektion wird der Allgemeine Teil erläutert, der in der Prüfung grundsätzlich aber
nur mit dem Besonderen Teil zusammen abgefragt wird.

Daher wird in dieser Lektion auch als einziger im gesamten Lehrgang auf einen
eigenständigen Test verzichtet.

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Inhaltsverzeichnis:

1.5.1 Allgemeiner Teil des StGB, S. 3

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Das Strafgesetzbuch (StGB) besteht aus zwei Teilen,

• dem allgemeinen Teil, der auch für strafrechtliche Nebengesetze wie das
Betäubungsmittel- und das Waffengesetz gilt
• und dem besonderem Teil, in dem die einzelnen Straftaten sowie das jeweilige
Strafmaß geregelt sind.

1.3.1 Allgemeiner Teil des StGB

Keine Strafe ohne Gesetz

§ 1 StGB legt fest, dass es keine Strafe ohne (vorheriges) Gesetz geben darf. Zuerst
muss ein Gesetz vorhanden sein und erst dann kann man dagegen verstoßen.

Beispiel:

Vor einigen Jahren wurde der § 238 StGB, Nachstellung (Stalking) neu in das StGB
eingefügt. Wer vor einem anderen nachgestellt hat, konnte nicht belangt werden.

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Vorsatz / Fahrlässigkeit

Nach § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, es sei denn, das
Gesetz sieht für fahrlässiges Handeln eine Strafe vor

Vorsatz bedeutet mit Wissen und Wollen; absichtlich

Beispiele:

Mord, Raub, Diebstahl

Fahrlässigkeit bedeutet die notwendige Sorgfalt außer Acht lassen; aus Versehen.

Beispiele:

Fahrlässige Körperverletzung, fahrlässige Brandstiftung

Versuch einer Straftat

Nach § 22 StGB versucht eine Straftat, wer nach seiner Vorstellung von der Tat
unmittelbar zur Verwirklichung des Tatbestandes ansetzt.

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Beispiel:

Der Jugendliche Jung will mit einem Schraubenzieher einen Zigarettenautomaten


aufhebeln, was ihm jedoch misslingt.

Der Versuch ist bei Verbrechen immer, bei Vergehen nur dann strafbar, wenn es
ausdrücklich im Gesetz steht.

Verbrechen / Vergehen

Unter einem Verbrechen versteht man eine Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe von
mindestens 1 Jahr (oder mehr) bestraft wird.

Beispiele:

Mord, Raub, Brandstiftung

Ein Vergehen dagegen ist eine Straftat, bei der die Mindeststrafe unter einem Jahr
Freiheitsstrafe liegt oder sogar nur bei einer Geldstrafe. Die Höchststrafe kann auch
darüber liegen.

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Beispiele:

Hausfriedensbruch, Diebstahl, Sachbeschädigung

Offizialdelikte / Antragsdelikte

Offizialdelikte werden nach dem Legalitätsprinzip von der Staatanwaltschaft generell


verfolgt, was für die meistens Straftaten zutrifft.

Offizialdelikte sind alle Verbrechen und die meisten Vergehen.

Beispiele:

Diebstahl, Betrug, Urkundenfälschung

Antragsdelikte werden grundsätzlich nur verfolgt, wenn das Opfer innerhalb von 3
Monaten einen Strafantrag stellt. Antragsdelikte werden im Gesetz als solche
bezeichnet.

Beispiele:

Hausfriedensbruch, Beleidigung, Körperverletzung

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Täterschaft, Anstiftung, Beihilfe

Eine Straftat kann man nach § 25 StGB u.a. entweder eine Person alleine begehen, sie
ist dann Alleintäter oder mit anderen zusammen (Mittäter).

Anstifter nach § 26 StGB ist, wer einen anderen dazu bringt, eine vorsätzliche,
rechtswidrige Straftat zu begehen.

Beispiel:

Da er den Kollegen Lang nicht mag, bietet Kurz dem Mittig 20 €, wenn Mittig das Handy
des Lang aus dem Fenster wirft. Mittig wirft das Handy aus dem Fenster, wodurch das
Handy kaputtgeht.

Eine Beihilfe gem. § 27 StGB leistet, wer vorsätzlich einem anderen bei dessen
vorsätzlicher, rechtswidriger Straftat Hilfe leistet, ohne selbst (Mit-)Täter zu sein.

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Beispiel:

Knifflig besorgt dem Diebig einen Gebäudeplan zu einer Bank. Diebig verschafft sich mit
Hilfe des Plans Zutritt und stiehlt aus den Schließfächern wertvollen Schmuck.

Nur Diebig ist Täter (besonders schwere Fall des Diebstahls, §§ 242, 243 StGB), Knifflig
leistet „nur“ Beihilfe zum besonders schweren Fall des Diebstahls (§§ 242, 243, 27
StGB).

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Voraussetzungen der Strafbarkeit

Damit ein Täter wegen einer Straftat bestraft werden kann, müssen gleichzeitig folgende
Punkte vorliegen:

• Tatbestand (eine Straftat, z.B. Diebstahl)


• Rechtswidrigkeit (der Täter hat keinen Rechtfertigungsgrund wie z.B. Notwehr)
• Schuld (der Täter ist schuldfähig, hat keinen Entschuldigungsgrund)

Tatbestand

Ein Täter verwirklicht einen Tatbestand, wenn er eine im Strafgesetzbuch festgelegt


Straftat begeht, z.B. Diebstahl oder Unterschlagung.

Rechtswidrigkeit

Der Täter hat für sein Handeln keinen Rechtfertigungsgrund, wie z.B. Notwehr,
Selbsthilfe o.ä.

Schuld

Der Täter ist bei Begehung der Tat schuldfähig (nicht geisteskrank, nicht sehr stark
betrunken oder unter 14 Jahre alt), er unterliegt keinem Irrtum (Putativnotwehr) und es
liegt kein Entschuldigungsgrund vor (z.B. Entschuldigender Notstand).

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Wichtig:

Wenn in der Prüfung danach gefragt wird, ob ein Verhalten strafrechtlich relevant war, so
sind alle drei Bereiche (Tatbestand, Rechtswidrigkeit, Schuld) zu prüfen.

Sind zu einem Bereich aber keine Anhaltspunkte in der Prüfung gegeben, so ist dieser
auch nicht ausdrücklich zu prüfen.

Beispiel:

In der Prüfung lautet eine Frage:

Müller schlägt aus Wut über seine Entlassung am Auto seines Vorgesetzten eine
Scheibe ein. Erläutern Sie, wie sich Müller strafbar gemacht hat.

Hier erläutern Sie in der Prüfung „nur“ den Tatbestand ausführlich, zu Rechtswidrigkeit
und Schuld langt der Satz:

„Rechtswidrigkeit und Schuld sind gegeben“.

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