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Auslegung des Reaktors

Für die Berechnung des Reaktionsvolumens des Reaktors wurden die Eingangsvolumenströme sowie
das entstehende Wasser aufsummiert. Dabei wird eine ideale Mischung angenommen, bei der keine
Volumeneffekte auftreten.

𝑚3 𝑚3
4,32 𝐺𝑙𝑦𝑐𝑒𝑟𝑖𝑛 𝑓𝑟𝑖𝑠𝑐ℎ + 0,7 𝐺𝑙𝑦𝑐𝑒𝑟𝑖𝑛 𝑎𝑢𝑠 𝑑𝑒𝑟 𝑅ü𝑐𝑘𝑓üℎ𝑟𝑢𝑛𝑔
ℎ ℎ
𝑚3 𝑚3 𝑚3
+ 1,61 𝑀𝑜𝑛𝑜𝑐ℎ𝑙𝑜𝑟ℎ𝑦𝑑𝑟𝑖𝑛 + 2,39 𝑊𝑎𝑠𝑠𝑒𝑟 = 8,4 𝑅𝑒𝑎𝑘𝑡𝑜𝑟𝑑𝑢𝑟𝑐ℎ𝑠𝑎𝑡𝑧
ℎ ℎ ℎ

Für die Verweilzeit wurden 3 Stunden angenommen. Dieser Wert wurde einer Veröffentlichung
entnommen (Abbildung 1). Nach etwa 3 Stunden zeigte das Experiment eine Verringerung der
Reaktionsgeschwindigkeit mit der 1,3-Dichlorhydrin gebildet wird. Nach etwa 6 Stunden würde das
Thermodynamische Gleichgewicht der Reaktion erreicht. Dies würde jedoch einen sehr viel größeren
Reaktor erfordern. Zusätzlich wird mehr von dem unerwünschten Nebenprodukt 2-Monochlorhydrin
gebildet. Da vorgesehen ist, das verbliebene 1-Monochlorhydrin nach der Abtrennung des Produktes
zurück in die Reaktion zu führen, ist die Verweilzeit von 3 Stunden für einen wirtschaftlichen Prozess
angemessen.

Abbildung 1: Konzentrationsverläufe über die Zeit nach Santacesaria et al.1

1
Santacesaria et al. Ind. Eng. Chem. Res. 2010, 49, 964–970
Das benötigte Reaktorvolumen errechnet sich gemäß der Gleichung:

𝑉𝑅𝑒𝑎𝑘𝑡𝑜𝑟 = 𝑣̇ ∙ 𝜏

𝑚3
𝑉𝑅𝑒𝑎𝑘𝑡𝑜𝑟 = 8,4 ∙ 3 ℎ = 25,2 𝑚3

Diese Berechnung berücksichtigt noch nicht das eingesetzte Chlorwasserstoffgas. Bei einem
angenommenen Behälterdurchmesser von 2 m ergibt sich eine Gasleerrohrgeschwindigkeit des
Chlorwasserstoffgases von:

𝑚3
𝑣𝐺𝑎𝑠
̇ 0,2
𝑉𝑠 = = 𝑠 = 0,063 𝑚/𝑠
𝐴𝑅𝑒𝑎𝑘𝑡𝑜𝑟 3,14 𝑚2

Dies wäre nach Kraume (Abbildung 2) etwa an der Grenze zwischen einer homogenen
Blasenströmung und dem Übergangsbereich. Für die weitere Betrachtung wird von einer homogenen
Blasenströmung ausgegangen.

Abbildung 2: Gasverhalten in Blasensäulen nach Kraume s.5762

Die Blasenaufstiegsgeschwindigkeit des Systems müsste Experimentell ermittelt werden. Da keine


solchen Daten vorliegen wird von 25 cm/s ausgegangen (Luftblasen in Glycerin/Wasser Gemisch)3.

2
Kraume, Transportvorgänge in der Verfahrenstechnik, VDI, Springer Verlag, 2004
3 Bryn, T. Forsch Ing-Wes (1933) 4: 27. Steiggeschwindigkeit von Luftblasen in Flüssigkeiten
Damit ergibt sich im homogenen Strömungsbereich der Gasvolumenanteil (Kraume S.581):

𝑉𝑠 0,063 𝑚/𝑠
𝜀𝑔 = = = 0,252
𝑊𝐵 0,25 𝑚/𝑠

Das Benötigte Reaktorvolumen erhöht sich also:

𝑉𝑅𝑒𝑎𝑘𝑡𝑜𝑟 = 𝑉𝑅𝑒𝑎𝑘𝑡𝑜𝑟 𝑜ℎ𝑛𝑒 𝐺𝑎𝑠 ∙ (1 + 𝜀𝐺 ) = 25,2 𝑚3 ∙ 1,252 = 31,55 𝑚3

Geht man von einer Flüssigkeitshöhe von 10 m aus, damit laut Patent kein Chlorwasserstoffgas den
Kopf der Kolonne erreichen kann4, ergeben sich die Reaktorabmessungen:

𝑉𝑅𝑒𝑎𝑘𝑡𝑜𝑟 ∙ 4 31,55 𝑚3 ∙ 4
𝐷𝑅𝑒𝑎𝑘𝑡𝑜𝑟 = √ = √ = 2,00 𝑚
𝜋 ∙ ℎ𝐹𝑙ü𝑠𝑠𝑖𝑔𝑘𝑒𝑖𝑡 𝜋 ∙ 10 𝑚

Da die Flüssigkeitshöhe etwa bei 70% des Reaktorvolumens stehen sollte ergibt sich eine
Gesamthöhe des Reaktors von:

ℎ𝐹𝑙ü𝑠𝑠𝑖𝑔𝑘𝑒𝑖𝑡 10 𝑚
ℎ𝑅𝑒𝑎𝑘𝑡𝑜𝑟 = = = 14,28 𝑚 ~ 14,3 𝑚
0,7 0,7

Das Material des Reaktors muss Korrosionsbeständig sein, da es direkt mit dem Chlorwasserstoffgas
in Berührung kommt. Die günstigste Möglichkeit wäre ein Glasfaserverstärkter Polymerwerkstoff. Da
neben dem hydrostatischen Druck kein weiterer Gasdruck im Behälter aufgebaut wird muss der
Reaktor nicht als Druckgerät ausgelegt werden.

Auslegung der ersten Destillationsstufe


In die erste Destillationsstufe kommt ein theoretischer Volumenstrom von 9,5 m3/h (0,16 m3/min)
an. Hierbei wird von einer idealen Mischung ausgegangen, in der keine Volumeneffekte auftreten.
Bei einer Verweilzeit von 10 Minuten ergibt sich damit ein Volumen:

𝑚3
𝑉𝐹𝑙ü𝑠𝑠𝑖𝑔𝑘𝑒𝑖𝑡 = 𝑉̇ ∙ 𝜏 = 0,16 ∙ 10 min = 1,6 𝑚3
𝑚𝑖𝑛

Bei einem geschätzten Behälterdurchmesser von 1 m ergibt sich damit eine Flüssigkeitshöhe:

𝑉𝐹𝑙ü𝑠𝑠𝑖𝑔𝑘𝑒𝑖𝑡 ∙ 4 1,6 𝑚3 ∙ 4
ℎ𝐹𝑙ü𝑠𝑠𝑖𝑔𝑘𝑒𝑖𝑡 = 2 = = 2,04 𝑚
𝜋 ∙ 𝐷𝐵𝑒ℎä𝑙𝑡𝑒𝑟 𝜋 ∙ 12 𝑚 2

Bei einer angenommenen Bodenzahl von 15 und 0,5 m pro Boden ergibt sich die gesamthöhe der
Kolonne von 9,54 m.

Gemäß dem verwendeten Patent wird die erste Destillationsstufe bei Normaldruck und 120°C
betrieben. Über den Kopf wird ein Azeotrop aus Wasser und Dichlorhydrin mit einem Massenstrom
von 3,1 t/h abgezogen. Geht man für das Gemisch von einer Verdampfungsenthalpie von 40,66
kJ/mol (reines Wasser) aus, ergibt sich ein Wärmebedarf von:

𝑄̇ = 𝑛̇ ∙ ℎ𝑣𝑒𝑟𝑑𝑎𝑚𝑝𝑓𝑒𝑛 = 5621873,06 kJ/h

4
Patent EP2093221A1
Dies entspricht einer Heizleistung von etwa 1500 kW. Mit angenommenem
Wärmedurchgangskoeffizienten von 10 kW/m2K für einen Verdampfungs- oder
2
Kondensationsprozess entspricht dies einem Wärmeübertrager mit einer Fläche von etwa 15m . Als
Material muss ein Korrosionsbeständiger Werkstoff gewählt werden, z.B. Hastelloy oder ein Grafit-
Wärmeübertrager. Dieselbe Leistung muss zur Kühlung über den Kondensator wieder abgeführt
werden.

Im Sumpf verbleiben 6,53 m3/h eines Gemischs aus Monochlorhydrin, Dichlorhydrin und Spuren von
Glycerin. Dieses wird in einer zweiten Destillationsstufe getrennt. Die Pumpleistung für den
Stofftransport wird durch die Annahme berechnet:

𝑘𝑔 𝑚3
𝜌 ∙ 𝑔 ∙ 𝑣̇ ∙ 𝐻𝐴 1390 3 ∙ 𝑔 ∙ 6,53 ∙ 10 𝑚
𝑚 ℎ
𝑃𝑊𝑒𝑙𝑙𝑒 = = = 353 𝑊
𝜂 0,7

Das entspricht mit Wirkungsgrad von 80% einer Motorleistung von 441 W. Für die Auslegung wurden
für den Stofftransport Kreiselpumpen mit einer Motorleistung von 500 W ausgewählt. Das Material
muss Korrosionsbeständig sein (Edelstahl oder Haselloy).

Auslegung der zweiten Destillationsstufe


Die zweite Destillationsstufe trennt das gewünschte Produkt 1,3-Dichlorhydrin aus der
Reaktionsmischung ab. Dabei werden der Kolonne 6,53 m3/h zugeführt. Analog zur ersten
Destillationsstufe wird eine Verweilzeit von 10 Minuten angenommen. Damit ergibt sich ein
Flüssigkeitsvolumen von:

𝑚3
𝑉𝐹𝑙ü𝑠𝑠𝑖𝑔𝑘𝑒𝑖𝑡 = 𝑉̇ ∙ 𝜏 = 0,109 ∙ 10 min = 1,09 𝑚3
𝑚𝑖𝑛

Bei einem angenommenen Kolonnendurchmesser von 1 m ergibt dies eine Flüssigkeitshöhe von:

𝑉𝐹𝑙ü𝑠𝑠𝑖𝑔𝑘𝑒𝑖𝑡 ∙ 4 1,09 𝑚3 ∙ 4
ℎ𝐹𝑙ü𝑠𝑠𝑖𝑔𝑘𝑒𝑖𝑡 = 2 = = 1,39 𝑚
𝜋 ∙ 𝐷𝐵𝑒ℎä𝑙𝑡𝑒𝑟 𝜋 ∙ 12 𝑚 2

Mit einer angenommenen Stufenzahl von 15 und 0,5 m pro Boden berechnet sich die gesamthöhe
der Kolonne mit 8,89 m. Die Kolonne wird mit Unterdruck betrieben (200 mbar abs.) und muss aus
einem korrosionsbeständigen Werkstoff gefertigt sein (Hastelloy).

Über den Kopf werden 6,34 t/h Dichlorhydrin abdestilliert. Im Sumpf verbleiben 2,04 m 3/h eines
Gemisches aus 1 und 2-Monochlorhydrin. Etwa 10% dieses Gemisches werden als Abfall
ausgeschleust, da sich 2-Monochlorhydrin anreichert. Der Rest wird zurück in den Reaktionsbehälter
gepumpt. Da die Berechnung nur auf groben Annahmen basiert, werden für die zweite
Destillationsstufe werden dieselben Wärmeüberträger und Pumpen eingeplant wie für den ersten
Destillationsschritt. Zusätzlich ist ein Kompressor zur erzeugung des Unterdruckes notwendig. Eine
ChemCAD-Simulation ergab eine theoretische Kompressorleistung von 305 kW.
Simulation in ChemCAD
Durch die Simulation in ChemCAD zeigten sich insbesondere bei der Zweistufigen Destillation
Abweichungen zu den Annahmen aus den aufgeführten Berechnungen.

Für den ersten Destillationsschritt wurden im Computermodell eine Destillation unter Vakuum (0,1
bar abs.) angenommen. Die Temperatur in der Kolonne beträgt dabei 45,5°C und das
Rücklaufverhältnis 3,5 und die Stufenzahl 6. In dieser Konfiguration wird im Sumpf eine Heizleistung
von 5300 kW benötigt. Nach dieser Spezifikation wäre die Kolonne nach den oben genannten
Annahmen mit einem Durchmesser von 1 m nur noch 5,04 m hoch. Der Wärmeübertrager im Boden
der Kolonne hätte eine theoretische Fläche von etwa 50 m2. Zusätzlich wäre ein Kompressor zur
Erzeugung des Unterdrucks in der ersten Destillationsstufe notwendig.

Die zweite Destillationsstufe würde ebenfalls unter Vakuum (0,1 bar abs) bei einer Temperatur von
153,7 °C im Sumpf ablaufen. Die Stufenzahl wurde mit 22 ermittelt, das Rücklaufverhältnis mit 2,7.
Damit wäre die Kolonne mit einem angenommenen Durchmesser von 1 m nun 12,39 m hoch. Im
Sumpf würde eine Heizleistung von 3200 kW benötigt, dies erfordert bei den getroffenen Annahmen
einen Wärmeübertrager mit einer Fläche von etwa 30 m2.
Zusammenfassung

Manuelle Berechnung
Tabelle 1: Apparate Reaktion

Apparat Dimensionierung Weitere Spezifikationen


Kolonne Vertikal 14,3m x 2m Glasfaserverstärker Kunststoff
Kreiselpumpe für Glycerin 1 kW
Kompressor für HCL 15 kW Liquid Ring Compressor,
Korrosionsbeständig

Tabelle 2: Apparate Destillation erste Stufe

Apparat Dimensionierung Weitere Spezifikation


Kolonne Vertikal 9,54m x 1m Hastelloy, 15 Böden
Verdampfer 15 m2 Grafit-Wärmeübertrager
Kondensator 15 m2 Hastelloy Spiralwärmeübertrager
Pumpe 0,5 kW Hastelloy

Tabelle 3: Apparate Destillation zweite Stufe

Apparat Dimensionierung Weitere Spezifikation


Kolonne Vertikal 8,89m x 1m Hastelloy, 15 Böden, Druckbehälter
Verdampfer 15 m2 Grafit-Wärmeübertrager
Kondensator 15 m2 Hastelloy, Spiralwärmeübertrager
Pumpe 0,5 kW Hastelloy
Kompressor 305 kW

ChemCAD Modell
Tabelle 4: Apparate Destillation erste Stufe

Apparat Dimensionierung Weitere Spezifikation


Kolonne Vertikal 5,04m x 1m Hastelloy, Druckbehälter, 6 Böden
Verdampfer 50 m2 Grafit-Wärmeübertrager
Kondensator 50 m2 Hastelloy, Spiralwärmeübertrager
Pumpe 0,5 kW Hastelloy
Kompressor 305 kW

Tabelle 5: Apparate Destillation zweite Stufe

Apparat Dimensionierung Weitere Spezifikation


Kolonne Vertikal 12,39m x 1m Hastelloy, Druckbehälter, 22 Böden
Verdampfer 30 m2 Grafit-Wärmeübertrager
Kondensator 30 m2 Hastelloy, Spiralwärmeübertrager
Pumpe 0,5 kW Hastelloy
Kompressor 305 kW