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Gefäßerkrankungen

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GefäSSerkrankungen
Das Kreislaufsystem setzt sich aus Herz, Arterien, Kapillaren und Venen zusammen. In diesem geschlossenen
Kreislauf zirkuliert das Blut im ganzen Körper ohne Start und Ende. So können dem Blut in allen Körperregionen
Stoffe zugeführt werden oder abgezogen werden. Jede Zelle hat Anschluss an dieses System und kann ihren
Stoffwechsel aufrecht erhalten.

Das Blut nimmt in den Lungen Sauerstoff auf und gibt Kohlendioxid ab. Weiters nimmt es auch im Darm Nährstof-
fe auf und bringt sie zur Leber zur Speicherung oder zum Abbau, je nach Bedarf.

Die Stoffe zirkulieren so lange im Blut, bis sie schließlich die Stellen erreichen, an der sie benötigt werden. Dort
werden sie von der Zelle aufgenommen und verlassen die Blutbahn. Die Zelle gibt nun ihre Abbauprodukte an den
Blutkreislauf ab.

Kreisläufe
GroSSer Kreislauf (= Körperkreislauf):
Der große Kreislauf beginnt mit dem Abgang der Schlagader (Aorta) aus der lin-
ken Herzkammer und verzweigt sich in andere Arterien (Schlagadern). Die Äste
werden immer kleiner und gehen in Kapillaren (Stoffaustausch) über. Diese Ka-
pillaren vereinigen sich zu Venen und werden zur oberen und unteren Hohlvene,
welche das Blut zum rechten Vorhof des Herzens zurücktransportiert.

Arterien gehen vom Herzen weg  sauerstoffreiches Blut


(Ausnahme: Pulmonalarterie)
Venen gehen zum Herzen hin  sauerstoffarmes Blut
(Ausnahme: Lungenvene)

Kleiner Kreislauf (= Lungenkreislauf):


Von der rechten Herzkammer gelangt sauerstoffarmes
Blut über die Lungenschlagader zu den Lungen. In den
Lungenbläschen findet ein Gasaustausch statt und das
sauerstoffreiche Blut gelangt über die Lungenvenen zu-
rück zum linken Vorhof des Herzens.

Pfortadersystem:
Dieses ist im Bereich der Verdauungsorgane in den großen Kreislauf eingeschaltet und bringt das Blut von den
Bauchorganen Darm, Magen, Milz und Bauchspeicheldrüse zur Leber.

häufigsten GefäSSErkrankungen
•• Arteriosklerose • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)
•• Schlaganfall • Herzinfarkt
•• Bluthochdruck • Karotisstenose
•• Koronare Herzkrankheit • Angina Pectoris
•• Nierenfunktionsstörung • Krampfadern
•• Venenthrombosen

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Arteriosklerose
Die Arteriosklerose ist eine degenerative Arterienveränderung, die zur Verdickung und Verhärtung der Arterien-
wand, Lumeneinengung und Elastizitätsverlust führt. Sie ist in unseren Breiten die häufigste Gefäßerkrankung
und ist die Hauptursache der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK).

Pathogenese:
Zunächst werden fettartige Substanzen, später auch Kalzium in die Gefäßwand eingelagert. Anfänglich ist die
Senkung des Blutfettspiegels heilbar.
Durch Bluthochdruck, Wirbelbildung des Blutstromes, lokalen Sauerstoffmangel und fehlerhafte Blutzusammen-
setzung wird die innerste Schicht der Gefäßwand der Arterien, Venen und Lymphgefäße geschädigt. Um kleine
Zellschäden zu beheben, haften sich die Blutplättchen an den geschädigten Bereichen an. Wenn die Abdichtung
unzureichend ist, kann hier Blut in die Intima fließen (Flüssigkeitsansammlung in der innersten Schicht der Gefäß-
wand).
So können sich Fett- und Kalkablagerungen bilden. Die Folgen sind Gefäßeinengungen und Gefäßverletzungen,
die zu Geschwüren führen können, welche durch Thromben abgedeckt werden und das Innere der Gefäße ver-
engen oder sogar verschließen können.

Folgen der Arteriosklerose:


•• Durchblutungsstörungen
•• Absterben von Gewebe
•• Je nach Lokalisation der Gefäßeinengung bilden sich unterschiedliche Krankheitsbilder

Häufige Komplikationen:
•• Herzinfarkt
•• Hirnschlag
•• Geschwürbildung
•• Arterielle Embolien
•• Niereninfarkt

Krankheitsbilder:
•• PAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheiten)
•• Claudicatio Intermittens (Schaufensterkrankheit)
•• Arterielle Verschlüsse
•• Arteriosklerotische Aneurysmen

Verlauf:
Arterielle Gefäßerkrankungen verlaufen chronisch. Sie
treten erst in höherem Alter auf. Der Lebensstil des bis-
herigen Lebens ist dafür verantwortlich. Wenn die Krank-
heit noch im Anfangsstadium ist, kann man dem Verlauf
mit Bewegung, Medikamenten und Operationen entge-
genwirken. Wenn die Krankheit fortgeschritten ist, kön-
nen Geschwüre entstehen. Das Risiko, einen Schlagan-
fall oder einen Herzinfarkt zu erleiden, steigt.

Gefäßerkrankungen 3
Vorbeugen:
Arterielle Gefäßerkrankungen: Venöse Gefäßerkrankungen:
•• Rauchen einstellen •• Alkohol und Nikotin vermeiden
•• Blutdruck, Cholesterinwerte und Homozysteinwerte •• Beine öfter hoch lagern
senken
•• Flache Schuhe tragen
•• Gewicht abnehmen
•• Bewegung
•• Regelmäßige Bewegung
•• Liegen und laufen ist besser als sitzen und stehen
•• Zu große Wärme meiden

10 Tipps für gesunde Venen


1 Bewegen Sie sich so viel wie möglich:
Treppe statt Aufzug, gehen statt fahren, Pausen beim Arbeiten und Reisen für Bewegungsübungen nutzen

2 Beine nicht übereinander schlagen.

3 Sitzhöhe so einstellen, dass die Oberschenkel locker aufliegen.

4 Tragen Sie flache Schuhe und keine hohen Absätze oder Plateausohlen.

5 Gehen Sie häufig in Strümpfen oder barfuss, tragen Sie bequeme Kleidung.

6 Trinken Sie genug Flüssigkeit, am besten Wasser oder Tee.

7 Essen Sie lieber fünf kleine als drei große Mahlzeiten.

8 Lagern Sie Ihre Beine hoch.

9 Meiden Sie große Hitze und duschen Sie Ihre Beine im Sommer öfter kalt ab.

10 Betreiben Sie Sport.

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pAVK (periphere arterielle verschlusskrankheit)
Darunter versteht man arteriosklerotische Verengungen bzw. Verschlüsse von Gefäßen der Extremitäten
– Beine, Becken, Arme. In über 90 % der Fälle sind Beinarterien betroffen. Die PAVK entwickelt sich allmählich.

Risikofaktoren:
Hyperlipidämie (Erhöhung der Blutfettwerte) und vor allem erhöhte LDL-Werte
Hypertonie (Bluthochdruck) verstärkt das Arterioskleroserisiko. Letzteres verursacht Blutdruckerhöhung und es
kommt zu einem Teufelskreis.
Rauchen erhöht den Blutcholesterinspiegel.
Die Einnahme der Pille und Rauchen bei Frauen erhöht das Arterioskleroserisiko.
Männer sind 5x häufiger betroffen.
Bis zur Menopause tritt die Erkrankung bei Frauen seltener auf, da die weiblichen Geschlechtshormone eine
Schutzfunktion auf die Gefäßwände ausüben.
Zuckerkrankheit führt zu Sklerose.
Schilddrüsenunterfunktion
Veranlagung
Alter
Bewegungsmangel
Übergewicht erhöht das Cholesterin und dadurch kann Bluthochdruck und Zuckerkrankheit entstehen.

Symptome:
Die Symptome hängen vom Ort und dem Ausmaß der Gefäßverengung ab, sowie von der Schnelligkeit der
Entstehung. Außerdem beeinflusst die Bildung von Kollateralkreisläufen (Umgehungskreisläufe, die das gleiche
Versorgungsgebiet erreicht) die Krankheitsanzeichen.

Erste Anzeichen:
•• Schmerzen, die unterhalb der Gefäßveränderungen auftreten
•• Taubheitsgefühl im Gesäß, Oberschenkeln, Unterschenkeln
•• Füße und Zehen werden kalt und empfindungslos
•• Bei Embolie oder akuter Thrombose entsteht ein plötzlicher, schwerer, örtlicher Schmerz, verbunden mit Kälte
und Taubheit der Haut
•• Kein Puls unterhalb der Verschlussstelle tastbar

Achtung: Ein akuter Arterienverschluss ist ein Notfall! Rufen Sie sofort den Notruf!

& Notruf 144

Gefäßerkrankungen 5
Untersuchungsmethoden:
•• Anamnese und Inspektion der Haut der Patientin bzw. des Patienten können erste Hinweise geben
•• Pulsschlag nur sehr schwach tastbar
•• Seitendifferenzen der Pulsqualitäten
•• Strömungsgeräusche bei der Auskultation im betroffenen Gebiet
•• Augenhintergrundveränderungen
•• Halsschlagader und Herz untersuchen
•• Kreislauffunktionsüberprüfungen (z. B. Stehbelastung oder Treppensteigen)
•• Gehtest
•• Faustschlussprobe
•• Ultraschall-Doppler-Untersuchung
•• Angiongraphie
•• Oszillographie

Behandlung:
Die Basistherapie ist immer die Bekämpfung der Ursachen.

Medikamenteneinnahme zur:
•• Hemmung der Blutgerinnung
•• Hemmung der Verklumpung der Blutplättchen
•• Durchblutungsfördernde Substanzen
Gehtraining
Angioplastie: Ballondehnung
Stent: Gefäßstütze
Bypass Operation
Gentherapie: befindet sich noch im experimentellen Stadium

Claudicatio Intermittens (Schaufensterkrankheit)


Diese Krankheit entsteht durch zunehmenden Verschluss der Beinarterien. Die Durchblutung der Muskeln im
Ruhezustand reicht aus. Beim Laufen kommt es zu einer Minderversorgung der Muskulatur, und infolge dessen
zu heftigen Wadenschmerzen, die Patienten bzw. der Patient muss stehen bleiben. Durch dieses Stehenbleiben
sinkt der Sauerstoffbedarf in den Muskeln und die Schmerzen verschwinden nach kurzer Zeit. Die Patientin oder
der Patient kann nun weitergehen, bis erneute Schmerzen zum Anhalten zwingen. Umgangssprachlich sagt man
zu dieser Krankheit Schaufensterkrankheit, da die Betroffenen jeweils „von Schaufenster zu Schaufenster“ gehen,
weil sie aufgrund der Schmerzen stehen bleiben müssen.

Stadien:
1. Stadium:
Keine Beschwerden
2. Stadium:
a) Belastungsschmerzen ab einer Gehstrecke von über 200 m
b) Belastungsschmerzen bei einer Gehstrecke unter 200 m
3. Stadium:
Ruheschmerz
4. Stadium:
Zusätzliche Gewebeschädigung, Entzündungen und Geschwüre als Zeichen, dass Gewebe abstirbt

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Therapeutische MaSSnahmen:
Die Maßnahmen richten sich nach Ursache, Lokalisation und bereits eingetretenen Gefäßveränderungen.

Gehen auf ebenen Wegen ohne Überanstrengung


Verletzungen vermeiden
Pflanzliche Mittel als Ergänzung:
•• Knoblauch
•• Weißdorn
•• Ginseng
•• Ginko

Arterielle Verschlüsse
Arterielle Verschlüsse können in allen Arterien auftreten. Besonders häufig finden sich arterielle Verschlüsse im
Bereich der Herzkranzgefäße und der Hirngefäße.

Aneurysmen
Durch arteriosklerotische Wandveränderungen kann es zur Bildung von Aneurysmen (Aussackung eines Blutge-
fäßes) kommen. Diese können platzen und zu tödlichen Blutungen führen. Ursache ist oft eine Arteriosklerose,
aber auch andere Ursachen sind möglich.

7 Tipps
1 Pflege der betroffenen Körperteile: Nicht zu heiß waschen und milde Seife verwenden.

2 Extreme Temperaturen (Hitze und Kälte) meiden.

3 Sorgfältig abtrocknen, Füße trocken halten.

4 Keine engen Schuhe tragen.

5 Strümpfe aus Baumwolle tragen.

6 Keine enge Kleidung tragen.

7 Beine nicht übereinander schlagen.

Gefäßerkrankungen 7
Wie stellen Ärztinnen und Ärzte die Diagnose?
Durch die Erhebung der Krankengeschichte und der klinischen Untersuchung – Inspektion, Abtasten des Pulses
an den Beinen und Aushorchen der Gefäße zur Feststellung von Geräuschen, welche an Engstellen entstehen
können – können das Vorliegen einer PAVK sowie Lokalisation und Schweregrad meist mit ausreichender Sicher-
heit diagnostiziert werden.

Bei der Doppler-Druck-Messung wird mittels einer Blutdruckmanschette und einer Ultraschallstiftsonde an den
Beinen der Blutdruck in den Arterien gemessen. Mit Hilfe der farbkodierten Duplex Sonografie können die Arteri-
en bildgerecht dargestellt werden, und es werden auch Informationen über den Blutfluss geliefert. In den letzten
Jahren hat die nicht invasive Magnetresonanz Angiographie an Bedeutung gewonnen.

Differentialdiagnosen:
Das ist die Abgrenzungen einer Krankheit von Erkrankungen mit ähnlichem Erscheinungsbild. Symptome, die
auf eine Gefäßerkrankung hinweisen können, können auch neurologischen oder orthopädischen Ursprungs sein.

Neurologische Erkrankungen mit Irritationen von Nervenwurzeln


Orthopädische Erkrankungen:
•• Abnutzungserscheinungen im Hüft- oder Kniegelenk
•• Fußfehlhaltungen
•• Wirbelsäulenveränderungen

7 Tipps
1 Nikotinabstinenz

2 Bewegung

3 Blutzucker-Kontrolle für Diabetikerinnen und Diabetiker

4 Kontrolle der Blutfettwerte: Vermeidung tierischer Fette und allenfalls ergänzende medikamentöse Therapie

5 Gewichtsreduktion

6 Blutdruckkontrolle

7 Regelmäßige Untersuchung der Gefäße

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Gehtraining
Ein regelmäßiges Gehtraining ist sehr wirksam. Es führt zur Bildung neuer Blutgefäße, die den verstopften Ge-
fäßabschnitt umgehen. So wird die Muskulatur wieder mit Sauerstoff versorgt. Es muss jedoch immer auf die
individuelle Leistungsfähigkeit Rücksicht genommen werden. Kurz bevor die Schmerzen einsetzen soll kurz halt-
gemacht werden, um anschließend das Training wieder fortzusetzen.
Wenn man diese Therapie konsequent durchführt, so kann bei nahezu 90 % der Betroffenen eine deutliche Ver-
besserung der Beschwerden festgestellt werden.

Verletzungen
Kleinste Verletzungen heilen aufgrund der schlechten Durchblutung deutlich schwerer. Daher ist eine tägliche
Kontrolle und Pflege wichtig. Weiters sollten Sie vorbeugend keine engen Schuhe oder Strümpfe tragen. Dia-
betikerinnen und Diabetiker sollten besonders aufmerksam sein, da diese ohnehin oft an einem verminderten
Schmerzempfinden leiden. Verletzungen und Erfrierungen können entstehen, ohne dass die Betroffene oder der
Betroffene etwas merkt.

Therapien
Die Therapiemaßnahmen hängen vom Schweregrad der PAVK ab. Dabei gibt es folgende Möglichkeiten: Bewe-
gungstherapie, Medikamente, eine Katheter-Behandlung und eventuell das Einsetzen eines Stents (funktioniert
wie ein Stützkorsett für die Arterie).

Medikamentöse Therapie:
Thrombocyten Funktionshemmer wie Acetylsalicylsäure oder Clopidogrel sollen das Fortschreiten der Krankheit
verhindern. Vor dieser Therapie bedarf es einer genauen Gefäßuntersuchung.

Lumeneröffnende TherapiemaSSnahmen:
Dies sind Verfahren, die Engstellen oder sogar Verschlüsse dehnen. Eine Standartmethode hierfür ist die Ballondi-
latation. Dabei wird ein Ballon aufgepumpt, der die Engstelle zur Seite drückt. So wird die Arterie wieder erweitert.
Ein Stent kann ein besseres Langzeitergebnis liefern.

Die Weiterentwicklung des Kathetermaterials und die immer größer werdende Erfahrung der Ärztinnen und Ärzte
haben dazu geführt, dass immer weniger Gefäßoperationen notwendig wurden. Auch eine Amputation kann in
manchen Fällen vermieden werden.

Der Langzeiterfolg einer Operation ist schwierig und hängt davon ab, wie konsequent Risikofaktoren vermieden
werden.

Gefäßerkrankungen 9
Hypertonie (Bluthochdruck)
Definition:

WHO-Grenzwerte: Blutdruck (RR) – Werte > 140 mmHg systolisch und > 90 mmHg diastolisch

Ursache:
• In mehr als 90% der Fälle sind die Ursachen unbekannt
• Durch Erkrankungen der Niere
• Durch Medikamente: z. B. Glukocorticoide, Psychopharmaka
• Durch Hormonstörungen
• Durch erhöhten Hirndruck
• Durch Gefäßfehlbildungen

Hypertonie gilt als Risikofaktor für atherosklerotische Gefäßerkrankungen; geprägt durch Kopfschmerzen, Müdig-
keit, Leistungsminderung, Einschränkung der Nieren- und Herzleistung, Schäden des Zentralen Nervensystems

Behandlung:
• Medikamentös: mit AT2-Blockern, ACE-Hemmern, Diuretika, Kalziummantagonisten (meist Kombination aus
mehreren nötig), eventuell Betablocker u. ä.
• Regelmäßige Blutdruckkontrolle (selbst und durch die Hausärztin bzw. den Hausarzt)
• Unterstützende Behandlungsmöglichkeiten: ausgewogene Ernährung, Reduktion von Stress, Gewichtsreduk-
tion
• Medikamente müssen regelmäßig eingenommen werden

Diagnose:
Die Hypertonie wird dadurch festgestellt bzw. sicher diagnostiziert, dass wiederholte Blutdruckmessungen durch-
geführt werden. Diese sollten an verschiedenen Tagen zu unterschiedlichen Tageszeiten stattfinden. Um ein ziem-
lich genaues Ergebnis zu erhalten ist es wichtig, vor der Blutdruckmessung eine Ruhepause von mindestens fünf
Minuten einzulegen.

Selbstmessung und Dokumentation:


Für eine bessere Therapiekontrolle für Ärztin bzw. Arzt und Patientin bzw. Patient ist es hilfreich, wenn die Patientin
oder der Patient zuhause regelmäßig selbst den Blutdruck misst. Arztbesuche mit langen Wartezeiten können
vermieden werden.

Und so wird’s gemacht… 1. Etwa 5 – 10 Minuten Ruhe (sitzend oder liegend)


2. Manschette in Herzhöhe (2,5 cm über Ellbogen)
3. Aufpumpen bis 30 mm über Verschwinden des Radialpulses
4. Langsam Druck ablassen

Systolischer RR = erstes Auftreten eines Geräusches


Diastolischer RR = Verschwinden des Geräusches

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Verhaltensregeln bei hypertensiver Entgleisung und hypertensivem Notfall
Definition:

Plötzlich auftretende Fehlregulation des Blutdruckes bis zu einem Wert von > 220/120 mmHg

Symptome:
Eine hypertensive Entgleisung ist nicht lebensbedrohlich, sofern man sofort eine Notärztin bzw. einen Notarzt ver-
ständigt. Die Entgleisung geht meist mit Kopfschmerzen, Schwindel oder Nasenbluten einher. Oft kann sie jedoch
auch symptomfrei verlaufen. Oral verabreichte Medikamente und eine engmaschig ambulante Weiterbetreuung
sind notwendig.

Geht die hypertensive Entgleisung mit Brustschmerzen, Lähmungserscheinungen oder Sehstörungen einher, so
spricht man von einem hypertensivem Notfall. Dieser Zustand muss sofort stationär behandelt werden.

Hypotonie
Definition: &
Zu niedriger Blutdruck, der systolische Blutdruck liegt unter 90 – 100 mmHg
Notruf 144

Ursache:
• Störungen der Kreislaufregulation
• Flüssigkeitsmangel: Besonders im Alter wird auf die Zufuhr von ausreichend Flüssigkeit nicht besonders geachtet.
Es kommt dadurch zu einer Minderdurchblutung von Gehirn und anderen Organen mit sauerstoffreichem Blut.
• Medikamentös: Bei Bluthochdruckpatientinnen und -patienten kann eine falsche Dosierung der Medikamentein-
nahme lebensbedrohliche Folgen haben und zu einer Hypotonie führen. Bei einer Überdosierung mit Blutdruck-
medikamenten ist sofort eine Ärztin oder ein Arzt aufzusuchen.

Symptome:
Müdigkeit, Schwäche, Schwindel, Ohnmachtsneigung, Bewusstlosigkeit, Blässe

Unterstützende Behandlungsmöglichkeiten bei Hypotonie:


•• Salzen Sie Ihr Essen stärker. Dadurch wird mehr Flüssigkeit im Körper gebunden. Dies wiederum hebt den Blut-
druck an.
•• Trinken Sie mehr. Je mehr Flüssigkeit sich in den Adern befindet, desto höher ist der Blutdruck.
•• Meiden Sie Alkohol. Durch Alkohol werden kleine Nerven zerstört, die die Blutgefäße eng stellen sollten.
•• Treiben Sie Sport. Durch Ausdauersport lernt der Körper mit Blutdruckschwankungen umzugehen.
•• Duschen Sie kalt. Diese Anwendungen steigern den Blutdruck.
•• Langsam aufstehen. Der Kreislauf muss behutsam an den Wechsel der Position gewöhnt werden.
•• Wippen Sie auf den Fußballen. Durch Betätigung der Muskelpumpe wird Blut von den Beinen zum Herz ge-
pumpt.

Gefäßerkrankungen 11
Kardiovaskuläre Erkrankungen
Angina Pectoris:
Definition:
Es handelt sich um anfallsartiger Engeschmerz in der Brust, die Sekunden bis Minuten andauern können. Schmer-
zen treten meist hinter dem Brustbein auf, selten gibt es auch Abstrahlungen in Arme und Schultern.

Ursache:
Die Angina pectoris wird ausgelöst durch eine Durchblutungsstörung des Herzens. Diese Durchblutungsstörung
ist meist auf eine Engstelle in einem Herzkranzgefäß zurückzuführen.

Formen:
•• Stabile oder instabile Angina pectoris
•• Nächtliche Angina pectoris
•• Belastungsangina
•• Therapieresistente Angina

Behandlung:
•• Im Akutfall: Ruhe
•• Medikamentös: Nitrate, Kalziumantagonisten, Betablocker
•• Sauerstoff
•• Operativ: Bypassoperation

Schlaganfall:
Definition:
Ein Schlaganfall ist eine plötzlich auftretende Erkrankung des Gehirns. Sie kann zu einem zeitlich begrenzten oder
dauerhaften Ausfall von Funktionen des zentralen Nervensystems führen.

Ursache:
Durchblutungsstörung im Gehirn bedingt durch Arteriosklerose oder Gefäßwandschädigungen.

Plötzlich auftretende Symptome:


•• Lähmung oder Schwäche (Gesicht, Arm, Bein): Meist ist nur eine Körperhälfte von Lähmungserscheinungen
betroffen.
•• Verwirrung, Sprach- und Verständnisstörung
•• Sehstörung
•• Gangstörung, Schwindel, Gleichgewichtsstörung
•• Starke Kopfschmerzen ohne erkennbare Ursache

Behandlung:
Sofortige ärztliche Versorgung ist nötig. Die Folgeschäden eines
Schlaganfalls können in manchen Fällen durch eine Trombolyse
(Auflösen eines Blutgerinnsels) medikamentös gelindert oder so-
gar beseitigt werden. Verlorene Fähigkeiten können eventuell in
einem Rehabilitationsaufenthalt wiedererlernt werden.

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Herzrhythmusstörungen:
Definition:
Unregelmäßigkeiten in der Herzschlagfolge

Ursache:
Fehlimpulse, die durch bestimmte Umstände an das Reizleitungssystem des Herzens weitergegeben werden.
Herzrhythmusstörungen sind keine eigene Krankheit, sondern eher ein Symptom, welches in Verbindung mit einer
der folgenden Krankheiten steht:

Koronare Herzkrankheiten Herzinfarkt


Herzmuskelentzündung Bluthochdruck
Hyperthyreose Herzklappenfehler
Anämie Schwere Lungenerkrankungen
Nebenwirkung von bestimmten Medikamenten

Symptome bei Tachykardien (schnelles Schlagen des Herzens):


•• Herzrasen: Puls ist schnell, > 100 Schläge/Minute
•• Herzstolpern: Herz schlägt unregelmäßig. Es fühlt sich wie ein Stolpern an.
•• Schwindel: Unsicherheit und Orientierungsverlust. Meist Folge eines Blutdruckabfalls, da die Herzschläge nicht
mehr effektiv sind.
•• Leistungsschwäche
•• Angst und Nervosität
•• Brustschmerzen
•• Luftnot
•• Sehstörungen: Schwarzwerden vor den Augen
•• Bewusstlosigkeit: Wenn das Herz nicht mehr schlägt, sondern flimmert, dann tritt ein Kreislaufstillstand ein.

Symptome bei Bradykardien (langsames Schlagen des Herzens):


•• Spürbar langsamer Herzschlag
•• Schwindel
•• Leistungsschwäche
•• Angst und Nervosität
•• Aussetzen des Pulses
•• Sehstörungen
•• Bewusstlosigkeit

Gefäßerkrankungen 13
Raucherinnen- und Raucherberatung
Schadstoffe in der zigarette:
Eine Zigarette ergibt bis zu zwei Liter Rauch. Neben den bekannten Stoffen Nikotin, Kohlenmonoxid und Teer
befinden sich jedoch noch zahlreiche andere Stoffe im Glimmstengel, wie z. B. Blausäure, Ammoniak, Benzol,
Blei, Stickoxide, Zink, etc.
Darunter finden sich noch zahlreiche krebserregende Stoffe wie: Nitrosamine, Vinylchlorid, Nickel, Formaldehyd
und Cadmium.

Krankheitsbilder:
Rauchen kann mit sicherer Wahrscheinlichkeit zu einer der folgenden Krankheiten führen:
Bereich Atemwege: Bereich Herz-Kreislauf:
Beeinträchtigung aller Organe im Atemwegsbereich Nikotin wird über die Lungen ins Blut abgegeben. Durch
(bedingt durch den Rauch) wie Zunge, Rachen, Mund- die Blutbahn gelangt es in jedes Organ, bis es abgebaut
höhle, Kehlkopf, Luft- und Speiseröhre, Lunge sowie wird. Die Stoffe, die für die Gesundheit gefährlich sind,
Schleimhäute. Anfangs gibt es nur leichte Beschwerden entstehen beim Verbrennungsprozess – oftmals sogar
wie Husten oder Kratzen im Hals, dies führt zu Bronchi- aus harmlosen Ausgangsstoffen wie Zucker. Durch
tis und Lungenblähung. Rauchen ist Hauptrisikofaktor Nikotin kann es zu erhöhter Herzfrequenz, Bluthoch-
bei der Krebserkrankung. druck, Arteriosklerose und Verkalkung der Herzgefäße
kommen. Diese Beschwerden können bereits in frühem
Alter zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen.

Neben den Hauptbereichen Atemwege und Herz-Kreis-


lauf gibt es noch weitere Folgen des Rauchens: Krebs im
Bereich der Bauchspeicheldrüse, der Nieren, der Hirnge-
fäße, Osteoporose, Zahnfleischerkrankungen und Haut-
alterung.

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Methoden der Raucherinnen- und Raucherentwöhnung:
1. Die Schlusspunkt-Methode:
Diese Methode basiert darauf, von heute auf morgen das Rauchen komplett aufzugeben. Ratsam ist es, vor dem
Rauchstopp einen Plan zu machen, womit man sich in den nächsten Tagen ablenken will. Situationen, in denen
man zum Glimmstängel gegriffen hat, müssen durch andere Verhaltensmuster ersetzt werden. Man sollte auch
Zigaretten aus dem Haushalt verbannen, sodass man in schwachen Momenten nicht darauf zurückgreifen kann.
Die ersten sechs Wochen nach dem Rauchstopp kann man auf Nikotinersatzmittel wie Nikotinpflaster oder -kau-
gummi zurückgreifen.
2. Das reduzierte Rauchen:
Bei dieser Methode der Raucherentwöhnung ersetzt man Zigaretten durch sogenannte Nikotinersatzmittel wie
Nikotinpflaster oder -kaugummis. Zuerst überlegt man sich, welche Zigarette man am ehesten weglassen kann.
Diese wird dann mit einem Nikotinersatzmittel ersetzt. Nach und nach wird hier die Anzahl der ersetzten Zigaret-
ten erhöht, bis man schließlich ganz vom Glimmstängel wegkommt. Bedenken Sie: jede Zigarette weniger ist ein
wichtiger Schritt in die richtige Richtung!

Testen Sie Ihre Nikotinabhängigkeit


Wählen Sie die Antwort, die am besten auf Sie zutrifft und addieren Sie die Punkte in den zugehörigen Kästchen.

1.) Wann nach dem Aufstehen rauchen Sie Ihre erste Zigarette? Bitte hier Punkte
eintragen!
Innerhalb von 5 Minuten 3 6 - 30 Minuten 2
31 - 60 Minuten 1 Nach 60 Minuten 0

2.) Finden Sie es schwierig an Orten, an denen das Rauchen verboten ist, das Rauchen zu unter-
lassen?
Ja 1 Nein 0

3.) Auf welche Zigarette würden Sie nicht verzichten wollen?


Die erste am Morgen 1 Andere 0

4.) Wie viele Zigaretten rauchen Sie im Allgemeinen pro Tag?


Bis 10 0 11 - 20 1
21 - 30 2 31 und mehr 3

5.) Rauchen Sie am Morgen im Allgemeinen mehr als am Rest des Tages?
Ja 1 Nein 0

6.) Kommt es vor, dass Sie rauchen, wenn Sie krank sind und tagsüber im Bett bleiben müssen?
Ja 1 Nein 0

Summe:

0 bis 2 Punkte: 3 bis 4 Punkte: 5 bis 10 Punkte:


Keine bzw. eine nur sehr geringe Geringe Nikotinabhängigkeit Mittlere bis hohe Nikotinabhän-
Nikotinabhängigkeit gigkeit

Gefäßerkrankungen 15
Tipps und Tricks bei der raucherinnen- und raucherentwöhnung:
1. Sport:
Er lässt Rauchgelüste verschwinden, stärkt die Immunabwehr und schützt somit vor Infektionen und Krankheiten.
Sport steigert die Leistungsfähigkeit, regt die Darmtätigkeit an und fördert den Stoffwechsel. Weiters stärkt er die
Muskulatur und dadurch die Haltung. Außerdem hilft er Stress abzubauen.
2. Entspannungsübungen:
Mit einfachen Entspannungsübungen kann in Stresssituationen der Griff zur Zigarette abgewehrt werden.

Übungsteil: Progressive Muskelentspannung nach Jacobson – Kurzform


1 Arme Beide Hände zu Fäusten ballen und Ellenbogen anwinkeln

2 Kopf Augenbrauen zusammenziehen, Nase rümpfen, Zähne und Lippen zusammenpressen, Kopf
leicht einziehen und nach hinten drücken

3 Rumpf Schultern nach hinten unten zusammendrücken, leicht ins Hohlkreuz gehen und Bauchdecke
hart machen

4 Beine Beide Fersen auf den Boden drücken, Zehenspitzen aufrichten, dabei Unterschenkel, Ober-
schenkel und Gesäßmuskeln anspannen

3. Rauchprotokoll:
Das Führen eines Protokolls ist sehr ratsam. Darin ergibt sich ein Überblick über das individuelle Rauchverhalten.
Anhand des Protokolls kann das Rauchverhalten analysiert und verbessert werden.

rauchprotokoll
Wie wichtig ist
Stimmung
diese Zigarette?
0 = unwichtig 1 = sehr gut
1 = ziemlich unwichtig 2 = gut
2 = eher unwichtig 3 = eher gut
3 = eher wichtig 4 = eher schlecht
4 = ziemlich wichtig 5 = schlecht
Uhrzeit Situation/Ort 5 = sehr wichtig 6 = sehr schlecht

Das Führen eines Protokolls ist gerade für Rauchende mit einem höheren Tageskonsum eine etwas mühsame
Arbeit, aber in jedem Fall eine lohnende Investition.

Loslassen falscher Lebensmotive –


erarbeiten neuer Lebensmotive

Jeder Sucht liegt eine Suche zugrunde,


meist die Suche nach Identität und Sinn.

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Vorteile des Nichtrauchens:
Die gute Nachricht:
Nach dem Rauchstopp müssen Sie nicht lange warten, bis sich die ersten Verbesserungen einstellen. Die ameri-
kanische Krebsgesellschaft hat die positiven körperlichen Veränderungen zusammengestellt:

Körperliche Veränderungen nach dem Rauchstopp:

Nach 24 Stunden Der Kohlenmonoxid-Spiegel im Blut sinkt, der Sauerstoff-Spiegel steigt auf nor-
male Höhe.

Nach 48 Stunden Die Nervenenden beginnen mit der Regeneration. Geruchs- und Geschmacksor-
gane verfeinern sich. Sie können wieder besser riechen und schmecken.

Nach 2 Wochen - 3 Monaten Der Kreislauf stabilisiert sich. Die Lungenfunktion verbessert sich.

Nach 1 bis 9 Monaten Hustenanfälle, Verstopfung der Nasennebenhöhlen und Kurzatmigkeit gehen zu-
rück. Die Lunge wird allmählich gereinigt, indem Schleim abgebaut wird. Die
Infektionsgefahr verringert sich und körperliche Energiereserven werde vermehrt
mobilisiert.

Nach 1 Jahr Das Risiko einer Koronarinsuffizienz (Sauerstoffmangel des Herzmuskels) sinkt auf
die Hälfte des Risikos eines Rauchenden.

Nach 5 Jahren Das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, verringert sich fast um die Hälfte. Das
Herzinfarktrisiko sinkt in einem Zeitraum zwischen fünf und fünfzehn Jahren auf
das eines Menschen, der nicht raucht. Das Krebsrisiko von Mundhöhle, Luft- und
Speiseröhre ist nur noch halb so groß wie bei einem Rauchenden.

Nach 10 Jahren Das Lungenkrebsrisiko ist weiter gesunken. Es ist nicht mehr höher als bei einem
Menschen, der nicht raucht. Zellen mit Gewebsveränderungen, die als Vorstufe
von Krebs aufzufassen sind, werden ausgeschieden und ersetzt. Das Krebsrisiko
von Mundhöhle, Luft- und Speiseröhre, Harnblase, Nieren und Bauchspeichel-
drüse sinkt.

Nach 15 Jahren Das Risiko einer Koronarinsuffizienz ist nicht mehr höher als bei einem Menschen,
der sein Leben lang nicht geraucht hat.

impreSSum:
Medieninhaber: Dr. Dr. Wagner GmbH
Für den Inhalt verantwortlich: Therapeutische Teams des
Moorbades Neydharting, des Gesundheitsresorts Agathenhof und
des Kurhotels Weißbriach

Layout und Gestaltung: www.werbecluster.at

Irrtum und Änderungen vorbehalten


Stand: 08/2013

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