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Die Selbstorganisation des Lebendigen

von Christian Kummer

Zusammenfassung:
Im Folgenden wird gezeigt, wie weit dem Bemühen um eine präbiotische Ableitung des Lebendi-
gen bisher Erfolg beschieden ist. Es kann dabei nicht um ein bloßes Referieren von Fakten
gehen – den Ausgang muß vielmehr ein adäquater Begriff von Leben bilden, den uns der
Physiker E. Schrödinger liefert. Der dabei zutage tretende materielle Ordnungsgrad des
Lebendigen entzieht sich einer biochemischen Begründung. Die Biochemie kann die Prozesse
formulieren, die diese Ordnung verursachen und aufrechterhalten, aber nicht die Ordnung als
notwendige Konsequenz solcher Prozesse darstellen. Sie liefert die notwendigen, aber nicht die
hinreichenden Bedingungen für die Entstehung von Leben. Was der Biochemie nicht gelingt,
leisten auch ontogenetische und phylogenetische Erklärungen der lebendigen Organisation
nicht. Weder ist die lebendige Form bloßes Resultat der Gene (diese sind vielmehr Mittel zu
ihrem Zweck), noch läßt sich die chemische Evolution der Eigenschaften eines Minimalorganis-
mus hinreichend überzeugend rekonstruieren. Die Schwierigkeiten, welche die Ordnung des
Lebendigen naturwissenschaftlicher Methodik immer noch bietet, könnte damit zusammenhän-
gen, daß von einer teleologischen Verfaßtheit der lebendigen Organisation nicht abzusehen ist.

Es ist üblich geworden, die von Darwin auf dem Feld der Artenentstehung etablierte Evolutions-
theorie als universale Erklärungskategorie auf alle Bereiche der Naturwissenschaft anzuwenden.
So denkt man sich das Ganze des Universums aus einem singulären Anfangspunkt sukzessiv
entfaltet, und selbst die ehedem „unveränderlichen“ Naturgesetze könnten darin „mit der Zeit“
entstanden sein. Ausdrücke wie „Biogenese“, „präbiotische“ oder „chemische Evolution“ sind
dann Selbstverständlichkeiten, die kaum mehr bewußt werden lassen, daß die Begrifflichkeit
von Darwins Theorie da auf ungedecktem Gelände laviert. Die universelle Anwendbarkeit des
Selektionskonzepts auf alle Arten konkurrierender Zustände und die griffige Formel von der
„materiellen Selbstorganisation“ verhelfen zu der Grundüberzeugung, daß alle (noch) vorhande-
nen „qualitativen Sprünge“ in den verschiedenen Erscheinungsformen der Materie als prinzi-
piell analysierbare Komplexitätsgrade aufgefaßt werden können. Was sollte demnach im Weg
stehen, auch das Phänomen des Lebendigen über eine entsprechende Serie von Zwischenstufen
aus anorganischen Materiezuständen abzuleiten?

1. Kennzeichen von Leben


Um abzuschätzen, ob das Unterfangen, Leben als präbiotische Genese zu rekonstruieren,
Aussicht auf Erfolg hat, ist zunächst zu bestimmen, was „lebendig“ im Gegensatz zu „vor-“
oder „unlebendig“ eigentlich meint. Hier, gegenüber ihrem ureigensten Objekt, gerät die
Biologie jedoch unversehens in Definitionsnot. Was „Leben“ ist, kann sie nicht (und will sie
darum häufig auch nicht) bestimmen. „Zustand des Lebendigseins“ nennt es H. Penzlin1 und
liefert damit wenig mehr als eine Umschreibung, die zudem noch an unsere eigene Innen-
erfahrung appelliert.
Gewöhnlich ziehen sich Biologen darauf zurück, eine Anzahl von Kriterien zusammen-
zustellen, welche für „Zustände des Lebendigseins“ charakteristisch sind. Solche Merkmals-

1
Leben – was heißt das, S. 81.
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listen sind in der Regel ziemlich willkürlich und heterogen2. Sie vermengen die Betrachtungs-
ebenen, zeigen logische Überschneidungen und erweisen sich damit in der Anwendung als
wenig stringent. Demgegenüber erscheint die klassische, auf Oparin zurückgehende Beschrän-
kung auf die drei Wesensmerkmale (1) Stoffwechsel, (2) Reproduktion und (3) Mutabilität
unvollständig. Sie klammert die schon von A. Haller (1708-77) konstatierte Reizbarkeit bzw.
das zumindest bei Tieren festzustellende innere Erleben aus. Zudem läßt sie die Frage nach der
Wertigkeit dieser Trias immer noch offen: hält man die Reproduktionsfähigkeit für die basale
Eigenschaft, lassen sich Viren zu den Lebewesen rechnen; nicht jedoch, wenn man den Stoff-
wechsel als fundamental ansieht.
Man kann sich nun auf den Standpunkt stellen, daß die Naturwissenschaften überhaupt nicht
in der Lage sind, eine Antwort auf die Frage zu liefern, was Leben eigentlich ist. „Lebendig-
sein“ ist danach etwas in erster Instanz nur unserer subjektiven Innenwahrnehmung Zugäng-
liches, das mit der erlebten Eigenaktivität des Hervorbringens und Habens unserer Bewußtseins-
inhalte zusammenhängt. Dieser Innenansicht von Leben gegenüber kann die Naturwissenschaft
nur die Mechanik der äußeren Prozeßabläufe schildern und bleibt somit gegenüber dem Ganzen
des Phänomens hoffnungslos zurück.
Eine solche Auffassung mag letzten Endes richtig sein – sie ist als vorschnelle Antwort
jedoch gefährlich. Es könnte ja doch sein, daß unsere Auffassung von der Inkommensurabilität
des Lebens nichts weiter ist als ein Resultat eben jener Prozesse, welche die Innenperspektive
als unzureichend disqualifiziert. Gewiß sind mentales Erleben und physiologischer Ablauf zwei
bis heute nicht zur Deckung gebrachte Aktivitätsebenen des Menschen. Aber aus der faktischen
Unvermeidlichkeit (vielleicht auch nur Eingefahrenheit?) des cartesischen Dualismus muß nicht
schon von vornherein ein ebensolcher Hiatus im Lebensbegriff folgen. Vielmehr wäre zu
versuchen, im Ausgang von der prozeßhaften Seite der Lebenserscheinungen einen allgemeinen
Lebensbegriff zu gewinnen, der offen genug ist für die Sphäre des Erlebens, ja, vielleicht sogar
den inneren Zusammenhang dieser beiden Vollzugsweisen von Leben erhellen kann.
Damit ist nicht behauptet, daß im Lebensbegriff der Stein der Weisen für die Lösung des
Leib-Seele-Problems liegt. Wohl aber wird hiermit die Überzeugung vertreten, daß sich die
Biologie nicht der Aufgabe entledigen kann, Lebendig-sein verstehen zu wollen und auf den
Begriff zu bringen. Sie muß sich dieser ihrer ureigensten Frage stellen, selbst wenn sie keine
befriedigende Antwort darauf findet. Andernfalls nimmt sie sich – sei es aus Feigheit, aus
intellektueller Trägheit oder aus methodologischer Selbstgenügsamkeit – womöglich die
Gelegenheit zu einem ähnlich heilsamen Schock, den die Quantentheorie dem physikalischen
Materieverständnis bereitet hat. Es ist die Crux der modernen Biologie, daß sie sich mit ihrem
am Erkenntnisideal der exakten Naturwissenschaften orientierten Methodenbewußtsein einem
Objekt gegenüber sieht, das den Rahmen dieser selbstgewählten Strenge sprengt. Natürlich kann
sich die Biologie darauf zurückziehen, in scheinbarer konstruktivistischer Bescheidenheit ihr
Objekt naturwissenschaftlich adäquat zu etablieren. Sie depotenziert sich damit freilich selbst:
sie ist zwar dann Naturwissenschaft, wie Newton sie klassischer nicht wünschen konnte, aber
keine „Biologie“, keine Lehre vom Leben mehr.

2. Schrödingers Lebensbegriff
Es war bezeichnenderweise einem Physiker vorbehalten, den Unterschied des Lebendigen zu
physikalischen Systemen auf den Punkt zu bringen und so die theoretische Grundlage für einen

2
Vgl. Wuketits in: Dürr u.a., Gott, der Mensch und die Wissenschaft, S. 63
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Lebensbegriff in dem von uns geforderten Sinn zu schaffen. Gemeint ist Erwin Schrödinger mit
seinem 1944 erschienenen Büchlein What is Life?, einem Klassiker, der auch heute noch in den
gängigen Lehrbüchern der Biochemie seinen Platz hat. Die darin vertretenen Ansichten waren
zu seiner Zeit neu und prophetisch zugleich. Prophetisch, weil sie der DNA die richtige Rolle
zuwiesen, noch bevor ihre Funktion bekannt war; neu, weil sie das Lebensproblem aus der
Perspektive einer neuen Theorie, nämlich der statistischen Thermodynamik angingen. Was unter
diesem Aspekt Lebewesen auszeichnet, ist die Tatsache, daß sie „aus Unordnung Ordnung“
erzeugen und diese Ordnung (über lange Zeit) aufrechtzuerhalten vermögen.
Inwiefern die Fähigkeit, Ordnung aufrechtzuerhalten, physikalisch etwas Besonderes ist, sei
am Beispiel der Diffusion dargestellt, das Schrödinger selbst verwendet.3 Wir stellen uns einen
mit Wasser gefüllten Glaszylinder vor, auf dessen Boden sich ein Häufchen farbiger Kristalle,
sagen wir Kaliumpermanganat, befindet. Diese Kristalle lösen sich sehr leicht in Wasser.
Physikalisch bedeutet das, daß die als elektrische Dipole fungierenden Wassermoleküle den
elektrostatischen Zusammenhalt im Kristallgitter zerstören und die einzelnen Ionen (das sind
elektrisch geladene Atome oder Atomverbände) in eine Ladungswolke aus H2O-Dipolen
eingehüllt abtransportieren. Man sieht das makroskopisch, wenn die violett gefärbten
Permanganat-Ionen zunächst Schlieren am Gefäßboden bilden und sich nach und nach immer
weiter ausbreiten, bis die ganze Flüssigkeit einheitlich rosa getönt ist.
Warum bleiben die Ionen nicht einfach am Boden? Neben der elektrostatischen Abstoßung
der Dipolhüllen ist dafür vor allem die ungeordnete Wärmebewegung der Wassermoleküle
verantwortlich, wie wir aus Erfahrung wissen: wenn wir das Wasser erwärmen, löst sich die
Substanz schneller. Die Verteilung oder Diffusion der Permanganat-Ionen von Regionen
dichterer Konzentration zu solchen geringerer liegt also keinerlei Tendenz oder Streben dieser
Ionen nach einer bestimmten Richtung zugrunde, sondern lediglich die Brown’sche Molekular-
bewegung der Wassermoleküle, die natürlich im Mittel häufiger an Stellen höherer Konzen-
tration mit Permanganat-Ionen zusammentreffen als dort, wo es von diesen Ionen weniger gibt,
und so mit diesem richtungslosen, „statistischen“ Boxen eine gleichmäßige Ausbreitung der
Ionen bewirken. Ist der Konzentrationsausgleich vollzogen, kommt das System zur Ruhe; das
Wasser bleibt rosa gefärbt, und man wird nicht beobachten, daß sich von selbst wieder der
unverteilte Ausgangszustand einstellt. Das heißt, die ungeordnete Bewegung der Wassermole-
küle (ihre „Wärme“) hat zur Folge, daß sich die im System vorhandenen Energieunterschiede
(es war energieaufwendig, das Kaliumpermanganat auf den Boden zu bringen) möglichst
ausgleichen.
Dahinter steckt ein allgemeines Gesetz: jedes physikalische System strebt, wie man sagt,
nach dem Zustand der geringsten „freien Energie“ – der berühmte „Zweite Hauptsatz“ der
Thermodynamik. Wie gesagt, es handelt sich um kein Streben, sondern um eine unvermeidbare
Folge des „Wärmezitterns“ von Vielteichen-Systemen, daß Ordnung (der Physiker versteht
darunter die „Sortiertheit“ von Teilchen-Zuständen) in der Natur nicht erhalten bleibt, sondern
„von selber“ in Unordnung (die Nivellierung des Sortierungszustands) übergeht.
Nun sind auch Lebewesen wässerige Systeme, und die Eigenbewegung ihrer Wassermolekü-
le sollte auch deren wunderbare Ordnung – je komplexer desto eher – zerstören. Durch welchen
Kniff entziehen sich lebendige Strukturen dem Diktat des wärmebedingten Energieausgleichs?
Wäre der Glaszylinder unseres Beispiels ein Lebewesen, wüßte er den Konzentrationsunter-
schied der gelösten Ionen, unten viel und oben nichts, zu erhalten. Das könnte dadurch ge-

3
Schrödinger, Leben, S. 24
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schehen, daß immer dann, wenn ein Permanganat-Ion durch Wassermoleküle „davongeboxt“
wird, dieses Teilchen durch ein neues „von außen“ ersetzt wird. Natürlich müßten von Zeit zu
Zeit auch die ab-diffundierten Teilchen aus dem System entfernt werden, um den anfänglichen
Sortierungszustand, die Ordnung des Systems, zu erhalten. Dann wären die Mikrozustände des
Systems zwar einer dauernden Veränderung unterworfen, der für unsere Augen sichtbare
Gesamtzustand aber bliebe erhalten. Das System befände sich in einem dynamischen Dauer-
zustand „fern vom Gleichgewicht“ – und genau das ist es, was Lebewesen thermodynamisch
charakterisiert.
Stoffwechsel heißt also die Quintessenz jenes „Geheimnisses“, wodurch sich das Lebendige
von üblichen physikalischen Systemen unterscheidet. Zwei Voraussetzungen sind dafür nötig.
Einmal muß Energie aufgewendet werden, um den Teilchenexport zu bewerkstelligen. Wie wir
wissen, gewinnen Lebewesen aus dem Abbau ihrer Bestandteile Energie, die für den Aufbau
neuer Bestandteile aus der aufgenommenen Nahrung verwendet wird. Allerdings geht diese
Rechnung nicht glatt auf. Der Stoffwechsel kostet nämlich selber auch etwas. Es ginge ja wohl
nicht mit rechten Dingen zu (um bei unserem Beispiel zu bleiben), wenn die Energie, die in
einem Teilchen steckt, plötzlich für den Transport zweier Teilchen, eines nach drinnen, das
andere nach draußen, reichen würde. Leben ist kein Perpetuum mobile, sondern verbraucht
ständig zusätzliche Energie, um im Wechsel der Baustoffe seine Struktur andauern zu lassen.
Hier liegt übrigens der Grund, warum das Lebendige trotz aller Eigenart nicht aus dem
Geltungsbereich der physikalischen Naturgesetze herausfällt, wie Schrödinger noch glaubte.4
Weil die Energiebilanz des Stoffwechsels negativ ist (der Aufbau mehr kostet, als der Abbau
bringt), verwüstet („dissipiert“) ein Lebewesen fortwährend freie Energie. Insgesamt, Lebewe-
sen und Umgebung zusammengenommen, wird also mehr Unordnung erzeugt als Ordnung
hergestellt – und damit gilt der Zweite Hauptsatz auch für die Biologie. Allerdings folgt daraus,
daß man nicht, wie das oft geschieht, das Lebewesen als „System“ ansprechen darf, auch nicht
als „offenes“, sondern nur das Lebewesen zusammen mit seiner Umgebung. Damit deutet sich
schon an, daß die gegenüber der Umwelt abgegrenzte Einheit des Organismus (oder auch der
Zelle) durch etwas Spezifischeres charakterisiert werden muß als durch den in der Physik
gebräuchlichen Systembegriff.
Zweitens bedarf die stoffwechselnde Aufrechterhaltung der Struktur der Information. Es
reicht nicht, daß ein sich entfernendes Teilchen durch ein anderes ersetzt wird. Das Teilchen
muß vielmehr an genau denselben Ort gebracht werden, soll die bestehende Struktur erhalten
bleiben. Und dazu muß es dauerhaftes Wissen geben, wo das alte war. So sehr es also thermody-
namisch möglich ist, eine konstante Struktur im Fluß materieller Träger andauern zu lassen, so
sehr bedarf dieser Stoffwechsel einer stabilen Festschreibung von Position und Funktion der
einzelnen Bestandteile. Das hat Schrödinger erkannt und als derartigen Informationsträger der
Zelle einen „aperiodischen Kristall“5 vorgeschlagen, der als Festkörper beständig genug ist, um
der ordnungsnivellierenden Wärmebewegung des flüssigen Systems zu widerstehen, und in
seiner atomaren Konstellation genügend mannigfaltig ist, um die benötigte Strukturinformation
zu codieren. Wie schon erwähnt, hat Schrödinger damit Rolle und prinzipielle Eigenschaften der
DNA exakt vorausgesagt.

3. Die Herkunft lebendiger Ordnung

4
Schrödinger, Leben, S. 108.

5
Schrödinger, Leben, S. 86.
Seite -5-

Wir wissen nun, wie sich der materielle Ordnungsgrad des Lebendigen unter den Rahmenbedin-
gungen der physikalischen Gesetze erhalten kann, wie „Ordnung aus Ordnung“6 entsteht. Wie
sich diese Ordnung aufbaut, wissen wir damit freilich noch nicht. Weder ist mit dem Bisherigen
ein Wort darüber gesagt, wie die DNA zu ihrer Codierung kommt, noch, wie das Lebendige
„Ordnung aus Unordnung“ erzeugt, d.h. seine komplexe Struktur nicht nur gegen den Strom des
Energieausgleichs aufrechterhält, sondern sie sogar daraus generiert.
Wir kennen heute eine ganze Anzahl von materiellen Selbstorganisationsphänomenen, die
als thermodynamische Systeme fern vom Gleichgewicht aufzufassen sind und unter Energie-
dissipation spontan strukturelle Komplexität entstehen lassen. Bestuntersuchtes Beispiel dafür
ist die sogenannte Belousov-Zhabotinsky-Reaktion, die eine Folge von regelmäßigen zeitlichen
bzw. immer komplexer werdenden räumlichen Oszillationen zwischen zwei verschiedenen
Zuständen einer chemischen Redox-Reaktion darstellt.7 Die im Modellversuch herstellbaren
farbigen Musterbildungen8 sind beeindruckend und zeigen, daß es thermodynamisch tatsächlich
möglich ist, daß sich „von selbst“ Ordnung aus Unordnung organisiert. Allerdings gibt es einen
entscheidenden Unterschied zu den Ordnungszuständen des Lebendigen: die entstehenden
Komplexitätsmuster sind weder definiert noch beständig. Sie ändern laufend ihre Gestalt und
gehen wie Wolkenbildungen von einen Formzustand in den nächsten über – solange, bis der sie
bedingende Energievorrat erschöpft ist. Was solchen Strukturbildungen von „Ordnung aus
Unordnung“ somit fehlt, ist gerade das lebenstypische Charakteristikum von „Ordnung aus
Ordnung“, das dort durch das Vorhandensein eines Programms gewährleistet ist.
Damit stellt uns Schrödingers Lebensdefinition vor eine erstaunliche Tatsache. Sie heißt uns
den materiellen Ordnungszustand lebender Einheiten (d.h. zumindest der Zelle) als Beson-
derheit hinzunehmen, statt ihn aus physikalischen Systemen abzuleiten. Die Biochemie zeichnet
uns heute ein genaues Bild der Einzelreaktionen des zellulären Stoffwechsels. Und sie weiß seit
geraumer Zeit, aus welchen Stoffen sich die Zelle zusammensetzt. Aber sie ist außerstande
anzugeben, wieso und auf welche Weise aus diesen Stoffen (im wesentlichen Proteine, Nu-
kleinsäuren und Lipide) ein stoffwechselndes System, Zelle genannt, zustandekommen muß.
Mit anderen Worten, sie erklärt uns das Funktionieren von Leben, nicht aber seine Herkunft.
Wenn der Ordnungsgrad des Lebendigen als gegeben hinzunehmen ist, dann erfährt notwen-
digerweise auch sein Stoffwechselcharakter eine eigene Bewertung. Stoffwechsel ist dann nicht
mehr nur die thermodynamische Bedingung für das Auftreten irgendwelcher selbstorganisatori-
scher Komplexität, sondern das präzise Mittel zum Zweck der Lebenserhaltung. Wenn nämlich
die thermodynamische Strategie des Stoffwechsels das Auftreten lebendiger Komplexität zwar
ermöglicht, aber nicht erklärt, dann kehrt sich das Kausalschema um: Leben folgt dann nicht
mehr konsekutiv aus der Fähigkeit zum Stoffwechsel, sondern das Lebendige betreibt Stoff-
wechsel, um sich in seiner Ordnung zu erhalten. An einer finalen Formulierung ist bei diesem
Stand der Dinge – eine thermodynamisch gebotene Definition des Lebendigen vom Stoff-
wechsel her vorausgesetzt – nicht vorbeizukommen.
Die innere Zweckmäßigkeit des Organismus in bezug auf die Selbsterhaltung wird auch von

6
Schrödinger, Leben, S. 114.

7
Hock, Die Zhabotinsky-Reaktion, S. 9-10.

8
Vgl. Bec ker, D as Experim ent.
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mechanistisch denkenden Biologen konstatiert und als „Teleonomie“ bezeichnet.9 Teleonomie


bedeutet danach im Unterschied zur klassisch-aristotelischen Teleologie die absichtslose
Verfolgung eines Ziels aufgrund eines Programms. Das ist ganz im Sinne der von Schrödinger
konzipierten Rolle der DNA gedacht. In der aperiodischen Kristallstruktur der DNA ist die
Information gespeichert, die den Stoffwechsel in lebenserhaltender Form ablaufen läßt. Die
dafür notwendige Codierung der DNA soll nach diesem Konzept aber durch ungerichtete
Prozesse zustandegekommen sein – als Programmierung ohne Programmierer sozusagen. Die
Verlagerung der teleologischen Verfaßtheit des Lebendigen in eine ateleologisch entstandene
Programmstruktur wird noch zu diskutierten sein – nicht so sehr wegen ihrer logischen Unhalt-
barkeit (das wurde von anderer Seite bereits gültig besorgt10), sondern wegen des in dieser
umfassenden Weise nicht mehr zu haltenden Programmcharakters der DNA selbst.

4. Leben als Naturzweck


Bis hierher hat der Versuch eines physikalischen Verständnisses des Lebendigen zwei bemer-
kenswerte Ergebnisse gezeitigt. Zum einen sind Lebewesen, obzwar sie den Gesetzen physika-
lischer Systeme gehorchen, nicht einfach als solche Systeme zu bezeichnen, sondern als raum-
zeitlich definierte Entitäten, die sich in ihrer besonderen Struktur zu erhalten vermögen. Die
Rede von Individualität scheint hier unumgänglich. Zum zweiten sind diese Entitäten, eben weil
sie über Mittel verfügen, sich in ihrer Individualität aufrechtzuerhalten, teleologisch verfaßt. Das
„Selbst“ von Selbsterhaltung meint hier im Gegensatz zu Selbstorganisation nicht nur Sponta-
neität („von selbst“), sondern Rückbezüglichkeit („sich selbst“). Dies ist noch nicht gleich-
bedeutend mit Subjektivität, könnte aber zusammengenommen mit dem individuellen Charak-
ter des Lebendigen doch so etwas wie den Rahmen oder den Hintergrund dafür bedeuten – ganz
im Sinne der von uns eingangs geforderten Offenheit eines allgemeinen Lebensbegriffs für alle
Zustände und Erfahrungen von Lebendigsein.
Natürlich läßt sich einwenden, daß die konstatierte Teleologie der Lebewesen lediglich
Ausdruck unserer Unkenntnis über das Zustandekommen ihrer materiellen Komplexität ist.
Wenn wir den Ordnungsgrad des Lebendigen nicht als gegeben hinnehmen müßten, verlöre der
Stoffwechsel seine Mittelfunktion und die Rede von der Selbsterhaltung erübrigte sich genauso
wie bei der Belousov-Zhabotinsky-Reaktion. Das heißt, die Beschreibung des Lebendigen als
Stoffwechsel treibend „um sich selbst zu erhalten“ unterstellt bereits, daß Lebewesen sich selbst
organisierende Wesen sind, die einen Naturzweck im Sinne Kants11 repräsentieren. Die Frage
ist, ob sich eine solche Beschreibung vermeiden läßt.
Zunächst könnte man formal vorgehen und einfach bei der Feststellung stehenbleiben, daß
der Stoffwechsel Lebewesen in ihrem Ordnungszustand erhält und somit als letzte Bestimmung
für die Lebendigkeit von Materieanordnungen zu gelten hat. Nachdem wir bereits gesehen
haben, daß Stoffwechsel keine hinreichende Bedingung für die Etablierung eines bestimmten
Ordnungszustandes ist, stellt sich damit die Frage nach der Begründung dieses Ordnungs-
zustandes nur einmal mehr. Die Antwort „es ist eben so“ erscheint angesichts der physikalischen
Besonderheit lebendiger „Systeme“ nicht nur unbefriedigend, sondern unzureichend.
Der hinreichende Erklärungsgrund könnte nun aber gerade finaler Art sein, womit auch dem

9
Mayr, Evolution, S. 86 und 207.

10
Vgl. Spaemann und Löw, Die Frage Wozu, S. 249-52.

11
KU §64.
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in diesem Zusammenhang immer wieder kolportierten Programmcharakter der genetischen


Information Genüge getan wäre. Die Selbstorganisation des Lebewesen erklärte sich dann in
Analogie zur Werktätigkeit des Menschen, wobei dessen Kunstschaffen gemäß Aristoteles nur
Abbild einer allgemeinen Teleologie der Natur ist: º JXP<0 :4:gÃJ"4 J¬< nbF4<.12 Die
Annahme einer solchen Naturfinalität, die dem Lebendigen den Charakter intelligibler Kausali-
tät zuschreibt, kann nach Kant, weil unbeweisbar, nur ein „regulativer Begriff für die reflektie-
rende Urteilskraft“13 sein. Das heißt, der naturwissenschaftlichen Erkenntnis steht nur das
Terrain des Kausalnexus offen, für dessen Sondierung die Idee eines Finalnexus aus „maieuti-
schen“ Gründen hilfreich sein kann, aber nichts zur Summe der kausalen Mechanismen beiträgt.
Implizit ist damit allerdings auch gesagt, daß die Erforschung des Kausalnexus nicht über die
Möglichkeit einer Naturfinalität befinden kann.
Mit einer solch zurückhaltenden Position bezüglich der Grenzen unseres Wissens will sich
die heutige Naturwissenschaft freilich nicht abfinden. Sie will vielmehr den Nachweis führen,
daß das Verständnis der Genese des Lebendigen die Annahme eines teleologischen Prinzips in
der Biologie ebenso überflüssig macht wie in der Physik. Hier ist aber Vorsicht geboten. Denn
noch einmal: die Kenntnis der Mechanismen, auch solcher der Entstehung, sagt nichts über das
Vorliegen oder Fehlen von Zwecken. Die noch so minutiöse Verfolgung des Zusammenbaus
eines Radioapparats bzw. das Durchrechnen all seiner physikalischen Parameter erklärt nicht,
was ein Radio ist.14
Wir stimmen selbstverständlich dem naturwissenschaftlichen Ideal einer restlosen Auf-
klärungsmöglichkeit der Mechanismen des Lebendigen zu – zwar weniger aus Angst vor der
Verachtung durch die Scientific Community, als aufgrund der schon von Aristoteles formulier-
ten Einsicht, daß kein Zweck sich ohne die dazu notwendigen Mittel realisiert. Aber wir halten
es für eine petitio principii, allein deshalb, weil es prinzipiell nicht unmöglich ist, die Genese
des Lebendigen mechanistisch zu verstehen, dieser Genese schon von vornherein das Vorliegen
eines Zieles abzusprechen. Die Biologie wird sich gedulden müssen, diese Erklärungsarbeit zu
leisten, damit dann das Urteil darüber gefällt werden kann, ob der aus der rekonstruierten
Genese deduzierbare Effekt die regulative Idee des Naturzwecks in die Mottenkiste über-
flüssiger Theorien oder auf den Altar konstitutiver Prinzipien überführt. In der Zwischenzeit tut
sie gut daran, den Rahmen des Besonderen, wie ihn die physikalische Betrachtungsweise
nahelegt, für das Lebendige zu respektieren.

5. Ontogenetischer Aufbau
Es ist also nunmehr zu sichten, was die Naturwissenschaften über die Entstehung des Lebens
anzugeben wissen. Da sich die Vorgänge der Chemoevolution in der „Ursuppe“ einer fossilen
Dokumentation so gut wie vollständig entziehen, ist man dabei auf Simulationen und Modell-
vorstellungen angewiesen. Zunächst scheint sich allerdings auch noch ein anderer Weg an-
zubieten, der den Vorteil hat, für eine direkte Erforschbarkeit zugänglich zu sein: die ontogene-
tische Entstehung eines Organismus. Das Kennzeichen des Lebendigen, Ordnung aus Un-
ordnung aufzubauen, sollte sich hier, beim Selbstaufbau des Organismus, am unmittelbarsten
verfolgen lassen, und das umso mehr, als unsere Kenntnis der embryonalen Frühentwicklung

12
Phys. II 2, 194a 21-22

13
KU §65

14
Mutschler, Über die Möglichkeit einer Metaphysik der Natur, S. 9.
Seite -8-

seit einigen Jahren bis in die Dimension der molekularen Mechanismen reicht.15
Allerdings hat die Aufdeckung der Mechanismen der frühembryonalen Musterbildung eine
Grenze offengelegt, die zu einem überraschenden Umschwung im Organismusverständnis
Anlaß gibt und auch Schrödingers Lebensdefinition eine Korrektur abnötigt. Gemeint ist die
Rolle der DNA als Informationsinstanz der Selbstorganisation. Es ist nicht so, daß die DNA den
Lageplan des zellulären oder organismischen Strukturgefüges enthält – weder dem Aufbau noch
der Aufrechterhaltung nach. In der DNA sind bestenfalls die Strukturinformationen für die
Bausteine der Zelle codiert, genaugenommen nur die Reihenfolge ihrer Einzelbestandteile. (Man
erinnere sich: der genetische Code besteht in der Zuordnung von drei aufeinanderfolgenden
Nukleotid-Bausteinen der DNA zu einer der zwanzig Aminosäuren, aus denen die Proteine
bestehen.) Es stimmt zwar, daß die DNA den Stoffwechsel der Bausteine garantiert, wenn das
Lebewesen aus dem Abbau seiner selbst Energie gewinnt und darin „einer aus Heizmaterial
konstruierten und dennoch unabhängig arbeitenden Dampfmaschine“ gleicht.16
Die Exaktheit der Regeneration der verbrauchten Zellbestandteile wird tatsächlich durch die
Codierung in der „aperiodischen Kristallstruktur“ der DNA gewährleistet, nicht aber deren
Ersatz am richtigen Ort im Gefüge. Die dafür zuständige Instanz wird im Gegensatz zur struktu-
rellen Information der DNA als „Positionsinformation“ bezeichnet, die in nichts weniger codiert
ist als in der dynamischen Gesamtstruktur der funktionierenden Zelle selbst.17 Der „richtige Ort“
im Gefüge wird also dadurch gefunden, daß ein abgebauter und durch die genetische Kontrolle
der DNA wieder neu synthetisierter Baustein vom bestehenden Organisationszusammenhang
seinen Platz zugewiesen bekommt. Das bedeutet aber, daß im Verständnis des Aufbaus lebendi-
ger Ordnung nicht hinter die Ebene schon vorliegender lebendiger Ordnung zurückgegangen
werden kann. Der Weg von einer dem Leben voraussetzbaren Informationsstruktur, eben der
Code-Funktion der DNA, zum daraus sich ableitenden Aufbau lebendiger Organisation ist
imaginär – es gibt ihn nirgends anders als im schon bestehenden Organismus. Das Genom
definiert sich in Abhängigkeit vom Organismus, nicht dieser als Resultat des Genoms.
An der Richtigkeit dieser Einsicht ändert die Berücksichtigung der Autoregulationsfähigkeit
der Gene nur wenig. Gewiß weisen Gene zusätzlich zu ihren codierenden Sequenzen mehr oder
weniger lange regulatorische Abschnitte auf, welche als Andockstellen für entsprechende, die
Genaktivität beeinflussende Proteine (sogenannte Transkriptionsfaktoren) dienen. Da solche
regulatorischen Proteine ihrerseits nichts anderes als Genprodukte sind, ist auf diesem Wege
eine Kreuzvernetzung der genetischen Aktivität realisierbar, deren Wirkung durchaus syn-
ergistische18 Züge annehmen kann. So wurden mit zunehmender Kenntnis der Wirkungsweise
regulatorischer Prozesse schon Mitte der achtziger Jahre theoretische Modelle vorgeschlagen,
die das Zustandekommen definierter genetischer Programme als Selbstorganisationseffekt
erklären sollten.19 So verblüffend die Computersimulationen solcher „kollektiv-autokatalyti-

15
Vgl. Nüsslein-Volhard, Die Neubildung von Gestalten, sowie (für detailliertere Auskünfte): St Johnston und
Nüsslein-Volhard, The Origin of Pattern.

16
Penzlin, Leben – was heißt das, S. 82.

17
Vgl. Lewin, G enes, p . 3

18
Definition von Synergetik nach Haken, Erfolgsgeheimnisse, S. 21: „die Wissenschaft vom geordneten,
selbstorganisierten, kollektiven Verhalten“ von Vielteilchen-Systemen.

19
S.A. Kauffman, Developmental Logic, p. 83.
Seite -9-

scher Systeme“ sind, ist bis heute unklar, wieweit sie die tatsächlichen Verhältnisse im lebendi-
gen Organismus wiederspiegeln.
Dagegen haben die Arbeiten der Nobelpreisträgerin Nüsslein-Volhard gezeigt, daß das
Zustandekommen eines Entwicklungsprogramms nicht auf genetischen Interaktionen alleine
beruht, sondern auf einer raumzeitlichen Ausrichtung oder „Vektorisierung“20 der Genexpressi-
on durch die Topographie der Organisation. Damit ist die Steuerung des Entwicklungsablaufs
nicht ausschließlich auf die Wirkung von Genen zurückzuführen, sondern ein „epigenetischer“
Vorgang. Sie erfolgt „durch Vorgänge oberhalb der genetischen Information”21, womit alle
strukturellen Parameter angesprochen sind, welche auf die Auswahl genetischer Einzelinforma-
tion Einfluß nehmen. Entscheidend ist dabei, daß Kohärenz und Vollständigkeit des Programms
durch die Rückbindung dieser Auswahlverfahren in die Ganzheit der Organisation gegeben sind,
nicht jedoch durch einen kybernetischen Algorithmus auf der Ebene der DNA-Codierung.22
Damit wird noch deutlicher als bei der zellulären Positionsinformation, daß nicht eine
einzelne molekulare Struktur die Formursache für den Aufbau lebendiger Ordnung darstellt,
sondern nur eine bereits vorhandene Organisationsganzheit. Baupläne werden nicht auf DNA-
Ebene codiert, sondern als Elementarorganismen, Keimzellen genannt, vererbt. Der alte Grund-
satz „omne vivum e vivo“ behauptet sich immer noch als entwicklungsbiologisches Axiom –
Wolpert’s Umformulierung in „ex DNA omnia“23 zum Trotz.

6. Phylogenetische Rekonstruktion
Es bleibt als letztes, die Reichweite einer phylogenetischen Rekonstruktion der Lebensent-
stehung in Augenschein zu nehmen. Die Strategie derartiger Rekonstruktionen, die ja, wie
betont, keinen fossilen Befund zur Grundlage haben, sondern biochemische Erwägungen,
besteht generell darin, die Komplexität elementarer Organisationsformen des Lebendigen zu
analysieren und die dabei isolierten Teilsysteme als evolutive Vorstufen lebendiger Organisation
zu interpretieren.
Im Falle einer „typischen“ kernhaltigen Zelle, der Euzyte, ist das relativ leicht. Die reich
gegliederte innere Organisation drängt den Verdacht geradezu auf, daß dieser Komplexitätsgrad
sekundär ist, d.h. seine Entstehung dem Zusammenschluß elementarerer Entitäten verdankt.
Und in der Tat ist für die beiden wichtigsten Organellen des zellulären Energieumsatzes, die
pflanzlichen Chloroplasten und die Mitochondrien, die Ansicht wohlbegründet, daß es sich
dabei um ursprünglich selbständige Organismen, Bakterien, handelt, die von der Euzyte als
Dauergäste beherbergt und symbiontisch in den Dienst genommen wurden. Die
„Endosymbionten-Theorie“ konzipiert also die Euzyte als phylogenetische Chimäre – sie
extrapoliert aus dem Faktum, daß es Fälle von intrazellulärer Symbiose gibt, die generelle
Entstehungsursache der modernen Zellorganisation.24 Als alleinige Triebkraft der Zellevolution
sicher überzogen, hat sie inzwischen durch die Kombination mit sukzessiven Evolutionsmecha-

20
Sitte, Wissen wir genug, S. 253 und 254.

21
Müller, Entwicklungsbiologie, S. 138.

22
Vgl. Kummer, Philosophie, Kap. 6 und 7.

23
Wolpert, Regisseure, S. 79.

24
Margulis, Symbiosis and Evolution, p. 56.
Seite -10-

nismen ein hohes Maß an Plausibilität erreicht.25


Damit ist zwar das Zustandekommen der Euzyte prinzipiell rekonstruierbar, aber das
Problem der Lebensentstehung nur um eine Stufe weiter zurück verlagert: Woher stammt der
erste Wirtsorganismus, der zur Aufnahme von endosymbiontischen Gästen befähigt ist? Er muß
ja doch wohl selbst ein Lebewesen sein – wenn auch ein einfach organisiertes. Man stellt sich
diesen Urorganismus, von Woese als „Progenot“ bezeichnet, heute nach Art von Archaebakte-
rien vor26, Mikroorganismen, die in der Auswahl ihrer Lebensräume wenig mit unserer Vor-
stellung von Lebendigsein gemein haben - sie besiedeln etwa heißer Schwefelsäure gleich-
kommende Tiefseequellen oder schwelende Kokshalden27 -, aber in ihrer genetischen Struktur
mehr den kernhaltigen Zellen gleichen als echten Bakterien. Obgleich derartige Organismen
aufgrund ihrer Anpassung an Hitze und die Ausnützung ungewöhnlicher Energiequellen das
Szenario einer jugendlichen Erdoberfläche geradezu heraufbeschwören, ist damit noch nichts
über ihre Biogenese gesagt. Sie sind echte Organismen – nicht weniger lebendig als eine Amöbe
oder ein Wurm.
Für die Simulation der Biogenese versucht man, sich auf die unabdingbaren Elemente eines
hypothetischen Minimalorganismus zu konzentrieren. Es sind dies entsprechend den Leben-
scharakteristika folgende drei: genetischer Apparat (DNA oder RNA), stoffwechselndes
„Plasma“ (damit ist die Gesamtheit der für eine Zelle notwendigen Proteine gemeint) und eine
als Begrenzungsstruktur dienende Membran.28 In der Tat gibt es für jede dieser drei Elementar-
bedingungen des Lebens abiotische Modellsysteme. Am einfachsten ist dies im Fall der Lipid-
membranen, da sich ihre Bestandteile, die Phospholipide, in wässerigem Milieu spontan zu
sogenannten Mizellen zusammenlagern und unter bestimmten Bedingungen zu Liposomen
werden können, geschlossenen, flüssigkeitsgefüllten Vesikeln von 100 nm Durchmesser, deren
Membran genau wie bei lebendigen Zellen doppelschichtig ist.29
Wie mit den Liposomen die Abgrenzung eines selbständigen Innenmilieus aus dem all-
gemeinen Reaktionsgemisch der „Ursuppe“ als Selbstorganisation nachvollzogen werden kann,
so lassen sich manche Eigenschaften des stoffwechselaktiven Cytoplasmas durch die Mi-
krosphären simulieren. Das sind kugelige Proteingebilde, die hinsichtlich ihrer Größe, ihrer
Fähigkeit zu Wachstum bzw. Knospung und in ihren katalytischen Eigenschaften eine äußere
Ähnlichkeit mit echten Zellen aufweisen. Hergestellt werden Mikrosphären z.B. durch trockenes
Erhitzen von Aminosäuren und Auflösen der entstandenen „Proteinoide“ in Meerwasser.
Aufbauend auf Vorarbeiten von Oparin und Haldane sind derartige Experimente von S.W. Fox
1965 durchgeführt worden und seither in verschiedenen Modifikationen wiederholt.30 Bemer-
kenswert ist vor allem die Bindungsaffinität derartiger Proteinoidvesikel zu Nukleinsäuren. Man
kann darin eine Art Vorläufer-Mechanismus des zellulären DNA-Protein-Zusammenspiels
sehen. Deshalb werden solche DNA- bzw. RNA-haltige Mikrosphären bisweilen auch als

25
Vgl. de Duve, Die H erkunft komplexer Zellen.

26
Kandler, Archaebakterien, S. 185.

27
Vgl. Stetter und K önig, Leben am S iedep unkt.

28
Schwemmler, Holistische Evolutionsbetrachtung, S. 37.

29
Voet, Biochemie, S. 274.

30
Einzelheiten und Originalliteratur in: Rahmann, Präbiologische Evolution, S. 119.
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„Präbioide“ bezeichnet.
Die Bildung eines funktionsfähigen genetischen Replikationsapparats als Selbstorganisa-
tionsprodukt der Ursuppe wurde vor allem durch Eigens Hyperzyklus-Modell plausibel ge-
macht.31 Es trägt dem Umstand Rechnung, daß ohne Zuhilfenahme steuernder Biokatalysatoren,
wie sie in der Zelle als Replikationsenzyme vorliegen, eine genügend fehlerfreie Selbstverdopp-
lung nur für Nukleinsäurestränge geben ist, die in ihrer Länge weit unter den kleinsten heute
bekannten Genen liegen. Eine Anreicherung zu einem „Ur-Genom“ sollte danach durch die
Zusammenschluß solcher replikationsfähiger „Mini-Gene“ zu einem katalytischen Regelkreis
geschehen. RNA-Strang A fungiere dabei als Hilfsmolekül für die Replikation von RNA B, die
ihrerseits als Replikationsenzym für ein drittes RNA-Molekül C eingesetzt werden kann und so
fort, bis die letzte RNA-Spezies im Kreis wieder die Replikation von A katalysiert. Es erscheint
einsichtig, daß ein derartiges zyklisches System seine für die Replikation notwendige Informati-
on von selbst aufbaut und erfolgreich verbreitet.

7. Schwierigkeiten
Es kann hier nicht der Ort sein, alle Schwachstellen der genannten Theorien und Modelle
abzuklopfen. Auffällig ist jedenfalls, daß jeder dieser Ansätze, obwohl nur Teilfunktionen
repräsentierend, sein eigenes Modell der Zelle entwirft – als Membranvesikel, als Proteinoid-
tröpfchen, als Genschaltplan –, ohne auf die Ergänzung durch die anderen Aspekte zu achten.
Wie verhält sich die Geschlossenheit der Liposomen-Membran zu den ebenfalls in sich ge-
schlossenen Mikrosphären? Wie integriert sich der als offenes System in der Ursuppe sich
ausbreitende Hyperzyklus in solch geschlossene Gebilde? In der Tat ist das der Hauptvorwurf,
der von verschiedener Seite den präbiotischen Modellen gegenüber erhoben wird: daß sie zwar
einzelne Lebensleistungen zu simulieren vermögen, aber nicht in der Lage sind, die Synorgani-
sation dieser Leistungen zu erklären, ja, nicht einmal einen Selektionsdruck angeben können,
der die Funktionen der verschiedenen Modelle nicht nur optimiert, sondern miteinander inte-
griert. Es ist bei diesem Stand der Dinge eine mehr als „rein spekulative Darstellung“, die
einzelnen Elementarfunktionen der Zelle auf verschiedene „Präbioide“ zu verteilen, und diese
dann durch stufenweise Integration zu „Protobionten“, „Eobionten“ und „Urprozyten“ in eine
scheinbar phylogenetische Reihe zu bringen.32 Das ist keine realhistorische Rekonstruktion,
sondern schlichtes Stufenleiterdenken, dessen sich schon Haeckel bedient hat, um z.B. den
Homo sapiens über einen „Homo stupidus“ und „Pithecanthropus alalus“ an die Menschenaffen
anzuschließen. Aus der heutigen Sicht der Hominidenevolution ist an solcher phylogenetischer
Logik nichts zu bewundern als die altphilologische Schulung.
Prekärer wird die Situation noch, wenn man die Reaktionen betrachtet, durch die sich in der
chemoevolutiven Phase der „Ursuppe“ die für den Aufbau von ersten Lebewesen benötigten
hochmolekularen Proteine und Nukleinsäuren gebildet haben sollen. Es ist zwar richtig, was
Stanley Miller mit seinen berühmten Urzeugungsexperimenten gezeigt hat: daß die Bestandteile,
aus denen die Biopolymere sich aufbauen, unter den abiotischen Bedingungen einer simulierten
„Uratmosphäre“ entstehen können. Problematisch ist indessen die Kondensation längerkettiger
Moleküle aus solchen Grundbausteinen, weil unter den Miller’schen Versuchsbedingungen weit
mehr Bausteine entstehen, die zum Abbruch der Kettenbildung führen, als solche, die eine
kontinuierliche Polymerisation begünstigen. Es ist das Verdienst des Polymerchemikers

31
Vgl. z.B.: Eigen u.a., Ursprung der genetischen Information.

32
Schwemmler, Holistische Evolutionsbetrachtung, S. 39.
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B. Vollmert, in den Syntheseraten von Miller auf die hohe Anzahl solcher „monofunktionellen“
Moleküle hingewiesen zu haben, die, weil nur „einarmig“, kein Bindeglied in einer Kette
abgeben können.33
Vollmert hat sich zwar wissenschaftlich selbst desavouiert, weil er daraus den Schluß
gezogen hatte, daß das Leben sich einem Schöpfungsakt verdanken müsse, statt nur das zu
konstatieren, was seine Befunde tatsächlich abdecken: daß die Uratmosphäre so, wie Miller sie
konzipierte, nicht ausgesehen haben kann. Der Sturm der Entrüstung, den er Anfang der acht-
ziger Jahre damit entfesselte, galt allerdings weniger der naturwissenschaftlichen Grenzüber-
schreitung als dem Störenfried, der den Glauben an eine kontinuierlichen Übergang von der
unbelebten zur lebendigen Materie zu erschüttern wagte. Es gibt erstaunlicherweise nur wenige
Wissenschaftler, die wie der Chemiker Klaus Dose selbst auf dem Gebiet der molekularen
Evolution tätig sind und dabei nüchtern zugeben können: „die ‘chemische Evolution’ ist [...] zur
Zeit noch kein reifes, wissenschaftliches Gebiet“34.
Diese Aussage ist gut 10 Jahre her. Wenn sich seitdem etwas geändert hat, dann höchstens,
daß es zu diesem Thema eher still geworden ist. Gewiß gibt es neue Ansätze – vor allem solche,
die von der Fixierung auf eine „RNA-Welt“ am Beginn des Lebens wegführen.35 Durch Fixie-
rung an bestimmten Mineralien ist es zwar inzwischen gelungen, Nukleinsäuren mit einer
Kettenlängen von bis zu 60 Gliedern abiogen zu polymerisieren36 – allerdings nur unter hochge-
reinigten Ausgangsbedingungen, so daß Vollmerts Kritik unseres Erachtens nach wie vor nicht
entkräftet ist. Es bleibt aber dabei der Irrglaube bestehen, das Zustandekommen lebendiger
Organisation von der Grundlage der DNA-Codierung her verstehen zu wollen. Alternativen,
welche die Selbstorganisation des Lebendigen von elementaren Reaktionen des Stoffwechsels
bzw. des Energiegewinns her konzipieren37, sehen sich ihrerseits vor der Schwierigkeit, wie sich
die dabei entstehenden Molekülkollektive dann in einen genetischen Apparat „zurückschrei-
ben“. Mit anderen Worten, das Problem der zellulären Synorganisation ist immer noch nicht
gelöst – gleichgültig, von welchem Ausgangspunkt an die Sache herangegangen wird.
Diese Feststellung geschieht ohne alle Häme. Wer sonst als die Naturwissenschaften sollte
erklären, wie das Leben entstanden ist? Dagegen ein „Wissen aus dem Glauben“ ins Feld zu
führen, ist ein typisch creationistischer Fehlschluß. Der Gläubige hat keinen Zugriff auf anderes
Wissen, er interpretiert nur die Zusammenhänge anders. Es darf aber – für Gläubige und
Ungläubige gleichermaßen – erlaubt sein, sich darüber zu wundern, mit welcher Selbstsicherheit
theoretische Biologen höchst vage Annahmen über den Verlauf der präbiotischen Evolution als
Inbegriff des Wissen preisen, während die wirklichen Fachleuten auf den jeweiligen Teil-
gebieten darin hundert ernstliche Wenn und Aber finden.38 Ideologieverdacht legt sich hier doch
nahe. Man ist unter evolutionär denkenden Biologen (und wer wäre das nicht) nur zu bereit,

33
Vollmert, Problem der Ursuppe, S. 77.

34
Dose, Präbiotische Evolution, S. 180.

35
Zusammenstellung z.B. in: Horgan, Schritte ins Leben.

36
Kiedrowski, Primordial soup, p. 21.

37
Gemeint sind die Arbeiten von de Duve (T hioester-Welt) und Wächtershäuser (Oberflächen-Metabolismus).

38
Die etwa zeitgleich und zum selben Them a publizierten Arbeiten von Rahmann und Dose mö gen als Beleg für
eine solch unterschiedliche Bewertung dienen.
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Ungesichertes vorschnell als Faktum aufzugreifen, weil es sich so schön in die eigene Wunsch-
vorstellung – Leben als Selbstorganisationsprozeß der Materie – fügt. Ob eine solche Haltung
intellektuell aber viel redlicher ist als die des Creationisten, der sich über jede Wissenslücke
freut, in die er sein „Schöpfungsmodell“39 einpflanzen kann?

8. Fazit
Ist nach alldem Leben nun ein materieller Selbstorganisationsprozeß? Wir haben schon betont,
daß ein mechanistisches Verständnis der Entstehung lebendiger Ordnung prinzipiell möglich
sein muß – unabhängig davon, ob wir dieses Ziel jemals vollständig erreichen oder nicht. Der
Widerstand allerdings, den die zelluläre Grundorganisation einer evolutionären Entstehung
entgegensetzt, könnte als Hinweis gelten, daß eine solche Erklärung mit einer allzu primitiven
Mechanik nicht geht. Vielleicht müßte unser Materiebegriff in eine Richtung erweitert werden,
die Teilhard de Chardin seinerzeit mit der Metapher der „Zentriertheit“40 belegt hat, um Phäno-
mene wie Subjektsein oder psychisches Erleben evolutionär zu erfassen. Das hieße aber, an der
Schwelle einer der Quantentheorie ebenbürtigen Revolutionierung des Materiebegriffs zu
stehen, und die eingangs angesprochene Naturfinalität wäre als Konstitutivum importiert.
Ob in der Schule des Darwinismus groß gewordene Biologen zu einem solchen Schritt bereit
sind? Gewinnen würden sie dabei, wie ein Vergleich der Positionen des Physikers Dürr und des
Biologen Wuketits in dem bereits zitierten Sammelband Gott, der Mensch und die Wissenschaft
zeigen kann. Bis dahin ist wenigstens darauf zu dringen, die von Schrödinger getroffene
Charakteristik der Ordnung des Lebendigen nicht als überholt oder überflüssig abzutun.

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Kant, I.: Kritik der Urteilskraft, Ausgabe Meiner, Leipzig 1913.
Kauffman, S.A.: Developmental Logic and ist Evolution. In: BioEssays 6, 1987, p. 82-87.

39
Junker und Scherer, Entstehung und Geschichte, S. 17.

40
Zentrologie, S. 342-348
Seite -14-

Kiedrowski, G.: Primordial soup or crêpes? In: Nature 381, 1996, p. 20-21.
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Anschrift des Verfassers:


Prof. Dr. Christian Kummer SJ
Hochschule für Philosophie
Institut für naturw. Grenzfragen
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