Sie sind auf Seite 1von 7

Technical Topic

Überwachung des Zustands von Turbinenöl


Technischer Schulungsleitfaden

Einführung Keine dieser Verunreinigungen sind eine direkte


Moderne Dampf- und Gasturbinen stellen hohe Folge des Ölabbaus, dennoch tragen sie zu einer
Anforderungen an den Schmierstoff. Höhere Verschlechterung des Ölzustands bei. Verschleiß-
Temperaturen in den Lagern, kleinere Öltanks mit metalle wie Kupfer, Eisen und Blei sind Oxidations-
kürzerer Verweildauer des Öls im Tank und Lackbil- katalysatoren. Wasser (insbesondere chemisch
dung sind kritische Faktoren. Öl sorgt für einen zu- behandeltes Wasser) kann sich negativ auf Eigen-
verlässigen Turbinenbetrieb. Deshalb ist eine intensive schaften wie Schaumneigung und Wasserabschei-
Überwachung des Ölzustands erforderlich, um devermögen auswirken. Übermäßige Schaum-
einen langen, reibungslosen Betrieb sicherzustellen. neigung kann zu einer verzögerten Reaktion der
Hydrauliksteuerung, Kavitation in Pumpen und
Lagern sowie zu Sicherheitsproblemen führen,
Abbau des Turbinenöls
wenn der Schaum aus dem Tank überläuft und den
Vier Hauptursachen sind für den Abbau von
Boden verschmutzt.
Turbinenölen während des Turbinenbetriebs
verantwortlich: • Abnahme von Additiven. Eine teilweise Abnahme
der Additive ist normal und zu erwarten. Antioxida-
• Oxidation. Öle oxidieren während des Betriebs,
tions-Additive werden verbraucht, während sie ihre
wenn sie mit dem Sauerstoff aus der Luft in
Funktion erfüllen. Demulgatoren tragen dazu bei,
Berührung kommen. Die Oxidation beschränkt
Wasser aus dem Öl zu entfernen. Bei übermäßigem
sich nicht ausschließlich auf die Verweildauer des
Wasseranfall können die Demulgatoren jedoch
Öls im Tank, im Öl dispergierte Luftblasen tragen
selbst ausgespült werden. Additive zur Verhinderung
zur Oxidation bei. Hohe Turbinentemperaturen
von Schaumbildung können durch sehr feine Filter
und eine kurze Verweildauer des Öls im Tank be-
entfernt werden oder sich zusammenballen, wenn
schleunigen die Oxidation.
das Öl über einen längeren Zeitraum nicht zirkuliert.
• Thermischer Abbau. Das Öl kann in der Turbine
Diese Faktoren sollten über die gesamte Lebens-
Temperaturen ausgesetzt sein, die zu chemischen
dauer des Turbinenöls regelmäßig überwacht werden.
Veränderungen des Grundöls und der Additive
Folgende Prüfverfahren werden häufig für die Über-
führen. Als Folge dieser Reaktion entstehen Ver-
wachung von Turbinenöl im Betrieb angewendet.
bindungen, die sich im Öl nicht gut lösen. Diese
Sie lassen sich in drei verschiedene Kategorien unter-
lagern sich im Ölsystem ab und die Ablagerungen
teilen: Prüfung der physikalischen und chemischen
können im ungünstigsten Fall zum Ausfall der
Eigenschaften, Kontaminationsmessungen sowie
Anlage führen.
Prüfung der Leistungseigenschaften.
• Verunreinigungen. Turbinenöle können durch
Verunreinigungen verschiedener Art betroffen
sein. Dazu zählen Wasser (insbesondere bei
Dampfturbinen), Staub und andere Fremdstoffe,
Spülmittel oder angesammelte Verunreinigungen
wie z. B. Partikel aus Metallverschleiß.
Technischer Schulungsleitfaden
Prüfung der physikalischen und Gemäß ASTM D4378 werden 25 % des RPVOT-
chemischen Eigenschaften Wertes des Frischöls als Untergrenze für das
Viskosität (ASTM D445) Gebrauchtöl angesehen. Erreicht das Gebrauchtöl
Die Viskosität ist die wichtigste Eigenschaft jedes diesen Wert und steigt zugleich der TAN-Wert,
Schmierstoffs. Sie ist ein Maß für die Zähflüssigkeit sollte gemäß ASTM D4378 ein Ölwechsel durchge-
eines Öls bei vorgegebener Temperatur, z. B. gemäß führt werden.
ASTM D445 ermittelt. Deutliche Veränderungen der
Viskosität eines Turbinenöls weisen normalerweise
Kontaminationsmessungen
Wassergehalt – (visuell und ASTM D1744)
auf eine Vermischung mit Fremdöl hin. Es kann
Turbinenöle können durch Wasser aus verschiede-
vorkommen, dass die Viskosität als Folge übermäßiger
nen Quellen verunreinigt werden. Dazu zählen u. a.
Oxidation ansteigt. Thermisches Cracken des Grund-
Kondenswasser aus der Luft und leckende Wärme-
öls (durch übermäßige Wärmebelastung) kann zu
tauscher. Bei Dampfturbinen können Stopfbuchsen
einer Verringerung der Viskosität führen.
oder Dampfköpfe Leckagen aufweisen.
Die Ergebnisse dieser Prüfmethode werden in mm2/s
Turbinenöle sollten täglich auf ihren Wassergehalt
bei 40 °C angegeben. Der typische Bereich der
überprüft werden. Die Ölprobe sollte klar und hell
Ergebnisse sollte bei +/- 5 Prozent der Viskosität des
sein. Eine trübe oder nicht durchsichtige Probe kann
Frischöls liegen.
auf das Vorhandensein von Wasser hinweisen.
Gesamtsäurezahl (ASTM D974)
Ob das Turbinenöl Wasser enthält, kann mit einem
Die Gesamtsäurezahl (TAN) ist die Maßzahl für den
Schnelltest (Spratzprobe) im Labor untersucht
Säuregehalt des Öls. Die Messung erfolgt durch
werden. Eine genauere Bestimmung des Wasser-
Titration des Öls mit einer Base (KOH). Dabei wird
gehalts erfolgt durch Titration nach dem
die Menge dieser Base, die zur Neutralisierung der
Karl-Fischer-Verfahren (ASTM D1744). Das Ergebnis
im Öl enthaltenen Säure erforderlich ist, bestimmt.
wird in % oder ppm (parts per Million) angegeben.
Das Ergebnis wird in mg KOH/g des zu prüfenden
Laut ASTM D4378 liegt die kritische Grenze für
Öls angegeben.
Wasser im Turbinenöl bei 1000 ppm oder 0,1 %.
ASTM D4378 (In Service Monitoring of Mineral Turbine Bestimmte Anlagenhersteller haben jedoch schon
Oils for Steam and Gas Turbines; Überwachung von eine kritische Grenze von 500 ppm festgelegt.
mineralischen Turbinenölen für Dampf- und Gas-
Prüfung des Metallgehaltes durch induktiv
turbinen während des Betriebs) empfiehlt als Grenz-
gekoppeltes Plasma (ICP)
wert einen TAN-Anstieg von 0,3 bis 0,4 mg KOH/g
Metallkonzentration im Turbinenöl kann ein Indika-
bezogen auf den Wert des Frischöls. Signifikanten
tor für Verschleiß, Veränderungen des Anlagenbe-
Veränderungen der Säurezahl sollte auf den Grund
triebs oder potenzielle Verunreinigungen sein.
gegangen werden, da Säuren im Öl zur Korrosion der
Beachten Sie dabei jedoch, dass mithilfe dieses
Lageroberflächen und somit zu irreparablen Schäden
Prüfverfahrens nur sehr kleine Metallpartikel erkannt
führen können.
werden, normalerweise unter einer Größe von 8 µm.
Wichtig für eine sinnvolle Beurteilung der
Es gibt für Turbinenöle keine spezifische Grenze für
TAN-Werte ist nicht eine einmalige Messung,
die Metallgehalte. Bei diesem Prüfverfahren ist die
sondern deren Trendentwicklung.
Trendentwicklung der Metallkonzentration ein
Oxidationsstabilität im Rotationsdruckbehälter wesentlicher Gesichtspunkt.
(ASTM D2272)
Der im Rotationsdruckbehälter durchgeführte
Oxidationstest (Rotary Pressure Vessel Oxidation Test
– RPVOT, ehemals als RBOT bezeichnet) bestimmt
den Oxidationsschutz im Öl. Dazu wird das zu
untersuchende Öl mit Wasser und einem Kupfer-
katalysator in einen Druckbehälter gefüllt. Der
Druckbehälter wird mit Sauerstoff beaufschlagt,
dicht verschlossen und in einem 150 °C heißen
Ölbad zur Rotation gebracht. Gemessen wird die
Zeit, die das Öl benötigt, um mit dem Sauerstoff zu
reagieren und das Ergebnis (der RPVOT-Wert) des
Prüfverfahrens in Minuten angegeben.
Technischer Schulungsleitfaden
Bewertung durch Ultrazentrifugieren hinaus kommen auch unterschiedliche Apparaturen zur
Beim Ultrazentrifugieren werden fein verteilte oder Partikelzählung zum Einsatz.
suspendierte Partikel im Öl erfasst. Eine Probe des zu
untersuchenden Öls wird 30 Minuten lang bei einer Es ist darauf zu achten, dass die für die Partikelzählung
Drehzahl von 17.500 U/min zentrifugiert. Nach Ablauf eingesetzten Proben repräsentativ und einheitlich sind.
dieser Zeit wird das Teströhrchen entleert und die im Die Ergebnisse der Partikelzählung dienen lediglich zur
Teströhrchen verbleibenden Ablagerungen werden relativen Ermittlung der Verunreinigung. Für diesen
anhand des in Abbildung 1 gezeigten Standards Test existiert keine ASTM-Norm. Letztendlich ist die
bewertet. Partikelzählung ein guter Anhaltspunkt für die Sauber-
keit des gesamten Systems. Anlagenhersteller geben
Dieser Test wird in erster Linie zur Früherkennung von bestimmte Richtlinien für Frisch- und Gebrauchtöle vor,
Ablagerungsvorstufen im Öl angewendet. Die aber normalerweise ist ein ISO-Reinheitscode von
Testergebnisse werden auf einer Skala von 1 bis 8 18/15/13 oder niedriger ein akzeptables Ergebnis.
festgehalten, wobei 8 für die größte Menge verbleiben- Bewertungsskala für sichtbare Ablagerung
der Ablagerungen steht. Ein Ergebnis von 4 bis 6 weist Lack-
bildungs-
darauf hin, dass das verwendete Öl in der Anlage potenzial

potenziell zu Ablagerungen neigt mit negativer Stark


Mittel
Auswirkung auf die Leistung.
Gering

Partikelzählung (ISO 4406)


Bewertung durch Ultrazentrifugation
Bei der Partikelzählung nach ISO 4406 werden sowohl
Abbildung 1
harte, abrasive Partikel als auch weiche, klebrige
Partikel erfasst. Beide Partikelarten können den
Anzahl der Partikel pro ml
kontinuierlichen Betrieb einer Anlage erheblich stören.
Die Partikelzählung nach ISO 4406 erfolgt mit einem Ordnungszahlen Größer als bis zu & einschließlich
automatischen Partikelzähler und sieht eine Klassifi- 24 80.000 160.000
zierung der Partikel in drei Größenklassen vor:
23 40.000 80.000
1. P
 artikel, die gleich oder größer 4 Microns sind 22 20.000 40.000
(≥ 4 μm) 21 10.000 20.000
20 5.000 10.000
2. Partikel, die gleich oder größer 6 Microns sind
19 2.500 5.000
(≥ 6 μm)
18 1.300 2.500
3. Partikel, die gleich oder größer 14 Microns sind 17 640 1.300
(≥ 14 μm) 16 320 640

Die Anzahl der Partikel wird pro 1 ml Flüssigkeit gezählt 15 160 320
und in Reinheitsklassen angegeben (in Tabelle 1 sind 14 80 160
die Reinheitsklassen in den Spalten Anzahl der Partikel 13 40 80
pro ml aufgeführt). Den Reinheitsklassen sind Ord- 12 20 40
nungszahlen (in Tabelle 1 Spalte Ordnungszahlen) 11 10 20
zugeordnet. Das Ergebnis einer Partikelzählung wird
10 5 10
mit Hilfe der Ordnungszahlen dargestellt, beginnend
9 2,5 5
mit der Ordnungszahl für die Partikel der Größe ≥ 4 μm.
8 1,3 2,5
Ein typisches Ergebnis würde folgendermaßen 7 0,64 1,3
aussehen: 18/16/13, wobei 18 bedeutet, dass 1.300 bis 6 0,32 0,64
2.500 Partikel pro ml eine Größe von ≥ 4 μm haben,
5 0,16 0,32
320 bis 640 Partikel pro ml eine Größe von ≥ 6 μm
4 0,08 0,16
haben und 40 bis 80 Partikel pro ml eine Größe von
≥ 14 μm haben (siehe Tabelle 1). 3 0,04 0,08
2 0,02 0,04
Die Ergebnisse der Partikelzählung können u. a. 1 0,01 0,02
beeinflusst werden durch die Vorbereitung der
0 0,005 0,01
Ölprobe, die Ölformulierung, eine mögliche Verunreini-
00 0,0025 0,005
gungen des Behälters für die Probenahme sowie den
Standort und die Methode der Probenahme. Darüber Tabelle 1: ISO-Reinheitsklassifizierung auf Grundlage der Partikelzählung
Technischer Schulungsleitfaden
Kolorimetrische Analyse (Farbmessung) Bei der Bewertung des Demulgiervermögens muss
Bei der kolorimetrischen Analyse werden die un- sorgfältig auf die Vorbereitung der Glasgefäße und die
löslichen Bestandteile des Turbinenöls ermittelt. Qualität des verwendeten Wassers geachtet werden,
Diese können häufig zu lackförmigen Ablagerungen da die Ergebnisse sonst verfälscht werden können.
führen. Bei dieser Prüfmethode wird die Schmier-
stoffprobe mit einem speziellen chemischen Gemisch Schaumneigung und -stabilität (D892, Sequenz I)
behandelt, das unlösliche Nebenprodukte isoliert Etwas Schaum im Behälter ist normal. Übermäßige
und agglomeriert. Diese Nebenprodukte werden Schaumneigung ist in der Regel nicht ölbedingt.
dabei in einem Filter gesammelt. Das Farbspektrum Sie weist auf mechanische Probleme innerhalb der
der gesammelten Nebenprodukte wird daraufhin Anlage hin, durch die eine zu hohe Luftmenge in das
bewertet und abhängig von der Intensität der je- Öl eingetragen wird. Verunreinigungen und die
weiligen Farben oder Farbbereiche kann das Lack- Oxidation des Öls können sich ebenfalls negativ auf
bildungspotenzial abgeleitet werden. Der Filter kann die Schaumneigung und -stabilität auswirken.
zur Bestimmung der Konzentration unlöslicher Neben-
Übermäßige Schaumneigung kann zum Überlaufen
produkte im Schmierstoff auch gewogen werden. In
des Tanks führen und für den Betrieb von Turbinen
verschiedenen Laboratorien wird dieses Verfahren
ein Sicherheits- und Sauberkeitsproblem sein.
kommerziell unter Verwendung von Hausmethoden
eingesetzt. In Abbildung 2 finden Sie ein Beispiel der ASTM D4378 gibt als Richtlinie für den Sequenz-I-
kolorimetrischen Testergebnisse. Test 450 ml Schaumneigung und 10 ml Stabilität an.

Luftabscheidevermögen ASTM D3427, ISO 9120


Niedriges Hohes Mit diesem Prüfverfahren (Impinger-Verfahren) wird
Lackbildungs- Lackbildungs-
potenzial potenzial das Luftabscheidevermögen (LAV) von im Öl disper-
gierten Luftblasen bestimmt. Das Verfahren wird
u. a. für Dampfturbinenöle und Hydrauliköle
angewendet. Dabei wird Luft unter Druck in das zu
Abbildung 2 untersuchende Öl eingeblasen, sodass sich eine
Luft-in-Öl-Dispersion bildet. Anschließend wird durch
Dichteänderung der Luft-in-Öl-Dispersion die Zeit
Prüfung der Leistungseigenschaften gemessen, die die dispergierte Luft benötigt, um aus
Korrosionsschutz (ASTM D665 A und B) dem Öl zu entweichen. Das Ergebnis wird in Minuten
ASTM D665A nutzt destilliertes Wasser und eine angegeben.
Testspindel aus Stahl bei 60 °C. Bei ASTM D665B
Dispergierte Luftblasen im Öl können zum soge-
wird synthetisches Meerwasser eingesetzt – dieses
nannten Microdieseling (Micro-Diesel-Effekt)
schärfere Testverfahren wird normalerweise nicht
führen. Dazu kommt es, wenn Luftblasen im Öl
für Turbinenöle angewendet. Wird bei dem
rasch und adiabatisch komprimiert werden.
Prüfverfahren Rost auf der Testspindel aus Stahl
Die Temperatur steigt dann lokal extrem stark an.
erkannt, gilt der Test als nicht bestanden. Ist das der
Die großen Temperaturanstiege führen zum ther-
Fall, weist dies auf fehlenden Rostschutz hin.
mischen und oxidativen Abbau des Öls, was wiede-
Demulgiervermögen (ASTM D1401) rum die Bildung von Ablagerungen zur Folge hat.
Das Demulgiervermögen ist ein Maß für die Fähigkeit
des Öls, sich vom Wasser zu separieren. Bei dieser
Prüfmethode werden 40 ml des zu untersuchenden
Öls und 40 ml destillierten Wassers per Rührer
gemischt. Anschließend wird der Zeitraum bis zum
vollständigen Separieren von Öl und Wasser auf-
gezeichnet. Alternativ werden nach 30 Minuten die
Mengenverhältnisse von Öl, Wasser und Emulsion
notiert. Laut ASTM ist keine kritische Grenze für das
Demulgiervermögen angegeben, aber nach
30 Minuten kann ein Ergebnis von 15 ml oder mehr
Emulsion als kritisch betrachtet werden. Verunreini-
gungen und das Alter des Öls wirken sich als
Faktoren negativ auf das Demulgiervermögen aus.
Technischer Schulungsleitfaden
Art und Weise, Ort und Zeitpunkt der sein und die Probe darf erst nach hinreichendem
Probenahme Vorlauf genommen werden. Der Behälter für die
Wo und wie eine Probennahme des Turbinenöls Probenahme muss sauber und trocken sein. Die
erfolgen sollte, ist nicht genormt. Der Ort der Etiketten auf den Probegefäßen sind richtig und
Probenahme hängt von den Informationen ab, die vollständig auszufüllen und die Proben unverzüglich
mithilfe der Ölanalyse gewonnen werden sollen. an das Labor zu schicken.
Liegt das Hauptaugenmerk beispielsweise auf den
Verschleißmetallen, ist die Probenahme nach dem Durch Verzögerungen beim Versand der Proben
Filter keine gute Stelle, da die gewünschten Daten können die Testergebnisse schwanken, insbeson-
durch den Filtervorgang verloren gehen. In diesem dere in Bezug auf unlösliche Bestandteile im Öl. Ein
Fall bietet sich die Probenahme vor den Filtern oder empfohlener Zeitplan für die Ölanalyse ist in
in der Rückleitung vom Lager an. Wenn in erster Tabelle 2 zu finden.
Linie Informationen zur Verunreinigung von
Fazit
Interesse sind, können vor und nach dem Filter
Der zuverlässige Betrieb einer Turbine und der
entnommene Ölproben sinnvoll sein. Durch den
zugehörigen Anlagen zur Stromerzeugung hängt
Vergleich der ISO-Reinheitsklassen vor und nach
vom Zustand und der Beschaffenheit des verwende-
dem Filter können Einblicke in die Effektivität des
ten Turbinenöls ab. Regelmäßige Ölanalysen und
eingesetzten Filterverfahrens und das Ausmaß der
Zustandsüberwachungen tragen dazu bei, den
eingetretenen Verunreinigung gewonnen werden.
optimalen Betriebszustand der Turbine zu erhalten.
Für die allgemeine Prüfung empfiehlt sich in den
Im Rahmen der Ölanalyse sollten die grundlegenden
meisten Fällen die Probenahme vor den Filtern.
Tests durchgeführt werden, die in diesem Dokument
Während es viele verschiedene Orte für die Probe- beschrieben sind, um die physikalischen und chemi-
nahme gibt, bleibt bei der Art und Weise der Probe- schen Eigenschaften, mögliche Verunreinigungspro-
nahme weniger Handlungsspielraum. Für repräsenta- bleme sowie die Leistungscharakteristik des Öls zu
tive Ölproben muss sich die Anlage im Betrieb und ermitteln. Weitere Hilfestellung zur Interpretation der
auf Normaltemperatur befinden. Alternativ kann die mithilfe der Gebrauchtölanalyse gewonnenen Daten
Probenahme auch unmittelbar nach der Abschaltung erhalten Betreiber beim Hersteller der Anlage.
erfolgen. Der Ort der Probenahme muss gereinigt

Frischöl - Häufigkeit -
Test Dampf Gas Empfohlene Grenze
Basiswerte Gebrauchtölanalyse

Viskosität - ASTM D445 X X X Monatlich +/- 5 % des Wertes von neuem Öl


Vorsicht = 0,1 bis 0,2 mg KOH/g
über Wert des Frischöls,
Gesamtsäurezahl -
X X X Monatlich Warnung = 0,3 bis 0,4 über Wert
ASTM D664 des neuen Öls und Überprüfung
gegenüber RPVOT-Wert
25 % des Wertes des neuen Öls;
RPVOT - ASTM D2272 X X X Vierteljährlich bei Annäherung an 25 % Testhäu-
figkeit erhöhen
Wassergehalt (sichtbar) X X X Täglich Auf Trübheit prüfen
Größer als 0,1 % bei Dampf-
Wassergehalt -
X X X Monatlich turbinen; größer als 0,05 % bei
ASTM D1744 Gasturbinen
ISO Reinheitsklasse X X X Monatlich Ziel 18/16/13 oder besser
Rosttest - Nur bei Korrosions-
X X X Bestanden
ASTM D665 A problemen
Nur wenn Schaum-
Schaum - Seq. I übersteigt Neigung von 450,
X X X bildung ein
ASTM D892, Seq I Problem darstellt
10 ml Stabilität

Nur wenn Wasser-


Demulgiervermögen -
X X X abscheidevermögen 15 ml Emulsion nach 30 Minuten
ASTM D1401 ein Problem ist
Monatlich bis viertel-
Ultrazentrifuge X X
jährlich
UC-Bewertung 4 bis 6

X (Nur Gas- Monatlich bis viertel- Lackbildungspotenzial von 50


Lackbildungspotenzial X
turbinen) jährlich oder höher

Tabelle 2: Empfohlener Zeitplan für die Ölanalysen von Turbinensystemen


Technischer Schulungsleitfaden
Anhang 1 – Richtlinien für die Interpretation von nicht richtig
Analysedaten • Dunstabzug funktioniert nicht
• Falsche Probe (Bodenprobe)
Leitfaden zur Interpretation von
Analysedaten
Metalle
Dieser Leitfaden dient nur zu Informationszwecken.
• Falsche Probe (Bodenprobe)
Erfragen Sie spezielle Empfehlungen für Ihre Anlage
• Komponentenverschleiß
immer beim Anlagenhersteller. Wir empfehlen, spezi-
• Falsches Öl
fische Korrekturmaßnahmen nur in Rücksprache mit
• Dichtmittel
dem Hersteller der Anlage und/oder Ihrem Lieferan-
• Gewindebeschichtung
ten des Turbinenöls durchzuführen.
• Verunreinigungen
Viskosität: +
 /- 5 % des mm2/s-Werts bei 40 °C im • Montageschmierstoffe
Vergleich zum Frischöl
Ultrazentrifuge
Niedrige Viskosität • Ansammlung unlöslicher Bestandteile im Öl
• Öl mit niedrigerer Viskosität zum Nachfüllen • Falsche Probe
verwendet • Hinweis auf steigendes Potenzial zur Bildung
• Mechanische Scherung bei VI-verbesserten Ölen von Ablagerungen
• Verunreinigung durch Lösemittel
• Thermische Überbeanspruchung durch übermä- Partikelzählung
ßige Wärme (z. B. durch elektrische Tankheizung) • Falsche Probe
• Schlecht oder falsch etikettierte Probe • Filtrationseinheit funktioniert nicht richtig
• Unzureichende Verfahren zur Lagerung
Hohe Viskosität und Handhabung
•Ö l mit höherer Viskosität zum Nachfüllen
verwendet Leitfaden zur Interpretation von Metallen
• Übermäßige Oxidation Gesamtsäurenzahl
• Hotspots im System • Metallverunreinigungen und -additive können
• Zu lange hinausgezögertes Ölwechselintervall aus verschiedenen Quellen stammen.
• Verunreinigung - Barium – Schmierstoffdetergens
- Bor – Prozess-/Kühlwasseradditiv, Getriebeöladditiv
• Schlecht oder falsch etikettierte Probe - Kalzium – Schmierstoffdetergens, hartes Wasser
- Magnesium – Schmierstoffdetergens, hartes Wasser,
Gesamtsäurenzahl Prozess-/Kühlwasseradditiv
- Molybdän – Friction Modifier für Schmierstoff;
• Steigende oder hohe Oxidation mögliches Legierungselement
• Falsches Öl - Phosphor – Schmierstoffadditiv zum Verschleißschutz
• Verunreinigung durch eine andere Flüssigkeit - Silizium – niedrige Mengen können Additive zur Ver-
hinderung von Schaumbildung sein, große Mengen
• Testvariabilität normalerweise Verunreinigungen von außen
- Natrium – Schmierstoffdetergens, hartes Wasser,
RPVOT Prozess-/Kühlwasseradditiv
- Zink – Schmierstoffadditiv zum Verschleißschutz,
•A
 bnehmende RPVOT-Werte weisen auf den möglicherweise auch Verschleißmetall
Verbrauch der Antioxidations-Additive im Öl hin
•Z
 unehmende RPVOT-Werte – (selten) können • Verschleißmetalle
die Folge spezifischer Reaktionen der Ölformu- -A
 luminium – Anlagenkomponenten, Lager, Buchsen
lierung sein - Chrom – Lager, möglicherweise auch mit Eisen legiert
- Kupfer – Lager, Buchsen
•T
 estvariabilität – normalerweise ein geringer - Eisen – Anlagenkomponenten
Wert aufgrund eines Lecks im Druckbehälter - Blei – Lager
- Mangan – normalerweise Teil einer Stahllegierung –
geringe Mengen treten normalerweise in Verbin-
Wasser
dung mit sehr hohem Eisengehalt auf
• Kondensation aus der Luft - Nickel – Lager, Anlagenkomponenten, möglicher-
• Leckage des Ölkühlers weise legiert mit Eisen
- Zinn – Lager, Buchsen – normalerweise in Verbin-
• Eindringen von Wasser
dung mit Kupfer
• Dampflecks - Titan – Turbinenschaufeln
• Schlechtes Demulgiervermögen des Öls
•E inheit zur Ölaufbereitung funktioniert
Technischer Schulungsleitfaden
Anhang 2 – ASTM- und OEM-Grenzwerte für Gebrauchtöl Tabelle

MHI -
Alstom – Gas Siemens/
ASTM D4378 GE - Gas GE - Dampf Solar Dampf und
und Dampf Westinghouse
Gas
MS04-MA
Quelle ASTM D4378 HTGD901117 GEK 32568f GEK 46506D ES9-224 CL001 und K-8962-11
CL002

+20 % oder
Viskosität +/- 5 % des Übersteigt ISO +/- 10 % des
25 bis 41 29,6 bis 36,3 -10 % des 26 bis 39
bei 40 °C neuen Öls VG-Klasse
neuen Öls
neuen Öls

max. 0,6 für 0,4 0,3 bis 0,4


0,3 bis 0,4 über 0,2 Anstieg über
TAN neuem Öl neuem Öl
0,4 0,5 Mineralöle: Zunahme über neuem
0,8 für SHC über neuem Öl

> 25 % von
< 25 % > 25 % von 25 % von
RPVOT < 25 %
von neuem
> 50 Minuten
neuem Öl
ursprüngli-
neuem Öl
chem Wert

200 ppm
Wasser > 0,1 % 500 ppm 0,1 % max. 2.000 ppm max.
max.

-1 °C Rückgang
Flammpunkt von 191 °C
- ASTM D92 ursprünglichem minimal
Wert

Rostschutz - leichter Fehler bei


Bestanden
ASTM D665 D665A

Abrupte
Reinheit 17/14 16/14
Änderung
17/14 max.

Demulgier-
30 Minuten max. < 20 Minuten
vermögen
15-25 ppm;
Metalle > 30 ppm Grenze
Trend/Rat

10 Minuten
Luft- 8 Minuten für 4 Minuten
max.
abscheidung ISO VG 32
(Richtwert)
max.

Seq I - 300/10;
Schaum- Seq I übersteigt
Seq II - 300/10 Seq I - 400/10
bildung 450/10
(Richtwert)

© 2017 Exxon Mobil Corporation.

mobil.com.de/industrial
Alle in diesem Dokument verwendeten Marken sind Markenkennzeichen oder eingetragene Marken der
Exxon Mobil Corporation oder eines mit ihr verbundenen Unternehmens, sofern nicht anders angegeben.