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Grundlagen des Öffentlichen Rechts – Christoph Gärner

Öffentliches Recht
 Rechte und Pflichten

„Der“ Staat
 komplexes Phänomen mit unterschiedlichen Erscheinungsformen
 Konstrukt, dass über gewisses Gebiet (territorial) und die dort lebenden Menschen (Bürger) eine bestimmte Gewalt/Macht
ausübt (sog. 3-Elemente-Lehre)

Gewalt = imperium
 Staat handelt mit imperium
 Staat kann einseitig Recht schaffen – sog. „Hoheitsgewalt“

Staatsgewalten I
 Lehre der drei Staatsgewalten
 Gesetzgebung (Legislative)
o Rechtssetzung
o Bsp: Nationalrat beschließt ein Gesetz
 Verwaltung (Exekutive)
o Rechtsanwendung
o Bsp: Die Baubehörde erteilt Ihnen eine Baubewilligung
 Gerichtsbarkeit (Judikative)
o Rechtsanwendung
o Gerichtsbarkeit ist weitgehend unabhängig
o Bsp: Sie werden durch ein Strafgericht zu einer Freiheitsstrafe (Gefängnis) von 1 Jahr verurteilt
o Bsp: Sie bekämpfen Ihren „Strafzettel“ (Falschparken) vor einem Verwaltungsgericht
 Unterscheidung: „ordentliche“ Gerichte (Zivil- und Strafrecht) vs Verwaltungsgerichte (öff Recht)

Die drei Staatsgewalten decken vollumfänglich das Handeln des Staates ab


 jede Handlung (=[Rechts]Akt) kann einer der Gewalten zugeordnet werden
 Schablone, vor der das öff Recht geordneter verstanden werden kann

Staatsgewalten als potentielle Bedrohung für BürgerInnen


 zentrale Funktion des Öff Rechts ist dagegen Schutz zu bieten
o Gewaltenteilung bzw (genauer) -verschränkung
o Rechtsstaat (etwa Legalitätsprinzip)
o Grundrechte
o Rechtsschutz (Überprüfung von Staatshandeln)
Bundesstaat I
Artikel 2. (1) Österreich ist ein Bundesland.
(2) Der Bundesstaat wird gebildet aus den selbständigen Ländern: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol,
Voralberg, Wien.
 Gewaltenteilung zum Schutz des Einzelnen

Bund Länder
Gesetzgebung Gesetzgebung
 NR/BR  Landtage
Verwaltung Verwaltung
 zB Bundesregierung  LandesReg, Landeshauptmann
Gerichtsbarkeit Gerichtsbarkeit
 ord Gerichtsbarkeit  VwGerichte der Länder
 VwGerichte des Bundes
 Gerichtshöfe des öffentlichen
Rechte
o VfGH
o VwGH
Kompetenzverteilung

Verfassungsrecht

Als Verfassung wird das zentrale Rechtsdokument oder der zentrale Rechtsbestand eines Staates bezeichnet. Sie regelt den
grundlegenden organisatorischen Staatsaufbau, die territoriale Gliederung des Staates, die Beziehung zu seinen
Gliedstaaten und zu anderen Staaten sowie das Verhältnis zu seinen Normunterworfenen und deren wichtigste Rechte und
Pflichten. Die auf diese Weise konstituierten Staatsgewalten sind an die Verfassung als oberste Norm gebunden und ihre Macht
über die Normunterworfenen wird durch sie begrenzt.

„Betriebsanleitung“ des Staates


Verfassungsrecht im materiellen Sinn
 (= Verfassungsrecht im inhaltlichen Sinn)
 Staatsorganisation (Wer darf was tun? Wer kontrolliert wen?)
 Grundrechte (Welche Rechte hat der/die Einzelne?)
Verfassungsrecht im formellen Sinn (Art 44 Abs 1 B-VG)
 (= Verfassungsrecht aufgrund einer gewissen Form)
 Verfassungsrecht = Recht mit bestimmter Form / Erzeugungsbedingung
 Unabhängig vom Inhalt

Meist Überschneidung, aber nicht immer


 Geschäftsordnung des NR (einfaches Gesetz – obwohl Verfassungsrecht im materiellen Sinn)
 Blutabnahme durch Arzt bei Verdacht des alkoholisiserten Fahrens (§ 5 Abo 6 StVO als Verfassungsbestimmung – obwohl
kein Verfassungsrecht im materiellen Sinn)

Verfassungsrecht – Rechtsquellen
Einzelne Verfassungsgestimmungen finden sich auch in einfachen Gesetze (zB (³ 5 Abs 6 StVO)
Kernurkunde: B-VG
Stufenbau der Rechtsordnung

Grundprinzipien (Baugesetze)

Verfassungsgesetze
Überorüfbarkeit

Landesverfassungsgesetze

(einfache) Gesetze (einfache) Landesgesetze

Verordnungen

individuelle Rechtsakte (Urteile, Bescheide)

Grundprinzipien der Bundesverfassung


„Grundprinzipien“ bzw „Baugesetze“ genannt
Konzept der „Grundprinzipien“ ergeben sich aus Art 44 Abs 3 B-VG

Demokratisches Grundprinzip

Demokratie = Herrschaft des Volkes Artikel 1. Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volks aus.
Rechtssetzung
 Gesetzgebung durch demokratisch legitimierte Institutionen (repräsentative, parlamentarische Demokratie)
o demokratische legitimiert = gewählt
 besonderer Schutz der Gesetzgebungsorgane (NR, LT) und deren Kompetenzen

Rechtsanwendung
 Akte der Verwaltung bzw Gerichtsbarkeit müssen sich auf das Gesetz stützen (sog „Legalitätsprinzip“)
 das demokratisch legitimierte Gesetz als Dreh- und Angelpunkt der Rechtsordnung
 Verantwortlichkeit der obsersten Organe der Verwaltung gegenüber den Parlamenten
o zB Bundesminister ist dem Nationalrat verantwortlich

Rechtsstaat soll den Einzelnen vor der Staatsgewalt schützen

Rechtsschutz

Legalitätsprinzip I

Zentrale Norm = Legalitätsprinzip (Art 18 Abs 1 B-VG)


Artikel 18. (1) Die gesamte staatliche Verwaltung darf nur auf Grund der Gesetze ausgeübt werden.
Vorrang des Gesetzes
 Verwaltung darf nicht gegen das Gesetz verstpßen
Vorbehalt des Gesetzes
 Verwaltung darf nur aufgrund des Gesetzes überhaupt erst handeln (Ermächtigung, gesetzliche Grundlage)
Determinierungsgebot
 Gesetz muss klar genug ausformuliert sein
o BürgerIn (sog „Normadressat“) muss wissen, wie er/sie sich zu verhalten hat – Vorhersehbarkeit
o Verhaltesnmöglichkeiten der Verwaltung müssen erkennbar sein – Überprüfbarkeit

(Bundes)Gesetzgebung I
 Vollziehung darf nur aufgrund von Gesetzen handeln
 Parlamentarische Demokratie – Rechtssetzung durch bestimmte Institutionen
 Bundesgesetzgebung erfolgt (im Wesentlichen) durch „das Parlament“
 Parlament besteht aus zwei Kammern
o Nationalrat (Volksvertretung)
 183 Abgeordnete
 Nationalratswahl
 deutlich wichtigere Funktion in der Gesetzgebung
o Bundesrat (Ländervertretung)
 61 Mitglieder
 von Landtagen beschickt – Landtagswahlen
 repräsentieren die Länder, nicht das Volk

(Bundes)Gesetzgebung II
 Gesetzgebungsverfahren
 I) Gesetzgebungsvorschlag
o Regierungsvorlangen durch die Bundesregierung (ca 80 %)
o Anträge durch das Parlament selbst
 durch Mitglieder des NR (5 Abgeordnete oder Ausschuss)
 durch Mitglieder des BR (1/3 der Mitglieder bzw Mehrheitsbeschluss)
o Antrag durch das Volk (Volksbegehren)
 Artikel 41. (1)
 II) Lesung
 III) Dritte Lesung = Abstimmung – Gesetzesbeschluss
o Beschlusserfordernisse
 Bedarf gewisser Zahl an anwesenden Abgeordneten (Präsenzquorum)
 Bedarf gewisser Zahl der abgegebenen Stimmen (Konsensquorum)
o Einfaches Gesetz
 1/3 der Abgeordneten müssen anwesend sein (mind 61 Abg)
 ½ + 1 („unbedingte Mehrheit“) der abgegebenen Stimmen
o Bundesverfassungsgesetze
 ½ der Abgeordneten müssen anwesend sein
 2/3 der abgegebenen Stimmen
 IV) Gesetzesbeschluss des NR wird an den BR weiteregeleitet > Bundesrat
 BR hat drei Möglichkeiten. Er kann
o ...dem Gesetz zustimmen
o ...gegen das Gesetz stimmen („Einspruch erheben“)
o ...nichts machen
 Grds nur „suspensives Veto“ > kann nur verzägern
 NR Beharrungsbeschluss
 Ausnahmen:
o Art 44 Abs 2 B-VG – manchmal muss der BR zustimmen
o keine Zustimmung = kein Gesetzesbeschluss (sog „absolutes Veto“)
o zB wenn die Zuständigkeit der Länder eingeschränkt wird
 V) gegebenenfalls Volksabstimmung
o fakultative od obligatorische Durchführung
o Abänderung der Grundprinzipien zB
 VI) Beurkundung durch BPräs und Gegenzeichnung durch Bundeskanzler
 VII) Kundmachung im Bundesgesetzblatt (BGBI) durch den Bundesklanzer
o Bundesgesetzblatt = digital im RIS
o Geltung erfordert Kundmachung

Vollziehung
Verwaltung Gerichtsbarkeit
Rechtsanwendung Rechtsanwendung
An das Gesetz gebunden An das Gesetz gebunden
Erfolgt durch Verwaltungsorgane Erfolgt durch Gerichte
Weisungsbindung Unabhängigkeit

Verwaltung
 Negativdefinition: Alles, was nicht Gesetzgebung oder Gerichtsbarkeit ist
 unüberschaubare Vielfalt an Verwaltungsmaterien

Grundbegriffe I
 das Verwaltungsorgan
o jur Personen: Als juristische Person bezeichnet man im Recht eine Personenvereinigung oder ein Zweckvermögen
mit gesetzlich anerkannter Rechtsfähigkeit. Eine nicht natürliche Person, geschaffen durch einen Rechtsakt, die
aufgrund gesetzlicher Anerkennung rechtsfähig und somit Träger von Rechten und Pflichten sein kann.
o werden für juristische Personen (zB Bund, Länder) tätig
o mit bestimmten Zustädngikeiten („Kompetenzen“)
o zB Bundespräs, Bundeskanzler
 der Organwalter
o die konkrete natürliche Person, die als Organ tätig wird
o zB Van der Bellen; Kurz
 die Behörde
o mit Hoheitsgewalt (imperium) ausgestattete Organe
o können bestimmte Verwaltungsakte setzen (Bescheid, etc)

Grundbegriffe II
 monokratische Organe
o eine einzelne natürliche Person ist zur (Letzt)Entscheidung berufen
o zB Bundespräs; Bundesminister
 Kollegialoragane
o mehrere natürliche Personen gemeinsam zur (Letzt)Entscheidung berufen
o zB Bundesreg; VfGH
 Hilfsorgan
o Dienstellen als Hilfsapparate
o zB Personal- und Sachmittel
o zB Bundesministerium

Verwaltungsaufbau
 Artikel 19. (1) Die obersten Organe der Vollziehung sind der Bundespräs, die Bundesminister und Staatssekretäre sowie die
Mitglieder der Landesregierung.
 oberste Verwaltungsorgane – Weisungsbindung (Art 20 Abs 1 B-VG) – nachgeordnete Behörden
 Gesetzgebung – Kontrolle – Oberste Verwaltungsorgane
 nachgeordnete Behörden – Gesetzesbindung (Art 18 Abs 1 B-VG) – Gesetzgebung
 WählerInnen – gewählt – Gesetzgebung

Verwaltungsaufbau – Bundesverwaltung

unmittelbare Bundesverwaltung
oberstes Organ – Bundespräs, Bundesminister; Bundesregierung
nachgeordnete Bundesbehörden – Ämter zB, sie übernehmen Aufgaben des Bundes

mittelbare Bundesverwaltung

oberstes Organ – Bundespräs, Bundesminister; Bundesregierung


nachgeordnete Landesbehörden – Landeshauptmann (im funktionellen Sinn Bundesorgan)
! keine Weisung an LH vorbei
nachgeordnete Landesbehörden – Bezirksverwaltungsbehörde (BVB)

(Territoriale) Selbstverwaltung I
 insg knapp 2100 Gemeinden
 unterste Verwaltungsebene

(Territoriale) Selbstverwaltung II

Verwaltungshandeln
 das gesamte Handeln der hoheitlichen Verwaltung kann in folgenden Gruppen eingeteilt werden
o Verordnungen
o Bescheide
o Akte unmittelbarer verwaltungsbehördlicher Befehls- und Zwangsgewalt (AuvBZ)
o Weisungen od
o schlichte Hoheitsverwaltung
 konkretes Verhalten muss einer dieser Rechtsakte zugeordnet werden, da der Rechtsschutz davon abhängt, welcher
Rechtsakt vorliegt > Rechtstypenzwang
Weisung
 individuelle Weisung
 generelle Weisung
 Unterschied liegt im sog. Adressatenkreis
o individuell
o generell
Generelle Rechtsakte: Verordnungen, generelle Weisungen
individuelle Rechtsakte: Bescheide

Bescheid
 der klassische Verwaltungsakt
 „Förmlichkeit“ des Bescheids (hinsichtlich des Verfahrens)
 4 wesentlichen Kriterien:
o von einer Behörde erlassen
o entscheidet rechtsverbindlich (=“normativ“) über eine konkrete Angelegenheit (zB Antrag)
o (nur) gegenüber dem Antragssteller
o und tritt damit „nach außen“ (bleibt nicht behördenintern, im Unterschied zur Weisung)

AuvBZ
 grundsätzlich wie Bescheid (individuell, normativ, von Behörde, außenwirksam), nur
 von einer (relativen) Form- und Verfahrensfreiheit geprägt
 Maßnahme, wenn behördliches Handeln dringend erforderlich ist
 wann AuvBZ zulässig ist, muss im Gesetz klar geregelt sein
 Befehl: Anordnung mit Befolgungsanspruch + Androhung von zwangsweiser Durchsetzung
 Zwang; tatsächliches physisches Tun (zB Festnahme)

Verordnung
 von einer VwBehörde erlassen, mit normativem (rechtsverbindlichem) Inhalt, außenwirksam,
 an einen generellen Adressatenkreis.
 generelle Wirkung > bedarf gewisser Kundmachung (gewisse Publizität)
 zB Verkehrsschild
 Gesetze müssen allg gehalten werden (Legalitätsprinzip!, Stufenbau der Rechtsordnung)
o Verordnungen konkretisieren im Rahmen der Gesetze die gesetzlichen Vorgaben;
 Generalermächtigung zu solchen „Durchführungverordnungen“ in Art 18 Abs 2 B-VG
o Jede Verwaltungsbehärde kann auf Grund der Gesetze innerhalb ihres Wirkungsberecihes Verordnungen erlassen.
 Grundlage für Verwaltungshandeln

Rechtsmittelinstanz (Überprüfung)
 Bescheid bei VwG durch Bescheidbeschwerde
 AuvBZ bei VwG durch Maßnahmebeschwerde
 Weisung nicht überprüfbar
 Verordnung bei VfG durch Verordnungsbeschwerde
 Säumnis bei VwG durch Säumnisbeschwerde
Gerichtsbarkeit
ord Gerichtsbarkeit Gerichtsbarkeit des Öffentlichen Rechts
Bezirksgerichte Verwaltungsgerichte
 Landesvwge
Landesgerichte
Oberlandesgerichte

VfGH – Verfahrensarten (I)


 Kausalgerichtsbarkeit
 Kompetenzgerichtsbarkeit
 Wahlgerichtsbarkeit
Die Europäische Union
Bundesstaat vs Internationale Organisation

Bundesstaat Internationale Organisation

zB Österreich zB Vereinte Nationen (UNO)

Bund – Länder Zusammenschluss von Mitgliedstaaten

Eigene Organe (zB Parlamente) Eigene Organe (zB Sekretariat, Sicherheitsrat)

Mitgliedstaaten einigen sich – verpflichten sich gewisse Ziele


Jeweils eigene Gesetzgebung – Gesamtrechtsordnung
zu erreichen / Schritte zu setzen

mit Mehrheitsbeschluss Einstimmigkeitsprinzip

für Einzelnen erst verbindlich mit Umsetzung ins nationale


erlassen Gesetze, die den Einzelnen verpflichten
Recht

EU als Supranationale Organisation

Österreich Europäische Union UNO


eigene Organe eigene Organe eigene Organe

Mehrheitsprinzip (grds) Mehrheitsprinzip Einstimmigkeitsprinzip

binden (auch) unmittelbar Staatsbürger


binden (auch) Staatsbürger binden Mitgliedstaaten
 Verordnungen
binden (primär nur) MS
 Richtlinie
unmittelbare (Verordnung) bzw
(unmittelbare) Durchgriffswirkung mittelbare (Richtlinie) (nur) mittelbare Durchgriffswirkung
Durchgriffswirkung

Supranationalität

Historischer Ursprung
 Europäischen Staaten nach 1945 mit Sehnsuch nach Frieden
 wirtschaftliche Kooperation als friedenssicherndes Grundkonzept
 Fokus auf besonders sensiblen Bereiche
o Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS)
o wichtigste Materialien für die Erzeugung von Waffen und im militärischen Bereich
 in diesen Bereichen gemeinsame Aufsicht (Hohe Behörde)
 bald ausgebaut auf
o EURATOM (Atomenergie)
o EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft)
Verfassung der EU
 Verfassung im materiellen Sinn
o Staatsorganisation
Grundrechte
 „Verfassung“ der EU ist das sog. „Primärrecht“
o Vertrag über die Europäsiche Union (EUV)
o Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV)
o Grundrechtcharta (GRC)
o allg Rechtsgrundsätze, Protokolle zu den Verträgen
 Abänderung des Primärrechts nur mit Konsens der Mitgliedstaaten

Stufenbau des Unionsrechts


Primärrecht EUV, AEUV, GRC
Vgl Nichtigkeitsklage an EuGH

Sekundärrecht Verordnungen, Richtlinie, Beschlüsse; Stellungnahmen, Empfehlungen; Rechtsgrundlage


im Primärrecht (Verträge)
Überprüfbarkeit

Tertiärrecht delegierte bzw durchführende Rechtsakte; Rechtsgrundlage nicht im Primärrecht (Verträge),


sondern im Sekundärrecht

Stufenbau der Rechtsordnung Österreich


Grundprinzipien
(gesamtes Unionsrecht) – Anwendungsvorrang! (vor dem nationalen Recht)
Bundesverfassungsgesetze
Landesverfassungsgesetze
(einfache) Bundesgesetze (einfache) Landesgesetze

Ziele der EU
 Art 3 EUV
 Frieden
 Binnenmarkt
 Wirtschaftswachstum
 Solidarität
 Umweltschutz

Kompetenzverteilung
 Kompetenzverteilung als Kernstück des Primärrechts
 Mitgliedstaaten mit Kompetenz-Kompetenz
o sie (und nicht die Organe der EU) entscheiden einstimmig, was die Union regeln darf
Grundsatz der begrenzten Einzelermächtigung [EUV Art 5 (2)]
 bedarf also konkreter Rechtsgrundlage (vlg „Vorbehalt des Gesetzes“ bei Ö Legalitätsprinzip
 Rechtsgrundlage gibt etwa vor,
o in welchem Verfahren (zB ordentliches Gesetzgebungsverfahren)
o für welche Sachmaterien (zB gemeinsames Asysystem)
o evtl welche Rechtsakte (zB Richtlinien)

Lückenschließungsklausel
 Artikel 352 EUV
 fehlt eine begrenze Einzelermächtigung,
 ist aber ein Tätigwerden der Union in an sich geregelten Politikbereichen erforderlich, dann darf
 auf Vorschlag der Kommission
 nach Zustimmung des Europäischen Parlament
 der Rat der EU (Ministerrat) einstimmig Rechtsakte erlassen
o Interessen der Mitgliedstaaten (Rat der EU) bleiben dadurch in besonderem Maße (Eintimmigkeit) gewahrt

Typologie der Kompetenzen


 ausschließliche Kompetenzen der EU
o jedenfalls nur EU
o Bsp: Zollunion, Währungspolitik (Euro), gemeinsame Hnadelspolitik + Abschluss int. Abkommen
 zwischen EU und MS geteilte Kompetenzen
o primär Kompetenz der EU
o soweit EU tätig wird, endet Kompetenz der Mitgliedstaaten (beachte: Subsidiarität)
o sowei EU nicht tätig wird, dürfen MS selber regeln
 unterstützende, koordinierende und ergänzende Kompetenzen der EU

Subsidiarität
 „ob“ EU ihre Kompetenzen ausüben darf
 zB bei geteilter (nicht jedoch bei ausschließlicher) Kompetenzne
 EU darf insoweit tätig werden (und somit Kompetenz der Mitlgiedstaaten begrenzen), soweit
o Maßnahme von Mitgliedstaaten nicht sinnvoll gesetzt werden kann und (Negativkriterium)
o Maßnahme auf Unionsebene besser zu verwirklichen ist (Positivkriterium)
 Rechtssetzungskompetenz der Mitgliedstaaten wird dadurch begrenzt ->
 besondere (politische) Kontrolle durch nationale Parlamente mittels sog Subsidaritätsrüge
o während des Gesetzgebungsverfahrens; präventiv / ex-ante
 rechtliche Kontrolle (Nichtsigkeitsklage) durch den Europäischen Gerichtshof
o nach Kundmachung (2-Monate-Frist) nachträglich / ex-post
 die zu den Bürgern nähere politische Institution sollte im Idealfall tätig werden

Verähaltnismäßigkeit
 Grundsatz der Verältnismäßigkeit – „wie“ EU ihre Kompetenz ausüben darf
 zB wenn „Maßnahmen“ erlaubt sind, welche (also etwa VO oder RL?)
 nur jenes Mittel zu wählen, dass Kompetenzen der Mitgliedstaaten am wenigsten einschränkt / nur die unbedingt
„erforderlich“ bzw „notwendige“ Maßnahme
o etwa Richtlinie statt Verordnung zu bevorzugen, da Richtlinie Mitgliestaaten Umsetzungsspielräume lässt
o eher RL als VO

Gesetzgebungsverfahren
 Zwei Typen des Gesetzgebungsverfahren
o das ordentliche Gesetzgebungsverfahren (als Regelfall)
o das besondere Gesetzgebungsverfahren (wenn und insoweit anderes geregelt ist)
 Ergebnis des Gesetzgebungsverfahren -> Rechtsakte mit Gesetzgebungscharakter
o Unterscheidung zu Rechtsakten ohne Gesetzgebungscharakter
o ob Rechtsakt mit oder ohen Gesetzgebungscharakter (also mit Gesetzgebungsverfahren oder anders erlassen),
ergibt sich aus der konkreten Einzelermächtigung/Kompetenz in den Verträgen

ordentliches Gesetzgebungsverfahren
 Artikel 289 – gemeinsame Annahme einer VO, einer RL oder eines Beschlusses durch das Europäische Parlament und den
Rat auf Vorschlag der Kommission
 Vorschlag der Kommission (vgl Regierung)
 Annahme (Beschluss) durch das Europäische Parlamente und
o grds mit einfacher Merheits gleichberechtigt
 den Rat der Europäsichen Union (Ministerrat)
o grds mit doppelt-qulifizierter Mehrheit
 ggf Einbindung spezieller Organe (zB Ausschuss der Regionen)
 Kundmachung im Amtsblatt (vgl BGBI in Ö)

besonderes Gesetzgebungsverfahren
 Vorschlag der Kommission
 Beschluss durch Europäisches Parlament
eben nicht
o unter Beteiligung des Rates der EU (Ministerrat) gleichberechtigt
ODER
 Beschluss des Rates der EU
o unter Beteiligung des Europäischen Parlaments

Die Europäische Kommission


 Vertritt ausschließlich Interesse der EU
 „Bundesregierung“ der EU
 Hüterin der Verträge
o überwacht Anwendung des Unionsrechts
 Motor der Integration
o grds exkl Initiativmonopol über die Gesetzgebungsinitiative
 bleibt dem Parlament verantwortlich
 besteht aus Präs + hohe Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik + 26 Mitgliedern
o je ein Mitglied pro Mitgliedstaat (28)
Europäisches Parlament
 „Nationalrat“ der EU

Rat der Europäischen Union (Consiliu)


 „Bundesrat“ der EU – Vertretung der einzigen Mitgliedstaaten (so wie der BR die einzelnen Bundesländern vertritt)
 Vertritt die Interessen der MS – je ein Vertreter pro MS auf Ministerebene
 jeweils der zuständige Bundesminister – Ministerrat
 je nach Sachmaterie/Angelegenheit unterschiedliche Zusammensetzung
o zB Minister für Finanzen, usw

Rat der Europäischen Union (II)


 Beschlussfassung – unterschiedliche Möglichkeiten
 Regelfall: doppelt-qualifizierte Mehrheit
o mind 55% der Mitglieder des Rates,
o die mind 65% der Bevölkerung der EU ausmachen

Europäischer Rat
 politisches Leitorgan der EU
 besteht aus Präs des Europäischen Rates +
o den jeweiligen Staats- und Regierungschefs (für Ö: Bundeskanzler) +
o Präsident der Europäischen Kommission
 Präs des Europäischen Rates
o beruft Europäischen Rat ein und kümmert sich um dessen Abwicklung
o Vertretung der EU nach außen
 allg politische Zielvorstellungen für die EU
 spielt bei den wesentlichen Entscheidungen eine Rolle

Rechtsakte der Unionsrecht

Verordnung (Art 288 Abs 2 AEUV)


 mit klassischem (nationalen) „Gesetz“ vergleichbar
o beachte Unterschied zur ö „Verordnung“
 Akte der Verwaltung, die der Ergänzung von Gesetze dienen
 gilt allg und unmittelbar in allen MS
 verbindlich
o berechtigt und verpflichtet die Rechtsunterworfenen
o Durchgriffswirkung
 entfaltet Rechtswirkung für
o Behörden (müssen Verordnung unmittelbar anwenden)
o BürgerInnen (enthalten durch Verodnung unmittelbar Rechte und Pflcihten)
 !auch zw Privaten
 können sich vor nat Behärden/Gerichten darauf berufen
Richtlinie
 an die MS gerichtet (nicht an die Bürgerinnen und Bürger)
o genauer: an deren Rechtsetzungsorgane, nicht hingegen die Behörden (vs Verordnung)
 hinsichtlich ihres Zieles und Inhaltes verbindlich
 MS sind verpflichtet, Ziel und Inhalt der RL im nat Recht umzusetzen
o zweistufiges Rechtssetzungsvefahren
o erst mit der Umsetzung entsteht für den Einzelnen Rechte und Pflichten
 „erbegnisbezogene Verpflichtung“
o RL gibt ein Ziel vor
o Form und Mittel zur Umsetzung des Zieles und Inhaltes der RL der MS überlassen
o Ergebnis ist zentral
o Umsetzungsspielräume, um die einzelnen Möglichkeiten der MS auszunutzen
 Umsetzungakt = mögliche Quelle für Fehler
 Umsetzung kann mehrere Defizite aufweisen
o nicht fristgerecht
o nicht vollständig (nur teilweise oder gar nicht)
 mögliche Mittel zur Überwindung von solcjhen Umsetzungsmaßnahmen
o MS soll sich nicht so einfacht schuldhaft „aus der Affäre ziehen“ kännen
 Vertragsverletzungsverfahren durch die Kommission vor dem EuGH
o RL sind umzusetzen!
 Rlkonforme Interpretation
 Staatshaftungsanspruch ggn säumiges Umsetzungsorgan (VW oder Gesetzgeber)

Beschluss
 an individuell bestimmte natürliche und juristische Personen gerichtet
o bestimmte Adressaten
o vgl in Ö: Bescheid, AuvBZ
 zB durch die Kommission verhängte Geldbuße im Wettbewerbsrecht

Empfehlungen und Stellungnahmen


 rechtlich nicht verbindlich

Rechtsakte und ihr Gesetzgebungscharakter


 Rechtsakt (Verordnung od Richtlinie) +
 Gesetzgebungsverfahren (ord oder besonderes) =
 Gesetzgebungsakt (btw Rechtsakt mit Gesetzgebungscharakter)
o = Sekundärrecht

 Rechtsakte ohne Gesetzgebungscharakter


o „Tertiärrecht“
 basieren auf den Gesetzgebungsakten (= Sekundärrecht)
 delegierte Rechtsakte
Delegierte Rechtsakte

Durchführungsrechtsakte
 Kommission setzt jene Maßnahmen, die für die Durchführung des Gesetzgebungsakts
 Kommission darf Gesetzgebungsakt „präzisieren“, nicht jedoch abhändern
 geht um technische Details der konkreten Durchführung, keine inhaltlichen Adaptionen (im vgl zu delegierten Rechtsakte)
o nicht wesentlich für den Gesetzgeber im Gesetzgebungsvetfahren

Bezeichnungspflicht
 „In den Titel der delegierten Rechtsakte wird das Wort „delegiert“ eingefügt.“
 soeben bei den Durchführungsrechtakte

Vollzug des Unionsrechts


 direkter Vollzug (nur) durch Organe der EU
o Europäische Kommission
o Ämter und Agenturen
 oft nur unterstützend tätig
 indirekter Vollzug durch die Organe der Mitgliedstaaten (Regelfall)
o nationale Verwaltungsbehärden
o nationale Gerichte
o Idee hinter indirektem Vollzug
 effiziente Nutzung bereits bestehender Vollzugssysteme (vgl mittelbare Bundesverwaltung)
 Bsp:
o ö Datenschutzbehörde erlässt Bescheid aufgrund der Datenschutz-Grundverordnung

Der Gerichtshof der Europäischen Union


 ein eiziges Höchstgericht für die gesamte EU
 besteht aus EuGH und EuG
 EuG:
o in bestimmten Rechtsmaterien (zB Beamtendienstrecht) erste Instanz > Rechtsmittel an EuGH möglich
 EuGH:
o besteht aus je einem Richter pro MS (28)
o werden von sog Generalanwälten (GA) unterstützt; EuGH an deren Gutachten („Schlussanträge“) nicht gebunden

Der Europäische Gerichtshof


 EuGH sichert (gemeinsam mit Kommission) die Wahrung des Unionsrechts
 letztes Wort über Auslegung von Gültigkeit von Unionsrecht (Auslegungs- und Verwerfungsmonpol)
 prüft Unionsrecht anhand von Unionsrecht; kann dieses auslegen und ggf für nichtig erklären
 EuGH entfaltet Judikatur va an Hand von drei Verfahrensarten

Vorabentscheidungsverfahren
Vertragsverletzungsverfahren
Nichtigkeitsverfahren