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Frühmittelalter

Einführung
Frühmittelalter oder frühes Mittelalter ist eine moderne Bezeichnung für den
ersten der drei großen Abschnitte des Mittelalters für die Zeit von ca. 500 bis
1180. Die beiden auf das Frühmittelalter folgenden Zeitabschnitte sind das Hoch-
und das Spätmittelalter.

Das Frühmittelalter ist als Übergang von der Antike zum Mittelalter sowie als
eigenständige Epoche von Bedeutung. Es ist sowohl von Kontinuitäten als auch
vom Wandel im politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Bereich.In
Fruhmittelalter sind der Adel und der Geistlichkeit als fuhrenden Schichten.

Der Beginn des Frühmittelalters ist mit der sogenannten Völkerwanderung


verknüpft, in deren Verlauf das weströmische Kaisertum 476 unterging.t.Bildung
blieb ganz überwiegend auf die Geistlichkeit beschränkt.

Im religiösen Bereich wurde im Inneren Europas die Christianisierung der paganen


Gebiete vorangetrieben. Die Kirche spielte im kulturellen Bereich ebenfalls eine
wichtige Rolle. Mit dem Islam entstand zu Beginn des 7. Jahrhunderts eine neue
große monotheistische Religion.

Die Geschichtswissenschaft diskutiert noch immer darüber, wie man das


Frühmittelalter zeitlich zur Spätantike und zum Hochmittelalter abgrenzt. Mit
dem Ende der Antike und dem Anfang des Frühmittelalters setzte eine Zeit ein,
die in der älteren Forschung oft als eher „dunkle Periode“ betrachtet wurde.
Speziell das Frühmittelalter galt im Vergleich zur Antike und der Renaissance als
„finstere Epoche“.

Vertreter
• Arbeo von Freising
• Otfrid von Weißenburg (ca. 800 - ca. 870)
• Notker III./ der Deutsche/ Labeo von St. Gallen (ca. 950-1022)
• Williram von Ebersberg
• Ezzo von Bamberg
• Noker von Zwiefalten
• Pfaffe Lamprecht
• Pfaffe Konrad
• Heinrich von Melk
• Archipoeta
• Hildegard von Bingen

Die frühmittelalterliche Dichtung


Germanische Literaturzeugnisse

Überlieferungen aus der Germanischen Literatur sind das Hildebrandslied und die
Merseburger Zaubersprüche. Die Merseburger Zaubersprüche wurden erst im 10.
Jahrhundert aufgezeichnet, entstanden wahrscheinlich aber noch vor 750.

Die Herkunft der Merseburger Sprüche ist unbekannt.

Damit wurden die zwei Sprüche oder Gedichte aus der Zeit des deutschen
Heidentums schlagartig unter den Wissenschaftlern in aller Welt als
„Merseburger Zaubersprüche“ bekannt.

Eine Kopie der „Merseburger Zaubersprüche“ ist in der Vorhalle des Merseburger
Doms ausgestellt.

Merseburger Zaubersprüche
Beim ersten Spruch ist von Idisen (Kriegsgöttinnen, Walküren) die Rede, die sich
auf dem Schlachtfeld niederließen und aufgrund ihrer besonderen Bestimmungen
in das Kampfgeschehen eingriffen: Manche knüpften Fesseln, andere hinderten
das feindliche Heer am siegreichen Vordringen, und eine dritte Gruppe half
gefangenen Kriegern, sich aus der Gefangenschaft zu befreien. Und so lautet der
eigentliche Zauberspruch.

Er lautet im Original:

Eiris sâzun idisi,


sâzun hêra duoder.
Suma hapt heptidum, suma
heri lezidun,
suma clûbôdun
umbi cuoniouuidi:
insprinc haptbandum,
inuar uîgandun !

Übersetzung:

Einst setzten sich Idisen,


setzten sich hierher...
Manche hefteten Haft, manche
hemmten das Heer.
Einige zerrten
an den Fesseln.
Entspring den Haftbanden,
entfahr den Feinden !

Der zweite Merseburger Zauberspruch ist länger als der erste. Der zweite
Zauberspruch berichtet zunächst, dass eine Gruppe von Göttern, darunter der
Sonnengott Balder (Phol) und der oberste der Götter, Wodan, durchs Holz ritten. Da
stolperte Balders Pferd und brach sich den Fuß. Schließlich gelang es Wodan, den
Schaden durch Besprechen zu heilen: So Knochenverrenkung, wie Blutverrenkung,
wie Gliedverrenkung: Bein zu Bein, Blut zu Blut, Glied zu Gliedern, als ob geleimt
sie seien!

Althochdeutsch:

Phol ende Uuôdan uuorun zi


holza.
Dû uuart demo Balderes uolon
sîn uuoz birenkit.
Thû biguol en Sinthgunt,
Sunna era suister,
thû biguol en Frîia,
Uolla era suister;
thû biguol en Uuôdan sô
hê uuola conda:
sôse bênrenkî, sôse
blutrenkî,
sôse lidirenkî: bên zi bêna,
bluot zi bluoda,
lid zi geliden, sôse
gelimida sin !

Übersetzung:
Phol und Wodan ritten ins
Holz.
Da ward dem Fohlen Balders
der Fuß verrenkt.
Da besprach ihn Sinthgunt
(und) Sunna, ihre Schwester.
Da besprach ihn Frija (und)
Volla, ihre Schwester.
Da besprach ihn Wodan, wie
(nur) er es verstand:
So Knochenrenke wie
Blutrenke
Wie Gliedrenke: Bein zu Bein,
Blut zu Blut,
Glied zu Gliedern, als ob
geleimt sie seien !

Das Hildebranslied
Das Lied beschreibt den Kampf von Hildebrand gegen seinen Sohn Hadubrand.
Sie sind Krieger in zwei gegnerischen Heeren, die einander vor Beginn der
Schlacht zum Zweikampf herausfordern. Hildebrand fragt seinen Gegner nach
seiner Herkunft und Familie. Hadubrand antwortet, sein Vater heiße Hildebrand
und sei vor langer Zeit mit Dietrich und seinen Kriegern fortgegangen. Wie ihm
Seeleute berichtet hätten, sei sein Vater gestorben.Hildebrand erkennt
daraufhin, dass er seinem Sohn gegenübersteht.Er gibt sich als Hadubrands
Verwandter zu erkennen bietet ihm „aus Freundschaft“ goldene Armringe an.
Hadubrand vermutet dahinter jedoch eine List und lehnt ab. Er meint, der fremde
Krieger wolle ihn angreifen, während er ihm (wie es üblich war) das Geschenk von
Speerspitze zu Speerspitze übergeben würde. Er sagt, dass sein Vater Hildebrand
ein armer Flüchtling sein müsse, sein Gegner sei aber offensichtlich reich und
könne kein Flüchtling sein, da er eine kostbare Rüstung trage. Hadubrand hat
Hildebrand beleidigt. Hildebrand sieht ein, dass ein Kampf gegen seinen Sohn
unausweichlich ist. Er beklagt, dass er seinen Sohn töten muss oder dieser ihn. Sie
werfen zunächst ihre Speere aufeinander und kämpfen anschließend mit ihren
Schwertern.Hildebrand hat seinen Sohn im Kampf getötet.