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Interkulturelle Pädagogik

1. Wolfgang Nieke

*27. Februar. 1948 in Paderborn


Deutscher Erziehungswissenschaftler
Ehemaliger Professor für allgemeine Pädagogik an der
Universität Rostock

1.2 Entwicklung der interkulturellen Pädagogik


Bis 1950: gewisse kulturelle Homogenität
Ab 1950: Arbeitskräftemangel
 Gastarbeiter kommen nach Deutschland
 kehren nicht in ihre Heimat zurück; holen
Familien nach
Ausländerpädagogik: komplette Integration in die
deutsche Gesellschaft
Danach: klassische interkulturelle Pädagogik: Menschen
sind different, aber nicht defizitär
Aktuell: Antidiskriminierungspädagogik: keine Differenzen (alle dazugehörig)

1.3 Zentrales Ziel


Vorbereitung auf ein dauerhaftes Zusammenleben in multikultureller Gesellschaft

1.4 Was ist Kultur?


Kultur ≠ Ethnie
Kultur: nicht beliebiges System von Symbolen  stellt Interpretations-,
Ausdrucks- und Orientierungsmuster dar
Menschen unterschiedlicher Kulturen können nicht ohne soziale oder kulturelle
Konflikte zusammen leben
 interkulturelle Erziehung bezieht sich somit auf Menschen aller Kulturen
und beschränkt sich nicht nur auf einer Gruppe von Ausländern

1.5 Die 10 Ziele der interkulturellen Erziehung


1. Erkennen des eigenen unvermeidbaren Ethnozentrismus
 in Begegnung mit anderen sich seines Kultur- und
Soziozentrismus bewusst werden
2. Umgehen mit Befremdung
 Gefühle der Befremdung aufarbeiten
3. Grundlegen von Toleranz
 Basistugend notwendig um gewaltfrei in einer
pluralistischen Demokratie zusammenleben zu können (mit
Gedanken- und Religionsfreiheit)
4. Akzeptieren von Ethnizität
 Rücksichtsnehmen und Zulassen von Ausdrucks- und
Präsentationsformen ethnischer Minderheiten
5. Thematisieren von Rassismus
 Abwertungstendenzen bewusst machen
6. Das Gemeinsame betonen
 gegen die Gefahr des Ethnizismus
7. Ermunterung zur Solidarität
 Berücksichtigung der Asymmetrie zwischen der Mehrheit und der Minderheit
 Einsatz der Mehrheit zum politischen und rechtlichen Schutz der Minderheit
8. Einüben von Formen der vernünftigen Konfliktbewältigung
 Umgehen mit Kulturkonflikt und Kulturrelativismus
9. Aufmerksam werden auf Möglichkeiten der kulturellen Bereicherung
 Übernahme von Elementen der anderen Kultur (eher selten)
10. Thematisieren der Wir-Identität
 Aufheben der Grenze in globaler Verantwortung
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2. Alfred Holzbrecher

2.1 Interkulturelles Lernen (allgemein)


 Ziel: interkulturelle Kompetenz*
 bewusster und kritischer Umgang mit Stereotypen
 Aufbau von Akzeptanz gegenüber fremden Kulturen
 Überwindung von Ethnozentrismus
 Verständnis der eigenen Kulturverhaftung und Enkulturation*

2.2 Zur Person


Professor für Schulpädagogik und allgemeine
Didaktik
Schwerpunkte: Subjektorientierung in der Didaktik,
Umgang mit Heterogenität, schulische Feedback-
Kultur, Fotopädagogik, Interkulturelle Pädagogik,
Ganztagspädagogik, Professionalitätsentwicklung
durch "Forschend Lehren lernen"

2.3 Interkulturelles Lernen (baut auf Nieke auf)


Pädagogische Forderung: Schule soll dazu beitragen, dass die Prozesse

1. Differenzierte Wahrnehmung
2. Reflektierte Wahrnehmung
3. Selbstkritische Beurteilung

eingeleitet werden.
Sprache: Besonderer Stellenwert  sprachliche Bildung, Reflexion von Sprache und
Formen nichtsprachlicher Kommunikation
Durch die Auseinandersetzung mit dem Fremden entwickelt sich psychische Stärke
Ziele:
 Erziehung zur Verantwortung (entwickelt sich aus Praxis der Solidarität),
 Wertschätzung von Heterogenität* (erfordert Paradigmenwechsel*),
 Keine Kompensation von Defiziten, sondern Umgang mit Diversität*

Phasen interkulturellen Lernens (angelehnt an hermeneutischen Zirkel*)


1. Aktualisierung des Vorwissens/ des Vorverständnisses (bewusst & unbewusst)
2. Untersuchung des Fremden in seinen Selbstdeutungen (ohne Bewertung)
 Analyse von Wahrnehmungs-, Deutungs-, und Handlungsmustern
3. In-Beziehung-Setzen des Selbstbildes und des Weltbildes des Fremden mit
Vorverständnis
 Beeinflussung auf das Selbst: Wünsche/Ängste: „Was löst es in mir aus?; Was sagt das
über mich aus?...“
4. Begründete Bewertung: Würdigung des Eigenen und des Fremden in Gleichheit und
Differenz

Aktualisierung des Vorwissens

Untersuchung des Fremden

In-Beziehung-setzen mit
Vorverständnis

Begründete Bewertung

2.4 Ebenen der Erkenntnis- und Kompetenzentwicklung


1. Makrostrukturelle Ebene
 die Gesellschaft in globalisierten ökonomischen und politischen Strukturen
2. Ebene der Lebenswelt
 kulturelle und geschlechts- und milieuspezifische Deutungsmuster
3. Ebene der psychosozialen Entwicklung des lernenden Objekts

*Interkulturelle Kompetenz: die Fähigkeit, mit Individuen und Gruppen anderer Kulturen erfolgreich zu
interagieren
*Enkulturation: das Hineinwachsen des Einzelnen in die Kultur der ihn umgebenden Gesellschaft
*Heterogenität: (auch: Inhomogenität) Uneinheitlichkeit der Elemente einer Menge hinsichtlich eines oder
mehrerer Merkmale  hier: Wertschätzung der unterschiedlichen Merkmale der Kulturen
*Paradigmenwechsel: hier: Abbau von gängigen Defizitorientierungen (Vorurteilen)
*Diversität: Vielfalt, Vielfältigkeit
*hermeneutischer Zirkel: „Zirkel des Verstehens“