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9.12.

18 / 22 Uhr / Richterschaft

Eskalation in der JVA

Zur Verhandlung erschienen:

1 Richter, 1 Staatsanwalt, 1 Anwalt der Verteidigung, 1 Angeklagter, 1 Zeuge


und 1 Vertreter der Presse.

Nachdem der vorsitzende Richter den Prozess eröffnet hatte, begann die
Staatsanwaltschaft mit Verlesung der Anklageschrift:

Anklagepunkte:

StGB: §13/1

WaffG: §4

Die Staatsanwaltschaft schilderte den Sachverhalt folgendermaßen:

Am 15.11.18 kam es zu einer Eskalation in der JVA zwischen dem Angeklagten


und einer Person, welche dorthin verbracht wurde. Die Stimmung dort war
allgemein sehr angespannt. Im Laufe eines sich hoch schaukelnden
Wortgefechtes, ging der zu Inhaftierende auf den Angeklagten mit den Fäusten
los, worauf dieser eine scharfe Waffe zog und den Angreifer niederschoss.
Beide Personen waren im vollen Bewusstsein ihrer Sinne und der Angeklagte
hätte die Möglichkeit gehabt einen Taser zu ziehen, was die Tat
unverhältnismäßig und gesetzeswidrig macht. In der Schleuse zur JVA standen
genug Beamte des LSPD und des FIB, um dem Angeklagten zur Hilfe zu
kommen. Eine außergerichtliche Einigung wurde vom Angeklagten abgelehnt
und es wurde ihm im Rahmen einer Befragung das Recht sich selbst zu äußern
eingeräumt.
Die Staatsanwaltschaft zählte noch verschiedene Delikte auf, welche mit dem
Angeklagten in Verbindung zu bringen sind, bei denen jedoch die Beweislast
für eine Anklage nicht ausreicht.
Die Staatsanwaltschaft betont, dass es vollkommen üblich sei auch gegen
Polizisten zu ermitteln, wenn diese Fehlverhalten aufweisen.

Der Angeklagte bekannte sich in allen Anklagepunkten für nicht schuldig.

Die Verteidigung legte den Sachverhalt folgendermaßen dar:

Der Anwalt legte dar, dass sein Mandant sehr wohl Opfer einer Vorverurteilung
wurde und deshalb auch ein Antrag auf Befangenheit gestellt wird. Die
außergerichtliche Einigung (Strafzahlung von 25.000 Dollar im Vergleich zum
Geschädigten mit 5.000 Dollar) war nicht verhältnismäßig. Es war sehr
tumultartig in der JVA an diesem Tag und der Angreifer sprach dem
Angeklagten gegenüber Morddrohungen aus. Andere Kollegen konnten in dem
Durcheinander keinen Überblick behalten und zur Hilfe kommen. In der Angst
um das eigene Leben wehrte sich der Angeklagte erst verbal und nach ersten
Faustschlägen ins Gesicht mit seiner Dienstwaffe, nachdem der Geschädigte
auch noch auf den bewaffneten Beamten (Angeklagter) einschlug und selbst
nach der Tat verbal ausfallend blieb, kommt die Verteidigung zu dem Schluss,
dass hier aus Notwehr, wenn auch im Eifer des Gefechts übertrieben, gehandelt
wurde. Notwehr im Sinne des Schutzes des eigenen Lebens.

Das Beweismittelverfahren wurde eröffnet:

Zeuge 1 (Angeklagter) wurde geladen und rechtlich belehrt.

Die Verteidigung fragte Zeuge 1, was der Geschädigte zu Ihm sagte und was er
machte als er in der JVA stand, worauf dieser sagte, dass dieser bereits auf der
Fahrt zur JVA Morddrohungen und Beleidigungen aussprach und dies in der
JVA so weiter ging. Dort angekommen eskalierte die verbale
Auseinandersetzung so, dass der Geschädigte wie wild anfing zuzuschlagen.
„Daraufhin zog ich meine Waffe um mein Leben zu schützen, da der
Geschädigte als aggressiv bekannt ist. Er hörte nicht auf zu zuschlagen und ich
hatte keine andere Wahl, als in dem Moment, benommen von den ersten
Schlägen, die Kontrolle durch Benutzung meiner Dienstwaffe
wiederherzustellen.“ Auf die Frage ob es eine Vorgeschichte mit dem
Geschädigten gab, sagte der Angeklagte, er kenne diesen aus diversen Delikten
zuvor und wisse das dieser zu Gewalt neigt und es gab mehrere Morddrohungen
bereits im Vorfeld. Der Angeklagte sagte, dass er in der Situation in der JVA
Angst hatte, jedoch nie Jemanden verletzten wollte …
[Leider konnte aus akustischen Gründen die Befragung nicht vollständig
mitgehört werden.]
… es war ein einziges Chaos Vorort und niemand der Anwesenden Kollegen
konnte in dieser Situation schnell helfend eingreifen. Ungefähr zehn Inhaftierte
standen drum herum und stachelten die Situation an.

Die Staatsanwaltschaft bat Zeuge 1 die Abläufe kurz vor den Faustschlägen zu
beschreiben, worauf dieser sagte, dass der Geschädigte erst pöbelnd vor Ihm
stand und dann anfing zu zuschlagen. Alle Inhaftierten waren sehr aggressiv.
Als die Waffe gezogen wurde rechnete der Angeklagte nicht mehr mit einem
Angriff. Ob die Schleuse in dem Moment offen war weiß der Angeklagte nicht
mehr. Ein FIB Agent und zwei Kollegen standen noch etwas entfernt, soweit
der Angeklagten sich erinnern kann, in der Schleuse.
Die Staatsanwaltschaft entnahm den Akten, dass in der Schleuse noch 8 weitere
Beamte standen und stellte in Frage, ob die Angst berechtigt war. Der
Angeklagte erwiderte das der Geschädigte und die Inhaftierten viel näher zu
Ihm standen und die anderen Kollegen beschäftigt waren und der Aggressor wie
bereits erwähnt als gefährlich einzustufen war. Ob der Angeklagte sich in der
Situation überfordert fühle, verneinte dieser. Die Frage ob der Angeklagte ein
persönliches Problem mit dem Geschädigten hatte, verneinte dieser. Für die vor
der Inhaftierung durchgeführten Durchsuchung, war der Angeklagte nicht
zuständig, jedoch bejahte dieser, dass dies vor Inhaftierung durchgeführt wird.
Als die Staatsanwaltschaft die durchgeführte Befragung ansprach, sagte der
Angeklagte, dass er nicht wusste, dass es sich um eine offizielle Befragung
handelte und nicht rechtlich belehrt wurde.

Der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft konnten sich nicht darauf einigen
inwiefern vor den Schüssen gewarnt wurde, sich genügend zur Hilfe bereite
Kollegen in unmittelbarer Nähe befanden und weshalb der Angeklagte
überhaupt mit einer scharfen Waffe in der JVA stand.

Der vorsitzende Richter erkundigte nochmal genauer nach den Umständen der
Tat (Waffennutzung, Gefahrenlage am Tatort, Ablauf).

Zeuge 2 (Polizist) wurde geladen und rechtlich belehrt.

Die Staatsanwaltschaft bat Zeuge 2 die Abläufe am Abend des 15.11.18


wiederzugeben. Zeuge 2 sagte, dass der Geschädigte zur JVA gebracht wurde
und sehr aggressiv war. Dort angekommen konnte er beobachten wie der
Angeklagte von diesem mit den Fäusten attackiert wurde. Daraufhin ist das
Chaos ausgebrochen und Zeuge 2 wollte noch einen Kollegen zur Hilfe holen,
zog noch seine Waffe, aber musste sie nicht mehr einsetzen. Ein Schuss fiel und
der Geschädigte lag am Boden. Bezüglich Durchsuchungen vor Einlieferung,
Stimmung innerhalb der JVA und des Geschädigten, Anzahl der Personen
Vorort und Situation in und außerhalb der Schleuse bestätigte Zeuge 2 die
Aussagen des Angeklagten.

Die Verteidigung fragte Zeuge 2, wie der Geschädigte sich zum Tatzeitpunkt
und im Vorfeld verhalten hatte, worauf dieser sagte, dass der Geschädigte
immer wieder Drohungen aussprach und aggressiv war. Die Stimmung und das
Chaos in der JVA war so geladen, dass eine ruhige Klärung nicht möglich war.
Es wurden Morddrohungen vom Geschädigten in Richtung des Angeklagten
ausgesprochen. Laut Zeuge 2 ist der Angeklagte ein verdienter, besonnener und
erfahrener Polizist und er kann nachvollziehen, dass dieser in dem Moment
überreagiert hat.

Weitere Aussagen wurden von der Staatsanwaltschaft vorgelesen:

Zeuge 3 (Geschädigter) sagte aus, dass die Provokationen von beiden Seiten
ausgingen (was ein FIB-Agent bestätigte). Deswegen hatte er das Gefühl sich
zur Wehr setzen zu müssen.

Weitere Aussagen wurden verlesen, welche die geladenen Stimmung und die
Abläufe, wie in den Akten beschrieben wiedergaben.

Die Verteidigung bezog sich nochmal auf eine Aussage einer Insasse, welcher
man nur entnehmen kann, dass ein Schuss fiel und weiter nicht nachgeforscht
wurde. Außerdem bestätigt diese Aussage die räumliche Trennung des
Angeklagte von seinen Kollegen.

Das Beweismittelverfahren wurde geschlossen.

Schlussplädoyer

Die Staatsanwaltschaft sieht es als eindeutig erwiesen an, dass der Angeklagte
trotz Gefahrensituation nicht verhältnismäßig gehandelt hat und alle
Anklagepunkte bestehen bleiben. Die Undurchsichtigkeit der Situation
rechtfertigt nicht das unüberlegte und fahrlässige handeln des Angeklagten, da
es andere Möglichkeiten gab dieser Situation auszuweichen.

„Die Schusswaffe ist nicht das Mittel der Wahl in so einer Situation, auch wenn
der Geschädigte in dem Fall auch Täter war und entsprechend zu Rechenschaft
gezogen wird.“
Geförderte Strafe:

30.000 Dollar Geldstrafe und 3 Strafeinheiten.

Die Verteidigung erwiderte, dass der Angeklagte ein ehrbarer Polizist ist der
seine Pflicht erfüllt hat und noch nie angeklagt war. Die Situation in der JVA
stellte sich als so chaotisch dar, dass der Angeklagte trotz Todesangst seine
Arbeit machte, außerdem von dem Geschädigten verletzt wurde und dem nicht
rechtzeitig von seinen Kollegen geholfen werden konnte.
Deswegen plädiert die Verteidigung auf Notwehr.

Der Angeklagte hatte das letzte Wort und sagte, dass er die ganze Geschichte
bereue.

Der vorsitzende Richter zog sich um 23:25 Uhr zur Urteilsfindung zurück.

Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil...

Der Angeklagte wird unter Berücksichtigung der Umstände nach folgenden §


verurteilt:

StGB: 4§ i.V.m §13/1 Fahrlässige schwere Körperverletzung

Strafmaß:

20.000 Dollar Geldstrafe und 10.000 Dollar Schmerzensgeld an den


Geschädigten.

Urteilsbegründung:

1. „Es handelt sich um eine Notwehrüberschreitung. Das Gericht


erkennt eine grundsätzliche Notwehrsituation an, jedoch waren der
Gebrauch einer scharfen Waffe unverhältnismäßig.“
2. „Man hätte trotzt der Lage, aufgrund der Erfahrung des Beamten
und der Durchsuchung vor Einlieferung, einen verhältnismäßigen
Umgang wählen müssen.“
Die Verhandlung wurde um 23.50 Uhr geschlossen.

DZ