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Mediumschaft

Herculano Pires
Kapitel 1

MEDIUMSCHAFTSBEGRIFF
Medium heisst Mediator, Vermittler. Mediumschaft ist die natürliche, menschliche Fähigkeit,
die die Beziehungen zwischen Menschen und Geistern herstellt. Es ist keine übernatürliche Kraft, die
durch Rituale oder mit der mysteriösen Macht eines Eingeweihten oder eines Gurus entwickelt werden
kann. Die Mediumschaft gehört dem Gebiet der Kommunikation an. Sie entwickelt sich auf natürliche
Weise in hochsensiblen Personen, die im Stande sind, geistig und sinnlich Dinge und Tatsachen der
geistigen Welt, die uns umgibt und mit psychischen und affektiven Vibrationen auf uns wirkt,
aufzunehmen. Die Mediumschaft entwickelt sich im Beziehungsprozess genauso wie die Intelligenz
und die anderen menschlichen Fähigkeiten. Im allgemeinen ist ihre Entwicklung zyklischer Art, das
heisst, sie verläuft in aufeinanderfolgenden Etappen, in Form einer Spirale. Die Kinder besitzen sie,
sozusagen, unter der Haut, aber sie sind vom heilsamen und kontrollierenden Einfluss der
Schützenden Geister, die die Religionen als Schutzengel bezeichnen, beschützt. In dieser kindlichen
Phase sind die mediumistischen Erscheinungen seelischer Art; die Kinder projizieren ihre Seele in die
Dinge und Wesen die es umgeben, sie erhalten die orientierenden Intuitionen von ihren Beschützern,
manchmal sehen und offenbaren sie Geister und weisen auf ihre Gegenwart hin; oft übermitteln sie
Mitteilungen und Botschaften der Geister an die Verwandten, auf positive und direkte oder auf
symbolische und indirekte Weise. Wenn sie das siebte oder achte Lebensjahr überschritten haben,
gliedern sie sich besser in die Bedingungen des irdischen Lebens ein, sie entfernen sich allmählich der
geistigen Beziehungen und messen den menschlichen Beziehungen mehr Bedeutung bei. Der Geist
passt sich seinem Taucheranzug an, um den weltlichwen Problemen entgegenzutreten. Somit schlieβ t
sich der erste mediumistische Zyklus, damit der zweite sich eröffnen kann. Also nimmt man an, dass
das Kind keine Mediumschaft besitzt, die vorherige Phase gilt als kindliche Phantasie und Erfindung.
Im allgemeinen beginnt der zweite Zyklus in der Adoleszenz, im Alter von zwölf oder
dreizehn. Im ersten Zyklus soll man nur mit Gebeten und Handauflegen im mediumistischen Prozess
eingreifen, um die natürlichen Erregungen des Kindes, die fast immer mit seltsamen Erinnerungen an
die fleischliche oder geistige Vergangenheit beladen sind, zu mildern. In der Adoleszenz hat sein
Körper schon die nötige Reife erlangt, damit die mediumistischen Erscheinungen intensiver und
positiver werden. Es ist an der Zeit, dem Jugendlichen genauere Informationen über die
mediumistische Frage zu erteilen. Man soll nicht versuchen, seine Entwicklung in Sitzungen
durchzuführen, es sei denn, es handle sich um einen obsessiven Fall. Aber auch in diesem Fall muss
man bei der Orientierung des Jungendlichen vorsichtig, ohne seine Phantasie zu erregen, vorgehen,
indem man ihn an den natürlichen, von den Gesetzen des Wachstums bestimmten Prozess zu
gewöhnen. Das Handauflegen, das Gebet, die zum lehrhaften Studium bestimmten Versammlungen
gehören zu den Mitteln, die zu diesem Prozess verhelfen, ohne ihn zu erzwingen, dies bedarf einer
guten Betreuung. Einige Jungendliche leben sich schnell und auf natürliche Weise in die neue
Situation ein und bereiten sich mit groβ em Ernst auf die mediumistische Tätigkeit vor. Andere
wiederum lehnen die Mediumschaft ab und versuchen, sich nur den jugendlichen Träumen
zuzuwenden. Das ist die Zeit der spielerischen Tätigkeiten, des Spieles und des Sports, des Studiums
und des Erwerbs allgemeiner Kenntnisse, der vollkommeneren Integration in die irdische Realität.
Man soll diese Jugendlichen nicht zwingen, sondern sie nur stimulieren in Bezug auf die
spiritistischen Lehren. Ihr Geist öffnet sich dem tieferen und steten Kontakt mit dem weltlichen Leben.
Aber sie tragen schon in ihrem Bewusstsein die eigenen Richtlinien ihres Lebens, die sich mehr oder
weniger deutlich in ihren Neigungen und in ihren Wünschen manifestieren. Wenn man sie zwingt,
einen Weg einzuschlagen, der ihnen zuwider ist, so tut man ihnen Gewalt an, was schlimme Folgen in
der Zukunft hat. Die Beispiele der Familienangehörigen beeinflussen ihre Entscheidungen mehr als
die Lehren und die verbalen Aufforderungen. Sie kümmern sich um sich selbst und stärken ihre
Persönlichkeit. Man muss sie achten und ihnen mit Liebe und Verständnis beistehen. Im Falle von
spontanen Manifestationen der Mediumschaft geziemt es sich, sie auf den privaten Familienkreis oder
auf eine Freundesgruppe in den Jugendorganisationen zu beschränken, bis sich ihre Mediumschaft
herausstellt und sich von sich aus durchsetzt.

Der dritte Zyklus geschieht normalerweise in dem Übergang von der Adoleszenz zur Jugend,
zwischen dem achtzehnten und dem fünfundzwangzigsten Lebensjahr. Diese Phase ist die Zeit sowohl
des ernsten Studiums des Spiritismus und der Mediumschaft als auch der freien mediumistischen
Praxis in den spiritistischen Zentren und Gruppen. Es gibt keinen Grund zur Besorgnis, wenn sich die
Mediumschaft noch nicht gebührend bestimmt hat. Es gibt Prozesse, die sich etwa bis zum
dreissigsten Lebensjahr, bis zur körperlichen Reife hinziehen, bis die wirkliche Mediumschaft
ausbricht. Es genügt, wenn man den jungen Menschen in ständiger Verbindung mit den spiritistischen
Tätigkeiten bewahrt, ohne ihn zu zwingen. Wenn er keine mediumistische Tendenz aufweist, so ist es
am besten, man beschränkt sich darauf, ihm Zugang zu sozialen Aktivitäten oder Betreuungen zu
verschaffen. Die Sitzungen mediumistischer Erziehung, (zu Unrecht Entwicklung genannt) richten
sich nur an Medien, die schon durch spontane Manifestationen charakterisiert, und daher schon
entwickelt sind.

Es gibt noch einen vierten Zyklus, der sich auf Mediumschaften, die erst nach der Reife, im
Alter oder im annähernden Alter erscheinen, bezieht. Es handelt sich um Manifestationen, die durch
das Alter bedingt sind: die physische Schwächung, die eine Erweiterung der perispiritistischen
Energien erleichtert; eine gröβ ere Introversion des Geistes, bedingt durch das Abnehemen der
Tätigkeiten des praktischen Lebens, ein Zustand der neuropsychischen Apathie, die durch die
organischen Veränderungen des Altwerdens verursacht ist. Diese Faktoren gestatten ein gröβ eres
Loslösen des Geistes und seinen Verkehr mit körperlosen Wesen. Diese Art späte Mediumschaft
dauert nicht lange, sie ist, in gewisser Hinsicht, eine mediumistische Vorbereitung auf den Tod. Sie
beschränkt sich auf Hellsehensphänomene, mündlichen Verkehr, Intuition, übersinnliche
Wahrnehmung und Psychographie. Obwohl der Tod eine Vorbereitung ist, kann es Jahre dauern, bis er
eintritt, in der Zeit passt sich der Geist den spirituellen Problemen, über die er sich während seines
vergangenen Lebens keine Gedanken gemacht hat, an. Diese Tatsachen sind ein Beweis dafür, dass
der Mediumschaftsbegriff keine einfache Modalität der Beziehung Mensch-Geist ist. Kardec erinnert
daran, dass die Tatsache, dass ein Geist inkarniert ist, ihn nicht daran hindert, mit befreiten Geistern zu
verkehren, genauso wie ein gefangener Bürger sich hinter dem Gitter mit einem freien Bürger
unterhalten kann. Es handelt sich nicht um die wohlbekannten Visionen der Sterbenden auf dem
Sterbebett, sondern um die typische, späte Mediumschaftsentwicklung, die durch die völlige
Integration des Individuums in das fleischliche Leben, durch die Probleme des alltäglichen Lebens
magnetisiert, nicht zutage treten konnte. Seine späte Manifestation erinnert an den Aphorismus, der
behauptet, das Extreme sich berühren. Das Alter stellt unsere Nähe zur geistigen Welt wieder her, und
wir befinden uns in der gleichen Lage wie die Kinder.

In Wirklichkeit, bleibt die mediumistische Potentialität nie lethargisch. Ganz im Gegenteil, sie
verwirklicht sich häufiger als wir es annehemen, in verschiedenen Momenten des Lebens geht sie von
der Potenz zur Tat über, mittels Vorahnungen, Vorhersehungen von einfachen Ereignissen, wie, zum
Beispiel, die einer Begegnung mit einem schon lange abwesenden Freund, übersinnlichen
Wahrnehmungen, die wir der Phantasie oder der Erinnerung zuschreiben, und ähnliche. Wir leben auf
mediumistischische Weise, zwischen zwei Welten und in ständigem Verkehr mit geistigen Wesen.
Während des Schlafes, wie Kardec es durch Forschungen, die sich über mehr als zehn Jahre
ersteckten, bewiesen hat, lösen wir uns vom sich ausruhenden Körper und gehen zur geistigen Sphäre
über. In Momenten der psychischen Abwesenheit sei es durch Zerstreutheit, Schläfrigkeit, entfernen
wir uns schnell unseres Körpers und kehren zu ihm zurück so wie der Vogel, der ausfliegt und zum
Nest zurückkehrt. Die Psychologie versucht, diese Fehlleistungen physiologisch zu erklären, aber die
organischen Reaktionen, denen sie diese Tatsache zuschreibt, sind nicht die Ursache, sondern die
Wirkung eines mediumistischen Aktes geistiger Entfernung. Die Hypnotismusstudien beweisen es,
indem sie zeigen, dass die Hypnose ständig in unseren Wachzustand eingreift, dadurch dass sie uns im
Stehen schlafen oder im wachen Zustand träumen lässt, wie man zu sagen pflegt. Die
wissenschaftliche Forschung nach einer organischen Essenz der Mediumschaft hat nie zu einem
Ergebnis geführt und wird nie dazu führen. Denn die Essenz der Mediumschaft besteht in der
Befreiung des Geistes.

Zu diesem Punkt angelangt, können wir nun die Frage präziser ausdrücken: die Mediumschaft
ist die Manifestation des Geistes durch den Körper. Im mediumistischen Akt manifestiert sich sowohl
der Geist des Mediums als auch ein Geist, dem er zuhört und dient. Folglich bestehen die
mediumistischen Probleme ganz einfach in der Disziplinierung der Beziehungen Geist-Körper. Das
nennen wir mediumistische Erziehung. In dem Maβ e, in dem das Medium als Geist lernt, seine
Freiheit zu kontrollieren und seine geistigen Beziehungen auszulesen, verbessert sich seine
Mediumschaft und gewinnt an Sicherheit. So ist das gute Medium dasjenige, das eine
psychophysische Ausgeglichenheit bewahrt und sein Leben so gestaltet, dass es für sich selbst eine
geistige Atmosphäre aus Moralität, Liebe und Respekt für den Nächsten schafft. Die
Hauptschwierigkeit besteht darin, dass dem Medium klar wird, dass es dazu kein Heiliger, sondern nur
ein guter Mensch werden muss. Die von den Religionen im Laufe der Jahrtausende angestrebte
Heiligkeit erzeugte in der Welt eine unbehagliche Erwartung in denen, die sich den geistigen
Problemen widmen. Keiner wird zum Heiligen, indem er die vitalen Kräfte des Menschen erstickt und
seinem sozialen Verhalten einen frommen Anschein verleiht. Das Ergebnis daraus ist reine
Verstellung, die Heuchelei, die Jesus ständig bei den Pharisäern verurteilte, ein ständiges Verhalten
der Nachgiebigkeit und der Gutmütigkeit, die nicht mit den inneren Veranlagungen des Geschöpfes
übereinstimmen. Das Medium muss spontan, natürlich, ein normales menschliches Wesen sein, das
keinen Anlass dazu hat, sich den anderen überlegen zu fühlen. Jegliche Verstellung und jegliche
Künstlichkeit in den gesellschaftlichen Beziehungen führt die Individuen zur Falschheit und zum
Betrug. Die sogenannte schematisierte und gezwungene innere Verbesserung verändert keinen, sie
führt zur betrügerischen Verkünstlichumg derer, die ihr folgen. Die innerren Veränderungen der
Geschöpfe ergeben sich aus ihren Erfahrungen IN DER EXISTENZ, es sind vitale ERFAHRUNGEN
und Bewusstseinsmomente, die tiefe Änderungen in der inneren Welt- und Lebensauffassung
bewirken.

Diese Fragestellung der mediumistischen Probleme suggeriert einen Mediumschaftsbegriff,


der uns zu den eigentlichen Wurzeln des Spiritismus führt. Die Mediumschaft scheint die Grundlage
der ganzen Wirklichkeit zu sein. Der Augenblick des fiat, der Schöpfung des Kosmos, ist ein
mediumistischer Akt. Wenn der Geist die Materie strukturiert, um sich in der Schöpfung zu
manifestieren, bildet er das Element, das als Vermittler zwischen ihm und der sinnlichen oder
materiellen Wirklichkeit fungiert. Die Materie wird zum Medium des Geistes. Auf diese Weise ist das
Leben eine ständige, mediumistische Manifestation des Geistes, der sich, durch sie projiziert und sich
im Bereich des Sinnlichen oder Materiellen manifestiert. Das Begreifliche, das der Geist, das
intelligente Prinzip des Weltalls ist, verkündet seine intelligente Botschaft mittels der unendlichen
Formen der Natur, und umfasst alle Bereiche: den mineralen, den pflanzlichen, den tierischen und der
menschlichen Bereich, in denen die Mediumschaft sich in ihrer ganzen Fülle definiert. Die
Verantwortung des Menschen, des menschlichen Geschöpfes, als höchster Ausdruck des Mediums,
gelangt zu einer universellen Evolution und beauftragt die individuelle Mediumschaft mit der
schwierigen Aufgabe, zur Verwirklichung des kosmischen Schicksals der Menschheit beizutragen. Es
ist unerlässlich, dass die Medien dieses Problem verstehen, damit sie lernen, eifrig daran zu arbeiten
ihre Fähigkeiten zu entwickeln.

Kapitel 2

STATISCHE MEDIUMSCHAFT

Die Mediumschaft ist eine einzige, sie bildet ein Ganzes, aber man kann sie in ihren
verschiedenen funktionalen Aspekten, die als verschiedene Formen ihrer Manifestationen
charakterisiert sind, betrachten. Aus methodologischer Überlegung hat sie Kardec in zwei wohl
differenzierte groβ e Gebiete eingeteilt: die Mediumschaft von intelligenten Wirkungen und die
Mediumschaft von physischen Wirkungen. Diese Einteilung herrschte in den vom Spiritismus
abgeleiteten Wissenschaften vor. Der Gründer der Metapsychik, Charles Richet, legte in dieser
Wissenschaft die Einteilung beider Gebiete fest und nannte sie subjektive Metapsychik und objektive
Metapsychik, was genau der spiritistischen Einteilung entspricht. In der aktuellen, von Rhine und
McDougal gegründete Parapsychologie werden beide Gebiete als Psigama (subjektive oder geistige
Phänomene) und Psicapa (objektive Phänomene oder physische Wirkungen) bezeichnet. Die
sogenannte englische Psychische Wissenschaft, wie die frühere deutsche Parapsychologie, Schrenk-
Notzings Psychobiophysik und andere verschiedene wissenschaftliche Schulen behielten diese
Einteilung bei, was die methodologische Richtigkeit Kardecs beweist. Der Ausdruck Medium setzte
sich auch durch und wurde sogar von der sowjetischen, materialistischen Parapsychologie
übernommen, die sie in ihren offiziellen Veröffentlichungen beibehält. Nur einige hochentwickelte
wissenschaftliche Zweige, so wie die Metergie und die Psicorragia erfanden Substantive für das
bequeme und klare Wort Medium, die sie aber nicht verbreiteten. In der Metergia wird das Medium
metérgio genannt und in der Psicorragia psicorrágico. Einige pedante Medien, die sich nicht als
Medien bezeichnen wollen, benutzen diesen wissenschaftlichen Jargon. Die von der aktuellen
Parapsychologie angegebenen Bezeichnungen sind nicht pedantisch. Es sind einfache
Buschstabenbezeichnungen des griechischen Alphabets, das gehört zur Tradition der Wissenschaften,
sie zur Bezeichnung von Phänomenen zu benutzen. Es stimmt auch nicht, dass die aktuelle
Parapsychologie die Phänomene anders benannt hat, um sich vom Spiritismus zu unterscheiden. Das
Problem ist ein anderes: in der wissenschaftlichen Forschung kann man keine Bezeichnungen, die eine
vorzeitige Interpretation des Phänomens implizieren, benutzen. Indem die Parapsychologen
griechische Buchstaben wählten, um die erforschten Phänomene zu bezeichnen, benutzten sie neutrale
Wörter, so wie es die wissenschaftliche Methologie fordert. Eine Frage der Methode. Trotz dieses
Kriteriums, haben schon verschiedene Psychologen, zum Beispiel, das Wort sensitiv, das gewählt
wurde, um Medium zu ersetzen, den Ausdruck Medium wieder übernommen, wie wir es im Fall der
sowjetischen Parapsychologie festgestellt haben.

Die von Kardec übernommene spiritistische Terminologie ist einfach und genau. Aber was die
beiden grundsetzlichen Gebiete der Phänomene von intelligenten und von physischen Wirkungen
betrifft, so musste man etwas ergänzen. Ausser dieser phänomenischen Einteilung stellte sich die
Frage der funktionalen Einteilung. Kardec bemerkte die Verallgemeinerung der Mediumschaft und die
Geister halfen ihm dabei mit einer seltsamen Spezifizierung, wie es im Buch der Medien deutlich
wird. So haben wir zwei Gebiete mediumistischer Funktion, die man als verallgemeinerte
Mediumschaft und Mediumismus bezeichnet. Die erste entspricht einer natürlichen Mediumschaft, die
alle menschlichen Wesen besitzen, und die zweite entspricht einer verpflichtenden Mediumschaft, das
heisst, die von Medien, die über geistige, mediumistische Kräfte verfügen, um spezifische Zwecke in
der Inkarnation zu erzielen. Da Kardec die Existenz von elektrischen Medien erwähnte und die
Mediumschaft oft mit der Elektrizität verglich, tauchte später unter einigen Gelehrten, darunter
Crawford, die Idee einer expliziteren Einteilung auf, und zwar die Bezeichnung statische
Mediumschaft und dynamische Mediumschaft. Die erste entspricht der natürlichen Mediumschaft, die
alle besitzen und verbleibt im allgemeinen in estase, mit mäβ igen und fast unwahrnehmbaren
Manifestationen. Die zweite entspricht der aktiven Mediumschaft, die während des ganzen Lebens des
Mediums von ihm fordert, dass er sie entwickelt und sich ihr widmet.

Die Unkenntnis dieser Einteilung führt zu Schwierigkeiten und Nachteilen in der


mediumistischen Praxis, hauptsächlich was die Arbeit in den Zentren und Gruppen betrifft. Die
statische Mediumschaft ist eigentlich keine Energieform, die in lethargischem Zustand im
körperlichen Organismus bleibt. Es ist einfach die natürliche Veranlagung des Geistes, sich
auszudehnen, sich zu projizieren und Beziehung zu anderen Geistern aufzunehmen. Die aktuelle
Parapsychologie hat die spiritistische These der permanenten telepathischen Beziehungen im
gesellschaftlichen Leben bestätigt. Unser Geist funktionniert, so betont es John Ehrenwald in seiner
Studie über interpersonale Beziehungen, als aktives Gedankensender- und Empfängerzentrum. Wir
unterhalten uns ständig, ohne es zu merken. Eine Vielzahl unserer Monologe sind Dialoge mit anderen
Personen oder mit Geistern. Botschaften von Emmanuel und André Luiz, über Chico Xavier, beziehen
sich auf gedankliche Befragung, die einige Geister an uns richten, sei es um unseren geistigen Zustand
zu erleichtern, sei es um uns zu helfen, ihn zu verbessern, sei es aus obsessiven Zwecken. Ein
Obsessor kommt näher an uns heran und suggeriert gedanklich den Namen oder die Gestalt einer
Person. Wir fangen an, an dise Person zu denken und alle Daten, die wir über sie besitzen, ziehen in
Gedanken an uns vorbei. Der beharrt in seiner Befragung, und, ohne es zu bemerken, teilen wir ihm
die Angaben dieser Person oder unsere Meinung über sie mit. Wir helfen dem Obsessor, ohne es zu
wissen. In anderen Fällen behauptet er, Bescheid zu wissen über unsere Haltung in einem bestimmten
Streitigkeitsfall in Bezug auf einem seiner Freunde. Wir offenbaren sie ihm und er verwickelt uns in
einen obsessiven Prozess. Deswegen hat Jesus geraten: „Wachet und betet“ Wir müssen unsere
Gedanken bewachen und für die, von denen wir glauben, dass sie im Irrtum sind, beten. Handlen wir
demgemäβ , so werden wir uns mit Sicherheit von vielen unnötigen Verwirrungen und
Unannehmlichkeiten befreien. Die Selbstgespräche des Menschen werden immer von den
unsichtbaren, guten und schlechten Zeugen, die uns umgeben, beobachtet. Die statische Mediumschaft
funktioniert immanent in unserem Psychismus. Sie gehört zu unserer Natur, sie ist weder eine Gnade
noch eine Prüfung, sie ein wesentliches Element unserer menschlichen Beschaffenheit.

Eine Vielzahl von verwirrten und sogar von Obsessionen verfolgten Menschen suchen die
spiritischen Zentren auf, im allgemeinen betrachtet man sie als sich in der Entwicklungsphase
befindenden Medien. Viele von ihnen sind eigentlich nur das Opfer der Verfolgung von niederen
Geistern, die sich aus gedanklichen Befragungen ergeben. Aus diesem Grund oder aus anderen
Gründen sind diese Geschöpfe wirklich in einem Obsessionsprozess verwickelt, aber es sind keine
sich entwickelnde Medien. Sie brauchen regelmäβ ig das Handauflegen, sie müssen an Sitzungen
teilnehmen, aber sie brauchen sich nicht an den mediumistischen Tisch zu setzen, um Mediumschaft
zu entwickeln. Wenn diese Personen gebührend behandelt werden, befreien sie sich von der
Obsession, aber sie weisen die aus der Obsession folgenden mediumistischenen Symptome nicht mehr
auf. Diese Personen sind nicht mit Mediumismus ausgestattet, sie brauchen und sie können ihre
statische Mediumschaft nicht entwickeln. Diese dient ihnen dazu, sich im Leben von Intuitionen und
übersinnlichen Wahrnehmungen leiten zu lassen. Die gelegentliche Obsession ihrerseits, diente dazu,
sie dem Spiritismus näher zu bringen, ihr religiöses Gefühl zu erwecken oder anzufachen, sie zu einem
höheren Sinn in ihrer Lebensweise, auf der Suche nach wohltuenden und nicht schädlichen geistigen
Syntonien, zu führen.

Den Personen, die nicht mit Mediumismus versehen sind, fehlen die mediumistischen Mittel
nicht. Ganz im Gegenteil, sie können sehr sensibel und intuitiv sein und über in allen Situationen
wirksame Wahrnehmungen verfügen. Die Sitzungsleiter dürfen diese Frage, die ihnen viele Irrtümer
im Umgang mit den mediumistischen Manifestationen ersparen wird, nicht vergessen. Die
Obsessionen werden nicht nur von Geistern erzeugt. Es gibt viele Fälle von telepathischen
Obsessionen, die von lebendigen Personen verursacht werden. Kardec behandelte diese Fälle und
bezog sich dabei auf die Telepathie als menschliche Telegraphie. Von aggressiven Gedanken belastete
Abscheu-, Hass-, Rachegefühle können den Eindruk erwecken, dass es sich um wirkliche, von
niederen Geistern hervorgerufene Obsessionsprozesse handelt. Im allgemeinen sind diese in solche
Fälle verwickelt, sie erscheinen in den Sitzungen mit ihren üblichen Prahlereien und sie gelten als
verantwortlich für Verwirrungen, in die sie sich eigentlich nur einmischen. Schaltet man den
telepathischen Prozess aus, so entfernen sich diese Geister, sie fühlen sich ohnmächtig, um ihr
gewagtes Unternehmen weiterzutreiben. Dr. Ehrenwald berichtet von einem Fall aus seiner
psychoanalytischen Klinik, wo ein Junge von den anderen Patienten abgelehnt wurde. Es war eine
verborgene Ablehnung, denn alle taten so, als ob sie ihn schätzten. Erst als der Arzt nachforschte,
konnte er beweisen, was geschah. Als er den Jungen woandershin schickte, verschwanden die
obsessiven Symptome allmählich, in dem Maβ e, in dem seine Folterknechte ihn vergaβ en. In
Anbetracht solcher Fälle, schlug dieser berühmte Psychoanalytiker vor, die Methoden der
parapsychologischen Forschung durch Hinzufügung der bezeichneten Methoden der Psychologie und
durch die qualitativen Methoden der spiritistischen Forschung zu erweitern. Nun war es wirklich an
der Zeit, dass die aktuelle Parapsychologie den primären Stand der rein quantitativen, der Kontrolle
der Statistik unterliegenden Forschungsmethoden zu überwinden, um sich mit dem Problem der
Folgen von dem telepathischen Einfluss auf das soziale Milieu auseinanderzusetzen. Später
veröffentlichte die Professorin Louise Rhine, Gattin und Mitarbeiterin von Professor Rhine, ihr Buch
Os Canais Ocultos da Mente, in dem sie von durchgeführten Feldforschungen über paranormale
Phänomene berichtet. Sie behauptete, die Laborforschungen seien zu nüchtern und würden die
Phänomene ihrer emotionellen Fülle und ihrer Bedeutung berauben. Das Buch von Frau Rhine stellt
eine Reihenfolge von beeindruckenden, im wesentlichen spiritistischen, Fällen dar.

Alle Flüsse tragen ihre Wasser zum Meer. Alle psychischen Wissenschaften münden
zwangsläufig im Delta des Spiritismus. Wir können seine Forschungen und seine Schlussfolgerungen
nicht verachten. Man soll die wahrhaftigen Parapsychologen, die akademische Wissenschafter sind,
nicht mit unbewussten Geistlichen erwechseln, die dem Publikum ein verzerrtes, sektiererisches und
mutwilliges Bild der Parpsychologie darbieten. Diese Pfarrer, Brüder und Pastoren, die sich über die
Unwissenheit und die Naivität des Volkes lustig machen, sind von eindeutigen, materiellen Interessen
und geistig niederen Wesen angetrieben, die sich ihrer eigenen statischen Mediumschaft bedienen, um
sich zu unglorreichen Kampagnen und zur bedauerlichen Ausbeutung der Gutgläubigkeit der
Gläubigen verleiten zu lassen. Aber in Wirklichkeit sind sie in den Maschen der Mediumschaft, die sie
leugnen und bekämpfen, verstrickt. Die statische Mediumschaft ruht in ihren eigenen Eingeweiden, in
der Erwartung, dass sie befähigt werden, sie wahrzunehmen und sie zu verstehen.

In der natürlichen Tendenz der Wahrnehmungsprozessen tritt manchmal, bei günstigen


Umständen, die statische Mediumschaft in einem der mediumistischen Entwicklung ähnlichen Ausbruch,
zutage. Es gibt Vorahnungsfälle, die aus einer gelegentlichen Gefahr entstehen, Fälle von
vorübergehendem Hellsehen, die ausbrechende Mediumismussymptome zu sein scheinen. Es ist
schwierig, auf Anhieb zu wissen, was passiert, hauptsächlich in Anbetracht des emotionnalen Zustandes
der Patienten. Aber eine geduldige Beobachtung genügt, während der Teinahme an mediumistischen
Sitzungen, um sofort zu erkennen, dass es sich nur um isolierte und gelegentliche Vorfälle handelt. Die
statische Mediumschaft neigt immer dazu, zu ihrer Anpassung an den normalen Psychismus
zurückzukommen. Was manchmal diese vorübergehenden Vorfälle erschwert, das ist das Beharren auf
die mediumistische Entwicklung oder die therapeutischen Schockversetzungen und die Überdosierng
von Medikamenten in den ärztlichen Rezepten.

Kapitel 3

DYNAMISCHE MEDIUMSCHAFT
Die dynamische Mediumschaft verbleibt nicht in estase im Organismus des Mediums. Sie ist
nicht auf diskrete und subtile Weise tätig so wie die statische Mediumschaft. Ganz im Gegenteil sie
flieβ t unruhig in Phänomene des Aufnehmens und der Projektion ein, in obsessiven Fällen kommt es
oft zur Explosion Das ist die sogenannte DienstMediumschaft, die dazu bestimmt ist, dem Nächsten
beizustehen und zu helfen. Sie ergibt sich, im geistigen Bereich, aus den übernommenen
Verpflichtungen, sei es um wahllos denen zu helfen, die Hilfe und Betreuung brauchen, sei es zur
Befreiung von vergangenen moralischen Schulden an hilfsbdürftige Wesen, deren niederen Stand,
ganz oder teilweise, Tätigkeiten des Medims in früheren Lebenszeiten zuzuschrieben ist. Das Medium
genieβ t nicht nur die Vorteile der allgemeinen Mediumschaft, denn es ist mit einer mediumistischen
Mission beauftragt, die die Spiritisten Mediumismus nannten. Die Lage des Mediums ist völlig
verschieden von der gewöhnlichen Lage. Er wird ständig beansprucht, um körperlosen, hilfe- und
erklärungsbedürftigen Wesen beizustehen. Wenn es seiner Verpflichtung nicht nachgeht oder sie
hinauszögert, wird er Verwirrungen und schlieβ lich Obessionen ausgesetzt. Der Mediumismus
wurde ihm gewährt, um die vergangenen Fehler zu sühnen und die Geister, die er durch eigenes
Verschulden verlorenen hatte zurückzugewinnen, und das wiedergutzumachen, was ihn in
vergangenen Lebzeiten zum Unglauben, sogar zur Auflehnung brachte. Trotz des im Mediumismus
impliziten Determinismus, bleibt seine Willensfreiheit angeboren. Genauso wie er diese Situation
wählte und verlangte, indem er, aus freiem Willen, zur Inkarnation zurückkam, so wird er sich für die
Erfüllung oder die Ablehnung seiner Verpflichtung entscheiden können, indem er natürlich die Folgen
einer Flucht vor der Pflicht auf sich nimmt.

Der Mediumismus wird auch gewährt, in Fällen, wo nur dem Nächsten Beistand oder der
Menschheit Hilfe geleistet wird, wie es das historische Beispiel der Boudin-Mädchen, Julia und
Carolina, in Paris, zeigt, ihre wundervolle Mediumschaft gewährleistete den Erfolg von Kardecs
Mission. Aber Kardec selbst war kein Medium, denn seine Mission war wissenschaftlicher und nicht
mediumistischer Art. Was ihm oblag, das war, die Mediumschaft zu studieren und zu erforschen, um
die angehende irdische Kultur zu entfalten, und somit offenbarte er den Wissenschaflern die
verborgene Seite der Natur, die unbekannte Wirklichkeit der anderen Welt, die sie nicht wahrnahmen
und nicht akzeptierten, wenn sie sie wahrnahmen. Die Boudin-Mädchen, die erst vierzehn und
sechzehn Jahre alt waren, waren die mediumistischen Werkzeuge, derer er sich bediente, um seine
Lehre auszuarbeiten. Durch sie befragte er die Geister, akzeptierte oder verwarf, was sie sagten,
diskutierte frei mit ihnen und beobachtete andere Medien, wie Fräulein Jafet, den Sohn Didier,
Camille Flammarion, Victorien Sardou und noch viele andere. Er war kein Prophet, auch kein
Hellseher und kein Messias: er war ein unermüdlicher und anspruchsvoller Forscher. Das
umfangreiche, ausführliche und unerschütterliche Werk, das er hinterlieβ , besteht aus mehr als
zwanzig Bänden, die im Schnitt vierhundert Seiten haben; es zeigt, warum er nicht über Mediumismus
verfügen konnte. Er musste sich völlig seiner intellektuellen Arbeit widmen und das hat er bis zur
Erschöpfung getan. Die bescheidene Epopee dieses Mannes, dieses einsamen Forschers einer von
allen bekämpften und verspotteten Wissenschaft ist einfach groβ artig. Wenn er auch nicht mit
Mediumismus versehen war, so verfügte er im höchsten Grade über Intuition, über guten
Menschenverstand, der ihn dazu befähigte, seine Lehre zu bestärken und auf sicherer Grundlage zu
struktirieren und ganz einfach die raffiniertesten Angriffe der Intellektuellen, der Gelehrten, der
Gottlosen und der Materialisten, der kulturellen Akademien und Institutionen, der Kirchen und der
Theologen zu besiegen, indem er ihnen mit südlicher Gelassenheit und Klarheit die kühnen Irrtümer,
denen sie verfielen, zeigte. In seinen letzten Arbeitsjahren gewährte ihm die statische Mediumschaft
die Fähigkeit von den Geistern über die Fehlleistungen in seinen Schriften belehrt zu werden, wie man
es den in seinen Posthumen Werken veröffentlichen Anmerkungen entnehmen kann. Wenn die
Menschen nicht so blöde wären, wie es Richet in L’Homme stupide darlegt, hätten sie Kardec die
vielen Verdrüsse und die vielen Kämpfe, die er ausharren musste, erspart.
Um besser zu verstehen, weswegen Kardec keinen Mediumismus besaβ , braucht man sich
nur an den Fall von Swedenborg in Schweden und an den Fall von Andrew Jakson Davis in den
Vereinigten Staaten zu erinnern. Der erste war einer der gröβ ten Gelehrten des 18. Jahrhunderts, er
war ein Freund Kants und ein Vorgänger des Spiritismus. Mit einer ausserordentlichen
Hellsehenbegabung versehen, verlor er sich aber in seinen eigenen Visionen, die unsichtbare
Wirklichkeit faszinierte ihn und er gründete zuletzt eine von Absurditäten verdorbene Sekte. Der
zweite war auch Hellseher und er gab eine Reihe Bücher heraus, in denen das Phantastische die
Möglichkeiten des Wirklichen übertrifft. Kardec konnte seine Arbeit in voller Entschlossenheit
verwirklichen, weil er nicht mehr als ein Mensche sein wollte, so wie Descartes es äusserte, indem er
auf dem Boden blieb und alle geistigen Manifestationen mit dem strengsten wissenschaftlichen
Kriterium untersuchte. Das Schwierigste ist, die mediumistischen Phänomene nüchtern zu
untersuchen. Das Medium kann sich nicht vor dem emotionnalen Einfluss dieser Erscheinungen retten,
wie es Kardec im Beispiel von Flammarion bemerkte. Andererseits würde er in den misstrauischen
Augen der Wissenschaftler als suspekt gekten, wenn er Medium wäre. Durch seine entschlossene
Haltung auf dem kulturellen Gebiet und in der Forschung, holte er sich das Lob von Richet und die
Achtung von Crookes, von Zöllner und von anderen gewissenhaften Wissenschaftlern ein, diese
Haltung und vor allem seine gewaltige Logik befreiten ihn der Gefahren, auf die er selbst hinwies in
Bezug auf die komplexe und faszinierende Problematik des Spiritismus. Er musste als Mensch mit den
Menschen reden, was er auch tat, und zwar in der menschlichen Sprache derer, die die Wahrheit
suchen.

Selbst in den spiritischen Kreisen wurde Kardecs Kriterium noch nicht hinreichend
verstanden. Viele monieren seine Zurückhaltung beim Umgehen mit heiklen Themen derjenigen Zeit.
Sie verstehen den Wert des Buchs der Medien nicht und suchen ständig nach Neuigkeiten, die in
mediumistischen suspekten Werken vorgestellt werden. Sie merken nicht, dass die mediumistische
Frage erst jetzt mit mehr Leichtigkeit wissenschaftlich behandelt werden kann, dank des Fortschritts
der Wissenschaften in den letzten Jahren. Nur Wenige verstehen das modellhafte Kriterium eines
schwierigen Werkes wie Die Genese und eines Buches wie Das Evangelium nach dem Spiritismus, in
denen die brisanten Fragen des irrationalen Glaubens und der mythologischen Einflüsse umgangen
sein sollten. Diese Bücher hätten nicht mit derselben rationalen Klarheit von der Hand eines
Hellsehers geschrieben werden können, weil die mystischen Visionen ihre Bearbeitung beeinflussen
würden.

Wie alle Formen der Mediumschaft, kann das Hellsehen bei jeder Person gelegentlich
vorkommen, aber bei Mediumismusfällen kann seine permanente Aktion die Vernunft blockieren und
den Mysticismus anregen. In diesen Fällen verfällt der Mystiker fatalen Täuschungen. Der inkarnierte
Geist ist bedingt durch das Leben auf materieller Ebene und verfügt nicht über die nötige Sicherheit,
um sich mit den Problemen der geistigen Ebene auseinanderzusetzen. Aber die menschliche Eitelkeit
führt die Hellseher dazu, sich auf ihre Wahrnehmungen zu verlassen, denn dies macht sie den anderen
überlegen. In auf die Forschung ausgerichte Entwicklung auf der anderen Ebene, verschärft sich das
Problem, denn die Verlagerung des Geistes auf eine andere Aktionsebene, die nicht die seine ist,
während der Inkarnation, versetzt ihn auf die geistige Ebene, wie es einem Fremden ginge, der eine
gewisse Zeit bräuchte, um sich ihr anzupassen. Deswegen bevorzugte Kardec das Studium und die
Forschung mittels der mediumistischen Manifestationen, in denen man die Legitimität der von den
eigentlichen Bewohnern der geistigen Ebene gelieferten Informationen kontrollieren kann.

Richet warf die Frage auf, dass das Hellsehen durch den Glauben des Hellsehers bedingt sei.
Frederic Myers bewies, dass unser Geist zur Interpretation der sinnlichen Wahrnehmungen bedingt
sei. Das supraliminale Bewusstsein, wo unser Beziehungsgeist funktioniert, ist den Umständen der
Welt, in der wir leben, zugekehrt. Das subliminale Bewusstsien, das dem Unbewussten gleichzusetzne
ist, bereitet sich darauf vor, im zukünftigen Leben normal zu funktionieren, das heisst, auf geistiger
Ebene. Kardec beobachtete all dies mit groβ em Scharfsinn durch unauhörliche Forschungen, in den
mediumistischen Mitteilungen von inkarnierten Geistern, wie man es in seinen in der Spiritistischen
Zeitschrift veröffentlichten Forschungsberichten nachlesen kann. Die vor kurzer Zeit desinkarnierten
Geister beziehen sich immer auf ihre Schwierigkeit, sich den Umständen der geistigen Welt
anzupassen. Es ist also künh, dem Hellsehen Vertrauen zu schenken, um neue Prinzipien oder Systeme
der spiritistischen Praxis aufzustellen. Das Hellsehen leistet der Forschung Hilfestellung, aber es kann
nicht ihr einziges Werkzeug sein. Die Hellseher, die sich als absolute Kenner der anderen Welt
hergeben, indem sie vergessen, dass ihre sinnliche und geistige Ausrüstung dieser Welt angehört und
die sich als Meister und Erneuerer der Lehre darstellen, betrügen sich selbst und die anderen.

Man kann behaupten, dass es den Mediumismus des Hellsehens gibt. Aber dieser
Mediumismus wird nie für die Abenteur von Geistern von Lebenden auf der geistigen Ebene gewährt,
weil dies das Medium zu einer im irdischen Leben gefährlichen Dualität verurteilen würde Den
Mediumismus des Hellsehens gibt es wohl, aber um den Forschungen beizustehen oder um die
spiritistische Wahrheit zu beweisen, aber niemals um abnorme Bedingungen auf der mediumistischen
Ebene zu schaffen. Die eigentlichen mediumistischen psychographierten Werke, die mit übertriebener
Genauigkeit das Leben auf der geistigen Ebene beschreiben, müssen mit Vorsicht von den
spiritistischen Gelehrten angesehen werden. In seinem Vorwort zu einem Buches von André Luiz,
erklärt Emmanuel, dass der geistige Autor sich analogischer Bilder bedient, um Tatsachen und Dinge,
die nicht auf glaubwürdige Weise in unseren menschlichen Sprache erklärt werden könnten, zu
erläutern. Beide extreme Haltungen sind gefährlich: sowohl die, die diese Werke nicht gelten lassen,
als die, die beabsichtigen, Kardecs Werke durch sie zu ersetzen. Die Kodifikationsprinzipien können
nicht durch das Werk eines isolierten Geistes verändert werden. Die Kodofikation ist kein Werk des
Hellsehens, sondern der von Kardec unter der Anleitung und der Wachsamkeit der Hohen Geister
durchgeführten wissenschaftlichen Forschung.

Wir befinden uns in einer Phase von schnellen Begriffe- und Werteveränderungen, aber wir
dürfen nicht vergessen, dass die Begriffe und die Werte des Spiritismus sich nicht auf den jetztzigen
Moment beschränken. Es sind Begriffe und Werte, die zu unserer Vorbereitung auf dei Zukunft
bestimmt sind, daher verjähren sie nicht.

Aus all dem ergibt sich eine Zunahme der spiritistischen Verantwortung all derer, die sich der
Faszination der Neuigkeiten preisgeben. Der Spiritismus ist ein schwieriges und heikles Studiengebiet,
auf dem wir keinen Augenblick den Kompass der Vernunft ausser Acht lassen dürfen. Bei der
Behandlung von spiritistischen Themen bewegen wir uns in einem magnetischen Feld, in dem sich die
Kräfte des Guten und des Bösen bekämpfen. Wir können sie nicht immer mit Gewissheit
unterscheiden und wir können uns von verwirrenden Gedankenströmungen leiten lassen. Die Eitelkeit,
die Einbildung des Menschen, sein stets leerer Hochmut, der sich leicht von den Winden der
Mystifikation treiben lässt, der leichtfertige Wunsch, uns von der Mehrheit abzusetzen, der krankhafte
und törichte Ehrgeiz, der uns dazu führt, uns als Meister zu verkleiden, können uns zum Verrat der
Wahrheit führen. Kardecs Werk ist der Kompass, dem wir Vertrauen schenken können. Es ist der
Prüfstein, den wir dazu benutzen können, um die Legitimität oder die Unlegitimität der anscheinend
edlen Steine, die die Neuigkeitsaufspürer uns verkaufen wollen, zu messen. Dieses Werk beruht auf
Kardecs Erfahrung und auf der Weisheit von dem Geist der Wahrheit. Wenn wir ihr kein Vertrauen
schenken, so ist es besser, den Spiritismus aufzugeben. Es gibt auf der Erde keine geistigen Meister in
dieser Prüfungsstunde, die einer Prüfungsstunde in einer Schule der Welt gleicht. In Anbetracht
unserer angepassten Suche nach neuen Meistern, könnte uns Jesus antworten, so wie Abraham dem
Reichen der Parabel antwortete: „Warum sollte ich euch neue Meister senden, wenn ihr die
Kodifikation und die Evangelien mit euch führt?“

Die dynamische Mediumschaft des Mediumismus fordert, dass wir uns ständig bemühen,
dafür zu kämpfen, dass die spiritistische Wahrheit in der Welt erhalten bleibt. Aber Keiner kann diese
Schwierigkeit umgehen, ohne die Pflicht der Wachsamkeit stark zu beeinträchtigen. Die
mystifizierenden Geister rechnen nur mit zwei Stützpunkten, um uns miteinzubeziehen: die Eitelkeit
und die Unbeachtsamkeit. Es fällt ihnen leichter, sich uns zu nähern und unsere Aufmerksamkeit zu
gewinnen, als den aufgeklärten Geistern, uns mit ihren überlegten Intuitionen beizustehen. Wir
befinden uns in einer Welt der Prüfungen und der Sühne, wir sind Geister, die in einer Evolution
begriffen sind, in den meisten Fällen Wiederholer von gescheiterten Inkarnationen. Unsere
Willensfreiheit kann nicht verletzt werden, aber wenn wir die Mystifikationen von angeblichen
Erneuerern akzeptieren, benutzen wir den freien Willen für eine unglückliche Wahl. Das ist ein
wichtiger Punkt der Lehre, den wir nie aus den Augen verlieren dürfen. Unsere Verantwortung
bezüglich des Mediumismus gestattet uns keine Leichtfertigkeit, ohne dass wir den Preis in der
Gegenwart oder in der Zukunft bezahlen müssen. In einer von der Neuigkeitsbegierde und der
Erwartung von Wundersamem beherrschten mediumistischen Umwelt, sind wir immer der Gefahr
ausgesetzt, uns vom Wein der Illusionen berauschen zu lassen. Die Hauptaufgabe der Medien kann
man in zwei Wörtern zusammenfassen: Treue und Wachsamkeit. Wenn wir der Lehre nicht treu sind
und wenn wir nicht immer auf der Hut vor den Fallstricken der Finsternis sind, so werden wir uns
unterwerfen und den Wegen der falschen Propheten der Erde und des Irrtums folgen, den Weg, der
den Blinden der Parabel zur Böschung führen wird, um mit ihm einzustürzen.

Kapitel 4

MEDIUMISTISCHE ENERGIE

Seit Kardec hat die Fluidatheorie Meinungsverschiedenheiten unter den Wissenschaftlern und
den Spiritisten verursacht. Es wurde sogar vor dem Wort Fluidum gewarnt, und einige Spiritisten, die
auch wissenschaftlich tätig waren, untersuchten die spiritistische Theorie in Bezug auf dieses Wortes und
schlugen vor, die doktinäre Terminologie zu ändern. Der schnelle Forstschritt der Wissenschaften im
zwanzigsten Jahrhundert zeigte, dass Kardec Recht hatte. Die Entdeckung der hypnotischen Suggestion
schien das eigentliche magnetische Fluidum vollig ausser Kraft gesetzt zu haben, es wurde aber wieder
als Hypothese aufgenommen. Dennoch, in der von Einstein provozierten Begriffsrevolution, wurde die
Theorie des universellen Fluidums nicht vom wissenschaftlichen Feld entfernt, sie wurde nur beiseite
gesetzt, als ein für spätere Lösungen offengelassenes Problem. Die gegenwärtige Sachlage ist dem
Spiritismus völlig günstig gesinnt. Die Nuklearphysik stellt uns ein fluidales Bild des Weltalls, ein
wirkliches Gebiet der Fluida, dar. Sie erscheinen als Energieformen in den Kraftfeldern, die die
scheinbare Leere der siderischen Räume strukturieren, als Elemente, die das Leben in den
physiologischen Prozessen erhalten, als Fluktuationen von unendlich kleinen, mit einer erstaunlichen
Kraft versehenen Partikeln und sogar als wesentliche Elemente der Zeit und des Gedankens.
Die neuste Phase der Fluviographie, mit der Entdeckung der Kirliankameras auf von
elektrischer Energie in hoher Frequenz magnesitierte Felder und die letzten sowjetischen Experimente
mit diesen Kameras, die auf hochwertige elektrische Mikroskopen angebracht wurden, haben dieses
offengelassene Problem beseitigt. Das Gebiet der Fluidik wurde ins wissenschaftliche Feld wieder
aufgenommen. Wir können schon von Fluida sprechen, ohne wissenchaftlich ketzerisch zu sein. Aber
es wäre kühn, die Mediumschaft als eine Art fluidische Energie definieren zu wollen, denn, seit
Kardecs Zeit, hat sie sich als einfacher Vermittlungsprozess, das heisst, als Verkehrsprozess, erwiesen.
Die Mediumschaft an sich ist keine spezifische Energieart, sondern sieder mediumistische Vorgang
entwickelt, wie alles Existierende, durch die Verbindung von geistigen und materiellen Energien.
Heutzutage ist die Dynamik der mediumistischen Tätigkeit wohl bekannt, so wie die Geister es Kardec
erläutert haben, ohne, Kenntinsinahme der von ihm formulierten Hypothesen.

Der Geist hat in sich selbst eine Form der reinen und subtilen Energie, die wir nicht mittels
materiellen Apparaten aufnehmen und analysieren können. In der spiritistischen Theorie ist es das mit
unvemutbaren Potentialitäten versehene intelligente Prinzip. In unserer evolutionären Phase kennen
wir den Geist nur durch seine Manifestationen mittels der von ihm benutzten Energien, aber diese
Energien sind nicht der Geist, sondern die Kräfte derer er sich bedient. Die Essenz des Wesens ist eine
Wirklichkeit, die allen kognitiven Möglichkeiten der Wissenschaften entweicht. Nur die Philosophie
kann sich mit ihr auseinandersetzen mittels der Methoden des Gedankens, aber ohne sie definieren zu
können, wie sie es wünscht. Im Spiritismus behelfen wir uns des Ausdrucks intelligentes Prinzip, um
diese Essenz und ihre Natur zu definieren, denn die Intelligenz, die als die Fähigkeit, in die Essenz der
Dinge einzudringen und uns das Wissen zu vermitteln, angesehen ist, gilt für uns als ihr eindeutigster
Aspekt. In Wirklichkeit, kennen wir uns selbst nur durch die Wirkungen dessen was wir sind, nicht
durch das, was wir sind.

Die Mediumschaftsenergien und ihr Tatkraft wurden von Kardec durch seine Forschungen
und mit Hilfe der höheren geistigen Wesen definiert. Diese gewagte Definition, die lange von
Wissenden und Unwissenden bekämpft, kritisiert und verhöhnt wurde, ist heute völlig bestätigt durch
die wissenschaftlichen Forschungen der Parapsychologie, der Nukleraphysik, der Metapsychik auf
der physiologishen Ebene und so weiter und sofort. Der Spiritismus befestigt sich heute als eine
fortgeschrittene Wissenschaft, die den Fortschritt der Wissenschaften abgrenzte, von der zweiten
Hälfte des vorigen Jahrhunderts ab und die in der Zukunft noch viel zu bieten hat.

Die Gesetze, die die mediumistischen Phänomene bestimmen, wurden durch Kardecs
Forschungen erläutert, und obwohl diese unleugbare wissenschaftliche Errungenschaft über ein
Jahrhundert hinaus mit viel Ironie angezweifelt und kritisiert wurde, finden diese Gesetze, zur Zeit,
ihre Bestätigung. Dies beweist die feste Grundlage von Kardecs Werk.

Die Aktion, die der Geist auf die Materie ausübt, die ein Jahrhundert lang auf raffinierte
Weise bestritten wurde, obwohl sie in unserer eigenen organischen Struktur deutlich wird, wurde nun
von den Forschungen der sowjetischen Wissenschaftlern der Universität von Kirov, in der UdSSR, die
Materialisten sind und die spiritistische Lehre nich kennen, bestätigt. Der Einfluss dieser Entdeckung
provozierte heftige Reaktionen von Seiten der sowejtischen Regierung, die sie als Bedrohung der
ideologischen Struktur des Staates ansah. Man hörte sofort auf über die ausserordentliche,
wissenschaftliche Leistung zu berichten, das war eine Art Exkommunikation der Verantwortlichen,
aber sie wurde von den Forscherinnen der Universität vo Prentice Hall (USA), die in der UdSSR
waren und die sowjetischen Wissenschaftler interviewt hatten, verbreitet, dies genügt, um zu zeigen,
wie groβ artig diese Leistung war.

Die gröβ te und dauerhafteste Ablehnung der Wissenschaftler gegen die Schlussfolgerungen
der spiritistischen Forschungen über die mediumistischen Phänomene erwies sich im Bereich der
physischen Wirkungen. Heute noch wird, auf dem gesamten parapsychologischen Gebiet, die
eigentliche Existenz dieser Phänomene von systematischen Wissenschaftlern angezweifelt, sie halten
an materialistischen Konzeptionen oder an sektenhaften religiöse Haltungen fest. Um sich ein Bild
dieser Art Opposition machen zu könne, braucht man sich nur an die von einem bekannten Physiker
aus São Paulo über das Materialisationsphänomen geäusserte Meinung zu erinnern. Er behauptete,
dass das Phänomen theoretisch möglich sei, in Anbetracht der aktuellen Kenntnisse der Physik, aber
dass man zur Verwirklichung dieses Phänomens eine Energiemenge benötige, die nur in einem
Zeitraum von zweihundert Jahren zu erreichen sei. Dennoch wird das Materialisationsphänomen
innerhalb von wenigen Minuten produziert, sowie es die wissenschaftlichen Experimente des
Spiritismus bewiesen, übrigens kann es jeder Zeit bewiesen werden. Der Irrtum des Physikers wurde
von einem spiritischem Forscher geklärt, und zwar zeigte er, dass es ein Irrtum war, das die
wissenschaftliche Klassifikation betraf. Die Materialisation ist kein physisches Phänomen, das
zweihundert Jahre das Funktionieren des Werks von Urubupungá beansprucht, sondern ein
physiologisches Phänomen. Die Aktion, die der Geist auf das Medium ausübt verursacht die
Emanation von Ektoplasma seines Organismus. Das von Richet, dem Physiologienobelpreisträger,
entdeckte Ektoplasma speichert keine groβ e Menge an Materie, um einen wirklichen, physischen
Körper zu bilden, sondern er übernimmt nur den Perisprit oder der geistige Körper des Geistes und
verleiht ihm das Aussehen eines wirklichen Körpers. Der Physiker äusserte seine Meinung
irrtümlicherweise, wenn auch gutgläubig, über ein Phänomen, das nicht zum seinem Spezialgebiet
gehört und das schon von einem groβ en Spezialisten bestätigt worden war. Die ganze Produktion
phyischer Phänomene auf der Ebene der Mediumschaft ergibt sich durch die Erarbeitung und
Anwendung vitaler und organischer Energien des Mediums, mit der unfreiwilligen Mitarbeit der
Teinehmer der Sitzung, in der das Experiment durchgeführt wird.

Die sowjetischen Wissenschaftler, die vom Erfolg ihrer Forschungen fasziniert waren und die
sich jeglicher ideologischer Fragen fernhielten, stellten offiziell fest, in der berühmeten Universität
von Kirov, dass der Mensch einen energetischen Körper besitzt, der durch seine Vitalität und durch
die Funktionen des fleischlischen Körpers reagiert. Sie haben verifiziert, dass, in den Fällen von
Bewegung und Levitation von Gegenständen ohne Berührung, dieser energetische Körper
Energieströmungen verbreitet, die die Gegenstände, die in Bewegung versetzt werden sollen, dabei
befinden sich diese Gegenstánde auserhalb der reichweite des Mediums Es sind diese von organischer
Materie beladenen Energien, die Richet Ektoplasma nannte und es gelang dem Professor Crawford der
Universität von Belfast, der einen Lehrstuhl für Mechanik innehatte, sie in ihrer komplexen
Expansions- und Aktionsmechanik zu beobachten und er entdeckte objektiv das Funktionnieren von
Ektoplasmahebeln in der Produktion von Phänomenen. Wie man es wohl bemerkt, ist die
Mediumschaft ein Prozess von induktiver Beziehung, in dem psychophysische und geistige Energien
mitspielen. In der Parpsychologie wurde dies durch viele Forschungen bewiesen. Professor Rhine
unterschied die zwei Energietypen, in dem er das Denken als ausserphysisch bezeichenete. Dei
geistigen Energien sind spiritueller Natur und provozieren materielle Reaktionen im Gehirn. Die
geistigen Energien, die Rhine als ausserphysisch bezeichnete, sind den physischen Gesetzen nicht
unterworfen. Sie unterliegen nicht der Schwerkraft, sie verschleissen nicht während sie sich in eine
gewissen Entfernung projizieren und sie werden von keinerlei physischen Schranke angefangen. Mit
der Absicht zu demonstrieren, dass sie nur eine neue Art physischer Energien sind, führte Vassiliev in
der UdSSR Experimente durch, die völlig scheiterten. Auf diese Weise wurde die spiritistische These
der Existenz von typischen geistigen Energien auch wissenschaftlich bewiesen. Die theoretischen
Debatten diesbezüglich werden natürlich fortgesetzt, aber worum es in der Wissenschaft geht, das sind
Tatsachen und keine Meinungen. Und, wie immer, bleiben die Tatsachen der spiritistischen Lehre
treu. Die Mediumschaft verfügt über diese beiden Energietypen, aber, was sie selbst betrifft, so ist sie
keine von beiden. Es gibt keine spezifische mediumistische Energie, sondern nur die Kontrolle, die der
Geist über die Materie ausübt. Diese Kontrollaktion ist dieselbe wie die, die die Welt und alle
Wirklichkeit geschaffen hat, als der Geist ( in diesem Fall das intelligente Prinzip) die
Materienpartikeln vereinigte und ihnen vielfältige Strukturen verlieh. Die Beziehung Geist-Materie ist
eine universelle Konstante, die besonders in den vitalen Phänomenen bemerbar wird: im pflanzlichen,
im tierischen, im menschlichen Bereich. Aber der mediumistische Akt ist der Konzentrationspunkt in
dem ihre Gestze sich mit gebührender Klarheit den Wissenschaftlern offenbaren. Es ist natürlich, dass
es den Wissenschaftler, die den spiritistischen Fragen fremd gesinnt sind, schwer fällt, diese These zu
akzeptieren. Ausserdem, wie es Professor Remy Chauvein des Institut des Hautes Études von Paris
bemerkte, besteht im wissenschaftlichen Milieu eine beunruhigende [erschreckende] Zukunftsallergie.

Vor kurzer Zeit wurde in Rio de Janeiro die Entdeckung eines neuen auf dem Induktionprinzip
beruhenden Typen von spiritistischem Phänomen kundgegeben. Es handelte sich um die Induktion der
pathologischen Zustände von Geistern, die den menschlichen Geschöpfen unterlegen sind. Dieses so
oft von Kardec behandelte Phänomen weist nichts Neues auf und fügt sich auf natürliche Weise in das
Kapitel der Obsessionen ein. Jeglicher mediumistische Prozess ist induktiver Natur. Im System der
induktiven Beziehung der Mediumschaft funktionnieren der Geist und das Medium wie
kommunizierende Röhren. Selbst die Hypnose ist ein induktiver Prozess, was Kardec dazu geführt hat,
die enge Beziehung zwischen Hypnose und Mediumschaft zu betonen. Der bewusste Obsessor übt
eine hypnotische Aktion auf den von der Obsession Verfolgten aus. Diese Fragen bedürfen einer
sorgfältigen Studie von Seite derer, die sich mediumistischer Arbeiten widmen, haupsächlich wenn sie
eine Führungsposition innehaben. Viele Irrtümer und viele Desillusionen in der mediumistischen
Praxis ergeben sich ausschlieβ lich aus dem Mangel an Kenntnis der Natur und der Dynamik der
Mediumschaft.

Kapitel 5

DER MEDIUMISTISCHE AKT

Der mediumistische Akt ist der Moment, in dem der sich mitteilende Geist und das Medium
sich in der psycho-affektiven Einheit der Kommunikation vereinigen. Der Geist nähert sich des
Mediums und bezieht ihn in seine geistigen Vibrationen ein. Diese Vibrationen werden von seinem
spirituellen Körper ausgestrahlt und sie erreichen den spirituellen Körper des Mediums. Bei dieser
vibrierenden Berührung, die einem leichten Elektroschock gleicht, reagiert der Perisprit des Mediums.
Die fluidische Vereinigung findet statt. Eine Veränderung im Psychismus von beiden geht gleichzeitig
vor sich. Jeder assimiliert ein bisschen vom Anderen. Eine visuelle Wahrnehmung dieses
Augenblickes ergreift den Hellseher, der das Glück hat, sie aufzunehmen. Die perispritischen
Ausstrahlungen projizieren auf das Gesicht des Mediums die durchsichtige Maske des Geistes. Dann
versteht man den tiefen Sinn des Wortes Intermundium. Da sind, vereinigt und gleichzeitig
verschieden, das strahlende Antlitz des Geistes und das menschliche Antlitz des Mediums, die durch
den sanften Glanz der spirituellen Wirklichkeit erleuchtet sind. Diese Überlappung der beiden Ebenen
gibt den Hellsehern den Eindruck, dass der sich mitteilende Geist, sich dem Medium einverleibt hat.
Daher bezeichnet man irrtümlicherweise die mündlichen Manifestationen als Einverleibung. Was da
vor sich geht, ist keine Einverleibung, sondern eine gegenseitige psyschiche Durchdringung, wie die
des Lichtes beim Durchbrechen einer Glasscheibe. Der Geist, der mit den vitalen Zentren von beiden
verbunden ist, ist ergriffen dadurch, dass er wieder in die Empfindungen des irdischen Lebens
integriert ist, ohne das Gewicht des Fleisches zu spüren. Das Medium, seinerseits, erfährt die
Leichtigkeit des Geistes, ohne das Bewusstsein seiner fleischlichen Natur zu verlieren, und es spricht
nach dem Hauch des Geistes, wie ein Dolmetscher, der sich nicht die Mühe des Überstzens macht.

Der natürliche mediumistische Akt ist dieser Augenblick der affektiven Synthese, in dem
beide Lebensebenen das Geheimnis des Todes offenbaren: ein einfaches sich Entkleiden des schweren
Taucheranzugs der dichten Materie.

Der normale mediumistische Akt ist eine zweite Auferstehung, die sich gerade im spirituellen
Körper erweist, der, laut dem Apostel Paulus, der Körper der Auferstehung ist. Der Geist kehrt zum
Fleisch zurück, nicht zu dem, das er im Grab hinterlieβ , sondern zu dem des Mediums, der ihm, als
Liebesbeweis, die Gelegenheit gibt, zu den Herzen derer, die er auf Erde zurückgelassen hat,
zurückzukehren. Die Schönheit des Wiedersehens eines Sohnes mit seiner Mutter, die das Medium
ängstlich in ihre Arme schlieβ t und es mit der Innigkeit der mütterlichen Sehnsucht küsst, entschädigt
das Medium der Grausamkeit derer, die ihn beschuldigen, Hexerei zu betreiben. Bei
Materialisationsfällen, gibt es nichts Schöneres als Lombroso zusammen mit seiner Mutter, die durch
die Mediumschaft von Eusápia Palafino materialisiert ist, in der Sitzung, zu der ihn Professor Chiaia,
aus Mailand, mitnahm. Eusápia war eine analphabetische tausendfach verleumdete Bäuerin. In der
Zeitschrift Luce e Ombra, nahm Lombroso, der Gründer der Kriminalanthropologie, seine heftigen
Aufsätze gegen den Spiritismus zurück und, ganz ergriffen, erklärte er: „Kein einziger Riese des
Denkens und der Kraft könnte mit mir tun was diese kleine analphabetische Frau mit mir getan hat:
meine Mutter aus dem Grab herausziehen und sie meinen Armen zurückgeben!“. Frederico Fígner, der
den Phonographen in Brasilien einführte, nahm seine untröstliche Frau nach Belém, im Bundesstaat
Pará, mit, in der Hoffnung, ihre Tocher Rachel wiederzutreffen, sie hatten sie verloren, was sie beide
fast zum Wahsinn brachte. Sie suchten das Medium Ana Prado, auch eine Frau vom Lande, auf, und
während einer Sitzung mit ihr, erschien das materialisierte Mädchen und es ermutigte seine Eltern,
dem Fall mit Gelassenheit entgegenzutreten, denn sie war ja da lebendig, sie sprach und küsste sie, sie
setzte sich auf ihren Schoβ und bewies ihnen, dass sie nicht gestorben sei. Bei seiner Rückkehr in Rio
de Janeiro, widmete sich Fígner, von nun an, dem Spiritismus. In seinem Herzen und in dem seiner
Frau war das Feuer des Glaubens entfacht, dies war aber nun ein unerschütterlicher auf die Vernunft
und auf Tatsachen beruhender Glaube.

Wenn der mediumistische Akt so vollkommen und klar und von einer aufgeklärten und dem
Guten gewidmeten Mediumschaft erleuchtet ist, gibt es keinen Riesen – wie im Falle von Lombroso –
der sich nicht ehrfürchtig vor dem Geheimnis des unsterblichen Lebens verneigt. Das Medium wird
zum Werkzeug der unmöglichen Auferstehung und es beweist den Menschen, dass der Tod nichts ist
als der Zeitraum im Intermundium, der die Lebenden im Fleische von den Lebenden im Geiste trennt.
Dann versteht man das Phänomen der Auferstehung Jesu, die nicht der göttliche Akt eines Gottes war,
sondern der mediumistische Akt eines Geistes, der durch sein Wissen und seine Reinheit, die
Geheimnisse der Unsterblichkeit beherrschte.

Wenn der mediumistische Akt nicht mit der Reinheit und der Schönheit einer Liebesmitteilung
versehen ist, so weist er die Wärme der menschlischen Solidarität auf und ist von der christlichen
Nächstenliebe erleuchtet. Während einer gewöhnlichen Sitzung geistigen Beistandes, nähern sich
Medien der um den Tisch sitzenden Medien, der bereitstehenden Belehrenden, der leidenden Geister
und der bösartigen und rachsüchtigen Geister, unter der Kontrolle der spirituellen Betreuer, mit dem
Wunsch, sie zu bedienen. Der Rahmen ist völlig verschieden von dem oben geschilderten. Es gibt
weder Gelassenheit noch Schönheit bei den sich mitteilenden Geistern, weder Glanz noch
Durchsichtigkeit in ihrem Antlitz. Da ist Verzweiflung, Schmerz, Ausdruck der Widerspenstigkeit
oder rachsüchtiger Ungestüm zu sehen. Die Medien fühlen sich unruhig, oft ängstlich. Die
Annäherung der sich mitteilenden Geister ist unbequem, unangenehm. Die perispritischen Vibrationen
sind rauh und düster. Der Hellseher ist benommen von diesen schweren und finsteren Figuren, die den
Gesichtsausdruck der Medien verstört. Aber in dem Maβ e, in dem die inkarnierten Belehrenden mit
ihren Vibrationen und mit ihren brüderlichen Argumenten den Hilfsbedürftigen beistehen, verändert
sich das Bild mit den zittrigen Lichtern, die sich in den gestörten Köpfen entzünden. Die spirituellen
Betreuer erscheinen, um den Belehrenden zu helfen, und ihre Vibrationen beschwichtigen die Unruhe
im Raum. Das ist eine mühsame Arbeit. Widerspenstige Geschöpfe, die im Bösen verharren, weigern
sich, die negative Wirklichkeit, in der sie sich befinden, zu verstehen. Geister, die den bitteren
Inkarnationsschmerzen unterliegen, werden unruhig. Diejenigen, deren Herzen von Ungerechtigkeiten
und Verrat zermalmt sind, fordern Rache und äussern schreckliche Bedrohungen. Aber die
brüderlichen Worte, die mit Güte und Liebe beladen und durch die Evangeliumszitate erleuchtet sind,
dämpfen allmählich die Hassausbrüche. Manchmal macht sich die Autorität eines Führers oder eines
erhabenen Geistes bemerkbar, damit die Aufrührerischsten verstehen, dass sie einer überzeugenden,
aber energischen Kraft unterliegen. Eine Person, die das Problem nicht kennt, glaubt, sie befinde sich
in einer unkontrollierten Irrenanstalt oder wohne einem Psychodrama von verzweifelten Hysterikern
bei. Systematische Psychologen lachten mit Verachtung darüber. Der Leiter der Arbeiten gleicht
einem Laien, der mit gefährlichen Sprengstoffen spielt. Fanatische Angehörige dogmatischer Sekten
glauben, sie wohnen einer teuflischen Besessenheit bei. Aber die Sitzung geht zu Ende bei völliger
Beruhigung im Raum. Ein freundlich gesinnter Geist spricht ein paar Dankesworte. Schweigend,
hören alle dem abschlieβ enden Dankgebet zu, das an die gütigen Geistern, die ihren Beistand
geleistet haben, um den leidenden Schatten zu helfen, gerichtet ist. Es ist seltsam, dass sich alle wohl
und zufrieden über die Ergebnisse der Arbeiten fühlen. Die begünstigten Personen sprechen über ihre
Besserung. Es herrscht eine friedliche, liebevolle und zufriedene Atmosphãre, ob der erfüllten
Aufgabe.

In einer Austreibungssitzung für schwierige Fälle, mit wenigen Elementen, mit wenigen
Beistandleistenden, ist der Verkehr heftig, die Medien leiden, stöhnen, schreien und weinen. Der
Führer und die Belehrenden verhalten sich ruhig, scheinbar gelassen, und die Belehrenden benutzen
überzeugende Worte und gutartige Haltungen. Keine heftigen Bedrohungen und keine Vorwürfe, wie
in den veralteten Durchführungen des archaischen Exorzismus, die aus den Tiefen von Ägypten, von
Mesopotamien und von Palestina kommen. Keine brennenden Kerzen, keine sakramentalen Symbole,
keine Austreibung von teuflischen Wesen. Die benutzte Technik dient zur Überzeugung, zur
rationalen Aufklärung. Es kommt ein fünfzehnjähriges Mädchen, das von seinen Eltern getragen wird.
Seit einer Woche schlief es in kataleptischem Zustand. Bei den ersten Versuchen, es zu wecken,
bewegt es sich und steht wütend und schreiend auf. Vier oder fünf Männern gelingt es nicht, es
zurückzuhalten, es scheint als sei es MIT unzähmbarer Kraft versehen. Aber allmählich beruhigt es
sich, es weint leise und kehrt zu seinem natürlichen Stand, dem eines anmutigen und zerbrechlichen
Mädchens, zurück. Es verlässt die Versammlung als wäre nichts geschehen. Fröhlich verabschiedet es
sich. Es läuft auf die Straβ e und steigt in das Auto, das es hergebracht hatte, als käme es von einem
Spaziergang zurück. Der mediumistische Akt war heftig, erschreckend. Aber das Ergebnis des Gebets,
des Handauflegens, der liebevollen Unterweisungen war erstaunlich. Wenige haben bemerkt, dass in
diesen Kinderkörper die Krallen der Rache sich festgenagelt hätten und versuchten den barmherzigen
Schleier, der die Hassgefühle der Vergangenheit verhüllt, zu zerreissen.

Im mediumistischen Akt gewinnt das menschliche Geschöpf die vergessenen Zeiten zurück
und sieht sich auf dem Bildschirm der toten Erfahrungen. Und wiederum erscheint ihm der Tod wie
eine rein sinnliche Illusion, denn alles, was in einem Grab verschwunden war, wird in den bitteren
Wassern der Prüfung wiedergeboren. Die Mediumschaft funktionniert wie ein äusserst sensibler
Radar, der sich den verlorenen Wege zuwendet. Dem Bildschirm des Gedächtnises gelingt es nicht
immer, die entfernten Bilder wiederhervorzubringen, aber in den Tiefen des Unbewussten warten
antifreudsche Verdrängungen auf die barmherzige Katharsis der absurden Kommunikation, in der die
Dialoge der Nächstenliebe aus schreklichen Missverständnissen zu sprieβ en scheinen. Eine Frau
verstand nicht, warum der angerufene Geist sie von Grausamkeiten, die sie nie begangen hatte,
beschuldigte und sie Gräfin nannte. Sie glaubte, dass all dies nur eine Posse oder ein
Wahsinnsmoment sei. Aber als sie, unter dem Ratschlag des Belehrenden, den Foltergeist um
Verzeihung bat und weinte, ohne es zu wollen und ohne zu wissen warum, fülhte sie sich zutiefst
erleichtert und in den folgenden Tagen verschwanden ihre Leiden. Die Tränen eines Geschöpfes, das
durch die Amnesie unschuldig wurde, können ein von der Rachsucht verrohtes Herz erschüttern. Aber
wer wird das Treffenm, das zu einer Bereinigung der alten Irrtümer und Verbrechen nötig ist,
ermöglichen, wenn das Medium sich nicht, in freiwilliger Aufopferung seiner selbst, anbietet, um mit
den Worten des Meisters zu beruhigen?

Die spirituelle Verantwortung des Mediums wiederspiegelt sich in jeder seiner Taten von
mediumistischer Nächstenliebe. Der Mediumismus ist keine von den Menschen erfundene rituale
Weihe. Sie geht aus den natürlichen Gesetzen hervor, die Bewusstseinsbewegungen im Flieβ en der
Zeit, im Aufeinanderfolgen der Generationen und der Wiedergeburten bestimmen. Ein
mediumistischer Akt ist die Erfüllung einer Aufgabe, die man vor dem Gericht Gottes, der im
Bewusstsein jedes von uns weilt, auf sich genommen hat. Wenn das Medium versucht, sich dieser
Aufgabe zu entziehen, betrügt es sich selbst, in dem es glaubt, Gott zu betrügen. Sein eigenes
Gewissen wird es übernehmen, es zu verurteilen, wenn die Stunde des unanfechtbaren Urteils
schlagen wird. Nichts rechtfertigt die Flucht vor einer auf Kosten des Opfers von anderen erdachten
Verpflichtung. Die moralischen Gesetze des Gewissens sind genauso unveränderlich wie die
materiellen Naturgesetze. Unser Beziehungsbewusstsein nimmt nur die unmittelbare Wirklichkeit, in
der wir uns befinden, auf. Aber das tiefe Bewusstsein behält die unauslöschliche Aufzeichnung aller
Verpflichtungen, die wir in der Vergagenheit auf uns genommen haben, und aller moralischen
Schulden, von denen wir dachten, sie im Lethefluss, dem Fluss der Vergessenheit der alten
Mythologien, gelöscht zu haben. Der Lethe ist auf den trockenen Hängen des Olymp, des leeren
Zönakels der antiken Götter versiegt. Heute haben wir nur einen Gott, der uns weder von der Spitze
eines Berges bewachen noch uns seine Gesetze diktieren, damit wir sie auf Marmortafeln schreiben,
muss. Diese Gesetze sind in unserem eigenen Fleisch eingebrannt. Unsere Handlungen bestimmen
zeitlich die Situationen, in denen wir uns in jeder Existenz befinden. Und der Mediumismus ist der
Ausweis, den Gott uns gewährt, um uns von unserer Vergangenheit zu befreien durch einen einzigen
Akt, den schönsten und ehrwürdigsten von allen, das ist der mediumistische Akt.

Die mediumistische Verantwortung wurde uns nicht als Strafe auferlegt. Wir haben sie selbst
auf uns genommen in der Hoffnung einer Erlösung, die nicht vom Himmel kommen wird, sondern von
der Erde, je nach dem ob wir in unserer Existenz den Planeten durchquert haben in einem Tränenmeer
oder durch Wege, die die von uns gesäten Opfer und Entsagungen mit Blumen schmücken. Wir haben
die Zukunft in der Hand, die unmittelbare Zukunft, von einem Tag zum anderen, und die entfernte
Zukunft, die uns in den Umlaufsbahnen der Erde um die Sonne, erwartet. So kommen wir zur
Schlussfolgerung, dass die Gegenwart schnell vorbeigeht, aber die Vergangenheit erscheint wieder an
jeder Ecke der Gegenwart und der Zukunft.

Kapitel 6

DER MEDIUMISMUS

Die primitiven Formen des Mediumismus stammen aus den Urwäldern und aus den eiskalten
und trockenen Gegenden, in denen das Leben des Menschen in rudimentären Bedingungen
weiterbestand. Der Mensch ist ein mediumistisches Wesen, seine ganze Entwicklung folgte der
Tendenzen der Evolution von seiner mediumistischen Potentialität. Die Idee der Gottheit, einer
höheren Macht, die die Welt schuf, ist dem Menschen angeboren, sowie es die anthropologischen
Forschungen beweisen. Aus dieser Grundideee, in Einklang mit dem geheimnisvollen und mit
seltsamen Wesen bevölkerten Wunder der Welt, entstand die Magie. Das magische Gefühl der Welt
stellte die Beziehungen zwischen den Menschen und den Dingen und den anderen Wesen her. Der
Begriff von der Macht der Dinge und der Wesen spross naturlich aus den Erfahrungen, die man im
Kampf zum Überleben machte. Das im Buch der Geister untersuchte Anbetungsgesetz führte die
primitive Einbildungskraft zu dem ritualen Kult der Sonne, des Mondes, der mit Wolken gekrönten
Berge, der groβ en geheimnisvollen Flüssen und so weiter. Die Verehrung der mächtigen Führer
entwickelte die Unterwerfungsriten, die sich von den pagés, den Indiozauberpriestern, und von den
Schamanen, den magischen Priestern der Stämme und der Horden, die mit mediumistischen Kräften
begabt waren, übernommem wurden. Die magischen Prozesse entwickelten sich durch mediumistische
Manifestationen. Der Weg zur Entwicklung der mythologischen Religionen und der offenbarten
Religionen öffnete sich, letztere beruhten auf dem Glauben an die Menschengötter, die die
Geheimnisse des Lebens und des Todes kannten. Die spirituelle Evolution des Menschen öffnete die
Phase der groβ en Religionen in den Gegenden, in denen die Zivilisation schon fortgeschritten war.
Die mediumistischen Begabungen bestätigten aufs Neue den Glauben an die göttlichen Kräfte, durch
Phänomene, die mit diesen Kräften versehene Individuen produzierten.
Der von Emmanuel geschaffene Ausdruck Mediumismus bezeichnet die primitiven Formen
der Mediumschaft, die dem primitiven Glauben und den primitiven Religionen zu Grunde liegen. Alle
Formen der primitiven Religionen, ohne jegliche kulturelle und intellektuelle Entwicklung, sind durch
magische Gebräuche, die mit dem Mediumismus verbunden sind, gekennzeichnet. Die durch den
Sklavenhandel verpflanzten afrikanischen Religionen, die sich mit den indianischen und primitiven
Religionen dieser Länder vermischten, verbreiteten auf dem amerikanischen Kontinent verschieden
Formen von Mediumismus. Der natürliche Prozess des religiösen Synkretismus, der schon in Afrika
mit der Vermischung der Stammesreligionen mit dem Islam und dem Katholizismus begonnen hatte,
gab diesen Formen einen neuen Antrieb, die sie der reliogösen Institutialisation näher kommen lieβ .

Der Unterschied zwischen Mediumismus und Mediumschaft besteht in der Frage der
Bewusstmachung des mediumistischen Problems. In den primitiven Religionen dachte man nicht über
die Phänomene und über ihren Sinn und ihre Natur nach, man war ja auch nicht in der Lage dazu. Man
beschränkte sich darauf, die Tatsachen zu akzeptieren und versuchte sie zu praktischen, objektiven
Zwecken zu benutzen. Die Mediumschaft ist der entwickelte, rationalisierte Mediumismus, den man
der religiösen und philosophischen Reflexion und den wissenschaftlichen Forschungen unterzieht, die
zur Aufklärung der Phänomene, seiner natur und seiner Gesetze nötig sind. Während der
Mediumismus die magische Erbschaft der Vergangenheit in sich aufnimmt und sich mit Religionen,
Glauben und Aberglaube aller Art vermischt, lehnt die Mediumschaft Infiltrationen ab, die ihre
rationale Natur beeinträchtigen können und ihre natürliche Entwicklung gefährden. Durch ihre
Eingliedeung in die Struktur des Spiritismus, der sie mittels seiner kulturellen und wissenschaftlichen
Institutionen untersucht und erforscht, wird die Mediumschaft immer mehr zu einem spezifischen
Gebiet der Kenntnistheorie, die notgedrungen ihre Rechte auf der Ebene der allgemeinen Kultur des
nächsten Jahrhunderts anerkennen werden muss.

Es ist seltsam, dass alle Religionen und spiritualistischen Gedankenströmungen die


Mediumschaft abgelehnt und verurteilt haben, nur der Spiritismus erkennt ihren vollen Wert und ihre
grundsätzliche Bedeutung in bezug auf das menschliche Leben auf Erden und auf seine zukünftige
Entwicklung in der spirituellen Welt an. Die Religionen weisen auf die teuflische Natur der
Mediumschaft hin, die hochentwickelten spiritistischen Lehren behaupten sie sei ein niedrigeres,
gefährliches Wissenschaftsgebiet mit suspekten und gefährlichen Manifestationen, man schreibt ihr
die Verantwortung für den Wahnsinn der Welt zu, die kulturellen Kreise drängen sie in eine
Aussenseiterposition und sie wird ständig von den Wahrheits- und Weisheitsinhaber, so wie es
Christus und das Christentum waren, angegriffen. Jedoch wächst das Interesse für die Mediumschaft
ständig in der Welt, denn die eigentliche wissenschaftliche Entwicklung mündete schlieβ lich in das
Delta der paranormalen Phänomenologie und somit wurde sie gezwungen, der Realität der
mediumistischen Tatsachen auf allen Kenntnisgebieten zu begegnen und sie anzuerkennen. Die
Vorurteilee, die Idiosyncrasien, das Unverständnis der Menschen sind unwichtig, denn die
Wirklichkeit bittet Keinen um die Erlaubnis, das zu sein was sie ist.

Die Spiritualisten beschäftigen sich nicht nur mit dem Schutz und der Verteidigung der
Mediumschaft, sie interessiern sich natürlich auch für das Studium und die Forschung der
Mediumismusfragen, das ist, sozusagen, der rustikale und reiche Boden aus dessen tausendjährigen
Ausgrabungen die edlen Erze der Mediumschaft gewonnen wurden. In den verschiedenen Formen des
afro-amerikanischen religiösen Synkretismus bricht die Mediumschaft vielfach aus, wie
vielversprechende Pflanzenbüschel, die den rauhen Boden der terreiros der Zentren durchbrechen. Da
diese erstaunlichen Mediumschaften in den synkretischen Kreisen keine günstige Umgebung finden,
verpflanzen sie sich in den spiritistischen Boden, um da zu blühen und Früchte zu tragen. Wir könne
den Mediumismus nicht verurteilen, denn dann würden wir die Quelle, die uns mit Waaser versorgt,
verurteilen. Es gibt reiche Phänomenenadern im fruchtbaren Boden des Mediumismus, die die
spirististischen Forscher erwarten.

Was wir verurteilen, das ist der Missbrauch der Praktiken der Mediumschaft, der auf den
terreiros getrieben wird, nicht nur von Personen, die weder geschult noch gebildet sind, sondern auch
von Personen, die genug kulturelle Reife besitzen, um zu verstehen, welchen Fehler sie begehen, somit
tragen sie zur Verbreitung, mitten in der Zivilisation der kosmischen Ära, des gröbsten Aberglaubens
der entlegenen menschlichen Vergangenheit, bei. Dieser Missbrauch ist umso schlimmer desto
bewusster er von Personen, die nur daran interessiert sind, ihre finanziellen, politischen, moralischen
und gesellschaftlichen Probleme zu lösen, getrieben wird. Diese Zielsetzungen und die dazu benutzten
Mittel waren völlig berechtigt im Urwald, wo die primitive Mentalität, die sich nur an konkreten
Dingen, ohne intellektuelle Dimension, festhielt, keine erhabeneren Ziele erreichen konnte. Aber der
zivilisierte Mensch, der sich solchen groben, mit niederen Wesen verbundenen Praktiken, hingibt,
handelt wie ein unbewusster, unreifer Mensch, der keine Vorstellung von seiner eigenen
Verantwortung, im Hinblick auf die Umwelt, in der er lebt, hat. Jeder erworbene Kenntnisbruchteil
steigert die moralische Verantwortung des Menschen in der Gesellschaft. Diese Verantwortung
bezieht sich nicht nur auf die persönliche und familiäre, sondern auch auf die gesellschaftliche Ebene.
Derjenige, der sich barbarischer Praktiken bedient, um Vorteile in der zivilisierten Umwelt zu
erreichen, indem er sich an schon überholten Phasen der menschlichen Evolution festhält, verrät sich
selbst und die Umwelt, in der er sich befindet. Ausserdem, verpflichtet er sich negativen Kräften der
niederen, spirituellen Ebene, die sich die geleisteten Dienste, gut oder schlecht, mit oder ohne
Ergebnis, von den unvorsichtigen Kunden teuer bezahlen lassen.

Der Mediumismus ist in mehrere Zweige aufgeteilt, die den afrikanischen Völkern, aus denen
sie stammen, entsprechen. Und es gibt evolutionäre Grade in seinen mediumistischen Praktiken. In
den terreiros des Umbanda sind die Praktiken erhabener und dem Guten zugekehrt. In den terreiros des
Quimbanda bekunden das Blut von Tieren und das Verbrennen von Pulver die Brutalität der
barbarischen Rituale, die in den Stämmen zur Verteidigung dienten und in den zivilisierten Kreisen zu
bösartigen Praktiken, die sich gegen Rivale und Gegner richten. Aber es gibt die terreiros, wo sich
beide Tendenzen überkreuzen, allgemein Aruanda genannt, wo sowohl das Gute für die Freunde als
auch das Böse für die Feinde praktiziert wird. Die rituellen Tänze des afrikanischen Candomblé haben
ihr brasilianisches Gegenstück in den Indiotänzen der Poracê. In vielen terreiros des Umbanda dringen
auch die bösartigen Praktiken ein. Die mediumistischen Kräfte werden unter der Magie der
barbarischen Rituale entwickelt. Die Anhänger des Synkretismus pflegen zu sagen, dass die Praktiken
der terreiros stärker und kraftvoller seien als die der mesa branca, des weissen Tisches, wie man
volkstümlicherweise die spiritistischen Sitzungen bezeichnet, eine Bezeichnung, die vom Aberglauben
herrührt, der, hauptsächlich in den ländlichen Gegenden, fordert, dass man ein weisses Tischtuch für
den Sitzungstisch benutzt, weil die weisse Farbe die reinen Geister anzieht. Der von den heftigen
Praktiken herrührende Kraftaberglaube weist auf die Inversion der spirituellen Werte hin, Inversion,
die aus dem Urwald kommt, wo die rohe Kraft das Gesetz ist. Die Macumba, mit ihren despachos, ist
eine Praktik, die aus der entlegensten Antiquität stammt. Macumba ist ein Blasinstrument,
normalerweise aus Bambus, auf dem man spielt, um die Geister des Waldes zu locken , und, im
Gegensatz zu dem, was man normalerweise denkt, ist der despacho, nicht die Opfergabe von Speisen
und Getränken, die man an den Kreuzungen oder an den Straβ enecken niederlegt (städtische
Adaptation des wilden Rituals), aber das Senden von niederen Geistern, um die beabsichtigten
Personen anzugreifen. Die Opfergabe gilt als Bezahlung, die die Wirksamkeit des Angriffs
gewährleistet. Obwohl die aggressiven Geister die Speisen nicht essen und die Getränke nicht trinken
können, atmen sie die Düfte, die sie austrahlen ein, so wie es die mythologischen Götter taten und so
wie es der biblische Jahwe, der jüdische Gott, auch tat, wie man es den biblischen Schriften entnimmt.
Bei der Beschreibung der Sintflut, im Buche der Genesis, lesen wir, dass Noah einen Altar auf dem
Araratberg errichtete, um Gott für die Rettung seiner Familie zu danken. Es wurden Speisen aus
rauchendem Fleisch auf den Altar gelegt, und Jaweh erschien, um die Düfte der Speisen einzuatmen.
Es ist unglaublich, dass heute noch die christlichen Kirchen akzeptieren, dass dieser gefrässige Jahweh
der allerhöchste und einzige Gott, den Jesus in seinen Predigten dem damaligen Polytheismus
entgegensetzte.

Diese synkretischen Praktiken, in denen die primitive Mentalität hervorherrschte, sind das
Gegenteil der spiritistischen Praktiken, die aus Gebet, Meditation, Handauflegen (wie im Evangelium)
und aus der wohltätigen Belehrung der leidenden und rachsüchtigen Geister besteht. Diejenigen, die
dies Spiritismus nennen, machen es aus Unredlichkeit oder aus Unwissenheit. Als Hinweis dafür,
finden wir in diesem Kapitel eine Illustration der Unwissenheit von Soziologen und Ärzten, die in
ihren Arbeiten das Wort Spiritismus benutzen, um die Manifestationen des primitiven Animismus und
des barbarischen Mediumismus zu bezeichnen. Wir müssen immer diese Entartung des Wortes
verwerfen, ein Wort, das Kardec als Gattungsname schuf und das er aus einer wissenschaftlichen und
philosophischen Lehre, die von der Lehre der erhabenen Geister kommt, entnahm. Der Spiritismus ist
nur die Lehre, die sich in Kardecs Werken befindet und die Lehre derer, die die Arbeit des Meisters
weiterführten, ohne seine Grundprinzipien zu verraten.

Der gefährlichste Punkt dieser barbarischen und unmenschlichen Praktiken liegt in der Frage
der mediumistischen Evolution des Menschen. Diese abergläubigen Praktiken und Glauben
entsprachen den primären Bedurfnissen der primitiven Menschen. Sie waren gut für den Urwald, sie
halfen den Wilden, an eine überlegene Macht zu glauben und sie zu respektieren. Auf den zivilisierten
Menschen angewandt bedeuten sie einen evolutionären Rückschritt seiner Mentalität und seiner
Persönlichkeit. Die psychische Anpassung des zivilisierten Menschen an diese rudimentären und
groben Systeme verursacht psychische und geistige Anpassungsschwierigkeiten, die schlieβ lich
ernste Unausgeglichenheiten in sensitiven Geschöpfen erzeugen, sie sind von den heftigen Blut- und
Pulverritualen und von den allgemeinen Umständen der barbarischen Praktiken betroffen. Der
kulturelle Unterschied an sich schockiert schon und die Ungleichheit verstummt in den
Zentrenbesuchern, die einen höheren Grad an geistiger und moralischer Evolution haben. Man spürt
die Wiederherstellung des archaischen Ansehens der Goécia, der berühmten schwarzen Magie der
Antike, die die westliche Welt bis Ende des Mittelalters beherrschte. Die Forschungen von Albert de
Rochas über Hexerei, die mit Daten von den mittelalterlichen Prozessen des Vatikanarchivs illustriert
sind, zeigen die Brutalität dieser Praktiken in jener Zeit, in der Priester und Adelige von den
kirchlichen Gerichten verurteilt werden mussten. Der Einfluss dieser Verurteilungen hat sehr viel dazu
beigetragen, dass die feste religiöse und theokratische Struktur des Jahrtausends untergraben wurde.
Die Faszinationskraft der magischen Systeme zog mit Leichtigkeit Hauptvertreter des Klerus und der
Politik mit ein, auf Grund des brutalen Überbleibsels der Vergangenheit ind den psycho-affektiven
Schichten der Bevölkerung, sogar in den höheren Gesellschaftsschichten.

Der natürliche Hang des Menschen zum Geheimnisvollen und zum Wundersamen regt die
Gemüter an und führt die menschlichen Geschöpfe und Gruppen zu wahren Delirien, in denen die
Werte der Zivilisation im Sumpf der Leidenschaften untergehen. Aber das Schlimmste ist, dass die
menschliche Würde völlig zermalmt aus diesen Stadien der Rückkehr zur Barbarei herauskommt, und
sie braucht Jahrhunderte dazu, um sich wiederherzustellen. Es ist nicht der Mediumismus, der dafür
verantwortlich ist, aber das Festhalten des Menschen an den weltlichen Interessen und sein Begehren,
um leichter und sicherer den Sieg davon zu tragen, unter dem vermuteten spirituellen Schutz von
ungebildeten und groben Geschöpfen. Der Mediumismus ist gerade das natürliche Werkzeug, worüber
der Mensch verfügt, um sich zur Ebene der Mediumschaft zu erheben und seinen Stammeszustand zu
transzendieren. Aber wenn der Mensch sich dem Atavismus der magischen, und dadurch fanatischen
Religiosität hingibt, bedient er sich, in diesen klassischen Formen der toten Zivilisationen, des
Mediumismus, um die vohergehenden Selbsmorde zu wiederholen. Der Automatismus der primitiven
Prozesse führt ihn dazu, die selben Fehler zu wiederholen, mit derselben alten und frustrierten
Hoffnung der toten Zeiten. Das ist was man in den rückständigen Kulten dieser synkretischen und
negativen Prozesse verurteilen muss.

Kapitel 7

DER TISCH UND DAS BROT


Kardec erklärte die Frage des Tisches in den spiritistischen Sitzungen mit seiner gewöhnlichen
Natürlichkeit: es ist das bequemste Möbelstück, um das wir uns hinsetzen können. So entfernte er
jegliche Spur von Mystizismus und Magie, von Ritus und Sakrament im mediumistischen Akt. Jedoch
gibt es Leute, die diesen Akt als rein mystisch ansehen, da er an die Beschwörung und an das Gebet
erinnert. Wir setzen uns um den Tisch herum nicht nur zur Unterhaltung oder zum Schreiben, sondern
auch um uns zu ernähren. Die Nahrung, die wir am spiritistischen Tisch einnehmen, ist keine materielle,
sondern eine spirituelle. Bevor wir uns an den Tisch setzen, wurden die Einladungen schon
vorgenommen, denn es genügt, an einen Geist, den wir anrufen werden, zu denken. Er kommt unserer
Einladung nach oder nicht, denn er ist frei und keiner menschlichen Macht unterworfen. Aber das Brot,
das wir auf den Tisch legen ist das spirituelle Brot des Gebets, das, bei der Belehrung, geteilt und
aufgetragen [serviert] wird.

Das Evangelium nach Lukas berichtet von dem ergreifenden Ereignis der Jünger aauf dem Wege
nach Emaus. Nach der Auferstehung Jesu, gingen Cleofas und sein Geselle gegen Abend zu diesem
Dorf, um sich von der beklommenen Atmosphäre von Jerusalem zu entfernen. Ein Fremder holte sie ein,
begleitete sie und sprach über den Tod und die Auferstehung von Jesus. Sie hielten in einem Wirsthaus
an, um etwas zu essen. Sie setzen sich mit diesem Fremden an den Tisch. Aber im Augenblick, in dem er
das Brot brach, erkannten ihn die Jünger: es war der auferstandene Meister. Darufhin verschwand der
Herr sofort, und am Tisch saβ en nur noch die zwei Jünger. Man kann sich das Erstaunen der Jünger gut
vorstellen. Der leere Raum am Tisch und die Stille der Abenddämmerung schienen ihnen wahrscheinlich
mit mehr Stimmengewirr und Freude beladen als die Tische der festlichsten Tafeln der Welt.

Und das ist genau das, was am einfachen, ungeschmückten Tisch einer wirklichen
mediumistischen Sitzung vor sich geht. Die Farbe des Tischtuches ist unwichtig. Dem mediumistischen
Akt ist so wenig an der weissen Farbe wie an der roten oder der schwarzen gelegen. Die Gäste sitzen um
den Tisch herum und sind nicht bekannt. Wie Fremde kommen sie von der Straβ e aus dem Zwielicht
der Abenddämmerung hervor. Aber beim Brotteilen offenbaren sie sich. Nach dem einfachen
Eröffnungsgebet der Arbeiten, können wir, an der Art, wie sie das Brot brechen, sehen, wer sie sind. Wir
beginnen nun mit der nötigen Unterhaltung und sie verschwinden sofort danach genau so wie sie
erschienen waren und kehren zum Unsichtbaren in den Schoβ der Nacht zurück.

Wie können die Christen aller Bezeichnungen dieses einfache Mahl monieren und ihm
teuflische Einflüsse zuschreiben? Wie können sie sagen, dass all dies nur eine Illusion, Wahsinn oder
eine Mystifizierung ist? Haben sie denn nie, nicht einmal zufälligerweise, den Punkt über die spirituellen
Gaben im Ersten Brief von Paulus an die Korinther gelesen? Haben sie nicht gesehen, dass der Apostel
beim Bericht über die mediumistischen Sitzungen der apostolischen Ära die ergreifende Symbolik der
Straβ e von Emaus bestätigt? Und wie können einige Spiritisten mit unnützem und unnötigem
Zeremoniell die Harmonie dieser spirituellen Sitzungen brechen, indem sie bombastische Systeme in die
mediumistischen Sitzungen einführen? Wenn wir die spiritistische Praxis verunstalten und ins
Lächerliche ziehen wollen, genügt es, wenn wir das weisse Tischtuch auf dem Tisch fordern, die Medien
mit weisser und ritueller Kleidung bekleiden und sie zwingen die Ketten, wo man sich die Hand gibt, zu
bilden, und ähnliche Albernheiten dieser Art. Das tun die mystifizierenden Geister mittels abergläubigen
und einfältigen Leitern.
Um das Brot der Wahrheit zu verzehren, brauchen wir nur die Zähne des guten
Menschenverstandes. Deswegen verschwand der Tischgenosse des Wirtshauses von Emaus einfach,
nachdem er das Brot geteilt hatte. Jegliche Ergänzungen von eitlen Menschen erfundenen Techniken,
von magischen Wörtern und geheimnisvollen Gebärden sind nur der Spreu des Weizens. Die
spiritistische Praxis muss rational und einfach sein, denn jegliche Inszenierung und Pomp dienen nur
dazu, Mystifizierungen anzuregen.

Es gibt Leute, die Sitzungen am hellichten Tage veranstalten wollen, weil sie glauben, dass das
gewöhnliche Zwielicht Misstrauen erweckt und eine Art Formalismus darstellt. Aber das Zwielicht ist
zur guten Konzentration der Medien und sogar der Teilnehmer nötig. Die normale Beleuchtung des
Saales verursacht Zerstreuung, dringt in die Augenlider ein und stört die Andacht des Raumes.
Selbstverständlich soll man keine übertriebene, und weniger vollkommene Dunkelheit herstellen, aber
das Zwielicht des Raumes ist eine formale Vorrichtung, eine natürliche Forderung der gelassenen
Konzentration. Ausser dieser eindeutigen Gründe, muss daran erinnert werden, dass ein zu intensives
Licht einen hemmenden Einfluss auf die Medien und auf die fluidische Ausstrahlung des Ektoplasma
ausübt. In allen mediumistischen Sitzungen befreit sich das Ektoplasma, um die perispiritistischen
Verbindungen zwischen den Medien und den Geistern zu begünstigen. Wir müssen zwischen dem
Notwendigen und dem Überflüssigen, zwischen dem Passenden und dem Unpassenden unterscheiden
können, ohne der Unwissenheit und dem Misstrauen derer, die der Sache nicht kundig sind,
Konzessionen zu machen.

Die Frage der geistigen Konzentration wird auch am wenigsten verstanden. Die
Gedankenkonzentration während einer mediumistischen Sitzung entspricht nicht der Art individueller
Konzentration einer Person bei der Lösung eines bestimmten Problems oder bei einer Studie. Es handelt
sich um eine kollektive Konzentration der Gedanken, die auf das selbe Ziel gerichtet sind. Wenn alle an
Gott oder an Jesus denken, konzentrieren sich alle Gedanken auf eine einzige Idee. Das Wort
Konzentration suggeriert eine fortwährende geistige Anstrengung, damit sich der Gedanke auf ein Bild
fixiert. Dies würde die mediumistischen Arbeiten beeinträchtigen und eine Atmosphäre von
erschöpfender geistigen Spannung schaffen. Man braucht nicht die Spannung einer ermüdenden
Anstrengung, sondern Entspannung und Unbekümmertheit. Alle müssen ihre Gedanken auf das erhabene
Ziel, normalerweise ist es Jesus (denn es ist schwieriger, an Gott zu denken) richten und alle müssen die
Idee von Jesus in Gedanken festhalten, ohne Anstrengung oder Besorgnis, sowie derjenige, der sich
sehnsüchtig an einen fernen Freund erinnert. Dieser geistige Zustand der Erinnerung nicht an eine Statue
oder eine Bild von Jesus, sondern an seine Person, seine Handlugnen, seine Lehre und an das, was er für
uns bedeutet, soll im Laufe der Sitzung bewahrt werden. Wenn man merkt, dass der Gedanke in andere
Richtugen abschweift, was ganz natürlich ist, wird dafür gesorgt, dass er sanft wieder zur
zentralisierenden Idee zurückkehrt. Die Atmosphäre einer Sitzung ist umso günstiger desto weniger
Spannungen und Besorgnisse da vorfinden. Die geistigen Anrufungen von Betreuern und Medien, die die
Erscheinung geliebter Wesen oder befreundeter Geister erbitten, sind schädlich, denn sie durchbrechen
und stören die geistige Atmosphäre der Sitzung. An einen Geist denken, das heisst ihn anrufen, sowie es
Kardec lehrt. Wer zu einer Sitzung erscheint, in der Hoffnung, eine Mitteilung dieses oder jenes Geistes
zu erhalten, der hat ihn schon angerufen. Wenn möglich wird der Geist antworten. Aber während der
Sitzung soll man nur an Jesus denken. Wenn eine ruhige und zuverlässige Atmosphäre im Raum
geschaffen wird, kann man bessere Ergebnisse erwarten.

Es gibt keine spezifischen und formalen Regeln, um die spiritistischen Sitzungen durchzuführen.
Zwischen dem Eröffnungs- und dem Abschlussgebet verlaufen die mediumistischen Erscheinungen,
unter der Betreuung und häufig auch mit der Einmischung von führenden Geistern. Das autoritäre
System, in dem der Vorsitzende bestimmt, dass die Medien die Mitteilungen der Geister, eine nach der
anderen, entgegennehmen, rührt von der Empfehlung des Apostels Paulus an die Gemeinschft der
Korinther her. In Kardecs Sitzungen, sogar in den psychographischen, herrschte völlige Freiheit, was die
Unterhaltung zwischen sich mitteilenden Geistern, manchmal über verschieden Medien, erlaubte. In
seinen Sitzungen bediente sich Léon Denis auch der Freiheit. Den schützenden Geistern steht zu, zu
bestimmen welche Geister sich mitteilen sollen und welche Medien die Bedingungen erfüllen, sie zu
empfangen. Dem Vorsitzenden oder dem menschlichen Leiter der Sitzung kommt die Funktion zu, ihr
Gleichgewicht zu bewahren, das Verlaufen der Arbeiten zu leiten und, wenn nötig, in den Belehrungen
und in der Wiederherstellung der Konzentation einzugreifen. Wenn viele Medien am Tisch vorhanden
sind, besteht natürlich die Möglichkeit, einer gröβ eren Anzahl von sich mitteilenden Geistern
aufzuwarten durch verschiedene Belehrende. Worauf es bei der Belehrung ankommt, ist nicht das viele
Reden, sondern das angebrachte, das liebevolle Reden, indem man versucht, das Bewusstsein und das
Gefühl des Geistes zu erreichen. Wenn die Sitzung zu Ende geht, macht der Vorsitzende eine Ansage,
damit die Medien ihm helfen, die Sitzung zu kontrollieren. Die Mitteilungen von heftigen Geistern, die
die Sitzungen stören wollen, fordern energische Haltungen, um sie zu zügeln und zu entfernen. Eine
gelassene Energie, nicht aggressiv, aber entschlossen. Man darf nicht vergessen, dass es sich um leidende
Wesen, die Unterstüzung und Betreuung brauchen, handelt Es ist nicht die Kraft, die gegen den Geist
agiert, weder das Erheben der Stimme, sondern die Absicht, ihm zu helfen, der ehrliche Wunsch, ihm zur
Verbesserung zu verhelfen, ihn zu unserem Gefährten zu machen, denn diese Einstellung verleiht uns die
moralische Autorität über die niederen Geister. Es ist wichtig, dass auf unserem mediumistischen Tisch
das Brot des Gebets und das Licht der Liebe nicht fehlen. Ein einziges ehrliches Liebeswort genügt fast
immer, den heftigsten Geist zu beruhigen. Die Liebe ersprieβ t aus der menschlichen Einsicht, aus
unserem Vermögen, uns, in Gedanken, in die Lage eines Geschöpfes zu versetzen, das in brutalen
Existenzen, wo die Liebe nicht in seinem Herzen blühte, viel Hass und Brutalität angesammelt hat.

Eine spiritische Sitzung ist ein Akt der Liebe. Es ist keine rituale Zeremonie, die dazu bestimmt
ist, uns auf egoistische Weise von den parasitären Geistern zu befreien, die wir selbst angezogen und
ernährt haben, aber ihr Ziel ist es, den Leidenden geistige Unterstüzung zu verschaffen. Der Spiritismus
lehrt uns, sowie Jesus es tat, dass wir alle Brüder und Gefährten, die von Gott zum selben Los der
Transzendenz und der geistigen Erhabenheit geschaffen wurden, sind. Dies ist der Hauptgedanke der
spiritistischen Einsicht, und wir müssen ihr Wirksamkeit verleihen, indem wir danach handeln.

Wir behandeln hier die gewöhnliche mediumistische Sitzung, nicht die spezifische
Austriebungssitzung. Die übliche Sitzung der Zentren ist diejenige, die jede Woche, an bestimmten
Tagen und Uhrzeiten stattfindet und regelmäβ ig besucht wird. Es gibt Leute, die nicht mit diesen
öffentlichen Arbeiten übereinstimmen, indem sie behaupten, dass Kardec einige Forderungen an die
Pariser Gesellschaft stellte und er erlaubte nur den Personen, die einige lehrhafte Kenntnisse hatten, an
den Sitzungen teilzunehmen. In einem Anfangsstadium des Spiritismus, umgeben von Protest- und
Drohungsgeschrei, war diese Maβ nahme Kardecs gerecht und notwendig. Heute liegt dieses Stadium
schon über ein Jahrhundret zurück, und der Spiritismus wird nur von systematischen oder unwissenden
Leuten bekämpft. Die absolute Mehrheit der Personen, die Sitzungen aufsuchen, ist hilfsbedürftig, es
handelt sich im allgemeinen um Medien, die sich mitten in der Entwicklung ihrer Fähigkeiten befinden.
Ihnen den Zugang zu den Sitzungen zu verweigern, das wäre wie einem Durstigen den Zugang zu einer
Quelle zu verweigern. Die Mediumschaft entwickelt sich nicht zufälligerweise und noch viel weniger
unter der magischen Kraft des Stabes von Moses, der Wasser aus dem Felsen zog. Im allgemeinen fängt
die mediumistische Entwicklung mit verschiedenen Störungen und oft mit Besessenheitsprozessen an.
Man kann nicht von einer Person erwarten, dass sie, in einem Zustand psychischer Verwirrung, zuerst
eine Lehre in langwierigen Kursen studiert, um sich hinterher der Heilungsmethoden zu unterziehen.
Deswegen beschränken sich die normalen mediumistischen Sitzungen, die in den wohlgeleiteten
Institutionen durchgeführt werden, nicht auf die mediumistische Praxis. Es folgt nun eine lehrreiche
Darbietung, die die Teilnehmer auf die praktischen Arbeiten vorbereiten. Die sich in der Entwicklung
befindenden Medien empfangen die Botschaft des Evangeliums und die lehrhafte Belehrung in
angemessenen Dosierungen und danach beteiligen sie sich an der mediumistischen Arbeit. Dies trägt zu
einem simultanen Verständnis der Lehre, ihrer christlichen Natur, ihrer evangelischen Moral und zu der
direkten und notwendigen Beziehungen zwischen Theorie und Praxis im Spiritismus bei. Die Kritik an
dieser Methode bezieht sich auf die Länge der Sitzungen. Aber es ist eindeutig, dass die Vorbereitung der
Fächer es gestattet, den mündlichen Teil auf die notwendigen Grenzen einzuschränken. Die in den
Zentren und Gruppen, die diese Methode anwenden, überprüften Leistungen bewiesen ihre Gültigkeit. In
den Zentren, die mehrere Sitzungen pro Woche durchführen, kann die Fächeraufteilung, in den
verschiedenen Sitzungen, in gröβ erem Umfang vorgenommen werden. Dies hindert das Zentrum nicht
daran, ausser dieses synergistischen und gestaltbezogenen Prozesses, indem der Anfänger auf Anhieb
eine globale Sicht der Lehre und ihrer Praxis erhält, einen Sonderkurs der Lehre an einem anderen Tag
und zu einer anderen Uhrzeit zu geben, wenn dies möglich ist.

Wenn möglich, ist es angebracht, das Handauflegen zwischen den evangelischen und den
belehrenden Teil einzuschieben. Wenn dies die Sitzung zu lange hinauszieht, so kann man eine
Sondersitzung für das Handauflegen, die immer mit der Darbietung eines Themas beginnt, einrichten.

Alles der Reihe nach in einer einzigen Sitzung durchzuführen hat den Vorteil, dem Anfänger, in
angemessener Dosietung und in der natürlichen, zeitlichen Reihenfolge durch die Praxis die Einheit der
spiritistischen Frage klarzumachen. Leider fehlt diese Einsicht sogar einigen Veteranen der spiritistischen
Arbeit, auf grund der Verstreuung und sogar der Beschränkung der traditionnellen Praktiken auf nur
einen Aspekt der Lehre. Selbstverständlich kann die Frage der Austreibung in schlimmen Fällen nicht in
dieser Art Sitzungen behandelt werden. Dazu verfügen die gut geleiteten Zentren über private
Sondersitzungen mit befähigten Medien und Belehrenden und, wenn immer es möglich ist, mit der
Beteiligung von spiritistischen Ärzten, die für ihre professionnelle Uneigennützigkeit, was die Lehre
anbelangt, bekannt sind. Wir stellen diese Fragen, die wir in eigener und gemeinsamer Erfahrung im
Laufe der Jahre durch unaufhörliche Arbeit und Studium beobachtet haben. Wenn das System gut
angewandt ist und man mit beflissenen menschlichen Elementen rechnen kann, sind die Ergebnisse
erstaunlich. Es handelt sich nicht um eine Innovation, sondern nur um eine Verbindung von
traditionnellen Praktiken, die mehr und besser produzieren, wenn man sie vereint und artikuliert.

Was die Mediumschaft betrifft, so muss man das rigoroseste kardecistische Kriterium, das auf
die spezifischen Bücher von Kardec beruht, beobachten: Instruções Práticas sobre Manifestações
Espíritas [Praktische Anweisungen über Spiritistische Manifestationen] und Das Buch der Medien. Dies
ist die notwendige und unersetzliche Basis zum Studium und zum Unterrichten der Mediumschaft.
Bücher wie No Invisível von Leon Denis, und die Bücher mediumistischer Anweisung von Emmanuel
und André Luiz können auch als Hilfsmittel verwendet werden, aber sie dürfen nie als Grundwerke der
Lehre dargestellt werden. Ohne dieses Kriterium, verfielen viele Zentren und Gruppen und sogar groβ e
Institutionen dem kirchlichen Mystizismus und dem priesterlichen Autoritarismus, die den Spiritismus
entstellen und ihn ins Lächerliche ziehen. Wir müssen verstehen, das wir es mit einer revolutionären
Lehre zu tun haben, die die spirituelle Routine der Erde verändern soll, indem sie die Perspektiven einer
neuen Auffassung des Geistes eröffnet. Ohne dies wird unser Tisch nur trockenes und altbackenes Brot
haben.

Kapitel 8

DER VAMPIRISMUS

Die Besessenheit ist eine Verseuchung der Seele, die der durch Viren und Bakterien produzierte
Infektion des fleischlichen Körpers änhlich ist. Die Seele ist der Geist solange er einverleibt ist. Wenn
der Körper tot ist, befreit sich die Seele und übernimmt ihren freien Stand als Geist wieder. Auf diese
Weise gibt es im Spiritismus die sogenannte Seele der anderen Welt. Der einverleibte Geist wird zur
Seele eines Körpers. Padre Vieira sagte, in seinen Predigten: „Wollt ihr sehen, was die Seele ist? Schaut
euch einen Körper ohne Seele an.“ Der groβ e Prediger hatte Recht. Die Seele verlässt den Körper und
es bleibt nur die Leiche. Aber solange sich die Seele im Körper einverleibt ist, ist sie der durch niedere
Geister produzierte Verseuchung unterworfen. Vor mehr als dreissig Jahren eröffnete Doktor Karl
Wikland eine in Besessenheiten spezialisierte Klinik in New York. Seine Frau war Medium und sie
diente ihm zu gleicher Zeit als Krankenpflegerin und als Pneumoskop. Sie beobachtete die Patienten mit
Hilfe des Hellsehens und teilte ihrem Mann die Diagnose mit. Doktor Wikland veröffentlichte ein
seltsames Buch unter dem Titel 30 Anos entre os Mortos [30 Jahre unter den Toten], in dem er über die
erstaunlichen Fälle seiner Klinik Bericht erstattete. Alle litten an Verseuchung, das heisst, an
verschiedenen Arten von Besessenheiten von Geistern.

Kardec ordnete die Besessenheit in drei Kategorien ein: die einfache Besessenheit, die
Unterwerfung und die Faszination. Der erste Typ ist durch keine sehr schlimmen Geistes- und
Verhaltensstörungen gekennzeichnet. Der zweite durch die Herrschaft über den Körper, die die
sogenannten nervösen Ticks produziert und den Besessenen lächerlichen Haltungen in der Öffentlichkeit
unterwirft. Der dritte besteht aus der hypnotischen Herrschaft über den Körper und über die Seele, durch
einen Faszinationsprozess, der die Personnlichkeit verändert. Es ist eine einfache Skala, sowie es Kardec
gerne tat, um die Dinge nicht zu komplizieren. Was für Kardec wichtig war, das war nicht die Tatsachen
zu benennen, sondern das Mittel zu finden, um sie zu lösen.

In den in der Revista Espírita [Spiritistische Zeitschrift] bietet uns Kardec ein erschreckendes
Bild der Besessenheitsprozesse seiner Zeit, vor mehr als einem Jahrhundert. Doktor Adolfo Bezerra de
Menezes, Arzt und Senator des Imperiums, und später veröffentlichten Doktor Inácio Ferreira, klinischer
Direktor des Hospital Espírita [spiritistisches Krankenhaus] von Uberaba [im Bundesstaat von Minas
Gerais] veröffentlichten wichtige Arbeiten über die Besessenheitsprozesse in Brasilien: A Loucura sob
Novo Prismo [Der Wahnsinn unter einem meuen Prisma], von Bezerra und Novos Rumos à Medicina
[Neue Wege zur Medizin] von Inácio Ferreira. Leider gingen unsere Kreise der spiritistischen Medizin
nicht sehr weit darüber hinaus. Die erschreckende Zunahme der Besessenheitsfälle führte zur Eröffnung
von mehr als dreissig Spiritistischen Psychiatrischen Kranhenhäusern, allein im Bundesstaat São Paulo,
die heute in einem Bund vereinigt sind, davon gibt es noch zwanzig in den anderen Bundesstaaten. Aber
wir haben immer noch keine wissenschaftlich stukturierte spiritistische Psychiatrie. Die spiritistischen
Zentren und Gruppen sind immer noch überfüllt mit der groβ en Anzahl der Besessenheitsfälle, da
arbeiten einige selbstlose Ärzte. Die offizielle Medizin ist den mediumistischen Praktiken feindlich
gesinnt und benutzt die staatlichen Institutionen, um Druck gegen sie auszuüben, es geht so weit, dass sie
Austreibungsarbeiten in den eigentlichen spiritistischen Krankenhäusern verbieten. Die Entwicklung der
Parapsychologie, die dazubeitragen könnte, ein bisschen Licht in dieses düstere Bild zu bringen, wurde
durch die sektiererische Konfusion von habsüchtigen und dummen Priestern unter uns gestört, sie
brachten es so weit, dass die Universitätsbereiche, die befürchteten, dieses Thema zu behandeln, völliges
Interesse daran verloren. Auf die alte reaktionnäre Taste seiner Aberglaubenpianolo drückend,
veröffentlichte ein berühmter Arzt und Intellektueller aus dem Bundesstaat São Paulo Aufsätze gegen die
Gründung von spiritistischen Krankenhäusern. Aus all seiner Weisheit heraus behauptete er, dass die
Spiritisten Verrückte herstellen, und dass sie dann, von ihrem schlechten Gewissen geplagt,
Krankenhäuser für Verrückte gründen. Er konnte nicht verstehen, dass die spiritistischen Krankenhäuser
aus der Verwahrlosung der enormen Masse von Besessenen, die der brutalen Therapie von Giftstoffen
und Elektroschocks ausgeliefert sind, entstehen. Die absolute Mehrheit von ihnen sind sich selbst
überlassen, mittellos und verfolgt im Wahn der Ambulantbehandlungsstätten der spiritistischen Zentren
und der materialistischen Arztpraxen.

In diesem trostlosen Gebiet wuchern die terreiros des Synkretismus mit ihren Pulverräuchereien,
ihren laienhaften Teufelsaustreibungen und ihrer Kräutertherapie, die auf die barbarischen Riten des
Blutes von schwarzen Hennen und von schwarzen Katzen beruht. Unsere spiritistischen Kreise müssen
mindestens diesbezüglich reagieren und sich für diese unschuldigen Tiere einsetzen, indem sie die
wirkungslosen Prozesse einer künstlichen und illusorishen inneren Erneuerung beiseite lassen, um gegen
den absoluten Mangel an angemessener therapeutischer Hilfe für die Besessenheitsfälle zu kämpfen.
Was es da an geldfressenden parapsychologischen Kliniken gibt, das bedroht uns mit einer Sintflut von
Scharlatanismus. Die Spiritisten sind es die, diese Situation und ihre Drohungen von Nahem kennen,
diejenige, die ihre frommen Wünsche individuell heilig gesprochen zu werden etwas vergessen sollten,
um tapfer zu Gunsten der Besessenen, die täglich den wilden Tieren hingeworfen werden, zu kämpfen.
In dem tragischen Kapitel der Massenbesessenheit haben wir das besondere Thema des
Vampirismus. Die Besessenheits- und Wahsinnsfälle sind seit der entlegensten Antiquität bekannt und
die Teufel wurden mit Schlägen ausgetrieben Im Mittelalter, wie Conan Doyle sagte, gab es eine
Barbareninvasion, die die Geistlichen bekämpten, indem sie die Opfer in den Flüssen und in den Seen
ertränkten, und die Ketzer wurden auf öffentlichen Plätzen auf dem Scheiterhaufen verbrannt, da
entzündete man das Feuer der Reinigung. Die Klöster wurden von den Sukkuben und Inkuben verseucht,
die Männer und Frauen als Opfer in Besitz nahmen für ausgelassenen Geschlechtsverkehr. Der Ausbruch
der Renaissance, nach dem Jahrtausend der Folter und des Tötens brachte dem Planeten Erleichterung
dank der mythisch-erotischen, kulturellen Erneuerung, in der die violetten Blüten der Mandragora, die
die Vampire des verbotenen Sex anzogen. Heutzutage wohnen wir einem Ausbruch von Verdrängungen
und Frustationen in den trüben Wasser der Pornographie und der erotischen Kriminalität bei. Die
Vampire kommen in ausgehungerten Banden, nach dem Blut neuer Opfer lechzend, zurück. In den
spiritistischen Kreisen erscheinen mediumistische Bücher der Warnung, wie Sexo e Destino [Sex und
Schicksal] in der Psychographie von Chico Xavier, und Bücher menschlicher Produktion, aber auf
mediumistische Erfahrungen beruhend, so wie Sexo Depois da Morte [Sex nach dem Tod], von Doktor
Ranieri. Es sind schockierende, aber notwendige Offenbarungen eines erschreckenden Aspekts der
mediumistischen Frage. Sie sprechen sich nicht gegen die Mediumschaft aus, aber sie versuchen, die
Leichtgläubigen vor den Gefahren der barbarischen Mediumschaft zu warnen. Es gibt viele Fälle von
morbider Sexualität, die durch die Aktivität der Vampire verschlimmert wird. Diese Bezeichnung gilt
den niederen Geistern, die sich in den Taumel der Sinnlichkeit haben mitreissen lassen und verbleiebn
nach dem Tode in dieser Situation. Die materialistische Psychiatrie, die angesichts dieser überwältigen
Strömung ohnmächttig ist und unfähig, die parasitäre Aktion der Vampire zu bemerken, gibt es auf, diese
sexuelle Störungen zu heilen und akzeptiert schamlos diese Fälle, als sein sie normal, dabei stimulieren
sie die Opfer, ihre vitalen Energien in ihrer Verzweiflung aufzubrauchen zu Gunsten des Vampirismus.
Jedoch, auch wenn sie die tiefen Gründe des bedrohenden Phänomens nicht kennt, könnte sie dazu
beitragen diesen Geschöpfen durch ausgeglichene Theorien über sexuelle Abweichungen zu helfen.
Anstastt ihnen die falschen Bürgerrechte der Normalität zu gewähren, könnten die Psychiater der
Zügellosigkeit auf die Theorien der menschlichen Würde, die, wenn sie auch nicht spirituell sind,
zumindest die Rechte des Geistes verteidigen, zurückgreifen. Aber sie ziehen es vor, sich miteinbeziehen
zu lassen, was ja leichter und lukrativer ist, so werden sie die berühmten Straβ enhändler der
Homosexualität, die pseudowissenschaftlichen Schützer und Antreiber der Verdorbenheit.

Die Existenz einiger Formen von Vampirismus, so wie die sexuelle, die die moralischen und
religiösen Prinzipien verletzt, wurde im Spiritismus wenig behandelt, auf Grund des Skandals, den sie
provizierte, denn sie konnte sogar bei einfachen oder äusserst sensiblen Geschöpfen Störungen
verursachen. Jedoch war sie den Experten und Forschern immer bekannt, und sie schlossen sie in die
Liste der Besssenheiten mit ein. Es handelt sich in der Tat um eine Art Besessenheit derer, die den
sinnlichen Lastern verfallen sind. Die Bezeichnug Vampirismus kommt von seiner Hauptcharakteristik,
die darin besteht, dass die besetzenden Geister die vitalen Energien aus dem Körper der Opfer
aussaugen. Es ist eine schlimme Art der Besessenheit, die den Besessenen zur Nutzlosigkeit bringen
kann, indem sie sein Hirn und sein Nervensystem angreift und ihm somit jegliche Fähigkeit, ernste
Tätigkeiten zu verrrichten, entzieht. In gut geleiteten Zentren und Gruppen werden diese Fälle auf
besondere Weise behandelt, in kleinen privaten Versammlungen, mit Medien, die die nötigen
Veranlagungen besitzen, um solchen Problemen entgegenzutreten. So wie im Falle des alkoholischen,
drogensüchtigen und ähnlicher Bessessenheiten, muss man die gröβ te Sorgfalt beachten bei der
Auswahl der Personen, die die Angelegenheit behandeln werden, so wie die äusserste Verschwiegenheit
diesbezüglich, um den Schaden der negativen Kommentare, die zwangsweise den Fall beeinflussen und
somit eine unerwartete Verschlimmerung der Lage der Opfer herbeiführt. Die meisten Fälle der
erworbenen Homosexualität, wenn nicht alle, rühren von der Aktion von tierischen, niederen Instinkten
ergebenen Wesen her. Aber die Verantwortung liegt nicht nur bei diesen Wesen, sondern auch bei den
Opfern die sich, auf die eine oder andere Art, von primitiven Besessenheitsimpulsen beherrschen lieβ en
oder die sogar die Annäherung dieser Wesen provozierten. Die Erfahrung von verschiedenen derartigen
Fällen zeigt uns noch das Motiv der Prüfung, die von Greueltaten, die von den jetzigen Opfern in der
Vergangenheit durchgeführt wurden, herrührt, die befinden sich jetzt in der selben Lage, in die sie
unschuldige Geschöpfe in früheren Inkarnationen versetzten. Das Ursache- und Wirkunggesetz, das das
Karma der indischen Terminologie bestimmt, sucht sich seine Opfer in der Zeit der Adoleszenz aus,
wenn diese Ereignisse durch die Krise des Altersübergang begünstigt sind. Aber es gibt auch Fälle, die
im reifen Alter und im Alter vorgekommen sind, die scheinbar von typischen Krisen dieser
Lebensperioden abhängen. In den sogenannten Fällen von konstitutionneller Perversion ist die
Gegenwart von besetzenden Geistern nicht ausgeschlossen, denn sie sind zwangsweise angezogen und
binden sich an die Opfer, deren Empfindungen sie anrregen und somit verschlimmern sie deren
Verwirrung. In all diesen Fällen führt die Unterstützung von besonderen spiritistischen Praktiken immer
zu einem Ergebnis. Und wenn von Seiten der Opfer guten Willen vorhanden ist, werden die Fälle gelöst,
so lange die Behandlung auch dauern mag. In schwierigen und komplexen Fällen, so wie diese, brauchen
die Behandelden eine groβ e Menge Verständnis und Geduld, und die Opfer müssen ständig in ihrer
Suche nach Normalität stimuliert werden.

Die sexuellen Abweichungen sind verschiedenen Ursprungs. Ihre genetischen Wurzeln können
aus unergründlichenTiefen kommen. Die eigentliche Philogenetik des Geschlechts, das scheinbar im
Mineralreich beginnt und von da zum Pfanzen- und Tierbereich übergeht, um danach zum Menschlichen
Bereich zu gelangen, weist eine Vielzahl an verschiedenen Formen auf, einschlieβ lich die Autogenese
der Viren und der Zellen und die Bisexualität der Hermaphroditen, sie rechtfertigt das Erscheinen von
angeborenen Abweichungen. Näher an uns, in den Tendenzen der Entwicklungsvererbung herrschen die
Riten der Virilität der alten Zivilisationen, unter ihnen das archaische Griechenland und das archaische
Rom, wo, in verschiedenen Epochen, diese Riten obligatorisch waren, wie in Sparta, zum Beispiel, wo
die Epheben, die Jünglinge, die die Virilität von erwachsenen, mannhaften Männern durch homosexuelle
Praktiken übermittelt bekommen sollten, diese Riten liefern mögliche Anhaltspunkte, um das Phänomen
zu erklären. Ausser der philogenetischen Vererbung besteht die Frage der Empfindungen, die sich mehr
oder minder intensiv in die äusserst sensiblen Strukturen des Perisprits einprägen und sich als
dynamische Formen in das tiefe oder unbewusste Gedächtnis projizierten. Diese sinnlichen Formen, von
gleichartigen Empfindungen angezogen, könne in der derzeitigen Affektivität zu tage treten im
sinnlichen Assoziationsprozess. Jedoch schlieβ t all dies die Tendenz zur Normalität der Gattung nicht
aus, hauptsächlich in einem Grundsystem wie das der Reproduktion.

Auf diese Weise finden die von diesen sinnlichen Misssbildungen betroffenen Individuen in
ihrem eigenen derzeitigen Organismus und in ihrem Bewusstsein die zur Wiederherstellung ihres
genetischen Gleichgewichts nötigen Widerstandsfaktoren. Die parallele Aktion des Vampirismus, die die
Störungserscheinungen verschlimmert, erhält von den Austreibungspraktiken die Verstärkung, die zur
Verbesserung der Störung nötig ist. Die materialistische Psychiatrie, die die dynamischen Prozesse des
Geistes nicht kennt, kann diese Fälle als unheilbar betrachten und auf den unredlichen Prozess das
Anormale zu normalisieren zurückgreifen. Aber der Spiritismus liefert uns die Mittel der
wissenschaftlichen und rationalen Aufklärung dieser Frage.

Die spiritiuellen Wesen und die Menschen, die den Spiritismus studieren irren sich, wenn sie die
Verantwortung für sexuelle Abweichungen der Reinkarnation zuschreiben, indem sie auf die Frage der
Änderung der sexuellen Richtung von einer Inkarnation zur anderen anspielen. Heute wissen wir mit
Sicherheit, dass die Sexualität ein Polaritätssystem, das nicht an die spezifische Form des
Geschlechtsapparates gebunden ist. In Wirklichkeit, ist die Sexualität die einzige Quelle beider
Geschlechter des männlichen und des weiblichen. Zur Geschlechtsänderung in der Reinkarnation,
angesichts des Bedürfnisses neuer Erfahrungen auf der evolutionären Ebene, genügt die Inversion der
Polarität bei der Anpassung des Geistes an den neuen materiellen Körper. Diese Inversionen gehen im
Perisprit vor sich, so wie es Kardec lehrt, denn er ist es, und nicht der Körper, der das ganze organische
und physiologische Funktionnieren des materiellen Körpers kontrolliert. Es wäre seltsam, wenn in einem
so grundsätzlich wichtigen Fall, was die menschliche Evolution auf Erden betrifft, diese Änderungen
nicht der rigorosen Kontrolle der verantwortlichen Intelligenzen unterworfen wären. Was in diesen
Fällen eindeutig erscheint ist die Vorherrschung von Elementen der weiblichen Sensibilität in der
männlichen Reinkarnation und umgekehrt, dies gilt als eine neue Errungenschaft des Geistes, der sich
sich im neuen Leben festigen soll. Balzacs Vorstellung in Spirite, einem der schönsten Werken seiner
Reihe philosophischer Romane, das auch das annehmbarste, wenn auch nicht wahrheitsgetreu ist: Spirite
ist ein erhabenes Wesen, das in seiner Persönlichkeit, bei der Fusion der verwandten Seelen, der beiden
Persönlichkeiten der doppelten Polarität: die männliche und die weibliche. Aber diese Fusion, diese
Vereinigung dieses menschlichen Paares in einem einzigen Individuum erscheint als dialektische
Synthese der zwei entgegengesetzten und komplementären Hälften zur Integration der biologischen
Einheit des Menschengeschlechtes. Im evolutionären Schema kann die biologische Vereinigung keine
Missverhältnisse und keine Unausgeglicheheiten, die die höheren Errungenschaften der psycho-
affektiven Evolution stören, einbeziehen. Andererseits ist es viel logischer und stimmt mit der Logik
jeglicher legalen Struktur des Universums, die in einem vollkommenen Gleichgewicht von
teleologischen Einzelheiten aufgebaut ist, überein. Man darf das Prinzip der logischen Finalität des
Unisversumsganzen nicht vergessen, um auf unlogische Weise eine spezifische Tatsache des logischen
universalen Prozesses zu erklären. Was uns manchmal als ein Irrtum der Natur erscheint ist nur ein
Moment der Anpassung von Errungenschaften der Evolution zur Verbesserung des
Menschengeschlechtes. In diesem Sinne erscheinen die anormalen Tendenzen als Konsequenzen von
Irrtümern oder Verbrechen der Individuen, die sie erleiden immer mit dem Zweck sie in der derzeitigen
Inkarnation zu überwinden, nie sich ihnen hinzugeben. Der psychiatrische und psychologische Einwand,
dass die Repression Verdrängungen, Frustrationen, Traumas und andere verheerende Folgen für das
Individuum herbeiführt, rührt von der einseitigen Sicht der Frage auf materialistischer Ebene her. Alle
Siege, die der Mensch davongetragen hat, in Hinblick auf seine Anpassung an die normalen
Bedingungen des Menschengeschlechts, werden belohnt, und zwar mit der Ruhe, die diese Anpassung
verschafft, indem sie die Unruhe der Unanpssung beseitigt. Ein Wesen, das gut in sein Geschlecht
integriert ist, entspricht der natürlichen Ordnung der Wirklichkeit und den Forderungen an
Transzendenzen seiner eigenen Existenz.

Der Vampirismus hört auf in dem Moment, in dem der Besessene bereit ist, sich in sich selbst
wieder zu integrieren, wieder in den Besitz seiner Persönlichkeit zu gelangen, und er keine Suggestionen
und Infiltationen eines fremden Willens in seinen persönlichen und souveränen Willen akzeptiet. Jawohl,
denn in unserem Innersten sind alle Rechte unsere Rechte. Die Voherrschaft unserer persönlichen
Befugnis über uns selbst wird von den höheren Mächten des Geistes gewährleistet von dem Augenblick
an, in dem wir unseres spirituellen Wertes und unseres menschlichen Schicksals bewusst werden. Die
Anpassung an die niederen Ebenen, die als Lösung des Falles vorgeschlagen wurde, ist unlogisch und
verstöβ t gegen die erhabeneren Ziele des Lebens. Wir leben nicht um in den Mistgruben des
Menschengeschlechtes zu ruhen, aber um uns von ihnen zu befreien. Den Geistern, die die andere Seite
der Existenz kennen, steht es zu, die qualitative Entfernung zwischen dem Sichhingeben den negativen
Kräfte der Vergangenheit, wie Sklaven einer jämmerlichen Situation unter den Menschen und der Tat des
Ergreifens seiner Rechte als menschliches Geschöpf in der Evolution begriffen, das voranschreitet in
Richtung der erhabenen Wünsche seines menschlichen Bewusstseins. Und den Medien steht zu,
denjenigen zu helfen, die bedroht sind, von der Sphinx verschlungen zu werden, weil sie ihre Rätsel
nicht entziffert haben.

In der Behandlung der mediumistischen Fragen sind die Medien die lebendigen und bewussten
Wekzeuge des Kampfes gegen den Vampirismus aller Tendenzen. Die symbolische Idee der Mythologie,
nach der die Götter die Dünste der Dinge einatmeten, die sie weder trinken noch essen konnten, ist das
genaue Bild der Vampirisation der inkarnierten Geschöpfe durch die niederen desinkarnierten Wesen,
Geister, die sich noch im ersten evolutionären Stadium befinden und die versuchen, die Abwesenheit
ihres fleischlichen Körpers mit der gnadenlosen Ausbeutung der fremden Körper auszugleichen. Wer
sich vor dieser entwürdigenden Ausbeutung ekelt, handelt nicht nur aus eigenem Grund, sondern auch
zur Verteigung der Zukunft von den vampirischen Geistern und zur Erhaltung der menschlichen Würde.

Aber in Wirklichkeit ist der Vampirismus eine unheilvolle Partnerschaft. Deswegen ist es nötig,
zuerst den Besessenen zu belehren und das Bewusstsein seiner Verantwortungen zu erwecken, damit die
Tür seines Willens den Einschmeicheleien der besetzenden Geister zu schlieβ en. Ein junger Mann,
knapp über zwanzig, suchte uns auf, um uns seinen Fall vorzulegen. Unter Tränen und mit zitternden
Händen fing er an zu sagen: „Ich bin ein Unglücksmensch, der mehr genieβ t als viele glückliche junge
Männer. Jede Nacht sucht mich eine blonde und sehr schöne, äusserst liebenswürdige Göttin auf, die sich
mir hingibt. Es ist ein spirituelles Geschöpf, ich weiss es wohl, und ich will sie nicht empfangen, aber ich
kann sie nicht zurückweisen. Danach verschwindet sie wie in den Märchen, und ich stehe auf und
schreie nach ihr in solcher Verzweiflung, dass ich die Nachbaren wecke. Alle glauben, ich sei ein
Schlafwandler oder ein Verrückter. Helft mir bitte.„ Der Fall dauerte schon lange, seit seinem
sechzehnten Lebensjahr. Die junge Frau war ihm zum ersten Mal als seine Tochter von einer anderen
Inkarnation erschienen. Diese töchterliche Beziehung war ein Schwindel, der dazu bestimmt war, seine
Empfindungen mit der errengenden Würze der Sünde zu steigern. Sechs Jahre später treffe ich ihn per
Zufall wieder. Er schämte sich dieses Geständnises und da er befürchtete, dass wir ihn von seiner
Besessenheit befreien werden, lief er davon. Er sah schon aus wie ein alter Mann, er zitterte immer mehr
und hatte früzeitig graue Haare. Er versprach, zum dem von uns genannten Zentrum zu gehen, aber er
ging nicht hin. Er verschwand wieder, und wir erfuhren nie mehr etwas von ihm. Der Vampirismis
erschöpfte ihn und muss ihn wohl zum verfrühten Tod gebracht haben. Fälle dieser Art sind häufiger als
wir es im allgemeinen vermuten, aber sie werden verschwiegen. Die ambivalente Lage des Opfers
verhift dem zerstörenden Vampirismus. Das Mittelalter ist längst vorbei, aber diese mittelalterlichen
Fälle sind immer noch vorhanden an der Schwelle der kosmischen Ära. Es gelang uns noch zwei Fälle
durch Austreibungsarbeiten zu lösen, die Patienten kamen und die spirituellen Wesen erschienen. Aber
wenn der Besessene nicht geheilt sein will, kann man nichts machen. Die Heilung liegt in seinen
Händen, nicht in unseren. Der freie Wille des besetzenden Geistes und des Besessenen wird nicht
verletzt werden. Kardec berichtet von einem Fall, in dem es ihm gelang, ein Opfer zu retten während
Sitzugne zu denen er nicht erschien, aber der besetzende Geist erschien. Es waren tägliche Sitzungen, die
von einer kleinen einigen Gruppe mit absoluter Pünktlichkeit organisiert wurden. Ein anderer Fall war
der eines Bankbeamten, der schon dreissig Jahre alt war und der uns aufsuchte und Chico Xavier
schrieb. Er bat um Hilfe und drohte, sich das Leben zu nehmen. Jedoch behauptete er, es sei ein Fall von
Dysfunktion rein biologischer Art, und er wollte sich den spiritistischen Arbeiten nicht unterziehen. Es
handelte sich um männliche Homosexualität. Chico Xavier antwortete uns, es bliebe uns nichts anderes
übrig, als für den Besessenen und sein Opfer zu beten. Das Opfer war der vampirische Geist.

In solchen Fällen, dürfen wir nicht vergessen, dass der freie Wille zur Evolution des Geistes
unentbehrlich ist. Ihm steht zu, sich um die Heilung zu bemühen, wenn er sie wirklich wünscht, dann
wird er jeden spirituellen Beistand haben, den er braucht. Es genügt, wenn einer der Partner es wirklich
will, damit der Fall überwunden werden kann. Das ist einer der entscheidenden Augenblicke, in dem die
individuelle Verantwortung im evolutionären Prozess sich als souverän erweist. Ein vierzigjähriger,
armer und veralterter Mann weinte, als er uns sagte, dass er den jungen Partner, der ihn verlassen hatte,
nicht vergessen konnte. „Ich weine, weil ich mich schäme – sagte er – aber ich wäre glücklich, wenn er
zurückkäme.“ Trotz dieser Hartnäckigkeit wurde er nach zehn Jahren eines einsamen Kampfes geheilt, er
betete Tag und Nacht, so wie er es uns später erklärte. Seine Mutter half ihm, inden sie ihm regelmäβ ig
erschien, ohne etwas zu sagen, aber mit Tränen in den Augen. Dank dieser mütterlichen Hilfe gelang es
ihm, seinen betäubten Willen zu erwecken und sich von den vampirischen Versuchungen zu befreien. Er
wurde Spiritist und heiratete. Heute besucht er regelmäβ ein spiritistisches Zentrum in São Paulo und
interessiert sich besonders für Vampirismusfälle. Er will die unermessliche Wohltat, die er erhielt,
bezahlen, indem er anderen hilft. Niemand weiss etwas von seiner unglücklichen Vergangenheit, und alle
achten und schätzen ihn. War das nicht der Fall von Magdalena, der Jesus half und zur ersten Zeugin
seiner Auferstehung machte?

Die Mediumschaft – göttliches Licht im Feld der Kommunikation - , die von denjenigen, die sie
nicht kennen, so verachtet, erniedrigt und verleumdet wird, geht ihren demütigen Weg auf Erden in den
Fuβ stapfen Jesu und sät Segnungen auf die Wege von den unbarmherzigen Heiden und Dornen der
Welt der Menschen. Ihr ist zu verdanken, dass die leidenden Mütter, die ihre Kinder in der Welt in
schmerzhafter Einlösung zurückgelassen hatten, ihnen helfen können und sie von den zermalmenden
Prüfungen, die im allgemeinen die Menschen nur steigern und verschlimmern können, befreien. Die
Medien müssen diese ergreifenden Episoden kennen, um die geheime Herrlichkeit ihrer Mission und die
höhere und demütige Nützlichkeit des Mediumismus, der ihnen gewährt wurde, zu verstehen. Die Zeit
ist nun gekommen, in der diese geheimen Tatsachen von den Dächern verkündet werden müssen, sowie
es Jesus, laut Evangelium, vorgesehen hatte. Mehr als je wird der Aphorismus: „Hilf dir selbst und der
Himmel wird dir helfen“ bewiesen.

Kapitel 9

DIE MEDIUMISTISCHE MORAL

Die Tatsache, dass Kardec erwägte, die Mediumschaft nicht von der Moral abhänge, weil sie
sich auf den Körper beziehe, wurde von den Feinden des Spiritismus grundlos ausgenutzt, um den
Mangel an Ethik des Spiritismus anzuprangern. Die Behauptung von Kardec wird von den derzeitigen
Forschungen der Parapsychologie bestätigt, wie sie die Forschungen der Metapsychik schon bestätigt
hatten. In den Spiritischen Experimenten nach Kardec wurde diese Unterscheidung auch bestätigt.
Und deswegen, so wie es im Buch der Medien steht, ist die Mediumschaft weder eine Gnade noch
eine besondere Begabung, die priviligierten Geschöpfen gewährt wird, sondern eine menschliche
Eigenschaft wie jede andere. Die Moral des Mediums bestimmt sein Verhalten als menschliches
Geschöpf und regelt seine Beziehungen zu den Geistern. Die moralische Frage entsteht nicht aus
seiner mediumistischen Eigenschaft, sondern aus seinem Gewissen. Mann kann nicht sagen, dass ein
Medium, das sich bösartigen Praktiken oder verwerflichen Zielsetzungen, die gegen die Moral
verstoβ en, hingibt, kein Medium sei. Genauso wie es auf Erden gute und böse Geschöpfe gibt, so gibt
es böse und gute Geister, die mit ihnen übereinstimmen und sich, zu guten oder schlechten Zwecken,
ihrer Mediumschaft bedienen. Wenn das Medium, das keine Moral hat, sich verbessert und sich
anschickt, sich von moralischen Prinzipien leiten zu lassen, wird er, durch seine Mediumschaft, den
guten Geistern dienen. So ist es bei allen menschlichen Eigenschaften. Der Mensch kann seine
Intelligenz für das Böse oder für das Gute anwenden, aber seine Intelligenz bleibt immer gleich, ob er
auf dem einen oder auf dem anderen Gebiet handelt. Die Boshaftigkeit der Sprache hängt nicht von
der Sprache ab, aber vom Geist, der sie benutzt. Das Gleiche geschieht mit allen menschlichen
Eigenschaften.

Was dieses Missverständnis über Kardecs Lehre erzeugte, das war der naive Glaube, dass Gott
nur fromme Geschöpfe begünstigt, die Tatsachen beweisen das Gegenteil: die bösartigen, perversen,
lasterhaften Geschöpfe werden am meisten von Gott begünstigt, der sie durch die Veränderung ihres
Gewissens und nicht mit Gewalt von ihren Irrtümern abbringen will, denn eine gewaltätige
Veränderung wäre eine auferzwungene und keine natürliche, spontane und wahrhaftige. Gott
verbessert uns durch seine Gesetze, sowohl die natürlichen als auch die moralischen Gesetze, deren
Wirkung wir durch unsere eigene Erfahrung kennenlernen müssen. In seiner Barmherzigkeit, gewährt
den schlechten Menschen gute Eigenschaften, damit sie lernen, gute Menschen zu sein. Wenn sie die
guten Eigenschaften dazu benutzen, um Böses anzurichten, dann werden sie die verhängnisvolle
Vergeltung für ihre Taten, als Folgen des verrichteten Bösen, bekommen.

Was die Beziehung der Mediumschaft zum Körper betrifft, die viele Spiritisten nicht
verstanden haben, weil sie sie mit einer vermuteten organischen Herkunft der Mediumschaft
verwechselten, handelt es sich um eine ganz andere Sache. Die Mediumschaft ist durch den Geist mit
dem Körper verbunden, der Geist verbindet sich mit ihm, aber er gehört nicht zum Körper, sondern
zum Perisprit, der, solange wir inkarniert sind, zum Körper gehört und die Verbindung des sich
mitteilenden Geistes mit dem Perisprit des Mediums erlaubt. Der mehr oder minder hohe Grad der
Ausdehnungsmöglichkeit der perispritistischen Energie im Körper des Mediums bestimmt der mehr
oder minder hohe Grad der Flexibilität des Mediums, die Mitteilungen aufzunehmen. Wenn die
Geister sagen, dass die Mediumschaft, die mediumistische Eigenschaft, sich mit dem Organismus
verbindet und unabhängig von der Moral ist, bestätigen sie Kardecs Einstellung. Der Perisprit
kontrolliert den Organismus, so wie es die sowjetischen Forschungen bezüglich der Funktionen des
bioplasmischen Körpers des Menschen. Das Wort „o moral“1, stellt die gesamten geistigen und
psychischen Tätigkeiten des Geschöpfes dar, in der französchischen Sprache ist dies markanter als in
der portugiesischen. Es ist eindeutig, dass die organische Abhängigkeit der Mediumschaft von der
Verbindung Geist-Körper, über den Perisprit, herrührt. Wenn wir sprechen, benutzen wir den
phonischen Apparat des Körpers zur geistigen Kommunikation, die nicht organischen Ursprungs ist,
so dass in den mediumistischen Manifestationen und in den aktuellen telepathischen Erfahrungen, die
Stimme des Geistes (tot oder lebendig) durch die Tonalität und den Klang identifiziert wird, die durch
das Verschwinden des phonischen Apparats beim Tode nicht wiederholt werden könnte.

Die Existenz der Mediumschaft, die Veränderungen im Verhalten der Medien bestimmt,
erzeugt zwangsläufig eine mediumistische Moral. Wir wissen, dass die Moral ein System von
Verhaltens- regeln und -normen ist, die aus den Gebräuchen und aus den Traditionen einer bestimmten
Kultur herrühren. Die Gebräuche stammen, ihrerseits, aus den Bedürfnissen des Menschen an
Ordnung und Respekt, die gesellschaftlichen Strukturen charakterisieren. Dies führte die Materialisten
dazu, die Moral als einen reinen, gesellschaftlichen Erhaltungs- und Verteidigungsmechanismus
anzusehen, der von Volk zu Volk variiert, oft auf entgegengesetzte Weise. Es ist eine rein
pragamatische Konvention. Aber die gründlicheren Studien von Bergson und von anderen Gelehrten
zeigten, dass die Moral und die Religion Projektionsformen der Forderungen des Gewissens in den
gesellschaftlichen Strukturen sind. Die Ablehnung der absoluten Moral und die positivistische
Ablehnung der metaphysischen Moral mussten also der bergsonschen These der Moral des Gewissens
entgegentreten. Die Moral existiert als Absolutes und als Metaphysik in dem Streben nach Ordnung,
Gerechtigkeit, Schönheit und Güte, das sich in dem menschlichen Begehren nach der Transendenz
äussert. Ganz allgemein können wir sagen, dass die Moral die Suche nach der Verwirklichung des
Guten auf Erden ist. Es wäre unmöglich, dass eine Lehre wie der Spiritismus, die die Erbauung und
Verbesserung des Menschen fördert, nicht eine Art Moral erstellen würde. Das Erscheinen der
mediumistischen Moral, die sich an den erhabenen Zielen der christlichen Moral orientierte, machte
sich bald bemerkbar. Aber, während diese sogennante christliche Moral in vielen Punkten von der
Moral von Christus abwich, handelte die mediumistische Moral im Sinne einer spirituellen Reaktion,
um die evangelische Moral wiederherzustellen. Besonders in dem Buch der Geister und im
Evangelium nach dem Spiritismus finden wir die Gesetze der mediumistischen Moral. Der
wissenschaftliche Beweis des Weiterlebens des Menschen nach dem Tode durch die Mediumschaft
zeigte die direkte Beziehung zwischen Mediumschaft und Moral und folglich zwischen Spiritismus
und Moral. In den moralischen Prinzipien findet das Medium die idealen Normen seiner Orientierung
in der Welt. Wenn er sie kennt und ihnen folgt, so wird seine Mediumschaft höchst wohltuend sein
und sie wird dem Dienst der erhabenen Geister zur Verfügung stehen, sei es auf dem Gebiet des den
niederen inkarnierten und desinkarnieten Geistern geleisteten Beistands, sei es im Bereich der
lehrhaften Aktivitäten gesellschaftlicher Ordnung oder besonders auf dem kulturellen Gebiet der
Transformation der menschlichen Kenntnisse, zur spirituellen Verständigung des Lebens. Die
Transfornation der Welt wird durch die Bekehrung bewirkt. Es handelt sich nicht um die Bekehrung
zu einer Sekte, zu einer besonderen Art Glaube, sondern um eine Konversion der weltlichen Werte in
spirituelle Werte. Das Medium ist ein Diener des Geistes und, um ihm zu dienen, muss er sich, in den
spirituellen Bedingungen, die er in sich selbst trägt, in die menschliche Essenz.integrieren. Dies lehrt
ihn die eigentliche Entwicklung der Mediumschaft. Die mediumistischen Funktionen verändern die
Perspektive seines visuellen und wahrnemenden Feldes. Er löst sich, kuppelt sich von der weltlichen
Realität ab, um sich, in seiner Sensibilität, auf die Perspektiven des Geistes zu konzentrieren. Diese
göttliche Schizophrenie kennzeichnet die höheren Stadien der seelischen Evolution, in der die
konkrete Wirklichkeit sich in die Abstraktion der Ideen, der Begriffe, der Träume, der utopischen
Wünsche verwandelt. Der Traum der Dichter und der Künstler und die Utopie, die die Märtyrer zur
Hinrichtung führt sind die ersten Zeichen des Anbruchs der Mediumschaft im Kielwasser der

1 Anmerkung der Übersetzerin: Im Französischen und im Portugiesischen, haben die Wörter morale/moral eine
andere Bedeutung jenach dem Geschlecht des Substantivs, wobei im Französischen ein Unterschied in der
Rechtschreibung besteht : le moral/o moral ist die Stimmung, la morale/a moral ist die Moral, die Ethik
Reinkarnation. Der Geist steigt vom platonischen Sinnlichen (vom Konkreten) zum rein Gedanklichen
(das Abstrakte), zur Visualisierung der Essenzen empor Deswegen fühlte sich Platon, in den letzten
Jahren seines Lebens, unfähig, die Wahrnemungen seiner Ideenwelt in Worten zu vermitteln. Und
deswegen verfolgte Paulus von Tarso, der von den brutalen Traditionen des Judentums magnetisiert
war, Christus, als er, auf dem Wege zu Damaskus, schlagartig die spirituelle Existenz des Meisters
wahrnahm. Da löst er sich von der Welt der falschen Bilder, in der er lebte, er verliert die Sicht der
Dinge, die er später unter einem höheren Gesichtspunkt wiedererlangt. als Ananias ihm die Hand
auflegt, bekehrt er sich zum angehenden nChristentum. In diesem Augenblick führt die spirituelle
Entwicklung von Paulus ihn zur christlichen Bekehrung durch die Taufe des Geistes, in den
unsichtbaren Wasser der Mediumschaft. Von da an wird er von Sebastian, dem Märtyrer, den er in
seinem weltlichen Wahn steinigen lieβ , inspiriert werden. Alles, was ihn umgibt, verwandelt sich, die
Welt, in der er nun lebt, ist nicht mehr die Welt der Arroganz und der Brutalität, sondern der
Entsagung und der Demut. Der Doktor des Gesetzes wird zum Lehrling und Diener der christlichen
Wirklichkeit.

Die Mechanik der Bekehrung ist unwiderruflich, denn sie rührt von einem psychischen
Reifungsprozess in der Entwicklung der Potentialitäten des Geistes her. Die entwickelten
Potentialitäten erhöhen den Grad des Bewusstseins des Geschöfes und erweitern sein visuelles und
wahrnehmendes Feld. So wie es mit Paulus geschah, verabschiedet sich der Bekehrte von seiner
ganzen Vergangenheit, wenn auch auf Kosten der höchsten materiellen und weltlichen Verlüste, um
zu einem höheren Verständnis der Wirklichkeit zu gelangen. Nur die Pseudobekehrten des religiösen
Formalismus, der künstlichen Dogmatik der Kirchen, die nichts anderes tun als Dogamtik
austauschen, ohne nicht einmal im geringsten zum äussersten Zipfel der Wahrheit zu gelangen,
können zuruckfallen. Die Macht des lebendigen und reinen Evangeliums gleicht der Macht der Sonne,
die die Früchte reifen lässt, ohne dass sie wieder grün werden. Das erklärt, warum Kardec Recht hat,
wenn er uns lehrt, dass die gezwungene Proselytenmacherei unpasssend sei. Jeder möge da bleiben,
wo er sich befindet, in der evolutionären Skala seines religiösen Glaubens, denn die spirituelle
Kenntnis verlangt Zeit und einen Reifungsprozess von jedem Geschöpf. Und das ist so, sowohl auf der
individuellen als auch auf der kollektiven Ebene. Die Welt kann ihre Bekehrung, die Christus
begonnen hat, nur vervollständigen, wenn sie die nötige Reife erreicht hat. Jedoch haben wir nicht das
Recht, die Hände in den Schoβ zu legen und dem Leiden der Welt zuzusehen. Es ist unsere Aufgabe,
unaufhörlich zu arbeiten, damit die spiritistische Konzeption, das heisst das christliche Ideal in seiner
primitiven Reinheit immer allen, hauptsächlich den jungen Generationen, zugängig ist.

Die mediumistische Moral ist keine reine Wiederholung von den Geboten des Evangeliums,
die die Religionen je nach ihren Bedürfnissen benutzen und die von der Gesellschaft zum Schutz ihrer
Interessen gebraucht werden. Es ist die Moral im Ganzen, so wie sie von Jesus erlebt wurde, und die
gründlich und furchtlos interpretiert wird von denen, die sie wirklich verstanden haben, so wie es im
Beispiel vom Evangelium nach dem Spiritismus sehen. Kardec hat die Evangelien von all ihrer
mythologischen und abergläubigen Zierde der klassischen Texte (in der Atmosphäre der
mythologischen Ära geschrieben) entkleidet, um nur die moralische Lehre Christi hervorzuheben, sie
ist nämlich die Essenz jeglicher wahren Spiritualität. Weder Aufwand noch Kostüme, weder
geheimnisvolle Symbolik, nur die klare Wahrheit der Prinzipien, die in all ihren
Anwendungsmöglichkeiten entwickelt werden müssen.

Die Prinzipien der wahren christlichen Moral sind keineswegs rigide. Sie sind klar und
flexibel, von einer funktionalen Flexibilität, die es gestattet, sie auf die verschiedensten Aspekte der
Existenz anzuwenden. Das Liebesprinzip ist der leuchtende Mittelpunkt dieser Begriffsskala, Begriffe,
die sich in den Dimensionen des Bewusstseins eröffnen. Von ihm geht die Norm aller anderen
Prinzipien aus. Die alte Haltung des Argwohns und Misstrauen, oder sogar der Ablehnung und der
Feindseligkeit, in bezug auf die anderen, verwandelt sich in Sympathie und Aufnahmebereitschaft
allen Geschöpfen gegenüber. Das Medium ist freundlich und hilfsbereit, denn es kennt die Pflichten
der aktiven Brüderlichkeit, die man im Umgang mit der unendlich groβ en menschlichen Brüderschaft
beachten muss. Die Feinde lieben war eine absurde, verrückte Idee in den Augen der Antiquität.
Denjenigen, die Fehler begangen, immer wieder zu verzeihen, schien ein Ansporn zum Irrtum, zum
Verbrechen zu sein. Die rechte Wange demjenigen, der die linke geschlagen hatte, hinzuhalten, war
ein Beweis der Feigheit oder des Wahnsinns. Den Mantel demjenigen geben, der uns um unsere
Kleidung bat, war eine verrückte und gefährliche Freigiebigkeit. Mit den Gegnern Schritt halten auf
den Wegen der Welt war eine selbstmörderische Unvorsichtigkeit. Diejenigen, die uns verletzen und
störten geduldig ertragen war nichts anderes als uns dem Missbrauch der Dreisten auszuliefern. Sich
von dem Übermaβ an Vermögen befreien, um nicht zum Dieb derer, die nichts besitzen zu werden,
war eine leichtsinnige Art zur Faulheit und zur Ganovenleben verleiten. Den Rebellen zu raten, ohne
Brutalität zu handeln, war eine unwürdige Form das Recht der Kraft zu billigen. Fremdes Gut nicht
begehren war die Eroberugsmacht ersticken. Auf die Bestimmtheit der Wörter: ja, ja; nein, nein
beharren, war ein Mangel an Geschick und Schlauheit. Nicht stehlen, nicht lügen, weder Heuchelei
noch Verrat pflegen, war ein Selbstverrat. Ehrlich sein und weder betrügen noch hintergehen, war der
Weg der Niederlage und des Elends.

All diese Prinzipien einer dummen Bekehrung zwangen die Menschen, die dem Bösen und
dem Egoismus frönen, die trügerische Mittel zu suchen und sie zu hinterziehen. Und aus diesem
universellen Betrug des Rechtes und der Wahrheit enstanden, mit dem lukrativen Handel der Ablässe,
die Antievangelien der kirchlichen Konzessionen. Die christliche Moral hat sich zur Moral der von
den wilden Instinkten des Urwalds aufgefressenen Menschen.

Zweitausend Jahre der Herrschaft vom Antichristen im Namen Christi brannten im Wahn des
Streits, der Verstellung, der Verfolgung im Namen der göttlichen Barmherzigkeit, der Kämpfe und des
Gemetzels, die die ganze Erde mit Blut tränkten, um den Eroberungs- durst und den –hunger der
Herrscher zu stillen. Ausser der Kreuzigung Christi brauchte man die Hinrichtung der Märtyrer und
das grenzenlose Gemetzel der Unschuldigen, um die zur Kehrseite der archaischen Moral
umgedrehten christliche Moral zu verteidigen. Erst dann, Dank des Aufblühens der erneuernden
Generationen, war der Einfluss vom Ausbruch und von der Auferstehung [Wiedererwecken] des
pneumatischen (aus dem Griechischen: pneuma, Geist] Kults möglich, damit die mediumistische
Eigenschaft anerkannt wird, die heute noch vom brutalen Unverständnis derer, denen es nicht gelang,
auch nur ein wenig über die bedingenden Konventionen der antichristlichen Haltungen und Verhalten
hinauszuragen, geplagt wird. Die menschliche Liebe kehrte zur zügellosen Sinnlichkeit der
heidnischen Kulte zurück, so wie Paulus im Brief an die Korinther warnt.

Die mediumistische Moral gab aber nicht auf. Die Erfahrungen der spirititischen Praxis
zeigten die verzweifelte Lage, in der sich diejenigen, die über die Lehre des Meisters gelästert hatten,
befanden, in der ummittelbaren Auferstehung der Toten, nicht des Fleisches, sondern des Geistes. In
Der Himmel und die Hölle bewies Kardec, dass es in dieser Welt möglich ist zu erfahren, was in der
anderen geschieht. Die Bilder der Übergangsschmerzen der Geister, denen es nicht gelang: über die
Schwelle der Erde hinauszugehen und die in den niedrigen Gegenden der spirituellen Welt verharrten,
waren wirkliche Höllenbilder, wenn auch nicht in dem Maβ e wie in der Phantasie der Theologen, der
teufelschaffenden Folterer. Diejenigen, die durch ihre Verdienste die erhabenen Sphären erreicht
hatten, lebten nicht unter Engel und fröhlichen Banden, aber sie genossen eine wirklich glückliche
Lage. Ausserdem zeigten die Forschungen von Kardec, indem sie Paulus bestätigten und sich den
Theologen widersetzten, dass sich die Auferstehung Jesu nicht im fleischlichen, sondern im geistigen
Körper ereignete, und dass die Toten nicht den Tag des jüngsten Gerichtes erwarten zum Auferstehen,
denn, immer noch nach Paulus, ihre Auferstehung geschiet gleich nach dem Tode. Kardec erinnerte
daran, dass die Theologen das Fegefeuer nicht lokalisieren konnten, aber er tat es, indem er darauf
hinwies, dass, in unserem Sonnensystem, der Ort der Reinigung die Erde sei, in unserem
Sonnensystem und in anderen Systemen, seien es Welten, wo ähnliche Verhältnisse herrschen, wie auf
unserem Planeten. Die menschliche Eitelkeit,fühlte sich verletzt, denn in ihrer törichten Einbildung,
befinden wir uns, so wie es Doktor Pangloss wollte, in der beste der Welten. Die kirchlichen
Anmaβ ungen stürtzen ein vor diesen Offenbarungen, die auf ernsten, mit wissenschaftlicher Strenge
durchgeführten Forschungen beruhten, aber die Kirche hat den Spiritismus wütend angegriffen, der ihr
das Recht auf Gottes Geheimnisse stahl. Von nun an würden die vernünftigen Menschen die
kirchlichen Pässe zur himmlichen Villen ihr nicht mehr abkaufen. Jedoch war die Lage der Seelen im
Fegefeuer so schäbig, dass sie, an den heiligen Schaltern, weiter um alle Sakramente, die ihnen
vermutlich halfen, in den Himmel zu kommen, handeln würden, und sie tun es heute noch.
Die mediumistische Moral setzte sich nicht durch, und setzt sich immer noch nicht durch,
unter Zwang oder beim Klingeln der Geldstücke. Indem sie die Simonie abschaffte, zeigte sie, dass es
wirklich nur einen Weg gibt, um sich einen Pass zum Himmel zu verschaffen: die Praxis der
christlichen demütigen, stillen und geheime Nächstenliebe, ohne Prahlerei und käuflichen Absichten.
Die Schacherer des Tempels wurden wieder mit ihren Opfer-ochsen und -hammeln vertrieben , aber
diesmal mit der unsichtugen Peitsche der mediumistischen Manifestationen. Das evangelische Prinzip
des Umsonstgebens und des Umsonstbekommens wurde wiederhergestellt. Kein einziger
mediumistischer Akt könnte bezahlt werden, denn man verkauft nicht, was man nicht besitzt. Das ist
eins der ansspruchvollsten Prinzipien der mediumistischen Moral. Das Medium, das sie verletzt,
missachtet die eigenen Worte Christi und wird vor seinem eigenen Gewissen zum Dieb. Die
mediumistische Moral ersetzt das entlohnte Priesteramt durch das unentgeltliche Mediumsamt. Die
Hände des Mediums müssen die edlen Zeichen der Schwielen der Arbeit, die sie ernährt, tragen, sie
müssen sich von allen materiellen Interessen rein halten, denn es hat nicht das Recht, sich für das
Ausüben der Nächstenliebe bezahlen zu lassen. Durch das Ausüben seiner spirituellen Funktionen
weiss das Medium und es bestätigt es in der Praxis – indem es den Kranken und den Armen hilft,
indem es den Sterbenden und den Verzweifelten beisteht, in dem es die mediumistische Lehre
verbreitet und das Evangelium predigt, und so weiter – , dass es das, was ihm nicht gehört, nicht
verkaufen kann, dass er dem Nächsten kein Geld abnötigen kann, mit dem Vorwand, dass es ihm
Mittel verschafft, die nicht von ihm abhängen. Diese Maβ stäbe, die Kardec für die spiritistische
Praxis festlegte wurden zum Grundprinzip der Ethik seiner Lehre, die auf die Evangelien beruht. In
ihrem Namen werden viele Exzesse begangen. Manche Leute glauben, dass ein Berufsspiritist
irgendeines Zweigs gezwungen sei. Alles umsonst zu machen auf dem Gebiet der Lehre und sogar für
die Anhänger der Lehre. Ein Arzt, ein Maurer, ein Rechstanwalt, ein Zahnarzt und so weiter müssen in
den spiritistischen Institutionen umsonst arbeiten. Es ist eine absurde Ausdehnung des Prinzips, das
sich ausschlieβ lich auf die spirituellen Gaben bezieht. Das Medium, der Vortragende, der
Belehrende, alle, die individuell im religiösen Sinn Beistand leisten, dürfen sich nicht bezahlen lassen.
Ausserhalb des spirituellen und religiösen Gebietes gibt es das Prinzip der Unentgletlichkeit nicht, und
es kann es auch nicht geben. Die Finalität dieses Prinzips ist, die religiöse Institutionnalisation des
Spiritismus als Kirche, den religiösen Handel, die Simonie der Kirchen zu vermeiden. Denn ein
entlohnter Prediger oder ein entlohntes Medium sind der Versuchung ausgesetzt, die Lehre in
Lebensunterhalt zu verwandeln. Aus dieser Versuchung kann die religiöse Professionalisierung
entstehen, und das würde letztenendes die eigentliche Lehre den finanziellen Interessen unterwerfen.
Die privaten Interessen regen den Ehrgeiz an, vernichten die Spontanäität und schlagen dabei allerseits
eine Bresche zur lehrhaften Entwürdigung. Wo der Profit, das persönliche Interesse eindringen, da
verschwindet die Entsagung und mit ihr die höchste spiritistische Tugend, die die Selbstaufgabe zum
Wohl der Menschheit ist. Ein bezahltes Medium, wenn auch diskret, heute mehr, morgen mehr, wird
sich dem Betrug hingeben, denn wenn es keine Phänomene produziert, - was nicht von ihm abhängt –
verliert es seine Kundschaft. Es handelt sich nicht um ein religiöses Prinzip, sondern um eine ethische
Maβ nahme zur Verteidugung der spiritistischen Praxis.

Diese Maβ nahme ist nicht nur wegen der ethischen Gründe, sondern auch wegen der
Achtung für das, was in der doktinären Praxis geschieht, gerechtfertigt. Wenn eine mit groβ en
Schwierigkeiten gegründete spiritistische Institution, in der die Uneigennützigkeit und die Entsagung
hervorragen, sich etwas entwickelt und anfängt sich zu bereichern, dann verändert sich alles. Der
Mensch leidet unter der Hypnose des Geldes, das Geld fasziniert ihn und er wird unehrlich. Nur
Wenige widerstehen der Macht des Geldes, die eigentlich nicht im Geld beruht, sondern in der
habgierigen und eitlen Seele. Es gibt erschreckende Fälle von Institutionen, die sich bereicherten, ihre
eigenen Ziele vergaβ en und sich in wirkliche Geschäfte, wo das finanzielle Interesse die heiligen
Interessen der Lehre verdrängt, verwandelten. Die Medien, die im Rampenlicht stehen, neigen dazu,
von einer Institution zur anderen überzugehen, mit dem Versprechen von verschleierten Bezügen
zugunsten der Familie oder von Bezahlung technischer Funktionen, die sie nicht kennen. Zum Glück
widerstanden die meisten Medien diesen Versuchungen und triumphierten würdig. Aber die
Direktoren dieser faszinierenden und unvorsichtigen Institutionen verfielen dem Irrtum, begangen ein
Attentat, indem sie ihre niederträchtigen Angebote formulierten. Wenn dies schon in voller Gültigkeit
des Entgeltlichkeitsprinzip geschieht, umso mehr wenn man dieses Prinzip aufgibt, und dann hätten
wir den Verkauf und Kauf vom „Handauflegen“ der Medien, als wären es Fuβ ballspieler.

Diejenigen, die die Lehre verstehen, lieben und sich für sie einsetzen, können diese
gefährlichen Unverantwortlichkeiten nicht befürworten und nicht einmal tolerieren.

Die heilenden Medien sind am meisten der Versuchung des Geldes ausgesetzt, sie werden von
den Laboratorien und sogar von Krankenhäusern bedrängt, die ihnen sehr günstige Stellen unter ihrem
Personal anbieten, um ihren Namen und ihre Mediumschaft auszubeuten, mit dem sophistischen
Argument, dass sie da ohne Gefahr arbeiten und den unheilbaren Fällen gröβ ere Dienste leisten
können werden. Viele von ihnen sind diesem weltlichen Hinterhalt zum Opfer gefallen, aber die
meisten haben nicht nachgegeben. Die mediumistische Moral hat in ihrem Gewissen gesiegt. Im
allgemeinen widerstehen die Medien der physischen Effekte, hauptsächliche die
Materialisationsmedien nicht ihrer eigenen Habgier oder der Ignoranz von Personen, die
beabsichtigen, sie zur Schau zu stellen, um die Ungläubigen zu bekehren. Als wäre der Spiritismus
eine Glaubens- und Bekehrungsfrage und nicht ein Prozess der Veränderung des Menschen und der
Welt. In all dem dozieren die Ignoranz, die Habgier und die Eitelkeit, Stigmen der spirituellen
Unterlegenheit, die die Barmherzigkeit der ehrlichen Spiritisten, aber nicht die zur Komplizität
führenden Toleranz verdienen.

Man kann aber nicht ein Krankenhaus, eine Krippe, ein Waisenhaus, eine Schule eine Fakultät
oder eine Universität unterhalten, – die in den spiritistischen Kreisen absolut notwendig sind zur
eigenen Verwirklichung der lehrhaften Zwecke – ohne Fachleute verschiedener Kategorien, Spiritisten
oder nicht, einzustellen, die ihre gebührend entlohnte Arbeitskraft anbieten werden. Selbst in diesen
Fällen sind wir Entsagungsgesten begegnet von Spiritisten, die ihre Dienste umsonst leisten, oft
empfangen sie einen Lohn, den sie ganz oder zum Teil der Institution als Spende zukommen lassen.
Sie sind dazu gezwungen, aber sie tun es mit der Absicht einer besseren Mitarbeit, denn sie sind
überzeugt, dass die Institutionen wichtig und notwendig sind. Aber das sind Gewissensfragen, Fälle
der reinen Entsagung von Seiten derer, die es tun können. Aber auf dem mediumistischen Gebiet ist
nichts dergleichen erlaubt. Groβ zügige Freunde und Gefährten können den Medien helfen, indem sie
zu seinem Unterhalt beitragen, aber nur wenn es unbedingt nötig ist, aber die Medien können ihre
mediumistischen Gaben nicht verkaufen, auch nicht unter dem Vorwand, es zu Gunsten einer oder der
anderen Institution zu tun.

In den Handauflegenssitzungen ist es den Medien verboten, die Patienten zu berühren, es sei
denn in extremen Fällen, um ihnen zu helfen, um Missverständnisse und Verdächtigungen, die das
Medium, die Institution und die Lehre angreifen, zu vermeiden. Es ist keinesfalls nötig, dass das
Medium, den Patienten berührt, nicht einmal mit dem Vorwand der fluidischen Transfusion, so wie es
in einigen der Modalitäten des afro-brasilianischen religiösen Synkretismus üblich ist. Die Hände der
Medien funktionieren wie Antennen, die die Vibrationen der Geister aufnehmen und ausstrahlen, was
sogar aus groβ en Entfernungen gemacht werden kann. Die mediumistische Moral hat keinerlei
Vorurteile, und darf auch keine haben, aber sie sieht nicht von Sicherheits- und
Verteidigingsmaβ nahmen vor der Bosheit der Welt ab. Im allgemeinen kann man auf das individuelle
Handauflegen verzichten, aber die meisten Leute brauchen das Handauflegen aus psychologischen
Gründen, um sich begünstigt zu fühlen, aber das muss immer auf diskrete Weise, in der angemessenen
Entfernung, geschehen. Mit dieser Vorsichtsmaβ nahme kann sich das Medium viele
Unannehmlichkeiten ersparen. Selbstverständlich dürfen wir uns nicht dummen, auf einer falschen
Moral beruhenden Vorurteilen unterwerfen, aber manchmal ist der Preis einer Sorglosigkeit so hoch,
und er betrifft nicht nur das Medium, dass es nicht geziemt, ihn zu bezahlen. In den Beziehungen zum
Publikum, das meistens die Lehre nicht kennt, müssen wir alle Vorsichtsmaβ nahmen ergreifen, und
uns sogar vom Gewinn von systematischen Leuten, die die Groβ zügigkeit der fluidischen Spende
nicht kennen, entfernen. Uns auf unsere Eigenart beschränken und auf unsere Ehrlichkeit vertrauen,
ohne die Verhältnisse des Nächsten zu berücksichtigen, ist auch eine Form von Egoismus.
In ihren mediumistischen Arbeiten oder in Vorträgen und Kursen, ergreifen einige
Institutionen extreme Maβ nahmen, so wie die Aufteilung von Männern und Frauen in getrennte
Gruppen. Es handelt sich um ein Überbleibsel einer heuchlerischen Moral aus exzessiv mystischen
Zeiten, in denen die christlichen Moralisten es so wie die von Jesus verurteilten Pharisäer taten: sie
siebten eine Mücke und verschluckten ein Kamel. Jegliche Form von Extremismus ist immer negativ,
sie zeugt von Unsicherheit und Misstrauen allem und allen gegenüber. Solche extremen Maβ nahmen
zeugen von Mangel an Reife derer, die sie auferlegen und Mangel an Achtung vor den Teilnehmern.
Ausserdem wirken sie lächerlich. Wir müssen uns an den glücklichen Ausdruck von Kardec erinnern:
Der Spiritismus ist eine Frage des guten Menschenverstands. Die Personen, die eine spiritistische
Sitzung besuchen, müssen als respektable und verantwortliche Personen betrachtet werden. Im Falle
des Handauflegens ist die Maβ nahme eine rein interne und nicht öffentliche Angelegenheit, die den
Medien privat mittgeteilt wird, um die Würde der anderen nicht zu verletzen. Was die Würde der
Medien betrifft, so wird sie im Falle des Handauflegens auch nicht beeinträchtigt, solange sie keinen
besonderen, persönlichen Befehl, sondern eine Erklärung des Problems erhalten. Unter den Gegnern
der Lehre ist Misstrauen vorhanden und es ist gerecht, im brüderlichen Einverständnis unter Leiter und
Medien, Schutzmaβ nahemn zu ergreifen. Es gibt kleine Einzelheiten, die im Umgang mit dem
Publikum zu beachten sind und die in der mediumistischen Praxis nicht vergessen werden dürfen.

Kapitel 10

MEDIUMISTISCHE BEZIEHUNGEN

Die Frage der Beziehung der Medien mit den Geistern, mit den Sitzungsbesuchern, mit den
Kolllegen der spiritistischen und der beruflichen Arbeit und hauptsächlich mit seinem Familienkreis und
mit seinen Beschützern und Betreuern ist äusserst wichtig. Sie ist jedoch vernachlässigt worden, was
Schwierigkeiten verursachte, die leicht durch eine aufklärende Untersuchung hätten gelöst werden
können. Das isolierte oder das einsame Medium ist ein in unbekannten und geheimnisvollen Wassern
abgetriebenes Boot. Das an eine Institution gebundene Medium ist ein verankertes Boot, dessen
scheinbare Sicherheit, es daran hindert, zur See zu fahren. Die lehrhaften Wasser sind gewaltig und
unbeständig, und das mediumistische Boot muss sich daran gewöhnen, den Kämpfen entgegenzutreten,
um seine Widerstandsfähigkeit, sein Gleichgewicht, seine Kraft und seine Geschwindigkeit zu beweisen.
Auf der relativen Ebene, in der wir leben, hängt alles von Beziehungen ab, die sich nur in der freien
Aktivität entwickeln. Jesus hätte nicht auf dem Wasser gehen und den Sturm auf dem Meer zum
Stillstand bringen können, wenn sein mediumistisches Boot im Hafen vor Anker geblieben wäre.

Die verborgene Mediumschaft im Schoβ e der Familie oder einer kleinen Gruppe privater
Sitzungen wird zur Routine und dadurch steril. Das Medium wird zum Mittelpunkt der
Aufmerksamkeit und wird eine verwöhnte Person, die als aussergewöhnlich angesehen und deswegen
vor jeglicher Kritik und jeglichem Irrtum geschützt wird. So bildet sich um das Medium herum ein
Teufelskreis von Ehrerbietung und Anbetung, von abergläubiger Unterwerfung, der ihn zum Idol oder
zum unfehlbaren Orakel werden lässt. Diese künstliche Unfehlbarkeit begünstigt weder ihn noch die
Gruppe, sondern nur die systematischen oder die mystifizierenden Geister, ihn heute oder morgen zur
Besessenheit führen können. In dieser Atmosphäre von Frömmelei und Furcht ist das Medium in
Wirklichkeit ein Opfer seiner eigenen Anbeter. Der Spiritismus ist keine private Angelegenheit und
schlieβ t sich nicht ein wie in eine Glasglocke. Seine Funktion ist keine spezifische und sich im Kreis
drehende Funktion, sondern sie ist offen, weitläufig, dynamisch und dazu bestimmt, sich in der
Vielfalt der Beziehungen in der ganzen Welt auszudehnen.

Das einsame Medium lebt nur in zwei Dimensionen: die Dimension des sich mitteilenden
Geistes und seine eigene individuelle Dimension. Es fehlt ihm die gesellschaftliche Dimension, ohne
die es das, was es wahrnimmt und aufnimmt nicht mit der dreidimensionalen Wirklichkeit der Welt
konfrontieren kann. Und ausserdem fehlt ihm die kulturelle Dimension der lehrhaften Beziehungen,
die ihm die Perspektiven des rein Gedanklichen eröffnen würde, eine Struktur der verschiedenen
Ebenen des höheren und globalen Verständnisses der existenziellen Situationen. Das heisst: seine
freiwillige Einsamkeit beschränkt das Medium auf eine einzige existenzielle Situation, losgelöst von
den verschiedenen Situationen, in denen der kulturelle spiritistische Prozess sich entwickelt. Der
zunehmenden Verschiedenheit dieses Prozesses fremd, verfällt er in eine häusliche Position, ohne die
Daten, die zur Betreuung seiner mediumistischen Funktionen und zur Überprüfung der Legitimität
seiner Aufnahmen notwendig sind. In dieser Position ist es der Einwirkung der mystifizierenden
Wesen ausgesetzt, sie werden mit Leichtigkeit seine mediumistischen Energien zum Bereich der
lehrhaften Verwirrugen, und dadurch zur Entwürdigung der Lehre überleiten.

Wenn unsere existenzielle Wirklichkeit in der Welt nur diese drei Dimensionen in sich
einschlieβ t, so öffnet sich, im Gegenteil, die spirituelle Wirklichkeit den vielfältigen Dimensionen
der aussersinnlichen Wahrnehmungen, die zur totalen Kenntnis der Wirklichkeit, in der wir leben,
unentbehrlich sind, und den stukturellen Bezieheungen des Sinnlichen mit dem Begreiflichen. Das
einsame Medium wird anfällig gegen die Faszination und das Unterjochen der Wesen, denen es darauf
ankommt, dass die spirituelle Kenntnis sich zurückentwickelt bis zu den Verhältnissen der
klösterlichen und theologischen Verganheit, mit der der Spiritismus abgebrochen hatte, um eine neue
Ära der irdischen Kultur zu beginnen.

Die gesellschaftlichen Beziehungen im Spiritismus, in aller Öffentlichkeit, bezwecken die


gegenseitige Unterstützung der Medien und derjenigen, die die mediumistischen Phänomene studieren
und erforschen, zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch und zur Entwicklung einer spirituellen
Kultur, die sich losgelöst hat von dem Aberglauben der obskurantistischen Vergangenheit, in der die
hochmutige Isolierung der Kirchen in Hinsicht auf den wissenschaftlichen Fortschritt die religiöse
Kultur von der Allgemeinbildung trennte. Die Vereinsamung des Mediums, die den notwendigen
Prozess seiner mediumistischen Beziehungen verhindert und hemmt, verhindert auch die Öffnung
seines Geistes zur einer breiteren Auffassung der kulturellen Aktualität. In wenigen Worten: das
egoistische Medium und auf ähnliche Weise sein spiritueller Betreuer versinken in ihren eigenen
Hirngespinsten, die jeglicher gesellschafltichen Gültigkeit entbehren und die Entwicklung des
spiritistischen Prozess stören. Das Festhalten an seine mediumistischen Produktionen, die das Medium
selbst als hochwertig ansieht, entfernt es gleichzeitig immer mehr der gesellschaftlichen spiritistischen
Kreise und folglich des kulturellen Umfeldes, in dem es sich entwickeln soll.

In den Beziehungen zu den spiritistischen Institutionen begegnet das Medium auch einer
Schranke, die es im allgemeinen enttäuscht und es zu seiner Isolierung zurückführt. Das ist der
Teufelskresi, in dem wir uns in der brasilianischen spiritistischen Bewegung befinden, das ist leider
bedingt durch unsere eigene religiöse Ausbildung, die dem religiösen Aspekt des Spiritismus und den
mystischen und magischen Tendenzen unseres Volkes ein zu groβ es Gewicht beimaβ , und durch
unseren allgemeinen Mangel an philosophischen Kentnissen. Der Appell Kardecs zur Vernunft
erweckte die volkstümlichen Schichten, die sich der Lehre zuwandten, nicht, und nicht einmal die
absolute Mehrheit der gebildeten Menschen, die noch von diesem ambivalenten Erbe beherrscht sind,
einem Erbe, das gleichzeitig mystisch und positivistisch ist, und in der letzten Zeit von positivistischen
und materialistischen Einflüssen beladen ist. Professor Cruz Costa bemerkte, dass, der Einfluss des
sogenannten praktischen portugiesischen Geist unsere kulturellen Aktivitäten beherrscht. Dieser
Komplex an Faktoren (mit Vorbehalt der oben erwähnten Ambivalenz) führte zu einer
Konfliktsituation innerhalb der spiritistischen Bewegung, die die Konfusion in Hinsicht auf die Lehre
erhöht. Daraus ergibt sich das Erscheinen von lehrhaften Meistern voller revisionnistischen
Ansprüchen, die neue Praktiken erfinden und die dem Spiritismus fremde Prinzipien schaffen. Die
Anhänger erscheinen immer in unserer anämischen aber eingebildeten kulturellen Landschaft und
ermutigen das Auftreten neuer Missionare, die sich vorstellen – mit einem erschreckenden
Selbstbewusstsein in ihren spärlichen Kräften – indem sie sich als Reinkarmationen von groβ en
historischen Figuren ausgeben und behaupten, dass sie beauftragt sind, Brasilien zur leitenden
spiritistischen Stelle in der Welt zu führen. Die Naivität der Gläubigen, die nicht nur ungebildete
Geschöpfe, sondern auch welche, die eine Universitätsausbildung haben (oder zu mindest eine
Graduation) gleicht der Künheit der Leiter, die seltsamer Weise von ihrer eigenen spirituellen Gröβ e
überzeugt sind.

Angesichts dieser Donquichotterieeschatologie sondern sich die mediumistischen


Beziehungen in auseinandergehende Schulen und zersplittern sich in den unversöhnlichen Spaltungen.
Die Medien einer Schule akzeptieren die Prinzipien von anderen Schulen nicht, so dass die
Beziehungen unmöglich werden. Die Gruppen, die die legitimen Grundlagen der Lehre verteidigen,
kämpfen gegen diese perspektivenlose Situation, in der Hoffnung auf bessere Tage.

Die mediumistischen Beziehungen von einem Medium zum anderen sind äusserst wichtig zur
Grundüng einer vorkulturellen spiritistischen Umgebung, denn der normale (und deswegen
vernünftige) Gedanken- und Erfahrungsaustausch, die Lektüre und die Studien festigen allmählich
eine gemeinsame Verständisbasis und die gegenseitigen Hilfe zur wirklichen Entwicklung der
lehrhaften Kenntnis in ihrer Beziehung zur Kultur des Milieus. Andererseits stärken oder erläutern die
Erfahrungen der einen die der anderen, und somit intensiviert sich das Vertrauen aller in die lehrhaften
Prinzipien und man vermeidet die schädliche Vermehrung der charismatischen Führer. Zum Glück
gibt es diese Beziehungen, wenn auch auf einige Gruppen begrenzt, die sich nicht von den
sogenannten erneuernden Missionen verlocken lieβ en und nicht vom guten Menschenverstand
abwichen. Dank dieser Gruppen und einer Mindestzahl an Veröffentlichungen und Verlagen, die,
unter dem Ansturm von verwirrenden Veröffentlichungen und Büchern, versuchen, die Grundwerke
und einige Hilfswerke im Umlauf zu lassen, können wir noch hoffen, dass sich unsere wirre lehrhafte
Situation in der Zukunt wieder verbessert.

Die Beziehungen der Medien zum Publikum, das immer mehr Hilfe und spirituelle
Erläuterungen erwartet, sind im allgemeinen von den religiösen Vorurteilen beeinträchtigt. Die
mystischen und magischen Wurzeln unserer religiösen Ausbildung verleiten die Leute dazu, die
Medien als priviligierte, mit übernatürlichen Gaben versehene Geschöpfe anzusehen. Die Medien,
ihrerseits, verstehen kaum, dass dies für eine normale Beziehung ungünstig ist und sie ermutigen diese
falsche Vorstellung mit Worten und Gebärden, die aus der individuellen Eitelkeit und aus dem
Wunsch, als begabter als der normale Mensch zu gelten. Aus diesem unechten Prozess ergibt sich
wieder eine ambivalente Situation, die der Ambiguität entspricht und die möglichen Wirkungen eines
frustrierten Verständnises neutralisiert. Wenn die Naivität der Gesprächspartner an die Grenze des
Absurden gelangt und sie an die Macht der Medien glauben, werden sie zu unnützen, von einer
ängstlichen Unterwürfigkeit beherrschten Gläubigen. Dies ist der Grund der Vergötterung der Medien,
die oft nicht einmal die gewöhnlichen Eigenschaften eines Mediums besitzen. Aus solch einer
illusorischen und törichten gegenseitigen Beziehung kann sich nichts Nützliches ergeben. Die Medien
müssen dieser lächerlichen Situation bewusst werden und jegliche Manifestation, durch Worte,
Handlungen oder Haltungen, vermeiden, die den Irrtum derjenigen, die sie konsultieren, stimulieren
könnte. Wenn die Medien dies verstehen und wenn es ihnen gelingt, diesen Situationen mit
natürlicher, spontaner, nie übertreibener (denn das ist auch ein Zeichen der Eitelkeit) Bescheidenheit
und Demut entgegenzutreten, dann können sie wirklich nützlich sein, orientierende Intuitionen
erhalten und den Hilfsbedürftigen beistehen. Damit werden sie eine neue und für sich selbst
wohltuende Erfahrung machen und nicht nur denjenigen, die Hilfe suchen, helfen, sondern auch ihren
Beitrag zur spiritistischen Angelegenheit leisten. Medien und Prediger oder spiritistische Verkünder,
die weder demütig noch ihrer eigenen Fehler bewusst sind, sind Vogelscheuchen im Reisfeld des
Spiritismus. Sie schaffen sich eine falsche Popularität, einen verlogenen Ruhm und tun weder sich
selbst noch den anderen etwas Gutes an. Sie genieβ en nur scheinbare und vergängliche Erfolge, aber
die moralische Niederlage, die diese darstellen, wird in ihrem Geist und in ihrem Gewissen fortdauern.
Damit ein Medium diese Beziehungsschwierigkeiten mit dem Publikum überwinden kann,
muss er zuerst die Schwierigkeiten seiner Beziehungen mit den Geistern überwunden haben. Um die
Medien herum scharen sich eingebildete Geister, die sie zu ihren Werkzeugen der Beziehungen mit
den Menschen machen wollen. Aber die ehrlichen und guten, dem Guten ergebenen Geister helfen
dem Medium auch. Wenn es aber nicht im Stillen, bei der Meditation und dem Gebet oder in den
mediumistischen Sitzungen trainiert hat, wie er sich von den besetzenden Geistern befreien kann, so
gelingt es ihm auch nicht in der Stunde der Prüfung, wenn sein ängstlicher Gesprächspartner es
anfleht, ihm zu helfen. Die Beziehungen des Mediums zu seinen spirituellen Betreuern gehen seinen
Beziehungen zu dem Publikum voran und bestimmen ihre Natur. Um den Anderen zu helfen, muss
das Medium die Hilfe von den guten Geistern erhalten haben. Auf diese Weise sind die Medien, die
wirklich Wohltaten spenden, diejenigen, die gelernt haben, in der Vertrautheit ihrer spirituellen
Beschützer und Freune zu leben. Die Eitelkeit ist immer das gröβ te Hindernis dieser Vertrautheit,
denn kaum haben sich die Medien einer Besessenheit befreit, betrachten sie sich schon als emanzipiert
und fähig, selbständig zu handeln und so bereiten sie sich auf eine neue Besessenheit vor. Kardec
erklärt diese Schwierigkeiten mit äusserster Klarheit und Genauigkeit, aber die besetzenden Geister
pflegen den Medien den eitlen Gedanken zuzuflüstern, dass Kardec schon zum Museumsstück
geworden sei, als könne die Wahrheit veraltern. Die Medien lassen sich von dieser Neuigkeitswelle
treiben und akzeptieren Hinweise von hochaktuellen Büchern, dabei verachten sie den Meister und
bezahlen einen hohen Preis für diese Verachtung, oft den Preis einer ganzen Existenz, die nützlich
hätte sein können, aber die nichtig und schädlich wurde.

Was die besetzenden und leidenden Geister betrifft, fordern die mediumistischen Beziehungen
sehr viel Aufmerksamkeit und Sorgfalt von Seiten der Medien. Die leidenden Geister sind nicht
gefährlich an sich, aber sie können von den besetzenden Geistern benutzt werden, um den Medium ihr
Unbehagen zu übertragen. Man soll sie nicht zurückweisen, sondern sie aufklären, sie betreuen und für
sie beten. Wenn der kranke Geist sie bedrängt, soll die Medien sich an ihre Arbeitskollegen wenden
und eine Sitzung, in der das Wesen sich mitteilen kann, organisieren. Die besetzenden,
mystifizierenden oder rachsüchtigen Geister müssen gutmütig behandelt werden. In all diesen Fällen
können die Medium allein handeln, indem sie die störenden Geister durch Ermahnungen und Gebete
belehren. Dieses Problem ist ziemlich bekannt, und die Medien verfügen über Erfahrungen
diesbezüglich. Aber das Wichtigste, und nur Wenige nehmen das ernst, sind die vorbeugenden
Maβ nahmen, die jedes Medium ergreifen muss in Hinblick auf solche lästigen Annäherungen. Sie
können sich aus verschiedenen Gründen und auf die verschiedensten Arten ereignen: reine Anziehung
der mediumistischen Eigenschaft; Annäherung wegen der geistigen Affinität oder wegen
irgendwelchen Sorgen des Mediums; affektive Bande aus vorhergehenden Existenzen oder aus diesem
Leben; die Aktion eines schützenden Geistes um den Leidenden zu begünstigen, und so weiter.

Es kann sein, dass die besetzenden und mystifizierenden Geister die Standhaftigkeit des
Mediums auf die Probe stellen wollen, oder sie sind von ihren eitlen oder boshaften Gedanken
angezogen, oder sie tun es aus verschiedenen anderen Gründen: ein früherer Hass, Verfolgung aus
lehrhaften Gründen von Seiten Anhänger von Sekten, die gegen die Lehre sind, Rache in Bezug auf
Probleme der Vergangenheit, der Wunsch, das Medium dazu verleiten, andere spirituellen Wegen
einzuschlagen und es vom Spiritismus zu entfernen, und so weiter. Das Buch der Medien erläutert das
Thema, auf das wir uns beziehen, sehr gut und weist auf die Verschiedenheit der Gründe hin. Dazu
muss man auch Kardecs Buch über die Bessenheit lesen und in der Revue Spirite nachforschen. All
diese Fälle können vom Medium verhindert werden, wenn es sich in seinem Leben normal verhält,
sich den systematischen lehrhaften Studien widmet, um die mediumistischen Funktionen besser zu
verstehen. Die regelmäβ igen und ständigen Beziehungen zu den betreuenden Geistern, um allen
hilfsbedürftigen Geistern jeglicher Art zu dienen und hauptsächlich der Besuch der Sitzungen, in
denen das Medium völlig bereit ist, alle Geister, die sich ihm nähern werden, zu bedienen sind
unbedingt notwendig. Ein christliches Verhalten in allen Situationen und das ständige Interesse an der
Kenntnisnahme der Lehre sind die besten Vorbeugungsmaβ nahmen gegen all diese Annäherungen,
die, ihm, im allgemeinen, die Gelegenheit geben zu dienen und seinen mediumistischen Aufgaben
besser nachzukommen. Umso beflissener sich das Medium in seinen mediumistischen
Verpflichtungen erweist, desto ausgeglichener und desto fähiger, die Verwirrungsfälle zu lösen, wird
es sich fühlen. Die Medien müssen es vermeiden unzufrieden, traurig und verärgert zu sein, um so gut
wie möglich bereit zu sein, allem in aller Natürlichkeit, im Vertrauen und im Glauben
entgegenzutreten, sie müssen auch davon überzeugt sein, dass die erhabenen Kräfte die gutwilligen
Menschen bewachen, aber sie dürfen sich nicht von einem illusorischen Optimismus oder von der
Hoffnung auf persönliche Privilegien in der Zeit ihrer irdischen Erfahrungen verleiten lassen. Das
Gesetz der Liebe beherrscht das Universum. Diejenigen, die gelernt haben zu lieben und zu verzeihen,
zu beten und zu dienen, die haben nichts zu fürchten.

Die mediumistischen Beziehungen verwickeln die lehrhaften Institutionen in ernste Probleme


moralischer Art. Die Institutionen haben die Augabe, die Lehre auf gesellschaftlicher Ebene zu
representieren. Die religiösen Praktiken des Spiritismus verleiten die Bevölkerung dazu, ihn wie eine
einfache Religion anzusehen und sie ordnen ihn in die formalen Forderungen des kirchlichen Systems
ein. Ein Verband ist eine Art Kathedrale und ein Zentrum ist eine Kirche. Es sind also heilige Stätten,
wo die Exponenten der Religion lehren und woher die reine und makellose Lehre hervorgeht. Im
allgemeinen werden die Medien als die Priester des spiritistischen Kultes angesehen und viele von
ihnen sind davon begeistert und überzeugt. Daraus ergibt sich von Seiten der Medien, der Zentren und
der Gruppen eine unterwürfige Haltung des Verbandes gegenüber, was die lehrhaften Prinzipien der
Freiheit und der Selstbestimmung, ohne welche die eigene Verantwortung der kleineren Institutionen
nicht existieren würde, verletzt. Die Institutionen des Verbandes sind die ersten, die sich dessen
überzeugen und somit beherrschen sie die lehrhaften Kreise. Die Veranlagung der Menschen, Fehler
zu begehen, kann den Verband dazu verleiten, schlimme lehrhafte Fehlgriffe zu begehen oder
eindeutige Mystifizierungen auf sich zu nehmen, die, unter der Prestige des Verbandes, die
spiritistischen Kreise überfluten, sich in ihnen verwurzeln, schlimme Schäden in der ausgeglichenen
und logischen Struktur der Lehre verursachen und sie so entarten, dass sie lächerlich wirken. Die
mediumistischen Beziehungen zwischen dem Verband, den Zentren, den Gruppen und den Medien,
die da arbeiten sind dadurch erschüttert. Den Medien obliegt die Funktion, das Gleichgewicht durch
die Manifestationen der betreuenden Geister wiederherzustellen. Aber diese Konfliktsituation schränkt
die Geister- und Medienarbeit ein. Jegliche mediumistische Manifestation, die von der Orientierung
des Verbandes abweicht, wird als Betrug angesehen.

Es handelt sich nicht um ausgedachte Situationen, sondern um konkrete und bekannte


Tatsachen. Die Medien, die keine gute lehrhafte Ausbildung haben, unterwerfen sich der formalen
Macht, die in Wirklichkeit nicht existiert. Andere, die besser informiert [ausgebildet] sind,
unterwerfen sich, um Streit zu vermeiden. Aber diejenigen, die ein lehrhaftes Bewusstsein haben und
ihre mediumistischen Aufgaben kennen, sind nicht einverstanden und werden von der Institution
entfernt. Die Schwierigkeiten, diese Krise zu überwinden, nehmen zu mit der Zeit. Medien, die sich in
den mediumistischen Kreisen profiliert haben, sehen sich gezwungen zu schweigen, um die
Empfindlichkeiten einiger Personen nicht zu verletzen und keine Skandale zu provozieren. Die
Mediumschaft ist in ihrer aufklärerischen und orientierenden Funktion tödlich verletzt. Die
menschlichen Interessen setzen sich über die sprituellen Interessen hinweg und somit stellen sie die
Zensur her, die mediumistischen Manifestationen kontolliert. Auf diese Weise wurde der
pneumatische Kult des primitiven Christentums, in dem das Pneuma (Geist auf Griechisch) durch die
Konzilientscheidungen der römischen Kirche, die sich auf die irdische Macht des römischen
Imperiums stützte, erstickt. Der Geist lässt seinen Hauch nicht mehr spüren, aber die Macht und die
Autorität der Formalismen und der Konventionen haben sich des Christentums bemächtigt und es
völlig entartet. Als die himmlischen Stimmen sprachen, wurden die Medien im Namen Christi
geopfert. Jeanne d’Arc, die den Hauch der spirituellen Stimmen empfing, wurde exkommuniziert und
danach bei lebendigem Leibe auf dem Scheiterhaufen der Inquisition verbrannt. Die heutigen Medien,
die die Macht der Menschen noch fürchten, scheinen in den spiritistischen Institutionen, die von ihren
lehrhaften Aufgaben abgewichen sind, die Bedrohung des Scheiterhaufens zu sehen.

Die Medien, die die Aufgaben der mediumistischen Moral erfüllen wollen, müssen über diese
wirkliche Parabel, die nicht aus Phantasiefiguren, sondern aus historischen Fakten besteht,
nachdenken. Wir können die Legitimität der Medien und ihrer Mitteilungen messen am
Gewissensgrad, den sie bei der Ausübung des Mediumismus in solchen Momenten beweisen. Das
Schlimmste an diesen Unterlassungen ist, dass die meisten aus weltlichen Interessen herrühren: die
Angst, aus der Institution ausgeschlossen zu werden, der Wunsch, als hervorragendes Element zu
glänzen, und so weiter. Der Mangel an Überzeugung und an Mut von Seiten der Medien und der
Direktoren verdarb unser System der mediumistischen Mitteilungen und machte es verdächtig. Wir
müssen unbedingt eine Überprüfung des Systems vornehmen, damit wir wenigstens entdecken welche
Botschaften die Zensur angefochten hat. Diese Botschaften müssen wertvolle Lehren der
mediumistischen Moral enthalten, die stärkende Einspritzungen von Energien waren, die in der
mühevollen Anstrengung der Unterlasungen verbraucht wurden.

Die Stellung des Mediums in der Familie ist fast immer mit Konflikten verbunden. Es geht
ihm genauso am Arbeitsplatz, in den politischen Kreisen, und so weiter, und nicht so sehr wegen der
Meinungsverschiedenheiten mit den Anderen in Bezug auf verschiedene Fragen, sondern wegen seiner
Pflicht, der guten und gerechten Lösung der Auseinandersetzungen beizutragen. Die mediumistische
Moral rät ihm von der Unterlassung ab, die immer eine Flucht vor dem Erfüllen seiner Pflicht ist. Das
Medium muss handeln, sich an der Seite seiner Kollegen beteiligen, aber es darf seinen Prinzipien
nicht untreu werden, um dem einen oder dem anderen zu gefallen. Seine Haltung misst sich an dem
christlichen Imperativ des Dein Wort sei ja, ja, nein, nein. Was darüber hinausgeht, wie wir es in den
Evangelien sehen, ist das Werk des Bösen, das heisst des Anpassungsgeists, des Verrats an sich selbst.
Mit Hilfe der Ehrlichkeit sind diese Schwierigkeiten leicht zu überwinden. Aber so ehrlich das
Medium auch sein mag, das gröβ te Hindernis, das es überwinden muss, liegt in der
entgegengesetzten Einwirkung der niedrigen Geistern, die versuchen werden, in zu der einen oder
anderen Position, je nach ihrem Belieben zu verleiten.Wenn das Medium nicht wachsam ist und betet,
wird es bestimmt den groβ zügigen Geistern, die ihm immer helfen wollen, den Zugang verwehren.
Die mediumistische Anschauung wird nicht nur auf die spirituellen Fragen angewandt, sondern auf
jegliche weltliche Problematik. Die Medien wissen, dass der Mensch Geist und nicht Fleisch ist, so
dass er, im Grunde derselbe in dieser und in jener Welt ist. Indem er an seine spirituellen Freunde
appelliert, wird er den intuitiven Beistand, der ihm den richtigen Weg zeigen wird, erhalten. Und
dieser Weg ist der Weg der Liebe, die es vermeidet, unnütz zu verletzen, die die Richtung angibt, ohne
sich anmassen, sie aufzuzwängen, die mit Würde und ohne zu protestieren verliert, die durch die
Vernunft und ohne Betrug gewinnt. Keiner von uns ist der Richter, der endgültig über den Zwist
entscheidet. Was gut und gerecht ist, das ist auch moralisch. Aber wenn die Mehrheit dieses Kriterium
aus privaten Interessen verwirft, so müssen wir der Macht der Vielen nachgeben. Es ist nicht einfach,
den Sieg der Unvorsichtigkeit zu tolerieren, aber wenn wir das tun, was uns zusteht, wird unser
Gewissen nicht unberuhigt sein. Wir müssen die Wahrheit gegen die Lüge bestehen lassen, wir dürfen
die Fehler nicht unterstützen, sondern wir müssen versuchen, sie zu verbessern. Wenn dieser Versuch
misslingt, so fällt die Verantwortung der Fehler auf diejenigen, die sie begangen haben, zurück. In
diesem Falle wäre der Protest das Zeichen Gottes auf der Stirn Cains. Das Medium bietet der Welt
seinen Beitrag an, aber es darf sie nicht dazu zwingen, ihn zu akzeptieren.

Kapitel 11

MEDIUMSCHAFT BEI DEN TIEREN

Das Frage der Mediumschaft bei den Tieren tauchte zur Zeit Kardecs auf und wurde in der Société
Parisienne d’Études Spirites studiert und debatiert. Sowohl die Spiritisten als auch Kardec meinten,
dass das Thema nicht fundiert sei. Die Tiere sind unsere nächsten Geschwister auf der
ontologischen Skala. So wie Darwin, betrachtete auch Roussel Wallace, spiritistischer
Anthropologue, das Tier als das letzte Glied der evolutionären Kette, die beim Menschen aufhört.
Nach der Menschheit beginnt ein neuer Evolutionszyklus mit den Engeln. Der Engel ist der
spirituelle Mensch, letztes Produkt der ontischen Evolution der Erde, der im Judentum, im
Christentum und im Islam mit Flügln und einer leuchtenden Aura dargestellt wird. Es gibt keine
Diskontinuität in der Evolution. Alles verkettet sich im Universum, wie es Kardec betont.

Die spiritistische Ontogenese, das heisst die doktinäre Theorie von der Schöpfung der Wesen (Aus
dem griechischen: onto: Wesen; logis: Sudium, Wissenschaft) zeigt den evolutionären Prozess vom
Mineralreich bis zum menschlichen Reich [Menschenreich] . Diese Evolutionstheorie ist kühner als
die von Darwin. Léon Denis gab in einer poetischen und naturalistischen Sequenz folgende
Definition: die Seele schläft auf dem Stein, träumt auf der Pflanze, bewegt sich im Tier und
erwacht im Menschen. Zwischen jeder dieser Phasen gibt es eine Zwischenzone, wie man es in den
wissenschaftlichen Studien überprüfen kann. Die spiritistische Evolutionstheorie betrachtet den
Menschen als ein aus Geist und Materie gebildetes Ganzes. Die eigentliche Evolution wird als ein
dialektischer Prozess der Interaktion zwischen diesen beiden Hauptelementen: der Geist und die
Materie. Sowohl in der Wissenschaft als auch in der Philosophie folgt diese Evolutionstheorie dem
selben Muster, In der Religion finden wir sie im Orient. Das Buch der Genesis aus der Bibel, wie
wir es schon gesehen haben, erkennt diese Theorie an und stellt sie in symbolischen Worten dar:
Gott hat den Menschen aus dem Lehm der Erde geschaffen. Heute, mit den berühmten Arbeiten
des Paters Teilhard de Chardin, setzt sich die Evolutionstheorie, sogar im Katholizismus, ungefähr
im selben Sinne wie in der spiritistischen Theorie durch.

Jede Phase der Evolution, die in einem der Naturreichen bestimmt ist, ist durch ihre eigenen
Bedingungen gekennzeichnet, die aus der Entwicklung von Potentialitäten der vorhergehenden
Reiche sich ergeben. Nur in den Zwischenzonen, die den Übergang von einer Phase zur anderen
anzeigen, mischen sich vorhergehende Charakteristiken mit den darauffolgenden. Zum Beispiel:
zwischen dem Pflanzenreich und dem Tierreich gibt es die Zone der fleischfressenden Pflanzen;
zwischen dem Tierreich und dem Menschenreich gibt es die Zone der Anthropoide. Im
Mineralreich, der vom Pflanzenreich durch unbestimmte Gattungsarten, unter denen sich die
Mineralpflanzen befinden, entdeckten die wissenschaftlichen Forschungen die Urzeugung der
Viren in den Kristallstrukturen. Die wissenschaftliche Forschung bestätigt die Evolutionstheorie
durch eindeutige und bedeutsamen Daten. Die Viren gehören einer Phase der Kreuzung von den
drei Reichen an: dem Mineralreich, dem Pflanzenreich und dem Tierreich, als wären sie eine Art
Probefür die zukünftigen Entwicklungen.
Die spezifische Charakterisierung jedes dieser Reiche bestimmt die Möglichkeiten jedes einzelnen,
dessen Entwicklung auf ein Gebiet beschränkt ist. Im gibt es keine Lebenszeichen, die Pflanze ist
mit Leben und Sensibilität versehen, zu diesen Charaktersitiken der Pflanze kommen beim Tier die
Beweglichkeit und die mit einer sich entwickelten Intelligenz versehenen spezifischen
Sinnesorgane hinzu. Nur beim Menschen befinden sich all diese Charakteristiken der Naturreiche
in einer vollkommenen und ausgeglichenen Synthese, dazu kommen eine entwickelte Intelligenz,
die Vernunft und ein kontinuierliches und kreatives Denken. Aber die verfeinertste Errungenschaft
der Evolution, die den Mesnchen als Zugehöriger der Engelsgattung kennzeichnet, ist die
Mediumschaft. Die Mediumschaft, als organlose Funktion, die sich aus allen organischen und
psychischen Funktionen der Gattung ergibt, ist die Synthese schlechthin, die alle Phasen des
evolutionären Prozesses der Natur in sich vereint. Es ist einfach absurd, diese Synthese anderen
Spezies als der menschlichen zuschreiben zu wollen. Diejenigen, die behaupten, man finde sie im
Tierreich, setzen sie auf ein gewöhliches System der tierischen Kommunikation herab, inden sie ihr
die Essenz aberkennen, um sie nur durch die Wirkungen in Betracht zu ziehen. Die wichtigsten
Elemente, die das Aufblühen dieser seltsamen Blume auf der Erde ermöglichten und sicherstellten,
erschienen nur beim Menschen: die äusserst vervollkommnete Sensibilität der Materiellen
Möglichkeiten, der verfeinerte und subtile Psychismus, die Affektivität, die die Impulse der
Transzendenz aufnimmt, der auf erhabene Ziele gerichtete Wille, der rationale und forschende
Geist, das unterscheidende und analytische Bewusstsein, die disziplinierende und wertende
Vernunft, die sich selbst bewertet, das uralte Archiv, als funktionales Substrat des Gedächtnises in
den Tiefen des Unterbewusstseins, das kreative Denken, das den Raum und die Zeit beherrscht, die
angeborene Intuition von Gott, die das lebendige Siegel des Schöpferaktes im Geschöpf ist.
Wo, wann und wie entdecken wir diesen ganzen inneren Reichtum in den Tieren, so dass aus ihnen
diese strahlende Blume der Mediumschaft sprieβ en könnte? Die Ähnlichkeiten zwischen dem Tier
und dem Menschen rühren gerade aus den Unterschieden, die ihn in überlagernden Ebenen der
Wirklichkeit situieren. Der Mensch zieht das Tier zu seiner höheren Ebene heran, so wie Gott uns
zur Göttlichkeit heranzieht. Diese Anziehungskraft kann nur auf der magnetischen Linie der
Gleichartigkeiten wirken. Aber diese Gleichartigkeiten müssen sich agglutinieren wie die Daten der
Forschung sich vereinen, um den Prozess der wissenschaftlichen Induktion zu ermöglichen. Das
Tier wird die Voraussetzungen zur Mediumschaft erst haben, wenn es die Synthese der Kräfte, die
auf die Gattungsarten des Tierreiches verteilt sind, erreicht, dann kann es sich zur menschlichen
Ebene erheben. Aber dann ist er kein Tier mehr, sondern ein Mensch. Diekomplexe Darstellung
dieses Problems beweist, wie komplex und heikel die mediumistische Frage ist und dass sie nicht
mittels einfacher Meinungen, die von oberflächlichen Beobachtungen herrühren, behandelt werden
kann.

Die Tierespsychologie ist heutzutage genug fortgeschritten, um uns zu zeigen, dass, das intelligente
Verhalten von Tieren oft nur ein falsch interprierter Automatismus ist. Langwierige und genaue
Beobachtungen und tausendfach unter strenger Kontrolle wiederholte Experimente bewiesen die
begrenzten Anpassungsfähigkeiten der Tiere an die menschliche Funktion. Laut Kardec, kann die
Distanz zwischen dem Tier und dem Menschen mit der Distanz zwischen dem Menschen und Gott
verglichen werden. Zu Kardecs Zeit bestanden neugierige, erfinderische, aber unwissende Leute
darauf, dass es Mediumschaft bei den Tieren gibt, und sogar, wie man es im Buch der Medien
nachlesen kann, dass es leblose Medien gibt, das wären die bewegten Gegenstände in Sitzungen der
physischen Effekte. Unwissende und deswegen auch voreilige Bobachter sahen in den sich
bewegenden Tischen eine Lebens- und Intelligenzerscheinung. Kardec erläutete das Problem,
indem er zeigte, dass die Geister, durch die fluidische Imprägnation, den Tischen und anderen
Gegenständen ein unechtes, das heisst, ein künstliches Leben verliehen. Heutzutage spricht man
nicht mehr von leblosen Medien, aber man besteht immer noch auf die falsche Annahme der
Mediumschaft bei den Tieren.

Die aktuellen parapsychologischen Forschungen bewiesen, dass die Tiere eine übersinnliche
Wahrnehmungskraft besitzen, die sie dazu befähigt, die Gegenwart niederer spiritueller Wesen
wahrzunehmen. Manche Fähigkeiten sind bei Tieren schärfer entwickelt als bei uns Menschen, so
wie die Sehkraft beim Adler und beim Luchs, der Geruch und die Hörkraft beim Hund, der
Orientierungssinn bei den Vögeln und bei den Meerestieren, und so weiter. Es
sindSinneswahrnehmungen, die je nach Überlebensbedarf bei manchen Gattungsarten entwickelt
sind. Wenn unsere entsprechenden Wahrnehmungen nicht so entwickelt sind, so kommt es daher,
dass sie für uns in einem niedrigen Grad geeignet sind, damit sie die höheren Eigenschaften, die
wir mehr zu unserer spirituellen Evolution benötigen, nicht stören. Die übersinnliche
Wahrnehmungskraft ist im Tierreich sehr verbreitet, aber sie ist immer auf die lebenswichtigen
Bedürfnisse aus gerichtet. In manchen Fällen regen die für dieses Reich verantwortlichen Geister
die Wahrnehmungskraft der Tiere an, damit sie in besonderen Umstände des Menschenlebens
dienen können. Die biblische Episode von Balaon, zum Beispiel, die den Fällen von Tieren, die
sich weigern, wegen Gespenster eine gewisse Strecke eines Weges zu benutzen, - wie es in den
brasilianischen und anderen volkstümlichen Legenden gezeigt wird – gleichen, haben nichts mit
Mediumschaft zu tun. Oft weigert sich das Tier, weil es auf dem Weg nicht einen Geist oder einen
Engel mit einem Schwert (reine naive Mythologie) vernommen hat, sondernweil es in einem Busch
eine Schlange gesehen hat.

Katholische Parapsychologen, so wie Robert Amadou, in Frankreich, haben die Beweise der
übersinnlichen Wahrnehmung der Tiere dazu benutzt, um die These aufzustellen, dass die
paranormalen Funktionen des Menschen ein Überbleibsel der Animalität sein müsse. Aber die
meisten europäischen, nordamerikanischen und sowjetischen Parapsychologen zeigten das
Gegenteil, und zwar, dass diese Wahrnehmungen ersprieβ en [aufblühen] als neue menschliche
Möglichkeiten in der kosmischen Ära, in der die Menschen den siderischen Raum beherrschen
werden müssen. Die astronautischen Forschungen haben dies auf überzeugende Weise bestätigt.
Heutzutage wird die Telepathie als die einzig mögliche Kommunikationsform in kosmischen
Entfernungen zwischen den Astronauten und der Erde angesehen. Mitchels berühmtes Experiment
im Apolo-14 hat die Streitigkeit beendet.

Es gibt beeindruckende Materialisationsfälle von Tieren in experimentellen Sitzungen. Es gibt


spontane Erscheinungsfälle von Gespenstertieren in verschiedenen Reiseberichten und psychischen
Forschungen. Die Leute, die sich von diesen Fällen beeindrucken lassen, haben bestimmt
vergessen, dass die Materialisationen von den Geistern produziert werden, die sowohl eine
menschliche Figur als ein Paar Schuhe oder eine tierische Figur materialisieren können. Im Buch
der Medien liefert uns Kardec eine ausgezeichnete Studie über das Laboratorium der unsichtbaren
Welt, wo all diese Fälle erläutet werden. Die erhabenen Geister erklären die wissenschaftlischen
Prozesse dieser Manifestationen, die, andererseits, die neusten Errungenschaften der Physik und
der Parapsychologie zu erklären helfen. Sowie die Geister auf die leblosen Gegenstände einwirken
können, indem sie sie durch [mittels] ihre eigenen fluidischen Vibrationen or durch [mittels] die
ektoplasmischen Energien eines Mediums inBewegung setzen, so können sie auch auf die Tiere
und auf die Pflanzen einwirken, indem sie Phänomene physischer Art produzieren. Den
Forschungen von Rhine, Soal und Caringthon in den Vereinigten Staaten und in England gemäβ ,
bewies die Psychokinese auf unbestreitbare Weise, dass der Geist auf die Materie einwirken kann.
Die neueren sowjetischen Forschungen, an der Universität von Kirov, bewiesen die Existenz eines
bioplasmischen Körpers sowohl im Menschen als auch in den Pflanzen und in den Tieren.
Vorherige Forschungen, die Raoul Montandon in Frankreich durschführte, bewiesen die Existenz
einer energetischen Struktur in Heuschrecken und in anderen kleinen Tieren. Diese Strukturen
wurden beim Tod des Tieres unter Einwirkung von Etherspritzen nicht zerstört, und neben den
Tieren, die nicht starben, konnte man auf Photos, die mit Infrarotlicht gemacht wurden, die perfekte
Form der energetischen Struktur sehen. Dies wissenschaftlichen Untersuchungen liefern uns
wichtige Informationen über die Phantasmen von Tieren.
Das Überleben der tierischen Form bestätigt die spiritistische Therie diesbezüglich, während die
Psychokinese die mentale Kraft der Geister, diese Formen zu kontrollieren, beweist. Die
Manifestationen der tierischen Phantasmen sind natürlich nicht bewusst wie bei den menschlischen
Geschöpfen, aber sie werden von spirituellen Wesen produziert, die an diesen Demonstrationen
interessiert sind, sei es um die höchste Achtung für Tiere anszuspornen, sei es aus
wissenschaftlischen Gründen. Zu Kardecs Zeit, in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, als sowohl in
Frankreich als auch in den anderen europäischen Länder, noch die Theorie von Descartes
vorherrschte, wonach die Tiere Maschinen sind, keine Seele besitzen und von instinktiven
Meschanismen bewegt sind, waren die Tiermanifestationen häufig. In den Jahrbüchern der
Gesellschaften für Psychische Forschungen wird über viele Fälle von Tiermanifestationen in
England berichtet. In São Paulo haben wir den berühmten Fall von der Materialisation eines
Hundes, der dem damaligen Gouverneur Ademar de Barros gehörte, die in den Sitzungen der
Gruppe von Odilon Negrão, mit dem Ektoplasmamedium D. Hilda Negrão und dem Arzt Luiz
Parigot de Sousa, stattfand Die Spiritisten sind sichtbar daran interessiert, zu beweisen, dass die
Tiere wirklich unsere Geschwister in Fleisch und Geist sind. Diese Manifestationen bezwecken
eindeutig der tierischen Evolution zu verhelfen, indem sie die Aufmerksamkeit der Menschen, die
sie beschützen können, auf sie lenken.

Das Absurdeste in den neuen Theorien über die Mediumschaft bei den Tieren ist, dass sie die
Einverleibung der menschlichen Geister in Tieren akzeptieren. Die legendären Verwandlungen von
Wölfen in Menschen und sogar die Verwnadlung von Menschen in Schweine durch den Zauberstab
von Circe tauchen an diesem gegensätlzichen Vorvorabend der kosmischen Ära auf. Die
Mediumschaft hat nichts mit diesen Legenden, die nur Autoren von fantastischer Literatur
interessieren können, zu tun. Die mediumistischen Kommunikationen sind nur auf menschlicher
Ebene möglich, aus den Gründen, die wir oben schon angegeben haben und die wirklich genügen
um die Theorien der unmöglichen Verwandlungen zu vertreiben. Die Natur benutzt die
Verwandlungsprozesse der Formen in der Entwickling der Gattungsarten und im Wachstum der
menschlichen Geschöpfe, immer im Umfeld jeder Gattung und unter Berücksichtigung der Gesetze
von den langsamen Variationen der Wesensbildung. Der Spiritismus hat nie Phantasieauswüchse
zugelassen, die ihn dazu veranlassenBerü würden, die Regeln des gesunden Menschenverstandes
und die Entschlossenheit, mit der er voranschreitet, zum Erwerben der ernstesten Kenntnisse, die
die Menschheit braucht um ihre moralische und spirituelle Evolution fortzusetzen, aus den Augen
verloren.

Die tierliebende Tendanz ist in den spiritistischen Kreisen sehr verbreitet. Der angeborenen Liebe
zu den Tieren fügen die Spiritisten die lehrhaften Mittel ihrer rationalisierung hinzu. In jedem Tier
sehen sie eine sich entwickelnde Seele, ein primitiver Geist auf dem Wege zur Vermenschlichung.
Dies ist eine wahrhaftige Ansicht und sie trägt viel dazu bei, unsere Vorstellung der Tiere als reine
Fleischversorger für unseren Tisch zu verbessern. Aber der Mangel an vertiefter Kenntnis der
Lehre führt die meisten tierliebenden Personen zu lächerlichen Extremen, wie im Falle der
Mediumschaft bei den Tieren. Viele Spiritisten sind überrascht darüber, dass Das Buch der Geister
das Essen von Fleisch nicht verurteilt und begeistern sich für Bücher, in denen es verboten ist. Das
Beispiel von Indien würde genügen, um ihnen die vernünftige Haltung der Lehre zu zeigen. Die
Unterernährung der indischen Bevölkerung kommt zum Teil von der Zoolatrie, der Anbetung
heiliger Tiere. Der Spiritismus vermeidet es, den Menschen dem Tier zu opfern und, zu gleicher
Zeit, versucht er diejenigen, die dieses Opfer akzeptieren, von einer glatten Aberglaubenebene
abzubringen. Nichts ist dem Rationlismus der Lehre entgegengestzter und dem genauen
Verständnis ihrer Prinzipien schädlicher als der übertriebene Sentimentalismus.

Das brutal und brutalitäterzeugende Opfer von Tieren in unserer Welt ist wirklich abscheulich.
Aber wir befinden uns in einer niederen Welt deren eigenen natürlichen Verhältnisse dazu führen.
Ein ernstes Problem der effektiven Verbreitung des Vegetarianismus auf der Erde ist, dass in
unserem Organismus genug Proteine vorhanden sein muss und dass es leicht von unserem
Organismus assimiliert werden kann. Der Mangel an angemessener, proteinehaltiger Nahrung
erzeugt die Organversagen, die zur Schwächung der Bevölkerungen, zum Mangel an
Wiederstandsfáhigkeit gegen Krankheiten, zum Verbrauch der lebenswichtigen Energien. Wo es
an proteinischer Nahrung fehlt, vermehren sich die Fälle von Gehirnsklerose, dadurch werden
Millionen Gehirne, die der Gemeinschaft noch viel geben könnten, unbrauchbar. Die Tiere werden
geopfert und übernehmen die Funktion von Proteinelaboratorien der Nahrung für die Menschen.

Dank des Fortschritts der Wissenschaft auf diesem Gebiet, fangen die Menschen erst jetzt an zu
merken, das eine ausgeglicherene und rationalere gesellschaftliche Organisation dieses danteske
Bild verändern, ein Bild, das Kardec dazu geführt hat, die Erde als Fegefeuer und sogar als Planet
der Hölle anzusehen. Aber eine tiefe Transformation der sozialen und wirtschaftlichen Strukturen
wird nötig sein, damit die erneuernden Techniken die brutalen Bedingungen unseres
Nahrungssystem verändern, dank der Verwertung von allen Gemüsesorten, so wie die Sojabohne,
die das Fleisch ersetzen können. Dazu ist es nötig, dass die ungeheuren Mittel, die von den
zivilisiertesten Nationen nicht mehr für den Krieg sondern für den Frieden benutzt werden, um die
Agrar- und die Nahrungsmittelproduktion zu fördern. Dies würde den Menschen von der
momentanen, tragischen Situation befreien, in der er gezwungen ist, den Preis des systematischen
Tötens von Tieren mit dem systematischen Tötenvon Menschen auf den Schlachtfeldern zu
bezahlen. Wenn der Mensch seine Aufgaben missachtet, sorgen seine eigenen Lebensbedingungen
dafür, ihn den nötigen Einlösungen seiner kriminellen Leichtfertigkeit zu unterwerfen. Die
riesengroβ en mit zerstörerischen Waffen beladenen Arsenale lassen sich von den Menschen den
Preis für die schrecklichen Schlachthöfe und Fleischwarenfabriken bezahlen. Wir töten Millionen
Tiere zum essen und wir verbrauchen die proteinischen Energien dieses Gemetzels im kollektiven
Selbstmord der Ausrottungskriege.
Dieses düstere Panorama wird durch die Hoffnung auf die Zukunft gemildert. Und, heutzutage, als
Ausgleich für die Dummheit der angeblichen Mediumschaft bei den Tieren, haben wir das
Erwachen im mediumistischen Feld eine Art Mediumschaft, zu der sich nur ein paar
hoffnungsvolle Spiritisten wenden.Professor Humberto Mariotti, ein argentinischer spiritistischer
Philosoph, der durch seine Werke und Vorträge in Brasilien schon ziemlich bekannt ist, liebt Tiere
über alles. Bei seinem letzten Aufenthalt in São Paulo haben wir ein paar Gedanken und
Informationen über vetarinäre Mediumschaft ausgetauscht. Wir können die Tiere nicht zum
höheren Mediensand erheben, aber wir können ihnen die Wohltaten der Mediumschaft zugestehen.
Wie wir, hatte Mariotti rührende Episoden von seinem persönlichen Erlebnis auf diesem Gebiet.
Man kann den Tieren einen sehr nützlichen mediumistischen Beistand leisten. Dem kranken Tier
kann durch Handauflegen und Gebet, sogar mittels fluidifizierten Wasser geholfen werden. Die
Medien, die Tierärzte sind, das heisst, Medien, die sich auf die Tierbehandlung spezialisieren
würden, würden der Mesnchheit helfen, sich von den schweren Konsequenzen ihrer
fleischkonsumierenden Gier zu befreien. Im Buch der Medien bezieht sich Kardec auf die
Versuche, Tiere zu magnetisieren, die in Frankreich gemacht wurden und, aus Gründen, die gegen
die Mediumschaft bei den Tiern sprechen, rät er von dieser Praktik ab. Er meintsogar, dass die
Transmission von den menschlichen vitalen Fluida gefährlich für die Tiere ist, bedingt durch der
groβ e evolutionäre Unterschide zwischen den beiden Gattungen. Aber in der veterinären
Mediumschaft ändert sich die Situation. Laut vielzähliger mediumistischer Informationen wird das
Tierreich von menschlichen Geistern, die auf Erden tierliebend waren, beschützt und betreut. Beim
Handauflegen überträgt das veterinäre Medium, wie das menschliche Medium, seine Fluida nicht
von sich aus, aber es dient nur den schützenden Geistern als Übertragungsmittel. Die
mediumistische Situation ist sehr verschieden von der magnetischen oder hypnotischen Situation.
Wenn das Medium dem Tier Beistand leistet, richtet es sein Gebet an die höheren Sphären und er
fleht die schützenden Geister des Tierreiches an, dem Tier zu helfen, dabei steht er diesen Geistern
zur Verfügung. Beim Handauflegen denkt er an Gott oder an Jesus, den Schöpfer und den
Verantwortlichen für das Tierleben auf der Erde. Das Wasser flieβ t auf dieselbe Weise und
vertraut auf den Beistand Gottes. Es handelt sich nicht um eine Theorie oder Technik, die wir
erfunden haben, sie ist ganz natürlich aus der Liebe zu den Tieren entstanden und ist in den
spiritistischen Kreisen schon mehrfach praktiziert worden.

Mariotti erzählhte uns die rührende Episode einer Katze, die ihn liebgewonnen hatte und der er
mehrmals geholfen hatte. Als die Stunde ihres Todes gekommen war, kam sie in sein Bett, leckte
ihm das Gesicht, um sich bei ihm zu bedanken oder um Hilfe zu bitten und gab an seiner Seite den
Geist auf. Wir hatten den Fall einer kleinen Pekinghündin, die der Tierarzt aufgegeben hatte.
Während der Nacht wurde mehrmals das Handauflegen praktiziert und als sie am anderen morgen
aufwachte, war sie geheilt. Der Tierarzt erschrak ob der seltsamen Genesungskraft. Ein mit uns
befreundeter, spiritistischer Tierarzt erzählte uns von den Erfolgen, die er hatte als er Tieren
mediumistischen Beistande leistete, insbesondere den Fall einer kalbenden Kuh, bei dem er glaubte
schon gescheitert zu haben. Er benutzte seine veterinäre Mediumschaft und die Schwierigkeiten
verschwanden. Auf der Ebene des Guten, der Ausübung der Liebe, ist alles möglich. Die veterinäre
Mediumschaft kann tierliebenden Spiritisten helfen, die sich von der absurden Idee der tierischen
Mediumschaft leiten lassen, indem sie ihnen die Gelegenheit gibt, den Tieren mit den
spiritistischen Mitteln zu helfen.
Kapitel 12

SPIRITISTISCHE MEDIZIN

Die spiritistische Medizin ist ein Prozess, der noch in der Entwicklung begriffen ist. Sie fing mit
Kardec und Doktor Demeure in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts in Paris an. Die
Experimente und Beobachteugen, die mit therapeutischen Medien in Doktor Demeures Klinik
gemacht wurden, befinden sich zum Teil in der Revue Spirite, einer zwölfbändigen Sammlung der
zwölf Jahre, in denen Kardec die monatlichen Hefte der Veröffentlichung, praktisch alleine, leitete
und schrieb. Die spiritistische Medizin ist eine natürliche Folge der Natur und der Ziele des
Spiritismus. Sowohl auf dem wissenschaftlichen als auf dem philosophischen und religiösen Gebiet
erwies sich die spiritistische Lehre als eine Form aktiver Humanismus, der dazu bestimmt ist, nicht
nur humanistische Prinzipien festzulegen, sondern auch durch den Menschen im Menschen zu
wirken, indem er ihm die Geheimnisse des Körpers und des Geistes entziffert und ihm die
kulturellen Mittel zur Humanisierung der Welt liefert. Die Probleme der menschlichen Gesundheit
konnten seiner universellen Einstellung nicht entgehen. Aufdiesem Gebiet, wie auf allen anderen,
ging Kardec mit Vorsicht und mit Weisheit zum Forschen, Beobachten une Orientieren vor. Der in
den Wissenschaften und in der Medizin vorherrschende Materialismus lehnten die spiritistische
Medizin ab. Kardec, seinerseits, von seinen vielfältigen lehrhaften Auträgen überlastet, hatte keine
Zeit, sich besonders um sich diese Frage und um die Pädagogik zu kümmern, zwei Gebiete auf
denen er mit Erfolg kämpfte, denn seine Werke wurden von der Universität von Frankreich
übernommen. Er hinterlieβ nicht die Abhandlungen über spiritistische Medizin und über
spiritistische Erziehung und Pädagogik, die er ausarbeiten wollte. Als er das Werk über die
Kodifizierung des Spiritismus beendet hatte, nahm er das Gebiet der lehrhaften Anwendungen in
Angriff, so wie er es selbst ausdrückte und schrieb Die Genesis, ein äusserst wichtiges Buch auf
den drei Grundgebieten des Spiritismus. Aber, mit diesem Werk, hinterlieβ er ein Model für das,
was er die Anwendung der Prinzipien und der Daten des Spiritismus auf die verschiedenen Gebiete
der Kultur nannte.

Wir wissen wenig über seine Tätigkeit als Arzt, nur das, was sein Zeitgenosse und Freund Henri
Sausse und später die Forschungen und die hervorregande Synopse vom Leben des Kodifizierers
im Buch Allan KardecsLeben und Werk. Sein Interesse für den Spiritismus entfernte ihn von den
anderen Tätigkiten, wie zum Beispiel von dem Amt als Studiendirektor der Universität von
Frankreich. Ihm stand zu, mit den wissenschaftlichen Forschungen der mediumistischen
Phänomene in der Welt zu beginnen, was er mit ungemeiner Einsicht und voller Entsagung tat.
Charles Richet, Direktor der medizinischen Fakultät der Universät von Frankreich,
Physiologienobelpreis, wird später Kardec huldigen und, in seiner Metapsychischen Abhandlung,
Kardecs wissenschaftliche Einsicht anerkennen, der nie Fragen darstellte oder Prinzipien
ausarbeitete, die nicht auf rigorosenForschungen beruhten.

Trotz dieses versprechenden Anfangs konnte die spiritistische Medizin nicht voranschreiten, wie es
sich gebührte, das war bedingt durch die wissenschaftlichen, philosophischen und religiösen
Schranken, die alle herrschenden Kräfte jener Zeit gegen ihn erhoben, in einem wahren Komplott,
in dem sich die klerikalischen und medizinischen Elemente mit ihren beruflichen und
wissenschaftlichen Gesellschaften hervortaten. Der Erfolg der wissenschftlichen Forschungen von
Richet, Crookes, Notzing, Zöllner und von vielen anderen, auf dem Gebiet der mediumistischen
Phänomene und neuerdings die Bestätigung der phänomenalen Wirklichkeit durch die
Parapsychologie gaben jedoch den Möglichkeiten der spiritistischen Medizin neue Kraft. Heute
gibt es schon verschiedene Assoziationen von Medizin und Spiritismus und spiritistische Ärzte in
Brasilien und in der Welt, groβ e Ketten spiritistischer Krankenhäuser und bemerkenswerte
Arbeiten, die von Wissenschaftlern und spiritistischen Ärzten veröffentlicht wurden, hauptsächlich
in den Vereinigten Staaten, in England, in Italien, in Deutschland und in der Schweiz. Trotz der
ideologischen Einwände interessierten sich die sowjetischen Wissenschaften auch dafür, und
Doktor Wladimir Raikov, von der Moskauer Universität profilierte sich auf der ganzen Welt als
Erforscher der mediumistischen Phänomene mittels der Parapsychologie. Er interessierte sich
besonders für die Frage der Reinkarnation, die er ganz geschickt suggestive Reinkarnationen
nannte, als Erscheinungen psychiatrischer Art, die noch geklärt werden müssen. In den
Satellitenstaaten der Sowjetunion stieg das Interesse auf erstaunliche Weise. In Rumänien gründete
man eine neue wissenschaftliche Strömung, die als Psychotronika bekannt war aber die nichts
Anderes als eine verschleierte Parapsychologie war, um sich vor den materialistischen Vorurteilen,
die sich schon gegen Rhines und McDougals Wissenschaft erhoben hatten, zu retten. Die gröβ te
Errungenschaft der sowjetischen Wissenschaftler auf diesem Gebiet war die wissenschaftliche und
technologische Entdeckung des bioplasmischen Körpers der Pflanzen, der Tiere und des Menschen,
an der berühmenten Universität von Kirov in Afghanistan. Dieser Körper, der in seiner Struktur
und in seinen Funktionen, völlig dem Perisprit oder dem spirituellen Körper des Spiritismus
entspricht, stellt eine kopernische Revolution in der Biologie und in der Medizin dar. Leider griff
der Staat ein und die Forschungen wurden aus Gründen der ideologischen Sicherheit des
sowjetischen Staates unterbrochen. Das Buch von Sheila Ostrander und Lynn Schroeder, der
Universität von Prentice Hall (USA), das später von dieser Universität vom Bentam Books Verlag
von New York veröffentlicht wurde und das beweisende Interviews mit den verantwortlichen
Wissenschaftlern enthielt, ist trotzdem noch im Umgang in der westlichen Welt. Die
Wissenschaftler behaupteten, dass sie davon überzeugt sind, dass diese Entdeckung den
Wissenschaften und hauptsächlich der Medizin neue Perspektiven eröffnete und sie wurden dafür
bestraft.

Obwohl das Kapitel der spiritistischen Medizin in den sowjetischen Wissenschaften offiziell
verurteilt ist, eröffnet es dem wissenschaftlichen Gebiet der Welt unendliche Perspektiven. Bei
einem wissenschaftlichen Symposium in Moskau wurde sogar über Allan Kardecs Werke berichtet,
er wurde erwähnt als ein Rationalist des vorigen Jahrhunderts, der sich in Frankreich schon auf den
bioplasmischen Körper bezogen hatte.

Die spiritistische Medizin ist also eine unleugbare Wirklichkeit in der wissenschaftlichen Aktualität
der Welt, und ihre Biographie wirkt dramatisch, da sie sogar internationale Fragen mit einbezieht.
Diese Wirklichkeit wurde durch die brasilianische Episode des sogenannten Falles Arigó
bereichert. Es war der Fall des berühmten heilenden Mediums aus Congonhas do Campo, im
Bundesstaat Minas Gerais, über den ein Team von Wissenschaftlern und Ärzten aus verschiedenen
nordamerikanischen Universitäten Forschungen unternahmen. Die Forschungen bewiesen, dass es
wirklich Diagnosen, Heilung von unheilbaren Krankheiten, sowie hoffnungslose Krebsfälle, und
chirurgische Eingriffe ohne irgendwelche Asepti und Narkose gegeben hatte. Nach seinem Tod
durch einen Unfall wurde Arigó von den kirchlichen Behörden als Scharlatan verleumdet, aber von
den Wissenschafllern wurde er als einer der gröβ ten Fälle von heilender Mediumschaft der Welt
angesehen. Er starb bei einem Autounfall, gerade als er den Besuch eines schweizer und eines
japanischen Wissenschaftlerteams erwartete, die Forschungen über ihn unternehmen wollten. Wir
sahen den Antrag dieser Teams, denn Arigó hatte uns eingeladen, um ihm bei dem Empfang der
Forscher, die einige Wochen in Congonhas do Campo bleiben sollten, zu helfen. Die spiritistische
Medizin ist weder eine reine und einfache Anwendung der heilenden Mediumschaft auf
Fälle von unheilbaren Krankheiten noch eine Art Heilpraktikerkunst. Es ist was Kardec eine
Anwendung der spiritistischen Prinzipien auf kultureller Ebene nannte. In diesem Fall ist es die
spezifische Anwendung auf die Medizin, was nur von Ärzten gemacht werden kann. Der
Spiritismus leistet seinen Beitrag mit der Mediumschaft und die Medizin mit dem Wissen und der
Erfahrung der Ärzte. Es gibt Fälle, wo sich dieser doppelte Beitrag in einer Person vereint: der Fall
der spiritistischen Ärzte, die auch Medien sind. Deswegen sind die Assoziationen spiritistischer
Ärzte wichtig, denn sie können Bewegungen leiten, die Elemente der beiden Gebiete vereinen und
mit Arbeiten beginnen, die die spiritistische Medizin wissenschaftlich strukturiert. Die Medien
vertreten die spiritistischen Ärzte, die durch sie mit den Beobachtungen der anderen Seite des
Lebens beitragen. Die Ärzte vertreten die aktuelle Medizin und versuchen die nötigen
Verbindungen zu einer gemeinsamen Bemühung zum Wohl der Menschheit herzustellen. So haben
wir einen wichtigen Aspekt Kardecs spiritistischen Ideals: die Vereinigung der spirituellen Welt
mit der materiellen Welt durch die gemeinsame Arbeit an der Erbauung der Erde. Wir haben noch
die Bestätigung der These von Léon Denis, wonach der Spiritismus eine Synthese des Spirituellen
und des Materiellen in der Welt verwirklicht. Und auch die Voraussage von Sir Oliver Lodge, dem
groβ en englischen Wissenschaftler, die erahnen lässt, dass im Spiritismus, durch den Tunnel der
Mediumschaft, die Geister und die Menschen sich begegnen, um gemeinsam zu versuchen, die
Probleme der Menschen zu lösen. Was gestern eine Utopie zu sein schien, erweist sich heute als
eine Wirklichkeit.

Folglich bezieht die spiritistische Medizin die Frage der heilenden Mediumschaft in die Gesamtheit
ihrer Manifestationen mit ein. Wenn diese Vereinigung ehrlich gemeint ist, werden wir einem der
bedeutendsten Momenten der menschlichen Evolution auf der Erde entgegentreten. Die Vorteile,
die für das Wohl der menschlichen Gesundheit aus ihr erfolgen können, sind einfach
unberechenbar. Die Gesellschft der spiritistischen Ärzte von São Paulo sollten diese immer
notwendigere Initiative ergreifen.

Unter all den Formen der mediumistischen Manifestationen ist die heilende Mediumschaft die
gefährlichste. Nicht weil sie die Gesunheit der Medien gefährdet, was bei einer gut kontrollierten
Mediumschaft praktisch nicht vorkommt, aber weil sie der Faszination der materiellen Vorteile
ausgesezt sind. Jedes heilende Medium wird unvermeidlich bedrängt von Leuten, die ihm gefallen
wollen, die es loben, die ihm beteuern, dass sie seine Freunde seien, ihm Geschenke machen, und
so weiter. Das Medium lässt sich allmählich darauf ein, überzeugt sich von seiner Wichtigkeit und
wird eitel und ehrgeizig. Daher entfernt es sich von seinen uneigennützigen Freunden und
Gefährten, um sich im Strick berechnender Menschen zu verfangen und auch so einer zu werden.
Die Laboratorien bieten ihm Provisionen an, wenn er ihre Produkte verschreibt. Alles wird ihm
erleichtert, und wenn es die Prinzipien der mediumistischen Moral nicht beachtet wird es sich in
Kürze in ein Ausbeuter des Nächsten, dem er uneigennützig Beistend leisten soll, verwandeln. Den
spiritistischen Kreisen sind viele solcher schmerzlichen Fälle bekannt, wo ausgezeichnete und
demütige heilende Medien so weit gekommen sind, sich selbst zu verraten.

Es gibt viele Arten von heilenden Medien: diejenigen, die das Handauflegen betreiben und die, die
Arznei verschreiben, die Hellseher, die Diagnosen aussprechen, diejenigen, die operieren, die
Chirurgmedien, die sowohl mit Instrumenten als auch mit Handauflegen behandeln können oder
diejenigen, die die sympathetische Chirurgie betreiben, eins der seltsamsten und komplexesten
Phänomene des ganzen paranormalen Phänomenalismus. Die Entwicklung dieser Art
Mediumschaft geht diskret vor sich und wird im allgemeinen verschleiert durch die Produktion von
physischen Wirkungen, von Hellsehen, von plötzlichen Krankheiten, die ohne äusserlichen Grund
ausbrechen und das Medium anfallen und plötzlich verschwinden. Oft hat man hat den Eindruck,
dass es sich um einen Besessenheitsfall handelt. In Wirklichkeit ist das Medium einer Art
Experimentierung seines psychophysischen Durchhaltsvermögen und einer Vorbereitung auf seine
zukünftigen Tätigkeiten unterworfen. Der in den dreissiger Jahren berühmte Anésio Siqueira erlitt
eine schwere Krankheit, die ihn fast zum Tode führte. Die Ärzte hatten ihn schon aufgegeben,
plötzlich erholte er sich und fing an, Heilungen zu betreiben. Er kannte den Spiritismus nicht und
hat ihn auch nie gelernt, er praktizierte das Handauflegen und rauchte dabei, mit der Zigarette
zwischen den Fingern und er veranstaltete überraschende Heilungen, sowohl spirituelle
(Befreiungen von besetzenden Geistern) als auch materielle. Schon in seiner Kindheit sah und hörte
der Landarbeiter José Arigó Geister; in der Adoleszenz fing er an, nächtliche Schrecken zu
empfinden und wurde von erschreckenden Visionen verfolgt. In seiner Jugend (er war katholisch)
begeisterte er sich für das Ideal der Reinheit und der Heiligkeit und er hörte Stimmen, die ihm die
Keuschheit empfahlen. Als er ins reife Alter kam, heiratete er und erlebte eine ausgeglichene
Phase, während der er umbekümmert, fröhlich und zum Spass aufgelegt war. Eines Tages musste
er einem Freund, der sich verschluckt hatte, helfen. Da begann seine überrraschende
Mediumschaftschirurgie und gleichzeitig begannen alle Probleme eines Mannes, den Menschen mit
den verschiedensten Krankheiten aufsuchten und der allen helfen wollte. Von einem autoritären
aber groβ zügigen Geist betreut, der behauptete, er sei der verstorbene Arzt Doktor Fritz, der im
ersten Weltkrieg gestorben war, wurde er schnippisch, anspruchsvoll, von einer groben Offenheit,
man hatte den Eindruck, er sei ein neuer Johannes der Täufer, der in dem archaischen und
charismatischen Städtchen von Congonhas do Campo erschien. Seine bäuerliche Art schien ein
Panzer zu sein, der dazu bestimmt war, alle Versuchungen von seiner gefährlichen Mediumschaft
zu entfernen. Er war eins der authentischsten und mit der produktivsten Mediumschaft versehenen
Medien. Aber er geriet in die Fallen der eigenützigen Menschen und starb auf tragische Weise, als
er noch jung und kräftig war.

Die sympathetische oder sympathische Chirurgie wird so genannt wegen ihrer Ähnlichkeit mit der
sympathischen Magie. Arigó produzierte sie, aber nur in besonderen Fällen. Im allgemeinen,
arbeitete er ganz brutal, mit einem Messer oder einem Taschenmesser, schnitt den Kranken auf
schroffe Art, ohne Narkose oder Aseptik und er beherrschte mit überraschender Sicherheit den
Blutflusss. Er arbeitete bei Tageslicht, mitten unter dem Volk und in Gegenwart von bekannten
Ärzten oder nicht, oft lieβ er die Ärzte kommen, damit sie von Nahem beobachten konnten, was
er machte. Doktor Sérgio Valle, Augenchirurg und Spezialist in klinischer Hypnose, der in São
Paulo wohnte, verfolgte Arigós Operation von Nahem und erklärte: „Arigó wendet eine eine
Superchirugie an, die wir nicht kennen, er benutzt die Hypnose nicht und er kennt keine
hypnotischen Techniken.“Beim Praktizieren der sympathetischen Chirurgie ging Arigó vor, ohne
den Kranken zu berühren. Er arbeitete wie das Medium Bernarda Torrúbio, eine Frau vom Lande,
Frau von José Torrúbio, einem Landwirt von Garça, in Alta Paulista. Sie betete, um den Beistand
der Geister zu erbitten. Sie streckte die Hände über den Kranken aus, ohne ihn zu berühren. Dieser
spürte, dass etwas sich im Innern seiner kranken Organe bewegte, er hatte Brechreiz, aber es war
das Medium, dass sich übergab. Im allgemeinen war das Erbrechen dickflüssig und enthielt eine
groβ e Menge Eiter, Blut und Stücke von organischen Materien. Der Kranke fühlte sich schwach,
niedergeschlagen, als hätte er sich einem chirurgischen Eingriffs entzogen. Die inneren Schmerzen
bestätigten diesen eindruck. Während ein paar Tage hatte er noch Schmerzen, die aber bald
nachlieβ en und verschwanden. Die Genesung war rash und vollkommen.

Die chirurgische Mediumschaft ist oft von gelegentlichen Phänomenen von physischen Effekten
begleitet. Das ist normal, denn die eigentliche Heilung und die Operationen gehören zu dieser
mediumistischen Klassifikation. Bernarda Torrúbio hatte seltsame Phänomene, bei denen
Gegenstände aus der Distanz transportiert wurden und scheinbar durch geschlossene Türen und
Fenster. In Sitzungen mit Urbano de Assis, in Marília, im Bundesstaat São Paulo, gab es
bemerkenswerte, völlig unerwartete Vorkommnisse dieser Art. Professor Rhine machte
entscheidende Experimente mit Tieren, um das Problem der Suggestion zu vermeiden, und
erreichte beweisende Erfolge, innerhalb aller Ansprüche der wissenschaftlichen Methodologie. Die
Forschungen von Geley und Osty in Frankreich zeigten, dass es in all diesen Vorkommnissen eine
Ausstrahlung des Ektoplasmas gibt. Geley nannte die Geister, die bei diesen Gelegenheiten wirkten
Kontrolleure, die die Ausstrahlung des Ektoplasmas aus dem mediumistischen Organismus
veranlassten und regulierten. In den sowjetischen Experimenten betrachteten die Wissenschaftler
das Ektoplasma als eine ausstrahlende Energie, die vom Perisprit oder von dem geistigen Körper
des Mediums ausging. Crooks nannte das psychische Kraft und Notzing sammelte Ektoplasmateile,
untersuchte sie im Laboratorium, und bewies, dass der tote Teil dieses Elementes, das vom
Medium abgesondert war, aus organischen Zellen und andere organischen Materien bestand. In
diesen Vorkommnissen gibt es kein Wunder im mystischen Sinne. Es geht um Naturgesetze, die
die wissenschaftlichen Forschungen allmählich aufklären.

Die mit diesen Eigenschaften versehenen Medien müssen in der Lehre belehrt werden, um zu
wissen, wie sie sich im normalen Leben verhalten sollen und um sich dessen bewusst zu sein, dass
nicht sie diese Phänomene produzieren, sondern die Geister. Auf diese Weise werden sie sich von
der törichten Eitelkeit befreien, die sie dazu führt, an ihre persönlichen Kräfte zu glauben, zu
meinen, dass sie sie besitzen und fähig sind, sie selbst zu kontrollieren. Dieser Gedanke des
individuellen Besitzes führt sie auch dazu, leichter in die Fallen der Nutznieβ er zu gehen. Diese
Mediumschaft fordert die ständige Behutsamkeit des Mediums in Bezug auf seine moralischen und
spirituellen Pflichten und ein vollkommeneres Bewusstsein seiner lehrhaften Verantwortungen.

Kapitel 13

GRAD DER MEDIUMSCHAFT

Kann man die Gradienteilung von einer Skala der Meialität erstellen, was die Kraft oder die
Fähigkeit der Medien betrifft? Könnten wir, wie in der experimentellen Psychologie, die Intensität der
mediumistischen Wahrnehmungenbei den Medien messen und die Reizschwelle der Empfindungen
bestimmen? Zu diesem Zweck wurden verschiedene Systeme erstellt und, in den spiritistischen Kreisen,
werden einige von systematischen Leitern übernommen. Das Lesen der Aura ist eine Technik, die man
benutzt um die spiriituellen Bedingugen der Personen durch das Hellsehen zu bewerten. Aber die
Tatsache, dass das Hellsehen kein sicheres Instrument ist, das man in einer Forschung verwenden kann
gilt im Spiritismus als ein unumstrittener Punkt. Die Aura ist eine perispritistische Ausstrahlung, eine
Extrapolation von Energieströmungen, die nach den aktuellen Efluviographieforschungen, die mittels der
Kirliankameras in durch elektrische Hochfrequenz magnetisierten Feldern durchgeführt wurden,
ständige Variationen anzeigten. Diese Variationen entsprechen den verschiedenen emotionalen
Stimmungen des Menschen, die sich auf die eine oder andere Art verändern können, bei dem reinen
Versuch, sie zu beobachten. Bis jetzt gibt es kein wissenschaftliches Mittel um objektiv die Grade der
mediumistischen Wahrnehmung oder den Spiritualitätsgrad einer Person zu messen. Ausserdem, ist der
Hellseher, der die Aura von jemandem untersucht, den gleichen Variationen, sowohl denen, die durch die
psychisch-organische Instabilität versursacht sind, wie den emotionalen, ausgesetzt ist. In der
experimentellen Psychologie wird der Grad der Empfindungen und der Wahrnehmungen auf der
konkrete materiellen Ebene bewertet. Aber die Mediumschaft entgleitet völlig der sinnlichen Ebene. Ihre
Beziehungen werden nicht mit der Haut, sondern mit dem Geist hergestellt, das heisst, mit den
subjektiven Bedingungen des Individuums. Diese mediumistischen Bewertungs- und
Klassifizierungsversuche sind nichts als unbegründete Überheblichkeit. Die Mediumschaft hängt nicht
von organischen Faktoren ab und kann nicht materiell bewertet werden. Sie lässt sich weder wiegen noch
messen. Ohne diese Daten ist es unmöglich, ihren Grad zu bestimmen. Auf spiritueller Ebene gibt es
keine Mittel sie zu bewerten. Sie entgleitet jeglichem quantitativem Kriterium, denn sie besteht nicht aus
Energiemengen, sonder aus spiritueller Qualität. Die qualitative Methode kann jedoch nicht angewandt
werden, um sie zu messen, denn, in ihren Manifestationen gibt es keinen einzelnen und permanenten
spirituellen Faktor. Die Manifestationen sind äusserst variabel, denn sie hängen von den
kommunizierenden Geistern ab. Die Verschiedenheit der Bedingungen von diesen Geisterm könnte nur
nach erschöpfenden Überprüfungen und mittels sehr genauen differenzierenden Rechnungen bewertet
werden. Aber es kommt noch vor, dass diese Variabilität nichts über den Grad von der Entwicklung des
Mediums andeutet. Bis jetzt hat kein Spezialist ein auf sicheren Faktoren beruhendes System erstellt, das
irgendwelche Bewertung ermöglicht. Alles, was bis jetzt auf dieser Ebene gemacht wurde ist rein
hypothetisch. Andererseits gibt es im Fall des Hellsehens das Problem der bedingenden Umständen vom
Beobachter. Der Hellseher arbeitet immer mit unwahrscheinlichen Wahrscheinlichkeiten. Er selbst kann
nicht sicher sein über das, was er sieht, denn zahlreiche Interferenzformen können seine Sicht verwirren,
so wie die Art und Weise, wie er dem mediumistischen Akt und seiner eigenen Mediumschaft, seiner
individuellen Haltung bezüglich der willkürlichen Bewertungskriterien, seiner Idiosynkrasien und seiner
Wünsche und Hoffnungen in Bezug auf das bewertete Medium entgegentritt. Es gibt noch verschiedene
andere psychologische und affektive Faktoren, die den Fall beeinflussen können. Wir beharren auf
diesen Einzelheiten, damit der Leser sich die Schwierigkeiten dieser Versuche, die ernst genommen
werden, vorstellen kann. Man bedenkt auch noch die Frage der Eitelkeit, des Wettbewerbs, die
zwangsweise aus diesen nutzlosen und eingebildeten Verfahren auftauchen werden. Die psychologischen
Kriterien der Persönlichkeitsbewertung können nicht auf diesen Fall angewandt werden, denn in der
Mediumschaft sind die Persönlichkeit vielfältig und unbeständig, dazu kommt noch das Problem der
seelischen Persönlichkeiten, Projektionen von vorhergehenden Situationen des Mediums in früheren
Inkarnationen. Wo, in unserem spiritistischen Kreis, befindet sich die Kompetenz und wer besitzt die
Kompetenz, um all diese Schwierigkeiten zu überwinden? Und wie kann man den Fall einem
Bewertungsspezialisten, der die Lehre nicht kennt und über keine mediumistischen Erfahrungen verfügt,
anvertrauen?

Wir könnten nur eine Gradskala der Mediumschaft erstellen, wenn wir das objektive Kriterium
der qualitativen Produktivität in Betracht ziehen würden. Die mit einem höheren Grad versehenen
Medien wären diejenigen, die eine höhere qualitative Produktion aufweisen würden, sie wären zur
Entwicklung des Spiritismus von gröβ erem Nutzen und würden einen gröβ eren Einfluss auf die
lehrhafte Bewegung ausüben und gleichzeitig gröβ eres Interesse beim Laienpublikum erwecken. Aber
dann würden wir auch eine Art der mediumistischen Manifestation, die den anderen überlegen wäre in
Betracht ziehen. Dies ist das natürliche Kriterium, das der Konsens des spiritistische Kreis festlegt. Diese
natürliche Bewertung verzichtet auf formale und gerichtliche Maβ nahmen, die immer Täuschungen,
Irrtümern und Ungerechtigkeiten unterliegen. Obwohl Ungerechtigkeiten dabei vorkommen oder
vorkommen können, handelt es sich nicht um ein formales und angeblich technisches Urteil. Das
mögliche Kriterium wurde schon auf natürliche Weise festgelegt, ohne die ernsten Probleme, die mit der
angeregten Eitelkeit der Medien und mit der Förderung von Rivalitäten auf der mediumistischen Ebene
zusammenhängen zu erzeugen. Aber wie könnten wir, bei einem formalen Kriterium, allen unzähligen
Dienstgebieten der mediumistischen Manifestationen gerechtwerden, da viele von ihnen äusserst wichtig
und der Kenntnis der meisten Leute nicht zugänglich sind und sich auf kleine Gruppen beschränken? Es
ist auch unnütz und nicht erforderlich zu behaupten, dass ein Kriterium für das Messen der
mediumistischen Grade die Arbeit der Gruppen und der Zentren und die gröβ ere Nutznieβ ung der
fähigsten und flexibelsten Medien erleichtern würde. Die Medien haben ihre spezifischen Aufträge, ihre
eigenen Arbeitsgebiete, so wie es der Apostel Paulus lehrte. Sie tragen alle, jeder auf seinem Gebiet,
gleichwohl dazu bei, die Ziele des Spiritismus, das heisst die moralische und spirituelle Erhabenheit der
Menschheit, zu verwirklichen, damit die Erde in das Konzert der erhabenen Welten eintreten kann. In
den Zentren und in den Gruppen nehmen die Medien auf natürliche Weise ihren Platz ein und die einen
gleichen diskret die Fehler der anderen aus, den Kriterien der spirituellen Führern folgend. Diese
Anmaβ ung, die Medien als höhere und niedere, als bessere uns schlechtere Medien zu qualifizieren, im
Auftrag von Institutionen, die angeblich die spiritistische Bewegung leiten, ist ein ungebührendes
Eindringen in das Gebietes, das uns gehört.

Wir hatten schon die Gelegenheit zu erfahren, was in einem sehr aktiven Zentrum geschah, als
jemand den angeblich stimulierenden Einfall hatte, sich bei den Mediumschaftsmessern über die
Bedingungen der Medien vom Zentrum zu erkundigen. Sobald die fehlbaren Ergebnisse der
Auraforschungen kamen, entstanden Ärger und Rivalitäten. Niemand fragte nach der Gültigkeit dieses
unerbittlichen Urteils, keiner dachte daran, den Grad an lehrhafter Kenntnis, an Moralität und an geistige
Seelsorger der eventuellen Bewerter nach den gewöhnlichen Daten und den natürlichem Informationen
des spiritistischen Kreises zu untersuchen. Denn es gibt auch das Problem zu wissen wer und mit
welcher moralischen und spirituellen Autorität, in der Lage ist, den Wert der anderen zu beurteilen und
wer über spirituelle Autorität verfügt, um diejeneigen auszusuchen, die das Urteil aussprechen werden?

Kapitel 14

PRAKTISCHE MEDIUMSCHAFT

Das Leben und die Mediumschaft sind ein einziger Gegenstand, den man auf verschiedene
Weisen ins Auge fasst. Wir glauben, dass wir das im Laufe dieser Seiten klar dargestellt haben. Bis jetzt
haben wir diese Frage nicht gut verstanden, aber sie wird nun, wo die wissenschaftlichen Forschungen
den spiritistischen Lebensbegriff gegenzeichnen und dieser sich wie eine mediumistische Realität
darstellt, verstanden. Der Lebensakt ist ein mediumistischer Akt. Wir sind Geister, die sich durch
materielle Körper manifestieren. Unser Leben ist eine Abwechslung von Schlaf und Wachsein. Im Schlaf
sind wir nicht im Medium, dem Vermittler zwischen uns und der Welt vorhanden. Dann ruht der
mediumistische Apparat und wir entfernen uns von ihm, um uns von seinem Gewicht und von seinem
Druck zu befreien dabei atmen wir die spirituelle Freiheit ein. Im wachen Zustand kehren wir zum
Körper zurück, am Organismus, den wir benutzen und durch die Erfahrungen und Missgeschicke des
Lebens zu führen, haftend. Aber dieser gröβ ere Wechsel ist nicht der einzige. Während des Schlafes
wachen wir mehrmals auf, in bemerkbaren oder unbemerkbaren Zeitspannen, wie ein Seefahrer, der
ständig um sein Schiff besorgt ist und nicht will, dass es abgetrieben wird. Während des wachen
Zustandes entweichen wir aus dem Körper öfter als wir es vermuten: bei den psychischen
Abwesenheiten, beim Schlummern, in den sogenannten Zerstreutheitsfehlleistungen, als müssten wir ab
und zu durch die Schiffslucke schauen und die Reiseroute beobachten.

Der Psychiater und der aufgeschlossenste Existentialphilosoph Karl Jaspers erstellte das Gesetz
des Wechsels in der Definition der Existenz: das Gesetz des Tages und das Gesetz der Nacht. Die
Existenz ist nur die Kommunikation, die vom Gesetz des Tages regiert wird und die Anordnung der
Dinge auf der Suche nach der Freiheit und der Klarheit; das Gesetz der Nacht ist Leidenschaft,
Zerstörungsdrang, Finsternis, Verbindung des Menschen mit der Erde und mit dem Blut. Die Nacht und
der Tag sind nicht nur Phänomene der Erderotation, sie geben auch die Rhythmen der menschlichen
Transzendenz an, die zwischen zwei einsamen und gegensätzlichen Welten vor sich geht] in dieser
dilaektischen ansicht des Lebens und des Todes. Jaspers verkündet: „Ich bin Existenz“.

So versteht man, dass das Leben die Kommunikation der Existenz ist und umgekehrt. Wie wir
schon gesehen haben, ist die Mediumschaft die Kommunikation des Geistes. Im Spiritismus ist das
Wesen, das sich in die Existenz projiziert, der Geist, der einen Körper beseelt, der inkarniete Geist ist die
Seele des Körpers. Aber diese Seele bleibt nicht im Körper gefangen und sie kann sich von ihm lösen
(ohne die Verbindung zu ihm aufzuheben) Dank des Wechselgesetzes, das Jaspers bemerkte und in fast
spiritistischen Worten definierte, ohne den Spiritismus zu kennen. Sartre, der antimetaphysisch ist,
erkennt die Existenz der Seele, die Essenz der Existenz, nicht an und behauptet, das die Essenz des
Menschen in der Existenz in der Schwebe ist, denn der Mensch erarbeitet seine Essenz durch seine
Erfahrungen und seine Tätigkeiten in der Existenz, so dass die Essenz des Menschen sich erst im Tode
ergänzt und dann den Toten ersetzt In diesem Falle ist die Essenz das, was der Mensch auf der Welt
verwirklicht hat und was er in der Welt der Nachkommenschaft hinterlässt. Heidegger glaubt, dass der
Mensch sich im Tode ergänzt. Diese Übereinstimmungen mit dem spiritistischen Denken in der
zeitgenössigen Philosophie beweisen die totale Aktualität des spiritistischen Denkens und seine
Wirksamkeit in der Interpretation des Wirklichen. Unterdessen erweitert sich auf verhängnisvolle Weise
die Kluft zwischen der zeitgenössigen kulturellen Wirklichkeit und den vereinigten Kräften, die sich
zusammenschlossen, um den Spiritismus zu vernichten [erdrücken]. Diese Tatsache dürfte reichen, um
zu zeigen, auf welcher Seite sich der gesunde Menschenverstand befindet, wie Kardec zu sagen pflegte.

In Jaspers’ Tages- und Nachttheorie muss ein wichtiger Punkt geklärt sein. Die spiritistische
Interpretation des Nachtgesetzes verleiht ihr nicht den zerstörenden Nekrophiliecharakter, den Jaspers’
psychiatrische Tendenz ihr verlieh. Im Spiritismus ist die Nacht auf weniger dramatische und
natürlichere Weise als fruchtbar und schöpferisch angesehen. Die Nachtruhe begünstigt die Ruhe des
Körpers und somit das Sichloslösen des Geistes, der im Schlaf nichts nachholen braucht. Die Müdigkeit
ist ein physisches, kein geistiges Phänomen. Das Gehirn wird müde und abgenutzt, aber der Geist, der
nicht physisch ist, erleidet nichts. Während des nächtlichen Rhythmus erlangen die genügend
entwickelten Geister die Freiheit wieder und treten in direkte Verbindung mit den befreiten Geistern von
Toten und von Lebendigen. Die Freiheit ist ein Merkmal des Geistes. Die mit einer höheren Sensibilität
versehenen Hellseher nehmen im nächtlichen Rhythmus einen steigenden Impuls auf, in dem Millionen
Seelen sich zu den spirituellen Ebenen erheben auf der Suche nach Liebe und Wissen. Sie werden sich
mit den geliebten, von den Flügeln des Todes getragenen Wesen treffen und sich laben an der Weisheit
der erhabenen Geister, die die Geheimnisse des Lebens kennen. Was Jaspers dazu geführt hat, sich den
nächtlichen Rhythmus als etwas Nekrophiles und Zerstörisches vorzustellen, war bestimmt der Eindruck,
dass sich die Menschen einer Art Leugnung des Lebens hingeben und sich im Schlaf einschlieβ en oder
sich entwürdigenden, von der Dunkelheit verdeckten Handlungen hingeben. Das ist der falsche
Eindruck, den man von der Scheinwelt hat. Ausserdem begünstigt die Nacht die geistige und
intellektuelle Arbeit, das philosophische Nachdenken, die gelassene Suche nach der Wahrheit, die die
Hektik des Tages verschleiert. Die Verbindunge des Menschen mit der Erde und mit dem Blut
kennzeichnet den täglichen Rhythmus, wenn der inkarnierte Geist sich in die fleischliche und irdische
Wirklichkeit eingliedert und kämpft, um sie zu beherrschen. Diese philosophischen Irrtümer rühren von
der materialistischen Einstellung des aktuellen Denkens her, das dennoch mehr dazu neigt, das Wirkliche
zu errobern, indem es sich von dem magischen und mythologishen Überbleibsel der langen
menschlichen Vergangenheit, die Aberglauben und Vorurteile schuf, befreit. Folglich haben wie auch in
der Kultur die zwei Rhythmen auf der historischen Ebene: der sinnliche Tag der pragmatischen Phasen,
in dem [denen] die Menschen sich abnutzen, um die Natur zu erobern und die spirituelle Nacht der
idealistischen Phasen, in der sich die Menschen der platonischen Wirklichkeit der Ideenwelt zuwenden
und es ihnen gelingt, die nächtlichen Träume, die Utopien des antiken Strebens zu verwirklichen, indem
sie den Kosmos in Angriff nehmen und den Mond betreten.

Es ist einfach in dem Spiel mit den Bildern, das Jaspers Theorie suggeriert zu bemerken, dass die
Nacht und der Tag dazu neigen, sich zu verschmelzen und zwar in der einzigen Wirklichkeit der
Temporalität, in der kontinuirlichen, unbegrenzten Zeit, die keine Zerstückelung erleidet, voll und ganz
im Begreiflichen, so wie es der Spiritismus für die Zukunft des Menschen voraussieht. Die Tag und
Nacht-Dialektik baut die Synthese der Zeit wieder auf, in der fortschreitenden und wechselseitigen
Befreiung der Potentialitäten des Geistes.

Und um dahin zu gelangen, nicht isoliert, einer nach dem anderen, im Egoismus der
persönlichen Rettung der fidiestischen Sekten, sondern zusammen, in der gemeinsamen Eroberung des
Wirklichen in seiner Ganzheit, müssen wir die spiritistische Praxis verstehen und sie in unseren
aufeinanderfolgenden Existenzen anwenden. Es handelt sich nicht um die formale Praxis, wie sie in den
lehrhaften Institutionen üblich ist, sondern um die Lebenspraxis im täglichen Kampf. Wir müssen lernen,
den Spiritismus zu leben, indem wir auf gewöhnliche Weise die menschliche Fähigkeit der statischen
oder der verallgemeinerten Mediumschaft, über die wir alle verfügen, benutzen. Genauso wie wir die
Intelligenz, den gesunden Menschenverstand, das logische Kriterium, die aussersinnliche Wahrnehmung,
alle Arte der geistigen Tätigkeit im Alltagsleben benutzen, so müssen wir auch die Mediumschaft
benutzen. Wenn wir des Endes dieses Fadens der Ariadne im Labyrinth der Welt entdecken, werden wir
fähig sein, dem Minotauros zu entweichen und die Pforte der Befreiung zu erreichen. Dazu brauchen
wir keine speziellen und komplizierten Techniken, es genügt, wenn wir unserer Möglichkeiten bewusst
werden. Die Mediumschaft wurde uns nicht gegeben, um mit den Toten zu sprechen, denn die Toten sind
tot und sprechen nicht, es sind Leichen, die die Eingeweiden der Erde auf den Friedhöfen langsan
auffressen oder nur die subtile Asche der Einäscherungen. Die Mediumschaft verbindet uns mit den
Geistern, die die von der dichten Materie befreiten Lebendigen sind und die auf der spirituellen Seite der
Welt voll tätig sind, wir bemerken sie nur nicht, weil wir am irdischen Magnetismus haften. Wir müssen
die unterscheidende Funktion des Bewusstseins wahrnehmen und lernen, sie in jedem Augenblick zu
benutzen, mit der selben Natürlichkeit und Kontinuierlichkeit, mit denen wir die geistigen Funktionen
benutzen. Wenn wir das tun, verwandelt sich die Welt um und herum und der Spiritismus erscheint uns
verklärt wie Christus auf dem Taborberg. So hören wir auf, nur den praktischen Spiritismus zu sehen, in
dem der Geist sich wie bei jedem Praktizismus verfängt und in dem wir uns in egozentrische Besorgnisse
versenken auf der Suche nach unmittelbarer Hilfe, nach persönlichen Vorteilen und nach illusorischen
Lösungen von wirklichen Problemen. Wir hören auf, diejenigen zu sein, die ständig quengeln und bitten,
deren Augen vor Angst verbunden sind und wir lernen, dem Leben mit offenem und zutrauendem Geist
entgegenzutreten, unser Leben wird nicht durch unmittelbare Besorgnisse begrenzt sein, es wird nicht
mehr im Gewebe des Geizes, der Habgier, der Rivalität, der eitlen Streitigkeiten verfangen sein. Die
spiritistische Routine der Verwirrungen verwandelt sich in das spiritistische Erleben des
verständnisvollen und an spirituellen Möglichkeiten reichen Friedens.
Wenn wir die Finalität der Lehre in ihrer kosmischen und nicht nur irdischen Bedeutung
verstanden haben, fühlen wir uns fähig, die momentanen Schwierigekeiten zu ertragen, ohne den Blick
auf die Zukunft zu verlieren. Die mediumistische Wahrnehmung der gröβ eren Wirklichkeit, die uns
umgibt, des Lebenssinnes, unserer inneren Natur, die so verschieden von der materiellen Natur des
Körpers ist, unsere Ängste und Befürchtungen verschwinden beim Hauch des Geistes, der alles erneuert.
Viele Spiritisten suchen Befreiungstechniken in den religiösen Traditionen anderer Völker, ohne zu
verstehen, dass sich die Techniken jedem Volk, je nach seiner Wesensart, seinen Traditionen, anpassen,
und dass unsere westliche Art und Tradition mit dem Christentum verbunden sind. Es handelt sich nicht
um ein anmassendes und ausschlieβ endes Christentum, das durch den egoistischen Rettungseifer der
christlichen Kirchen angeregt und dogmatisch auferlegt ist sondern um eine Frage der Treue uns selber,
unserer westlichen Wesensart und der tiefen Ansprüche unserer spezifischen Beschaffenheit gegenüber.
Der Spiritismus ist die historische und prophetische Entwicklung des Christentums. Historisch durch die
Aufeinanderfolge der Zeiten, durch die langsame und mühsame Entwicklung der christlichen
Zivilisation, die den skizzenhaften Zustand immer noch nicht überwunden hat, aber deren Einfluss sich
schon auf die ganze Welt erstreckt. Prophetisch im wirklichen, objektiven Sinne, ohne die entstellende
Mystik der Kirchen, die behaupten, dass sie das Versprechen des Trösters, des Parakleten, des
Wahrheitsgeistes, der kommen wird, um die legitime Lehre Christi wiederherzustellen, halten werden.
All dem müssen wir auf rationale Art und Weise entgegentreten, ohne uns von mystischen Einstellungen
leiten zu lassen. Nur so werden wir sehen können, dass wir den Schlüssel in der Hand haben, den wir auf
der fremden Tür suchen.

Unser Leben ist nicht materiell, es ist spirituell und als solches wird es vom Geist regiert. Wir
ernähren uns mit der Materie, zum Unterhalt unseres Körpers, aber wir leben von Wünschen, Träumen,
Bestrebungen, von geistigen Ideen und Impulsen, die aus unserem Innersten sprieβ en oder uns in der
Form von Suggetionen und, manchmal in der Form von emotionaler Verwicklung mit der Umwelt, in der
wir leben und mit den inkarnierten oder desinkarnierten Geister, die uns umgeben und mit uns leben. Die
spiritistische Technik ist einfach und natürlich. Es genügt, wenn wir uns daran erinnern, dass wir
Individuen und keine Masse sind, dass unsere Individualität bestimmt ist und dass sie uns als freie und
verantwortungsvolle Persönlichkeiten kennzeichnet. Wenn wir uns dessen bewusst werden, hören wir
auf, uns seltsamen Einflüssen hinzugeben. Wir übernehmen die Rechtssprechung unserer Person, wir
nehmen das Steuerrad des Körpers in unsere Hand und wir lernen, uns selbst mit der nötigen Klarheit zu
führen. Wir lernen, unsere Ideen von den Ideen, die uns von den Anderen übermittelt werden, zu
unterscheiden. Wir können alles untersuchen, so wie es der Apostel Paulus lehrte, dabei wissen wir, das
alles legal ist, aber das nicht alles gut für uns ist. Beim Üben dieses innerste Kriterium, gelingt es uns
uns, nach unseren Absichten zu schulen, wir lehnen alles, was die anderen beeinträchtigen kann, ab und
wir akzeptieren nur das, was uns dazu verhelfen kann, auf der Welt nützlicher zu sein.

Die spiritistische Lebenspraxis überwindet allmählich unsere Unsicherheit, unsere


Unangepasstheit und stellt das Gleichgewicht unserer Persönlichkeit wieder her. Die Mediumschaft ist
unser Kompass und wir müssen sie ohne Komplikationen in unserem Verhalten anwenden. Wir müssen
unseren Geist frei und vertrauensvoll lassen – frei von der Angst, vom unbegründeten Misstrauen, von
der eitlen Anmaβ ung, von den kleinlichen Interessen und zutraulich den Gesetzen des Lebens und der
Integrität des Wesens gegenüber – so wird unser Geist offen und flexibel werden. Unsere mediumistische
Potentialität wird uns die klaren Intuitionen der vorher verwirrten Wirklichkeit, das einfache Aufnehmen
der freundlichen Suggestionen, die direkte und tiefe Wahrnehmung des Weges, den wir in allen
Situtionen einschlagen müssen, verschaffen. Mediumschaft ist das Zutagekommen in unserem
Bewusstsein der Kräfte und der Vektoren, die den unvermuteten Reichtum unseres Unterbewussten
bilden. Auf der inneren Ebene der seelischen Beziehungen ist die mediumistische Kommunikation die
Inspiration, die uns im richtigen Augenblick leitet. Die Mechanik und die Dynamik dieses Vorganges, die
Frédéric Myers beschrieben hat, hängen von den günstigen Bedingungen, die wir in unserem Geiste und
in unserem Affekt unter der Kontrolle der Vernunft schaffen. Wenn wir diese notwendigen Bedingungen
bewusst erleichtern, wird der mediumistische Akt sich in unserer innersten Welt verwirklichen.

Wenn wir unsere Gedanken auf die Lösung eines Problems in gespannter Weise konzentrieren,
verschlieβ t sich unser Geist wie der Panzer einer Schildkröte, der sich vor der Drohung von aussen
verteidigt. Wir verhindern den freien Fluss des Gedankens. Diese Konzentration isoliert uns in unserer
Angst, in unserer Verzweiflung. Dann wird alles schwierig und dunkel um uns herum, alles wird
erniedrigt sich. Aber wenn einem Problem ohne Bedrängnis, mit offenem und vertrauensvollem Geist
entgegentreten, können die inneren Stimmen in unserer geistigen Akustik widerhallen und das Leben
offenbart uns seine vielfältigen und reichen Perspektiven. Die Mediumschaft ist nicht nur ein Mittel der
Kommunikation mit den Geistern. Sie ist die vollkommene Kommunikation, die für die
gesellschaftlichen und spirituellen Beziehungen offen ist. Unter den spirituellen Beziehungen ragt die
innere mediumistische Aktivität durch ihre Bedeutung in unserem individuellen und gesellschaftlichem
Verhalten hervor, eine Aktivität, in der die göttliche Essenz des Menschen mit seiner menschlichen
Essenz kommuniziert. Das ist der schönste mediumistische Akt, das bedeutendste Phänomen der
Mediumschaft, das uns am deutlichsten unsere persönliche Unsterblichkeit offenbart.

Jesus fragte die Pharisäer, die dadurch verwirrt waren, dass er seine eigene Göttlichkeit
behauptete – nicht als ein Teil Gottes, sondern als Geschöpf Gottes: „Steht in euren Schriften nicht
geschrieben, das ihr Götter seid?“ Es war und ist geschrieben, aber sie verstanden es nicht, weil sie an
ihrer irdischen Menschlichkeit, an ihrem fleischlichen Zustand hafteten. Die ungezwungene
mediumistische Praxis, die sich ständig in unserem Leben und in unserer Existenz (das bewusst leben ist)
verwirklicht, zeigt uns die unbekannte Seite des Spiritismus. Ein mediumistisches Leben führen heisst
nicht von einem seltsamen Geist umgeben sein, sondern in der Vollkraft unseres Geistes, der für die
inneren mediumistischen Beziehungen und für die äusseren mediumistischen Wahrnehmungen offen ist,
leben. Die Ruhe, die Sicherheit, das Wissen, das Gleichgewicht, die wir suchen befinden sich in uns
selbst. Wir können und müssen die Medien unserer göttlichen Natur, die in uns durch unser Festhalten
am Formalismus, an der sakramentalen Magie und an der Idolatrie begraben ist, sein. Diese Dinge sind
nicht für das, was sie sind, sondern für das, was nicht sind verwerflich. Sie täuschen uns durch ihre
Trugbilder und lenken uns von unserer Göotlichkeit ab. Kardecs Lehre ist ganz klar und geht aus seinen
Studien, aus seinen Forschungen aus seiner Beobachtungsgabe und aus seiner genialen Intelligenz
hervor: die Riten und die magischen Worte, die Zeichen, die heiligen Gegenstände, die Tänze und die
Kirchenlieder, die brennenden Kerzen, die Pflanzen, das Pulver und ähnliche Zutaten bedeuten den
Geistern nichts. Der Gedanke, das Gefühl, die moralische Autorität derer, die die Mediumschaft im
ausschlieβ licehn Dienst des Guten anwenden, sind wertvoll. Solange wir diese Wahrheit nicht verstehen
werden, werden wir den Spiritismus auch nicht verstehen und werden ihn nicht anwenden können,
genauso wie die Generationen von zweitausend Jahren, mit ihren Theologen und ihren Gottesdienern das
Christentum nicht verstanden.
Unsere innere Göttlichkeit ist eine Potentialität, kein Akt. Aber wenn wir uns von den
Äusserlichkeiten entfernen und auf ehrliche Weise die Wahrheit in unserem Herzen und in unserem
Geiste suchen, verwirklicht sich unsere Göttlichkeit in uns und wird zur Tätigkeit, zur Wirklichkeit und
erhebt uns über alle illusorischen Einbildungen der primitiven Zeiten. Die Mediumschaft öffnet sich der
Intuitionen der Wahrheit, das heisst, dem, was wirklich existiert, erleuchtet unsere Existenz und entfernt
uns der anmassenden Eitelkeit, des leeren Hochmuts, der lächerlichen Inszenierungen. Die erhabenen
Geister – so sagt Kardec – sind wie überlegene Menschen: sie interessieren sich nicht für Trugbilder und
sie interessieren sicht nicht für unsere eigennützigen Lobpreisungen. Sie sind bereit, denjenigen, die die
Wahrheit, die legitime Kenntnis, die reine Liebe suchen, zu helfen, aber sie entfernen sich denjenigen,
die glauben, sie mit dummen Huldigungen erorbern zu können. Wenn wir uns durch einen beredsamen
Wortschwall verführen lassen, statt ernshaft an die Prinzipien unserer Lehre zu denken, so bleibt uns der
Wortschwall. Jeder sucht das aus, was er will und kann sich nicht beschweren. Es ist unsere Wahl, aber
die Folgen rühren von den natürlichen Gesetzen her, die die Gesetze Gottes in der Struktur des
Universums oder in der Struktur unseres Gewissens sind.

Die praktische Mediumschaft ist eine individuelle und permanente mediumistische Praxis, bei
der man dem vorübergehenden Augenblick, der mit sinnlichen Anregungen beladen und reich an
spirituellen Wahrnehmungen ist, Aufmerksamkeit schenkt. Dieser Aumerksamkeitszustand darf nicht
erzwungen sein, er muss ganz spontan erhalten werden. Um mediumistischisch wachsam zu sein, genügt
es, wenn wir uns nicht der Hypnose der Materie hingeben, wenn wir nicht nur an der äusserlichen
Wirklichkeit festhalten, wen wir gleichzeitig unsere innere Wirklichkeit, das Flieβ en unserer Ideen und
der Ideen von den anderen durch unseren Geist wahrnehmen, wichtig ist, dass wir sie unterscheiden
können. Es ist selbstverständlich, dass dazu die Prinzipien des Gewissens, die ständig unsere Wesensart
und dadurch unser Verhalten überwachen, in unserem lehrhaften Verständnis bestimmt sind. All dies ist
nicht möglich, wenn wir uns dem Handeln der störenden Geister oder unseren eigenen Beunruhigungen
hingeben. In dem Fall müssen wir auf die mediumistischen Arbeiten der gewöhnlichen Praxis
zurückgreifen in einer Gruppe, in der die lehrhafte Belehrung im Lichte des Evangeliums praktiziert
wird. Wenn wir uns auf diese Weise von den Einmischungen von den anderen und von uns selbst
befreien und zurück zur Normalität gelangen, dann werden wir uns in die Haltung der permanenten
Wachsamkeit versetzen, die uns helfen wird, die nötige geistige Gelassenheit zu bewahren.

Man muss verstehen, dass es sich in diesem Falle nicht um eine permanente mediumistische
Praxis handelt, was absurd wäre. Im Buch der Medien behandelte Kardec zur Genüge den Nachteil der
Exzesse in der mediumistischen Praxis. Hier behandeln wir eine Anwendung der spiritistischen
Prinzipien auf die existentielle Wirklichkeit, indem wir vom Wachsamkeitsprinzip ausgehen. „Wachet
und betet“ lehrte Jesus. Wir sehen für einen Augenblick von den mediumistischen Manifestationen im
engeren Sinne ab – so wie Kardec es wörtlich lehrte – um über die Induktion auf die Folgen, die mit dem
Erreichen der praktischen Mediumschaft verbunden sind, nachzudenken. Wir benutzen Kardecs System,
um die Frage der Seele und ihrer Natur zu untersuchen. Wir behandeln nicht die spezifischen Medien des
Mediumismus, sondern der gewöhnlichen Medien der verallgemeinerten Mediumschaft. Es geht nicht
darum, das Wundersame zu suchen, sondern im täglichen Leben den wundersamen Beitrag der
mediumistischen Fähigkeit, die uns von den Verwirrungen und Bessesenheiten aller Art befreit,
kennenzulernen und auszunutzen. Genauso wie wir ständig den gesunden Menschenverstand, beim
Beurteilen der Dinge und der Tatsachen, die Vernunft, beim Unterscheiden, die Sicht beim
Unterscheiden der Gegenstände und der Wesen benutzen, genauso können wir ständig die
mediumistische Fähigkeit benutzen, um die doppelfache Wirklichkeit, in der wir leben, wahrzunehmen:
die innere und die äussere, die spiritiuelle und die materielle, indem wir sie in einer globalen,
gestaltartigen Wahrnehmung vereinigen. Das ist was man heute in den orientalischen religiösen Sekten
sucht, die über spirituelle Techniken verfügen, um chacras und ähnliche Dinge zu öffnen und zu
schlieβ en. Man behauptet, dass wir nichts dergleichen im Spiritismus haben, dass es sich nur um
Geistererscheinungen durch einen Vorgang der mediumistischen Unterwerfung der sich Mitteilenden. In
Wirklichkeit ist die spiritistische Methode das Gegenteil: der Geist unterwirft sich dem Medium, das die
Manifestation kontrollieren muss. Und was den Gebrauch der verallgemeinerten oder statischen
Mediumschaft, die in allen Geschöpfen vorhanden ist, betrifft, so behauptet man, dass sie nur für
Bessesenheitsfälle dient. Aber, wenn die Mediumschaft eine natürliche menschliche Fähigkeit ist, wie
Kardec sie klassifizierte, ist es offensichtlich, dass ihre Funktionen sich ständig in uns entwickeln, ohne
dass wir es bemerken. Kardec hat diese Frage erklärt, aber wir haben nicht genügend über ihre Folgen
nachgedacht. Sie werden klar, wenn wir versuchen, sie im Lichte des Wachsamkeitsprinzip zu
untersuchen. Genauso wie unsere Ohren wachsam sind, wenn wir die Strassen der groβ en Städte
überqueren, denn die Sicht allein genügt nicht, um alle Gefahren vorauszusehen, genauso müssen wir
den Erregungen und den Herausforderungen des Alltags Aufmerksamkeit schenken, um die totale
Wirklichkeit des vorübergehenden Augenblicks wahrzunehmen und die mit ihm verbundenen Gefahren
zu vermeiden, dazu müssen wir der mediumistischen Wahrnehmung mehr Aufmerksamkeit schenken.
Der ständigen Ausübung der anderen Fähigkeiten müssen wir unserer ständigen Beziehung mit den
Dingen und mit den Wesen die mediumistische Praxis hinzufügen.

Wir lehren hier keine Technik der mystischen Vervollkommnung, sondern nur den nötigen
Gebrauch der bewussten mediumistischen Wahrnehmung, was für viele Leute schon etwas Natürliches
ist. Wir gehen von der Nachlässigkeit zur Sorgfalt, von der Unaufmerksamkeit zur Aufmerksamkeit über.
Es geht nicht darum, psyschiche Kräfte zu entwickeln, sondern die Kräfte zu benutzen, die schon in uns
entwickelt sind. In den spiritistischen Kreisen passt man sich den lehrhafte Prinzipien, die nicht gut
bekannt sind, an, ohne dass man sich dem globalen und systematischen Studium widmet, um ein tieferes
Verständnis der Lehre zu erlangen. Diese Angepasstheit begünstigt das Erscheinen von angeblichen
lehrhaften Innovationen, ohne dass man sich den Geist der Lehre wirklich angeeignet hat. Andererseits,
haben wir die deprimierende Flucht der Angepassten zum Synkretismus mit seinen primitiven
Mediumismuspraktiken. Um diese Sitution zu verändern, müssen wir die Wasser in die gute Richtung
bewegen, um auf Aspekte der Lehre, die völlig unbeachtet sind, aufmerksam zu machen. Darunter
befindet sich der Aspekt der verallgemeinerten Mediumschaft, die wir als erste in diesem Kapitel zu
behandeln versuchen.

Wir können noch weiter gehen und fragen: wer kennt sich selbst und kann sich mit aller
Sicherheit selbst bewerten? Wenn unsere spiritistischen Praktiken uns noch nicht einmal dazu befähigt
haben zu verstehen, dass unser Planet minderwertig, dass das menschliche Urteilsvermögen ungewiss ist,
dass wir unfähig sind, die erhabeneren Probleme der spirituellen Ebene zu beherrschen, müssen wir
offensichtlich unsere lehrhafte Einstellung unmittelbar und gründlich revidieren.

Wir müssen derselben Denkweise folgen, um die Fragen von der Kenntnisnahme unserer
früheren Inkarnationen entgegenzutreten. Diese Frage kann auch den Medien und Predigern als
mögliches Bewertungskriterium dienen. Diese, ihrerseits, finden in ihren möglichen Erinnerungen an
frühere Lebzeiten eine Unterstützung für ihre mögliche Autorität in Bezug auf die Lehre. Aber über
welche Mittel verfügen wir, um mit Sicherheit in diese Frage einzudringen, indem wir unsere
vergangenen Lebzeiten und sogar die vergangenen Lebzeiten der anderen zu untersuchen? Kardec hat
uns auf sehr kluge Weise das Kriterium, über das wir verfügen geliefert: wir müssen unsere aktuellen
Bedingungen untersuchen, um zu erfahren, in welchen Verhältnissen wir in der entlegenen
Vergangenheit lebten. Dieses Kriterium beruht auf dem Evolutionsprinzip und auf dem Imperativ des
erkenne dich selbst. Aber unsere Unkenntnis in Bezug auf die Stellung des Spiritismus in der Welt ist so
groβ , dass wir die Nutzlosigkeit der Titel und der Stellungen der Vergangenheit vergessen haben und
dass wir wissen wollen, wer wir waren und nicht was wir waren. Wir wollen sicher sein, auch wenn es
durch Autosuggestion geschieht, dass wir diese oder jene wichtige historische Figur waren – ein Prinz,
ein Kardinal oder mindestens sein Assessor, eine Königin oder ein groβ er Krieger – denn auf diese
Weise fühlen wir uns gröβ er und erreichen, dass unsere Zeitgenossen uns mehr achten. Das heisst ganz
einfach, dass wir die spirituellen Werte gegen die vergänglichen materiellen Werte austauschen. Wir
fragen nicht nach unserer Demut, nach unserer Moralität, Spiritualität, Gutmütigkeit und Reinheit in der
Vergangenheit. Wir fragen nach der Eitelkeit, Arroganz, Kriminalität und Unmoralität. Wir wissen ganz
genau, dass, in der tragischen Geschichte der Menschheit die Groβ en von gestern grausame Herrscher
waren und wir wollen uns heute noch mit den Abzeichen der brutalen Gröβ e von anderen Zeiten
darstellen. Das entspicht dem was Aristides Lobo, der groβ e Journalist aus São Paulo, Materialist und
Übersetzer von philosophischen Werken, der zum Spiritismus überging, sagte, als er in der Biblioteca
Municipal [Stadtbibliothek] einen denkwürdigen Vortrag über seine Bekehrung hielt: „Was ich in den
spiritistischen Kreisen seltsam [befremdlich] finde, ist, dass ich da nur vielen reinkarnierten Schurken,
aber keinem ehrlichen Bauern oder Müllmann begegnet bin“.

Wenn es ein Verdienst für uns wäre, uns an die frühren Inkarnationen zu erinnern, würden wir
uns bestimmt daran erinnern. Diese Erinnerungen befinden sich in uns selbst, sie sind in unserem tiefen
Bewusstsein eingeprägt. Aber zu unseren Gunsten werden die Vergangenheitserinnerungen durchfiltriert
beim Übergang vom subliminalen zum supraliminalen Bewusstsein. Der Schutzfilter gestattet, dass nur
die Ergebnisse unserer früheren Erfahrungen, die Bestrebungen, Begabungen, Tendenzen, Berufungen
und vor allem die Vorsätze, nie in die negativen Verhältnisse, die wir vergessen sollen, zurückzufallen
die Scheidelinie überschreiten. Die Frage der früheren Reinkarnationen wird immer von der Aussage,
dass die Erinnerung dazu dient das Reinkarnationsprinzip zu beweisen, verschleiert. Was man im
allgemeinen sucht ist in Wirlichkeit nicht dieses, sondern eine breitere Basis, die umso beeindruckender
ist, desto mehr sie vom Wundersamen, von unserer aktuellen Prestige in den spiritistischen Kreisen
verherrlicht wird. Wir vergessen aber, dass die Offenbarung dieser angeblichen Erinnerungen auch dazu
dient, uns vor den vernünftigen Geistern, von denen die meisten keine Spiritisten sind, ins Lächerliche zu
ziehen. Und was noch schlimmer ist: sie dienen dazu, die Reinkarnationstheorie und den Spiritismus
selbst vor den kulturellen Kreisen ins Lächerliche zu ziehen.

Ähnliches geschieht bei der Frage des Handauflegens. Wir neigen dazu zu simulieren, zu
maskieren. Ingeniero hat eine umfangreiche Studie über diese Frage verfasst. In dem Wettbewerb des
Lebens wird dem Anschein eine groβ e Bedeutungen zugemessen. Wir lassen uns immer von der
Prestige des Scheins in Versuchung führen. Der untergordnete Angestellte eines Amtes verblüfft das
Publikum mit allerlei völlig unnötigen Forderungen, um die Wichtigkeit seines Amtes, das heisst seine
Wichtigkeit gelten zu lassen. Es werden zahlreiche ehrenvolle Orden gebildet, um verschiedene
Kommenden und Blechwaren den wichtigen Käufern zu gewähren. Wenig bemittelte Leute geben mehr
aus, als sie können, um in der Gesellschaft Krach zu schlagen Die Vorliebe von kleinen Männer für
Straβ enkreuzer ist wohl bekannt. Die Universitäten füllen sich mit Studenten, die darum kämpfen,
einen Titel, der ihnen Prestige verleiht, zu erwerben, sie sind wenig an der zu erwerbenden Kennnis und
an ihrer kulturellen Enwicklung interessiert. Die pompösen Uniforme der Akademie verwandeln viele
wertvolle Schrifsteller in plätzchenessende Mumien. Diese Neigung ist so natürlich, dass man im
allgemeinen das Lächerliche an all diesen Dingen nicht bemerkt. Es ist auch natürlich, dass es, trotz aller
doktinären Hinweise auf die Vergänglichenkeit des weltlichen Ruhmes, diese Tendenz in den
spiritistischen Kreisen gibt. Das Beispiel von Jesus, dem volkstümlichen Rabbi, der nicht nach den
Investituren des Tempels und seinen Vorrechten strebte, wurde nach seinem Tode von den
Ehrerbietungen, die man ihm verlieh überhäuft, er wurde sogar in ein Drittel von Gott verwandelt Nun
konnte ein dritter Teil von Gott, der auf die Erde geschleudert wurde, sich es leisten, sich nichts aus den
Dingen der Welt zu machen. Aber wir Menschen können das nicht tun. Der ganze Prunk des Tempels
und seiner Vorrechte, die Jesusu ablehnte, wurden in den Prunk der christlichen Kirchen und in die
geistlichen Orden, mit ihrer Hierrarchie und ihrem komplizierten Ritualismus verwandelt.

Im Spiritismus sollten die Menschen diese Tendenz der Gattung nicht von heute auf morgen
verlieren. Da die Lehre die Privilegien des kirchlichen Systems nicht erlaubt, musste man ein paar
Ersatzeinrichtungen beschaffen. Eine davon ist die der mediumistischen Rangordnung und der
glorreichen Reinkarnationen. So erschienen, und erscheinen immer wieder die Komplikationen der
Praxis. Das Handauflegen wurde durch seine Wirksamkeit populär. Aber das Handauflegen ist so
einfach, dass es genügt, wenn man es tut. Dann enstanden die Komplikationen. Man braucht
Sonderkurse mit Anatomie- und Physiologieunterricht, damit ein Geschöpf, das guten Willens ist, die
Hände über einen leidenden Kopf ausstreckt. Aber da das Handauflegen eine einfache Sache ist, wurden
auch Techniken dazu erfunden, mit phantasievollem Wortschwall und Gestikulieren der schwedischen
Gymnastik, die die bescheidenen Handaufleger bei ausgebildeten Turnlehrern lernen müssen. Man
betrachte die Mischung, die man erreichte, in einer Art metallischer Legierung, die auf verschiede Weise
verstärkt wird. Das Ergebnis war die Verwandlung des Handauflegens in eine
Geschicklickeitsvorführung im Ballettrhythmus. Niemand erinnert sich daran, dass das Handauflegen
keine Technik ist, sondern eine fluidische Liebesgabe. Das spiritische Handauflegen ist nichts als das
Auflegen der Hände, das Jesus lehrte und praktizierte. Es ist kein magnetisches Handauflegen, es ist ein
mediumistisches Handauflegen. Das Wort mediumistisch weist schon darauf hin, dass der Handaufleger
dieses Handauflegen nicht erteilt, sondern die Geister durch die Medien. Ein Handaufleger ist ein
Medium und beim Handauflegen bittet er um den Beistand seines Führers. Aber wenn der Führer findet,
dass das Handauflegen stylisiert, nach einem Muster zugeschnitten, in ein Candombléritual verwandelt
ist, gibt er auf und wartet bis der Leidende einen Ort der christlichen Einfachheit aufsucht, wo er
wirkungsvoll handeln kann.

Die mediumistischen Kreise, wo der Patient im Mittelpunkt steht, setzt eine Konzentration der
Kräfte voraus. Die Medien sind schon keine Medien mehr, sie sind elektrische energiespendende
Batterien. Es sind nicht die Geister, die wissen, was der Patient braucht. Es sind die unerfahrenen
Lehrlinge der Anatomie und der Physiologie, des Magnetismus und der Gymnastik mit der
Zuhilfenahme von den ritualem Ballettschritten der ägyptischen Tempel. Die Personen, die wirklich in
den Spiritismus eingeweiht werden wollen, müssen vor allem verstehen, dass Spiritismus Einfachheit
und gesunder Menschenverstand ist. Ansonsten haben wir nur Inszenierungen, die die Lehre entstellen.
Es sind diese Vernachlässigungen, die die spiritistische Praxis bedrohen. Niemand wünscht, dass die
Spiritisten unwissend sind, aber es ist offensichtlich, dass sie einfach und bescheiden sein müssen, sie
müssen verstehen, dass nicht einmal Salomon sich mit der Schönheit der einfachen Feldblumen kleidete.
Wir müssen das Ferment der Pharisäer überwinden, wenn wir wirklich des Spiritismus würdig sein
wollen.

Kapitel 15

MEDIUMSCHAFT UND RELIGION

Vielen Leuten, die an die kulturelle Systematik unserer Zeit gewönht sind, scheint die Stellung
des Spiritismus im allgemeinen Rahmen der Kenntnis widersprüchlich zu sein. Einige finden, dass die
Verbindungen der klassischen Gebiete der Wissenschaft, der Philosophie und der Religion im
allgemeinen lehrhaften System utopisch oder absurd sind. Aber der Gegenstand der Kenntnistheorie
(Gnoseologie oder Epistemologie) ist gerade diese Verbindung, die zur Erarbeitung eines allgemeinen
Systems des Wissens nötig ist. Das Erscheinen der Wissenschaftsphilosophie und der
Religionspsychologie zeigen diese Forderung der kulturellen Evolution. Und es gibt neue historische
Beispiele, die von den Gelehrten nicht vernachlässigt werden können. Auguste Comtes Positivismus, der
auf wissenschaftlichen Daten beruht, beabsichtigte, die Metaphysik und alle Religiosität abzulegen, aber
die gesellschaftlichen Anforderungen (die Notwendigkeit, eine moralisch begründete gesellschaftliche
Ordnung zu bewahren) führten ihn zur Enwickllung einer Religion der Menschheit, in der das Streben
nach dem Konkreten und Positiven im abstrakten und metaphysischen Begriff der Göttin Menschheit
zerfiel. Der positivistische Kult übernahm alle Aspekte der sogenannten positiven Religionen, mit
Tempeln und Ritualien, einschlieβ lich der positivistische Messe. In der selben Tendenz des
wissenschaftlichen Ausschlieβ lichkeitsanspruch, stützte sich der Marxismus, der auf einer
erschöpfenden Analyse der kapitalistischen Struktur beruhte, auf den dialektischen Materialismus, und
wollte somit die metaphysischen und religiösen Begriffe aus der Welt ausrotten, aber er sah sich
gezwungen, die Mystik des Proletariats zu schaffen und sich zu einer sozialen Religion zu bekehren, in
der der Mensch Gottes Stelle einnahm und der Staat sich in eine universelle Kirche verwandlete. Ihre
Struktur war die eines Laienklerussystem und ihre vitale Substanz war der irdische Glaube an
menschliche Macht und sie entwickelte den Arbeitskult zu einer systematischen Ideologie, in der die
Segnungen und die Verwünschungen nicht fehlen.
Im Sartrismus (einem Existentialismus à la Sartre) verhinderte der Abscheu vor der Metaphysik
und vor der Religion, zur Metaphysik der hegelschen Dialektik zurückzugreifen, um die Projektion des
Wesens in die Existenz zu erklären und unvermeidlich die transzendentale Finalität des Wesens
anzuerkennen. Um diesen logischen Anforderungen dieser philosophischen Kapitulation zu entweichen,
kapitulierte Sartre wieder vor der totalen Abstraktion des Nichts. Wenn der Tod das Zunichtewerden des
Wesens ist, wie Sartre es vorschlägt, ist es klar, dass der Mensch im Tode den extremen Punkt jedes
metaphysischen Begriffs erreicht. Laut Sokrates wäre das Nichts, als absolutes Leere und gerade dadurch
unvorstellbar, die äusserste Glückseeligkeit mit der Rückkehr des Wesens zum grenzenlosen Frieden.
Laut Kant, der die Metaphysik jenseits jeglicher menschlichen Möglichkeit setzte, ohne sie zu leugnen,
würde das Nichts nur im eigenen Begriff existieren und wäre eine leere Idee. Denn Sartre gründete seine
Religion des Absurden auf diese totale Abstraktion, als Gegensatz zum Absurden der Reliogionen.
Jedoch gleicht Sartres Glaube an sein leeres Idol dem Glauben der Griechen an ihre imaginären Götter.

Wenn wir von Glaube sprechen, müssen wir daran erinnern, dass die Untersuchungen von
aktuellen Philosophen so wie Witehead, Cassirer und Heidegger, die fideistische Grundlage jeder
wissenschaftlichen Untersuchung. Ausgehend von den Phänomenenforschungen, auf typischen Gebiete
der Natur, benutzen die Wissenschaftler die induktive Methode, um zu den einheitlichen und positiven
Schlussfolgerungen zu gelangen. Aber die materielle Unmöglichkeit, das ganze Universum diesem
Vorgang zu unterwerfen, führt zur rationalen Deduktion der Existenz einer universellen Ordnung, ohne
die die wissenschaftliche Wahrheit auf das Erreichen der möglichen Untersuchung begrenzt wäre. Um
ein Bild des Universums erfassen zu können, müssen die Wissenschaftler sich auf den Glauben an die
universelle Ordnung stützen. Dies ist nur eine wissenschaftlich Voraussetzung, aber wird zum Glauben
erhoben, in den genauen Kontingenzen und Bedigungen, in denen die frommen Menschen gezwungen
sind, den Glauben auf Gott zu begründen. Kardec erinnert an die Existenz des menschlichen Glaubens,
des Glaubens des Menschen an sich selbst, an seine Fähigkeit, die Natur zu kennen und zu beherrschen.
Die wirkliche Grundlage aller Kenntnis, von der Voraussetzung der primitiven Magie in den Urwäldern
bis zu den wissenschaftlichen und religiösen Voraussetzungen der heutigen Zeit ist eine einzige, und
zwar das metaphysische Prinzipium des Glaubens.

Es scheint klar und unleugbar, dass die spiritistische Lehre keine einzige logische oder
epistemologische Bedingung in diesem Sinne aufweist, indem sie völlig in die Anforderungen und in die
Gesetze der Kenntnistheorie eingegliedert ist. Die verschiedenen Gebiete des Wissens widersprecehn
sich nicht, sie ergänzen sich nur. Und wie alle andere Wissenschaften begann die spiritistische
Wissenschaft mit den phänomenalen Forschungen. Sie ging nicht von den Deduktionen von abstrakten
Prinzipien, von keinem metaphysischen Verdacht aus, sondern von der rigorosen Forschung der
Phänomene, über die sie sich, mittels der induktiven Methode auf die Ebene der Theorie erhob, auf die
einer Formulierung eines Weltsystems, das nichts weniger als die ganze verborgene Seite der
eigentlichen irdischen Wirklichkeit mit einbegriff. Kardecs anfängliche Hypothesen waren nicht
spiritistisch, sie waren materialistisch. Aber die Forschung warf diese Hypothesen ab und verlagerte den
Forscher von dem zu seiner Zeit vorherrschenden wissenschaftlichen Feld zu einem neuen Feld, das
heute von den Wissenschaften in fast allen ihren Bereichen bestätigt ist. Die Physik, die in den
Wissenschaften eine diktatoriale Stellung eingenommen hatte, wie es Rhine bemerkt, musste ihren
materialistische Absolutismus abtreten, um – ohne, es zu wollen und ohne, es zu wissen – die mehr als
hundert Jahre alten spiritistischen Eroberungen anzuerkennen und zu bestätigen. In der
Wissenschaftsgeschichte kennt man keinen solchen totalen und unbestreitbaren Sieg.

Aber es gibt Leute, die darauf hinweisen, dass im Spiritismus ein Widerspruch zwischen der
Lehre und der Praxis vorhanden ist. Sie finden es seltsam, dass man in einer Institution, in der man von
Wissenschaft spricht, die Menschen sich dem Gebet und der Anrufung der spirituellen Kräfte hingeben.
Viel seltsamer war, dass die nordamerikanischen astronauten während ihren sideralen Reisen die Bibel
gelesen haben. Aber, wenn man weiss, dass im Spiritismus die Religion nicht das Produkt einer
göttlichen Offenbarung oder einer prophetischen Erklärung [Proklamation] ist, versteht man, dass es in
der Mischung von Wissenschaft und Religion in den spiritistischen Zentren keinen Widerspruch gibt.
Ohne irgendienen Kompromiss mit dem Pragmatismus von William James, beten die Spiritisten und
rufen die erhabenen Geister an, um ihren Beistand zu erbitten, nicht aus Nutzlichkeitsgründen oder aus
reinnem Glaube oder Aberglaube, sondern weil sie ganz genau wissen, dass die Geister nichts als die
desenkarnierten menschlichen Wesen, die ihnen helfen können, sind. Diejenigen, die diese rationale
Einstellung der Spiritisten kritisieren, tun dasselbe wie die Ärzte und die eingebildente Besserwisser des
vorigen Jahrhunderts, die sich über Pasteurs Impfstoff lustig machten, denn sie waren sicher, dass er auf
nicht existierende und von seiner Phantasie erfundene Wesen zurückgriff. Der Vergleich ist noch
gültiger für den Zeitpunkt, in dem Pasteur und Kardec unsichtbare Welten entdeckten, die uns umgeben
und auf uns einwirken können, indem sie Krankheiten verursachen oder uns heilen können. Die
Spiritistiten verfügen nicht über Mikroskopen, um die Existenz und die Aktion der Geister zu beweisen,
aber diese sorgen dafür, um sich Gläubigen und Ungläubigen zu offenbaren, durch Phänomene, die von
den gröβ ten Wissenschaftlern des vorigen Jahrhunderts untersucht wurden. Wie Crookes und Richet in
der Vergangenheit, Rhine, Soal, Price und noch viele andere in der Gegenwart zwangen sie der
Wissenschaft die spiritistische Wahrheit auf.

Die spiritistischen Sitzungen unterscheiden sich von den religiösen Zeremonien der Kirchen, in
erster Linie, weil sie auf dem rationalen Glauben beruhen; zweitens, weil sie sich natürlicher Gesetze
und nicht sakramentaler Formeln bedienen, drittens, weil sie sich auf eine Wissenschaft stützen, die
heute von den wissenschaftlichen Untersuchungen der gröβ ten akademischen Zentren der Welt bestätigt
wird. Der Schein trügt, aber die Menschen, die eine wissenschaftliche Kultur besitzen, pflegen sich nicht
auf den Schein zu begrenzen. Das spiritstische Gebet beruht nicht auf der Vermutung, dass es wie ein
Wunder wirkt (was Magie bedeutet) oder psychologisch suggestiv ist, sondern auf der Sicherheit, dass es
sich um eine Aktion handelt, die in den bekannten Naturgesetzen, die die sichtbare und unsichtbare
Wirklichkeit, in der wir leben, strukturieren. Der physiker und der Chemiker benutzen keine Ritualien,
um die gewünschten Phänomene zu erhalten. Sie benutzen die nötigen Instrumente und Zutaten. Die
Spiritisten haben auch keine Ritualien, sie glauben an keine vermutliche Kraft der magischen Formeln,
sonder sie benutzen die Instrumenten und die Energien, die zur Produktion der gewünschten Ergebnisse
nötig sind.

In einer spiritistischen sitzung sind die Werkzeuge die Medien (äussert senssible Apparate von
der Supertechnologie der Natur), und die Zutaten sind die geistigen und emotionalen Vibrationen der
Medien und der Versammlungsteilnehmer. Und genauso wie das Physische und das Chemische erhalten
sie die gewünschten Ergebnisse, vorausgesetzt dass die geforderten Bedingungen erfüllt wurden, und
genauso erhalten die Geister, bei den nötigen Bedingungen, auch die gewünschten Wirkungen und
Phänomene. Die Physik entdeckte die Existenz und die Kraft der Stärkefelder, der Energieausflüsse, der
elektrischen und magnetischen Strömungen und zeigte, wie wir sie produzieren, kontrollieren und
anwenden können. Die spiritistische Wissenschaft tat dasselbe mit den affektiven, willentlichen
Energien des Geistes und jedes menschlichen Psychismus. Ein wissbegieriger Spirititst, der seine Lehre
kennt und Erfahrung mit den mediumistischen Praktiken hat, kann mit diesen Kräften umgehen und
kann sie benutzen. Der Glaube, der ihn bewegt ist nicht blind und formal, dogmatisch und emotinal. Er
besitzt den Glauben des Wissenschaftlers an seine Wissenschaft: rational, experimentell, in tausenden
von wirksamen Anwendungen in der ganzen Welt bewiesen. Sogar die ungebildeten und unwissenden,
aber erfahrenen vom gesundene Menschenversatnd geleiteten Geschöpfe handeln der dem gebührenden
Kriterium und erhalten oft erstaunliche Ergebnisse. Die Gewinne der Wissenschaft sind allen
zugänglich, wenn die Mittel, sie zu erwerben, verbreitet sind. Wenn der Ernst und der wirkliche Wunsch
zu dienen, das Bewusstsien seiner Begrenztheit (was Demut bedeutet) vorhanden sind, kann jede
intelligente und ehrliche Person die bekanntesten wissenschaftlichen Mittel (wenn man die Fälle höherer
Spezialitäten ausschlieβ t) benutzen und zufriedenstellende Ergebnisse erhalten. Die Verbindung von
Wissenschaft und Religion gestattet diese gröβ ere Freiheit allen Geschöpfen, die guten Willens sind
und die nur dienen und den Nächsten nicht ausbeuten wollen. Denn der wissenschaftliche Glaube
wiederspiegelt sich im religiösen Glauben, der den meisten Menschen zugänglicher ist, und gleicht den
Mangel an spezifischen Kenntnissen durch traditionnelle Praktiken des religiösen Gebietes, aus.

Eine spiritistische Sitzung fängt normalerweise mit einem von einer Person gebeteten Vaterunser
an, die anderen Teilnehmer begleiten das Gebet nur in Gedanken. Da wo sie das Gebet mündlich, in
Form einer Litanei, begleiten, wird der Einfluss ursprünglicher Religionen des Leiters oder der Leiter des
Zentrums deutlich. Ein fremder Beobachter, der der Sitzung zum ersten Mal beiwohnt, glaubt, dass der
Spiritismus nur eine christliche und naive Sekte sei. Aber ein Spiritist, der die Lehre kennt, kann ihm den
Grund dafür erklären. Das Beten des Vaterunsers hat keinen speziellen magischen Einfluss. Es ist
begünstigt durch die Tatsache, dass es in den Evangelien vorkommt als das von Christus gelehrte Gebet,
was es zu ein traditionnellen und im ganzen Christentum obligatorischen Gebet werden lieβ . Es ist an
keine mysteriöse Kraft gebunden, sondern von einer zweitausendjährigen Tradition emotional belastet.
Ähnlich wie das Sonett, die in der Dichtung allen Innovationen widersteht, wurde das Vaterunser eine
psycho-emotive Form, eine mündliche Struktur vom kollektiven christlichen Unterbewusstsein völlig
vereinnahmt. Die technische Introjektion der Psychoanalyse entspricht einer vom Unterbewussten
vorgenommenen emotiven Absorption. Die auf diese Weise absorbierte Form oder Emotion verbleibt im
Unterbewussten wie eine Art Archetyp, der der psychologishen oder geistigen Anforderungen des
Menschengeschlechtes entspricht. In den spiritistischen Sitzungen gibt es zwei Realitäten, die
berücksichtigt werden müssen: die materielle menschliche Anwesenheit und die spirituelle menschliche
Anwesenheit. Inkarnierte und desinkarnierte Geister sind sehr empfindlich für das Beten des Vaterunsers,
das ihnen im Verlauf der mediumistischen Arbeiten mehr Vertrauen und Sicherheit verleiht. Das
Vaterunser wird nicht aus Formalismus oder Aberglaube gebetet. Es gibt einen psychologischen und
spirituellen Grund, die Sitzungen mit dieser Praktik zu beenden. Viele verwirrte spirituelle Wesen
beruhigen sich beim Zuhören des Gebets und die Atmosphäre der Sitzung begünstigt die erhofften
Ergebmisse.

Wenn der Leiter den Beginn der mediumistischen Arbeiten verkündet, bittet er alle Anwesenden
ihre Gedanken zu Jesus zu erheben, was dem Laienbeobachter einen anderen Grund zur Entrüstung
liefert. Aber die Figur Jesu ist auch ein Archetyp, eine introjizierte Form. Die geistige Konzentration, die
die andächtige Atmosphäre (eine der Sitzungszutat) begünstigt, fordert, dass alle ihre Gedanken auf ein
erhabenes Ziel richten. Es ist schwieriger an Gott zu denken, denn die meisten würden nur an ein Wort
denken. Die Konzentration ist nicht individuell, sondern kollektiv. Alle Anwesenden denken an Jesus,
die Gedanken von allen konzentrieren sich auf eine bestimmte und von allen geachtete Idee. Es handelt
sich auch nich um eine geistige Fixierung auf die Figur Jesu. Die klugen Leiter erklären, dass Niemand
ein Bild fixieren soll, denn das würde eine ermüdende geistige Anstrengung erfordern und wäre eine
geistige Anspannung, die sich dem erwünschten Ziel widersetzt, das das Schaffen und das Beibehalten
einer fluidischen Atmosphäre, das heisst, gelassener und stimulierender Vibrationen ist. Es handelt sich
um eine psychologische Technik, spirituelle Ergebnisse zu erreichen. In der lehrhaften Belehrung
(Auklärung der verwirrten Geister, die an- und abwesende Personen verwirren), werden der Name und
die Lehre Jesu ständig ermahnt, nicht aus formalen Gründen, sondern weil die Geister besonders
empfindlich für diese Ermahnungen sind. Die lehrhafte Belehrung ist nicht auferzwungen, sie weist nicht
die Brutalität der erschreckeneden Exorzismuspraktiken auf. Es handelt sich um eine typisch
psychologische überzeugende Technik, die dazu dient, die Gedanken der belehrten Geister von den fixen
Ideen, an die sich hartnäckig festbeissen, abzulenken. Wenn die geistige Einstellung, von den Gefühlen,
die mit dem Hass, der Rachsucht, der Boshaftigkeit, oder sogar der sektenhaften und fanatischen
Absichten, oder auch der Erinnerungen an das beendete Leben, der Erinnerung an den schon zur Leiche
gewordene Körper verbunden sind, abgelenkt ist, dann wird der Gedanke des Geistes den notwendigen
Erneuerungen, die ihn zur Normalität erheben werden, zugänglich.

Manchmal verstehen sogar alte Anhänger und Praktiker der Lehre diese Fragen nicht. Kardec hat
sie mehrmals erklärt, aber viele Spiritisten ziehen das Lesen von phantasievollen Büchern dem Lektüre
der Lehrbücher, besonders des Buch der Medien vor, welche für diejenigen, die lehrhafte oder
mediumistische Funktionen ausüben, unentbehrlich ist. Außerdem, fordert die lehrhafte Studie
Besonnenheit, Überlegung und den wahrhaften Wunsch, in die spiritistische Problematik einzudringen,
um nicht nur diesen oder jenen Punkt, sondern die Tiefe der Lehre, ihre Implikationen mit der
derzeitigen Kultur und die großen Perspektiven, die sie der Zukunft der Menschheit eröffnet, zu
verstehen. Ohne dieses mit Ergebenheit und Demut entgegengesehene Interesse, gleiten die Studenten
durch die Lehre wie die Katzen über glühendes Feuer gehen, und am Ende sind sie kaum angesengt und,
was noch schlimmer ist, überzeugt, dass sie das Thema beherrschen.

In einer auf Forschungen gegründete Studie über mediumistische Religionen in Brasilien


koppelten Professor Cândido Procópio de Camargo die Formen des afro-brasilianischen religiösen
Synkretismus an den Spiritismus und er schlug die Theorie des mediumistischen Kontinuums vor. Dieses
Kontinuum existiert wirklich, aber kennzeichnet nicht nur die angegebenen Gebiete. Die
mediumistischen Manifestationen sind universell und gehören zu allen Zeiten. Da die Mediumschaft eine
menschliche Fähigkeit, die aus der Beschaffenheit des Menschen als Körper und Geist herrührt, ist,
zeugte sie natürliche und primitive Religionen auf der ganzen Erde. In seinen Werken weist Kardec auf
diese Tatsache hin, die im Buch der Medien besonders hervorgehoben wird. Die Forschungen von
englischen Anthropologen in Australien und von französischen Anthropologen in Afrika, gefolgt von
Ernesto Bozzanos meisterhaften Studien in Italien, bewiesen den einzigartigen Ursprung aller
Religionen. Sie haben alle ihren Ursprung in mediumistischen Fakten und nähren sich daran. Sogar
nachdem die primitiven Phasen von der Zivilisation überwunden wurden, bleiben die Religionen noch
mit ihren mediumistischen Wurzelen verbunden und nähren sich immer noch an den mediumistischen
Vorkommnissen. Es konnte auch nicht anders sein, denn nur in der Mediumschaft fanden sie die
Möglichkeit, ihre Prinzipien, objektiv zu verfechten. Die katholische Kirche stellte den pneumatischen
Kult der apostolischen Kirchen ein, er bestand in den Manifestationen der Geister (aus dem
Griechischen: pneuma), und sie schaffte das Dogma der Reinkarnation ab. Aber es gelang ihr nicht,
dieses Prinzip aus den heiligen Schriften des Judentums und der Evangelien zu entfernen. Theologische
Interpretationen taten dasselbe in den reformierten Kirchen. Jedoch bewahrt die Wahl der katholischen
Päpste heute noch ihre Verbindung mit der Mediumschaft. Die Wahl des neuen Papstes hängt förmlich
von der Inspiration des heiligen Geistes ab. In den protestantischen Kirchen und in den noch
überlebenden Sekten der apostolischen Zeit ist die spirituelle Manifestation ein wesentlicher Teil des
Kultes. Die Engel- und Heiligenerscheinungen werden in der ganzen christlischen, jüdischen und
islamischen Welt als gültig angesehen. Der Koran ist ein psychographiertes Buch. Der jüdische
Exorzismus wird praktiziert, um den dibuki, eine verlorene Seele, die die menschenlichen Geschöpfe
verwirrt, zu entfernen. Kardec weist darauf hin, dass alle älteren Religionen, einschlieβ lich die
mythologischen, mit ihren Orakeln und Pythias, mediumistisch waren. Die in Brasilien eingedrungenen
japanischen Sekten sind typisch mediumistisch. Die Sakramente der verfeinerten Religionen sind mit
Magie, mit magischen Erbschaften des primitiven Mediumismus beladen. Man kann keine
Unterscheidung der typischen mediumistischen Religionen vornehmen, die sich nicht auf die historische
und anthropologische Wirklichkeit stützt. Unterscheidende Ansätze dienen nur dazu, die Frage zu
verwirren, wobei die guten Absichten des Autors oder der Autoren gewichtig sind. Die mediumistischen
Phänomene sind überall, obwohl die Mediumschaft ihr Bürgerrecht in der zivilierten Welt erst durch den
Spiritismus und die von ihm verursachten psychischen Wissenschaften errreicht hat. Der in der ganzen
Welt sehr verbreiteten spiritistischen Psychographie widersetzt sich die katholische Psychographie, mit
einigen von uns übersetzten Bänden. Und, so wie es Chico Xavier in einer sehr zuschauerreichen
Fernsehsendung sagte, psychographierte selbst Moses die Gesetztafeln auf dem Sinaiberg.

Kapitel 16

FRAGEN DER BESESSENHEITSBEFREIUNG

Wenn die Besessenheit, so wie Kardec sagt, die erste Stelle unter den Klippen der
mediumistischen Praxis einnimmt, so ist auch wahr, dass sie die komplexeste Frage der Lehre ist.
Kardecs summarische Klassifikation in drei aufeinander folgende Besessenheitstypen: die einfache
Besessenheit, die Faszination und die Unterjochung umfasst den ganzen Rahmen der
Besessenheitsprozesse. Aber es gibt Fragen, denen wir in der heutigen Zeit mit der gröβ ten Sorgfalt
entgegnen müssen, denn bei der aktuellen Beschleunigung der Transitionsphase, die wir durchmachen,
umfasst die Besessenheit alle Sektoren der menschlichen Tätigkeit und sie weist neue Facetten auf, die
einige kühne Spiritisten dazu verleiten, seltsame Theorie diesbezüglich zu formulieren. Wir haben schon
gesehen, dass die Besessenheit von verschiedenen Faktoren herrührt und gut differenzierte Modalität
darbietet. Die Besessenheit wurde zum mal du siècle und die Besessenheitsbefreiung muss von den
lehrenden Institutionen mit extremer Hingebung, innerhalb der wissenschaftlichen Lehrensnormen
behandelt werden, ohne auf persönliche Interpretationen auszuweichen, die eine solide experimentelle
Grundlage entbehren. Die psychologischen und psychiatrischen Techniken des Wiederherstellns vom
Gleichgewicht der Patienten ergeben keine zufriedenstellenden Resultate, wenn es wirklich um
Besessenheit geht. Die mediumistischen Sitzungen der gewöhnlichen Belehrung sind äusserst wichtig
zur Vorbeugung von Besessenheiten und zur endgültigen Wiederherstellung von akuten Fällen.
Diejenigen, die sie heutzutage verachten und sie lächerlich und dadurch für die gute Kenntnis der Lehre
schädlich finden, wissen einfach nicht, was sie tun. Es gibt eine natürliche Verbindung zwischen den
Belehrungssitzungen und den Befreiungssitzungen, denn erstere müssen den Besessenheitsfällen
vorbeugen und sie sogar verhindern. Es ist angebracht, diejenigen, die diese traditionnellen Sitzugne
kritisieren, an die Gruppentherapiepraxis, mit der Erarbeitung von Psychodramen, die aus den
spiritstischen Sitzungen abgeleitet sind, zu erinnern. Die psychoanalystischen Techniken sind dem
Spiritismus sehr verpflichtet, denn Freud war gerade ein Jahr alt, als Kardec die Bedeutung des
Umbewussten in den sogenannten Psychosen und Neurosen hervorhob und er praktisierte die Katharsis
viel tiefer und gründlicher als die freudsche psychoanalytische Katharsis. Diejenigen, die das
Vorkommen von seelischen Kommunikationen in diesen Sitzungen befürchten, kennen die Frage des
Animismus und siener beziehung zur Besessenheit nicht.

Die Besessenheiten erscheinen nicht nur in den Ausbruchs- und Entwicklungsphasen der
Mediumschaft. Die schlimmsten Besessenheiten sind genesisch mit den seelischen Problemen der Opfer
verbunden. Wie Kardec es lehrt, reinkarniert der Geist indenm er schon ernste Probleme von früheren
Inkarnationen mit sich führt. Der Besitzende und der Besessene sind also Gegner, die den selben Weg
einschlagen, um bei einem neuen Gang miteinander Schritt zu halten, wie Jesus sagte. Und, wie wir es
aus den Evangelien vernehmen, heisst der Besitzende Legion, das heisst, es ist nicht nur einer, sondern
sieben oder mehr, wie es der Fall von Magdalena zeigt. Wie kann man also, so wie es moderne und
inkonsequente Theorien behaupten, dass die Belehrung leidender und rachsüchtiger Geister der
spirituellen und nicht unserer Ebene zusteht? Gerade auf dieser Ebene müssen die Besessenheitsfälle mit
derselben Beharrlichkeit behandelt werden. Wenn dem nicht so wäre, gäbe es keine Logik im
Reinkarnatiosprozess. Eine neue exzentrische Theorie, die auf keinem vergangenen oder derzeitigen
Beweis beruht, und die behauptet, es gäbe nur einen besetzenden Geist, der den Besessenen beistehe,
damit andere schlimmere besitezende Geister ihn nicht beherrschen, ist völlig unbegründet und
widerspricht den lehrhaften und evangelischen Prinzipien.

Die angeborene Besessemheit entspricht den psychiatrischen Gleichgewichtsstörungsfälle, die


konstitutionnell nennt. Diese Fälle können mit Hilfe der Psychiatrie nur gemindert, nie geheilt werden.
Aber für den Spiritismus sind diese Fälle nicht konstitutinnell und können durch die Entfernung des
Besetzenden Geist geheilt werden. Die Tatsache, dass sie in dieser Inkarnation zusammen bleiben, weist
eine frühere und negative Beziehung zwischen ihnen, die in der Gegenwart gelöst werden muss. Zum
Beispiel die Fälle erworbener, nicht angeborener oder konstitutionneller Homosexualität der
psychiatrischen Klassifikation rühren von schlecht geleiteten Erziehungsfaktoren oder von
verschiedenen Einflüssen nach der Geburt, die zur Übereinstimmung des Patienten mit vampirischen
besetzenden Geistern. Die sexuelle Frage ist sehr heikel, denn sowohl der Mann wie die Frau verfügen
über Tendenzen beider Geschlechter und sie können Abweichungen unterliegen, die nach der Geburt
durch Erregungen provoziert wurden. Was den Alkoholismus betrifft, so haben eine identische Situation:
angeborene und erworbene Tendenzen, die die bestzenden Geister anziehen. Auf allen Ebenen
lasterhafter Aktivitäten können die besetzenden Geister von den Besessenen, die sich von Erregungen
der Umwelt, in der sie erzogen wurden oder in der sie leben, angezogen werden. Der schlechte Umgang,
der den Charakter von Kindern, Adoleszenten, Jugendlichen und sogar von Erwachsenen beeienflusst,
kann irgendienen Menschen in schmerzliche Situationen bringen, und nicht nur der Umgang mit
enkarnierten Wesen, sondern auch mit lasterhaften Geistern. Das einfache Sterben verändert keinen. Der
Sinnliche bleibt nach den Tod weiterhin sinnlich, der Alkoholiker wird sein Laster nicht los, der Bandit
bleibt Bandit. Der Tod ist nur die Befreiung des materiellen Körpers. Eine Deskonditionierung, wie
Chico Xavier sagt. Vom Taucheranzug aus Fleisch und Knochen befreit, lässt sich das menschliche
Geschöpf in seinem spirituellen Körper nieder, das ist der Perisprit, das energetische Muster des Körpers,
der die Erde verlieβ und der für alle vitalen Funktionen jenes Körpers ist. Auf diese Weise, indem der
Geist sich lebendig und seiner selbst bewusst fühlt, bleibt er der Erde verhaftet, obwohl er sich schon in
der spirituellen Sphäre der Erde befindet. Er entdeckt, dass er die materiellen Dinge nicht mehr erhalten
kann, aber er entdeckt natürlich, dass er die weltlichen Empfindungen über diejenigen, die inkarniert
sind, spüren kann. Deswegen wird von jemandem, der ihm die gewünschten Empfindungen geben kann
angezogen, er nähert sich ihm oder ihr und zwischen beiden stellt sich die mediumistische Induktion des
Vampirismus her. Die vampirische Besessenheit ist am schwersten zu bekämpfen. Der Besetzende Geist
und der Besessene bilden eine sinnliche dynamische Einheit, die an die groben Empfindungen des
materiellen Körpers gebunden sind. Die Leiche des Besetzenden Geistes löst sich in der Erde auf, aber
der Körper des Besessenen steht den sinnlichen Anforderungen des Desinkarnierten bei. Das nennt das
Volk Anlehnung, der niedere Geist lehnt sich an eine Person an. Es bildet sich der Automatismus der
Induktion: der Geist wünscht die Empfindugen, und dieser Wunsch überträgt sich auf das
inkarnierteWesen, das vesucht, ihn zu befriedigen. Sobald dieser Austauschrythmus hergestellt ist, gehört
einer dem anderen und hängt von ihm ab. In diesen Fällen ist die Besessenheitsbefreiung äusserst
schwierig, denn sind menschliche Geschöpfe, die ihren freien Willen haben. Wenn beide die Belehrung
ablehnen, scheint diese oft unnütz, un wirksam. Wenn einer von beiden die Belehrung akzeptiert, wird
die Entfernung des besetzenden Geistes möglich. Wenn beide sie akzeptieren, geht die
Besessenheitsbefreiung mit einer manchmal erstaunlichen Leichtigkeit vor sich.. Dann sorgen die guten
Geister dafür, den besetzenden Geist weiterzuleiten, und die Menschen müssen sich um den Besessenen
kümmern. Man muss ganz sorgfältig mit diesem umgehen, damit er durch seine lasterhaften Begierden
nicht andere besetzende Geister anzieht. Deswegen sagte Jesus, dass wenn das Haus sauber und
aufgeräumt ist, lädt der niedere Geist sieben Gefährten ein, und alle werden darin wohnen, so dass der
Zusatnd des Besessenen noch schlimmer als vorher sein wird. So enstand bestimmt die absurde Theorie
des Besetzer-Beschützers, indem sie sich auf diese falsch interpretierte Lehre stützte. Aber Jesus wollte
eigentlich denjenigen, die für den Besessenen verantwortlich waren, nahelegen, dass sie sich um ihn
kümmern müssten, damit er nicht wieder in den selben und in das selbe Laster verfällt.

Viele Leute fragen, wie die Spiritisten, die eine Minderheit auf Erden sind, in ihren Sitzungen
die riesengroβ e Anzahl von Besessenheiten, die es auf Erden gibt, behandlen. Kein aufgeklärter
Spiritist fühlt sich verpflichtet, allen Besessenen zu helfen. Die Hauptarbeit wird von den Geistern, die
mit dieser Pflicht der spirituellen Welt beauftragt sind, geleistet. Die Sitzungen widmen sich der
Behandlung von Fällen, die mit Personen, die sich an die spiritistischen Gruppen oder Zentren wenden,
zu tun haben. Aber sie widmen sich besonders den Mediumismusfällen, da sind Medien Geister, die sich
in früheren Lebzeiten sich Geschöpfen, die sie ihrer Willkür unterwarfen, verpflichteten und nun müssen
sie ihnen durch ihre Mediumistischiatät helfen. Das Gesetz der Liebe regiert die menschlichen
Beziehungen auf beiden Seiten des Lebens. Das Gewissen des Henkers fordert seine Selbstaufopferung
zu Gunsten der Opfer, die er auf die Abwege der Welt entführte. Man kann die Verbrechen nicht nur
durch andere Verbrechen wiedergutmachen, sondern hauptsächlich durch den Beistand, den der
Verbrecher seinem früheren Opfer leistet. Und auf diese Weise halten beide Schritt miteinander im
materiellen Leben durch die Mediumschaft, eine erlösende Funktion in den Belehrungs- und
Besessenheitsbefreiungssitzungen.

Im Spiritismus gibt es eine Tendenz zum kirchlichen Formalismus, die von Anhängern, die den
Schein mehr als die Wahrheit schätzen, gepflegt wird. Den Wunsch aus der Lehre eine verfeinerte
Aufmachung, mit Raffinessen und gesellschaftlicher Etikette in der Praxis zu gestalten, führt viele Leute
dazu, Innovationen zu akzeptieren, die sie allerdings nur erniedrigen. Sie vergessen Kardecs kategorische
Behauptung: Der Spiritismus ist eine Inhalts- und keine Formfrage. Sie versuchen, sie in hierarchischen
Systeme zu organisieren, sie mit den sogenannten lehrhaften Obrigkeiten zu versehen und somit legen
sie den spiritistischen Kreisen eine Disziplin auf, die voll ist von protokolaren Anforderungen, die ihm
seine charaktersitische Einfachheit und Natürlichkeit nehmen würden. Die Belehrungs- und
Besessenheitsbefreiungssitzungen stören diese Leute, die nur ruhige Kommunikationen von erhabenen
Geistern, die ihnen die Genüsse raffinierter Rhetorik erhalten wollen. Deswegen akzeptieren und
befürworten sie antispiritistische Maβ nahmen, die die oben genannten Sitzungen, in denen die meisten
kommunizierenden Geister leidende und revoltierte Geister sind, abschaffen würden. Wenn sie dies
erreichen würden, würden sie die Sitzungen in literarische Kaffeekränzchen von den Salons des XVIII.
Jahrhunderts, mit gegenseitiger Lobhudelei und veralteter Rhetorik, die nur dazu bestimmt wären,
Elitemenschen anzuziehen. Die Redner, diejenige, die über die Lehre sprechen, wurden rationalerweise
als Darsteller umgenannt. Diese Kühnheit der praktischen Personen wurde sofort erwidert, indem man
einen pompöseren Titel übernahm: spiritistische Tribunen. In einigen Zentren lieβ man soger die
Lehnen der Bänke, die unbequem wurden, absägen, damit die Medien gerade sitzen wie Soldaten in
Stillstandsposition. In den gröβ eren Institutionen haben sie alles kompliziert und haben dem Volk den
Zugang zu den Leitern erschwert, indem sie Kontrollkarten für das Handauflegen eingeführt haben.
Sogar in den Häusern der Armenfürsorge wurden Disziplinarmaβ nahmen eingerichtet, die die
liebevolle Spontanäität der guten alten Nächstenliebe töteten. Es wurde sogar versucht, die Ausdrücke
Nächstenliebe und Fürsorge durch Sozialdienst zu ersetzen. All dies und was, daraus erfolgt, schafft eine
Atmosphäre zu Gunsten der Verzerrungen des lehrhaften Kreises und des Versuches, sogar die
Grundarbeiten, die als überholt angesehen werden, zu verfälschen.

Das ist das Netz der kollektiven Besessenheiten, das schlaue Fischer ins Meer warfen, mittels
der Tendenz zur förmlichen Verfeinerung der Personen, die an einem Schein falschen Glanzes hängen.
Die Raffinessen der Umgebung kitzelt die Eitelkeit der Leiter und sogar der Diener der Institutionen, die
sich wie Livreediener von kaiserlichen Schlössern verkleiden. Das ist eine Art subtile Besessenheit, die
sich langsam in die Räume, die nach falschem sinnlosen Glanz trachten, somit verleiten sie die neuen
Pharisäer und ihre naiven Bewunderer dazu, die Maβ e des guten Menschenverstandes zu verlieren. Auf
diese Weise werden neue Besessenheitsherde geschaffen, in denen die an trügerischem Wortschwall
überschäumenden Mystifizierungen die grundlegenden Werken ersetzen. Wenn der Besessenheitsherd
geschaffen ist, setzen sich die Mentoren der Finsternis in ihre prunkvollen Sessel und fangen an, die
nötigen Veränderungen zu diktieren. Der arrogante und aggressive Ausdruck Mentor ersetzt den
liebevollen Ausdruck Beschützer, und da geht die Reinheit der Lehre flussabwärts, in den eitlen
Schlamm der lehrhaften Innovationen, der direktorlichen Anmaβ ungen, der Verurteilungen dieses oder
jenes, bis zum Delirium des unechten Messianismus. Für diese kollektive Besessenheit gibt es keine
Lösung. Sie ist es, die das Haus am Wege von Jerusalem in den theokratischen Staat des Vatikans
verwandelt hat.

Diejenigen, die denken, dass sich der Spiritismus sich mit dem irdischen Prunk rühmt, irren sich.
Jesus war nicht Sazerdot des Tempels und Kardec hat nie seinen bescheidenen Wohnsitz in der Rue des
Martyrs in Paris gegen das Schloss zu Versailles umgetauscht. Weder der eine noch der andere ist
gekommen, um mit den Mächtigen der Welt zu sprechen, sondern mit den Leidenden und
Trostbedürftigen. Wer das nicht versteht, wird nie die Botschaft des Spiritismus in sich aufnehmen, es sei
dies geschehe nach sühnenden und erlösenden Inkarnationen. Die Besessenheit bewacht die Individuen
und die Gruppen an jeder Generationenkreuzung. Ein kleines Zentrum, das sich um die Besessenen
kümmert, taugt mehr als eine prunkvolle Institution, in der die dröhnenden Tribunen die pompösen
Salons mit ihrem leeren Wortschwall füllen. Eine Geste reiner Demut beeindruckt das Menschenherz
mehr als die antiquierte Rhetorik der missionarischen Tribunen. Die irdischen Herrlichkeiten finden nur
bei den Besetzenden Gefallen, während die Besessenen die Erbarmung eines Liebeswortes erbitten.