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PhotoReading – Ein ganzheitliches Verständnis- und Gedächtnissystem

Schritte 1 von 5 - Vorbereitung auf die Lektüre als Lernvorgang und erfahrungsbereicherndes Ereignis

Jeder Lektüre muss ein Lernziel gesetzt werden, welches dann

entweder bewusst oder unbewusst verwirklicht werden kann.

Bestimmung des Lernzieles (1.1.)

Lernen bedeutet nicht nur die Aufnahme von Information, sondern beinhaltet auch deren Verständnis – das Sich-zu-eigenmachen des Gelesenen.

Je genauer das Lernziel für eine bestimmte Lektüre von uns festgelegt wird, desto besser können wir dieses erreichen. Das Lernziel ist der Zweck der Lektüre, welcher alle Schritte innerhalb des ganzheitlichen Verständnis- und Gedächtnissystems antreibt.

Im ersten Schritt sollte uns der Zweck unserer Lektüre, das Lernziel, klarmachen, dass wir nicht den ganzen Lesestoff brauchen, sondern lediglich die Ideen, welche in ihm enthalten sind. Der Zweck, unser Lernziel, „heiligt“ unser Auswahlverfahren in Bezug auf die im Text enthaltene Information.

Fragen, die unser konkretes Lernziel bestimmen:

Wozu kann ich die Information des Textes nutzen?

Wie wichtig ist mir die Information der Lektüre?

Wie viele Details möchte ich dem Text abgewinnen?

An was möchte ich mich nach der Lektüre erinnern?

Wie viel Zeit möchte ich dafür aufwenden, um mein konkretes Lernziel für

diese Lektüre zu erreichen?

Ohne ein konkretes Lernziel verschwenden wir unnötig Zeit mit Worten, die uns gleichgültig sind, und überlassen es dem Zufall, ob wir irgendeinen Lerneffekt erzielen.

“Put on your thinking cap!“ (1.2.)

Lege Deine Lektüre vor Dich hin und nimm eine aufrechte Sitzhaltung ein

Rücken gerade halten – und halte den zu lesenden Text, wenn möglich, parallel zum Gesicht. (Abstand mindestens 35 cm.) Brille aufsetzen, wenn nötig. Entspanne Deine Augen. (Schließe Deine Augen und sammle Dich.)

Formuliere Dein zuvor bestimmtes Lernziel für die bevorstehende Lektüre und die von Dir dafür festgelegte Zeit.

„Thinking cap“ aufsetzen.

Werde Dir Deiner erhöhten Konzentration bei gleichzeitiger Entspanntheit

bewußt. Lächle und stelle Dir vor, dass Du eine direkte Verbindung zwischen Augen und

Verstand (oder was auch immer Du glaubst, womit Du denkst und Dinge verstehst) sowie ein erweitertes Sehfeld hast. Öffne langsam Deine Augen und halte dabei Deinen entspannten und

konzentrierten Zustand aufrecht. Beginn zu L E S E N. (Was hier mit Lesen alles gemeint ist, wird noch erläutert.)

Zusammenfassung Schritt 1 von 5:

Bestimme Dein Lernziel.

Nimm den zum L E S E N geeigneten Geisteszustand ein.

Schritt 2 von 5 – Überblick über die Lektüre ( = L E S E N*)

Der erste Überblick verrät uns, an welchen Stellen

wir höchstwahrscheinlich unser Lernziel erreichen werden.

Der erste Überblick ermöglicht es unserem Verstand, Ordner für die zu verarbeitenden Ideen einzurichten.

Erkundung der Lektüre (2.1.)

Dazu erkundest Du für ein Buch einfach fünf bis zehn Minuten (später mit mehr Erfahrung ein bis drei) folgendes:

Inhaltsverzeichnis, Stichwortverzeichnis usw.

Erste und letzte Seite des Textes bzw. den ersten und letzten Paragraphen aller

Kapitel oder Unterkapitel.

Fettgedruckte und kursivgedruckte Stellen, sowie Überschriften und

Teilüberschriften.

Zusammenfassungen, Überblicke und Abschlussfragen.

Material hervorgehoben in Kästen, Abbildungen und Tabellen.

Allein dadurch weißt Du genau, worauf Du Dich bei Deiner bevorstehenden Lektüre einlässt.

Schlüsselwörter (entscheidende Konzepte und Begriffe) vorbestimmen (2.2.)

Hervorgehobene Wörter und oft verwendete Schlüsselwörter geben die Hauptideen des Textes wider. (Regel für den Anfang: 10 bis 15 Schlüsselwörter für einen Artikel, 20 bis 25 für ein Buch.) Es sollte Dir möglich sein, diese Anzahl in zwei drei Minuten herauszufinden. Sollte das sehr schwierig sein, verliere darüber nicht Deine entspannte und konzentrierte Geisteshaltung.

Wiederholung und Zusammenfassung der Ergebnisse Deines Überblicks (2.3.)

Bei der Wiederholung und Zusammenfassung der Ergebnisse Deines Überblicks kommst Du vielleicht zum Entschluss, das Buch oder Dokument gar nicht erst zu lesen. Vielleicht erkennst Du, dass Dir nur die Informationen bestimmter Teile des Textes dabei helfen, Dein Lernziel zu erreichen. Hierbei erkennst Du, wie wichtig Dein Lernziel gegenüber der Lektüre ist, damit der erste Lesedurchgang, dieser erste Überblick, richtig genutzt werden kann.

Einer Versuchung musst Du beim ersten Überblick auf jeden Fall widerstehen: Verliere Dich nicht in Details! Das führt dazu, dass Dein Verstand abschaltet. ln diesem Fall solltest Du eine Pause einlegen und später noch einmal bei Schritt 1 anfangen.

Einen Text ohne einen ersten Überblick zu „lesen“ ist wie in einen Supermarkt zu gehen und die Waren aller Regale anzuschauen, obwohl man in Wirklichkeit nur eine Tafel Schokolade möchte.

Zusammenfassung Schritt 2 von 5:

Erkunde den Text.

Erkenne die wichtigen Schlüsselwörter.

Fasse in Gedanken oder schriftlich zusammen, was Dir Dein erster Überblick in

Hinblick auf Dein Lernziel gebracht hat.

Schritt 3 von 5 – PhotoReading (= L E S E N**)

Photoreading ist der wichtigste Teil des ganzen Lernsystems, aber auch der entspannendste.

Wiederholung Schritt 1 (3.1.)

Wiederholung von Schritt 1: Sammle Dich innerlich und formuliere erneut Dein

Lernziel.

Vorsätze und Bestätigung des Lernziels (3.2.)

Atme nochmals mehrmals bewusst tief durch und öffne diesmal die Augen mit

dem Vorsatz, konzentriert lernen – Information aufnehmen und verstehen – zu

können.

Bestätige Dir dabei folgendes:

Alles, was ich photolese, hinterlässt einen bleibenden Eindruck in meinem

Gedächtnis und in meinem Verstand (oder wenn Dir allgemein Gehirn lieber ist,

Während ich photolese, ist meine Konzentration absolut.

dann eben dort).

Die Ideen und Konzepte aus (Titel des Textes) will ich mir zu eigenmachen, weil

ich mein Lernziel erreichen möchte. (Lernziel noch einmal wiederholen.)

Es soll nicht das Ziel sein, sich an alles erinnern zu wollen, da es sich beim PhotoReading um einen unterbewussten Vorgang handelt, der den gesehenen Text direkt ins Gedächtnis lädt und dem verarbeitenden Verstand übergibt (oder was auch immer Du meinst, wo das bei Dir stattfindet).

Photofokus (3.3.)

Photofokus. Die Augen nehmen dabei eine Stellung ein, bei dem Dein Blick durch das Zentrum des vorliegenden Dokumentes hindurchsticht und dabei die den Text umgebenden vier Ecken mit einbezieht. Du kannst Dir dabei ein über den Text ausgebreitetes X vorstellen. Bei Büchern verläuft dieses X durch die Mitte zweier gegenüberliegender Seiten. (Die Augen werden weder total entspannt, noch fixieren sie einen einzelnen Punkt, geschweige denn ein Wort an. Stattdessen versuchst Du, das Dokument in seinen Begrenzungen als Ganzes zu erfassen. Dabei kommt das periphere Sichtfeld zum Einsatz, welches Du zuvor geistig erweitert hast.

Du kannst die Weite Deines Sichtfeldes auch körperlich trainieren, indem Du Dich zunächst auf ein vor Dir liegendes Wort konzentrierst, den Fokus loslässt und dann das vorliegende Dokument als Ganzes erfasst.

Das periphere Sichtfeld benutzt den Teil der Netzhaut, der trotz seines fehlenden Fokus, extreme Details aufnehmen kann. Die Nerven in diesem Bereich sind so sensibel, dass wir damit die Flamme einer Kerze aus 15 Kilometer Entfernung erkennen können. Das sollte an Erklärungen reichen, um auf die Effektivität der peripheren Sicht während des PhotoReading im Photofokus zu vertrauen.)

Wichtig ist es, den Text nicht bewusst aufnehmen zu wollen. PhotoReading ist

ein unterbewusster Aufnahmevorgang von visueller Information. Text ist hierbei

nur der Anfang. (Samurai haben diese Technik (kan) in Japan dazu benutzt, um

weit entfernte oder sehr versteckte Feinde zu entdecken, bevor sie gefährlich

werden konnten.)

PhotoReading und Rhythmus (3.4.)

Während Du im Photofokus verweilst, blättere in einem gleichbleibenden

Rhythmus die Seiten des zu lesenden Dokumentes um oder wechsle zur

nächsten vollen Seite eines digitalen Dokumentes. Bei einem Buch verweilt

Dein Photofokus Deinem Rhythmus entsprechend auf beiden Seiten des Buches.

(Etwa 1 Sekunde, mit entsprechender Übung und Gewöhnung auch wesentlich

weniger.)

Um Deine Konzentration aufrecht zu erhalten, kannst Du auch eine zum

Rhythmus und zur Stimmung passende Melodie summen und ab und zu Deine

Vorsätze von oben wiederholen, damit Du diesen Vorgang nur mit positiven

Atme tief und ruhig, während Du photoliest.

Gedanken begleitest.

Überkreuze nicht Deine Beine, sondern behalte stattdessen die unter Schritt 1

beschriebene offene und aufrechte Position bei.

Mach Dir keine Sorge, solltest Du aus Versehen eine Seite überblättern.

Du solltest vor allem verhindern, dass dieser Vorgang durch Sorgen und andere

negative Ablenkungen unterbrochen wird.

Abschließende Bestätigung des Effektes (3.5.)

Nachdem Du die letzte Seite des Buches (das sollte wirklich die allerletzte sein, wenn Du keine begrenzende Vorauswahl getroffen hast) umgeblättert hast,

schließe das Buch mit Selbstbewusstsein und Zuversicht. (Und mit einem

wissenden Lächeln.)

Bestätige Dir zudem noch folgendes:

Ich nehme alle Gefühle, die mir das PhotoReading (L E S E N**) dieses Textes

vermittelt hat, an.

Ich überlasse die in mich aufgenommenen Informationen meinem Gedächtnis

und Verstand (Gehirn, wenn Du das glaubst) zur weiteren Verarbeitung.

Ich bin gespannt, auf welche Weise mein Verstand, mein Gedächtnis und

meine Intuition sowie mein ganzer Körper mir zeigen werden, dass mir die

soeben in mich aufgenommenen Informationen zur Verfügung stehen.

Bevor Du nun die soeben in Dich aufgenommenen Informationen aktivieren kannst, musst Du sie zunächst ruhen lassen, damit sie in Dir von Deinem Gedächtnis und Verstand verarbeitet und zur bewussten Aktivierung vorbereitet werden können.

Zusammenfassung Schritt 3 von 5:

Vorbereitung ähnlich Schritt 1. (Aktive Lernhaltung einnehmen.)

Vorsätze (Lernziel) bestätigen und positive Einstellung einnehmen.

Photofokus einnehmen.

Photoreading und dabei Rhythmus – stätige Haltung – einhalten.

Überzeugter Schluss mit positiver Bestätigung des Lesevorgangs.

Schritt 4 von 5 – Bewusste Aktivierung der Informationen, die das Lernziel erfüllen. (L E S E N***)

Bisher wurden die für uns wichtigen Informationen nur unterbewusst erfasst und auf gleiche Weise von unserem Gedächtnis und Verstand ausgewertet. Jetzt ist es an der Zeit (nach frühestens 20 Minuten Erholung, besser jedoch nach einem guten Mittagsschlaf oder einer ausgewogenen Nachtruhe) diese Informationen durch geeignete Methoden zu aktivieren.

Es gibt zwei Arten von Aktivierung:

Spontane Aktivierung. (Die wünschen wir uns alle, ist aber seltener der Fall.

Besonders zu Beginn der Erlernung dieser neuen Art zu L E S EN.)

Gesteuerte Aktivierung. Die folgenden Erläuterungen beschreiben diese Art der

Aktivierung.

Starthilfe für unser Gedächtnis: Rückblick (4.1.)

Schritt 2 kann nun noch einmal als eine Art Rückblick verwendet werden.

Wenn Du an Stellen kommst, die Dich besonders interessieren, formuliere

hierzu entsprechende Fragen ohne – wie auch beim ersten Überblick – in Details

zu gehen.

Verwende zwischen 5 bis 15 Minuten für diesen Rückblick, je nachdem wie lang

Behalte Dir Deine Neugier, welche von Deinem Lernziel genährt werden muss.

der erste Überblick war.

Der Rückblick kann auch nur dazu benutzt werden, weiterführende Fragen zu

formulieren. Diese Starthilfe dient dazu, die weitere Aktivierung zu planen, um

das Lernziel zu erreichen.

Kreativer Aufschub – Hier ist das erlaubt. (4.2.)

Nach dem PhotoReading und nach dem Rückblick musst Du die Informationen erst einmal von Deinem bewussten Verstand weisen. Lass sie einfach ruhen.

Anfänglicher Anstrengung folgt eine Zeit der Ruhe – eine kreative Inkubationszeit. Um etwas zu verstehen, müssen wir dem Verstand Zeit geben, daran zu arbeiten. Probleme werden von unserem Verstand ständig unterbewusst bearbeitet. Hierdurch werden die beim PhotoReading aufgenommenen Informationen von unserem aktiven Verstand aufgearbeitet, sie werden ein Teil von uns.

Wenn wir uns die richtige Frage stellen und unser Verstand Zeit hatte, die zur Beantwortung benötigten Informationen aufzuarbeiten, besitzt er sogar die Fähigkeit, zu einer für uns zufriedenstellenden Antwort zu kommen. Das wird schon seit Urzeiten von Künstlern, Dichtern, Schriftstellern und Erfindern und allen kreativ aktiven Menschen bestätigt.

Beim Rückblick kommt es daher vor allem darauf an, Fragen von Bedeutung

zum Text (und hinsichtlich unseres Lernzieles) an unseren Verstand zu richten.

Erforschung des Verstandes (4.3.)

Nach frühestens zwanzig Minuten oder eben auch bis zu 24 Stunden nach dem Rückblick kannst Du nun weitere Fragen für Deinen Verstand vorbereiten.

Was ist an dem Text besonders wichtig für mich?

Was sind die Hauptpunkte?

Wie begründen sich diese?

Was muss ich wissen, um meine Hausarbeit, meine Prüfung oder meinen

Bericht gut zu schreiben?

Fragen dieser Art regen den Verstand dazu an, die Antworten darauf in dem zuvor unbewusst aufgenommenen und nun schon etwas bearbeiteten Informationshaufen zu suchen. Du solltest an dieser Stelle jedoch keine sofortige Antwort oder Erinnerung erwarten. Die Fragen bei der Erforschung des Verstandes sollen helfen, offen und neugierig zu bleiben.

Persönliche Streitgespräche oder solche mit anderen Personen, die meist einen ganz anderen Eindruck vom Text bekommen haben, sind sehr hilfreich, die Kernkonzepte eines Textes zu klären. Es geht darum, aktiv zu werden, ohne seinen eigenen Verstand und sein Gedächtnis unter Druck zu setzen.

Wenn

herausgestrichen werden: Wie wichtig ist diese Frage, um mein Lernziel zu

erreichen?

Dich

Fragen

gestellt

werden,

muss

deren

Wichtigkeit

für

Bewahre beim Fragenstellen immer den aus Schritt 1 bekannten

Geisteszustand und vertraue darauf, dass die Antwort kommen wird.

Dein Verstand kann auf diese Weise schneller die Brücke zwischen Deinem bewussten Wissen und dem noch in Dir schlummernden, unbewussten Wissen schlagen.

Überfliegen und Abtauchen (4.4.)

Nach dem Rückblick und der Erforschung unseres Verstandes mittels geeigneter Fragestellungen wissen wir, wo wir suchen müssen, um unsere Antworten darauf zu finden.

Was willst Du von dem Text, den Du gerade untersuchst?

Du gehst zu den Orten, wo Deine eigentliche Informationsquelle liegt.

Zuerst zu Orten, die Dich ohnehin anlocken, oder die Du zuvor schon

ausgemacht hast. (Bestimmte Textteile und –abschnitte. Kapitelüberschriften

und ähnliches geben Dir dabei die nötigen Hinweise zu den Orten, wo Du

relevante Informationen findest.)

Beim Überfliegen der entsprechenden Textstellen bewegst Du Deine Augen wie

ein Reisverschluss in der Mitte einer Textseite nach unten und dadurch über

große Informationsblöcke hinweg.

In Teile, die Dich besonders ansprechen oder die Dir wichtig erscheinen,

tauchst Du ab.

Abtauchen (Erklärung siehe unten) bedeutet, die für Deine Fragen relevanten

Sätze zu lesen, um dann gleich wieder mit dem Überfliegen des Textes

fortzufahren.

Behalte Dir beim Überfliegen ein äußerst weites Sichtfeld offen. (Du musst

dazu Deine Augen entspannen und etwas locker lassen. Dadurch fixierst Du

dann nicht mehr einzelne Wörter an, sondern erfasst mit etwas Übung eine

ganze Zeile. Es ist dabei jedoch nicht nötig, dass Du wirklich eine ganze Zeile im

Fokus behälst. Das ist auch nicht wirklich möglich. Entspanne Dich einfach und

nimm soviel auf wie Du kannst; den Rest macht Dein Verstand von allein. Hierbei musst Du nur lernen, auf Dein Gefühl zu achten, die Signale, mit denen Dir Dein Verstand zu erkennen gibt, dass sich an dieser Stelle relevante Informationen befinden.)

Wichtig ist es, dem Überfliegen und Abtauchen gegenüber eine aktive, also bewusste Geisteshaltung aufrecht zu erhalten. Erliege nicht der Versuchung, beim Abtauchen in alte Gewohnheiten zu verfallen. Hier besteht die Gefahr, sich in Details zu verrennen oder zu meinen, man hätte nicht alles „gelesen“. Beim Überfliegen und Abtauchen geht es darum, immer wieder eine tiefere Schicht der Unwissenheit zu entfernen. Das ist ein schrittweiser Prozess so wie das ganze Lesesystem.

Für gewöhnlich ist die essentielle Information in 4 bis 11 Prozent des Gesamttextes enthalten. (Das soll Dir als Ermutigung und Beruhigung dienen,

Lerne, auf Deine Intuition, auf Deinen Verstand zu vertrauen.

wenn Du glaubst, nicht alles gelesen zu haben.)

Hier noch eine Richtlinie für das richtige Abtauchen in den Text:

Abtauchen sollte bei Artikeln auf ein bis zwei Paragraphen, bei Büchern auf ein bis zwei Seiten begrenzt werden. Die Überschriften helfen Dir dabei, die richtigen Momente zum Abtauchen zu bestimmen.

Bewege beim Abtauchen Deine Augen über jede Zeile (die obere Hälfte der Buchstaben reicht für gewöhnlich.) in einer gleichmäßigen Geschwindigkeit und fokussiere nur leicht an (mindestens drei, vier Wörter auf einmal). Du kannst auch mit den Augen einer Wortgruppe (jeweils drei, vier Wörter) zur nächsten springen. Halte nach Bedeutungseinheiten Ausschau. Lese (Suche) nach Gedanken, Gefühlen und Ideen, nicht nach einzelnen Worten. Der Wechsel zwischen Überfliegen und Abtauchen bringt Dich dem Text näher und macht Dich mit seinem verständlichen Inhalt vertraut. Hier gibt Dir der Autor Antworten auf alle Deine Fragen.

Als PhotoReader bist Du ständig auf der Suche nach Ideen und Sinneinheiten, welche Dir helfen, die Qualität Deines Lebens, Deiner Fähigkeiten und die Deiner Arbeit zu steigern.

Unterschied zwischen Überfliegen, Abtauchen und konventionellem Speedreading:

Überfliegen und Abtauchen dienen dazu, eine bewusste Brücke zu dem zuvor

durch Photoreading aufgenommenen und im unbewussten Teil unseres

Verstandes gelagerten Wissen zu schlagen. Hierbei geht es um eine

Aktivierung von schon unbewusst vorhandenem.

Speedreading ist die bewusste Aufnahme von Information durch visuellen

Kontakt mit Text.

Suche nach Gedankengängen (Problem – Hauptargument – Lösung) (4.5)

Da wir die Struktur des Textes kennen, wissen wir wo wir nach den einzelnen Elementen der Gedankengänge suchen müssen. Diese Struktur zeigt uns, wo wir überfliegen und wo wir abtauchen müssen.

Alternative zum Überfliegen und Abtauchen

für stark analytisch denkende Personen:

Dahinjagen (Skittering) (4.6.)

Als Aktivierungstechnik übertrifft diese Tätigkeit (laut verschiedener Autoren) sogar Speedreading und bietet eine wertvolle Alternative zum Überfliegen und Abtauchen. Skittering ist besonders gut geeignet für längere Texte wie Lehrbücher und andere informative didaktische Werke. Man bekommt mit etwas Übung sehr schnell ein genaues Verständnis des zu untersuchenden Textes.

Wie funktioniert dieses Dahinjagen (Skittering)?

Skittering könnte als wilder Tanz der Augen bezeichnet werden, beschreibt aber an und für sich eine sehr harmonische und rhythmische Bewegung, die es dem Versand erlaubt, alle Wörter eines Paragraphen zu betrachten, der für das Lernziel wichtig ist. Die ständige Bewegung sorgt dafür, dass wir nur die sinnhaften Elemente des Textes aufnehmen, während die Tatsache, über alle Wörter hinwegzujagen, uns ein Gefühl der Sicherheit verleiht.

Vor dem Skittering machst Du folgendes:

Wie zuvor beim PhotoReading bereitest Du Dich vor und sammelst Dich.

Überdenke nochmals Dein Lernziel.

Wenn vorhanden, tauchst Du in alle Überschriften und Einleitungen ab (siehe

Abtauchen).

Dann tauchst Du in alle ersten Paragraphen unter den Überschriften ab.

Zuletzt tauchst in den ersten Satz des Paragraphen ab, den Du mittels des

Skittering untersuchen möchtest.

Während dem Skittering, dem Dahinjagen über den Text, machst Du folgendes:

Du bewegst Deine Augen in einem für Dich persönlich angenehmen und

gleichmäßigen Muster über den Text, wobei Du den ersten Satz und den

letzten weglässt. (Im Zick-Zack oder als kreisförmige Bewegung, mit oder gegen

den Uhrzeigersinn, von oben nach unten oder von unten nach oben – was Dir

am Besten liegt und Dir dabei hilft, Deine Ruhe und Konzentration zu

bewahren.)

Versuche jene Worte zu bemerken, welche die eigentliche Bedeutung des

gerade zu untersuchenden Gedankenganges des Autors enthalten.

Die Methode des Dahinjagens gibt Deinem Verstand die Möglichkeit, wichtige

Konzepte und Argumente herauszufischen.

Wenn die Bedeutung eines Paragraphen unklar bleiben sollte, tauche in den

letzten Satz ab.

Diesen Vorgang wiederholst Du nun mit jedem Paragraphen Deiner vorher

getroffenen Auswahl, wobei Du in die letzten Paragraphen komplett

abtauchst. (Konzept des Abtauchens siehe oben.)

Gehe zum Abschluss vom Text weg und wiederhole in Gedanken, was Du

Tauche auch in die Zusammenfassung ab, falls es eine gibt.

soeben gelesen*** hast.

Fertige einen Mindmap an.

Dass Du in den ersten Satz eines Paragraphen, über den dahingejagt werden soll, abtauchen sollst, hat den Sinn, Dich vor dem Skittering auf diesen einzustellen. Nicht immer jedoch wird sich die Bedeutung eines Paragraphen durch das Lesen (Abtauchen) des letzten Satzes erschließen. Das hängt von der Ordnung des Textinhaltes ab. (Bei Lehrmaterialien ist dies jedoch meist der Fall.)

Manchmal wirst Du auch zwei oder mehrere Paragraphen brauchen, um ein Konzept vollständig zu erfassen; daher die Aufforderung, über die letzten Paragraphen (über die Anzahl entscheidest allein Du) nicht hinweg zu jagen, sondern in diese abzutauchen.

Mache Dir an dieser Stelle keinerlei Sorgen über Details. Für diese hast Du in

Schritt 5 genug Zeit.

Anfertigung eines Mindmaps (4.7.)

Du weißt wahrscheinlich, wie man das macht, und deshalb hier nur die grundlegenden Regeln:

Die Hauptidee kommt ins Zentrum eines größeren Blattes Papier, welches Dir

genug Raum lässt, um die restlichen dazugehörenden Ideen im Kreis herum

anordnen zu können.

Sich ergänzende oder in der Logik aufeinanderfolgende Konzepte kannst Du

zudem mit Pfeilen verbinden und am Besten im oder gegen den Uhrzeigersinn

anordnen, damit die Pfeile hinterher eine harmonische Ordnung ergeben.

Diese Konzepte werden hauptsächlich die Schlüsselwörter sein, welche Du

schon beim ersten Überblick herausgefunden hast. Ergänze diese durch die Dir

noch fehlenden.

Der Mindmap sollte nur nach außen (Zweige) detaillierter werden. Detailliert

bedeutet hier, dass die Konzepte durch höchstens drei Wörter oder einen

prägnanten Satz erläutert werden.

Du kannst das Ganze durch Symbole, Bilder und andere visuelle Elemente

ergänzen und individuell für Dich abrunden.

Benutze Farben, selbst wenn Du das sonst nie tust. Du könntest verschiedene

Farben für Konzepte aus dem ersten Überblick und dem Rückblick verwenden,

eine andere für die Konzepte, die durch Dein Lernziel vorgegeben wurden. (Das

Hauptkonzept Deines Lernzieles sollte sich ohnehin in der Mitte befinden!)

Da diese Technik so wichtig für die Aktivierung der unterbewussten Informationen ist, hier noch zwei Bücher: The Mind Map Book von Tony Buzan und Mind Mapping von Joyce Wycoff.

Jeder Mindmap sieht anders aus. Mindmaps sind so individuell, dass es keine

weiteren Vorschriften über ihr Aussehen gibt. Sie sind ein Abbild Deines bewussten Verstandes, welches Dir zeigt, was Du bisher von Deinem Text verstanden hast und was sich normalerweise in Deinem Langzeitgedächtnis festsetzen wird. Mindmaps zeigen uns, wie unser Verstand arbeitet: Ideen werden nie einzeln

sondern immer in Verbindung mit anderen, meist bekannteren, verstanden bzw. gelernt. Jedes Mal, wenn wir uns an etwas erinnern, erfindet unser Verstand die Idee

„neu“, bedient sich vorhandener Bilder und Konzepte im Gedächtnis. Eigene Ideen kann unser Gedächtnis am besten speichern. Wenn wir unseren Mindmap bei geschlossenem Buch aufzeichnen, erscheint es unserem Verstand so, als erfinde er die vorhandenen Konzepte gerade neu und verankert sie so noch besser in unserem aktiven Wissen. Deshalb können wir uns an solche Konzepte samt deren Erläuterung auch leichter erinnern. Hierbei sollte der riesige Unterschied zum bloßen Kopieren und der Neuanordnung von Text klarwerden: Aktivierung von wirklich „gelesener“ Information ist ein kreativer Akt des Verstandes. Selbst unter hoher Konzentration ist Abschreiben eine Arbeit, die kaum unserer Aufmerksamkeit bedarf, da es sich hier eher um eine handwerkliche, statt um eine intellektuelle Arbeit handelt.

Zusammenfassung Schritt 4 von 5:

Es gibt die spontane und die gesteuerte Aktivierung. Hier ging es uns um die gesteuerte Aktivierung. Eine klare Lernzielvorstellung ist entscheidend für die gesteuerte Aktivierung. Rückblick (Fragen) und kreativer Aufschub (20 Minuten bis 24 Stunden weg mit dem Text). Gefolgt von einer Erforschung des Geistes mittels weiterführender Fragestellungen an den Text. Überfliegen und Abtauchen. (Die Struktur des Textes und Dein Lernziel leiten Dich dabei.) Dahinjagen (Skittering). (Die Struktur des Textes und Dein Lernziel leiten Dich dabei.) (Die Struktur des Textes und Dein Lernziel leiten Dich dabei.)

Mindmap anfertigen.

Lass Dich überraschen, wie und wann Dein Verstand Dein gewonnenes Wissen

sonst noch aktiviert.

Schritt 5 von 5 – Rapides L E S E N**** für die, die nicht genug von ihrer Lektüre bekommen.

Hier kann man noch einmal die Kapitel lesen, die einen genauer interessieren, oder bei denen die gewonnene Informationen detaillierter sein müssen. Alternativ kann man auch noch einmal das ganze Buch rapide L E S E N.

Was ist Rapides Lesen?:

Rapides Lesen hat verschiedene Geschwindigkeiten, angefangen von der

langsamsten, der des konventionellen Lesens (Nur dann, wenn wirklich

angebracht wie etwa für mathematische Formeln, Poesie und dergleichen.) bis

hin zu Speedreading-Geschwindigkeiten.

Rapides Lesen ist bis auf wenige Ausnahmen (mathematische Formeln, Poesie

usw.) immer schneller, weil es erst jetzt nach all den anderen Schritten

angewendet wird, und wir bereits sehr mit dem Text vertraut sind.

Es ist besonders dann viel schneller, wenn wir bemerken, dass wir die nun

rapide gelesenen Informationen schon verstanden haben oder sie an dieser

Stelle im Text unnötig wiederholt werden.

Es wird langsamer, sobald es sich um komplexere Informationen handelt wie

es bei Lehrbüchern oft der Fall ist oder wenn es sich für uns trotz der ersten vier

Schritte um neue Informationen handelt.

Du kannst die Geschwindigkeit ganz individuell Deinem Verständnisgrad und

Deinem Lernziel anpassen. (Merke: Man kann nur rapide lesen, wenn man auch

versteht, was man liest.)

Hauptsache ist, Du verfällst nicht in alte Lesemuster. Bleibe immer in

Bewegung. (Denke an die direkte Verbindung zwischen der visuellen Erfassung

des Textes und Deinem Verstand.)

Bleibe daher nicht unbedingt gleich stehen, wenn Du etwas nicht sofort

verstehst. Überlasse das Deinem Verstand. Er wird es für Dich aussortieren.

Zusammenfassung Schritt 5 von 5:

Lies mit der passenden Geschwindigkeit nochmals entweder über den ganzen

Text oder über ausgewählte Stellen.

Dieser Schritt ist optional und hängt von Deinem Lernziel ab.

Ein Plan zum Erlernen des ganzheitlichen Verständnis- und Gedächtnissystems (30 Minuten pro Tag):

Tag 1: Nimm Dir ein Buch vor, das Dich interessiert. Folge Schritt 1 und 3.

Tag 2: Folge Schritt 1 und 2 (höchstens zwei Minuten) und dann Schritt 3, sowie Schritt 4 (nur Rückblick in 15 bis 20 Minuten).

Tag 3: Folge Schritt 1 und 3. Dann überfliege und tauche in den Text ab. (Versuche das in 30 Minuten zu schaffen.) Mach Dir wegen des Verständnisses keine Sorgen. Wiederhole am Ende die Schlüsselwörter und alles, was Du Dir merken konntest.

Tag 4: Schritt 1 und 3. Die restlichen 30 Minuten verbringst Du mit der Aktivierung ohne das Mindmapping.

Tag 5: Schritt 1 und 3. Schau Dir das Inhaltsverzeichnis an und benutze die Aktivierungstechniken, um gezielte Fragen zu beantworten. Rapides Lesen zum Abschluss, wenn Du noch mehr Informationen benötigst. Benutze 10 Minuten (von 30 Minuten), um abschließend noch schnell einen Mindmap anzufertigen.

Es geht nicht darum, das ganze Buch als Mindmap darstellen zu können, sondern einen Mindmap anzufertigen, der Dein Lernziel erfüllt.

Vielleicht brauchst Du am Anfang mehrere „vierte Tage“. Experimentiere mit den oben beschriebenen Techniken herum und genieße die Entspannung, welche Dich dadurch beim Lernen begleitet.

Die hier widergegebenen Informationen stellen eine persönliche „Zusammenfassung“ des zweiten Teils im Buch PhotoReading Whole Mind System von Paul R. Scheele dar. Sein Buch bietet sehr viel mehr Anwendung für das gesamte System. Damit man die verschiedenen Konzepte im englischen Text wiedererkennt, wurden meist keine passenden deutschen Ausdrücke gesucht. „Photolesen“ klingt zwar nicht sehr schön, aber es bleibt im Gedächtnis haften. Sobald Du die Methode beherrscht, spielen die Namen der einzelnen Konzepte sowieso keine Rolle mehr.

Noch ein paar abschließende Kommentare:

Das Buch verwendet zum größten Teil eine materialistische Sicht unseres Intellekts; daher die Anmerkungen zum Gehirn. Die Hauptkonzepte – die Möglichkeit der unbewussten visuellen Informationsaufnahme und deren Aktivierung – werden auch ohne genauere wissenschaftliche Erklärungen in unserer Realität bestätigt. (So zeigen dies zumindest die vielen ermutigenden Beispiele im Buch.)

Das wichtige Konzept der chinesischen „Gedankenkappe“ kann gerne durch ein persönlicheres ersetzt werden. Im Buch ist die Methode genauer beschrieben.

Nur um zu zeigen, wie weit man das Konzept seinem persönlichen Weltbild anpassen kann: Christen könnten zum Beispiel zum Heiligen Geist beten und sich aktiv in dessen Gegenwart versetzen, um so die Konzentration zu erhöhen. Schutzengel und andere Lichtwesen oder gar Verstorbene (James Brown für Musikstudenten) helfen da sicherlich auch.

Anderen hilft es vielleicht wirklich, sich vorzustellen, eine Mandarine auf dem Kopf balancieren zu müssen. Wieder andere können sich gerne die Damen und Herren ihrer Stipendiatenstiftung oder die ständigen Ermahnungen ihrer kontrollierenden Mutter vorstellen. Whatever floats your boat.

Solltest Du noch Rechtschreibfehler und ähnliches in diesem Text gefunden haben, dann kannst Du Dich glücklich schätzen, eine so hohe Konzentrationsfähigkeit und Auffassungsgabe zu besitzen, ganz zu schweigen von Deinen guten Deutschkenntnissen.

Viel Spaß beim Erlernen dieser Methode!