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Die radikale Linke in Luxemburg

von Nico Biver


Aktualisierte Version vom Dezember 2018

Einst Spielball der europäischen Mächte


Im Jahr 1867 erlangte Luxemburg seine vollständige Unabhängigkeit. 1830 war der
Versuch gescheitert, sich zusammen mit Belgien von den Niederlanden zu trennen.
Der Deutsche Bund, dem Luxemburg angehörte, hatte sich dem widersetzt. Zankapfel
war die Festung Luxemburg, das "Gibraltar des Nordens", die von preußischen Trup-
pen gehalten wurde. Die Lostrennung Belgiens wurde zwar von den europäischen
Großmächten akzeptiert, aber Luxemburg wurde geteilt. Der westliche Teil wurde
Belgien zugeschlagen und der östliche Teil (mit der Festung) in eine Scheinunabhän-
gigkeit in den heutigen Grenzen entlassen. Luxemburg war zwar ab 1839 keine Pro-
vinz der Niederlande mehr, gehörte aber weiter dem niederländischen König Wilhelm
I. und musste Mitglied des Deutschen Bundes bleiben. Bis 1890 waren die niederlän-
dischen Könige aus dem Hause Oranien-Nassau gleichzeitig luxemburgische Großher-
zoge. Mangels männlichen Nachwuchses Wilhelm I. ging die Thronfolge dann auf das
Haus Nassau-Weilburg über.
Die Chance zur Unabhängigkeit ergab sich durch den Zerfall des Deutschen Bundes in
Folge des preußisch-österreichischen Krieges von 1866. Der Streit zwischen Preußen
und Frankreich um die Festung, der sich in einem neuen Krieg zu entladen drohte,
wurde 1867 in London durch eine Konferenz der europäischen Mächte beigelegt. Lu-
xemburg wurde zu einem neutralen Staat erklärt und die Schleifung der Festung ver-
einbart.
Die Unabhängigkeit des Landes war aber stets gefährdet. Im Ersten Weltkrieg liebäu-
gelten die drei Nachbarländer mir einer Annexion, die 22 Jahre später dem faschisti-
schen Deutschland für vier Jahre gelingen sollte. Eine Einmischung der Nachbarländer
war stets auf der Tagesordnung, wenn Interessen ihrer Investoren auf dem Spiel stan-
den. Die Neutralität wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch Beitritt zur NATO auf-
gegeben.
Seit 1867 ist Luxemburg eine konstitutionelle Monarchie und parlamentarische De-
mokratie. Die Volkssouveränität wurde aber erst 1919 ebenso wie das allgemeine
Wahlrecht in der Verfassung verankert.
Die heute sechzig Mitglieder umfassende Abgeordnetenkammer wird alle fünf Jahre in
vier Wahlkreisen nach dem Verhältniswahlrecht gewählt. Die Sitze, die die einzelnen
Listen gewinnen, gehen an die Kandidaten mit den meisten Stimmen. Für alle Bürger,
die jünger als 76 Jahre sind, besteht Wahlpflicht.
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Die verspätete Arbeiterbewegung


Luxemburg war eines der letzten europäischen Länder, in denen eine sozialistische
Partei entstand. 1903 wurde die Sozialdemokratische Partei (SDP) gegründet. Aller-
dings waren bereits 1896 sozialdemokratische Kandidaten in die Abgeordnetenkam-
mer gewählt worden. Die wichtigsten Gewerkschaften entstanden Anfang des 20.
Jahrhunderts, erlangten aber erst im Ersten Weltkrieg nennenswerten Einfluss.
Für das späte Entstehen der sozialistischen Bewegung gab es mehrere Gründe. Das
Land war bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem agrarisch geprägt.
Etwa ein Viertel seiner Bevölkerung wanderte damals aus – vorwiegend in die USA.
Im letzten Drittel des Jahrhunderts setzte im südwestlichen Kanton Esch, wo Eisenerz
abgebaut wurde, ein rasantes Wachstum der Eisen- und Stahlindustrie ein. 1913 entfie-
len auf das Land mit damals 260.000 Einwohnern 1,9 Prozent der Weltproduktion an
Stahl und 3,2 Prozent der an Roheisen. Die Bevölkerungszahl im Kanton Esch verdrei-
fachte sich zwischen 1865 und 1900.
Der Aufbau von sozialistischen und Arbeiterorganisationen wurde auch durch die mul-
tinationale Zusammensetzung der Beschäftigten in der Industrie und dem Bergbau be-
hindert. 1902 war nur gut die Hälfte der 13.000 Arbeiter in der Eisen- und Stahlindus-
trie des Kantons Esch luxemburgischer Nationalität. Es gab über dreitausend Italiener
und über zweitausend Deutsche. Aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten und
nationaler Vorurteile war der Aufbau einheitlicher Organisationen schwierig. Diese
waren auch instabil, weil viele ausländische Arbeiter – gewollt oder ungewollt – nur
für einen begrenzten Zeitraum im Land blieben. Sie wurden in Krisenzeiten als erste
entlassen und sie konnten, wenn sie sich gewerkschaftlich oder politisch betätigten,
des Landes verwiesen werden. Diese Maßnahme betraf vor allem die radikalsten.
Die Folge war auch, dass die einzelnen Nationalitäten sich getrennt organisierten. An-
fang des 20. Jahrhunderts entstanden Gewerkschaften, die den deutschen Verbänden
angeschlossen waren. Auch ausländische Parteien traten auf den Plan. Die Italienische
Sozialistische Partei (PSI) verfügte offenbar über eine Sektion in Esch.
Die Besonderheit einer multinationalen Arbeiterklasse prägt bis heute – in einem noch
stärkeren Ausmaß – die luxemburgische Gesellschaft. Anfang 2016 machten vorwie-
gend aus der EU stammende Ausländer 47,0 Prozent der Bevölkerung und 72,5 Pro-
zent der Beschäftigten aus. 45,0 Prozent der Beschäftigten waren Grenzgänger aus den
Nachbarländern Frankreich, Belgien und Deutschland.
Die ansässigen EU-Bürger verfügen heute über das Kommunalwahlrecht, sind aber
nur auf Antrag eingeschrieben und damit wie die Luxemburger der Wahlpflicht unter-
worfen. Ein allgemeines Wahlrecht für Ausländer wurde 2015 in einem Verfassungs-
referendum abgelehnt.
Ein weiteres Hemmnis für die Entstehung einer linken Partei war das bis 1919 gelten-
de Mehrheitswahlrecht, das Personen und nicht Parteien in den Vordergrund rückte.
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Außerdem galt bis 1919 ein Zensuswahlrecht, nach dem zuletzt 8,2 Prozent der männ-
lichen Bevölkerung wählen durften. Die ersten sozialistischen Kandidaten und Partei-
führer kamen aus der Mittelschicht. Sie waren von einem starken Antiklerikalismus
geprägt, der sich gegen den übermächtigen Einfluss der katholischen Kirche richtete.
Die SDP war vergleichbar mit den Parteien der Nachbarländer. Marxistisch in der
Theorie und reformistisch in der Praxis, schwankte sie zwischen einer Politik, die auf
parlamentarische Bündnisse mit den ebenfalls antiklerikalen Liberalen setzte, und ei-
ner, die sich stärker an den Interessen der Arbeiterklasse orientierte.
1905 entstand die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) aus einer Abspaltung
der SDP, der sie Parlamentarismus und die Vernachlässigung des Aufbaus von Ge-
werkschaften vorwarf. Die SDAP engagierte sich vor allem in diesem Bereich, blieb
aber bei Wahlen erfolglos. 1912 vereinigten sich beide Parteien wieder, aber der Erste
Weltkrieg, an dem Luxemburg zwar nicht beteiligt war, aber Durchmarschgebiet der
deutschen Armeen war, führte zum Zerfall der SDP. Im Oktober 1917 wurde sie als
Sozialistische Partei Luxemburgs (SPL) wieder gegründet.
Der Krieg und die revolutionären Entwicklungen in Deutschland und Russland hatten
auch in Luxemburg ein enormes Erstarken der Arbeiterbewegung zur Folge. Bereits
1916 war der Berg- und Hüttenarbeiterverband (BHAV) gegründet worden und rief
im Mai 1917 zum Generalstreik, der nach einer Woche von den deutschen Besatzern
niedergeschlagen wurde. 1918 vereinigte sich der BHAV mit dem ebenfalls 1916 ge-
gründeten Luxemburger Metallarbeiter-Verband (LMAV) zum Luxemburger Berg-
und Metallindustriearbeiter-Verband (BMIAV). Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges
kam es zu einem politischen Vakuum, das die Linke und die Gewerkschaftsbewegung
zu nutzen wussten. Ein kurzlebiger Arbeiter- und Bauernrat entstand am 10. Novem-
ber 1918. In den Fabriken wurden Betriebsräte gewählt und der Achtstundentag einge-
führt, was später gesetzlich verankert wurde.
Gleichzeitig entstand eine republikanische Bewegung, die im Januar 1919 durch fran-
zösische Truppen niedergeschlagen wurde. Sie wurde befeuert durch die deutsch-
freundliche Haltung der Großherzogin Marie-Adelheid und durch ihre Weigerung,
Beschlüsse des Parlamentes umzusetzen. Mit französischer Unterstützung konnte er-
reicht werden, dass die Großherzogin abdankte und durch ihre Schwester Charlotte
abgelöst wurde.
Die Spaltung der sozialistischen Bewegung
Diese revolutionäre Situation blieb nicht ohne Einfluss auf die SPL, die sich zuneh-
mend radikalisierte. Innerhalb der Partei entstand eine kommunistische Fraktion, die
für den Beitritt zur Kommunistischen Internationalen (Komintern) warb. Hemmnis für
eine mehrheitliche Zustimmung zu diesem Schritt waren einige der 21 Aufnahmebe-
dingungen. Die Forderung, reformistische Führungsmitglieder auszuschließen, stieß
auf viele Vorbehalte. Das Verlangen nach einer führenden Rolle der Partei gegenüber
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den Gewerkschaften wurde mehrheitlich abgelehnt. Die Partei habe sich vielmehr der
Gewerkschaft unterzuordnen, betonte die syndikalistische Mehrheit. Auf dem Partei-
tag der SPL am 2. Januar 1921 wurde ein sofortiger Beitritt zur Komintern abgelehnt.
Noch am gleichen Tag trat die kommunistische Minderheit aus und gründete die
Kommunistische Partei Luxemburgs (KPL). Die SPL schloss sich der von der österrei-
chischen Sozialdemokratie gegründeten Internationalen Arbeitsgemeinschaft Sozialis-
tischer Parteien (der sog. 2 1/2 Internationalen) an.
Seitdem herrschte eine tiefe Feindschaft zwischen den beiden Parteien. Für die KPL
machte diese mit dem Beginn der Volksfrontperiode einem stetigen Werben für punk-
tuelle Bündnisse und eine Zusammenarbeit in den Kommunen Platz. Der antikommu-
nistische Kurs der Sozialisten wich aber nur kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und
nach Abflauen des Kalten Krieges einem pragmatischeren Umgang mit der KPL.

Parlamentswahlen: Ergebnisse der Linken 1919-1968


Partei 1919 19221 1925 19282 19313 1934/374
Proz. Sitze Proz. Sitze Proz. Sitze Proz. Sitze Proz. Sitze Proz. Sitze
SPL/APL 15,65 8 10,82 7 16,33 8 41,61 10 28,65 14 26,91 17
Unabh.5 2,98 1 5,27 2 6,00 2 5,43 3
KPL6 1,02 0,92 2,58 2,42 1
Gesamt 48 48 47 52 54 55

Partei 1945 1948/517 1954 1959 1964 1968


Proz. Sitze Proz. Sitze Proz. Sitze Proz. Sitze Proz. Sitze Proz. Sitze
APL/LSAP 23,37 11 35,46 19 32,84 17 33,05 17 35,89 21 31,00 18
Unabh. 1,57 1
KPL 11,07 5 8,80 4 7,26 3 7,21 3 10,42 5 13,11 6
Gesamt 51 52 52 52 56 56
Da das Land in vier Wahlbezirke unterteilt ist, in denen die Wähler, je nach Anzahl der zu wählenden Abgeordneten,
zwischen 7 und 23 Stimmen abgeben können, würde eine Addition der Stimmenzahlen zu einer Verzerrung des Wahler-
gebnisses führen. Deshalb wurden fiktive Stimmenzahlen errechnet, indem im jeweiligen Wahlbezirk der Stimmenanteil
einer Partei auf die Zahl der gültigen Wahlzettel angewendet wurde.
Bei einzelnen Wahlterminen handelt es sich um Teilwahlen. Die Sitzzahlen geben jeweils die Sitzzahl für das ganze
Land und nicht das Ergebnis der Teilwahl an.
1) Teilwahlen im Zentrum und im Norden
2) Teilwahlen im Süden und Osten und Ergänzungswahl im Zentrum
3) Teilwahlen im Zentrum und Norden und Ergänzungswahl im Süden
4) Zusammengefasstes Ergebnis der Teilwahlen von 1934 (Süden und Osten) und 1937 (Norden und Zentrum)
5) Linksliberale Listen im Wahlbezirk Osten, die mit Ausnahme von 1945 von der SPL bzw. APL unterstützt wurden.
6) Die KPL kandidierte 1922 nur im Zentrum, 1925 nur im Süden, 1931 nur im Süden und Zentrum, 1934/37 nur im Sü-
den und 1959 nur im Süden und Zentrum.
7) Zusammengefasstes Ergebnis der Teilwahlen von 1948 (Süden und Osten) und 1951 (Norden und Zentrum)
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In der SPL setzte sich die syndikalistische Mehrheit durch. Sie wurde 1924 in Arbei-
terpartei Luxemburg (APL) umbenannt, was zur Abspaltung ihres hauptstädtischen
Flügels führte, der noch mehrere Jahre unter altem Namen weiterbestand. Das Ver-
hältnis zu den Gewerkschaften sollte bis in die 1970er Jahre, als die linken Gewerk-
schaften eine klarere Trennung von der LSAP beschlossen, ein Streitpunkt bleiben.
Die Ausgangsbedingungen für die KPL waren ungünstig. Der Generalstreik der Stahl-
und Bergarbeiter gegen Massenentlassungen im März 1921, der von SPL und KPL un-
terstützt wurde, endete in einer völligen Niederlage. Die meisten Errungenschaften der
Jahre davor wurden rückgängig gemacht. Betriebsratsmitglieder und Gewerkschafts-
aktivisten wurden entlassen. Die Mitgliederzahlen des BMIAV brachen zusammen
und erreichten fünf Jahre später erst die Hälfte des Standes von 1921. Die KPL hatte
besonders unter den Repressalien zu leiden. Etwa 150 Mitglieder wurden bestraft oder
entlassen. Da sie auf schwarzen Listen standen, machten sie sich mit Genossenschaf-
ten oder als Kleinunternehmer selbständig oder wanderten aus. Fünfzig ausländische
Mitglieder wurden des Landes verwiesen. Auch durch Ausschlüsse ging der Einfluss
der KPL im BMIAV rasch zurück. Die KPL trug zu ihrer Isolierung selbst bei, indem
sie nach dem Streik mit Aufrufen zur Vorbereitung einer bewaffneten Revolution eine
linksradikale Richtung einschlug. Dem folgte dann, nach Vorgaben der Komintern, ein
Zickzackkurs von der Einheitsfrontpolitik, über die Sozialfaschismusthese bis zur
Volksfrontpolitik in den dreißiger Jahren.
Konnte die Partei bei den Parlamentsteilwahlen 1922 im Zentrum noch 1,8 Prozent der
Stimmen erringen und 1925 im industriellen Süden 3,1 Prozent, trat sie 1928 gar nicht
mehr an. Die drei Kommunalmandate, die sie 1924 in Differdingen und Esch errungen
hatte, verlor sie 1928. Der Niedergang der Partei bedingte, dass sie 1923 an die Orga-
nisation der Französischen Kommunistischen Partei (PCF) angeschlossen wurde. Zwi-
schen 1924 und 1928 waren praktisch keine Aktivitäten der Partei mehr festzustellen,
obwohl sie durch den Zustrom italienischer, polnischer oder ungarischer Flüchtlinge
weiter bestand. Aber unter den 200 Mitgliedern des Jahres 1928 waren nur noch zehn
Luxemburger und von den Italienern wurden im selben Jahr sechzig ausgewiesen.
Die Komintern beauftragte die Kommunistische Partei Italiens (PCI), die Neugrün-
dung der Partei in die Hand zu nehmen und der Gewinnung luxemburgischer Mitglie-
der Priorität einzuräumen. Nach und nach gelang der Wiederaufbau. 1929 entstand die
Revolutionäre Gewerkschaftsopposition (RGO) nachdem erneut führende Kommunis-
ten aus dem BMIAV ausgeschlossen worden waren. 1931 wurden bei den Abgeordne-
tenwahlen im Süden 5,5 Prozent der Stimmen erzielt und 1934 7,3 Prozent. Das
damals erstmals errungene Abgeordnetenmandat wurde der Partei aberkannt. Unter
dem Eindruck der Volksfrontpolitik der PCF änderte die KPL bereits 1934 ihren Kurs.
Die RGO wurde aufgelöst und der APL eine Zusammenarbeit angeboten, die von die-
ser beharrlich abgelehnt wurde. Das änderte sich auch nicht, als die Regierung ein Ge-
setz vorbereitete, das dem Verbot der KPL dienen, und per Volksabstimmung
verabschiedet werden sollte. Die APL, die sich ebenfalls gegen das Gesetz engagierte,
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lehnte eine gemeinsame Kampagne mit der KPL ab, auch wenn Einzelmitglieder zu-
sammen mit Kommunisten in der Liga zur Verteidigung der Demokratie aktiv waren.
Mit 50,7 Prozent der Stimmen wurde im Juni 1937 das „Maulkorbgesetz“ verworfen.
1939 war die Partei auf über 400 Mitglieder, vorwiegend luxemburgischer Nationali-
tät, angewachsen, darunter auch eine Reihe ehemaliger Mitglieder der APL.
Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt war erneut Anlass, die Repression gegen
die KPL zu verstärken. Nach dem deutschen Einmarsch im Mai 1940 wurden die Par-
teien aufgelöst. Die KPL war die einzige, die während der Besatzung Widerstand or-
ganisierte. Sie bezahlte einen hohen Preis. Mehr als ein Drittel ihrer Mitglieder wurden
verhaftet und zwei Dutzend ermordet, darunter der Vorsitzende Zénon Bernard.
1945 und 1968: rote Strohfeuer nach Befreiung und Kaltem Krieg
Wie in anderen europäischen Staaten führten die Rolle der Kommunisten im Wider-
stand und das durch den Sieg über Nazideutschland errungene Prestige der Sowjetuni-
on zu einem abrupten Anstieg des kommunistischen Einflusses. Ende 1945 zählte die
KPL 4.200 Mitglieder und sie gewann bei den Kammerwahlen im selben Jahr 11,1
Prozent der Stimmen und 5 von 51 Deputierten. Bis 1947 war sie in einer Regierung
der nationalen Einheit vertreten. In den Kommunen kam es erstmals zu Koalitionen
nicht nur mit der APL sondern in Esch unter kommunistischer Führung sogar mit der
konservativen Christlich-Sozialen Volkspartei (CSV). 1945 war der Freie Luxembur-
ger Arbeiterverband (FLA) von der KPL gegründet worden, nachdem der als Nachfol-
ger des BMIAV entstandene Luxemburger Arbeiterverband (LAV) KPL-Kandidaten
und ausländische Arbeiter nicht zur Wahl seines Escher Ortsvorstandes zugelassen
hatte.
Der Kalte Krieg sollte den Einfluss der KPL schnell zugunsten der 1946 in Luxembur-
ger Sozialistische Arbeiterpartei (LSAP) umbenannten APL verringern. Der FLA, der
1945 noch die meisten Stimmen bei den Betriebsratswahlen in der Stahlindustrie er-
zielt hatte, verlor – auch weil er nicht als Tarifpartner anerkannt wurde – rasch an An-
hängern und wurde 1965 aufgelöst. Die meisten verbliebenen Mitglieder traten in den
LAV ein. Die KPL-Mitgliederzahlen fielen auf etwa 300 Anfang der 1960er Jahre. Die
Wahlergebnisse, die bis auf 7,2 Prozent gesunken waren, fingen gleichzeitig an sich zu
verbessern. 1968 gewann die KPL bei den Abgeordnetenkammerwahlen 13,1 Prozent
der Stimmen und 6 Mandate, obwohl sie kurz vorher, als eine der wenigen westeuro-
päischen kommunistischen Parteien, ausdrücklich den Einmarsch der Warschauer-
Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei unterstützt hatte.
Dass die KPL dennoch das beste Ergebnis ihrer Geschichte erzielte, spiegelte die Ent-
wicklung in anderen westeuropäischen Staaten wieder, wo es auch zu einem Wieder-
erstarken kommunistischer Parteien kam. Die ersten wirtschaftlichen Krisensymptome
der Nachkriegszeit, der rapide Anstieg der Studierendenzahlen und das Entstehen neu-
er Mittelschichten bildeten den Nährboden für einen weltweiten Aufschwung sozialer
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und politischer Kämpfe, die einen ersten Höhepunkt im Mai 1968 erreichten. Luxem-
burg, wo es keine Universität gab, bekam die Auswirkungen über die Allgemeine Ver-
einigung der Luxemburger Studenten (ASSOSS) zu spüren, der meist in den
Nachbarländern studierende Luxemburger aus dem gesamten linken Spektrum ange-
hörten. Diese radikalisierte sich zusehends und brach Ende 1969 auseinander, nach-
dem die linksradikale Strömung die Mehrheit errungen hatte und die ASSOSS in die
Revolutionäre Sozialistische Linke (GSR) umwandelte. Von dieser spaltete sich 1970
die trotzkistische Revolutionär-Kommunistische Liga (LCR) ab, die später als Revolu-
tionär-Sozialistische Partei einen Wähleranteil von einem halben Prozent erzielen
konnte und schließlich in der Linken (DL) aufging. Aus der GSR entstand 1972 der
maoistische Kommunistische Bund Luxemburgs (KBL), der mit dem Kommunistischen
Bund Westdeutschlands (KBW) verbündet war und gute Beziehungen zur Kommunis-
tischen Partei Chinas pflegte. Er löste sich nach diversen Abspaltungen 1980 auf. Ein
linker Aufbruch machte sich auch in der Gewerkschaftsjugend (LAJ) und der Sozialis-
tischen Jugend (JSL) bemerkbar.
Von dieser Linksentwicklung konnte die LSAP nicht profitieren, weil sie sich 1964 bis
1968 in einer Koalition mit der CSV und anschießend in einem Spaltungsprozess be-
fand. Sie war zerstritten zwischen einem rechten Flügel, der die Partei zur Mitte hin
öffnen wollte und strikt jede Zusammenarbeit mit der KPL ablehnte, und einem linken
Flügel, der am Bündnis mit den Gewerkschaften festhalten und auf kommunaler Ebe-
ne eine Zusammenarbeit mit der KPL nicht ausschließen wollte. 1968 hatte die LSAP
nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei die beiden
letzten kommunalen Koalitionen mit der KPL aufgelöst. Notwendige Neuwahlen ge-
Parlamentswahlen: Ergebnisse der Linken 1974-2013
Partei 1974 1979 1984 1989 1994 1999 2004 2009 2013 2018
Proz. S. Proz. S. Proz. S. Proz. S. Proz. S. Proz. S. Proz. S. Proz. S. Proz. S. Proz. S.
LSAP 26,99 17 22,52 14 31,75 21 26,21 18 25,41 17 22,36 13 23,50 14 21,69 13 19,32 13 16,81 10
SDP 10,08 5 6,37 5
KPL 8,77 5 4,86 2 4,37 2 4,40 1 1,68 0,92 1,49 1,45 1,15
DL/NL 0,68 3,32 1 1,88 3,31 1 4,50 2 5,06 2
LCR/RSP 0,44 0,19 0,17 0,21
PSI 2,02 1 2,43
GRAL 0,07
ALWI 0,68
Piraten 2,96 6,61 2
Grüne 4,20 2 4,76 2 9,92 5 9,08 5 11,57 7 11,69 7 10,30 6 15,05 9
GLEI 3,74 2
Gesamt 59 59 64 60 60 60 60 60 60 60
Die KPL kandidierte 2004 nur in den Wahlbezirken Süden und Zentrum, die NL 1994 im Süden, die LCR 1974-1984 im Sü-
den und Zentrum, die RSP 1989 im Süden, die PSI 1979 im Zentrum und die GRAL im Osten.
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wann die KPL auf Kosten der LSAP. Die Widersprüche in der LSAP führten schließ-
lich 1970 zur Abspaltung der Sozialdemokratischen Partei (SDP), die mit der CSV
kooperierte und sich 1984 auflöste. Mit einem geschwächten rechten Flügel konnte die
LSAP wieder auf Kosten der KPL Boden gut machen und überließ den Ortsverbänden
die Entscheidung, ob sie mit ihr zusammenarbeiten wollten oder nicht.
Abschied vom Stahlproletariat
Die KPL verlor in den 1970er Jahren rasch an Einfluss und erzielte von 1979 bis 1989
nur noch Wahlergebnisse von 4 bis 5 Prozent. Eine Ursache dafür war der Niedergang
der Stahlindustrie und die Schließung der Eisenbergwerke. Von 1974 bis 1989 sank
die Zahl der Arbeiter in diesen Branchen, die die Hochburgen der KPL waren, von
23.000 auf 8.000. Erschwerend kam hinzu, dass die Sozialstruktur der luxemburgi-
schen Beschäftigten sich von denen der ausländischen zunehmend unterschied. Der
Anteil der ausländischen Arbeiter stieg stetig. 2013 waren nur noch 9 Prozent der lu-
xemburgischen Beschäftigten Arbeiter. In den Niedriglohnbereichen, im Handel, der
Gastronomie und im Dienstleistungsbereich arbeiteten vor allem Pendler und Migran-
ten. Nur im Öffentlichen Dienst sowie in den Gesundheits- und Sozialberufen wurden
noch überdurchschnittlich Luxemburger beschäftigt.
Der KPL gelang es – ebenso wie den anderen Parteien – nur unzureichend, Ausländer
zu organisieren. Viele blieben mit ihrem Heimatland verbunden und kehrten dorthin
zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zwischen der KPL und der Italienischen
Kommunistischen Partei (PCI) vereinbart, dass sich neue italienische Migranten in der
PCI organisieren sollen. Dies erklärt, dass 1975 die luxemburgische Föderation der
PCI 783 Mitglieder zählte, doppelt so viele wie die KPL. Zur damaligen Zeit gab es
auch Organisationen der portugiesischen und spanischen KPs in Luxemburg.
Der KPL gelang es bis Mitte der 1980er Jahre, ihre Mitgliederzahl zu erhöhen, indem
sie vor allem neue Schichten ansprach. Sie stieg bis 1984 auf etwa 750 an. Waren
1976 noch 72 Prozent der berufstätigen Parteitagsdelegierten Arbeiter waren es 1988
nur noch 43 Prozent. Der Frauenanteil unter den Delegierten stieg von 22 auf 36 Pro-
zent. Die Abonnentenzahl der parteieigenen Zeitung vom Letzebuerger Vollek erhöhte
sich bis Anfang der neunziger Jahre.
Dass es der KPL nicht stärker gelang, in die neuen sozialen Schichten vorzudringen,
hatte auch mit wachsender Konkurrenz zu tun. Vor allem im Zentrum des Landes
konnte sich die Unabhängige Sozialistische Partei (PSI), eine Linksabspaltung der
LSAP, bei den Wahlen 1979 und 1984 zwischen LSAP und KPL platzieren. Zum glei-
chen Zeitpunkt entstanden die Grünen. Die anfangs dominierende linke Strömung ent-
stand aus Überresten der maoistischen Bewegung, ehemaligen Jungsozialisten und
undogmatischen Linken.
Der Zusammenbruch des osteuropäischen Staatssozialismus erschütterte die KPL be-
sonders stark, weil sie die Politik der Sowjetunion stets kritiklos unterstützt hatte. Sie
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pflegte enge Beziehungen zur Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und
zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Die KPL war eine regelmäßige
Nutznießerin des Solidaritätsfonds, den die osteuropäischen Regierungsparteien 1949
zur weltweiten Unterstützung kommunistischer und Arbeiterparteien eingerichtet hat-
ten. Bereits für 1951 wurden der KPL 20.000 Dollar bewilligt, für 1970 waren es
90.000 und für 1981 sogar 200.000 Dollar. Außerdem genoss sie gesonderte Unter-
stützung durch die SED, etwa beim Bau einer Druckerei in den 1970er Jahren.
Neunanfang der Linken nach 1989
Ende 1990 zählte die KPL nur noch 420 Mitglieder. Relativ einmütig wurde im selben
Jahr eine Demokratisierung der Partei beschlossen. Aber über eine programmatische
Erneuerung zerstritt sich die Partei heillos. Bei den Kommunalwahlen 1993 halbierten
sich die Stimmenzahlen. Nachdem sich der dogmatische Flügel der Partei mehr und
mehr durchsetzte, trat eine Minderheit aus und gründete zusammen mit den Resten der
RSP und ehemaligen Jungsozialisten die Neue Linke (NL). Bei den Parlamentswahlen
im selben Jahr traten beide Parteien getrennt an. Sie erreichten weniger als die Hälfte
der Stimmen von 1989. Die KPL, die fast doppelt so viele Stimmen erhielt wie die
NL, konnte das verbliebene Mandat von 1989 nicht halten. Dies begünstigte eine Wie-
derannäherung, die 1999 zu gemeinsamen Kommunallisten und zur Gründung der
Linken (Déi Lénk, DL) führte. Hierbei handelte es sich um ein Personenbündnis, das
von der Neuen Linken und der KPL unterstützt wurde. Dadurch gelang es im selben
Jahr mit 3,3 Prozent ein Mandat im Parlament zu gewinnen.
2003 verließ die KPL das Bündnis, weil sie sich bei den Listenaufstellungen benach-
teiligt fühlte, verlor dabei aber einige Mitglieder. Bei einer getrennten Kandidatur im
gleichen Jahr, bei der die DL deutlich vor der KPL lag, ging das Parlamentsmandat
wieder verloren. Erst 2009 konnte die DL mit 3,3 Prozent ein Mandat gewinnen und
2013 ein zweites. Die KPL erzielte bei beiden Wahlen 1,5 Prozent, ebensoviel wie den
EU-Wahlen 2014 als die DL sich auf 5,8 Prozent verbesserte. Bei den Parlamentswah-
len 2018 verbesserte die DL ihr Wahlergebnis leicht auf 5,1 Prozent (2 Mandate) wäh-
rend die KPL auf 1,1 Prozent zurückfiel.
Bei den Kommunalwahlen 2005 konnten trotz aller Bemühungen der DL keine ge-
meinsamen Listen aufgestellt werden. Die KPL, die kein Mandat gewann, zeigte sich
befriedigt, dass durch die getrennte Kandidatur auch alle Mandate der DL bis auf eins
in Esch verloren gingen. 2011 schafften es beide Parteien in Gemeinderäte einzuzie-
hen, die KPL mit drei und die Linken mit neun Mandaten. 2017 büsste die KPL ihr
Mandat in Esch ein und die DL gewann eins in Sassenheim dazu.
Der DL ist es gelungen, neue Wählerschichten zu erschließen. Während die KPL ihre
Mandate nur in den alten Standorten von Eisenindustrie und -bergbau gewinnt, erzielt
die auf über 600 Mitglieder angewachsene DL in der Hauptstadt Stimmenanteile, die
an die besten Ergebnisse der KPL in der Vergangenheit ranreichen.
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Die Entwicklungschancen der Linken sind dennoch begrenzt. Die Hälfte der Bevölke-
rung und drei Viertel der Beschäftigten sind Ausländer ohne Wahlrecht. Die Luxem-
burger gehören (im Durchschnitt) außerdem zum wohlhabenderen Teil der
Bevölkerung. Erschwerend kommt hinzu, dass die Linke dem luxemburgischen Ge-
schäft-modell kritisch gegenübersteht, das durch Steuerdumping Banken, Briefkasten-
firmen und andere Unternehmen anlockt. So entstehen auf Kosten anderer Staaten
nicht nur Extraprofite sondern auch viele Arbeitsplätze und staatliche Einnahmen, von
denen am Ende auch die meisten Luxemburger profitieren.
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Linke Parteien und Gruppen


Die Linken Politische Ausrichtung: Da in der Linken
Déi Lénk (DL) / La Gauche verschiedene Strömungen zusammenarbeiten,
Adresse: 63, bvd de la Pétrusse, L-2320 Lu- wirkt sie nicht auf Grundlage einer einheitli-
xemburg. chen Ideologie sondern beschränkt ihre Pro-
B.P. 817, L-2018 Luxemburg. grammatik auf allgemeine Prinzipien und
Tel.: +352-26202072, Fax: +352-26202073. konkrete Reformvorhaben. DL beschreibt sich
E-Mail: info@dei-lenk.lu. als "soziale, demokratische, antikapitalistische
Internet: www.dei-lenk.lu. Bewegung, die sich für eine gerechte Gesell-
schaft einsetzt". Ihre Ziele: "eine Umvertei-
Geschichte: Der Gründungskongress der Par- lung des Reichtums und ein gerechter Zugang
tei Die Linken fand am 31. Januar 1999 statt. zu Ressourcen; der Kampf gegen Diskriminie-
Es handelte sich am Anfang um eine Wahlpar- rung in allen Formen; der Ausbau der sozialen
tei, die von der KPL und der Neuen Linken Sicherheit und damit die Ausrottung der Ar-
(Nei Lénk, NL) geschaffen wurde. Die ge- mut; eine ökologisch nachhaltige Gesellschaft;
trennten Kandidaturen bei den Parlaments- Demokratie in allen Bereichen und auf allen
wahlen 1994 hatten gezeigt, dass nur gemein- Ebenen sowie Transparenz in der politischen
sam Mandate errungen werden können. 1999 Entscheidungsfindung."
glückte der Einzug mit einem Abgeordneten Leitung: Carole Thoma (Sprecherin 2018),
in die Abgeordnetenkammer. Im April 2003 Gary Diderich (Sprecher 2018), Marc Baum
gab die KPL den Rückzug aus der DL be- (Abgeordneter), David Wagner (Abgeordne-
kannt, weil sie nicht damit einverstanden war, ter), Serge Urbany (ehem. Abgeordneter), Ju-
dass die DL mehr und mehr Aufgaben der tin Turpel (ehem. Abgeordneter), André Hof-
Gründerparteien übernahm und sie befürchte- mann (ehem. Abgeordneter), Guy Foetz,
te, bei der Kandidatenaufstellung benachteiligt Frank Jost, Murray Smith.
zu werden. Der Kongress der DL hatte den
KPL-Vorschlag abgelehnt, die DL in ein Par- Organisationsstruktur: Obwohl die DL bei
teienbündnis umzuwandeln. ihrer Gründung mehrere Parteien zusammen-
Das Ergebnis war, dass beide Parteien bei den führte, war sie von Anfang an eine Mitglie-
Parlamentswahlen 2004 leer ausgingen und derpartei, deren Mitglieder aber auch anderen
die DL 2005 nur ein kommunales Mandat ret- Parteien angehören konnten. Die Leitung und
ten konnte. die Abgeordneten waren nur den Mitgliedern
Die Auseinandersetzungen um die EU-Verfas- und nicht den beteiligten Parteien rechen-
sung (Referendum 2005), um die Liberalisie- schaftspflichtig.
rung des Arbeitsmarktes und um die Finanz- Der jährliche Kongress, an dem alle Mitglie-
krise verbesserten das Klima für die DL, die der stimmberechtigt teilnehmen können, wählt
bei den Parlamentswahlen 2009 einen Sitz im eine nationale Koordination, die wiederum ein
Südbezirk errang. Dies führte zu einem Auf- Koordinationsbüro wählt, das Sprecher be-
schwung der Linken, der sich nicht nur in ei- nennen kann.
nem starken Zuwachs an Mitgliedern aus- Die gewählten Vertreter in den nationalen und
drückte sondern 2011 auch zu einem Durch- kommunalen Parlamenten überlassen nach der
bruch bei den Kommunalwahlen führte. 2013 Hälfte der Legislaturperiode ihre Plätze den
gelang es auch im Zentrumsbezirk ein Parla- Nachrückern.
mentsmandat zu erringen.
12

Mitglieder: Die DL zählte 2000 etwa 250 4.000 Mitglieder und erzielte bei den Wahlen
Mitglieder. 2008 waren es noch 150. Nach 1945 5 Mandate. Bis 1947, als der Kalte Krieg
dem Wahlerfolg 2009 kletterte die Zahl auf begann, war sie Teil einer Regierung der Na-
391 im Jahr 2010 und 588 im Jahr 2013. tionalen Einheit. Bis Anfang der 1960er Jahre
sank ihre Mitgliederzahl auf 300 bis 400 Mit-
Unterorganisationen: Junge Linke (Jonk glieder. Dann kam es zu einer kurzfristigen
Lénk). Blütezeit der Partei mit ihrem bislang besten
Medien: Seit 1993 erscheint die elektronische Wahlergebnis 1968 und einem Anstieg der
Zeitung d'Goosch. Mitgliederzahlen bis in die Mitte der 1980er
Jahre. Der Partei gelang es außerhalb des Ar-
Internationale Kooperation: Die Linken sind beitermilieus stärker Fuß zu fassen, aber der
Mitglied der Europäischen Linken. Gleichzei- Abbau der Stahlindustrie, die Ausweitung des
tig nahmen sie an Treffen der Europäischen Dienstleistungsbereichs, der vor allem Grenz-
Antikapitalistischen Linken teil. gänger beschäftigt, und der Zusammenbruch
des sozialistischen Lager stürzten die Partei in
Kommunistische Partei eine Dauerkrise.
Luxemburgs Politische Ausrichtung: Die KPL ist eine
Kommunistesch Partei Lëtzebuerg / Parti marxistisch-leninistische Partei, die sich stets
Communiste Luxembourgeois (KPL/PCL) an der Politik der KPdSU orientierte. Obwohl
Adresse: 2, rue Zénon Bernard, L-4030 Esch- die KPL bereits in den fünfziger Jahren die
sur-Alzette. Diktatur des Proletariats aus dem Programm
B.P. 403, L-4005 Esch-sur-Alzette. strich und sie kommunalpolitisch einer eher
Tel.: +352- 44606621, Fax: +352-44606666. pragmatische Linie verfolgte, grenzte sie sich
E-Mail: kpl@zlv.lu. in den 70er Jahren vehement vom Eurokom-
Internet: www.kp-l.org. munismus ab. Mit dem Zusammenbruch des
Geschichte: Die KPL entstand am 2. Januar Realsozialismus kam es zu einer kurzfristigen
1921 als die Mehrheit der Parteitagsdelegier- Öffnung der Partei, der aber nach Austritten
ten der SPL einen sofortigen Beitritt zur Kom- von Kritikern der alten Linie schrittweise eine
intern abgelehnte. Die Repression des Staates Rückkehr zu dogmatischen Positionen folgte.
vor allem gegen die ausländischen Mitglieder Leitung: Ali Ruckert (Präsident), Gilbert Si-
und eine sektiererische Politik bewirkten, dass monelli (stellv. Präsident), Marceline Waringo
die Mitgliedschaft bis Mitte 1934 auf 88 Per- (Kassiererin), Christoph Bartz, Zénon Bernard
sonen fiel. Der Kampf gegen den Faschismus (Sohn des ehemaligen Vorsitzenden), Uli
und der Schwenk zur Volksfrontpolitik führ- Brockmeyer, Steve Richer.
ten zu einem schnellen Anstieg der Mitglie- Historische Führungspersonen: Zénon Ber-
derzahlen. 1934 wurde der erste Abgeordnete nard, Jean Bukovac, Joseph Grandgenet, Jean
gewählt (dem die Parlamentsmehrheit das Kill, Jean-Pierre Lippert, Charles Marx, Nico-
Mandat entzog) und Sitze in den Kommunal- las Moes, Eduard Reiland, Jéhann Steichen,
parlamenten von Esch, Rümelingen und Sas- Dominique Urbany, René Urbany, Arthur
senheim gewonnen. Der Sieg beim Referen- Useldinger.
dum über ein Gesetz zum Verbot der KPL Organisationsstruktur: Die KPL ist nach
vergrößerte ihren Spielraum weiter. den Prinzipien des demokratischen Zentralis-
Der Widerstand, den sie während der deut- mus aufgebaut. Delegiertenkongresse finden
schen Besatzung (1940-1944) leistete, sowie in der Regel alle drei Jahre statt. Sie wählen
das Prestige der Sowjetunion erhöhten das ein 18-köpfiges Zentralkomitee, das wiederum
Ansehen der KPL enorm. Sie gewann über ein siebenköpfiges Exekutivkomitee wählt.
13

Mitglieder: schlossen worden waren (Jean-Marie Jacoby, Ali


Jahr Mitgl. Jahr Mitgl. San , Robert Medernach).
1921 350 1965 300
1930 106 1976 400
1936 325 1984 750 Mitte-Links-Parteien
1939 410 1990 420
1945 4.200 1997 300 Die Grünen (Déi Gréng/Les Verts) enstanden 1983
1950 1.150 2009 180 als Die Grünen Alternativen (Déi Gréng Alternativ).
1985 spaltete sich die liberal-grüne Grüne Liste -
1956 600 2012 150
Ökologische Initiative (Gréng Lëscht Ekologesch
kursiv: Schätzungen
Initiativ; GLEI) ab. Nach der Wiedervereinigung
Beeinflusste Organisationen: Luxemburgi- 1995 wurde die Partei in Die Grünen umbenannt.
sche Frauenunion (Union des Femmes Lu- Die Luxemburger Sozialistische Arbeiterpartei
xembourgeoises; UFL) und Luxemburger (Lëtzebuerger Sozialistesch Aarbechterpartei/Parti
Rentner- und Invalidenverband (LRIV). Die Ouvrier Socialiste Luxembourgeois; LSAP) ist die
Kommunistische Jugend Luxemburgs (Jeu- sozialdemokratische Partei des Landes. Sie entstand
nesse Communiste Luxembourgeoise; JCL) ist 1903 als Sozialdemokratische Partei Luxemburgs
eine Unterorganisation der Partei. (SDP) und wurde 1917 als Sozialistische Partei Lu-
xemburgs (SPL) wieder gegründet. 1924 wurde sie
Medien: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek in Arbeiterpartei Luxemburgs (APL) umbenannt
(Tageszeitung). und erhielt 1946 ihren heutigen Namen.

Internationale Kooperation: Die KPL Die Piratenpartei Luxemburg (Piratepartei Lëtze-


buerg) entstand 2009 und ist seit 2018 mit 2 Abge-
nimmt an den jährlichen internationalen Tref-
ordneten im Parlament vertreten.
fen der kommunistischen Parteien teil, steht
der politischen Linie der griechischen KKE
nahe und unterhält besonders enge Beziehun-
gen zu den Parteien in Nachbarstaaten: DKP
Historische Parteien
(Deutschland), NCPN (Niederlande) und PTB und Bündnisse
(Belgien). Sie war früher Mitglied der Komin- Die Alternative Liste – Wehrt Euch (Alternativ
tern und orientierte sich nach deren Auflösung Lëscht – Wiert Iech; ALWI) war eine Wahlliste zu
an der Politik der KPdSU. den Parlamentswahlen von 1979. Sie wurde vom
KBL und einem Teil des SOAK initiiert. Sie war
Bündnispartner: Die KPL lehnt seit dem eine Vorläuferin der Grün-Alternativen Partei.
Rückzug aus der DL Bündnisse mit anderen
Parteien ab. Die Organisation Für den Sozialismus (Fir de So-
zialismus; FDS) entstand im Mai 1980 als Abspal-
tung des KBL, der zwei Drittel seiner Mitglieder
Andere radikale linke verlor. Ihr Ziel war ein Selbstverwaltungssozialis-
Parteien und Gruppen mus. Sie gab 1981-1982 die Zeitschrift Theorie a
Praxis heraus. Zu den FDS-Mitgliedern gehörten
Die Kommunistische Organisation Luxemburg u.a. Robert Medernach, Charles Krier, Mariette
(KOL) ist eine maoistische Gruppe, die am 3. Janu- Krier, Thers Bodé, Lucien Blau und Jean-Claude
ar 1987 gegründet wurde. Sie gehört zur maoisti- Reding. Viele Mitglieder beteiligten sich an der
schen Internationalen Konferenz Marxistisch-Leni- Gründung der Grünen.
nistischer Parteien und Organisationen (ICMLPO).
Die Grün-Alternative Allianz (GRAL) entstand
Die Gruppe Roter Fuchs – Marxisten-Leninisten nachdem sieben Mitglieder, die der Tendenz Anto-
Luxemburgs (Roude Fiisschen – Marxisten- nio Gramsci angehörten, 1988 von den Grün-
Leninisten zu Lëtzebuerg) entstand am 4. August Alternativen ausgeschlossen wurden. Sie kandidierte
2004 nachdem drei Mitglieder aus der KPL ausge- 1989 im Wahlbezirk Osten und zu den Europawah-
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len, bei der sie knapp ein Prozent der Stimmen er- verbliebenen Mitglieder der RSP an. Mitglieder der
rang. Eine treibende Kraft war Gilbert Grosbusch. NL gaben die Zeitschrift Paroles heraus.
Die Gruppierung für den Selbstverwaltungssozi- Die orthodox-kommunistische Radikale Linke
alismus (Groupement pour le Socialisme Auto- (Radikal Lénk/Gauche Radicale; GRAL) entstand
gestionnaire; GSA) entstand 1976 und gab bis 1978 Anfang der 1990er aus der Grün-Alternativen Alli-
lénks-offensiv heraus. Führungsmitglied: Jean Huss. anz. Sie nahm an den internationalen Seminaren der
belgischen PTB teil und schloss sich der KPL an.
Der Kommunistische Bund Luxemburg (Kom- Vertreter: Robert Medernach.
munistesche Bond Lëtzeburg; KBL) entstand im
Januar 1972 aus der GSR. Der KBL orientierte sich Die Revolutionäre Sozialistische Partei (Revoluti-
an der Politik der KP Chinas und war verbündet mit onär Sozialistesch Partei; RSP) entstand als Revolu-
dem Kommunistischen Bund Westdeutschlands. tionäre Kommunistische Liga (Ligue Communiste
1972 kam es zur Abspaltung der KGL und 1975 der Révolutionnnaire; LCR) im September 1970 und
KOL/ML, die stärker an der VR China ausgerichtet wurde im Dezember 1984 umbenannt. Sie war
waren. Die KOL/ML kehrte 1978 in den KBL zu- trotzkistisch und gehörte der 4. Internationalen
rück. Der KBL war 1979 maßgeblich am Zustan- (USFI) an. Vorläufer war eine Gruppe, die seit Ende
dekommen einer Alternativen Liste – Wehrt Euch der 1960er Jahre bestand und innerhalb der
beteiligt. Im Mai gründete die Mehrheit der KBL- ASSOSS und der GSR aktiv war, von der sie sich
Mitglieder die Organisation Für den Sozialismus. 1970 abspaltete. Sie gab ab 1970 die Zeitung Klas-
Der Rest des KBL unter dem Sekretär Charles senkampf (ab 1985 bis 1992 Sozialistesch Aktioun)
Doerner stellte Ende des Jahres seine Aktivitäten heraus. Die RSP zählte 1985 27 Mitglieder und
ein. 1995 noch 15. Sie kandidierte seit 1974 erfolglos
Der KBL gab die 1971 gegründete Rote Fahne her- bei Wahlen, schloss sich 1994 der NL an und löste
aus, die in Roude Fändel (1977-1980) umbenannt sich im Januar 1999 in der DL auf. Führende DL-
wurde. Mitglieder wie Justin Turpel, Antoine Jost und
Führende Mitglieder waren Charles Doerner, Jean Thérèse Gorza gehörten der RSP an.
Heisbourg, Robert Medernach, Lucien Blau, Thers Zur LCR zählten Robert Engel, André Kremer, Gas-
Bodé. ton Kremer, Jean-Pierre "Jhemp" Lulling, Robert
Mertzig, Marc Reckinger und Joseph Wirth.
Die Kommunistische Gruppe Luxemburg (KGL)
entstand im September 1972 aus einer Abspaltung Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP)
des KBL. Sie war stärker an China ausgerichtet und entstand Ende 1905 als Linksabspaltung der Sozial-
orientierte sich an der deutschen KPD. Sie organi- demokratischen Partei. Führende Personen waren
sierte vor allem portugiesische Migranten. Füh- Jean Schaack-Wirth, Jacques Thilmany, François
rungsperson war Al Goergen. Die KGL löste sich Merens und Georges Droessart. Die SDAP kritisier-
vermutlich 1976 auf. te den Parlamentarismus der SDP und die geringe
Beachtung der Gewerkschaften. Am 24 März 1912
Die Kommunistische Organisation Luxemburgs/- wurden beide Parteien wiedervereint.
Marxisten-Leninisten (KOL/ML) spaltete sich
1975 vom KBL ab. Sie vertrat stärker Positionen der Der Sozialistische Arbeitskreis (Cercle de travail
KP Chinas und befürwortete ein Bündnis mir der socialiste, Sozialisteschen Aarbechtskrees; SOAK)
politischen Rechten gegen die Sowjetunion. Im entstand Ende 1977 aus dem Zusammenschluss von
Sommer 1978 kehrte sie zum KBL zurück. Sie gab Jungsozialisten (denen im Februar 1978 mit Aus-
1975-76 die Marxistisch-leninistischen Blätter her- schluss aus der LSAP gedroht wurde), dem GSA
aus. Führende Mitglieder waren Charles Krier und und dem CLS. Er publizierte die Zeitung d'Alterna-
Albert Ettinger. tiv 1978 und 1979. Anfang 1979 spaltete sich die
Gruppe. Ein Teil des SOAK unterstützte das Wahl-
Die Neue Linke (Nei Lénk) wurde am 12. März bündnis ALWI. Die Mehrheit gründete den Verein
1994 gegründet, nachdem sich ein Teil des Erneue- Die Alternative (d'Alternativ), der die gleichnamige
rerflügels der KPL um André Hofmann und Serge Zeitschrift in d'Perspektiv umbenannte und bis 1986
Urbany am 12. Januar 1994 von der KPL getrennt herausgab. Die meisten Mitglieder waren 1983 an
hatte. 100 Personen hatten die Gründungserklärung der Gründung der Grün-Alternativen beteiligt. Als
unterschrieben. Der NL schlossen sich ebenfalls die Redakteure der Alternativ wurden im Februar 1978
folgende Personen aufgeführt: Jean Huss, R. Wage-
15

ner, Jules Housse, M. Goedert, F. Mahnen, Viviane trotzkistische LCR abspaltete. Die verbliebene ma-
Huss-Kremer, Henry Breier, Jean Langers, Jean oistische Mehrheit gründete im Januar 1972 den
Claude Reding. KBL.
Der CLAN, die Schülerorganisation der ASSOSS
Die Sozialistische Opposition (SO) entstand 1939 und der GSR, gab, gefolgt von der Jugendorganisa-
am linken Flügel der APL und vereinbarte mit der tion des KBL 1970-73, die Zeitschrift D'Ro'd Wull-
KPL, gemeinsame Listen für die geplanten Parla- maus heraus. Die GSR publizierte die Rote Fahne.
mentswahlen vom Juni 1940 aufzustellen. Sie gab
ab Januar 1940 die Sozialistischen Blätter heraus. Sozialistisches Verbindungszentrum (Centre de
Zur SO gehörten Georges Ehrmann, Arnold Keiffer, liaison socialiste; CLS). Publizierte 1977 die Revue
Jos. Michels, Nic. Moes, Guillaume Ruppert und Socialiste.
Jean Wolter. Ein Teil der SO-Mitglieder war nach
dem Krieg in der KPL aktiv. Die Unabhängige Sozialistische Partei (Parti So-
cialiste Indépendant) wurde vom Abgeordneten Jean
Die Sozialistische und Revolutionäre Linke (Gau- Gremling 1979 gebildet, nachdem es ihm gelungen
che Socialiste et Révolutionnaire; GSR) entstand im war, mit seiner Liste Jean Gremling – Socialistes
Dezember 1969 durch Umbenennung der Allgemei- Indépendants sein Abgeordnetenmandat zu vertei-
nen Vereinigung der Luxemburgischen Studieren- digen. Gremling war im Dezember 1978 aus der
den (Association Générale des Etudiants Luxem- LSAP ausgeschlossen worden. Nachdem es der
bourgeois; ASSOSS; gegr. 1912), in der linksradi- linkssozialistischen PSI 1984 nicht gelang, ein Man-
kale Strömungen die Mehrheit erringen hatten. Die dat zu gewinnen, stellte sie spätestens 1988 ihre Ak-
GSR wurde im März 1970 zu einer allgemeinpoliti- tivitäten ein.
schen Organisation, von der sich im September die
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