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Klimakatastrophe "Die Einschläge kommen immer dichter"

Der Meteorologe Dr. Mojib Latif über den möglichen Klimakollaps und wie man ihn verhindern kann. Wir müssen die Weltwirtschaft umbauen, fordert Dr. Mojib Latif (47), Klimaexperte am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg: weg von Öl und Kohle, hin zu Wind- oder Sonnenkraft.

Die "Lübecker Nachrichten" führten und veröffentlichten am 12.7.2002 das folgende beunruhigende Interview:

Lübecker Nachrichten: Die heftigsten Gewitter seit Jahrzehnten, eine Windhose über dem Berliner Ku-damm: Was war da los?

Dr. Mojib Latif: Windhosen treten im Zusammenhang mit sehr schweren Gewittern auf und wenn sich die Windrichtung mit der Höhe ganz stark dreht. Und das passiert, wenn man so wie gestern sehr große Temperatur-Unterschiede von etwa 20 Grad hat. Das ist zwar ein normales, aber in Deutschland doch sehr seltenes Ereignis.

LN: Kommen die Einschläge dichter?

Latif: Ja, die Unwetter treten jetzt schon einen Tick häufiger auf.

LN: Ein Vorbote der Klimakatastrophe?

Latif: Schwer zu sagen. Stellen Sie sich vor, Sie werfen mit einem gezinkten Würfel eine Sechs. Dann wissen Sie auch nicht: Liegt es am Zinken? Oder wäre die Sechs eh gekommen? So ähnlich ist die Situation heute.

LN: Seit wann dreht der Mensch an der Klimaschraube?

Latif: Seit der industriellen Revolution. Ab etwa 1850 steigt zum Beispiel der Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre rapide an. Heute ist er schon so hoch wie seit einer halben Million Jahre nicht mehr.

LN: Dreht der Mensch immer schneller?

Latif: Viel schneller geht es ja kaum.

LN: Gibt es ein zurück?

Latif: Wenn, dann nur langfristig. Das Klima ist eben träge.

LN: Das heißt: weniger Auto fahren?

Latif: Zum Beispiel. Aber langfristig reicht das auch nicht aus. Wir müssen in den nächsten 100 Jahren die gesamte Wirtschaft umbauen: weg von Öl, Erdgas und Kohle, hin zu erneuerbaren Energien. In Schleswig-Holstein ist man da ja mit der Windkraft schon auf einem guten Weg. Aber das muss weltweit geschehen.

LN: Sehen Sie erste Ansätze?

Latif: Wenig. Auf den Klimakonferenzen sollte man sich lieber darüber unterhalten als über Emissionshandel.

LN: Wann wird es richtig ernst?

Latif: Wenn wir so weitermachen wie bisher: etwa um das Jahr 2050. Dann haben wir eine globale Erwärmung von noch einmal 1,5 bis 2 Grad - ein für die Menschheit einmaliger Temperaturbereich. Wir werden dann starke Hitzeperioden haben, heftige Schauer und Gewitter, mehr Stürme. Der Meeresspiegel steigt nur langsam.

LN: Sehen Sie schwarz für die Zukunft?

Latif: Noch nicht. Wenn ich mir anschaue, was in den letzten 100 Jahren passiert ist, kann ich mir vorstellen, dass wir den Umbau der Wirtschaft schaffen.

Anmerkung: Es bleibt nachzutragen, dass die letzten internationalen Bemühungen unter anderem anläßlich der Klima-Konferenzen im Wesentlichen wegen der ablehnenden Haltung der USA in der Person des Präsidenten George W. Bush zu keinen vernünftigen Ergebnissen gelangt sind. Ohne eine einheitliche Linie können aber weltweit die anderen Industrienationen kaum vorpreschen, weil die USA dann einen nicht zu verkraftenden Wettbewerbsvorsprung erhielten. Man gewinnt den Eindruck, in den USA regierten die Egoisten, Heuchler, Lügner, Dummköpfe, Imperialisten, Menschenrechtsverletzer und Kriegstreiber. Von "Gods own country" kann bei Licht betrachtet nun wirklich keine Rede sein. Gleichwohl singen die Rotarier, Lions, Kiwanisis und dergleichen unverdrossen das "Hoheslied" dieses "Schurkenstaates".

Atom-Unfall ?

Der verschwiegene Gau von Geesthacht

Geahnt hatten die Experten aufgrund der Isotopenzusammensetzung schon lange: In Geesthacht hat es bei Plutoniumexperimenten mit der kritischen Masse von Kleinst- Atombomben einen Gau gegeben. Natürlich möchte die Landes- und Bundesregierung nicht, dass herauskommt, dass hier zu Lande mit Atombomben hantiert wird. Dabei ist dies nichts Neues. Bereits am 3. Dezember 1974 schrieb die Times, dass Israels Atombombe im Kernforschungszentrum Karlsruhe entwickelt wurde. Als Prof. Inge Schmitz-Feuerhake 1999 auf die Verseuchung hinwies, flog sie als "Spinnerin" aus der Leukämie-Kommission, wurde auf übelste Art von den Medien dauergemobbt und verlor ihren Arbeitsplatz. So viel zu der Dauerbehauptung, in keinem Fall sei Radioaktivität freigeworden. Anscheinend gilt insbesondere für Deutschland die Worte des Sitting-Bull:

"Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd!"

HOLGER STROHM, Mölln

Trauriges Fazit nach zwölf Jahren

Der Rücktritt der meisten renommierten Wissenschaftler aus der schleswig-holsteinischen Leukämie-Kommission ist ebenso konsequent wie überfällig. Denn offensichtlich hat es an der für eine zielführende Ursachenforschung erforderlichen umfassenden Zuarbeit durch Politik und Behörden weitgehend gefehlt. Trauriges Fazit: Auch nach zwölf Jahren Forschung bleibt weiter ungeklärt, warum es im Umkreis von fünf Kilometern um die Geesthachter Atomanlagen nach wie vor mehr Kinder-Leukämien gibt es als an anderen Orten. Unverständlich bleibt, warum die zuständigen Behörden einen brisanten Experten-Bericht der Internationalen Atomenergie- Organisation zum Atomkraftwerk Krümmel aus dem Jahre 1987 den Wissenschaftlern vorenthalten. Unbegreiflich ist, warum Niedersachsen, Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland- Pfalz und Nordrhein-Westfalen noch immer kein Krebsregister eingerichtet haben, obwohl diese Bundesländer schon 1994 mit Terminsetzung 2000 dazu von der Bundesregierung verpflichtet worden sind. Somit bleibt Deutschland für epidemiologische Forschungen ein Entwicklungsland. Unglaublich: Am 12. September 1986 gab es einen Radon-Alarm im Atomkraftwerk

den bis heute einzigen. Radon habe sich aufgrund einer Inverions-Wetterlage

auskonzentriert, heißt es

Krümmel

EUGEN PRINZ, Schwarzenbek

Anmerkung: Die Parallelen in der Vertuschung von schweren Umweltschäden und gehäuften Krebsfällen in der Elbmarsch einerseits und im Umfeld der Giftmülldeponie Schönberg andererseits sind erstaunlich und bedrückend zugleich. Die damit verbundenen politischen Katastrophen sind um so merkwürdiger, als es sich in Schleswig-Holstein um eine rot-grüne und in Mecklenburg-Vorpommern um eine rot- rote Landesregierung handelt. Auf den Beitrag "AKW Krümmel" auf dieser Homepage wird ergänzend hingewiesen.

www.luebeck-kunterbunt.de

Botho Strauß

Die Welt ist schlecht

Botho Strauß rechnet zum zweiten Mal mit der Spaßgesellschaft ab

Künstler ist ja heute jeder. Jeder darf sich einen Bart wachsen lassen, bis mittags schlafen und den Wein anschreiben lassen. Und umgekehrt darf auch der Künstler es sich einfach machen und die gleichen Dummheiten und Plattheiten von sich geben wie irgendein

Hochschullehrer oder Talk-Master.

Botho Strauß wäre ein Künstler, wenn es noch Künstler gäbe. Vielleicht war er sogar mal einer, immerhin hat man ihn in einem Atemzug mit Heiner Müller und Thomas Bernhard genannt. Der Dramatiker Strauß hat den Anspruch durch die Sprecher und die Sprecher durch ihre Sprache entlarvt. Nicht so gewaltsam wie Heiner Müller und nicht so eigensinnig wie Thomas Bernhard, aber mit einer neuen spätbundesrepublikanischen Eleganz. Dem fetten D-Mark-Deutschen eine Eleganz anzumessen, war schwer, aber Strauß schaffte es, und Edith Clever wirkte in seinen Stücken wie eine intrigante scharfzüngige Pariserin. Nur

eben deutsch. Deutsch war das Ganze, wie bei Bernhard, wie bei Müller, wider Willen durch eine innere Notwendigkeit.

Sicher war Botho Strauß einsam, wie alle Künstler, sicher litt er, wie alle Künstler, an seinem Land und an seiner Zeit, sicher kamen Eleganz und Ironie aus blutendem Herzen. Thomas Mann vergleicht die Leichtigkeit der Formulierung mit der Anmut der Kleinen Meerjungfrau, die weiter tanzt, obwohl ihr der Schmerz wie mit Messern in die Füße schneidet.

Doch wie jeder muß sich der Dichter von Zeit zu Zeit so richtig auskotzen, ohne Rücksicht auf Stil und Originalität. Bei Botho Strauß kommt der Ekel nur alle paar Jahre zum Ausbruch. Anfang 1993 erschien im 'Spiegel' ein längerer Essay mit dem Titel "Anschwellender Bocksgesang". "0 tempora o mores" hätte ein Römer begonnen, um die guten alten und die schlechten neuen Zeiten zu beklagen. Strauß bezog sich eher auf die Griechen, aber mit dem gleichen Tenor. In der Zeit vom 20. Dezember findet sich nun die Fortsetzung oder eher Wiederholung des "Bocksgesangs": "Wollt Ihr das totale Engineering?"

Ganz so peinlich wie dieser Titel ist der Aufsatz nicht. Aber es geht in die Richtung. "So wenig wie der gesammelte Tagesverstand ohne das Lose und Lösen des Traums 'kreativ' werden kann", schreibt Strauß, "so wenig kann das Überprüfbare ohne die Schwerkraft des Unüberprüfbaren Gewicht erlangen!" Dieser Gedanke ist etwa so originell wie das Zitat aus der Sportpalast-Rede. Dann: Der Dichter fährt zur Expo. Daß da nichts los ist, hat Otto Normalverbraucher besser begriffen und bleibt vor dem häuslichen Computer sitzen. Doch damit wird Strauß nicht glücklich, denn: "Ich kann mir nicht verbergen, daß die Kommunikationsströme des Computers oder Internet sich nie mit dem heißen Untergrund, dem unruhigen Magma des Gewesenen, vereinigen werden." Vielleicht sollte er es mal mit den Kommunikationsströmen des Mobilfunks versuchen. Vielleicht kann das Handy sogar "unsere Entfernung von Gott" überbrücken, und die Käufer wüßten wenigstens, wen sie anrufen sollen. "Wir erleben jetzt die Stunde, die niemals kommt. Die Entwurfserfahrung ist

der eigentlich virtuelle Gehalt der neuen Technik. Früher war, was der Fall ist. Heute ist, was wird. Proponieren, propagieren, prosperieren, projektieren - nur das Unvorstellbare kann hier contra geben."

Welchen Sinn hat diese Art von Kulturkritik, wem nützt sie und wem schadet sie? Gegeben hat es sie jedenfalls schon immer, und Goebbels, wenn er denn schon zitiert werden soll, hat diese Ewig-Unzufriedenen "Kritikaster" genannt und ihnen einen Maulkorb umgehängt. Also müssen sie wohl doch gefährlich bzw. nützlich sein, denn alles, was dem Nationalsozialismus gefährlich war, nützt automatisch uns. Hören wir einmal, was Botho Strauß zu den Glatzen sagt: "Wären die rechtsradikalen Jugendbanden wirklich rechts, so könnte man immerhin vermuten, daß sie von einem Grauen, einem Schwindel vor der Tiefe der ausgemerzten Vergangenheit ergriffen und zu ihren üblen Haßtaten enthemmt würden." In Wahrheit sind sie aber nicht rechts, sondern "nur ein Spätprodukt unserer sonst so hoch geschätzten Anti-Phasen-Kultur".

Da muß man erst mal eine Weile Überlegen, was "Anti-Phasen-Kultur" heißen soll, aber es heißt wohl, daß unsere liberale Gesellschaft es duldet, wenn einzelne Gruppen meist von Jugendlichen eine Zeitlang nicht mitmachen, sondern sich am Aufbau eigener neuer Lebensformen versuchen. Davon hält Strauß nichts oder glaubt gar nicht an einen in Grenzen gehaltenen Protest, sondern wünscht sich eine vom Grauen ausgelöste und in Haß mündende Enthemmung. Leider sind die Rechtsradikalen dazu nicht in der Lage und daher nicht wirklich "rechts", sondern im Grunde auch nur Scheißliberale. Würde sich nun Goebbels über diese Auffassung freuen? Sicher nicht, denn Goebbels würde schnell durchschauen, daß es sich hier um einen dieser hochnäsigen Intellektuellen handelt, die im Unverbindlichen der Feuilletons vom Blutvergießen und enthemmten Haßorgien schwärmen, aber sofort zurückzucken, wenn es um eine konkrete politische Stellungnahme, geschweige denn Maßnahme geht. Warum? Gar nicht so sehr aus Feigheit, sondern weil es sich um einen Weltschmerz handelt, der weder politisch ist noch poetisch, sondern das übliche Gejammer

des Gebildeten, der sich überflüssig vorkommt. Die Befürchtung ist unbegründet. Während eine linke oder rechte Revolution Begeisterung

verlangt oder wenigstens Zustimmung, wünscht sich der von Strauß beklagte kommerzielle Globalismus genau das, was diese Kulturkritik liefert: die Kapitulation des Geistes vor dem Geld.

An einer Stelle dämmert es dem Dichter: "Das bißchen Zeit zwischen ihm, Hölderlin, und uns sollte es sein, das den radikalen Wesenswandel ausmacht, den wir seither erfuhren?"

Nein, "das bißchen Zeit" ist es nicht, es ist der Unterschied zwischen einem Hölderlin, der die Zähne zusammenbeißt und desto schöner schreibt, je häßlicher ihm die Welt vorkommt, und einem Botho Strauß, der sich darin fügt, daß meine Generation niemals aus kulturellem Einstweh etwas Bedeutendes hervorbringen" wird. Es gibt keinen "Wesenswandel" der Zeiten, sondern immer nur den Unterschied zwischen gut und schlecht, stark und schwach, gesund und krank. Denn obwohl Hölderlin im klinischen Sinne verrückt wurde, oder gerade deshalb, schreibt er aus einer künstlerischen Sicherheit heraus, die wie traumwandlerisch über alle Widrigkeiten hinweg unter die Sterne führt.

Wie Hölderlin an seiner eigenen Zeit und den eigenen Landsleuten gelitten hat, läßt sich noch im "Hyperion" nachlesen. Aber hier ist der Schmerz Ausgangspunkt und nicht Resultat. Jeder weiß, daß die Welt schlecht ist. Vom Künstler erwarten wir, daß er sie uns erträglich macht. Jeder Konservative kennt das aus Aristoteles. Aber Strauß ist kein Konservativer. Im Kern ist er der linksliberale Fortschrittsgläubige geblieben. Der wundert sich, daß die erhoffte "bessere Welt" sich nicht einstellt, sondern statt dessen eine "totale Mechanisierung". Den humanistischen Erwartungen gegenüber erscheint die Ernüchterung als Katastrophe.

Man wirft Strauß die Zitierung von Autoren wie Nietzsche und Jünger vor. In Wirklichkeit denkt er, wie viele seiner Generation, immer noch in den Strukturen von Adorno. Schon der hatte gesehen, daß es mit der Weltrevolution nichts werden würde, und aus Rache jeden geschichtlichen Fortschritt geleugnet, um seine eigene Utopie in die Kritik und in die

Negativität zu verlegen. Allerdings war Adorno ein Theoretiker mit einem hervorragenden theoretischen Verstand. Strauß hingegen begibt auf ein fremdes Terrain. "Dichter und Denker sitzen auf verschiedenen Gipfeln", sagt Heidegger. Das ist der Unterschied zwischen Dichtern und Schriftstellern, daß Schriftsteller auf gar keinem Gipfel sitzen; sondern im Kulturbetrieb mitschwimmen und wie die Delphine ihre Kunststücke machen. Strauß hat es übernommen, den Bauch nach oben zu kehren und sich totzustellen. Es wirkt ziemlich echt.

Quelle: ANGELIKA WILLIG in JUNGE FREIHEIT vom 19.1.2001

Chemie - Mafia

Seit Freitagnachmittag steht in Priolo auf Sizilien die Chlor-Soda-Produktionsanlage des italienischen Chemieriesen Enichem still. Sie könne die Sicherheit des Betriebs nicht mehr gewährleisten, teilte die Firmenleitung mit, da alle zuständigen Manager abwesend sind. Die Herren fehlen aus einem schlichten Grund: Sie sitzen in Haft. Gleich 17 örtliche Enichem-Bosse und einen Beamten der Provinzverwaltung buchtete die Staatsanwaltschaft von Syrakus ein. Der Vorwurf: Bildung einer kriminellen Vereinigung mit dem Ziel der Müllverschiebung.

Begonnen hatten die Ermittlungen im September 2001, als einige Bürger wegen eines großen Flecks im Meer vor Priolo Anzeige erstatteten. Offenkundig waren große Mengen Schwefelsäure ins Meer gelangt. Aus dem Abflussrohr von Enichem. Was die Staatsanwälte in den nächsten Monaten zutage förderten, war ungeheuerlich.

Systematisch entsorgte die Firma ihren Giftmüll auf den kürzesten Wegen. So wurde Quecksilber einfach in den Gulli gekippt, die Konzentrationen im Meerwasser überschritten Grenzwerte um das 20.000-fache. Abfälle wurden mit allerlei Zeug gemischt, als Bauschutt deklariert und statt auf Sondermülldeponien auf normale Müllkippen in ganz Italien gebracht. Etwa 5 Millionen Euro jährlich soll Enichem so gespart haben. Dank der tätigen Mithilfe des Provinzbeamten, der mit der Überwachung der Giftmüllentsorgung betraut war. Die Manager machten noch weiter, als sie schon den Staatsanwalt im Haus hatten. "Der Tankwagen muss so lange stehen bleiben, wie unser Freund da ist", sagt ein Direktor in einer Besprechung. Später dann, als die giftige Brühe durchs Rohr ins Meer rauschte, freuten sich die Herren: "Wir haben ihn gefickt." Leider hörten die Wanzen der Ermittler mit.

Nun könnte sich die Anklage weiter verschärfen. Im Gebiet um Priolo stellen Kinderärzte seit 20 Jahren eine deutlich höhere Rate von Missbildungen bei Neugeborenen fest. Mit allein 1.000 missgebildeten Kindern zwischen 1990 und 2000 liegen die Werte 200 Prozent über dem nationalen Durchschnitt. Das Ermittlungsverfahren allerdings kam erst 2000 in Gang. Den Managern wird jetzt "Verachtung der Umwelt und des menschlichen Lebens" vorgeworfen. Damit stehen sie nicht allein: Die schon 1990 vom Umweltverband Legambiente erhobene Forderung nach sofortiger Modernisierung der Chlor-Soda-Produktionsanlagen verhallte aber seinerzeit ungehört.

Quelle: MICHAEL BRAUN in taz vom 20.1.2003

Christenfeinde

Türkei hält Zusagen an Christen nicht ein

FRANKFURT/MAIN. Die Türkei hat mehrere Zusagen an die christliche Minderheit nicht eingehalten. Diesen Vorwurf erheben Menschenrechts- organisationen und Kirchenvertreter. Ihrer Ansicht nach darf deshalb der EU- Gipfel am 17. Dezember nicht über die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei entscheiden. Der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) zufolge hat die türkische Regierung den Kirchen einen öffentlich-rechtlichen Status versprochen, der jetzt als "staatsgefährdend" abgelehnt werde. Den Kirchen ist der Besitz von Kirchengebäuden, Schulen und Klöstern sowie Grundstücken verboten. Der Patriarch der orthodoxen Kirche in der Türkei, Bartholomäus 1. von Konstantinopel, kritisierte, daß Ankara die im Januar gemachte Ankündigung nicht wahr gemacht habe, das vor über 30 Jahren von der Regierung geschlossene Priesterseminar in Halki wieder zu öffnen. Außerdem solle ein gemeinnütziges Krankenhaus, das die Kirche seit 250 Jahren betreibe, plötzlich Steuern zahlen. Dies würde die Einrichtung in den Bankrott treiben, so Bartholomäus, der auch Ehrenoberhaupt der weltweit 350 Millionen Orthodoxen ist. Ausländische Theologen bekommen in der Regel keine Arbeitserlaubnis zur geistlichen Betreuung von Christen. So ist der Seelsorger der katholischen Gemeinde in Ankara, Pater Felix Körner, offiziell Angestellter der französischen Botschaft. Eine Ausnahme ist die Zulassung des katholischen Priesters Rainer Korten als Pfarrer im Touristenort Antalya. Die Behörden bezeichnen ihn als "Mönch". Von den rund 67 Millionen Einwohnern der Türkei sind 99,6 Prozent Moslems und 0,3 Prozent Christen. 55 evangelikale Gemeinden haben rund 3.000 Mitglieder.

Quelle: JUNGE FREIHEIT vom 17./24. Dezember 2004

Anmerkung: Und in der Bundesrepublik wird eine Moschee nach der anderen gebaut, in denen dann auch noch gelegentlich Haßprediger das deutsche Volk auf das Übelste beleidigen und verleumden. Wenn das so weiter geht, werden wir im Jahre 2010 über 20 Prozent NPD / DVU-Wähler haben und irgendwann einmal wird es den Systemparteien und den von Clubs und Logen gesteuerten Systemmedien nicht mehr gelingen, vernünftige politische Programme allein durch die Denunziation als "rechtsextrem / rechtsradikal" klein zu halten.

Cross - border - leasing

Noch so ein Trick der amerikanischen Ostküste, das nach jeweils zwei verlorenen Weltkriegen wie Phönix aus der Asche auferstandene Deutschland in den Abgrund zu stürzen. Was sagt DER SPIEGEL und DER KÄRNTNER dazu?

In großem Stil verleasen klamme Kommunen ihr Immobilienvermögen in die USA. Experten warnen vor den Risiken der Luftgeschäfte, Bürgerinitiativen befürchten einen Ausverkauf.

Die Zentrale des Widerstands ist zwei mal zwei Meter groß und duftet noch nach Zimtsternen und Glühwein. In einer Bäckerbude vom letzten Weihnachtsmarkt sammelt die rothaarige Attac-Aktivistin Martina Nehls-Sahabandu Unterschriften in der Bochumer Fußgängerzone.

Die meisten, die unterschreiben, entsprechen nicht der üblichen Klientel der Globalisierungsgegner: Rentner Horst Berning will nicht, "dass unser Bürgereigentum nach Amerika verscheuert wird". Die junge Mutter Katrin Hoch fürchtet, dass ihr Sohn "in 30 Jahren zur

Kasse gebeten wird". Der grauhaarige Werner Rysi zweifelt grundsätzlich: "Die lügen doch alle." Kaum einer hier glaubt, das Geschäft sei harmlos, gegen das er mit seiner Unterschrift protestiert - und deshalb sollen die Bochumer Abwasserkanäle nicht amerikanisch werden.

Überall in Deutschland wächst der Volkszorn auf so genannte Cross-Border-Geschäfte, mit denen sich finanziell

angeschlagene Kommunen kurzfristig Millionen in ihre leeren Kassen spülen wollen. Im bayerischen Kulmbach stoppte ein Bürgerbescheid den "unmoralischen" Plan, das Kanalnetz zu verleasen. Auch in Saarbrücken und Fürth mussten Lokalpolitiker nach Bürgerprotesten ihren Flirt mit der Weltfinanz zwangsweise beenden.

Rund 150

Abwasserkanäle im geschätzten Wert von 36 Milliarden Euro haben deutsche Kommunen nach Angaben des

nordrhein-westfälischen Innenministeriums bereits nach Übersee verleast. Den Reiz zeigt das Beispiel Bochum. Die Stadt verleast ihr Kanalnetz für 99 Jahre an einen US-Investor, der 500 Millionen Euro zahlt und einen eigenen Trust bildet. Gleichzeitig least die Stadt die Anlage für 30 Jahre und kauft am Ende dieser Laufzeit alle Rechte zurück. Sie zahlt dafür nur 48o Millionen Euro macht also praktisch über Nacht einen Gewinn von 20 Millionen Euro.

Straßenbahnen,

Kliniken,

Messehallen,

Müllverbrennungsanlagen,

Wasserwerke,

Kongresszentren

und

Das amerikanische Steuerrecht macht diese gleichsam vom Himmel fallenden Haushaltsmillionen möglich. Der Trust hat die Möglichkeit, seine angebliche Investition steuermindernd abzuschreiben - und gibt einen Teil der Ersparnis, den so genannten Barwertvorteil, sofort an den deutschen Vertragspartner ab.

Es bedarf einer ganzen Heerschar spezialisierter Anwälte, Steuerberater, Wertgutachter, Bankberater und Vermittler, diese Kreislauf-Geschäfte nach dem Lease-in-Lease-out-Prinzip

(LiLo) so zu arrangieren, dass nach deutschem Recht die Kommune wirtschaftlicher Eigentümer bleibt, es aus amerikanischer Sicht aber der US-Trust wird.

Die Vertragskonvolute, ausschließlich in englischer Sprache nach US-Recht abgefasst, füllen

gut und gern 1700 Seiten. Die Bürgermeister, die samt ihren Beratern gelegentlich sogar mit der Concorde nach New York zur Unterschrift jetten, können mit dem Papierberg wegen "der übergroßen Fülle und Komplexität" kaum etwas anfangen, wie die an solchen Verträgen beteiligten Rechtsanwälte Frank Laudenklos und Claus Pegatzky freimütig einräumen.

Noch weniger erfahren die Stadträte, die solche Deals absegnen müssen. Ihnen wird in der Regel nur eine etwa 35-seitige

Transaktionsbeschreibung mit den Grundzügen des Vertrag vorgelegt. Die Einsicht in den Originalvertrag wird ihnen in der Regel verwehrt.

So kennen die Entscheider meist weder die genauen Konditionen noch den Namen des Investors. "Das ist irre", klagt der Krefelder FDP-Bundestagsabgeordnete Otto Fricke, "da legen Sie als Ratsherr die Hand drauf und sagen: Wird schon stimmen." Und der Wittenberger PDS- Stadtrat Horst Dübner, dessen Versuche scheiterten, den Vertrag zu bekommen, resigniert: "Als Kommunalpolitiker ist man da ohnmächtig."

Dabei ist das Misstrauen gegen die angeblich sicheren Deals durchaus angebracht. Schon vor drei Jahren warnten die Präsidenten der Landesrechnungshöfe vor einem leichtfertigen Abschluss solcher Verträge. Die Kommunen hätten "nur geringe Gestaltungs- und Verhandlungsspielräume" und müssten angesichts der von ihnen verlangten umfangreichen Gewährleistungszusagen "erhebliche Schadensersatzleistungen an die US-Seite" gewärtigen. Experten schätzen dieses finanzielle Risiko bis zum Vierfachen des Barwertvorteils.

So verpflichten sich die Kommunen in den Verträgen regelmäßig, die verleaste Anlage für die gesamte Rückmietzeit zu betreiben. Dabei könne doch niemand wissen, warnt Dirk Jansen, Geschäftsleiter der Umweltorganisation BUND in Nordrhein-Westfalen, "ob wir in 20, 30 Jahren etwa bei Müllverbrennungsanlagen überhaupt noch solche Kapazitäten brauchen". Und FDP-Politiker Fricke prophezeit: "Im Zweifel muss die Stadt Geld in ein überflüssiges System stecken" - zu Lasten des Gebührenzahlers.

Zudem garantieren die Kommunen, die Anlage auf dem Stand der Technik zu halten und darüber dem Trust akribisch Bericht zu erstatten. Gibt es dabei Differenzen, wird ein eventueller Rechtsstreit, so sehen es die Verträge vor, von einem New Yorker Gericht entschieden.

Doch das größte Risiko bergen die amerikanischen Steuergesetze. Die US-Steuerbehörde IRS hat wiederholt angekündigt, "missbräuchliche Steuerschlupflöcher" stopfen zu wollen. Auch die LiLo-Geschäfte stehen seit vier Jahren auf ihrer schwarzen Liste: Ihnen fehle die ökonomische Substanz.

Sicherheitshalber haben die Berater die Verträge seitdem leicht modifiziert - sie heißen jetzt euphemistisch "Lease-to-Service-Contract", und die Abschreibungen werden über einen längeren Zeitraum geltend gemacht.

Allerdings könnte auch mit dieser Variante schneller Schluss sein, als es die deutsch-amerikanischen Finanztrickser erwarten. Nach den Skandalen um den Energieversorger Enron und die Telekommunikationsfirma Sprint sei die politische Großwetterlage "günstig für schärfere Gesetze gegen Steuerschlupflöcher", sagt der Washingtoner Steuerrechtsexperte Stefan Tucker. "Zurzeit werden mehrere dieser Vorschläge im Kongress debattiert."

Ein Vorschlag aus dem Januar sieht vor, dass Kanzleien und Berater, die windige Steuersparmodelle empfehlen, empfindlich bestraft werden können. Das Gesetz wäre ein Schlag gegen das Cross-Border-Geschäft, schließlich sind es die großen Beratungsgesellschaften, die ihren Kunden solche Steuersparmodelle gezielt andienen.

Aber auch nach deutschem Recht ist das schnelle Geschäft etwas komplizierter, als es sich euphorische Stadtkämmerer ausmalen. So geben sie die US-Millionen für das Klärwerk etwa für Kindergärten und Schuldentilgung wieder aus - und handeln damit womöglich gegen die Haushaltsregeln.

Denn rechtlich ist unklar, ob das Geld nicht nur zur Gebührensenkung verwendet werden dürfte. So hat der Mieterverein Bochum bereits eine Klage angedroht, weil Stadtkämmerin Ottilie

Scholz die 20 Millionen Euro Gewinn aus dem Kanal-Leasing schon fest in ihren Gesamthaushalt eingerechnet hat.

Die Rechtsexperten der Stadt Lübeck, die im vergangenen Jahr ein Cross-Border-Geschäft für die Hansestadt prüften, kamen sogar zu der Ansicht, die Millionen aus den Vereinigten Staaten müssten für die gesamte Vertragslaufzeit, also 25 Jahre lang, als Rücklage aufbewahrt werden. "Damit", so lästert ein Fachmann aus der Lübecker Verwaltung, "war das Interesse der Politiker an dieser Lösung schlagartig erloschen."

Kommt das Aus bei den Gesprächen nicht rechtzeitig, kann es mitunter teuer werden. Monatelang hatte die Stadt Aachen

über die Verleasung ihrer Müllverbrennungsanlage verhandelt. Dann platzte der Deal im

Sommer 2000. Zurück blieben Rechnungen von Arrangeuren und Beratern - insgesamt über 9,5 Millionen Euro.

Kein Wunder, dass in den Innen- und Finanzministerien der Länder das Unbehagen über die schnellen Luftgeschäfte wächst. Der Hamburger CDU-Finanzsenator Wolfgang Peiner hat ebenso "tiefe Bedenken" wie sein Kieler Innenministerkollege Klaus Buß (SPD).

Als erstes Bundesland will Bayern jetzt Cross-Border-Leasing endgültig verbieten. Ende Januar legte Innenminister Günther Beckstein (CSU) dem bayerischen Kabinett eine entsprechende Gesetzesnovelle vor. In der Öffentlichkeit entstehe "ein verheerendes Bild", schimpfte Beckstein, "wenn Kommunen auf Steuertricks hart an der Grenze der Legalität zurückgreifen".

Becksteins sächsischer Amtskollege Horst Rasch (CDU) bastelt an einer ähnlichen Richtlinie. Dabei galt der Freistaat im deutschen Osten bislang als bevorzugter Tummelplatz für die grenzüberschreitenden Finanzaktivitäten.

Die Kehrtwende erfolgte kurz vor Weihnachten, als eine sächsische Kommunalaufsicht erstmals ein solches Luftgeschäft untersagte. Aus dem Plan Leipzigs, nach Messe, Straßenbahnen und Kliniken nun auch die Wasserversorgung zu verleasen, wurde nichts. "Die langfristige Sicherung sozialverträglicher Wasserpreise", beschied Regierungspräsident Christian Steinbach in kühlem Bürokratendeutsch, habe Vorrang vor "kurzfristig erzielbaren Erträgen aus einer solchen Finanztransaktion".

Dabei sorgt sich die Behörde keineswegs nur um den Geldbeutel der Gebührenzahler. Die Kommunalaufsicht muss nämlich fürchten, selbst in Regress genommen zu werden. In diesem Sinne hatte im Dezember vergangenen Jahres der Bundesgerichtshof - von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, von der Branche umso aufgeregter registriert - im Fall der ostsächsischen Gemeinde Oderwitz geurteilt. Der kleine Ort hatte 1992 mit dem Plazet des Landkreises eine Turnhalle durch einen Leasingdeal finanziert. Das Geschäft hatte sich aber als für die Gemeinde ungünstig und viel zu teuer herausgestellt.

Die Karlsruher Richter entschieden, dass der Kreis die dilettierenden Gemeindeväter vor sich selbst hätte schützen müssen. Jetzt wird der Kreis wohl die Leasingkosten übernehmen müssen, Der Vertrag ist nicht kündbar.

Quelle: CORDULA MEYER, BARBARA SCHMID, ANDREAS WASSERMANN in DER SPIEGEL 9 / 2003 / 55 + 58

Cross-border-leasing

GATS-

Geheimverhandlungen

über

totale

Privatisierung

vom

Wasser

bis

zum

Krankenhaus

 

Massiver

Angriff

auf

unsere

Souveränität

-

Grundversorgung

nicht

mehr

gewährleistet!

Mit dem Beitritt zur EU wurde die Souveränität Österreichs stark beschnitten. Nun droht uns ein noch massiverer Angriff von der Welthandelsorganisation (WTO) auf Freiheit und Selbstbestimmung. Das "Allgemeine Abkommen über Handel mit Dienstleitungen" (GATS) im Rahmen der WTO zielt darauf ab, sämtliche Dienstleistungen zur handelbaren Ware zu erklären und letztlich auch den Menschen selbst zur Ware zu machen. Weltweit auftretende internationale Konzerne könnten dann in alle Bereiche unseres Lebens eingreifen. Der Staat wäre entmachtet und könnte seinen Bürgern dann nicht einmal mehr die Grundversorgung gewährleisten.

Die Hoffnung: Weltweit formiert sich bereits Widerstand!

GATS-Vertrag stellt privates Profitdenken über das Gemeinwohl!

Mit dem GATS-Vertrag sollen auch die öffentlichen, bisher vom Staat für alle Bürger erbrachten gemeinwirtschaftlichen Dienstleitungen privatisiert werden.

Das geschieht unter dem Schlagwort "Liberalisierung" und bedeutet nichts anderes, als daß der Profit einiger weniger Megakonzerne höher bewertet wird, als das Interesse der gesamten Bevölkerung!

Der in diesen Bereichen entmachtete Staat kann seine Bürger nicht mehr schützen und den ärmeren Bevölkerungsschichten die Grundversorgung in überlebenswichtigen Bereichen (Gesundheitswesen!) auch nicht mehr garantieren. Insbesondere die Rentner erleben es gerade hautnah in der BRDDR.

Wasser, Gesundheitswesen, öffentlicher Verkehr, Sozialdienste gelangen in den Machtbereich ausländischer Multis

Die GATS-Verhandlungen, über die die Bevölkerung nicht informiert wird, zielen darauf ab, alle bedeutenden, bisher vom Staat erbrachten Dienstleistungen dem freien Wettbewerb zu unterwerfen, was zwangsläufig auf eine Privatisierung hinausläuft. Dabei geht es u.a. um: Gesundheit, Bildung, Wasserver- und -entsorgung, Post, Strom, Kultur, Forschung und Sozialwesen. Das bedeutet, daß dann ausländische Megakonzerne etwa die Bedingungen für Grundschulbildung (Schulgeld für den Besuch von

Volksschulen!) festsetzen, sämtliche Krankenhäuser und Altenheime übernehmen, die Trinkwasserversorgung kontrollieren, Sozialversicherung und das gesamte öffentliche Verkehrswesen und vieles andere mehr übernehmen und den ärmeren Bevölkerungsschichten diesen Zugang mangels entsprechender Mittel erschweren oder überhaupt unmöglich machen! Bereits mit 1.1.2005 könnte diese Horrorvision vertraglich paktiert sein.

Kann Österreich diese Entwicklung noch verhindern?

Nur sehr schwer!! Österreich hat, wie die übrigen EU-Staaten, gar kein Verhandlungsmandat, sondern wird von der EU-Kommission vertreten, die - wie sich zeigt - nicht im Interesse der Staaten, sondern der Multis handelt! Obwohl die zu erwartenden GATS-Regelungen das Leben der Bürger Österreichs grundlegend verändern werden, obwohl uns ein Rückfall in die finstersten Zeiten des 19. Jahrhunderts droht, mit Ausbeutung und ohne soziale Absicherung der ärmeren Schichten, wird uns jegliche Mitsprache verweigert!

Die Hoffnung: Weltweiter Widerstand formiert sich!

Aber diese Hoffnung lebt! Weltweit wächst der Widerstand gegen die Degradierung des Menschen zur Ware und gegen die totale Machtübernahme der Multis. Vor einigen Monaten verabschiedete der Deutsche Bundestag eine Resolution, in welcher scharfe Kritik an der EU-Kommison und an GATS geübt wird. Offen wird die Befürchtung ausgesprochen, daß GATS die Demokratie aushöhlen und unumkehrbare Tatsachen schaffen könnte.

In allen Ländern werden "Stop-GATS-Initiativen" gegründet. Auch in Österreich, wo vor allem der Gewerkschaftsbund, die Arbeiterkammer mit Präsident Herbert Tumpel an der Spitze, aber auch kirchliche Gruppierungen und Umweltschutzorganisationen führend in den Protest eingebunden sind.

Dennoch bleibt die Gefahr bestehen. Wenn auch bei der Verhandlungsrunde im mexikanischen Cancun Anfang September keine Einigung erzielt werden konnte, so gehen die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen weiter. Wie dramatisch die Situation für uns alle ist, führt der bekannte Publizist Peter Huemer drastisch vor Augen:

"Wir ahnen, daß hier um die Zukunft der Welt verhandelt wird, bei der es um das Leben "

von Völkern und ganzer Kontinente geht

Höchste Zeit, daß sich endlich auch die Medien dieses Themas annehmen, damit auch die Masse der Bevölkerung auf den bevorstehenden Generalangriff auf unsere Freiheit und Selbstbestimmung in Kenntnis gesetzt wird!

Quelle: "Der Kärntner" - Dezember 2003

Das große Ohr

Von Dr. Kurt Dannhäuser

Von der Laienöffentlichkeit weitestgehend unbemerkt, trat am 19. Mai 1995 die "sogenannte Fernmeldeverkehrs-Überwachuns-Verordnung" (FÜV) in Kraft. Rechtlich stützt sie sich auf eine in das Fernmelde-Anlagen-Gesetz (FAG) eingebrachte Bestimmung, wonach die Bundesregierung ermächtigt wird, durch Rechtsverordnung die technische Umsetzung von Überwachungsmaßnahmen in Fernmeldeanlagen zu regeln (§§ 10 + 27 FAG).

Für den Benutzer von Fernmeldeeinrichtungen birgt die neue FÜV eine ungeheure Brisanz, weil sie Art. 10 des

Grundgesetzes aushöhlt wie ein Schweizer Käse. Damit ist nach Auffassung des Strafrechtlers Prof. Michael Köhler das grundgesetzlich geschützte Fernmeldegeheimnis de facto

aufgehoben; er spricht sogar von der Installierung einer Art Geheimpolizei. So wurde ein Artikel des Grundgesetzes auf dem Verordnungswege ausgehebelt, der Bundesrat blieb dadurch ausgeschaltet. Rechtlich gesehen, ein unerhörter Vorgang unter der Flagge der Demokratie! Die FÜV gilt für alle Betreiber - z.B. auch Telekom - von Fernmeldeanlagen für den öffentlichen Verkehr. Dazu gehören u. a. normale und digitale (ISDN) Telefonnetze, Mobilfunknetze, Fax, Funkfernschreiben sowie Computermailboxen. Somit konfrontiert die neue FÜV die Benutzer solcher Fernmeldeeinrichtungen mit folgenden Realitäten:

Die Telekom und andere Mitbewerber müssen dem Bundesamt für Post und Telekommunikation ein technisch realisierbares Abhörkonzept vorlegen, andernfalls wird die Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb der Anlage versagt. Bereits bestehende Anlagen sind entsprechend umzurüsten. Die Kosten trägt in beiden Fällen der Betreiber. Das Überwachungskonzept beinhaltet die technische Möglichkeit, Gespräche etc. abzuhören, aufzuzeichnen und den sogenannten Bedarfsträgern zur Verfügung zu stellen. Bedarfsträger sind u.a. die insgesamt 17 Verfassungsschutzämter der Länder und des Bundes, die Staatsschutzabteilungen der Polizei, das Zoll- und Bundeskriminalamt, der Bundesnachrichtendienst BND und der Militärische Abschirmdienst MAD. Für den überwachten Anschluß muß der Anlagenbetreiber (Telekom u.a.) die vollständige Gesprächsaufzeichnung gewährleisten, somit Tel.-Nr. von Anrufer und Angerufenem, Datum, Gesprächsbeginn und -ende, sogar eine etwaige Rufumschaltung oder -weiterschaltung, auch das Nichtzustandekommen eines Gesprächs! Bei Mobilfunkgesprächen wird zusätzlich auch die Funkzelle festgehalten; Funkzelle ist der Fahrzeugstandort zur Gesprächszeit im jeweiligen Mobilfunk-Empfangsbereich. Nimmt ein neuer Anlagenbetreiber sein Netz in Betrieb, muß er die sofortige Überwachungen und Aufzeichnungsmöglichkeit gewährleisten; auch die Mehrfachüberwachung von Anschlüssen ist von ihm sicherzustellen. Schützt z.B. die Telekom die ihr anvertrauten Nachrichten durch Verschlüsseln gegen Abhören durch Unbefugte, so muß sie den Bedarfsträgern die unverschlüsselten - also Klartext - zur Verfügung stellen. Auch muß ein Anlagenbetreiber seine Fernmeldeeinrichtungen so einrichten, daß er Abhörmaßnahmen ohne Hilfe Dritter durchführen kann und der Abgehörte seine eigene Überwachung

etwaige

nicht

bemerkt.

Zudem

ist

das

an

den

Abhörmaßnahmen

beteiligte

Personal

protokollarisch

für

eine

Einzelidentifizierung festzuhalten.

Durch die FÜV ist der vielzitierte mündige Bürger der Überwachung seines leitungs- und funkgebundenen Nachrichtenverkehrs nicht nur ohnmächtig und hilflos ausgeliefert, er bezahlt auch noch seine eigene Bespitzelung via Telefon- und Faxgebühren! Wirksame Abwehrmaßnahmen kann der Abgehörte in der Regel nicht treffen, weil die Privatverschlüsselung seiner vertraulichen Mitteilungen praktisch wirkungslos ist: gegen eine Phalanx von 50 amtlichen Abhörstellen mit ca. 7500 Mitarbeitern, einer hervorragenden technischen Ausrüstung einschließlich modernster Dechiffrier-Software bei einem 900-Millionen-Etat hat er absolut keine Chance! Eine Besonderheit: wird mit dem Ausland telefoniert, ist der Bundesnachrichtendienst stets mit von der Partie, da seine Überwachung nicht verdachtsbezogen ist. Auch er operiert mit sogenannten Suchbegriffen - neudeutsch "keywords": falls in einem Gespräch bestimmte Worte auftauchen - z.B. "Stoff", "Inquisition" u.a. - schalten Spracherkennungsprozessoren Aufzeichnungsgeräte ein, die das Gespräch mit allen Kenndaten festhalten.

Die staatliche Kontrolle der genannten Kommunikationswege ermöglicht nach dem heutigen Stand der Nachrichten-, Computer- und Speichertechnik die lückenlose Überwachung der Bürger rund um die Uhr. Es kann jederzeit dokumentiert werden, wer wann, wo, mit wem und wie lange telefoniert hat. Daraus lassen sich jederzeit Verhaltens- und Strömungsmuster aus allen Bereichen einer Bevölkerung gewinnen. Auch wächst die Gefahr für Handwerker und Freiberufler sowie Gewerbe- und Industriebetriebe, daß Betriebs- und Geschäftsinterna über diffuse Kanäle in unbefugte Hände geraten und dort verwertet werden. Eine neue, bisher

ungeahnte Dimension erhält die staatliche Überwachung auch dadurch, daß jetzt große Teile des ehemals posteigenen

Kommunikationsnetzes in kommerzieller ausländischer Hand sind.

DDR - Rauschgiftgeschäfte ?

Wurden 1989 Unterlagen über eine Schalck-Verwicklung in Rauschgiftgeschäfte nach Teheran geschafft?

Bonn (taz) - Brisante Akten aus dem ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit (MfS), die in den letzten Tagen der DDR von Stasi-Agenten außer Landes geschafft wurden, liegen heute möglicherweise in den Kellern des iranischen Geheimdienstes in Teheran. Im Dezember 1989 ging beim Bundesnachrichtendienst (BND) in Pullach eine Meldung aus Teheran ein:

"Bekanntermaßen hat die DDR-Staatssicherheit während des Umsturzes in der DDR eine Anzahl Akten nach RUM (Rumänien. d. Red.) übersandt. Staatspräsident Ceausescu hat einige dieser Akten mit nach Teheran genommen und iranischen Sicherheitskreisen übergeben. Inhalt der Unterlagen ist die Verwicklung des DDR-Devisenbeschaffers Schalck-Golodkowski in die Iran-Contra-Affäre. Schalck-Golodkowski hatte Waffentransporte über eine DDR-Schiffahrtsgesellschaft mit Sitz in Larnaca/Zypern organisiert. Auch Rauschgifttransporte sollen mit Wissen Schalck-Golodkowskis durchgeführt worden sein."

Die Nachricht war als "unbestätigte Meldung aus operativem Aufkommen" ausgewiesen. Die Verwicklung des SED-Goldfingers Schalck-Golodkowski beziehungsweise seines Untergrundimperiums "Kommerzielle Koordinierung" in Rauschgiftgeschäfte hält sich hartnäckig als Gerücht. Beweise gibt es dafür bis heute keine. Daß sich westliche Waffenschieber im Rahmen der Iran-Contra-Affäre bei Schalcks Waffenhandelsfirma IMES bedient haben, ist erwiesen. Unklar ist aber, wieviel Schalck und seine Leute von den Hintergründen der brisanten Deals wußten.

Doch was immer BND-Imformanten auf dem Teheraner Gerüchte-Basar auch aufgeschnappt haben mögen: Tatsächlich unterhielt die DDR auf Zypern die Firmen IAC Cyprus und IAC Trading & Shipping. Chef dieser DDR-Ableger war der Rostocker Generaldirektor des AHB Schiffscommerz und Schalck-Vertraute Dr. Klaus Dieter Junge.

Der ist in Pullach ein alter Bekannter: "Über den AHB-Schiffscommerz", so vermerkten die Bundesspäher schon vor Jahren, "wurden auch Waffen und militärische

in alle Welt verbracht." Über eine Hamburger Schiffsmaklerei

pflegte Junge auch Geschäftsbeziehungen mit der in die Affäre um die illegale Lieferung von

U-Boot-Konstruktionsplänen nach Südafrika verwickelten Kieler Firma Howaldtswerke Deutsche Werft AG (HDW).

Ausrüstungsgegenstände (

)

Quelle: taz vom 28.12.1992

Gift-Apokalypse

Offener Brief von Professor Dr. Erich Schöndorf an die Bundesregierung und die Mitglieder des Deutschen Bundestages

Bad Vilbel, 8. Juni 1999

Sehr geehrte Damen und Herren,

erlauben Sie mir, daß ich Sie mit diesem Schreiben auf ein Problem hinweise, das innerhalb der gesellschaftspolitischen Diskussion immer noch keinen adäquaten Stellenwert gefunden hat, dessen Lösung aber immer dringlicher wird. Es geht um die Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit durch Chemikalien. Zweifellos trägt die chemische Industrie viel zu unserem wirtschaftlichen Wohlstand bei, indem sie nützliche Produkte herrstellt und Menschen Arbeit gibt. Sie ist aber auch auf der Negativ-Seite präsent.

Vor über 30 Jahren hat der Conterganfall gezeigt, mit welch großen Risiken der chemisch-pharmazeutische Fortschritt verbunden ist. Dabei ist es nicht geblieben. Toxische Holzschutzmittel haben vor allem in den 70er und 80er Jahren in Deutschland viele tausend Menschen krank gemacht. Gegenwärtig wird das Amalgam-Problem heftig diskutiert und am Horizont dämmert wahrhaft Apokalyptisches: Der Zusammenbruch des hormonellen Systems und das Versagen des Immunsysterns unter der Last menschengemachter Stoffe. Eine wachsende Zahl von Allergikern signalisiert - wenn auch relativ unspektakulär - das Problem. Auch die massenhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch den Umgang mit giftigen Arbeitsstoffen muß uns aufhorchen lassen. Offenbar werden die Menschen mit der Vielzahl der Fremdstoffe, denen sie überall ausgesetzt sind, nicht mehr fertig.

Hinter dem Begriff der Chemikalienerkrankung verbergen sich schwerste gesundheitliche Einbußen. Zahlreiche Einzelsymptome ergänzen sich zu einem umfassenden Beschwerdebild, das mit einem enormen Verlust an Lebensqualität und viel menschlichem Leid verbunden ist und an dessen Ende allzuoft Arbeitsunfähigkeit, Pflegebedürftigkeit und Krankenhauskarriere stehen. Als ehmaliger Staatsanwalt in Frankfurt a.M. habe ich im Rahmen der Bearbeitung des Holzschutzmittel- und des Amalgamverfahrens viele dieser traurigen Schicksale kennengelernt.

Fatalerweise erleiden die Betroffenen in ihrem sozialen Umfeld einen zusätzlichen Nachteil: Sie werden als Kranke nicht anerkannt. Im Gegenteil unterstellt man ihnen übertriebene Empfindlichkeit, outet sie als Schwächlinge und packt sie in die Psycho-Schublade, in der man glaubt, Hypochonder endlagern zu dürfen. Wenn die Krankmacher unsichtbar sind, will man auch die Krankheiten nicht sehen.

Diese Ignoranz erfahren die Betroffenen überall: im Umgang mit Behörden, am Arbeitsplatz und sogar in ihren Familien. Und selbst die Institutionen, die - an erster Stelle! - zur Lösung der genannten Probleme berufen sind, verweigern sich ihnen: Medizin und Justiz. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, Sie auf mein am 7. Juni 1999 im "Spiegel" erschienenes Essay zu dieser Thematik hinzuweisen.

Viele Ärzte sind mit den Umweltkrankheiten überfordert, können sie weder diagnostizieren noch therapieren und flüchten sich schließlich in psychosomatische Erklärungen. Während es mittlerweile aber schon eine kleine Zahl Umweltmediziner gibt, bei denen die Patienten gut aufgehoben sind, versagt die Justiz praktisch auf der gesamten Linie. Ihre erkennbar widerwillige Befassung mit der fraglichen Materie besteht vornehmlich in der Suche nach Gründen für eine rasche Klageabweisung oder eine umgehende Verfahrenseinstellung. Am Ende teilt man den ihr Recht suchenden Menschen Entscheidungen mit, die nichts mit einem gerechten Interessenausgleich zu tun haben und von den Betroffenen auch nicht akzeptiert werden; Entscheidungen also, die keinen Rechtsfrieden schaffen. Neben das medizinische Trauma tritt ein juristisches.

Komplettiert wird der Mißstand schließlich noch dadurch, daß Ministerien und Behörden aber selbst nach den Erfahrungen mit den geschilderten Katastrophen nicht in der Lage sind, Ähnliches zukünftig verbindlich zu verhindern. Während beispielsweise die toxischen Verbindungen Pentachlorphenol und Lindan die Holzschutzmittelbühne - vor allem auf Druck der Betroffenen - verlassen mußten, haben ungehindert von staatlichen Aufsichts- und Kontrollorganen die Pyrethroide deren Platz eingenommen und über zusätzliche Pfade die unendliche Geschichte der Wohnraumgifte fortgesetzt.

Ein sozialer Rechtsstaat muß unter diesen Umständen handeln, ansonsten läuft er Gefahr, den Rückhalt bei seinen Bürgern zu verlieren. Dies umso mehr, als es sich bei den Betroffenen längst nicht mehr um eine verschwindend kleine Minderheit handelt. Amerikanischen Schätzungen zufolge sind bereits 15 Prozent aller dort diagnostizierten Erkrankungen umweltbedingt. In Deutschland dürfte es kaum anders sein. Das jedenfalls signalisieren zahllose Patienteninitiativen und Selbsthilfegruppen.

Der entsprechende Handlungsbedarf ist groß. Man wird ihm sicherlich nicht kurzfristig und auch nicht innerhalb einer Legislaturperiode gerecht werden können, aber ein Anfang sollte so bald wie möglich gemacht werden.

Da ist zunächst die Tatsache, daß viele Chemikalienkranke finanziell am Ende sind. Holzschutzmittelverwender beispielsweise haben ihre Häuser aufwendig sanieren, teilweise sogar aufgeben müssen und sind aufgrund der mittlerweile eingetretenen Erwerbsunfähigkeit nicht mehr in der Lage, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Auffällig oft führt das Chemikaliensyndrom zu einer vollständigen Zerstörung der Arbeitskraft und langandauemden Krankenhauskarrieren.

Hier sollte der Staat bereit sein, wenigstens die Härtefälle kurzfristig zu entschädigen - das auch und vor allem deshalb, weil seine obersten Aufsichtsorgane es nicht geschafft haben, die Menschen vor den gesundheitlichen

Risiken der problematischen Verbindungen zu schützen. Im Holzschutzmittelkomplex hat das Frankfurter Verfahren deutlich gemacht, wie tief das damalige Bundesgesundheitsamt in die Schuld der Hersteller verstrickt war. Und auch auf dem Amalgamsektor vermißt man bis heute ein verbindliches Wort des BgVV: nämlich die Forderung nach einem Verbot des Amalgams. Kein Mensch kann sich heute mehr taub stellen gegenüber den tausendfach dokumentierten Schäden durch schwermetallhaltige Zahnfüllstoffe.

Nun sind finanzielle Forderungen in Zeiten leerer Kassen nicht gerade beliebt, jedenfalls bei denen, die diese Kassen bedienen und sie - nebenbei bemerkt - oft auch geleert haben. Aber die Betroffenen sehen das anders. Ein Staat, der Milliardenbeträge allein für den Umzug seiner Regierung ausgibt, der es sich für viel Geld im neuen - hoffentlich schadstofffreien - Domizil gemütlich macht, dem meinen die Verlierer des technischen Fortschritts ebenfalls einiges abverlangen zu dürfen.

Darüberhinaus sollte das Gutachterwesen neu geordnet werden. Das Versagen der Justiz hat mit den schlimmen Zuständen auf diesem Gebiet entscheidend zu tun. Vor allen Gerichten und Instanzen haben, wenn es um komplexe naturwissenschaftliche Sachverhalte geht, die Männer in weiß die Zügel in die Hände genommen. Ihnen ist die Justiz mangels eigener Sachkunde oftmals vollständig ausgeliefert. Deshalb muß sichergestellt sein, daß in diesem Bereich uneingeschränkte Objektivität und exzellentes Fachwissen vorhanden sind. Die Wirklichkeit vor unseren Gerichten sieht aber anders aus. Viele Sachverständige stehen mit den am Rechtsstreit beteiligten Unternehmen wirtschaftlich in Verbindung, nicht wenige sind von ihnen finanziell abhängig. Das Ergebnis der Gutachten ist so vorhersagbar. Wes Brot ich eß, des Lied ich sing - dieser Satz gilt besonders dort, wo weitreichende Entscheidungen getroffen werden: vor Gericht. Im Frankfurter Holzschutzmittel-Prozess wurde exemplarisch deutlich, welch menschenverachtende Ergebnisse industriefreundliche Sachverständige zu vertreten bereit sind. Das Gericht ist ihnen zwar nicht gefolgt, aber das ist nicht die Regel im Lande.

Auf diese Weise wird die Justiz zugunsten der wirtschaftlich Mächtigen instrumentalisiert und als Kontrollorgan ausgeschaltet. Verfassungsrechtlich bedeutet dies die Infragestellung der Rechtsstaatlichkeit und des Prinzips der Gewaltenteilung. Es geht also um mehr als das eine oder andere falsche Urteil.

Was wir brauchen, ist nicht unbedingt der gläserne, aber doch der in Teilbereichen transparente Sachverständige. Seine finanziellen Verflechtungen müssen bekannt, seine wirtschaftlichen Abhängigkeiten offengelegt sein. Er muß sagen, woher er seine Aufträge und sein Geld bekommt und wer sein Institut finanziert. Und er muß seine Sachkunde detailliert belegen. Wer die Frage beurteilen will, ob ein chemischer Stoff einen Menschen krank gemacht hat, muß notwendigerweise über entsprechende klinische Erfahrungen verfügen, muß Umgang mit Patienten nachweisen. Wenn er darüber hinaus noch die einschlägige toxikologische Literatur kennt und von Tierexperimenten zu berichten weiß, ist das sicher von Vorteil. Für sich allein genügt letzteres allerdings nicht. Nur ein solchermaßen

wirtschaftlich transparenter und fachlich qualifizierter Sachverständiger kann der Justiz eine verläßliche Entscheidungshilfe sein.

Für die Vergabe entsprechender Lizenzen, etwa eines "weißen Umweltengels", kommt nur ein demokratisch legitimiertes Gremium in Betracht, das die gesellschaftlichen Interessen ebenso repräsentiert wie deren kreative Fähigkeiten. Vertreter der Schul- und Umweltmedizin, Verbraucher- und Naturschutzinitiativen, sowie Wirtschaftsverbände könnten den Gutachterpool füllen, aus dem sich die Justiz - selbstverständlich völlig frei bedienen kann.

Das wäre ein Anfang. Ein Anfang allerdings, der die heute noch überwiegend unerfreuliche Situation chemikaliengeschädigter Menschen spürbar verbessern würde.

Noch ein Satz dazu, wie es danach weitergehen könnte: Die Zulassung neuer chemischer Verbindungen sollte nur noch dann erfolgen, wenn deren Unbedenklichkeit nachgewiesen ist; auf dem juristischen Sektor entspricht dem die Umkehr der Beweislast zugunsten des Geschädigten, wenn es um Beeinträchtigungen durch generell gefährliche Produkte oder Stoffgruppen geht.

Die Industriegesellschaft muß sich endlich zu ihren Schattenseiten bekennen und die Verantwortung für ihr wachsendes Risiko- und Schadenspotential übernehmen. Auf dem Rücken zufällig Betroffener dürfen die Nachteile des technischen Fortschritts nicht abgehandelt werden.

Ich bitte Sie daher herzlich, innerhalb von Parlament und Regierung die Initiative zu ergreifen, um die geschilderten Mißstände zu beheben und die vorgeschlagenen Maßnahmen umzusetzen: die Einrichtung eines Entschädigungsfonds für Chemikalienopfer sowie die Etablierung eines für die Lizenzierung von Sachverständigen zuständigen Gremiums.

Mit vielem Dank für Ihre Aufmerksamkeit und freundlichen Grüßen

Dr. Erich Schöndorf

Professor für Umweltrecht

An der Pfingstweide 16

61118 Bad Vilbel

T.- 06101-44590

F.- 069-15533-2700

E-Mail: Ole-S@ gmx.de

Der Fall "Sebnitz" - übler Gossenjournalismus

Drei Leserbriefe aus die JUNGE FREIHEIT vom 15.12.2000

Besser-Wessi-Arroganz

Wie beim ungeklärten Brandanschlag auf das Lübecker Ausländerheim, wie beim Bombenattentat von Düsseldorf, reichen Verdächtigungen und Gerüchte auch diesmal wieder aus, um angebliche "Rechtsextreme" zu bezichtigen und die gewaltfreie bürgerliche Rechte auf infame Weise als Mitwisser und Mittäter zu kriminalisieren. Doch offenbar war der Tod des unbeaufsichtigten Kindes im Schwimmbad gar keine fremdenfeindliche Straftat. Das hindert die linke und liberale Klagemeute nicht, weiter auf die verhaßten "Ossis" einzudreschen.

In der schönen neuen "Zivilgesellschaft" wartet man nicht mehr lange Untersuchungen ab. Wozu auch? "Antifaschisten" und Musterdemokraten wie Schröder, Thierse, Fischer, Spiegel, Friedman usw. kennen die Schuldigen stets im voraus. Die "Anständigen" haben keine moralischen Skrupel, keine rechtlichen Bedenken, eine ganze Stadt an den Pranger zu stellen. Die Sebnitzer schauen weg, sie sympathisieren sogar mit den glatzköpfigen Mördern, lügt nicht nur Bild. Auch eine Reihe sog. seriöser Blätter empört sich im schadenfrohen Tonfall überwunden geglaubter Besser-Wessi-Arroganz.

HERBERT RAUTER, KARLSRUHE

Medienskandal

Und wieder einmal erlebt Deutschland einen Medienskandal ohne Vergleich.

Ich wähle bewußt das Wort "Medienskandal", denn anders kann ich diese Vorgänge nicht nennen. Da stirbt vor einigen Jahren ein kleiner Junge in einem Schwimmbad. Ein tragisches Unglück, welches leider jeden Sommer wieder passiert. Nach einigen Jahren kommt nun die Mutter des Joseph und präsentiert angeblich neue Beweise, in der Form von eidesstattlichen Erklärungen. Diese Erklärungen sprechen von Rechtsradikalen und von Mord. Die Tinte der Erklärungen ist noch nicht einmal getrocknet, da prescht eine Zeitung vor und titelt mit "Kleiner Junge von Neonazis ertränkt". Keine zwei Minuten später übertrumpfen sich die elektronischen, wie auch die meisten Printmedien, mit Gesten des Entsetzens. Wohlgemerkt, zu diesem Zeitpunkt gab es nur einige eidesstattliche Erklärungen. Doch wieder einmal, wie schon oft zuvor, gab es unter den deutschen Medien den Pawlowschen Reflex in Reinkultur zu beobachten. Eigentlich ein Fall wie aus dem Lehrbuch. Aber nicht nur Medien springen auf Wörter wie "rechtsradikal" oder gar schon "rechts" an wie tollwütige Hunde. Auch Ministerpräsident Biedenkopf und Bundeskanzler Schröder gaben sich die Klinke in die Hand und machten der Familie des kleinen Joseph die Aufwartung.

SEBASTIAN BUCK, BIEDERITZ

Übler Gossenjournalismus

der allerübelsten

Sorte. Da wurden in übelster Weise Emotionen und Stimmungen dargeboten und entfacht. Der angebliche rechtsextremistische Hintergrund genügte, um eine Kloake in Bewegung zu setzen. Die Hetze gegen Rechts hat scheußliche Früchte getragen (auch die, daß verbohrte Asoziale sich in ihrer Feindschaft zu unsere Staat bestätigt fühlten). Und dabei brauchen wir doch die vierte Gewalt dringlichst, um den Übermut der Herrschenden im Zaum zu halten. Die Pressefreiheit, die doch eines unserer höchsten Güter ist, darf nicht noch einmal so in den Dreck gezogen werden. Bedenkenswert ist auch die Rolle großer Verlage/Konzerne, die

mit ihren vielen Blättern sich auf der einen Seite im Dreck wälzen und auf der anderen versuchen, sich noch als lesenswert erkennen zu lassen.

KAI HALLER, LÜBECK

Die Berichterstattung in der Anfangsphase des Falles Sebnitz war in sehr vielen Medien Gossenjournalismus

Gottverdammte Päderasten

Zu diesem Thema fehlt noch eine umfassende publizistische Darstellung bezüglich dieser erbärmlichen Kriminalitätsart in Deutschland, speziell in Hamburg und Schleswig-Holstein einschließlich des rituellen sexuellen Mißbrauchs Minderjähriger. Da kommen allerdings Dinge über hochkarätige Personen des öffentlichen Lebens an das Tageslicht, die diese Republik in ihren Grundfesten ebenso nachhaltig erschüttern würde, wie es ähnliche Affären in Belgien getan haben. Um einen Vorgeschmack zu vermitteln, empfehlen wir folgende Texte:

1) Kapitel 8 aus "Die Rechtsbeugermafia" auf dieser Homepage ("Die Knaben werden immer jünger")

2) Kapitel 30 aus "Die Rechtsbeugermafia" auf dieser Homepage ("Mir ist immer so warm ums Herz")

3) Die Informationen, die Frau H

aus Hamburg von einem Freund

R

eines Mitbegründers des Radio Schleswig Holstein erhielt!!!

4) "Brüsseler Bettgeschichten" (STERN 11/1998/204f)

5) "Missbrauchs-Prozess / Sechseinhalb Jahre Haft für 53jährigen Erzieher (DPA und LN vom 10.12.1998) 6) "Rosa Ballett" (SPIEGEL 43/1996/188+190) 7) "Kleine blonde Pferdchen" (SPIEGEL 12/1997/120ff) 8) "Im Tal der Finsternis" (SPIEGEL 7/1998/116ff) 9) "Den Bart abgenommen" (SPIEGEL 18/1998/152) 10)Zwischenbericht des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung von Verdächtigungen gegen öffentlich Bedienstete und Personen des öffentlichen Lebens im Zusammenhang mit Ermittlungen im Trierer Rotlichtmilieu vom 16.6.1999 (Landtag Rheinland-Pfalz / 13. Wahlperiode / Drucksache 13/4466 zu 13/3086 zu 13/3039) 11)Kindersex-Ring in Portugal, wo ein Skandal um Kindesmißbrauch aufgeflogen ist. Seit über 20 Jahren wurden Jungen aus staatlichen Kinderheimen von einem Pädophilen-Ring missbraucht. Zu den Kinderschändern sollen auch Politiker und Prominente gezählt haben. Ein Angestellter der Heimleitung wurde festgenommen. Gegen ihn wurden schon seit 1982 Vorwürfe erhoben. (Hamburger Morgenpost vom 28.11.2002) 12)"Anführer der Satanssekte "TEMPLE OF SETH", die aus der "Church of Satan" hervorging, ist der Neonaziführer und Satanist Michael A Dieser war in den 60er und 70er Jahren Offizier für psychologische Kriegsführung der US-Streitkräfte, zugleich Autor, Philosoph und Historiker der "CHURCH OF SATAN". 1981 fungierte Oberstleutnant

A mit höchster Geheimhaltungsstufe als Europa-Berater beim

hielt eine satanische

Amerikanischen Generalstab. Derselbe A

Zeremonie auf der "Wewelsburg" in Deutschland ab, wo einst SS-Führer Heinrich Himmler einen Raum für schwarze Messen eingerichtet hatte.

Um seine heutige Funktion als Satanist und Rechtsradikaler innerhalb

eine neue strenger

der US-Streitkräfte ausüben zu können, mußte A

kontrollierte Gruppierung bilden, die über die "Church of Satan"

hinausging: den "Temple of Seth". A

und der

ebenfalls in sexuellen und

, satanischen Kindermißbrauch verwickelt, der Neonazi Gary L

stehen in enger Verbindung mit

rechtsradikale Satanspriester Anton L

dem derzeitigen "Großdrachen der Ritter des Ku Klux Klan" Dennis

M

(alle eben Aufgezählten

sind nebenbei bemerkt auch homosexuell). Und über Oberstleutnant A

TAVISTOCK INSTITUT für

haben alle eine Verbindung zum

psychologische Kriegsführung in Sussex, England." (Jan van Helsing:

"Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert oder wie man die Welt nicht regiert. Ein Wegweiser durch die Verstrickungen von Logentum mit Hochfinanz und Politik", S. 215 /möglicherweise zur Zeit noch wegen anderer Passagen indiziert) 13) Aufreger der Woche: "Warum sperrt ihn keiner ein? Dieser Mann kämpft öffentlich für Kinder-Sex!": Ein Mann ohne Gewissen. Schamlos sagt Dieter G. (46) in aller Öffentlichkeit, was unerträglich ist: Er möchte in Hamburg seinen Pädophilen-Club "Krumme 13" als gemeinnützigen Verein eintragen lassen. Er "kämpft" für eine Legalisierung von Sex mit Kindern! Unglaublich, dass er das überhaupt aussprechen darf. "Er ist krank, aber leider nicht doof", sagt Ira Falck (55) vom Kinderschutzverein 'Dunkelziffer e.V.', "und im Rahmen des Rechts auf freie Meinungsäußerung sind seine Aussagen sogar legal." Eine juristische Grauzone. Rechtsanwältin Gisela Fredeking (52) bestätigt: "Schlimm, was wir uns von diesem Mann anhören müssen. Aber er fordert nicht zu Straftaten auf, man kann ihm diese Äußerungen tatsächlich nicht verbieten." Unter dem Deckmantel der "Opferhilfe" verlangt Dieter G. Verständnis für Männer, die sich zu Jungen oder Mädchen hingezogen fühlen. Verständnis für "Vorlieben", die ein Verbrechen sind? Unfassbar! "Es ist fast unmöglich, einen sexuellen Missbrauch zu verarbeiten", so Vera Falck. "Therapeuten können vielleicht die Wunden der Kinder heilen. Die Narben behalten sie ihr Leben lang!" 300.000 Mädchen und Jungen werden in Deutschland jedes Jahr sexuell missbraucht. Dieter G. ist zweimal vorbestraft. Wegen Verbreitung und Besitz von Kinderpornografie. Ein mieses Geschäft, für das es immer mehr gestörte Abnehmer gibt. Jetzt fordert er Straffreiheit für "einvernehmliche" sexuelle Kontakte zwischen Kindern und Erwachsenen. "Kinder sind aber gar nicht in der Lage, so einem Verhältnis zuzustimmen", stellt Cordula Stucke (47) vom Hamburger Kinderschutzbund klar: "Es besteht immer ein Machtgefälle, das der

, ebenso wie der verstorbene Michael K

Pädophile ausnutzt." In den nächsten Tagen will Dieter G. seinen Antrag einreichen. Die Kinderschutzvereine sind gewappnet. Vera Falck: "Wir werden mit allen Mitteln gegen ihn kämpfen!" Quelle: Tanya Munsche in "Frau im Bild" vom 4.3.2002

14) Kinderpornographie: Stasi erpresste Politiker

Ex-Geheimdienst-Offizier stellt Verbindung zum Fall eines vermissten Berliner Jungen her

Von Dirk Banse und Michael Behrendt

Berlin - Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR hat mit Kinderpornografie einflussreiche Persönlichkeiten in Westeuropa erpresst Das erklärt der ehemalige Verbindungsoffizier zwischen dem früheren sowjetischen Geheimdienst KGB und dem MfS, Wanja Götz (Deckname "Grigori"), in einer eidesstattlichen Versicherung, die der Berliner Morgenpost vorliegt. "Zu den Erpressten gehören Politiker, Richter (!!!) und Industrielle, von denen einige nach wie vor Einfluss in den westlichen Demokratien haben. Nach dem Fall der Mauer hat das ehemalige Stasi-Netzwerk die geheimdienstlichen in finanzielle Interessen umgewandelt. Eine Schlüsselrolle spielte Rainer Wolf, der Vater des noch immer vermissten Berliner Jungen Manuel Schadwald" berichtet der in Berlin lebende Götz.

Nach Recherchen der Berliner Morgenpost hat auch der im August 1996 verhaftete belgische Kinderhändler Marc Dutroux, dem der Mord an mehreren Mädchen zur Last gelegt wird, zeitweise im Auftrag der Stasi gearbeitet "Es gab in der Tat Hinweise, wonach sich solche Informationen in dem Stasi-Material wieder finden, das dem amerikanischen Geheimdienst CIA zugespielt wurde. Der belgische Geheimdienst wäre gut beraten, diese Unterlagen gründlich auszuwerten", sagt der ehemalige Geheimdienstkoordinator der Regierung Kohl, Bernd Schmidbauer (CDU). Die CIA hatte sich in den Wendezeiten umfangreiches Material über die Spionageabteilung der Hauptverwaltung Aufklärung des MfS sichern können. Wegen der Brisanz der darin enthaltenen Informationen auch über westeuropäische Politiker werden diese Unterlagen nach wie vor der Öffentlichkeit vorenthalten. Lediglich Geheimdienste durften in die von der CIA gefilterten Berichte Einsicht nehmen. Nach Expertenmeinung erklärt das, warum die Ermittlungsbehörden sowohl den Fall Dutroux als auch das Verschwinden von Manuel Schadwald bislang nicht klären konnten. Der seit Juli 1993 vermisste Junge ist nach zahlreichen Aussagen von Zeugen ins niederländische Kinderporno-Milieu verschleppt worden.

Sein Vater Rainer Wolf, ein in der DDR-Friedensbewegung eingesetzter Stasi-Mitarbeiter, war bereits vor Jahren nach Zeugenaussagen in den Verdacht geraten, seinen Sohn selbst ins Kinderporno-Milieu verbracht zu haben. Der ehemalige KGB- und Stasi-Agent Wanja Götz, dessen Deckname "Grigori" sich auch in den Stasi-Akten über Rainer Wolf wieder findet, erklärt in seiner eidesstattlichen Versicherung: Ich hatte den Auftrag vom DDR-Geheimdienst, diesen Mann psychologisch einzuschätzen. Erst viel später erfuhr ich, dass Wolf nach seiner von der Stasi inszenierten Übersiedlung in die BRD 1984 im Auftrag

der Auslandsspionage des DDR-Geheimdienstes mit Kinderpornografie Westeuropäer erpresst hat." Die Kinder habe sich das MfS aus DDR-Heimen geholt.

Quelle: "Berliner Morgenpost" vom 9.2.2003

14)Hamburger Prozess um den Homo-Treff

Der Prozess gegen Markus E. (33) - es wird immer verrückter. Ihm wird vorgeworfen, im Homo-Treff "Haralds Hotel" den erst 15jährigen M. an einen Kanadier vermittelt zu haben. Bei den Ermittlungen erfuhr die Polizei Namen von sieben Prominenten, die angeblich in dem Hotel verkehren. Gestern wurden zwei Ermittler verhört, die zu den in Akten geschwärzten Namen Auskunft geben sollten. Taten sie aber nicht. Zeuge B. (48): "Ich darf nichts sagen. Willig bin ich schon, fürchte aber Konsequenzen". Die Richterin drohte: "Ich kann Sie auch in Beugehaft nehmen, wenn Sie nicht endlich reden." In der Mittagspause erhielten die Beamten schriftliche Erklärungen vom LKA (Landeskriminalamt, d.V.): Sie dürfen die Aussage verweigern, da sonst das Wohl des Landes gefährdet sei. Rechtsanwalt Uwe Maeffert (59) kennt die Promi-Namen inzwischen: "Bei diesem Fall wird meine schwärzeste Phantasie übertroffen." Fortsetzung Freitag.

Quelle: BILD-Zeitung vom 8.2.2003

15)Hamburg - Waren Promis im Homo-Treff?

Das Rätselraten um die Namen einer "Prominentenliste", die in Gerichtsakten auftauchte geht weiter. Hintergrund: In einem Prozess ist der Ex-Leiter des Jugendcafés Altona angeklagt, weil er 1999 einem Kanadier auf dem Kiez einen minderjährigen Jungen zum Sex vermittelt haben soll. Der Kanadier wurde mit dem Jungen in "Haralds Hotel" erwischt, einem Homo-Treff an der Reeperbahn. Der Angeklagte bestreitet dies. Ein Polizist belastete ihn unlängst als Zeuge. Pikant: Der Hotelchef gab bei der Staatsanwaltschaft an, dass Prominente dort zu Gast gewesen seien. Er nannte sieben Promi- Namen. Die Staatsanwaltschaft ging den Namen nach, stellte aber mangels Erkenntnissen Ermittlungen in dem Zusammenhang ein. Zum Schutz der Promis schwärzte sie ihre Namen auf der Liste. Dies rügt Verteidiger Uwe Maeffert (59). Freitag wurde bekannt, dass einer der Promis als "Zielperson", zeitweise "verdächtig" observiert worden sein soll. Maeffert beantragte, mehr Akten beizuziehen. Der Prozess wird fortgesetzt.

Quelle: Hamburger Abendblatt vom 15.2.2003

16)Ein Skandal erschüttert Frankreich

Der Ex-Bürgermeister von Toulouse soll in perverse Orgien und Verbrechen verwickelt sein:

Eine Stadt in Frankreich, ein grausamer Serienkiller, sadomasochistische Exzesse auf einem Schloss, Drogen, Korruption und Kindesmissbrauch. Wer sich an die skandalträchtigen Fantasien eines Marquis de Sade erinnert fühlt, liegt falsch. Die Geschichte stammt aus der

Gegenwart, die Stadt heißt Toulouse, und die Hauptrolle spielt der frühere Bürgermeister Dominique Baudis. Der Familienvater war Mitte Mai vor die Fernsehkameras getreten, um seine Unschuld zu beteuern. Nein, versicherte der 56-Jährige, er habe nie an diesen "barbarischen Partys" teilgenommen, die der verurteilte Serienmörder Patrice Alègre in den 90er Jahren für angesehene Bürger der Stadt veranstaltet haben will. Er habe Alègre nie getroffen und keine Beziehungen zum Toulouser Rotlicht-Milieu, betonte Baudis. Schon gar nicht habe er den Killer damit beauftragt, einen Transvestiten zu beseitigen, der die Orgien auf "Chateau d'Arbas" heimlich gefilmt haben soll. Hinter den Anschuldigungen zweier Ex-Prostituierten verberge sich ein abgekartetes Ränkespiel der Porno-Industrie. Denn Baudis steht inzwischen an der Spitze der staatlichen Medienaufsichtsbehörde (CSA). Baudis und Alègre seien ein Liebespaar gewesen, behauptet "Patricia", eine der früheren Prostituierten. "Fanny", eine zweite Prostituierte, unterstützt diese Aussagen Patricias. Beide Frauen konnten die Räumlichkeiten auf dem Schloß und die dort anwesenden Personen nach Angaben aus Justizkreisen ziemlich genau beschreiben. Und der Killer? Nach Monaten des Schweigens wandte sich Alègre unlängst mit einem Brief an den populären Moderator einer TV-Nachrichtensendung. Darin gesteht er, den Transvestiten und eine Prostituierte im Auftrag von Baudis und eines Staatsanwalts ermordet zu haben. Rückendeckung erhält Baudis aus dem Rathaus. Es handele sich um eine "widerwärtige Intrige", die allein dem Ansehen Baudis schaden solle, betonten die Ratsherren. Dennoch: Es scheint, als habe "Le Scandale" soeben erst begonnen.

Quelle: dpa und Tageszeitung im Juni 2003

17) Ein Mann schockiert ganz Deutschland:

Monatelang hat der bekennende Pädophile Dieter G. versucht, sich mit einer Gruppe Gleichgesinnter als "Krumme 13" in das Vereinsregister seiner Heimatstadt Trier eintragen zu lassen - als "gemeinnütziger Verein". Vergeblich. Nun ist G. nach Hamburg umgezogen - und versucht sein Glück erneut.

Hinter der "Krummen 13" verbergen sich fast ausschließlich Gefangene, die sich für die Legalisierung "einvernehmlicher sexueller Beziehungen" zwischen Minderjährigen und Erwachsenen einsetzen wollen. Außerdem möchte die Gruppe Häftlinge unterstützen, die aufgrund ihrer perversen Vorlieben von anderen Gefangenen drangsaliert werden. Einschlägige Erfahrungen, die G. selbst gemacht haben dürfte: Der 46-jährige ehemalige Polizist und Grenzschützer aus Düsseldorf saß ein Jahr lang in Haft, nachdem er 1997 aufgrund seines Handelns mit Kinderpornos verhaftet worden war. Nach seiner Entlassung zog G. nach Hamburg, wo er nun den Eintrag ins Vereinsregister durchsetzen will.

In der Hansestadt ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits gegen ein anderes Mitglied der Pädophilen-Gruppe. Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger sagte, dass einem 26jährigen Mann die Verbreitung pornografischer Schriften vorgeworfen werde. Weitere Verfahren gegen

Mitglieder der Gruppe wurden an die Staatsanwaltschaft im rheinland-pfälzischen Trier abgegeben, wo seit Monaten auch gegen den 46jährigen Leiter der Gruppe wegen der Verbreitung pornografischer Schriften im Internet ermittelt werde.

Dieser hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft Trier auf der Homepage der Gruppe einen Aufsatz veröffentlicht, in dem der sexuelle Missbrauch eines Elfjährigen im Detail beschrieben wird. Strafbar ist diese "Gesinnungsbekundung" laut Gesetz allerdings nicht. Dennoch haben die Ermittler Probleme mit der Verfolgung der Aktivitäten der "Krummen 13", da die Gruppe regelmäßig ihre Internetadresse wechselt.

Beim zuständigen Vereinsregistergericht Hamburg-Mitte ist derweil kein entsprechender Antrag der Pädophilen-Gruppe eingegangen. Die Verantwortlichen im Registergericht seien "hoch sensibilisiert", versicherte eine Sprecherin. Und: "Die Alarmglocken läuten bereits." Zahlreiche Kinderschutzverbände haben bereits weitere Schritte gegen die Gruppe angekündigt.

Quelle: Lübecker Nachrichten vom 23.2.2002

18) Harter Schlag gegen Pädophilen-Szene

Weltweit schlugen in gestern Fahnder von Interpol im Kampf gegen Kinderporno-Händler zu. Beamte des BKA nahmen in Hamburg einen Verdächtigen fest.

Am Morgen schlug die Polizei zu - weltweit: Bei den international koordinierten Einsätzen ging es gegen die bandenmäßige Verbreitung von Kinderpornografie im Internet. In Deutschland stürmten die Beamten gestern zu früher Stunde Wohnungen in Berlin, Hamburg, Ingolstadt, Stuttgart, Aalen und Tuttlingen. In der Hansestadt an der Elbe wurde ein 40-Jähriger in seiner Wohnung von den Fahndern überrascht. Hier beschlagnahmte das BKA umfangreiches Beweismaterial: ein Rechner, mehrere hundert CD-ROM und etwa 7000 Euro Bargeld, das wahrscheinlich aus dem Handel mit den schmutzigen Bildern und Videos stammt.

In Berlin wurde nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden ein 33-jähriger Deutscher festgenommen, der bereits im April 2001 wegen Verbreitung von Kinderpornografie festgenommen worden war. Es wurden ein Computer und umfangreiche Datenträger sichergestellt. Bei dem Tatverdächtigen in Ingolstadt handelt es sich um einen 33-jährigen Deutschen, der bereits im Jahr 1999 im Rahmen der Ermittlungen zum Kinderpornografie-Ring mit der Bezeichnung "Wonderland" zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten auf Bewährung verurteilt worden war. Bei dem Verdächtigen wurden insgesamt fünf Computer, ein Laptop sowie diverse Datenträger und Videokassetten sichergestellt.

In Stuttgart wurde die Wohnung eines jungen Mannes gestürmt, der allerdings nicht selbst an den illegalen Geschäften beteiligt sein soll, sondern sein 22jähriger Mitbewohner. In

Tuttlingen wurde bei einem 28-jährigen Mann ermittelt. Auf seinem Rechner befanden sich nach einer ersten Stichprobe der Beamten über 4500 kinderpornografische Bilddateien.

International waren die Ermittler nach Informationen von Interpol in Lyon in Spanien, den Niederlanden, Schweden, England, Japan, Kanada, den USA und der Schweiz aktiv. Auch hier gab es etliche Festnahmen. In den USA wurden die Wohnungen von sieben Beschuldigten durchsucht. Bei einem Tatverdächtigen im Bundesstaat Oregon wurden zwölf Festplatten, 200 CD-ROM sowie 200 Videokassetten sichergestellt. Im Bundesstaat Ohio wurde ein Verdächtiger dabei erwischt, als er sich gerade in dem entsprechenden Chat-- Forum aufhielt. Weltweit sind den Angaben des BKA zufolge 31 Tatverdächtige in elf Staaten identifiziert worden. Gegen sie besteht außerdem der Verdacht, entweder selbst Kinder sexuell missbraucht oder zumindest engen Kontakt zu den Tätern zu haben, da das bereits früher sichergestellte kinderpornografische Material eine erschreckende Brutalität zeige. Das schmutzige Material soll über einen geheimen Chatkanal im Internet, der nur eingeweihten Pädophilen bekannt war, ausgetauscht worden sein.

Die polizeilichen Ermittlungen werden anhand der heute gewonnenen Erkenntnisse weitergeführt. Die Auswertung der umfangreichen sichergestellten Datenträger wird vermutlich einige Wochen in Anspruch nehmen.

Schleswig-Holstein war bei der Groß-Razzia nicht betroffen. Im Norden sorgte zuletzt der Fall eines 26-jährigen Mannes aus Wahlstedt (Kreis Segeberg) für Aufsehen, der im Sommer 2000 im Internet die Anleitung zur Entführung, Vergewaltigung und Ermordung eines Kindes veröffentlicht hatte. Durch die Auswertung des beschlagnahmten Computermaterials konnte das Landeskriminalamt zahlreiche Namen und Adressen pädophiler User ermitteln. Möglicherweise stehen diese Daten in Verbindung zu der weltweiten Razzia: Elf Verfahren leitete die Staatsanwaltschaft Kiel im Winter vergangenen Jahres an das BKA weiter, da auch Namen von pädophilen Usern außerhalb Deutschlands ermittelt werden konnten.

Wie beim Schneeball-System können mit jedem ermittelten Kinderporno-Besitzer weitere Pädophile ermittelt werden, was in der Szene für Nervosität sorgen dürfte. Der Besitz und Handel mit derartigen Videos und Bildern sei nicht zuletzt aufgrund der jüngsten Razzien für diese Gruppe extrem gefährlich, heißt es aus Polizeikreisen.

Nach Schätzungen des US-Zolls sind 100 000 Web-Sites weltweit in den Handel mit Kinderpornos verwickelt. Der Kampf gegen die Internet-Kriminalität ist verstärkt worden. Eine Chronik wichtiger Fahndungserfolge in Deutschland:

September 2000: Dem BKA gelingt einer der erfolgreichsten Schläge gegen die Kinderporno-Szene: 1000 Ermittlungsverfahren können eröffnet werden. Januar 2001: Die Karlsruher Polizei stößt bei der Auswertung eines Computers auf 40000 pornografische Bilddateien.

April 2001: Die Polizei sprengt einen Kinderporno-Ring in Sachsen-Anhalt: 1500 Videos, CD's und Zeitschriften sowie Computer, Kameras und Rekorder werden kassiert.

Januar 2002: Mehr als 50 000 Kinderporno-Bilder werden bei einem Mann im oberbayerisehen Schliersee sicher gestellt. Die meisten Bilder stammen aus Asien.

Quelle: Lübecker Nachrichten 21.3.2002

19) Skandal um pädophile Priester in den USA: Katholische Kirche leistet Abbitte - Entschuldigung bei Sex-Opfern

DALLAS - Die katholischen Bischöfe in den USA haben sich bei den Opfern, die von pädophilen Priestern sexuell missbraucht wurden, öffentlich entschuldigt. Zum Auftakt der dreitägigen Frühjahrstagung von rund 280 katholischen US-Bischöfen in Dallas (US- Bundesstaat Texas) sagte der amtierende Präsident der Bischofskonferenz, Wilton Gregory:

"Ich biete hiermit jedem von Ihnen, die von einem Priester oder einem Kirchenangestellten Leid erfahren haben, meine tiefstempfundene Entschuldigung an." Und er fügte hinzu: Was wir Bischöfe getan und was wir unterlassen haben, hat zu dem Missbrauch beigetragen. Wir werden jede Anstrengung unternehmen, die Kirche durch Ihre (der Missbrauchten) Augen zu betrachten."

Auf der Tagung wollen die Geistlichen über Konsequenzen aus dem Sexskandal um pädophile Priester beraten, der sich in den vergangenen Monaten immer stärker ausgeweitet hat. Im Mittelpunkt steht ein Positionspapier, nach dem künftig Priester und andere Kirchenmitarbeiter, die sich an Minderjährigen sexuell vergehen, sofort entlassen werden. Vergehen aus der Vergangenheit sollen von "Fall zu Fall geprüft" werden. Papst Johannes Paul II. hatte im April alle 13 US-Kardinäle in den Vatikan berufen, eine radikale Aufarbeitung der Fälle angemahnt und für die Zukunft ein kompromissloses Vorgehen bei sexuellem Missbrauch gefordert. Bereits gestern waren überraschend Opfer von pädophilen Priestern mit einer Reihe von Bischöfen sowie mit vier Kardinälen zusammengetroffen. Etwa zwei Dutzend der Opfer informierten hinter geschlossenen Türen die Geistlichen persönlich über die verheerenden Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs.

Quelle: Lübecker Nachrichten vom 14.6.2002

20) OSTERHOLZ-SCHARMBECK - Die kleine Pokemon-Figur auf dem Grab von Dennis Klein war die letzte Erinnerung an glückliche Kindertage des Jungen. Warum der Neunjährige aus Osterholz-Scharmbeck bei Bremen vor zwei Jahren sterben musste, ist bis heute ungeklärt.

"Eine heiße Spur hatten wir bislang nicht, wir verfolgen jedoch 200 Hinweise", sagte der Sprecher der 20-köpfigen Sonderkommission, Detlef Kaldinski, gestern in Osterholz. Dennis war am 5. September 2001 über Nacht aus einem Schullandheim verschwunden. Seine Leiche wurde zwei Wochen später gefunden. Die Fahnder untersuchten fast 2500 Spuren. Dabei schälte sich das Bild eines pädophilen Sexualtäters heraus: Insgesamt 40 Taten, darunter vier Morde an Jungen, hat der Unbekannte im Bereich Bremen, in Schleswig-Holstein und in den Niederlanden verübt.

So verschwand am 24. Juli 1995 der achtjährige Dennis Rostel aus dem Ferienzeltlager Selker Noor bei Schleswig. Zwei Wochen später wurde er ermordet bei Skive in Dänemark gefunden. In der Nacht zum 31. März 1992 verschwand der 13jährige Stefan Jahr aus Hamburg aus einem Internat in Scheeßel.

In norddeutschen Schullandheimen tauchte nachts über Jahre hinweg immer wieder ein Unbekannter auf. Er berührte Jungen unsittlich, entkam jedoch stets. Inzwischen hat die Kripo ein Profil des Täters erstellt. Er soll 28 bis 35 Jahre alt sein, auffallend groß und kräftig.

Quelle: "Lübecker Nachrichten" vom 2. September 2003

21) Knabenchorleiter erneut wegen Kindesmissbrauch angeklagt

Berlin/Anklam (dpa) Der ehemalige Knabenchorleiter und stellvertretende Bürgermeister von Anklam (Ostvorpommern), Wilfried Scheffler, ist erneut wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt worden. Da Fluchtgefahr bestehe, sitze er seit Ende Juli in Berlin in Untersuchungshaft, sagte gestern der Berliner Justizsprecher Björn Retzlaff. Er bestätigte damit einen Bericht des "Nordkurier".

Scheffler, der gestern im Gefängnis seinen 60. Geburtstag beging, war bereits 1993 vom Stralsunder Landgericht zu einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden. Er hatte sich an zwei elf und 14 Jahre alten Jungen aus dem Anklamer Knabenchor vergangen. Im Falle einer Verurteilung müsse er nun mit einer Freiheitsstrafe rechnen, sagte Retzlaff. Der Prozess beginnt spätestens in einem halben Jahr.

Die neue Anklage legt dem ehemaligen CDU-Kreisvorsitzenden 79 Fälle von schwerem Kindesmissbrauch zur Last. Die Taten soll Scheffler zwischen 1995 und 2002 in Berlin an einem 1987 geborenen Jungen begangen haben. Es soll sich um einen Klavierschüler Schefflers handeln.

Nach einer Anzeige der Eltern des Jungen waren vor einem Jahr sowohl die Anklamer Hauptwohnung des Verdächtigen als auch seine Zweitwohnung durchsucht worden. Die Ermittler beschlagnahmten Computer, Disketten und Videokassetten.

Quelle: Ostsee-Zeitung vom 6.8.2003

22) Porno-Verdacht: Bremer Politiker gibt Mandat ab

BREMEN - Wegen des Vorwurfs der Verbreitung pornografischer Schriften hat der Bremer SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Michael Engelmann sein Mandat niedergelegt. Der 34-jährige bekennende Homosexuelle trat zugleich als Bundesvorsitzender der Lesben und Schwulen in der SPD (Schwusos) zurück.

Gegen Engelmann wird nach Paragraf 184 Strafgesetzbuch ermittelt. Darin wird unter anderem der Besitz und der Handel mit Darstellungen geahndet, die den sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen. Der Paragraf 184 sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder Geldstrafe vor. "Wir haben den Schock immer noch nicht überwunden", sagte der Bremer SPD-Landesvorsitzende Detlev Albers in einer ersten Reaktion. "Für die Sache der Schwulen und Lesben ist ein großer Schaden entstanden, zumal Michael Engelmann seit Jahren an exponierter Stelle für die Rechte gleichgeschlechtlicher Lebensbeziehungen eingetreten ist."

Die Partei erwägt jetzt einen Ausschluss von Engelmann, werde aber alle Regeln rechtsstaatlichen Vorgehens einhalten und zunächst den Abschluss der staatsanwaltlichen Ermittlungen abwarten. Die Fraktionsspitze hat nach den Worten von Albers seit zwei Tagen intensive Gespräche mit dem Abgeordneten geführt. "Dabei hat sein Verhalten erkennen lassen, dass an den Vorhaltungen der Staatsanwaltschaft etwas dran ist", sagte Albers. Quelle: "Lübecker Nachrichten" vom 11. Oktober 2003

23) Angeblich Kinderleichen in Köln verscharrt

Im mysteriösen Fall angeblich missbrauchter und getöteter Kinder will die Polizei ein großes, unwegsames Gelände durchsuchen. Einem "vagen anonymen Hinweis" zu Folge seien auf dem rund 60.000 Quadratmeter großen Areal Kinderleichen verscharrt worden.

Quelle: Zeitungsartikel vom 6.4.2004

24) Mafia-Verdacht im Dutroux-Prozess

Arlon - Der Verdacht mafiöser Verstrickungen rund um den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux bekommt neue Nahrung. So sollen zwei Opfer des mutmaßlichen Mädchenmörders nach Zeugenaussagen vor ihrer Entführung in ein Stundenhotel an der belgischen Küste gelockt worden sein. Ein Polizeifahnder beschuldigte gestern zudem den Untersuchungsrichter Jacques Langlois im Schwurgericht von Arlon, er habe sich mit seinen Ermittlungen "nicht in die Mafia von Charleroi einmischen" wollen.

Quelle: Ostsee-Zeitung vom 7. April 2004

25) Mädchenmörder weiterer Verbrechen beschuldigt

Arlon - Der mutmaßliche Mädchenmörder Marc Dutroux hat möglicherweise mehr Straftaten auf dem gewissen als bisher angenommen. Auch zwei weitere Vergewaltigungen, ein Mordversuch und eine fehlgeschlagene Entführung könnten auf das Konto des vorbestraften Kinderschänders gehen, sagte ein Polizeikommissar am Donnerstag im Schwurgericht von Arlon. Ein Kripo-Inspektor habe aber seinerzeit verschiedene Taten von Dutroux gedeckt.

Quelle: Ostsee-Zeitung vom 10. April 2004

26) Kinderschänder stürzt Minister

BRÜSSEL - Nach der kurzen Flucht des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux sind Justizminister Stefaan de Clerck und Innenminister Johan Vande Lanotte gestern zurückgetreten. Sie übernahmen damit die Verantwortung für die nicht ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen im Umgang mit dem Straftäter. Entsprechende Forderungen waren in der Opposition laut geworden. Dutroux war nur vier Stunden nach seiner Flucht wieder gefaßt worden. Der 42jährige entkam zunächst auf dem Weg zu einer Akteneinsicht im Justizpalast von Neufchateau. Er riß die Waffe eines Polizeibeamten an sich und floh dann mit einem Renault Megane, den er einer zufällig am Gerichtsgebäude vorbeikommenden Frau abnahm. Später wurde er von einem Polizeihubschrauber in einem Auto gesichtet, das zwölf Kilometer von Neufchateau entfernt im Schlamm stecken geblieben war. Dutroux muß sich wegen der Entführung von sechs Mädchen sowie der Ermordung von vier dieser Kinder vor Gericht verantworten. Der Fall Dutroux, bei dem es mehrere schwere Fahndungspannen gab, hatte ganz Belgien in eine tiefe Krise gestürzt.

Quelle: "Lübecker Nachrichten" vom 24.4.1998

27) Dutroux blieb im Matsch stecken

Die spektakuläre Flucht des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux ist nach wenigen Stunden gescheitert, der Mann, der mindestens sechs Kinder entführt und vier von ihnen getötet hat, sitzt wieder hinter Gittern. Doch die Flucht löste in Belgien eine Welle der Empörung aus. Justizminister Stefaan De Clerck und Innenminister Johan Vande Lanotte traten zurück. Die Frage, die ein ganzes Land ungläubig stellt, blieb unbeantwortet: Wie konnte das passieren?

Die Flucht des angeblich bestbewachten Häftlings Belgiens dauerte nur knapp vier Stunden. Der Kinderschänder wollte im Gerichtsgebäude der Ardennenstadt Neufchateau seine Akten einsehen. Dort gelang es ihm, einem Polizisten die Waffe zu entreißen und zu entkommen. Die Pistole war nicht geladen. Dutroux konnte dann rund 20 Kilometer von Neufchateau in einem Waldstück gestellt werden, nachdem sein Fluchtwagen im Schlamm stecken geblieben war.

An der Großfahndung hatten sich Polizeikräfte aus Luxemburg, Frankreich und Deutschland beteiligt. Die Grenzen zu Belgien und Luxemburg wurden abgeriegelt. Selbst die belgische Armee sollte zur Suche eingesetzt werden, 14 Hubschrauber standen schon bereit.

Nach Polizeiangaben stürzte Dutroux mit der Waffe ins Freie, lief davon und zwang einen vorbeikommenden Autofahrer zur Herausgabe seines Fahrzeugs. Dieses Auto wurde wenig

später aufgefunden. Inzwischen hatte sich der Flüchtige ein zweites Fahrzeug verschafft. Der Wagen wurde später in einem Schlammloch im Wald entdeckt. Dutroux leistete keinen Widerstand.

Die Umstände der Flucht des seit August 1996 in Arlon an der Grenze zu Luxemburg einsitzenden Schwerverbrechers lösten heftige Spekulationen um Mithelfer oder ein Komplott aus. Seit seiner Verhaftung war immer wieder der Verdacht aufgekommen, Dutroux habe Helfer in höchsten belgischen Kreisen, auch in Politik und Justiz.

Der bereits einschlägig vorbestrafte Elektriker war am 13. August 1996 verhaftet worden. Warum Dutroux, der normalerweise wegen zahlreicher Morddrohungen von schwerbewaffneten und mit kugelsicheren Westen bekleideten Polizisten begleitet wird, nur mangelhaft bewacht wurde, war zunächst unklar. So war Dutroux nicht angekettet, wie es sonst bei der Durchsicht von Akten bei Häftlingen üblich ist. Dutroux hatte seit fast zwei Wochen täglich Akteneinsicht genommen, um sich auf seine Verteidigung vorzubereiten.

Der Fall des Kinderschänders Marc Dutroux war von Anfang an eine Serie von Pannen. Justiz und Polizei hatten bei den Ermittlungen total versagt.

Es fing damit an, daß Dutroux nach einer ersten Verurteilung wegen Kindesmißbrauchs vorzeitig aus der Haft entlassen wurde, ohne daß psychologisch geprüft wurde, ob ein Rückfall zu erwarteten war. Als 1995 verschiedene Mädchen verschwanden, zählte auch Dutroux sofort zu den möglichen Tätern. Doch bei den Ermittlungen behinderten sich verschiedene Polizeibehörden gegenseitig, anstatt ihre Arbeit abzustimmen.

Die schwerste Panne gab es, als mehrere Polizisten ein Haus von Dutroux durchsuchten und die beiden entführten Kinder Julie und Melissa, die im Keller hinter einer doppelten Wand versteckt waren, nicht fanden. Beide Mädchen lebten damals noch und riefen sogar um Hilfe. Man gab zu, gedämpfte Kinderstimmen gehört zu haben, aber die Polizisten glaubten, sie kämen von der Straße.

Die Öffentlichkeit war über die Schlamperei so empört, daß verschiedene Untersuchungsausschüsse eingesetzt wurden, um die Verantwortlichkeiten zu klären. Erst Mitte Februar war ein umfangreicher Bericht einer parlamentarischen Kommission veröffentlicht worden, in dem schwere Vorwürfe gegen Justiz und Polizei erhoben wurden. Wesentliche Schlußfolgerung des Berichts: die Kinder könnten noch am Leben sein, wenn es nicht die Serie von Fehlern und Mängel im ganzen Sicherheitssystem gegeben hätte. Gleichzeitig leitete die Regierung verschiedene Reformen des gesamten Justiz- und Polizeisystems ein.

Die Mühlen der belgischen Justiz gegen den früheren Elektriker Dutroux mahlen aber nur langsam. Dutroux war am 13. August 1996 zusammen mit seiner Frau und einigen Komplizen verhaftet worden. Der Prozeß war allerdings nicht vor 1999 geplant. Perverser Psychopath

Sein Photo ging um die Welt, sein Name ist zum Inbegriff für Sexualverbrechen an Kindern geworden: Marc Dutroux.

Als ältestes von vier Kindern wurde er am 6. November 1956 in Brüssel geboren. Schon als Jugendlicher kam er wegen Diebstählen mit dem Gesetz in Konflikt, flog wegen des Verkaufs von pornographischen Photos von der Schule, bevor er Elektriker wurde.

Wegen sexueller Vergehen wurde Dutroux erstmals im Februar 1986 festgenommen. Ihm wurde die Entführung und Vergewaltigung von fünf jungen Frauen im Alter zwischen zwölf und 19 Jahren zur Last gelegt. 1989 wurde er deshalb zu einer Gefängnisstrafe von dreizehneinhalb Jahren verurteilt. Wegen guter Führung wurde er aber schon 1992 wieder auf freien Fuß gesetzt - ohne psychologische Prüfung und trotz der Warnung von Experten, daß es sich um einen "perversen Psychopathen" handele, der eiskalt und skrupellos vorgehe.

Nach der Entlassung nahm Dutroux keine geregelte Arbeit mehr an und lebte in der Gegend von Charleroi gemeinsam mit seiner zweiten Frau, der Lehrerin Michele Martin, und den gemeinsamen drei Kindern, zwei Jungen und einem Mädchen, offiziell von der Sozialhilfe. Doch schnell knüpfte Dutroux an seine kriminelle Vergangenheit an: Autoschiebereien, Diebstähle und schließlich wieder die Entführung von Mädchen. In der Gefangenschaft wurden diese offenbar zu abscheulichen sexuellen Handlungen gezwungen.

Im Juni 1995 entführt er die achtjährigen Freundinnen Julie und Melissa in Lüttich, im August die Teenager An und Eefje an der Küste. Während der Suche gerät der einschlägig vorbestrafte Dutroux immer wieder ins Visier der Ermittler. Doch schier unglaubliche Pannen bei Polizei und Justiz lassen ihn unbehelligt. Erst nach der Entführung der 14jährigen Laetitia aus der Nähe der Ardennenstadt Neufchateau im August 1996 zieht sich das Netz um ihn zu.

Am 13. August 1996 wird Dutroux mit seiner Frau und weiteren Komplizen festgenommen, zwei Tage später Laetitia und ein weiteres Opfer aus seinem Haus befreit. Für Julie, Melissa, An und Eefje kommt der Fahndungserfolg zu spät: Sie werden auf seinen Anwesen tot aufgefunden. Ganz Belgien steht unter Schock. Auch Dutroux' Mutter kann es nicht fassen:

"Ich schäme mich, ein solches Ungeheuer zur Welt gebracht zu haben."

Quelle: "Lübecker Nachrichten" vom 24. April 1998

28) Konflikt um «Terre des Hommes» in Indien Das Kinderhilfswerk nach dem Pädophilie-Skandal

Die indische Partnerorganisation des schweizerischen Kinderhilfswerks «Terre des Hommes» hat gegen dieses schwere Vorwürfe erhoben: Die Lausanner Organisation habe ihre Unterstützung von vier Schulen eingestellt, weil sie den Skandal über einen ehemaligen Leiter verdecken wolle, welcher der Pädophilie und der Unterschlagung verdächtigt wird. Ende 1996 wurde der Leiter des indischen Partnerwerks von «Terre des Hommes» (TdH),

Milton McCann, von der Mutterorganisation in Lausanne entlassen. Der Grund war ein schwerer Verdacht der Pädophilie. McCann, ein indischer Christ, soll über Jahre hinweg seine Machtposition missbraucht haben und junge Knaben, darunter viele Waisen, die in einem TdH-Heim in Westbengalen untergebracht waren, zum Sexualverkehr verführt haben. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Verdachtsgründe, dass McCann mit den Hilfsgeldern aus der Schweiz mehr als grosszügig umgegangen war und kaum einmal Rechenschaft darüber abgelegt hatte. TdH, vom Goodwill privater Spender abhängig und daher auf ihren guten Ruf bedacht, wollte den Skandal möglichst rasch loswerden. Gegen McCann wurde in Kalkutta ein Gerichtsverfahren angestrengt.

Bleibende Verbindungen

Beinahe vier Jahre später ist das Verfahren immer noch hängig. Nicht nur das: McCann ist weiterhin Geschäftsführer eines Kinderhilfswerks, Usthi Foundation, das massgeblich mit schweizerischen Spendegeldern unterhalten wird. Usthi waren von TdH in ihrem Hauptquartier in Kalkutta Büroräume zu Verfügung gestellt worden, und eine Zeit lang gelang es McCann auch nach seiner Entlassung, über diese räumliche Nachbarschaft die plötzlich verwaiste TdH Indien weiterhin zu beeinflussen. Dass McCann noch immer unbehelligt wirken kann, ist zudem nicht (nur) eine Begleiterscheinung der langsam mahlenden indischen Justizmühlen. TdH habe sich, dies ist zumindest der Vorwurf des Leiters von TdH India, S. K. Biswas, kaum Mühe gegeben, die Klage gegen McCann voranzutreiben.

Biswas, der in einem TdH-Spital als Chirurg gearbeitet hatte, war 1997 von TdH Lausanne zum Sekretär der indischen Partnergesellschaft berufen worden. Nach dem Zeugnis schweizerischer TdH-Mitarbeiter gelang es Biswas, die Organisation in kurzer Zeit aus der Krise herauszuführen. Gleichzeitig wollte er auch das diffuse Verhältnis zur «Mutter» in Lausanne auf sichere Beine stellen. Obwohl TdH Indien eine selbständige Organisation ist und obwohl es keinen Partnerschaftsvertrag gibt, wurde sie seit ihrer Gründung wie eine Filiale mit Geldern aus Lausanne unterstützt. Heute rechtfertigt sich die grosse Hilfsorganisation damit, dass sie während Jahren nur als Zahlstelle fungierte, während lokale Partnergruppen überall in der Schweiz die Beziehungen mit Indien aufrechterhielten. Diese diffuse Beziehung kam McCann gelegen, da er so mit den Geldern nach Belieben umspringen konnte junge «Söhne» McCanns, so ein Bericht von TdH Elsass aus dem Jahr 1996, sollen mit Cartier-Uhren umherstolziert sein.

Laxe Kontrollen

Letztes Jahr wurde TdH Indien mit der Nachricht aus Lausanne überrascht, dass die Finanzierung der Schulprogramme innert dreier Jahre eingestellt würde. Dies sei das Resultat einer neuen strategischen Ausrichtung des Hilfswerks, in der die Erziehung keine Kernaktivität mehr sei. Aus der Sicht von Biswas versteckt sich dahinter aber mehr. Er hegt den Verdacht, dass TdH die Tätigkeit in Westbengalen möglichst rasch einstellen wollte. Wenn sie aber bereit war, dafür eine zentrale Aufgabe weltweit fallen zu lassen, musste sie schon schwerwiegende Gründe haben. «Wusste die Organisation mehr über die pädophilen

Aktivitäten ihres Vertreters in Indien und fürchtet nun den Vorwurf, nicht rechtzeitig gehandelt zu haben? Oder ist McCann vielleicht sogar im Besitz von Dokumenten, welche Personen in Europa belasten könnten?», fragt Biswas.

Ebenso schwer wiegt der Verdacht, dass TdH ihrer Pflicht zur finanziellen Kontrolle während vieler Jahre nicht nachgekommen sei. Es gibt Dokumente, die zeigen, dass McCann sich geweigert hatte, Finanzkontrollen und Projektevaluationen aus der Schweiz zu akzeptieren. Und es gelang ihm, sich mit Hilfe schweizerischer Freunde gegenüber Lausanne auch durchzusetzen. Der Stiftungsrat hatte sogar explizit jede Kontrolle der indischen Organisation aus den Händen gegeben, als McCann damit drohte, eine eigene Organisation auf die Beine zu stellen. So kam es, dass ein schweizerischer Programmverantwortlicher berichten musste, er habe während seiner Jahre als TdH-Vertreter in Indien kein einziges Mal Einsicht in die Bücher bekommen. Nun will die Organisation mit einem Mal Kehraus machen und überlässt die indische Partnerorganisation mit ihren vier Schulen ihrem Schicksal. Mitarbeiter von TdH Indien befürchten sogar, dass McCann diese übernehmen könnte, wenn die finanzielle Unterstützung aus Lausanne in anderthalb Jahren ausläuft.

Bestechungsvorwürfe

Dieses Risiko ist umso realer, als die pendente Klage gegen McCann nur eine relativ unbedeutende Hinterziehung von Stiftungseigentum betrifft, die pädophilen Aktivitäten aber mit keinem Wort erwähnt. Der Grund, laut dem zuständigen Untersuchungsbeamten in Kalkutta: Die Vorwürfe sind verjährt. Aber es gibt verbürgte Belastungsaussagen, die sich auf Ereignisse im Jahr 1996 stützen. Warum wurden diese nicht in die Klage aufgenommen? Der Beamte habe von Biswas Bestechungsgelder verlangt. Lausanne, darauf angesprochen, habe dies verständlicherweise kategorisch zurückgewiesen, es aber unterlassen, so Biswas, die Behörden davon in Kenntnis zu setzen und auf eine Überweisung des Falls an die Kriminalpolizei CBI zu drängen. Die Anklageschrift sieht nun ganz so aus, als sei der Beamte, Mrinal Sarkar, bei der Gegenseite fündig geworden. Auf die Frage, ob er denn annehme, dass McCann in Haft kommen werde, meinte er freimütig: «Ich glaube nicht, dass er sitzen wird.»

Statt dass McCann belangt wird, sieht sich nun Biswas unter Klage gestellt - von niemand anderem als dem Kinderhilfswerk in Lausanne, das ihn vor drei Jahren angestellt hat. TdH zieht die Integrität ihres «Troubleshooter» zwar nicht in Zweifel, ist aber verärgert über den manichäischen Eifer, mit dem sich Biswas für die Rettung der Schulen - und damit gegen die Mutterorganisation, die sich zurückziehen will - einsetzt. Der neue Generalsekretär, Peter Brey, weilte im Juni in Kalkutta, vermied es aber, das Hauptquartier zu besuchen und den Beschluss, die Hilfe auslaufen zu lassen, der Belegschaft zu erläutern. Er beharrte darauf, dass Biswas ihn im Hotel besuche - was dieser zurückwies. Der Präsident der indischen TdH, Christian Wenger, hat wie das Vorstandsmitglied Heini Hertach - beide sitzen auch im Lausanner Stiftungsrat - die Organisation, der sie vorstehen, seit Ausbruch der Krise vor vier Jahren nie besucht. Diese Verhaltensweisen wecken den Eindruck, das Kinderhilfswerk wolle möglichst rasch das Buch McCann und Kalkutta zuschlagen, auch wenn dabei viel Ungelöstes unter den Teppich gewischt wird.

Dieses Verhalten ist wenig verständlich, wenn man bedenkt, dass die Krise um McCann die indische Organisation traumatisiert hat. Biswas und seine Mitarbeiter machen zudem geltend, dass sie ihres Lebens nicht mehr sicher seien. Bei einem Besuch in einer der Schulen seien sie kürzlich von Unbekannten umringt und mit Gewalt bedroht worden - sie vermuten, dass McCann dahinterstecke. Hinzu kommen Vorwürfe, dass die Lausanner Organisation zu wenig tue, um sich gegen die Infiltration durch Pädophilen-Ringe zu wehren. Nur wenige Monate nach der Entlassung von McCann in Indien musste das Hilfswerk 1997 seinen Delegierten in Äthiopien wegen ähnlicher Vorwürfe entlassen. Dasselbe geschah mit McCann in Indien - mit dem Unterschied, dass dieser immer noch einem schweizerischen Hilfswerk vorsteht, das früher der Lausanner Organisation nahestand. Handkehrum sieht sich die indische Organisation, die von McCann-Leuten gesäubert wurde, aufs Trockene gesetzt und muss nun befürchten, dass ihr das Geld ausgeht, mit dem sie die Erziehung von über 1400 Kindern mittelloser Eltern unterstützt hat.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung vom 11. August 2000, Seite 27

29) Tod beim Todesvideo - Initiative erhebt schwere Vorwürfe gegen Berliner Justiz

BERLIN - Der seit 1993 vermißte Manuel Schadwald aus Berlin ist nach Erkenntnissen einer belgischen Bürgerinitiative in die Fänge eines Kinderporno-Netzwerks geraten. Die Initiative "Werkgroep Morkhoven" warf der deutschen, belgischen und niederländischen Justiz vor, trotz verschiedener Hinweise seien die Kinderporno-Händler über Jahre hinweg unbehelligt geblieben. Marcel Vervloesem von der Initiative meinte, er glaube, daß der Junge bei einem sogenannten Todesvideo ums Leben gekommen sei.

Der damals zwölfjährige Manuel soll nach Erkenntnissen der Bürgerinitiative von dem Berliner Ludwig A. verschleppt worden sein. Beim Ausfindigmachen des 44jährigen sei es zu einer Panne der Berliner Polizei gekommen, heißt es in einem Zeitungsbericht.

Die Berliner Staatsanwaltschaft wies die gegen sie gerichteten Vorwürfe zurück. Es sei nicht richtig, daß die Polizei und die Justiz Kinderschänder decke, sagte Generalstaatsanwalt Hansjürgen Karge: "Wir wissen nicht, was aus Manuel geworden ist." Für die Berliner Staatsanwaltschaft gebe es keinen Fall Schadwald, da keine Anhaltspunkte für eine Straftat zu erkennen seien.

Quelle: "Lübecker Nachrichten" vom 24.4.1998

30) In den letzten acht Jahren sind 27 (in Worten: siebenundzwanzig) Zeugen und zwei Untersuchungsbeamte im Ermittlungsverfahren gegen den Kinderschänder Marc Dutroux auf rätselhafte Weise ums Leben gekommen. Sämtliche Todesfälle sind nicht aufgeklärt.

Quelle: www.jurtext.de

31) HAMBURG - - Hamburgs Justizsenator Roger Kusch (CDU) hat nach Justizpannen bei den Ermittlungen gegen einen 38-jährigen mutmaßlichen Kinderschänder Konsequenzen angekündigt. So werde erwogen, weniger Haftverschonungen für Drogentherapien zu gewähren, sagte er.

Der 38-Jährige, der eine Fünfjährige aus Lurup missbraucht haben soll, hätte zum Tatzeitpunkt eigentlich nach einer Verurteilung wegen Raubes im Gefängnis sitzen sollen. Für eine Drogentherapie war er jedoch auf freiem Fuß. Kusch räumte ein, dass es im Fall des 38-Jährigen eine Reihe von Versäumnissen gegeben hat. "Im Herbst 2003, spätestens aber Ende des Jahres, hätte der Verdächtige wieder hinter Gitter gemusst", zitiert das "Hamburger Abendblatt" den CDU- Politiker.

Der Mann war bereits im Januar 2004 wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen - er soll sich im Hamburger Volkspark vor einer 13Jährigen selbst befriedigt haben - angeklagt worden. Trotz dieser Anklage und neuer Vorwürfe beantragte die Staatsanwaltschaft keinen Haftbefehl, als der Mann am 25. März 2004 einem Haftrichter vorgeführt wurde. Am 27. März verging der Beschuldigte sich dann nach den Ermittlungen der Polizei an dem fünfjährigen Mädchen.

Für den Fall individueller Versäumnisse bei der Staatsanwaltschaft schloss Kusch auch personelle Konsequenzen nicht aus. Außerdem sollten die Fälle, in denen Straftätern Haftverschonung wegen einer Drogentherapie gewährt werde, einzeln geprüft werden.

Quelle: "Lübecker Nachrichten" vom 11./12. April 2004

32) Die Saarbrücker Polizei hatte bereits kurz nach dem 30. September 2001, dem Tag, als der fünfjährige Pascal Z. verschwand, Hinweise auf den sexuellen Missbrauch von Kindern in der Tosa-Klause. In dem Schmuddellokal im Saarbrücker Stadtteil Burbach soll Pascal erst sexuell missbraucht und dann getötet worden sein. Der Wirtin Christa W. und elf Kneipenbesuchern wirft die Staatsanwaltschaft gemeinschaftlich begangenen Mord vor. Wenige Tage nach dem Verschwinden des Jungen sagte bei der Polizei ein V-Mann aus, dass er Zeuge einer handgreiflichen Auseinandersetzung in der Tosa-Klause geworden sei, die sich "offensichtlich um sexuellen Kindesmissbrauch" gedreht habe. Diesem Hinweis gingen die Ermittler wohl nur unzureichend nach. Dabei handelte es sich bei dem V-Mann um einen Spitzel, der fast zehn Jahre mit amtlicher Verpflichtungserklärung im Dienst der Saarbrücker Polizei gearbeitet hatte - als "Vertrauensperson".

33) Dutroux-Verteidiger glaubt an Pädophilen-Netzwerk

ARLON - Hinter den Taten des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux steht nach Überzeugung seines Hauptverteidigers ein breit verzweigtes Pädophilen-Netzwerk. Man sehe sich einer ausgedehnten Organisation gegenüber, sagte der Anwalt Xavier Magnee vor dem Schwurgericht von Arlon. Er verwies in seinem Plädoyer auf zahlreiche Zeugenaussagen und Spuren, die nicht weiter verfolgt worden seien. Der Prozess um die

Entführung von sechs Mädchen geht in seine Schlussphase. Vier von ihnen starben qualvoll in der Gefangenschaft.

"Er ist nicht der alleinige Teufel", sagte Magnee. An die zwölf Geschworenen appellierte der Anwalt, sich bei allem Respekt für die Opfer nicht von der vorgefertigten öffentlichen Meinung beeinflussen zu lassen. Für die belgische Bevölkerung sei Dutroux in allen Punkten schuldig. Im Lauf der achtjährigen Ermittlungen sei aber vielen Spuren nicht nachgegangen worden, sagte Magnee. "Ich spreche nicht nur als Anwalt zu Ihnen, sondern auch als Bürger und Vater", so Magnee.

Lübecker Nachrichten vom 2.6.2004

34) Auftakt im Kinderschänder-Prozess - Missbrauch in der Kaschemme

In der "Tosa-Klause" in Saarbrücken sollen Kinder über Monate missbraucht worden sein. Ein Fünfjähriger kam ums Leben. Seit gestern steht nun' die Wirtin vor Gericht. Von Reue keine Spur.

SAARBRÜCKEN - Ein abscheuliches Verbrechen, 13 Angeklagte, 84 Zeugen. Vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Saarbrücken begann gestern der Mammut-Prozess gegen einen Kinderschänderring. Die Anklage: schwerer sexueller Missbrauch, Vergewaltigung, Mord.

Ganz oben auf der 145 Seiten langen Anklageschrift steht der Name der Hauptbeschuldigten:

Christa W. (51), zweifache Mutter und Wirtin der "Tosa-Klause". Sie soll kleine Kinder in einem Hinterzimmer ihrer Kaschemme für 20 Mark an Männer zum Sex verkauft haben. Ohne Mitleid, wieder und wieder. Bis einer der Jungen, der fünfjährige Pascal Z., vermutlich bei einer Missbrauchsorgie starb.

Die Wirtin habe den Missbrauch gefilmt und fotografiert, behauptet die Staatswanwaltschaft. Die übrigen Angeklagten, meist Arbeitslose und Hilfsarbeiter, sollen währenddessen im Gastraum der übel beleumdeten Kneipe "Wache geschoben" haben.

Unklar ist, ob das Kind während der Vergewaltigungen oder danach ermordet wurde, so der Staatsanwalt. Der Tote sei von den Beschuldigten in einen Plastiksack verpackt und in eine Kiesgrube nach Frankreich gebracht worden. Allerdings wurde die Leiche nie gefunden.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft war Pascal nicht das einzige Kind, das in der "Tosa-Klause" gequält wurde. Die Wirtin habe einen regen Handel mit Kindersex betrieben und auch einen Spielkameraden Pascals Männern für 20 Mark angeboten. Dieser zweite Junge, der Sohn der 40jährigen Mitangeklagten Andrea M., hatte mehrere Jahre als Pflegekind bei Christa W. gelebt (siehe Hintergrund). Das Kind war völlig verwahrlost und musste schimmeliges Brot essen. Wegen neuer Anträge der Verteidiger musste der erste Verhandlungstag immer wieder unterbrochen werden.

Zwei der Angeklagten kündigten gestern an, sich zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Eine davon, Andrea M., gilt laut einem Gutachten als geistig stark zurückgeblieben. Bei der 40-minütigen Verlesung der Anklageschrift wurden zuvor erstmals erschütternde Details zum mutmaßlichen Tathergang im Hinterzimmer der Gaststätte "Tosa-Klause" bekannt. Dennoch folgten die Angeklagten der Verlesung weitgehend ungerührt bis amüsiert. Einer der wegen Mordes Angeklagten beschwerte sich beim Richter lautstark über die falsche Aussprache seines Namens.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft wurde Pascal am Tag seines Verschwindens vor drei Jahren nacheinander von fünf Männern vergewaltigt. Weil er sich heftig wehrte und schrie, sollte ihn die Angeklagte Andrea M. auf Weisung der Wirtin Christa W. und des letzten Vergewaltigers Martin R. mit einem Kissen ruhig gestellt haben.

Der Prozess soll zunächst bis Ende des Jahres dauern.

HINTERGRUND

Auf die Fährte der mutmaßlichen Mörder des kleinen Pascal kamen die Ermittler über seinen Spielkameraden und Leidensgenossen Bernhard M. Der heute Neunjährige wurde 1995 als fünftes Kind der geistig behinderten Andrea M. geboren. Die Wirtin der "Tosa-Klause", Christa W., betreute Andrea M. und erhielt auch die Vormundschaft für Bernhard. Zwei Jahre später, 1997, bekamen Jugendamt und Polizei erstmals Hinweise auf die Verwahrlosung und Misshandlung des Jungen. Sozialarbeiter erschienen und stellten fest, dass die hygienischen Verhältnisse verbesserungswürdig seien. An Bernhard entdeckten sie jedoch keine Spuren von Gewalt. Weitere vier Male wurden die Behörden eingeschaltet. Doch erst im Januar 2001 - Bernhard war bereits sechs - erlösten sie den Jungen von seinem Leiden. Pascal selbst war am 30. September 2001 verschwunden. Er war in die Bahnhofspelunke gelockt worden - sein Todesurteil?

Quelle: "Lübecker Nachrichten" vom 21.9.2004

35) Zugleich wurde eine breitangelegte Kampagne in Gang gesetzt, durch die das magische Wirken der FOGC-Logen (Freimaurer-Orden zum Goldenen Zeitalter) und ihre Bezüge zur FS (Fraternitas Saturni) in Frage gestellt werden

sollte. Als dies gerade gelungen war, unterlief den Saturnen ein letzter schwerer Lapsus, den die Okkult-Chronisten Guido und Michael Grandt überliefern. "Von einem zeitweiligen 'Großmeister' der Loge, 'Janada' alias Walter Jantschik", schreiben sie über Wolthers unmittelbaren Nachfolger, "liegt uns im Original ein schriftlich fixiertes Interview vor, das dieser dem Journalisten Horst Knaut

gewährt hat

Wir zitieren auszugsweise:

Knaut: 'Was halten Sie von Menschenopfern?'

Jantschik: 'Auch Menschen können geopfert werden

von Menschen. Es sollten sowohl Tiere als auch Menschen geopfert werden Opfer- und Tötungsarten sollten auch in der magischen Praxis vollzogen werden. Siehe auch die FOGC-Logen in den 20er Jahren oder die Schwarzen Messen in Frankreich (Guido und Michael Grandt: "Schwarzbuch Satanismus", Knaur-Verlag, München 1995, S. 211 - 213).

Ich bin für die Opferung

Dies der letzte Stand in einem unrühmlichen Stück okkulter Geschichte, das bis dato in dieser Form nicht geschrieben werden konnte. Wohl nicht zuletzt aus diesem Grund haben die Ideen und Praktiken der "Fraternitas Saturni" bis heute stärkste Verbreitung gefunden: Es existieren Logen in London, Paris, Basel, Zürich und Wien, in Luxemburg und sogar in Australien. Allein in Deutschland bestehen mehr als fünfzig FS-Gruppierungen (Grandt a.a.O.)

Die Gebrüder Grandt, die zum Thema Kindesmißbrauch lange Zeit im

schwarzmagischen Umfeld recherchierten, erfuhren von "Verbindungen

zwischen deutschen, britischen und australischen Satanisten

britischer Medienboß." "Der Kreis der Satanisten ist sehr groß!", enthüllte ihnen

eine Insiderin, die in Australien die "Ritualistic Abus Consultance", eine Beratungsstelle für Therapeuten sowie vor allem für die Opfer und Überlebenden von satanisch-rituellem Mißbrauch leitet. "Selbst Wirtschaft und Politik sind davon nicht ausgenommen."

darunter ein

"Uns fällt auf", schreiben die Autoren über ihre Informantin, "wie nachdrücklich Heike auf die Verbindungen gewisser Freimaurergruppen mit dem Kindersatanismus hinweist. Auf unsere verwunderte Nachfrage, beharrt sie darauf. Etwa 15% der Opfer, die sie in Sydney betreut, verweisen bei der Angabe des Tat-Umfeldes auf freimaurerische Bezüge. 'Innerhalb der Freimaurer gibt es eine Gruppe, die sich Magische Freimaurer nennt. Und die arbeitet rituell mit Kindern." (Grandt, S. 96)

Hier schließt sich der Satans-Kreis bis zurück auf den vermeintlich so sauberen "Orientalischen Templer Orden", von dem die Saturnen sich ableiten. Denn in deren der tibetanischen Tantra entliehenen Kultfeiern spielen Kinder seit jeher eine Rolle (Grandt, S. 233). Und jedermann kann selbst nachprüfen, daß sich dessen neuzeitlicher Schöpfer Reuss-Willsson zugleich als Gründungsbeauftragter recht eigenartiger magischfreimaurerischer Hochgradlogen betätigte. Von Anfang an gab es in diesem Ordenskonglomerat enge inhaltliche und strukturelle Verbindungen, die auch unter Reussens Nachfolgern Bestand hatten. "Crowley war ein Hochgradfreimaurer", erklärte sogar die Leiterin des schweizerischen O.T.O., Annemarie Äschbach offen in einem Interview. Und: "Wir sind auch mit Freimaurern in Kontakt!" Innerhalb des Ordens gebe es eine Rangordnung, die den Graden der Freimaurer angepaßt sei (Grandt, S. 234).

Quelle: "Im Namen Gottes. Israels Geheimvatikan als Vollstrecker biblischer Prophetie" von Wolfgang Eggert, Band 3, 3. Auflage, München 2004, S. 502 - 504

36) Die Interessen Pädophiler werden sogar im Deutschen Bundestag vertreten, und zwar durch Volker BECK, von 1994 bis 2002 rechtspolitischer Sprecher von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: BECK schreibt: "Eine Entkriminalisierung der Pädosexualität ist angesichts des jetzigen Zustandes ihrer globalen

Kriminalisierung dringend erforderlich,

ändern? Plädoyer für eine realistische Neuorientierung der Sexualpolitik. In:

Angelo Leopardi (Hrgs.), Der Pädosexuelle Komplex. Handbuch für Betroffene und ihre Gegner, Berlin/Frankfurt 1988, S. 266). Von 1991 bis März 2004 war BECK auch Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD). Bekanntlich sind Homosexuelle verstärkt an Kindern interessiert. Daher dürfen wir uns nicht wundern, wenn sie ihren Einfluß in Politik, Justiz und Bildungswesen mißbrauchen, um Kinder zum freien Sex zu verführen.

" (Volker Beck, Das Strafrecht

Quelle: Johannes Lerle, Brüxer Str. 25, 91052 Erlangen, Tel.: 09131 - 302455 - "Die Sünde ist der Leute Verderben" (Spr. 14, 34) Warum Deutschland pleite geht", S. 3

37) 2.11.2004: Dr. Iwan Götz: Kinderschänder Piet van Achteren (Name von der Redaktion geändert) - Sie werden alle zusammen in die Geschichte der Kinderschändung als diejenigen eingehen, die in Deutschland am Fortbestand dieser schändlichsten aller Verbrechen aktiv beteiligt waren. Ich versichere Ihnen, daß es nur die Frage der Zeit ist, wann der schwule Abschaum Kinderschänder Achteren, den Sie mit allen Mitteln schützen, "ins Gras beißt". Und Sie mit ihm.

Quelle: Internet

38) Kölner Gerüchte um Kinderpornos - Hat ein Kinderschänderring in einem Kölner Hotel mit Mädchen aus Osteuropa Pornofilme gedreht und die Opfer Kinderschändern angeboten? In der Stadt am Rhein schwirren die Gerüchte, seit vor drei Tagen ein Hotel und fünf Wohnungen durchsucht worden waren. Dabei seien Beweismittel sichergestellt worden, hieß es. Ihre Sichtung werde noch einige Zeit dauern, so die Staatsanwaltschaft. Derzeit arbeitet die Polizei an einem Plan, wie ein 65.000 Quadratmeter großes unwegsames Gelände im Stadtteil Porz nach möglicherweise verscharrten Leichen abgesucht werden

Quelle: "Lübecker Nachrichten" vom 3.4.2004

39) Reporter in der Falle Was die Pressefreiheit wirklich bedroht: Die

Arbeit mit versteckter Kamera ist in Gefahr

fast ein Jahr lang in der Pädophilenszene

recherchierte (Unter Kinderschändern), muss um sein Arbeitsgebiet fürchten. Er arbeitet seit Jahren mit versteckter Kamera, um Täter zu überführen. Aber er braucht die Kamera auch zum Selbstschutz, um zu beweisen, dass er sich bei den Recherchen nicht strafbar gemacht hat. Da geht es wirklich um Pressefreiheit. Aber niemand schaut hin.

Karremann beispielsweise, der

Der Reporter Manfred

Quelle: Hans Leyendecker in einem Leserbrief - Süddeutsche Zeitung vom 3. September 2004 (Zur Einführung des Straftatbestandes des § 201 a StGB - "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen")

40) www.national-journal.org

Kinderschändungen und Kindertöten als demokratische Errungenschaft?

In der satanischen Welt, die nach Hitler gekommen ist, schänden und töten demokratische Politiker und Geldbonzen wehrlose Kinder auf bestialische Weise, sogar Babys. Jene, die diese satanischen Neigungen des politischen Abschaums kennen, stellen Kinder zur Benutzung und Tötung zur Verfügung. Nach dem Verbrechen erhalten die widerlichen Lumpen ein Video ihrer Tat zugestellt. Von da an ist klar, welche Lobby-Arbeit sie in ihren jeweiligen Parlamenten verrichten.

"Grund für die Zunahme der sexuellen Mißhandlungen von Kindern auch in den Industrieländern nannte der belgische Außenminister Eric Derycke den Werteverfall in 'ultraliberalen System', in denen 'alles käuflich' ist sogar der Körper eines Kindes." (Die Welt, 29.8.1996, S. 1)

Der Prozess

Das Verfahren gegen Kinderschänder Dutroux: fast acht Jahre Vorlauf, mysteriös verstorbene Mitwisser, 450 Zeugen - und die Frage: Einzeltäter oder Pädophilen- Netzwerk bis in höchste Kreise?

von Dirk Banse und Michael Behrendt

Die kühle Seeluft, die vom Hafen in die Stadt zieht, dringt bis auf die Haut. Uns fröstelt, als wir in Antwerpen die geheimnisumwitterte Zeugin Regina Louf treffen. In den Dutroux- Akten der Gendarmerie von Brüssel, die uns in Belgien zugespielt worden waren, wird sie mit dem Codenamen X 1 geführt.

Frau Bellamy von den Vereinten Nationen sagt, man müsse Rücksicht auf die besonderen Neigungen in Bezug auf die kulturelle Herkunft der Kinder-schänder nehmen. Und übri-gens handele es sich bei den Verbrechen an Kindern um ein Milliardengeschäft. Und das zählt schließlich im Globalis-mus!

"Die Direktorin der Unicef, Carol Bellamy, wies darauf hin, der Han-del mit Kindern und deren Mißhand-lung zu einem internationalen Ge-schäft mit hohen Gewinnraten ge-worden

sei

Zusammenhänge."

Nun steht die inzwischen 34 Jahre alte Frau leibhaftig vor uns und lächelt verlegen. Sie wird an diesem Februartag ihre Geschichte erzählen, die so voll von grauenhaften Details ist, dass man sie nicht glauben möchte. Nachdem Regina Louf den Weg in die Öffentlichkeit gesucht hat, fragen sich die Belgier, ob die Zeugin oder die gesellschaftliche Oberklasse ihres Landes verrückt geworden sei. Denn die 34-Jährige versichert, dass sich prominente Politiker, angesehene Polizisten und Manager in dem Netz der Pädophilen verfangen haben sollen.

Als Polizisten die Aussagen von X 1 prüften, kamen sie jedenfalls zu dem Ergebnis, dass viele ihrer Angaben stimmen. Seither steht die Zeugin unter dem Schutz der Gendarmerie. Die 34-Jährige lebt jetzt zurückgezogen auf einem Bauernhof bei Gent und betreibt dort eine Hundezucht. In dem heute beginnenden Prozess gegen den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux, dessen ehemalige Ehefrau Michelle Martin, den drogenabhängigen Dutroux- Komplizen Michel Lelièvre und den Geschäftsmann Michel Nihoul soll sie einer der 450 Zeugen sein.

"Ich war noch ein Kind, als mich meine Eltern an einen Bekannten verkauften. Er hieß Tony. Dieser Mann gehörte zu einer Gruppe von Pädophilen, die regelmäßig Kinder an

Rücksichten seien zu nehmen auf jeweilige kulturelle und wirtschaftliche

reiche Bürger vermittelten", beginnt Regina Louf ihre Geschichte. Sie sei über Jahre hinweg von verschiedenen Männern missbraucht worden. X 1 nennt auch deren Namen, will sie aber aus Angst vor juristischen Konsequenzen noch nicht veröffentlicht wissen.

"Dass auch Marc Dutroux zu dieser Gruppe gehörte, ist aber kein Geheimnis mehr. Ich lernte ihn gemeinsam mit meinem Zuhälter Tony auf einer Eisbahn kennen. Er war ein guter Eisläufer und hatte sogar Charme. Dutroux war wie auch Tony ein Zuhälter, der von staatlichen Stellen gedeckt wurde", berichtet sie. Sich an die Polizei zu wenden sei ihr deshalb nie in den Sinn gekommen. "Wer aussteigen wollte, den erwartete der Tod", erklärt sie scheinbar gelassen.

Und dann schildert Regina Louf jenes Ereignis, das auch die Ermittler zunächst nicht glauben mochten. "Eine von uns, sie hieß Christine van Hees, wollte aussteigen. Ich glaube, es war im Jahr 1984. Die Zuhälter versammelten die Kinder in einer alten Champignonzüchterei. Wir mussten uns in einen Kreis setzen. In der Mitte wurde Christine, die damals 16 Jahre alt war, mit einem Seil an einem Haken befestigt und langsam zu Tode gefoltert. ‘Seht her! Das passiert euch auch, wenn ihr unsere Geheimnisse verraten wollt,’ hatten sie zu uns gesagt. Es war schrecklich."

Die Polizisten von Brüssel, die die Zeugin vernahmen, waren schockiert. Vor allem deshalb, weil die heute 34-Jährige Details nannte, die nicht einmal den Ermittlern bekannt waren. Sie konnte das ehemalige Fabrikgelände, das längst abgerissen ist, detailliert beschreiben. Regina Louf sagte auch aus, dass Christine van Hees mit einem Metallstift gequält worden sei. Und tatsächlich war später in der gefesselten und verbrannten Leiche des 16-jährigen Mädchens ein solcher Metallstift gefunden worden.

In den Akten der Observations- und Untersuchungseinheit der Polizei von Brüssel, die der WELT vorliegen, finden sich die Namen der Täter, Kunden und Schauplätze wieder. Die Ermittlungen, so scheint es, sind gewissenhaft geführt worden. Ob ihre Ergebnisse im Dutroux-Prozess veröffentlicht werden, bleibt zu hoffen.

Staatsanwalt Michel Bourlet, Anhänger der Netzwerktheorie, hat öffentliche Äußerungen über X 1 vermieden. Bekannt ist dagegen, dass sich Staatsanwalt Hubert Massa umgehend mit Regina Louf treffen wollte, nachdem er 1999 den Auftrag bekommen hatte, am Fall Dutroux mitzuwirken. Doch zu dem Treffen kam es nicht. Massa jagte sich angeblich eine Kugel in den Kopf, seine Leiche wurde nie obduziert.

Als Regina Louf über ihre Leiden und die korrupten Politiker, Staatsanwälte und Richter spricht, bleiben ihre Augen trocken. Sie erzählt von Folterungen, verschleppten Ermittlungen und Morden sachlich und ohne große Emotionen.

"Ich muss den Weg in die Öffentlichkeit suchen, auch wenn mich die meisten Leute für verrückt halten", sagt sie. "Die Wahrheit ist doch, dass nicht nur in Belgien Kinder verschleppt wurden, um die perversen Gelüste jener zu befriedigen, die es sich leisten konnten. Und schließlich wurden solche Neigungen auch gefördert, um einflussreiche Leute zu erpressen. Ich erinnere mich, wie man hochrangigen Politikern auf Partys 13- jährige Mädchen zuführte, die auf älter geschminkt waren. Am nächsten Tag hatten diese Männer einen Umschlag im Briefkasten mit der Geburtsurkunde des Mädchens. Klar, dass sie anschließend ihre Macht nutzten, um die Ermittlungen zu stoppen."

Regina Louf schildert auch, wie sie an Kunden in Deutschland und in den Niederlanden "vermietet" worden sei, sie spricht von einem großen Netzwerk. "Wer nur Dutroux bestrafen will, begeht einen großen Irrtum. Er ist nur ein Glied in einer Kette von Pädophilen."

Von dieser These ging auch die belgische Psychologin Gina Pardaens aus. Sie scheute jedoch

Von dieser These ging auch die belgische Psychologin Gina Pardaens aus. Sie scheute jedoch im Gegensatz zu Regina Louf den Weg in die Öffentlichkeit, obwohl sie über brisantes Wissen verfügte. Einer ihrer Patienten hatte über das Pädophilennetzwerk gesprochen und erklärt, dass Kinder vor laufender Kamera zu Tode gefoltert worden sein sollen. Anschließend widmete sie sich dem Kampf gegen die Kinderschänder - bis sie 1999 mit ihrem Auto ungebremst gegen einen Brückenpfeiler fuhr. Zuvor war sie mit dem Tod bedroht worden.

Der WELT hatte sie wenige Tage vor ihrem mysteriösen Unfall berichtet, dass ein belgischer Generalstaatsanwalt von ihr Details über das Verschwinden des deutschen Jungen Manuel Schadwald in das niederländische Kinderpornomilieu erfahren wolle. Der damals Zwölfjährige war 1993 aus Berlin verschwunden. Die Fälle Manuel Schadwald und Marc Dutroux hingen eng zusammen, erklärte Gina Pardaens.

Und tatsächlich gibt es Schnittstellen. So soll sich Dutroux nach Aussagen des Niederländers Robert Jan W. oft im Kinderpornomilieu von Amsterdam aufgehalten haben: im Klub "Alex Privé" von Karel van M., in dem auch Manuel Schadwald nach Recherchen dieser Zeitung anschaffen musste. "Wir haben den Jungen 1993 aus Berlin in die Niederlande mitgenommen. Er war zunächst in einem Rotterdamer Klub, später dann in Amsterdam", hatte der Belgier Robby van der P. gegenüber dieser Zeitung 1998 in Amsterdam berichtet.

Seine Aussage hatte denn auch zu Streitigkeiten innerhalb der Kinderpornoszene geführt, er erschoss wenige Tage später seinen Komplizen Gerry U. in Italien und sitzt seitdem im Gefängnis. In der Wohnung seines Opfers im niederländischen Zandvoort fanden private Ermittler unzählige Disketten und Videos mit geschändeten und gequälten Kindern. Sogar der Missbrauch von Babys war zu sehen. Rätselraten gibt es seither um einen Film, der sich in einem Versteck in der Zandvoorter Wohnung befand. Es gibt Aussagen, dass es sich dabei um ein so genanntes Snuff-Video gehandelt habe, auf dem die Tötung eines Kindes zu sehen sei.

Dieser Zeitung liegt ein Schreiben des belgischen Privatermittlers Marcel Vervloesem vor, in dem er die Aussagen des Niederländers Robert Jan W., die dieser ihm gegenüber gemacht hatte, der Staatsanwaltschaft von Haarlem mitteilte. Und die haben es in sich. So erklärte Robert van W. auch gegenüber dieser Zeitung, dass zwischen 1987 und 1993 mehrere deutsche Kinder in der Nähe von Amsterdam bei Folterungen vor laufender Kamera ums Leben gekommen seien. Er habe dies mit eigenen Augen gesehen. Zudem habe er Dutroux mehrmals in Amsterdam zusammen mit dem Belgier Robby van der P. gesehen.

Die für den Fall Dutroux zuständige belgische Staatsanwaltschaft in Neufchâteau nahm die Aussagen ernst und stellte im Jahre 2001 ein Rechtshilfeersuchen an die Niederlande, um mehr über die Verbindung von Dutroux ins Amsterdamer Milieu zu erfahren. Laut der Amsterdamer Zeitung "De Telegraaf" soll Dutroux sogar mit den beiden Mädchen Julie und Melissa 1995 in dem Sado-Maso-Klub "Alex Privé" in Amsterdam gewesen sein. Die achtjährigen Mädchen waren nach der Festnahme von Dutroux im August 1996 verhungert auf einem seiner Grundstücke gefunden worden.

Doch die belgische Staatsanwaltschaft interessierte sich nicht nur für die Verbindung von Dutroux nach Amsterdam. Im Visier hatte sie auch immer den ehemaligen Rotterdamer Bordellbesitzer Lothar G., der inzwischen verurteilt worden ist. In einem Protokoll der Rotterdamer Polizei aus dem Jahre 1994 hieß es, dass der Berliner Junge Manuel Schadwald an der Seite jenes Lothar G. gesehen worden sei. Dafür, dass die Polizei dennoch nicht eingegriffen hatte, entschuldigte sich die damalige Justizministerin Winnie Sorgdrager sogar öffentlich.

Jener Lothar G. arbeitete aber auch nicht allein. Einer seiner Geschäftspartner war der Belgier Robby van der P., der das auch gegenüber dieser Zeitung einräumte. Und er wiederum soll zusammen mit Dutroux im Amsterdamer Kinderpornomilieu zu sehen gewesen sein. So jedenfalls stand es im Rechtshilfeersuchen aus Neufchâteau an die Niederlande, über das "De Telegraaf" berichtet hatte.

Wer glaubt angesichts dieser Fakten noch daran, Dutroux habe auf eigene Rechnung gearbeitet?

Dass auch Marc Verwilghen, der Leiter der Dutroux-Untersuchungskommission und ehemalige Justizminister, von einem Kinderpornonetzwerk ausgeht, liegt der WELT schriftlich vor. In einem Schreiben an eine belgische Bürgerinitiative teilte er bereits kurz nach der Festnahme von Dutroux mit: "Es besteht kein Zweifel daran, dass ein Kinderporno- und Kinderprostitutionsnetzwerk in Belgien existiert." (Die Welt, 1.3.2004, Seite 10)

Von herzlosen Hedonisten zum sozialen Kollaps

Wachsendes Unvermögen, gemeinschaftliche Bande zu entwickeln, ein Verlust an Tradition und Identität, wachsende Distanz zwischen den Individuen: Der Ethnologe und Kulturhistoriker Hans Peter Duerr prophezeit neben dem ökologischen auch einen sozialen Kollaps.

SPIEGEL: Herr Professor Duerr, unter Fachkollegen gelten Sie als eingefleischter Fortschritts-Pessimist. Trifft das zu?

Duerr: So ziemlich. Optimisten müssen ein sonniges Gemüt haben. Das leiste ich mir nur privat.

SPIEGEL: Was stimmt den Ethnologen so skeptisch?

Duerr: Ich sehe drei ernste Bedrohungen für die Zivilisation: den sozialen und den ökologischen Kollaps und das Ende der Energiereserven.

SPIEGEL: Apokalypse total. Womit fangen wir an?

Duerr: Mit dem, wie ich glaube, unaufhaltsamen Zerfall unserer Gesellschaft, die nicht völlig auf das Prinzip der Gemeinschaft verzichten darf. Jede Gesellschaft

braucht ein Mindestmaß an Solidarität und Zusammengehörigkeit. Gemeinschaft aber setzt voraus, dass die Menschen miteinander

verbunden sind und sich füreinander verantwortlich fühlen. Diese Daseinsform verschwindet zunehmend.

SPIEGEL: Wer ist schuld daran?

Duerr: Es sind viele Faktoren der Moderne, vor allem der Kapitalismus, der immer mehr Mobilität und Flexibilität von den Menschen verlangt. Gemeinschaftsbande sind nur ein Klotz am Bein des kapitalistischen Individuums, das unbeschwert konsumieren und flexibel in seinem Arbeitsleben sein soll. Die idealen Gesellschaftswesen der Zukunft werden die freiwilligen Singles und die so genannten "Dinks" sein - double income, no kids. Margaret Thatcher hat mal gesagt, es gebe keine Gesellschaft, sondern lediglich einzelne Individuen. Das beleuchtet sehr gut die Erosion von Gemeinschaft in der Moderne.

SPIEGEL: Aber wächst nicht gerade die Sehnsucht nach Solidarität und Gemeinschaft?

Duerr: Die Sehnsucht gewiss, aber ebenso das Unvermögen, Gemeinschaft zu verwirklichen.

SPIEGEL: Das kann nur bedeuten, dass die Menschen immer mehr vereinsamen.

Duerr: Ja, zwangsläufig. "Vom Nomaden zur Monade", so hat man die letzten 10.000 Jahre gesellschaftlicher Entwicklung genannt. Der politische Schriftsteller Toqueville, ein hellsichtiger Kopf, hat schon vor langer Zeit eine Gesellschaft aus lauter "Vereinzelten" prophezeit, die nur für sich selbst vorhanden seien. Und tatsächlich bewegen wir uns auf eine Gesellschaft zu, die eher eine Ansammlung von innerlich und äußerlich voneinander isolierten Individuen ist, deren Kontakte von kurzfristigen Kosten-Nutzen-Rechnungen bestimmt sind. Immer stellt sich diesen Leuten die Frage: Was bringt mir das?

SPIEGEL: Nach dieser Logik sind alle individualistischen Bewegungen modernistische Erzübel. Ist das nicht arg übertrieben?

Duerr: Leider überhaupt nicht. Der Feminismus zum Beispiel stößt deshalb allenthalben auf so viel Zustimmung, weil der Markt die

unabhängige, selbständige Konsumentin braucht und eben nicht die sich aufopfernde Frau als Geliebte und Mutter. Es ist kein Zufall, dass es gerade feministische Autorinnen sind, die das Märchen kolportieren, die Liebe zwischen Ehepartnern oder Mutterliebe seien nur

Erfindungen der bürgerlichen Gesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts. Es gab Liebesheiraten jedoch schon im

Mittelalter und zwar in allen Schichten. Man hat diese emotionale Verbundenheit bloß nicht so plakativ gezeigt wie

in der literarisierten Gefühlskultur des Sturm und Drang.

SPIEGEL: Sie behaupten, der Feminismus sei eine reaktionäre Ideologie?

Duerr: Es liegt eine gewisse Tragik darin, dass Emanzipations-Freunde immer wieder erkennen müssen, dass sie im

Grunde Erfüllungsgehilfen der modernen Marktgesellschaft gewesen sind. Denken Sie an die 68er mit ihren Forderungen nach hemmungsloser Bedürfnisbefriedigung. Ohne es zu wissen, waren sie damit die Avantgarde des Kapitalismus.

SPIEGEL: Der Kapitalismus versteht es, sogar seine ärgsten Feinde zu benutzen. Ist er unüberwindlich?

Duerr: Die moderne Kapitalgesellschaft ist in gewisser Hinsicht die erfolgreichste und überlegenste Gesellschaft. Langfristig jedoch wird sie

sich selber zerstören, und dann werden Gesellschaftsformen eine Renaissance erleben, die viele schon als tote Hunde sehen.

SPIEGEL: Was sind denn die Folgen der galoppierenden Isolation?

Duerr: Ein Verlust an Tradition und Identität. Es ist einerseits natürlich befriedigend, wenn man lästige Bindungen und Verpflichtungen

Vorläufigkeit, der Unsicherheit, der

schnellen Trennung über den Individuen. Es gibt keine Konstanz, und auch die Vergangenheit, mit der wir uns identifizieren können, verliert ihre Bedeutung. Der Soziologe Daniel Bell hat einmal geschrieben: "Der Mensch von früher antwortete auf die Frage: 'Wer bist du?' mit: 'Ich bin der Sohn meines Vaters.' Der Mensch von heute antwortet wie der Schauspieler André Eisermann einmal in einem Interview: "Ich bin ich, und ich mache einfach alles."

abstreifen kann und mehr Freiheit gewinnt. Nur: Nun schwebt ein Gespenst der

SPIEGEL: Das klingt, als seien Sie gegen jede Form der Selbstbestimmung und -verwirklichung.

Duerr: Ich bin nicht grundsätzlich dagegen, sehe aber die zwei Seiten der Medaille. Viele Soziologen lehren, der Zerfall der Werte und Maßstäbe

werde wettgemacht durch die Selbstbestimmung. Aber das ist nur ein Spiel mit Worten. Als Alice im Wunderland gefragt wird,

wie groß sie sei, legt sie die Hand auf ihren Scheitel und sagt: "So groß bin ich." Natürlich ist das keine Größenangabe, denn dazu muss man einen unabhängigen Maßstab heranziehen. Die persönliche Identität eines Menschen ist an Werte und Normen gebunden, die eine lange Geschichte haben. Je mehr man sich von der Tradition abkoppelt, desto mehr löst sich die eigene Identität auf. Einen solchen progressiven Identitätsverlust können wir im Prozess der Moderne beobachten.

SPIEGEL: Alles wird beliebig, austauschbar?

Duerr: Wenn es keine objektiven Maßstäbe gibt, gilt die Devise "anything goes". "Nichts ist wahr, alles ist erlaubt", sagt Nietzsche. "Nichts ist unmöglich", wirbt Toyota. Alles tendiert zur Gleich-Gültigkeit, jedes Urteil ist lediglich Geschmacksurteil, man wählt zwischen Weltanschauungen

wie zwischen Kalbshaxe und Chop Suey. Multikulti ist die Gesellschaft, in der keine Tradition die andere mehr ausschließt: morgens Zen-Meditation, nachmittags Schamanen-Kurs, anschließend Bibelkreis und abends italienisch essen.

SPIEGEL: Na gut, aber auch aus diesen Patchwork-Existenzen entsteht neues Leben, entstehen neue Formen von Gemeinschaft. Warum sehen Sie so standhaft schwarz?

Duerr: Weil das meist Happy-go-lucky-Gemeinschaften sind. Man hat zum Beispiel gesagt, Raver hätten so eine neue Sozialform entwickelt. Auf den Raves tanzen jedoch Monaden, die sich zur Schau stellen und dabei scharf beobachten, wie sie auf andere wirken. Auf die Frage, was denn die Leute miteinander verbinde, sagte eine Raverin: "die

Unverbindlichkeit". Besonders anziehend ist für viele deshalb auch das Internet mit seiner garantierten Anonymität.

SPIEGEL: Trotzdem suchen die Menschen hartnäckig Spielfreude und Geselligkeit, zum Beispiel in Sportvereinen.

Duerr: Auch da gibt es den Trend zur Vereinzelung. Alle Individualsportarten haben enormen Zulauf - Jogging, Surfing, Drachenfliegen, Bungeespringen. Der Mannschaftssport klagt über Mitgliederschwund. Auch der isolierte Sex ist im Kommen, als eigenständige Form, nicht als

Notnagel. Onanie, Cybersex. Von einem jungen Mann las ich neulich, er finde Telefon-Sex wesentlich besser als den

One-Night-Stand, denn den Hörer könne er wortlos auflegen, während er bei der Frau schlecht mittendrin auf hören und ihr sagen könne "Hey, dein Gestöhne nervt."

SPIEGEL: Die Spaßgesellschaft hat doch allen größtmöglichen Lustgewinn versprochen. Alles um- sonst?

Duerr: In den sechziger Jahren verkündeten die Hippies, die Vorläufer unserer Erlebnisgesellschaft: "If it feels good, do it." Der gestrenge Imperativ von heute lautet: Have Fun! Erlebe! Sei glücklich und zwar subito. Aber in Wahrheit kann man manche Dinge nur

finden, wenn man nicht nach ihnen sucht. Glück zum Beispiel kann man nicht wollen. Es stellt sich ein, wenn einem etwas gelingt, in einem Werk oder in der Beziehung zu einem Menschen. In gewisser Weise gilt das auch für die Lust - der Hedonist ist wie eine Frau, die auf Teufel komm raus einen Orgasmus haben will. Psychologen haben festgestellt, dass diejenigen das zufriedenstellendste Sexualleben haben, die sich am wenigsten darum kümmern. Und noch eines vergessen die Leute: Glück, Sinn und Erkenntnis kosten etwas -

Demut, Opfer, Verzicht und Arbeit. Die Spaßkultur ist die Kultur des Infantilismus - das Kind, das an die Mutter-Brust will, die immer

und überall bereitsteht.

SPIEGEL: Warum hat sich diese infantile Gier gerade in der Moderne entwickelt?

Duerr: Sie musste sich geradezu zwangsläufig entwickeln. Sehen Sie, in traditionellen Gesellschaften erhielt man Hilfe von Verwandten, Nachbarn, Dorfbewohnern, von leibhaftigen Menschen. Dieser Beistand verpflichtete zu Gegenleistungen. Stehen wir aber nicht mehr in persönlichen Gegenseitigkeitsverhältnissen, entsteht mit der Zeit eine große menschliche Distanz zwischen den Individuen. Das unmittelbare Mitgefühl verflüchtigt sich. Heute ist der Staat an die Stelle der Nachbarn getreten. Und wer will schon dem Sozialamt eine Gegenleistung erbringen? Die

Abkoppelung des Individuums von der Gemeinschaft und die Entstehung des Sozialstaates sind eben wiederum zwei Seiten der Medaille.

SPIEGEL: Sie zweifeln an den Segnungen des Sozialstaats?

Duerr: Keineswegs. Man muss nur sehen, dass das systematische Delegieren der Menschlichkeit an die Polizei, an das Sozialamt, an Professionelle zu einer Gesellschaft kalter Autisten führt. So empfinden das bei uns auch viele Menschen aus traditionellen Kulturen. An der Uni Bremen bat mich mal ein afrikanischer Student um einen Rat: Er und sein Freund seien sich uneins, ob die Bremer eine Seele hätten. Der Freund meinte, sie hätten vermutlich keine, während er den Eindruck habe, sie hätten wohl eine, aber die müsse vor langer Zeit tiefgefroren sein.

SPIEGEL: Hedonismus führt also nach Ihrer Einschätzung stracks zum Untergang des Abendlandes? Ist das nicht ein wenig zu larmoyant?

Duerr: Er führt zu ständiger Unzufriedenheit, denn jede Bedürfnisbefriedigung führt nur zu neuen Wünschen. Am Ende dieses Steigerungswahns stehen Erlebnisunfähigkeit, Langeweile und die Blasiertheit, von der der Soziologe Georg Simmel schon vor hundert Jahren sprach. Der "Genussmensch ohne Herz", den

Max Weber voraussah, hat das Dauergefühl, etwas zu verpassen. Und das führt zu ständiger innerer Unruhe, man zappt sich durchs Leben, geht

auf Disco-Touren, betreibt Kino- und Partyhopping, immer auf der Jagd nach neuen Fast-Food-Erlebnissen, nach der schnellen Nummer.

SPIEGEL: Irgendwann muss diese Lebenslust an ihre Grenzen stoßen. Wann ist Schluss mit lustig?

Duerr: Die Grenzen sind die natürlichen Ressourcen dieses Planeten, und sie sind erkennbar, weil der Kapitalismus ihre hemmungslose Ausbeutung betreibt. Und offensichtlich gibt es keine Möglichkeit, die Gewinn-Gier zu durchkreuzen. Mich überzeugen die Prognosen, nach denen die in absehbarer Zeit versiegenden fossilen Energieträger nur in sehr geringem Maße durch alternative ersetzt werden können. Vom Öko-Crash, der Erderwärmung, Unwettern und Ozon will ich gar nicht reden. Ich glaube, all das wird zu unlösbaren Problemen führen.

SPIEGEL: Ein Teil der Menschheit hat den Ernst der Lage erkannt.

Duerr: Aber sie tut letztlich so gut wie nichts. Viele Leute haben massive Zukunftsängste. In deutschsprachigen Großstädten halten 80 Prozent eine baldige Umweltkatastrophe für möglich. Fast alle wollen sich für Umwelt engagieren, Flug- und Autoverkehr jedoch nehmen zu. Die Haushalte verbrauchen immer mehr Energie. Viele halten ehrenamtliche Tätigkeiten für äußerst wichtig und unentbehrlich, aber die wenigsten kommen auf die Idee, selbst etwas zu tun. Allgemein gilt: Man predigt Wasser und trinkt Wein.

SPIEGEL: Und was blüht den Erdlingen?

Duerr: Ich halte für realistisch, was viele Experten glauben: Schon Mitte dieses Jahrhunderts wird es - unter den dann möglicherweise zwölf Milliarden Menschen - zu erbitterten Kämpfen um Ressourcen, um Land, Süßwasser, Nahrung und fossile Energieträger kommen. Die staatlichen Infrastrukturen werden sich auflösen, Städte veröden, die Überlebenden müssen aufs Land ziehen, wo sie auf dem wirtschaftlichen und sozialen Niveau des Mittelalters in Dorfgemeinschaften zusammenleben werden.

SPIEGEL: Eine schwer nachvollziehbare, gespenstische Vision.

Duerr: Wieso? Ich sehe das gar nicht nur negativ. Es bietet einer hypertrophen und exzessiven Zivilisation ja auch die

Chance zu einem Neubeginn unter veränderten Bedingungen. Schon einmal hat uns eine Klimakatastrophe zu neuen Lebensformen gezwungen, ein Ereignis, ohne das wir heute noch auf den Bäumen hocken würden - "behaart und mit bösen Visagen". Ob das nun letzten Endes gut oder schlecht für uns war - wer möchte das entscheiden?

SPIEGEL: Vielleicht entwickelt der Homo sapiens doch noch revolutionäre Überlebensstrategien, die alle finsteren Prognosen Lügen strafen.

Duerr: Wie spricht der Futurologe? Prognosen sind unsicher, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Natürlich kann und will ich nichts ausschließen. So ist es durchaus möglich, dass der liebe Gott in seiner Güte in die Geschichte eingreift und das Steuer herumwirft. Ich halte es allerdings für unvernünftig, allzu sehr damit zu rechnen.

SPIEGEL: Herr Professor Duerr, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Quelle: DER SPIEGEL 49 / 2000 / 188 ff

Anmerkung: Professor Duerr ist ein hervorragender Mann und hätte er im vorchristlichen Palästina gelebt, wäre ihm ein Platz als Prophet im Alten Testament sicher gewesen. Auch als erfolgreicher Archäologe ist er bereits in Erscheinung getreten. Mit seinen Studenten von der Uni Bremen fand er den wahren Ort und die Überbleibsel des 1362 versunkenen Rungholt auf dem alten Nordstrand, was ihm die Einleitung eines Bußgeldverfahrens durch einen der typischen Beamten im schleswig- holsteinischen "großen Schweinestall" (O-Ton Björn Engholm) einbrachte.

Ein ideengeschichtlicher Hinweis sollte jedoch noch nachgetragen werden:

Auf dieser Homepage ist hinreichend dokumentiert, daß die Weltgeschichte, die lange Zeit eine überwiegend europäische Geschichte war, etwa seit 1750 von einer geheimen Hintergrundmacht gelenkt wird, zu denen u.a. viele Freimaurer und Juden gehören. Das, was man beispielsweise mit den Jahreszahlen 1789, 1914 - aber auch 1933 und 1939 - verbindet, wäre ohne jene illuminierten Kreise nicht geschehen. Aber eben jene Kreise postulieren dieses sozialschädliche Credo: "Tue was Du willst, soll das ganze Gesetz sein" - nachzulesen etwa bei "der Bestie" Aleister Crowley

Heuchler von der CDU

Langzeitarbeitslose sollen nach Auffassung von CDU Politikern (M. Kayenburg, H. Wüst) schwer zumutbare oder ekelige Arbeiten übernehmen. Langzeitarbeitlose im Westen erhalten künftig 345 Euro im Monat, macht 4140 Euro im Jahr. Die relative Armutsgrenze orientiert sich am durchschnittlichen Nettoeinkommen, wer weniger als die Hälfte verdient, gilt als arm (Quelle: SOEP; Aktionsprogramm 2015), das sind 9625 Euro. Selbst unter Anrechnung von Miet- und Heizkosten sind Langzeitarbeitslose also definitiv arm. Anlässlich des fehlenden Gottesbezugs in der neuen EU-Verfassung haben CDU Politiker laut lamentiert - das ist bodenlos heuchlerisch, denn ihr Umgang mit den Armen dieses Landes weist sie als Gottlose aus; so heißt es in den Sprüchen des Salomo: "Der Gerechte weiß um die Sache der Armen; der Gottlose aber weiß gar nichts." Diese Politiker wissen nichts von der Not der Armen im eigenen Lande! Eine gottlose Gesellschaft erkennt man am ehesten daran, wie sie mit den Schwächsten umgeht.

Quelle: Leserbrief von Norbert Eick (Lübecker Nachrichten vom 14.7.2004)

Nationalhymne

Behördensprecher hält Absingen der Nationalhymne für strafbar!

Das stetig sinkende Bildungsniveau in Deutschland hat jetzt auch das bayerische Innenministerium erreicht. Im Rahmen der von Günther Beckstein ("Schattenminister" von "Edi" Stoiber) angezettelten Kampagne gegen nationale Burschenschaften hat sich die Behördensprecherin Ulrike Frowein einen äußerst peinlichen Fauxpas geleistet. Anlaß war eine Stellungnahme der von Beckstein geschmähten Burschenschaft 'Frankonia Erlangen'. Darin heißt es: "Leider wird oftmals bereits dann von 'Rechtsextremismus' gesprochen, wenn unsere Nationalhymne mit all ihren Strophen gesungen wird". Gemäß den 'Nürnberger Nachrichten' hat Frowein daraufhin verkündet: "Die ersten beiden Strophen des Deutschlandlieds sind verboten. Wer es trotzdem tut, setzt damit ein deutliches Zeichen, daß er sich von der Republik distanziert. Sofern man der Leute habhaft wird, werden Strafverfahren eingeleitet."

Kann es wirklich sein, daß eine Sprecherin des bayerischen Innenministeriums so einen Blödsinn von sich gibt? Zeilen wie "Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang" jetzt ein Fall für den Staatsanwalt? Distanzieren von der Republik ein Straftatbestand? Alles Quatsch. Selbstverständlich ist die Nationalhymne nicht strafbar und jeder darf sie öffentlich in allen drei Strophen singen. Man fragt sich, welchen Unsinn Frowein als nächstes verzapft? Das Grundgesetz indiziert? Der Bundesadler (der schon vor ewigen Zeiten Reichsadler war) Symbol einer verbotenen Vereinigung?

(Quelle: Politische Hintergrundinformationen vom 25.8.2001, S. 290)

Kalter Krieg - Spielerei

Großindustrie oder "Agrarsteppe" - wo liegt die Zukunft wirklich ? (Teil IV)

Den in allen innereuropäischen Grenzbereichen geplanten Kombinaten liegt der Leitgedanke der Globalisierung zugrunde: "Europa soll an den Grenzen zusammenwachsen." Diesem Ziel soll auch durch die Errichtung eines grenzübergreifenden Kombinates in Nickelsdorf (Glasfabrik usw.) Vorschub geleistet werden. Schließlich geht es ja um " die Verwirklichung eines gemeinsamen europäischen Arbeitsmarktes." (Zitate aus: "Wirtschaft im Alpenraum" März 2004) Eine Absicht, die den hinterhältigen "Kalten Krieg" des Kapitalfaschismus aus dem Untergrund widerspiegelt. Dieser richtet sich fortwährend gegen die Völker der Welt. Für das internationale Kapital geht es dabei nur um den größten Profit. Für Völker die Freiheit und Zukunft haben wollen, geht es jetzt aber um sein oder nicht sein! Ein grenzenloser "Arbeitsmarkt" ist die Grundlage für den Ausbeutungsglobalismus. Daher verlangt der Ex - ÖVP Parteiobmann und jetzige Industrie - und Finanz Magnat Josef Taus:

"Die Jugend von heute muss lernen zu arbeiten. Und zwar, bis sie vom Hocker fällt." ("Der Standard", Wien, 24./25. Mai 2003)

Ausschaltung und "Neustrukturierung" Europas

Was geschah überhaupt alles seit Mitte des vorigen Jahrhunderts mit Europa? Im Februar 1945 beschlossen die westalliierten Staatsoberhäupter Roosevelt und Churchill, gemeinsam mit ihrem sowjetischen Kriegskumpanen Stalin in Jalta auf der Krim bei Sekt und Kaviar die Teilung Europas. Die Einverleibung der Hälfte Europas in den jeweiligen Machtbereich wurde für mindestens vierzig Jahre festgeschrieben. Für Deutschland wurde eine Teilung und Besetzung von mindestens fünfzig Jahren vereinbart. Um Europa nachhaltig in seiner Vitalität zu schwächen wurde der größte Landraub, Vertreibungs - und Völkermordplan der Weltgeschichte für die Zeit nach Beendigung des Krieges beschlossen. Nach dem Ende des sogenannten Zweiten Weltkrieges trafen sich die Repräsentanten der Besatzer im königlichen Schloss zu Potsdam bei Berlin um die weitere Vorgehensweise gegen Europa auszuhandeln und abzustimmen. Aufgrund dieser Beschlüsse wurden 20 Millionen Deutsche von ihrem Heimatboden vertrieben und 7 Millionen ermordet. Anschließend wurde mitten durch Deutschland und Europa der "Eiserne Vorhang" aufgerichtet. Damit war die ideale strategische Voraussetzung für die "Neustrukturierung" der entmachteten und somit entmündigten Europäischen Völker geschaffen. Unter Kuratel der jeweiligen neuen Machthaber wurde mit Hilfe willfähriger Handlanger zu beiden Seiten des Eisernen Vorhanges rasch ein neues Regime installiert. Dieses unterstand in West und Ost einem Hochkommissar, der die Anordnungen der Besatzer befehligte und überwachte. In der Ost-Zone wurden die Länder wirtschaftlich im COMECON und militärisch im Warschauer Pakt zusammengefasst. In der West - Zone wurden die Länder spiegelverkehrt wirtschaftlich in EG und EFTA und militärisch in der NATO gebündelt und ebenfalls zwangsweise fusioniert. Den Völkern im Ostblock erklärte man von Moskau aus: Ihr lebt von nun an im Paradies der werktätigen Arbeiter und Bauern. Den Völkern "in der Westzone erklärte der Hochkommissar aus den USA: Ihr lebt von jetzt an in der Demokratie des goldenen Westens!

Nach Teilung: Kalte Kriegs - Spielerei

Ab nun stellten sich die Kriegsalliierten, die Europa geteilt, ausgeschaltet und in ihr duales Herrschaftssystem hineingezwungen hatten, von einem Tag auf den anderen als erbitterte Todfeinde dar. Auf beiden Seiten des Eisernen Vorhanges propagierten die Medien den "Kalten Krieg" und trieben die Menschen mit viel Geschick in eine Angstpsychose, indem sie den Dritten Weltkrieg als unvermeidlich an die Wand malten. Mit dieser Finte wurde auf beiden Seiten die rasche und bedingungslose Unterwerfung der Völker unter das neue Regime vollzogen.

Als die freiheitsliebenden Ungarn 1956 versuchten, das System von Jalta zu kippen, hielt das alliierte Bündnis stählern. Die Panzerkommunisten in Moskau mit dem roten fünfzackigen Stern, konnten den Volksaufstand ohne die Yankees fürchten zu müssen, blutig niederwalzen. Die Westkapitalisten in Washington mit dem weißen fünfzackigen Stern, dachten zu keiner Stunde daran, den aufständischen Ungarn beizustehen. Ebenso war es beim Volksaufstand in der sogenannten "DDR" 1953 und beim Aufstand von 1968 in der Tschechoslowakei.

Auch umgekehrt währte das Bündnis von Jalta. Als der Arzt und Volkssozialist Ernesto Che Guevarra meinte, ganz Südamerika von Kuba aus den Washingtoner Kapitalisten entreißen zu können, zog Moskau ihm den Teppich unter den Füßen weg und lieferte ihn kurzum dem US- Geheimdienst ans Messer.

Während das einfache Volk mit Falschinformationen und Kalter Krieg - Spielerei Jahrzehntelang an der Nase herumgeführt wurde, lief es auf "höherer Ebene" ganz anders. Politbonzen, schlitzohrige Diplomaten und gerissene Finanzbosse aus Ost - und West - Block feierten nicht nur alljährlich gemeinsam die Unterwerfung Europas und das völkerverachtende Diktat von Jalta, sondern fädelten gleichzeitig Geschäfte von nie gekanntem Ausmaß ein.

Geschäfts - EI Dorado hinter den Kulissen

Schon in den sechziger Jahren wurde damit begonnen, Mittel - und Westeuropa an die sibirischen Erdgasfelder anzuschließen. Zur selben Zeit wurde auch der elektrische Energieverbund mittels Hochspannungsleitungen zonenüberschreitend für den wechselseitigen Export und Import in Angriff genommen. Bald nach dem Ungarnaufstand im Jahre 1956 begannen westliche Großkonzerne sich die billige Arbeitskraft im sogenannten Ostblock nutzbar zu machen. Die nach 1945 verstaatlichte Kühne - Fabrik in Ungarisch Altenburg (Moson - Magyarovar) z.B. fertigte über Jahrzehnte großteils Komponenten für Bau - und Landmaschinen des US - Konzerns International Harvester Corporation (IHC).

Ein weiteres Beispiel einer verlängerten Werkbank westlicher Konzerne stellten die volkseigenen Betriebe (VEB) "Ernst Thälmann" in der ehemaligen DDR dar. Sie fertigten gut und billig technische Präzisionsteile für Konzerne des Westkapitals an. Auch auf dem

Futtermittel - und Ernährungssektor trieb das Big Business zwischen den hochgerüsteten "Todfeinden" erstaunliche Blüten. Millionen Tonnen exportgestütztes West - Getreide landeten Jahr für Jahr in den Veredelungsbetrieben der Ostkolchosen. Veredelungsprodukte wie Milch, Milchpulver, Butter, Fleisch, Gänseleber, Schinken, Geflügelteile usw. made in COMECON fanden wieder den Weg in die Mägen der West-Bürger.

Ein hoch begehrtes Handelsgut aus dem Osten waren aber auch gefährliche Chemieprodukte. Dafür erhielt der "Ostblock" im Gegenzug fortschrittliche Technologien. Zur selben Zeit als der Hollywoodschauspieler und vierzigste Präsident der USA Ronald Reagan, die Sowjetunion zum "Zentrum des Bösen" erklärte, erreichte das Zinsvolumen der Sowjetunion für Kredite bei Westbanken seinen Höchststand. Über dieses Geschäfts - El Dorado einiger Auserwählter der Ost - West - Connection war in den abhängigen Medien nichts zu erfahren. Dort wurde nur immerzu Kriegshysterie geschürt und das Feindbild Kommunismus bzw. Kapitalismus am Leben erhalten.

Erst Ende der siebziger Jahre als die Kolaboration der Nutznießer von Jalta durch den Betrieb einer gemeinsamen Raumstation namens Skylab vor aller Welt nicht mehr zu leugnen war, begannen die Systemmedien auf beiden Seiten des "Eisernen Vorhanges" verschämt von "Tauwetter" und "Annäherung" zu heucheln. Spätestens jetzt lagen für Jedermann sichtbar die gezinkten Karten der Falschspieler auf dem Tisch.

Die Ost - West Connection baut um

Im. Frühjahr 1981 wurden die Nickelsdorfer durch das Dröhnen bulliger Motoren und das

Rasseln von Gleisketten direkt am Eisernen Vorhang aufgeschreckt. So mancher ältere Jahrgang erinnerte sich sofort an das Jahr 1956, als Sowjetpanzer bei der

Niederschlagung des Volksaufstandes der Ungarn bis zum Eisernen Vorhang vorrollten. Ist das ein Militärmanöver von Panzertruppen oder gar ein Überraschungsangriff des Ostblocks? - fragten sich die Leute. Als in weiterer Folge keine Panzertürme sondern schwere Baumaschinen und umfangreiche Erdbewegungen an der Grenze sichtbar wurden, entspannte sich die Lage wieder. Weil von offizieller Seite nichts zu erfahren war, konnten die Nickelsdorfer nur Mutmaßungen anstellen. Um so größer war für manchen die Überraschung, als klar wurde, dass hier keine moderne Befestigungsanlage entsteht, die vielleicht den alten, verrosteten "Eisernen Vorhang" ersetzen sollte. Ein Jahr später konnte aber jeder sehen: Hier wird kein neues militärisches Sperrobjekt gebaut, sondern im Gegenteil eine 16 spurige Zollabfertigungstelle auf dem Gebiet des Warschauer Paktes. Der Bau dieser großen, modernen Anlage, willkürlich mitten auf freiem Feld eines angeblichen politischen und militärischen Todfeindes, versetzte viele Menschen in offenes Staunen. Besonders als bekannt wurde, dass das Geld dafür vom österreichischen Steuerzahler

stammt. Auf des Rätsels Lösung wozu diese Anlage überhaupt gebraucht wird, mußte die Öffentlichkeit noch mehr als zehn lange Jahre - bis zum Bau der Ost-Autobahn

warten. Denn bis die Ost-West-Connection den Vorhang für das neue Bühnenbild heben konnte, mußte hinter den Kulissen noch ein gröberer Umbau (Glasnost und Perestroika) vorgenommen werden.

Die Satelliten "Staaten" werden ausgeliefert

Erinnern wir uns: Zeitgenau mit dem Ablauf des Abkommens von Jalta wurden im Jahre 1985 in der vormals gefürchteten Sowjet - Union Glasnost und Perestroika also Öffnung und Umbau ausgerufen. Kein geringerer als der Kremlchef und KPdSU - ZK Sekretär Michail Gorbatschow selbst wurde dafür in den Hauptstädten der kapitalistischen Sphäre durch organisierte Massenkundgebungen wie ein Held gefeiert. Auch der US-Amerikanische Saatgutmonopolist Pioneer freute sich und benannte seine neueste Hybridmais - Züchtung nach Gorbatschows Ehefrau "Raissa". Um von den in der Sowjetunion vertragstreu in Gang gesetzten Veränderungen abzulenken und die Figur Gorbatschow öffentlich noch interessanter zu machen, bewies der Kremlchef hohes schauspielerisches Talent. Er reiste samt Gattin und Mitarbeiterstab für einige Tage auf die sonnige Krim. Indessen überboten sich die Medien mit obskuren Spekulationen und wilden "Putsch" - Gerüchten. Als selbst der allmächtige KGB keine Auskunft über den Verbleib des Chefs gab, erreichte die Spannung ihren Höhepunkt. Um so erleichterter war die "Weltpresse" als ihr "Gorbi" wenige Tage später braungebrannt und kerngesund sein Werk pflichtbewußt fortsetzen konnte.

Das erste politische Opfer des abgelaufenen Vertrages von Jalta war der rumänische Staatschef Nicolai Ceausescu. Sein Fehler war es, dass er nach dem Ende der Bevormundung

durch die Sowjets auch noch das drückende Joch des westlichen Bankkapitals los werden wollte. Um sein Land in die Unabhängigkeit führen zu können, begann er die Kredite aus der Zeit des sogenannten "Kalten Krieges" bei den westlichen Banken zu begleichen. Bis

Jahresende 1989 wollte er: "

Wien, 17. 2. 1989) Das war zugleich sein Todesurteil. Sein eigener Staatssicherheitsdienst (Securitate) inszenierte in Eintracht mit den westlichen Geheimdiensten den "Volksaufstand" in Bukarest. Unter dem Vorwand, das Ehepaar Ceausescu vor der planmäßig aufgepeitschten Menge in Sicherheit zu bringen, wurden beide am 22. Dezember 1989 abgeführt und im Schnellverfahren exekutiert. Die westlichen Kredithaie hatten wieder einmal ihr Ziel erreicht. Das "neue Rumänien" bekam frische Kredite zugeteilt und bleibt weiterhin in Schuld und Zinsknechtschaft gefangen.

die

gesamten Westschulden zurückzahlen.". ("Die Presse",

Auf dem Weg in die Kapital - Diktatur

Ein weiterer Dominostein des ehemaligen Ostblocks war die sogenannte DDR. Dieses Staatsgebilde von Jalta mit seinem SED Regime wurde auf originelle Weise liquidiert. Im Sommer 1987 wurden Urlauber aus der sogenannten DDR rund um den Plattensee via ungarischer Medien in deutscher Sprache ermutigt, dass vertragsgemäß in Auflösung befindliche Paradies der Werktätigen in Richtung "Goldener Westen" zu verlassen. Ab diesem Zeitpunkt war klar: Das offiziell noch dem Warschauer Militärpakt angehörende Ostblockland Ungarn war von der Regie der Ost West Connection längst als großes Sammel - und Durchschleusungsgebiet für DDR Bürger auserkoren. Mit tatkräftiger Unterstützung der ungarischen KP-Nomenklatura kehrten so viele DDR-Bürger dem von Erich Honecker verwalteten "Arbeiter und Bauernstaat" den Rücken, dass dieser von Moskau gänzlich ausgeliefert im November 1989 wie ein Kartenhaus zusammenbrach. Das Großkapital hatte wieder einmal ein wichtiges Etappenziel erreicht. Die Wirtschaftsstruktur der ehemaligen DDR teilten die internationalen Kapitalhyänen unter sich auf. Außerdem genehmigten sie

sich bei dieser Gelegenheit mit Hilfe dummer und korrupter Politiker unter der Lug und Trug Formel "Aufbauhilfe Ost" hunderte Milliarden D-Mark "Anschubfinanzierung" aus den Taschen der deutschen Steuerzahler.

Die Beispiele von Moskau, Bukarest, und Berlin-Ost zeigen alle eines: Der Fall des "Eisernen Vorhanges" war kein Zufall vom Himmel herab, sondern das Werk irdischer Regisseure. Das "Wunder" der "Ostöffnung" steht nur am Ende eines in Jalta niedergeschriebenen Aktes einer trügerischen Welt-Bühne. Mit dem offiziellen Bühnenbild der EU - "Osterweiterung" am 1. Mai 2004 ist nur der nächste Akt einer überkommenen altbekannten "Weltordnung" eröffnet. Ihr Symbol bleibt deshalb weiter wie gehabt der alte fünfzackige Stern.

Quelle: Robert Dürr, Mittlere Hauptstraße 36, A-2425 Nickelsdorf / Österreich (5/04)

Anmerkung: Weitere Einzelheiten zur Stützung der oben entworfenen Theorie finden sich bei Gary Allen "Die Insider" Band 1 und 2. Hinsichtlich der Einleitung des Zusammenbruchs der DDR durch Grenzöffnung in Ungarn ist darauf hinzuweisen, daß Stasi-Papiere Hinweise enthalten, wonach die BRD an Ungarn für diese Hilfeleistung drei Milliarden DM über das Rote Kreuz haben soll.

Kernschmelze

Folgen eines Kernschmelzunfalls mit frühem Containmentversagen

Die Folgen eines Kernschmelzunfalls für Bevölkerung und Umwelt werden von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt. Die wesentlichen Einflussgrößen sind Art, Zeitpunkt und Umfang der radioaktiven Freisetzung, die Ausbreitungsbedingungen sowie die Zahl der betroffenen Personen.

Bei einem Kernschmelzunfall in einem Druckwasserreaktor mit frühem Containmentversagen und massiver Freisetzung von Radioaktivität ist zu unterstellen, dass wenige Stunden nach Unfallbeginn unter anderem 50% bis 90% des Inventars an radioaktivem Jod, Cäsium, Tellur und so weiter in die Umgebung gelangen. Rechnungen mit gängigen Ausbreitungsmodellen zeigen übereinstimmend, dass die Eingreifwerte für die Evakuierung der Bevölkerung unter ungünstigen Bedingungen auch in Entfernungen von über 100 Kilometer vom Unfallort erreicht werden können. Die Größe der Flächen, die gemäß Rahmenrichtlinien für den Katastrophenschutz für die Evakuierung vorzusehen sind, kann bis zu 10.000 Quadratkilometer reichen.

Es liegt auf der Hand, dass eine rechtzeitige Evakuierung in einem solchen Fall (innerhalb weniger Stunden) illusorisch ist. Dementsprechend muss nach gängigen Modellen mit einer hohen Zahl akuter Strahlentoter (bis 15.000) und einer noch höheren Zahl von Spätschäden in Form von Krebstoten (bis eine Million) gerechnet werden.

Die Flächen, die langfristig so verseucht sind, dass die Bevölkerung umgesiedelt werden muss, können sich auf bis zu 100.000 Quadratkilometer, also so groß wie die Fläche von Niedersachsen und Schleswig-Holstein zusammen, belaufen. Die wirtschaftlichen Folgen eines maximalen

Reaktorunfalls sind mit einer Schadenssumme von circa 10.000 Milliarden DM abgeschätzt worden.

Aus den geschilderten Abschätzungen ergibt sich, dass ein Reaktorunfall mit Kernschmelzen und frühem Containment-Versagen die Ausmaße einer nationalen Katastrophe annimmt.

Quelle: "Zur Sicherheit von Atomkraftwerken", herausgegeben vom Ministerium für Finanzen und Energie des Landes Schleswig-Holstein

AKW Krümmel

Leukämie in der Elbmarsch: Großflächige Verteilung von Kernbrennstoff im Umfeld der Geesthachter Atomanlagen nachgewiesen. Bisher vertuschter Nuklearunfall wahrscheinlich Auslöser für die Häufung der Kinderleukämien in der Elbmarsch.

Die bei den Geesthachter Atomanlagen südöstlich von Hamburg 1990 und 1991 aufgetretene extreme Häufung kindlicher Leukämieerkrankungen steht jetzt vor ihrer Aufklärung. Auf Grund der inzwischen vorliegenden umfangreichen Untersuchungsergebnisse ist der Auslöser eine ungenehmigte Freisetzung künstlicher Radioaktivität im September 1986, die bisher von den Behörden hartnäckig bestritten wird. Das ergibt sich aus den Beratungen der Leukämiekommission des Landes Schleswig-Holstein, die am 14. Oktober 2002 in dem Elbmarschort Marschacht stattgefunden haben. Ein entsprechender Bericht unter der Herausgeberschaft der Ärztevereinigung IPPNW ist dort vorgelegt worden. Professor Dr. Otmar Wassermann, Vorsitzender der Leukämiekommission, erklärt: "Für mich steht fest, daß im September 1986 eine ungenehmigte Freisetzung künstlicher Radioaktivität stattgefunden hat. Die von der Gutachtergruppe der Professoren Scharmann und Brandt, Dr. Schalch, Dipl.- Ing. Gabriel und anderen (ARGE PhAM) festgestellten Transurane und Spaltprodukte im Erdboden und Dachstaub in der Umgebung der Geesthachter Anlagen stammen aus Mikro-Schwermetallkügelchen, die als sogenannter Pac- Kernbrennstoff identifiziert werden konnten. An diesem besonderen Brennstoff arbeitete die Atomforschung der 70er und 80er Jahre. Offenbar hat man bei Geesthacht mit diesem Material experimentiert, und dabei ist es im September 1986 zu einem Unfall, wahrscheinlich mit einem Brand und einer Verpuffung, gekommen. Man muß davon ausgehen, daß das die wesentliche Quelle einer massiven Strahlenverseuchung in der Umgebung der Atomanlagen östlich von Hamburg war." Damit bestätigen sich jetzt auch die früheren Befunde der Bremer Physikerin Prof. Dr. Inge Schmitz-Feuerhake, die in der Umgebung Transurane nachgewiesen hatte. Auf der Sitzung der Leukämiekommission wurde kritisiert, daß die amtlich veranlaßten Untersuchungen bisher nicht zielgerichtet und mit unzureichender Methodik durchgeführt worden sind. Eine Bestätigung der Befunde der ARGE PhAM liefern dagegen frühere behördliche Bodenuntersuchungen in der Elbmarsch, die im Zusammenhang mit dem Leukämieproblem unternommen worden waren. Bei diesen war ebenfalls angereichertes Uran festgestellt worden, das nur erklärbar ist, wenn nukleartechnische Aktivitäten stattgefunden haben. Betreiber und Aufsichtsbehörden haben dagegen bisher behauptet, bei dem Ereignis habe es sich um einen Aufstau des natürlichen radioaktiven Edelgases Radon gehandelt. In dem der Leukämiekommission jetzt vorgelegten gutachtlichen Bericht wird jedoch gezeigt, daß diese Behauptung ohne sachliche Grundlage ist. Angesichts der nun herrschenden Beweislage empfahlen Rechtsanwälte der Berliner Kanzlei Leistikow der geschädigten Bevölkerung, sich

zusammenzuschließen und mit Hilfe von Sammelklagen gegen Verantwortliche vorzugehen. Dies betrifft sowohl die Familien mit erkrankten Kindern als auch Käufer von Grundstücken. Nach dem Unfall seinerzeit sollen ortsansässige Mitarbeiter der Geesthachter Atomanlagen reihenweise ihre Grundstücke verkauft und dabei den Käufern die ihnen bekannte radioaktive Verseuchung verschwiegen haben.

Quelle: "Kommentiertes Register des Sachgebietes Atomkraftwerk Krümmel, GKSS und Elbmarsch"

BERLIN - Es klingt wie ein Hollywood-Thriller: Bei kerntechnischen Experimenten mit spaltbarem Material passiert ein Unfall. Als Folge wird die Umgebung radioaktiv verseucht. Doch niemand hat ein Interesse an Aufklärung. Im Gegenteil: Alle staatlichen Instanzen vertuschen und leugnen.

So liest sich das Fazit des Kieler Toxikologen Otmar Wassermann zur Leukämie in der Elbmarsch. Der inzwischen emeritierte Professor war vor zwölf Jahren an die Spitze einer Kommission berufen worden. Sie sollte im Auftrag der Landesregierung die Häufung von Leukämiefällen in der Nähe des Atomkraftwerks Krümmel und der Kernforschungsanlage GKSS aufklären.

Wassermann sieht seinen Verdacht auf radioaktive Verseuchung bestätigt, will aber nicht mehr im Dienste der rotgrünen Landesregierung nach Beweisen suchen. Denn in Kiel habe man überhaupt kein Interesse an Aufklärung, behauptete der Wissenschaftler gestern in Berlin. Den Verantwortlichen der Reaktoraufsicht, Staatssekretär Willi Voigt (Grüne), bezeichnete Wassermann als "leere grüne Flasche, die mit Steuergeldern abgefüllt wird". Voigt sei der eigene Posten wichtiger als die Wahrheit.

Aus Protest gab der pensionierte Professor seinen Rückzug aus der achtköpfigen Kommission bekannt, nachdem er dies bereits im Sommer der Landesregierung mitgeteilt hatte. Fünf weitere Mitglieder schlossen sich an. Damit hat sich die Kommission de facto aufgelöst.

Wassermann und seine Mitstreiter sprechen das Atomkraftwerk zwar nicht frei. Sie halten jetzt aber "geheim gehaltene kerntechnische Sonderexperimente" auf dem GKSS-Gelände für die Quelle von 13 kindlichen Leukämiefällen rund um Krümmel seit 1990. Als besonders mysteriös gilt ihnen der Brand in einem kleineren Laborgebäude 1986, zu dem die Unterlagen verschwunden seien. "Es gibt genügend Hinweise, dass hier etwas passiert ist", meint Wassermann, aber "man hat versucht, alles zu vertuschen".

Als Motiv vermutet Professor Edmund Lengfelder Angst vor Schadenersatz. Die Landesregierung konterte, fünf externe Gutachten seien zu dem Ergebnis gekommen, dass es keine Anzeichen für radioaktive Verschmutzung in der Elbmarsch gebe.

Quelle: "Lübecker Nachrichten" vom 2.11.2004 (Arnold Petersen: "Wurde Atom-Unfall vertuscht?"

Anmerkung: Wie bereits an anderer Stelle dieser Homepage berichtet wurde, hat es Prof. Dr. Wassermann nie leicht gehabt mit der schleswig- holsteinischen Landesregierung. Er wurde sowohl von Barschel als auch von Simonis "gemobbt". Eine ehemalige Landesministerin berichtete, die Ministerpräsidentin Simonis habe vor Jahren im kleinen Kreis sinngemäß geäußert: "Den Wassermann, den machen wir fertig, der arbeitet nicht für uns!"

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