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Physikalische Therapie

Physikalische Therapie hat viele Einsatzgebiete. Die Therapieformen dienen der Heilung
(Curation), Linderung (Palliation), Vorbeugung (Prävention) oder Wiederherstellung
(Rehabilitation) von beeinträchtigten Körperfunktionen.
Physikalische Therapien helfen...
 in der Ersten Hilfe: zum Beispiel nach Verstauchungen
 bei Schmerzen aller Art: Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, schmerzbedingten Fehl-
und Schonhaltungen
 bei Beschwerden der Muskulatur: z. B. bei Verspannungen im Rücken- und
Nackenbereich oder bei Muskelschwäche
 bei Einschränkungen der Beweglichkeit: z. B. bei Funktionseinschränkungen,
Haltungs-, Überbelastungsschäden, Abnützungserscheinungen (Arthrose) an
Gelenken oder bei entzündlich- rheumatischen Erkrankungen (Arthritis)
 bei Durchblutungsstörungen: zum Beispiel der Beine

 bei Hauterkrankungen: wie Schuppenflechte (Psoriasis), Neurodermitis oder schlecht
heilenden Wunden
 bei Beschwerden der Atemwege: zum Beispiel bei COPD
 
 bei Osteoporose: Bei Osteoporose werden Muskeln und Knochen gekräftigt

 
 in der Rehabilitation: z. B. nach Unfällen oder Operationen

Folgende Methoden können in der physikalischen Therapie zum Einsatz kommen:


 Hydrotherapie - therapeutische Anwendung von Wasser und Balneotherapie -
therapeutische Anwendung speziell von Bädern
 Thermotherapie - therapeutische Anwendung von Kälte und Wärme
 Elektrotherapie - therapeutische Anwendung von elektrischem Strom
 Mechanotherapie - therapeutische Anwendung von Bewegung
 Ultraschalltherapie - therapeutische Anwendung von Schallwellen
 Massage - therapeutische Anwendung von Handgriffen
 Lichttherapie - therapeutische Anwendung von Licht
 Phototherapie - therapeutische Anwendung von blauem
 Licht Heliotherapie - therapeutische Anwendung von UV
 Licht Lasertherapie - therapeutische Anwendung von Laserlicht

Phototherapie
Phototherapie (Lichttherapie) findet unter zwei Begriffen Anwendung:
PUVA-Lichttherapie (Photochemotherapie) bzw. UVB-Lichttherapie in der
Dermatologie: Dabei werden erkrankte Hautareale mit UV-Licht verschiedener
Wellenlängen bestrahlt. Sie kommt allein (UV-Phototherapie) oder in Kombination mit
medikamentösen Therapien (Photochemotherapie, PUVA) zum Einsatz, u.a. bei
Hautkrankheiten wie Psoriasis, Neurodermitis oder Vitiligo. Als die wesentlichen
Wirkmechanismen werden derzeit eine Regulation des Immunsystems, die Elimination
schädlicher Zellen (Apoptose) sowie eine Beeinflussung des Kollagenstoffwechsels
angenommen.
Hydrotherapie
ist die methodische Anwendung von Wasser zur therapeutischen Behandlung akuter oder
chronischer Beschwerden, zur Stabilisierung von Körperfunktionen (Abhärtung), zur
Vorbeugung, zur Rehabilitation und/oder zur Regeneration. Vor allem wird der
Temperaturreiz des Wassers genutzt, weniger der Druck oder der Auftrieb als
therapeutischer Reiz.
Verwendet wird Wasser in allen drei Aggregatzuständen: Eis, kaltes/ temperiertes/warmes
Wasser und Dampf.
Anwendungsformen
• Waschungen
• Wickel, Auflagen und Kompressen, Packungen
• Güsse
• Bäder (Teil- und Vollbäder) mit und ohne Zusätze
• Sauna, Dampfbäder

• Kneippsche Güsse oder Flachgüsse: mit geringem Druck zielt ein Wasserstrahl auf Arme,
Bein, Rücken, Gesicht etc.
• Druckstrahlgüsse oder Blitzgüsse: ein Wasserstrahl wird mit mittlerem oder starkem
Druck (bis 3 bar) auf den Körper gerichtet.
• Wickel und Packungen: auf ein feuchtes Innentuch, das entweder nur einzelne
Körperstellen oder mehr als 50 % der Körperoberfläche bedeckt, wird mit einem
trockenen Innen- und Außentuch abgedeckt.
• Abreibungen: ein feuchtes Tuch wird auf das betroffene Körperteil gelegt und mit der Hand
abgerieben, um die Durchblutung anzuregen.
• Bewegungsbad: bei Wirbelsäulenerkrankungen oder Frakturen werden im Wasser
gymnastische Übungen, manchmal in Kombination mit Unterwasser-
druckstrahlmassagen, durchgeführt.
• Bäder: man unterscheidet Teilbäder, bei denen Arme und Beine kaltem und/oder heißem
Wasser ausgesetzt werden, und Bürstenbäder, bei denen der Patient mit Bürsten
massiert wird, oder das Stangerbad, bei dem das Wasser in der Wanne Gleichstrom
leitet. Der sanfte Stromreiz wirkt schmerzlindernd und durchblutungsfördernd.
• Dauerbrause: warmes Wasser wird über einen Duschkopf oder einer Duschhaube bis zu
einer Stunde appliziert.
• Dämpfe: die Patienten werden heißem Wasserdampf ausgesetzt, der eventuell mit
Kräutern versetzt ist, auch in Saunen oder türkischen Dampfbädern (Hammam).
• Armbäder: kalt bei nervösen Herzbeschwerden, Hypertonie; warm (36–37 °C) bis heiß
(38–42 °C) zur Entspannung bei Muskelschmerzen sowie zur Vorbereitung von
Blutentnahmen bei mangelnder Durchblutung.
Thermisch definierte Badformen: kalt < 33 °C – thermoneutral – 38 °C > heiß

Thermotherapie wird in Wärme- und Kältetherapie unterteilt.

Wärmetherapie
Bei dieser Therapieform wird Wärme entweder mittels Strahlung oder Wärmeleitung
zugeführt:

 Heißluft
 Ultraschall-Wärmetherapie
 Infrarotstrahlung
 Auflagen, Wickel, Packungen, z. B. Heiße Rolle
 Heusack
 Warmpackungen – z. B. Fango, Schlick oder Moor
 Voll- und Teilbäder

Wärme wirkt schmerzlindernd, entspannend, fördert die Durchblutung und regt den
Stoffwechsel an.

Bereits Temperaturen zwischen 38-40°C sind ausreichend.


Die Durchblutungssteigerung bewirkt eine bessere Versorgung der Gewebe mit Sauerstoff
sowie Nähr- und Vitalstoffen (Makro- und Mikronährstoffe)* und ebenso einen besseren
Abtransport von Abfallprodukten des Stoffwechsels.
Gleichzeitig kommt es insbesondere bei Bädern zu einer deutlichen seelischen
Entspannung, die ebenfalls positiv auf den gesamten Körper wirkt.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
Bewegungsapparat

 Chronischen Gelenks- und Wirbelsäulenveränderungen


 Chronischer Gelenkentzündung
 Gelenk- und Muskelzerrungen
 Nach Verletzungen oder Operationen am Bewegungsapparat
 Prellungen

Innere Organe
 Chronischer Darmentzündung
 Chronische Prostatitis (Prostataentzündung)
 Chronische Adnexitis (Eierstockentzündung)
 Erkrankung der Gallenblase
 Krampfartige Bauchschmerzen

Kältetherapie

Die Kälte kann entweder direkt mittels Eis oder indirekt mittels Kaltgas oder Kaltluft
appliziert werden:

 Eiskompressen
 Eis- oder Gelbeutel
 Eismassage
 Eisabtupfung
 Kaltgas und Kaltluft
 Eisteilbäder für Füße oder Arme
 Kalte Güsse
Die Kältetherapie kann kurzzeitig die Reizweiterleitung unterbinden oder verlangsamen und
so Schmerzen ausschalten.

Nach Verletzungen oder Operationen führt Kälte dazu, dass Schwellungen vermieden
werden.

Auch bei Lähmungen wird die Kältebehandlung eingesetzt.

Kälte führt des Weiteren zur Entzündungshemmung, weswegen oftmals bei Entzündungen
„kühlen“ als Mittel der Wahl gilt.
Indikationen (Anwendungsgebiete)

 Akute entzündliche Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen


 Akutes Rheuma
 Autoimmunerkrankungen
 Lymphangitis – Entzündungen der Lymphwege
 Erstbehandlung stumpfer Verletzungen
 Fiebersenkung
 Kollagenosen (Gruppe von Bindegewebserkrankungen, die durch
Autoimmunprozesse bedingt sind) – systemischer Lupus erythematodes (SLE),
Polymyositis (PM) bzw. Dermatomyositis (DM), Sjögren-Syndrom (Sj), Sklerodermie
(SSc) und Sharp-Syndrom ("mixed connective tissue disease", MCTD)
 Nach Verletzungen oder Operationen am Bewegungsapparat
 Thrombophlebitis – oberflächliche Venenentzündungen
 Spastische Spannungszustände der Muskulatur – z. B. bei Multipler Sklerose (MS)

Mechanotherapie

Unter Mechanotherapie verstehen wir die Anwendung mechanischer Kräfte zu


Heilzwecken. Zu diesen Kräften gehört in erster Linie die Bewegung, dann aber auch
Druck, Stoß, Reiben u. dgl. Die Bewegungen können von dem Kranken mit eigener
Muskelkraft ausgeführt werden oder sie werden ohne Zutun des Kranken durch die Hand
des Gymnasten oder einen Apparat bewirkt. Im ersten Fall sprechen wir von aktiver, im
zweiten Fall von passiver Bewegungstherapie oder Heilgymnastik.
Was beinhaltet die Mechanotherapie?
Krankengymnastik
Die Krankengymnastik stellt eine sehr wichtige und aktive Behandlungsform dar. Häufig
verursachen Schädigungen durch verkürzte Muskelgruppen und Ungleichgewichte in der
Muskulatur (muskuläre Dysbalancen) erhebliche Schmerzen. Durch gezielte
Bewegungsübungen können diese Schädigungen behoben werden. Diese Bewegungen
wirken schmerzlindernd, kräftigen und entspannen die Muskulatur und verbessern somit die
Funktion der Bewegungsorgane.

Balneotherapie

Die Balneotherapie umfasst die therapeutische Nutzung von Bädern und der darin
enthaltenen Wirkstoffe. Sie zählt zu den kurortspezifischen Therapien.
Das Baden im warmen Heilwasser weist folgende Wirkungen auf:
 Stressreduktion
 Muskelentspannung
 Linderung von Schmerzen
 Steigerung der Blutzirkulation, periphere Vasodilatation
 Erhöhung des cardiac-outputs bei gleich bleibenden Blutdruckwerten
 Verbesserung des Hautbildes, Förderung der Abschuppung

Die wichtigsten Heilbäder sind:


 Bewegungsbad: Muskeltraining u.a. bei Arthritis, Osteoporose
 Moorbad: Torf gibt die Wärme nur sehr langsam ab, weswegen hiermit so genannte
Überwärmungsbäder durchgeführt werden.
 Kohlensäurebad: Steigerung der Durchblutung und Senkung
des Blutdruckes durch Kohlendioxid-haltiges Wasser.
 Sauerstoffbad: Sauerstoff führt duch das Sprudeln zu einer Steigerung der Durchblutung
 Solebad: Salzwasser wird in der Rheumatherapie und bei
diversen Hautkrankheiten eingesetzt.
 Schwefelbad: Schwefel wirkt durchblutungsfördernd
und antibakteriell bei Psoriasis und Ekzemen.
 Inhalationsbad: Bei Erkrankungen der Atemwege werden dem Wasser ätherische Öle
zugefügt.

Stromtherapie
Die Elektrotherapie wird eingesetzt um die Durchblutung zu fördern, Schmerzen zu
beseitigen, Entzündungen zu hemmen und Muskelverspannungen zu lösen.

Bei der Elektrotherapie werden Gleichstrom, niederfrequente oder hochfrequente


Stromformen zur Schmerzlinderung eingesetzt. Hauptsäch
licher Anwendungsbereich sind alle akuten und chronischen Schmerzzustände bei
chronisch degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates und chronischen
Entzündungsprozessen.

Folgende Anwendungsformen können zum Einsatz kommen:

Unter Galvanisation versteht man einen Gleichstrom, also einen nur in eine Richtung
fließenden elektrischen Strom (im Gegensatz zum Wechselstrom aus der Steckdose). Der
Gleichstrom führt im menschlichen Körper zu verschiedenen physikalischen und
chemischen Reaktionen. Die wiederum zu einer vermehrten Durchblutung im
Behandlungsgebiet führen. Weiters können an Nerven das Schmerzempfinden und die
Schmerzweiterleitung verringert werden. Diese analgetische (=schmerzlindernde) Wirkung
des elektrischen Stromes ist eines der Haupteinsatzgebiete.
Auch können Stoffwechselprozesse und in der Folge Heilungs- und
Regenerationsprozesse gefördert werden. Im Bereich der Muskulatur wird die
Muskelentspannende und krampflösende Wirkung eingesetzt. Der Gleichstrom ist auch in
der Lage schmerzlindernde, entzündungs- hemmende Medikamente in den Körper zu
transportieren, die ohne ihn nur in geringem Maß durch die Haut in den Körper eintreten
könnten. Dies nennt man Iontophorese.

Bei der Impulsgalvanisation handelt es sich um einen Gleichstrom, der -wie schon der
Name sagt - aus Impulsen besteht (im Gegensatz zur gleichförmig fließenden
Galvanisation) und unterschiedliche Frequenzen haben kann. Die Impulsgalvanisation
gehört zu den sog. Reizströmen zu denen auch die diadynamischen (oder Bernard´sche)
Ströme, diverse frequenzmodulierte Ströme (=FM), Der Schwellstrom, der
Exponentialstrom, der Träbert´sche Strom, die TENS Ströme u.a zählen.
Die Schwellstrom eignet sich besonders zur gezielten Kräftigung einzelner Muskelgruppen
insbesondere auch nach operativen Eingriffen wo unmittelbar danach ein „aktives“ Training
noch nicht erlaubt ist.
Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) ist heute schon in Eigenbehandlung
durchführbar. Der Patient erhält nach einer entsprechenden Einweisung des behandelnden
Arztes für eine bestimmte Zeit ein eigenes Gerät.