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Die Hasanaginica ist eine berühmte lyrisch-epische Volksballade, die zwischen 1646 und 1649 in der Region

um die heutige Region Imotski entstanden ist. Sie wurde von Generation zu Generation mündlich
weitergegeben, bis sie der italienische Reiseschriftsteller und Ethnograf Alberto Fortis 1774 vor dem
Vergessen bewahrte: Erstmals wurde sie in Venedig unter dem Namen „Illyrische Ballade“ in dem Buch Reise
durch Dalmatien veröffentlicht. Es folgten Übersetzungen in verschiedene Sprache, unter anderem wurde der
„Klaggesang von der edlen Frauen des Asan Aga“ von Johann Wolfgang Goethe, Walter Scott, Adam
Mickiewicz und Alexander S. Puschkin übersetzt

Eine erste deutsche Übersetzung von J.W. Goethe (1775) erschien in Herders “Volkslieder nebst
untermischten anderen Stücken” (später als “Stimmen der Völker in Liedern”) 1778. Obwohl Goethe selbst
kein Bosnisch sprach und seine Übersetzung relativ frei war, gelang es ihm, den Rhythmus des Originals
beizubehalten. Dieses Interesse an Volksliteratur auch anderer Völker war typisch für die damalige Zeit und
fand einen Höhepunkt dann in der Romantik.

Eine kurze Zusammenfassung der Ballade

Der türkische Offizier Asan liegt verwundet in den Bergen. Es besuchen ihn seine Mutter und
Schwester doch die Ehefrau Asanaginica kämpft zu Hause mit der Scham und traut sich nicht ihren
verwundeten Ehemann zu besuchen, sondern erwartet ihn mit fünf Kindern zu Hause. Der
Ehemann Asan wütend vor Zorn teilt der Ehefrau mit, sie solle auf ihn nicht „im Hof und
Verwandtschaft“ warten. Der gekränkte Bruder von Asanaginica entführt seine Schwester von den
fünf Kindern und bringt sie ins Elternheim zurück. Nach der Hand der guten Ehefrau von Asan
fragen viele, doch der Bruder verheiratet sie gegen ihren Willen mit dem Kadija (Richter) in
Imotski.

Die Hochzeitsgäste führen die unglückliche Asanaginica in Richtung Imotski. Sie bittet sie vor
dem Haus ihrer Kinder anzuhalten um sie mit Geschenken zu bescheren. Das alles sieht der
Ehemann Asan aus dem Fenster mit an, unglücklich, weil ihm der Hochzeitszug seine geliebte
Ehefrau und die Mutter seiner Kinder wegführt. Die edelmütige Asanaginica beschert ihre Kinder
und hört den lauten Vorwurf ihres Ehegatten und fällt tot um. Die Kinder bleiben ohne Mutter,
Asan ohne seine geliebte Frau und der Hochzeitszug ohne Braut.

Kurze Interpretation

Die ganze Ballade (Geschichte) wurde von einem (einer) Volksdichter (Volksdichterin) in 93
Zehnsilbern ausgedrückt und „das Rätsel Hasanaginica dauert noch immer“. Der Entschluss des
Bruders, die Schwester, Mutter von fünf Kindern, ohne ihren Willen noch mal zu verheiraten, ist
ein dramatisches Crescendo und eine Ankündigung einer Tragödie einer edelmütigen Mutter und
treuen Ehefrau. Romeo und Julia aus Imotski wurden nach einer langjährigen, glücklichen und mit
gesunden Kindern gesegneten Ehe, zertrennt, durch menschlichen Neid, Eifersucht und Bosheit. Es
wird die Welt des Edelmutes und des Guten zerstört und die Welt des Bösen, des Unglücks und
des Todes aufgebaut.