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Das Klima und seine Veränderungen

Ulrich Wolff
Mai 2009

Eine der wichtigsten Kenngrößen für das Klima ist die Temperatur an der Erdoberfläche.
Gemessen wird gewöhnlich die Temperatur der Luft in einer Höhe von 2 m über der
Erdoberfläche. Der globale Mittelwert beträgt gegenwärtig etwa 15 ℃. Diese mittlere
Temperatur hängt u. a. ab von der Energiezufuhr durch Strahlung von der Sonne und durch
Wärmeleitung aus dem Erdinneren, von dem Energieverlust durch die Wärmestrahlung der
Erdoberfläche, von den Veränderungen der Aggregatzustände der beteiligten Materie und von
der Zeitspanne zwischen Absorption und Emission von Strahlung. Die Größe dieser
Zeitspanne wiederum hängt ab von der gespeicherten Energiemenge, den
Energiewandlungen, den Energieübertragungsvorgängen und den thermomechanischen
Transportvorgängen in der Atmosphäre (1).
Erwärmung oder Abkühlung ergibt sich aus dem Vorzeichen der Energiebilanz an der
Erdoberfläche. Die Klimageschichte der letzten 600 000 Jahre zeigt, dass sich die mittlere
Temperatur an der Erdoberfläche zyklisch innerhalb einer Bandbreite von 10 -15 ℃ verändert
hat, lokale Schwankungen erreichten sogar fast 150 ℃. Auch während der seit etwa 15 000
Jahren andauernden Warmzeit wurden deutliche Veränderungen beobachtet.
Grundlage der gegenwärtigen Lehrmeinung zur Beschreibung des Klimaverhaltens ist
dagegen die Vermutung, dass die Temperatur an der Erdoberfläche im Wesentlichen von der
Strahlungs-Energiebilanz abhängt, die sich aus der Absorption von kurwelliger Strahlung der
Sonne und der unmittelbar folgenden Ausstrahlung langwelliger Wärmestrahlung ergibt (2).
Nach dieser Vorstellung absorbiert die kalte Oberfläche der Erde die Strahlung aus der heißen
Oberfläche der Sonne und erwärmt sich solange, bis die abgestrahlte und eingestrahlte
Energiemenge die gleiche Größe erreichen. Die absorbierte Solarenergie wird demnach ohne
zeitliche Verzögerung wieder in den Weltraum emittiert. Eine Berechnung mit dem Ansatz
einer räumlich und zeitlich konstanten Temperatur an der Erdoberfläche und in der
Atmosphäre zusammen mit der Vermutung, dass die Energiebilanz der Erde stets
ausgeglichen sei, soll den Zusammenhang zwischen Strahlungsenergie und Temperatur
herstellen. Die auf diese Weise berechnete mittlere Oberflächentemperatur weicht bekanntlich
um 33 ℃ von einem aus Messungen ermittelten Wert ab. Die Ursache der Abweichung wird
nicht in einem ungeeigneten Modellansatz gesucht, sondern die errechnete Differenz dient
sogar als Basis für die postulierte quantitative Wirkung physikalischer Effekte. Auf diese
Weise werden sogenannte atmosphärische Treibhauseffekte mit einer mehrfachen
Verwendung der Solarenergie erklärt, die von Spurengasen in der Atmosphäre durch eine
„Rückstrahlung“ verursacht werden soll.
Tatsächlich ist die Strahlungsbilanz nur eine der Einflussgrößen auf die Temperatur nahe der
Erdoberfläche. Das einfache Modell muss versagen, weil in der realen Welt das Klima erst
durch die Wirkung einer Vielzahl komplexer Vorgänge auf der Erde und in der Atmosphäre
entsteht und weil der Zusammenhang zwischen Energie und Temperatur vieldeutig ist.
Die Strahlungsbilanz der Erde
Die Strahlung der Sonne wird von den Gasen an ihrer Oberfläche ausgestrahlt. Aus der
Gastemperatur von etwa 5 900 ℃ und der Gaszusammensetzung ergeben sich die
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Strahlungstemperatur und das Linienspektrum der Solarstrahlung. Die Intensität der auf die
Atmosphäre auftreffenden Solarstrahlung, die Solarkonstante, beträgt vereinbarungsgemäß
gegenwärtig 1367 W/m2. Tatsächlich verändert sich dieser Wert saisonal geringfügig, da der
Abstand zur Sonne gegenwärtig zwischen 147,1 – 151,1 x 106 km variiert. Die Abweichung
der Erdbahn von der Kreisform verändert sich darüber hinaus regelmäßig in sehr langen
Zeiträumen. Weitere Veränderungen der Intensität der Solarstrahlung ergeben sich u. a. aus
der Sonnenfleckenaktivität. Im Jahresmittel bleibt der Einfluss dieser Veränderungen auf die
Solarkonstant6e insgesamt jedoch innerhalb einer Bandbreite < 5 W/m2.
Der Beitrag der Erdwärme hängt von der Radioaktivität der Erdmaterie, der
Wärmeübertragung in der Erdkruste und von der Temperatur an der Erdoberfläche ab. Der
Beitrag der Erdwärme ist jedoch mit gegenwärtig nur etwa 0,06 W/m2 vernachlässigbar klein.
Die Größe der Energiezufuhr zur Erde ergibt sich als Differenz zwischen der Einstrahlung in
die Atmosphäre und dem Strahlungsanteil, der ohne Energieverlust direkt in den Weltraum
reflektiert wird. Es kann nur Strahlung absorbiert werden, die nicht zuvor reflektiert worden
ist. Daher kann sich die Menge der absorbierten Strahlungsenergie nur ändern, wenn sich die
Reflexionseigenschaften oder die Einstrahlung selbst verändern. Veränderungen der
Absorptionseigenschaften können dagegen unmittelbar nur auf die Klimadynamik einwirken,
z. B. auf den Zeitraum zwischen Absorption der Solarenergie und ihrer Abstrahlung nach
einer Reihe von Energiewandlungen, Transport- und Speichervorgängen. Diese Vorgänge
haben wesentlichen Einfluss auf die Temperatur, die sich an der Erdoberfläche einstellt.
Eine Wechselwirkung von Teilen des Spektrums der Solarstrahlung oberhalb der
Troposphäre mit den Gasatomen der Atmosphäre, überwiegend mit Stickstoff und Sauerstoff,
bewirkt eine Energiewandlung verbunden mit einer Umwandlung von kurzwelliger in
langwellige Strahlung und einer Ionisation einzelner Atome. Nach Messungen der NASA (3)
wird dabei ein ursprünglich auf die Erdoberfläche gerichteter Strahlungsanteil von 16 % über
den Raumwinkel gestreut. 6% der Solarstrahlung gelangen in den Weltraum, etwa 10 %
setzen ihren Weg in Richtung auf die Erdoberfläche mit einem veränderten Spektrum und
einer verringerten Strahlungstemperatur fort. Als Folge der Coulomb Kräfte bewirkt die
Ionisation eine Temperaturerhöhung bis auf einen Höchstwert von etwa 0 ℃ im Bereich der
Stratopause. Die Größe des betroffenen Anteils der Solarstrahlung hängt nur ab vom
Spektrum der Sonnenstrahlung und dem Verhältnis von Sauerstoff- und Stickstoffatomen in
der Atmosphäre. Die Molekülstruktur und Atome anderer Elemente haben bei diesem
Vorgang keinen signifikanten Einfluss.
Das nächste Hindernis für die verbleibende Solarstrahlung sind die Wolken. Die aus der Optik
gut bekannte Totalreflexion und Beugung an den Wassertröpfchen bewirken gegenwärtig die
Reflexion von 20 % der auftreffenden Strahlung in den Weltraum. Weitere 4 % werden durch
die gleichen Effekte von den Wasser-, Schnee- und Eisflächen an der Erdoberfläche
reflektiert.
Insgesamt 70 %, bzw. 957 W/m2 werden absorbiert. Nur bei 60 % bzw. 820 W/m2 blieb die
Strahlungstemperatur von 5 900 ℃ erhalten. Bei 10 % der Strahlung, bzw. 137 W/m2, ist die
Temperatur der Strahlung als Folge der Energiewandlungen auf kleinere Werte abgesunken.
Dieser Anteil der absorbierten Solarstrahlung kann daher nicht mehr gleichwertig zur
Erwärmung beitragen, sondern zu einem Teil lediglich die Abstrahlung von der Erdoberfläche
verringern, also die Verweilzeit der Energie vergrößern. Das gilt zum Beispiel für 3 % der
gegenwärtig von den Wassertröpfchen der Wolken absorbierten Energie (3). Die Temperatur
der von Tröpfchen im Raumwinkel ausgesandten Strahlung ist mit Ausnahme von
Inversionswetterlagen kleiner als die Temperatur an der Erdoberfläche.
  3 

Kugelform und Rotation der Erde reduzieren die absorbierte Solarenergie auf einen
Mittelwert von 240 W/m2. Für die Erwärmung uneingeschränkt wirksam ist davon nur ein
Anteil von 205 W/m2. Eine „Rückstrahlung“ durch Kohlendioxid oder andere dreiatomige
Gase als Folge einer Mehrfachstreuung der von der Erdoberfläche emittierten Strahlung in
einigen Frequenzbereichen kann diesen Sachverhalt nicht verändern. Die
Strahlungstemperatur kann nicht ansteigen, sondern lediglich absinken oder allenfalls gleich
bleiben. Eine solche Rückstrahlung kann daher keine Temperaturerhöhung an der
Erdoberfläche erzeugen. Sie kann auch nur eine unbedeutende Größe erreichen, weil lediglich
Spurengase mit Mehrfachstreuung auf einen kleinen Anteil des Emissionsspektrums der
Erdoberfläche einwirken.
Ohne Wolkenbildung würde sich der uneingeschränkt wirksame Anteil der absorbierten
Energie um etwa 19 % von gegenwärtig 205 W/m2 auf 270 W/m2 erhöhen, die insgesamt
absorbierte Energiemenge entsprechend von 240 W/m2 auf 305 W/m2. Dabei wird
berücksichtigt, dass sich durch den Wegfall einer Reflexion von 20 % der Solarstrahlung
durch Wolken die Reflexion an der Erdoberfläche von 4 % (3) auf etwa 5 % erhöhen würde.
Ebenfalls Einfluss auf das Klima hat der Staubgehalt in der Atmosphäre. Die Absorption von
Solarstrahlung in der festen Materie führt zu einer Erwärmung allerdings bei Temperaturen,
die deutlich niedriger sind, als die Temperatur der Erdoberfläche. Die absorbierte Energie
wird daher als Folge der Wandlung „entwertet“, die Hälfte wird in den Weltraum
ausgestrahlt. Als Kondensationskerne verringern Staubpartikel eine Verzögerung der
Wolkenbildung.
Die Energiezufuhr zur Erde wird durch folgende Effekte wesentlich beeinflusst:
Der größte Einfluss entsteht durch die Reflexionswirkung der Wolken. Ohne Wolken würde
die Energiezufuhr 305 W/m2 betragen. Mit der gegenwärtigen Wolkenbedeckung von 20 %
sind das 240 W/m2. Eine Wolkenbedeckung von 100 % würde die Energiezufuhr zur
Erdoberfläche auf einen Wert < 24 W/m2 verringern. Die in der Klimageschichte
beobachteten Schwankungen der Intensität der eintreffenden Solarstrahlung bewegen sich
dagegen nur in einer Bandbreite < 5 W/m2. Der Einfluss von Änderungen der
Reflexionseigenschaften der Erdoberfläche ist mit einer Bandbreite < 2 W/m2 noch deutlich
kleiner.
Der Einfluss der Wolken
Die Reflexion der Wolken liefert mit 20 % der Solarstrahlung den weitaus größten Beitrag.
Als Ursache für diesen Effekt kommen die Gase der Luft nicht in Betracht, weil sich deren
Konzentration bei der Wolkenbildung nur unwesentlich verändert. Auch die Wassermenge im
Wolkenvolumen ändert sich bei einer Tropfenbildung kaum. Als Ursache kommt daher nur
eine spezielle Eigenschaft der Tropfen in Frage, das ist ihre Form. Die Totalreflexion und
Beugung von Strahlung sind die wirksamen physikalischen Effekte. Eine Strahlung, die aus
dem Vakuum oder einem Gas auf die Oberfläche einer Flüssigkeit auftrifft verändert ihre
Richtung. Die Strahlung wird vollständig reflektiert, wenn der Winkel zur Oberfläche einen
Grenzwinkel unterschreitet. Bei diesem Vorgang ist der Austrittswinkel gleich dem
Eintrittswinkel. Die gekrümmte Oberfläche der Wassertröpfchen verändert die
Strahlungsrichtung. Nach einer Vielzahl von einzelnen Reflektionsvorgängen wird die
Strahlung schließlich vollständig in den Weltraum umgelenkt.

Die spezifische Reflexion einer Wolkenfläche steigt daher im Verlauf ihrer


Entstehung in Abhängigkeit von der wachsenden vertikalen Ausdehnung sehr schnell von
Null auf 100 % an, wenn eine hinreichende Schichtdicke erreicht ist. Das zeigen z. B. die
  4 

Messungen am Wettermast Hamburg für jedermann nachvollziehbar (4). Das menschliche


Auge kann diesen Effekt nicht wahrnehmen, weil sich die Wirkung der Pupille der
Verringerung der Lichtstärke anpasst. Eine Gesamtreflexion der Wolken in Höhe von 20 %
der Solarstrahlung stellt sich ein, wenn die durchschnittliche Wolkenbedeckung der
Erdoberfläche einen Anteil von etwa 20 % erreicht. Eine Wolkenbedeckung von 100 %
würde auch die Reflexion der Wolken auf 100 % erhöhen und die Erdoberfläche mit
Ausnahme der oberhalb der Tropopause entstandenen langwelligen Strahlung gegen die
kurzwellige Einstrahlung der Sonne abschirmen. Ohne Wolken würde die absorbierte Menge
der Solarenergie von gegenwärtig 240 W/m2 auf etwa 305 W/m2 ansteigen.

Wolken entstehen in der Luft, wenn Wasserdampf zu Tröpfchen kondensiert. Das geschieht,
weil die Sättigungsmenge für Wasser überschritten wird, wenn sich die Luft hinreichend
abkühlt. Die Größe der Sättigungsmenge hängt sehr stark von der Lufttemperatur ab. Die
Sättigungsmenge von Wasser in Luft beträgt 4,85 g/m3 bei 0 ℃, steigt auf 12,84 g/m3 bei
15 ℃ an und erreicht 42,42 g/m3 bei 30 ℃.

Die Ursache für solche Abkühlungsvorgänge sind gut bekannte thermo-mechanische


Vorgänge in der Atmosphäre. Dazu zwei typische Beispiele: Selbst bei Windstille
erwärmt sich Luft an der Erdoberfläche tagsüber, nimmt Wasser auf und steigt auf. In der
Nacht sinkt die Lufttemperatur, weil die Wärmezufuhr vom Erdboden abnimmt und die
Wärmeableitung nach oben andauert. Wenn bei diesem Vorgang die Sättigungsmenge
überschritten wird, bilden sich Wolken oder Nebel. Die Temperaturdifferenz zwischen der
Äquatorzone und den Polargebieten bewirkt eine stabile Luftströmung. Auf dem Weg vom
Äquator zum Pol sinkt die Temperatur der Luft ab. Das geschieht im Wechsel von
Abkühlungs- und Erwärmungsvorgängen. Bei jedem einzelnen Abkühlungsvorgang bilden
sich Wolken, wenn dabei der Sättigungsgehalt von Wasser überschritten wird.

Der beschriebene Sachverhalt hat erhebliche Konsequenzen sowohl für das Verständnis der
Beobachtungen zur Klimageschichte der letzten 600 000 Jahre als auch für die in der
Zukunft zu erwartenden Veränderungen.

In der Klimageschichte wurde ein regelmäßiger Wechsel zwischen Eiszeit- und


Warmzeitperioden beobachtet (5). Die Schwankungsbreite der Temperatur betrug etwa 10 ℃
zwischen einer mittleren Minimaltemperatur von etwa 5 ℃ und der gegenwärtigen
Temperatur von 15 ℃. In (1) wird dieses Verhalten als eine Schwankung zwischen zwei
instabilen Zuständen des Klimasystems verstanden, deren Ursache in der Wirkung der im
Klimasystem beobachteten thermo-mechanischen Vorgänge gesucht werden muss.
Zur Abschätzung der Größe des Wolkeneinflusses auf die in der Klimageschichte
beobachteten Änderungen wird die Änderung der Sättigungsmenge von Wasser in Luft
benutzt. Der Einfluss der Dynamik des Klimaverhaltens auf die Wolkenbildung lässt sich auf
Grund der Komplexität der Vorgänge leider nicht quantifizieren.
Bei einer Temperatur von 15 ℃ beträgt die Sättigungsmenge von Wasser in Luft 12,84 g/m2
bei 5 ℃ 6,80 g/m2. Eine Absenkung der Temperatur von 15 ℃ auf 5 ℃ verringert den
Wassergehalt der Atmosphäre daher um 47 %. Wegen der Nichtlinearität des
Zusammenhangs zwischen Temperatur und Sättigungsmenge wird durch den Ansatz einer
mittleren Temperatur anstelle der räumlichen Temperaturverteilung der tatsächliche
Unterschied in den mittleren Sättigungsmengen sogar konservativ unterschätzt. Mit der
Annahme eines linearen Zusammenhangs zwischen der Größe der Wolkenfläche und der
Sättigungsmenge von Wasser in Luft bewirkt die Absenkung der Temperatur eine Reduktion
der Größe der Wolkenfläche um ebenfalls 47 %. Die Durchlässigkeit der Wolken erhöht sich
  5 

daher um etwa 30 W/m2. Die von der Erdoberfläche absorbierte Energiemenge steigt
entsprechend von 240 W/m2 auf 270 W/m2 an. Die Energiezufuhr zur Erde war während der
Eiszeit größer als gegenwärtig. Dieser unerwartete Befund steht im Widerspruch zu dem
Versuch, die beobachteten Wechsel zwischen Eiszeit und Warmzeit mit Variationen der
Intensität der Solarstrahlung, mit den sog. Milankowitsch – Zyklen zu erklären. Die Variation
der Solarkonstante ist zu klein. Bestätigt werden dagegen die fehlende Koinzidenz zu den
bekannten Temperaturverläufen (6) und die Annahme, dass die Ursache der Wechsel
zwischen Eiszeiten und Warmzeiten in einer Schwankung zwischen instabilen
Klimazuständen zu suchen ist (1). Die Größe der konservativ geschätzten Zunahme der
Energiezufuhr zur Erdoberfläche zum Umkehrzeitpunkt zwischen Eiszeit und Warmzeit
vermittelt einen Eindruck von der Bedeutung der Zeitabhängigkeit der beteiligten Vorgänge
für das Klimaverhalten. Beim Erreichen des Tiefpunktes der Temperatur hat sich der
Wirkungsgrad der thermo-mechanischen Vorgänge soweit verringert, dass die Abkühlung an
der Erdoberfläche zum Stillstand kommt. Das bewirkt die von der Abkühlung verursachte
Zunahme der Energiezufuhr zur Erdoberfläche, weil sich die Reflexion der Solarenergie
durch Wolken entsprechend verringert. Am Umkehrpunkt wird ein labiles Gleichgewicht
erreicht, die Erwärmung der Erdoberfläche beginnt und schreitet solange fort, bis am oberen
Umkehrpunkt wieder ein labiles Gleichgewicht erreicht wird und eine weitere Abkühlung
einleitet. Die Wirkung des Energiespeichers in der Erdkruste hat einen signifikanten Einfluss
auf dieses in der Klimageschichte beobachtete Zeitverhalten.
Die Veränderung der Reflexion der Wolken hat eine Rückwirkung auf die Reflexion von
gegenwärtig 4 % der Solarstrahlung (3) an der Erdoberfläche. Beteiligt sind daran die Ozeane
mit einem Flächenanteil von 71 % und die Landflächen mit 29 %. Wie bei der Reflexion der
Wolken ist die Totalreflexion der wesentliche physikalische Vorgang. An ebenen
Wasserflächen entsteht diese Wirkung früh am Morgen und spät am Abend. An einer
bewegten Wasserfläche kann dieser Effekt auch tagsüber beobachtet werden. Daher ist der
Beitrag der Wasserflächen zur Reflexion an der Erdoberfläche wesentlich kleiner als in den
Wolken. Der Effekt der Totalreflexion an Wasserflächen ist ursächlich für einen Anteil von
etwa 75 % an der gesamten Reflexion von Solarstrahlung an der Erdoberfläche. Damit
reduziert sich der Beitrag fester Materie zur Reflexion auf weniger als 1 % der eingestrahlten
Solarenergie. Ursache dafür ist offenbar zumindest überwiegend ebenfalls der Effekt der
Totalreflexion an Kristallen. Dieser Effekt ist gut bekannt von geschliffenen Diamanten und
entsteht in gleicher Weise an Eiskristallen.

Zum Verständnis von Änderungen des gegenwärtigen Beitrags der Reflexion zur
Energiebilanz der Erde sind folgende Einflüsse zu beachten: Etwa 21 % der Reflexion
verändern sich abhängig von der Größe der beteiligten Flächen. Davon entfallen 20 % auf die
Wolkenbedeckung der Erdoberfläche und etwa 1 % auf der Größe der mit Eis oder Schnee
bedeckten Flächen. Zeitlich kaum veränderliche Beiträge sind zu 6 % die Folge der Reaktion
von Sauerstoff und Stickstoff mit der Solarstrahlung oberhalb der Troposphäre und zu 3 %
durch die Reflexion der Wasserflächen an der Erdoberfläche.
Die gegenwärtige Anomalie des Klimas, die Verlängerung der Warmzeit, wird in (1) als
Folge eines Eingriffs in das natürliche Schwankungsverhalten des Klimas verstanden, der den
Wirkungsgrad der thermo-mechanischen Vorgänge erhöht und dadurch das Erreichen des
labilen Gleichgewichtes verzögert. Dieser Eingriff in das Klimaverhalten wird erklärt als
wahrscheinliche Folge der in der menschlichen Steinzeit begonnenen Umwandlung von
Wäldern in landwirtschaftliche Nutzflächen und urbane Flächen. Offenbar ergibt sich sogar
ein geringfügiger Anstieg der Temperatur, der allerdings aus den Beobachtungen des
gegenwärtigen Klimaverhaltens nur andeutungsweise erkennbar wird. Die Fortsetzung dieses
  6 

wahrscheinlichen Trends hängt daher von den weiteren Eingriffen ab, die mit dem Wachstum
der Weltbevölkerung unabwendbar erbunden sind.
Der fortdauernde menschliche Eingriff ändert die natürliche Struktur der Landflächen mit der
mit der Verteilung von Ödland, Art und Ausbreitung der Vegetation und der Wasser- und
Eisbedeckung. Signifikante Änderungen traten während der Schwankungen zwischen Eiszeit
und Warmzeit auf. Gegenwärtig dominieren die Veränderungen der Eigenschaften mit einer
fortschreitenden Umwandlung von Wald in landwirtschaftliche und urbane Nutzflächen, die
inzwischen an 25 % des Festlandes vollzogen wurde. Eine Berechnung der Wirkung von
Änderungen dieser komplexen Struktur auf die Klimadynamik ist nicht möglich. Mit Blick
auf zukünftige Klimaänderungen sind nur die fortschreitende menschliche Einwirkung auf die
Struktur der Landflächen und eine möglicherweise fortschreitende Veränderung des Anteils
der Eisflächen von Bedeutung. Eine signifikante Veränderung des Beitrages der
Erdoberfläche zur Gesamtreflexion kann daher für Überlegungen zu künftigen
Veränderungen des Klimas ausgeschlossen werden. Für katastrophale Änderungen gibt es
keinerlei Anzeichen.

Der Energiespeicher Erdkruste 
 
Allein mit der Erdwärme würde die Temperatur auf der Erde nur etwa – 240 ℃ betragen. Ein
Energiespeicher entsteht aus der Absorption von Solarenergie, die das Temperaturniveau an
der Erdoberfläche und in der Erdkruste um mehr als 250 ℃ anhebt. Wesentlichen Einfluss
auf Veränderungen der gespeicherten Energiemenge hat die Oberflächentemperatur. Bei
jeder Änderung dieser Temperatur beginnt ein Energiefluss, dessen Richtung den Anstieg
oder die Abnahme der Temperatur bestimmt. Als Folge der Temperaturänderungen an der
Erdoberfläche verändern die Energieflüsse ständig ihre Größe und Richtung in Abhängigkeit
von der Größe der Temperaturdifferenz, dem Wärmeübergang an der Oberfläche und dem
Zeitverhalten der nachfolgenden Temperaturanpassung im Speicher. In fester Materie wird
die Größe der Zeitkonstante dieser Vorgänge im Wesentlichen allein von der
Wärmeleitfähigkeit bestimmt. Im Wasser der Ozeane erfolgt der Wärmetransport unterstützt
durch Konvektionsvorgänge wesentlich schneller. Beispielhaft für die Größe der
gespeicherten Energiemenge und ihren Einfluss auf das Klima sind die Ozeane: Zur 
Erwärmung einer Wassersäule von 1 m2 Oberfläche bis in ihre mittlere Tiefe von knapp 
4000 m um 250 0C  sind etwa 1 Million kWh erforderlich.  Diese Energiemenge 
entspricht der gesamten Sonnenenergie, die von 1 m2 Oberfläche in einem Zeitraum von 
500 Jahren absorbiert wird. Eine Temperaturänderung von 10 ℃, die typisch ist für die
Wechsel zwischen Warmzeit und Eiszeit, hat eine Änderung dieses Speicherinhalts um etwa
25 000 kWh zur Folge. Diese Energiemenge  entspricht der Wirkung einer Änderung der 
absorbierten Solarenergie um 10 W/m2 über einen Zeitraum von etwa 300 Jahren. In 
einer Zuordnung von Änderungen der Energiebilanz  zu Klimaänderungen entstehen 
entsprechende Fehler, wenn die Speicherwirkung nicht berücksichtigt wird. 
 
Die Klimadynamik

Zeitlich stabilen Temperaturdifferenzen zwischen Äquator und Pol erzeugen permanente


Druckdifferenzen in der Atmosphäre. Diese Druckdifferenzen treiben zwischen beiden
Bereichen Luftströmungen an, die parallel zur Erdoberfläche verlaufen. Durch die Wirkung
der Erdrotation erhalten diese Strömungen die von den Hoch- und Tiefdruckgebieten gut
bekannte Struktur spiralförmiger Wirbel. Mit diesen Luftströmungen wird warme Luft vom
Äquatorbereich zu den Polen transportiert. Es entsteht eine Wärmesenke oberhalb der
Erdoberfläche und ein vertikaler Energietransport durch Wärmeleitung und Konvektion. Die
  7 

Verdampfung von Wasser erhöht den Transport von Energie und vergrößert das Absinken der
Temperatur mit zunehmender Höhe. Die Temperatur sinkt bis auf Werte von - 60 ℃ ab. In
Bodennähe nachströmende kühlere Luft verstärkt die Absenkung der Temperaturen
zusätzlich. Dagegen verhindert der Wärmetransport zu den kalten Polarzonen im dortigen
Winter ein Absinken der Temperaturen um mehr als 200 ℃ wegen der dann fehlenden
Einstrahlung der Sonne. Diese Glättung der Temperaturverteilung auf der Erde hat einen
wesentlichen Einfluss auf das Klima.

Einen wesentlichen Beitrag zur Glättung der Temperaturverteilung im Klimasystem liefern


Strömungen im Wasser der Ozeane. Sie werden u. a. von den Unterschieden der
Wassertemperaturen zwischen Äquator und Pol angetrieben. Die Bedeutung dieser
Strömungen für das Klima auf der Erde demonstriert sehr gut der Golfstrom mit der
signifikanten Erwärmung Europas (1).

Schlussfolgerungen
Die Anwendung der anerkannten naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten erklärt das
beobachte Klimaverhalten ohne die Notwendigkeit von Postulaten. Danach muss der
Klimaverlauf der letzten 600 000 Jahre als eine Folge natürlicher Schwankungen zwischen
Eiszeit und Warmzeit verstanden werden. Ursache für diese Schwankungen ist die
Klimadynamik. Wahrscheinlich hat die Umwandlung der Naturlandschaft in
landwirtschaftliche und urbane Nutzflächen von inzwischen 25 % der Fläche des Festlandes
den Übergang in eine nächste Eiszeitperiode verzögert. Die als Folge des
Bevölkerungswachstums unabwendbare Fortsetzung dieser Eingriffe wird die gegenwärtige
Warmzeit weiter verlängern verbunden mit einer verstärkten Glättung der räumlichen
Temperaturverteilung. Insbesondere in den kälteren Zonen wird die Temperatur dadurch
geringfügig ansteigen. Für katastrophale Änderungen des Klimas, die z. B. vom IPCC
vermutet werden (7), gibt es kein Indiz. Sowohl für die Existenz des postulierten
atmosphärischen Treibhauseffektes als auch für seine anthropogene Verstärkung fehlt eine
wissenschaftliche Grundlage. Kohlendioxid und andere Spurengase in der Atmosphäre haben
keinen Einfluss auf das Klima und seine Veränderungen. Wesentliche Teile der
gegenwärtigen Klimawissenschaft müssen daher korrigiert werden.
Das stochastische Verhalten und die Komplexität des Klimas machen eine exakte Voraussage
zukünftiger Veränderungen mit Hilfe von Modellrechnungen grundsätzlich weiterhin
unmöglich. Die inzwischen erarbeitete Methodik kann jedoch in Zukunft durchaus sinnvoll
für eine quantitative Analyse von überschaubaren Problembereichen zum besseren
Verständnis des Klimas und seiner Veränderungen eingesetzt werden.
Literatur
1 Ein neues Verständnis des Klimas und seiner Veränderungen, Ulrich Wolff,
Energiewirtschaftliche Tagesfragen 58. Jg. (2008) Heft 12, Seite 84 – 88.

2 Der natürliche Treibhauseffekt, S. Bakan, E. Raschke, Promet 28, Heft ¾, 85-94,


Deutscher Wetterdienst, 2002.

3 DasEarth’s Energy Budget“, NASA.


http://asdwww.larc.nasa.gov/erbe/components2.gif  
4 Wettermast Hamburg
"http://wettermasthamburg.zmaw.de/Zeitreihen48h.htm#STRAHLUNG" 
  8 

5 „Climate and Atmospheric history of the last 420 000 years from the Vostok ice core“,
Petit, J. R. et al:Antarctica Nature 399 (1999), S. 429-436.
6 “Quantitative estimate of the Milankovitch-forced contribution to observed Quaternary
climate change”, Carl Wunsch*, Department of Earth, Atmospheric and Planetary
Sciences, Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, MA 02139, USA
Received 29 August 2003; accepted 15 February 2004.

7  IPCC: „Summary for Policymakers“. In: Solomon, S. et al: Climate Change 2007: The
Physical Science Basis, Contribution of Working Group 1 to the Fourth Assessment
Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, Cambridge University Press,
Cambridge, United Kingdom and New York, US.