Sie sind auf Seite 1von 6

Aris Konstantinidis

Autor(en):

Georgiadis, Sokratis

Objekttyp:

Obituary

Zeitschrift:

Werk, Bauen + Wohnen

Band (Jahr): 81 (1994)

Heft 1/2:

Kunst im Inneren und im Äusseren = L'art à l'intérieur et à l'extérieur = Art inside and outside

PDF erstellt am:

20.12.2018

Nutzungsbedingungen Die ETH-Bibliothek ist Anbieterin der digitalisierten Zeitschriften. Sie besitzt keine Urheberrechte an den Inhalten der Zeitschriften. Die Rechte liegen in der Regel bei den Herausgebern. Die auf der Plattform e-periodica veröffentlichten Dokumente stehen für nicht-kommerzielle Zwecke in Lehre und Forschung sowie für die private Nutzung frei zur Verfügung. Einzelne Dateien oder Ausdrucke aus diesem Angebot können zusammen mit diesen Nutzungsbedingungen und den korrekten Herkunftsbezeichnungen weitergegeben werden. Das Veröffentlichen von Bildern in Print- und Online-Publikationen ist nur mit vorheriger Genehmigung der Rechteinhaber erlaubt. Die systematische Speicherung von Teilen des elektronischen Angebots auf anderen Servern bedarf ebenfalls des schriftlichen Einverständnisses der Rechteinhaber.

Haftungsausschluss Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr für Vollständigkeit oder Richtigkeit. Es wird keine Haftung übernommen für Schäden durch die Verwendung von Informationen aus diesem Online-Angebot oder durch das Fehlen von Informationen. Dies gilt auch für Inhalte Dritter, die über dieses Angebot zugänglich sind.

Ein Dienst der ETH-Bibliothek ETH Zürich, Rämistrasse 101, 8092 Zürich, Schweiz, www.library.ethz.ch

http://www.e-periodica.ch

Forum « die schönen, einfachen Werte der Architektur» Nachruf auf Aris Konstantinidis Das Werkverzeichnis des
Forum
«
die schönen, einfachen Werte
der Architektur»
Nachruf
auf Aris Konstantinidis
Das Werkverzeichnis
des griechischen Architek¬
Kriegserklärung gegen das
diktatorische Regime gleich.
ten Aris Konstantinidis'
weist eine Lücke von etwa
Der Staatsbeamte wurde
über Nacht zum «Staats¬
einer zunehmenden «In¬
dustrialisierung» der Bran¬
che engegenzuwirken und
seine Bücher, Aufsätze und
Reden legten ein deutliches
Zeugnis davon ab. Was er
einen humanen Rahmen
vier Jahren auf. 1967 setzt
sie ein, in jenem verhängnis¬
feind». Aber schon liefen im
nördlicheren Europa
für den Aufenthalt des Ur¬
laubers im fremden Ort zu
lehrte, war- wie sich
Fabio Reinhart, einer seiner
Zürcher Schüler, heute er¬
vollen Jahr, in dem das Mi¬
die Drähte heiss: «Aris ist in
schaffen. Auch Hotels seien
innert - ein «an den kon¬
litär die Macht im Staate an
sich riss und die Demokratie
- «im Land ihrer Geburt» -
Schwierigkeiten geraten»,
«Gefässe des Lebens», keine
lautete die Nachricht, die
seine Freunde im Ausland
für weitere sieben Jahre auf
Eis legte. Als die Panzer
erreichte, zum Beispiel
blossen Geldautomaten.3
Zum einschlägigen Thema
brachte Konstantinidis in
kreten Ort gebundener Ra¬
tionalismus. Er vermittelte
zudem ein Gefühl für den
Wert des Alltäglichen.»
seinem Gepäck eine un¬
Zürich, das er bereits
durch die Strassen von
in Zürich, wo Konstantinidis
kein Unbekannter war. Be¬
glaublich reiche Erfahrung
Athen rollten, leitete Kon¬
reits am 1. März 1965
mit. Seit 1958 hatte er zahl¬
im Juli 1970 wieder verliess,
blieb eine Episode im Leben
stantinidis den Planungsstab
hatte er vor dem BSA einen
von Aris Konstantinidis. Er
für Hotelbau der Griechi¬
schen Zentrale für Fremden¬
Vortrag zum Thema
«Grundsätzliches über die
reiche Hotels, Motels und
Gästehäuser im Rahmen des
nationalen «Xenia»-Pro-
hielt er seinen Zürcher Auf¬
enthalt aber stets für einen
verkehr (EOT). Er blieb an
neue Architektur» gehalten.
gramms des EOT ausge¬
dieser Stelle kaum drei Mo¬
nate länger. Im Juli trat er
Es ist diesen Freunden und
führt, so auf Andros (1958),
besonderen «Glücksfall»,
zumal ihm die ETH eine
in Larissa und Igoumenitsa
Möglichkeit bot, die ihm im
aus dem öffentlichen Dienst
eigenen Land zeit seines
zurück, «weil», wie er
vor allen Jakob Zweifel
zu verdanken, dass er vom
Vorsteher der Abteilung
(1959), auf Mykonos, in Epi-
dauros und in Kalambaka
schrieb, «mir nach dem
Architektur der ETH, Hans
(1960), in Voula bei Athen,
Lebens verwehrt blieb: die
des unmittelbaren Kontakts
Putsch des 21. April 1967
Hauri, zum Wintersemester
nochmals in Epidauros und
mit den Studenten.4
schien, dass ich das tun
1967/68 ans Poly eingeladen
in Paliouri/Halkidiki (1962),
Aris Konstantinidis
musste». Konstantinidis be¬
sass die Fähigkeit zum
wurde. Unter ziemlich
abenteuerlichen Bedingun¬
in Olympia und in Iraklion/
Kreta (1963), auf Porös
letztes Buch besteht aus sei¬
nen Tagebuchaufzeichnun¬
Neinsagen, sobald er die
(1964) und erneut in Olym¬
«schönen, einfachen Werte»
gen wurde ihm der Lehr¬
auftrag in Athen eigenhän¬
pia (1966). Zugleich war er
gen der Jahre 1937-1990.
Der Titel lautet: «Die Ar¬
in Gefahr sah. Zehn Jahre
dig übermittelt. Schon im
ein grosser Ideenvermittler;
chitektur der Architektur».
früher, im März 1957, hatte
November konnte Konstan¬
er das Programm für so¬
zialen Wohnungsbau des
tinidis seine Lehrtätigkeit an
der ETH aufnehmen. Zu¬
Arbeitsministeriums verlas¬
sen, aus einem Grund, den
"NlJfel
"•*
die wenigsten für wesent¬
lich hielten: Die Bürokraten
verweigerten ihm die exten¬
sammen mit Prof. Alberto
Camenzind2 hat er den vier¬
ten Jahreskurs betreut. Die
Aufgabe lautete: «Sommer¬
sive Anwendung der Farbe
tourismus am Meer». Seine
Absichten legte Konstan¬
s
in den Arbeitersiedlungen,
die er entworfen hatte.
tinidis in einem Vortrag
/
Seine Entscheidung im Jahr
1967 jedoch wog - ange¬
sichts der möglichen Konse¬
quenzen - viel schwerer,
denn sie kam unter den da¬
maligen Umständen einer
offen, den er im Spätherbst
1967 vor Studenten hielt:
Worauf es beim Entwerfen
von Bauten für den Touris¬
¦¦iiiiiiiii!iiiiin:i"iiii'iii"
\ \
f
mus vor allem ankomme, sei
iiiiiiiniiiiMiniiiir:
iiifri
der Versuch seitens des Ar¬
chitekten, den Bedingungen
Aris Konstantinidis,
aus: «To Vima», 26.9.1993
1 Vgl
Ans Konstantinidis - Projects
3 Vgl
Ans Konstantinidis. Probleme
n*
and Buildings. Athen 1981 (griechisch
und englisch). Der vom Architekten
selbst verfasste und gestaltete Katalog
umfasst etwa 100 grösstenteils rea¬
lisierte Projekte aus vier Jahrzehnten
(1938-1978). Für einen Überblick
über das Werk von Konstantinidis
des Tourismus - Die Mitwirkung des
Architekten Gastvorlesung an der
Abt I der ETH, gehalten im November
1967
Eine Transkription der auf
Tonband mitgeschnittenen Rede
überreichte mir freundlicherweise
Prof Camenzind
ssy
vwwrry**
m.
siehe auch: Architectural Design,
Mai 1964, Seiten 212-235
2 Der Autor möchte an dieser Stelle
Professor Camenzind für seine wert¬
4 Nur die Architekturschule Thessalo¬
nikis hat Konstantinidis im April 1978
den Ehrendoktortitel verliehen
Eine
Berufung - um die sich die Schule
vollen Auskünfte und den Einblick,
bemüht hatte - kam nicht zustande
'¦-
den er in sein persönliches Archiv
erlaubte, herzlich danken
Dank für
wichtige Informationen und freundli¬
cherweise gewährte Hilfe gilt auch
eiß-7
:
--
Ellen Keckeis Tobler.
S<it-sl*S«,«?s
¦pp-
?s&
w-P
'
s**r,
Aris Konstantinidis,
Elemente der Selbsterkenntnis,
&.--
¦f^.^p^r:7:7^tw
>>.'<:£,
wywWw
V.W--'y.pwww.
P.p- w.:nf-
•-.' -£ö£"--"-*':- :,;•<.
1975
Ww—e
*.;',\ii-
_••»*
.*•¦*•
%,,r,
¦;,
*-.
,y
-*¦.,
-
:
"V>
w-r Xwy.-.S.-.ifTMäkHKs,0»i
64
Werk, Bauen+Wohnen
1/2 1994
Die Verwendung des Wortes <Häuser> - gemäss dem Freisetzung der lokalen Dia¬ Jahre üblichen bloss
Die Verwendung des Wortes
<Häuser> - gemäss dem
Freisetzung der lokalen Dia¬
Jahre üblichen bloss stili¬
Trotz dieser konservativen
Architektur als Metapher
seiner selbst verweist
lokalen Sprachgebrauch in
doppeltem Sinn verwendet
lekte der Architektur im
stischen Rezeption der
Grundorientierung, die auch
die Situation an der Tech¬
auf die Notwendigkeit eines
«architektonischen Den¬
wurde: Häuser und Dörfer.
In dieser semantischen
Sinne einer sentimentalen
Volkstümlichkeit. Sein
anonymen Architektur be¬
wahrten, waren vielmehr
eine Fortentwicklung und -
nischen Hochschule mass¬
kens», ohne welches das
Überlappung erkannte Kon¬
stantinidis das Prinzip,
Anliegen war eher die Ent¬
deckung des «Gewöhnli¬
chen und Wesentlichen»
wie man sehen wird - eine
geblich prägte, bewirkte die
Machtübernahme durch die
eigentliche architektonische
schöpferische Uminter-
Nazis im Jahr 1933 einen
Werk sich als sinnlos und
schädlich erweise. «Ar¬
welches das Wesen der
(hier zitierte er die Worte
pretation von Impulsen, die
chitektonisches Denken»
wiederum setzte eine weit¬
architektonischen Tätigkeit
generell - das heisst un¬
abhängig von lokalen und
des griechischen roman¬
tischen Dichters Dionysios
er schon während seiner
bedeutenden Einbruch. Die
«Kunsthauptstadt» des
Studienzeit empfangen
Reiches wurde einerseits das
hatte.5
privilegierte Feld zur Aus¬
läufige Bildung des Archi¬
tekten voraus und darüber
hinaus eine selbständige
historischen Bedingungen,
Art und Umfang der Bau¬
Solomos). Anders aus¬
gedrückt: Ziel der Unter¬
Nach den Schuljahren
suchung war eine Ontologie
in Athen ging der im Jahr
des Bauens in dessen Ver¬
1913 Geborene nach Mün¬
Forschungstätigkeit. Zur Bil¬
dung gehöre vorab die
Philosophie, zur Forschung
die systematische Ausein¬
andersetzung mit beste¬
aufgabe - auszumachen
habe: Die Erschaffung von
«Gefässen des Lebens». Das¬
bindung mit den zeitlos un¬
veränderlichen Elementen
chen, wo er 1931 das Stu¬
dium der Architektur an der
selbe Thema beschäftigte
der menschlichen Existenz.
Technischen Hochschule
tragung des einseitigen Ver¬
nichtungskampfes gegen
die Moderne, anderseits der
Ort der ersten Kristallisation
des nationalsozialistischen
Monumentalstils. Ferner zog
ihn in seinem nächsten
aufnahm. Das dortige Archi¬
die Politik der kulturellen
«Gleichschaltung» selbst die
hender Architektur und mit
Buch, «Die alten Häuser von
Athen» (1950), das 20 Bau¬
Das «Gewöhnliche und
Wesentliche» traten - nach
seiner Meinung - in unmit¬
tekturklima war gekenn¬
zeichnet von jenem in der
Nachfolge Theodor Fischers
eingeschlagenen «Münch¬
ner Weg» einer «moderaten
Moderne», die die Erneue¬
Münchner Technische Hoch¬
den Bedingungen ihrer
Entstehung. Dass Konstan¬
tinidis diese Grundsätze um¬
zusetzen wusste, geht
mitunter aus seinem sehr
aufnahmen von Objekten
alltäglicher, anonymer
Architektur enthielt, die
sich sowohl Opfer als auch
den Zustand der Athener
telbarer und unverfälscht
elementarer Form dort auf,
wo sich der anonyme Bau¬
meister am absolut Notwen¬
schule in ihren Sog, denn
unter ihrem Dach befanden
umfangreichen Schrifttum
hervor. Sein erstes Buch
veröffentlichte er im Jahr
Wohnarchitektur um 1800
widerspiegelten. Mit der
Hinwendung zur anonymen
Volksarchitektur am Meer
digen zu orientieren hatte.
Konstantinidis war gewiss
kein «Neorationalist» avant
rung «aus Region und Tradi¬
tion»6 suchte und sich den
Impulsen des avantgardisti¬
Täter der von den Nazis
veranstalteten «kultur¬
politischen Inquisition». Der
Beginn des Wintersemesters
la lettre. Seine Ideen, die
schen Funktionalismus-
1947: «Zwei <Häuser> auf
und auf dem Festland
ihn übrigens vor einer im
Griechenland der fünfziger
mit wenigen Ausnahmen -
1933/34 fiel nicht nur mit
der Grundsteinlegung des
Mykonos», wobei das Wort
bezweckte er nicht etwa die
entschieden widersetzte.
vom «ersten Baumeister
¦ p
«
'
¦
¦
¦
¦
*
\
A
¦.
is ii:
.-¦
SS
¦
y,.s.
-¦-¦.
»*1
¦'
Z.
:Ns
7
::;«:
^
.«•
I
7
¦¦"'-
r;
i
¦
¦
•< j&e
>
*.
-
Aris Konstantinidis,
5 Oft hat die Kritik Konstantinidis' Be¬
tigung mit der Volksarchitektur (vgl. in
¦iiiiH
y
Hotel Xenia in Kalambaka, 1960
gegnung mit dem Anonymen - die
wohlgemerkt fast zwei Jahrzehnte vor
Bernhard Rudofskys Architecture
Without Architects (1965) ansetzte -
mit einem Hang zum Primitivismus in
Verbindung gebracht, der die anti-
der deutschsprachigen Literatur
Aristoteles Zachos. Ältere Wohn¬
bauten auf griechischem Boden In.
Wasmuths Monatshefte für Baukunst.
Jhg VII (1923), Heft 3-4, S
83-97
und Heft 7-8, S. 247-250) im Zeichen
akademischen Reformbestrebungen
der Suche nach dem griechischen
¦<-
der Moderne stets begleitete. Adolf
Loos' Ausführungen zum Bauernhaus
in seinem Aufsatz «Architektur»
(1910) wird als Beleg dafür heran¬
Charakter stehe, einem Haupt¬
anliegen der kulturellen Debatte in
Griechenland in diesem Jahrhundert.
gezogen
Dies ist nur zum Teil richtig
6 Vgl.: Winfried Nerdmger. Fischer-
Schule und Süddeutsche Bautradition
(obwohl Konstantinidis in späteren
Schriften sich selbst auf diesen
Aufsatz berief). Bedingt richtig ist
auch die These, dass seine Beschäf¬
im 20. Jahrhundert. In: Süddeutsche
Tradition im 20. Jahrhundert. Archi¬
tekten der Bayerischen Akademie
Ausstellungskatalog. München 1985
65
1/2 1994 Werk, Bauen+Wohnen
des Führers», Paul Ludwig (und als eigene Entdeckung Troost, entworfenen «Hau¬ (nicht nur) faschistischer Prägung
des Führers», Paul Ludwig
(und als eigene Entdeckung
Troost, entworfenen «Hau¬
(nicht nur) faschistischer
Prägung Ausdruck zu ver¬
leihen.
in Anspruch nahm), den
Gestaltung des Baukörpers
im wesentlichen gleich
ses der Deutschen Kunst»
zusammen, sondern auch
schon seit der Jahrhundert¬
wende währenden Be¬
mühungen der Traditiona¬
sind.» Überdies stellte für
mit dem Rausschmiss
Konstantinidis verzich¬
tete jedoch auf jede Pole¬
mik gegenüber den Vertre¬
tern des bodenständigen
Traditionalismus, die genau
während seiner Studienzeit
nach einer Verbindung
Schmitthenner - ähnlich wie
später für Konstantinidis -
druck der Idee der Urhütte,
des Grundprinzips aller
Architektur.
- Konstantinidis gestaltete
seine Theorie des Typus
aufgrund vermeintlicher
listen in Deutschland um die
«kulturbolschewistischer»
ontologische Bestimmung
Umtriebe des Architekten
Robert Vorhoelzer und
des «deutschen Hauses» im
Denkansatz, aber auch in
der Typ «die letzte beste
Form für immer wiederkeh¬
rende gleiche Bedürfnisse»
flexibel genug und machte
sie damit empfänglich
gegenüber den architekto¬
nischen Ideen der Avant¬
dar.8 Obwohl jedoch Kon¬
des Plastikprofessors Karl
Knappe aus der Hoch¬
wesentlichen begrifflichen
stantinidis' theoretische
garde. Das wichtigste Para¬
der rassistischen «Blut und
Festlegungen absolut
Überlegungen - zumal zum
digma war dabei die
schule.7 Das waren Ereig¬
Boden»-Ideologie mit der
verwandt. So war auch der
Architektur Mies van der
Begriff des Typus - ohne
nisse, die sich im un¬
Architektur trachteten. Dies
Typus-Begriff, den Kon¬
diesen Hintergrund undenk¬
Rohes; das prototypische
mittelbaren Umfeld von
ist recht merkwürdig, denn
stantinidis 1950 entwickelte,
bar wären, lösten sie sich
Konstantinidis abspielten.
gerade diese Richtung - mit
zunächst wenig mehr als
doch in wesentlichen
Bauwerk: der Barcelona-
Pavillon von 1929, das
Viele Jahre später äusserte
German Bestelmeyer als
er sich über seine Studien¬
ihrem prominentesten
zeit in München - ziemlich
Repräsentanten - war an
der Technischen Hochschule
stark vertreten. In Wirklich¬
eine Umschreibung der ein¬
schlägigen theoretischen
Überlegungen Paul Schmitt-
Aspekten von diesem ab:
einzige des deutschen Ar¬
- Seine Theorie widersprach
dem völkischem Gedanken¬
chitekten in einem Mittel¬
meerland.10 In der Trennung
verschlüsselt: Seine Profes¬
henners in seinem Buch
gut.
der tragenden von den
soren, führte er aus, hätten
- Die typische Hausform
getragenen Teilen und in
ihn nicht völlig ungebildet
keit war Konstantinidis' Ab¬
«Das Deutsche Wohnhaus»
(Erscheinungsjahr 1932):
wurde unter den Bedingun¬
der weitgehenden Ver¬
gelassen, zum Eigentlichen
sei er aber doch im Selbst¬
wendung von der «hohen
Kunst» der Architektur,
«Wir verstehen also unter
Typus nicht das gleiche, son¬
gen des bestimmten Ortes
und der lokalen Bautraditio¬
studium gelangt. Allerdings
seine Suche nach dem Ar¬
dern das Artgleiche mit
nen konkretisiert. Ihre
glasung der Gebäudeaus-
senhaut erkannte Kon¬
stantinidis eine Bestätigung
unterliess er es nie, seiner
chetypischen, nach dem
entschiedenen Abneigung
gegenüber der klassizi¬
«Haus an sich», das er in der
eigentümlich gleichen
Merkmalen. Wir haben es
wesentlichen Merkmale: die
Abschirmung des privaten
der Idee einer Architektur
vom öffentlichen Raum, der
als einfacher Schuppen, im
freien Grundriss die Mög¬
stischen Monumentalität
anonymen Volksarchitektur
gefunden zu haben glaubte
mit einem Haustyp zu tun,
wenn der Grundriss und die
ungedeckte Hof als Kern der
Raumdisposition, der wei¬
lichkeit der flexiblen Re¬
aktion auf konkrete Bedürf¬
che Übergang vom Aussen-
zum Innenraum durch Vor¬
dächer und offene oder ver¬
glaste Laubengänge, das
nisse, in der technischen
Perfektion die sachgerechte
kompakte Innere. Die wich¬
tigste Erkenntnis von Kon¬
v
stantinidis bestand dabei in
Verwendung der Materia¬
lien, in der Anwendung des
Rasters die Methode der
wirksamen Kontrolle der ar¬
chitektonischen Komposi¬
?.„
der Behandlung der Über¬
tion.
gangszone zwischen Aus¬
Schon in seinem ersten
» sen- und Innenraum als eine
realisierten Bau, einem Fe¬
."¦'# *«¦¦
m
.,-#
Pww :;
wS
ms*
eigenständige Raumkom¬
ponente,9 begründet in den
mediterranen klimatischen
rienhaus in Eleusis, unweit
Athens, das er 1938, kurz
nach seiner Rückkehr aus
w WvW^W^mß
*iJ
Bedingungen («Das Leben
in Griechenland spielt
München, entwarf, brachte
Konstantinidis eine Reihe
Wr- P-P
,:"<"'
SSHWf.
sich im Freien ab», zitierte
dieser Prinzipien - gut ein
er Perikles Jannopoulos),
zugleich aber genuiner Aus¬
Jahrzehnt vor ihrer theoreti¬
schen Formulierung - zu
Aris Konstantinidis, Ferienhaus in
Anavyssos, 1962
7 Dazu: Karl Arndt. Die Münchner
Architekturszene 1933/34 als ästhe¬
tisch-politisches Konfliktfeld. In:
9 Konstantinidis nahm hier Gedanken,
die eine wichtige Rolle im Rahmen des
Martin Broszat (Hrsg.). Bayern in der
NS-Zeit Bd 3
München 1981
Team X spielen würden, vorweg.
10 Vgl.: Ans Konstantinidis. Mies van
der Rohe In: Baumeister, 67. Jhg.
z
m t
:sssss
8 Konstantinidis interessierten
brauchbare architektonische Gedan¬
März 1966, S 224 und Ans Konstan¬
tinidis. Mies van der Rohe In:
Bauen+Wohnen, Mai 1966, S 193f
^Z-77-y7z--Z77777
ken und viel weniger ideologische
Systeme. So zitierte er beispielsweise
noch in seiner 1950er Schrift aus
einer 1933 gehaltenen Rede Wilhelm
Pinders, die ausdrücklich im Zeichen
-.r --:Pp
dessen stand, was «die Leistung des
Führers von uns (deutschen Men¬
schen) zu leben verlangt». Wilhelm
Pinder. Zur Rettung der deutschen
Altstadt. In W Pinder. Gesammelte
Aufsätze. Leipzig 1938 S 192 ff
66 Werk, Bauen+Wohnen
1/2 1994
einer ersten Anwendung. Das kleine kompakte Bau¬ volumen, kubisch, flach überdacht und weiss ver¬ putzt,
einer ersten Anwendung.
Das kleine kompakte Bau¬
volumen, kubisch, flach
überdacht und weiss ver¬
putzt, steht an einem gegen
dabei um eine Anthologie
des Gewöhnlichen, der
Dinge der Natur, der Kultur
und des Alltags, die um uns
sind, ohne beachtet zu wer¬
.S
s-
das Meer steil abfallenden
den und die zu den Selbst¬
Hang. Es nimmt dabei einen
verständlichkeiten des grie¬
intensiven Dialog mit der
Umgebung auf, der jedoch
selbst architektonisch
chischen Lebens gehören:
M
ein Ölbaum, ein Fels, das
Wasser, die unregelmässige
Struktur einer Wand aus
Naturstein, die rauhe Textur
eines Putzaufstrichs, ein auf
der Erde liegendes Säulen¬
jff*WZ
*r~*r f
S'
Är
.rr-
vermittelt wird. In Gang
y. ;:
Jiip^
$
gesetzt wird er nämlich
*'^
-•
w"* *
:
¦
*%
mit Hilfe einer Kette von
' *'*'*^*-*V*£^,v*&-r;
¦
s
¦
¦
:
Eingriffen in die Natur,
s
bestehend aus Mauern,
Treppen, Plateaus und
Pergolen, die der bewegten
:||.
kapitell, ein grob in die
Mauer geschnittenes Fen¬
ster. Der Titel des Buches
Topographie folgen und
seine Unterschrift trugen. Es
handelte sich dabei um die
fasst wurden. Die Blocks do¬
lautet: «Elemente der
ist in der Regel ein recht¬
eckiges schlichtes Prisma,
sich zum Haus hin dra¬
zwei- bis dreigeschossig,
matisch steigern, um diesem
letztlich seine Selbständig¬
Selbsterkenntnis».11 Es ist
die Kenntnis eines Selbst,
Komplexe in Athen/Nea Phi¬
ladelphia, Piräus/Ag.Ioannis
minieren in den realisierten
Projekten das äussere Er¬
scheinungsbild der Sied¬
und enthält nicht mehr als
das sich begrifflich nicht re¬
Rentis, Iraklion/Kreta, Ser¬
lung. Sie sind entweder in
durchschnittlich vier von
keit gegenüber der um¬
gebenden Landschaft zu
verleihen.
duzieren lässt, höchstens in
der poetischen Rede mit¬
res, Thessaloniki, Pyrgos. Die
gleichen Abständen, manch¬
ihren beiden Schmalseiten
Wohnung für das Existenz¬
mal auch im rechten Winkel
her belichtete Wohnungen
teilbar ist, oder eben nur im
zueinander angeordnet,
pro Geschoss. Das absolut
«Die Architektur der
Architektur» - von der ein¬
Bild seinen metaphorischen
Ausdruck findet.
minimum war die Aufgabe,
wobei die Reduzierung auf
das Notwendigste sich
oder ihre Aufstellung folgt
regelmässige Betonskelett
der Topographie des Ge¬
ist sichtbar, drückt den tek¬
gangs die Rede war - setzte
für Konstantinidis nicht nur
gleichermassen auf die Qua¬
ländes und dem Verlauf der
dratmeterzahl pro Woh¬
angrenzenden Strassen, so
tonischen Aufbau unmiss¬
verständlich aus und wird in
die Bildung des Geistes vor¬
Konstantinidis hat
viel gebaut. Das Haus, die
Wohnstätte, stand während
nung, auf den Baupreis, auf
dass dann die Anlage eine
manchen Fällen weiss ge¬
aus. Sie sei, so meinte er -
seiner gesamten vierzig¬
die Ausstattung und auf die
verfügbaren technischen
Mittel bezog. Konstantinidis
aufgelockertere Gestalt er¬
strichen. Die verputzten, oft
abermals Solomos zitierend
- eine Angelegenheit «so¬
wohl der Vernunft als auch
des Traumes». Zu letzterem
bedurfte es vor allem der
jährigen aktiven architekto¬
nischen Tätigkeit im Mittel¬
punkt seiner Bemühungen,
entwickelte eine Reihe von
hält. In manchen Fällen wird
auf eine parataktische An¬
ordnung verzichtet, so dass
in verschiedenen Farben
gehaltenen Wandfelder da¬
zwischen setzen sich von
die Wohnstätte in all ihren
Wohnungstypen, die je nach
Siedlung zu einheitlichen
zwischen den Blocks inter¬
möglichen Erscheinungs¬
essante hofartige Situa¬
ihm deutlich ab. Manchmal
springen Balkone heraus, in
Bildung des Auges, des sinn¬
formen: als Einzelhaus auf
dem Land, als Mehrfamilien¬
tionen entstehen. Der Block
anderen Fällen weicht die
Blocktypen zusammenge¬
lichen Wahrnehmungs¬
vermögens. Im Jahr 1975
brachte der Architekt ein
haus in der Stadt, als Wohn¬
siedlung am Stadtrand, als
Buch heraus, das, abge¬
sehen von einem Anhang
Gästehaus, als Hotel. Zwi¬
schen 1955 und 1957 leitete
Wand zurück, so dass sich
schmale Loggien bilden. Die
Balkone entstehen durch
einfaches Vorspringen der
Platte in der Breite nur
mit Anmerkungen, aus¬
eines von jeweils zwei Stüt¬
schliesslich aus Bildern be¬
stand, Fotos und Skizzen:
er die Planungsabteilung
des staatlichen Amtes für
sozialen Wohnungsbau. In
I ^H
zen definierten Joches. Sie
werden vertikal durch an
eigenen Arbeiten aus drei
Jahrzehnten. Thematisch
dieser kurzen Zeit entstand
eine beachtliche Zahl von
Siedlungen, die allesamt
/
den freien Ecken ange¬
gesehen, handelt es sich
brachte dünne Eisenträger
zusammengefasst, so dass
11 Ans Konstantinidis
Elements of
Self-Knowledge. Towards a True
Architecture Photographs-Drawings-
Aris Konstantinidis,
Hotel Xenia auf Porös, 1964
Notes. Athen 1975
Es erschien
auch eine griechische Ausgabe
Aris Konstantinidis,
Arbeitersiedlung in Iraklion/Kreta,
1955-1957
Aris Konstantinidis,
Archäologisches Museum
in loannina, 1965
Fotos: Ans Konstantinidis
FT nm
67
1/2 1994 Werk, Bauen+Wohnen
die Balkonfelder als Über¬ gemeinsamen Nenner der «Seelenlosigkeit» der Moderne. Aufgabe der So überrascht es
die Balkonfelder als Über¬
gemeinsamen Nenner der
«Seelenlosigkeit» der
Moderne. Aufgabe der
So überrascht es kaum,
Hotelzimmer, der obere Re¬
gänge von aussen nach
dass Konstantinidis diesen
staurant, Aufenthalts- und
innen an räumlicher Präsenz
gewinnen. Auch hier - bei
einer Bauaufgabe für das
Haustypus mit nur gering¬
Architektur sei aber die Pro¬
fügigen Modifikationen
mehrfach verwendete: für
Stellungnahmen und oft bis¬
sigen Bemerkungen gegen
eine zunehmende Kom¬
merzialisierung und, damit
einhergehend, eine immer
kollektive Wohnen und
unter Verwendung von
duktion «beseelter Werk¬
zeuge»: dieser Begriff,
seine Villenarchitektur (zum
Diensträume. Die beiden
Trakte bekommen ein ein¬
heitliches Betondach, das
die Neigung des Geländes
meinte er, den Aristoteles
zur Bezeichnung des Men¬
Beispiel Doppelhaus auf
Spetses [1966], Einfamilien¬
auf oberstem Niveau wieder
aufnimmt. Über das offene,
unerträglicher werdende
Orientierungslosigkeit und
halbwegs modernen Bauma¬
terialien und Herstellungs¬
schen benutzte, sei durch¬
haus in Athen/Penteli
überdachte Verbindungs¬
stück zwischen den zwei
Entmenschlichung der Ar¬
chitektur, Phänomene die,
methoden - gelang also
Konstantinidis die typische
aus auch auf die Architektur
anwendbar.
[1974], Ferienhaus auf
Aegina [1975], aber auch
wie er meinte, auch von
einem rapiden Verfall des
Lösung, die von seinem am
Diese Konzeption
für einen Teil seiner Hotel¬
Trakten erfolgt die Erschlies¬
sung der Anlage.
anonymen, vorindustriellen
Einzelhaus entwickelten,
primären Wohnungstypus
kommt geradezu manifest¬
artig in dem von Konstan¬
bauten [Xenia-Mykonos
Ein wichtiger Bereich
Berufsethos des Architekten
begleitet wurden, blieb er
tinidis entworfenen Ferien¬
1960], für Gästehäuser in
Epidauros [1962]). Bei der
der Tätigkeit von Konstanti¬
nidis war die Ausstellungs¬
kaum abwich. Es ist zu be¬
dauern, dass diese Arbeiter¬
siedlungen nicht mit den
anfangs vorgesehenen
haus in Anavyssos (1962) zur
zweiten Kategorie tritt
Geltung. Mit einer Grund¬
fläche von etwas mehr als
150 m2, einem einzigen
dieser Fall dann ein, wenn
architektur. Der Höhepunkt
wurde mit dem Bau des
wie stets ein Einzelgänger.
Von seinen zahlreichen
Schriften der letzten Jahre
aufgrund der Anforderun¬
Archäologischen Museums
in loannina erreicht
(1965-1966). Das Gebäude
war - hinsichtlich der eige¬
nen Biographie - das 1987
gen des Programms oder
Infrastruktureinrichtungen
Geschoss und einer perfek¬
der Unregelmässigkeit des
erschienene Buch «Sünder
und Diebe» sicherlich die
ausgestattet worden sind
Geländes die Baumasse in
und dass zudem seit ihrer
ten Kastenform ist auch
dieses Haus ein «Schuppen».
entwickelt sich auf zwei
wichtigste. Sie enthält eine
kleinere Volumen aufge¬
spaltet werden muss. Diese
Ebenen, wobei die eigent¬
Errichtung für deren In¬
standhaltung kaum Sorge
getragen wurde.
Konstantinidis trat für
Diesmal handelt es sich
lichen Ausstellungsräume
frontale Auseinanderset¬
zung mit der Postmoderne,
allerdings nicht um eine
Skelettstruktur; das flache
kleineren bungalowartigen
sich auf dem ersten Ge¬
die Konstantinidis negativ,
Einheiten - in Mykonos
enthalten sie beispielsweise
in der Regel jeweils fünf
als Produkt eines strukturell
Betondach wird von Mauern
schoss befinden. Sie sind
beidseits eines überhöhten
Mittelganges angeordnet.
bedingten Scheiterns der
eine -wie er sagte-
Moderne definiert. Nicht
«moderne, wahre Architek¬
tur»12 ein. Ihre Wahrhaftig¬
keit schöpfte sie aus ihrer
Korrespondenz mit dem
aus grob behauenem Natur¬
stein getragen, die an ihrem
Hotelzimmer-werden nach
Kompakte Raumteile wech¬
nur «die schönen, einfachen
oberen Ende von einem
topologischen Kriterien auf
seln sich auch hier ab mit
Werte der Architektur»
Betongürtel eingefasst wer¬
dem Gelände verteilt.
verglasten oder mit Höfen.
den. Durch die Mauerstel¬
Anders verhält es sich
Die ebenfalls überhöhten
sind dabei bedroht. In der
postmodernen Wendung
Typus, ihre Modernität be¬
kompakten Ausstellungs¬
der Architektur glaubt
deutete die Anpassungs¬
fähigkeit an sich wandelnde
lung auf drei im Sinne der
Längsrichtung verlaufenden
parallelen Linien entstehen
bei Hotelbauten, die als
zusammenhängende Kom¬
plexe ausgebildet sind. Dort
tritt der tektonische Aufbau
räume und der Mittelflur
werden zusätzlich mit
Konstantinidis überdies ein
Symptom, womöglich das
Bedürfnisse und Produk¬
tionsbedingungen. Doch
meldete er gegenüber der
architektonischen Moderne
zwei Zonen; die breitere
definiert den geschlossenen
als tragende Struktur in
- und obwohl er sich selbst
Wohnbereich, die schmale,
welche nach aussen hin und
zwar auf der gesamten
Erscheinung. Das räumliche
Gerüst, das durch das Be¬
Oblicht beleuchtet. Das Be¬
tonskelett, das auch hier
verwendet wird, erzeugt
mit Hilfe der Normalität des
in ihrer Tradition verstand -
starke, grundsätzliche Be¬
denken an. Er warf ihr ihre
Höhe vom Boden bis zum
Betongesims dreifach ge¬
tonskelett entsteht, erlaubt
ein vielfältiges räumliches
Abenteuer mit kompakten,
Rasters das Raumgerüst,
dessen Öffnung beziehungs¬
weise Schliessung eine Pa¬
markanteste, eines allge¬
meinen zivilisatorischen Zu¬
sammenbruchs zu erkennen.
Bezeichnenderweise bezieht
er seine einschlägigen Ge¬
dankengänge ausdrücklich
öffnet wird, bildet den
Internationalität vor, die
Übergang, der den Aufent¬
geöffneten, halbgeöffne¬
ten, verglasten Raumteilen,
auf Oswald Spenglers Buch
«Der Untergang des Abend¬
landes». Seine Kritik gerät
Missachtung der «Wahr¬
halt im Freien erlaubt, zu¬
bei dem das vom Einzelhaus
in die Bahnen einer extrem
heiten des jeweiligen
gleich aber Schutz vor der
abgeleitete typologische
lette von unterschiedlichen
Raumqualitäten zulässt.
Konstantinidis wandte die
hier gewonnenen Erkennt¬
Ortes», ferner ihren
Ästheti¬
unerbittlich strahlenden
Sonne gewährt. Das Haus
Prinzip mehrfach verviel¬
pessimistischen Zeitdia¬
gnose, die nun zum ersten¬
zismus, ihre Abhängigkeit
fältigt wird. Eine überaus
von der modernen Malerei,
die den Blick für den auto¬
steht direkt am Meer, an der
Wurzel einer schmalen,
flachen Landzunge. Durch
glückliche Verwirklichung
erfuhr diese Konzeption im
nisse auch am Archäolo¬
gischen Museum von Komo-
tini (1967) an.
mal keine Korrekturvor¬
schläge zu bieten, keine
Nachdem Konstanti¬
nidis der griechischen Nach¬
Alternativen freizusetzen
nomen Status der Architek¬
Xenia-Hotel von Kalambaka,
tur trübte, schliesslich ihre
seine elementare geome¬
einer Kleinstadt in derthes-
kriegsarchitektur einige
uneingeschränkte Fort¬
trische Form setzt es sich
von der umgebenden Natur
ab, es wird aber zugleich
durch die Strenge, durch die
salischen Ebene, am Fusse
der Meteoren. Die Hotel¬
einrichtungen werden hier
ihrer glücklichsten Mo¬
mente beschert hatte, be¬
schränkte er sich in den
vermag und nur noch den
Zustand eines ohnmächti¬
gen «Wartens auf das Ende»
schrittsgläubigkeit, die ihr
kennt.
kritisches Vermögen schmä¬
Aris Konstantinidis
lerte und ihre Abkoppelung
von den tatsächlichen
Problemen des Lebens be¬
auf vier Ebenen verteilt, die
minimale Artikulation und
zu zwei längs des abfallen¬
absolute Zurückhaltung sei¬
den Geländes angeordneten
letzten fünfzehn Jahren auf
die kritische Begleitung des
architektonischen Gesche¬
nahm sich in der Nacht zum
16. September 1993 in
Athen das Leben.
wirkte. Dies alles brachte er
hens in seinem Land und
Sokratis Georgiadis
(diesmal nicht mit Bezug
auf W. Pinder) unter den
ner herben Gestalt eins mit
der kargen, felsigen, fast
dürren attischen Landschaft.
Trakten zusammengefasst
werden; der untere enthält
auf internationaler Ebene.
auf zwei Geschossen die
Mit seinen polemischen
12 Ans Konstantinidis
Moderne
wahre Architektur. Athen 1978
(griechisch). Vgl. auch: Ans Konstan¬
tinidis, Heutige Architektur und
anonymes Bauen
In: Baumeister,
April 1965, S 416f
68 Werk, Bauen+Wohnen
1/2 1994