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NUMMER 2

Zeitschrift für
Schadenverhütung und ~[?
Schadenforschung
der öffentlich-rechtlichen
Versicherer
D

MAI 1982 11. JAHRGANG

Korrosion in Warmwasser-
heizungsanlagen als Folge von
Sauerstoffdiffusion durch
Kunststoffrohre
Carl-Ludwig Kr u s e

Einleitung Die einzigen Störungen , die in geschlos- senkung als Folge dichtschließender
senen Anlagen vereinzelt aufgetreten Mischer oder zu klein bemessener Aus-
Aufgrund der bis heute vorliegenden dehnungsgefäße, angesehen .
sind, waren auf Korrosion unter Entwick-
Erfahrungen muß man davon ausgehen, lung von Wasserstoff zurückzuführen,
daß Korrosionsschäden in Heizungsanla- In Warmwasserheizungsanlagen, bei
die die Bildung von Gaspolstern bewirkte.
gen nur bei Anwesenheit hinreichender denen Kunststoffrohre im Fußboden ver-
Sauerstoffmengen auftreten können . Als Ursache für diese Korrosionserschei- legt sind, werden in zunehmendem Maße
Eine erste Welle von Korrosionsschäden nung wurde das Eindringen geringer Korrosionsschäden beobachtet, die bei
trat auf, als in größerem Umfang koksbe- Sauerstoffmengen, z. B. durch Entstehen den Heizungsanlagen, die vollständig aus
heizte Schwerkraft-Heizungsanlagen auf von Unterdruck im Verlauf der Nachtab- metallischen Werkstoffen bestehen,
ölbeheizte Pumpenanlagen umgestellt
wurden . Hierbei wurde vielfach die
Pumpe so angeordnet, daß eine Zirkula-
tion des Heizungswassers durch das
offene Ausdehnungsgefäß stattfand . Die
als Folge davon auftretende Aufnahme
von Sauerstoff aus der Luft durch das Hei-
zungswasser führte zu Durchrostungen
an Heizkörpern, Rohrleitungen und Kes-
seln . In Schadenfällen durchgeführte
Messungen des Sauerstoffgehaltes im
Heizungswasser ergaben stets Werte
über 0,1 mg/I. Nachdem sich die mit Mem-
branausdehnungsgefäßen abgesicher-
ten geschlossenen Anlagen durchge-
setzt haben, sind Durchrostungen in
Warmwasserheizungsanlagen praktisch
nicht mehr aufgetreten.

Dipl.-Chem. Carl-Ludwig Kruse, Regie-


Bild 1. Korrodiertes Rauch-
rungsdirektor beim Staatlichen Material- rohr an einem Heizkessel
prüfungsamt Nordrhein-Westfalen, Dort- (nach Entfernung der Kor-
mund. rosionsprodukte) .

schadenprisma 2/82 17
nicht auftreten. Die Schäden sind meist einem geschlossenen Kreislauf, der mit Verweilzeit in h ergibt sich für die Diffu-
auf durch Korrosion gebildeten Rost- einem Membranausdehnungsgefäß sionsgeschwindigkeit die Einheit jJgII . h.
schlamm zurückzuführen , der Störungen abgesichert ist, wird das Umlaufwasser in Die Verweilzeit errechnet sich aus dem
der Wasserzirkulation sowie Funktions- einem Wärmetauscher (A) erwärmt und vom Kunststoffrohr eingeschlossenen
störungen an Wärmemengenzählern, mit einer Umwälzpumpe (B) umgewälzt. Wasservolumen VRohr und dem am
Thermostatventilen und Umwälzpumpen In einem Reaktionsbehälter (C), einem Durchflußmesser (G) ermittelten Was-
bewirkt [1, 2] . Der bei diesen Schäden feuerverzinkten Stahlrohr, das mit Zink- serstrom 0 nach
festgestellte Rostschlamm besteht über- blechabschnitten gefüllt ist, wird dem
wiegend aus braunem Eisenoxidhydrat Umlaufwasser durch chemische Reak- VRohr
tVerw = - 0- (3)
FeOOH, während sonst in Heizungsanla- tion nach
gen ausschließlich schwarze Korrosions- wobei das Volumen in I und der Wasser-
produkte aus Magnetit Fe 3 0 4 beobachtet
Zn + 1/2 O 2 + HP -+ Zn (OH) 2 (1)
strom in I/h angegeben werden . Mit dem
werden . der Sauerstoff entzogen . Der Sauerstoff- nach
gehalt des Wassers hinter dem Reak-
Neben Funktionsstörungen durch VRohr = TI . (0,5 d -S)2 . L . 10- 3 (4)
tionsbehälter ist < 1 jJg/1. Während der
Schlammbildung sind auch vereinzelt
eigentlichen Messung fließt das Wasser zu errechnenden Volumen (d = Rohr-
Durchrostungen an Heizkesseln und Ver-
durch das zu prüfende Kunststoffrohr (E). durchmesser in mm, s = Rohrwanddicke
teilerbatterien bekanntgeworden [3,4] .ln
In der Sauerstoffmeßzelle (F) wird dann in mm, L = Rohrlänge in m) ergibt sich die
Bild 1 ist ein Ausschnitt aus einem Rauch-
der Sauerstoffgehalt des Wassers ermit- Diffusionsgeschwindigkeit zu
rohr eines Heizkessels (nach Entfernung
telt. Die Bestimmung des Sauerstoffge-
der Korrosionsprodukte) wiedergege-
haltes im Wasser erfolgt nach einem übli- VDiff = c (0 2) . 0 103 (5)
ben . Durch örtliche Korrosion ist es hier in
chen elektrochemischen Verfahren, bei TI • (0,5 d -S) 2 . L
einer Heizungsanlage mit 20.000 m ver-
dem der bei einer konstanten Spannung
legten Kunststoffrohren nach einer Die Diffusionsgeschwindigkeit hängt in
fließende Strom von der durch Diffusion
Betriebszeit von 1 112 Jahren zum Durch- starkem Maße von derTemperatur ab. Bei
an die Kathode gelangenden Sauerstoff-
bruch des 3 mm dicken Rohres gekom- der beschriebenen Meßanordnung wird
menge abhängt. Sofern das Wasser mit
men . Im folgenden soll gezeigt werden, deshalb die Temperatur vor und nach
einer bestimmten Mindestgeschwindig-
daß die beobachteten Schäden schlüssig dem Durchgang durch das Kunststoff-
keit durch die Zelle fließt, besteht eine
als Folge der Diffusion von Sauerstoff aus rohr mit einem Thermometer (D) und in
direkte Proportionalität zwischen dem
der Atmosphäre durch die Kunststoff- der Sauerstoffmeßzelle (E) gemessen .
Strom und der Sauerstoffkonzentration
rohre in das Heizungswasser gedeutet Als Bezugsgröße wird der Mittelwert aus
c(00 im Wasser. Bei dem verwendeten
werden können . beiden Messungen genommen. Die Tem-
Meßsystem handelt es sich um das
Modell 2711 der Fa. Orbisphere Laborato- peraturabhängigkeit der Diffusionsge-
Messung der Sauerstoffdiffusion ries, Genf. . schwindigkeit läßt sich durch eine ein-
Der Nachweis der Sauerstoffaufnahme fache lineare Beziehung darstellen.
Bei Kenntnis der Verweilzeit tVerw des
durch die Kunststoffrohre istan einer Hei-
Wassers in dem Kunststoffrohr kann die In Tabelle 1 sind einige typische Meßer-
zungsanlage relativ einfach zu führen ,
Diffusionsgeschwindigkeit VDiff nach gebnisse zusammengestellt.
wenn ein geeignetes Sauerstoffmeßge-
rät zur Verfügung steht. Im Heizungswas-
ser, das vom Vorlaufverteiler in die Kunst-
c (0 2) Die Werte für die Diffusionsgeschwindig-
VDiff = - - (2)
stoffrohre gelangt, ist normalerweise kein tVerw keit unterscheiden sich danach bei glei-
Sauerstoff nachweisbar, da er durch Kor- cherTemperatur maximal um den Faktor
rosion an den Metallteilen des Systems berechnet werden. Hierbei ist vorausge- 2 bis 3.
verbrauchtworden ist. Das Heizungswas- setzt, daß der Sauerstoffgehalt des in das
ser jedoch, das am Rücklaufverteiler aus Kunststoffrohr eintretenden Wassers Für einen Vergleich der verschiedenen
den Kunststoffrohren zurückfließt, ent- vernachlässigbar klein ist. Bei Angabe der Kunststoffe wird als charakteristische
hält je nach Verweilzeit in der Rohrleitung Sauerstoffkonzentration in jJg/1 und der Stoffkonstante zweckmäßigerweise der
mehr oder weniger große Mengen an
Sauerstoff. Bei den in Fußbodenheizun-
gen üblichen Fließgeschwindigkeiten
und den dadurch bedingt verhältnismä-
ßig geringen Verweilzeiten des Wassers
im Kunststoffrohr liegen die Werte meist
D
unter dem in der VDI -Richtlinie 2035 [5]
angegebenen Grenzwert von 0,1 mg/I.
Wenn es nur um den qualitativen Nach-
weis des Effektes geht, kann man die Ver-
weilzeit durch zeitweiliges Absperren des
zu messenden Stranges verlängern und
damit die Sauerstoffkonzentration im G 'V
Wasser erhöhen . Andernfalls wird ein
entsprechend empfindliches Meßgerät
benötigt, das Messungen im ppb-Bereich
A E [
(1 : 109 ) ermöglicht.
Die Messung der Sauerstoffdiffusion
durch Kunststoffrohre kann auch im
Labor durchgeführt werden . In Bild 2 ist
das Schema der im Staatlichen Material-
prüfungsamt Nordrhein-Westfalen ver- B
wendeten Anordnung wiedergegeben . In Bild 2. Schema der Versuchsanordnung.

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lust und unter Berücksichtigung der
Tabelle 1: Diffusionsgeschwindigkeit für Sauerstoff in fJg/1 . h
Dichte von Eisen (7,9 g/cm 3 ) nach
Rohr 20 °C 30 °C 40 °C
Nr. 1 VPE 66 106 147 m (Fe)
Nr. 2 VPE 90 169 263
Nr. 3 PPC 58 118 195
der Dickenverlust !J. s in fJm berechnen .
Nr. 4 PPC 50 116 211 Für eine Fläche von 15 m 2 errechnet sich
Nr. 5 VPE 42 106 205 bei einer umgesetzten Eisenmenge von
Nr.6 PPC 80 174 302 32.000 g ein Dickenverlust von 270 fJm .
Nr. 7 VPE 49 82 117
Nr.8 PB 57 129 230 Die Berechnungsdaten für dieses Bei-
Nr. 9 VPE 89 179 270 spiel entsprechen den Verhältnissen, die
Nr. 10 PB 98 173 248 in der Heizungsanlage vorgelegen
Nr. 11 PPC 80 194 309 haben, aus der das in Bild 1 dargestellte
Nr.12 PB 112 226 340 Rauchrohr stammt. Als Permeationskoef-
Nr. 13 PB 96 200 304 fizient wurde mit 7500 fJg . mm 2/1 . h . bar
Nr. 14 VPE 113 170 228 nach Tabelle 2 ein mittlerer Wert für 40 ° C
angenommen . Für den Fall einer un-
(VPE = Vernetztes Polyethylen , PPC = Polypropylen-Copolymerisat, PB = Polybuten) gleichmäßigen Korrosion , wie sie an Bild 1
erkennbar in dieser Anlage aufgetreten
Permeationskoeffizient*) P herangezo- von - 440 g für die Sauerstoffmenge, die ist, muß bei einer Berechnung nach
gen , der sich nach über Diffusion durch die Kunststoffrohre GI. (11) anstelle der gesamten wasserbe-
in das Heizungswasser gelangen kann . rührten Stahloberfläche die tatsächlich
s korrodierende Fläche eingesetztwerden .
P= 5·d . (0,5 d -S)2 . vDiff (6) Dementsprechend können - 1300 g Rost
entstehen . Die tatsächlich auftretende Die Nichtbeachtung dieser Tatsache
führt bei den Abschätzungen von Schar-
in der Einheit fJg . mm 2/1 . h · barergibt [3] . Menge an Rostschlamm wird jedoch
erheblich geringer sein als die berech- mann [6] zu der falschen Schlußfolge-
In Tabelle 2 sind die Mittelwerte und nete, da normalerweise die Korrosions- rung , daß der für Korrosionsgeschwindig-
Streubereiche für die drei Kunststoffar- produkte fest auf der Rohrwandung haf- keiten von 1,25 mm/Jahr erforderliche
ten zusammengestellt. ten. Bild 3 zeigt die an einem Kesselvor- Sauerstoff nicht über Diffusion durch
die Kunststoffrohre in das Heizungswas-
ser gelangen kann, sondern aus anderen
Quellen stammen muß. Bei Berücksichti-
Tabelle 2: Permeationskoeffizienten in fJg . mm 2/1 . h . bar
gung des Umstandes, daß Durchrostun-
20 °C 30 °C 40 ° C
gen in Heizungsanlagen mit Kunststoff-
Mittelwert 2220 (1140-3150) 4440 (2620-7150) 7020 (3760-11360) rohren bisher nur als Folge ungleichmäßi-
VPE 2030 (1140-2860) 3690 (2620-5740) 5610(3760-8620) ger Korrosion aufgetreten sind, erfordert
PPC 2310 (1600-2940) 5200 (3720-7150) 8740(6760-11360) auch die Modellrechnung von Schar-
PB 2410(1820-3150) 4810 (4120-5540) 7450 (6840-7930) mann lediglich die zusätzliche Annahme
eines auf 1/25 der Gesamtfläche
begrenzten Anteils der tatsächlich korro-
Aus der Diffusionsgeschwindigkeit oder laufstutzen strömungsorientiert aufge- dierenden Fläche .
dem Permeationskoeffizienten , dem wachsenen Rostprodukte. Dies ist wahr-
scheinlich auch der Grund dafür, daß die Die Ursachen, die dazu führen , daß die
Rohrdurchmesser, der Wanddicke, der
Störungen durch Rostschlammbildung Korrosion nicht gleichmäßig , sondern
Rohrlänge und der Zeit errechnet sich
insgesamt verhältnismäßig selten auftre- ungleichmäßig abläuft, können sehr
die Menge des über Diffusion durch die
ten. unterschiedlich sein. In dem in Bild 1 dar-
Kunststoffrohre in die Heizungsanlage
gestellten Beispiel haben sich offensicht-
gelangenden Sauerstoffs m(02) in g nach Auf ähnliche Weise läßt sich die Vermin -
lich beim ersten Aufheizen des Heizkes-
9 derung derWanddicke von Bauteilen aus
m (O:z) = vDiff" TI • (0,5d -S)2. L · t . 10- (7) sels auf der Unterseite des Rauchrohres
Stahl abschätzen. Wenn man davon aus-
d Luftblasen festgesetzt und die örtliche
geht, daß die Korrosionsprodukte auf der
m (02) = P . 02
, . -s . TI • L . t . 10- 9 (8) Korrosion in Gang gebracht. In einem
Wand aufwachsen und kein Rost-
schlamm gebildet wird, ist die Reak- anderen Schadenfall war erkennbar, daß
Abschätzung der Korrosionsrate tionsgleichung die örtliche Korrosion durch Reste von
Korrrosionsschutzölen auf den Blechen
Wenn es darum geht, wieviel Rost- 3 Fe + 202 -+ Fe304 (10) ausgelöst worden war. Diese Öle sollen
schlamm in einer Heizungsanlage maxi- die Bleche während des Transportes und
mal gebildet werden kann, dann ist die anzusetzen . Hiernach können durch 1 g
der Lagerung vor der Verarbeitung gegen
Reaktionsgleichung Sauerstoff 2,6 g Eisen korrodiert werden .
Rostbildung schützen . Wenn die Öle bei
Bei Annahme eines Permeationskoeffi-
2 Fe + H20 + 3/202 -+ 2 FeOOH (9) der Berührung mit sauerstoffhaltigem
zienten von 7500fJg · mm 2 /1 · h · bar, eines
Wasser nicht schnell genug abgewa-
zugrunde zu legen. Danach können Rohrdurchmessers von 20 mm , einer
schen werden, kommt es an der
durch 1 g Sauerstoff 3,7 g Rost erzeugt Rohrwanddicke von 2 mm und einer
schwächsten Stelle des Ölfilms zu ersten
werden. Bei Annahme einer Diffusionsge- Rohrlänge von 20.000 m ergibt sich nach
Korrosionsansätzen, die dann zu Anoden
schwindigkeit von 250 fJgII . h, eines GI. (8) für eine Zeit von 1 112 Jahren (24 .
365 . 1,5 h) ein Wert von - 12.400 g für von Korrosionselementen werden . Die
Rohrdurchmessers von 20 mm , einer
Rohrwanddicke von 2 mm und einer m (O:z) . Dementsprechend können benachbarten Flächen bilden die Katho-
Rohrlänge von 1000 m ergibt sich nach - 32.000 g Eisen korrodiert werden . Für den, die durch die korrodierenden Ano-
GI. (7) für ein Jahr (= 24 . 365 h) ein Wert den Fall einer gleichmäßigen Korrosion den wie beim kathodischen Schutz mit
läßt sich bei Kenntnis der wasserberühr- "Opferanoden " vor Korrosion bewahrt
*) Permeation = Durchdringung , Durch- ten Stahloberfläche der Heizungsanlage werden . Charakteristisches Kennzei-
tritt. F (Fe) der flächenbezogene Massenver- chen für diese Korrosionsart ist das Auf-

schadenprisma 2/82 19
sen Bedingungen durch Korrosion prak-
tisch nicht beeinträchtigt werden , dann
liegt es nahe, an eine Systemtrennung zu
denken. Wenn der Sekundärkreis nur
Kunststoffrohre sowie Verteiler, Rohrlei-
tungen und Wärmeübertrager aus nicht-
rostendem Stahl oder Kupfer enthält,
dann kann die Sauerstoffdiffusion durch
die Kunststoffrohre keinen Schaden an
den metallischen Werkstoffen verursa-
chen . Der Primärkreis mit dem Kessel
kann dann wie bisher aus unlegierten
Eisenwerkstoffen bestehen, wenn er wie
üblich in geschlossener Ausführung
erstellt wird .
Der Investitionsaufwand ist wegen des
zusätzlich erforderlichen Wärmeübertra-
gers und der höherwertigen Werkstoffe
im Sekundärkreislauf zwangsläufig grö-
ßer als bei den bisher erstellten Anlagen .
Ob diese Lösung auf die gesamte
Lebensdauer einer Anlage gesehen trotz-
dem wirtschaftlicher ist als die Verhinde-
rung von Korrosionsschäden durch Was -
serbehandlung, müßte von Fall zu Fall
berechnet werden .

Bild 3. Wasserbehandlung
Korrosionserscheinungen
in einem Kesselvo rlauf- Bei Neuanlagen besteht eine weitere
stutzen . Möglichkeit zum Korrosionsschutz in der
Zugabe von Inhibitoren zum Heizungs-
wasser.
Mit Inhibitoren können auch bei Anwe-
senheit von Sauerstoff Korrosionsschä-
treten von örtlich begrenzten Korrosions- auf die allen Kunststoffen eigene Eigen- den verhindert werden. Inhibitoren wer-
steIlen in einer ansonsten nicht angegrif- schaft der Durchlässigkeit für Gase den zumeist nicht in reiner Form, sondern
fenen und häufig noch metallisch blan - zurückzuführen . In anderen Bereichen als Mischung verschiedener Wirkstoffe
ken Fläche. In derartigen Fällen kann die der Kunststoffverwendung ist diese hin z. B. mit Härtestabilisatoren, Biociden ,
tatsächlich korrodierende Fläche weni - und wieder störende Eigenschaft durch Sauerstoffbindemitteln oder Frost-
ger als 111 00 der Gesamtfläche aus- Verwendung metallischer Einlagen beho- schutzmitteln verwendet. Als bekannte-
machen . ben worden . Als Beispiel mögen hier die stes Beispiel ist die Verwendung von Inhi-
für Lebensmittelverpackungen verwen- bitoren in Kfz-Kühlkreisläufen in Kombi-
Bei Kenntnis der zumindest in der Grö- deten Kunststoff-Aluminium-Folien die-
ßenordnung abschätzbaren Sauerstoff- nation mit Frostschutzmitteln zu nennen.
nen , die z. B. bei Kaffee das Herausdiffun- Nur den Inhibitoren ist es zu verdanken ,
menge, die über die Kunststoffrohre in dieren von Aromastoffen oder bei Fetten
das Heizungswasser gelangt, kann somit daß es in diesen Systemen trotz Anwe-
das die Haltbarkeit beeinträchtigende senheit von Sauerstoff und Zusammmen -
zwar das Ausmaß der möglichen Kor r 0 - Eindiffundieren von Sauerstoff verhin-
si 0 n abgeschätzt werden, eine Aus- bau verschiedenster Metalle nichtzu Kor-
dern . rosionsschäden kommt.
sage über das Risiko eines Kor r 0 -
si 0 n s s c h ade n s ist jedoch nicht Nach demselben Prinzip können auch Wichtig bei der Anwendung von Inhibito-
möglich . Die Wahrscheinlichkeit für das Kunststoffrohre diffusionsdicht gemacht ren ist einerseits, daß sie in ausreichender
Auftreten eines Korrosionsschadens werden [7] . Entsprechende Rohre mit Menge eingesetzt werden , weil sie in
hängt viel mehr von Besonderheiten der Aluminiumfolie als Diffusionssperre sind Unterkonzentration u. U. Lochfraß ver-
jeweiligen Heizungsanlage ab, die dar- bereits auf dem Markt erhältlich . Selbst ursachen können und andererseits, daß
über entscheiden , ob die Korrosionspro- wenn die Aluminiumfolie auf der Bau- die begrenzte Dauer der Wirksamkeit
dukte fest auf der Wandung haften oder stelle örtlich verletzt werden sollte, ist berücksichtigt wird . Speziell in Verbin -
als Schlamm in das System gelangen dies nicht kritisch, wenn sie in den übri- dung mit Kunststoffrohren muß sicherge-
bzw. ob die Korrosion gleichmäßig oder gen Bereichen dicht anliegt. Die Sauer- stellt sein, daß durch die Inhibitoren die
ungleichmäßig abläuft. Aufgrund der stoffmenge, die an einer Verletzungs- Innendruckzeitstandfestigkeit der Rohre
heute vorliegenden Kenntnisse ist davon steIle durch das Rohr diffundieren kann, nicht beeinträchtigt wird bzw. daß die
auszugehen , daß Korrosionsschäden ist dann so gering, daß Korrosionsschä- Inhibitoren keine Spannungsrißkorrosion
innerhalb der ersten 10 Jahre nicht sehr den nicht zu befürchten sind .
wahrscheinlich, aber dennoch grund- bei den Rohren auslösen.
sätzlich möglich sind . Bei dieser Sachlage Systemtrennung
Es ist deshalb unbedingt zu empfehlen ,
ist es unumgänglich , nach geeigneten Wenn man davon ausgeht, daß es im nur solche Zusätze zu verwenden , die
Schutzmaßnahmen zu suchen . wesentlichen nur die unlegierten Eisen- von dem jeweiligen Rohrhersteller aus-
werkstoffe sind, die durch sauerstoffhalti- drücklich zugelassen sind .
Rohre mit Diffusionssperre ges Heizungswasser gefährdet sind,
Die Korrosionsprobleme in den Hei- während z. B. nichtrostender Stahl und Bei bereits bestehenden Anlagen müs-
zungsanlagen mit Kunststoffrohren sind die meisten Kupferwerkstoffe unter die- sen erhöhte Anforderungen an die Inhibi-

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toren gestellt werden . Die meisten Inhibi- nen . Mit diesem Risiko muß der Betreiber Literatur
toren, die die anodische Teilreaktion der leben . Im Schadenfall wird er vermutlich SHT -Diskussion "Luft in Fußboden-
Korrosion hemmen, sind hier nicht ein- den Heizungsbauer in Regreß nehmen heizungen "
setzbar, weil sie an bereits mit Rost abge- können, es sei denn , daß dieser den Sanitär- und Heizungstechnik,
deckten Stellen Lochkorrosion auslösen Betreiber vorher schriftlich auf das Risiko Heft 4 1980, S. 289-301
können. In diesen Fällen ist wahrschein- eines Korrosionsschadens hingewiesen 2 W. Sturm
lich die Verwendung von Sauerstoffbin- hat. Wenn der Heizungsbauer dies nicht Sanitär- und Heizungstechnik,
demitteln wie Natriumsulfit oder Hydrazin getan hat, ist er derjenige , der mit dem Heft 2 1981 , S. 81-82
vorteilhafter. Der Einsatz dieser zur Was- Schadenrisiko zu leben hat. Im Zweifels- 3 C.-L. Kruse
serbehandlung in größeren Heizungs- fall muß er sich vom Betreiber oder einem sbz Sanitär-, Heizungs- und Klima-
anlagen durchaus üblichen Chemikalien in Vorlage getretenen Leitungswasser- technik, Heft 221980, S. 2038-2040,
bedingt eine sorgfältige Berechnung der
versicherer vorwerfen lassen , daß er VDI-Berichte Nr. 388, 1980, S. 57-'61
Zugabemengen , die zur Bindung der
durch Unterlassen von Schutzmaßnah - 4 C.-L. Kruse
nach GI. (7) bzw. (8) zu ermittelnden
men bei der Erstellung der Anlage einen Sanitär- und Heizungstechnik,
Sauerstoffmengen notwendig sind . Dies
Korrosionsschaden billigend in Kauf Heft 21981 , S. 80
und die erforderliche regelmäßige War-
genommen hat. Daß die Hersteller und 5 VDI-Richtlinie 2035,
tung und Kontrolle kann bei Heizungs-
Vertreiber von Kunststoffrohren keine "Verhütung von Schäden durch Korro-
anlagen in Ein- oder Zweifamilienhäusern
Bereitschaft erkennen lassen , sich an sion und Steinbildung in Warmwas-
allerdings Probleme bereiten.
dem Schadenrisiko, das nach ihren Aus- serheizungsanlagen " Juli 1979
sagen praktisch gar nicht existiert, in 6 R. Scharmann
Ausblick irgendeiner Form zu beteiligen , ist nicht SWT Anlagen-Systemtechnik,
Die Tatsache, daß bisher verhältnismäßig leicht verständlich . Angesichts dieser Heft 11980, S. 32-37
wenig Korrosionsschäden bekannt Situation kann es nicht verwundern , DIE KÄLTE und Klimatechnik, Heft 6
geworden sind, darf nicht darüber hin - wenn sich mancher Heizungsbauer dar- 1981 , S. 218-224
wegtäuschen, daß grundsätzlich in jeder an erinnert, daß man Fußbodenheizun- 7 T. Engel
Anlage ohne zusätzliche Schutzmaßnah- gen auch aus metallischen Werkstoffen Sanitär- und Heizungstechnik,
men Korrosionsschäden auftreten kön- herstellen kann . Heft 2 1981 , S. 93-97

Sicherheitsaspekte bei Transport und


Lagerung explosionsgefährlicher Stoffe
Manfred S t eid i n ger

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich Stoffe sind reine feste oderflüssige Stoffe gen , Suspensionen oder Emulsionen mit
mit einer Stoffgruppe, die zu den gefährli- oder Stoffmischungen in Form von stark exothermer Reaktionsfähigkeit, die
chen Gütern gerechnet wird - den explo- Gemengen , Lösungen , Aufschlämmun - meist aus verbrennlichen und oxydieren-
sionsgefährlichen festen und flüssigen
Stoffen . Um die Ausführungen nicht allzu-
weit ausufern zu lassen, beschränkt sie
sich nur auf einige Teilaspekte der Sicher-
heit beim Transport und bei der Lagerung
dieser Stoffgruppe.

Definitionen
An den Anfang sollen einige Definitionen
gestelltwerden, um so den sachlich-stoff-
lichen Rahmen, in dem die getroffenen
Aussagen gelten , unmißverständlich zu
machen.
Das Bild 1 dient der Erklärung der Zusam -
menhänge , die zwischen den einzelnen
Stoffgruppen bestehen.
Die kondensierten festen und flüssigen
Stoffe lassen sich in explosionsfähige
und nicht explosionsfähige Stoffe unter-
teilen . Explosionsfähige kondensierte

Dr. Manfred Steidinger


Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) ,
Berlin Bild 1. Stammbaum der explosionsgefährlic hen Stoffe.

schadenprisma 2/82 21