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Chapter · March 2009

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DIN 1045-1 (08.2008) – Bemessung und Konstruktion von Betonbauteilen

Klaus Holschemacher

1

Einführung

Die bauartspezifischen Bemessungsnormen, zu denen auch die DIN 1045-1, Tragwer- ke aus Beton und Stahlbeton, Teil 1, Bemessung und Konstruktion, gehört, sind seit etwa 10 Jahren starken Veränderungen unterworfen. Zum einen wurden die notwendi- gen Angleichungen an das in DIN 1055-100 [1] formulierte semiprobabilistische Sicherheitskonzept mit Teilsicherheitsbeiwerten vorgenommen, zum anderen die Be- messungs- und Konstruktionsregeln an mittlerweile allgemein anerkannte Forschungsergebnisse und Erfahrungswerte angepasst. Darüber hinaus wurde die Ge- legenheit genutzt, die nationalen Normen soweit wie möglich den zukünftigen Euronormen anzugleichen. Damit wird die um das Jahr 2011 zu erwartende Umstel- lung der nationalen Bemessungsnormen auf europäische Normen inhaltlich bereits zu einem großen Teil vorweggenommen.

Was den Betonbau betrifft, führte die im Jahre 2002 erfolgte bauaufsichtliche Einfüh- rung von DIN 1045-1 (07.2001) [2] im Vergleich zur Vorgängernorm DIN 1045 (07.1988) [3] zu einschneidenden Änderungen bei der rechnerischen Nach- weisführung und Konstruktion von Bauteilen aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton (nachfolgend verallgemeinernd Betonbauteile genannt). Bereits nach kurzer Zeit zeigte sich, dass seitens der Praxis erheblicher Auslegungsbedarf zu einzelnen normativen Regelungen bestand. Daneben erschwerte eine Reihe von Druckfehlern das Arbeiten mit der Norm. Um diesen Zustand zu verbessern, wurde bereits im Juli 2002 die Be- richtigung 1 zu DIN 1045-1 (07.2001) herausgegeben, der im Juni 2005 die Berichtigung 2 folgte. Außerdem wurde seitens des Normenausschusses Bauwesen (NABau) eine Reihe von Normenauslegungen getroffen, unter www.nabau.din.de [4] veröffentlicht und regelmäßig aktualisiert.

Um die durch die verschiedenen Berichtigungen und Auslegungen mittlerweile doch etwas unübersichtlich gewordene Situation zu bereinigen und bereits einige Regelun- gen aus dem zukünftigen nationalen Anwendungsdokument zum Eurocode 2 übernehmen zu können, wurde die Entscheidung getroffen, DIN 1045-1 bis 4 kurzfris- tig neu herauszugeben, was schließlich auch im August 2008 erfolgte. Nachfolgend sollen einige der in DIN 1045-1 (08.2008) [5] vorgenommenen Änderungen der Be-

Betonbau im Wandel

messungs- und Konstruktionsregeln für Betonbauteile näher dargestellt werden, ohne dass dabei der Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden kann.

Die in DIN 1045-1 (08.2008) geänderten bzw. neu eingeführten Regelungen betreffen unter anderem:

Einführung von Feuchtigkeitsklassen in Zusammenhang mit der Gefahr der Alka- li-Kieselsäurereaktion des Betons,

ergänzende Angaben zur Betondeckung der Bewehrung,

Berücksichtigung der Kriechauswirkungen des Betons im Modellstützenverfahren,

Mindestquerkrafttragfähigkeit von Bauteilen ohne Querkraftbewehrung,

Neufassung des Abschnittes zur Schubkraftübertragung in Fugen,

Bestimmung der einwirkenden Querkraft beim Durchstanznachweis für Wand- enden und –ecken,

Durchstanznachweis von Fundamenten,

Ermüdungseigenschaften von Betonstahl,

Nachweis der Rissbreitenbegrenzung bei dicken Bauteilen,

Neufassung bzw. Ergänzung einzelner Konstruktionsregeln (Querbewehrung bei Übergreifungsstößen und in Stützen, Kontaktstöße).

2

Dauerhaftigkeit

2.1 Mindestbetonfestigkeitsklassen für Leichtbeton (DIN 1045-1, Tabelle 3)

In DIN 1045-1, Tabelle 3 sind expositionsklassenabhängige Mindestbetonfestigkeits- klassen für Leichtbeton nicht mehr angegeben. Dies wird damit begründet, dass die Dauerhaftigkeitseigenschaften von Leichtbetonen ebenso wie die von Normalbetonen sehr stark von der Betonzusammensetzung, insbesondere vom Wasserzementwert und dem Mindestzementgehalt beeinflusst werden. Die Druckfestigkeit von Leichtbetonen wird dagegen deutlich von der Festigkeit der leichten Gesteinskörnung beeinflusst, weshalb ein Zusammenhang zwischen Dauerhaftigkeit und Mindestbetonfestigkeits- klasse nur bedingt gegeben ist [6]

2.2 Feuchtigkeitsklassen (DIN 1045-1, Tabelle 3)

In DIN 1045-1 (08.2008), Tabelle 3 sind nunmehr auch Feuchtigkeitsklassen zur Klas- sifizierung der Gefahr der Betonkorrosion infolge Alkali-Kieselsäurereaktion enthalten. Die Klassifizierung in eine bestimmte Feuchtigkeitsklasse hat keine unmit- telbare Folge für die Bemessung und Konstruktion von Betonbauteilen, ist aber bei der Zusammensetzung des Betons durch die Auswahl einer geeigneten Gesteinskörnung bzw. eines geeigneten Zements zu beachten. Die Feuchtigkeitsklassen sind in den Aus- führungsunterlagen anzugeben.

2

DIN 1045-1 (08.2008) – Bemessung und Konstruktion von Betonbauteilen

Weitere Hinweise zur Zuordnung der Feuchtigkeitsklasse sind der DAfStb-Richtlinie „Vorbeugende Maßnahmen gegen schädigende Alkalireaktion im Beton“ zu entneh- men [7].

Tabelle 1: Feuchtigkeitsklassen nach DIN 1045-1 (08.2008), Tabelle 3

Feuchtig-

   

keits-

Umgebung

Beispiele

klasse

 

Beton, der nach normaler Nachbehandlung nicht längere Zeit feucht und nach dem Austrocknen während der Nutzung weitgehend trocken bleibt.

Innenbauteile des Hochbaus,

WO

Bauteile, die der Außenluft, nicht jedoch z.B. Niederschlag, Oberflächenwasser, Bodenfeuchtigkeit oder einer ständigen relativen Luftfeuchte größer 80% ausge- setzt sind.

   

Außenbauteile, die Niederschlag, Oberflä- chenwasser oder Bodenfeuchtigkeit ausge- setzt sind,

WF

Beton, der während der Nut- zung häufig oder längere Zeit feucht ist.

Innenbauteile des Hochbaus für Feucht- räume (z.B. Hallenbäder, Wäschereien),

Bauteile mit häufiger Taupunktunterschrei- tung (z.B. Schornsteine, Viehställe),

 

massige Bauteile, deren kleinste Abmes- sung 0,80 m überschreitet.

   

Bauteile mit Meerwassereinwirkung,

WA

Beton, der zusätzlich zu der Beanspruchung nach Klasse WF häufiger oder langzeitiger Alkalizufuhr von außen aus- gesetzt ist.

Bauteile unter Tausalzeinwirkung ohne gleichzeitig hohe dynamische Beanspru- chung (z.B. Spritzwasserbereiche, Fahr- und Stellflächen in Parkhäusern),

Bauteile von Industriebauten und landwirt- schaftlichen Bauwerken mit Alkalisalzein- wirkung (z.B. Güllebehälter).

WS

Beton, der hoher dynamischer Beanspruchung und direktem Alkalieintrag ausgesetzt ist.

Bauteile unter Tausalzeinwirkung mit gleichzeitig hoher dynamischer Beanspru- chung (z.B. Betonfahrbahnen).

2.3 Mindestbetondeckung (DIN 1045-1, 6.3 und Tabelle 4)

In DIN 1045-1, Tabelle 4 wird die Mindestbetondeckung zum Schutz der Bewehrung gegen Korrosion c min in Abhängigkeit von der vorliegenden Expositionsklasse angege- ben. Sofern die gewählte Betonfestigkeitsklasse um mindestens zwei Festigkeitsklassen über der Mindestbetonfestigkeitsklasse nach DIN 1045-1, Tabelle 3 liegt, darf bei Verwendung von Normalbeton diese Mindestbetondeckung um 5 mm reduziert werden. Eine derartige Vorgehensweise ist bei Normalbeton deshalb gerecht- fertigt, weil davon ausgegangen werden kann, dass der Beton mit zunehmender

3

Betonbau im Wandel

Druckfestigkeit auch dichter wird. Leichtbeton ist dagegen in DIN 1045-1 von der Möglichkeit der Reduzierung der Mindestbetondeckung ausgeschlossen worden, weil hier kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Betondruckfestigkeit und Dichtig- keit des Betongefüges besteht.

Das in DIN 1045-1, Tabelle 4 mit Werten von 10 bis 15 mm angegebene Vorhaltemaß Δc gilt in der angegebenen Größe nur dann, wenn die Korrosionsschutzanforderungen für die Festlegung des Verlegemaßes der Betondeckung c v maßgebend werden. Wird dagegen das Verlegemaß der Betondeckung von der Verbundsicherung bestimmt (d s c min ), dann darf für das Vorhaltemaß c v = 10 mm angesetzt werden.

Im Bereich der Verbundfugen von Halbfertigteilen bestehen zwei Möglichkeiten zum Ansatz einer reduzierten Betondeckung:

Nach DIN 1045-1, Tabelle 4, Fußnote b) dürfen bei kraftschlüssiger Verbindung von Ortbeton mit einem Fertigteil die Mindestbetondeckung der Bewehrung im Bereich der Verbundfuge auf 5 mm im Fertigteil und auf 10 mm (bei rauer Fuge 5 mm) im Ortbeton reduziert werden. Allerdings sind die Anforderungen zur Ver- bundsicherung (d s c min ) einzuhalten, sofern die Bewehrung im Bauzustand ausgenutzt wird. Auf den Ansatz des Vorhaltemaßes Δc darf jeweils verzichtet werden.

Nach DIN 1045-1, 6.3 (12) darf bei rau oder verzahnt ausgeführten Verbundfugen die im Ortbeton angeordnete Bewehrung auch direkt auf der Fertigteilfugenober- fläche aufgelegt werden. Allerdings dürfen für den Verbund der betreffenden Stäbe nur mäßige Verbundbedingungen angesetzt werden. Im Bereich von Ele- mentfugen ist durch das erforderliche Nennmaß der Betondeckung der Korrosionsschutz der Bewehrung zu gewährleisten.

der Korrosionsschutz der Bewehr ung zu gewährleisten. Bild 1: Unmittelbar auf der Fertigteiloberfläche

Bild 1: Unmittelbar auf der Fertigteiloberfläche angeordnete Bewehrungsstäbe

4

DIN 1045-1 (08.2008) – Bemessung und Konstruktion von Betonbauteilen

3 Grenzzustände der Tragfähigkeit

3.1 Modellstützenverfahren – Berücksichtigung des Betonkrie- chens (DIN 1045-1, 8.6.3)

Auswirkungen des Betonkriechens können bei Verfahren nach Theorie II. Ordnung mittels der effektiven Kriechzahl ϕ eff berücksichtigt werden. Diese entspricht einer Kriechverformung, die aus der quasi-ständigen Beanspruchung hervorgeht.

ϕ

eff

=ϕt

,

0

(

)

M 1perm

M 1Ed

(

ϕ ,t

0

)

M 1perm

Endkriechzahl

Biegemoment nach Theorie I. Ordnung unter der quasi-ständigen Einwirkungskombination in den Grenzzuständen der Gebrauchstaug- lichkeit einschließlich Imperfektionen

M E1d Biegemoment nach Theorie I. Ordnung unter der für die Bemessung maßgebenden Einwirkungskombination in den Grenzzuständen der Tragfähigkeit einschließlich Imperfektionen

Bei Anwendung des Modellstützenverfahrens zur Berechnung von Druckgliedern ist die zusätzliche Lastausmitte e 2 infolge der Auswirkungen nach Theorie II. Ordnung zu bestimmen. Die Berücksichtigung von Kriechauswirkungen erfolgt dabei nunmehr durch den Faktor K ϕ , der auf der Basis der effektiven Kriechzahl zu ermitteln ist.

e

2

K ϕ

= K K

1

ϕ

(1/ )

r

l

0

2

/10

Beiwert zur Berücksichtigung der Kriechverformungen

K = +βϕ

ϕ

1

eff

1

Sofern die Tragwerksverformungen infolge Betonkriechen vernach- lässigt werden dürfen, gilt K ϕ = 1.

β =

f ck

0,35

+ f

ck

200 − λ
200
− λ

150

Charakteristischer Wert der Betondruckfestigkeit (in N/mm 2 oder MN/m 2 )

λ Schlankheit des Druckglieds

5

Betonbau im Wandel

3.2 Mindestquerkrafttragfähigkeit von Bauteilen ohne Quer- kraftbewehrung (DIN 1045-1, 10.3.3)

Die Querkrafttragfähigkeit V Rd,ct von biegebeanspruchten Bauteilen ohne Querkraft- bewehrung kann nach DIN 1045-1, Gln. (70) ermittelt werden. Dabei wurde der für die ständige und vorübergehende Bemessungssituation gültige Vorwert 0,10 durch den Ausdruck 0,15/γ c ersetzt, um auch die außergewöhnliche Bemessungssituation auf ein- fache Weise erfassen zu können. Darüber hinaus wurde der im Eurocode 2 enthaltene Ansatz für die Mindestquerkrafttragfähigkeit von Bauteilen ohne Querkraftbewehrung in modifizierter Form übernommen. Die Änderungen gegenüber dem EC2-Ansatz wa- ren erforderlich, da ansonsten die Querkrafttragfähigkeit bei hohen Nutzhöhen und geringen Längsbewehrungsgraden überschätzt worden wären [6], [8].

Die Querkrafttragfähigkeit V Rd,ct von Bauteilen ohne Querkraftbewehrung ist nunmehr wie folgt zu ermitteln:

V

Rd,ct

=

0,15

γ

c

κη

1

(

100

ρ

l

f

ck

)

1 3

0,12

σ

cd

b d V

w

Rd,ct,min

(Einheiten in N, N/mm 2 und mm oder MN, MN/m 2 und m)

V Rd,ct,min

Mindestwert der Querkrafttragfähigkeit =[ ⋅v η − 0,12 σ ⋅ ]⋅b ⋅d V Rd,ct,min 1
Mindestwert der Querkrafttragfähigkeit
=[ ⋅v
η
0,12 σ
]⋅b ⋅d
V Rd,ct,min
1
min
cd
w
κ
1
3
v
=
κ f
min
ck
γ
c
d − 600 ⎧
≥ 0,0375
0,0525
0,015
κ 1 =
200
≤ 0,0525
200
κ
Maßstabsfaktor,
κ =1+
d

2,0

d Nutzhöhe in mm

η 1

σ cd

ρ l

für Normalbeton: η 1 = 1,0; für Leichtbeton: η 1 in Abhängig- keit von der Rohdichte

Betonlängsspannung in Höhe des Schwerpunktes des Quer- schnittes

Längsbewehrungsgrad,

ρ

l

A sl

= b d

w

0,02

6

DIN 1045-1 (08.2008) – Bemessung und Konstruktion von Betonbauteilen

3.3 Schubkraftübertragung in Fugen (DIN 1045-1, 10.3.6)

DIN 1045-1, Abschnitt 10.3.6, Schubkraftübertragung in Fugen, ist vollständig über- arbeitet worden. Die wesentlichsten Änderungen sind:

Umstellung auf das Bemessungskonzept des Eurocode 2,

Verschärfung der Anforderungen an die raue Fugenausbildung,

Änderung der Konstruktionsregeln für die Verbundbewehrung in Platten.

Hinsichtlich der Oberflächenbeschaffenheit der Verbundfuge gelten nunmehr die Fest- legungen nach Tabelle 2. Bezüglich der Einschätzung der Zuordnung der Oberflächenrauigkeit einer Verbundfuge darf auch auf das Sandflächenverfahren nach Kaufmann zurück gegriffen werden.

Tabelle 2: Oberflächenbeschaffenheit und Eigenschaften der Verbundfuge

Oberflächen-

 

c j b)

   

beschaffenheit

Beschreibung

μ

v

verzahnt

Freilegen des Korngerüsts auf mindestens 6 mm Tiefe bei einer Gesteinskörnung mit einem Größt- korn von d G 16 mm

0,5

0,9

0,7

Ausbildung der Geometrie der Verzahnung nach DIN 1045-1, Abbildung 35a.

rau

Oberfläche mit einer durch Rechen oder Freilegen der Gesteinskörnung erzeugten Rauigkeit von min- destens 3 mm Tiefe bei ungefähr 40 mm Abstand

0,4 a)

0,7

0,5

 

abgezogene oder im Gleit- bzw. Extruderverfahren hergestellte Oberflächen,

0,2 a)

   

glatt

Oberflächen, die nach dem Verdichten ohne weite- re Behandlung bleiben.

0,6

0,2

 

gegen Stahl, Kunststoff oder glatte Holzschalung betonierte Oberfläche,

     

sehr glatt

unbehandelte Fugenoberflächen von Beton mit fließfähiger bzw. sehr fließfähiger Konsistenz (Ausbreitmaßklasse F5)

0

0,5

0

a) Für glatte und raue Fugen ist c j = 0 zu setzen, sofern die Fuge unter Zug steht. Dies gilt wegen des nicht vorhandenen Haftverbundes auch für Fugen zwischen nebeneinander liegenden Fertigteilen, wenn keine Verbindung durch Mörtel oder Kunstharz vorhanden ist.

b) Bei Ermüdungsbeanspruchung ist c j = 0 zu setzen.

 

7

Betonbau im Wandel

Der Bemessungswert der in der Verbundfuge zu übertragenden Schubkraft v Ed darf wie folgt ermittelt werden:

v Ed =

F cd

F cdj

F

cdj

F

cd

V Ed

z

Bemessungswert

Querschnitt F = M cd Ed
Querschnitt
F
=
M
cd
Ed

z

der

Gurtlängskraft

infolge

Biegung

im

betrachteten

Bemessungswert des über die Fuge zu übertragenden Längskraftanteils

z Hebelarm der inneren Kräfte, näherungsweise gilt z = 0,9 d

Ist die Verbundbewehrung gleichzeitig Querkraftbewehrung gilt wie beim

Nachweis der Querkrafttragfähigkeit:

z = d − ⋅c d c

2

v,l

v,l

30 mm

.

Der Bemessungswert der in der Verbundfuge aufnehmbaren Schubkraft v Rdj setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen:

Haftverbund:

ηc f

1

j

Nd

μσ

ctd

Reibung:

Bewehrung:

Zusammengesetzt erhält man für v Rdj :

a

s

f

yd

(1,2 μ sin α cosα )

+

.

v

Rd, j

=ηc f μσ b + v

1

j

ctd

Nd

[

]

Rdj,sy

v

Rdj,max

mit

v

Rdj,sy

= a

s

f

yd

(1,2 μ sin α cosα )

+

c j

Rauigkeitsbeiwert nach Tabelle 2

f ctd

Bemessungswert der Betonzugfestigkeit des ersten oder zweiten Betonier- abschnittes (der kleinere Wert ist maßgebend)

f ctd

= f

ctk;0,05

(der kleinere Wert ist maßgebend) f ctd = f ctk;0,05 γ c mit γ c für

γ

c

mit γ c für unbewehrten Beton

μ Reibungsbeiwert nach Tabelle 2

σ Nd

n Ed

Betonlängsspannung senkrecht zur Fuge (σ Nd als Betondruckspannung negativ)

σ Nd

Fuge ( σ N d als Betondruckspannung negativ) σ Nd = n b ≥− 0,6 ⋅

= n b ≥−0,6f

Ed

cd

unterer Bemessungswert der Normalkraft senkrecht zur Fuge

8

DIN 1045-1 (08.2008) – Bemessung und Konstruktion von Betonbauteilen

b Breite der Kontaktfläche

a s

α Winkel der die Fuge kreuzenden Bewehrung, 45° ≤ α ≤ 90°

Querschnittsfläche der die Fuge kreuzenden Bewehrung

v Rdj,max maximale aufnehmbare Schubkraft in der Fuge

v

Rdj, max

= ⋅vf b

0,5

cd

v Abminderungsbeiwert für die Betondruckfestigkeit nach Tabelle 2.

Die erforderliche Querschnittsfläche der die Verbundfuge kreuzenden Bewehrung lässt sich damit wie folgt ermitteln:

erf

a

sw

=

v

Ed

 

[

η

1

c

j

f

ctd

μσ

Nd

]

b

 

f

yd

(

1,2

μ

sin

α

+

cos

α)

 

Für die konstruktive Durchbildung der Verbundbewehrung gilt:

allgemein:

Die Konstruktionsregeln der Verbundbewehrung entsprechen den Konstruktions- regeln der Querkraftbewehrung.

in Platten ohne rechnerische Querkraftbewehrung:

Für die maximalen Abstände der Verbundbewehrung gilt:

in Spannrichtung:

quer zur Spannrichtung: 5 h 750 mm ( 375 mm bis zum Rand).

2,5 h 300 mm

Die Verbundbewehrung darf als Querkraftbewehrung angerechnet werden, wenn die erforderlichen Konstruktions- und Bewehrungsregeln eingehalten werden.

Sonderregelungen bei bestehenden bauaufsichtlichen Zulassungen für Gitterträ- ger

Sofern gültige allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen für Gitterträger mit Bezug auf DIN 1045-1 (07.2001) vorliegen, dürfen diese entsprechend einer Auslegung des Deutschen Instituts für Bautechnik ohne Einschränkungen in Bauwerken zur Anwen- dung kommen, die nach DIN 1045-1 (08.2008) errichtet werden.

3.4 Durchstanzen – einwirkende Querkraft im Nachweisschnitt (DIN 1045-1, 10.5.3)

Der Bemessungswert der im betrachteten Nachweisschnitt aufzunehmenden Querkraft ist nach DIN 1045-1, Gln. (100) zu bestimmen. Für Wandenden und Wandecken wur- den neue β-Werte eingeführt.

9

Betonbau im Wandel

v Ed

v Ed

V Ed

= β

V

Ed

u

Bemessungswert der aufzunehmenden Querkraft je Längeneingeit

Bemessungswert der gesamten aufzunehmenden Querkraft

u Umfang des kritischen Rundschnittes

β Beiwert zur Berücksichtigung einer nicht rotationssymmetrischen Quer- kraftverteilung bei Rand- und Eckstützen bzw. Innenstützen in unregelmäßigen Systemen. Für unverschiebliche Systeme darf angenom- men werden:

– wenn keine Lastausmitte möglich ist:

– bei Innenstützen:

– bei Randstützen:

– bei Eckstützen:

– bei Wandenden:

– bei Wandecken:

β = 1,0 β = 1,05 β = 1,4 β = 1,5 β = 1,35 β = 1,2.

3.5 Durchstanzen bei Fundamentplatten (DIN 1045-1, 10.5)

Bei Fundamenten oder Bodenplatten bestehen zwei Möglichkeiten für die Anordnung des kritischen Rundschnittes:

im Abstand 1,5 d vom Stützenanschnitt entsprechend der allgemein üblichen Vorgehensweise beim Durchstanznachweis

im Abstand 1,0 d vom Stützenanschnitt (reduzierter Rundschnitt).

Bei Ansatz des reduzierten Rundschnittes darf bei der Ermittlung der einwirkenden Querkraft V Ed die Bodenpressung auf der gesamten durch den kritischen Rundschnitt eingeschlossenen Fundamentfläche abmindernd berücksichtigt werden. Weiterhin sind in diesem Fall Besonderheiten bei der Ermittlung des Durchstanzwiderstandes zu be- achten.

4 Grenzzustände der Gebrauchstauglichkeit

Änderungen bzw. Neuregelungen in DIN 1045-1 (08.2008) beziehen sich in den Grenzzuständen der Gebrauchstauglichkeit vor allem auf die Ermittlung der Mindest- bewehrung bei dicken Bauteilen. In diesem Zusammenhang wird auf den Beitrag von Maurer [10] in diesem Buch verwiesen.

10

DIN 1045-1 (08.2008) – Bemessung und Konstruktion von Betonbauteilen

5

Konstruktionsregeln

5.1 Übergreifungsstöße (DIN 1045-1, 12.8.1 und 12.8.3)

Kontaktstöße waren zuletzt in DIN 1045 (07.1988) [3] geregelt. In der nachfolgenden DIN 1045-1 (07.2001) [2] fehlte ein Hinweis auf Kontaktstöße. Nach DIN 1045-1 (08.2008) [5] dürfen Druckstäbe mit d s 20 mm in Stützen wieder durch Kontaktstoß der Stabstirnflächen ausgebildet werden, wenn folgende Voraussetzung erfüllt sind:

die gestoßenen Stäbe sind beim Betonieren lotrecht ausgerichtet,

die Stützen sind an beiden Stabenden unverschieblich gelagert,

die gestoßenen Stäbe erhalten auch unter Berücksichtigung von Verformungen nach Theorie II. Ordnung keine Zugbeanspruchungen,

ein Stoßanteil von 50% wird nicht überschritten,

die Querschnittsfläche der nicht gestoßenen Bewehrung beträgt mindestens 0,8% des statisch erforderlichen Betonquerschnittes,

die Stabstirnflächen sind rechtwinklig zur Stablängsachse hergestellt und entgratet,

der mittige Sitz der Stabstirnflächen ist durch eine feste Führung zu sichern, die die Stoßfuge vor dem Betonieren teilweise sichtbar lässt.

Für die Querbewehrung von Übergreifungsstößen wurden folgende Regelungen er- gänzt:

Für s 7 d s muss die Querbewehrung auch in flächenartigen Bauteilen bügelartig ausgebildet werden, alternativ darf die Übergreifungslänge l s um 30% erhöht wer- den.

Auf eine bügelartige Ausbildung der Querbewehrung darf verzichtet werden, wenn der Abstand der Stoßmitten benachbarter Stöße mit geraden Stabenden in Längsrichtung etwa 0,5 l s beträgt.

5.2 Querbewehrung bei Stützen (DIN 1045-1, 13.5.3)

Die Querbewehrung in Stützen muss die Längsbewehrung umschließen und ausrei- chend verankert werden. Bügel sind mit Haken zu verankern. Eine Verankerung mit Winkelhaken ist zulässig, wenn die Bügelschlösser entlang der Stütze versetzt werden und eine der nachfolgenden Maßnahmen ergriffen wird:

Vergrößerung des Mindestbügeldurchmessers min d sbü um eine Durchmessergröße

Halbierung der maximal zulässigen Bügelabstände max s bü

Anordnung angeschweißter Querstäbe (Bügelmatten)

Vergrößerung der Winkelhakenlänge von 10 d s auf 15 d s .

Literatur

[1]

DIN 1055-100: Einwirkungen auf Tragwerke. Grundlagen der Tragwerkspla- nung, Sicherheitskonzept und Bemessungsregeln. Ausgabe März 2001.

11

Betonbau im Wandel

[2]

DIN 1045-1 (07.2001): Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton. Be- messung und Konstruktion. Ausgabe Juli 2001.

[3]

DIN 1045 (07.1988): Beton und Stahlbeton, Bemessung und Ausführung. Aus- gabe Juli 1988.

[4]

Normenausschuss Bauwesen (NABau): Auslegungen zu DIN 1045-1. Stand 01.12.2008. www.nabau.din.de

[5]

DIN 1045-1 (08.2008): Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton. Be- messung und Konstruktion. Ausgabe August 2008.

[6]

Fingerloos, F.; Zilch, K.: Einführung in die Neuausgabe von DIN 1045-1. Be- ton- und Stahlbetonbau 103 (2008), H. 4, S. 221 – 235.

[7]

Deutscher Ausschuss für Stahlbeton: Richtinie „Vorbeugende Maßnahmen ge- gen schädigende Alkalireaktion im Beton“, Ausgabe Februar 2007.

[8]

Fingerloos, F.: DIN 1045 – Ausgabe 2008. Tragwerke aus Beton und Stahlbe- ton. Teil 1: Bemessung und Konstruktion. Kommentierte Kurzfassung. Beuth Verlag, Berlin, Wien, Zürich 2008. 3. Auflage.

[9] Fingerloos, F.; Litzner, H.-U.: Erläuterungen zur praktischen Anwendung der neuen DIN 1045. In: Betonkalender 2006. Ernst & Sohn, Verlag für Architektur und technische Wissenschaften, Berlin 2006.

[10]

Maurer, R.: Mindestbewehrung nach DIN 1045-1 (08.2008) für dicke Bauteile. In: Holschemacher, K. (Hrsg.): Betonbau im Wandel. Bauwerk Verlag, Berlin

2009.

12