Sie sind auf Seite 1von 3

Episches Theater

- eine Neuerung des 20. Jahrhunderts es steht für eine besondere Form des modernen
Dramas
- Bertold Brecht erneuerte das klassische aristotelische Drama
- er entwickelte diese Form sowohl theoretisch als auch praktisch auf der Bühne
- sein Ziel war es, das Publikum durch seine Stücke zum kritischen Denken anzuregen
- Brecht verwendete dazu verschiedene Mittel:
o Verfremdungseffekt: Beim sogenannten V-Effekt wird dem Zuschauer etwas
alltägliches verfremdet, d.h. anders als bekannt präsentiert; dadurch nimmt er
eine kritische Haltung zum Geschehen ein, er wird neugierig und erstaunt über
das, was er siehtdadurch soll der Zuschauer über das Stück und den Inhalt
nachdenken
o Montage-Technik: sind kritische Einschübe eines Erzählers, die in Form von
Epilogen, Prologen oder Liedern sein können

Dramatisches TheaterEpisches Theater

- Brecht verfasste 1938 die Gegenüberstellung der epischen und der dramatischen
Theaterformen
- keine absoluten Gegensätze, die Akzente wurden verschoben

Neuerungen:

- episches Theater erzählend statt handelnd


- statt den Zuschauer in eine Bühnenaktion zu verwickeln und damit seine Aktivitäten
zu verbrauchen soll das epische Theater zum Betrachten einladen. Es soll aber
Aktivitäten wecken und zum Nachdenken über das Stück und über die Inhalte anregen
- es soll nicht mehr nur Gefühle ermöglichen, sondern Entscheidungen des Zuschauers
erzwingen
- das epische Theater soll statt Erlebnissen ein Weltbild und Kenntnisse vermitteln
- es soll mithilfe des Stückes nicht miterlebt sondern studiert werden
- der Mensch ist im epischen Theater veränderlich statt unveränderlich
- die Spannung nicht auf den Ausgang sondern auf den kompletten Gang oder Verlauf
des Stücks gesetzt
- jede Szene steht für sichdas Geschehen verläuft nicht linear sondern in Kurven
- es ist kein Wachstum im Stück zu sehen, sondern es ist eine Zusammenstellung von
Textteilen mit verschieden Stilen - eine Montage
Theater sollte die Gesellschaft wiederspiegeln und das im Theater Gesehene sollte den
Zuschauer dazu anregen, über die Gesellschaft und seine Position nachzudenken
Bertold Brecht: Der gute Mensch von Sezuan

Zusammenfassung:

Drei Götter wollen in der chinesischen Provinz Sezuan beweisen, dass auch gute Menschen
auf der Erde leben. Der Wasserverkäufer Wang, der als einziger die Götter erkennt, sucht
verzweifelt eine Unterkunft für sie. Er wird erst bei der Prostituierten Shen Te fündig. Als sie
von ihren Geldsorgen berichtet, bezahlen die Götter für ihr Nachtquartier ein kleines
Vermögen. Mit diesem ersteht Shen Te einen Tabakladen und verspricht den Göttern, sich nur
noch gut zu verhalten.
Shen Te bietet zunehmend mehr Leuten in Not Unterschlupf, die sie ausnutzen. Schulden
häufen sich an. In der Rolle des rücksichtslosen Vetters Shui Ta vertreibt Shen Te
Schmarotzer. Die Miete ist allerdings immer noch ausstehend und man rät ihr, deswegen
einen vermögenden Mann zu heiraten.
Im Stadtpark begegnet Shen Te dem arbeitslosen Flieger Yang Sun, der kurz vor dem Suizid
steht. Um ihn davon abzuhalten, beginnt sie ein Gespräch und verliebt sich in ihn. Von seiner
Mutter erfährt Shen Te, dass Sun ein Stellenangebot als Postflieger in Peking bekommen habe
und dafür 500 Silberdollar benötige. Shen Te gibt ihm ohne Zögern 200 Silberdollar und
gefährdet dadurch ihren Laden.
Die Hochzeit Shen Tes und Suns soll in einem billigen Restaurant stattfinden. Shen Te gesteht
ihrem Verlobten, dass sie den Laden aufgrund ihrer Schulden bei den Alten nicht verkaufen
kann. Bei einem Gespräch zwischen Sun und seiner Mutter wird deutlich, dass er Shen Te
nicht heiraten wird, wenn sie ihm das zugesicherte Geld nicht gibt. Sun hofft, dass Shui Ta
seiner Zukünftigen helfen kann und lässt nach ihm schicken. Da Shen Te aber nicht
gleichzeitig als Shui Ta auftreten kann, wartet er vergeblich und die Hochzeit fällt ins Wasser.
Wang wirft den Göttern vor, sie würden Shen Te nicht helfen. Diese entgegnen: »Wir sind nur
Betrachtende«, die Kraft des guten Menschen »wird wachsen mit der Bürde.« Shen Te sieht
ein, dass sie mit Sun keine neue Existenz aufbauen kann, obwohl sie dafür ihren Laden
aufgegeben hat. Zudem ist sie schwanger. Im Interesse des ungeborenen Kindes setzt sie
wieder die Maske von Shui Ta auf und baut mit ausbeuterischen Methoden eine florierende
Tabakfabrik auf. Das Verschwinden von Shen Te wird Shui Ta zugeschrieben, der des
Mordes an ihr beschuldigt wird. Shui Ta wird vor Gericht gestellt, das von den drei Göttern
gebildet wird. Er beziehungsweise sie erkennt diese wieder, gibt ihnen ihre wahre Identität
Preis und erzählt ihre Geschichte. Obwohl deutlich wird, dass der Anspruch der Götter, »gut
zu sein und doch zu leben«, in dieser Welt nicht erfüllbar ist, ohne dass sich der Mensch in
eine moralische-gute und lebensfähig-harte Persönlichkeit aufspaltet, ignorieren die Götter
diese Erkenntnis. Das Ende bleibt offen und der Zuschauer wird aufgefordert, eine eigene
Lösung zu finden.

Merkmale des epischen Theaters im Stück:

- lockere Szenenfolge, verflossene Grenzen


- starke Unterschiede in der Sprache:
o Das Stück ist in dramatische, epische und lyrische Passagen geteilt. In
Passagen, in denen die Handlung vorangetrieben wird, prägen das Stück
dramatische Dialoge. Wenn jedoch das Publikum angesprochen wird, wechselt
die Sprache in epische Dimensionen.
o Außerdem bewegen sich alle Figuren, auch die beiden Ichs Shen Tes, auf
verschiedenen Sprachebenen, die deren Charakter wiederspiegeln.
- Eine typische Situationen "epischer Distanzierung" ist z.B. die Rede von Suns Mutter
"zum Publikum".
- offenes Ende- der Schluss lässt die Entscheidung beim Zuschauer, da die Götter sich
kein Urteil über das von Shen Te erlebte Problem bilden, sondern es als Fakt bestehen
lassen

Brecht möchte, so denken einige Forscher, mit diesem Stück die Übel des Kapitalismus
aufzeigen, der zu Shen Tes Problemen führt.

Dokumentartheater

- eine Sonderform des politischen Theaters, es entstand in 1960er Jahren in


Westdeutschland

- behandelt historische oder aktuelle politische und soziale Themen

- die Realität soll selbst auf die Bühne geholt werden. - Absicht des
Dokumentartheaters, ein abgekürztes Bild der Realität zu liefern

- es greift zeitgeschichtliche Ereignisse auf und verwendet dokumentarisches Material.


Akten, Protokolle, Presseberichte und Tonbandaufnahmen werden dramatisch
verarbeitet. Problem dabei: Raffung und Kürzung, die Auswahl ist nach wie vor
Sache des Autors und daher subjektiv. Peter Weiss bekennt daher auch: "Das
dokumentarische Theater ist parteilich."

- nicht die erste Theaterform, die sich mit der Geschichte beschäftigt z.B.:„Clavogo“
von Goethe ober „Dantons Tod“ von Büchner.

- Das bekannteste Beispiel eines dokumentarischen Theaterstücks ist Die Ermittlung.


Oratorium in 11 Gesängen (1965) von Peter Weiss, das den Versuch einer Darstellung
des Auschwitz-Prozesses unternimmt
o „Die Ermittlung“ versucht den Auschwitz-Prozess szenisch darzustellen.
Weiss wählte aus den Aussagen der 18 Angeklagten (Angehörige des
Aufsichts-, Sanitäts- und Wachpersonals von Auschwitz) und der 300 Zeugen
Quellen aus, die er dann für sein Stück verwendete
- Das Dokumentartheater ist immer wieder kritisiert worden:
o es ist nicht künstlerisch
o es wählt die Dokumente subjektiv aus und verfälscht damit die Wirklichkeit
o es überschätzt die Wirkungsmächtigkeit der Realität und verfehlt damit die
intendierte Wirkungsabsicht

 Die schöpferische Leistung der Autoren des dokumentarischen Theaters besteht


in der Komposition des Roh-Stoffes und in der Konzentration aufs Wesentliche.