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dikt XVI.

ruft den Juden zu: An Christus führt kein


orbei
itierte Papst meldet sich aus dem Off zu Wort und bekräftigt
ltung: Die Juden sind Gottes Volk, aber die Wahrheit liegt im
tum.

Rutishauser
5:30 Uhr

m Amtsverzicht von Papst Benedikt befindet sich die katholische


in einer historisch einmaligen Situation. Papst Franziskus,
ares Symbol der Einheit der Kirche, hat an seiner Seite einen
ierten Vorgänger. Mag dessen Stellung rechtlich gesehen jener eines
nierten Bischofs gleichen, so wäre ein öffentliches Wirken
seits doch äusserst delikat. Was bedeutete es für die sichtbare
entanz der Einheit, wenn sich Franziskus und Benedikt
prächen? Entfesselte sich in der Kirche nicht eine Dynamik, die der
eicht, als es mehrere Päpste gab?

Benedikt muss sich dieser Konstellation bei seinem Rücktritt


st gewesen sein, als er versicherte, er werde sich aus der
lichkeit ins kontemplative Leben zurückziehen. Auch wenn er im
n hin und wieder von Papst Franziskus zur Repräsentanz
gezogen wird und die Öffentlichkeit von seinem theologischen
en mit ehemaligen Schülern erfährt, hat er sich bis anhin
sätzlich an seinen Entscheid des Rückzugs gehalten.

eröffentlicht die theologische Zeitschrift «Communio», einst von


Ratzinger mitbegründet, einen fast zwanzigseitigen Aufsatz des
ierten Papstes, datiert vom 26. Oktober 2017. Überschrieben mit
e und Berufung sind ohne Reue», bezieht sich der in alter brillanter
r geschriebene Text auf das heikle Thema der jüdisch-katholischen
ung. Ihm ist ein Geleitwort von Kardinal Kurt Koch vorangestellt,
cht nur der Ökumene, sondern auch der vatikanischen Kommission
religiösen Beziehungen zum Judentum vorsteht.
el und die Kirche
rklärt, Benedikt habe den Text nicht zur Veröffentlichung
ehen. Es sei sein Entscheid, jedoch mit Einwilligung des Autors, ihn
lizieren. Der Aufsatz sei ein Beitrag zur weiterführenden Reflexion,
m das vatikanische Dokument zum 50-Jahre-Jubiläum des
stexts «Nostra aetate» eingeladen hatte. Dieses Papier aus dem Jahr
ägt den Titel «Denn unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die
ewährt» (Römer 11, 29). Es stellt den derzeitigen Stand der
ischen Beziehungen zum Judentum dar. Koch ordnet Benedikts
z als Theologenstimme zur Diskussion ein und bezeichnet ihn von
ller Seite als «wichtig».

ngekündigten Bund
ner Tück / 28.10.2015, 05:30

ikt will das «Traktat über die Juden» nach «Nostra aetate»
schreiben, dessen Hauptaufgabe darin bestehe, das Verhältnis von
und Kirche zu bestimmen. Er beginnt mit einem historischen
ick und verarbeitet die gegenwärtige Diskussion zum
andergehen der Wege von Judentum und Christentum in der
.

oppelten theologischen Konsens, mit dem das jüdisch-christliche


tnis seit dem Konzil beschrieben wird, will er aber kritisch
fragen: einerseits die Ablehnung der «Substitutionslehre», das
die Kirche versteht sich nicht mehr als Gemeinschaft, die in der
eschichte an die Stelle von Israel getreten ist, sondern gibt dem
um über Christus hinaus eine positive heilsgeschichtliche
tung.

nie gekündigte Bund


neue Sicht wird andererseits damit begründet, dass Gott den Bund
ael «nie gekündigt» habe. Obwohl Benedikt betont, diese
srichtung sei grundsätzlich richtig, höhlt er sie mit diesem Aufsatz
t aus, dass er am Ende formuliert, die Lehre vom «nie gekündigten
sei nur eine Hilfsformel gewesen, «taugt aber nicht auf Dauer».
Umstiftung des Sinai-Bundes» Gottes mit Israel ist für ihn ersetzt,
isst substituiert im Christusbund.

Quintessenz erstaunt, weil sie eine Grundüberzeugung des


chen heiliggesprochenen Papstes Johannes Paul II. relativiert – und
ssage des Katechismus der katholischen Kirche. Auch «Evangelii
um» von Papst Franziskus, das auf den Weisheitsschatz des
ums hinweist und von jüdisch-christlicher Komplementarität
t, atmet einen anderen Geist.

ikt argumentiert, selbst wenn die Kirche nicht als Ganzes an die
von Israel getreten sei, so seien doch «wesentliche Elemente» des
amentlichen Israel über Christus «endgültig» ersetzt worden: der
lkult durch die Eucharistie, die Messias-Erwartung durch Christus,
ndverheissung durch die Heimat im Himmel. Die Kultgesetze seien
hafft, nur die moralischen Forderungen hätten ungebrochene
tung. Was Benedikt hier beschreibt,wird traditionell mit dem Wort
len» bezeichnet.

verständlich ist «Erfüllung» eine Denkfigur, auf die das Neue


ment wie die kirchliche Identität nicht verzichten kann, da sich die
damit an die Hebräische Bibel und an das Judentum bindet. Das
nische Dokument von 2015 äussert sich ausführlich dazu.
matisch wird dieses Denken nur, wenn Erfüllung in Christus
iv gesetzt wird. Dann wird christliche Identität auf Kosten der
hen formuliert. Dies vermeidet die päpstliche Bibelkommission in
Dokument zu «Das jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der
ichen Bibel» von 2002 wohlweislich, indem es das weite
tungsfeld des Wortes «erfüllen» offenhält. Die neue Wortwahl von
ikt scheint mir hingegen unglücklich.

es Gericht
em lassen seine Ausführungen, die viele wertvolle
überlegungen enthalten, dem Judentum nach Christus «in der Zeit
schichte» nur noch die Funktion zukommen, das Gericht Gottes zu
pern. Dafür stünden die Tempelzerstörung im Jahre 70 n. Chr. und
ndgültige Zerstreuung» der Juden unter die Völker. Entsprechend sei
aat Israel nur natur- und völkerrechtlich anzuerkennen. Dass er sich
nd der Bibel befindet, scheint sich nur historischer Konstellation zu
nken.

einem Nebensatz erwähnt Benedikt, darin könnte man auch die


Gottes sehen. Vor allem aber deutet er die Zerstreuung von einer
s- und Kreuzestheologie zu einer positiven Berufung um. Es zeige
ass «im Weggeben des Landes die Göttlichkeit dieses Gottes»
chte. Ob eine solche Sicht in einer Situation weiterhilft, in der viele
alog Beteiligten eine katholische Theologie des Landes als
ative zum christlichen Zionismus der Evangelikalen erwarten?

nd Umdeutungen gehören zum Leben von Glaubenden, die sich von


elehren lassen. Anderer Menschen Leid jedoch positiv zu deuten, ist
ürdig. Im vorliegenden Fall das Exil der Juden positiv zu sehen, ist
chts der Shoah problematisch. Warum deutet Benedikt die
euung des jüdischen Volkes theologisch, die zionistische Rückkehr
profan historisch? Problematisch scheint mir auch, dass er negativ
ositiv Funktionen auf Juden und Christen aufteilt und nicht je beide
ensgemeinschaften unter eine solche Dialektik stellt; ebenso, dass er
üdische Kritik der alttestamentlichen Propheten als Christ gegen das
um als Ganzes verwendet.

Leid der anderen Menschen


ikt nimmt im Grossen und Ganzen eine theologische Position ein,
r sie in der Patristik zum Beispiel bei Augustinus oder beim frühen
arth finden. Schon 1997 hat er sich in ähnlicher Weise zur Frage der
eit des einen Bundes angesichts der Vielfalt der Religionen
ert. Der hier besprochene Aufsatz erscheint zudem wie eine
ndung für die von ihm 2009 eigenhändig neu formulierte
itags-Fürbitte für den ausserordentlichen tridentinischen Ritus.
ikt fordert im Text die Christen auf, den Juden die christliche
retation der Hebräischen Bibel darzulegen, so wie dies der
tandene die Jünger unterwegs nach Emmaus gelehrt hat.
hwister, die sich auseinandergelebt hatten
ner Tück / 12.12.2015, 05:30

alogtexte der Kirche sprechen seit «Nostra aetate» immer auch von
ziehung zwischen Juden und Christen und deren Qualität. Bei
ikt fehlt diese Dimension. Nirgends versucht er, das Judentum als
ensgemeinschaft nach Christus zu verstehen, zu wertschätzen oder
r jüdischen Tradition zu lernen. Selbstverständlich kann ein Aufsatz
alles sagen, doch Signale in diese Richtung wären notwendig
en, nur schon, um den vatikanischen Dokumenten seit dem Konzil
t zu werden, die dies explizit fordern.

itrag für den Dialog mit dem Judentum ist dieser Aufsatz kaum. Die
gewichtigen Dokumente aus jüdisch-orthodoxen Kreisen, die seit
um Dialog erschienen, nennt er denn auch mit keinem Wort. Das
abbinat des Staates Israel, die Europäische Rabbinerkonferenz wie
er Rabbinical Council of America stützen sich dabei genau auf die
des «nie gekündigten Bundes» und den Verzicht der Kirche auf
Judenmission, um mit ihr in Dialog zu treten. Benedikt aber
iert für sich, um den christlichen Glauben systematisch darzulegen.
reibt an einem Traktat.

bt nur einen Weg zum Heil


eser Perspektive muss wohl auch Kardinal Koch verstanden werden,
er diesen Aufsatz veröffentlicht haben will. Es mag ihm darum
den universalen Heilsanspruch Christi angesichts von Relativismus
teidigen. Der Text schiesst jedoch über dieses Ziel hinaus. Er wäre
icht notwendig, weil schon das vatikanische Dokument von 2015
um und Christentum als parallele Heilswege ablehnt. Das
ment öffnet hinsichtlich dieser Frage vielmehr die Tür, weiter
udenken, was es bedeuten würde, wenn Jesus aus Nazareth – jenseits
rchlich-institutionalisierter Mission – innerhalb des Judentums
v anerkannt würde, indem es unterstreicht, dass zur «Kirche der
n» auch eine Kirche im und aus dem Judentum gehört.
höchst heikle Frage kann aber nur gestellt werden, wenn anerkannt
dass das Judentum in der Geschichte weder nur Gericht Gottes und
verkörpern muss, noch dass in ihm nur «Samen der Wahrheit» zu
ken sind, sondern dass es auf einzigartige Weise mit dem
entum verbunden ist. Seine «Gnade und Berufung» müssen
ver bestimmt werden. Nur so können Juden und Christen, in
hätzender Beziehung leben und aufeinander aus dem Glauben
Beide Glaubensgemeinschaften wollen von göttlicher Einheit
is geben. Dass sich diese Einheit in liebender Beziehung offenbart,
die Kirche schon seit der Zeit der Patristik.

n Rutishauser ist Provinzial der Schweizer Jesuiten.

Theologenpapst
ikt XVI. wurde 2005 überraschend zum Papst gewählt. Sein
ndes Verdienst ist es, im polyfonen Stimmengewirr immer wieder
s unterscheidend Christliche erinnert zu haben.
ner Tück / 12.2.2013, 00:00

n Tun ist nicht von dieser Welt


aubt, der Papst habe nicht gewusst, was er mit der Aufhebung der
mmunikation der schismatischen Bischöfe tat, kann sich durch die
e der Schriften Joseph Ratzingers eines Besseren belehren lassen.
beralismus und eine unpolitische Auffassung von Kirchenpolitik prägen die
llungswelt des einstigen Dogmatikprofessors seit je.
drich Wilhelm Graf / 14.2.2009, 00:00

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