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Das Grüne Gold

Welthandel mit Bioenergie


– Märkte, Macht und Monopole
von Thomas Fritz
Das Grüne Gold
Welthandel mit Bioenergie – Märkte, Macht und Monopole
von Thomas Fritz | FDCL, Berlin, 2007
© FDCL, Berlin, Juli 2007
1. Auflage, 250 Exemplare
Herausgegeben von:
Forschungs- und Dokumentationszentrum
Chile-Lateinamerika – FDCL e.V.
Gneisenaustraße 2a
D-10961 Berlin
Fon: +49-(0)30-693 40 29
Fax: +49-(0)30-692 65 90
eMail: info@fdcl.org
Internet: http://www.fdcl.org
Autor: Thomas Fritz
Verlag: FDCL-Verlag, Berlin
Layout: Mathias Hohmann
Druck: agit Druck, Berlin

Diese Publikation wurde gefördert mit Mitteln der


Kommission der Europäischen Gemeinschaften, der
InWEnt gGmbH aus Mitteln des BMZ und der Stiftung
Umverteilen!
Die Verantwortung für die hier vertretenen Positionen
liegt ausschließlich bei den Autoren.
Titelfoto (Ministério de Desenvolvimento Agrário do Brasil),
Foto Rückseite (Juliane Schumacher)

ISBN-10: 3-923020-37-6
ISBN-13: 978-3-923020-37-9
Das Grüne Gold
Welthandel mit Bioenergie – Märkte, Macht und Monopole
von Thomas Fritz

Inhalt
01 / Einführung 2
02 / Die grünen Hoffnungsträger 4
03 / Im Rausch des Ethanols 5
04 / Landvermessung: Die Welt als Energieplantage 6
05 / Verhagelte Klimabilanzen 8
06 / Gewinner: Das Agrobusiness 9
07 / Verlierer: Vertragslandwirte 10
08 / Bulle, Bär und platzende Blasen 11
09 / Kredite, Subventionen und Filz 12
10 / Welthandel statt dezentraler Energie 13
11 / Nachwachsende Monopole 14
12 / Siegeszug der Genpanscher 15
13 / Manipulierte Grundnahrungsmittel 17
14 / Schockwellen in den Agrarmärkten 18
15 / Volle Tanks und leere Bäuche 19
16 / Verschärfte Verteilungskonflikte 20
17 / Hauptwiderspruch Klimawandel 21
18 / Zertifizierung: Be-Siegelung des Raubbaus 22
19 / Greenwashing des Biobusiness 23
20 / Etikettenschwindel: deutsche Biosprit-Zertifikate 24
21 / Solidarität gefragt 25
22 / Quellen 26
01 Einführung
An Energie auf pflanzlicher Basis knüpfen sich In die grüne Goldgräberstimmung mischen sich
zahlreiche Hoffnungen. Ein umweltfreundlicher Er- jedoch Zweifel. Dafür sorgen Schlagzeilen wie
satz für die sich erschöpfenden Erdölvorräte sei ge- diese: „Klimakiller Palmöl – das schmutzige Ge-
funden, so die frohe Kunde. CO2-neutral lasse sich schäft mit erneuerbarer Energie“. Aufgrund stei-
Strom, Wärme oder Treibstoff aus Biomasse gewin- gender Rapspreise gehen die Betreiber deutscher
nen – ein Beitrag zum Klimaschutz. Die Nachfrage Blockheizkraftwerke zur Verwendung von billige-
nach Energiepflanzen verhelfe der Landwirtschaft rem Palmöl über. Zu den Begleiterscheinungen der
zu lukrativen Ernten – zahlreiche Arbeitsplätze Palmölproduktion gehören Abholzungen tropischer
würden geschaffen. Der Pflanzensprit mindere die Wälder, hohe Kohlenstoffemissionen, gewaltsame
Erdölabhängigkeit und erhöhe die Energiesicher- Vertreibungen und Mord. Die nachwachsenden
heit. Und die vermögenden Finanzanleger könnten Rohstoffe verlieren ihre Unschuld – und mit ihnen
hier reinen Gewissens „ethisch“ investieren. die erneuerbaren Energien.
Auch die Perspektive für Entwicklungsländer er- In den Anbauländern des Südens droht ein bei-
scheint in rosigen Farben. Sie besitzen die Flächen, spielloser Vormarsch der Monokulturen. Nicht nur
nach denen die Massenproduktion der Biosprit- Zuckerrohr, Soja oder Palmen dringen in Wälder
branche verlangt. Felder und Forsten der Industrie- und Weiden vor, auch Bioenergie auf Zelluloseba-
staaten genügen nicht annähernd, um die eigene sis, etwa Eukalyptus, Pinien und Bambus, treiben
Nachfrage zu decken. Wegen der niedrigeren Her- die Plantagenwirtschaft voran. Die Wachstumssze-
stellungskosten im Süden steht der massenhafte narien der Biomassebranche erfordern den Anbau
Welthandel mit Bioenergie vor dem Durchbruch. und Transport gigantischer Mengen pflanzlichen
Die Rohstoffbasis der Dritten Welt ist vielfältig: Materials. An den konventionellen Klima- und En-
Soja, Mais, Zuckerrohr, Palmen, Rizinus, Maniok, ergiebilanzen indes sind die Folgen nicht ablesbar:
Eukalyptus oder Bambus. Ihre energetische Nut- Sie ignorieren den Effekt der Nachfragesteigerung
zung wird, wie bei früheren Ressourcenbooms, auf die globale Flächenexpansion.
durch zahlreiche Versprechen begleitet: Arbeit und Ebenso zerstört der Wettlauf zwischen Brot und
Exporteinnahmen, Technologie-Transfer und Ent- Benzin den Nimbus von der „sauberen“ Energie. Seit
wicklung. die USA massenweise Mais für die Ethanolproduk-
Angeheizt wird der Welthandel mit Agroenergie tion verwenden, schießen die Weltmarktpreise für
durch die Beimischungsziele in den USA, Europa Getreide und Ölpflanzen in die Höhe. Das gefährdet
und einer Reihe von Schwellenländern. Bis 2010 die Ernährungssicherheit in vielen auf Nahrungs-
will die Europäische Union einen Biospritanteil von importe angewiesenen Ländern. Der mexikanische
5,75% der fossilen Brennstoffe erreichen, bis 2020 „Tortilla-Krieg“ lieferte dafür bereits ein Beispiel:
sollen es 10% sein. Die USA wollen 15% des fossi- Aufgrund der Verteuerung von Importmais verdop-
len Kraftstoffverbrauchs bis 2017 durch Pflanzen- pelte sich in Mexiko der Preis für Maismehl und die
sprit ersetzen. Ähnliche Ziele formulierten China, daraus hergestellten Tortilla-Fladen. Heftige Pro-
Indien und Brasilien. Da Europa diesen Bedarf nicht teste waren die Folge.
durch Eigenproduktion decken kann, setzen Wirt-
schaft und Politik auf drastisch steigende Importe.

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Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
Da ein Großteil des Agrosprits auf Nahrungs- und Das Forschungs- und Dokumentationszentrum
Futterpflanzen beruht, zeichnet sich ein düsteres Chile-Lateinamerika (FDCL) möchte hiermit einen
Szenario ab: Galt Hunger bisher in erster Linie als Beitrag zur überfälligen Debatte über den Welt-
Verteilungsproblem, führt das „Heizen mit Wei- markt mit Bioenergie aus internationalistischer
zen“ womöglich zu einem globalen Nahrungsdefi- Perspektive leisten. Nach einer knappen Beschrei-
zit. Das Knappheitsproblem würde die ungelösten bung der wichtigsten Brennstoffe widmet sich
Verteilungsprobleme noch einmal verschärfen. US- diese Publikation den waghalsigen Szenarien der
Agronomen berechneten, dass bei fortgesetzter grünen Kraftstofflobby, den Konzentrationsprozes-
Verbrennung von Nahrungspflanzen die Zahl der sen in der Biospritbranche sowie den immensen
Hungernden von 820 Millionen auf 1,2 Milliarden Investitionen in die Produktion und den Handel mit
Menschen im Jahr 2025 steigen könnte. Energiepflanzen. Ferner schildert sie die riskante
Angesichts der riskanten Dynamik des Pflanzen- Mutation der Kleinbauern zu Energiewirten, den
spritmarktes verblüfft der Regulierungsoptimismus bioenergetischen Schub für die Gentech-Industrie
der Politik, aber auch vieler Nichtregierungsorgani- und die alarmierenden Prognosen zur Welternäh-
sationen. Sie meinen, der globale Bioenergiehandel rung. Abschließend folgt eine Kritik der aktuellen
könne beträchtlich wachsen und zugleich durch Vorhaben zur Zertifizierung vermeintlich „nachhal-
Standards und Zertifizierung in eine „nachhaltige“ tiger“ Biokraftstoffe.
Entwicklungsbahn einschwenken. Ihre Siegelinitia- Gleichwohl können hier nur Schlaglichter auf
tiven zerschellen aber an der rauen Wirklichkeit in Risiken geworfen werden, die einer weit intensi-
den Produzentenländern und tragen unweigerlich veren Analyse bedürfen. Um diese voranzubringen,
zur Ausdehnung der Monokulturen bei. Sie sorgen braucht es die Einmischung sozialer Bewegungen
für die Nachhaltigkeit des Biomassenachschubs, der betroffenen Regionen und der Verbraucher-
nicht für eine nachhaltige Produktion. märkte. Denn ohne ihre kritische Intervention droht
Die Risiken der pflanzlichen Brennstoffe sind das globale Biomassegeschäft, all die sinnvollen,
noch weitgehend unbegriffen. Vor allem die Folgen lokal angepassten Anwendungen erneuerbarer Ener-
für Mensch und Natur in den tropischen Anbaulän- gien vollends zu marginalisieren.
dern fallen in der Debatte meist unter den Tisch.
Ebenso unreflektiert bleibt die Entstehung des
überaus mächtigen Komplexes aus Agro-, Biotech-,
Auto-, Öl- und Energiekonzernen. Dessen Ziel ei-
nes florierenden Biomassehandels steht im Wider-
spruch zu einer ökologisch-sozialen Energiewende.
Die einstigen Ideale von dezentraler Erzeugung und
demokratischer Kontrolle gehen mit dem agroener-
getischen Welthandel hoffnungslos verloren.

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Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
02 Die grünen
Hoffnungsträger
Biomasse spielt schon jetzt eine wichtige Rolle im Ob der vielfältigen Möglichkeiten der energe-
globalen Energiemix. Rund 10 Prozent ihres Primär- tischen Moderne ist die Geschäftswelt verzückt.
energiebedarfs deckt die Menschheit mit Energie Die Vereinten Nationen vermelden, dass allein die
aus Biomaterialien. Auf die grüne Kraft aus Land- Biokraftstoffe das „am schnellsten wachsende
und Forstwirtschaft, aus Resten und Abfällen, aus Segment des Weltagrarmarkts“ sind.1 Solange der
Holz, Büschen und Dung entfällt der Löwenanteil Erdölpreis steigt, werde auch die Nachfrage nach
aller erneuerbaren Energien – weit vor Wasserkraft, Pflanzenkraftstoff anziehen – und damit der Bedarf
Windparks oder Solarkochern (siehe Schaubild 1). nach Anbauflächen.
Der Großteil der Pflanzenenergie jedoch speist Noch landet vornehmlich die sogenannte „erste
sich aus sogenannter „traditioneller Biomasse“. Da- Generation“ des Agrosprits im Tank: Bioethanol,
mit meinen die ExpertInnen den Eigenverbrauch Biodiesel und reines Pflanzenöl. Ihr wichtiges Kenn-
von Brennholz, Holzkohle, Reisig oder Dung, wie er zeichen: Sie beruht zu großen Teilen auf Nahrungs-
vor allem in ländlichen Gebieten des Südens noch und Futterpflanzen. Wesentlicher Bestandteil von
heute verbreitet ist. „Moderne Biomasse“ hingegen Bioethanol ist aus zucker- oder stärkehaltigen
ist all das, was die Kassen der Agroenergiebran- Pflanzen gewonnener Alkohol. Seine Rohstoffba-
che zum Klingeln bringt. In großindustrieller Pro- sis umfasst Zuckerrohr, Zuckerrüben, Gerste, Wei-
duktion dient sie dem Ersatz fossiler Energieträger zen, Mais, Reis, Kartoffeln oder Maniok. Brasilien
wie Erdöl, Erdgas und Kohle. Moderne Biomasse ist führend bei der Verwendung von Alkohol aus
umfasst Waldholz, Sägewerksreste, Ernteabfälle, Zuckerrohr als Benzinersatz.
Biogas und verschiedene Biokraftstoffe. Die Biodieselproduktion dagegen beruht auf der
Grundsätzlich lässt sich aus dem Pflanzenma- sogenannten Umesterung von Pflanzenöl. Dieses
terial Wärme, Strom und Treibstoff erzeugen. Bio- wird aus verschiedenen Ölpflanzen herausgepresst:
masse-Heizwerke und Holzpelletkessel spenden Raps, Soja, Palmen, Sonnenblumen, Rizinus, Jatro-
heimelige Wärme; Blockheizkraftwerke verwandeln pha oder Baumwolle. Daneben findet Pflanzenöl
feste, flüssige und gasförmige Biomasse in Strom; auch in reiner Form in umgerüsteten Dieselmo-
und eine Vielfalt von Kulturpflanzen dient der Pro- toren Verwendung. In Deutschland werden einige
duktion von Kraftstoffen wie Bioethanol und Bio- Tausend Trecker und LKWs mit reinem Pflanzenöl
diesel. angetrieben. Und auch Biodiesel lässt sich bereits
tanken.

Kohle – 23% Wasserkraft


2%
Atomkraft
7%

Erdgas – 21%
Erneuerbare – 14% Biomasse und Abfall
11%

Erdöl – 35%
1%
andere Erneuerbare

Schaubild 1: Anteile von Energieträgern am Energieverbrauch


Quelle: IEA, zitiert in: IFPRI 2006

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Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
Noch nicht marktreif hingegen ist die zweite Nahrungspflanzen. Zudem bleibt die Flächenkon-
Generation der Agrokraftstoffe. Allerdings tüfteln kurrenz erhalten: Zellstoffplantagen sind weltweit
die Ingenieure bereits an einzelnen Linien. Hierzu auf dem Vormarsch.
gehören vor allem Bioethanol aus Lignozellulose Als weiteres Plus verweisen Lobbyisten auf die
sowie synthetische Kraftstoffe. Für die Produktion „Energiesicherheit“. Der Importbedarf könne dank
von Zelluloseethanol kommen hauptsächlich Holz, BtL und Zellulosesprit beträchtlich sinken, denn
Stroh, Gräser sowie Reste und Abfälle aus Land- dann ließe sich vornehmlich heimisches Pflanzen-
und Forstwirtschaft in Frage. Im Vergleich zur material verbrennen. Unterschätzt werden jedoch
konventionellen Bioethanolherstellung sind diese die enormen Mengen, mit der eine Zellulosefab-
Verfahren jedoch aufwendiger, weil die Zellulose rik gefüttert werden will. Nach Angaben der Fach-
zunächst in Zucker verwandelt werden muss. Daher agentur Nachwachsende Rohstoffe nimmt sich
existiert bisher noch keine großtechnische Produk- der Hektarertrag von Zelluloseethanol kläglich im
tion. Als Vorreiter auf der Zellulose-Strecke gilt die Vergleich zu anderen Biokraftstoffen aus.2 LKW-
kanadische Firma Iogen: Ihr gelang ein Verfahren Ladungen an Holzschnitzeln oder Gräsern müssten
zur Verzuckerung von Stroh. praktisch im Minutentakt angeliefert werden, um
Die breiteste Ressourcenbasis versprechen syn- auf ähnliche Auslastung zu kommen wie Fabriken
thetische Kraftstoffe, auch Biomass to Liquid (BtL) auf Zuckerrohr- oder Maisbasis – eine logistische
genannt. Sie können grundsätzlich jede Art von Bio- Herausforderung.
masse verarbeiten: Ganzpflanzen, Holz, Stroh oder Hinzu kommt der Preisvorteil: Solange Zellulose
Reste. BtL-Sprit besteht aus reinen Kohlenwasser- aus Entwicklungs- oder Schwellenländern billiger
stoffverbindungen und erlaubt maßgeschneiderte ist, wird sie auch für die zweite Generation ge-
Anwendungen im Diesel- und Benzinmarkt, wenn handelt werden. Nicht ohne Grund plant die Firma
auch Diesel am aussichtsreichsten erscheint. Bis- Choren ihre erste BtL-Großanlage an der Ostsee-
her existieren hauptsächlich Versuchsanlagen. In küste in der Nähe von Greifswald: Per Seetransport
Deutschland plant die Firma Choren die kommer- lässt sich Biomasse liefern, wenn die inländische
zielle Produktion von BtL-Diesel. Versorgung stockt oder sich verteuert. Längst ist
Allerlei Hoffnungen ruhen auf der zweiten Ge- die globale Holzschnitzeljagd in Gang. Ob sich die
neration der grünen Kraft. Die Konkurrenz zum vermeintlichen Vorteile der Avantgarde-Technolo-
Nahrungsmittelanbau könne abnehmen, so heißt gien einstellen, ist daher ebenso unsicher wie der
es, da künftig vermehrt nicht-essbares Biomaterial Zeitpunkt ihrer Markteinführung. Das heißt auch:
vor allem aus Zellulose verfeuert werde. Ob dies so Bis auf weiteres konzentrieren sich Produktion und
kommt, ist aber ungewiss. Denn die Verfahren der Welthandel auf die erste Biosprit-Generation, und
zweiten Generation vertragen grundsätzlich auch damit auf Nahrungs- und Futterpflanzen als wich-
tigsten Rohstoffen.

03 Im Rausch des Ethanols


Weltweit bedeutendster Agrosprit für Transport- Auch die USA produzieren schon seit längerem
zwecke ist Bioethanol. Seine größten Produzenten Bioethanol, erst in den letzten Jahren aber för-
sind Brasilien und die USA. Zum internationalen derten sie massiv die Herstellung von Maisbenzin.
Vorreiter wurde Brasilien in den 1970er Jahren Auf die EU entfällt nur rund 10% der Ethanolpro-
mit seinem Programm „Proálcool“. Bioethanol fin- duktion, auf China 9% und auf Indien 4% (siehe
det hier als Beimischung zum fossilen Benzin und Schaubild 2, S. 6). Hauptsächliche Rohstoffe in
als Reinkraftstoff den Weg zur Zapfsäule. Mit der China sind Mais, Maniok und Reis, in Indien Zu-
Markteinführung der Flex-Fuel-Autos im Jahr 2003 ckerrohr. Immer mehr Länder verfallen dem Rausch
erhält die brasilianische Alkoholflotte einen gewal- des Ethanols: Thailand, Kolumbien, Peru, Südafrika,
tigen Wachstumsschub. Die Flexi-Cars lassen sich Malawi, Kenia, Simbabwe und Ghana. Alle steigen
mit jeder beliebigen Mischung von Ethanol und sie in die Massenproduktion ein.
Benzin betanken.

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Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
Südafrika – 1% allerorten bezeugen: Mit Abstand wichtigster Roh-
Frankreich – 2% Saudi-Arabien – 1% stoff in Europa ist der Raps. Allerdings: Sein Preis-
Russland – 2% Großbritannien – 1% auftrieb lässt die Branche vermehrt nach Alternati-
Indien – 4% ven Ausschau halten. Die bevorzugten Kandidaten
sind Soja und Ölpalmen. Aber auch außerhalb des
alten Kontinents setzen viele Länder auf das Bio-
dieselbusiness.3
Andere
China 10% Der grüne Kraftstoffmarkt wächst überaus dy-
9% namisch. Gesetze und Verordnungen in aller Welt
verhelfen ihm zum Durchbruch. Erst in den letzten
Jahren formulierten mit den USA, Europa und Ja-
pan die größten Verbraucher fossiler Energie Bei-
mischungsziele für Benzin oder Diesel. Bis 2010
Brasilien – 38% will die Europäische Union einen Biospritanteil von
USA – 32%
5,75% erreichen, bis 2020 soll er auf 10% wachsen.
Die USA wollen 15% der fossilen Kraftstoffe bis
2017 durch nachwachsenden Sprit ersetzen, rund
das Fünffache der gegenwärtigen Produktion. In
Deutschland verlangt das Biokraftstoffquotenge-
setz, dass ab 2010 mindestens 6,75% des gesamten
Treibstoffs vom Energieacker stammen soll.
Schaubild 2: Wichtigste Bioethanolhersteller Brasilien, Indien und China setzten ebenfalls teils
Quelle: F.O. Licht, zitiert in: Dufey 2006 ambitionierte Ziele. Viele weitere Länder folgen ih-
rem Beispiel. Im vergangenen Jahr schlossen sich
Im Vergleich zu Bioethanol fällt die weltweite 12 afrikanische Staaten einer Initiative Senegals
Biodieselproduktion noch bescheiden aus. Sie kon- an und gründeten die Panafrikanische Vereinigung
zentriert sich zu 95% auf die Europäische Union, der Nicht-Erdölproduzenten (Pan African Non-
wo die ersten Demonstrationsanlagen in den Petroleum Producers Association). Das Ziel dieser
1980er Jahren entstanden. Über die Hälfte der EU- „grünen OPEC“: die Förderung von Produktion und
Produktion entfällt auf Deutschland. Mit mehr als Handel mit Pflanzenenergie auf dem afrikanischen
80% beherrscht Biodiesel den europäischen Pflan- Kontinent.
zenspritmarkt. Und was die gelb blühenden Felder

04 Landvermessung:
Die Welt als Energieplantage
Der Globus wird gänzlich neu taxiert. Wie groß sind gegenwärtigen globalen Energiekonsums ersetzen
die nachwachsenden Potenziale? Welche Flächen – und zwar ohne die Nahrungsproduktion, die Tro-
stehen für den energetischen Ackerbau zur Ver- penwälder und die Artenvielfalt zu gefährden. Die
fügung? Die Forscher konkurrieren mit ihren Sze- Pessimisten hingegen sagen, nur ein Bruchteil der
narien. Entsprechend weit klaffen ihre Prognosen derzeitigen Energiemengen sei künftig aus der Bio-
auseinander. Sie schwanken zwischen 0 und 1100 masse herauszupressen, möglicherweise weniger
Exajoule (EJ)4, die bis 2050 durch Biomasse produ- als heute.5
zierbar seien. Zum Vergleich: 2002 belief sich der Skeptische Prognostiker identifizieren eine Reihe
weltweite Energieverbrauch auf 433 Exajoule. von Faktoren, die für steigenden Druck auf knappes
Die Optimisten unter den Auguren meinen also, Acker- und Weideland sorgen: die Bodenerosion
die Pflanzenkraft könne mehr als das Doppelte des durch Intensivlandwirtschaft und Klimawandel, die

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Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
wachsende Weltbevölkerung sowie die veränder- 700 Exajoule einfahren. Kehrseite aber wäre eine
ten Ernährungsgewohnheiten. Weltweit steigt die immense Intensivierung der Produktion durch pa-
Nachfrage nach tierischen Produkten wie Fleisch tentierte Hochleistungssorten, Gentechnik, Bewäs-
oder Milch. Je mehr Schnitzel und Joghurts auf die serung, Kunstdünger- und Pestizideinsatz.
Speisepläne kommen, umso größer der Flächenbe- Die Wissenschaftler des Wuppertal-Instituts war-
darf. nen hingegen, dass die Entwicklung der Hektarpro-
Und ein weiterer Kandidat meldet Ansprüche an: duktivitäten angesichts natürlicher Grenzen und
Die verarbeitende Industrie will nicht-erneuerbare des Klimawandels „vermutlich häufig zu optimis-
Rohstoffe vermehrt durch Pflanzenmaterial erset- tisch eingeschätzt“ werde. Auch in Europa würden
zen. Die USA formulierten bereits das Ziel, den An- traditionelle Kulturen wie Weizen, Mais, Gerste,
teil Biomasse basierter Chemikalien bis 2030 von 5 Zuckerrüben oder Kartoffeln bereits stark von un-
auf 25% zu steigern. Ein großer Teil davon wird im- günstigen Witterungsbedingungen beeinträchtigt.8
portiert. Forscher des Wuppertal-Instituts sprechen Das heißt umgekehrt: Bleiben die erhofften Pro-
von einer noch „schlummernden Nachfrage“. Sollte duktivitätssteigerungen aus und werden dennoch
sie aber erwachen, „würde dies zu einer verstärkten beste Böden in Energiefelder verwandelt, droht
Konkurrenz zwischen Bioenergie, Biomaterialien eine Verknappung der Nahrungsversorgung. Die
und Nahrungsmittelversorgung führen.“6 UN-Landwirtschaftsorganisation FAO attestiert 82
Am meisten Gehör finden allerdings die optimis- Ländern der Welt ein chronisches Nahrungsdefizit,
tischen Prognostiker. Zu den notorischsten Land- viele von ihnen sind auf Lebensmittelimporte an-
vermessern gehört das Copernicus-Institut der gewiesen.
Universität von Utrecht. Dessen waghalsige Pro- Mit einer extensiveren ökologischen Landwirt-
gnosen finden dankbare Aufnahme in Wirtschaft schaft stehen die Szenarien der niederländischen
und Politik. Die Niederländer behaupten, ein maxi- Forscher gänzlich im Widerspruch. Schlimmer
males Potenzial von 1.100 Exajoule könne bis 2050 noch: Wo Flächen extensiv genutzt werden, etwa in
durch energetischen Ackerbau gedeckt werden. den Savannen- und Weidelandschaften tropischer
Ein durchschnittliches Potenzial verorten sie in der Länder, sehen sie weitere beträchtliche Intensivie-
Spanne von 250 bis 500 Exajoule. Das Copernicus- rungspotenziale: „Besonders die Produktionssys-
Institut möchte also Glauben machen, der heutige teme der Weidewirtschaft in Entwicklungsländern
Energieverbrauch sei vollständig durch Biomasse haben eine sehr geringe Hektarproduktivität. Ein
ersetzbar. Wechsel von der extensiven Weidewirtschaft zu
Die Niederländer formulieren aber eine Voraus- intensiven landlosen Produktionssystemen auf Fut-
setzung: Der „Schlüsselfaktor für Bioenergie“ sei termittelbasis ergibt einen großen Überschuss an
die drastische Produktivitätssteigerung der Land- Weideland.“9 Mit den „landlosen Produktionssyste-
wirtschaft. Wenn weltweit ähnlich intensive Feld- men“ meint das Copernicus-Institut die industrielle
bestellung wie in den Industrieländern betrieben Viehhaltung in Ställen, wie sie für Industriestaaten
würde, beanspruche die Nahrungsproduktion nur typisch ist.
einen Bruchteil der heutigen Flächen. Die durch- Würden die Savannenlandschaften, etwa der Sa-
schnittlichen Ernteerträge seien um einen Faktor hel in Afrika oder der Cerrado in Brasilien, ebenfalls
von 2,9 bis 3,6 steigerbar. Bis 2050 könnten zwi- in Biomasseplantagen verwandelt, seien weitere
schen 14 und 70% der heute landwirtschaftlich ge- 150 Exajoule an Energie gewinnbar. Die Verdrän-
nutzten Fläche für Kraftstoffäcker frei werden.7 gung all der Menschen, die diese Gebiete land-
Die mit Abstand größten Potenziale verortet das schaftsschonend für die Subsistenzproduktion oder
Copernicus-Institut daher auf Flächen, die heute die Versorgung lokaler Märkte nutzen, findet indes
der Nahrungs- und Futtermittelproduktion dienen. keine Erwähnung.10 Aus Sicht der bioenergetischen
Wegen der guten Qualität dieser Böden, lasse sich Landvermesser sind es ohnehin nur „marginale“
hier im Jahre 2050 eine Energieernte von bis zu Flächen, auf denen sie leben.

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Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
05 Verhagelte Klimabilanzen
Als Regionen mit dem höchsten nachwachsenden terschiedliche Bewertungsmaßstäbe zugrunde und
Kraftstoffpotenzial identifizieren die Forscher Sub- vernachlässigen dynamische Effekte. Auswirkungen
sahara-Afrika sowie Lateinamerika und die Kari- von Nachfragesteigerungen auf die Flächenexpan-
bik. Besonders dort wecken gute Böden und große sion, Bodenerosion infolge veränderter Landnut-
Weiden die energetischen Begehrlichkeiten. In Af- zung oder Wechselwirkungen zwischen verschiede-
rika ließen sich bis zu 317 Exajoule produzieren, in nen Rohstoffen sind in den Lebenszyklusanalysen
Lateinamerika bis zu 221 EJ. Die übrigen Entwick- meist nicht enthalten. Gerade die Fixierung auf die
lungsregionen in Südasien, dem Nahen Osten und isolierte Betrachtung einzelner Agrotreibstoffe er-
Nordafrika seien dagegen mit Landknappheit ge- weist sich als große Schwäche der Ökobilanzen.
beutelt und zunehmend auf Nahrungsimporte an- So stimuliert die Raps-Verteuerung die Palmöl-
gewiesen. Aber auch hier hält das Copernicus-Ins- nachfrage und damit die Rodung tropischer Wälder
titut die Expansion der Kraftstofffelder für möglich, zur Anlage von Palmplantagen. Dies geschieht mas-
ohne die Nahrungsversorgung zu beeinträchtigen. siv in den wichtigsten Produzentenländern Indone-
Mit ihren lichten Energie-Visionen stehen die sien und Malaysia, zunehmend auch in Kolumbien,
Holländer nicht allein. Viele weitere Untersuchun- Ekuador und Brasilien. Nicht nur die Naturwälder
gen sehen vornehmlich in den Tropen gigantische sind wichtige Kohlenstoffspeicher, sondern auch
grüne Ölfelder wachsen. Eine Auswertung diesbe- Torfböden, die nun zu Plantagen werden. In Südo-
züglicher Studien von finnischen Wissenschaftlern stasien setzt die Austrocknung dieser Böden mas-
kommt zu dem Schluss, „dass das größte Biomasse- senhaft Kohlenstoff frei, verhagelt die Klimabilanz,
potenzial auf großflächigen Energieplantagen in forciert die Bodenerosion und zerstört die Flächen.
Gebieten mit einem günstigen Klima zur Produkti- Ökobilanzen suggerieren die Unbedenklichkeit ein-
onsmaximierung“ existiere.11 zelner Energiepflanzen mit günstigerer CO2-Bilanz,
Auch über die dominante Art der Feldbestellung erfassen jedoch nicht deren Wechselwirkung mit
herrscht weitgehend Einigkeit. Mit Blick auf künf- klimaschädlicheren Substituten.13
tige Exportoptionen meint das deutsche Ökoins- Dass Preise für schlechtes Klima sorgen, entgeht
titut, dass „der Anbau von Energiepflanzen über- den Ökobilanzen. Ein Team von Geowissenschaft-
wiegend mit hochtechnisierten, industrialisierten lerInnen entdeckte einen engen Zusammenhang
Bewirtschaftungsformen auf vergleichsweise gro- zwischen der Rodung amazonischer Wälder und
ßen Anbauflächen erfolgen wird“. Dadurch ließen dem Sojapreis. Der Beitrag von Sojaplantagen zur
sich die Bereitstellungskosten verringern und die Entwaldung im brasilianischen Bundesstaat Mato
logistische Verknüpfung zu Transporten und Wei- Grosso „korrelierte direkt mit dem Preis der Soja-
terverarbeitung erleichtern. Ähnlich der bekannten bohnen im Jahr der Abholzung“, so die Forscher.
Logik des „cash crop“-Anbaus würden „Hocher- Mit der Sojaverteuerung im Jahr 2003 nahm auch
tragssorten mit entsprechenden Anforderungen die Konversion von Wald in Ackerland zu. Als 2005
an Bewässerung, Düngung und Pestizideinsatz auf der Preis um ein Viertel sank, nahm die Zahl großer
vergleichsweise guten Böden verwendet“, so die Abholzungen wieder ab. Die WissenschaftlerInnen
Ökologen.12 warnen nun, dass mit dem jüngsten Preisanstieg
Angesichts dieser Aussichten ist heiß umstritten, die Entwaldungsrate erneut hochschnellen und den
ob Agrosprit überhaupt eine positive Energie- und Kohlenstoffspeicher am Amazonas weiter dezimie-
Klimabilanz vorweisen kann. Diesbezügliche Öko- ren könne.14
bilanzen sind überaus widersprüchlich, legen un-

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Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
06 Gewinner: Das Agrobusiness
Mit dem Fokus auf Hochertragssorten stehen ei- Angesichts knapper Kassen stünden Regierungen
nige der Gewinner des Agrospritbooms bereits der Anbauländer folglich einem „trade off“ gegen-
fest. Das US-amerikanische Worldwatch Institut über: Während die Subventionierung des Agrobusi-
konstatiert: „Von allen Beteiligten der Biotreib- ness attraktive Deviseneinnahmen verspricht, er-
stoffwirtschaft wird das Agrobusiness mit größter scheint die Förderung kleinbäuerlicher Energiewirte
Sicherheit profitieren, denn mechanisierte Ernte- als dauerhaftes Subventionsloch, vor allem wenn
und Produktionsverfahren bieten die einfachsten diese vornehmlich regionale Selbstversorgung be-
Optionen für eine schnelle Steigerung der Bio- treiben und nicht in die Belieferung überregionaler
treibstoffproduktion.“15 Nachdem die Raffinierung Märkte einsteigen.
der nachwachsenden Energie bereits in die Hände Unmissverständlich setzen die Vereinten Natio-
großer Verarbeitungs- und Handelsfirmen fällt, ze- nen daher auf Größe und propagieren den Zusam-
mentiere die zweite Spritgeneration die Macht des menschluss von Kleinbauern zu bioenergetischen
Großkapitals: „Die Entwicklung von Zellulose ba- „Clustern“. Mittels solcher Spritkooperativen ließen
sierten Konversionstechnologien wird die Vorteile sich zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen: Ei-
dieser mit großem Finanzkapital ausgestatteten nerseits entstünden Jobs auf dem Lande, anderseits
Interessengruppen nur noch weiter verstärken“, so ließe sich der Pflanzendurst von großindustriellen
die US-Wissenschaftler. Treibstofffabriken und metropolitanen Autogesell-
Offensichtlich ist die Entwicklungsrichtung der schaften befriedigen.
globalen Biomassewirtschaft weit weniger of- Dafür gebe es bereits gute Vorbilder. In Regionen,
fen als ihre Propagandisten suggerieren. In einem in denen das Agrobusiness den Biospritmarkt do-
Ratgeber für „Entscheidungsträger“ schreiben die miniert, „spielen Agrarkooperativen eine nützliche
Vereinten Nationen noch, dass die Agrosprither- Rolle bei der Verknüpfung dieser Großunternehmen
stellung grundsätzlich in unterschiedlichen Grö- mit unabhängigen Anbauern“, so der UN-Ratgeber.
ßenordnungen und Besitzverhältnissen erfolgen Die grüne Kraftstoffindustrie etwa der USA oder
könne, darunter a) kleinbäuerliche Produktion für Brasiliens sei zwar durch Großkonzerne beherrscht,
den lokalen Verbrauch, b) Kleinproduktion mit aber die Agrarkooperativen ermöglichten die Par-
Überschussverkauf, c) Kooperativen mit eigenen tizipation von Kleinbauern. Eine weitere attraktive
Konversionsfabriken, d) kleine und mittelgroße Option sehen die UN in der „Aggregierung“ kleine-
Pflanzenlieferanten bei starker Konzentration der rer und mittlerer Pflanzenkraftwerke zu größeren
Verarbeitungs- und Vertriebswege sowie e) eine Firmen. 17
hohe Eigentumskonzentration über die gesamte Tatsächlich zielen viele der agroenergetischen
Wertschöpfungskette.16 Pilotprojekte darauf ab, Kleinbauern per Vertrags-
Zugleich beschreiben die Vereinten Nationen landwirtschaft in die Produktion für Agro-, Öl- und
aber die Mechanismen, die zur Dominanz der kon- Autokonzerne einzubinden. Derartige Projekte exis-
zentrierten Massenproduktion führen. Zwar seien tieren beispielsweise mit der Jatropha-Pflanze in
Beschäftigungs- und Einkommenseffekte bei klein- Indien und Afrika oder mit Rizinus und Ölpalmen in
bäuerlicher Energiewirtschaft höher als im indus- Brasilien. Die Verlockungen des Agrobusiness sind
triellen Plantagenwesen, der Preis jedoch bestehe dabei nicht zu unterschätzen: Zellulose-Hersteller
in einer verminderten Produktionseffizienz und in Brasilien boten Landlosen bereits an, auf besetz-
mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Die kleinräu- ten Brachflächen verbleiben zu dürfen, wenn die
mige Energiewirtschaft erfordere „höhere staatli- BesetzerInnen im Gegenzug in den monokulturel-
che Subventionen als die Massenproduktion“. len Eukalyptus-Anbau einsteigen. Jedoch geht die
Produktion für die transnationalen Kapitalgruppen
mit erheblichen Risiken einher.

9
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
07 Verlierer: Vertragslandwirte
Auch Bioenergiefabriken müssen möglichst günstig Als Marktführer beim Jatropha-Anbau gilt das
an ihr Pflanzenfutter herankommen. Sie gehören britische Unternehmen D1 Oils. Weltweit hat es
vielfach Agromultis wie Cargill oder Archer Daniels Zugriff auf 156.000 Hektar Jatropha-Plantagen,
Midland, die Mengen, Preise und andere Lieferkon- hauptsächlich in Indien, China, Indonesien, Sam-
ditionen diktieren. Ihre Anforderungen lassen sich bia und Swaziland. Neben dem Plantagengeschäft
meist nur bei Verwendung der Hochleistungssor- widmen sich die Briten der Raffinierung und dem
ten von Monsanto, Bayer oder BASF erfüllen. Die Handel von Biodiesel. In Großbritannien besitzen
Saatgutmultis liefern häufig das gesamte Paket von sie eine Raffinerie, eine zweite ist im Aufbau. Bis-
Setzlingen, Kunstdüngern und Pestiziden. In vielen her verwandeln sie hauptsächlich Soja in Biodiesel.
Fällen handelt es sich um Gentech-Produkte. Klein- Aufgrund der Preissteigerungen von Mais und Soja
bauern, die in die Vertragslandwirtschaft einstei- setzen sie zur Diversifizierung aber verstärkt auf
gen, sehen sich auf diese Weise zur Übernahme der nicht-essbare Öle wie das der Jatropha-Nuss.
chemisierten Feldbestellung genötigt. Zur Risikominimierung betreibt D1 Oils nur einen
Vielfach handelt es sich um Knebelverträge. Be- geringen Teil der Plantagen in Eigenregie. Stattdes-
rüchtigt ist der „Growers’ Contract“ von Monsanto. sen lässt das Unternehmen von Dritten produzieren,
Wer Monsantos Saatgut kauft, z.B die herbizidre- etwa in Form der Vertragslandwirtschaft. In diesem
sistente Roundup Ready Sojabohne, darf diese nur Fall pflanzen Bauern Jatropha-Büsche auf eigenem
während einer Saison anbauen. Die Aufbewah- Land. D1 Oils besorgt ihnen Bankkredite, damit sie
rung und Verwendung für die kommende Saison die Setzlinge kaufen können. Im Gegenzug bietet
ist nicht erlaubt. Die Betriebe müssen dafür sor- das Unternehmen die Abnahme der Ernte an. Fer-
gen, dass auch alle Käufer ihrer Ernte diese Aufla- ner berät es die Bauern während der Reifung und
gen befolgen. Monsantos Soja dürfen sie nur mit überwacht die Ernteeigenschaften. Ein guter Teil
Monsantos Herbizid Roundup besprühen, obschon des finanziellen Risikos ruht also auf den Schultern
dessen giftiger Wirkstoff Glyphosat auch in ande- der Vertragslandwirte.19
ren Unkrautvernichtungsmitteln enthalten ist. Bei Daneben betreibt D1 Oils ein eigenes Züchtungs-
Verstößen droht Monsanto den Bauern mit satten programm und sammelte dafür bereits über 200
Vertragsstrafen. Schließlich müssen sie einwilligen, Jatropha-Varietäten aus 20 Ländern. Erstes kom-
dass Monsanto-Mitarbeiter regelmäßige Inspektio- merzielles Ergebnis ist die Elitesorte E1, die im Jahr
nen auf den Feldern durchführen dürfen. Dies auch 2008 auf 50.000 Hektar Land kultiviert werden soll.
noch drei Jahre nach dem Kauf des Saatguts.18 Unmissverständlich verwahrt sich der Agronom des
Die Illusionen über manche pflanzlichen Hoff- Unternehmens, Henk Joos, gegen alle Illusionen,
nungsträger dürften sich ebenfalls in Luft auflösen, Jatropha sei „eine Wunderpflanze, die in der Wüste
wenn die verschiedenen Varianten der Vertragsland- angebaut werden kann und Gold einbringt“. Viel-
wirtschaft um sich greifen. Dies gilt beispielsweise mehr würden die Plantagen von D1 Oils auf besten
für die mit allerlei Mythen behaftete Jatropha. Böden angelegt und mit modernsten Techniken be-
Aufgrund ihrer Genügsamkeit und Hitzeresistenz arbeitet, einschließlich Pflanzenschnitt, Düngung
erscheint sie häufig als ideale Kultur für trockenere und Bewässerung. Das Beispiel verdeutlicht, dass
Regionen oder zur Regenerierung degradierter Bö- auch Jatropha-Plantagen mit dem Nahrungsanbau
den. Ihre Fans meinen daher, dass sie Kleinbauern um gute Böden und knappes Wasser konkurrie-
in benachteiligten Regionen besondere Einkom- ren.20
menschancen biete. Mit der Realität der ersten Ja-
tropha-Plantagen haben diese Annahmen wenig zu
tun.

10
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
08 Bulle, Bär und platzende Blasen
Für globale Wertschöpfungsketten im Rohstoffsek- fristig einbrechen lässt. Energiepreise beeinflussen
tor ist folgende Konstellation typisch: eine kleine schon seit längerem die Agrarpreise. Je mehr Nutz-
Zahl von Abnehmern steht einer großen Zahl von pflanzen nun in Spritfabriken verschlungen werden,
Lieferanten gegenüber. Vielfach kommt es zur Kar- umso enger diese Kopplung. In der Folge schlagen
tellbildung auf Seiten der Verarbeiter. Um die Roh- die hohen Schwankungen des Erdölpreises immer
stoffpreise niedrig zu halten, sorgen die Käuferkar- stärker auf die Landwirtschaft durch.
telle immer wieder für die künstliche Erzeugung Die US-amerikanischen Agronomen C. Ford
von Überschüssen. Zu den klassischen Mechanis- Runge und Benjamin Senauer schildern das Szena-
men dieser preisdämpfenden Überschussproduk- rio, wenn die Blase infolge einer Rezession und sin-
tion gehört das Angebot langfristiger Abnahmever- kender Erdölpreise platzt: „Fällt der Erdölpreis auf
träge, die einer übergroßen Zahl von Herstellern in 30 $ pro Barrel, wäre die Ethanolproduktion nicht
Aussicht gestellt wird. Faktisch sind die gesamten mehr profitabel, es sei denn der Maispreis sinkt auf
Produktionsmengen jedoch überhaupt nicht ver- 2 $ pro Bushel. Das aber würde eine Rückkehr zu
wertbar. den dunklen Zeiten niedriger Agrarpreise bedeuten.
Diese Strategie wandte beispielsweise die Stahl- Unterfinanzierte Ethanolfabriken stünden vor dem
industrie verschiedener Industrieländer gegenüber Bankrott, was bäuerliche Kooperativen besonders
Kohle- und Eisenerz-Minen in vielen Ländern der hart träfe.“23
Peripherie an. Die Aussicht auf langfristige Abnah- Nach Einschätzung von Runge und Senauer ist
meverträge stimulierte in den 1980er Jahren die die Biospritindustrie „längst abhängig von einem
Erschließung derartig vieler Kohleminen, dass es hohen Erdölpreis“. Während Großunternehmen des-
zu einem weltweiten Verfall des Kohlepreises kam sen Einbruch dank Abschreibungen, Subventionen
– zum Schaden von Minen, Arbeitern und Umwelt, und Steuererleichterungen verschmerzen könnten,
aber zum großen Vorteil der Stahlindustrie. Über- wären ihm Kleinbauern oder Kooperativen in Ent-
schüsse und Preisverfall waren kalkulierte Bestand- wicklungsländern schutzlos ausgeliefert. Sie wür-
teile der Wertschöpfungskette.21 Ähnliches passiert den in den Bankrott getrieben und durch das Agro-
nun bei den Agrotreibstoffen. business geschluckt. Auf diese Weise ermöglicht
Der Ethanolboom in Brasilien und den USA sorgt die künstlich erzeugte Überschussproduktion nicht
für gewaltige Investitionen in die Errichtung von nur Preissenkungen, sondern im Krisenfall auch die
Verarbeitungsstätten. In den USA gibt es der- Marktbereinigung und weitere Konzentration in
zeit 116 Maisethanolfabriken, 79 weitere sind im der Biospritbranche.
Bau, viele werden erweitert. Brasilien verfügt über Intensiv arbeitet diese bereits daran, das an Raf-
320 Ethanoldestillerien, 160 weitere sind im Bau. finerien verfütterbare Pflanzenspektrum zu ver-
Ähnlich wird in die Biodieselerzeugung investiert. breitern und damit die Rohstoffmengen zu ver-
Üblicherweise sind diese Investitionen kreditfinan- größern. Die deutsche Verbio AG etwa verwandelt
ziert. Der Einstieg von Investmentfonds heizt diese hauptsächlich Rapsöl in Biodiesel, arbeitet aber
Entwicklung weiter an. WissenschaftlerInnen ver- an Verfahren, um verstärkt Soja- und Palmöl ver-
muten daher, dass bereits jetzt Überkapazitäten wenden zu können.24 Die aktuelle Preisentwicklung
entstehen. verstärkt diesen Trend: „Aufgrund des niedrigen
Noch beschert die Pflanzenhausse den Lieferan- Mineralölpreises und der relativ hohen Rohstoff-
ten von Mais, Zuckerrohr oder Raps überdurch- preise“ vermeldete Verbio Umsatzeinbußen im Bio-
schnittliche Erlöse. Im März 2007 kletterten die dieselgeschäft des ersten Quartals 2007.25 Das glei-
Maispreise in den USA auf 4,38 $ pro Bushel22, ihr che Problem treibt D1 Oils um: Die Gewinnmargen
höchstes Niveau seit über zehn Jahren. Ein abrupter der Biodieselraffinierung schrumpfen infolge des
Einbruch ist aber jederzeit möglich. Auslöser eines verteuerten Pflanzenöls und der niedrigen Fossil-
Verfalls könnte beispielsweise eine Abschwächung dieselpreise. Aus diesem Grund erweitert das Un-
der Weltkonjunktur sein, die die Erdölnotierungen, ternehmen die Rohstoffpalette und investiert in
trotz ihrer grundsätzlich steigenden Tendenz, kurz- Jatropha-Plantagen.26

11
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
Während die Verarbeiter perspektivisch zwischen ders verwundbar sind dabei all jene Bauern, die auf
verschiedenen Energiepflanzen wählen können und eine einzige Energiepflanze setzen. Anders als die
so auf die jeweils billigsten Rohstoffe zugreifen, ehemalige Agrarministerin Renate Künast meinte,
steigt das Risiko für alle Kleinbauern und Koope- mutieren sie gewiss nicht zu den „Ölscheichs von
rativen. Ihre Absatz- und Einnahmemöglichkeiten morgen“: In der biofeudalistischen Hackordnung
werden erheblichen Schwankungen unterliegen, nehmen abhängige Energiewirte den untersten
phasenweise können sie ganz wegbrechen. Beson- Rang ein.

09 Kredite, Subventionen und Filz


Der gleichsam ubiquitäre Finanzierungsvorbehalt Fülle von Steuerbegünstigungen, Krediten und
begünstigt ebenfalls den großindustriellen Pfad in Bürgschaften kompensiert. Die umfänglichen Sub-
die pflanzliche Energiewirtschaft. Der UN-Ratgeber ventionen für Maisbenzin finden sich sowohl in der
verdeutlicht den Einfluss von Kreditgebern auf das Gesetzgebung zu erneuerbaren Energien als auch
Produktionsmodell. Da die Produktivität von klein- in der sogenannten „farm bill“. Ähnliche Subventi-
bäuerlichen Energiewirten unsicher ist, sorgen sich onen fließen in Deutschland und anderen europäi-
Banken um ihre Erträge: schen Ländern.28
„Landproduktivität und Pflanzenölerträge sind Mit Abstand größter Bioethanolproduzent in
die Hauptsorgen von Bankern, die Mikrokredite den USA ist der multinationale Agrarkonzern
an Kleinbauern vergeben. Daher ist Forschung und Archer Daniels Midland (ADM). Im Jahr 2006 pro-
Entwicklung zur Vergrößerung der Ernteerträge duzierte er über eine Milliarde Gallonen des Mais-
und zur Reduktion der Produktionsschwankungen benzins – mehr als das Vierfache seines nächsten
erforderlich. Aufgrund des wahrgenommenen Ern- Rivalen VeraSun Energy. Seinen Aufstieg verdankt
terisikos erwarten Finanziers Abhilfemaßnahmen, das Unternehmen staatlicher Protektion und dem
beispielsweise Ernteausfallversicherungen, Verfüg- Lobbying einflussreicher Kongressabgeordneter. Es
barkeit und Nutzung der besten Sorten und Anbau- wird geschätzt, dass ungefähr die Hälfte der ADM-
praktiken sowie sichere Absatzmöglichkeiten auf Profite von Produkten stammt, die die US-Regie-
den Märkten (etwa durch Vertragslandwirtschaft rung subventioniert.
für große Käufer).“27
Wollen die Bioindustriellen im Süden investieren,
Kleinbauern kommen also am leichtesten an Mi- dürfen sie zusätzlich mit großzügiger Unterstüt-
krokredite, wenn sie im Rahmen der Kontraktland- zung der Entwicklungshilfe rechnen. Die Vereinten
wirtschaft Hochleistungssorten für das Biobusiness Nationen sehen hier ein wichtiges Betätigungsfeld
anbauen. Die gängigen Finanzierungskonditionen für die internationale Gebergemeinschaft, ein-
entpuppen sich als wichtiger Hebel zur Privilegie- schließlich der Weltbank. In Ländern mit unsiche-
rung monokultureller Energiewirtschaft und zur ren Profitaussichten soll die Entwicklungshilfe mit
Festigung des neuen Agro-, Öl- und Autokomplexes. Investitionskrediten und Garantien einspringen.
Staatliche Subventionen stärken gleichfalls diese „Da die Produktion von Ethanol und anderen Bio-
Tendenz. Faktisch ist die multinationale Pflanzen- treibstoffen profitorientiert stattfindet, könnten
kraftindustrie in höchstem Maße von staatlicher Investitionsprojekte oder -programme in Form
Unterstützung abhängig. strategischer Partnerschaften zwischen dem pri-
Zwar erhöhte der Höhenflug des Erdölpreises vaten und öffentlichen Sektor stattfinden“, so der
bereits die Wettbewerbsfähigkeit von Bioethanol, UN-Ratgeber. Sorgen die Empfängerländer ferner
dennoch kredenzte die US-Regierung Maisbauern für ein förderliches Investitionsumfeld, steht dem
und Ethanolerzeugern üppigste Beihilfen. Direkte Geldsegen nichts im Weg. Die Geber wiederum sol-
Maissubventionen beliefen sich im Jahr 2005 auf len ihre Budgets für Energie, Landwirtschaft und
8,9 Milliarden $. Zwar sanken diese Zuwendun- ländliche Entwicklung zusammenlegen, um „De-
gen in 2006 und 2007, dies wird jedoch durch eine monstrationsprojekte in repräsentativen Ländern“
zu finanzieren.29

12
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
Als exemplarisches Leuchtturmprojekt loben die Nicht zuletzt treiben auch Privatanleger die Kon-
Vereinten Nationen die deutsche Unterstützung für zentration voran. Hierfür steht das Engagement
den brasilianischen Verband der Autofabrikanten des Milliardärs George Soros. Anfang Juni 2007
ANFAVEA. Im Jahr 2003 sagte Deutschland 32 Mil- verkündete Soros, er wolle in Brasilien 900 Milli-
lionen Dollar über 10 Jahre zu, damit die ANFAVEA- onen Dollar in die Bioethanolproduktion investie-
Firmen zusätzlich 100.000 alkoholgetriebene Autos ren. Sein Geld fließt in ein 150.000 Hektar großes
bauen können. Im Gegenzug erhält Deutschland Plantagenprojekt im Bundesstaat Mato Grosso do
ein Zertifikat über die entsprechende Emissionsre- Sul. In einer ersten Phase baut Soros’ Firma Adeco
duktion.30 Faktisch landet die deutsche Hilfe in den Agropecuaria Brasil drei Ethanoldestillerien. Zu-
Taschen deutscher und anderer Autokonzerne: Zu künftig soll dies einer der größten Alkohohlkom-
den ANFAVEA-Mitgliedern gehören u.a. VW, Daim- plexe Brasiliens werden. Um den Absatz sicherzu-
ler-Chrysler, Ford, General Motors, Renault, Fiat, stellen, forderte Soros die EU und die USA auf, ihre
Peugeot-Citroën und Toyota. Märkte für brasilianisches Ethanol zu öffnen und
die Zölle zu senken.31

10 Welthandel statt dezentraler Energie


Mit dem Welthandel wird sich die agroenergeti- Branche die Exportkapazität auf 12 Milliarden Liter
sche Massenproduktion noch weiter verfestigen steigern.35
und die Vision einer dezentralen Energiewende Der Handel mit Biodiesel nimmt sich noch be-
ad absurdum führen. Noch verbleibt der Großteil scheiden aus, soll sich jedoch ähnlich entwickeln
der Bioenergie in den Produzentenländern. Da die wie sein alkoholisches Pendant. Die Öko-Öle aus
Nachfrage aber steigt und potenzielle Anbieter und Soja, Palmen und Raps führen hier die Hitliste an.
Nachfrager regional auseinanderfallen, ist mit ei- Von den 3,5 Millionen Litern Palmöl, die die EU
nem beträchtlichen Wachstum des Welthandels zu importiert, landen knapp 1,5 Millionen Tonnen in
rechnen. Die größten Exporte erwarten Branchen- Kraftwerken. Zahlreiche Pflanzenölfabriken sind im
profis aus Subsahara-Afrika und Lateinamerika. In Aufbau, die weitere Importe nach sich ziehen.36
diesen Regionen soll die Produktion den eigenen In die Transportinfrastruktur wird ebenfalls or-
Bedarf deutlich übersteigen.32 dentlich investiert. So schicken sich die Häfen von
Nach Schätzungen könnte der Bioenergiehandel Rotterdam und Antwerpen an, zu den größten „Bio-
bis 2050 auf 80 bis 150 Exajoule anschwellen: Das ports“ Europas aufzusteigen. Massive Investitionen
entspräche zwischen einem Viertel und einem Drit- fließen in Bioterminals für den Im- und Export des
tel des gegenwärtigen Energieverbrauchs von 433 grünen Golds. Brennstofflager und Raffinerien sind
Exajoule. Zu den wichtigsten Rohstoffen, die be- ebenso im Aufbau wie Biomassekraftwerke für die
reits heute über die Weltmeere verschifft werden, Stromerzeugung.
zählen Bioethanol, Pflanzenöle, Brennstoffhölzer, Unter den Investoren und Interessenten finden
Holzkohle und Pellets. Hinzu kommt der mengen- sich auch Unternehmen aus den Anbauländern. Die
mäßig noch bedeutsamere indirekte Bioenergie- malaysischen Palmölhersteller IOI Group und Gol-
handel mit Rundholz und Holzschnitzeln.33 den Hope Plantations kooperieren mit dem nieder-
Der Großteil des direkten Handels mit Pflanzen- ländischen Energieunternehmen Biox. Im Hafen von
energie entfällt auf Bioethanol. Rund zehn Prozent Rotterdam besitzt IOI die größte Palmölraffinerie
des Alkohols findet den Weg auf den Weltmarkt. Europas mit einer jährlichen Kapazität von 900.000
Die Hälfte kommt aus Brasilien. Die hohen Alko- Tonnen. Biox wiederum baut vier neue Biomasse-
holexporte sind ein noch junges Phänomen für das kraftwerke, um das Palmöl zu verstromen. Dane-
Land. Erst zwischen 2003 und 2004 machten sie ben wird über Rotterdam brasilianisches Ethanol in
einen gewaltigen Aufwärtssprung von 800 Millio- größeren Mengen importiert, hauptsächlich für die
nen auf 2,6 Milliarden Liter.34 Seither wachsen sie Märkte in den Niederlanden, Schweden und Groß-
auf hohem Niveau. Bis 2010 will die brasilianische britannien.

13
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
Während der Hafen von Rotterdam wichtigster kraftwerke in Rotterdam bzw. Eemshaven. Die Süd-
Pflanzenöl-Umschlagplatz ist, rüstet sich das bel- zucker-Tochter CropEnergies baut eine Bioethanol-
gische Antwerpen zum führenden Holzimporteur fabrik im belgischen Wanze. An diesem Standort
für die Strom- und Ethanolerzeugung. In der na- hat die Fabrik direkten Zugang zum Wasserweg der
hegelegenen Hafenstadt Gent entsteht ein „Bioen- Maas und damit Anschluss an den Rotterdamer Ha-
ergy Valley“, das neben Biospritfabriken auch For- fen. Nicht zuletzt existieren auch an der deutschen
schungseinrichtungen umfasst.37 Küste Bioenergieanlagen oder sind in der Planung,
Auch deutsche Unternehmen investieren in den etwa in Emden, Hamburg und Greifswald.
beiden Benelux-Ländern. E.ON und RWE planen
den Bau kombinierter Steinkohle- und Biomasse-

11 Nachwachsende Monopole
Selbst in der kritischeren Öffentlichkeit herrscht zur Gewinnung von Ethanol aus Stroh entwickelte.
beredtes Schweigen über die Konzentrationspro- Die ersten kommerziellen Anlagen sind in den USA
zesse in den Branchen der erneuerbaren Energien. und Mecklenburg-Vorpommern geplant.38
Dabei lassen sich hier geradezu exemplarisch die Gemeinsam mit Daimler-Chrysler und Volkswa-
Wirkungen kapitalistischer Konkurrenz studie- gen kooperiert Shell mit der sächsischen Firma
ren. Bei Strafe des Untergangs zwingt diese zum Choren. Das Biomass-to-Liquid-Verfahren (BtL) der
Wachstum der Einzelunternehmen, zu ständiger Sachsen ermöglicht die Verarbeitung von Holz zu
Erweiterung des Anlagekapitals, zur Rationalisie- Dieselkraftstoff. Der SunDiesel genannte synthe-
rung der Produktionsprozesse und zu Fusionen und tische Kraftstoff soll 20% der europäische Diesel-
Übernahmen. nachfrage abdecken können. Neben seiner Anlage
Die Bioenergien wirken förmlich als Katalysa- in Freiberg plant Choren nun eine Großanlage an
tor für branchenübergreifende Kooperationen und der norddeutschen Küste bei Greifswald.39
formelle Verflechtungen. Es entsteht ein gänzlich Schon seit vielen Jahren bereitet sich Shell auf
neuer, überaus mächtiger industrieller Komplex das Ende des Öls und den kommenden Zellulose-
aus Agro-, Biotech-, Energie-, Öl- und Autoun- Boom vor. Seit Ende der 1970er Jahre investiert
ternehmen. An diesem Komplex partizipieren viele der Ölmulti in Plantagen, ein Schwerpunkt liegt
weitere Sektoren: Anlagenbau, Großhandel, Spedi- dabei in Lateinamerika. 1980 kaufte Shell erstmals
tionen, Luftfahrt, Logistik und viele Forschungsein- Land in Brasilien, um darauf Pinien anzupflanzen.
richtungen. Seither folgten Zellstoffplantagen in Argentinien,
Der industrielle Bioenergie-Komplex verkuppelt Chile, Paraguay, Uruguay, Neuseeland, Südafrika
Branchen, die schon je für sich eng mit Politik und und Kongo.40
Regierungen verfilzt sind. Diese gehören obendrein Gemeinsam mit der Biotech-Firma DuPont ent-
zu den umweltschädlichsten Großverschmutzern wickelte British Petroleum (BP) den Agrosprit der
der Industriegesellschaften. Angesichts dieser ge- zweiten Generation Biobutanol. Die Markteinfüh-
ballten Kapitalmacht wirken die an Bioenergie rung dieses Benzinzusatzes soll 2007 in Großbri-
geknüpften Hoffnungen wie Umweltschutz und tannien in Kooperation mit dem Zuckerhersteller
Entwicklung einigermaßen gewagt. Ein paar Schlag- British Sugar erfolgen. Für Biobutanol lassen sich
lichter auf den Bioenergie-Komplex mögen dies laut BP die gleichen Nahrungspflanzen wie für
verdeutlichen. Ethanol verwenden: Mais, Weizen, Zuckerrohr, Zu-
Vor allem die großen Erdölmultis wie Royal Dutch ckerrüben, Sorghum oder Maniok.41
Shell oder British Petroleum richten sich längst auf Im Februar 2007 kündigte BP die Gründung eines
die Ära nachwachsender Kraftstoffe ein. Shell etwa Forschungsinstituts an der Universität von Berkeley
stieg im Jahr 2002 bei der kanadischen Biotech- an und stellte dafür 500 Millionen Dollar zur Ver-
Firma Iogen ein, die ein enzymatisches Verfahren fügung. Das Energy Biosciences Institute soll sich

14
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
zunächst auf neue Treibstoffe für den Straßen- In Deutschland besitzt ADM mehrere Ölmüh-
transport konzentrieren. Bis zu 50 BP-Angestellte len, darunter mit der ADM Hamburg AG (vormals
kooperieren mit den Universitätsforschern. Ziel ist Oelmühle Hamburg) die größte Pflanzenölfabrik.
die Entwicklung von Prozesstechnologien, Biosprit Jährlich verschlingt sie allein 2,5 Millionen Tonnen
sowie neuer Pflanzensorten.42 Daneben finanziert Sojabohnen.45 In den drei Werken Leer, Hamburg
BP ein Forschungsprojekt in Indien zur energeti- und Mainz produziert das Unternehmen Biodiesel
schen Nutzung der Jatropha-Nuss. der eigenen Marke connediesel. Auch seine größten
Auch Daimler-Chrysler unterstützt ein Jatropha- Konkurrenten Cargill und Bunge besitzen Ölmühlen
Projekt in Indien. Die Versuchsplantage im Bun- in Deutschland, in Mainz und Mannheim in Kom-
desstaat Gujarat ist eine Public Private Partnership bination mit Biodieselanlagen. In der Magdeburger
zwischen dem Autobauer, der Universität Hohen- Börde plant Cargill daneben den Bau einer Ethanol-
heim, dem indischen Central Salt and Marine Che- fabrik, die Weizen verflüssigen soll.
micals Research Institute (CSMCRI) und der Deut- Den brasilianischen Agrarmarkt teilen sich Car-
schen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft gill, Bunge und ADM weitgehend auf. Gemeinsam
(DEG). Der Autokonzern steuert rund 1,3 Millio- drängen sie die Regierung zu Subventionen, um
nen € bei, die DEG 500.000 €. In einem indischen die derzeitigen Sojaöl-Überschüsse zu Biodiesel
Daimler-Chrysler-Werk hergestellte Testfahrzeuge verarbeiten zu können.46 Cargill wiederum kaufte
werden mit Jatropha-Diesel angetrieben. Die be- vor einigen Monaten die größte Ethanolfabrik im
teiligten Institute wiederum befassen sich mit der Bundesstaat São Paulo mitsamt 36.000 Hektar an
Sammlung von Wildpflanzen und der Züchtung von Zuckerrohrplantagen.47
Elitesorten.43 Auch die deutschen Strommonopolisten mischen
Die größten Agrarkonzerne der Welt, darunter eifrig im Bioenergiegeschäft mit. E.ON etwa ver-
Cargill, Bunge und Archer Daniels Midland (ADM), wendet in 16 Kraftwerken in Europa Biomasse.
investieren massiv in den Aufbau von Biospritfabri- Dabei handelt es sich mehrheitlich um Kohlekraft-
ken. In den USA mauserte sich der politisch prote- werke, in denen die pflanzlichen Rohstoffe mitver-
gierte Multi ADM zum König des Maisethanols. In feuert werden (Cofiring). In Deutschland unterhält
Deutschland ist ADM führender Biodieselhersteller. der Monopolist vier reine Biomassekraftwerke (in
Der Konzern bezeichnet sich selbst als „Supermarkt Zolling, Landsbergen, Delitzsch und Emden). Dane-
der Welt“ und behauptet, er habe „die Vision von ben ist E.ON an mehreren kleineren, oft kommuna-
einer Erde ohne hungernde Menschen“. Das hindert len Bioenergieanlagen beteiligt.48
ADM allerdings nicht, massenhaft Mais, Soja, Raps
und andere Pflanzen für energetische Zwecke zu
verwenden.44

12 Siegeszug der Genpanscher


Als weiteren potenziellen Gewinner sieht sich die tish Petroleum, Steven Koonin, auf „genetische Ver-
Biotech-Industrie. Nicht zufällig existieren für ei- besserungen von Energiepflanzen“. Es sei notwen-
nige der wichtigsten Energiepflanzen wie Mais, Soja dig, die Palette an Pflanzensorten zu verbreitern,
oder Raps bereits gentechnisch veränderte Sorten. die Erträge zu erhöhen sowie die Stresstoleranz
Zwar landen die noch großteils im Futtertrog, je- und den Düngebedarf zu verbessern. „Die Kombi-
doch basteln die Biotechniker bereits an speziellen nation moderner Züchtung und transgener Technik
Genpflanzen für die Kraftstoff-, Strom- und Wär- sollte zu weit besseren Ergebnissen führen als die
meproduktion. Und schon jetzt dienen Genmais, Grüne Revolution bei den Nahrungspflanzen, und
Gensoja und Gencanola49 der Energieerzeugung. das in wesentlich kürzerer Zeit,“ so die Erwartung
Die Erdölindustrie setzt große Hoffnungen in die des Erdölmanagers.50
Gentechnik. So drängte der Forschungschef von Bri-

15
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
Zum Verdruss der Gentech-Industrie herrscht je- In Brasilien erhielt im Februar 2007 das Zucker-
doch in großen Teilen der Öffentlichkeit eine un- rohrforschungszentrum CTC (Centro de Tecnologia
vermindert starke Ablehnung gegenüber genma- Canavieira) die Zulassung für Freilandversuche mit
nipulierten Nahrungsmitteln. Die Industrie hofft genmanipuliertem Zuckerrohr. Die brasilianischen
nun, über den Umweg des Agrosprits das Image Forscher vergrößerten den Sucrose-Gehalt der
der Gentechnik aufpolieren zu können. Denn noch Gensorten, was eine Verdopplung des Ethanoler-
konzentriert sich der Anbau ihrer geschmähten trags pro Hektar Zuckerrohr ermöglichen soll. Das
Produkte in wenigen Regionen: Rund 90% der CTC baut auf Ergebnissen des mehrjährigen Zucker-
Gentech-Pflanzen wachsen in vier Ländern: USA rohr-Genomprojekts der brasilianischen Regierung
(55%), Argentinien (19%), Brasilien (10%) und Ka- auf. Mehrere Universitäten und Institutionen waren
nada (6%). In den USA sind bereits 89% der Soja-, daran beteiligt und entwickelten eine umfassende
52% der Mais- und 50% der Canola-Ernte gene- Datenbank mit Gensequenzen des Zuckerrohrs.
tisch manipuliert. Im Februar 2007 kündigte Brasilien an, im kom-
Brasilien legalisierte im Jahr 2005 den zu- menden Jahrzehnt umgerechnet 3,5 Mrd. € in
vor schon illegal erfolgten Anbau der Soja-Sorte die Agrobiotechnik zu investieren. Eines der For-
„Roundup Ready“. Zum Zeitpunkt der Legalisierung schungsziele ist die Entwicklung einer trockenresis-
bestand bereits 30% der Sojaernte aus Monsantos tenten Zuckerrohrvarietät. Diese würde es ermögli-
Gensorte. Seither stieg der Gensoja-Anteil in Bra- chen, die Zuckerrohrplantagen über das derzeitige
silien auf zwei Drittel der Ernte. Daneben erteilte Anbauzentrum im Bundesstaat São Paulo hinaus in
Brasilien zwei weiteren Gentechpflanzen die Zulas- trockenere Regionen expandieren zu lassen.53
sung: der insektenresistenten Baumwollsorte Boll- Schon machen sich die Genforscher auch über
gard BT sowie dem von Bayer CropScience entwi- die Biotreibstoffe auf Zellulosebasis her. Sie fri-
ckelten Genmais Liberty Link.51 sieren Plantagenbäume wie Weiden, Pappeln oder
Die boomenden Agrobrennstoffe heizen die bio- Eukalyptus, um die Insekten- und Pestizidresistenz
technische Forschung weiter an. Monsanto entwi- zu erhöhen oder den Ligningehalt der Zellwände
ckelt die neue Maissorte Mavera. Durch genetische zu senken, was eine beschleunigte Verarbeitung
Veränderung weist diese Sorte einen höheren Stär- ermöglicht. Das Joint Genome Institute des US-
kegehalt auf, was eine größere Ausbeute für die Energieministeriums organisiert die nötige Grund-
Ethanolproduktion verspricht. Monsanto kooperiert lagenforschung. Über vier Jahre koordinierten die
mit weiteren Unternehmen wie Targeted Growth, US-Amerikaner ein weltweites Forschungsteam aus
Cargill und BASF. Targeted Growth führt Feldversu- 34 Institutionen, das den Gencode der Pappel ent-
che mit genmanipulierten Energiepflanzen wie Ca- schlüsselte. Dieser Baum gilt unter Biotechnikern
nola, Mais und Soja durch. Die Biotechniker sorg- als „Modellrohstoff für Biokraftstoffe“.54
ten für die künstliche Verlängerung der Zellteilung, Daneben arbeiten Firmen wie Genencor, Novo-
um das Pflanzenwachstum und die Energieernten zymes oder Diversa an veränderten Enzymen und
zu erhöhen. Mikroben zum beschleunigten Abbau von Lignin,
Der schweizerische Pharmakonzern Syngenta be- Zellulose und Hemizellulose, den Bestandteilen
antragte in Südafrika und der EU die Einfuhr der der pflanzlichen Zellen.55 Genmanipulierte Bäume
Maissorte Event 3272. Diese ist gentechnisch ver- bergen jedoch spezifische Risiken. So erhöht ein
ändert, um eine besondere Variante des Enzyms geringerer Ligningehalt der Zellwände die Gefahr
Amylase auszubilden, das die Umwandlung der des Schädlingsbefalls, was wiederum höheren Pes-
Maisstärke in Bioethanol beschleunigt. In den USA tizideinsatz erfordert. Anders als einjährige Nutz-
und China ist der Syngenta-Mais bereits registriert, pflanzen sind Bäume langlebig und produzieren
Südafrika indes lehnte die Zulassung im März 2007 große Mengen an Pollen und Samen, die über weite
ab. Die dortige Regierung befürchtete eine Auskreu- Entfernungen übertragen werden. Die Gefahr der
zung der manipulierten Sorten, d.h. die genetische Auskreuzung genmanipulierter Bäume ist überaus
Verunreinung konventioneller Maispflanzen.52 groß.56

16
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
13 Manipulierte Grundnahrungsmittel
Besonders beunruhigend ist, dass mittlerweile Eine der größten Sammlungen von Sorghum-Va-
Nahrungspflanzen ins Visier der Genpanscher kom- rietäten findet sich in der Genbank des Internatio-
men, die vornehmlich der Subsistenzproduktion nalen Agrarforschungszentrums für die semiariden
dienen, etwa das Knollengewächs Maniok. Für über Tropen (ICRISAT) in Indien. ICRISAT gehört zu dem
600 Millionen Menschen in Afrika, Asien und La- von den Vereinten Nationen koordinierten System
teinamerika ist Maniok (auch Cassava genannt) ein internationaler Genbanken und kooperiert eng mit
unverzichtbares Grundnahrungsmittel. Vor allem der Privatwirtschaft, vor allem Saatgutfirmen. Das
in Afrika, dem Hauptanbaugebiet, dient die stär- Institut gehörte zu den wichtigsten Protagonisten
kehaltige Pflanze als wichtiges Element der Ernäh- der Grünen Revolution. Im Zuge einer Public Pri-
rungssicherheit, auf die in Notzeiten zurückgegrif- vate Partnership mit der indischen Firma Rusni Dis-
fen wird. Die Knollen können bis zu einem Jahr im tillery kreierte das ICRISAT eine trockenresistente
Boden verbleiben, sodass die Ernte zeitlich flexibel Sorghumsorte für die Ethanolindustrie. Umgehend
erfolgen kann, etwa wenn andere Ernten fehlschla- meldete Rusni Distillery das Patent auf das Verfah-
gen oder die Preise günstig sind.57 ren an. Nun steht die Vermarktung dieser paten-
Nun aber wird immer stärker in die energetische tierten Hybridsorte auch in den Philippinen und
Maniok-Ausbeutung investiert. Steigt der Erdölpreis Uganda an.61
über 45 Dollar, rechnet sich die Verarbeitung zu Bio- Die meisten Gensorten wachsen heute in Mono-
kraftstoff. Erste Verarbeitungsstätten entstehen in kultur ohne hinreichenden Wechsel der Fruchtfolge.
Nigeria, China, Thailand und den Philippinen. In Alles spricht dafür, dass sich dies mit manipulierten
Lateinamerika rüsten sich Brasilien, Kolumbien und Energiepflanzen wiederholt und die existierenden
Paraguay. Um die Ausbeute zu optimieren, arbeitet Probleme verschärft. Herbizidresistente Pflanzen
ein Forschungsverbund des US-Landwirtschafts- wie Monsantos Roundup Ready Soja ermöglichten
ministeriums an der Entschlüsselung des Maniok- die „pfluglose Bodenbearbeitung“. Die Unkrautbe-
genoms. Die genetische Information dient u.a. der kämpfung erfolgt nicht mehr durch Wenden des
künstlichen Erzeugung neuer Varietäten mit höhe- Bodens, sondern durch Besprühung mit Herbiziden
rem Stärkegehalt für die Ethanolproduktion.58 wie Roundup. Das spart Arbeitskräfte und verbilligt
Ein weiteres Forschungsnetz unter Beteiligung die Produktion.
von BASF Plant Science experimentiert bereits mit Kehrseite sind erhebliche Umwelt- und Gesund-
genmanipulierten Manioksorten, die höhere Stär- heitsschädigungen durch Roundups Hauptwirkstoff
keanteile produzieren. Die Zulassung der Gensorten Glyphosat. Dieses Agrargift tötet alles Grün, außer
wird die industrielle Maniokproduktion zur Energie- der genmanipulierten Soja. Die massenhafte Be-
erzeugung in vielen tropischen Regionen forcieren. sprühung mit demselben Herbizid führt zur Entste-
Dem traditionellen Anbau dieses Grundnahrungs- hung herbizidtoleranter Unkräuter, die wiederum
mittels hingegen droht die Verdrängung.59 mit anderen Agrargiften bekämpft werden müs-
Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich bei der sen. Mehrere glyphosatresistente Schädlinge sind
Hirsepflanze Sorghum ab. Während das US-ame- bereits dokumentiert. Die Belastung mit Agrarche-
rikanische Sorghum-Genomprojekt den Gencode mie und ihre Verbreitung über Luft und Gewässer
knackt, entwickelt der Landwirtschaftliche For- schädigt die Artenvielfalt weit über die Plantagen
schungsdienst gemeinsam mit einer texanischen hinaus.
Universität eine trockenresistente Sorte. Auch aus Dieselben Multis, die sich schon jetzt mit der
Sorghum lassen sich Ethanol und andere Kraft- Verfütterung von Gensorten eine goldene Nase ver-
stoffe erzeugen.60 Die Hauptanbaugebiete finden dienen, profitieren auch von deren energetischer
sich in Afrika, Asien und Lateinamerika, daneben in Nutzung. Transgene Kraftstoffpflanzen werden pa-
den USA und in geringerem Maße in Europa. Vor al- tentiert und von abhängigen Energiewirten für das
lem in halbtrockenen Regionen wie der Sahelzone Biobusiness angebaut. Damit verstärkt sich nicht
dient die Pflanze häufig der Selbstversorgung der nur die Konzentration in der Landwirtschaft, son-
lokalen Bevölkerung. dern die gesamte Macht des Komplexes aus Agro-,
Biotech-, Erdöl- und Autoindustrie.62

17
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
14 Schockwellen in den Agrarmärkten
Die beunruhigendste Dimension der nachwachsen- Die Exportpreise für US-Mais der Saison
den Energien ist ihre unmittelbare Konkurrenz zur 2006/2007 waren um rund zwei Drittel höher als
Nahrungsproduktion. Der Wettlauf zwischen Brot in den beiden vorhergehenden Jahren. An der Roh-
und Benzin bedroht nicht nur die Ernährungssi- stoffbörse von Chicago CBOT (Chicago Board of
cherheit in den Anbaugebieten, sondern auch in Trade) kletterten die Mais-Futures Ende 2006 auf
vielen Ländern, die von Lebensmittelimporten ab- ein 10-Jahres-Hoch. Der Ethanolboom stimulierte
hängen. Da ein Großteil der Agrotreibstoffe auf nicht nur in den USA eine Ausweitung des Mais-
Nahrungs- und Futterpflanzen beruht, zeichnet anbaus, sondern auch in Argentinien, Brasilien und
sich ein düsteres Szenario ab: Galt Hunger bisher in Chile. 2007 vermeldeten diese drei Länder Rekord-
erster Linie als Verteilungsproblem, führt das „Hei- ernten. Die vermochten den Preisanstieg jedoch
zen mit Weizen“ nun womöglich zu einem globalen nur in geringem Maße zu dämpfen. Laut FAO sorgt
Nahrungsdefizit. Das Knappheitsproblem würde die der große Durst nach Maisbenzin für ein anhaltend
ungelösten Verteilungsprobleme noch einmal ver- hohes Preisniveau.64
schärfen. Der Preistrend schlägt auf zahlreiche weitere
Ob Energiepflanzen der zweiten Generation, Pflanzen durch, etwa Weizen, Reis, Maniok oder
die nicht zu Ernährungszwecken dienen, diesen Ölsaaten. Dabei verbindet sich die steigende Nach-
Druck mindern, erscheint als rein theoretische De- frage nach Biosprit mit der nach Futtermitteln. Weil
batte: Derzeit ist die zweite Generation noch nicht weniger Futtermais zur Verfügung steht, steigt die
marktreif. Wann kommerzielle Anwendungen ver- Nachfrage nach Substituten wie Weizen oder Soja.
fügbar sind, ist ungewiss. Ob diese tatsächlich zu Da diese Kulturen ebenfalls ins Visier der Biosprit-
einer Entspannung der konkurrierenden Flächenan- branche gerieten, steigt aber auch ihr Preis. In den
sprüche beitragen, ist ebenfalls fraglich. Umgekehrt USA fehlen wegen der vorrückenden Maisfront
heißt das: Auf absehbare Zeit werden Nahrungs- schon jetzt die Flächen, um mehr Weizen- oder So-
und Futterpflanzen immer mehr für energetische jafelder anzulegen.
Zwecke verwendet, nicht für die Ernährung. Die Mais und Soja konkurrieren unmittelbar um Land.
Folgen sind bereits zu besichtigen. Aufgrund des besseren Preises macht jedoch Mais
Immer größere Anteile der US-amerikanischen das Rennen. Die FAO warnt, dass bei der kommenden
Maisernte landen in den immer zahlreicheren Etha- Ernte „eine weltweite Ausweitung der Maispflan-
noldestillerien. Ende 2006 gab es 116 Bioethanol- zungen auf Kosten von Sojabohnen unausweichlich
fabriken in den USA, 2008 könnte ihre Zahl bereits scheint“.65 Gesellt sich zum schrumpfenden Sojaan-
auf 200 klettern.63 Noch Anfang 2000 nutzten die bau noch eine Verknappung der Palmölproduktion,
USA lediglich 6% ihrer Maisernte für die Ethanol- wie gegenwärtig der Fall, schießen die Pflanzenöl-
produktion, 2006 waren es bereits 20%, in wenigen preise noch steiler in die Höhe.
Jahren könnte es die Hälfte sein. Zugleich entfallen Ausgehend von Getreide- und Ölsaaten ziehen
auf die USA rund 40% der globalen Maisproduktion auch die Preise für Milch- und Fleischprodukte
und 70% der Exporte. Die explodierende Alkohol- an: Sie sind von der Verteuerung der Futtermittel
nachfrage treibt die Maispreise in die Höhe, obwohl betroffen. Es ist unabweislich: Der Biosprit-Boom
immer größere Flächen mit der Kornsaat belegt sendet Schockwellen durch die Agrarmärkte.
werden. Nach Angaben der UN-Landwirtschaftsor-
ganisation FAO erreichen die Maispflanzungen in
den USA 2007 das höchste Niveau seit 1944.

18
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
15 Volle Tanks und leere Bäuche
Für die Welternährung ist diese Entwicklung über- den Jahren 2010 und 2020 ab. Nach diesem Szena-
aus bedrohlich. Rund 850 Millionen Menschen lei- rio käme es zu einer überaus starken Verteuerung
den an Hunger, davon 820 Millionen in Entwick- (siehe Schaubild 3).67
lungs- und Schwellenländern. Schon minimalste
Schaubild 3: IFPRI-Szenario: Aggressives
Preisänderungen sind für arme Haushalte existenz- Wachstum der Produktion von Biotreibstoffen
bedrohend, da sie 50 bis 80% ihres Einkommens für (Preissteigerung in Prozent)
Lebensmittel ausgeben. Steigen die Preise mehrerer
Grundnahrungsmittel gleichzeitig, erhöht sich die 2010 2020
Zahl der Mangelernährten. Dieses Risiko ist beson- Maniok (Cassava) 33 135
ders groß in über 80 Ländern mit niedrigem Pro- Mais 20 41
Kopf-Einkommen und chronischem Nahrungsdefi-
Ölsaaten 26 76
zit, darunter Indien und China.
Zuckerrüben 7 25
Die weltweiten Ausgaben für Nahrungsimporte
sind bereits deutlich angestiegen. Es wird prog- Zuckerrohr 26 66
nostiziert, dass sie im Jahr 2007 auf über 400 Weizen 11 30
Milliarden $ klettern – ein historisches Hoch. Als
hauptsächliche Preistreiber identifiziert die FAO Die Maniokpreise würden besonders drastisch
jene Getreide- und Ölpflanzen, die bevorzugt in steigen, bis 2010 um 33%, bis 2020 um 135%. Ein
den Autotanks landen. Entwicklungsländer spüren hoher Preisauftrieb wäre auch bei Ölsaaten, Zu-
diesen Trend in besonderer Weise: Allein für die ckerrohr, Mais und Weizen zu erwarten. Die IFPRI-
48 sogenannten Least Developed Countries (LDCs) Forscher warnen, dass die Verteuerung des Manioks
stiegen die Importrechnungen für Nahrungsmittel „beträchtliche Wohlfahrtsverluste für die wichtigs-
seit 2000 bereits um 90%, für Industrieländer hin- ten Verbraucher dieses Produkts, hauptsächlich in
gegen nur um 22%. Subsahara-Afrika, verursacht“.68 Für viele Menschen
wären Grundnahrungsmittel wie Maniok, Ölpflan-
Hinter diesen nüchternen Zahlen verbergen sich
zen, Weizen oder Mais nicht mehr erschwinglich.
soziale Katastrophen. Denn die höheren Rechnun-
gen bedeuten noch keine höheren Importmengen, Eine solch drastische Preissteigerung könnte
diese können auch gesunken sein. Die FAO erwar- auch die Biospritindustrie in die Bredouille brin-
tet, dass viele Länder ihre Lebensmitteleinfuhren gen, sie wäre dann nicht mehr profitabel. Der Ruf
aufgrund der Preisauftriebs drosseln. Mehr noch: nach Subventionen würde wieder erschallen, seien
Zahlreiche Entwicklungsländer sind zugleich von dies Steuererleichterungen, Garantien oder Kredite.
steigenden Erdölpreisen betroffen. Sie sehen sich Eine solche Situation durchleben gegenwärtig ei-
nun genötigt, ihre Nahrungsimporte zu senken, um nige Biodieselfabrikanten wegen hoher Pflanzenöl-
den fossilen Energiebedarf (z.B. in der Landwirt- und vergleichsweise niedriger Dieselpreise (vgl. Ka-
schaft) zu decken.66 pitel 8).
Die FAO-Dokumente bilden die aktuellen Markt- Allerdings sind die IFPRI-Forscher überaus opti-
entwicklungen ab. Was es bisher jedoch erst wenig mistisch, was die künftige technologische Entwick-
gibt, sind Szenarien über die zukünftigen Trends der lung betrifft. In zwei weiteren Szenarien berechnen
Agrarpreise. Eine solche Abschätzung legten Wis- sie die Preiswirkungen, wenn a) Biokraftstoffe auf
senschaftlerInnen des International Food Policy Re- Zellulosebasis ab 2015 massenhaft zum Einsatz
search Institute (IFPRI) in Washington vor. In ihrem kämen und b) erheblich in die Intensivierung der
„aggressiven Biotreibstoff-Wachstumsszenario“ Agrarproduktion investiert würde. In diesen beiden
werden weltweit fossile Treibstoffe durch Agrosprit Fällen fiele die Verteuerung der Rohstoffe um ein
der ersten Generation ersetzt: bis zum Jahr 2010 Drittel bis die Hälfte niedriger aus. Es ist jedoch
um 10%, bis 2015 um 15% und bis 2020 um 20%. ungewiss, ob die flächendeckende Einführung der
Vorausgesetzt ist ein anhaltend hoher Erdölpreis. Zellulosetechnologien in dieser Frist erfolgt und
Das IFPRI-Modell bildet die möglichen prozentua- dann auch zu der erhofften Entspannung bei der
len Preissteigerungen für sechs Energiepflanzen in Nachfrage führt. Angesichts des Klimawandels ist

19
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
ebenfalls zu bezweifeln, dass landwirtschaftliche In einem viel beachteten neuen Aufsatz haben
Produktivitätsschübe noch in dem starkem Maße die Wissenschaftler nun die Biokraftstoffe mit ein-
möglich sind, wie dies in früheren Jahren der Fall berechnet. Setzt sich das Verheizen von Nahrungs-
war. pflanzen im großen Maßstab fort und entwickeln
Die beiden US-Agronomen Runge und Senauer sich die Rohstoffpreise gemäß dem IFPRI-Szenario,
nahmen eine Abschätzung vor, was das IFPRI-Sze- könnte sich die Zahl der Hungernden beträchtlich
nario für die Welternährung bedeuten könnte. In erhöhen. Jeder Prozentpunkt, den die Grundnah-
einer Studie über die globale Ernährungssicher- rungsmittel zulegen, ließe die Zahl der Mangeler-
heit, die die beiden Wissenschaftler im Jahr 2003 nährten um 16 Millionen steigen. Runge und Se-
durchführten, gingen sie noch davon aus, dass die nauer schlussfolgern: „Dies würde bedeuten, dass
Zahl der Hungernden bis zum Jahr 2025 von über im Jahr 2025 möglicherweise 1,2 Milliarden Men-
820 Millionen auf 625 Millionen hätte sinken kön- schen chronisch an Hunger leiden – 600 Millionen
nen. Diese Rechnung wurde damals noch ohne den mehr als ursprünglich prognostiziert.“69
Agrosprit gemacht.

16 Verschärfung der Landkonflikte


Typischerweise steigen Rohstoffpreise jedoch aufeinander. In den Bundesstaaten São Paulo, Mato
nicht linear. Vielmehr sind sie durch teils heftige Grosso und Mato Grosso do Sul gehen Großgrund-
Schwankungen geprägt, die Volatilität. Dies zeigt besitzer vermehrt dazu über, brachliegende Flä-
sich beispielsweise beim Zuckerpreis, der nach chen, die für die Landverteilung vorgesehen waren,
jahrelanger Angebotsverknappung und steigender an Zuckerrohrproduzenten zu verpachten. Durch
Ethanolnachfrage Anfang 2006 das höchste Niveau die Verpachtung entziehen sie das Land der Agrar-
seit 25 Jahren erklomm. Seither jedoch stürzte er reform. Viele dieser Flächen sollten der familiären
wieder ab – um rund 80% zwischen April 2006 Landwirtschaft zugute kommen, und damit der
und April 2007. Der wesentliche Grund: Wichtige Nahrungsproduktion.
Zuckerrohrproduzenten wie Brasilien und Indien Überdies sehen sich Familien, die bereits Besitz-
weiteten in Reaktion auf den Preisauftrieb die An- titel erhielten und Feldfrüchte anbauen, durch Zu-
bauflächen stark aus. Das führte im Jahr 2007 zu ckerrohrplantagen in unmittelbarer Nachbarschaft
preisdämpfenden Rekordernten.70 bedroht. Die Agrargifte, die auf den Plantagen zum
Das Beispiel der Zuckerpreise verweist auf zwei Einsatz kommen, vernichten die Kulturen auf den
besondere Risikofaktoren für die Ernährungssicher- benachbarten Gemüsefeldern. Die Zuckerrohrpro-
heit: die Kopplung von Agrar- und Erdölpreisen duzenten wiederum nutzen die Not der Familien
sowie die Flächenexpansion. Bei den Zuckernotie- aus und drängen sie zur Verpachtung ihres nun be-
rungen lässt sich bereits eine hohe Korrelation mit lasteten Lands. Gewaltsame Auseinandersetzungen
dem überaus volatilen Erdölpreis beobachten. Die- sind die Folge. Seit die brasilianische Zuckerrohr-
ses Schicksal droht allen Nutzpflanzen, die der En- front mit der Alkoholnachfrage expandiert, nehmen
ergieerzeugung zum Opfer fallen. Um die Lebens- Landkonflikte und Besetzungen in den betroffenen
mittelpreise legt sich eine zusätzliche Schicht der Gebieten wieder zu.72
Unsicherheit, die ihre Schwankungsintensität wei- Nicht minder existenziell sind die Konflikte, die
ter erhöht. Die Vereinten Nationen warnen: „Grö- die Verteuerung des Pflanzenöls verursacht, vor al-
ßere Preisvolatilität kann noch schädlicher für die lem der Vormarsch von Soja- und Palmplantagen.
Ernährungssicherheit sein als langfristige Trends, Eine Studie der Menschenrechtsorganisation „Hu-
da Arme kurzfristige Preisausschläge für gewöhn- man Rights Everywhere“ beschreibt das mehrstu-
lich nicht verkraften können.“71 fige System der gewaltsamen Inwertsetzung in Ko-
Die preisinduzierte Flächenexpansion unter- lumbien. Zunächst rücken paramilitärische Gruppen
miniert ebenfalls die Ernährungssouveränität. In in Regenwaldgebiete vor, um mit Terror und Mord
Brasilien etwa prallen Zuckerrohr und Agrarreform die lokale Bevölkerung zu vertreiben. Anschließend

20
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
werden Wälder gerodet, das Holz verkauft und der Art: einerseits durch – bereits minimale – Verteue-
Landraub mittels Korruption „legalisiert“. Es folgt rung von Grundnahrungsmitteln für KonsumentIn-
die Anlage von Palmplantagen und die industrielle nen auf dem Land und in der Stadt, andererseits
Verarbeitung des Palmöls – auch dies unter dem durch Unterminierung kleinbäuerlicher Landwirt-
Schutz der Paramilitärs. Schließlich landet das blu- schaft, die vielfach der Selbstversorgung dient. Mit
tige Pflanzenöl auf dem internationalen Markt, um der Flächenexpansion schließlich geht eine schwere
etwa in Deutschlands Blockheizkraftwerken – sub- Belastung der vielfach ungelösten Landfrage ein-
ventioniert über das Erneuerbare-Energien-Gesetz her. Der Wettlauf zwischen Brot und Benzin ver-
– verstromt zu werden. Die Vertriebenen wiederum schärft die bestehenden Verteilungskonflikte und
sind ihrer Existenzgrundlage beraubt.73 legt Lösungen – wie etwa Agrarreformen – weitere
Die Preisentwicklung der Energiepflanzen be- Hürden in den Weg.
droht die Ernährungssicherheit also auf zweierlei

17 Hauptwiderspruch Klimawandel
Mit der erneut aufgeflammten Debatte über den koholischen Brennstoff wollen die NRO die Han-
Klimawandel erfahren die Agroenergien einen le- delsschranken niederreißen: „Es ist politisch kaum
gitimatorischen Schub. Der Klimawandel erscheint durchsetzbar und auch nicht sinnvoll, international
geradezu als ein neuer Hauptwiderspruch. Um ihn nicht wettbewerbsfähiges, teures europäisches Bio-
zu lösen, sei ein massiv ausgebauter Biomassemarkt ethanol durch protektionistische Maßnahmen vor
alternativlos, so das Diktum von Regierungen, Lob- der Konkurrenz aus Entwicklungsländern zu schüt-
byisten und manchen Klimaschützern. Eine Steige- zen.“74
rung der Importe betrachten sie als unumgänglich: Um Zweifler von den Segnungen der Agroener-
der Treibhauseffekt lasse keine andere Wahl. gien zu überzeugen, lancierte das Forum gemein-
Derweil schrumpfen die Folgen des Bioenergie- sam mit dem World Wide Fund for Nature (WWF)
handels zum Nebenwiderspruch: die Plünderung eine NRO-Diskussionsplattform zu „nachhaltiger“
der Tropenwälder, die gewaltsamen Vertreibungen, Biomasse. Die KoordinatorInnen des vom Umwelt-
die Expansion von Monokulturen, die Abhängigkeit ministerium geförderten Projektes meinen, „dass
von Kleinbauern, der Siegeszug der Gentechnik, das die Biomassenutzung zu energetischen Zwecken
Verheizen von Nahrungspflanzen und nicht zuletzt eine gesellschaftliche Akzeptanz brauche“.75
die nachwachsenden Monopole transnationaler Die zahlreichen Risiken des Handels glaubt das
Konzerne. Dies alles sind bedauerliche Zielkonflikte, Forum Umwelt und Entwicklung durch zertifizierte
die zugunsten des Klimaschutzes aufzulösen sind, Nachhaltigkeitskriterien eindämmen zu können.
meinen die Lobbyisten. Dass die Klimabilanzen So fordert es ein europäisches „EcoFair-Zertifi-
der einzelnen Agrokraftstoffe aber überaus wider- zierungsschema für nachhaltig erzeugte Bioen-
sprüchlich, oftmals dürftig, oder gleich ganz nega- ergieträger“. Dessen Kriterien sollen Energie- und
tiv ausfallen, wird geflissentlich übergangen – ganz Arbeitsplatzbilanzen, eine nachhaltige Landwirt-
abgesehen von ihren methodischen Defiziten. schaft und soziale Auswirkungen berücksichtigen.
Auch viele Nichtregierungsorganisationen behan- Allerdings will das Forum den Handel keineswegs
deln den Klimawandel als Hauptwiderspruch, etwa beeinträchtigen. Vielmehr sollen „privilegierte
das deutsche Forum Umwelt und Entwicklung. In Marktzugangsbedingungen in der EU“ zugesichert
einem Positionspapier schreibt dieses Netzwerk, und „verdeckter Protektionismus“ verhindert wer-
der Klimawandel zwinge die Menschheit, auf er- den. Die überaus optimistische Erwartung ist, dass
neuerbare Energien umzustellen, und schlussfol- die Zertifizierungen „Rahmenbedingungen schaf-
gert: „In diesem Sinne ist eine massiv ausgebaute fen, die auch in den Anbauländern zu nachhaltiger
Biomasse-Nutzung alternativlos.“ Entwicklungs- Entwicklung führen.“76
ländern biete der Export von Bioenergieträgern
eine Chance, die sie auch nutzen würden. Für al-

21
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
18 Zertifizierung:
Be-Siegelung des Raubbaus
Angesichts der ernüchternden Erfahrungen mit exis- ganisiert ebenfalls ein Stakeholder-Verfahren zur
tierenden Siegelinitiativen ist der Regulierungsop- Zertifizierung „nachhaltig“ produzierter Biotreib-
timismus der NRO ungerechtfertigt. Wenig spricht stoffe. Mitte 2007 will sie einen ersten Gesetzes-
dafür, dass der massiv geförderte Biomassemarkt vorschlag vorlegen. Auch das deutsche System soll
durch öko-soziale Zertifizierung in eine nachhaltige auf existierenden Projekten aufbauen.
Entwicklungsbahn einschwenken könnte. Genau Jedoch sind die als Referenz dienenden Siegel-
aus diesem Grund sind transnationale Konzerne initiativen des FSC und des WWF aufgrund dürfti-
längst auf den Siegelzug aufgesprungen. Auch sie ger Standards, leichter Zugänglichkeit und mangel-
wünschen sich Nachhaltigkeitskriterien für das flo- hafter Kontrolle erheblich unter Beschuss geraten.
rierende Geschäft. So forderten im vergangenen Jahr Umweltgruppen
Gern arbeiten sie dafür mit zahmen Nichtre- mehrerer Länder, darunter Brasilien, Chile, Kolum-
gierungsorganisationen zusammen, wie diverse bien, Ecuador, Uruguay und Südafrika, der Forest
„Multi-Stakeholder“-Runden zeigen. Diese Initiati- Stewardship Council solle einer Reihe von Firmen
ven bringen unterschiedliche InteressenvertreterIn- das FSC-Siegel wieder aberkennen. Dabei handelte
nen (bzw. Stakeholder) an einen Tisch. Der Round- es sich durchgängig um großflächige Monokul-
table on Sustainable Biofuels etwa versammelt turen wie Eukalyptus- oder Pinien-Plantagen, die
eine illustre Schar von Konzernen, internationalen massiv gegen die Grundsätze des FSC verstießen.
Organisationen und Nichtregierungsorganisatio- Die beteiligten Gruppen begründeten ihre De-Zer-
nen, darunter Shell, BP, Petrobras, Toyota, DuPont, tifizierungsforderung mit erheblichen Umwelt-
Genencor, Bunge, das World Economic Forum, die schäden, Menschenrechtsverletzungen und Land-
International Energy Agency, die Siegel-Organisati- konflikten.79 Getragen wird der FSC von Konzernen
onen Max Havelaar und Forest Stewardship Coun- und NRO, darunter WWF, Greenpeace und Friends
cil (FSC) sowie WWF und Oxfam. of the Earth.
Ziel dieses Runden Tisches ist die Erarbeitung Das Urteil der Gruppen ist vernichtend. Wally
eines globalen Mindeststandards mitsamt Zertifi- Menne von der Timberwatch Coalition aus Südaf-
zierungssystem für Biokraftstoffe. Dieser Prozess rika kritisiert: „Keine der südafrikanischen Planta-
soll öffentliche, private und NRO-„Stakeholder“ gen hätte vom FSC zertifiziert werden sollen: Zum
einbinden, um dem Standard „Legitimität zu ver- einen sind Plantagen keine Wälder, zum anderen
leihen“. Allerdings betont der Roundtable, dass der produzieren sie schwerste soziale und ökologische
Standard „keine Handelsbarriere errichten“ dürfe. Schäden.“ Ricardo Carrere vom World Rainforest
Vielmehr solle er „generisch, einfach und apoli- Movement in Uruguay weist auf das zentrale poli-
tisch“ sein. Damit die Zertifizierung so reibungslos tische Problem hin: „Durch die Zertifizierung groß-
wie möglich erfolgt, möchte man auf vorhandene flächiger Monokulturen schwächt der FSC lokale
Standards zurückgreifen. Als Referenz gelten vor Kämpfe gegen die Holzplantagen.“80
allem das FSC-Siegel für den Holzhandel und aktu- Während der FSC die Widerstandsbewegungen
elle Zertifizierungsprojekte des WWF.77 offenbar schwächt, erfreut er sich auf Industrieseite
Auf nationaler und internationaler Ebene gibt es großer Beliebtheit. So erhielt Shell im Jahr 2001 das
einige weitere derartiger Initiativen. Die Europäi- FSC-Siegel für seine lateinamerikanischen Planta-
sche Kommission beendete jüngst eine Konsulta- gen in Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay.
tion über ein System von Nachhaltigkeitskriterien. Damit die Siegel-Kriterien auch künftig den Zel-
Zusammen mit dem Ziel, 10% der fossilen Treib- lulosehandel stimulieren, setzt sich Shell Forestry
stoffe bis 2020 durch Agrosprit zu ersetzen, soll für eine „Harmonisierung“ und „Rationalisierung“
dieses System verpflichtend auf EU-Ebene umge- bestehender Zertifizierungssysteme ein.81
setzt werden.78 Die deutsche Bundesregierung or-

22
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
19 Greenwashing des Biobusiness
So verwundert es nicht, dass Shell auch am Round- dringend erforderlichen Lösungen in immer weitere
table on Sustainable Palm Oil (RSPO) Platz genom- Ferne rücken, ist ein Skandal, dem ein Ende ge-
men hat. Geladen hatte der WWF. Erklärtes Ziel des macht werden muss.“85
RSPO sind Förderung und Wachstum einer vorgeb- Nach dem Muster des RSPO lancierte der WWF
lich „nachhaltigen“ Palmölproduktion. Dazu entwi- noch weitere Runde Tische, so zu Soja und Zucker-
ckelten die Beteiligten einen Satz von fragwürdigen rohr.86 Damit ist die Umweltorganisation bei eini-
Kriterien, anhand derer demnächst die ersten Plan- gen der bedeutendsten Bioenergieträgern mit Sie-
tagen zertifiziert werden. Mittlerweile zählt der gelprojekten präsent. Jedoch trifft der WWF auch
Runde Tisch 173 Mitglieder, darunter nur 11 NGOs immer wieder auf Widerstand. Als er im März 2005
(u.a. WWF und Oxfam). Lediglich eine von ihnen, zu einer ersten Konferenz seines Roundtable on
die indonesische Sawit Watch, vertritt Betroffene Responsible Soy im brasilianischen Foz do Iguaçu
aus einem der Anbauländer. Der Rest der Mitglieder einlud, veranstaltete das Netzwerk Vía Campesina
repräsentiert Plantagenbesitzer, Palmölverarbeiter, die Gegenkonferenz „Nein zur ‚nachhaltigen‘ Soja“.
Handelsfirmen und Finanzinvestoren.82 Zum Abschluss ihres Treffens demonstrierten die
Auffällig ist auch hier der industrielle Komplex AktivistInnen vor dem Tagungshotel der WWF-Ver-
aus Agro-, Gentech-, Erdöl- und Energiekonzernen. anstaltung.
Beim RSPO kooperieren u.a. Cargill, Bunge, Bayer, Die Proteste sind leicht verständlich, denn un-
Syngenta, BP, Shell, EDF und RWE. Die Industriedo- ter den Mitgliedern des Soja-Tisches finden sich
minanz wird noch dadurch abgesichert, dass jedes berüchtigte Anbauer wie das Unternehmen des
Mitglied eine Stimme hat, vorausgesetzt es ent- brasilianischen „Sojakönigs“ und Gouverneurs des
richtet den Jahresbeitrag von 2.600 US$.83 Bundesstaates Mato Grosso, Blairo Maggi. Scharf
Zur Freude des Baseler Biotech-Unternehmens kritisierte Vía Campesina daher die „skandalöse Un-
Syngenta schließen die RSPO-Kriterien die Verwen- terstützung großer NRO“ für das Agrobusiness. Die
dung gesundheitsschädlicher Pestizide nicht aus. zentrale Schwäche der WWF-Initiativen bringen
Syngenta ist wichtigster Hersteller des hochgifti- die AktivistInnen auf den Punkt: „Wo es Monokul-
gen Herbizids Paraquat. Dieses kommt beim indus- turen gibt, kann die Nachhaltigkeit nicht existieren,
triellen Anbau von Ölpalmen und Soja zum Einsatz. wo es das Agrobusiness gibt, können Campesinos
Zehntausende von Menschen vergiften sich jedes nicht existieren.“87
Jahr an Paraquat. Viele von ihnen sterben qualvoll Tatsächlich stellen die Siegelprojekte in erster Linie
an den Folgen. Scharf kritisierten die NRO Erklärung die Nachhaltigkeit des Biomasse-Nachschubs sicher,
von Bern (EvB) und die Internationale Union der Le- nicht eine nachhaltige Produktion. Sie zeichnen inten-
bensmittel- und Landwirtschaftsarbeiter (IUL) die sive Plantagenwirtschaft aus, die sich mit steigender
Kriterien des RSPO: „Keine Kriterien sind im Bereich Nachfrage nach Energiepflanzen weiter ausdehnen
der Pestizide so schwach wie die zu Palmöl.“ Der wird. Keine der Initiativen intendiert eine Beschrän-
Gebrauch von Paraquat sei mit einer nachhaltigen kung des Handels. Viele NRO stützen diese Entwick-
Produktion nicht vereinbar.84 lung. Explizit sprechen sie sich für das Wachstum des
Zu den RSPO-Mitgliedern zählt auch das indo- Bioenergiemarktes und gegen „Protektionismus“ aus.
nesische Palmölunternehmen Musim Mas, das in Selbst wenn ihre Siegel greifen und zu umwelt-
Vergeltung für einen Streik auf einen Schlag 1000 und sozialverträglicherem Anbau auf den kontrol-
GewerkschafterInnen entließ. Nachdem die IUL lierten Flächen führen würden, bliebe das Expansi-
eine internationale Solidaritätsaktion für die in- onsproblem. Denn die Weltmarktpreise befehligen
donesischen KollegInnen organisierte, forderte der den Vormarsch der Monokulturen in Wälder und
niederländische Gewerkschaftsdachverband FNV Weiden. Die Abholzung in Amazonien korreliert mit
seine Regierung auf, die finanzielle Unterstüt- dem Sojapreis. Gegenwärtig ziehen die Preise für
zung für den RSPO einzustellen. Dieser Forderung die energetisch genutzten Pflanzen kräftig an. So-
schloss sich auch die IUL an: „Eine Unterstützung lange die Nachfrage nach Agroenergie steigt und
der Regierung für den RSPO und die Palmölakti- die Flächenexpansion nicht zu Angebotsüberschüs-
vitäten der Nichtregierungsorganisationen, die die sen führt, wird dies auch so bleiben.

23
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
20 Etikettenschwindel:
deutsche Biosprit-Zertifikate
Wohin die Scheinlösung der Zertifizierung führt, Das Politikum jedoch sind die Kriterien, die sich
zeichnet sich beim deutschen „Stakeholder“-Ver- die „Stakeholder“ ausgedacht haben. Lediglich vier
fahren ab. Das Landwirtschaftsministerium beauf- Kriterien will man für die Biomassezertifizierung
tragte die Beratungsfirma meó Consulting mit der zugrundelegen: Abholzung von Regen- und Primär-
Koordination eines internationalen Projektteams, wäldern, Verlust der Artenvielfalt, Konversion von
das ein „praktibles“ Zertifizierungssystem für Bio- Böden mit hohem Kohlenstoffgehalt sowie Kinder-
kraftstoffe erarbeiten soll. Dem Team gehören Ver- und Zwangsarbeit. Hinzu kommt als fünftes Krite-
treter des Agrobusiness, der Auto-, Biosprit- und rium der separat zertifizierte Treibhausgasausstoß
Mineralölindustrie aus Europa, Malaysia, Indone- der Biokraftstoffe. Jedoch bleibt unklar, wie man
sien und Brasilien an. Zu den Teilnehmern zählen diesen Phänomenen im Einzelnen beikommen will.
daneben der Deutsche Bauernverband, die Umwelt- So wird nicht berücksichtigt, dass Abholzungen
Consultants IFEU und Ökoinstitut sowie der WWF. meist einige Jahre vor der Anlage von Plantagen
Laut dem im Mai dieses Jahres vorgelegten meó- erfolgen. Auch führt eine schlechte Klimabilanz
Vorschlag handelt es sich um ein umfassendes Zer- offenbar nicht zu einem Ausschluss von der Zerti-
tifizierungssystem für Biomasse und Bioenergie. fizierung. Vielmehr will man „Anreize“ zur Emissi-
Es soll ein Meta-System sein, das die Verwendung onsminderung geben.
bereits existierender Zertifikate, etwa des Run- Noch schwerer aber wiegt, welche Kriterien
den Tisches für Nachhaltiges Palmöl, erlaubt. Nur ausgeklammert wurden: Wasser- und Luftver-
Agrosprit mit solchen Nachhaltigkeitszertifikaten schmutzung, Bodenversauerung, Pestizideinsatz,
wäre für die verpflichtende Beimischung nach dem Landnutzungskonflikte, Vertreibungen, Nahrungs-
deutschen Biokraftstoffquotengesetz zulässig. Fer- konkurrenz, Gentechnik und nicht zuletzt Kernar-
ner will man das deutsche System in das künftige beitsnormen wie die Vereinigungsfreiheit. Derar-
EU-Prüfsystem für Biokraftstoffe integrieren.88 tige Kriterien könnten, so heißt es, gegebenenfalls
Biomasse-Plantagen würden kommerzielle Fir- zu einem späteren Zeitpunkt Berücksichtigung fin-
men bezahlen, die sie prüfen und ihnen ein Zerti- den. Anders ausgedrückt: Werden Energiepflanzen
fikat ausstellen, das die „nachhaltige“ Produktion auf Flächen produziert, wo noch vor einigen Jahren
der Energiepflanzen nachweist. Im Anschluss ver- Menschen lebten oder Urwälder standen, können
kaufen sie ihre Zertifikate über eine Internetplatt- die Plantagen nach dem deutschen Vorschlag ein
form an Biosprithersteller und weitere Branchen. In Nachhaltigkeitszertifikat erhalten. Gleiches gilt,
Abhängigkeit von der Agrokraftstoffmenge, die Un- wenn Plantagenbesitzer Gewerkschaften zerschla-
ternehmen in Deutschland beimischen, müssten sie gen, auskreuzende Gensorten pflanzen, Nachbar-
Nachhaltigkeitszertifikate kaufen und nachweisen. felder mit Chemiecocktails vernichten und Arbeite-
Nach den Vorstellungen des Projektteams würde rInnen mit Paraquat vergiften.
bereits ab 2007 mit dem Handel der Biomassezer-
tifikate begonnen. Ab 2008 soll ergänzend die Kli-
mabilanz einzelner Biokraftstoffe bewertet werden
und ein entsprechender Handel mit Klimazertifika-
ten folgen.

24
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
21 Solidarität gefragt
Die Siegel- und Zertifizierungsprojekte bieten keine Das lateinamerikanische „Forum Widerstand
Antwort auf die Risiken der Agroenergien. Sie die- gegen das Agrobusiness“ erinnert daran, welche
nen ausschließlich einem florierenden Handel. Die Chance möglicherweise vertan wird: „Die Zentra-
industriellen Großverbraucher definieren, was sie lität der Energiekrise für die Kapitalakkumulation
für eine „nachhaltige“ Produktion und Nutzung der eröffnet die Möglichkeit einer globalen Debatte
Bioenergie halten. Die Perspektive der Betroffenen über andere Formen der Produktion und des Le-
spielt keine Rolle. Zertifizierungen nähren die Illu- bens, über ein radikal anderes Projekt.“ Ohne eine
sion sozial-ökologischer Regulierung, bleiben ge- solche Debatte jedoch werde das destruktive Ge-
genüber den Verwerfungen des Biobusiness aber sellschaftsmodell, nun auf Basis der Bioenergien,
machtlos. Mit dem Ruf nach „EcoFair“-Siegeln ka- lediglich fortgeschrieben.92
schieren auch Nichtregierungsorganisationen nur Tatsächlich bergen die Verknappung des Erdöls
ihre Hilflosigkeit. Ihre Fixierung auf die „Stakehol- und der Klimawandel das Potenzial für eine En-
der“-Prozesse verhindert die Suche nach ernsthaf- ergiewende, die mehr ist als die Verlängerung des
ten Antworten. herrschenden Produktionsmodells. Dezentrale Er-
Eine solche Suche kann nur im Rahmen einer of- zeugung und demokratische Kontrolle sind mit dem
fenen, nicht durch Scheinlösungen belasteten De- Weltmarkt für Bioenergie aber unvereinbar. Allein
batte stattfinden. Statt Akzeptanzbeschaffung für aus diesem Grund ist die NRO-Unterstützung für
das Biobusiness, braucht es Solidarisierung mit den diesen Markt überaus schädlich: Sie blockiert die
Betroffenen in den Anbauländern. Immer vernehm- emanzipatorischen Potenziale erneuerbarer Ener-
barer protestieren diese gegen die erneute Reduk- gien. Um deren Realisierung muss offensichtlich
tion auf den Status der Rohstofflieferanten für das gerungen werden – auch in den eigenen Reihen.
kapitalistische Produktionsmodell. Statt fragwürdiger Siegelinitiativen braucht es
In einem offenen Brief an die Europäische Union Aufklärung über die immensen Risiken des Welt-
fordern lateinamerikanische Umweltgruppen: „Wir handels mit Agrosprit. Aufgabe einer Strategiede-
wollen Ernährungssouveränität, keine Biotreib- batte von unten müsste es sein, Interventionen ge-
stoffe. (...) Der durch die Länder des Nordens verur- gen den entstehenden Biomassemarkt und für die
sachte Klimawandel lässt sich nicht dadurch auf- Durchsetzung demokratischer Energiesysteme zu
halten, dass nun neue Probleme in unserer Region entwickeln. Es geht um nichts weniger als die Ent-
geschaffen werden.“89 Auch die brasilianische Land- scheidung zwischen einer emanzipatorischen und
losenbewegung MST und das weltweite Netzwerk einer profitorientierten Energiewende.
Vía Campesina warnen: „Wir können keine Tanks
füllen, während Mägen leer bleiben.“90 Beim Sozial-
forum in Mali im Februar 2007 schließlich sagten
Hunderte von AktivistInnen den Monokulturen der
Energiepflanzen, den sogenannten „Grünen Wüs-
ten“, den Kampf an.91

25
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
22 Quellen
20
Rebecca Renner: Green Gold in a Shrub. Entrepreneurs
target the jatropha plant as the next big biofuel.
Scientific American, 20.5.2007.
21
Thomas Fritz: Globale Produktion, Polarisierung und
Protest. In: Thomas Fritz/Cícero Gontijo/Christian Russau:
Produktion der Abhängigkeit: Wertschöpfungsketten.
1
UN-Energy: Sustainable Bioenergy: A Framework for Investitionen. Patente. FDCL, Berlin, 2005, S. 7-52
22
Decision Makers. United Nations, 2007. Getreidemaß in USA und Großbritannien.
2 23
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe: Biokraftstoffe C. Ford Runge/Benjamin Senauer: How Biofuels Could
– eine vergleichende Analyse. Gülzow 2006. Starve the Poor. Foreign Affairs, 24. April 2007.
3 24
Darunter die USA, Brasilien, Kolumbien, Argentinien, Siehe Unternehmensdarstellung unter: www.verbio.de
25
Indien, Malaysia, Indonesien, Kamerun, Ghana und Verbio Pressemitteilung, 15. Mai 2007.
Südafrika. 26
D1 Oils lifts jatropha planting to 156,000 hectares by
4
1 Exajoule (EJ) = 1018 Joule end Q1. Hemscott, 2.5.2007.
5 27
Vgl. Worldwatch Institute: Biofuels for Transportation. Siehe FN 1
Washington D.C., 7. Juni 2006. 28
Siehe FN 23
6
Stefan Bringezu/Helmut Schütz: Flächenkonkurrenz 29
Siehe FN 1, S. 18f.
bei der weltweiten Bioenergieproduktion. Forum Umwelt 30
und Entwicklung, Wuppertal Institut, Wuppertal/Bonn, Siehe FN 29
31
2006. Soros invests US$ 900 million in Brazilian biofuels,
7
Siehe Edward Smeets/André Faaij/Iris Lewandowski: calls on US, EU to end tariffs. Biopact, 6. Juni 2007. Die
A quickscan of global bio-energy potentials to 2050. EU verlangt einen Zollsatz von 10,2 € pro Hektoliter auf
Copernicus-Institute, Utrecht, März 2004. Sowie: denaturiertes Bioethanol und 19,2 € auf undenaturiertes
Jussi Heinimö et al.: International bioenergy trade – Bioethanol. Die USA erheben umgerechnet 11,6 € pro
scenario study on international biomass market in 2020. Hektoliter auf denaturiertes Bioethanol.
32
Lappeenranta University of Technology, Lappeenranta Siehe FN 7
33
2007, S. 13. Siehe FN 11
8 34
Siehe FN 5 Arnaldo Walter et al.: Market Evaluation: Fuel Ethanol.
9
Siehe FN 7 Unicamp/IEA Bioenergy, Januar 2007.
10 35
Allerdings gibt es auch nicht-nachhaltige Formen Annie Dufey: Biofuels production, trade and sustainable
extensiver Viehwirtschaft, etwa die expandierenden development: emerging issues. International Institute for
Rinderfarmen in Brasilien, die immer mehr Naturwälder Environment and Development (IIED), London 2006.
36
per Rodung in großflächige Viehweiden verwandeln. WWF: Regenwald für Biodiesel? Ökologische
11
Jussi Heinimö et al.: International bioenergy trade – Auswirkungen der energetischen Nutzung von Palmöl.
scenario study on international biomass market in 2020. Frankfurt 2007.
37
Lappeenranta University of Technology, Lappeenranta Laurens Rademakers: Global bioenergy trade taking
2007. off: from the tropics to the Benelux. Biopact, 29.8.2006.
12 38
Uwe R. Fritsche et al.: Kriterien zur Bewertung des Christian Wüst: Erntedank im Autotank. In: Spiegel
Pflanzenanbaus zur Gewinnung von Biokraftstoffen Spezial, Neue Energien, 1/2007, 57-66.
in Entwicklungsländern unter ökologischen, sozialen 39
Choren stellt Standortkonzept für Lubmin vor. Choren
und wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Öko-Institut,
Presseerklärung, 28.2.2007.
Darmstadt/Freiburg 2005. 40
13 Chris Lang: The Pulp Invasion: The international
Zur Kritik der CO2-Bilanzierung siehe: Agrofuels
pulp and paper industry in the Mekong Region. World
theaten to accelerate global warming. Biofuelwatch
Rainforest Movement, Montevideo 2002.
Report, Mai 2007. 41
14 BP and DuPont Announce Partnership to Develop
Douglas C. Morton et al: Cropland expansion changes
Advanced Biofuels. Pressemitteilung, 20.6.2006.
deforestation dynamics in the Southern Brazilian 42
Amazon. Proceedings of the National Academy of BP Selects Strategic Partners For Energy Biosciences
Sciences, Vol. 103, No. 39, 26.9.2006, 14637-14641. Institute. Pressemitteilung, 1.2.2007.
43
15
Worldwatch Institute: Biofuels for Transportation. Klaus Sieg: Nussöl zu Biosprit. In: Entwicklung und
Global Potential and Implications for Sustainable ländlicher Raum, 6/2006, S. 25-28.
44
Agriculture and Energy in the 21st Century. Washington Siehe ADM-Selbstdarstellung auf: www.biodiesel.de
2006. 45
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe: Biokraftstoffe
16
Siehe FN 1 – eine vergleichende Analyse. Gülzow 2006.
17 46
Siehe FN 1, S. 15f. und 27f. Sergio Schlesinger/Silvia Noronha: O Brasil está nu!
18
BUKO Agrar Koordination: Soja. BUKO Agrar Dossier O avanço da monocultura da soja, o grão que cresceu
19, Hamburg 1998, 58f. demais. FASE, Rio de Janeiro, November 2006.
47
19
D1 Oils Q1 2007 Business Update. Pressemitteilung, El monocultivo de agrocombustibles solo interesa al
2. Mai 2007. capital transnacional. Interview mit João Pedro Stedile,
Biodiversidad, 29.5.2007.

26
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
48
E.ON-Broschüre: Neue Wege beschreiten – erneuerbare Biocombustíveis. Núcleo Amigos da Terra/Brasil, Instituto
Energien. Vita Civilis, ECOA, Februar 2007.
49 73
Unter der Bezeichnung Canola (Canadian oil, low Fidel Mingorance: El flujo del aceite de palma
acid) firmieren ursprünglich in Kanada entwickelte und Colombia – Bélgica/Europa. Human Rights Everywhere/
nun in ganz Nordamerika und Australien verwendete Coordination Belge pour la Colombie, November 2006,
Rapssorten, die auch ‘kanadischer Raps’ genannt Brüssel.
werden. Canola-Sorten sind vielfach bereits genetisch 74
Forum Umwelt und Entwicklung: Weltmarkt für
verändert. Bioenergie zwischen Klimaschutz und Entwicklungs-
50
Poplar Genome Sequenced and Published; Model Crop politik. Eine NRO-Standpunktbestimmung. Bonn,
for Biofuels. Green Car Congress, 15.9.2006. November 2005.
51 75
Are GMOs Fuelling the Brazilian Future? GMO Compass, Forum Umwelt und Entwicklung und WWF initiieren
8. März 2007. Diskussionsplattform zu nachhaltiger Biomasse, Forum
52
Biofuelwatch et al: Agrofuels – Towards a Reality check Umwelt und Entwicklung, 29.3.07.
76
in nine key areas. 2007. Siehe FN 74
53 77
Siehe FN 51 Siehe Selbstdarstellung des Roundtable on Sustainable
54
Poplar Genome Sequenced and Published; Model Crop Biofuels: http://cgse.epfl.ch/page65660-en.html
78
for Biofuels. Green Car Congress, 15.9.2006. Siehe: Biofuel issues in the new legislation on the
55
Siehe FN 52 promotion of renewable energy. Public consultation
56 exercise, April-May 2007. Energy and Transport
Heike Moldenhauer et al: Nachwachsende Rohstoffe
Directorate-General, European Commission, April 2007.
– Einfallstor für die Gentechnik in der Landwirtschaft? 79
AbL, BUND, iaw, 2006. Organizations from eight countries demand the
57 FSC to withdraw its ‘green label’ to several plantation
FAO: Food Outlook. Nr. 1, Juni 2007.
58 companies. Pressemitteilung, World Rainforest
Jan Suszkiw: Scientists Gear Up To Decode Cassava Movement, 1.9.2006.
Genome. Agricultural Research Service, 30.8.2006. 80
59 Siehe FN 79
Uzoma Ihemere et al: Genetic modification of cassava 81
Shell forests receive Forest Stewardship Council
for enhanced starch production. Plant Biotechnology
approval. Pressemitteilung von Royal Dutch Shell,
Journal, Volume 4, Issue 4, 453-465, Juli 2006.
60 24.1.2001.
US scientists develop drought tolerant sorghum for 82
Siehe Selbstdarstellung und Mitgliedschaft unter:
biofuels. Biopact, 21. Mai 2007. www.rspo.org
61
ICRISAT: Biofuel Crops: Power to the Poor. September 83
Zur Kritik der WWF-Initiativen siehe: Sustainable
2006. CGIAR: ICRISAT sorghum for ethanol now a sweet Monoculture? No, thanks!, GRAIN, Against the Grain,
reality. Juni 2006.
62
Vgl. FN 52 84
63 Kriterien für nachhaltiges Palmöl lassen hoch giftige
Die Angaben über die Destillerien, die in den USA Pestizide zu – Gewerkschaften und NGOs fordern eine
bereits in Produktion und im Aufbau sind, gehen Revision. Pressemitteilung von EvB und IUL, 17.11.2005.
auseinander. Das Earth Policy Institute verglich die 85
Gegen die Unterdrückung bei der Palmölproduktion:
Angaben verschiedener Institutionen, die sich als
die Gewerkschaftsagenda. IUL, 15.6.2006, www.iuf.org.
lückenhaft erwiesen. Nach seinen Berechnungen würde 86
zur Auslastung der hohen Destillerie-Kapazitäten bereits Für den Roundtable on Responsible Soy siehe: www.
im Jahr 2008 die Hälfte der US-Maisernte benötigt. Vgl. responsiblesoy.org, für die Better Sugarcane Initiative:
Lester R. Brown: Distillery Demand for Grain to Fuel Cars www.bettersugarcane.org.
87
Vastly Understated. Earth Policy Institute, 4.1.2007. ¡No a la ‘soja sustentable’!. Biodiversidad 45/31, Juli
64
Vgl. FAO: Food Outlook. Nr. 2, Dezember 2006; FAO: 2005.
88
Food Outlook. Nr. 1, Juni 2007. meó Consulting Team: Certification System for the
65
FAO: Food Outlook. Nr. 1, Juni 2007. Sustainable Production of Biofuels. Präsentation, Köln,
66 Mai 2007.
Siehe FN 64 89
67 Red Alerta contra el Desierto Verde et al.: Queremos
Mark W. Rosegrant et al: Biofuels and the Global Food soberanía alimentaria, no biocombustibles. Offener Brief,
Balance. In: IFPRI: Bioenergy and Agriculture: Promises Januar 2007.
and Challenges. Focus 14, Brief 3 of 12, Dezember 90
2006. MST, Vía Campesina et al.: Tanques llenos a costas
68 de estómagos vacíos: la expansión de la industria de la
Siehe FN 67
69 cana en América Latina. San Pablo, 28. Februar 2007.
Siehe FN 23 91
Declaración de Nyéléni. Nyéléni, Selingue, Mali, 27.
70
Siehe FN 65 Februar 2007.
71 92
Vgl. FN 1, S. 34 Foro de Resistencia a los Agronegocios: La Era de
72
Wendell Ficher Teixeira Assis et al: Despoluindo los Biocombustibles y la Reproducción del Capitalismo.
Incertezas: Impactos Territoriais da Expansão das Thesenpapier für das Sozialforum in Mali, Februar 2007.
Monoculturas Energéticas no Brasil e Replicabilidade
de Modelos Sustentáveis de Produção e Uso de

27
Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
Über das FDCL
Das Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V. (FDCL) ist seit
1974 als Informations- und Kommunikationszentrum weit über die Grenzen Berlins hinaus
Anlaufstelle und Treffpunkt für Menschen und Gruppen, die sich über Lateinamerika
informieren oder zu bestimmten Themen engagieren wollen. Diverse Projekte, politische
Initiativen, Länderkomitees, MigrantInnengruppen und lateinamerikabezogene
Medienprojekte arbeiten unter dem Dach des FDCL. Mit unserem Archiv leisten wir
seit der Gründung des Vereins im Jahre 1974 einen kontinuierlich kritischen Beitrag
zur Dokumentation der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in
Lateinamerika und dessen Beziehungen zu den Ländern des „Nordens“.

Was wir machen...


Das FDCL hat eine internationalistische Grundorientierung und versteht sich als Teil der
bundesdeutschen Solidaritäts- und der weltweiten globalisierungskritischen Bewegung.
Mit dem regionalen Fokus Lateinamerika/Karibik beschäftigen wir uns zum Beispiel mit den
verschiedenen Aspekten der Globalisierung und den internationalen Rahmenbedingungen
für Entwicklung im Kontext des so genannten Nord-Süd-Verhältnisses. Außerdem
mit Handels- und Entwicklungspolitik, Ökologie, Migration und Rassismus sowie den
Beziehungen zwischen fortschrittlichen Bewegungen und politischen AkteurInnen hier
und in Lateinamerika. Das Eintreten für die politisch-bürgerlichen wie die wirtschaftlichen,
sozialen und kulturellen Menschenrechte ist seit jeher ein zentrales Anliegen der Arbeit
des FDCL.

Wir arbeiten zusammen mit...


Das FDCL bildet seit 1974 zusammen mit den LN - Lateinamerika Nachrichten (LN) sowie
seit 1996 auch mit der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Umwelt und Entwicklung
(BLUE21) eine lebendige Bürogemeinschaft, in der auch attacberlin UntermieterIn ist, in
den obersten Räumen des Berliner Mehringhofes.
Wir arbeiten seit unserer Gründung mit sozialen Bewegungen und zivilgesellschaftlichen
Organisationen aus ganz Lateinamerika im Rahmen unserer Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit
zusammen. Das FDCL engagiert sich in verschiedenen entwicklungspolitischen und
solidaritätsbezogenen Zusammenschlüssen und Kampagnen. So ist es Mitglied im Berliner
Entwicklungspolitischen Ratschlag (BER), im Netzwerk der Brasiliengruppen Deutschlands
Kooperation Brasilien (KoBra), im Tropenwaldnetzwerk Brasilien, im Bundeskongress
Internationalismus (BUKO), im Archiv-Verbund Archiv3, in der Koalition gegen Straflosigkeit,
im lateinamerikanisch-europäischen biregionalen Netzwerk Enlazando Alternativas, bei
Netzwerk Selbsthilfe sowie bei ATTAC-Deutschland. Zusammen mit dem Lateinamerika-
Referat der Heinrich Böll Stiftung, Berlin und Rio de Janeiro, arbeitet das FDCL seit 2003
zu entwicklungspolitischen und menschenrechtlichen Fragen von Freihandelsabkommen,
im besonderen des Freihandels zwischen EU und MERCOSUR, ein Projekt, dem seit 2006
auch das Transnational Institute (TNI), Amsterdam, angehört.

Kontakt zum FDCL


fon: + 49 [0]30 693 40 29
fax: + 49 [0]30 692 65 90
mail FDCL: fdcl-berlin@t-online.de
mail FDCL-Archiv: archiv@fdcl.org
internet: www.fdcl.org
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Das Grüne Gold – Welthandel mit Bioenergie: Märkte, Macht und Monopole
Über den Autor
Thomas Fritz: Freier Journalist, Mitarbeiter des Forschungs- und Dokumentationszentrums
Chile-Lateinamerika (FDCL) und Vorstandsmitglied der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft
Umwelt und Entwicklung (BLUE 21) // Kontakt: Thomas.Fritz@blue21.de

Diese Publikation wurde finanziell gefördert durch:

InWEnt gGmbH aus Mitteln des BMZ EuropeAid

Project framework
This publication has been produced with the financial assistance of the European Union.
The contents of this publications are the sole responsibility of the authors and can
under no circumstances be regarded as reflecting the position of the European Union.
This publication was elaborated within the framework of the cooperation-project
„Handel-Entwicklung-Menschenrechte“ of the Heinrich Böll Foundation (hbs), the
Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL), and the
Transnational Institute (TNI).

More information at: http://www.handel-entwicklung-menschenrechte.org


Zubereitung von Maistortillas in Huehuetla
(Mexiko, Bundesstaat Puebla)
Das Grüne Gold
Welthandel mit Bioenergie – Märkte, Macht und
Monopole | FDCL, Berlin, 2007 | Thomas Fritz
ISBN-10: 3-923020-37-6 | ISBN-13: 978-3-923020-37-9