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Physik A – VL7 (23.10.

2012)

Kräfte und Kräfte-Gleichgewichte, Newton’sche Axiome

• Kräfte

• Kräfte-Gleichgewichte

• Hebel und Drehmoment

• Die Newton’schen Axiome


Kräfte

Die Kraft - ist eine gerichtete physikalische Größe (ein Vektor!)

- kann Körper beschleunigen oder verformen


(Beispiel: Zentripetalkraft, Gravitationskraft)

- kann Arbeit verrichten und die Energie eines Körpers ändern

Formelzeichen: F
Einheit: Newton, N = kgm s -2

Messung von Kräften meist über die Eigenschaft Körper verformen zu können:

Elastische Auslenkung von Federn durch Kräfte  Federwaage


Kräfte
Das Kraftgesetz der Federauslenkung – Die Federwaage
• der Formänderung von Federn entspricht eine messbare
Längenänderung

• die Verlängerung s ist proportional zur wirkenden Kraft


(nur bei reversibler Verformung der Feder! Bei Überdehnung der
Feder (= irreversible Verformung) gilt diese Proportionalität
nicht mehr!)

Die Federkraft
• die Feder setzt der Verformung einen Widerstand entgegen, die Federkraft.
• die Feder verformt sich, bis Federkraft und wirkende (zu messende) Kraft
gleich groß sind
 Kräftegleichgewicht
Kräfte
Das Hook‘sche Gesetz der Federkraft
• der Formänderung von Federn entspricht eine messbare Längenänderung

• die Verlängerung s ist proportional zur wirkenden Kraft: FF  s

 Hook‘sches Gesetz
 
FF  D  s vektoriell: FF   D  s
D = Federkonstante, Einheit: [Nm-1]
Kräfte
Gewichtskraft und Gravitation
• Ursache jeder Gewichtskraft ist die Gravitation
Gravitation: Massen ziehen sich an

• Ursache der Anziehung:


Kraft parallel zur Verbindungslinie der Massen Experiment zur Messung
der Gewichtskraft
• Kraft ist proportional zur Masse  Gravitation

…aus anderen Experimenten:

• Kraft ist umgekehrt proportional zum Quadrat des Abstandes

 Gravitationsgesetz : Gravitationskraft

m1  m2 Proportionalitätskonstante:
 Nm 2 
FG  G  Gravitationskonstante G  6,68 10 11
 2 
r2  kg 
Kräfte
Gewichtskraft und Gravitation auf der Erde
• Die Gewichtskraft auf der Erde wird durch Masse und den Radius der Erde bestimmt
Berechnung der auf eine Masse von m1 = 1 kg wirkenden Gewichtskraft in 1 m und 10 km Höhe:
Erdradius r = 6,38106 m, Erdmasse m2 = 5,971024 kg

m1  m2 11 Nm
2
1 kg  5,97 1024 kg
FG  G   6,68 10   9,81 N
r2 kg 6,38 10 m
6 2

m1  m2 11 Nm
2
1 kg  5,97 1024 kg
F 10 km
 G  6,68 10   9,77 N
kg 6,38 106  104 2 m 2
G
r2

• Masse der Erde konstant und Abstandsabhängigkeit meistens vernachlässigbar:

 Gewichtskraft ist nur noch proportional zur Masse des Probekörpers

 Gewicht fällt mit Fallbeschleunigung

FG m N
 G  2, Erde  9,81  FG  m  g
m1 r2 kg
Kräfte-Gleichgewichte

• zwei gleichgerichtete Kräfte addieren sich:



F1 
F2
  
Fres  F1  F2
• zwei entgegengesetzte Kräfte können sich aufheben:

F1
   
Fres  F1  F2 F2

• zwei Kräfte in beliebige (verschiedene) Richtungen: 


F1
 Vektoraddition = Kräfte-Parallelogramm   
Fres  F1  F2

F2
Kräfte-Gleichgewichte
• Allgemein: beliebig viele Kräfte in beliebige (verschiedene) Richtungen:
 Vektoraddition = Kräftepolygon 
 F3
 F2

F1 F4

    
Fres  F1  F2  F3  F4

 Anwendung einer Kraft gleicher Größe aber entgegengesetzt der



resultierenden Kraft Fres :

Kräfte heben sich gegenseitig auf:  Fi  0
i
Das Kräftesystem steht im Gleichgewicht!
(Da die resultierende Kraft verschwunden ist
= keine Kraftwirkung (Bewegung) auf den Körper)
Kräfte sind im Gleichgewicht, wenn ihr Kräftepolygon geschlossen ist
Kräfte-Gleichgewichte
• Beispiel: Drei Gewichtskräfte im Gleichgewicht:
Analyse der Situation:
y Welche Kräfte gibt es und in welche Richtungen
  wirken sie?
F1 F2
1. Kräftegleichgewicht: (Kräftepolygon!)
g 3   
 Fi  F1  F2  F3  0
i 1
  
 F1  F2   F3

2. Komponenten der Einzelkräfte:


(Anwendung der Winkelbeziehungen)
   F1, x    F1 cos  
F3 F1     
 
x F
 1, y   1 F sin  
Frage:   F2, x   F2 cos  
F2     
 
Wie groß muss der Winkel γ
 F2, y   F2 sin  
für Kräfte-Gleichgewicht sein?   F3, x   0 
F3     
  F 
F
 3, y   3 
Kräfte-Gleichgewichte
• Beispiel: Drei Gewichtskräfte im Gleichgewicht:

y Kräftegleichgewicht: (Kräftepolygon!)
    
F1 F2  F1  F2   F3

g
 
 2   2
 F3  F1  F2
 
 F  F  2  F1  F2
1
2
2
2

  F32  F12  F22  2F1F2 cos g


F3
x
Frage: F32  F12  F22
Wie groß muss der Winkel γ  cos g 
2 F1F2
für Kräfte-Gleichgewicht sein?
Hebel und Drehmoment
• Kräfte greifen oft entfernt von einer Achse an:
Beispiele: Schildaufhängung, Werkzeuge, Skelett des Menschen

 Die Geometrie des Körpers muss beachtet werden !


 ausgedehnte starre Körper ! (keine Punktmasse!)

• Eine Kraft, die abseits einer Drehachse wirkt, kann einen Körper in Drehung versetzen:
Drehachse

Drehachse
 (t) M
F2 T F2
α F1
l
F1
l
Winkelbeschleunigung T
Winkelgeschwindigkeit  (t)
F2 erzeugt eine Drehbewegung, F1 nicht
Drehmoment M
Wirkung hängt von Winkel  zwischen Kraft und „Arm“ l (= Hebel) ab.
Wirkung ist maximal für  = 90°
Hebel und Drehmoment
Das Drehmoment M
• Drehmomente können die Rotationsgeschwindigkeit eines Körpers ändern

• Kraft F senkrecht auf einen Hebelarm der Länge l:

 Betrag des Drehmomentes:


Produkt aus Länge l und Betrag der Kraft F

M lF
• Allgemein:
Das Drehmoment ist das Vektorprodukt aus Abstands- und Kraftvektor
  
M l F

mit dem Betrag M  l  F  sin 

Einheit: [Nm]
Hebel und Drehmoment
Das Hebelgesetz
• Ein Hebel ist ein mechanischer Kraftwandler bestehend aus einem starren
Körper, der eine Drehachse hat:

F2
F1
α2 α1 Bild: Wikipedia

l2 l1
Hebelgesetz: Kraft mal Kraftarm = Last mal Lastarm
     
M1  l1  F1  l2  F2  M 2 Eine weitere Bedingung
l1  F1  sin 1  l2  F2  sin  2 für Gleichgewicht:

• technische Anwendung des  Mi  0
Hebelgesetzes zur Messung i
von Gewichten: Alle Drehmomente müssen sich kompensieren
Balkenwaage
Der Schwerpunkt ausgedehnter Körper

Schwerpunktsatz
Der Schwerpunkt eines Körpers bewegt sich so, als ob
die Gesamtmasse im Schwerpunkt vereinigt wäre und
die Summe aller äußeren Kräfte dort angreifen würde

• Wirkung einer resultierenden Kraft ausserhalb des Schwerpunktes: Rotation


• Wirkung einer resultierenden Kraft am Schwerpunkt: nur Translation

Beispiele: Schwerpunkte von Körpern

Schwerpunkt außerhalb
des Körpers
Die Grundgleichungen der Statik
Damit ein System im mechanischen Gleichgewicht ist, müssen
Kräfte und Drehmomente in der Summe Null ergeben.
 
 Fi  0
i
und  Mi  0
i

…verschiedene Arten von Gleichgewichten:


• stabiles Gleichgewicht: kleine Störungen werden kompensiert
• labiles Gleichgewicht: kleine Störungen zerstören Gleichgewicht
• indifferentes Gleichgewicht: stabil in verschiedenen Lagen

 jedes System versucht durch


Abgabe von Energie einen
Gleichgewichtszustand zu
erreichen.
Die Newton’schen Axiome
• alle bisherigen Beobachtungen und alle weiteren Translationsbewegungen
können mit den Newton‘schen Axiomen beschrieben werden.

Axiom:
Grundsatz, der keines Beweises bedarf
(Duden)

Isaac Newton (1643 – 1727)


„Die gesamte klassische Mechanik
kann mit
drei einfachen Sätzen
(Axiomen)
vollständig beschrieben werden.“
1. Newton’sches Axiom
Experimentelle Beobachtungen:
• Die Schwerkraft und andere Kräfte können Körper Beschleunigungen.
• Auf Körper in Ruhe oder mit konstanter Geschwindigkeit wirkt keine resultierende Kraft

Kraft  Beschleunigung
keine Kraft  Ruhe oder konstante Geschwindigkeit
v = const  Fres = 0

1. Newton‘sches Axiom
Jeder Körper verharrt im Zustand der Ruhe oder der geradlinigen
gleichförmigen Bewegung, solange keine Kraft auf ihn einwirkt oder
die resultierende der angreifenden Kräfte Null ist.
Trägheitsprinzip

• Ein Körper behält seinen Bewegungszustand (Richtung, Geschwindigkeit) bei,


wenn nicht äußere Kräfte eine Änderung dieses Zustandes erzwingen.
2. Newton’sches Axiom
 Folgerung aus dem 1. Newton‘schen Axiom (Trägheitsprinzip):
Die Masse eines Körpers ist ein Maß für die Eigenschaft, sich einer Beschleunigung
zu widersetzen.
= Das System besitzt Trägheit (Beharrungsvermögen, träge Masse)

Experimentelle Beobachtungen: • Beschleunigung a ~ F, ~1/m

2. Newton‘sches Axiom
Die Beschleunigung eines Körpers ist umgekehrt proportional zu seiner Masse
und direkt proportional zur resultierenden Kraft, die auf ihn wirkt.

 F    kg  m 
a  F  m  a  m  s   N
m 2
 s 
Aktionsprinzip

• Kraft ist die Ursache der Änderung eines Bewegungszustands,


ein Bewegungszustand ändert sich nur durch Krafteinwirkung
Kraft ↔ Beschleunigung
2. Newton’sches Axiom
Verallgemeinerung des 2. Newton‘schen Axioms:
• Kraftwirkung auf ausgedehnte Körper  u.U. sehr komplizierte Bewegungen
(Beispiel: „ausbrechendes“ Fahrzeug auf Glatteis: unterschiedliche Reibungs- und
Antriebskräfte für die 4 Reifen)

 jeder Teil des Körpers bewegt sich mit einer anderen Geschwindigkeit
und Beschleunigung
 Die Newton’schen Axiome gelten für Bewegung des Schwerpunktes

Schwerpunktsatz
Der Schwerpunkt eines Körpers bewegt sich so, als ob die Gesamtmasse im Schwerpunkt
vereinigt wäre und die Summe aller äußeren Kräfte dort angreifen würde.

Verallgemeinerung des 2. Newton‘sches Axioms


 
 Fi  m  aSchwerpunkt
i
Inertialsysteme

 Folgerung aus dem 1. und 2. Newton‘schen Axiom:


Systeme in Ruhe oder mit gleichförmiger geradliniger Bewegung sind nicht unterscheidbar

Inertialsystem
Ein Inertialsystem ruht oder bewegt sich mit konstanter Geschwindigkeit,
d.h. ohne jede Beschleunigung

 Bewegungen in Inertialsystemen als Bezugssystem können mit den Newton’schen


Gleichungen beschrieben werden.

Frage:
Können die Newton’schen Axiome auch in beschleunigten (nicht inertialen)
Bezugssystemen angewendet werden?
Trägheitskräfte / Scheinkräfte

• Betrachtung eines beschleunigten Bezugssystems (kein Inertialsystem)


Beispiel: beschleunigendes Auto, Federkraft (Autositz) auf Person
1. externes Bezugssystem (nicht beschleunigt = Inertialsystem):
→ beschleunigende Kraft und Federkraft des Sitzes im Gleichgewicht
= Person “ruht” im Fahrzeug
2. beschleunigtes Auto als Bezugssystem (kein Inertialsystem)
→ keine beschleunigende Kraft, aber Federkraft des Sitzes! = kein Kräftegleichgewicht !
= Person sollte sich “nach Newton” im Fahrzeug bewegen

 
 Einführung der massenproportionalen Trägheitskraft F  m  a

• Trägheitskräfte existieren nur in beschleunigten Bezugssystemen, nicht in Inertialsystemen

• Trägheitskraft sind Scheinkräfte

• Trägheitskräfte sind Folge, nicht Ursache einer beschleunigten Bewegung!


3. Newton’sches Axiom
• Übt ein Körper auf einen anderen Körper eine Kraft aus, übt auch der andere Körper
auf den ersten eine Kraft aus, mit gleichem Betrag, aber entgegengesetztem Vorzeichen

3. Newton‘sches Axiom
Kräfte treten immer paarweise auf. Die von zwei Körpern aufeinander
ausgeübten Kräfte (Wirkung und Gegenwirkung) sind gleich groß und
einander entgegengerichtet.
   
F12   F21 F12  F21  0
Wechselwirkungs- oder Gegenwirkungsprinzip

• Kraft = Gegenkraft: actio = reactio

Egal, ob eine Person zieht oder nicht,


sie übt eine Gegenkraft aus !
Zusammenfassung
• Kräfte
Auf Körper wirkende Kräfte beschleunigen oder verformen diese.
Die Messung von Kräften erfolgt meist über die Eigenschaft Körper verformen zu können:
Elastische Auslenkung von Federn durch Kräfte → Federwaage
 
Das Hook‘sche Gesetz der Federkraft FF  D  s FF   D  s
Ursache jeder Gewichtskraft ist die Gravitation: Massen ziehen sich an
m1  m2 11  Nm 
2
FG  G  2 , Gravitationskonstante G  6,68 10  2 
 FG  m  g
r  kg 
• Kräfte-Gleichgewichte

Kräfte sind im Gleichgewicht, wenn ihr Kräftepolygon geschlossen ist:  Fi  0
i
• Hebel und Drehmomente
   
Bei ausgedehnten starren Körpern: Drehmomente M  l  F M  l  F  sin 
     
Hebelgesetz: Kraft mal Kraftarm = Last mal Lastarm M1  l1  F1  l2  F2  M 2

• Grundgleichung der Statik


Gleichgewichtsbedingung: Kräfte & Drehmomente müssen in der Summe Null ergeben
 
 iF
i
 0 und  i 0
M
i
Zusammenfassung
• Die Newton’schen Axiome
Beschreibung der Mechanik mit drei grundlegenden Axiomen:
1. Newton‘sches Axiom (Trägheitsprinzip)
Jeder Körper verharrt im Zustand der Ruhe oder der geradlinigen gleichförmigen Bewegung, solange
keine Kraft auf ihn einwirkt oder die resultierende der angreifenden Kräfte Null ist.

2. Newton‘sches Axiom (Aktionsprinzip)


Die Beschleunigung eines Körpers ist umgekehrt proportional zu seiner Masse und direkt proportional
zur resultierenden Kraft, die auf ihn wirkt. 
 F  
a  F  m  a  m  s
m
 
 Schwerpunktsatz → Verallgemeinerung des 2. Newton‘sches Axioms:  i
F  m  a Schwerpunkt
i 

 Inertialsysteme, Einführung der massenproportionalen Trägheitskraft FT  m  a
3. Newton‘sches Axiom (Wechselwirkungsprinzip, actio = reactio)
Kräfte treten immer paarweise auf. Die von zwei Körpern aufeinander ausgeübten Kräfte (Wirkung
und Gegenwirkung) sind gleich groß und einander entgegengerichtet.
   
F12   F21 F12  F21  0

Kraft = Gegenkraft