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Medizinische Universität Graz

Studium Gesundheits- und Pflegewissenschaften

Bakkalaureatsarbeit

Burn-out, ein weitverbreitetes Phänomen

in der heutigen Gesellschaft

Autorin: Tatjana Thoma

Matrikelnummer: 0833294

Begutachterin:

Mag. Beatrix Wimmer, Fluchtgasse 7/12, 1090 Wien

SE Gesundheitspsychologie und Geschlechtsspezifisches Gesundheitshandeln

Eingereicht am: 22.08.2011

Inhaltsverzeichnis

3

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

 

3

Tabellenverzeichnis

4

Abbildungsverzeichnis

4

1

Einleitung

5

2

Methode und Material

 

6

3

Definitionen von Burn-out

7

4

Die

Definition einer Depression

8

5

Die

Unterschiede Burn-out und Depressionen

8

6

Die Ursachen für die Entstehung von Burn-out

10

6.1

Die

körperlichen Ursachen

 

11

6.2

Die

psychischen Ursachen

12

7

Die Symptome von Burn-out

13

8

Die Verbreitung von Burn-out in unserer Gesellschaft

16

9

Der

Stress

17

9.1

Die Definition von Stress

 

17

9.2

Die

Entstehung von Stress

18

9.3

Die Bedeutung von Stress für Burn-out

18

9.4

Das Anpassungsmodell nach Selye

 

19

9.5

Der Stress am Arbeitsplatz

20

10

Der Stress von Frauen und Männern am Arbeitsplatz

22

11

Die

geschlechtsspezifische

Betrachtungsweise von Burn-out

24

11.1

Die

geschlechtsspezifischen Entstehungsgründe von Burn-out

25

11.2

Die unterschiedlichen Reaktionsweisen von Frauen und Männern auf Burn-out

26

12

Die

erfolgreiche Bewältigung

von Burn-out

28

13

Getrennte Lösungsvorschläge

für Frauen und Männer

29

14

Die

Prävention von Burn-out

30

14.1

Die

Maßnahmen

gegen

Burn-out

30

14.2

Die Vorbeugung gegen Burn-out am Arbeitsplatz

31

14.3

Die

geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Prävention

33

15

Zusammenfassung und Ausblick

 

33

16

Literaturverzeichnis

34

Tabellenverzeichnis

4

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Gegenüberstellung Depression Burn-out (M. Nelting, 2010, S.55)

9

Tabelle 2: Darstellung der körperlichen Ursachen (vgl. V. Schmiedel, 2010, S. 38-47)

11

Tabelle 3: Symptome von Burn-out (F. Falkenberg, 2007, S. 160-163)

15

Tabelle 4: Maßnahmen gegen Burn-out (vgl. W. Lalouschek, 2007, http://www.medical- coaching.at/downloads/Systemische-Notizen-Burnout.pdf, S. 34, [Stand: 28.06.2011])

30

Tabelle 5: Darstellung der Trainingsmöglichkeiten (vgl. Arbeiterkammer Wien, 2010, http://www.arbeiterkammer.at/bilder/d117/Stress2010.pdf; S. 43, [Stand: 30.06.2011])

32

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Geschlechtsspezifisches Modell (W. Lalouschek, B. Kainz, 2008, http://www.medical-coaching.at/downloads/Blickpunkt-DerMann.pdf)

25

Einleitung

5

1

Einleitung

Diese Bachelorarbeit beschäftigt sich mit dem Themengebiet „Burn-out.― Im Laufe der Zeit müssen sich immer mehr Menschen mit diesem Phänomen auseinandersetzen. Menschen mit Burn-out leiden unter enormen Erschöpfungszuständen und Leistungsabfall, welche auch als die Kennzeichen des Burn-out verstanden werden. Viele Menschen kennen das Gefühl nach einem anstrengenden Tag erschöpft und ausgelaugt zu sein. Von dieser Erschöpfung kann sich die Mehrheit der Menschen wieder erholen. Beispielsweise durch Sport oder ausreichend Schlaf kann sich der Mensch im Normalfall wieder regenerieren und den nächsten Tag gestärkt beginnen. Personen, die an Burn-out leiden, regenerieren sich auch nach einer Phase der Erholung nur mehr schwer bis gar nicht.

In dieser Arbeit werden zunächst allgemeine Punkte zum Themengebiet Burn-outnäher behandelt. Diese Punkte bieten eine Darstellung über die unterschiedlichen Definitionen von Burn- out, die Unterscheidung zwischen Burn-out und Depression in all ihren Formen, die Kennzeichen und Symptome eines Burn-out, die allgemeinen Ursachen für das Burn-out und inwiefern sich dieses Phänomen in unserer Gesellschaft verbreitet hat.

Im Anschluss befasst sich diese Arbeit mit dem Begriff „Stress―. Stress stellt einen der wichtigsten und bedeutsamsten Faktoren für die Entstehung des Burn-out dar. Dieses Kapitel umfasst daher eine Darstellung über die Entstehung von Stress, die Bedeutung von Stress für Burn-out, Stress in der Arbeitswelt und das Anpassungsmodell von Selye.

Des Weiteren liegt der Fokus dieser Arbeit auf einer geschlechtsspezifischen Betrachtung. Zusätzlich beinhaltet dieser Abschnitt eine nähere Erläuterung über geschlechtsspezifische Entstehungsgründe von Burn-out und ein geschlechtsspezifisches Modell der Burn-out Entwicklung.

Im letzten Abschnitt dieser Bachelorarbeit wird aufgezeigt, wie Betroffene Burn-out erfolgreich bewältigen können und welche Vorschläge es für die Prävention von Burn-out gibt. Hierbei werden Maßnahmen der Vorbeugung durch den Betroffenen selbst, die Möglichkeiten der Vorbeugung durch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber am Arbeitsplatz und die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Prävention behandelt.

Methode und Material

6

2 Methode und Material

Als Methode wurde für diese Bachelorarbeit die der Literaturrecherche verwendet. Relevante Informationen wurden aus dem Literaturbestand der Universitätsbibliothek Klagenfurt und der Karl-Franzens-Universität Graz gewonnen, wie auch aus diversen im Internet zugänglichen Artikeln, die sich mit dieser Thematik näher auseinander setzen. Da Burn-out ein sehr aktuelles Thema ist, ist eine sehr umfangreiche Literatur vorhanden, jedoch konnte bereits zu Beginn der Literaturrecherche festgestellt werden, dass sich noch immer wenige Forschungen und Untersuchungen mit einer geschlechtsspezifischen Betrachtungsweise des Themengebietes Burn- outauseinandersetzen. Nach ausgiebigem Recherchieren wurde trotzdem auf sehr hilfreiche und relevante Literatur gestoßen. Aus Interesse hat die Verfasserin dieser Arbeit für den privaten Gebrauch einige Bücher zu diesem Thema selbst angekauft, um sich auch später noch mit Burn-out beschäftigen zu können, denn diese „Erkrankung― wird auch in Zukunft ein aktuelles Thema bleiben und mit Sicherheit noch mehr an Bedeutung gewinnen.

Definitionen von Burn-out

7

3 Definitionen von Burn-out

In diesem Kapitel werden eine Reihe unterschiedlicher Definitionen des Begriffes Burn-out aus der Sicht verschiedener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dargestellt:

Der US-amerikanische Psychotherapeut Herbert Freudenberger befasste sich 1974 erstmals mit dem Thema Burn-out. Er stellte damals bei sehr engagierten Therapeutinnen und Therapeuten ein vermehrtes „Ausbrennen― fest, welches er schlussendlich zum Begriff Burn-out umgewandelt hat (vgl. H. Flath, 2004, S. 4).

„Burnout ist ein Syndrom von Emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und verminderter subjektiver Leistungsverringerung, das unter Individuen auftreten kann, die auf irgendeine Art mit Menschen arbeiten“ (Maslach 1986, in B. Reime (Hrsg.), 2000, S. 144).

„Burn-out ist eine biopsychosoziale Krankheit, deren Ursachen sich nicht isoliert auf die Berufssituation zurückführen lassen. Die biographischen Voraussetzungen sowie das soziale Umfeld des Betroffenen müssen bei der Beurteilung der Symptome miteinbezogen [sic!] werden“ (W. Hagemann, 2003, S. 13).

„Das Burnout-Syndrom ist keine wirklich anerkannte Krankheit, sondern mehr eine Beschreibung für eine hochkomplex entstandene Situation, die sich in verschiedenen Facetten zeigen kann“ (J.P. Schröder, 2006, S.11).

Der Begriff Burnout versucht ein Phänomen zu Umschreiben, unter dem besonders Menschen bestimmter Berufsgruppen leiden können. Es geht um innere und körperliche Erschöpfung, um Hilflosigkeit und Ohnmachtsgefühle und um die Verzweiflung und Gefahren der Betroffenen“ (C. Krömer, 2005, S. 4).

Reime (2000) stellt in ihrem Werk dar, dass es laut Maslach keine allgemein anerkannte Definition von Burn-out gibt, denn der Fokus liegt nach Maslach auf unterschiedlichen Inhalten. Einige Definitionen beinhalten Gedanken, andere beziehen sicher eher auf Emotionen oder die Folgen des Burn-out. Einige stellen Burn-out als ein Syndrom und andere wiederum als einen Prozess dar (vgl. B. Reime, 2000, S. 144).

Die Definition einer Depression

8

4 Die Definition einer Depression

In diesem Kapitel wird der Begriff „Depression― näher erläutert, um später aufzeigen zu können, inwiefern sich der Begriff „Depression― vom Begriff Burn-out unterscheidet.

„Krankheit im allgemeinen Sinne bezeichnet einen Zustand unwillkürlich gestörter Lebensfunktionen eines Individuums, der eine Zeitdimension aufweist Beginn und Verlauf – und in der Regel eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit zur Folge hat“ (Häfner 1983, in M. Heinrichs (Hrsg.), 2004, S. 3).

Wie beim Begriff Burn-out ist auch beim Begriff „Depression― keine einheitliche Definition in der Literatur auffindbar. Die Depression betrifft die Gefühlsseite des Seelenlebens und kann sich individuell äußern. Die häufigsten Kennzeichen einer Depression sind beispielsweise Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, innere Unruhe und der Verlust von Lebensfreude. Depressionen können ebenfalls nach ihrem Schweregrad und der Anzahl ihrer Symptome in viele verschiedene Arten unterteilt werden (vgl. N. Lorch, 2001, S. 5).

5 Die Unterschiede Burn-out und Depressionen

Die Depression weist eine ähnliche Symptomatik auf wie auch das Burn-out. Daher ist es äußerst schwierig diese beiden Begriffe klar voneinander zu trennen. Gleiche Symptome wären beispielsweise der Verlust von Motivation und der Interessen, sowie auch das Gefühl wenig kompetent zu sein und gewissen Anforderungen nicht mehr gerecht werden zu können (vgl. J. Schneglberger, 2010, S. 35).

Schneglberger (2010) bezieht sich in seinem Werk auf Hells Betrachtungsweise, dass die Differenzierung zwischen Burn-out und Depression nicht unbedingt auf die unterschiedliche Symptomatik zurück zu führen ist, sondern darauf, dass beide aus unterschiedlicher Perspektive betrachtet werden müssen. Nach Hell stehen bei einer Depression Symptome wie Bedrücktheit und Antriebsstörung im Vordergrund, während Menschen mit Burn-out ihre Arbeitssituation als negativ erleben und insbesondere unter emotionaler Erschöpfung und verminderter persönlicher Leistungsfähigkeit leiden (vgl. J. Schneglberger, 2010, S. 35-36).

Die Unterschiede Burn-out und Depressionen

9

Nach Nelting (2010) liegt der Unterschied zwischen diesen beiden Phänomenen darin, wie erkennbar die traumatischen Erlebnisse sind, welche Wirkung sie auf Körper und Seele und welche Auswirkungen sie auf das Stresssystem haben. In seinem Werk werden diese beiden Begriffe bezüglich ihrer Unterscheidung und ihrer Gemeinsamkeit gegenüber gestellt (vgl. M. Nelting 2010,

S.55).

In der Depression

Im Burn-out

Zusammenhang mit Traumata sind weniger augenfällig und traumatische Erlebnisse sind oft in der frühen Kindheit

Oft deutlicher Zusammenhang mit Traumata; zum Teil auch spätes traumatisches Erleben im Erwachsenenalter

Entwicklung eines Hyperstresssystems 1

Entwicklung eines Hyperstresssystems

Problematische Lebenserfahrungen führen oft zu Antriebshemmungen

Enttäuschte Beziehungserfahrung und fehlende Bindungsfähigkeit werden oft durch forcierte Leistungserbringung kompensiert

Besserung des Lebens durch Leistungserbringung wird nicht erwartet

Besserung des Lebens durch Leistungserbringung wird erwartet

Eine Phase forcierter Leistungserbringung fehlt oft

Forcierte Leistungserbringung findet bis zur Erschöpfung permanent statt

Massive Antriebslosigkeit bei schwerer körperlicher und psychischer Erschöpfung

Massive Antriebslosigkeit bei schwerer körperlicher und psychischer Erschöpfung

Sinnlosigkeitsempfinden

Sinnlosigkeitsempfinden

Starker Drang, die Erkrankung zu verbergen

Starker Drang, die Erkrankung zu verbergen

Tabelle 1: Gegenüberstellung Depression Burn-out (M. Nelting, 2010, S.55)

1 „Als ein Hyperstress wird etwas bezeichnet, wenn durch herausfordernde und bedrohliche Stimuli, die Stressreaktionen des Körpers als Antwort, besonders stark ausfallen und hierbei vermehrt Stresshormone ausgeschüttet werden“ (M. Nelting, 2010, S.56).

Die Ursachen für die Entstehung von Burn-out

10

Laut Nelting (2010) bestehen die Gemeinsamkeiten darin, dass Betroffene sowohl in einer Depression als auch im Burn-out, den sogenannten Hyperstress entwickeln können, sie von einer enormen körperlichen und psychischen Antriebslosigkeit gekennzeichnet sind, in beiden Fällen kein Sinn für das Leben empfunden wird und die Betroffenen versuchen, die Symptome zu verbergen. Laufende Forschungen kamen zum Entschluss, dass Betroffene in beiden Erkrankungen ein ähnliches Erleben mit körperlichen und emotionalen Reaktionen haben (vgl. M. Nelting, 2010, S.

56).

6 Die Ursachen für die Entstehung von Burn-out

Andersch (2004) definiert Burn-out als einen langsamen und schleichenden Prozess, wobei die Feststellung eines Burn-out in vielen Fällen erst sehr spät erfolgt. Die Dauer der Erkrankung variiert von Wochen, Monaten bis hin zu Jahren. Die Entstehung einer solchen „Erkrankung― lässt sich meistens nicht auf eine einzige Ursache zurückführen. Vielfältige Faktoren können bei diesem Prozess eine entscheidende Rolle spielen. Hiermit werden in diesem Kapitel auf die unterschiedlichen Ursachen, die zum Burn-out führen können, dargestellt und zwischen körperlichen und psychischen Ursachen unterschieden (vgl. N. Andersch, 2004, S. 5).

Die Ursachen für die Entstehung von Burn-out

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6.1 Die körperlichen Ursachen

Die körperlichen Ursachen werden in einer Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse, chronische Entzündungen, chronisches Müdigkeitssyndrom, Krebs-Erkrankungen und -Therapien, sowie Nährstoff- und Magnesiummangel eingeteilt.

Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse

Chronisches Müdigkeitssyndrom

Unterfunktion: ähnliche Symptomatik wie bei Burn-out

Dauer der Erschöpfung: > 6 Monate

Einschränkung der bisherigen Aktivitäten

Überfunktion: Erschöpfung, Körper benötigt dauernd Energie

Chronische Entzündungen

Krebs- Erkrankungen und Therapien

Enormer Energieverlust

Körper benötigt sehr viel Energie

Immunsystem wird enorm beansprucht

Schwankung zwischen enormer und leichter Erschöpfung

Wenig Erholungsphasen

Enorme psychische Belastung

Nährstoffmangel

Magnesiummangel

Körper benötigt ausreichen Vitamine und Mineralstoffe, um gesund leben zu können

Kann zu Nervosität, Schlafstörungen, Angstgefühlen, körperlicher und psychischer Erschöpfung führen

Tabelle 2: Darstellung der körperlichen Ursachen (vgl. V. Schmiedel, 2010, S. 38-47)

Die Ursachen für die Entstehung von Burn-out

12

6.2 Die psychischen Ursachen

Die Psyche spielt bei der Entstehung von Burn-out eine besondere Rolle. Personen mit dieser Erkrankungweisen zum Teil ähnliche Charakterzüge auf. Im Allgemeinen handelt es sich laut Schmiedel (2010) häufig um:

rigide Menschen mit wenig Flexibilität auf unterschiedliche Anforderungen,

soziale Menschen, die nicht NEIN sagen können, es allen Recht machen wollen und an sich selbst zuletzt denken,

Menschen mit hohen Ansprüchen an sich selbst,

Menschen die nicht delegieren können, sondern alles selber machen wollen,

Menschen die ihre eigenen Bedürfnisse nicht wahrnehmen oder nicht berücksichtigen,

Menschen, deren höchste Erfüllung ihr Erfolg bei der Arbeit ist und die sich über ihre Arbeit definieren,

Menschen mit unerfüllten Wünschen beziehungsweise Zielen,

Menschen, die nicht gut abschalten können,

Perfektionistinnen und Perfektionisten, die immer 100% von sich fordern (vgl. V. Schmiedel, 2010, S. 63).

Ebenfalls existieren äußere psychosoziale Faktoren, die eine Entstehung von Burn-out begünstigen können. Darunter werden beispielsweise Familie, Arbeit, Umwelt und das soziale Netzwerk verstanden. Schmiedel (2010) führt hierzu ebenfalls eine Liste mit möglichen, ungünstigen Faktoren auf:

quantitativ und qualitativ hohe Arbeitsbelastung (zu viel in kurzer Zeit erledigen),

Unterforderung oder Langeweile,

keine Aufstiegs- oder Entwicklungsmöglichkeiten,

wenig Anerkennung für gute Leistungen,

ungenügende Unterstützung durch Kollegen oder Angehörige,

schlechtes Klima in Betrieb oder Familie,

Probleme in der Beziehung, die nicht ausgleichend zum Stress in Beruf oder Haushalt wirkt, sondern diesen noch verstärkt,

schwere oder chronische Krankheit,

wenig soziale Kontakte und Freunde,

fehlende Entspannungsmöglichkeiten (vgl. V. Schmiedel, 2010, S.63).

Die Symptome von Burn-out

13

7 Die Symptome von Burn-out

In diesem Kapitel werden die häufigsten Symptome von Burn-out dargestellt. Bamert und Frei (2008) stellen in ihrem Werk klar, dass bei Burn-out nicht alle der folgenden aufgelisteten Symptome vorhanden sein müssen, jedoch das Risiko bei mehreren zutreffenden Symptomen steigt, an Burn-out zu erkranken (vgl. S. Bamert, M. Frei, 2008, S.11).

1.

Warnsymptome in der Anfangsphase

a)

Vermehrtes Engagement für Ziele

b)

Erschöpfung

Hyperaktivität

Nicht Abschalten können

Gefühl der Unentbehrlichkeit

Energiemangel

Gefühl nie Zeit zu haben

Erhöhte Unfallgefahr

Verleugnung eigener Bedürfnisse

 

2.

Reduziertes Engagement

a)

Gegenüber anderen

b)

Für die Arbeit

Unfähigkeit zu geben

Verlust von Idealismus

Kälte

Tagträume

Verlust der Empathie

Negative Einstellung zur Arbeit

Verständnislosigkeit

Widerstand, täglich zur Arbeit zu gehen

Schwierigkeiten anderen zuzuhören

Fehlzeiten

 

c)

Erhöhte Ansprüche

Konzentration auf die eigenen Ansprüche

Gefühl mangelnder Anerkennung

Eifersucht

Familienprobleme

Die Symptome von Burn-out

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3.

Emotionale Reaktionen; Schuldzuweisungen

a)

Depression

b) Aggression

Schuldgefühle

Vorwürfe an Andere

Gedankenverlorenheit

Ungeduld

Selbstmitleid

Launenhaftigkeit

Humorlosigkeit

Negativismus

Bitterkeit

Reizbarkeit

Ruhelosigkeit

Misstrauen

Apathie

Häufige Konflikte mit anderen

Neigung zum Weinen

Intoleranz

Selbstmordgedanken

Nörgeleien

4.

Abbau

a)

der kognitiven Leistungsfähigkeit

c)

der Kreativität

Konzentrations- und Gedächtnisschwäche

Verringerte Phantasie

Ungenauigkeit

Verringerte Flexibilität

Desorganisation

 

Entscheidungsunfähigkeit

d)

Entdifferenzierung

 

Rigides Schwarzweißdenken

b)

der Motivation

Widerstand gegen Veränderungen aller Art

Verringerte Initiative

Verringerte Produktivität

 

Die Symptome von Burn-out

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5.

Verflachung

a)

des emotionalen Lebens

c)

des geistigen Lebens

Verflachung gefühlsmäßiger Reaktionen

Aufgaben von Hobbys

Gleichgültigkeit

Desinteresse

 

Langeweile

b)

des sozialen Lebens

 

Wenig persönliche Anteilnahme an andere und an einzelne

Meidung informeller Konflikte

Mit sich selbst beschäftigt sein

Einsamkeit

6.

Psychosomatische Reaktionen

7.

Verzweiflung

Schwächung der Immunreaktion

Negative Einstellung zum Leben

Schlafstörungen/ Alpträume

Hoffnungslosigkeit

Herzklopfen

Gefühl der Sinnlosigkeit

Erhöhter Blutdruck/ beschleunigter Puls

Selbstmordabsichten

Verdauungsstörungen/Gewichtsveränderungen

Existentielle Verzweiflung

Tabelle 3: Symptome von Burn-out (F. Falkenberg, 2007, S. 160-163)

Die Verbreitung von Burn-out in unserer Gesellschaft

16

8 Die Verbreitung von Burn-out in unserer Gesellschaft

Jeder Mensch kann früher oder später mit Burn-out konfrontiert werden. Bereits jeder vierte Österreicher ist nach dem österreichischen Frauengesundheitsbericht gefährdet an Burn-out zu erkranken. Jedoch wird Burn-out in der „Internationalen statistischen Klassifikation für Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme― (ICD 10) als keine eigenständige Krankheit definiert. Dies erklärt ebenfalls, warum Burn-out bis zu diesem Zeitpunkt keine eigene Diagnose hat. Es existieren keine einheitlichen Diagnoseinstrumente, um die Erkrankung in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Die bisher entwickelten Instrumente weisen zum Teil keine oder nur ungenaue Gütekriterien auf. Dieser „Mangel― an Gütekriterien erweist sich als problematisch, da dadurch eine genaue Datenerfassung zwischen Frauen und Männern, die von Burn-out betroffen sind, nicht ermöglicht wird. Bis heute existieren noch viel zu wenige Untersuchungen mit dem Fokus auf eine geschlechtsspezifische Betrachtungsweise zum Themengebiet „Burn-out―. Zweckmäßig, jedoch noch viel zu selten, wäre eine Überweisung an Fachärztinnen und Fachärzten, um tatsächlich ein Burn-out feststellen zu können. Dadurch könnten viele zusätzliche und präzisere Daten gewonnen werden. Im Gegensatz zu anderen psychischen Erkrankungen ist Burn-out eine Erkrankung, die zwischen Frauen und Männern keinen Unterschied in der Diagnosestellung als auch bei sämtlichen Therapien aufweist (vgl. Bundesministerium für Gesundheit/ Frauengesundheitsbericht, 2010/2011,

tsbericht.pdf, S. 127, [Stand: 30.06.2011]).

Aus Daten des österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie geht hervor, dass eine Million Menschen in Österreich, 30% der im Pflege- und Sozialbereich arbeitenden Personen und von 1,2 Millionen Schülerinnen und Schüler schon allein ca. 5% aufgrund des enormen Schulstresses gefährdet sind, an Burn-out zu erkranken (vgl. Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie, 2010, http://www.psychotherapie.at/sites/default/files/files/presse/Infoblatt_BURNOUT.pdf, S. 4, [Stand: 03.03.2011]).

Der Stress

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9 Der Stress

In diesem Kapitel wird der Begriff „Stress― näher definiert, der insbesondere bei Burn-out als einer der wichtigsten Faktoren für die Entstehung bezeichnet werden kann. Des Weiteren wird die Entstehung von Stress, seine Bedeutung für das Burn-out, Stress in der Arbeitswelt und das Anpassungsmodell von Selye näher erläutert.

9.1 Die Definition von Stress

Die Mehrheit der Menschen kennt das Gefühl nervös, ausgelaugt oder überfordert zu sein. All diese Befindlichkeiten werden durch Stress verursacht, wodurch das emotionale und körperliche Wohlbefinden stark beeinflusst wird. Außerdem kann zu viel Stress zur Entstehung vieler Krankheiten führen. Stress wird als eine vegetativ-hormonelle Anpassungsreaktion des Organismus verstanden, der sich auf äußere Anforderungen wie Arbeit, Hektik oder Krankheit und weiters auf Reize, Gedanken und Gefühle anpassen kann (vgl. M. Domnowski, 2005, S. 59).

Laut Arbeiterkammer Wien (2010) wird zwischen körperlichem, psychischem und chronischem Stress unterschieden:

Körperlicher Stress: Bei bedrohlichen Situationen erfolgt zuerst eine Alarmreaktion, welche unter anderem zu einem Anstieg des Blutdrucks und des Pulses führen kann. Nach dieser Alarmreaktion erfolgt die Widerstandsphase, in der versucht wird sich an die Situation anzupassen und diese zu bewältigen, was wiederum dem Betroffenen sehr viel Energie kostet. Danach folgt die Erschöpfungsphase, in der es auch zur Entstehung von bedrohlichen Krankheiten kommen kann. Diese können im schlimmsten Fall sogar bis zum Tode führen (vgl. Arbeiterkammer Wien, 2010, http://wien.arbeiterkammer.at/bilder/d117/Stress2010.pdf, S. 11, [Stand: 30.06.2011]).

Psychischer Stress: Hierbei werden gedankliche und emotionale Reaktionen verstanden wie beispielsweise Hilflosigkeit, Resignation oder Angst (vgl. Arbeiterkammer Wien, 2010, http://wien.arbeiterkammer.at/bilder/d117/Stress2010.pdf, S. 11, [Stand: 30.06.2011]).

Die Entstehung von Stress

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Chronischer Stress: Erfolgt Überbeanspruchung (Angst, Unsicherheit) über eine längere Zeit und müssen Betroffene ständig gegen diese ankämpfen, so wird von einem chronischen Stress gesprochen. Hierbei werden des Öfteren die gedanklichen und emotionalen Reaktionen verdrängt, um sich selbst zu schützen. Folgen können körperliche Störungen sein (vgl. Arbeiterkammer Wien, 2010, http://wien.arbeiterkammer.at/bilder/d117/Stress2010.pdf, S. 11, [Stand: 30.06.2011]).

9.2 Die Entstehung von Stress

Immer mehr Leistung wird sowohl im Alltag als auch im Berufsleben gefordert. Die Zeit zur Entspannung, um Körper und Geist wieder zu regenerieren und mit neuen Kräften zu stärken, wird immer kürzer. Aufgrund dessen kann Stress nur mehr schwer abgebaut werden und der Körper befindet sich somit in einem Zustand andauernder Hochspannung. Der Biochemiker Hans Selye brachte den Begriff erstmals in die Medizin und Psychologie ein. Stress ist einerseits als ein lebensnotwendiger Faktor definiert, um verschiedensten Erfordernissen und Anforderungen im Leben gerecht werden zu können, andererseits wird Stress als sehr schädlich für den Organismus definiert. So können daher zwei Arten von Stress unterschieden werden. Der Eu-Stress, welcher den Körper positiv beeinflusst, da Hochleistungen mit entsprechenden Erholungsphasen gekennzeichnet sind und der Di-Stress, welcher negativ auf den Körper wirkt und auf Dauer den Körper sehr beeinträchtigen kann. Die Energieressourcen sind somit erschöpft, was zu einer Leistungsunfähigkeit führen kann (vgl. M. Domnowski, 2005, S. 59-60).

9.3 Die Bedeutung von Stress für Burn-out

Ist ein Mensch über einen langen Zeitraum enormen Stress ausgesetzt und sowohl körperlich als auch geistig erschöpft, wird ein Gefühl von „ausgebrannt sein― ausgelöst. Nach Kollak (2008) führt andauernder Stress schlussendlich zum Burn-out. Kommen viele negative Faktoren zusammen wie etwa Stressauslöser, Stressreaktionen und Umwelteinflüsse, so erhöht sich die Gefahr an Burn-out zu erkranken (vgl. I. Kollak, 2008, S. 10).

Das Anpassungsmodell nach Selye

19

9.4 Das Anpassungsmodell nach Selye

Selye definiert Stress folgendermaßen:

„Stress ist die unspezifische Reaktion des Organismus auf jede Anforderung“ (Selye 1981, in H. Steinbach (Hrsg.), 2007, S. 95).

Reize werden laut Selye auf verschiedene Weisen verarbeitet. Er entdeckte die sogenannten Verarbeitungsmechanismen―. Nach seiner „Unspezifitätshypothese― entstehen Erkrankungen nicht durch spezielle Einflüsse auf den Organismus, sondern aus unspezifischen Reaktionen auf Reize. Laut Selye geht es nicht darum, ob die Art des Reizes als angenehm oder als unangenehm empfunden wird, sondern ob die erforderliche Anpassung und Wiederanpassung erfolgt. Daher kann es auch sein, dass der Organismus auf einen Reiz nicht angemessen reagiert, so dass Krankheiten und gesundheitliche Schäden als Folge daraus resultieren (vgl. H. Steinbach, 2007, S.

95-96).

„Nach Selye sind Erkrankungen oder Symptome die Folgen eines unangemessenen Versuchs des Organismus, auf einen Reiz zu reagieren. Symptome wie Fieber oder Entzündungen sind Abwehrhandlungen unseres Körpers und können neben ihrer positiven Wirkung manchmal gefährlicher werden als der Auslöser der Symptome“ (H. Steinbach, 2007, S. 96).

Seine Theorie besagt, dass Menschen, die sich in ständiger Alarmbereitschaft befinden und ihre Kräfte nicht mehr regenerieren können, mit dem bereits erwähnten Di-Stress konfrontiert werden, welcher gesundheitliche Schäden zur Folge hat (vgl. H. Steinbach, 2007, S. 96).

Die Reaktionen auf jede Anforderung, mit denen wir im Laufe unseres Lebens immer wieder konfrontiert werden können, werden nach Selye in drei Phasen eingeteilt:

1. Alarmphase: Der Körper möchte sich in dieser Phase gegen den Stressor verteidigen und

somit wird dieser mobilisiert (vgl. T. Liem, T. K. Dobler, 2005, S.65).

2. Phase des Widerstandes und der Mobilisierung von Energiereserven: Die Erregung des

Körpers bleibt erhöht. Der Körper versucht sich gegen den Stressor zu verteidigen oder sich

anzupassen (vgl. T. Liem, T. K. Dobler, 2005, S.65).

Der Stress am Arbeitsplatz

20

3. Erschöpfungsphase: Es kommt zur Reduktion von Ressourcen, die Widerstandsphase kann

zerbrechen und zu einer Erkrankung oder sogar bis zum Tod führen (vgl. T. Liem, T. K. Dobler, 2005, S.65).

9.5 Der Stress am Arbeitsplatz

Macht Arbeit tatsächlich krank? Diese Frage steht deshalb im Vordergrund, da laut Lalouschek und Nagy (2009) 50% der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein Gefühl von „ausgebrannt sein― aufweisen. Tätigkeiten werden in der Arbeit als sinnvoll betrachtet, wenn sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aktiv an ihrer Arbeit beteiligen können und über entsprechende Fähigkeiten verfügen. Wenn diese Faktoren vorhanden sind, kann nicht davon gesprochen werden, dass die Arbeit zum Burn-out führt. Ausschlaggebend, um an Burn-out zu erkranken, sind entsprechende Rahmenbedingungen wie beispielsweise Mobbing, ein Fehlen von sozialen Führungskompetenzen, nicht nachvollziehbare Entscheidungen oder die Angst vor Jobverlust (vgl. W. Lalouschek, T. Nagy, 2009, http://www.medical-coaching.at/media/Presse/Aerztekrone%20Teil5.pdf, S. 6, [Stand:

30.06.2011]).

Der Bericht der Arbeiterkammer Wien (2010) enthält für arbeitsbedingten Stress eine eigene Definition, die wie folgt lautet:

Mit arbeitsbezogenen Stress werden gefühlsmäßige (emotionale), kognitive (gedankliche), verhaltensbezogene und physiologische (Funktionsweisen verschiedener Organe) Reaktionen auf unangenehme und gesundheitsschädigende Aspekte der Arbeit, des Arbeitsumfeldes und der Arbeitsorganisation bezeichnet. Stress ist ein Zustand, der durch ein hohes Aktivierungs- und Belastungsniveau gekennzeichnet ist und oft mit dem Gefühl, man könne die Situation nicht bewältigen, verbunden ist(Arbeiterkammer Wien 2010, http://www.arbeiterkammer.at/bilder/d117/Stress2010.pdf, S. 10, [Stand: 30.06.2011]).

Der Stress am Arbeitsplatz

21

Laut Arbeiterkammer Wien (2010) kann zwischen verschiedenen Faktoren unterschieden werden, die zu Stress führen. Dazu zählen Anforderungen und Belastungen in der Arbeitswelt, der Einfluss auf den Ablauf der Arbeit, die Zusammenarbeit mit anderen Personen und die Unterstützung durch andere Personen (vgl. Arbeiterkammer Wien, 2010, http://www.arbeiterkammer.at/bilder/d117/Stress2010.pdf, S. 13, [Stand: 30.06.2011]).

Anforderungen und Belastungen: Sowohl eine Überforderung als auch eine Unterforderung am Arbeitsplatz kann zu Stress führen. Von einer Überforderung wird dann gesprochen, wenn die zu erledigende Arbeitsmenge zu hoch ist und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht qualifiziert genug sind, um gewisse Aufgabengebiete erledigen zu können. Eine Unterforderung kann aufgrund zweierlei Arten entstehen. Zum Einen kann zu wenig Arbeit zur Verfügung stehen, was zu Langeweile und Schläfrigkeit führen kann und zum Anderen können Arbeitsaufgaben zugeteilt werden, für die man zu hoch qualifiziert sein könnte. Zu den häufigsten auslösenden Stressfaktoren am Arbeitsplatz zählen:

Überforderung der Konzentrationsfähigkeit,

eintönige Arbeitstätigkeiten und eingeschränkte Eigenständigkeit,

zu enger Arbeitsplatz und erhöhte Unfallgefahr,

Nacht- und Schichtarbeit (vgl. Arbeiterkammer Wien, 2010, http://www.arbeiterkammer.at/bilder/d117/Stress2010.pdf, S 13-15, [Stand: 30.06.2011]).

Einfluss: Darunter werden Möglichkeiten verstanden, die jeweilige Arbeitssituation zu verändern, was bedeutet, auch die Kontrolle über diese Situation zu haben. Kommt es zum Verlust dieser Kontrolle, so können Gefühle wie Hilflosigkeit, Wut, Passivität, Unzufriedenheit und Ärger auftreten, die schlussendlich bis zu einer Depression führen können (vgl. Arbeiterkammer Wien, 2010, http://www.arbeiterkammer.at/bilder/d117/Stress2010.pdf, S. 16-17, [Stand: 30.06.2011]).

Unterstützung: Unter diesem Begriff wird Hilfe und Unterstützung durch andere Personen verstanden. Fehlt diese Unterstützung, so neigen Menschen zu einer leichten Überforderung (vgl. Arbeiterkammer Wien, 2010, http://www.arbeiterkammer.at/bilder/d117/Stress2010.pdf, S. 17, [Stand: 30.06.2011]).

Der Stress von Frauen und Männern am Arbeitsplatz

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10 Der Stress von Frauen und Männern am Arbeitsplatz

Hohe Leistungsanforderung, die Aufgabe viele Arbeiten gleichzeitig erledigen zu müssen und fehlende Kontrollmöglichkeiten am Arbeitsplatz werden von Frauen und Männern gleichermaßen als stressreich empfunden.

Laut Herbert Tumpel, dem Präsidenten der Arbeiterkammer, hat sich die Situation der Frauen in der Arbeitswelt in den letzten Jahren nur mäßig verbessert. Beispielsweise gibt es in Österreich weniger arbeitende Frauen als in anderen europäischen Ländern. Sie werden noch immer mit Teilzeit-, Niedriglohnjobs (30%) und mit fehlenden Karrierechancen konfrontiert. Eine große Problematik stellt der geringere Verdienst der Frauen dar, denn die Stundenlöhne sind fast um ein Viertel geringer als bei Männern. Hier kann von Gerechtigkeit nicht die Rede sein. Unternehmen müssen Maßnahmen setzen, um diese Unterschiede auszugleichen. Ein weiterer Faktor, um Frauen ein Erwerbsleben zu ermöglichen ist, die Kinderbetreuung zu verbessern und weiter zu fördern, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf so gut es geht zu ermöglichen und zu vereinfachen, denn laufende Forschungen kamen zum Ergebnis, dass sich eine gut strukturierte Kinderbetreuung positiv auf die die Förderung von Kindern, auf den Erhalt von Qualifikationen für die Wirtschaft und auf die Umsetzung von Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern auswirken kann (vgl. Portal der Arbeiterkammer, 2011, http://www.arbeiterkammer.at/online/frauen-am- arbeitsmarkt-benachteiligt-60182.html, [Stand: 4.07.2011]).

Des Weiteren weist Lalouschek und Kainz (2008) in seinem Bericht „Geschlechtsspezifische Aspekte von Burnout― darauf hin, dass sich die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern am Arbeitsmarkt wieder vergrößert. So verdienten Frauen als Arbeiterinnen im Jahre 2002 durchschnittlich 61,5% des Lohnes ihrer männlichen Kollegen. Bei den weiblichen Angestellten betrugen die Gehälter rund 59,5% der Männergehälter. Weiteres steigt in den letzten Jahren die Quote der Frauenarbeitslosigkeit rascher an als die der Männerarbeitslosigkeit (vgl. W. Lalouschek, B. Kainz, 2008, http://www.medical-coaching.at/downloads/Blickpunkt- DerMann.pdf, 2008, S. 4, [Stand: 23.07.2011]).

Der Stress von Frauen und Männern am Arbeitsplatz

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Auch in der heutigen Zeit gibt es laut der Studie der Arbeiterkammer „Frauen in Geschäftsführung und Aufsichtsrat― sehr wenig arbeitende Frauen in Führungspositionen. Noch immer ist eine männliche Dominanz vorherrschend. Somit fordert die Arbeiterkammer die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote von rund 40% (vgl. Portal der Arbeiterkammer, 2011, http://www.arbeiterkammer.at/online/frauen-am-arbeitsmarkt-benachteiligt-60182.html, [Stand:

4.07.2011]).

Für eine Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt werden nach dem Frauengesundheitsbericht (2010/2011) vier Bereiche und Anforderungen für die zukünftige Politik erwähnt:

qualitativ hochwertige Arbeitsplätze für eine gleiche wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen und Männern,

qualitativ hochwertige Dienstleistungen für eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben,

die Bekämpfung von Stereotypen und die Unterstützung individueller Entscheidungen und institutionelle Mechanismen zur Unterstützung politischer Initiativen und Umsetzung der Gesetzgebung herzustellen (vgl. Bundesministerium für Gesundheit/ Frauengesundheitsbericht,

2010/2011,

esundheitsbericht.pdf, S. 287, [Stand: 30.06.2011]).

Die geschlechtsspezifische Betrachtungsweise von Burn-out

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11 Die geschlechtsspezifische Betrachtungsweise von Burn-out

In diesem Kapitel wird am Anfang die Frage geklärt, ob überhaupt ein geschlechtsspezifisches Burn-out existiert. Des Weiteren werden geschlechtsspezifische Entstehungsgründe und ein geschlechtsspezifisches Entwicklungsmodell von Burn-out näher behandelt und aufgezeigt, welche Faktoren bei der Entstehung des Burn-out bei Frauen und Männern unterschieden werden können.

Gibt es ein geschlechtsspezifisches Burn-out? Bezogen auf die Häufigkeit bei betroffenen Frauen und Männern weisen Studien unterschiedliche Ergebnisse auf. In vielen Forschungen sind Frauen häufiger an Burn-out erkrankt, in anderen wiederum das männliche Geschlecht. Eine genaue Angabe der auf das Geschlecht bezogenen Burn-out Rate, stößt auch deshalb auf große Schwierigkeiten, weil Männer laut Lalouschek und Nagy nur selten über ihre seelischen Probleme sprechen. Daher bleibt die wahre Anzahl betroffener Männer im Dunkeln (vgl. W. Lalouschek, T. Nagy, 2009, http://www.medical-coaching.at/media/Presse/Aerztekrone%20Teil4.pdf, S. 78, [Stand: 28.06.2011]).

Die geschlechtsspezifischen Entstehungsgründe von Burn-out

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11.1 Die geschlechtsspezifischen Entstehungsgründe von Burn-out

In diesem Abschnitt wird ein geschlechtsspezifisches Modell der Burn-out Entwicklung dargestellt. Des Weiteren werden diejenigen Faktoren behandelt, welche in der Burn-out Entstehung zwischen Frauen und Männern unterschieden werden können.

zwischen Frauen und Männern unterschieden werden können. Abbildung 1 : Geschlechtsspezifisches Modell (übernommen

Abbildung 1: Geschlechtsspezifisches Modell (übernommen von W. Lalouschek, B. Kainz, 2008, http://www.medical-coaching.at/downloads/Blickpunkt-DerMann.pdf)

Frauen und Männer weisen eine unterschiedliche Burn-out-Biografie auf. Die Männer fokussieren auf individuelle und kognitive Faktoren und somit manifestiert sich Burn-out bei ihnen eher in einer Depersonalisierung 2 , während Frauen kollektive und emotionale Faktoren fokussieren und sich somit Burn-out bei diesen durch eine emotionale Erschöpfung zeigt (vgl. W. Lalouschek, B. Kainz, 2008, http://www.medical-coaching.at/downloads/Blickpunkt-DerMann.pdf, S. 3, [Stand:

29.06.2011]).

2 „Eine Depersonalisierung im Allgemeinen bezeichnet den Verlust und die Veränderung des ursprünglichen, natürlichen Persönlichkeitsgefühls des Individuums. Medizinisch gesehen handelt es sich um eine psychische Störung bei der das betroffene Individuum die eigene Person und die Personen seiner Umwelt als verändert, fremd, fern, leblos und unwirklich wahrnimmt“ (I. Bartels, 2007, S.8).

Die unterschiedlichen Reaktionsweisen von Frauen und Männern auf Burn-out

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11.2 Die unterschiedlichen Reaktionsweisen von Frauen und Männern auf Burn-out

Bezogen auf das Geschlecht müssen viele mögliche geschlechtsspezifische Einflüsse in Betracht gezogen werden. Dazu zählen laut Lalouschek (2007) die Physiologie, Psychologie, die unterschiedlichen Rollenmodelle in der Gesellschaft und die sozialen Unterschiede von Frauen und Männern. Außerdem sind diese zusammenhängend und beeinflussen einander (vgl. W. Lalouschek, 2007, http://www.medical-coaching.at/downloads/Systemische-Notizen-Burnout.pdf, S. 32, [Stand:

28.06.2011]).

Physiologie: Aufgrund einiger durchgeführter Forschungen wurde bewiesen, dass Frauen beispielsweise auf Stress in ihrer Physiologie anders reagieren als Männer. Einen Hinweis darauf, dass Männer stärker auf externe Reize reagieren und Frauen wiederum auf interne Stressoren ansprechen, ergaben zahlreiche Hirnforschungen, da sich bei einer Reaktion auf negative emotionale Stimuli bei Männern die rechte Amygdala stärker mit Gerhinarealen und der Sehrinde reagiert und bei Frauen die linke Amygdala mit Insula und Hypothalamus zum Vorschein kommt (vgl. W. Lalouschek, 2007, http://www.medical-coaching.at/downloads/Systemische-Notizen- Burnout.pdf, S. 33, [Stand: 28.06.2011]).

Psychologie: Frauen sollen nach Lalouschek in Stresssituationen durch eine „tend and befriend―– Taktik reagieren. Diese Taktik bedeutet, sich zu kümmern und behilflich zu sein. Männer wiederum reagieren durch eine „fight or flight―–Taktik, das heißt durch eine Art Kampf und Aggression oder in Form von Flucht und Rückzug. Ein weiterer Unterschied ist der, dass Frauen am Arbeitsplatz Unterstützung und Stress stärker über soziale Beziehungen erleben als Männer (W. Lalouschek, 2007, http://www.medical-coaching.at/downloads/Systemische-Notizen-Burnout.pdf, S. 33, [Stand:

28.06.2011]).

Die unterschiedlichen Reaktionsweisen von Frauen und Männern auf Burn-out

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Rollenbilder/ soziale Unterschiede: Der Großteil der Frauen wird heutzutage mit einer Doppelbelastung konfrontiert. Von einer Doppelbelastung wird deshalb gesprochen, da viele Frauen einerseits eine berufliche Karriere anstreben und andererseits möchten sie fürsorgliche Mütter sein oder in Zukunft noch werden und somit genügend Zeit für ihre Familie aufbringen, um für sie da zu sein. Dies bedeutet eine Doppelbelastung zwischen Beruf und Familie (vgl. M. Nelting, 2010, S.

163).

Da die Kindererziehung noch immer vermehrt den Frauen zugeteilt wird, stehen diese noch immer vor dem Problem, dass ihre Berufstätigkeit und Karrieremöglichkeiten eingeschränkt sind (vgl. W. Lalouschek, 2007, http://www.medical-coaching.at/downloads/Systemische-Notizen-Burnout.pdf, S. 33, [Stand: 28.06.2011]).

Ein bedeutender geschlechtsspezifischer Aspekt bei Burn-out stellen die sozialen Unterschiede und die Ungleichbehandlung zwischen Frauen und Männern dar. Frauen verdienen trotz gleicher Arbeit wesentlich weniger als Männer. Dies bedeutet, aufgrund einer geringeren Anerkennung sowohl durch Angst und dem Stress der Lebenserhaltung, ein höheres Risiko an Burn-out zu erkranken (vgl. W. Lalouschek, 2007, http://www.medical-coaching.at/downloads/Systemische-Notizen- Burnout.pdf, S. 33, [Stand: 28.06.2011]).

Die erfolgreiche Bewältigung von Burn-out

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12 Die erfolgreiche Bewältigung von Burn-out

In diesem Kapitel wird darauf eingegangen wie man Burn-out frühzeitig erkennen kann und wie man es am besten bewältigt. Im Allgemeinen wird bei der Bekämpfung von Burn-out von Maßnahmen am Arbeitsplatz, diversen Entspannungstechniken oder von einer Stärkung sozialen Systemen wie Familie und Freunden gesprochen. Um ein besseres Verständnis zu erhalten, wird ein Drei-Phasen-Modell mit seinen Ausstiegsmöglichkeiten dargestellt. Dieses Modell wurde deshalb verwendet, da es sich an das Stressmodell von Selye anlehnt, welches bereits im Kapitel 9.4 näher erläutert wurde (vgl. W. Lalouschek, 2007, http://www.medical- coaching.at/downloads/Systemische-Notizen-Burnout.pdf, S. 34, [Stand: 28.06.2011]).

Phase 1 Aktivierungsphase: In dieser frühen Phase von Burn-out besteht die Möglichkeit, diese noch ohne fremde Hilfe und mit eigenen Kräften bewältigen zu können. Hierbei ist es wichtig, dass sich die Betroffenen fragen und erkennen, was sie in diese Phase gebracht hat und warum die Betroffenen nicht mehr zur Ruhe kommen können. Erst wenn die Ursache erkannt wurde, ist es möglich gegenzusteuern. Möglichkeiten, um aus dieser Phase herauszukommen werden folgend dargestellt:

die eigene Einstellung zu überprüfen und zu ändern,

auf gesunde Ernährung zu achten,

sich regelmäßig Zeit zur Entspannung und Regeneration gönnen und

sich sportlich zu betätigen (vgl. V. Schmiedel, 2010, S. 80-81).

Phase 2 Widerstandsphase: In dieser Phase ist die Erschöpfung viel ausgeprägter als in der vorherigen Phase. Partnerin und Partner, Familie, Freundinnen und Freunde oder Therapeutinnen und Therapeuten können einem aus dieser Phase helfen. Psychologinnen und Psychologen oder erfahrene Burn-out-Ärztinnen und -Ärzte können, müssen aber nicht in dieser Phase herangezogen werden. Nachstehend sind die Möglichkeiten, um aus dieser Phase heraus zugelangen:

Hilfe aufsuchen und annehmen (Freunde, Familie oder professionelle Hilfe),

krankmachende Verhaltensweisen und

schlechte Ernährungsgewohnheiten ändern (vgl. V. Schmiedel, 2010, S. 80-81).

Getrennte Lösungsvorschläge für Frauen und Männer

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Phase 3 Erschöpfungsphase: In dieser Phase ist es notwendig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. In vielen Fällen ist eine ambulante Behandlung nicht mehr ausreichend, daher sollte nach Schmiedel unbedingt eine stationäre Therapie erfolgen. Zu den Vorteilen einer stationären Therapie zählen, dass der/die Betroffene entlastet wird, da sie/er sich nicht mehr um alltägliche Tätigkeiten wie beispielsweise Putzen oder Einkaufen kümmern muss. Einzeltherapien helfen der betroffenen Person Verhaltensweisen und Einstellungen zu analysieren, um erkennen zu können, was sie in diese Phase gebracht hat. Um diese Phase des Burn-out erfolgreich bewältigen zu können, gibt es folgende Möglichkeiten und Maßnahmen:

die in Phase 1 und 2 erwähnten Möglichkeiten,

Annehmen von professioneller Hilfe sowie

eine stationäre Therapie in Erwägung ziehen (vgl. V. Schmiedel 2010, S. 81-83).

13 Getrennte Lösungsvorschläge für Frauen und Männer

Laut Lalouschek (2007) existieren noch sehr wenige bis keine vorhandenen Untersuchungen über Maßnahmen gegen Burn-out weder für Frauen noch für Männer. Da sich diese in ihrer Reaktion auf Stress, wie im Kapitel 11.2 kurz dargestellt wurde, sehr wohl unterscheiden, wären geschlechtsspezifische Maßnahmen beispielsweise bei der Gestaltung des Arbeitsumfeldes oder beim Umgang mit chronischem Stress nur von Vorteil und zweckmäßig. Von enormer Notwendigkeit wäre es, erstmals mit allen Mitteln zu versuchen, die soziale Benachteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt zu verbessern, bis ein Gleichstand mit ihren männlichen Kollegen vor allem beim Thema Gehalt erreicht wird, denn dies würde zu einer Verminderung von Stress bei der Lebenserhaltung und zu einer größeren Anerkennung führen (vgl. W. Lalouschek 2007, http://www.medical-coaching.at/downloads/Systemische-Notizen-Burnout.pdf, S. 34, [Stand:

28.06.2011]).

Beim Burn-out weisen Frauen und Männer weisen im Burn-out zwar physiologische und psychologische Unterschiede auf, jedoch sind die Folgen bei Beiden am Ende die Gleichen. Viele weitere geschlechtsspezifische Forschungen sind noch notwendig, um ebenfalls Medizinerinnen und Mediziner und Psychologinnen und Psychologen dabei helfend tätig zu sein, um bessere geschlechtsspezifische Strategien gegen Burn-out entwickeln zu können (vgl. W. Lalouschek, 2008, http://www.medical-coaching.at/downloads/Blickpunkt-DerMann.pdf, S. 6, [Stand: 23.07.2011]).

Die Prävention von Burn-out

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14 Die Prävention von Burn-out

Ein wichtiger Aspekt bei Burn-out liegt in der Prävention. In diesem Kapitel wird geklärt, was jeder einzelne Mensch selbst als Vorbeugung gegen Burn-out tun kann, welche Maßnahmen am Arbeitsplatz eingesetzt werden können, um nicht in diesen Kreislauf zu gelangen und ob bei der Prävention überhaupt eine geschlechtsspezifische Betrachtungsweise berücksichtigt wird.

14.1 Die Maßnahmen gegen Burn-out

Realistische Ziele definieren

Erkennung von Schwächen (Wo ist vermehrt Kraft erforderlich?)

Zeit für sich selbst nehmen

Beachtung einer gesunden Ernährung

Mit Familie und Freunden etwas unternehmen

Zeit für die eigenen Hobbys haben

Körperlicher Ausgleich

Anwendung von Entspannungstechniken, wie beispielsweise Yoga

Dinge gleich zu erledigen

Feste Zeiten einzuplanen

Stärkung sozialer Netzwerke:

 

Unterstützung von Familie und Freunden, Austausch zwischen Kolleginnen und Kollegen, berufliche Zusammenarbeit

Tabelle 4: Maßnahmen gegen Burn-out (vgl. W. Lalouschek, 2007, http://www.medical- coaching.at/downloads/Systemische-Notizen-Burnout.pdf, S. 34, [Stand: 28.06.2011])

Die Vorbeugung gegen Burn-out am Arbeitsplatz

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14.2 Die Vorbeugung gegen Burn-out am Arbeitsplatz

Um dem Burn-out am Arbeitsplatz vorzubeugen, müssen Maßnahmen zur Stressminderung oder sogar zur Stressverhütung eingesetzt werden. Auf die wesentlichen Punkte, um Stress am Arbeitsplatz zu reduzieren, weist die Arbeiterkammer Wien (2010) in ihrem Bericht auf die Arbeits- und Organisationsgestaltung, Arbeitszeitgestaltung und Training hin, welche anschließend näher erläutert werden (vgl. Arbeiterkammer Wien, 2010, http://wien.arbeiterkammer.at/bilder/d117/Stress2010.pdf, S. 41- 42, [Stand: 30.06.2011]).

Arbeits- und Organisationsgestaltung: Eine Verbesserung der Arbeitsorganisation kann durch eine Angleichung der täglichen Anforderung am Arbeitsplatz an die eigene Leistungsvoraussetzung eines jeden Menschen erreicht werden. Dazu zählt die Schaffung von abwechslungsreichen Tätigkeiten, um über ausreichende und vielfältige Arbeitsanforderungen zu verfügen, welche den Qualifikationen der Mitarbeiterin und des Mitarbeiters entsprechen. Ein weiterer Aspekt ist die Schaffung von mehr Kontrollmöglichkeiten über den eigenen Arbeitsablauf. Dies soll dazu beitragen, das Selbstwert- und Verantwortungsgefühl zu stärken. Bei einer Erweiterung von Arbeitstätigkeiten sollte jedoch wieder darauf geachtet werden, dass dies nicht zu einer Überforderung führt oder nicht allzu viele gleiche Anforderungen entstehen (vgl. Arbeiterkammer Wien, 2010, http://wien.arbeiterkammer.at/bilder/d117/Stress2010.pdf, S. 41, [Stand: 30.06.2011]).

Arbeitszeitgestaltung: Von besonderer Wichtigkeit ist eine gute Verteilung und die richtige Einteilung der Arbeits- und Pausenzeiten, um entsprechende Erholungsphasen zu erhalten und sich wieder stärken zu können. Ein wichtiger Schritt bei Nachtarbeit wäre beispielsweise eine Verkürzung der Arbeitszeit, um einer Überbeanspruchung entgegen zu wirken (vgl. Arbeiterkammer Wien, 2010, http://wien.arbeiterkammer.at/bilder/d117/Stress2010.pdf, S. 41-42, [Stand: 30.06.2011]).

Die Vorbeugung gegen Burn-out am Arbeitsplatz

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Training: Eine weitere Methode um Burn-out zu verhindern sind berufliche Trainings und Weiterbildungen, die eine bessere Angleichung der Arbeitsanforderungen zur Folge haben (vgl. Arbeiterkammer Wien, 2010, http://wien.arbeiterkammer.at/bilder/d117/Stress2010.pdf, S. 42, [Stand: 30.06.2011]).

Als Trainingsmöglichkeiten werden im Bericht Arbeiterkammer Wien folgende genannt:

Berufliche Weiterbildung

Stressmanagement (persönliche Zeitplanung)

Aufklärung über Gruppenprozesse

Informationen über Gruppenprozesse

Führungstraining (Training von Führungsverhalten)

Gruppen- und Teamtraining (Konflikttraining, Kommunikationstraining

Tabelle 5: Darstellung der Trainingsmöglichkeiten (vgl. Arbeiterkammer Wien, 2010, http://www.arbeiterkammer.at/bilder/d117/Stress2010.pdf; S. 43, [Stand: 30.06.2011])

Um Stressaufbau zu verhindern, wäre es im Unternehmen von Vorteil folgende Aspekte zu berücksichtigen:

regelmäßig über Ergebnisse und neue Vorhaben informieren,

regelmäßig Supervisionen und Coaching anbieten, vor allem in den Bereichen, wo große Belastungen auftreten können (Beratungsdienste),

Organisation- und Personalentwicklung, sowie

Personalplanung (vgl. Arbeiterkammer Wien, 2010, http://www.arbeiterkammer.at/bilder/d117/Stress2010.pdf; S. 43, [Stand: 30.06.2011]).

Zusammenfassung und Ausblick

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14.3 Die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Prävention

Aufgrund der körperlichen und psychologischen Unterschiede zwischen Frau und Mann wäre es sinnvoll, Maßnahmen im Arbeitsumfeld und Maßnahmen im Umgang mit Stress geschlechtsspezifisch zu entwickeln (vgl. W. Lalouschek, 2008, http://www.medical- coaching.at/downloads/Blickpunkt-DerMann.pdf, S. 6, [Stand: 23.07.2011]).

Welche Erwartungen haben Frauen im Unterschied zu den Männern in Bezug auf ihr Leben, auf ihren Beruf und auf ihre Familie?

Wodurch entstehen die überhöhten Erwartungen bei Frauen als auch bei Männern?

Wie wichtig sind in der heutigen Zeit eine geschlechtsspezifische Erziehung und gesellschaftliche geschlechtsspezifische Erwartungen zu haben? (vgl. W. Lalouschek, 2008, http://www.medical-coaching.at/downloads/Blickpunkt- DerMann.pdf, S. 3, [Stand: 23.07.2011]).

Diese Fragen müssen nach wie vor noch gründlich erforscht werden, um geschlechtsspezifische Ansätze sowohl in der Prävention als auch in der Intervention ermöglichen zu können (vgl. W. Lalouschek, 2008, http://www.medical-coaching.at/downloads/Blickpunkt-DerMann.pdf, S. 3, [Stand: 23.07.2011]).

15 Zusammenfassung und Ausblick

Mit Burn-out werden immer mehr Menschen in ihrem Leben konfrontiert. Welches Geschlecht häufiger dem Burn-out ausgesetzt ist, lässt sich nur schwer bis gar nicht beantworten, denn hierbei liegen unterschiedliche Ergebnisse vor. In einem Burn-out weisen Frauen und Männer unterschiedliche körperliche und psychologische Unterschiede auf. Nur wenige Untersuchungen beschäftigen sich geschlechtsspezifisch mit dem Thema Burn-out und dies trotz der unterschiedlichen Reaktionsweise von Mann und Frau im Burn-out und vor allem trotz der noch immer vorhandenen sozialen Unterschiede. Da Frauen in der heutigen Arbeitswelt noch immer mit einer Ungleichbehandlung konfrontiert sind und laut Forschungen dieses Problem nicht so schnell gelöst werden wird, sind noch umfassende mehrere Forschungen notwendig, um vor allem in der Prävention und Intervention, gegen Burn-out erfolgreich ankämpfen zu können.

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