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Ein praktisches Handbuch für Jäger und Schützen

Kapitel 6
Anleitung zum Wiederladen von Kurzpatronen

Einleitung ............................................................................................Seite 02
Hülsen sammeln und vorbereiten .......................................................Seite 06
Ausstoßen des Zündhütchens, Kalibrieren der Hülse,
Aufweiten des Hülsenmundes ........................................................Seite 08
Zündhütchen setzen ...........................................................................Seite 12
Pulver einfüllen ...................................................................................Seite 16
Geschoss setzen ................................................................................Seite 18
Verpacken, Kennzeichnen, Erfolgskontrolle .......................................Seite 21
Orientierungsgrafik Kurzpatronen.......................................................Seite 22
Wiederladen Schritt für Schritt
- Kurzpatronen
Das Wiederladen von Munition für Re- derholungen nicht übertreiben zu wollen.
volver und Pistole wird nicht nur vom Aus diesem Grund wird vorgeschlagen,
Sportschützen betrieben, sondern auch das angesprochene Kapitel über das
vom Jäger, wenn letzterer auch nicht den Wiederladen von Büchsenpatronen vor
Munitionsverbrauch des Scheibenschüt- dem Durcharbeiten der nachfolgenden
zen haben kann. Gleich in diesem Zusam- Seiten zu studieren, wie überhaupt dieses
menhang sei ein gutgemeinter Rat einge- Buch so gedacht ist, daß man es, wie die
fügt: Hoher Munitionsverbrauch darf meisten Bücher, von vorne bis hinten
niemals zu der Einstellung führen, der liest, um sich zunächst einen Überblick
Verbrauch müsse durch eine möglichst über den Komplex Wiederladen zu ver-
hohe Ausstoßkapazität des verwendeten schaffen. Dies gilt zumindest für die Be-
Geräts kompensiert werden. Übertrieben schreibung der Arbeitsabläufe. In sich
große Arbeitsgeschwindigkeit geht immer geschlossene Kapitel oder z. B. die
zu Lasten der Präzision und Leistung, oft Patronenbeschreibungen können natür-
auch zu Lasten der Sicherheit. Überhaupt lich wie in einem Nachschlagewerk
ist derjenige angehende oder bereits selektiv nach Bedarf gelesen werden.
erfahrene Wiederlader fehl am Platze, Die kommenden Abschnitte sind im we-
der glaubt, eine gut laufende Massen- sentlichen auf die Arbeit mit dem drei- oder
produktion präzise schießender Matchpa- vierteiligen Matrizensatz abgestellt. Das
tronen aufziehen zu können, indem er
oben in das Gerät die Komponenten
hineinschüttet und unten die fertige
Spitzenpatrone entnimmt. Wiederladen
muß immer ein handwerklicher, gut
organisierter, sicherer und überlegter
Arbeitsablauf bleiben. Selbst bei den
schnellen Progressivladern mit einem sehr
hohen theoretischen Ausstoß bleibt Wie-
derladen eine zwar teilweise mecha-
nisierte, aber doch hauptsächlich hand-
werkliche Arbeit, die gewissenhaft
ausgeführt werden will, um im Ergebnis
zufriedenstellend auszufallen.
Bevor nun auf die einzelnen Wiederlade- Matrizensatz 3teilig.
schritte eingegangen werden kann, wird
darauf hingewiesen, daß bei der bedeutet aber auch, daß die beschrie-
Behandlung des Ladevorgangs "Kurzpa- benen Ladetakte genauso gut für das
trone" Wiederholungen unvermeidlich Bearbeiten von schwach konischen bzw.
sind; Wiederholungen von Passagen und zylindrischen Hülsen für Büchsenpa-
Abschnitten, die bereits im Kapitel tronen, z. B. .30 Carbine oder .458 Win.
"Wiederladen Schritt für Schritt - Büchsen- Mag. gelten. Da bei zylindrischen oder
patronen" zu finden sind. Andererseits konischen Hülsen nicht gleichzeitig der
muß einiges an Grundwissen voraus- Hülsenmund außen kalibriert und innen
gesetzt werden, um die besagten Wie- aufgeweitet werden kann, müssen diese

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beiden wichtigen Teilarbeiten in zwei Kalibriermatrize wird gegen die Setzma-
getrennten Abläufen, d. h. Matrizen erfol- trize ausgetauscht) und vorhergehender
gen. Es spielt dabei keine Rolle, ob eine Pulverbefüllung, sowie Sichtkontrolle der
Pistolenpatrone 6,35 mm oder eine Gürtel- Ladung, erfolgt das Setzen des Ge-
patrone .458 Win. Mag. verladen wird. schosses innerhalb der Presse mit Hilfe
Insofern hätte die Kapitelüberschrift der Setzmatrize. Ein eventuell notwendig
"Wiederladen Schritt für Schritt - nicht werdender oder gewünschter Bördel- oder
geschulterte Hülsen" heißen können, was Kneifvorgang (das neudeutsche Wort
aber wegen dergenerellen Trennung bzw. "Crimpen" läßt sich vermeiden) wird
Aufteilung dieses Buches in Büchsen-, ebenfalls in der Setzmatrize bewerkstel-
Kurz- und Schrotpatronen nicht als zweck- ligt, wozu aber ein separater Arbeitsgang
mäßig erachtet wurde. Andererseits be- angehängt werden sollte. Es ist allerdings
nötigen Kurzpatronen mit geschulterten nicht bei allen Setzmatrizen die für die
Hülsen lediglich zwei Matrizen; sie können Bördelung notwendige Bördelschulter vor-
also nach dem gleichen Ablauf wie die handen. Ob und wann welche Geschosse
Büchsenpatronen mit geschulterten Hül- in geschulterten Pistolenhülsen gebördelt
sen wiedergeladen werden. Da min- werden sollten, ist in den jeweiligen
destens zwei bekanntere Kurzpatronen Patronenbeschreibungen nachzulesen.
zur letzteren Kategorie gehören, nämlich Leider können die Kalibriermatrizen für
die 7,63-mm-Mauser und die als eine der geschulterte Hülsen, ganz gleich ob für
präzisesten Pistolenpatronen bezeichnete Büchse oder Kurzwaffe, nicht mit einem
7,65-mm-Parabellum (.30 Luger), soll an sehr wichtigen Vorteil der Kalibriermatrize
dieser Stelle kurz auf den Arbeitsablauf für zylindrische Hülsen aufwarten: Bei
mit zwei Matrizen eingegangen werden; letzteren besteht die Möglichkeit, gegen
weitergehende Ausführungen beim Laden Aufpreis Hartmetallmatrizen zu erwerben,
der letztgenannten Patronen wären im welche eine Hülsenfettung erübrigen.
Abschnitt "Wiederladen Schritt für Schritt Geschulterte Hülsen von Kurzpatronen
- Büchsenpatronen" nachzulesen. müssen jedoch, wie Büchsenhülsen auch,
Beim zweiteiligen Matrizensatz übernimmt mit einem geeigneten Fett geschmiert
die erste Matrize das Kalibrieren der Hülse, werden, da sie sonst in der Kalibriermatrize
das Ausstoßen des alten Zündhütchens steckenbleiben.
und das Aufweiten des Hülsenmundes. Anders das Behandeln von zylindrischen
Ob das Einsetzen des neuen Zündhüt- oder annähernd zylindrischen Hülsen. Wie
chens in der Presse mit Hilfe der inte- eingangs schon erwähnt, kann bei ihnen
grierten Zündhütchensetzvorrichtung oder nicht gleichzeitig die Hülse von außen
au ßerhalb der Presse mit einem speziellen kalibriert, d. h. zusammengepreßt und
Zündhütchensetzer durchgeführt wird, von innen aufgeweitet werden. Diese Be-
hängt von den Gegebenheiten ab: Soll für sonderheit macht den getrennten Einsatz
besonders hochwertige Munition auch von zwei Matrizen erforderlich. Die Kali-
Zündglocke und Zündloch gereinigt wer- briermatrize übernimmt dabei die Her-
den, so wird man das Setzen des Zünd- stellung der äußeren Form (Kalibrieren),
hütchens im dafür besser geeigneten u. U. auch bereits mit Hilfe eines inte-
Spezialgerät au ßerhalb der Presse durch- grierten Ausstoßstiftes das Entfernen des
führen. Nach dem Matrizenwechsel (die alten Zündhütchens.

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Rekalibrieren und Zündhütchen ausstoßen. Geschoß setzen.

Die zweite Matrize weitet mit dem einge- Für letztere ist der später beschriebene
schraubten Expander oder Aufweitknopf "offene Arbeitsablauf" angebracht. Nach
den Hülsenmund so auf, daß das Geschoß dem Vorgang des Pulvereinfüllens erfolgt
das Geschoßsetzen. Bei den dreiteiligen
Matrizensätzen kann das Geschoß ent-
weder nur gesetzt oder, falls eine Bördel-
schulter vorhanden ist, in einem zweck-
mäßigerweise angehängten, separaten
Arbeitsgang zusätzlich gebördelt werden.
Damit ist die Patrone fertig. Stehen vier
Matrizen zur Verfügung, so fungiert die
Setzmatrize lediglich zum Geschoßein-
setzen (ohne irgendwie auf die Form des
Hülsenmundes Einfluß zunehmen),
während die vierte Matrize einen
konischen Hülsennnundverschlu ß (Taper
Crimp) fertigt. Wie man später noch sehen
wird, ist der Hülsenmundkonus vor allem
Hülsenmund aufweiten. bei den Präzisions-Scheibenpatronen (z.
B. .32 S & W lang, .38 Special) der
Schußleistung sehr förderlich. Bereits an
leicht von Hand eingesetzt und an- dieser Stelle sei auch gesagt, daß bei den
schließend in der Setzmatrize fertig auf Hülsenmundanliegern (das sind Patronen,
Tiefe gesetzt werden kann. Bei manchen die den Verschlußabstand über den
Fabrikaten ist der Aufweitknopf mit dem Hülsenmund bilden, wie z. B. .45 ACP
Zündhütchenausstoßer verbunden; das oder 9 mm Luger) keinerlei Hülsen-
Ausstoßen des Hütchens erfolgt bei einem mundbördelung durchgeführt werden darf,
solchen Satz erst bei der zweiten Matrize. da sich dadurch der Verschlußabstand
Ob man das neue Zündhütchen mit einem vergrößern und Versager oder
Zündhütchensetzgerät oder in der Presse Hülsenreißer die Folge sein könnten.
mit dem darin eingebauten Setzstempel Wenn vorhin vom "offenen" Arbeitsablauf
setzt, hängt wiederum davon ab, ob man die Rede war, so soll dieser nun als Regel-
Übungspatronen oder gleichbleibend prä- ablauf behandelt werden, ganz gleich, ob
zise Hochleistungspatronen erzielen will. eine Ein-Stationen-Presse oder eine Dreh-

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kopfpresse benützt wird: Nach dem die Möglichkeit der permanenten Be-
Kalibrieren und dem Ausstoßen des alten festigung von Matrizen und Dosiergerät
Zündhütchens werden die Hülsen in ein im Drehkopf. Die Werkzeuge sind bei
Ladebrett gestellt und sämtlich auf Be- Bedarf rasch über den Hülsenhalter
schädigungen untersucht. Das Reinigen eingeschraubt, während der ständige
von Zündkanal und Zündglocke erfolgt Matrizenwechsel bei Gebrauch einer Ein-
ebenfalls von Ladebrett zu Ladebrett, Stationen-Presse doch zeitaufwendig ist.
damit keine Hülse ausgelassen wird. Die Nach diesen einleitenden Hinweisen
weiteren Ladeschritte sind immer an allen, erfolgt nun die Beschreibung der einzelnen
von einem in das andere Ladebrett "wan- Ladetakte, wie sie bei Befolgung der
dernden" Hülsen zu vollziehen, womit die offenen Arbeitsmethode unter Verwen-
Gewähr gegeben ist, daß alle Schritte an dung einer Drehkopfpresse durchgeführt
allen Hülsen stattgefunden haben. Auf werden.
diese Weise ist es möglich, alle Hülsen Dabei gehen wir vom vierteiligen Matrizen-
dieser "Fertigungsserie" auf die richtige satz aus, der bereits im Drehkopf der
Pulverfüllung untersuchen zu können, was Presse nach Anweisung des Herstellers
einen erheblichen Sicherheitsfaktor dar- eingesetzt und justiert ist: Die Kalibrier-
stellt - im Gegensatz zur Methode des matrize sitzt satt auf dem Hülsenhalter
"geschlossenen" Arbeitsablaufs, der bei auf, sobald sich die Triebstange auf dem
der Drehkopfpresse, der H-Presse und "oberen Totpunkt" befindet. Natürlich ist
den halbautomatischen Progressivladern das Gewindespiel durch Niederschrauben
angewandt wird. In letzterem Fall erfolgt einer zusätzlichen ca. Viertelumdrehung
die Pulverbefüllung allerdings zwangs- der Matrize beseitigt und der Aussto ßerstift
gesteuert und ist deswegen als sicher so eingeschraubt, daß das alte Zünd-
und "kontrolliert" zu betrachten. Nicht so hütchen sauber ausgestoßen wird, ohne
bei den anderen Mehr-Stationen-Geräten, daß die Verschraubung des Ausstoßer-
bei denen die Hülse im Hülsenhalter bleibt, stifts die Hülse berührt und so keine
bis alle Ladeschritte vollzogen sind und Beschädigung auftreten kann. Das ist der
die fertige Patrone entnommen werden Fall, wenn das Hütchen "gerade noch"
kann. Wird bei diesen nicht sehr sorgfältig ausgestoßen wird. Die Justierung der
gearbeitet, so besteht die Gefahr der Aufweitmatrize sieht so aus, daß die auf
Doppelt- oder Nicht-Befüllung mit Pulver. dem oberen Punkt befindliche Hülse
Die Folgen kann man sich ausmalen. "gerade richtig" aufgeweitet wird, was man
Ganz abgesehen davon entfällt beim mit einem Geschoß feststellen sollte.
"geschlossenen" Arbeitsablauf die Mög- Dieses muß sich von Hand leicht einige
lichkeit der Zündglockenreinigung und Millimeter vorsetzen lassen, ohne daß die
weitgehend auch die Möglichkeit der Sicht- Aufweitung so groß ist, daß der Hülsen-
Kontrolle der Hülse auf während des La- mund die Bohrung der Setzmatrize nicht
dens auftretende Beschädigungen. Man mehr passieren kann. Nach der Aufweit-
wird also, selbst wenn eine Drehkopf- matrize ist das Pulverdosiergerät einge-
presse zur Verfügung steht, die Methode schraubt; es weist das gleiche Gewinde
des offenen Arbeitsablaufs wählen und, wie die Matrizen auf. Falls möglich, sollte
von einem Ladebrett in das andere man das Dosiergerät so justieren, daß
arbeitend, alle Ladegänge an allen Hülsen sowohl kein Luftspalt mehr zwischen Hül-
nacheinander durchführen. Dies wider- senmund und Auslauftülle ist, als auch
spricht zwardem Wesen und den meisten weder Hülse noch Auslauftülle durch die
Betriebsanleitungen von Drehkopfpres- Hebelkraft der Presse beschädigt wer-
sen, ist aber sicher die bessere Möglich- den können. Bei Vorhandensein eines
keit. Zudem bleibt ein Vorteil der separaten Ständers kann das Dosiergerät
Revolverkopfpressen erhalten, nämlich auf der Ladebank befestigt sein. Das ist

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besonders dann von Vorteil, wenn man von Werksladungen eines Fertigungs-
alle Hülsen des Ladebretts, ohne sie in loses zu sammeln, oder sich fabrikfrischer
die Hand nehmen zu müssen, nacheinan- Neuhülsen zu bedienen. Auf keinen Fall
der mit Pulver befüllen will. Die Setzmatrize ist zum Verladen eines Sammelsuriums
ist nur soweit auf den Hülsenhalter nieder- aufgelesener, geschenkter oder sonst wie
geschraubt, daß noch keine Bördelung erworbener Althülsen, die uns womöglich
des Hülsenmundes erzielt wird; sofern jemand mit der Bemerkung "garantiert
beim vierteiligen Satz überhaupt eine nur einmal geschossen" aufgeschwatzt
hat, zu raten. Solche Hülsensammlungen
stammen kaum aus nur einer Fertigung,
sind unterschiedlich belastet-sowohl nach
Lebensalter als auch nach Wiederladun-
gen - und wurden zudem aus den verschie-
densten Waffen verfeuert. Die erwähnten
Eigenschaften könnten toleriert werden
zur Fertigung von Übungspatronen, aber
wir sollten grundsätzlich um die Herstel-
lung einwandfreier, präziser und leistungs-
starker Munition bemüht sein, ganz gleich,
ob es sich um Jagd-, Gebrauchs- oder
Scheibenmunition handelt. Spitzenmuni-
tion kann aber mit unterschiedlich belaste-
ten Hülsen niemalsgefertigtwerden. Diese
sind meist ungleich lang, würden also
Sinnvolles Zubehör ergänzt das keine gleichmäßige Bördelung und somit
Wiederladerwerkzeug. auch keinen gleichmäßigen Geschoß-
Auszugswiderstand ergeben, welcher
Bördelung möglich, d. h. eine Bördelschul- aber für gleichmäßige Präzision unbedingt
ter vorhanden ist. Der Setzstempel wurde nötig ist. Letzteres ist der Hauptgrund für
mit Hilfe einer Blindpatrone bereits auf die die Verwendung nurgleich belasteter und
richtige Tiefe geschraubt und die Setz- gleichlanger Hülsen. Dazu kommt die
matrize ebenfalls mit den Konter- Tatsache, daß starke Gebrauchspatronen
schrauben festgelegt. Schließlich sollte auf einen möglichst starken, dabei jedoch
die vierte Matrize so eingestellt sein, daß gleichmäßigen Rollbördel angewiesen
sie an der Blindpatrone einen sauberen sind, um ihre Leistung nach Gasdruck
konischen Hülsenmundbördel anlegt. und Mündungsgeschwindigkeit überhaupt
Nach der Grundjustierung der vier bringen zu können. Beim Sammeln der
Matrizen und des Dosiergeräts kann der Hülsen von in der eigenen Waffe verschos-
eigentliche Ladeablauf beginnen. Zuvor senen Werksladungen, erst recht aber
schon mußte man sich Gedanken über von Hülsen aus nicht genau kontrollierter
die Hülsenbeschaffung und Hülsen- Herkunft, sofern man solche aus den vor-
vorbereitung machen: her genannten Gründen überhaupt ver-
wendet, achte man genau auf offensicht-
liche oder versteckte Mängel, z. B. Risse
1. Hülsen sammeln und vorbereiten im Hülsenmund (auch sehr kleine Risse
führen zu mangelnder Schu ßleistung, weil
Wie bei den Büchsenpatronen ist es bei der Ausziehwiderstand des Geschosses
den Kurzpatronen angebracht, die aus geringer ausfallen muß), Beschädigungen
der eigenen Waffe verschossenen Hülsen allgemeiner Art, stärkere Deformationen

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vor allem bei Pistolenhülsen, Aufbau- damit Gefährdungen des Schützen oder
chungen im hinteren Bereich, starke Schäden an der Waffe auftreten können.
Verschmutzungen aber auch ausgebla- In diesem Zusammenhang sei bemerkt,
sene Zündhütchen oder gar Zündglocken- daß jede Hülse ihr optimales Zündhütchen
erweiterungen (Hülse ist durch zu hohen hat, sowohl nach den Dimensionen als
Druck überbelastet gewesen, wodurch auch im Zusammenhang mit der Geo-
die Widerstandsfähigkeit und somit die metrie des Zündlochs in Bezug auf die
Lebensdauer stark herabgesetzt ist) sowie Intensität und Zusammensetzung des
Beschädigungen des Randes durch waf- Zündsatzes. Daher muß besonders darauf
fenseitige Fehler (Auszieherkralle usw.). hingewiesen werden, daß zur Verwendung
Bei dem heutigen, wirklich großzügigen in GECO- oder RWS-Hülsen vor allem die
Hülsenangebot, selbst der exotischen Ka- RWS-Zündhütchen optimal geeignet sind.
liber, sollte man im Zweifelsfall eher eine Bezüglich der Größe eines Handladungs-
Hülse zum Altmetall geben, als aus falsch loses gleicher Hülsenherkunft sind nach
verstandener Sparsamkeit die Präzision oben natürlich keine Grenzen gesetzt: Je
einer ganzen Fertigungsserie zunichte zu größer der Vorrat, desto größer der Zeit-
machen, was unter Umständen schon raum, in dem Patronen "auf Lager" sind.
durch eine einzige schlechte Patrone Der Wiederlader sollte die durch das
geschehen kann. Denn die Präzision eines Hobby anfallende Arbeit nach den Grund-
beliebig großen Handladungsloses wird sätzen der Arbeitslehre durchführen, und
nicht nach dem besten oder dem durch- rationelles Arbeiten ist auch hier ange-
schnittlichen Streukreis beurteilt, sondern bracht. Die Einrichtung der Presse usw.
indirekt nach dem schlechtesten Ergebnis. lohnt erst bei notwendig werdender Ver-
Aus diesem Grunde ist es einleuchtend, ladung eines größeren Hülsenloses, z.B.
daß tunlichst nur Hülsen von den aus
einer Waffe verschossenen Werksladun-
gen einer Fertigungsnummer für den
ernsthaften Sportschützen und Jäger als
Grundstock für die Wiederladeserie ver-
wendet werden. Wer noch qualitätsbe-
wu ßter ist, sollte fabrikgefertigte Neuhül-
sen wählen, da diese dann von Anfang an
auf die eigene Waffe und die gewählte
Handladung eingestellt werden können.
Ist einmal Erfolg in Form von Leistung
vorhanden, wird man sich mit einer ent-
sprechend großen Anzahl genau dersel-
ben Hülsen eindecken. Es versteht sich
von selbst, daß dabei keineswegs das
Hülsenfabrikat gewechselt werden darf:
Zu unterschiedlich sind die Dimensionen Hülsen reinigen und auf Beschädigung
von Verbrennungsraum und Zündglocke, kontrollieren.
so daß sich aus den verschiedensten
Gründen Druckabweichungen und damit zwei- bis fünfhundert Stück. Mehr sollten
Leistungs- und Präzisionsabweichungen es nicht sein, damit der Wiederlader nicht
ergeben. Im "besten" Fall wird die Schu ß- überfordert ist. Auf jeden Fall müssen
leistung sinken; im schlechtesten Fall der immer mehr fertig geladene Patronen zur
Druck so stark steigen, daß bei an sich Verfügung stehen, als an einem Schießtag
gleicher Laborierung zu hohe Drücke und

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verfeuert werden können, und tunlichst lassen sich die ersten Ermüdungser-
wird man die "Lagerhaltung" immer auf scheinungen schon nach vier oder fünf
ein Vielfaches einer pro Durchgang be- Wiederladungen feststellen. Meistens hat
nötigten Patronenzahl abstellen. sich dann die Zündglocke so erweitert,
Die Aufbewahrung der Hülsen erfolgt am daß das Zündhütchen nicht mehr hält. Bei
zweckmäßigsten in den beliebten 50 oder Vorliegen einer starken Rollbördelung sind
100 Stück fassenden Plastikbehältern meist schon nach wenigen Wiederla-
diverser Hersteller. Hier sind sie staubdicht dungen Hülsenmundrisse ausschlagge-
und übersichtlich untergebracht, und die bend für die Untauglichkeit der Hülse.
später als Behälter für die fertige Munition Unbrauchbare Hülsen sollte man keines-
dienenden Plastikschachteln sind auf dem wegs in die Mülltonne werfen. Mit der
Schießstand - auch im Wettkampf - pro- Zange flachgequetscht, damit sie nicht
blemlos zu handhaben. Wer die Ausgabe mehr versehentlich in den "Wiederlade-
für so viele 50er oder 100er Plastikbehälter kreislauf" kommen, kann man die Hülsen
scheut, kann sich auch auf den Kauf so sammeln und gelegentlich beim Altmetall-
vieler beschränken, die er für den Vorrat händlervorbeibringen. Abgesehen davon,
eines Schießtages braucht, und die rest- daß dieser meistens angemessene Preise
lichen Hülsen in gekauften oder selbstge- für Altmessing zahlt, praktiziert der umwelt-
fertigten Ladebrettern aufbewahren. Da bewusste Wiederlader damit das "Recy-
es in den meisten Hobbyräumen jedoch cling" eines wertvollen Rohstoffes auf
immer etwas staubig hergeht, müssen vorbildliche Weise.
Ladebretter samt Hülsen (bzw. fertigen
Patronen) unbedingt staubdicht aufbe-
wahrt werden: Sich wochenlang anlegen-
der Staub kann eine Kalibriermatrize auf 2. Ausstoßen des alten Zündhütchens,
Dauer unbrauchbar machen, während Außenkalibrierung der Hülse, Auf-
eine verstaubte Patrone mit vielleicht nicht weiten des Hülsenmundes
ausreichend entfetteter Hülse zu Funk-
tionsstörungen der Waffe führen könnte. Die Entfernung des abgeschossenen
Auf die beschriebene Weise aufbewahrt Zündhütchens muß bei Hülsen mit Ber-
und immer wieder "rundum" geladen und danzündung von hinten erfolgen und wird
verschossen, müssen die Hülsenbehälter mit einem speziellen Gerät (Berdan-
hinsichtlich der Belastung ihres Inhalts Decapper oder Berdanzange) durch-
gekennzeichnet sein, also die Zahl der geführt. Wiederlader von Kalibern mit
Wiederladungen aufzeigen. Dies hat einem großen Anteil an Berdanhülsen
natürlich nur dann einen Sinn, wenn jede benützen manchmal auch hydraulische
verschossene Hülse immer wieder in Methoden. Insgesamt gesehen ist die
"ihren" Behälter zurück gesteckt wird. Nur Behandlung von Berdanhülsen aber ar-
bei gleichmäßig belasteten Hülsen ist beitsaufwendiger als das Verladen von
gleiche Präzision erzielbar und nur so läßt Hülsen mit Boxer-(Amboß-) Zündhütchen
sich ein Überblick über die Belastbarkeit von denen die nachfolgende Beschrei-
einer Hülsenserie verschaffen. Auf letztere bung ausgeht. Zündhütchen für die Am-
angesprochen, muß die Antwort mit "es boßzündung können deswegen leichter
kommt darauf an ..." beginnen: Während entfernt werden, weil die Boxerhülse nur
leichte Scheibenladungen in .32 S & W ein zentrales Zündloch aufweist, so daß
lang und .38 Special manchmal mehr als das abgeschossene Hütchen von innen
fünfzig Mal aus einer Hülse verladen herausgedrückt werden kann. Dies
werden können, ist die Lebensdauer einer geschieht in der Presse, wobei entweder
Hülse für starke Gebrauchsladungen dem- die Kalibrier- oder die Aufweitmatrize mit
entsprechend niedriger, und manchmal einem Zündhütchen-Ausstoßstift ausge-

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stattet ist. Welche Möglichkeit gewählt von jedem einzelnen ab.
wird, hängt vom Matrizenangebot ab, wo- Wie bereits erwähnt, gibt es bei den
bei Matrizen mit der Doppelfunktion Kali- Kalibriermatrizen für Kurzpatronen solche
brieren/Aussto ßen denjenigen mit der in normaler Ausführung, die eine Hülsen-
Einrichtung für Aufweiten/Ausstoßen aus fettung notwendig machen, und solche
mehreren Gründen der Vorzug gegeben mit einem Hartmetallbelag oder -einsatz
werden kann. Findet der Zündhütchenaus- (meist aus Wolf ramcarbid sog. "TC-" oder
stoßvorgang bereits in der Kalibriermatrize "Carbide Dies"), welche wegen der
statt, so kann der Wiederlader die bis zu vorliegenden glatten Oberfläche und des-
diesem Stadium vorbehandelten Hülsen wegen wesentlich geringeren Reibung
aus dem Hülsenhalter nehmen, Zünd- zwischen Matrize und Hülse die lästige
glocke und Zündloch säubern, die Hülsen Fettung unnötig machen. Trotz des hö-
entfetten und "auf Lager" legen. Falls heren Preises wird die Anschaffung einer
momentan nicht feststeht, ob Mantel- oder Hartmetall-Kalibriermatrize dringend em-
Bleigeschosse verladen werden sollen, pfohlen, denn das Fetten und vor allem
das notwendige Entfetten der Hülse ist
die lästigste, schmutzigste und schließlich
auch langweiligste Arbeit des Wie-
derladers. Im Rahmen der Behandlung
der Kurzpatronen, für die fast von allen
Herstellern Hartmetall -Matrizen erhältlich
sind, wird deswegen auf die Beschreibung
der Einfett- und Entfettmethoden verzich-
tet. Wiederlader von seltenen Patronen
oder von solchen, die nur mit normalen
Stahlmatrizen verladen werden können,
ist bei Bedarf das entsprechende Kapitel
"Die Vorbereitung der Hülse" im Büchsen-
patronenteil zu empfehlen. Wir gehen also
bei der weiteren Beschreibung von der
Verwendung einer Hartmetallmatrize aus,
welche nicht nur den erwähnten Vorteil
hat, sondern auch einen gern gesehenen
Beitrag zur Sauberkeit der Hülse leistet:
Hülse rekalibrieren mit Presse. Etwas "angelaufene" Hülsen erscheinen
nach dem Kalibriervorgang wie poliert,
können die Hülsen in diesem Zustand bedingt durch den Verdichtungseffekt an
verbleiben, was bei der anderen Methode der Hülsenoberfläche. Es sollte allerdings
nicht so einfach geht: Wird nämlich das darauf hingewiesen werden, daß scharfer
Ausstoßen des Zündhütchens in der Auf- Sand, Staub und sonstige Verunreini-
weitmatrize erledigt, so muß konstruk- gungen an der Hülse auch einer Hart-
tionsbedingt der Hülsenhals immer bis zu metallmatrize zusetzen können, so daß
einem gewissen Grad aufgeweitet werden, diese keine Entschuldigung dafür ist,
was beim Verladen bestimmter Mantelge- verschmutzte Hülsen verladen zu dürfen.
schosse unter besonderen Umständen Zur Säuberung derselben wird man um
abträglich sein kann. Wie bei vielen die Verwendung spezieller Reinigungs-
anderen Sachverhalten der Wiederladerei geräte (Trommel- oder Vibrationspolier-
hängt aber die endgültige Entscheidung, maschinen) nicht herumkommen. Der Ar-
ob man den Ausstoßvorgang in der beitsablauf gestaltet sich folgendermaßen:
Kalibrier- oder der Aufweitmatrize erledigt,

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neben dem Gerät (beim Rechtshänder)
und nimmt die soeben behandelte Hülse
auf. Hat man das Ladebrett bzw. die
Ladebretter gefüllt, schließt sich der
Vorgang "Reinigen von Zündloch und
Zündglocke" an. Auch hier arbeitet man
zweckmäßigerweise von einem Ladebrett
in das andere, um keine Hülse zu verges-
sen. Zum Reinigen der Zündglocke gibt
es im Handel spezielle Geräte, welche
aber auch durch Eigenfertigungen (zuge-
schliffener Schraubenzieher) ersetzt wer-
den können. Wichtig ist die Entfernung
der groben Zündsatzasche, um das sau-
bere unverkantete Setzen des neuen
Zündhütchens zu ermöglichen. Weiter
muß auf die Durchgängigkeit des Zünd-
Zündhütchen ausstoßen und Hülsenmund lochs geachtet werden.
aufweiten. Selbstverständlich wird bei allen an der
Hülse vorzunehmenden Arbeiten eine
laufende Kontrolle hinsichtlich noch unent-
deckter Beschädigungen vorgenommen.
Die Hülse steht im Hülsenhalter und wird Wie beim nachfolgenden Aufweiten des
durch die Abwärtsbewegung des Hülsenmundes können bereits beim
Pressenhebels hochgefahren. Kurz bevor Kalibrieren Hülsenmundrisse auftreten,
der obere Totpunkt der Presse erreicht welche die Hülse unbrauchbar machen.
ist, stößt derAusstoßstift das Zündhütchen Eine der wichtigen und im Hinblick auf die
aus, welches (meist) in die fabrikations- Präzision sehr sorgfältig durchzuführende
unterschiedlich angebrachte Auffang- Arbeit ist das Aufweiten des Hülsen-
schale fällt. Weiteres Hochbringen der mundes, welches im nächsten Abschnitt
Hülse führt zum Abschluß des Kalibrier- beschrieben wird. Da aber der sachliche
vorgangs; durch die Aufwärtsbewegung Zusammenhang erhalten werden soll,
des Pressenhebels wird die Hülse aus muß darauf hingewiesen werden, daß
der Matrize ausgezogen. Selbstverständ- theoretisch schon jetzt, nach dem Kali-
lich muß für alle Arbeiten in der Presse brieren und Reinigen der Zündglocke,
der passende Hülsenhalter verwendet das Zündhütchen gesetzt werden könnte,
werden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sowohl in der Presse mit Hilfe der Setz-
steht fest, ob der richtige Hülsenhalter vorrichtung oder außerhalb mit einem
gewählt wurde, denn selbst bei Verwen- Spezialgerät. Der versierte Wiederlader
dung einer Hartmetallmatrize führt ein wird aber das Zündhütchensetzen erst
nicht richtig passender Hülsenhalter zu nach dem Aufweiten durchführen, da
einem Abriß des Hülsenrandes und somit dieses der Erfahrung nach nochmals
zu einem Hülsenstecker, der meist nur Hülsenausschuß bringen kann. Vor allem
mit einem Spezial-Abziehgerät beseitigt schon mehrfach belastete Hülsen reißen
werden kann. am Hülsenmund während des Aufweit-
Schon für das Kalibrieren der Hülse wird vorgangs leicht ein; ein zuvor gesetztes
empfohlen, sich der von verschiedenen Zündhütchen wäre somit nutzlos gesetzt
Herstellern angebotenen und auch leicht und die Hülse müßte zum Ausschuß
selbst herzustellenden Ladebretter zu gegeben werden. Aus dem gleichen Grund
bedienen. Ein solches steht jetzt rechts der Arbeitseinsparung kann es

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zweckmäßig sein, nach dem Kalibrieren ist, eine Ladehemmung verursacht. Dies
sofort aufzuweiten und dann erst die gilt vor allem für besonders dünnwandige
Zündglocke zu säubern und das Zünd- Hülsen und Geschosse mit fehlendem
hütchen zu setzen. Unter diesem Aspekt Heckkonus, d. h. rechtwinklig abge-
wurde die als Arbeitsablauf-orientierung setztem Anschub. Das Aufweiten sollte
gedachte Grafik "Wiederladen von nur so viel wie nötig und so wenig wie
Kurzpatronen" dieses Buches erstellt, in möglich durchgeführt werden. Die
der die hier beschriebenen Vorgänge in Aufweitmatrize bzw. der Aufweiter (Ex-
übersichtlicher Form dargestellt sind. pander) darf nur soweit herunterge-
Nun aber zum Aufweiten, welches aus schraubt sein, daß sich das Geschoß von
zweierlei Gründen notwendig wird. Einmal Hand zwar einige Millimeter in die Hülse
dient es zum leichteren Setzen des einsetzen läßt, letztere aber noch in die
Geschosses, d. h., es soll vermeiden, daß Öffnung der Setzmatrize eingeführt
von diesem Mantel- oder Bleimaterial werden kann. Aus dem Zusammenhang
abgeschabt wird, wenn es mit dem mit dem Aufweiten des Hülsenmundes
Hülsenhals in Verbindung kommt. Solche unter Berücksichtigung der Form des
Abschabungen ergeben immer Prä- Aufweitknopfes wird klar, warum die
zisionseinbußen, vor allem wenn die Hülsen eines Loses immer möglichst
Abschabung zu stark, nicht gleichmäßig gleichmäßig belastet sein sollten: Durch
überden Umfang des Geschosses verteilt die unterschiedliche Belastung würde sich
bzw. den Geschoßboden verletzend auch eine unterschiedliche Längung der
stattfindet. Kunststoffbeschichtete Ge- Hülse und damit eine abweichende Auf-
schosse können auf diese Weise ihre weitung ergeben, welche beim an-
oberflächenschützende Schicht verlieren, schließenden Geschoßsetzen und Her-
was genauso wie die Entfernung der Fett- stellen der Hülsenmundbördelung nicht
oder Wachsschicht bei anderen Bleige- mehr beseitigt werden könnte und, in
schossen zu mangelnder Fettung und unterschiedlichen Ausziehwiderständen
deswegen zur Laufverbleiung und man- resultierend, für die Präzision und Gleich-
gelnder Schußleistung führt. Der andere mäßigkeit der Leistung sehr abträglich
Grund für die Aufweitung ist dann ersicht- wäre. In seltenen Fällen könnte sogar die
lich, wenn man ein Bleigeschoß, das man Notwendigkeit auftreten, die Hülsen eines
in einer unzulänglich aufgeweiteten Hülse Loses längenbezogen zu egalisieren, also
gesetzt und wieder abgezogen hat, mit auf eine gleichmäßige Länge kürzen zu
dem Mikrometer vernni ßt. Es hat sich derart müssen, um immer gleichbleibende Aus-
verformt, daß von ihm keinesfalls mehr ziehwiderstände zu erhalten. Die Kürzung
Präzision zu erwarten ist, vor allem, wenn kommt vor allem bei starken Kurz- oder
zwar der Mund, aber nicht der Hülsenhals Büchsenpatronen in Betracht und wird
aufgeweitet wurde. mit Hilfe eines handelsüblichen Hülsen-
Neben diesen beiden geschoß- und somit kürzgerätes (Trimmer) nach dem Kalibrier-
präzisionsbezogenen Gründen gibt es vorgang vollzogen. Unter Umständen ist
noch einen hülsen- und somit meist funk- dazu ein spezieller "Pilot" (Führungsstück
tionsbezogenen Grund: Wird ein Mantel- des Hülsenkürzgerätes) nötig, weil die
geschoß bzw. ein Bleigeschoß mit Ge- Kalibriermatrize die Hülse auf einen
schoßschuh (Kupferschuh, am. "Gas Durchmesser einzieht, der unter dem der
Check") auf eine nicht oder nur unge- gängigen Führungsstücke liegt. Zum
nügend aufgeweitete zylindrische Hülse Setzen von Bleigeschossen bieten
gesetzt, so kann der Hülsenhals so stark manche Hersteller sog. Zwei-Stufen-Ex-
verformt werden, daß die Patrone sich pander an. Das sind Aufweitstempel mit
nicht mehr in das Patronenlager einführen steigendem Durchmesser, welche den
läßt oder, falls dies "gerade noch" möglich Hülsenmund etwas stärker aufweiten als

393
den Hülsenhals, wodurch ein beschä- welchen Einfluß die vorausgegangene
digungs- bzw. deformationsfreies Ge- Hülsenbehandlungen und -belastungen
schoßsetzen ermöglicht wird. auf den richtigen Sitz und die richtige
Der aufmerksame Leser des Büchsen- Wirkung des Zündhütchens haben kön-
patronenteils stellt jetzt sicher die Frage nen. Nur so ist der ausreichende Hin-ter-
nach dem Entgraten des Hülsenmundes, grund für die Beschreibung eines einfachen
der normalerweise nach dem ersten mechanischen Vorgangs gegeben.
Kalibriervorgang notwendig wird. Die Was den Zeitpunkt im Arbeitsablauf
Frage ist berechtigt, beantwortet sich bei betrifft, so könnte das Zündhütchensetzen
näherem Betrachten des aufgeweiteten unmit-telbar nach dem Ausstoßen des
Hülsenmundes jedoch selbst: Letzterer alten Hütchens, unter Zuhilfenahme der
ist so aufgekelcht, daß nicht einmal ein in der Presse integrierten Setzvorrichtung,
weiches Bleigeschoß von einem etwaigen durchgeführt werden. Man wird dies aus
Hülsenmundgrat beschädigt werden
könnte. Der Vorgang des Hülsenmund-
entgratens ist deshalb bei Verwendung
des drei- oder vierteiligen Matrizensatzes
normalerweise nicht nötig, höchstens in
den seltenen Fällen, wo die Hülsenlängen
eines Loses egalisiert, d. h. gekürzt werden
mußten, was die Entfernung des entstan-
denen Hülsenmundgrates notwendig
macht. Selbstredend müssen alle mit
zweiteiligen Matrizensätzen bearbeiteten
Kurzpatronenhülsen vor der ersten Wie-
derladung und nach jedem Kürzvorgang
entgratet werden, wobei auch hier das
letztere zu den wirklichen Ausnahmen
gehört, da alle Kurzpatronenhülsen bei
weitem nicht so "längen" wie die
Büchsenpatronenhülsen.
Magazinieren mit RWS-Zündhütchen aus
Wendeschale.

3. Zündhütchen setzen den schon erwähnten Gründen nicht tun,


weil dann eine Säuberung und Kontrolle
Nach den verschiedenen Vorarbeiten an von Zündglocke und Zündloch nicht mögl-
der Grundkomponente Hülse wird die ich wäre. Entgegen den Gerätebeschrei-
zweite Komponente, das Zündhütchen, bungen mancher Fabrikate ist der zweck-
in das Spiel gebracht. Das Setzen des mäßigste Zeitpunkt für das Setzen der
Zündhütchens ist ein ganz simpler Vor- wichtigen Komponente Zündhütchen dann
gang, der rasch beschrieben werden gegeben, wenn die Hülse fertig vorbereitet
könnte, aber damit wäre dem Wiederlader wurde. Sie ist also kalibriert, aufgeweitet,
nicht viel geholfen. Es kommt vielmehr das alte Zündhütchen wurde entfernt und
darauf an, zu welchem Zeitpunkt des Ar- Zündglocke sowie Zündloch gesäubert.
beitsablaufs der zweckmäßigste Moment Selbstredend kommt keine Hülse zur wei-
des Zündhütchensetzens eintritt; welche teren Verarbeitung, die auch nur den klein-
physikalischen Gegebenheiten beachtet sten Hülsenmundriß aufweist oder bei
werden müssen, welche Auswirkungen der beim Ausstoßen des verbrauchten
ihre Nichtbeachtung haben kann, und Zündhütchens eine ausgeblasene Zünd-

394
glocke registriert wurde (das Zündhütchen erhalten bleiben, läßt sich das neue Zünd-
fiel "fast von selbst" heraus bzw. war nicht hütchen mit geringer Kraftaufwendung in
mehr vorhanden, weil es sich um eine die Zündglocke pressen. Dieser Ausdruck
"Rück- oder Ausbläserhülse" handelte). ist zwar technisch richtig, könnte aber
Verstopfte Zündlöcher können die An- einen etwas verkehrten Eindruck ver-
zündung der Pulverladung ganz verhin- mitteln: Es wird mehr mit "Gefühl" als mit
dern (Versager) oder nur unvollständig Kraft gearbeitet, wenngleich es vor allem
gestatten (Nachbrenner, Versager): stark beim Anfänger oftmals am Gefühl mangelt.
verkrustete Zündglocken können zu Be- Brachialgewalt ist jedoch fehl am Platze
einträchtigungen des richtigen Sitzes des und rächt sich immer in schlechter
neuen Zündhütchens führen, was sich Präzision. Das kommt daher, weil durch
wiederum in nicht gleichmäßiger Anzün- allzu rohes Einpressen des Zündhütchens
dung und damit mangelnder Präzision die Setztiefe (Rückstand) unnötig vertieft
auswirken kann. Bei Vorliegen bestimmter wird, was sogar zu Versagern führen
chemischer Umstände kann der als Asche könnte. Die Gründe für solche Versager
zurückgebliebene Zünd-satzrest des alten oder unregelmäßige Anzündungen
Zündhütchens in der Reaktion mit aggres- kommen einmal daher, daß der Schlag-
siven Luftbestandteilen sogar den neuen bolzenvorstand nicht mehr ausreicht und
Zündsatz deaktivieren. Während bei der zum anderen von der Tatsache, daß der
Fertigung von Werksladungen das Zünd- Zündsatz unter dem Druck des Setz-
hütchen oftkraftschlüssig unddurch Ring- stempelszerbröckelte und deswegen nicht
oder Stichkneifung zusätzlich formschlüs- mehr voll aktionsfähig sein kann. Richtig
sig eingesetzt und damit ausblassicher eingesetzt ist ein Zündhütchen dann, wenn
festgelegt wird, muß der Wiederlader mit es bei Einhaltung des vorgeschriebenen
der ausschließlich kraftschlüssigen Rückstandes nur mit den drei "Beinchen"
Methode auskommen. Dazu ist erfor- des Amboß' auf dem Boden der
derlich, daß der Zündhütchendurchmes- Zündglocke aufliegt. Das soeben Gesagte
ser geringfügig größer gehalten sein muß setzt natürlich voraus, daß die
als der Zündglockendurchmesser. Wurde Abmessungen von Zündglocke und
letzterer jedoch durch entsprechende Zündhütchen aufeinander abgestimmt
Hülsenbelastung (Gasdruck) erweitert, so sein müssen. Nur dann ist gewährleistet,
hält das Hütchen nicht oder nicht mehr daß die bei der Zündhütchenherstellung
ausreichend fest, was beim Schuß un- mitgegebene Garantie für gleichmäßige
weigerlich zu einem Rück- oder Ausbläser Anzündung eingehalten werden kann. Das
führen muß. Ganz abgesehen, daß solche Zündhütchen darf also nicht bis zum
Gewaltübungen nicht selten für Waffe und letzten Widerstand eingepreßt werden und
Schützen nachteilige Folgen haben: Der sollte nur auf den Beinchen des Amboß',
Schußleistung sind sie allemal abträglich. nicht auf dem Napfrand aufsitzen. Das
Jetzt wird klar, warum im Vorhergehenden richtige Maß des
des öfteren von gleichmäßiger Hülsen- Zündhütchenrückstandes hängt von der
belastung und großer Losbildung die Rede Zündglockengeometrie (im Zusammen-
war. Treten in einem beliebig großen, hang mit der Zündhütchenhöhe) und auch
genau auf Belastung kontrollierten Hül- von der Patrone bzw. Waffenart ab. Der
senlos solche Mängel gehäuft auf, so ist Wiederlader kann, da ihm die entsprech-
es um der Sicherheit und Leistung willen enden Meßgeräte fehlen, auf eine
besser, das gesamte, nun abverbrauchte einfache Überprüfungsmethode zurück-
Los zum Altmetall zu werfen. Bei noch greifen: Fällt etwas Licht zwischen dem
intakten Zündglocken, welche z. B. bei Zündhütchen und einer über den Hülsen-
den relativ milden Sportladungen auch boden gehaltenen, scharfen Kante durch,
bei sehr hohen Schußbelastungen z.B. wenn man die Kante der Schieblehre
über

395
die Hülse legt und beides gegen das Licht malt sich die Sorte bzw. Kennzeichnung
hält, so ist die ausreichende Einsetztiefe auf einen Aufkleber, der andere läßt die
des Zündhütchens gegeben. Wer sich Schachtel beim Gerät liegen usw.. Auf
eine Rückstandslehre zulegt oder anfer- jeden Fall ist eine Vormerkung der im
tigen will, dem sei der Tip gegeben, sich Gerät befindlichen Zündhütchen immer
das entsprechende Rückstandsmaß von dann angebracht, wenn sich noch andere
Werksladungen abzunehmen. Natürlich Zündhütchen derselben Größe in Ge-
darf das Zündhütchen nicht über den brauch befinden und diese nicht durch die
Hülsenboden herausragen: Versager oder ldentifizierungsfarbe der Abdeckfolie bzw.
vorzeitig beim Schließen der Waffe brech- des Zündsatzes zugeordnet werden
ende Schüsse wären zu befürchten. Beide können.
Möglichkeiten würden nicht unbedingt für Genau das gleiche gilt auch bei Ver-
den Schützen und Wiederlader bzw. für wendung handgehaltener Zündhütchen-
das Wiederladen schlechthin sprechen, setzer mit Magazin.
wenn dergleichen vor Zeugen und Zu- Neben den schon angesprochenen Ge-
schauern passierte! räten mit Zündhütchenmagazin (stationär
Damit soll nicht etwa suggeriert werden, und handgehalten) gibt es noch ein kleines
daß das Zündhütchensetzen eine schwie- Setzgerät, welches trotz seiner Einfachheit
rige Tätigkeit sei. Es muß nur richtig durch- zu den besten und auch billigsten des
geführt sein, ganz gleich, ob in der Presse Marktes zählt. Es wird mit auswechsel-
oder mit separaten Spezialgeräten, welche baren Hülsenhaltern geliefert, dazu kom-
vorzugsweise verwendet werden sollten. men zwei Setzstempel mit dem Durch-
Es gibt die auf der Ladebank stationär messer der gängigen Zündhütchen-
befestigten, meist mit Magazinrohren ver- größen 4,45 mm und 5,33 mm. Die Be-
sehenen, "halbautomatischen" Zünd- dienung ist denkbar einfach: Zündhütchen
hütchensetzgeräte. Damit lassen sich mit der offenen Seite nach oben in das
mühelos und präzise einige hundert Gerät einlegen, Hülse in den Hülsenhalter
Hülsen in der Stunde mit Zündhütchen schieben, Zündhütchen mit Daumendruck
versehen, ohne daß die Genauigkeit dar- auf den entsprechenden Hebel setzen.
unter leiden muß. Selbstredend ist ein Natürlich kann die Zündhütcheneinsetz-
exakt passender Hülsenhalter erforderlich tiefe durch eine Justierschraube reguliert
bzw. eine genaue Justierung der Hülsen- und mit Hilfe z.B. eines Klebstreifens
halterbacken, sofern es sich um ein Gerät reproduzierbar gemacht werden. Das
mit einem Universal-Hülsenhalter handelt. kleine Gerät arbeitet mit soviel "Gefühl"
Die Arbeit mit den Zündhütchenmaga- (zumindest dann, wenn der Operateur ein
zinen setzt Genauigkeit des Wiederladers solches besitzt), daß sogar der Widerstand
voraus, was die Kennzeichnung der spürbar ist, wenn die Ambo ßfüßchen auf
Zündhütchensorte betrifft: Befinden sich dem Zündglockenboden aufsitzen, und
nämlich Reste von Zündhütchen im Maga- dann sitzt das Zündhütchen richtig.
zin und wird die Arbeit unterbrochen, Alle handelsüblichen Pressen sind mit
vielleicht für Monate, so weiß man später einer integrierten Zündhütchensetzvor-
wahrscheinlich nicht mehr, welche Zünd- richtung ausgestattet oder zumindest
hütchen damals eingefüllt wurden. Um dafür vorgesehen. Diese besteht im
sich nicht der Gefahr von Verwechslungen wesentlichen aus einem Setzstempelarm
auszusetzen, bleibt nichts anders übrig, mit auswechselbaren Setzstempeln für
als die Hütchen zu vernichten, sofern große und kleine Hütchen, sowie aus
man nicht vorher auf geeignete Weise einer Zündhütchenzuführung, die das
eine Kennzeichnung am Gerät vorge- Ganze "halbautomatisch" machen soll.
nommen hatte. Wie dies gemacht wird, Leider gibt es aber auch Geräte, die den
bleibt dem Schützen überlassen: Der eine Wiederlader mehr Zeit verzetteln als Zeit

396
gewinnen lassen, so daß man sich des
"Halbautomaten" nur bedienen sollte,
wenn er wirklich reibungslos funktioniert.
Ansonsten ist es besser, die Zündhütchen
einzeln von Hand aufzulegen. Der
Arbeitsgang ist folgender: Die Hülse
befindet sich im Hülsenhalter der Presse
auf dem oberen "Totpunkt". Das mit dem
Hütchen bestückte, oben am Setz-
stempelarm sitzende Setznäpfchen wird
in die entsprechende Ausnehmung der
Triebstange gedrückt und diese durch
eine Aufwärtsbewegung des Pressen-
hebels nach unten gefahren. Dadurch
"stülpt" sich die Hülse bzw. die Zündglocke
über das jetzt festliegende Zündhütchen; Zündhütchensetzer nach vorne drücken.
die richtige Einsetztiefe kann mit einer
Klemmschraube durch Verstellen des
Setzstempels eingestellt werden. Eine
Aufwärtsbewegung der Triebstange gibt
den unter leichtem Federdruck stehenden
Setzstempelarm wieder frei und die "be-
kapselte" Hülse kann dem Hülsenhalter
entnommen werden. Ein routinemäßiges
Befühlen mit dem Zeigefinger beweist die
richtige Einsetztiefe bzw. die Tatsache,
daß das Zündhütchen mindestens plan
oder besser etwas unterhalb des Hülsen-
bodens sitzt.
Sollte trotz richtigen Einlegens des Hüt-
chens in den Setznapf dieses plötzlich
verkehrt, also mit der offenen Seite nach
außen im Hülsenboden sitzen, so ist das Arbeitsstempel nach unten fahren und
Zündhütchen setzen.

bei manchen Geräten leider keine Aus-


nahme: Hier passen Hülsenhalter und
Setzstempel nicht zusammen; das unter
Federdruck stehende Setznäpfchen hängt
oder hakt, was das Zündhütchen zum
"Springen" oder Verkanten bringt. Abhilfe
kann nur durch Beseitigung des Spiels,
aufeinander Abstimmen von Hülsenhal-
terbohrung und Setzstempel und Beseiti-
gung eventuell vorhandener Grate ge-
schaffen werden. Bei Häufung solcher
Vorkommnisse sollte man gleich auf
die externe Zündhütchen-Setzmethode
Arbeitsstempel hochfahren und Zündhütchen mit den stationären oder handgehal-
aus Magazinrohr abholen. tenen Spezialgeräten übergehen und die

397
integrierte Setzvorrichtung an der Presse Zündungsart bekanntermaßen einen fest-
demontieren. Sie wäre dann nur im Wege. stehenden Teil der Hülse bildet. Diese
Die negativen Bemerkungen über die an Bemerkung sollte aber nicht als Bevor-
der Presse angebrachten Zündhütchen- zugung der arbeitsaufwendigeren und
Setzvorrichtungen soll übrigens kein Pau- letztlich veralteten Berdanhülsen gelesen
schalurteil über alle Geräte sein sondern werden, sondern als Hinweis für die not-
nur zeigen, was in keiner Bedienungsan- wendig saubere Verarbeitung der Boxer-
leitung steht und was alles auftreten kann. zündhütchen, welche einen sehr großen,
Natürlich gibt es auch Setzvorrichtungen meist unterschätzten Einfluß auf die
an Pressen, welche jahrelang zur Zufrie- Schußleistung der Patrone ausübt.
denheit ihres Meisters arbeiten und die
Anschaffung eines Spezialgerätes über-
flüssig machen. 4. Pulver einfüllen
Davorhin von den verkehrt oder verkantet
gesetzten Zündhütchen die Rede war, Es ist zweckmäßig, bis zum gleichlauten-
hier ein Hinweis auf die weitere Be- den Kapitel des Büchsenpatronenteils
handlung der Hülse: Diese muß mitsamt zurückzublättern, wo das Wesentliche be-
dem verkehrten Zündhütchen nochmals reits ausführlich erklärt wird, z. B. Geräte
durch den gesamten Kalibrier- und Zünd- und Dosiermethoden. Da letztere aber
hütchenausstoß-Kreislauf; beim Ausstos- etwas abweichen, wenn ausschließlich
sen sollte man besondere Vorsicht walten Kurzpatronen gefüllt werden sollen, ist
lassen, da es bisweilen zu einer vorzei- der folgende Abschnitt als Ergänzung zu
tigen Detonation des malträtierten Hüt- lesen.
chens kommen kann. Ein einfaches Während bei den Büchsenpatronen der
"Schutzschild" aus Holz und die beim Arbeitsablauf "Grobdosieren, Feindo-
Wiederladen allgemein empfohlene sieren, Wiegen" die Regel sein sollte,
Schutzbrille sollten Gesicht und Augen kann beim Befüllen von Munition für Pistole
schützen. Ein auf diese Weise "wiederge- und Revolver die Methode"Justieren,
wonnenes" Zündhütchen darf nicht mehr Dosieren, Überprüfen" als Regelablauf
verwendet werden, selbst wenn es äu ßer- gelten. Darunter versteht der Wiederlader
lich unbeschädigt scheint. Wie weiter oben die Pulververarbeitung mit Hilfe eines
schon bemerkt, kann der Zündmecha- genau arbeitenden Dosiergeräts für Kurz-
nismus nur bei beschädigungsfreiem patronenladungen (separater Einsatz),
Setzen gewährleistet sein. welches mit einer guten Waage eingestellt
Manche Hülsen verlangen nach Berdan-
zündhütchen, welche einen anderen
Durchmesser als die Boxerhütchen auf-
weisen (4,5 zu 4,45 und 5,5 zu 5,33 mm).
Zum Setzen dieser Berdanhütchen sind
spezielle Setzstempel erforderlich; zudem
ist wie bei den Amboßhütchen darauf zu
achten, daß nicht bis zum letzten Wider-
stand eingepreßt wird. Es genügt, wenn
der Boden des Hütchens leicht unter dem
Hülsenboden liegt, selbst wenn der Napf
noch nicht in der Zündglocke aufsitzen
sollte. Insgesamt gesehen ist die Behand-
lung und Verarbeitung der Berdanhütchen
nicht so kritisch wie die von Amboßzünd-
hütchen, da der Amboß bei dieser Pulver dosieren.

398
(justiert) und periodisch, z. B. nach jeder der Drehkopfpresse oder in einem sepa-
10. oder 20. Schüttung, mit der Waage raten Ständer sitzt. Man nimmt jetzt eine
überprüft wird. Der Feindosierer, wie er Hülse, füllt sie und stellt sie in das rechts
zur Arbeitserleichterung beim Verladen vom Dosiergerät befindliche zweite Lade-
von Büchsenpatronen gerne verwendet brett. Bei dieser Arbeit "über das Gerät"
wird, kommt nur in Sonderfällen zum Ein- hat man eine genaue Kontrolle und ist
satz, z. B. beim Verladen schwer dosier- gegen Doppel- oder Fehlbefüllungen ge-
barer Pulversorten, welche gewogen feit. Manche Wiederlader stellen die leeren
werden sollten. In den vorangegangenen Hülsen im Ausgangsladebrett auf den
Ab-schnitten war vom "geschlossenen" Hülsenmund, was als "Kontrolle der Kon-
und "offenen" Arbeitsablauf beim Verladen trolle" die nochmalige Überprüfung des
von Kurzpatronen in der Drehkopfpresse Zündhütchens ermöglicht und zudem das
die Rede. Beim geschlossenen, nicht so Vorhandensein irgendwelcher Fremd-
zu empfehlenden Ablauf erfolgt die Pulver- körper, z. B. nach längerer Lagerzeit vor-
füllung unmittelbar nach den Takten Kali- bereiteter Hülsen, verhindert. Hat man
brieren, Aufweiten, Zündhütchen aus- eine Ladebrett abgefertigt, so erfolgt unter
stoßen und Zündhütchen setzen, und zwar einer geeigneten Lichtquelle (notfalls
meist in der Presse, ohne daß die Hülse Taschenlampe) die genaue Sichtkontrolle
aus dem Hülsenhaltergenommen werden der gefüllten Hülsen, indem man diese,
muß. Das Dosiergerät ist dabei in eine der Reihe für Reihe, durchgeht und unter-
Aufnahmebohrungen des Drehkopfs ein- einander auf die Schütthöhe kontrolliert.
geschraubt; die Hülse wird mit einer Das klingt nach Pedanterie, ist aber nichts
Abwärtsbewegung des Pressenhebels anderes als ein letztes Sich-Vergewissern
hochgefahren, der Bediengriff des Dosier- und schafft psychologisch begründet zu-
gerätes betätigt und die Pulverladung läuft sätzliches Vertrauen in die Qualität und
über die Auslauftülle des Geräts in die Leistung der selbstgefertigten Patrone.
Hülse. Unmittelbar danach erfolgt das Überdies ist ein bißchen "mehr" an Kon-
Geschoßsetzen, wozu lediglich der Dreh- trolle immer besser als ein "zuwenig".
kopf weitergedreht und die Setzmatrize Nachdem die Patronen eines Ladebretts
über die Hülse gebracht werden muß. überprüft wurden, kommen wir am besten
Aus der Beschreibung wird ersichtlich, gleich zum Setzen des Geschosses. Das
daß keine visuelle Überprüfung der hat den Vorteil, daß die Hülsen sicher
Pulverladung in der Hülse stattfinden kann gegen Umwerfen und Auslaufen bzw.
- es sei denn, man nimmt die Hülse nach gegen eventuell hineinfallende Fremd-
jedem Füllvorgang aus dem Hülsenhalter. körper sind. Das eigentliche Geschoß-
Abgesehen davon, daß dann ein Vergleich setzen in der Presse erfolgt nach dem
zu anderen, bereits befüllten Hülsen fehlt, Pulvereinfüllen sämtlicher Hülsen eines
ist die soeben erwähnte Modifizierung Loses. Eine gewisse Arbeitserleichterung
des "geschlossenen" Arbeitsablaufes und einen Zeitgewinn kann man mit der
zeitaufwendiger als die nachfolgend be- Methode erzielen, die es gestattet, die
schriebene Methode, die schon als "offen- Hülsen im Ladebrett stehen zu lassen.
er Arbeitsablauf" erwähnt wurde. Dazu nimmt man das Ladebrett in die
Dazu befinden sich die Hülsen, an denen eine Hand, hält die Hülsen Reihe für Reihe
die Ladetakte einschließlich Zündhütchen- unter die Auslauftülle des Dosiergeräts
setzen bereits durchgeführt sind, in einem und bedient mit der andren Hand den
Ladebrett links des Dosiergeräts, welches Hebel. Man muß dabei aber aufpassen,
schon vorher mit der Waage auf die ent- daß keine Hülse doppelt gefüllt wird: Selbst
sprechende Ladung justiert worden war. leichte Scheibenladungen können, zwei-
Es spielt dabei keine Rolle, ob das mal verladen, die teure Waffe zu Schrott
Dosiergerät in einer Aufnahmebohrung sprengen. Systematisches Arbeiten hilft

399
hier viel, unterstützt durch Mitzählen und Axialität eines Büchsenpatronen-Ge-
natürlich genaueste visuelle Kontrolle schosses beizumessen, aber im Prinzip
unter einer guten Lichtquelle. Daß nicht ist kein Unterschied zwischen der Funktion
nur die Doppelbefüllung nachteilig ist, der Patronenarten zu finden: Schief oder
wurde schon erwähnt: Auch eine Nicht- verkantet eingesetzte Geschosse bringen
befüllung kann das Ergebnis eines ganzen weder aus der Büchse noch aus der
Schießtages vermiesen. Die Kontrolle der Kurzwaffe Präzision.
Befüllungen dient sowohl zur Entdeckung
von "Nicht" oder "Doppelt", als auch der
Überprüfung von Regelmäßigkeit und
Funktion des Gerätes. Ein im Dosiergerät
vorhandener Fremdkörper kann stark un-
terschiedlich geworfene Ladungen verur-
sachen, ohne daß dies bei den Waage-
überprüfungen, die alle 10 oder 20 Fül-
lungen vorgenommen werden sollen, au-
genscheinlich werden muß. Abschlies-
send sei noch die älteste Pulverbefüllung,
die mit dem Schöpfmaß, erwähnt. Sie
wird in den Arbeitsanleitungen für die
kleinen Hammerschlaggeräte beschrie-
ben und dient zum Laborieren lediglich
schwacher bis mittlerer Ladungen. Darauf
sollte sie unbedingt beschränkt bleiben, Geschoß setzen.
da sie, in den oberen Ladedichten zu
unsicher, niemals die Genauigkeit eines Richtiges Geschoßsetzen beginnt bereits
modernen Dosiergerätes oder einer beim Vorsetzen des Projektils von Hand
Waage haben kann. und damit indirekt beim Aufweiten des
Hülsenmundes. Wurde dieses richtig
durchgeführt, so läßt sich jetzt jedes
5. Geschoß setzen beliebige Geschoß ohne viel Umstände
einige Millimetertief einsetzen, ohne dabei
Das Geschoß setzen ist nicht nur die zu "kippen". Der Arbeitsgang ist einfach:
letzte Arbeit des Ladevorgangs, sondern Die bis dahin noch in der Werksver-
auch die von nahezu allen Wiederladern packung belassenen Geschosse werden
am liebsten durchgeführte, weil nach dem in die im vollen Ladebrett vordem Wieder-
Setzen des Geschosses das Wiederlader- lader stehenden Hülsen vorsichtig vorge-
ziel "handgeladene Patrone" endlich sicht- setzt, bis alle Hülsen des Ladebretts
und greifbare Form annimmt. Dem Ge- abgefertigt sind. Ob man dies bedächtig
schoßsetzen kommt hinsichtlich der künfti- mit nur einer Hand macht oder gleichzeitig
gen Präzision eine größere Bedeutung zu mit zwei Händen, wie besonders rationell
als gemeinhin vermutet. Es kommt darauf arbeitende Experten glauben raten zu
an, das Geschoß möglichst axial in die müssen, bleibt dem Schützen überlassen.
Hülse zu setzen, was bei vorausgesetztem Allerdings gilt hier wie überall der
Übereinstimmen von Patronenlager und Grundsatz, daß die Sicherheit und die
Laufachse erst die Grundvorausetzung Präzision vor der Arbeitsgeschwindigkeit
für eine präzise Munition ist. Es fällt zwar Vorrang hat.
auf den ersten Blick etwas schwer, der Der Inhalt des so bearbeiteten Ladebretts
genauen Axialität des Kurzpatronen- kommt nun zum eigentlichen Setzvor-
Geschosses die Bedeutung der genauen gang. Die Setzmatrize ist bereits justiert,

400
indem eine Hülse in den Hülsenhalter der geringfügig größere Geschwindigkeit,
Presse gestellt und diese auf den oberen immer aber einen höheren, bisweilen sehr
Punkt des Pressenhubs hochgefahren viel höheren, oft auch gefährlich höheren
wurde. Darauf wird die Setzmatrize mit Gasdruck. Zu große Patronenlängen lie-
ganz herausgeschraubtem Setzstempel gen zwar im Gasdruck etwas niedriger als
so weit heruntergedreht, daß die in der die Patronen der Normlänge, weisen aber
Matrize befindliche Bördelschulter auf dem auch eine niedrigere Mündungsgeschwin-
Hülsenmund aufsitzt. In dieser Stellung digkeit auf und führen oft zu spezifischen
wird die Feststellschraube der Matrize Funktionsstörungen. Bei der Pistole
gekontert, nachdem sie um etwa eine äußern sich diese in Schwierigkeiten bei
Achtelumdrehung zurückgedreht worden der Zuführung, sofern die überlange
ist. Man kann es sich je nach Matrizen- Patrone überhaupt magaziniert werden
fabrikat aber auch einfacher machen, kann; beim Revolver ragen überlang ge-
indem man die Setzmatrize so weit ein- setzte Geschosse manchmal vorne aus
schraubt, bis zwischen dem Hülsenhalter der Trommel, was diese natürlich blockiert.
und dem unteren Matrizenrand ein Spalt Einhaltung der richtigen Patronenlänge
von der Stärke etwa eines Fünfzig- ist also eine der wichtigsten Aufgaben
Pfennig-Stücks bleibt. Auf jeden Fall darf beim Geschoßsetzen. Bei den verschie-
die Hülse beim anschließenden denen Wadcutterlaborierungen bedeutet
Setzvorgang keine Spur einer Bördelung die angegebene Patronenlänge gleich-
zeigen. Gleichzeitig Geschoßsetzen und zeitig die Hülsenlänge, weil das Wad-
Bördeln ist zwar möglich und wird von cuttergeschoß bekanntlich nicht aus der
besonders Eiligen in besonders aus- Hülse ragt. Von dieser Grundregel gibt es
geführten Setzmatrizen (sog. "Speed- Ausnahmen, welche waffen- und ge-
Dies") auch praktiziert, bringt aber niemals schoßbezogen zu sehen sind: Geringfü-
die gute Schußleistung, um deren willen gige Veränderungen der Geschoßeinsetz-
sich der Wiederlader Arbeit macht. Nach tiefe bei den gasdruckschwachen Schei-
dem Grundjustieren des Matrizenkörpers benladungen sind dann möglich, wenn
erfolgt nun die Einstellung des Setz- durch Variationen merkliche Verbesser-
stempels, was am einfachsten mit Hilfe ungen der Schu ßleistung festgestellt wer-
einer Blindpatrone geschieht, wobei der den können. Dabei ist sowohl ein gering-
Setzstempel einfach bis zur Überwindung fügiges Tiefersetzen des Geschosses
des leichten Widerstandes des Gewinde- unter den Hülsenmund möglich als auch
spiels der Matrize auf die Blindpatrone ein leichtes Heraussetzen, was in Pistolen
niedergeschraubt wird. Selbstredend muß Vorteile bringen kann. Nach dem Setzen
die Blindpatrone mit dem selben Geschoß der Geschosse folgt nun der Bördelvor-
versehen sein, was jetzt zum Verladen gang, sofern er notwendig ist: Wie vorher
kommt. Nach dem Setzen der ersten Ge- schon erwähnt, werden bei Anwendung
schosse, was durch Einsetzen der vorge- zweiteiliger Matrizensätze die Geschosse
setzten Hülsen in den Hülsenhalter und auch ohne vorheriges Aufweiten und spä-
Hochfahren bis zum oberen Totpunkt teres Bördeln gesetzt, so daß dies nur bei
durchgeführt wird, folgt eine Überprüfung den drei- bzw. vierteiligen Matrizensätzen
der erzielten Gesamtpatronenlänge, die notwendig wird. Es werden bei den soge-
genau mit der in der Ladetabelle angege- nannten Hülsenmundanliegern normaler-
benen übereinstimmen muß. Unterschied- weise keine weiteren Ladegänge mehr
liche Patronenlängen führen zu unter- durchgeführt, weil die Hülsen dieser
schiedlichen innenballistischen Abläufen Patronen (z. B. 9 mm Luger) den Ver-
und fast immer zu Präzisionsverlust. Zu schlu ßabstand über den Hülsenmund
kleine Patronenlängen ergeben im bilden und bei Verkürzung des Verschluss-
Vergleich zur Normallänge manchmal eine abstandes durch irgendeine Bördelart

401
Versager oder Hülsenreißer vorkommen muß, um die Bördelmatrize über die Hülse
können. Bördeln (Kneifen, "Crimpen") ist bringen zu können; man kann aber auch
angebracht bei Patronen mit starken La- ein volles Ladebrett nur mit der Setz-
dungen, vornehmlich Revolverpatronen; matrize und später dann mit der Bördel-
vor allem aber bei den starken Revolver- matrize bearbeiten. Ähnlich wird man beim
Magnumladungen. Bei den Scheibenpa- dreiteiligen Satz verfahren: Zuerst alle
tronen ist der konische Bördel (Taper- Geschosse setzen und die Patronen
Crimp) vorteilhaft, während Magnumpa- wieder in das Ladebrett zurückstellen.
tronen oder -ladungen mit einem starken Dann den Geschoßsetzstempel zurück-
Rollbördel gesichert werden müssen, schrauben, die Konterschraube der Setz-
damit das Geschoß hält und die Ladung matrize lösen und diese über einer
die gewünschte Leistung erbringt. Der Musterpatrone so weit herunterdrehen,
starke Verdämmungseffekt ist vor allem bis die Patrone eine saubere Kneifung
bei den langsamen Pulvern nötig. Wenn aufweist. Nach dem Kontern der Matrize
das Geschoß keine Kneifrille aufweist und und nochmaliger Überprüfung erfolgt der
nicht kraftschlüssig hält, weil es sehr tief Bördelvorgang wiederum an allen
gesetzt werden muß, kann durch Verwen- Patronen des Hülsenbrettes bzw. des
dung einer Konusmatrize Abhilfe geschaf- Hülsenloses.
fen werden. Beanspruchte Hülsen zeigen oft erst nach
Vierteilige Matrizensätze haben meistens dem Bördelvorgang Hülsenmundrisse, be-
eine Setzmatrize ohne Bördelschulter, sonders nach Anlegen eines starken Roll-
während die vierte Matrize als "Taper- bördels. Solche Patronen sind auf jeden
crimp-Die" ausgelegt ist, d. h. einen ko- Fall auszuscheiden, da ein Verschießen
nischen Bördel anlegt. In der Drehkopf- keineswegs anzuraten ist: Durch die Ver-
presse kann man Setz- und Bördelvorgang ringerung des Auszugswiderstandes brin-
entweder nacheinander an der einzelnen gen vor allem starke Gebrauchsladungen
Patrone durchführen, wobei man nach keine Leistung, meist verbrennt das Pulver
dem Setzvorgang den Drehkopf bewegen nur unvollständig und hinterläßt Rück-
stände im Lauf. Da der Ausschu ßquotient
bei Beachtung der eingangs zur Los-
bildung und Hülsenvorbereitung gemach-
ten Bemerkungen und Empfehlungen sehr
niedrig liegt, wird dem qualitätsbewußten
Wiederlader eine Aussonderung solcher-
art beschädigter Patronen nicht schwer
fallen. Von einer Delaborierung mangel-
haft ausgefallener Patronen ist abzuraten.
Die Wiederverwendung der Komponenten
ist immer mit Nachteilen behaftet und
darüber hinaus nach den Bestimmungen
der Sprengstoff-Gesetzgebung verboten.
Der Setzvorgang bzw. der Bördelvorgang
schließen die Ladetakte ab. Wir haben
endlich die fertige Patrone in der Hand.
Bevor nun die "Generalprobe" auf dem
Schießstand stattfindet, noch einige Sätze
zu den oft etwas vernachlässigten ab-
schließenden Arbeiten, die aber genauso
zum Wiederladen gehören wie die vorher
Drehkopfpresse. besprochenen.

402
6. Verpacken, Kennzeichnen, Dosierbuchse oder der Einstellung des
Erfolgskontrolle Dosiergerätes.
Nach dem Verpacken und Kennzeichnen
folgt die erste Funktionskontrolle, nämlich
Zu diesen Tätigkeiten wurden bereits im das "Trockenladen" in der Waffe. Daß bei
Büchsenpatronenteil einige Hinweise ge- der Überprüfung der Ladefähigkeit alle
geben, was zum Zurückblättern anregen Sicherheitsvorkehrungen getroffen wer-
soll. Die Verpackung von Munition für den, ist selbstverständlich.
Pistole und Revolver wird man zweck- Der nächste Schritt der Funktionskontrolle
mäßig in 50er Schachteln durchführen, ist die Schu ßleistungsüberprüfung, sofern
wozu sich die handelsüblichen Plastik- es sich bei dem zu prüfenden Fertigungs-
schachteln mit Klapp- oder Stülpdeckel los nicht um eine bereits bewährte, in der
gut anbieten. Der Fachhandel hält hier eigenen Waffe mit gleichen Komponenten
eine reiche Auswahl bereit. Nicht zweck- ermittelte Ladung handelt. Wie bei den
mäßig sind die verschiedenen, buntge- Patronenbeschreibungen erwähnt, stellen
mischten Verpackungen werksgeladener die dort gegebenen Empfehlungen erprob-
Munition. Abgesehen davon, daß diese te, zuverlässige Ladungen dar. Voraus-
schon nach kurzer Zeit schmuddelig wer- setzung für eine größere Wiederladeserie
den, bezeichnet die gedruckte Aufschrift sollte aber eine in der eigenen Waffe
den vom Wiederlader hineingesteckten ermittelte, im Rahmen der Empfehlung
Inhalt selten richtig. Das Beschriften von liegende Laborierung sein, welche, auf
Patronenpackungen aller Art ist immer die Waffe und Belange des Schützen
dann notwendig, wenn mehr als eine zugeschnitten, die Anforderungen erfüllt.
Laborierung verladen und verschossen
wird und wenn mehrere Waffen versorgt
werden sollen.
Was für die Reproduzierbarkeit oder Iden-
tifizierung der Ladung erforderlich ist, muß
in der Beschriftung ausgeführt sein. Dies
kann am besten durch ein Beispiel darge-
stellt werden:
9 mm Luger / RWS 4031 / 0,330 g / 5.1 gr.
Rottweil P 803 Los "xy" / GECO VMR 8,0
g / 29,3 mm / 3 x / 360 m/s / 65 mm /
Datum.
Das bedeutet, daß die Patrone 9 mm
Luger mit dem Zündhütchen RWS 4031
und so und soviel Pulver der Sorte P 803,
Los so und so hinter dem 8,0 g schweren
VMR von GECO mit einer Patronenlänge
von 29,3 mm dreimal verladen ist und bei
den Probebeschüssen eine Mündungsge-
schwindigkeit von so und soviel Meterse-
kunden bzw. aus der Schießmaschine
einen Streukreisdurchmesser von sound-
soviel Millimeter auf 25 m erbrachte und
am (Datum) gefertigt wurde. Die Lei-
stungsangaben können natürlich
entfallen; ergänzt werden kann die Angabe
nach Belieben, etwa mit der Nummer der

403
Orientierungsgraphik - Wiederladen von Kurzpatronen
(zylindrische oder schwach konische Hülse; normale oder Drehkopfpresse mit 3- bzw.
4teiligem Matrizensatz)

Geräte und Presse CLaborierungsdaten heraussuchen auch Hülsen- und Patronenmaße!


Komponenten vorbereiten

L
Hülsenhalter
Kalibriermatrize (ggf. Hartmetall) Matrizen (Kalibriermatrize sitzt am Hülsen-
Aufweitmatrize halter auf, Setzmatrize nicht[) Zündhütchen -
Geräte einstellen
Setzmatrize setzvorrichtung bestücken; Pulverdosierer
Bärdeimatrize (konisch oder rollbördel) justieren und mit Waage überprüfen.
Zünd h ütch ensetzvorric htu ng
Zündglockenreiniger
Waage mit Zange flachquetschen, Altmetall
Pulverdosiergerät
Schieblehre
Zange
Hülsen
Zündhütchen
Pulver
Geschosse
Delaborierungsgerät
C ;ii'brieren und ggf. Zündhütchen aus-
stoßen, je nach Matrizenfabrikat
(Kalibriermatrize Nr. 1)

Wichtige Regeln und


Hinweise beachten
Immer Ladebrett verwenden und stets
"über das Gerät" arbeiten. C Hülsenhals aufweiten und ggf. Zünd-
hütchen ausstoßen, je nach Matnzen-
. fabrikat (Aufweitmatrize Nr. 2)
Durch Aufweitung beschädigte Hülsen
unbrauchbar machen

Ordnung und Sauberke it am Arbeits-


platz; Führung der Ladekladde; Sicherheit
für Komponenten (Zündhütchen~

Zündhütchenausführung nochmals über-


prüfen (Verwechslung z. B. zwischen
~ ::~:::t:t~-.~=:~ ;
Magnum/Standard) Zündhütchen deshalb
Cüberprüfung des Zündhütchensitzes
immer in Ori.ginai-Packung belassen.

Zündhütchen zu hoch?
Zündhütchen nachdrücken

Sichtkontrolle, Ladung unter guter


Lichtquelle kontrollieren

Geschoßdurchmesser und -gewicht noch- .......________!Geschoß setzen (Setzmatrize Nr. 3)


mals überprüfen, Geschosse nur aus ~ ggf. bördeln
der Ori.ginai-Schachtel entnehme~
f Bördeln des Hülsenmundes
L (Matrize Nr. 4)

b: J
Patronenlänge messen. Ist die
vorgeschriebene Länge eingehalten?
~n Setzstempel nachjustieren
638

Funktionsbeschuß und ErmittlUng der


Leistung auf dem Schießstand.
~ Endkontrolle: Optische Über-
~prüfung und Ladefähigkeitskontrolle
nichtladefähige Patronen
sofort delaborieren!

L Verpacken, Beschriften