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Ein praktisches Handbuch für Jäger und Schützen

Kapitel 1
Allgemeines und Grundsätzliches zum Wiederladen

Vorwort................................................................................................Seite 03
Warum Wiederladen? .........................................................................Seite 05
Wiederladen und Mathematik .............................................................Seite 12
Wiederladen und Sicherheit................................................................Seite 14
Wiederladen und der Gesetzgeber.....................................................Seite 20
Wiederladen
Wiederiaden
Wiederladen
Wiederladen
Wiederiaden
Wiederladen
Wiederladen
riAw- 448,
Ein praktisches Handbuch
für Jäger und Schützen

Dynamit Nobel
© Copyright

RUAG Ammotec GmbH


Fürth, Deutschland

Unser Buch "Wiederladen" ist einschließlich


aller seiner Teile urheberrechtlich geschützt.
Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen
des Urheberrechtsgesetzes ist ohne unsere
Zustimmung unzulässig und strafbar. Das gilt
insbesondere für Vervielfältigungen, Über-
setzungen, Mikroverfilmungen und die Ein-
speicherung und Verarbeitung in elektronischen
Systemen.

NR. W&S

1. Auflage 1983
2. ergänzte Auflage 1985
3. bearbeitete Auflage 1988
4. ergänzte Auflage 1989
5. ergänzte und überarbeitete Auflage 1992
6. ergänzte und überarbeitete Auflage 1994
7. ergänzte und überarbeitete Auflage 1995
8. ergänzte und überarbeitete Auflage 1998
9. ergänzte und überarbeitete Auflage 2002

Printed in Germany

Technische Änderungen der abgebildeten und


beschriebenen Produkte oder Waren sind ohne
Vorankündigung vorbehalten.

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VORWORT
Die für frühere Ausgaben dieses Buches
Nach bescheidenen Wiederanfängen in den erarbeiteten Ladedaten haben in den meis-
späten 1950ern und frühen 1960ern nahm ten Fällen auch heute noch Gültigkeit. Wo
das Wiederladen von Jagd- und Sportmu- es angebracht erschien, weil neue Kompo-
nition in Europa und Deutschland erhebli- nenten zur Verfügung stehen oder diese in
ch zu und findet auch heute noch einen ihrer Technik geändert wurden oder weil
stetig wachsenden Freundeskreis. mit Einführung einer neuen Messtechnik
Die vorwiegend aus dem "Mutterland" des (Piezo-Quarz-Messmethode mit el.-mech.
Wiederladens, den USA, stammenden Wandler) sich die Grenzwerte änderten
Geräte sind überall zu haben und nicht und neufestgelegt wurden, haben wir Stich-
teuer. Die einschlägige Industrie kennt die proben durchgeführt und Korrekturen an-
Wünsche der deutschsprachigen Wieder- gebracht, ob die veröffentlichten Daten wei-
lader und versorgt auch europäische Kal- terhin bestehen bleiben können. Alle neu-
iber . Dagegen ist es um ausführliche Liter- en Erkenntnisse sind in dieses Buch einge-
atur über das Wiederladen in deutscher flossen. Man kann also davon ausgehen,
Sprache weiterhin relativ schwach bestellt. dass die Angaben sich auf den Stand von
Wir haben es uns deshalb zur Aufgabe Mitte 2002 beziehen.
gestellt, nicht nur die Komponenten aus In internationalen SI-Abkommen wurden
dem eigenen Programm auf dem Markt die technischen Maßbezeichnungen ein-
anzubieten, sondern auch in Bild und Schrift heitlich festgelegt. So ist das "bar" als Druck-
ausführlich auf die besondere Thematik einheit durch das Megapascal (MPa) ab-
des Wiederladens oder Handladens von gelöst und so gilt, während z.B. das Grain
Munition einzugehen. (gr) unstatthaft ist, nur noch das Gramm (g)
Insbesondere durch die Angebotspalette als Einheit für Masse ("Gewicht"). Da die
des ROTTWEIL-Pulvers wurde die Pub- alten Bezeichnungen "Bar und "Grain" aber
lizierung von Ladetabellen forciert. Das weit verbreitet sind, sollen sie vorerst in
vorliegende Buch enthält Hinweise auf diesem Buch belassen werden.
maximale und minimale Ladungen für fast
140 verschiedenen Kaliber von Büchsen-,
Pistolen- und Revolverpatronen sowie Ausdrücklich weisen wir auch an dieser
Schrotpatronen. Zigtausende Ladungen Stelle auf die Empfehlungen hin, die sich
wurden zur Ermittlung der Ladedaten herg- auf die Anwendung der Ladedaten
estellt und auf Geschwindigkeit sowie beziehen: Lassen Sie die unbedingt
Gasdruck geprüft.
erforderliche Sorgfalt beim Wiederladen
Um den Besitzern von ausgefallenen oder
nicht typisch europäischen Kalibern die von Munition allererste Priorität ge-
erforderlichen Hinweise geben zu können, nießen. Beginnen Sie vorsichtshalber
beschränkt sich der Inhalt dieses Buches immer mit der minimalen Ladeangabe
nicht nur auf RWS, Rottweil und GECO und wechseln Sie nie die angegebenen
Kaliber, sondern vermittelt auch Infor- Komponenten. Dann ist zuverlässig auch
mationen über solche Patronen, die nicht in Ihre Sicherheit gewährleistet.
unserer Verkaufspalette enthalten sind.
Wir wünschen Ihnen beim Studium und beim
Die neunte, ergänzte und stark überarbe- Gebrauch dieses Buches viel Freude und
itete Auflage von "Wiederladen" liegt vor daß Sie sich die Informationen daraus holen
Ihnen. Seit der Erstauflage des um- können, die Sie in anderer Wiederlade-
fassenden deutschsprachigen Standard- literatur gerade nicht gefunden haben.
werks haben wir zahlreiche Anregungen
und Hinweise aus dem Leserkreis erhalten,
RUAG Ammotec GmbH
für die wir uns an dieser Stelle ausdrücklich
bedanken wollen. Besonders gefreut hat
uns dabei, dass die Leser sachkundig und Fürth, im August 2002
uneingeschränkt positiv auf dieses Buch
reagierten und uns in unserem Bestreben
sehr unterstützten und anregten, unbedingt
auf dem begonnenen Wege weiterzuma-
chen.
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Warum Wiederladen?
Wer in diesem Buch blättert, wird wohl Wo setzt also der Wiederlader seine
seine festen Vorstellungen von den Kostenschere an? Lohnkosten, Betriebs-
Gründen für das Wiederladen haben, kosten und alles was beim Unternehmer
sonst hätte er sich nicht dafür interessiert. damit zusammenhängt, fallen weg, denn
Andererseits ist dies Buch vor allem als bei keinem Hobby wird der eigene Stun-
Anregung für Schützen und Jäger, als denverdienst zur Anrechnung gebracht.
"Einstieg"fürden potenziellen Wiederlader Die "sonstigen" Betriebskosten können
gedacht, dazu als Lektüre für den ein auf einen kleinen Anteil verringert werden,
wenig Zweifelnden, der noch fragt: "Soll sind z. T. schon geleistet, etwa für die
ich, oder soll ich nicht? Was kommt alles Hobbyraumeinrichtung. Was anrechenbar
auf mich zu? Und "rentiert" sich das über- bleibt, ist die Amortisation der Ausrüstung
haupt?" So wollen wir ein wenig Gründe (und, für besonders genaue, kaufmän-
sammeln und das ist leicht und schwierig nisch geschulte Rechner, die Verzinsung
zugleich: Leicht, weil wir nur einige alte von Gebühren und Vorauslagen). Eine
Hasen nach ihren Beweggründen fragen Verdienstspanne ist nicht vorgesehen, da
müssen; schwer, weil es, einem alten keine gewerbliche Nutzung erfolgt.
Spruch zufolge "soviel Gründe wie Wieder- Was aus den angesprochenen Bereichen
lader gibt"! übrigbleibt, ist die Amortisation der Aus-
Versuchen wir's also. rüstung, die aber bei der hohen Lebens-
dauer der verwendeten Geräte und der
doch recht günstigen Kaufpreise für das
vom Wiederlader verwendete Werkzeug,
Wiederladen spart Kosten bezogen auf die einzelnen Patronen, sehr
gering ist. Letzteres hängt natürlich wie-
"Das stimmt, denn meine selbstgeladene derum von der Anzahl der mit dem anzu-
9,3 x 64 kostet nur ein Drittel soviel wie rechnenden Gerät preislich in eine Bezie-
eine fabrikgeladene!" sagen die einen, hung gebrachten Patronen ab. Was im
aber: "Wenn er alle Kosten für die Sach- Klartext heißt, daß eine halbprogressive
kundeprüfung, die Gebühren, die Ausrü- Ladepresse, von einer Ladegemeinschaft
stung und die Verzinsung rechnet, so benützt und dementsprechend viel Pa-
bleibt ihm nichts mehr übrig!" sagen die tronen ausstoßend, sich wesentlich früher
anderen, die kühlen Rechner. Beide haben "bezahlt gemacht" hat, als eine luxuriöse
recht - nurdie ersteren "ein bißchen mehr"! Supereinrichtung eines Ein-Kaliber-Wie-
Warum das so ist, wird am Ende des derladers, der im Jahr nur wenige Dutzend
Kapitels klar sein. Patronen verschießt. Ist die Amortisie-
rungsphase erst einmal vorbei (wie lange
Zuerst sollte geklärt werden, wie die sie dauert, wird später in Beispielen
Ersparnis beim Wiederladen zustande- ersichtlich), arbeitet der Handlader mit
kommt. voller Einsparung, d. h. lediglich zum Preis
der Komponenten. Und selbst hier hat er
Ein Teil der Aufwendungen für eine Fabrik- einen großen Vorteil: Der Kostenfaktor
patrone sind die Lohn- und Betriebskosten Komponenten ist für Fabrik- und Handla-
sowie die Handelsspanne, wenn diese dung gleich (von der Handelsspanne
auch viel niedriger ist als gemeinhin einmal abgesehen, welche der Munitions-
angenommen. Andere Kostenfaktoren hersteller beim Verkauf loser Komponen-
sind die Aufwendungen für die Kompo- ten ansetzt), zumindest was Zündhütchen,
nenten bzw. deren Rohstoffe. Zündungen, Pulver, Zwischenmittel

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und Geschoß bzw. Schrot betrifft. Dage- Wegen der niedrigen Patronenpreise und
gen bleibt die Hülse für den Wiederlader der relativ geringen Einsparung (vor allem
kostenlos und deswegen ist es gar nicht beim Kal. 12) einerseits und der relativ
so absurd, wenn das Hülsenmessing hohen Kosten für die Progressivlade-
oftmals überschwenglich als "Wieder- geräte (Ausstoß bis 800 Patronen/Stunde)
ladergold" bezeichnet wird. andererseits ist die Amortisationszeit bei
Der anteilige Wert der Hülse ist immens den Schrotpatronen etwas lang. Allerdings
und ihr Wegwerfen kommt manchmal teu- haben schon etliche Wurftauben-Schüt-
rer als das Wiederladen! Die letzte Be- zen die Vorteile des Wiederladens erkannt.
hauptung ist wahr, so phantastisch sie Denn es ist nicht nur interessant, eine
auch klingt, kann man doch z. B. eine Spitzenpatronenkopie mit einigen Pfennig
Hülse .32 S&W lang, für etwa 50 % ihres Einsparung zu schießen, sondern auch
Ladenpreises wiederladen. spezielle Ladungen anfertigen zu können.
Der Gestehungspreis für eine Handladung
setzt sich also zusammen aus den Kosten Was die Pistolen- und Revolverpatronen
für Zündhütchen, Pulver und Geschoß betrifft, so gibt es hier ordentliche Einspa-
(sowie Hülsenkosten, sofern man sich rungen, die vor allem dem Sportschützen
zur oftmals empfehlenswerten Ver- mit seinem hohen Verbrauch zugute
wendung von fabrikneuen Hülsen ent- kommen. Bei der beliebten .32 S&W lang
schließt). Dazu kommen die anteiligen sind es über 60 % , bei der .45 ACP etwa
Amortisationskosten, deren Höhe vor 55% und selbst die im Großeinkauf relativ
allem vom Anschaffungspreis und der billige .38 Special kann im Kosten-
Nutzungsdauer des Werkzeugs abhängt. verhältnis 1 : 2 geladen werden: Zwei
Nun aber zu einigen vergleichenden Handladungen zum Preis einer Fa-
Kostenberechnungen, wobei die Fabrik- brikpatrone! Wie sieht es nun mit der
patrone jeweils der aus den gleichen Kom- Amortisation der Ladegeräte für Kurzpa-
ponenten zusammengesetzten Handla- tronen aus? Nehmen wir das Beispiel
dung gegenübergestellt werden soll. eines Schützen, der neben der .38 Spe-
Es handelt sich also um eine genaue cial im Revolver die .32 S&W lang in der
Kopie der fabrikgeladenen Patrone, wobei Pistole schießt. Die Ausrüstung (Dreh-
sich die prozentuale Einsparung wie folgt kopfpresse und zwei Matrizensätze plus
darstellt: Bei den Büchsenpatronen, z. B. allem notwendigen Zubehör) hat sich
einer .222 Rem. oder einer 7 x 57 R, sind bereits nach etwa 1500 Schuß pro Waffe
Einsparungen von 40 % bis über 60 % (wie schnell sind die beisammen!) voll
möglich; als Faustregel gilt, daß die amortisiert.
prozentuale Einsparung bei den Hochlei- Noch schneller geht es, wenn mit der
stungspatronen sich am ehesten im Geld- preiswerteren, einfachen Presse gearbei-
beutel bemerkbar macht. tet wird. Allerdings ist dann auch die
Ladezeit länger. Im anderen Extrem liegen
Bei den Schrotpatronen werden die die Progressivladegeräte mit einer Aus-
Kopien der fabrikgeladenen Patronen wie stoßkapazität von etwa 500 Patronen in
Rottweil Supertrap, Waidmannsheil oder der Stunde, die vom Preis her aber nur für
Jagd Braun Streu betrachtet: In den wirklich engagierte Sportschützen oder
kleinen Kalibern beträgt die Ersparnis bis Ladegemeinschaften tragbar sind. Der
zu 50 % und im Kaliber 12 von 20 % bis 30 Wiederlader muß sich eben zwischen
%. (Ehrlicherweise wird angefügt, daß hoher Kapazität und kürzerer Arbeitszeit
das Wiederladen von Sportschrotpatronen einerseits und längerer Amortisationszeit
nicht lohnt, da die Preise der meisten andererseits entscheiden. Die Qualität der
fabrikgeladenen Rottweil Patronen nicht einzelnen Patronen bleibt übrigens die
mehr unterboten werden können.) gleiche.

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Fassen wir die Kostenseite zusammen: Eigenpräzision, welche das Resultat peni-
Das Wiederladen von Jagd- und Sport- bler Fertigungsabläufe auf teueren Ma-
munition für Büchse, Flinte und Kurzwaffe schinen ist, in möglichst vielen, durch-
lohnt sich finanziell. Die Preisersparnis schnittlichen Waffen ihres Kalibers eine
beträgt bis 2/3 der Kosten fabrikgeladener gute Präzision ergibt. Die Garantie, daß
Patronen, abhängig von der Art der Muni- ein bestimmtes Fertigungslos aus einer
tion und von der Preisklasse, d. h. der bestimmten Waffe eine bestimmte Prä-
Ausstoßkapazität des Geräts. Sogar nach zision ergibt, kann niemand geben.
Aufrechnung aller Vorleistungen und An-
nahme fiktiver Lohnkosten ist nach unter-
schiedlich langer Zeit ein Reingewinn
vorhanden. Daß dieser nicht als "Geschäft"
zu werten ist, bedarf keiner besonderen
Betonung. Vielmehr sollte das Wiederla-
dermotto "Billiger schießen, öfter schie-
ßen, besser schießen" beherzigt und die
Ersparnis in zusätzliche Munition um-
gesetzt werden. Somit ist die finanzielle
Seite, wenn auch die geläufigste, doch
nicht die wichtigste Begründung für das
Wiederladen. Höchstens eine der wichti-
gen, denn da sind noch die technischen
und personenspezifischen Begründungen
und Vorteile.
Anschußscheibe gemäß DJV.

Wiederladen verbessert die Präzision

Diese Behauptung wird von den Gegnern Waffe und Munition müssen mehr als nur
des Wiederladens als Übertreibung ab- "zusammenpassen". Sie müssen eine Ein-
getan - oder besser gesagt "wurde", denn heit, ein Team bilden, um nicht nur zu
ausgesprochene Wiederladegegner gibt funktionieren, sondern auch Präzision zu
es nicht mehr. Das war noch Anfang der bringen. Letzteres kann erreicht werden,
siebziger Jahre anders - bis die Erfolge indem man die Patrone auf die nicht
der Wiederlader die letzten Zweifler über- veränderbare Waffe abstimmt. Das glei-
zeugen konnten. Denken wir nur an die che macht übrigens auch der Büchsen-
sagenhaft kleinen Streukreise der Bench- macher, wenn eine Waffe eine Einschieß-
rester, die ausschließlich auf die Handla- laborierung nicht optimal "verdaut": Er
dung angewiesen sind, welche sie auf die wechselt Laborierung oder Fabrikat. Die
spezifische Waffe "maßschneidern" kön- Ausweichmöglichkeiten bei dieser Metho-
nen. Und darin liegt das Geheimnis: Die de sind natürlich durch die Anzahl der zur
auf die Waffe abgestimmte Munition! Nur Verfügung stehenden Laborierungen be-
mit ihr ist Präzision zu erreichen und grenzt. Dagegen sind die Möglichkeiten
Präzision ist eben keine absolute, sondern des Wiederladers fast unbegrenzt. Vom
immer eine relative Größe im Zusammen- Wechsel des Geschosses oder des Pul-
spiel von Waffe und Munition. Deswegen vers über die Veränderung der Ladedichte
kann die beste Fabrikmunition, auch die bis zur speziellen Hülsenbehandlung ist
Matchmunition, immer nur so konzipiert alles Physikalisch-technische anwendbar.
sein, daß sie bei ausgesprochen hoher Deswegen kann ruhig behauptet werden,

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daß Wiederladen die Präzision verbessern serung der ballistischen Leistung einer
kann. Nach diesem ohne Zweifel wichtigen Patrone, wobei schon ein Übergang zu
Grund, sich der Wiederladerei anzu- anderen Begründungen gefunden ist:
nehmen, gibt es noch weitere.

Wiederladen verbessert die


ballistische Leistung

Zugegeben, diese Behauptung ist etwas


provokativ, denn normalerweise läßt sich
"ballistisch" an guten Fabrikpatronen
nichts mehr verbessern. Und was die
Hochleistungspatronen anlangt, so be-
deutet Wiederladen oftmals ein "Hinter-
herlaufen", weil die Schußtafelwerte der
Fabrikpatronen innerhalb des zulässigen
Druckbereiches nur schwer kopierbar
sind. Das liegt ganz einfach daran, daß
der Wiederlader auf die marktgängigen
Dosenpulver angewiesen ist, während der
kommerzielle Patronenhersteller speziell 5,6x 57RKS4,8g 5,6x57RTMS3,2g
auf die Patrone abgestimmte Pulver ver-
wenden kann.
Mancher Kritiker setzt "Verbessern der Wiederladen erweitert den
ballistischen Leistung" gleich mit Verwendungsbereich der Waffe
Erhöhung von Geschwindigkeit, Energie
und, damit zusammenhängend, des Für den Sportschützen ist dieser Vorteil
Gasdrucks. Diese sind nur zum Teil nur am Rande wichtig. Zum Beispiel wenn
betroffen, jedoch gibt es noch einen man eine Waffe schießen will, für die
weiteren, wichtigen Zweig der Ballistik, lediglich Vollmantelgeschosse in der Fa-
der vor allem den Jäger interessieren brikladung laboriert werden und man dann
muß, nämlich die Ziel-, End- oder durch das Verladen von Teilmantel oder
Wundballistik. Hier sind Verbesserungen Bleigeschossen den Standvorschriften
ohne weiteres möglich. Zwar nicht im Genüge leisten kann. Wichtig ist dieser
Sinne einer Verbesserung bestehender Vorteil aber für den Jäger: Welcher Nicht-
Laborierungen, sondern durch Schaffung Wiederlader weiß z. B., daß man eine
neuer, spezifisch auf eigene technische 8 x 68 S mit einer etwas verminderten
und personifizierte Belange abgestellte. Ladung hinter dem 12,8 g TIG zu einer
Was steht z. B. entgegen, in eine 6,5 x 54 rücksto ßarmen,präzisen "quasi 8 x 57 IS"
Mannlicher Schönauer, die es nur mit umfunktionieren kann und daß er sich
dem schweren Rundkopfgeschoß gibt, spezielle, im Handel nicht erhältliche
ein 8,2 g KS zu verladen und die bewährte Schrotpatronen konfektionieren kann. Vor
Patrone so universeller zu machen. Oder allem ist es die volle Ausnützung der
nehmen wir die 5,6 x 57 R RWS, deren jeweiligen Geschoßpalette, aber auch der
4,8 g Kegelspitz-Geschoß für Rehwild Spielraum bzgl. der Mündungsgeschwin-
Optimales leistet, aber durch ein digkeit (also eine Reduzierung derselben),
schnelles, für kleine Beutegreifer ge- die den Verwendungsbereich der Waffe
dachtes 3,2 g TMS hervorragend ergänzt erhöht.
werden kann. Auch das ist eine Verbes-

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8 x 68 S TIG 12,8 g 8 x 68 S KS 14,5 g 8 x 72 R TMR 12,7 g, umgeformte Hülse
(Abb. verkleinert/Original s.S. 301)

Wiederladen bringt neues Leben in Grundhülsen 5,6 x 52 R; 9,3 x 72 R und


alte Waffen 9,3 x 74 R fast alle alten Hülsen umgeformt
werden, oft sogar in nureinem Arbeitsgang
So manches alte, betagte, aber durchaus in der Kalibriermatrize (über die Um-
noch funktionsfähige Schmuckstück von formung von Hülsen später mehr). Auch
Waffe kann durch wiedergeladene Muni- bei den übrigen Komponenten ist die
tion wieder zum Leben erweckt werden. Versorgungslage durch RWS- bzw.
Das heißt natürlich nicht, daß zum Rottweilprodukte hervorragend. Tech-
Vollgebrauch solcher oft wertvollen nisch einwandfreie Kopien der alten
Waffen geraten wird. Aber manchmal ist Patronen vom Typ einer 7 x 72 R oder
es doch interessant, Großvaters Donner- 8 x 65 RS können ohne großen Aufwand
büchse wieder zum "Sprechen" zu bringen hergestellt werden. In den meisten Fällen
und vielleicht auch ein Stück Wild damit wird die damalige Patrone durch die
zu erlegen. Es heißt auch nicht, daß man besseren Eigenschaften der modernen
auf Biegen und Brechen versuchen sollte, Komponenten noch übertroffen.
ein halbverrostetes Schießeisen wieder
zum Alltagsgewehr zu machen. Ist jedoch
der technische Zustand des Oldtimers in Wiederladen ermöglicht reduzierte
Ordnung, was man sich von kompetenter Ladungen
Stelle bestätigen lassen sollte, so ist der
Platz an der Wand nicht das Richtige. Wie schon angeklungen, ist die Mög-
Dem Handlader ausgelaufener, alter Pa- lichkeit, Ladungen "abbrechen" zu können,
tronen kommt ohne Zweifel entgegen, einer der großen Vorteile überhaupt und
daß im Fabrikat RWS Hülsen und Ge- kommt dem Jäger, Sportschützen und
schosse zur Verfügung stehen, die fast Waffensammler gleichermaßen zugute.
die gesamten Ansprüche dieser alten Wer ständig darauf angewiesen ist, "volle"
Patronen abdecken. So können aus den Ladungen verschießen zu müssen, kann

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den Unterschied zu einer leicht reduzierten den "bunten Hülsen" etwas minderwertiger
Ladung gar nicht ermessen. Eine solche einschätzt.
schießt sich nicht nur mit weitaus weniger Für den Kurzwaffenschützen sind die re-
Knall, Rückstoß und Mündungsfeuer, son- duzierten Ladungen ein probates Mittel,
dern kann auch die Lebensdauer der die Präzision zu verbessern. Schon ein
Waffe beträchtlich erhöhen. Zudem ist Ladungsabbruch von wenigen Prozent
sie in der Herstellung billiger und oft kann kleine Wunder bewirken. Beim Re-
präziser als die volle Ladung. volver ist die Sache relativ einfach,
Alle diese Gründe erhöhen natürlich die dagegen müssen bei der Pistole die
Freude am Schuß, am Schießsport und Anforderungen des Selbstlade-Waffen-
der Jagd überhaupt, was sich in der systems Berücksichtigung finden, um die
gesamten Schützenleistung auswirkt. Funktion zu gewährleisten. Erfahrungsge-
Dem Jäger kommen die reduzierten La- mäß erhält man aus Pistolen des Kalibers
dungen wegen der vielseitigen Verwend- .32 S & W lang, .38 Special und .45 ACP
barkeit seiner Waffen zugute. So kann gute Präzision mit Ladedichten, die "leicht
man in den Revierwaffen zwei verschie- oberhalb" dessen liegen, was den Nach-
dene Geschoßgewichte verwenden, von lademechanismus "gerade noch" garan-
denen das schwerere mit annähernder tiert. Bei den heißeren Kalibern wie 9 mm
Maximalleistung ausschließlich auf Scha- Luger oder 7,65 Para muß man etwas
lenwild und deshalb weniger oft einge- höher gehen, sie bieten nicht soviel Spiel-
setzt wird. Das leichtere Geschoß, mit raum. Gerade bei Scheibenladungen der
einer reduzierten Ladung, wird zum "statischen" Disziplinen sind reduzierte
Übungs- und Kontrollschießen, aber auch Ladungen angebracht. Die Geschwindig-
für Kleinwild und Raubzeug verwendet. keit muß nur knapp über der Stabili-
Die Übereinstimmung der Treffpunktlage sierungsgeschwindigkeit für das Geschoß
auf eine Entfernung kann in den meisten liegen und bei Selbstladern dazu die
Fällen und mit etwas Fingerspitzengefühl Waffenfunktion gewährleisten.
gefunden werden. Im praktischen Jagd-
betrieb läßt sich das notwendige Umladen Soviel zu den wichtigsten technischen
von einer zur anderen Laborierung zu- Vorzügen des Wiederladens. Die Aufzäh-
mindest bei Kipplaufwaffen ganz gut lung ist noch lange nicht komplett, ebenso-
durchführen. Etwas schwerer herzustellen wenig wie die angeführten Beispiele, aber
sind gut schießende reduzierte Ladungen wir wollen es dabei bewenden lassen.
für Schrotpatronen. Eine Schrotpatronen-
hülse hat immer ihre optimale Laborierung, Nun noch einige personenbezogene Vor-
die dann wenig veränderbar ist. teile und Begründungen.
Mit etwas Mühe kommt man auch hier
weiter. So ist es für den Anfänger in jedem
Fall angenehmer, eine Schrotpatrone mit
leichter Vorlage schießen zu können. Im
übrigen ist die Schrotpatronenladerei die Wiederladen verbessert die
Hohe Schule des Wiederladens und erfor- Schießleistung
dert Fähigkeiten und Kenntnisse, die ein
Anfänger noch nicht vorweisen kann. Man
sollte sich deswegen erst nach einer ge- Gute Schützen werden nicht geboren und
wissen "Reifezeit" und nach eingehender gute Schießleistung setzt ständige, inten-
Beschäftigung mit Metallpatronen an die sive und fortwährende Übung voraus: Es
Schrotpatrone wagen. Diese Feststellung war schon immer die Übung, die den
steht im krassen Gegensatz zur land- Meister machte! Erinnern wir uns an das
läufigen Meinung, welche die Arbeit mit eingangs erwähnte Wiederladermotto:

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Billiger schießen, öfter schießen, besser ser". Der nahezu tägliche, intensive Um-
schießen, und das kann nur der Wieder- gang mit Waffen, mit Patronen, führt zu
lader. einer wesentlich besseren Kenntnis der
Vorgänge beim Schuß, der Treffpunkt-
Die Leistung steigt in der Regel mit der lage, Flugbahn, der zielballistischen
Erfahrung, der Zahl der abgegebenen Auswirkungen, der Gefahrenbereiche
Schüsse. Schon mancher Zentralfeuer- usw., und - Hand aufs Herz - wem sind
schütze hat seine Karriere mit der Wieder- nicht schon peinliche Dinge passiert, die
laderei begonnen oder zumindest unter- sich bei besserer Kenntnis eben dieser
stützt. Es ist zur Erzielung der notwendigen Vorgänge hätten vermeiden lassen.
Schießfertigkeit nicht unwichtig, wie teuer
die Munition ist, wie gut sie aus der Natürlich kann man sich diese Kenntnis
speziellen Waffe schießt und welche auch aneignen, ohne als Wiederlader
Nebenwirkungen beim Schuß verkraftet praktizieren zu müssen, aber dieses
werden müssen. "kann" wird zum "muß", wenn man Wie-
derlader werden will - und das ist der
Vorteil.
Wiederladen macht bessere
Schützen und bessere Jäger Nun aber, nach aller Theorie noch ein
ganz banaler Grund, sich für die Wiederla-
derei zu interessieren, und so manche
Diese Begründung soll beileibe nicht be- anderen Hobbys werden mit der gleichen
deuten, daß alle nicht wiederladenden Begründung ausgeführt, ganz gleich, ob
Schützen und Jäger schlechter wären, ist sie finanziellen Gewinn oder nicht, tech-
also nicht im Umkehrschluß anwendbar. nische Vorteile oder nicht oder irgend-
Es soll nur ausgedrückt werden, daß die welche personenspezifische Vorteile ha-
Mehrzahl derjenigen, die Wiederladen ben oder Begründungen brauchen:
gelernt haben, für viele waffen- und muni-
tionstechnischen Dinge, die vorher fremd
für sie waren, ein weitaus größeres Ver-
ständnis aufweisen als so mancher, der
Waffe und Patrone wie "Hammer und
Nagel" benützt. Verständnis aber erhöht Wiederladen macht Spaß - und dem ist
wiederum die Leistung, gibt einen Vor- wohl nichts hinzuzufügen.
sprung zum Nachbarn, macht also "bes-

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Wiederladen - ein bißchen Mathematik
gehört dazu
Keine Angst - wir brauchen uns nicht mit ausgedruckten Tabellen, Angaben usw.
komplizierten Regeln herumzuärgern und verglichen werden kann, sollen nach-
müssen uns auch nicht mit Formeln ab- stehend die Umrechnungsfaktoren ange-
plagen, denn dieses Buch ist von Anfang führt werden.
an auf das metrische System abgestellt. Beginnen wir mit der wichtigsten Maßein-
Denn alles, was ein Wiederlader bislang heit, dem Grain (gesprochen gräin),
rechnen mußte, hatte in irgendeiner Weise dessen Umrechnung in Gramm so lautet:
mit der Umrechnung vom (angelsächsi-
schen) Zoll- ins (europäische) metrische 1 Grain (gr) = 0,0648 Gramm (g)
System zu tun. Wollte man also eine 1 Gramm (g) = 15.43 Grain (gr)
Gewichts-, Längen- oder Rauminhalts-
angabe "übersetzen", so brauchte man Man beachte die Abkürzungen und halte
dazu die entsprechenden Umrechnungs- sich daran!
faktoren.
Die nächstgrößere Gewichtseinheit ist das
Viele Wiederlader waren zum Rechnen engl. Pfund (pound; Lb./lbs.), von dem wir
zu bequem: Da noch vor wenigen Jahren uns nur zu merken brauchen, daß es
kaum deutsche Literatur über das Wieder- 7000 Grain, also 453,6 Gramm hat und
laden zu bekommen war, man somit aus- daß die gängigen Pulverkanister der
schließlich auf das zurückgreifen mußte Sorten Rottweil R 901 bis R 907 mit dieser
was über den großen Teich kam, und Menge Pulver gefüllt sind.
zudem die verwendeten Geräte, vor allem Schrotpatronenlader werden oft mit einer
die Waagen, für das Zollsystem ausgelegt Maßeinheit konfrontiert, die Rechnerei
waren, bediente man sich ebenfalls des erfordert, wenn man eine Waage mit
Zollsystems! Heute müssen wir aus einem Grain-Einstellung benützt, nämlich die
ganz einfachen Grund umdenken: Schon Unze (engl. ounce; abgekürzt oz.). Mit 1
vor längerer Zeit haben die Amerikaner oz. = 28,35 g und 1 g = 0,035274 oz. kann
beschlossen, auf unser System einzu- man eine Umrechnung herbeiführen, die
schwenken, und es wird eines Tages keine allerdings weitgehend theoretischer Art
"Grain" und "Inch" mehr geben. Nur - so ist. Verwendet man nämlich Schrot-
etwas kann man nicht über Nacht um- dosierer amerikanischer Ladegeräte, so
stellen, z. B. wie es die Schweden seiner- wird man bald feststellen, daß die mit
zeit mit dem Wechsel vom Links- auf einer 16er-Teilung versehenen Dosier-
Rechtsverkehr gemacht haben! Aus die- buchsen Schrotmengen werfen, die von
sem Grund und wegen der "alten Hasen" dem bei uns verwendeten Vorlagegewicht
unter den Wiederladern, die momentan abweichen. Dazu kommt, daß das so
mit ihrem heimischen System überhaupt erzielte Gewicht der Vorlage sehr stark
nichts anfangen können, wird im vorlie- mit der Schrotgröße schwankt (gleiches
genden Buch jede Gewichtsangabe in Volumen gibt selbstverständlich ein
Gramm und Grain wiedergegeben. Bei höheres Gewicht der kleineren Schrote),
den Längenangaben wird von vorneherein so daß die Angaben auf den Dosier-
auf die Wiedergabe der Inch- bzw. Yard- buchsen nur als Anhaltgenommen werden
werte verzichtet (Ausnahme: Geschoß- können. Da zur schrotgrößenbedingten
durchmesser). Abweichung noch das spezifische Ge-
Damit nun aber mit im Zollsystem wicht der jeweiligen Bleilegierung eine

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Volumen-/ Masse-Änderung bringen den Gramm zu sehen.
kann, muß die Wurfmenge des jeweiligen Was die Längenmaße betrifft, so finden
Schrotdosierers für jede Schrotgröße mit wir die Bezeichnung Inch (1 1, was un-
der Waage ermittelt werden. Weicht der serem "Zoll" und somit 25,4 mm
abgelesene Wert von der Angabe im La- entspricht. Wichtig ist das Maß lediglich
borierungsvorschlag ab, so ist die Pulver- bei der Angabe der Geschoßdurch-
charge entsprechend zu regulieren (mehr messer und wird parallel zur Milli-
darüber im Schrotpatronenteil). Um wieder meterangabe ausgedruckt, wobei diese
auf die Unze zu kommen: Wer auf eine aber nicht der genau umgerechnete,
Waage mit Graineinteilung angewiesen sondern der sogenannte Nennwert des
ist, kann die Unze mit 437.5 gr umrechnen. Geschoßdurchmessers ist. Eine genaue
Bezüglich der Angaben auf den Schrot- Umrechnung würde zu Verwechslungen
Dosierbuchsen kann, entsprechend der führen. So beträgt der richtige Ge-
geradegemachten Einschränkungen, fol- schoßdurchmesser für die Patrone .270
gender Anhalt genommen werden: Win. .277", das sind 7,04 mm, was aber
nicht in 7-mm-Patronen verwendet
werden darf, denn für diese gilt der Ge-
1/2 oz. 3/4 oz. 1 oz. 1 1/8 oz. 1 1/4 oz. 1 1/2 oz.
schoßdurchmesser .284 "= 7,21 mm. Zu-
14g 21 g 28g 32g 35,5g 42,5g
dem weist die Verordnung zum Waffen-
gesetz für verschiedene nenngleiche
Hier noch ein Tip: Da beim Verladen von Kaliber die unterschiedlichsten
schweren Sport- oderJagdschrotpatronen Geschoßdurchmesser aus (z.B.7x 57 R =
die Kapazitäten der normalen Waagen 7,25 mm; 7 mm Rem. Mag. = 7,23 mm; 7
mit 505gr/32,73g nicht ausreichen und mm Weatherby Magnum = 7,22 mm), so
deswegen die Schrotladung "auf Raten" daß sich bei echter Umrechnung noch
gewogen werden muß, empfiehlt sich für mehr Verwirrung ergeben könnte, zumal
denjenigen, der sich für die Schrotpa- alle diese Patronen mit den gleichen Ge-
tronen interessiert, gleich eine Waage schossen versorgt werden können, da
größerer Kapazität anzuschaffen. Es sollte die technischen Toleranzen bei der Ge-
dann aber auch eine mit Gramm-Skala, schoßherstellung diese geringen Unter-
also mit metrischer Einteilung sein. schiede von wenigen Hundertstel Milli-
Zurück zu den Grains, die uns auch bezüg- meter abdecken. Wenn also in diesem
lich der Geschoßgewichte (eigentlich Buch die Angabe "7 mm/.284"" zu finden
müßte es ja streng physikalisch Ge- ist, so handelt es sich eben um die in den
schoß"massen" heißen) noch eine Zeit- 7 mm Nennkalibern verwendbaren Ge-
lang begleiten werden: Oft genug trifft schosse mit einem Durchmesser von
man Wiederlader aus der alten Schule, 0.284 Inch = 7,21 mm. Die Unterscheidung
die zwar ein "200-Grain-Geschoß" richtig ist auch wichtig, weil es in den sog. 5,6
einordnen, aber auf Anhieb selten wissen, mm, 6,5 mm und 9,3 mm Kalibern
wieviel Gramm das sind! unterschiedliche Geschoßdurchmesser
Für die Beqinner unter den Wiederladern gibt, z. B. 5,6 x 35 R Vierling = 5,63 mm;
empfiehlt es sich, erst gar nicht mit dem 5,6 x 50 = 5,7 mm; 5,6 x 52 R = 5,79 mm
bald veralteten Grain anzufangen, zumal usw., wofür eben Geschosse mit .222",
sich durch Auf- und Abrundung Irrtümer .224" und .228" zur Verfügung stehen.
ergeben könnten.Letztere sind zwar nicht Ein Geschoß für die alte Savage-Patrone
tragisch, aber für den Anfänger doch 5,6 x 52 R wird also mit 5,6 mm/.228"
verwirrend. bezeichnet, ein Geschoß fürdie Patronen
Im übrigen hat man die gängigen Ge- 6,5 x 57 und 6,5 x 68 mit 6,5 mm/.264"
schoßgewichte schnell im Griff, wenn man (obwohl erstere Zahl eigentlich 6,7 mm
es sich von Anfang an auferlegt, nur nach heißen müßte).

23
Die folgenden Angaben brauchen wir nur, ft.lb. zugrunde. Viel werden wir diese Um-
wenn irgendwelche Angaben aus ame- rechnungsfaktoren nicht benützen müs-
rikanischen Quellen mit unseren Werten sen.
verglichen werden müssen, wobei es sich Das gleiche gilt für den Gasdruck, dessen
um innen- und außenballistische Größen Angabe in den US-Unterlagen sowieso
handelt: meist fehlt, da die Amerikaner nicht ge-
setzlich vorgeschriebene sondern ledig-
lich empfohlene Druckwerte einzuhalten
Bei der Geschoßgeschwindigkeit finden haben. Die Umrechnung nur der Voll-
wir die Bezeichnung "fps", was "feet per ständigkeit halber: 1 lb./sq.in. (pound per
second" heißt. square inch = 0,06895 bar; 1 bar = 14.50
pounds per square inch), was in der Kurz-
form mit 14.50 psi angegeben ist. Um
Dabei entsprechen 1 fps = 0,3048 m/s noch einmal auf den Eingangssatz zurück-
und 1 m/s = 3.281 fps. Für überschlägige zukommen: Wir brauchen uns wirklich
Rechnungen kann man sich beim Kopf- nicht mit komplizierten Formeln herumzu-
rechenvorgang mit der Multiplikation ärgern und der Anfänger, der sich von
"0,3 x fps" begnügen, wenn man ameri- Anfang an des metrischen Systems
kanische Geschwindigkeitsangaben über- bedient und sich eine Gramm-Waage
setzen will. anschafft, braucht sich nur die wenigen
Geschoßdurchmesser "zweimaßig" mer-
ken. Lediglich für den schon länger mit
Was die rechnerische Geschoßenergie den US-Maßen rechnenden Wiederlader
betrifft, so haben die Amerikaner das ist etwas Umgewöhnung notwendig - aber
"Footpound" (ft.lb.), was wir mit 1,3563 mehr als "ein bißchen" Mathematik ist
Joule umrechnen müssen. Der umge- auch bei ihm nicht erforderlich.
kehrte Rechengang legt 1 Joule = 0.7373 (Umrechnungstabellen im Anhang)

Wiederladen - wie sicher ist es?


Haben Sie schon einmal über den Un- Garage, eine Spraydose, den nicht abge-
sicherheitsfaktoreines randvollen Papier- schlossenen Medikamentenschrank. Sind
korbs nachgedacht? Sicher nicht, und sie sicher oder sind sie unsicher? Keines
trotzdem könnte ein achtlos in ihn gewor- von beiden: Erst die Handlungsweise des
fener Zigarettenrest die Ursache für einen Menschen, des Benützers, reiht das Be-
Großbrand sein. Was ist nun eigentlich nutzte in die jeweilige Kategorie ein.
der Unsicherheitsfaktor? Der Papierkorb Das gleiche gilt für die Komponenten, die
oder die Zigarettenkippe oder der Mensch, wir zum Wiederladen brauchen. Selbst
der sie achtlos wegwirft? Oder nehmen das Treibladungspulver reagiert bei "Mi ß-
wir einfache Gegenstände des täglichen brauch" eher behäbig und wesentlich ge-
Gebrauchs: Putzmittel, Spiritus fürs Fon- mütlicher als die oben genannten Stoffe.
due, den Reservekanister Benzin in der Sie zweifeln? Dann wollen wir einmal eine

24
Familienangehörigen) etwas die Frei-
schützangst vor der Wiederladerei, dem
Umgang mit Pulver und Blei nehmen.
Dabei soll aber wirklich nichts bagatellisiert
werden, denn das wiederum wäre mit der
Sachlichkeit und dem nötigen Ernst, mit
dem an die Sache Wiederladen heran-
gegangen werden muß, nicht vereinbar.
Deswegen wollen wir im folgenden ein wenig
über das "machen müssen" und das "nicht
machen dürfen" der Wiederladerei
sprechen, um zu dem hinzuführen, was die
Wiederladerei sein soll: Ein sicherer Spaß,
wobei die Bedeutung und Betonung dieser
zwei Worte gleichmäßig ausgewogen sein
muß.
Sachgemäß verwendete Treibladu ngspulver Nun also einige Sicherheitsregeln und
sind nicht unsicherer" als viele übliche Mittel Hinweise. Wenn es dabei in etwas kunter-
des täglichen Gebrauchs! bunter Reihenfolge zugeht, so liegt dies an
der Vielschichtigkeit des Themas.

Striktes Rauchverbot bei den


Pulverdose ausleeren und den Inhalt im Ladearbeiten
Freien anzünden. Er brennt verhältnismäßig
langsam, fast gemächlich und gar nicht Dazu gehört nicht nur das eigentliche Pul-
aufregend ab. Keine Stichflamme, keine verfüllen, sondern generell die Arbeit an der
Explosion, keine Detonation oder sonst eine Patrone. Man sollte sich in der Bastelbude
Reaktion, welche man mit dem technisch sowieso den geliebten Glimmstengel
falschen und deswegen irreführenden Wort versagen. Was liegt da nicht alles herum:
"Sprengstoff" in Verbindung bringen könnte. Mit Solvent getränkte Lappen, Schaftöl,
Nur Abbrand - nicht viel intensiver, heißer, Farbe, Klebstoff usw. und nicht zuletzt der
höher als der volle Papierkorb, weniger überquellende Abfalleimer im Sinne des
"gefährlich" als das Anzünden von fünf Liter vorhin angeschnittenen (Un)-
Benzin. Zufrieden? Nein! Ach ja, die Sicherheitsrisikos.
Zündhütchen. Brisante Zündsätze,
zugegeben. Aber immer nur ein einzelner
Zündsatz, der "hochgehen" kann.
Wenn nicht gerade das ungeschützte Auge Überlegte Standortwahl für das
im Weg ist, passiert überhaupt nichts. Haben Komponentenlager
Sie schon einmal in eine Schweißerei
hineingeschaut, ist Schweißen gefährlich? Pulver und Zündhütchen sollten getrennt
Nein, höchstens wenn man es nicht richtig an nicht zu heißen und nicht zu feuchten
macht oder wenn man keine Orten aufbewahrt werden. Letztere können
Schutzvorrichtung benützt. das Pulver unbrauchbar machen oder
Worauf wollen wir eigentlich hinaus: Vor- zumindest in der Wirkung herabsetzen. In
dergründig wollen wir den Hasenfüßen, den der Vergangenheit zu heiß aufbewahrte
Unentschlossenen (und vielleicht auch nur Pulver können zu Gasdrucksteigerungen
deren "entscheidungsbeteiligten" führen, auch wenn das Pulver vor der

25
Ladung längst wieder "abgekühlt" ist. Die Kein nicht identifizierbares Pulver
Behälter sollen gegen unbefugten Zugriff verwenden
gesichert sein. Insofern sind spezielle
Behälter oder ein abschließbarer, stark- Es dürfte die seltene Ausnahme sein, daß
wandiger Holzbehälter, der aber nicht dicht einmal ein Dosenetikett unleserlich wird,
gefügt werden sollte, damit die Wände bei aber es kann passieren, daß man Pulver
einem Brand nachgeben können, beson- im Dosiergerät hat, die Arbeit unterbricht
ders geeignet. Ideal ist ein abschließbares und nach einiger Zeit nicht mehrweiß, um
Zimmer, denn hier können die Pulver- welches Pulver es sich handelt. Vom op-
kanister und Zündhütchen sicher gelagert tischen Eindruck her ist es schwierig, eine
werden. In jedem Fall müssen die Auflagen Bestimmung vorzunehmen. Es ist in einem
der zuständigen Behörde eingehalten solchen Fall sicher richtig, das Pulver zu
sein. vernichten, am einfachsten, indem man
es locker über den Rasen schüttet (der
sich über die Stickstoffdüngung freut) oder
es im Freien in einer lose zusammenge-
knüllten Zeitung verbrennt. Damit das nicht
zu oft geschehen muß ein Tip: Solange
Pulver im Gerät ist, sollte die betreffende
Dose (und nur diese) auf der Ladebank
Alkohol und Wiederladen verträgt stehen.
sich nicht

Eine Selbstverständlichkeit, genauso wie


sich Alkohol und Waffenführung nichtver-
tragen. Niemals verschiedene Pulver mischen

Das können sich nur die Hersteller leisten,


wenn das Gemisch in der "ballistischen
Bombe" auf Wirkung und Tauglichkeit
untersucht werden kann. Wenn auch sog.
Experten öfters von Mischpulvern oder
Treibladungspulver und Zündhütchen "Duplex"-Ladungen schwärmen: Wir
gehören nicht in Kinderhand sollten die Finger davon lassen.

Hier gilt das gleiche, was auch für die


elektrische Rasenkantenschere oder für
Medikamente gilt. Ausnahmen sind mög-
lich und unter gewissen Sicherheitsvor- Strikte Einhaltung der
kehrungen sogar wünschenswert, weil bei Laborierungsvorschriften
größeren Kindern das Interesse gar nicht
früh genug geweckt werden kann. Um so Der normale Gang beim "Laborieren",
ausgeprägter wird das Sicherheits- d. h. Erarbeiten einer Laborierung, geht
verhalten und um so früher geht vor allem so: Man tastet sich von der vorgeschla-
der Reiz verloren, etwas Verbotenes heim- genen Anfangsladung bis zu der Pulver-
lich zu tun. Mit Waffen ist esdoch genauso: ladung vor, die bei ausreichender Leistung
Ein Kind, das bereits mit früher Selbstver- die beste Präzision ergibt. Dies wird in
ständlichkeit zur Waffe hingeführt wird, den meisten Fällen eine Ladung etwas
entwickelt eine völlig andere Einstellung unterhalb der Maximallaborierung sein.
dazu. Ist nur diese angegeben, so beginnt man

26
mit einer um 5 bis 10 % reduzierten Zündhütchen sollten nicht ausgestoßen
Anfangsladung. Die Maximalladungen in werden, weil diese beim Ausstoßen zur
diesem Buch sind alle auf Gasdruck und Entzündung gebracht werden könnten.
Geschwindigkeit überprüft und sollten Auch könnte passieren, daß sich beim
nicht überschritten werden. Man gewinnt Ausstoßen derZündsatz lockert, was unter
nämlich höchstens ein paar wenige Meter- Umständen bei Wiederverwendung zu
sekunden, nimmt aber dafür einen unzu- einem Versager führen kann. Um dieser
lässig hohen Druck in Kauf. Zudem sind Unsicherheit vorzubeugen, sollte man die
die besten Schußleistungen höchst selten Zündhütchen durch "Abschießen" in der
mit gasdruckstarken Ladungen zu er- Hülse unbrauchbar machen. Dann
warten. geraten sie nicht unter die "frischen"
Zündhütchen bzw. richten im Abfalleimer
kein Unheil an (wenn dessen Inhalt der
vorgeschriebenen Müllentsorgung bzw. -
verwertung zugeführt wird). Auch bei
Keine Substitution von Komponenten delaborierten Geschossen sollte man nicht
mit falscher Sparsamkeit wirtschaften:
Alle Komponenten der Ladevorschläge, Wurden sie mit einem Geschoßzieher
nicht nurwenn es an die Maximalladungen delaboriert, so sind sie zumeist beschädigt
herangeht, sind ohne jeden Austauschzu oderverdrückt und wer will schon riskieren,
übernehmen! Es gibt Schrotpatronen- eine gute Schußgruppe oder einen
ladungen, bei denen der scheinbar un- jagdlichen Treffer mit einem
wichtige Austausch der Hülse genügt, um solchermaßen traktierten Geschoß zu
den doppelten Druckwert zu erreichen. verderben! Also weg damit. Aus welchem
Bei den Metallpatronen ist es nicht so Grund auch immer eine Patrone
kraß, aber immerhin können bei Ver- delaboriert werden muß (meist, weil eine
wendung sonst gleicher Komponenten vorher nicht überprüfte größere
zwei verschiedene Geschosse in den Laborierungsreihe nicht präzise genug
Maximalbereichen höchst unterschied- schießt): Mit gutem Gewissen ist lediglich
liche Drücke hervorrufen (man braucht die Hülse wiederverwendbar. Ein Grund
nur die angegebenen Maximalladungen mehr, so zu arbeiten, daß nicht delaboriert
fürverschiedene Geschosse unter diesem werden muß!
Aspekt zu vergleichen!). Das heißt im
Klartext, daß die für ein Geschoß ange-
gebene Maximalladung hinter einem
anderen gewichtsgleichen Geschoß be-
reits einen unzulässig hohen Druckerzeu-
gen kann (ohne daß die V. deswegen Alle Handladungen deutlich
steigen muß!). kennzeichnen

Dies ist unumgänglich, nicht nur, wenn


mehrere Laborierungen geladen werden.
Nach einiger Zeit weiß man nämlich nicht
Größte Sorgfalt beim Delaborieren von mehr, welche Komponenten verladen wur-
Patronen den. Zu einer ausreichenden Kennzei-
chnung gehören alle wichtigen Maße und
Das Pulver delaborierter Patronen darf Komponenten sowie das Datum und evtl.
nicht mehr verwendet werden, sondern die Waffe, für welche die Patrone "ent-
ist zu vernichten. So ist es gesetzlich wickelt" wurde. Bei Metallpatronen genügt
zumindest vorgesehen. Noch aktive i. d. R. die Kennzeichnung der Packung,
aber nur, wenn man sich angewöhnt, die

27
leeren Hülsen wieder in diese zurückzu- hat. Bei Patronen, die nicht mit Wad-
stecken und so nur komplette Serien ver- cuttergeschossen geladen sind, soll auch
arbeitet. Dann hat man nämlich gleich die Gesamt-Patronenlänge vermerkt sein,
den Überblick über die Lebensdauer der damit die Geschoßeinsetztiefe selbst nach
Hülse bzw. die Zahl der Wiederholungs- Verschießen der gesamten Serie wieder
ladungen. Zweckmäßig ist auch die reproduzierbar ist. Bei Schrotpatronen ist
Verwendung von Munitionsschachteln aus zusätzlich zu den Angaben der Metall-
Plastik, die es in 20er, 50er, 60er und patrone die genaue Bezeichnung des
100er Größen gibt. Sie sind das Erken- Zwischenmittels und vor allem der Schrot-
nungszeichen des gewissenhaften Wie- stärke erforderlich. Auch bei der Flinten-
derladers, können gut beschriftet und auf munition genügt in der Regel die Beschrif-
Jahrzehnte hinaus benützt werden, da tung der Packung (hier gibt es Muniboxen
sie nahezu verschleißfrei sind. für 25, 50 und 100 Patronen), nur sollte
Beispiel für die Kennzeichnung einer Jagdmunition patronenweise bezeichnet
Scheibenladung: .32 S&W lang / GECO / werden, zumindest der Schrotstärke nach
RWS 4031/0,085 g Rottweil P805 / Wad- (um zu vermeiden, daß man mit Hühner-
cutter 6,5 g / 12x / 204 m/s / Datum. Dies schrot auf Hasen schießt). Zur Kennzeich-
bedeutet, daß die Patrone .32 S&W lang nung einzelner Hülsen leistet bei Metall-
in GECOhülse mit RWS-Zündhütchen und Schrotpatronen ein Filzstift gute Dien-
4031 und dem WC-Geschoß vor 0,085 ste. Perfektionisten bedienen sich eines
Gramm des Pulvers P805 zwölf mal kleinen Zahlenstempels, mit dem das
geladen wurde und eine gemessene Zündhütchen bzw. die Zündung - ggf.
Geschwindigkeit von 204 Metersekunden farbig - markiert werden kann.

Besonders praktisch ist die Verwendung von Plastikboxen unterschiedlicher Größe.

28
Komponenten nur im Original- Pulverfüllung
behälter aufbewahren laufend überprüfen

Leider gibt es immer noch zuviele Leute, Während bei Verwendung von Waagen
die Waschbenzin in Bierflaschen aufbe- praktisch jede Pulverladung überprüft
wahren. Artverwandte Fehler dürfen dem wird, ist bei Benützung eines Dosiergeräts
Wiederlader nicht passieren, und alle die Überprüfung etwa jeder fünften oder
Komponenten müssen ausschließlich aus zehnten Ladung zweckmäßig. Durch
der Originalpackung verladen werden. Ein unterschiedliche Füllhöhen im Behälter
ähnliches aber im Durchmesser größeres des Dosiergerätes kann es nämlich zu
Geschoß, das verkehrte Pulver, ja selbst unterschiedlichen Dichten und somit
ein anderes Zündhütchen, können böse Gewichten kommen. Daneben ist die
Folgen haben. Bei letzteren kommt hinzu, visuelle Überprüfung einer jeden Hülse
daß sie, zumindest in der Boxer-(Amboß) (Taschenlampe) auf eine gleiche Füllhöhe
Ausführung, nur in der reihenweisen besonders bei solchen Patronen
Originalverpackung schlagzündungsge- angebracht, wo das Hülsenvolumen eine
schützt sind. Und bei Pulvern wird beo- Doppelfüllung einer an sich schwachen
bachtet, daß sie, in durchsichtigen Behäl- Ladung zuließe (z. B. .38 Special Schei-
tern aufbewahrt, ihre ursprünglichen benladung, die in versehentlich doppelter
Eigenschaften rasch verlieren können, Ausführung zur Waffenbeschädigung füh-
weswegen man sie nicht wochenlang im ren kann). Um eine Kontrolle über den
Dosiergerät lassen sollte.

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P‘ '75/ 4,45n n4031

llitnautit Nobel

RWS-Zündhütchen in der Reihenpackung sind sicher.

29
Pulverfüllgang zu haben, arbeitet man gen, der abgeschlossene Pulverbehälter
am besten "über die Presse", also von usw. sind das Kennzeichen des guten
links nach rechts, wobei auf der linken Wiederladers. Wer Ordnung hält, arbeitet
Seite (beim Rechtshänder) die noch nicht nur effektiv, sondern auch sicher.
leeren, auf der rechten Seite die Jede Arbeit beginnt mit dem Auftrag bzw.
bepulverten Hülsen stehen. Erst nach der der Aufgabenstellung (Was will ich?) und
visuellen Überprüfung werden die der Arbeitsvorbereitung (Was brauche
Geschosse gesetzt. Nur bei Verwendung ich?). Zur Erleichterung dieser Vorarbeiten
von H- oder Drehkopfpressen kann man und für die Einhaltung eines syste-
Ausnahmen machen (die Beschreibung matischen, effektiven Arbeitsganges dient
des sicheren Arbeitsablaufes ist bei den die am Schluß dieses Buches gedruckte
einzelnen Gerätekapiteln nachzulesen). Orientierungsgrafik für das Laden von
Büchsen-, Kurz- und Schrotpatronen, die
zumindest der Beginner immer auf der
Ladebank liegen haben sollte.
Ein bißchen Systematik gehört dazu

Was damit gemeint ist, wird beim Durch-


lesen der Ladebeschreibungen in den
nächsten Kapiteln klar werden. Ein siche- Fachkenntnis und laufende Informa-
rer Arbeitsablauf ist am besten durch tion sind wichtig
systematisches Arbeiten gewährleistet.
Deswegen wird auch der Notwendigkeit
einer Fachkundeprüfung das Wort geredet
und deswegen ist auch das Durcharbeiten
Ordnung ist das halbe Wiederladen von Fachliteratur zur laufenden Weiterbil-
dung zweckmäßig. Fachkenntnis, die
Wer nach dem bekannten Spruch lebt richtige Einstellung und ein bißchen Fleiß
"Wer Ordnung liebt, ist nur zu faul zum sind erforderlich, um sicheres und funktio-
Suchen", sollte lieber die Finger von der nelles Wiederladen zu gewährleisten.
Wiederladerei lassen. Die gut organisierte Haben Sie immer noch den Eindruck, daß
Ladebank, auf der nur die Komponenten Wiederladen von Haus aus unsicher ist?
stehen, die gerade benötigt werden, die Nein, nicht mehr?
sauber beschrifteten Munitionspackun- Dann hat sich der Aufwand gelohnt!

Wiederladen - die gesetzlichen Anforderungen


Die Lektüre von Gesetzesvorschriften und Deutschland zur Erlangung des "Scheins"
Verordnungen ist nicht Jedermanns erforderlich sind. Dieser hießß früher
Sache und für viele auch nicht gerade die "Sprengstofferlaubnisschein A". dann
interessanteste Beschäftigung. Das gilt "Sprengstoff-Erlaubnis" und jetzt, nach
wohl für alle Bereiche. Trotzdem sind - Inkrafttreten des "Gesetzes über
wie im Bereich Waffen auch - für die explosionsgefährliche Stoffe" (Spreng-
Wiederladerei gewisse gesetzliche stoffgesetz - SprengG) bzw. dessen
Grundlagen aufzuarbeiten und zu Verordnungen (SprengV)"Erlaubnis nach
beherrschen, die in der Bundesrepublik §27 des Sprengstoffgesetzes".

30
c) die Rechtsvorschriften über den Um-
Obwohl nun glücklicherweise das tech- gang und Verkehr mit explosionsge-
nisch völlig verkehrte und irreführende fährlichen Stoffen.
Wort "Sprengstoff nicht mehr auftaucht,
fällt unser "Pulver", wie wir es der Einfach-
heit halber nennen, unter das Sprengstoff- Im nachfolgenden praktischen Teil müs-
gesetz und darf nur mit behördlicher sen ausreichende Fähigkeiten in der
Genehmigung, d. h. Überwachung und unfallsicheren Handhabung und
vorheriger Ablegung einer Fachkunde- Anwendung der explosionsgefährlichen
prüfung, erworben werden. Die anderen Stoffe vermittelt werden. Die Prüfungen
Komponenten wie Geschosse, Hülsen, werden unterschiedlich nach
Zwischenmittel und auch die Zündhütchen Bundesländern von verschiedenen Stellen
bzw. Zündungen sind frei erwerbbar. durchgeführt, meist sind es die
Gewerbeaufsichtsämter, wobei aber auch
Wer im nichtgewerblichen Bereich explo- Vor- und Begleitarbeiten durch Mitarbeiter
sionsgefährliche Stoffe erwerben, damit von Fachzeitschriften, Fachhändlern usw.
umgehen und befördern will, bedarf der getätigt werden. Für ihren regionalen
Erlaubnis nach dem Sprengstoffgesetz. Bereich wurde z. B. auch die DEVA,
Diese wird von der zuständigen Stelle Altenbeken, als Lehrgangsträger für den
(Gewerbeaufsichtsämter bzw. Landrats- gewerblichen und nichtgewerblichen
ämter oder Ämter für öffentliche Ordnung) Bereich anerkannt. Der potentielle Prüfling
erteilt, wenn der Antragsteller eine Reihe befragt sich am besten bei einem
von Voraussetzungen erfüllt hat. Zu diesen regionalen Fachhändler für Wiederlader-
zählen: Der Nachweis der Fachkunde, bedarf, wer und was für ihn zuständig ist.
welcher durch die Teilnahme an einem
"Wiederladerkurs" erbracht wird, d. h. Vor der Zulassung zur Prüfung bzw. zum
wenn der Bewerber"die erforderliche Teil- Lehrgang muß der Bewerber bereits fol-
nahme an einem staatlichen oder staatlich gende Voraussetzungen erfüllt haben:
anerkannten Lehrgang für die beabsich-
tigte Tätigkeit durch Zeugnis nachweist".
Diesen Lehrgängen oder Kursen, die meist ' die Zuverlässigkeit. Diese "Unbedenk-
einen Tag lang dauern, liegen Ausbil- lichkeitsbescheinigung" wird vom Gewer-
dungsrichtlinien zugrunde, die im Arbeits- beaufsichtsamt ausgestellt;
kreis "Wiederladen" des Bundesinnenmi-
nisteriums erarbeitet worden sind. In der ' die körperliche Eignung und
1. SprengV0 wird nämlich ausgeführt, daß
in einem theoretischen Teil des Lehrgangs • das Mindestalter von 21 Jahren (Herab-
ausreichende Kenntnisse vermittelt wer- setzung auf 18 Jahre auf Antrag möglich).
den müssen über Der Nachweis ist ebenfalls dem Gewerbe-
aufsichtsamt beizubringen.

a) die Empfindlichkeit und die Wirkungs-


weise der gebräuchlichen explosionsge- Nach abgelegter Prüfung muß der Antrag-
fährlichen Stoffe, steller ein Bedürfnis für die beabsichtigte
Tätigkeit nachweisen. Ein solches wird
bei Jagdscheininhabern meist anerkannt,
insbesondere dann, "wenn die wiederge-
b) die unfallsichere Handhabung und ladene Munition zur Verbesserung der
Anwendung von explosionsgefährlichen Schießleistung verwendetwird". Bei Sport-
Stoffen, schützen hängt die Anerkennung des

31
Bedürfnisses von der entsprechenden ten, stellt sich die rechtliche Situation in
Bestätigung des Vereins ab, oft auch, ob anderen Ländern sehr unterschiedlich dar.
bereits eine Waffe für Zentralfeuer- Da eine umfassende Darstellung der
patronen in die WBK eingetragen ist. Anforderungen aller Länder, in denen die-
Fassen wir zusammen. Der zukünftige ses Handbuch erhältlich ist, aus verständ-
Wiederlader geht zum Gewerbeaufsichts- lichen Gründen unmöglich ist, bleibt es
amt (oder zur regional zuständigen Stelle) dem jeweiligen Interessenten überlassen,
und beantragt sich die erforderlichen Informationen
selbst einzuholen.
Um wenigstens die deutschsprachigen
•die Ausstellung der "Unbedenklichkeits- Staaten zu berücksichtigen, wird im folgen-
bescheinigung", den Absatz Näheres über die gesetzlichen
Anforderungen an den Wiederlader in
•die Ausstellung der "Bescheinigung über Österreich und in der Schweiz ausgeführt.
seine körperliche Eignung",
In Österreich gilt, daß Hülsen und
•die Zulassung zum Fachkundelehrgang Geschosse durch den Letztverbraucher
nach dem SprengG und erbringt ohne Beschränkungen gekauft werden
können. Für Pulver und Zündhütchen
• den Altersnachweis. gelten ebenfalls keine Beschränkungen
hinsichtlich des Erwerbs, welcher ab
vollendetem 18. Lebensjahrfrei ist. Ledig-
Danach absolviert er lich überdie Lagerung sagt das österreichi-
sche Pulver- und Sprengmittelgesetz aus
• den Fachkundelehrgang und (Zitat): Sicherheitssprengmittel und Pulver
in Mengen bis zu 5 kg dürfen nur dort nicht
• die erforderliche(n) Prüfung(en). aufbewahrt werden, wo die Aufbewahrung
besonders gefährlich erscheint. Die Auf-
bewahrung hat immer möglichst entfernt
Nach Bestehen der Prüfung hat er von Öfen, Herden oder anderen Feuer-
stellen und von feuergefährlichen Gegen-
• den Bedürfnisnachweis zu erbringen, ständen unter sicherem Verchlu ß zu
geschehen. Sicherheitssprengmittel und
• die "Erlaubnis nach § 27 des Spreng- Pulver in Mengen von 5-15 kg dürfen nur
stoffgesetzes" zu beantragen. in Räumen aufbewahrt werden, die eben-
erdig liegen und folgenden Bedingungen
entsprechen: Jeder Raum muß durch eine
Diese Zusammenfassung sollte niemand unmittelbar ins Freie führende Tür zu-
verwirren und den zukünftigen Wieder- gänglich sein, die mit einem Sicherheits-
lader auch nicht davon abhalten, sich der schloß versehen ist. Die Fenster müssen
Prozedur zu unterziehen. Sie ist in Wirk- mit Stangen und Drahtgittern gesichert
lichkeit nämlich leichter, als sie sich liest, sein. Die Aufbewahrungsräume dürfen
da in der Regel die meisten Formalitäten keine Feuerstelle enthalten und müssen
von den Lehrgangsdurchführenden erle- eine genügend feuersichere Decke
digt werden und sich der ganze "Ämter- besitzen. Neben oder unmittelbar über
durchgang" durch die Initiative und ihnen dürfen sich keine bewohnten Räume
Einsicht der zuständigen Beamten erfreu- befinden.
lich unbürokratisch erledigt.
Während die bisherigen Ausführungen Was die rechtlichen Anforderungen
für die Bundesrepublik Deutschland gel- Pulver/Wiederlader/Munition in der

32