Sie sind auf Seite 1von 280

Ein praktisches Handbuch für Jäger und Schützen

Kapitel 5
Wiederladendaten für Büchsenpatronen

Patronenprofil Büchsenpatronen ..........................................................Seite 2


Wiederladedaten von .17Rem. bis .470N.E..........................................Seite 3
Patronenprofile Büchsenpatronen
Allgemeine Bemerkungen zur Patrone,
zu ihrer Geschichte, zu den existierenden
RWS-Laborierungen und zu der Patrone
aus der Sicht des Wiederladers. Ausführ-
liche Ladedaten und Patronenabmes-
sungen.

ACHTUNG! - Unbedingt vor dem Laden lesen.

"Mit den in den Ladetabellen angeführten langsames Geschoßsetzen erforderlich


Maximalladungen und bei ausschließ- und dürfen nicht in halbautomatischen
licher Verwendung aller in der Tabelle oder automatischen Ladeanlagen verar-
angeführten Komponenten (Hülse, Zünd- beitet werden.
hütchen, Treibladungspulver und Ge-
schoß) werden die gesetzlich zulässigen Da wir keine Kontrolle über die Art der
Gasdruckgrenzen bei normalen Be- Lagerung und Verarbeitung, die Verwen-
dingungen nicht überschritten. Hinsicht- dung, die Ladung oder den sonstigen
lich möglicher Abweichungen der Gebrauch des Pulvers haben, müssen
Eigenschaften des Treibladungsmit- wir jegliche Haftung ablehnen. Der Ge-
tels von Los zu Los sind die Bemer- brauch der Ladetabellen dieses Buches
kungen auf S. 55/56 zu beachten. erfolgt ausschließlich auf eigene Ge-
fahr und auf eigenes Risiko des Be-
Preßladungen: Manche Ladevorschläge nutzers.
für relativ langsame Treibladungspulver
machen zum Ausschöpfen der möglichen Bekanntlich hängen die ballistischen
Leistung eine über die "Ladedichte Eins" Werte der Patronen von den Waffenab-
hinausgehende Befüllung der Hülse not- messungen und den vielseitigen Einflüs-
wendig. Beim Zusammentreffen spezifi- sen beim Vorgang in der Waffe beim
scher Umstände, z.B. kleineres Hülsen- Schuß ab. Abmessungen und Verhalten
volumen und geringere Dichte der Treib- von Komponenten unterliegen Schwan-
ladung bestimmter Fertigungslose im kungen innerhalb der technisch
Vergleich zu den Original-Beschußkom- zulässigen Toleranzbereiche. Wir
ponenten, kann es zu einer vollständigen empfehlen deshalb dringend, die La-
Befüllung der Hülse, in seltenen Fällen dungsermittlung ausschließlich mit der
sogar zum "Überlaufen" der Hülse kom- ausgedruckten Anfangsladung ,min.' zu
men, obwohl die Ladevorschrift einge- beginnen. Zudem müssen die angege-
halten wurde. Bringt die Verwendung von benen Patronenlängen strikt eingehalten
langen Pulvertrichtern und/oder sorgfäl- werden. Stets muß bei der Prüfung der
tiges, langsames Einrütteln der Ladung Patronen bzw. Hülsen, im besonderen
keine Abhilfe, so ist - unter möglicher Maße bei kleinschrittweiser Erhöhung der
Inkaufnahme einer Minderleistung - die Pulverladung (0,03-Gramm-/ca. 0.5-Grain
Ladung entsprechend abzubrechen oder Schritte bei Büchsenpatronen; 0,005
auf ein dichteres Treibladungsmittel der Gramm-/ca.0.1-Grain Schritte bei Kurz-
Ladevorschläge umzustellen. Pre ßla- patronen), auf Anzeichen überhöhten
dungen machen aus Sicherheitsgründen Gasdrucks geachtet werden (siehe Seiten
ein besonders gewissenhaftes und sehr 48/49 Fettdruck).

105
.17 Rem.
Von der Mehrzahl der deutschen Jäger - Die Patrone aus der Sicht des
sofern sie überhaupt etwas von der Wiederladers
Existenz der .17 wissen - wird die kali-
berkleinste Schonzeitpatrone etwas kon- Mit anderen, bekannteren Patronen wie
trovers beurteilt, was sicher in den unter- .220 Swift, 5,6 x 57, 5,6 x 61 S.E., 6,5 x 68
schiedlichen Auffassungen hinsichtlich usw. teilt die .17 den Titel "Höchstge-
ihres Anwendungsbereiches zu sehen ist. schwindigkeitspatrone" und wird wirklich
Als "Patronen für die stille Zeit" haben nur von der .220 Swift übertroffen. Die
sich bei uns die .22 Magnum Randfeuer, kaliberkleinste Patrone ist jedoch nicht
die .22 Hornet und allenfalls die .222 auf Schalenwild zugelassen. Das einzige
Rem. etabliert. Diese Patronen sind leise, zur Verfügung stehende Geschoß trägt
rückstoßarm und preiswert und können dem Rechnung: Mit 1,62 g istdas Hornady-
aus einfachen, preisgünstigen Waffen Teilmantel-Lochgescho ß zu leicht für
verschossen werden.Trotzdem sind sie Schalenwild und vom Aufbau her als
stark genug für einen 100-m-Winterfuchs, "Totalzerlegungsgeschoß" konzipiert. Mit
ohne dessen wertvollen Balg zu den drei Rottweilpulvern R 902, R 903
zerschießen. Für die superschnelle .17 und R 907 wird die Fabrikladung bezüglich
scheint da wenig Raum zu sein. Es gibt der Vo kopiert; die nachfolgenden La-
jedoch Jäger, die der .17 das Wort reden dungen mit R 901 haben sich als be-
und mit wiedergeladener Munition schon sonders präzise erwiesen. Obwohl die
gute Erfahrungen gemacht haben. Sie .17 nichts anderes ist als eine eingewürgte
führen die "Punkt Siebzehn" als .223 mit zurückgesetzter Schulter, stößt
Spezialpatrone für den weiten Schuß auf man bei der Umformung meist auf Schwie-
zur Plage werdende Möwen und rigkeiten, weshalb die Originalhülse
Krähenvögel und zur Erlegung von besser geeignet ist.
"Pelzträgern". Trotz dieser unterschied-
lichen Ziele ist das 1,6 g Lochgeschoß
überwiegend flexibel genug, um von den
Vögeln nur Federn übrig zu lassen, jedoch
bei den anderen Zielen trotz hoher
Geschwindigkeit und meist großer
Augenblickswirkung den Balg nicht zu
sehr zu beschädigen. Soweit die Meinung
der Befürworter der .17, die aus den fol-
genden Ladevorschlägen ihre Bestlabo-
rierung ermitteln können.

Geschichte

Nach jahrzehntelanger Vorarbeit durch


US-Wildcatter (schon 1944 befaßte sich
P. 0. Ackley mit .17 Wildcats) wurde die
.17 Rem. in ihrer jetzigen Form 1971 in
den USA und wenig später auch bei uns
auf den Markt gebracht. Einen begrenzten
Aufschwung erlebte die Patrone, nachdem
Krico 1980 die erste deutsche Büchse in
diesem Kaliber vorstellte.

106
9,60

45.62

3
Kaliber: .17 (.172" Dia.)
Hülse: R-P
Zündh.: RWS 4033

TML 1,6 g Hornady TML 1,6 g Hornady


Patronenlänge 54,3 mm Patronenlänge 54,3 mm

Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s


R 901 R 907
max. 1,30 20.0 1130 max. 1,65 25.5 1210
min. 1,23 19.0 1100 min. 1,59 24.5 1160
R 902
max. 1,36 21.0 1150
min. 1,30 20.0 1130
R 903
max. 1,56 24.0 1200
min. 1,49 23.0 1150

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

107
5,6 x 35 R Vierling
Wie der Name schon sagt, wurde die unter dem Potential der 3,0 g Ladung der
Patrone vornehmlich in Vierlingswaffen moderneren .22 Hornet liegt). Die Hülsen
(mit zwei Schrot-, einem großen Kugel- der starken Vierlingslaborierung waren
und einem kleinen Kugellauf), sowie in übrigens im Falle der RWS-Fertigung mit
sogenannten Waldläufern (Doppelflinte einer roten Ringfuge am Zündhütchen als
mit zusätzlichem Vierlingslauf in der solche gekennzeichnet.
verstärkten Visierschiene) und in Ein-
steckläufen geführt. Daneben wurde die
5,6 x 35 R Vierling gerne in leichten,
einläufigen Schonzeitwaffen gekauft.
Heute ist die Patrone ausgelaufen und die
nach dem Krieg noch zeitweilig gefertigten Die Patrone aus der Sicht des
Bestände dürften aufgebraucht sein. Wiederladers.

Der unübliche Geschoßdurchmesser der


Vierling bringt es mit sich, daß bei der
Geschoßauswahl keine großen Experi-
Geschichte mente gemacht werden können. Genauer
gesagt, kommt nur ein einziges Geschoß
Die 5,6 x 35 R Vierling ist nichts anderes des Wiederladermarktes in Frage, nämlich
als die alte amerikanische Schwarzpul- das 40 gr. .222" Jet von Hornady, das -
verpatrone .22 Win. Centerfire (.22 WCF) ursprünglich für die Revolverpatrone .22
von 1885, zumindest was die Hülsenab- Jet gedacht und 5,64 mm messend -, für
messungen betrifft. Leistungsmäßig unter- die 5,63 mm starken Läufe der Vierling
scheidet sie sich augenscheinlich von der verladen werden kann. Die Hülsenumfor-
.22 WCF, denn sie wurde bereits kurz mung von RWS .22 Hornet in 5,6 x 35 R
nach ihrer Übernahme durch deutsche Vierling geht so vor sich: Die leicht
Hersteller auf wesentlich höhere Leistung gefettete Hornethülse in der 5,6 x 35 R-
geladen. Es gab jeweils zwei grundsätz- Matrize kalibrieren und auf 35,50 mm
liche RWS-Laborierungen, von denen die kürzen sowie den Hülsenmund entgraten.
eine für leichte Verschlüsse gedacht war Dann in der Waffe auf Ladefähigkeit
und die schnelle den besseren Waffen überprüfen. Da aus der Zeit vor der
vorbehalten sein sollte. Beide Versionen Normalisierung noch Büchsen mit nicht
waren zumeist mit Rottweiler Vierlings- standardisierten Lagern vorhanden sind,
pulver - RVP geladen. Sie unterschieden passen in viele Waffen auch lediglich
sich also lediglich durch die Ladedichten, kalibrierte und gekürzte Hülsen. In den
während das Geschoß, ein 2,55 g schwe- anderen Fällen muß zusätzlich die
res Kupferteilmantel-Flachkopfgeschoß, Randhöhe der Hornethülse reduziert
dasselbe war. An ballistischer Leistung werden, indem man den Rand vorne bis
konnte erreicht werden: Schwache La- zur Erzielung der Ladefähigkeit auf nicht
dung mit 0,43 g RVP V25 / 520 m/s (was in weniger als 1,40 mm absticht. Aus Hornet
etwa an die Leistung einer .22 Magnum umgeformte Vierlingshülsen sollten mit
Randfeuer heranreicht und für Kleinwild seitlichen Beschriftungen gekennzeichnet
gedacht war) und starke Ladung mit sein, damit sie nicht mit normalen
0,60 g RVP V25 = 695 m/s (was nicht viel Hornethülsen verwechselt werden.

108

8,85 5,64

35,50
11

Kaliber: 5,6 mm (.222" Dia.)


Hülse: umgeformt aus RWS .22 Hornet
Zündh.: RWS 4033

TMF 2,6 g Hornady


Patronenlänge 42,2 mm

Pulver g gr Vo m/s
R 910
max. 0,55 8.5 740
min. 0,52 8.0 660

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

109
.22 Hornet
Vom Karnickel bis zum starken Winter- speziellen Matchbüchsen. Da die Patro-
fuchs reicht die Beute der .22 Hornet. Die ne kaum Nebenwirkungen beim Schuß
relativ gasdruckschwache und gescho ß- zeigt, liegt die Schützenstreuung oft in-
leichte Hornetpatrone kann unbedenklich nerhalb der Patronenstreuung. Sehr gut
in Einsteckläufen selbst für Drillinge (trotz schießt das bei den DJV-Schießen meist
deren asymmetrischer Verschlußbela- verwendete 3,0 g MJ-Geschoß; die gleich
stung) Verwendung finden. Die Mehrzahl schweren TMS und VMS stehen diesem
der Teilnehmer an den Jagdschießen aus den meisten Läufen jedoch nicht nach.
verwendet sie, denn sie ist leise, prak- Die beiden letztgenannten Geschosse
tisch rückstoßfrei, präzise, obendrein dienen vor allem dem jagdlichen Schuß
preisgünstig und zudem werden hervor- auf kleines Wild oder Pelzträger.
ragende Matchwaffen für sie gebaut. Neben den "Standard"-Geschoßgewich-
ten (3,0 g) möchten viele Wiederlader
Geschichte auch noch andere Projektile verwenden.
Die kommerzielle Version derschon länger Hier bieten sich für Kleinwildladungen die
vorher bei Wildcattern bekannten .22 2,6 g TMH und VMF aus dem RWS-
Hornet erschien 1930 bei Winchester. Programm an, sowie das 3,2 g TMS,
Waffen, z.B. von Savage oder Reming- welches auf 640 m/s beschleunigt werden
ton, wurden erst einige Jahre später ange- kann und aus vielen Läufen zufrieden-
boten. Die Hornet ist von der .22 WCF stellend schießt. Als Treibladungspulver
(Winchester Center Fire), einer amerika- steht das Rottweil R910 zur Verfügung.
nischen Schwarzpulverpatrone von 1885 Es ist ein ziemlich "scharfes" Nitrozellu-
abgeleitet, welche wiederum von deut- losepulver mit hohem Energiegehalt.
schen Munitionsherstellern als 5,6 x 35 R Seine leichte Dosierbarkeit und sein
Vierling übernommen wurde. Abbrandverhalten macht es besonders
für die kleine Hornet-Hülse geeignet. Der
RWS-Laborierungen Wiederlader muß auf große Genauigkeit
Ihrem Verwendungszweck entsprechend beim Verladen der Hornet bedacht sein,
wird die .22 Hornet in drei Versionen weil sich bereits bei geringfügiger Über-
angeboten: Mit einem 3,0 g schweren schreitung der Maximalladung Gasdruck-
Teilmantelspitzgeschoß und einem gle- erhöhungen ergeben können. Auch macht
ich schweren Vollmantelgeschoß. Letz- es keinen Sinn, die Hornet zur Erzielung
teres ist für Schüsse gedacht, die mögli- größerer Fluggeschwindigkeiten "heiß"
chst wenig entwertend auf Balg und Wild- verladen zu wollen. Ganz abgesehen von
bret wirken sollen. Dazu kommt das der Ungesetzlichkeit einer Gasdrucküber-
MJ-Geschoß zur Erzielung wettkampf- schreitung durch die Erhöhung der La-
gerecht kleiner Streukreise. dung läuft man leicht Gefahr, seine Waffe
zu ruinieren: Auch bedingt durch die ko-
Die Patrone aus der Sicht des Wied- nische Hülsenform der Hornet (größere
erladers Verschlußbelastung im Vergleich zu
Die Hornet ist keine sehr ausgewogene Schulterhülsen) können selbst
Patrone und innenballistisch nicht leicht Zylinderverschlüsse nach wenigen hun-
zähmbar, was von ihrem geringen Hüls- dert Schuß mit "heißen" Patronen aus-
envolumen im Zusammenhang mit der geschossen sein.
ungünstigen Hülsengeometrie herrührt.
Einer der wichtigsten Einsatzzwecke der
.22 Hornet ist das jagdliche Schießen mit

110
lauJoHZZ'
8,89 5.69
V

35,64

Kaliber: 5,6 mm (.224" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 4033

TMH 2,6 g RWS VMF 2,6 g RWS TMS 3,0 g RWS


Patronenlänge 43,5 mm Patronenlänge 43,5 mm Patronenlänge 43,7 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 910 R 910 R 910
max. 0,59 9.1 740 max. 0,59 9.1 750 max. 0,55 8.5 700
min. 0,50 7.7 630 min. 0,50 7.7 635 min. 0,50 7.7 620

Eae Ea>
VMS 3,0 g RWS MJ 3,0 g RWS TMS 3,2 g RWS
Patronenlänge 43,7 mm Patronenlänge 43,5 mm Patronenlänge 44,5 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 910 R 910 R 910
max. 0,55 8.5 700 max. 0,55 8.5 695 max. 0,53 8.2 640
min. 0,50 7.7 620 min. 0,50 7.7 615 min. 0,50 7.7 610

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

111
.222 Rem.
Nach jahrzehntelanger Bewährung als fast alle auch in .222 Rem. angeboten
Schonzeit- und Scheibenpatrone hat sich werden.
die kleine "5,6 x 43", wie man sie nach Sogar die ständig wachsende Gilde der
dem metrischen System benennen würde, Benchrestschützen ist noch nicht ganz
auch als ausreichend für Rehwild erwie- von der .222 Rem. abgekommen. Man ist
sen, zumindest auf kurze Entfernungen dort der Meinung, daß eine mit der üblichen
und in der Hand eines besonnenen, Sorgfalt verladene .222 Rem. nicht viel
verantwortungsvollen Schützen. schlechter sein kann als eine der "mo-
dernen" Benchrestpatronen.

Damit ist der Einsatzbereich der kleinsten, Dies spricht alles ohne Zweifel für die
in Deutschland zugelassenen Rehwildpa- vorhandene Eigenpräzision der Hülse.
trone (Ländergesetze beachten!) bereits Trotz aller Beliebtheit wird man bei nücht-
umrissen; auch die Waffenpalette, die für erner Betrachtungsweise aber feststellen
den Remington-Abkömmling zur Verfü- müssen, daß die .222 Rem. wegen ihrer
gung steht. verwendungs- und leistungsspezifischen
Zwitterstellung von ihren Nicht-Befürwort-
ern manchmal zu Recht kritisiert wird:
Überwiegend sind leichte Repetierbüch- Es gibt geeignetere Benchrestpatronen;
sen dafür eingerichtet und zum Teil gibt die .22 Hornet ist nach den geltenden
es sogar ausgesprochene Sondermodel- Bestimmungen genauso oder besser zum
le, die quasi "um die Patrone herum" jagdlichen Wettkampfschießen befähigt
maßgeschneidert wurden. Für die gängig- und paßt wegen ihrer geringeren Neben-
en kombinierten Waffen stellt die .222 wirkungen besser in unser durch das Jagd-
Rem. die kleinste der dort eingebauten system vorgegebene Raster "Schonzeit-
Patronen ohne Rand dar und Liebhaber patrone". Schließlich liegt die .222 Rem.
führen sie in mehr oder weniger aufwendi- wirklich im untersten Bereich der Anfor-
gen Kipplauf- und Blockbüchsen. Wer derungen für eine Rehwildpatrone, wie
eine kombinierte Waffe mit einem großen die seinerzeitigen, intensiven Untersuch-
Kugelkaliber führt, weiß die .222 Rem. im ungen anhand Tausender von Abschuß-
Einstecklauf zu schätzen. Diese prakti- berichten und Laborversuchen ergaben.
schen Ergänzungen sind aus dem tägli- Auf Rehwild (und natürlich auf etwagleich
chen Jagdbetrieb nicht mehr wegzu- schweres anderes Wild oder Raubzeug)
denken und gerade die .222 Rem. kann fehlen der kleinen Hülse die Energie-
dort die Lücke zwischen der zwar präzisen reserven, welche bei nicht ganz so guten
und preiswerten, aber nicht auf Rehwild Schüssen oder auf weitere Entfernungen
zugelassenen .22 Hornet und der zwar dringend benötigt würden.
potenteren, jedoch aufwendigeren Reh-
wildpatrone 5,6 x 50 R schließen, vor Trotz alledem: Für den sie überlegt
allem, wenn es in erster Linie um die einsetzenden Jäger mit sicherer Hand
waidgerechte Bejagung der kleinen Räu- und vor allem für den Wiederlader ist die
ber bzw. des kleinen Nutzwildes geht. .222 Rem. eine gute Patrone. Dem
Wiederlader stellt sie sich besonders
Als Spezialwaffen für den jagdlichen dankbar dar, weil sie nach "unten" äu ßerst
Wettkampf zählen die schweren Match- flexibel ist und so ihr Anwendungsbereich
repetierbüchsen und Einzellader, welche wesentlich erhöht werden kann.

112
Geschichte Aufgabengebiet der .222 Rem. klar um-
rissen und sollte sich innerhalb des Spek-
Im Frühjahr 1950 von Remington heraus- trums "präzise Kleinwild- und Benchrest-
gebracht, kam die .222 etwa gegen Ende patrone" bewegen. Daneben sollte die
des Jahres 1953 nach Europa. 1957 war Neuvorstellung etwas Ordnung in das
sie bereits im Fertigungsprogramm der Wirrwarr der zahlreichen, nebeneinander
deutschen Hersteller, nachdem der Waf- laufenden Kleinkaliberpatronen bringen
fen- und Munitionsausschuß des DJV die und diese nach und nach ablösen, was
Patrone ein Jahr zuvor in die Gruppe II schließlich auch gelang.
"Spezialpatronen" aufgenommen hatte. Allerdings kehrte sich der angestrebte
Die .222 Rem. kannte übrigens kein hül- "Rationalisierungseffekt" im Laufe der Zeit
senbezogenes Vorbild und wurde, wenn nahezu ins Gegenteil: Die .222 Rem. war
auch eine gewisse maßstäbliche Verklein- so richtungsweisend, daß fast alle .22er
erung der weltweit beliebten .30-06 Spring- bzw. 5,6 mm Neuentwicklungen der
field augenscheinlich ist, völlig neu auf letzten Jahrzehnte auf den Grundmaßen
dem Reißbrett konstruiert. Dies war ein R1 bzw. P1 der kleinen Rem. aufbauen.
mutiger Schritt, denn das neue R1-Maß Man denke nur an die .222 Rem. Mag.,
der Patrone machte natürlich neue Stoß- die .223 Rem. oder die 5,6 x 50 und 5,6 x
bodendurchmesser zugehöriger Waffen 50 R. Einige dieser Patronen haben der
erforderlich. Der Markt mußte also gänz- Hülse .222 Rem. und ihren "Töchtern"
lich von Anfang an erschlossen werden. bereits "Enkel" beschert, so die militärische
Dies wurde eingeleitet mit der Vorstellung Experimentalpatrone .30-.223, die
ebenfalls neu konstruierter Waffenmo- Silhouettenpatrone 7 mm TCU oder die
delle, wobei vor allem das Remington von Werner Reb entwickelten Rehwild-
Modell 722 zu nennen ist. und Silhouettenpatronen 6,5 x 50 R bzw.
Maßgeblich an der Geburt der .222 be- 7 x 50 R.
teiligt war der langjährige Chef-Konstruk-
teur bei Remington, Mike Walker, selbst
begeisterter Jäger und vor allem äußerst RWS-Laborierungen
erfolgreicher Benchrester seiner Zeit.
Das Kaliber von 5,69 mm/.224" (Ge- Das "hülsengerechte" Geschoßgewicht
schoßdurchmesser maximal 5,70 mm) für die .222 Rem. liegt bei 3,2 bis 3,4 g,
übernahm Walker von den bereits vorhan- was auch bei den Geschossen der Werks-
denen .22"-Patronen , wie .22 Hornet, .218 ladungen Berücksichtigung findet. Nach
Bee, .219 Zipper und .220 Swift bzw. ausgiebigen Erprobungen werden
deren "Abkömmlingen" wie der damals folgende Geschosse verladen: Das 3,2 g
sehr erfolgreichen Benchrest- und Var- / 50 gr TMS ist als Universalprojektil für
mint-Patrone .219 Donaldson Wasp. Die- die Schonzeit und für Rehwild konzipiert
se Patronen waren fast alle bereits vor und erfüllt diesen Zweck in der .222 Rem.
dem Zweiten Weltkrieg bekannt gewesen. ebenso wie in den schnelleren Patronen
Die .222 Rem. ist im Gegensatz zu den 5,6 x 50 sowie 5,6 x 50 R. Natürlich kann
genannten Rand- bzw. Halb-Randpa- das leichte Projektil keine ballistischen
tronen eine .22er Patrone ohne Rand und Wunder vollbringen. Es genügt aber bei
somit besonders für den Gebrauch in guten Schüssen, sofern die Zielentfernung
Repetierbüchsen gedacht und geeignet. nicht optimistisch hoch angesetzt wurde.
Nach dem Willen ihrer Väter war das

113
.222 Rem.
Das bis 1997 lieferbare 3,2 g Vollmantel- Die Patrone aus der Sicht des
Spitz-Geschoß sollte bei gleicher au ßenbal- Wiederladers
listischer Leistung dem Schuß auf Pelzträger
oderauf kleines Nutzwild vorbehalten bleiben, Da die meisten Läufe für Waffen .222 Rem.
für Schüsse also, die wenig zerstörend auf einen 36cm langen Drall aufweisen, lassen
Balg und Wildbretwirken sollen. Einem zielballi- sich auch leichtere Geschosse als 3,2 g
stischen Grundgesetz zufolge istdiese scho- präzisionsgerechtverladen. Dafürstehen zur
nende Wirkung zwar nicht immer hundert- Verfügung: Das 2,6 g schwere Teilmantel-
prozentig zufriedenstellend zu erreichen, Hohlspitzgescho ß und das ebenso schwere
doch stellte das Vollmantelgescho ß für den Vollmantel-Flachkopfgescho ß sowie die 3,0 g
Praktikereine gute Ergänzung zum Teilman- Geschosse in Teilmantel-Spitz-, Vollmantel-
tel-Spitzgeschoßdar. Eswurdejedochwegen Spitz- und MJ/SG-Ausführungen. Die beiden
mangelndem Interesse der Jäger aus dem 2,6 g Geschosse stammen von der .22
Programm genommen. Magnum Randfeuer und sind zum Anfertigen
Dasselbe trifilfür das 3,6g MJ/SG-Geschoß reduzierter Ladungen geeignet. Hierfürsind
gesagt zu, welches in erster Linie als präzises -wie in den Ladevorschlägen ausgedruckt -
Scheibenprojektil dient und so beim Übungs- vor allem die Pulver Rottweil R 910 und
und Wettkampfschießen Einsatz findet, Rottweil R 901 vorgesehen. Die Anfangs-
allerdings genauso erfolgreich zur Bejagung ladung des Pulvers R901 kann bis kurzvordie
nicht zu schweren Raubzeugs oder Anzeichen mangelnder Liderung bzw.
Raubwildesgenommenwerden kann. Fürden unvollständiger Pulververbrennung reduziert
Schuß auf Pelzträgeroder eßbares Nutzwild werden (etwa bis 1,17g /18.0 gr), während
ist das MJ/SG nicht so geeignet; auf Rehwild die Anfangsladung beim Rottweil R 910 etwas
sollte es wegen mangelnder und auch nicht über der Leistung der .22 Mag. Randfeuer
vorgesehenerTiefenwirkung überhauptnicht liegt. Beim Rottweil R 902 gibtesgelegentlich
verschossen werden. schon bei der Anfangsladung
Das 3,6 g MJ/SG war speziell auf die Belange Liderungsschwächen (Indiz: geschwärzte
derJungjägerausbildung bzw. Jägerprüfung Hülse), besonders bei etwasweitergehaltenen
abgestellt und überschritt auf 100 m die Patronenlagern. Die Ladungen sollten dann in
teilweise erforderliche Mindestleistung von 0,01 g Schritten bis zur sauberen Liderung
1000 Joule. Es wurde 1987 eingeführt und bzw. gewünschten Geschwindigkeit gestei-
2001 durch das bessere, da hinsichtlich der gert werden, natürlich nicht über die
Präzision optimierte MJ 3,4g abgelöst. Maximalladung hinaus.
Durch sorgfältige Abstimmung dersich ideal Die Spitzengeschwindigkeit bei den 2,6 g
ergänzenden Laborierungen wurde erreicht, Geschossen wird mit Rottweil R 901 erreicht.
dass aus vielen Waffen eine weitestmögliche An dieser Stelle sollte man jedoch an die
Übereinstimmung der Treffpunktlagen auf dringende Empfehlung denken, daß sehr
jagdliche Entfernungen vorliegt, sodass alle schnelle Laborierungen mit den relativ
Laborierungen miteinander meist ohne "weichen", für Randfeuer-Geschwindigkeiten
Haltepunktveränderung geschossen werden konstruierten Geschossen nicht auf Nutzwild
können. Selbstredend muss man die oder starkes Raubwild genommen werden
Übereinstimmung von verschiedenen sollten (hier unter Umständen fehlende
Ladungen immer in der eigenen Waffe Tiefenwirkung). Ebenso sei bemerkt, daß die
überprüfen. leichten Geschosse keinesfalls für Rehwild

114
gedacht sein können. Fürdie 3,0 g schweren Geschosses mit denen der beiden anderen
TMS-, MJ/SG- und VMS-Geschosse, diesonst Projektile gleichen Gewichts fällt die etwas
in der Hornet verladen sind, gilt die obige geringere Vo des SG bei gleicher Ladung auf.
Bemerkung ebenfalls, sowohlwasden Einsatz Dies hat innenballistische Gründe und führt zu
auf Rehwild betrifft, als auch hinsichtlich der einersehrpräzisen Ladung des MJ/SG, liegt
Liderungsprobleme. Während bereits bei der also im Interesse desSchützen.Auch das 3,6
Anfangsladung für R 902 gelinde Ver- g schwere TMS-Geschoß kann sich in der
brennungsmängel auftauchen könnten, läßt .222 Rem. als praxisgerecht erweisen, wenn
sich die Anfangsladung des R 901 noch es mit Sorgfalt und unter Beachtung der
geringfügig reduzieren, um eine Kopieder .22 Drall-Länge verladen wird. Seine Präzision
Hornet zu erhalten. Letztere wird mit 0,71 g sollte allerdings aus der individuellen Waffe
/ 11.0 gr Rottweil R 910 hergestellt. Auf überprüft werden, nicht nur bei Läufen mit
nahezu 1000 m/s beschleunigt das 3,0 g einem längeren Drall als 360 mm.
Geschoß vor Rottweil R 902, was eine Das seit 2001 im RWS-Sortiment befindliche
ausgezeichnete, weitreichende 3,4 g MJ ergänzt das Geschoßangebot um
Raubwildladung abgibt. Hinter dem ein eigenpräzises Matchgeschoss, welches
Vollmantelgeschoß ist eine Ladungs- von Spezialisten auch für balgschonende
reduzierung angebracht, wenn auf geringste Weitschüsse auf den Fuchs genommen wird.
Balg-und Wildbretentwertung hingearbeitet Wegen dergewolltfehlenden Tiefenwirkung
werden soll. Die Ladeangaben fürdie 3,0 g des dünnmanteligen Scheibengeschosses in
schweren TMS und VMS gelten auch fürdas größeren Wildkörpern hatdie Verwendung
3,0 g MJ/SG-Geschoß, das dann geringfügig auf Rehwild zu unterbleiben. Das 3,4 g MJ
wenigerGeschwindigkeit, jedoch auch etwas verdautdie angegebenen Treibladungspulver
weniger Gasdruck aufweist. Die Patronen- gleichmäßig gut, was aber natürlich vom
länge beim 3,0 g MJ/SG-Geschoß beträgt individuellen Lauf abhängt. Die Ladungen mit
51,4 mm (Heraussetzen des Geschosses R 902 und R 903 haben eine Ladedichte >1.
bis ca. 0,5 mm vordem Berühren der Felder
kann die Präzision weiter erhöhen); die Manche Praktiker möchten auch das stabile,
Bestladung wird bei etwa 1,43 g / 22.0 gr fürden Drall der .222 Rem. eigentlich schon
R 902 bzw. 1,30 g / 20.0 gr R 901 liegen. zu langeundschwere4,1gTMSausprobieren:
Diese Ladungen haben sich in den Kreisen Mit einer "max." Ladung von 1,56 g/24.0 gr
der Praktiker als am präzisesten und auch bei R 903 (Ladedichte >1 ) werden immerhin 865
den Ermittlungsbeschüssen als am ausge- m/s erreicht.
wogensten zwischen Effizienz und Präzision
erwiesen. Fürden präzisionsbewußten Wiederladerist
Geschosse von 3,2 g fordern bereits an die es eine reizvolle Aufgabe, sich aus dem
"Ladedichte 1" heranreichende Pulver- reichhaltigen Geschossangebot diewaffen-
mengen, zumindest beiden fauleren Sorten, undladungsbezogen präzisesten Ladungen
z. B. R 903. Mit R 902 werden die fürdie kleine .222 Rem "herauszuschießen".
Werkslaborierungen nachvollzogen; die
höchste Vo ist mit 1,49 g / 23.0 gr R 902
hinter dem 3,2 g VMS-Geschoß erreicht.
Beim Vergleich der Werte des 3,2g MJ/SG-

115
.222 Rem.

TMH 2,6 g RWS VMF 2,6 g RWS TMS 3,0 g RWS


Patronenlänge 50,0 mm Patronenlänge 50,0 mm Patronenlänge 51,1 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 910 R 910 R 910


max. 0,95 14.7 900 max. 0,95 14.7 900 max. 0,95 14.7 870
min. 0,65 10.0 650 min. 0,65 10.0 650 min. 0,65 10.0 635

R 901 R 901 R 901


max. 1,49 23.0 1030 max. 1,49 23.0 1030 max. 1,36 21.0 960
min. 1,30 20.0 905 min. 1,30 20.0 905 min. 1,23 19.0 855

R 902 R 902 R 902


max. 1,56 24.0 1015 max. 1,56 124.0 1015 max. 1,49 23.0 980
min. 1,36 21.0 905 min. 1,36 21.0 900 min. 1,36 21.0 880

MJ/SG 3,0 g RWS VMS 3,0 g RWS TMS 3,2 g RWS


Patronenlänge 51,4 mm Patronenlänge 51,4 mm Patronenlänge 53,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 910 R 910 R 901


max. 0,95 14.7 875 max. 0,95 14.7 870 max. 1,36 21.0 940
min. 0,65 10.0 650 min. 0,65 10.0 640 min. 1,23 19.0 850

R 901 R 901 R 902


max. 1,39 21.5 935 max. 1,36 21.0 960 max. 1,49 23.0 965
min. 1,26 19.5 850 min. 1,23 19.0 860 min. 1,43 22.0 900
R 902 R 902 R 903
max. 1,56 24.0 965 max. 1,49 23.0 980 max. 1,56 24.0 950
min. 1,43 22.0 900 min. 1,36 21.0 885 min. 1,49 23.0 900

116
-1
— 'tr
9,60 5,69

43,18

CD
3
Kaliber: 5,6 mm (.224" Dia.)
Hülse: RWS
Zündh.: RWS 4033

MJ/SG 3,2 g RWS VMS 3,2 g RWS MJ 3,4 g RWS


Patronenlänge 52,5 mm Patronenlänge 53,0 mm Patronenlänge 52,4 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr Vo m/s
R 901 R 901 R 901
max. 1,36 21.0 880 max. 1,36 21.0 940 max. 1,43 22.0 925
min. 1,23 19.0 780 min. 1,23 19.0 850 min. 1,30 20.0 820
R 902 R 902 R 902
max. 1,49 23.0 915 max. 1,49 23.0 970 max. 1,52 23.5 930
min. 1,36 21.0 800 min. 1,43 22.0 900 min. 1,36 21.0 815
R 903 R 903 R 903
max. 1,59 24.5 905 max. 1,56 24.0 950 max. 1,65 25.5 935
min. 1,49 23.0 840 min. 1,49 23.0 900 min. 1,46 22.5 820
auch 1,62 g/25.0 g R907=905 m/s

TMS 3,6 g RWS MJ/SG 3,6 g RWS


Patronenlänge 52,4 mm Patronenlänge 53,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 901 R 901
max. 1,33 20.5 845 max. 1,23 19.0 860
min. 1,23 19.0 800 min. 1,17 18.0 800
R 902 R 902
max. 1,43 22.0 875 max. 1,39 21.5 890
min. 1,36 21.0 820 min. 1,30 20.0 800
R 903 R 903
max. 1,56 24.0 860 max. 1,56 24.0 900
min. 1,43 22.0 800 min. 1,43 22.0 780

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck). sowie auf Seite 105 beachten.

117
.223 Rem.
Wie schon so oft in der Geschichte der Sportschütze der .223 Rem. AmAnfang ihrer
Munitionsentwicklung, stand auch bei der Karriere wurde die .223 selbst von
.223 Rem. die militärische Rüstung Pate und Benchrestern ausprobiert, doch dann zu-
zwar ausgehend von munitionstechnischen gunsten von Patronengrößeren Volumens
Erfahrungen aller Teilnehmermächte des bzw. anderer Hülsenkonfiguration wieder
Zweiten Weltkriegs. DerZuwendungszwang fallengelassen. Mitte der achtziger Jahre
zu den neuen, kleineren Patronen schien tauchte die .223 in Form der".223-40° Kelbly"
unumkehrbar geworden zu sein: Sie sind kurzfristig wieder auf: Speziell für den
billiger, logistischeinfacherhandzuhabenund Benchresteinsatzwollte man mit der steilen
dabei au ßen- und zielballistisch auf militärische 40°-Schulter und einer weniger konischen
Weichziele ausreichend. Später wurdedie Hülsenverlaufsform mehr Verbrennungsvo-
Militärentwicklung dann als Zivilversion lumen und eine präzisionsfördernde Hülsen-
gebracht und sowohl dem Sportschützen als geometrie erreichen, was teilweise auch
auch dem Jägerangeboten und zwar unter gelang. Besagte ".223-40° gab jedoch aus
der Bezeichnung ".223 Rem".,wobei die Zahl anderen Gründen nurein kurzes Gastspiel auf
.223-die den Geschoßdurchmesser anzuge- dem Sektor der hochpräzisen
ben scheint - irreführend ist. Auch die .223 Benchrestpatronen. Inzwischen hat sich die
Remington verwendet Geschosse des .223 Remington allerdings wiederholt als
üblichen Durchmessers 5,7 mm/.224", wie ausgezeichnete Basishülse für
andere Patronen dieser Gruppe auch. zukunftsweisende Experimentier- und
Wiederladerpatronen erwiesen (z.B..30-223
In den meisten US-Staaten sind .22er und 7 mm TCU).
Patronen zurJagd auf Schalenwild verboten,
so daß die .223 Remington dort vorallem für
den Präriehundjäger sowie zur Jagd auf Geschichte
Coyoten interessant ist. Daneben wird sie
gerne von den zahlreichen und begeisterten Entwickelt in den Jahren 1957 bis 1959,
Scheibenschützen verwendet. In Europa ist wurde die Patrone unter den Namen ".223
die .223 Rem. eine in die Kategorie"Raubzeug Rem." zuerst als zivile Variante angeboten
und Rehwild"einzureihende Kleinpatrone und und Anfang 1964 als "5,56 mm ball cartridge
liegt leistungsmäßig in etwagleichauf mit der M 193"von der US-Army standardisiert. Der
hülsenlängeren, aber geringfügig gas- fachkundige amerikanische"Varmint"-Jäger
druckschwächeren .222 Rem. Mag. Das stand der Neukonstruktion sofort
Nebeneinander der beiden Patronen .223 aufgeschlossen gegenüber, während es im
und .222 Mag. des gleichen Herstellers einflußreichen Lager der konservativen
Remington läßt sich auf Grund einer Sportschützen zu Anfang Zweifler gab, vor
Parallelentwicklungerklären. Daßschließlich allem bei den Befürwortern der
die etwas kürzere .223 den Zuschlag für die kalibergrößeren und schwereren Patronen.
Verwendung als Militärpatrone erhielt und Unter der unglücklichen Bezeichnung
der (wegen der g rö ßeren Kapazitätder Hülse) "Vietnampatrone", welche ihr von der
innenballistisch zweifellosausgewogeneren Sensationspresse aufgedrücktworden war,
.222 Remington Magnumvorgezogen wurde, stand die .223 Remington bald in dem
hing mit der, in den in Frage kommenden zweifelhaften Ruf, selbst bei einem Trefferauf
Waffensystemen höchstmöglichen Patronen- die äußeren Extremitätentödlich zu wirken.
bzw. Hülsenlängen zusammen. Diese stark überzogene und technisch
unhaltbare Einschätzung hing mit der
Neben dem Jäger bedient sich auch der drallbedingten Unterstabilisierung relativ

118
schwerer Geschosse zusammen, welche mit kleinvolumigen Hülsen ausgeprägte
durch ihr Taumeln und Überschlagen im Ziel Präferenzen für bestimmte Geschosse. Dies
Verletzungen hervorriefen, die mit den geht so weit, daß aus manchen Läufen
damaligen Kenntnissen der Zielballistik nicht Geschosse zwar gleicher Masse, aber
leicht in die Vorstellung der Wirkung eines anderer Konfiguration völlig unterschiedlich
kommerziellen Vollmantelgeschosses "verdaut"werden,wasdas Druck-/Leistungs-
eingeordnetwerden konnten. verhältnis bzw. die absolute Präzision anlangt.
Dasgeringe Fassungsvermögenderkleinen
Hülse gibt beim Verladen von faulen
RWS-Laborierungen Pulversorten hinter leichten Geschossen
Probleme auf: Die Hülse ist manchmal voll,
Von den 1987 bis 1997 zur Verfügung bevor der zulässige Gasdruck ausgeschöpft
stehenden Laborierungen wird wegen der werden kann. Einrütteln der Preßladung über
geringen Nachfrage fürdas SG nur noch das einen Langhalstrichter schafftAbhilfe.
3,6 g TMS-Geschoß angeboten, während Das 2001 vorgestellte 3,4 g MJ ergänzt die
vorher Patronen mit 3,6 g TMS und 3,6g SG Geschosspalette um ein eigenpräzises
zur Verfügung standen. Die waren beim Jäger Scheibengeschoss.Eswird von Spezialisten
wie beim Sportschützen gleichermaßen auch für weite, balgschonende Schüsse auf
beliebt, wobei die Ladung mit dem relativ den Fuchs genommen. Wegen der gewollt
weichen,weilmiteinerHohlspitzeversehenen fehlenden Tiefenwirkung in größeren
SG-Geschoß vor allem den Jagd- und Wildkörpern sollte es für Rehwild nicht
Sportschützen ansprach aber nur unter verwendet werden. R 901 und R902 sind für
einfachen Umständen (Kammerschüsseauf das 3,4 g MJ besonders geeignet, die
kurze Distanz) für Rehwild verwendet werden Hochleistung wird mit R 902 erbracht. Von R
sollte. Hierfürwurde nämlich die Ladung mit 903 und R 907 kommt nicht genug in der
dem 3,6 g TMS konzipiert, welche sich als kleinen Hülse unter, so dass die geringere
ausgewogen zwischen Wilbretentwertung Leistung mit diesen Pulvern weniger vom
und Wirkung erweist. Druck, sondern von der mangelnden
Hülsenkapazität bzw. der geringeren
Pulverdichte dieser schon progressiven
Die Patrone aus der Sicht des Sorten begrenzt wird.
Wiederladers Eine Ladung etwavonderLeistung der Hornet
erhält man mit 0,80 g / 12.3 gr Rottweil
Die .223 Rem. leidet sehrdarunter, daß die für R910 hinter dem 3,0 g SG (710 m/s). Die
sie eingerichteten Waffen in den "max."- Ladung mit diesem Pulver und 3,0 g
unterschiedlichsten Drall-Längenange-boten Geschossen ist 1,10 g / 17.0 gr (945 m/s).
werden. Glücklicherweise haben sich
wenigstens die wichtigen Hersteller ziviler
Waffen auf "mittlere" Drallverhältnisse
geeinigt, so daß heutezumeist Dralle von ca.
30 cm zur Verfügung stehen, welche als
universell für Geschoßgewichte von etwa 3
bis4 Gramm gelten. Das4,1gTMSGeschoß
von RWS verträgt sich ebenfalls mit dieser
"Norm"-Drallänge, schießt aber in kürzer
gedrallten Läufen oft präziser.
Die .223 Remington hat wie andere Patronen

119
.223 Rem.

EED
TMH 2,6 g RWS VMF 2,6 RWS TMS 3,0 g RWS
Patronenlänge 52,0 mm Patronenlänge 52,0 mm Patronenlänge 53,8 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 910 R 910 R 901


max. 1,10 17.0 960 max. 1,10 17.0 970 max. 1,49 23.0 940
min. 0,65 10.0 630 min. 0,65 10.0 670 min. 1,43 22.0 900
R 901 R 901 R 902
max. 1,62 25.0 1015 max. 1,62 25.0 1020 max. 1,69 26.0 990
min. 1,56 24.0 970 min. 1,56 24.0 980 min. 1,59 24.5 935
R 902 R 902 R 903
max. 1,69 26.0 990 max. 1,69 26.0 990 max. 1,81 28.0 980
min. 1,62 25.0 940 min. 1,62 25.0 940 min. 1,72 26.5 920

MJ/SG 3,0 g RWS VMS 3,0 g RWS TMS 3,2 g RWS


Patronenlänge 53,5 mm Patronenlänge 53,5 mm Patronenlänge 53,8 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 901 R 901 R 901


max. 1,49 23.0 945 max. 1,49 23.0 950 max. 1,52 23.5 970
min. 1,43 22.0 900 min. 1,43 22.0 900 min. 1,43 22.0 930
R 902 R 902 R 902
max. 1,69 26.0 990 max. 1,69 26.0 995 max. 1,65 25.5 970
min. 1,59 24.5 935 min. 1,59 24.5 950 min. 1,56 24.0 915
R 903 R 903 R 903
max. 1,81 28.0 985 max. 1,81 28.0 980 max. 1,81 28.0 970
min. 1,72 26.5 920 min. 1,72 26.5 940 min. 1,72 26.5 930

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

120
'we1: £ZZ '
9,60 5,69

1
44,70

Kaliber: 5,6 mm (.224" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 4033

MJ/SG 3,2 g RWS VMS 3,2 g RWS MJ 3,4 g RWS


Patronenlänge 53,4 mm Patronenlänge 54,8 mm Patronenlänge 53,8 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 901 R 901 R 901


max. 1,52 23.5 950 max. 1,52 23.5 980 max. 1,59 24.5 990
min. 1,43 22.0 900 min. 1,43 22.0 930 min. 1,52 23.5 910
R 902 R 902 R 902
max. 1,65 25.5 950 max. 1,65 25.5 975 max. 1,75 27.0 1005
min. 1,56 24.0 890 min. 1,56 24.0 925 min. 1,59 24.5 890
R 903 R 903 R 903
max. 1,78 27.5 960 max. 1,81 28.0 980 max. 1,81 28.0 950
min. 1,72 26.5 930 min. 1,72 26.5 950 min. 1,72 26.5 850
auch 1,85 g/28.5 gr R 907=945 m/s

®s
TMS 3,6 g RWS MJ/SG 3,6 g RWS TMS 4,1 g RWS
Patronenlänge 53,6 mm Patronenlänge 53,8 mm Patronenlänge 53,8 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr Vo m/s

R 902 R 902 R 902


max. 1,62 25.0 970 max. 1,56 24.0 960 max. 1,62 25.0 940
min. 1,56 24.0 915 min. 1,49 23.0 920 min. 1,52 23.5 870
R 903 R 903 R 903
max. 1,81 28.0 990 max. 1,75 27.0 990 max. 1,75 27.0 940
min. 1,69 26.0 910 min. 1,62 25.0 900 min. 1,62 25.0 860
R 907 R 907 R 907
max. 1,81 28.0 965 max. 1,78 27.5 970 max. 1,81 28.0 915
min. 1,75 27.0 880 min. 1,69 26.0 860 min. 1,72 26.5 850

ACHTUNG! Vordem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

121
.222 Rem. Magnum
Ursprünglich als Militärpatrone konzipiert, zu lang für die Aufnahme in das System
konnte sich die .222 Rem. Mag. auf dem der damaligen halbautomatischen
Zivilmarkt nicht so halten, wie es die an Testwaffe, so daß die .222 Magnum
sich gute Leistung der Patrone glauben zugunsten der Parallelentwicklung .223
machen möchte. Im wesentlichen nichts nicht als Militärpatrone angenommen
anderes als eine etwas verlängerte .222 wurde. Um wenigstens einen Teil der
Rem. darstellend kam die kleine Magnum Entwicklungskosten wieder herein zu
weder gegen ihre inzwischen schon eta- bekommen, brachte Remington die .222
blierte Ausgangspatrone noch gegen die Rem. Mag. 1958 auf den zivilen Markt. Ob
stärkeren 5,6 mm-Patronen wie .22-250 dabei auch ein damals diskutiertes Verbot
an. Im Rennen um die Aufnahme als der .223 für Zivilzwecke eine Rolle gespielt
Militärpatrone siegte die geringfügig haben könnte, ist heute - nach dem
kleinere, aber in der gleichen Leistungs- Nebeneinander der beiden Patronen auf
klasse liegende .223 Rem., die auch als dem zivilen Markt - nicht mehr feststellbar.
5,56 x 45 geführt wird. In Deutschland war
die .222 Rem. Mag. eine Zeitlang insofern
an den Kontroversen um die Rehwildtaug-
lichkeit der .222 Rem. beteiligt, als damals Die Patrone aus der Sicht des
empfohlen wurde, Waffen dieses Kalibers Wiederladers
auf die etwas stärkere Magnum aufzu-
bohren. Obwohl noch Waffen in .222 Rem. Es können unter Anwendung der "min."-
Mag. gebaut werden, befindet sie sich Ladung alle 2,6 g, 3,0 g und 3,2 g
bereits auf dem "absteigenden Ast", was Geschosse der .222 Rem. verwendet
den Wiederlader nicht daran hindert, sie werden, d.h. die nebenstehenden
mit guter Munition zu versorgen. Vom Ladedaten gelten auch für die VM- und
Präzisionspotential ist die kleine Magnum MJ/SG-Versionen. Bei den Bestpulvern
mit der kürzeren .222 Rem. ebenso zu liegt der Schwerpunkt auf R 903; bei den
vergleichen wie leistungsmäßig etwa mit leichten Geschossen ist R 901 angebracht.
der 5,6 x 50 R.

Geschichte

Nicht lange nach der Einführung der .222


Rem. im Jahre 1950 tauchten wieder-
geladene- und fabrikgefertigte Modifika-
tionen derselben auf. Die Hülse wurde
verkürzt und verlängert und, als anläßlich
eines Entwicklungsvorhabens an einer
neuen kleinkalibrigen Militärpatrone für
halb- und vollautomatische, leichte Sturm-
gewehre für die US-Army gearbeitet
wurde, stieß man auf die .222 Rem. Mag-
num. Die Hülse erwies sich aber als etwas

122
' eIAI 'weld ZZZ'
9,60

46,99

Kaliber: 5,6 mm (224" Dia.)


Hülse: R-P
Zündh.: RWS 4033

6
TMH 2,6 g RWS TMS 3,0 g RWS TMS 3,2 g RWS
Patronenlänge 54,7 mm Patronenlänge 54,3 mm Patronenlänge 55,2 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 901 R 901 R 901
max. 1,65 25.5 1060 max. 1,65 25.5 1000 max. 1,62 25.0 1000
min. 1,59 24.5 980 min. 1,59 24.5 975 min. 1,56 24.0 955
R 902 R 902 R 902
max. 1,69 26.0 1040 max. 1,72 26.5 1000 max. 1,69 26.0 1020
min. 1,62 25.0 985 min. 1,65 25.5 955 min. 1,62 25.0 930
R 903 R 903 R 903
max. 1,94 30.0 1000 max. 1,94 30.0 1040 max. 1,91 29.5 1030
min. 1,88 29.0 910 min. 1,88 29.0 1005 min. 1,85 28.5 980

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

123
.22 - 250 Rem.
Im Ursprungsland USA ist die .22 - 250
auch unter dem Namen ".22 Varminter" Die Patrone aus der Sicht des
bekannt und das umreißt den Einsatz- Wiederladers
bereich der Patrone: "Varmints" sind am
ehesten mit dem "Raubzeug" oder auch
dem "Raubwild" der deutschsprachigen Die .22 - 250 ist im Grunde eine hervor-
Nomenklatur vergleichbar, wobei die Ame- ragende Patrone für das Präzisionsschießen
rikaner aber nicht nur Beutegreifer meinen, und wurde auch jahrelang zum Benchrest-
sondern auch z. B. "Jackrabbits" (bei Far- Schießen verwendet. Leider zeigt sie aber
mern nicht beliebte Kaninchenart) und eine gewisse Empfindlichkeit im Vergleich mit
vor allem die zahlreich auftretenden, mit anderen Benchrest- und Schonzeit-
unserem europäischen Murmel verwand- Rehwildpatronen, was die Komponenten
ten "Chucks". Diese werden auf manchmal betrifft. So sind bei einem Wechsel des
sehr große Entfernungen beschossen, Hülsenloses manchmal starke
was den Einsatz schneller Patronen mit Gasdruckschwankungen zu beobachten. Der
gestreckter Flugbahn und guter Eigenprä- gleiche negative Effekttritt bei geringfügigen
zision erforderlich macht. Zudem müssen Änderungen der Gescho ßeinsetztiefe auf. In
entsprechend dünnmantelige, im Aufbau kaum einer anderen Patrone können Wechsel
"weiche" Geschosse verladen werden, auf andere Pulverlose derart signifikant
damit auch bei der geringen Tiefe der registriert werden. Deshalb gilt für die .22 -
Ziele ein geregeltes Ansprechen des Pro- 250 der Grundsatz um so mehr, sich nach
jektils gewährleistet ist. Aus diesem Grund Erarbeiten einer präzisen Laborierung einen
sollte die .22 - 250 nicht auf Schalenwild möglichst großen Vorrat an Komponenten
verwendet werden, wenn nicht die geeig- derselben Fertigung bzw. Losnummer an-
neten Geschosse verladen sind: Dünn- zulegen. Nachdem derobenerwähnte Einsatz-
mantelige Varmintgeschosse erfüllen die grundsatz für unsere Jagdverhältnisse
Anforderungen an ein Schalenwildge- weitgehend theoretisch ist, wird den
schoß keineswegs. empfohlenen RWS-Geschossen jeweils
folgende Aufgabe zugewiesen: Das 3,0 g
Geschichte Hornetgescho ß für Schonzeitzwecke, das 3,2
g TMS für Rehwild/stärkeres Raubwild und
Die .22 - 250 entstand durch Einwürgen der das 4,8 g KS als Reserven haltendes
.250 Savage von 1915 und dürfte in der Rehwildgeschoß auch auf größere Entfer-
jetzigen Form - abgesehen von minimalen nung. Die ausden obigen Gründen zurückhal-
Änderungen - bereits Mitte der dreißiger tend ermittelten Ladevorschläge sind auch
Jahre in den Händen von Wildcattern für die jeweiligen Vollmantelversionen
gewesen sein. Kommerziell geladen wird die brauchbar. Für die MJ/SG-Geschosse sind
Patrone seit 1965. Alle Werksladungen sind siegeringfügig zu reduzieren.
für "Varmint" gedacht.

124
"w edOSZ-ZZ "
5,69

48,56

Kaliber: 5,6 mm (.224" Dia.)


Hülse: R-P
Zündh.: RWS 5341

TMS 3,0 g RWS TMS 3,2 g RWS KS 4,8 g RWS


Patronenlänge 56,7 mm Patronenlänge 57,6 mm Patronenlänge 58,8 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s

R 902 R 903 R 907


max. 2,20 34.0 1110 max. 2,37 36.5 1095 max. 2,17 33.5 960
min. 2,00 31.0 970 min. 2,20 34.0 1000 min. 2,04 31.5 920
R 903 R 907 R 904
max. 2,33 36.0 1090 max. 2,40 37.0 1100 max. 2,30 35.5 960
min. 2,04 31.5 960 min. 2,30 35.5 1000 min. 2,17 33.5 925
R 907 R 904 R 905
max. 2,40 37.0 1080 max. 2,62 40.5 1115 max. 2,53 39.0 970
min. 2,27 35.0 965 min. 2,43 37.5 1005 min. 2,40 37.0 925

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

125
.224 Weatherby Magnum
Mit dieser Patrone trug Roy Weatherby Die .224 WM entstand schließlich ohne
dem Wunsch seiner Anhänger Rechnung, Anhalt an irgendeine andere existente
auch eine kleine .22er Patrone zur Be- Hülse. Sie hat die kleinste Gürtelhülse am
jagung von "Varmints" (Raubzeug) anzu- Markt und zudem die Besonderheit, daß
bieten. Für unsere Verhältnisse ist die sie als relativ kleine .22er Patrone mit
.224 Weatherby Magnum aber nicht nur einem großen Zündhütchen versorgt
eine Schonzeit- und Raubzeugpatrone, werden muß. Die Produktion der
sondern bereits für Rehwild geeignet, so- Repetierbüchse Weatherby MK V "Junior"
fern das richtige, d. h. ein genügend festes, wurde 1994 eingestellt.
kompaktes, angemessen deformationsfä-
higes Schalenwildgeschoß verladen wird.
Die Verbreitung der .224 Weatherby Mag-
num konnte aus verschiedenen Gründen Die Patrone aus der Sicht des
nicht in dem Maße erfolgen, wie es z. B. Wiederladers
bei der universellen 5,6 x 50 der Fall war.
Im Gegensatz zum Standardkaliber 5,6 x
50, für das sämtliche Hersteller gute Die .224 Weatherby Mag. gibt hinsichtlich
Waffen produzieren, wurde in dem kleinen der Komponentenzusammenstellung eini-
Weatherby-Kaliber nur ein Repetierbüch- ge Rätsel auf, weil nicht jede Pulver-
senmodell angeboten und 1994 ganz aus Geschoß-Kombination auf Anhieb zum
der Produktion genommen. Dazu kommen Schießen gebracht werden kann, was
Beschränkungen, die sogar dem Wieder- ausreichende jagdliche Präzision angeht.
laderdie Entscheidung manchmal schwer Andererseits schießen die nach langen
machen: Die nicht leicht zu beschaffende Versuchsreihen ermittelten Ladungen be-
Gürtelhülse, die mangelnde Flexibilität in sonders beständig. Die .224 reagiert sehr
Bezug auf die Verwendung leichter, mit empfindlich auf Ladeschwankungen, be-
dünnen Mänteln versehenen Schonzeit- sonders bei Chargen um die Ladedichte
und Raubzeuggeschosse und die leider "Eins ". Dies hängt sicher mit der vorhan-
nicht immer zufriedenstellende Präzision denen Hülsengeometrie und dem verwen-
bei manchen Laborierungen. deten großen Zündhütchen (LR) zusam-
men und ist dann kein Nachteil, wenn sich
die Chargen von der Masse her bereits im
Bereich der Preßladung befinden. Gerade
hier wird die beste Standardabweichung
Geschichte nach Druck und Geschwindigkeit sowie
die (waffenabhängig) beste Präzision
erzielt. Preßladungen ergeben sich bei
Die .224 Weatherby Magnum erschien allen "max." Ladungen mit R 907 sowie
1963 zusammen mit der Repetierbüchse bei allen Ladungen mit denn 3,6 g / 55.0 gr
Weatherby Mark V "Junior", einer maßstä- TMS von RWS und den in der Tabelle
blich verkleinerten Version des normalen angegebenen Patronenlängen. Die aus-
Mark V-Systems. Die Vorarbeiten reichen gedruckten "max." Ladungen mit dem
jedoch zurück bis Anfang der 50er Jahre, 3,6 g Geschoß entsprechen leistungs-
als Weatherby noch mit der .220 Rocket mäßig den Fabrikpatronen. Für den wild-
von 1943 experimentierte bzw. an eine bretschonenden Schuß auf Rehwild sollte
Kommerzialisierung dieser Patrone dachte. die "min " Ladung genügen.

126
11,00 5,69

48,85

Kaliber: 5,6 mm (.224" Dia.)


Hülse: Weatherby
Zündh.: RWS 5341

TMS 3,2 g RWS VMS 3,2 g RWS TMS 3,6 g RWS


Patronenlänge 58,7 mm Patronenlänge 58,9 mm Patronenlänge 59,0 mm

lfulver g
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s gr Vo m/s
R 902 R 902 R 902
max. 2,11 32.5 1070 max. 2,11 32.5 1075 max. 2,01 31.0 1050
min. 1,94 30.0 975 min. 1,94 30.0 975 min. 1,88 29.0 980
R 903 R 903 R 903
max. 2,20 34.0 1070 max. 2,20 34.0 1070 max. 2,17 33.5 1060
min. 2,01 31.0 945 min. 2,01 31.0 945 min. 2,01 31.0 990
R 907 R 907 R 907
max. 2,27 35.0 1080 max. 2,27 35.0 1085 max. 2,20 34.0 1045
min. 2,17 33.5 990 min. 2,17 33.5 990 min. 2,07 32.0 960

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

127
5,6 x 50 Magnum
Sich deutlich von der Leistung einer .222 für Schonzeitzwecke (wenn auch dafür im
Rem. oder gar .22 Hornet abhebend, ohne oberen Bereich liegend) und ist so präzise,
jedoch die große Hülse und Pulverladung daß sie von manchen Jagdschützen als
einer für normale Verhältnisse meist über- Scheibenpatrone für die Wettkampf-
schnellen .22 - 250 oder .220 Swift zu schießen der Jägerschaft verwendet wird.
haben, kann sich die 5,6 x 50 Mag. als Vor allem von Leuten, die den Gebrauch
"ausgewogene Mittelpatrone" bezeichnen. einer Spezial-Matchwaffe ablehnen und
Mit der Begrenzung des Höchstdruckesauf die auch im Revier geführte Ge-
3800 bar (zum Vergleich .222 Rem.: 3700 bar, brauchswaffe benutzen wollen. Beim
.22 - 250: 4050 bar - alle Druclangaben in Schuß auf Wild werden die schnelle Au-
"piezo") wurde dieser Position innerhalb genblickswirkung und die geringen Flucht-
der Rehwild- und Schonzeitpatronen wege als positiv gewertet. Der manchmal
ebenfalls Rechnung getragen. Die 5,6 x 50 bemängelte Nachteil der Wildbretentwer-
Mag. leistet bei geringfügig höherem tung besteht dann zu Recht, wenn nicht
Gasdruck etwa 100 m/s mehr als die hinter das Blatt, sondern auf dieses bzw.
Ausgangspatrone .222 Rem. bei gleichem auf andere Körperteile mit starken Muskel-
Geschoßgewicht. Insofern ist der Zusatz partien oder Knochen geschossen wird.
"Magnum" zur Kaliberbezeichnung Zwangsläufig ist die Wirkung im Wildkör-
gerechtfertigt, nicht aber im Vergleich zu perwegen der großen Zielgeschwindigkeit
den anderen 5,6-mm-Patronen: Die .220 "brutaler" als bei langsameren Geschos-
Swift wird bei gleichem Geschoßgewicht sen. Der genannte Schuß hinter das Blatt
und nicht wesentlich höherem Gasdruck ist sehr empfehlenswert, weil er Rehwild
mit wiederum 100 m/s mehr Mündungsge- schlagartig verenden läßt, ohne gutes
schwindigkeit gemessen. Die 5,6 x 57 Wildbret zu entwerten. Er kann bei der
beschleunigt ein 4,8 g Geschoß auf eine V, Präzision der kleinkalibrigen Waffen und
von 1020 m/s, einem nicht viel geringeren ausreichender Übung und Besonnenheit
Wert also, den die 5,6 x 50 Mag. mit dem des Schützen wesentlich leichter
3,2 g Geschoß bringt. Das soeben Ge- angewandt werden als bei größeren,
sagte soll nicht als Abwertung der 5,6 x 50 rückstoßstärkeren und lauteren Kalibern.
Mag. verstanden werden. Eher als Kritik Ein weiterer Vorteil der 5,6 x 50 ist ihr
an der seinerzeitigen Namensgebung, die gestrecktes Flugbahnverhalten. Bei einer
zu falschen, d. h. übersteigerten Erwar- GEE von mehr als 200 m kann weit über
tungen führt, da man mit "Magnum" neben diese Entfernung hinaus ohne Haltepunkt-
eine vergleichsweise sehr hohe Leistung veränderung geschossen werden, wenn
erwartet (der Ausdruck kam ursprünglich die Waffe mit etwa 4 cm Hochschuß auf
von einer Sektflasche mit doppeltem Inhalt 100 m justiert ist. Der Vorteil wird deutlich,
als üblich). Insofern sollte man bei Nennung wenn man dagegen die Flugbahnkurve
der Patrone den Zusatz ganz einfach weg- einer .22 Hornet betrachtet, aber auch
lassen. Offiziell geht das leider nicht, da die gegenüber der .222 Rem. ergeben sich
Patrone mit dem Zusatz in der Anlage zur Pluspunkte.
WaffVO eingetragen ist. Nach dieser Be- Die im Vergleich zur .222 Rem. nur um
merkung, die nicht am Leistungspotential etwa 7 mm größere Patronenlänge er-
der 5,6 x 50 rührt, bleibt nach jahrelanger möglicht es, Waffen des gleichen Typs für
Erprobung nur Lob für die Patrone: Sie beide Patronen einzurichten. Für die 5,6 x
kann als die Rehwildpatrone für normale 50 stehen leichte, führige Repetierbüchsen
Verhältnisse bezeichnet werden, bietet zur Verfügung. Manche Hersteller bieten
zudem noch Anwendungsmöglichkeiten in diesem Kaliber sogar maßstabsgerecht

128
verkleinerte Duplikate ihrer "großen" 1992 bis 1997 und wieder seit 2000
Modelle an. Freilich litt die Popularität der lieferbare Rehwildladung mit dem 4,1 g
kleinen Patrone durch das Ansteigen der Teilmantelspitz-Geschoß entspricht den
Schwarzwildbestände, was fast das ganze Anforderungen derjenigen Jäger, die
Jahr über das Führen eines für Hochwild einem schwereren Geschoß den Vorzug
zugelassenen Kalibers erforderlich macht. vor einem schnellen, leichten gaben. Mit
einer Vo von 920 m/s produziert das 4,1 g
TMS eine E200 von 934 J und damit
Geschichte geringfügig mehr als die nicht mehr
lieferbare 3,2 g Ladung. Die GEE der 4,1
g Ladung liegt bei immerhin 180 m.
Fast immer wird zuerst die randlose Pa-
trone entwickelt und vorgestellt und die
Randpatrone folgt dann später nach - so- Die Patrone aus der Sicht des
fern eine solche überhaupt angeboten wird. Wiederladers
Im Rahmen der behandelten Patronen
dieses Buches kommen nur wenige
Patronen vor, bei denen es umgekehrt ist Als verlängerte .222 Rem. benötigt die
also wo die randlose nach der Randpa- 5,6 x 50 den gleichen Hülsenhalter und
trone erschien. Ein Fall ist die 6,5 x 54 das gleiche Zündhütchen RWS 4033.
Mannlicher Schönauer (die erst zehn Jah- Selbst die Pulversorten bleiben die glei-
re nach der mit gleicher Zielsetzung kon- chen, wenn auch die Pulverladungen er-
struierten 6,5 x 53 R Mannlicher kam). Ein höhtwerden müssen und sich der Schwer-
anderer Fall ist die 5,6 x 50. Zuerst erschien punkt der geeigneten Pulversorten mehr
nämlich die Randversion 5,6 x 50 R, wel- zu den fauleren Sorten hin verlagert.
che vornehmlich für leichte Kipplauf- Dem Wiederlader der 5,6 x 50 stehen alle
büchsen und Bockbüchsflinten gedacht Geschosse des RWS-Sortiments dieses
war. Erst nach sicherer Annahme der zwei Kalibers 5,6 mm (.224 "Dia.) zur Auswahl,
Jahre älteren Randpatrone schob man im wobei selbst die extrem leichten und ex-
Herbst 1970 die randlose Hülse nach. trem schweren Projektile Verwendung fin-
Geistiger Vater der 5,6 x 50 R war Günter den können. Daß dabei natürlich die eng
Fröres von der damaligen JWK. gesteckten Grenzen der Ballistik zu beach-
ten sind, versteht sich von selbst.
So wird man hinsichtlich der Zielballistik
beim 2,6 g leichten TMH genauso Abstri-
RWS-Laborierungen che machen müssen wie beim Druck- /
Leistungsverhalten der für dieses Hülsen-
volumen schon überschweren 4,8 g Ge-
In diesem Kaliber wurden zwei Teilmantel- schosse. Doch nun zu den Projektilen im
Laborierungen angeboten: Das 3,2 g einzelnen.
Teilmantel-Spitzgeschoß verläßt den Lauf Das 2,6 g schwere Teilmantel-Hohlspitz-
mit einer Mündungsgeschwindigkeit von geschoß stammt von der Randfeuerpa-
fast 1100 Metern pro Sekunde und war trone .22 Mag. und wird aus ihr für schwa-
wegen seinergestreckten Flugbahn beliebt ches Nutzwild und Raubzeug eingesetzt.
bei der Ansitzjagd auf den Fuchs: Bei 4 cm Die Mündungsgeschwindigkeit (der .22
Hochschuß auf 100 m fällt das Geschoß Mag.) liegt bei etwas mehr 600 m/s und
auf 250 m nur etwa 7 cm. Die von Frühjahr

129
5,6 x 50 Magnum
dementsprechend "fragil" muß ein Geschoß aufmerksame Leser feststellen, daß besagte
sein, um auch bei so niedrigen Ziel- 710 m/s aber nur mit der Rottweil R 910-
geschwindigkeiten noch ausreichend Ladung laboriert werden können, während
ansprechen zu können. Dies hat zur Folge, bei den Vorschlägen für die anderen Pulver
daß im umgekehrten Fall, beiden ausder5,6 selbst mit der jeweiligen "min. " Ladung
x50 erzielbaren Mündungsgeschwindigkeit, höhere Geschwindigkeiten als die der .22
das 2,6 g TMH vorschnell anspricht und Hornet erzielbar sind. Das ist richtig, doch
zerlegt, ohnedaßdienotwendigeTiefenwirkung muß man wissen, daß mit den offensiveren
gegeben wäre. Wirklich bleiben bei einem Pulvern, vor allem R 901 und R 903
Schuß auf gefiedertes Raubzeug "nur die (weniger R 902), die Minimalladungen unter
Federn übrig", während es nicht ratsam ist, Beachtung dertechnischen Gegebenheiten
die gleiche Laborierung z. B. auf einen unterschritten werden dürfen, solange die
Küchenhasen zu verschießen. Hier bieten Hülse noch gut lidert und das Pulver rück-
sich vorallem die "min."-Vorschläge an, von standsfreiverbrennt. In der Praxis geschieht
denen besonders die Ladung mit Rottweil R dies im individuellen Gewehr, indem man in
910 beachtenswert ist. Bei dieser handeltes kleinen Reduktionen (0,01 Gramm oder ein
sich um eine "Quasi"-Kopie der vorhin schon Zehntel Grain) versucht, die "gerade-noch"-
in den Vergleich gezogenen Randfeuer- Liderung zu finden. Zeigen sich die ersten
patrone .22 Mag., wie sie gerne aus den Schmauchspuren an der Hülse, so geht man
kurzen Einsteckläufen geschossen wird. wieder etwas höher und dies istdann die für
Hinsichtlich des2,6 g schweren VMF,welches diese Waffen- und Komponenten-Kombination
bis auf die andere Gescho ßkonstruktion unter ermittelte Minimalladung. Es versteht sich
dem gleichen Aspekt wie das 2,6 g TMH zu von selbst, daß eine solche nicht verallge-
sehen ist, was die Abkunft angeht, kann der meinertwerden darf. Schon ein geringfügig
Wiederlader bei Bedarf mit den höheren weitergeschnittenes Patronenlagerodereine
Ladungen operieren. Bis zu einer bestimmten enger kalibrierende Matrize kann eine
Grenze bietet der Vollmantel mehr Schutz Ladungserhöhung notwendig machen.
vor einem vorzeitigen, unerwünschten Zer- Insofern sind die in diesem Buchangegebenen
legen oder Zersplittern des Geschosses, so Minimalladungen als "sicher" im Sinne der
daß eine ausreichende Tiefenwirkung bei technischen Anforderungen an eine gut
nicht allzu schwerem Raubzeug gegeben ist. geladene Patronezu sehen.
Natürlich kommt diesem Geschoß seine Abschließend zu den 3,0g TMS und VMS ist
Hauptaufgabe im Rahmen der zusagen,daßihreVemendung inden höheren
vorgeschlagenen reduzierten Ladungen zu. Geschwindigkeitsbereichen nichtauf Nutzwild
In erster Linie ist dabei an die Erlegung des erfolgen sollte, schon gar nicht auf Rehwild.
kleinen Nutzwildeszudenken. Hierfürsindsiewedergeclacht noch geeignet.
Als mittelschwere Jagd-Geschosse für die
5,6 x 50 stehen die 3,0 g Hornet-TMS- und Ebenfalls 3,0 g schwer ist das von der .22
VMS-Projektile zur Verfügung. Im Prinzip läßt Hornet stammende Match-Jagdgeschoß. Mit
sich das soeben für die Geschosse der .22 diesem und genauso mit dem von der .222
Magnum gesagte auch hier anwenden, nur Rem. kommenden MJ/SG lassen sich brillant
daß sich eben die Massendimensionen um schießendeScheibenladungenfürdasTraining
ein wenig verschieben. Die Voder .22 Hornet oderdasjagdliche Wettkampfschießen anfer-
liegt bei etwa 710 m/s und daran ist zu tigen. Hieristesam zweckmäßigsten, mit der
denken, wenn diese Ladung kopiertwerden minimalen Ladung zu beginnen und sich präz-
soll. Mit einem Blick in die Tabelle wird der iseste Ladungen aus der eigenen Waffe zu

130
"erschießen". Diesgeschieht am besten über (R) an, vorallemdas KS4,8g. Mit 1,69g/26.0
die Ermittlung der Streukreisdurchmesser, gr R 907 bzw. 1,62 g / 25.0 gr R 903 werden
wobei man erst ab einer Schußzahl von bei einer Patronenlänge von 58,7 mm etwa
wenigstens 2 x 5 oder besser 4 x 5 zu einer 850 m/s erreicht, was in etwa dem Wert der
einigermaßen gesicherten Aussage kommt, 5,6 x 52 R mit 4,6 g Geschoß entspricht.
falls nicht ausdem Schießgestell geschossen Allerdings muß die Präzision dieser Ladung
wird. Die Ermittlung von Präzisions-Bestla- aus der Waffe überprüft werden, weil nicht
dungen ist ziemlich langwierig und zwar alle Drall-Längen ein so langes und schweres
wenigerwegen des Laborierungsaufwandes, Geschoß ausreichend stabilisieren.
sondern des Zeitaufwandes beim Schießen.
Steht keine Preßluft zum Kühlendes Laufes
am Stand zur Verfügung, so ist nach jedem
Schuß mindestens fünf Minuten zu warten.
Andererseits istabergeradedie Ermittlungs-
arbeit Teil des Schießtrainings und somit
erfüllt auch sie ihren Zweck.
Das 2001 vorgestellte 3,4 g MJ mit seiner
Hohlspitze und dem relativ dünnen
Geschoßmantel ergänzt die für alle
einschlägigen jagdlichen Gelegenheiten
geeignete Geschosspalette um ein
eigenpräzises Scheibengeschoss, das von
nicht wenigen Spezialisten auch für weite,
balgschonende Schüsse auf den Fuchs
genommenwird. Für Rehwild sollte eswegen
der (gewollt)fehlenden Tiefenwirkung besser
nicht verwendet werden. Vor Rottweil R 903
und R 901liefertdas3,4 g MJ mit einerVo von
über 1000 m/s die beste Leistung ab, gefolgt
von Rottweil R 902. Sogar R 907 bringt noch
960 m/s .
Das 4,1 g TMS wurde nach Material und
Form so konstruiert, daß es aus nahezu allen
Läufen (ausnahmlich aussolchen mitfür die
5,6x50 unüblich langem Drall) sowohl präzise
schießt, als auch zielballistisch gut wirkt, ohne
Wildbret zu entwerten. Die Leistung der
Werksladung kann mit Rottweil R 902, R 903
und R 907 kopiert werden, wobei jedoch
wegen individueller Unterschiedevon Ladung
und Waffe immer mit der Anfangsladung
begonnenwerden muß.

Manche Schützen möchten noch schwerere


Geschosse als das 4,1 g TMS von RWS
probieren und hier bieten sich die der 5,6x57

131
5,6 x 50 Magnum

TMH 2,6 g RWS VMF 2,6 g RWS TMS 3,0 g RWS


Patronenlänge 57,0 mm Patronenlänge 57,5 mm Patronenlänge 57,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 910 R 910 R 910


max. 1,10 17.0 950 max. 1,10 17.0 950 max. 1,05 16.2 900
min. 0,70 10.8 650 min. 0,70 10.8 650 min. 0,70 10.8 625
R 901 R 901 R 901
max. 1,75 27.0 1085 max. 1,75 27.0 1080 max. 1,65 25.5 1000
min. 1,36 21.0 800 min. 1,36 21.0 800 min. 1,36 21.0 805
R 902 R 902 R 903
max. 1,81 28.0 1070 max. 1,81 28.0 1070 max. 1,94 30.0 1060
min. 1,49 23.0 780 min. 1,49 23.0 780 min. 1,62 25.0 840

MJ/SG 3,0 g RWS VMS 3,0 g RWS TMS 3,2 g RWS


Patronenlänge 58,0 mm Patronenlänge 57,5 mm Patronenlänge 59,9 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 901 R 910 R 901


max. 1,69 26.0 1035 max. 1,05 16.2 900 max. 1,65 25.5 1040
min. 1,49 23.0 920 min. 0,70 10.8 625 min. 1,30 20.0 790
R 902 R 901 R 902
max. 1,78 27.5 1000 max. 1,65 25.5 1010 max. 1,75 27.0 1040
min. 1,69 26.0 920 min. 1,36 21.0 810 min. 1,69 26.0 940
R 903 R 902 R 903
max. 1,94 30.0 1040 max. 1,75 27.0 1000 max. 1,88 29.0 1055
min. 1,75 27.0 920 min. 1,52 23.5 835 min. 1,59 24.5 760

132
g'S
9,60 5 69

- bevy ogX
50,00 ►

Kaliber: 5,6 mm (.224" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 4033

MJ/SG 3,2 g RWS VMS 3,2 g RWS MJ 3,4 g RWS


Patronenlänge 59,0 mm Patronenlänge 59,5 mm Patronenlänge 59,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 902 R 901 R 901
max. 1,72 26.5 960 max. 1,65 25.5 1035 max. 1,72 26.5 1010
min. 1,62 25.0 900 min. 1,30 20.0 790 min. 1,59 24.5 920
R 903 R 902 R 902
max. 1,85 28.5 990 max. 1,75 27.0 1040 max. 1,75 27.0 995
min. 1,62 25.0 800 min. 1,69 26.0 940 min. 1,59 24.5 875
R 907 R 903 R 903
max. 1,94 30.0 990 max. 1,88 29.0 1055 max. 1.88 29.0 1015
min. 1,88 29.0 960 min. 1,59 24.5 750 min. 1,75 27.0 885
auch 1,88 g/29 0 R907=960 m/s

TMS 3,6 g RWS MJ/SG 3,6 g RWS TMS 4,1 g RWS


Patronenlänge 59,5 mm Patronenlänge 59,0 mm Patronenlänge 60,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 902 R 902 R 902
max. 1,72 26.5 980 max. 1,65 25.5 950 max. 1,62 25.0 920
min. 1,62 25.0 930 min. 1,56 24.0 900 min. 1,56 24.0 880
R 903 R 903 R 903
max. 1,85 28.5 995 max. 1,81 28.0 970 max. 1,78 27.5 920
min. 1,75 27.0 935 min. 1,75 27.0 940 min. 1,72 26.5 880
R 907 R 907 R 907
max. 1,91 29.5 990 max. 1,88 29.0 940 max. 1,81 28.0 920
min. 1,81 28.0 940 min. 1,81 28.0 900 min. 1,75 27.0 870

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

133
5,6 x 50 R Magnum
Nicht ohne Grund beansprucht die Weltkriegen vor allem die Patronen 5,6 x 52
leistungsbezogen zwischen .222 Rem. und R und 6,5 x 52 R als ausgesprochene
5,6 x 57 liegende 5,6 x 50 R die Bezeichnung Rehwildpatronen verwendet wurden, kam
"Rehwildpatrone" schlechthin. Da im nach dem zweiten Weltkrieg bzw. nach
mitteleuropäischen Raum das Rehwild die Wiedererlangung der Jagdhoheit ein
Hauptwildart ist, und trotz des starken vorübergehender Trend zur kalibergrößeren
Anstiegs der Schwarzwildbestände (was die Revierwaffe. Dies hing vor allem vom Fehlen
hochwildtauglichen Patronen eigentlich eines entsprechenden Waffenangebots
begünstigen müsste) zählt die verbreitete dieser Zeit ab, zudem vom mancherorts
Rehwildpatrone gleichzeitig mit zu den am stark angestiegenen Hochwild-, vor allem
häufigsten verschossenen Jagdpatronen mit Schwarzwildbestand. Nach der
Rand. Darüber hinaus ist die 5,6 x 50 R zur Normalisierung der Verhältnisse, welche
"Schonzeitpatrone" geworden und hat auch gleichbedeutend mit dem Anstieg der
in diesem Spezialbereich andere gute Rehwildbestände zu sehen war, besann man
Patronen wie .222 Rem. stark bedrängt. sich wieder auf die leichteren, preiswerteren,
speziellen Rehwildpatronen.
Der Waffenmarkt mit seinem umfassenden Die .222 Rem. von 1950, seit 1957 im
Angebot an leichten, präzisen unddennoch deutschen Munitionsprogramm, schien
preiswerten Büchsen trägt seinen Anteil an gerade recht zu sein, ebenso die .223 Rem.
der Verbreitung der Patrone bei. Im oder die .222 Rem. Mag. Allerdings wollte
Rehwildrevierkann eine solche Waffe guten man liebereine Randpatrone, um diese in den
Gewissens als Ganzjahreswaffe bezeichnet favorisierten Kombinationswaffen führen zu
werden und gehört praktisch zur können und so kam es über Vorversuche mit
Erstausstattung des Jungjägers. Daran einer .222 Mag. mit Rand (5,6 x 47 R) zur 5,6
ändert auch nichts, daß die 5,6 x 50 R wegen x 50 R. Technisch gesehen istdie 5,6x 50 R
angeblicher, starker Wildbretentwertungen nicht viel mehr als eine um knapp sieben
ein bißchen ins Gerede gekommen war. Millimeterverlängerte .222 Rem.,wobei selbst
Wildbretverletzungen gibt es bei jeder der Schulterwinkel von 23' beibehalten und
Patrone. Man kann den Wildbretverlust aber lediglich ein Rand angefügtwurde. Insofern ist
mindern, indem sich der Schütze bei der die 5,6x50 R von der Hülsengeometrie
Auswahl des Treffersitzes und beim Schuß genausowie i hre"Verwandtschaft" .222 Rem.
selbst Mühe gibt. Aber hier liegt der Hase im / .222 Rem. Magnum einzuschätzen. Als
Pfeffer: Beunruhigte Reviere, spät Einführungsjahrfürdie 5,6 x 50 R kann 1968
austretendes Wild, ungeübte Schützen, angegeben werden; ihr "Vater" ist Günter
schnelle "Schnappschüsse" aus Zeitmangel Fröres von derdamaligen JWK. Nach dem
und sonstige unliebsame Zeiterscheinungen Anlaufen der Produktion wartete man die
tragen dazu bei, daß der Schuß eben nicht ersten Erfolge ab und zog nicht früher als
dort sitzt, wo er hätte sitzen müssen. 1970 mit der randlosen Schwester 5,6x50
Entwertungen guten Wildbrets sind so nach. DWM-Firmenberichten zufolge stand
vorprogrammiert. Dies aber der Patrone die 5,6x 50 R bereits zu dieser Zeit an zweiter
anzulasten, die so häufig auf Rehwild Stelle der Patronenfabrikation bei JWK und
eingesetzt wird, wäre bestimmt verkehrt. wurde stückzahlmäßig nur von der 7 x 65 R
übertroffen.
Geschichte Die Patrone hatte anfänglich nicht
unerhebliche Startschwierigkeiten zu
Während in den Jahren zwischen den überwinden, die aber nicht ihr zur Last gelegt

134
werden dürfen, sondern auf der mangelnden einer "nach unten" flexiblen Schonzeit- und
Absprache mit den Waffenherstellern Rehwildpatrone macht. Reduzierte Ladungen
basierten und zwar hinsichtlich des Dralls. sind besonders bei den Besitzern von
Heute ist dies bereinigt. Fast alle Waffen des kombinierten Waffen mit Einsteckläufen
Kalibers 5,6 x 50 R werden in dem dafür beliebt.
besonders gut geeigneten Drall von 330 mm Mit dem seit 2001 lieferbaren 3,4 g MJ steht
gefertigt, welcher die bis 3,6 g und sogar 4,1g auch für die 5,6x50R eine eigenpräzises
schweren Geschosse noch ausreichend Scheibengeschoß zur Verfügung, welches
stabilisiert. bei den Fuchsansitz Spezialisten schnelle
Beliebtheit erlangte. Das wegen des fragilen
Mantels "weiche" und bei größerem
Widerstand im Wildkörper nur wenig
RWS-Laborierungen Tiefenwirkung generierende MJ sollte nicht
auf Rehwild verwendet werden.
Neben dem besonders für die Fuchsjagd Das 4,1 g TMS läßt sich mit Rottweil R 902
geeigneten 3,2 g schweren TMS-Geschoß und R 903 auf die Leistung der Werksladung
kann derJäger dieetwasschwerere Ladung bringen; mit R 907 fehlen bei Verwendung
mit dem 3,6 g TMS oder die seit Frühjahr mancher Pulverlose wenige Metersekunden.
1992 lieferbare Rehwildlaborierung mit dem Allerdings schießt das 4,1 g TMS mit R 907
4,1 g TMS wählen. aus etlichen Läufen besonders gut, so daß für
die erforderlichen Präzisionsbeschüsse alle
drei Sorten ausprobiert werden sollten.
Wer zusätzlich zu den ausgedruckten
Die Patrone aus der Sicht des Vorschlägen noch das 4,8 g KS der 5,6x57
Wiederladers versuchen möchte - sofern er angesichts
der Präsenz des "Rehwildprojektils 4,1 g
Bezüglich der Wiederladungen mit den TMS" die Notwendigkeit dazu überhaupt
Teilmantel-, Vollmantel- und Scheiben- sieht - kann mit 1,59 g / 24.5 gr Rottweil R
geschossen besitzt das bei der 5,6 x 50 903 oder 1,65 g/25.5 gr Rottweil R 907 bei
gesagte Gültigkeit und sollte dort nachgelesen einer Patronenlänge von 58,7 mm (das
werden. Die vorgeschlagenen Laborierungen Geschoß darf die Felder keineswegs
unterscheiden sich nur durch die berühren) eine bei der 5,6 x 50 bereits
entsprechend dem unterschiedlichen, erwähnte Ladung herstellen. Wie dort auch
zulässigen Gasdruck reduzierten wäre die Präzision dieserschweren Ladung
Pulverladungen. Dabei ist es aber nicht so, jedoch aus der individuellen Waffe zu
daß bei allen Pulversorten diegleiche Reduktion ermitteln, weil nicht alle Läufe das lang
zur selben Verminderung des Drucks und geführte, schwere Geschoß gut "verdauen".
der erzielbaren Vo führt. Wie bei anderen
Vergleichen zwischen randlosen Hülsen und
solchen mit Rand von sonst gleichen
Dimensionen hatauch beider 5,6x 50 Rjede
Laborierung "ihre eigenen Gesetze".
Mitdemsehr"scharfen"Treibladungspulver"
Rottweil R 910 lassen sich willkommene
Reduktionen der geschoßleichten
Laborierungen fertigen, was die 5,6x50 R zu

135
5,6 x 50 R Magnum

TMH 2,6 g RWS VMF 2,6 g RWS TMS 3,0 g RWS


Patronenlänge 57,5 mm Patronenlänge 57,6 mm Patronenlänge 57,5 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr Vo m/s

R 910 R 910 R 910


max. 1,13 17.5 950 max. 1,13 17.5 950 max. 1,04 16.0 830
min. 0,78 12.0 640 min. 0,78 12.0 630 min. 0,78 12.0 615
R 901 R 901 R 901
max. 1,72 26.5 1005 max. 1,72 26.5 1005 max. 1,65 25.5 1000
min. 1,36 21.0 790 min. 1,36 21.0 790 min. 1,36 21.0 795
R 902 R 902 R 902
max. 1,78 27.5 1015 max. 1,78 27.5 1015 max. 1,75 27.0 1000
min. 1,49 23.0 760 min. 1,49 23.0 760 min. 1,52 23.5 835

MJ/SG 3,0 g RWS VMS 3,0 g RWS TMS 3,2 g RWS


Patronenlänge 58,0 mm Patronenlänge 57,5 mm Patronenlänge 59,4 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 901 R 910 R 901
max. 1,69 26.0 965 max. 1,04 16.0 830 max. 1,65 25.5 975
min. 1,56 24.0 860 min. 0,78 12.0 610 min. 1,30 20.0 750
R 902 R 901 R 902
max. 1,81 28.0 930 max. 1,65 25.5 1005 max. 1,75 27.0 990
min. 1,75 27.0 880 min. 1,36 21.0 795 min. 1,56 24.0 860
R 903 R 903 R 903
max. 1,91 29.5 950 max. 1,88 29.0 1010 max. 1,88 29.0 1040
min. 1,81 28.0 900 min. 1,62 25.0 845 min. 1,59 24.5 750

136
og x g's
Ä---
10,90 1 5,69

50,00

- 681A1 ti
Kaliber: 5,6 mm (.224" Dia.)
Hülse: RWS
Zündh.: RWS 4033

-
MJ/SG 3,2 g RWS VMS 3,2 g RWS MJ 3,4 g RWS
Patronenlänge 59,0 mm Patronenlänge 59,5 mm Patronenlänge 59,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 902 R 901 R 901
max. 1,75 27.0 955 max. 1,65 25.5 975 max. 1,68 26.0 970
min. 1,69 26.0 860 min. 1,30 20.0 750 min. 1,59 24.5 920
R 903 R 902 R 902
max. 1,85 28.5 990 max. 1,75 27.0 990 max. 1,75 27.0 965
min. 1,62 25.0 800 min. 1,56 24.0 860 min. 1.62 25.0 860
R 907 R 903 R 903
max. 1,91 29.5 960 max. 1,88 29.0 1040 max. 1,85 28.5 960
min. 1,88 29.0 910 min. 1,59 24.5 790 min. 1,75 27.0 870
auch 1,85 g/28,5 gr R907=960 m/s

TMS 3,6 g RWS MJ/SG 3,6 g RWS TMS 4,1 g RWS


Patronenlänge 59,5 mm Patronenlänge 59,0 mm Patronenlänge 60,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 902 R 902 R 902
max. 1,69 26.0 930 max. 1,69 26.0 940 max. 1,62 25.0 900
min. 1,62 25.0 900 min. 1,62 25.0 905 min. 1,59 24.5 850
R 903 R 903 R 903
max. 1,85 28.5 960 max. 1,85 28.5 960 max. 1,81 28.0 900
min. 1,75 27.0 900 min. 1,75 27.0 900 min. 1,75 27.0 850
R 907 R 907 R 907
max. 1,85 28.5 930 max. 1,85 28.5 900 max. 1,81 28.0 880
min. 1,78 27.5 865 min. 1,81 28.0 880 min. 1,78 27.5 860

ACHTUNG! Vordem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56(Fettdruck). sowie auf Seite 105 beachten.

137
.220 Swift
Bei uns meist nur dem Namen nach und Geschichte
vor allem wegen der beeindruckenden
Mündungsgeschwindigkeit bekannt, wird Nachdem bereits eine Wildcat ähnlicher
die .220 Swift wenig von Jägern geführt. Leistung vorhanden war, brachte Win-
Es gibt mehr Gegner der leichten, sehr chester im Jahre 1935 die auf der Militär-
schnellen Geschosse zur Verwendung hülse 6 mm Lee Navy basierende .220
auf Schalenwild als Befürworter. Des- Swift. Mit der damals spektakulären Vo
wegen ist die Swift auch nur in den Händen von 1260 m/s (3,1-g-Geschoß) ist die
weniger Liebhaber zu finden, von denen .220 Swift auch heute noch die schnellste
sie zumeist für den weitreichenden Schu ß kommerzielle Jagdpatrone.
auf Raubzeug benützt wird. Deutsche
Waffen für die etwas exotische Patrone Die Patrone aus der Sicht des
werden nicht hergestellt; weiter wird ihre Wiederladers
Verbreitung durch das Vorhandensein
gängigerer 5,6-mm-Patronen verhindert, Die schon genannten Gegebenheiten brin-
wobei die .22 - 250 Rem. und vor allem die gen es mit sich, daß die .220 zwar wie
5,6 x 57 zu nennen sind. Mit letzterer hat eine 5,6 x 57 (R) geladen werden könnte,
die .220 sowohl das Hülsenvolumen Unterschiede in der Hülsengeometrie und
gemeinsam, als auch die theoretische vor allem in der Drallänge aber zu teilweise
(Schußtafel-) Leistung. Trotzdem ist ein sehr unterschiedlichen Ladeanforderun-
gravierender Unterschied zwischen der gen führen. Die Stärke der Swift liegt in
deutschen 5,6 x 57 und der ameri- der Beschleunigung der leichten Geschos-
kanischen .220 Swift vorhanden: Während se, die in der Regel auch präzise schießen.
letztere lediglich den normalen 36-cm Dagegen werden die 4,8-g-KS-Geschos-
Drall der .22 Hornet und .222 Rem. se nicht immer gut "verdaut", was aber
benützt, werden Waffen für die 5,6 x 57 aus der spezifischen Waffe ermittelt wer-
(R) mit einem extrem kurzen Drall von den muß. Von den Geschossen des RWS-
25 cm ausgelegt. Daraus ergibt sich, daß Sortiments bieten sich vor allem die 3,2 g
die 5,6 x 57 von Anfang an für schwere schweren Jagdgeschosse an, hier wie-
Schalenwildgeschosse (KS 4,8 g) gedacht derum das 3,2 g Teilmantelgescho ß. Der
war, während die Swift ausschließlich zur erfahrene Wiederlader wird wissen, daß
Erzielung von hohen Geschwindigkeiten dieses Projektil bei den in der Swift mög-
mit leichten Geschossen konzipiert wurde. lichen, hohen Geschwindigkeiten für die
Es ist also weniger die Leistungsfähigkeit wildbretschonende Bejagung von Rehwild
der Hülse, sondern die gesamte Konzep- bereits zu "weich" sein kann, aber gerade
tion, die hier den Ausschlag gibt und die deswegen ein gute Lösung für den Fuchs-
5,6 x 57 für den Schuß auf Rehwild und jäger darstellt. Soll die .220 Swift auf
Raubzeug prädestiniert, während die .220 Rehwild eingesetztwerden, wird der Prak-
Swift aus den genannten Gründen als tiker auf alle Fälle versuchen, das 4,8 g
ausgesprochene Raubzeugpatrone für KS zum Schießen zu bringen, was bei der
unüblich weite Entfernungen anzuspre- vorliegenden Laborierungsauswahl fast
chen ist. immer möglich sein wird.

138
5,69

56,01 VI
e
z;
rF
Kaliber: 5,6 mm (.224" Dia.)
Hülse: Norma
Zündh.: RWS 5341

TMS 3,0 g RWS TMS 3,2 g RWS KS 4,8 g RWS


Patronenlänge 63,6 mm Patronenlänge 65,4 mm Patronenlänge 67,5 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr Va m/s Pulver g gr V, m/s
R 902 R 902 R 907
max. 2,33 36.0 1150 max. 2,37 36.5 1120 max. 2,33 36.0 970
min. 2,20 34.0 1060 min. 2,20 34.0 1000 min. 2,14 33.0 865
R 903 R 903 R 904
max. 2,59 40.0 1185 max. 2,59 40.0 1160 max. 2,53 39.0 990
min. 2,40 37.0 1040 min. 2,40 37.0 1025 min. 2,37 36.5 900
R 907 R 907 R 905
max. 2,72 42.0 1210 max. 2,66 41.0 1125 max. 2,72 42.0 995
min. 2,56 39.5 1050 min. 2,53 39.0 995 min. 2,56 39.5 900

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

139
5,6 x 57
Mit einer Auftreffenergie (E0) von etwa Diese müssen zur Erhaltung einer noch
2600 Joule stellt die 5,6 x 57 die leistungs- guten Schu ßleistung langsamer gehalten
stärkste kommerzielle Patrone im Kaliber werden, wenngleich die Kapazität der
5,6 mm /.224 "dar. Sie hat sich besonders Hülse eigentlich höhere Geschoßge-
im Rehwildrevier so gut bewährt, daß alle schwindigkeiten im Rahmen des zuläs-
namhaften Waffenhersteller Büchsen da- sigen Gasdrucks ermöglichte. Unter
für anbieten. Wegen der relativ geringen diesem Aspekt ist auch ein Vergleich der
Patronenlänge ist die 5,6 x 57 auch in höchstmöglichen Mündungsgeschwin-
Kurzsystemen unterzubringen, was ihren digkeiten zwischen der heute noch als
Einbau in handliche Repetierbüchsen oder "schnellste Jagdpatrone" geläufigen .220
Stutzen ermöglicht. Vornehmlich ist die Swift und der 5,6 x 57 zu sehen: Die
5,6 x 57 im Niederwildrevier zu Hause, wo beiden Patronen schenken sich nichts,
das Feldreh auf weite Entfernungen bejagt denn der höheren Va der .220 bei den
werden muß. Die gestreckte Flugbahn leichten Geschossen steht der Vorteil der
und die hohe, verbleibende Restenergie 5,6 x 57 gegenüber, das schwere, wesent-
des 4,8 g schweren Geschosses auf lich besser für Schalenwild geeignete
größere Entfernungen prädestinieren die 4,8 g KS auf größere Geschwindigkeiten
5,6 x 57 für Weitschüsse, was aber nicht bringen zu können. Insofern geht sogar
heißen muß, daß die Patrone für den ein Punkt an die 5,6 x 57, zumal auch sie
normalen oder nahen Bereich unnötig mit respektablen Mündungsgeschwindig-
stark oder wildbretentwertend reagiert. keiten der leichten Geschosse aufwarten
Die von vielen Jägern geschätzte Ausge- kann. Dieser Umstand ist jedoch aus
wogenheit resultiert in der angepaßten, zielballistischen Gründen unwesentlich.
kontrollierten Deformierung des speziell Was zählt, ist die Brauchbarkeit auf Wild;
für die 5,6 x 57 entwickelten KS-Geschos- die Möglichkeit, ein Tier blitzschnell und
ses. Wo die Patrone zugelassen ist, wird ohne Schmerzen aus der Wildbahn neh-
sie zu vollster Zufriedenheit auch auf men zu können. Daß dies mit der 5,6 x 57
Garns geführt. In Deutschland hat der machbar ist, zeigen die vielen begeisterten
Gesetzgeber alle Kaliber unter 6,5 mm für Anhänger der Patrone.
Hoch- und somit auch für Gamswild als
unzulässig erklärt. Im Vergleich zu den
anderen 5,6 mm / .224" Patronen mit
ihren höchstens 3,6 g schweren Geschos- Geschichte
sen, welche auch mit einem längeren
Drall auskommen, ist die 5,6 x 57 bzw. ihr
langes, schweres Geschoß auf Waffen Die Entwicklung der 5,6 x 57 verfolgte
mit kurzem Drall angewiesen. Nur ein ursprünglich zwei verschiedene Ziele: Die
solcher kann die ausreichende Stabi- Schaffung eines Universalkalibers für
lisierung und somit Präzision des Projektils Gams, Reh und Raubzeug, wobei das
gewährleisten. Die empfohlene Drall- eine Ziel in Form der Hochleistungspa-
Länge für die 5,6 x 57 beträgt 250 mm trone 5,6 x 57 erreicht wurde, auch wenn
(zum Vergleich : .222 Rem. 360 mm, die 5,6 x 57 (als unter 6,5 mm liegend)
5,6 x 50 300-330 mm). Wie im Abschnitt heute in Deutschland nicht auf Hochwild
"Wiederladen" nachzulesen, bringt der zugelassen ist. Das andere Ziel war die
kurze Drall gewisse Nachteile bei Verwen- Erprobung einer Adapterpatrone von der
dung leichter, d. h. kürzerer Geschosse. Form einer 5,6 x 57, aus der in Waffen

140
Kaliber 5,6 x 57 auch Schonzeitpatronen kenswert, indem bei einem Hochschuß
wie .22 Hornet oder die Randfeuerpatrone von vier Zentimeter auf 100 Meter die
.22 Magnum zur Erlegung von Raubzeug GEE bei etwa 220 Metern liegt, so daß bis
verschossen werden sollten. Leider war mehr als 250 Meter ohne Haltepunkt-
die an sich praktische Idee der Einsteck- veränderung geschossen werden kann.
patrone wenig erfolgreich, was nicht nur Auf 300 Meter fällt die 5,6 x 57 nur etwa
in abweichenden Stabilisierungsbedürf- eine Handbreit, so daß, zusammen mit
nissen der unterschiedlich schnellen und der relativen Unempfindlichkeit gegen die
leichten Geschosse der im Adapter ver- Windabdrift des schnellen, aber ausrei-
schossenen Schonzeitpatronen begründ- chend schweren Geschosses, eine echte
et war, sondern auch in den nicht zu Weitschußpatrone für alle Verhältnisse
überwindenden technischen Schwierig- vorliegt. Dies wird nochmals überdeut-
keiten des "Behelfs" Einsteckpatrone, wie lich im Vergleich zur berechtigterweise
sie auch heute noch nicht gelöst sind. Das ebenfalls sehr beliebten Rehwildpatrone
war 1964. Während die Serienfertigung 5,6 x 50 R, welche auf 100 Meter viel
der Adapterpatrone nicht aufgenommen weniger Zielenergie bringt als die 5,6 x 57
wurde, hatte die aus der Entwicklungs- auf die doppelte Schu ßentfernung mit dem
arbeit als starke Rehwildpatrone hervor- wesentlich schwereren Geschoß.
gegangene 5,6 x 57 sofort durchschlagen- Was die bereits erwähnten Einsteckpa-
den Erfolg. Letzterer mehrte sich noch, tronen betrifft, so ist für nicht-wiederla-
als Ende der Siebziger das zuerst mit dende Jäger vor allem eine Adaption auf
einem Flußeisenmantel versehene KS- .22 Hornet mit berechtigten Hoffnungen
Geschoß in verbesserter Form und mit auf eine zufriedenstellende Schu ßleistung
Tombakmantel auf den Markt kam. denkbar und wird auch praktiziert. Dage-
Die Änderung des Mantelmaterials von gen stellen die leichteren Geschosse der
Flu ßeisen auf Tombak wurde damals nach .22 Mag. andere Ansprüche an die Sta-
ausgiebigen Versuchen und der Auswer- bilisierung und zudem können sich durch
tung von zahlreichen Abschußberichten technische Anforderungen an die Redu-
durchgeführt und hatte vor allem zielballi- zierhülse im Zusammenhang mit der Not-
stische Gründe. Das zähharte Tombak wendigkeit der Umstellung von Zentral-
garantiert eine abgestuft wirksame Defor- zündung auf Randzündung Schwierig-
mation und paßt sich somit dem Wider- keiten ergeben.
stand im Wildkörper sehr gut an. Beim Diese Überlegungen sind allgemeiner Art
Schuß auf leichtes Wild ist außerdem und berühren den Wiederlader nicht, weil
eine nicht zu starke Wildbretentwertung sich für ihn Reduktionen der 5,6 x 57 auf
zu beobachten. Stellt man diese beiden .22 Hornet oder gar .22 Mag. wiederladen-
Faktoren angepaßter Wirkung nebenein- derweise und ohne den mechanischen
ander, so unterstreicht dies nochmals sehr Klimmzug "Adapterpatrone" durchführen
deutlich die Fähigkeiten der 5,6 x 57, lassen. Womit die rein mechanischen
welche auf Grund ihrer hohen ballistischen Schwierigkeiten einer Reduzierhülse gar
Leistung als "300 m Rehwildpatrone" nicht erst zum Tragen kommen. Wie sich
bezeichnet werden kann. Auf 300 Meter die reduzierten Ladungen mit den leichten
hält das 4,8 g Projektil noch mehr als die Geschossen im sehr kurzen Drall der
von Fachleuten für Rehwild geforderten 5,6 x 57 verhalten, ist im Abschnitt "Die
1000 Joule, nämlich fast 1200 Joule. Auch Patrone aus der Sicht des Wiederladers"
die au ßenballistische Leistung ist bemer- nachzulesen.

141
5,6 x 57
RWS-Laborierungen mit den 4,8 g KS und VMS-Geschossen
hergestelltwerden (womit die 5,6 x 57 auf das
Wegen der speziellen Stellung der Patrone Niveau einer 5,6 x 52 R heruntergeladen
ergab sich noch keine Notwendigkeit, leichte wäre), sondern auch stark reduzierte
oder mittelschwere Rehwildladungen Schonzeitladungen. Die in der Ladetabelle
aufzulegen. Mit dem 4,8 g schweren KS- ausgedruckten Angaben fürdas 3,0 g TMS
Geschoßfindet sich ein Projektil in der 5,6 x bzw. VMS gelten übrigens genauso für das
57, welches bereits "Geschichte geschrieben" 3,0 g Hornet MJ Geschoß, können aber
hat: Das KS im Kaliber 5,6 wardas erste KS zusätzlich fürdie 2,6 g schweren Teilmantel-
überhaupt und sowohl Anfang wie auch Hohlspitz-und Vollmantel-Flachkopfgeschosse
Anstoß zur Entwicklung, Erprobung und der .22 Magnum genommen werden. Bei der
Fertigung einer ganzen Palette von KS- Anfertigung dieser Ladungen kann ein Um-
Projektilen. KS-Geschossegibtes inzwischen stand auftreten, der seinen Ursprung in der
in allen gängigen Kalibern bis 10,3 mm/ Entwicklungsgeschichte der 5,6 x 57 hat:
.413 ". Die letzte Vorstellung betrifft ein Durch die starke Hülsenhalswandung ist in
universell verwendbaresHochwildgescho ß Waffen mit relativ weitem H-Bereich eine
von 16,4gfürdie"Bündnerpatrone"10,3x60R. ausreichende Liderung bei sehrschwachen
Das Beachtenswerte am Wirkungsmecha- Ladungen nicht immergegeben. Es istdeshalb
nismus des KS ist seine angepaßte Deforma- ratsam, bei der Ermittlung der
tionsfähigkeit, wobei eine dem Zielwiderstand Schwachladungen für die 5,6 x 57
angepaßte Energieabgabe quasi in den ausnahmsweise nicht mit den ausgedruckten
Aufbau hinein konstruiertwurde. Genau dieser Anfangsladungen zu beginnen, sondern mit
begrenzte Deformationsvorgang hält einer Pulverladung, dieetwa0,07g unterder
Reserven auf etwas stärkeres Wild und nicht Maximalladung liegt, um dann
umsonst wird in Irland, wo Kaliber über 5,6 weiterabzubrechen (0,03 g Stufen), bis
mm zur jagdlichen Verwendung strikt die Hülse noch lidert. Tritt eine starke
untersagtsind, alles Schalenwild (also auch Schwärzung der Hülsenaußenseite schon
Sika- und Rotwild), bevorzugt mit der5,6 x 57 bei eben erwähnten Erstladungen auf, so ist
und dem 4,8 g KS erlegt, auch auf weite die Herstellung einer stark reduzierten
Entfernungen, wie sie in den dortigen dek- Schonzeitladungausderspezifischen Waffe
kungslosen Revieren sehr oftvorkommen. nicht möglich. Im umgekehrten Falle, wenn
Wenn auch solche Verhältnisse nicht so alsodie leichten Geschossefürschnelle, starke
ohne weiteres auf deutsche Reviere Schonzeit-Weitschu ßpatronen verladen
übertragen werden können, so zeigt die werden sollen, istwie üblich mitden empfoh-
Beliebtheitder 5,6x 57doch ihre Eignung auf lenen Anfangsladungen der Pulversorten R
Rehwild und Hochwild (im Ausland unterden 902, R 903 und R 907 zu beginnen und bei
beschriebenen Umständen). Bedarf so lange zu erhöhen, wie es die
Präzision auf der Scheibezuläßt. Auf Grund
des kurzen Dralls sind die leichten Geschosse
Die Patrone aus der Sicht des ab einer waffenspezifischen V, "übersta-
Wiederladers bilisiert", verlieren an Präzision und im
Extremfall können sich die dünnwandigen
Die 5,6 x 57 ist flexibler als es die große, im Leichtgewichtezerlegen, ohne die Scheibe
Vergleich zum Kaliber schon fast zu große erreicht zu haben. Wersich trotz dergezeigten
Hülse auf den ersten Blickvermuten läßt. Es Vorzüge des 4,8 g KS für ein leichteres
können aber nicht nur reduzierte Ladungen Rehwild-Geschoßentscheidet, ist mit dem 3,6

142
g schweren TMS gut beraten. Bei verhaltener Verminderung der negativen
Laborierung sind damit immerhin um die Nebenwirkungen beim Schuß usw.)
1100 m/s erzielbar, wobei sich die Ladung überwogen werden.
mit R 904 als am präzisesten erwies. Ausgesprochene anwenderfreundliche
Elfhundert Metersekunden werden auch mit Scheiben- und Übungsladungen fertigt man
R 903 erreicht und zwar mit maximal 2,37 g mit MJ/SG-Geschossen im Gewicht 3,0 g
/36.5grhinterdem3,6g TMS. Eine Reduktion und 3,2 g sowie 3,6 g. Hier wird man
besagter 3,6 g Ladungen, etwa auf eine versuchen, sich die präziseste Ladung durch
wünschenswerte Quasi-Kopie der 5,6 x 50 R, eine Reduktion zu ermitteln, wie bereits
läßt sich mit den in der Tabelle genannten beschrieben. Zum Vorteil der erheblichen
Pulvern leicht durchführen. Allerdings sollten finanziellen Einsparung beim
die Reduktionen wegen derstarken Hülsen- Treibladungsmittel kommt auch noch der
halswandung und der manchmal etwas Preisvorteil beim Geschoßkauf, denn MJ/
mangelnden Liderung schrittweise erfolgen. SG-Geschosse sind preisgünstig. Zu große
Fürsolche Ladungen istesübrigensbesser, Reduktionsschritte unterhalb der
Neu hülsen zu verwenden als solche, die be- angegebenen Minimal-Ladungen sind
reits mit Normalladungen geschossen und allerdings strikt zu vermeiden. Besonders bei
dadurch "gehärtet" wurden, d. h. versprödet R 904 und R 905 sollte nicht unterdie "min."
sind. Dies gilt natürlich für alle Reduktionen - Ladung gegangen werden.
der 5,6 x 57. Eine sehrbeliebte reduzierte Ladung ist 1,95
Mitdem fürdie 5,6x 50 (R) konzipierten, zwar g / 30.1 gr Rottweil R 901 hinter dem 3,0 g
relativ schweren, aber für die hohen MJ/SG. Diese Scheibenladung wird aus den
Zielgeschwindikeiten der 5,6x57 immer noch meisten Läufen mit knappen 900
ziemlich zerlegungsfreudigen 4,1 g TMS Metersekunden gemessen und bringt fast
lassen sich aus der im Vergleich zur5,6 x 50 immereine gute Präzision.
(R) wesentlich größeren Hülse der 5,6 x 57
RWS sehenswerte Mündungs-
geschwindigkeiten bis 1100 m/s erreichen.
Dieser Wert entspricht dem mit den
leichteren 3,6 g - Geschossen erzielbaren und
ist ein Beweis für die bessere Eignung
verhältnismäßig massereicher Projektile bei
vorgegebenem Verbrennungsvolumen. Was
fürdieAnfertigung von reduzierten Ladungen
bei den 3,6 g Geschossen erwähnt wurde, gilt
auch beim 4,1 g TMS. Trotzdem sind
experimentierfreudigen Wiederladern unter
Einhaltung der sicherheitstechnischen
Vorgaben kaum Grenzen gesetzt.
Andererseits macht die Reduzierung eines
mittelschweren, bereits alsZweitlaborierung
gedachten Geschosses nur dann Sinn, wenn
die Nachteile (z.B. schlechtere Rasanz, ggf.
schlechtere Präzision) von denVorteilen (z.B.
bessere Übereinstimmung der
Treffpu nktlage mit starken Gebrauchsladung,

143
5,6 x 57

TMS 3,0 g RWS MJ/SG 3,0 g RWS VMS 3,0 g RWS


Patronenlänge 65,0 mm Patronenlänge 67,5 mm Patronenlänge 65,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 910 R 910 R 910


max. 1,49 23.0 1015 max. 1,49 23.0 1020 max. 1,49 23.0 1020
min. 0,97 15.0 650 min. 0,97 15.0 650 min. 0,97 15.0 655
R 902 R 902 R 902
max. 2,40 37.0 1040 max. 2,40 37.0 1040 max. 2,40 37.0 1040
min. 2,20 34.0 850 min. 2,20 34.0 830 min. 2,20 34.0 850
R 903 R 903 R 903
max. 2,59 40.0 1150 max. 2,59 40.0 1130 max. 2,59 40.0 1150
min. 2,33 36.0 920 min. 2,33 36.0 900 min. 2,33 36.0 920

TMS 3,2 g RWS MJ/SG 3,2 g RWS VMS 3,2 g RWS


Patronenlänge 67,0 mm Patronenlänge 66,0 mm Patronenlänge 67,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo Pulver g gr Vo m/s

R 902 R 903 R 902


max. 2,37 36.5 1070 max. 2,59 40.0 1100 max. 2,37 36.5 1065
min. 2,30 35.5 950 min. 2,33 36.0 980 min. 2,30 35.5 950
R 903 R 904 R 907
max. 2,53 39.0 1100 max. 2,79 43.0 1100 max. 2,79 43.0 1150
min. 2,33 36.0 950 min. 2,66 41.0 1000 min. 2,40 37.0 940
R 907 R 905 R 904
max. 2,79 43.0 1150 max. 2,92 45.0 1060 max. 2,85 44.0 1140
min. 2,40 37.0 940 min. 2,79 43.0 1000 min. 2,59 40.0 940

144
11,95 -1-
5,69

56,70

Kaliber: 5,6 mm (.224" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5341

•••••

1-77
-7>
TMS 3,6 g RWS MJ/SG 3,6 g RWS TMS 4,1 g RWS
Patronenlänge 66,5 mm Patronenlänge 67,5 mm Patronenlänge 68,5 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s

R 907 R 907 R 907


max. 2,66 41.0 1100 max. 2,66 41.0 1070 max. 2,59 40.0 1075
min. 2,59 40.0 1050 min. 2,59 40.0 1030 min. 2,46 38.0 1005
R 904 R 904 R 904
max. 2,85 44.0 1110 max. 2,85 44.0 1060 max. 2,75 42.5 1100
min. 2,66 41.0 1000 min. 2,66 41.0 960 min. 2,66 41.0 1015
R 905 R 905 R 905
max. 3,05 47.0 1110 max. 3,05 47.0 1040 max. 2,85 44.0 1055
min. 2,79 43.0 970 min. 2,85 44.0 960 min. 2,79 43.0 1015

FEEiE E-=„
KS 4,8 g RWS VMS 4,8 g RWS
Patronenlänge 69,0 mm Patronenlänge 67,7 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s

R 907 R 907
max. 2,53 39.0 990 max. 2,53 39.0 990
min. 2,20 34.0 900 min. 2,20 34.0 890
R 904 R 904
max. 2,53 39.0 960 max. 2,53 39.0 960
min. 2,33 36.0 900 min. 2,33 36.0 890
R 905 R 905
max. 2,79 43.0 1020 max. 2,79 43.0 1015
min. 2,59 40.0 905 min. 2,59 40.0 900

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

145
5,6 x 57 R
Man führt die Randversion der beliebten Balg zu erhalten. Die Leistung der Rand-
RWS-Entwicklung meist in der leichten patrone unterscheidet sich nicht von der
Bockbüchsflinte und der Bergjäger hat Leistung der randlosen: Beide sind für
die 5,6 x 57 R am liebsten in der Kipplauf- den gleichen Gasdruck zugelassen.
büchse. Ansonsten gilt alles bei der rand-
losen Version Gesagte auch hier: Die
56 x 57 R ist eine Rehwildpatrone mit Die Patrone aus der Sicht des
hohen Energiereserven noch auf weite Wiederladers
Entfernungen, ohne auf normale Distanz
zu wildbretentwertend zu wirken. Mit dem Wenngleich die Einsatzgrundsätze und
4,8 g KS steht ein Geschoß zur Verfügung, ladetechnischen Erfordernisse für beide
das auf Grund seines kontrollierten Defor- Hülsenformen der 5,6 x 57 gelten, ist die
mierungsverhaltens sich wechselnden Randversion doch getrennt zu behandeln.
Schußentfernungen und unterschiedli- Außer der offensichtlichen Vorliebe für
chen Widerständen im Wildkörper anpas- andere Pulversorten gilt es eine Beson-
sen kann und so auf alle jagdlichen Ent- derheitzu beachten, die wegen der mögli-
fernungen als sehr gut beurteilt wird. chen Auswirkung auf den Druck wichtig
ist: Trotz annähernder Volumengleichheit
reagiert die Randhülse auf Grund einer
Geschichte anderen Hülsengeometrie oft unterschied-
lich, wie ein vergleichender Blick in beide
Wenn die randlose Patrone erfolgreich Tabellen zeigt. So bringt z. B. die gleiche
ist, so muß die Randpatrone nicht lange Ladung einmal weniger Vo; ein anderes
auf sich warten lassen. Der Nachfrage Mal wird mit weniger Pulver mehr Druck
aus den Reihen der Liebhaber von Kipp- und Vo erzeugt. Unterschiede von mehr
laufwaffen hat die 5,6 x 57 R ihre Einfüh- als 600 bar selbst bei reduzierten La-
rung zu verdanken, die Anfang der sieb- dungen sind nicht ungewöhnlich, genauso
ziger Jahre erfolgte. Damals war die wie Differenzen von bis zu 100 Meter-
5,6 x 57 R noch auf Garns zugelassen, sekunden. Dies wird deutlich bei einem
was sie jetzt in Deutschland trotz ihrer Vergleich der folgenden Ladung: Während
vorzüglichen ballistischen Leistungen 1,95 g / 30.1 gr R 901 hinter dem 3,0 g MJ/
nicht mehr ist. Vor allem Rehwildjäger, SG in der randlosen Patrone eine
denen die 5,6 x 50 R auf größere Entfer- Mündungsgeschwindigkeit von 890 m/s
nungen etwas zu schwach erscheint, ergeben, wurden bei gleicher Ladung in
führen die starke 5,6 x 57 R. der Randhülse bei 600 bar mehr Druck
über 990 m/s erzielt.
Ein vergleichender Blick auf die Ladevor-
RWS-Laborierungen schläge für das seit Ende 1992 im RWS-
Fertigungsprogramm befindliche 4,1 g
Bei der bis 1997 gefertigten Randpatrone TMS zeigt ähnliches.
wurde anders als bei der randlosen Es wird deshalb empfohlen, niemals
Schwesterpatrone 5,6 x 57 neben dem lediglich gekürzte Vorschläge für randlose
4,8 g KS auch noch ein 4,8 g schweres Patronen in Randpatronen zu verladen.
VMS-Geschoß verladen, das vor allem Dies gilt selbstverständlich nicht nur für
zur winterlichen Ansitzjagd auf den Fuchs die 5,6x57 R, sondern für alle Rand-
verwendet wird, um einen unbeschädigten patronen ebenso.

146
13,32 5,69

56,70

Kaliber: 5,6 mm (.224" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5341

TMS 3,0 g RWS TMS 3,2 g RWS VMS 3,2 g RWS


Patronenlänge 65,0 mm Patronenlänge 67,0 mm Patronenlänge 67,0 mm
Pulver g gr V0 m/s Pulver g gr Va m/s Pulver g gr V, m/s
R 910 R 903 R 903
max. 1,49 23.0 980 max. 2,53 39.0 11150 max. 2,53 39.0 1150
min. 0,91 14.0 640 min. 2,33 36.0 11040 min. 2,33 36.0 1040
R 902 R 907 R 907
max. 2,40 37.0 1100 max. 2,69 41,5 1160 max. 2,69 41.5 1160
min. 2,20 34.0 880 min. 2,40 37.0 960 min. 2,40 37.0 960
R 903 R 905 R 905
max. 2,59 40.0 1190 max. 2,85 44.0 1070 max. 2,85 44.0 1070
min. 2,33 36.0 950 min. 2,79 43.0 1040 min. 2,79 43.0 1040
auch VMS 3,0 g 65,0 mm

TMS 4,1 g RWS KS 4,8 g RWS VMS 4,8 g RWS


Patronenlänge 68,5 mm Patronenlänge 69,0 mm Patronenlänge 67,7 mm
Pulver g gr Ve m/s Pulver g gr V0 m/s Pulver g gr Ve m/s
R 907 R 903 R 903
max. 2,59 40.0 1085 max. 2,07 32.0 900 max. 2,07 32.0 900
min. 2,46 38.0 1020 min. 1,94 30.0 850 min. 1,94 30.0 850
R 904 R 907 R 907
max. 2,72 42.0 1060 max. 2,46 38.0 970 max. 2,46 38.0 960
min. 2,59 40.0 1000 min. 2,20 34.0 910 min. 2,20 34.0 900
R 905 R 905 R 905
max. 2,92 45.0 1085 max. 2,69 41.5 975 max. 2,69 41.5 970
min. 2,85 44.0 1055 min. 2,59 40.0 950 min. 2,59 40.0 940

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf
Seite 105 beachten.

147
5,6 x 52 R
Trotz des etwas stärkeren Gescho ß- Die Patrone aus der Sicht des
durchmessers (5,79 mm im Vergleich zu Wiederladers
5,69 mm) ist die 5,6 x 52 R als Vorläuferin
der heute gebräuchlichen 5,6 mm- bzw. Trotz der relativ kleinen Hülse muß die
.22er - Rehwildpatronen anzusehen und 5,6 x 52 R mit einem 5,33-mm-Standard-
hat immer noch viele Anhänger, so daß zündhütchen versorgt werden. Beim
weiterhin noch Waffen und Einsteckläufe Pulver sind R 903 und 907 geeignet. Mit
für dieses schon mehrmals totgesagte R 902 wird der Sollwert (850 m/s) nur mit
Kaliber gebaut werden. übermäßigem Druck erreicht, so daß
dieses Pulver nicht empfohlen werden
kann, zumal es auch keine Vorteile beim
Erarbeiten von reduzierten Ladungen
bietet. 1,75 g des Rottweilpulvers R 903
Geschichte beschleunigen das 4,6 g Geschoß auf
etwa 850 m/s. TMS- und VMS-Geschosse
Die 5,6 x 52 R ist die metrische Schwester unterscheiden sich im Geschwindigkeits-
der etwa 1911 von dem US-Amerikaner verhalten bei gleicher Ladung übrigens
Charles Newton entwickelten und von nicht; allerdings zeigt die VMS-Labo-
den Savage Arms 1912 herausge- rierung etwas mehr Druck und auch eine
brachten .22 Savage High-Power (auch größere Standardabweichung, zumindest
.22 HiPower). Ausgangspatrone war die in den oberen Ladedichten. Man wird also
von Winchester im Jahre 1895 vorgestellte die VMS-Ladungen zugunsten der Schu ß-
.25 - 35, die bei uns in Europa leicht leistung etwas reduzieren müssen. Eine
modifiziert und schwächer geladen als Reduktion auch des TMS-Geschosses
6,5 x 52 R bekannt und gern auf Rehwild ist dann angebracht, wenn Waffen älteren
geführt wurde. Während die .22 HiPower Baujahres geschossen werden sollen. Mit
im Ursprungsland USA schon seit vor etwa 1,65 g R 903 oder der Alternative
dem Zweiten Weltkrieg auslaufend ist, 1,70 g R 907 erreicht man eine milde und
wird sie in Europa in Form der 5,6 x 52 R präzise mittlere Ladung. Schwache
wieder gefertigt. Kleinwildladungen, gleich ob mit dem VMS
oder dem TMS-Geschoß, können bis etwa
700 m/s heruntergeladen werden, bevor
die Präzision zu leiden beginnt. Eine wei-
tere Verringerung der Ladung ist wegen
RWS-Laborierungen unvollständigen Pulverabbrandes nicht
mehr zweckmäßig.
Es steht das bewährte Teilmantel -
Spitzgeschoß im Gewicht von 4,6 g zur
Verfügung. Mit diesem Geschoß und
seiner E100 von fast 1300 Joule übertrifft
die 5,6 x 52 R die deutschen gesetzlichen
Anforderungen für den Schuß auf Rehwild
(1000 J) bei weitem und kann somit als
weitreichende Niederwildpatrone einge-
reiht werden.

148

12,50

X
52,00
al

Kaliber: 5,6 mm (.228" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5341

TMS 4,6 g RWS VMS 4,6 g RWS


Patronenlänge 63,3 mm Patronenlänge 63,3 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 903 R 903
max. 1,75 27.0 850 max. 1,75 27.0 850
min. 1,49 23.0 680 min. 1,49 23.0 690
R 907 R 907
max. 1,81 28.0 810 max. 1,81 28.0 810
min. 1,56 24.0 685 min. 1,56 24.0 690

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 4849 und 55 56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

149
5,6 x 61 S. E. vom Hofe
Die 5,6 x 61 Super Express vom Hofe ist Walter Gehmann, Karlsruhe, Ex-Welt-
nicht nur die volumengrößte 5,6mm meister im Gewehrschießen und Inhaber
Patrone des Marktes, sondern - oder der Fa. Gehmann, im Jahre 1955 die
gerade deshalb - eine Problempatrone: Firma vom Hofe und ließ Waffen und
Anfang der achtziger Jahre konnte man Munition weiterproduzieren.
viel über ungeklärte Waffensprengungen Da man im Grunde mit der tatsächlichen
in diesem Kaliber hören. Als Ursache Leistung und Wirkung des 5,0 g TMS-
nimmt man u. a. den Secondary Explo- Geschosses zufrieden war, hatte die
sion Effect ("SEE") an; daneben auch 5,6 x 61 bis zum Auftreten der ersten
sogenannte Gasexplosionen (bei zu Waffensprengung eine zwar nicht sehr
schwacher lnitiierung des Pulvers). zahlreiche, aber doch loyale Gefolgschaft.
Druckwellenüberlagerung (bei zu starker Wie sich das in Zukunft ergibt, wird zum
Anzündung) als weitere Ursache für einen vom Waffenangebot und zum an-
Sprengungen wären technisch zumindest deren davon abhängen, wie der Hersteller
denkbar. die Munitionsfertigung der innenballistisch
schwierigen 5,6 x 61 in den Griff bekommt.
Auf jeden Fall hängt die Neigung zur Besagte neue Laborierung wird mit einem
Sprengwirkung - wenn auch letztlich noch äußerst progressiven Kugelpulver verla-
nicht genau geklärt - mit der Tatsache den, mit welchem die innenballistisch bei
zusammen, daß ein sehr großes solchen "übervolumigen" Hülsen anzu-
Hülsenvolumen mit einem relativ kleinen strebende "Ladedichte Eins " erst
Kaliber gekoppelt ist und zur Erzielung ermöglicht wird.
von Höchstleistung eine große Menge
(Masse) sehr progressiven Pulvers - Die Patrone aus der Sicht des
welches nicht unterladen werden darf - Wiederladers
Anwendung findet.
Zum gerade gefallenen Stichwort"Höchst- Aus dem schon zuvor gesagten ergibt
leistung" wäre noch anzumerken, daß die sich, daß die Patrone mit größter Vorsicht
vom Hofe-Fabrikladungen mit 1020 m/s gehandhabt werden muß. Bei Verwen-
gemessen wurden, was den heute annon- dung der 4,6 g schweren TMS- und
cierten Daten (1060 m/s) unter Berück- VMS-Geschosse sind die bei der
sichtigung individueller Unterschiede von 5,6 x 61 R S.E.v.Hofe gemachten
Meßlauf zu Meßlauf fast gerecht wird. Die Bemerkungen zu berücksichtigen, was
früher angegebenen Werte von 1130 m/s die Maximalladungen angeht. Die dort
wurden nie erreicht, zumindest nicht im beschriebenen, vorzeitigen Geschoßzer-
zulässigen Druckbereich. legungen bei hohen Geschwindigkeiten
treten auch bei Verwendung von Geschos-
Geschichte sen anderer Fabrikate auf, sind also kei-
neswegs typisch für die 4,6 g RWS Ge-
Ernst August vom Hofe entwickelte die 5,6 schosse der 5,6 x 52 R, welche für Ziel-
x 61 S.E. und ihre Schwester mit Rand 5,6 geschwindigkeiten von maximal 860 m/s
x61 RS.E. imJahre 1937. Bis Kriegsbeginn konstruiert sind.
bzw. bis zur Einstellung der zivilen Waffen- Rottweil R 905 ist aus innenballistischen
und Munitionsfertigung konnten zahlreiche Gründen nicht für die 5,6 x 61 R geeignet
Mauser-Repetierbüchsen und die und darf deswegen keinesfalls verladen
zugehörige Munition in das In- und Ausland werden.
geliefert werden. Nach dem Tode E. A.
vom Hofes im Jahre 1945 übernahm

150
!p

aisDH -A '3 'S 1. 9X9'S



1220 5,76

61,00

Kaliber: 5,6 mm (.228" Dia.)


Hülse: Vom Hofe
Zündh.: RWS 5341

TMS 4,6 g RWS VMS 4,6 g RWS


Patronenlänge 73,5 mm Patronenlänge 72,0 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 907 R 907
max. 3,18 49.0 1020 max. 3,18 49.0 1055
min. 2,79 43.0 910 min. 2,79 43.0 935
R 904 R 904
max. 3,37 52.0 1020 max. 3,37 52.0 1060
min. 2,98 46.0 910 min. 2,98 46.0 940

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

151
5,6 x 61 R S. E. vom Hofe
Die 5,6 x 61 R Super Express v. Hofe durchzuführen. Wer noch gut gelagerte
wurde zwar nicht serienmäßig, aber doch Berdanhülsen zur Verfügung hat, kann
gegen Aufpreis und auf Sonderwunsch in diese mit dem Berdanhütchen RWS 5620
Kipplaufwaffen bzw. Blockbüchsen einge- bestücken. Dabei ist aber an die
baut. Vom Verbreitungsgrad liegt sie weit Versprödung des Materials zu denken,
hinter der randlosen Schwesterpatrone. was eine starke Beanspruchung solcher
Heute ist sie als "unter 6,5 mm" in Deut- Hülsen durch übermäßige Kaltverformung
schland für Hochwild und somit für Gams von selbst verbietet, z.B. bei einer übertrie-
verboten, in Österreich jedoch weiter er- benen Vollkalibrierung, wenn eine Hals-
laubt. Im Gegensatz zu ihrer randlosen kalibrierung ausreichen würde, weil immer
Schwesterpatrone war die 5,6 x 61 R eine nur für eine Waffe geladen wird.
ganze Zeit nicht lieferbar, nämlich von Die Geschoßfrage ist dahingehend
Anfang der achtziger Jahre bis etwa An- geklärt, daß in Form des 4.6 g TMS-
fang der Neunziger und war so zur reinen Geschosses von RWS ein in der 5,6x52 R
Wiederladerangelegenheit geworden. bewährtes Projektil zur Verfügung steht.
Den "totalen" Wiederlader störte es nicht, Zu beachten wäre allerdings, daß das
daß er sich mit Berdanhülsen herum- TMS-Geschoß, gedacht für die Mün-
plagen mußte, falls er nicht von Bruce dungsgeschwindigkeit der kleinen Sav-
Bertram/Australien gefertigte Boxerhülse age (etwa 860 m/s), bei höherer Ge-
(Bodenstempel BB) verwendete oder schwindigkeit zu "weich" wird. Dies bezieht
später Hülsen .30 R Blaser zur Umformu- sich nicht nur etwa auf das Ansprechen
ng benützte. Ab 1993 wurde die Patrone des Geschosses im Ziel, sondern bereits
erneut von Gehmann vertrieben und es auf die Flugbahn. Bei den Ermittlungs-
gab wieder Hülsen mit dem W.Gehmann/ beschüssen mit der 5,6 x 61 war es
V.Hofe - Bodenstempel, erstmals sogar mehrmals der Fall, daß mit "heißen"
mit Boxerzündung. Ladungen (schneller als ca. 1080 m/s)
das 4,6 g Geschoss sich etwa zwanzig
Meter vor der Mündung in der Luft zerlegte.
Es wird deshalb empfohlen, sich hinsicht-
Geschichte lich der Mündungsgeschwindigkeit zu-
rückzuhalten und dies gilt für die randlose
Zusammen mit der randlosen Schwester- Version gleichermaßen.
patrone wurde die 5,6 x 61 R S.E. v. Hofe Die angegebenen "min."-Ladungen dürfen
im Jahre 1937 von Ernst August vom dabei keinesfalls unterschritten werden.
Hofe entwickelt. Die unüblichen R-und Normalerweise genügen die in den
P1-Maße zeigen, daß die Patrone auf Ladevorschlägen ausgedruckten Vo-
dem Reißbrett entstand und nicht so ohne Bereiche für die Praxis ausreichen. Sie
weiteres kopierbar sein sollte. sind auf etwa 85 `)/0 des zulässigen Pr.
abgestellt. Wie bei allen Ladevorschlägen
dieses Buches wird aber jede Haftung
abgelehnt.
Die Patrone aus der Sicht des Rottweil R 905 ist aus innenballistischen
Wiederladers Gründen nicht für die 5,6 x 61 R geeignet
und darf deswegen keinesfalls verladen
Mit der W. Gehmann Boxer-Hülse oder werden.
der umgeformten .30 R Blaser ist das
Verladen der 5,6x61 R wie bei jeder
anderen Hülse mit zentralem Zündloch

152
(.71
13,60 r kn
61,00

's I:1
Kaliber: 5,6 mm (.228" Dia.)
Hülse: Vom Hofe bzw. Hülse "BB" (Boxer) oder aus
.30 R Blaser umgeformte Boxerhülsen

ei0H "A'3
Zündh.: RWS 5620 (Berdan) und Zündhütchen RWS 5341

TMS 4,6 g RWS VMS 4,6 g RWS


Patronenlänge 72,0 mm Patronenlänge 72,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 907 R 907
max. 2,79 43.0 930 max. 2,79 43.0 945
min. 2,66 41.0 900 min. 2,66 41.0 905
R 904 R 904
max. 2,98 46.0 945 max. 2,98 46.0 970
min. 2,85 44.0 900 min. 2,85 44.0 920

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

153
6 mm PPC
Speziell für das Benchrestschießen fabrikfrischen Fertighülsen (Sako)
geschaffen, wurde die 6 mm PPC auch verwendet werden sollen - wie ihre
bei uns bekannt und stellt die Haupt- kaliberkleinere Schwesterpatrone aus der
patrone der nicht sehr zahlreichen, aber .220 Russian von Sako umgeformt. Der
begeisterten und treu zu ihrer Schieß- Umformungsvorgang ist relativ einfach,
disziplin stehenden deutschen Bench- setzt aber unterdem Aspekt der notwendig
rester dar. großen Anforderung an die Zentrizität
zwischen Hülse und Waffe bzw. Geschoß
Geschichte und Patronenlager spezielles Werkzeug
und eine gehörige Portion Erfahrung und
Die Geschichte der 6 mm PPC begann in Praxis voraus. Angehende Benchrester
gewissem Sinn bereits im Jahre 1962, als werden sich bei der Hülsenumformung
bei den Schießweltmeisterschaften in der Hilfe erfahrener Schützen versichern
Kairo eine neue Patrone auftauchte, näm- müssen. Zu beachten ist ferner, daß die
lich die aus der russischen Militärpatrone H1 - und H2-Durchmesser der 6 mm PPC
7,62 x 39 (M 43) weiterentwickelte deutlich geringer sind als die anderer
5,6 x 39 oder .220 Russian. Die neue, 6-mm-Patronen, was sich natürlich auch
kurze Hülse weckte das Interesse vieler in den Patronenlagermaßen der ent-
US-Benchrester. Vorallem Lou Palmisano sprechenden Benchrestbüchsen nieder-
und Ferris Pindell nahmen sich ihrer an. schlägt. Eine Verringerung des Hülsen-
Die Amerikaner vergrößerten den Schul- halsdurchmessers ist deshalb sehr sorg-
terwinkel und den P2-Durchmesser der fältig durchzuführen; die Einhaltung der
Mutterpatrone 5,6x39 und kamen schließ- exakt gleichmäßigen Hülsenhalswand-
lich über mehrere Vorstufen im Jahre stärke ist von größter Bedeutung für die
1975 mit der .22 PPC (Pindell-Palmisano Präzision. Als Zündhütchen wird das RWS
-Cartridge) und gleichzeitig mit der 6 mm 4033 verwendet. Um das 4,5 g Scheiben-
PPC. Die 22 PPC ist als Benchrestpa- geschoß auf Mündungsgeschwindigkei-
trone ebenfalls sehr erfolgreich. Die 6 mm ten von 800 bis 900 m/s zu bringen, sind
PPC unterscheidet sich von der .22 PPC bei dem relativ kleinen Hülsenvolumen
lediglich durch den anderen Geschoß- die scharfen bis mittleren Pulver R 902
durchmesserund die daraus zwangsläufig bis R 907 notwendig, wobei sich das
resultierenden L2- und L3-Differenzen. R 903 als besonders geeignet erweist.
Bereits im Jahr der Einführung wurden Neben den in der Tabelle aufgeführten
mit den neuen Patronen etliche Rekorde Pulvern lohnt sich ein Versuch mit bis zu
im Präzisionsschießen aufgestellt. Heute 1,68 g / 26.0 gr Rottweil R 901 / 4,5 g SG.
ist die 6 mm PPC nicht mehr aus der Diese Ladung wird bei etwa 890 m/s eine
Szene wegzudenken und hält nahezu natürlich waffenabhängige gute Schuß-
alle Benchrest-Rekorde. leistung erbringen, wenn die anderen
benchrestspezifischen Voraussetzungen
erfüllt sind.
Die Patrone aus der Sicht des
Wiederladers

Die 6 mm PPC ist wie die Schwester-


patrone .22 PPC eine reine Wiederlader-
angelegenheit und wird - sofern keine

154
i
mummommet
11 18 6,17
3
38,18 3

Kaliber: 6 mm (.243" Dia.)


Hülse: umgeformt aus Sako .220 Russian
Zündh.: RWS 4033

SG 4,5 g RWS
Patronenlänge 53,3 mm
Pulver g gr Vo m/s

R 902
max. 1,91 29.5 950
min. 1,72 26.5 820
R 903
max. 1,91 29.5 930
min. 1,72 26.5 805
R 907
max. 1,94 30.0 870
min. 1,81 28.0 800

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

155
.243 Win.
Schon bald nach dem Auftauchen der Mauser (1895) und die Försterpatrone
Patrone stand fest, daß sie sich einen 6 x 58 (1904) bekanntgeworden waren.
festen Platz im Standardsortiment sichern Auch die .244 Halger Magnum mit ihren
sollte. Das war im Ursprungsland, wo die eindrucksvollen Mündungsgeschwindig-
.243 gleichermaßen als Raubzeug- und keiten wurde bereits 1920 von Gerlich
Schalenwildpatrone geschätzt wird, nicht vorgestellt. Allerdings überlebten alle diese
anders als bei uns: Mit einem Geschoß- Konstruktionen den Zweiten Weltkrieg
gewicht von ca. sechs Gramm kann die nicht. Danach blieb es, wie so oft in der
6-mm-Patrone genügend Reserven ent- US-Munitionsentwicklung, einem "Wild-
wickeln, um bei Mündungsgeschwindig- catter" vorbehalten, das 6-mm-Kaliber neu
keiten von 950 m/s als "weitreichende aufzugreifen. Fred Huntington, der Be-
Reh- und Gamspatrone" bezeichnet zu gründer der späteren RCBS, zog die .257
werden. Besagte Reserve drückt sich so Roberts (welche wiederum nichts anderes
aus, daß die .243 noch auf über 200 m ist als eine auf 6,5 mm eingewürgte 7 x 57)
eine Auftreffenergie hält, die der Mün- auf .243'76,17 mm ein, gab ihr eine 32°-
dungsenergie einer mittleren 5,6-mm- Schulter und nannte die Patrone ".243
Patrone entspricht. Rockchucker", womit auch gleich der
Wo sie zugelassen ist, wird die 6-mm- Hauptverwendungszweck des Neulings
Patrone auch auf stärkeres Schalenwild erklärt ist. Rockchuck ist eine Murnneltierart
als Reh und Garns verschossen und das und beliebte Beute für den amerikanischen
mit gutem Erfolg, sofern die richtige La- "Varminter", den Raubzeugjäger, der oft
borierung mit einem ausreichend schwe- auf sehr weite Entfernung schießt. Nicht
ren Geschoß Verwendung findet. viel später begannen sich auch die beiden
In Deutschland erfuhr die .243 durch ge- großen US-Munitionsfirmen fürdie Patrone
setzliche Reglementierung eine gewisse zu interessieren: Remington nahm an der
Zurücksetzung, indem sie, als unter 6,5 .243 Rockchucker geringfügige
mm liegend, nicht mehr auf Gams erlaubt Änderungen vor und brachte sie im Jahre
ist. Aber die Jäger erkennen die Patrone 1955 als .244 Remington. Der Patrone
als brauchbar für schwaches Schalenwild war kein Erfolg beschieden, was aber in
an und die Jagdschützen verwenden sie erster Linie am Drall der für sie gefertigten
zu ihren Meisterschafts-schießen. Speziell Waffen lag: Dieser war mit 31 cm etwas zu
zu diesem Zweck wurde eine RWS- lang, um auch schwerere Geschosse
Scheibenpatrone entwickelt, die mit ihrem ausreichend stabilisieren zu können. Der
4,5-g-Geschoß sehr gute Präzision Markt verlangte aber nach einem Kaliber,
brachte. das mit leichten Geschossen sowohl zum
"varminting" als auch mit ausreichend
schweren Geschossen zum Schuß auf
Schalenwild taugen sollte.

Geschichte Winchester beschritt einen anderen Weg,


indem die .243 Win.(1955 durch Einwür-
Die .243 Win. ist würdige Nachfolgerin gen der drei Jahre älteren .308 Win. ent-
einer ganzen Reihe von bahnbrechenden standen) von Anfang an für einen 26-cm-
6-mm-Patronen: Bereits um die Jahr- Drall konzipiert wurde. In diesem Drall
hundertwende gab es die 6-mm-Lee-Navy können leichte Varmintgeschosse als auch
in den USA und etwa um die gleiche Zeit schwerere Schalenwildgeschosse
in Deutschland eine 6 x 29,5 R Stahl, stabilisiert werden. Am Verkaufserfolg der
während schon vorher durch Einwürgen .243 Win. änderte sich kaum etwas, als
der 6,5 x 57 und der 6,5 x 58 R die 6 x 57 Remington im Jahre 1963 die 6 mm Rem.
brachte. Das ist nichts anderes als die

156
.244 Rem. von 1955 mit einem anderen Die Patrone aus der Sicht des
Bodenstempel, nur sind 6,5-g-Geschosse Wiederladers
verladen und die dafür eingerichteten
Waffen mit einem 26-cm-Drall eingerichtet. Die .243 Win. muß wegen ihrer geringen
Trotz der längeren Hülse und damit grös- Hülsengröße in Verbindung mit dem relativ
serem Pulverraum bzw. höherer Ladung kleinen Kaliber an die Obergrenze des
leistet die 6 mm Rem. nur Unwesentliches zulässigen Druckbereichs geladen wer-
mehr als die kleinere .243 Win. Selbst die den, um die Leistung mit dem schweren
.240 Weatherby Magnum von 1968 konnte Geschoß zu erbringen. Im Bereich der
der effektiven .243 ihren Marktanteil nicht Maximalladungen reagiert die Patrone
schmälern. Nach Europa kam die .243 deswegen auch etwas sprunghaft, was
anfänglich als Importpatrone. Etwa 1964 sich aber durch vorsichtiges Hintasten an
wurde sie in das Fertigungsprogramm die Höchstladung (sofern man es nicht
aufgenommen. vorzieht, gleich etwas darunter zu bleiben)
in den Griff bekommen läßt. In manchen
Waffen können Zündhütchenausfaller be-
reits bei geringfügigen Überschreitungen
RWS- und GECO-Laborierungen des zulässigen Drucks beobachtet
werden. Der Prnax der .243 Win. beträgt
Neben der 6,5-g-TMS-Laborierung, wel- 3600 bar (Cu), was 4150 bar (piezo)
che als Universalladung für Wild und Schei- entspricht.
be konzipiert ist, steht vor allem ein Trotz dieser Gegebenheiten ist die .243
Kegelspitzgeschoß zur Verfügung. Das nicht schwerer zu verarbeiten als andere
KS ist 6,2 g schwer und ebenso wie die Patronen: Die Boxerhülsen können mit
KS-Geschosse der anderen Kaliber von den Zündhütchen RWS 5341 bekapselt
5,6 bis 10,3 mm zur Verwendung auf werden, die auch in der Werksladung zu
Schalenwild konzipiert, wo es sich durch finden sind. Wie bei anderen Patronen
die bekannt hohe Augenblickswirkung sollte ein Wechsel zu einem anderen Zünd-
auszeichnet. Gerade in 6 mm hat das KS hütchen auf alle Fälle vermieden werden,
den große Vorteil, daß es als Kompakt- da sich dadurch - im Gegensatz zur
geschoß mit abgestufter Deformations- landläufigen Meinung - Veränderungen
tätigkeit das Leistungspotential der .243 des Gasdrucks ergeben, was in den oberen
auch auf großen Schußentfernungen zur Ladedichten gefährlich werden kann.
Wirkung kommen läßt, was bei Geschos-
sen mit einfachem Aufbau nicht immer zu
erwarten ist. Das Spezial-Jagdgeschoß
wird hervorragend ergänzt durch ein 1996
auf den Markt gebrachtes TM-Geschoß
im Gewicht 6,8 g. Die GECO-Laborierung
spricht den Scheibenschützen an und soll
dem trainingsbewussten Jäger das preis-
günstige Übungsschießen mit einem
vollwertigen Jagdgeschoß aus der
Gebrauchswaffe ermöglichen. Als vor
allem seine Masse nutzendes Teilmantel-
geschoß wirkt das 6,8 g TM GECO
zuverlässig auf Fuchs und Reh und kann
das Spezial-Jagd- Geschoß KS ergänzen.

157
.243 Win.
Für das KS-Geschoß haben sich die höchstmöglicher Genauigkeit darauf an,
Rottweilpulver R 904 und R 905 bewährt; daß das Pulver immer in gleicher Lage
R 907 ist auch für etwas reduzierte La- angezündet wird. Am besten ist es, die
dungen brauchbar. Beim Verladen des Waffe vor jedem Schuß mit der Mündung
KS ist darauf zu achten, daß ein rotations- nach oben zu halten und dann langsam
loser Geschoßweg garantiert ist, d. h., zu senken, wie man dies auf der Jagd ja
daß das Geschoß die Felder nicht berüh- auch meistens macht.
ren darf, was zu Gasdrucksteigerungen Mit der Hereinnahme eines Vollmantel-
führt. Dies gilt zwar für andere Geschosse geschosses in die Ladevorschläge wird
und in anderen Kalibern auch, doch ver- einem vielfach geäußerten Wunsch der
führt die Form des KS in Verbindung mit Jagdpraktiker Rechnung getragen, welche
dem kurzen Übergang der .243 leicht die .243 Win. auch zum Schuß auf
dazu, die vorgeschriebene Patronenlänge "Pelzträger", also zum schonenden Erle-
zu überschreiten. Für das 4,5 g Scheiben- gen des großen und kleinen Raubwildes
geschoß bieten sich einige Pulver an. Die verwenden wollen. Wo Reduzierungen
Ermittlung der optimalen Match-Ladung der als minimal bezeichneten Ladevor-
für ein spezifisches Gewehr ist eine in- schläge nötig scheinen, kann versucht
teressante Aufgabe, die mit hervorragen- werden, die R 903-Ladung in kleinen
der Präzision honoriertwird. Zur Ermittlung Schrittchen zu unterschreiten (bis etwa
der waffenspezifisch besten Ladung für 2,22 g / 35.0 gr), wobei strikt auf eine
das 4,5 g SG sollte man sich keineswegs ausreichende Liderung zu achten ist.
nur an die ausgedruckten Geschwindig- Das ebenfalls auf Wunsch von Praktikern
keiten klammern oder das gerade hereingenommene, relativ leichte 5,5 g
vorrätige Pulver nehmen. Richtiger ist es, TMS von Sierra ist einerseits als Scheiben-
eine Individualladung aus allen gescho ß, vor allem aber als schnell
Vorschlägen "herauszuschießen". Dazu zerlegendes und damit rasch wirkendes
fertigt man von jeder SG-"min"-Ladung Spezialgeschoß für den Schuß auf Beute-
für die Pulver R 902 bis R 905 zwei Fünf- greiferzu betrachten, während das schwe-
Schuß-Gruppen und macht dort mit 0,03- re 6,8 g TMR GECO als Ergänzung zum
Gramm-Steigerungen weiter, wo sich die überaus erfolgreichen KS für Schalen-
kleinsten Gruppen abzeichnen. Es sind wild gedacht ist.
also mindestens fünfmal zehn Schuß für
die Vorermittlung erforderlich, dazu etwa
fünfmal zehn Schuß für die endgültige
Ermittlung.
Das Rottweil R 910 ist gedacht zur Fer-
tigung von Schonzeitladungen für kurze
Entfernungen. Es kommt also mehr auf
die Übereinstimmung der SG-TPL mit der
Treffpunktlage der Jagdladung an, so daß
man, bei der "min."- Ladung beginnend
und um je 0,05 Gramm bis "max "steigend,
die TPL überprüfen kann. Zum Schießen
mit den wenig dichten Ladungen ein Tip:
Da der Verbrennungsraum der Hülse nur
teilweise befüllt ist, kommt es zur Erzielung

158
12,01 6,17

51,94 ►

Kaliber: 6 mm (.243 " Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5341

SG 4,5 g RWS SG 4,5 g RWS VMS 5,2 g Hornady


Patronenlänge 65,5 mm Patronenlänge 65,5 mm Patronenlänge 66,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 910 R 907 R 903
max. 1,62 25.0 870 max. 2,79 43.0 1035 max. 2,69 41.5 980
min. 1,00 15.5 580 min. 2,69 41.5 950 min. 2,53 39.0 900
R 902 R 904 R 907
max. 2,59 40.0 11020 max. 3,11 48.0 1045 max. 2,79 43.0 980
min. 2 50 38.5 l 910 min. 2,98 46.0 945 min. 2,66 41.0 920
R 903 R 905 R 905
max. 2,79 43.0 1030 max. 3,31 51.0 1040 max. 3,18 49.0 980
min. 2,59 40.0 920 min. 3,18 49.0 935 min. 3,08 47.5 950
auch möglich max. 2,46 g / 38.0 gr R 901 (1020 m/s)

TMS 5,5 g Sierra KS 6,2 g RWS TMR 6,8 g GECO


Patronenlänge 66,5 mm Patronenlänge 63,5 mm Patronenlänge 68,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907 R 907
max. 2,59 40.0 925 max. 2,59 40.0 935 max. 2,43 37.5 870
min. 2,46 30.0 800 min. 2,53 39.0 870 min. 2,33 36.0 850
R 904 R 904 R 904
max. 2,85 44.0 930 max. 2,85 44.0 955 max. 2,66 41.0 880
min. 2,69 41.5 850 min. 2,59 40.0 860 min. 2,59 40.0 855
R 905 R 905 R 905
max. 3,05 47.0 950 max. 2,92 45.0 950 max. 2,85 44.0 890
min. 2,92 45.0 900 min. 2,72 42.0 860 min. 2,79 43.0 865

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48,49 und 55:56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

159
6 mm Rem.
Die 6 mm Rem. ist bei uns in Mitteleuropa stabilisierte. Dagegen können aus Waffen
bei weitem nicht so populär wie ihre kali- des Kalibers .243 Win. mit ihrem relativ
bergleiche, in der Hülse aber kürzere kurzen Drall (260 mm) auch die schweren
Rivalin .243 Win. Dies hängt mit dem Schalenwildgeschosse von 6,5 g ohne
etwas unglücklichen Start der Remington- Einbußen an die Präzision verschossen
Entwicklung zusammen, wie im Abschnitt werden. Zwangsläufig machte Winchester
"Geschichte" näher erläutert wird. mit der universelleren .243 das Rennen.
In Deutschland sind 6 mm Patronen nicht Um die Entwicklungskosten für den Flop
für Hochwild zulässig, also auch nicht auf .244 wenigstens teilweise aufzufangen,
Gams. Dagegen bedienen sich die Öster- bediente sich Remington im Jahre 1963
reicher gerne der Patronen mit dem 6,2 eines einfachen Tricks: Ohne jede Än-
mm/.243 "Geschoß und aus diesem Grund derung an der Hülse wurde die .244 Rem.
ist die 6 mm Rem. in der Alpenrepublik in 6 mm Rem. umgetauft, mit schwereren
eine gängige Patrone, welche auch auf Geschossen verladen und lediglich die
leichtes Rotwild eingesetzt wird. Waffen dieses Kalibers mit einem kurzen
Drall (teilweise 230 mm) versehen. Hülsen
der Bezeichnung .244 Rem. und 6 mm
Rem. sind also maßlich identisch und
Geschichte können in Waffen beider Benennungen
verschossen werden. Nur wird man mit
Im gleichen Jahr der Vorstellung der .243 schweren Geschossen aus Waffen des
Win. (1955), kam Remington mit einer Kalibers .244 Rem. präzisionsbezogene
kalibergleichen Patrone, nämlich der .244 Schwierigkeiten erwarten müssen.
Rem. Von der Hülse her ist die .244 Rem.
eine auf 6,2 mm eingewürgte 7 x 57,
wobei der Schulterwinkel geringfügig auf
ca. 26° vergrößert wurde. Obwohl vom Die Patrone aus der Sicht des
Hülsenvolumen her gesehen die .244 Wiederladers
Rem. überlegen war, konnte sie in der
Gunst der amerikanischen Jäger gegen- Da die 6 mm Rem. in erster Linie als
über der kleineren .243 Win. keinen Stich weitreichende Patrone für leichtes
machen. Dies lag vor allem am Konzept Schalenwild Anwendung findet, verdienen
für die .244 Rem.: Man hatte den für sie besonders die Laborierungen mit dem
eingerichteten Waffen einen relativ langen 6,2 g KS, aber auch dem 6,5 g TMS
Drall gegeben (310 mm) und damit den Beachtung. Die 6 mm Rem. kann alles,
Verwendungszweck der Büchsen von An- was die .243 Win. auch kann, braucht
fang an festgelegt. Denn bekanntlich dient aber wegen ihres größeren Ver-
ein langer Drall der Stabilisation der sehr brennungsraumes mehr Pulver. Unter
schnellen, leichten Geschosse und solche Ausnützung des Gasdrucks (die 6 mm
(maximal 5,8 g schwere), sollten aus der Rem. darf geringfügig "heißer" verladen
.244 Rem. zur Anwendung kommen. Die werden), ergeben sich die in der La-
.244 war also als "Varmint"-Patrone ge- detabelle ausgedruckten Werte (650 mm
dacht, mit dem Nachteil, daß der lange Meßlauf).
Drall die für Schalenwild unbedingt nötigen
schwereren Geschosse nicht ausreichend

160
-1
-
12,01

56,72

Kaliber: 6 mm (.243 " Dia.) 3


Hülse: R-P
Zündh.: RWS 5341

SG 4,5 g RWS
fiEEEii>
KS 6,2 g RWS TMS 6,5 g RWS
Patronenlänge 68,5 mm Patronenlänge 67,5 mm Patronenlänge 71,7 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr Vo m/s
R 903 R 907 R 907
max. 2,92 45.0 1080 max. 2,66 41.0 945 max. 2,66 41.0 925
min. 2,59 40.0 880 min. 2,53 39.0 890 min. 2,53 39.0 880
R 904 R 904 R 904
max. 3,24 50.0 1125 max. 2,98 46.0 975 max. 2,92 45.0 940
min. 3,11 48.0 1050 min. 2,85 44.0 900 min. 2,79 43.0 880
R 905 R 905 R 905
max. 3,37 52.0 1110 max. 3,08 47.5 1000 max. 3,11 48.0 965
min. 3,24 50.0 1020 min. 2,95 45.5 940 min. 2,98 46.0 900
R 907: 2,85 g/44.0 gr = 1045 m/s

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 4849 und 55'56 (Fettdruck). sowie auf Seite 105 beachten.

161
6 x 62 Fröres
6 mm Patronen sind in Mitteleuropa bei gern, falls bestimmte andere Kriterien der
weitem nicht so populär wie in den USA. außen- und zielballistischen Leistung von
Dies war um die Jahrhundertwende und einer kaliberschwächeren Patrone erfüllt
die Jahre danach nicht so, gab es doch werden könnten. Dem war allerdings nicht
bei uns solche leistungsfähigen Patronen so und deshalb ist die 6 x 62 Fräres, wie
wie die 6 x 57 Mauser (die übrigens von andere starke 6 mm Patronen auch (man
Kaiser Wilhelm benützt wurde), sowie die denke an die .240 Weatherby oder
beiden "Försterpatronen" 6 x 58 und .244 H & H Mag.), in Deutschland "nur"
6 x 58 R. eine Rehwildpatrone, allerdings eine
Die Beliebtheit der 6 mm Patronen in den ziemlich weitreichende. Etwa seit 1992 ist
USA rührt daher, daß mit ihnen, richtige eine Randschwester der 6x62 am Markt,
Laborierung vorausgesetzt, "varmints" die 6x62 R Frbres. Sie ist für den gleichen
und auch Schalenwild bejagtwerden kann. Druck zugelassen und deshalb wie die
Allerdings schiebt dem 6 mm Liebhaber in randlose Version zu betrachten.
Deutschland das Jagdgesetz einen Riegel
vor: Als unter 6,5 mm liegend, sind die
6 mm Patronen nicht auf Hochwild, also Die Patrone aus der Sicht des
nicht einmal auf das relativ leichte und Wiederladers
nicht sonderlich "harte" Gamswild zuge-
lassen, was jede 6 mm Patrone, auch die Die auch in den von Fräres vertriebenen
stärkste, zur Rehwildladung degradiert. Fabrikladungen verwendeten Hülsen aus
Anders in Österreich, wo die 6 mm Patro- MEN-Fertigung sind lose für den Wie-
nen gerne auch auf Hochwild genommen derlader erhältlich; als Zündhütchen
werden. kommt trotz der ziemlich hohen Pul-
verladung nur das Standard-Zündhütchen
Geschichte RWS 5341 in Frage. Naturgemäß eignen
sich für die großvolumige Hülse aus-
Günter Ft-61-es, auch als Konstrukteur der schließlich die progressiven Treibladungs-
5,6 x 50 R bekannt, hatte sich schon Ende pulver ab Rottweil R 907, wobei die größte
der sechziger Jahre mit einer starken Leistung mit Rottweil R 905 erbracht
6 mm Patrone befaßt. Sein Ziel war es, wird. Da die 6 x 62 Frbres als Schalen-
dem auf weite Entfernungen waidwerken- wildpatrone für weite Schüsse, gege-
den Jäger eine rasante Patrone für Gams benenfalls auch auf Hochwild fungiert,
und anderes leichtes Hochwild an die sollte der Gescho ßauswahl etwas Augen-
Hand zu geben, wobei diese neue Patrone merkgeschenktwerden. Ausgesprochene
auch für weite Schüsse auf Rehwild Schalenwildgeschosse wie das 6,2 g KS
einsetzbar sein sollte. oder auch das 6,5 g TMS sind für diesen
Die Ausführungsverordnungen des deut- Verwendungszweck besonders prädesti-
schen Jagdgesetzes von 1972 machten niert. Zur Erhaltung der Schießfertigkeit
Frbres einen Strich durch die Rechnung, ist Übung nötig und für eine Übungs-
indem alle Patronen unter 6,5 mm ohne ladung bietet sich das Scheibengescho (3
Ausnahme für Hochwild verboten wurden. - SG - im Gewicht 4,5 g an.
Die bereits laufende Entwicklung der 6x62 Die Randhülse 6 x 62 R Frbres kann im
sollte dies nicht aufhalten, zumal eine Anhalt an die Tabelle verladen werden;
solche Regelung in Österreich nicht man sollte sich an den "min."-Ladungen
besteht und es damals Ansätze gab, das orientieren. Auf die entsprechende Be-
"6,5-mm-Gebot" nach "unten" zu verla- merkung bei 5,6 x 57 R wird verwiesen.

162
Se..19.1d Z 9 x 9
"1-
12.10 v 6,17

61.75

Kaliber: 6 mm (.243" Dia.)


Hülse: MEN
Zündh.: RWS 5341

SG 4,5 g RWS KS 6,2 g RWS TMS 6,5 g RWS


Patronenlänge 74,4 mm Patronenlänge 72,7 mm Patronenlänge 75,6 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 907 R 907 R 907
max. 3,43 53.0 1115 max. 3,11 48.0 915 max. 3,08 47.5 900
min. 3,30 51.0 1000 min. 2,98 46.0 825 min. 2,98 46.0 825
R 904 R 904 R 904
max. 3,76 58.0 1125 max. 3,43 53.0 930 max. 3,37 52.0 940
min. 3,63 56.0 990 min. 3,37 52.0 880 min. 3,30 51.0 880
R 905 R 905 R 905
max. 3,95 61.0 1055 max. 3,56 55.0 970 max. 3,53 54.5 940
min. 3,82 59.0 975 min. 3,43 53.0 890 min. 3,40 52.5 870

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48 49 und 55;56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105
beachten.

163
6,5 x 52 R
Zwischen den beiden Weltkriegen war der "Schwesterpatrone" zu sprechen; im-
die 6,5 x 52 R eine sehr beliebte Rehwild- merhin sind aber wenigstens die Hülsen
patrone und wurde vor allem im Drilling "Schwestern" und abgesehen von kleinen
gern geführt. Obzwar nicht gerade von Abweichungen identisch. In den dreißiger
spektakulärer Leistung (z. B. im Vergleich Jahren waren zwei Laborierungen von
zur 6,5 x 57R-und auch die alte 6,5 x 58R RWS bekannt, welche beide ein 7,6 g
ist bei gleichem Geschoßgewicht um schweres Kupfermantelgeschoß enthiel-
einiges schneller), blieb die 6,5 x 52 R ten und dieses mit einer V, von 610 bzw.
auch nach dem Zweiten Weltkrieg eine 680 m/s verschossen.
bekannte Patrone. Nach und nach wurde
sie durch die besseren 6- und 6,5-mm-
Patronen abgelöst und wird heute nur
noch von Besitzern alter Waffen dieses Die Patrone aus der Sicht des
Kalibers geführt. Einen Großteil ihrer Be- Wiederladers
liebtheit errang die Patrone durch das
speziell für den Schuß auf Rehwild konzi- Patronen für alte Waffen, besonders wenn
pierte Teilmantel-Flachkopfgeschoß mit diese einfache Verschlüsse aufweisen,
einem weit vorliegenden Bleikopf, was sind mit gehöriger Vorsicht wiederzuladen.
selbst bei nicht ganz so guten Schüssen Insofern mußte auch in Bezug auf die
genügend Expansion und damit Wirkung 6,5 x 52 R Abstand davon genommen
brachte. Auch der ziemlich milde Rückstoß werden, die alten Katalogwerte kopieren
und die Tatsache, daß die Patronenab- zu wollen. Immerhin werden aber Ge-
messungen den Bau sehr leichter und schwindigkeiten erreicht, welche die
sehr führiger Kipplauf- und Bockbüchs- 6,5 x 52 R legal auf Rehwild machen. Dies
flinten ermöglichten, war mit ausschlag- wird auch bei Verwendung des 6,5 g TMS
gebend für den guten Ruf, den die Hornady und der beiden fauleren Pulver
6,5x52 R heute noch beim Rehwildjäger gewährleistet. Die Hülsenbeschaffung ist
hat. deswegen kein Problem, weil hierzu die
von der 6,5 x 52 R abgeleitete 5,6 x 52 R
umgeformt werden kann.
Die Umformung geschieht ohne zusätz-
Geschichte lichen Aufwand an Arbeit in der 6,5 x 52 R
Kalibriermatrize, welche mit einem koni-
Die 6,5 x 52 R ist nichts anderes als die schen Aufweitedorn versehen sein sollte.
metrische Version der amerikanischen Nach dem Aufweiten ist der Hülsenmund
.25 - 35 Winchester, welche kurz nach der zu egalisieren. Dies erfolgt durch einige
.30 - 30 Win. und wie diese für die Lever- Umdrehungen mit dem Hülsenkürzgerät
Action-Büchse Mod. 94 eingeführt wurde. (Dorndurchmesser .257'). Die durch die
Als Geburtsjahr der .25 - 35 ist 1895 Kalibervergrö ßerung "verlorengegange-
verbrieft. Die .25 - 35 (von Remington als ne" Hülsenlänge kann toleriert werden,
.25 Rem. gefertigt) war auf wesentlich weil sie nur wenige Zehntel Millimeter
höhere Drücke verladen als ihre euro- beträgt. Wichtig für die Präzision ist die
päische Schwester, welche von Haus aus gleichmäßige L3 eines Hülsenloses.
für die relativ schwachen Verschlüsse
leichter Kipplaufwaffen ausgelegt worden
war. Insofern ist es nicht ganz richtig, von

164
12,60 6,53

52,00

Kaliber: 6,5 mm (.257" Dia.)


Hülse: umgeformt aus RWS 5,6 x 52 R
Zündh.: RWS 5341

TMS 6,5 g Hornady TMR 7,6 g Hornady


Patronenlänge 67,6 mm Patronenlänge 65,5 mm
Pulver g gr Ve m/s Pulver g gr Ve m/s
R 901 R 901
max. 1,33 20.5 615 max. 1,26 19.5 590
min. 1,17 18.0 570 min. 1,17 18.0 550
R 902 R 902
max. 1,49 23.0 630 max. 1,43 22.0 600
min. 1,36 21.0 575 min. 1,30 20.0 555
R 903 R 903
max. 1,75 27.0 700 max. 1,59 24.5 615
min. 1,62 25.0 640 min. 1,46 22.5 565

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

165
6,5 x 58 R
Noch in den Munitionskatalogen der dreis- ung derselben durchgeführt werden. Der
siger Jahre in der Kategorie "tauglich bis Arbeitsgang ist dabei folgender: 9,3-Hülse
zum Reh" geführt und nach Kriegsende mit der Säge auf ca. 60 mm kürzen und
zwar erneut in geringer Stückzahl aufge- entgraten, dann die Hülse in der Setz-
legt, war das Schicksal der 6,5 x 58 R matrize vorkalibrieren und in der FL-
eigentlich schon länger besiegelt. Vor Matrize vollkalibrieren. Eine sofortige
allem die auf Rehwild bessere Augen- Vollkalibrierung der ungekürzten Grund-
blickswirkung zeigenden Patronen hülse führt zu starken Beschädigungen.
5,6 x 52 R und 6,5 x 57 R, letztere bereits Wegen des starken Rückspringeffekts der
auf leichtes Hochwild tauglich, ent- konischen Hülse muß unter Umständen
schieden den Konkurrenzkampf für sich. der Hülsenhalter oberseitig gekürzt
werden; auf jeden Fall ist sämtliches
Gewindespiel in der Presse zu beseitigen.
Geschichte Genügend Fett erleichtert die Arbeit; zuviel
Fett macht die Hülse faltig und unbrauch-
Der Ursprung der 6,5 x 58 R und das Jahr bar. Nach dem Vollkalibrieren auf die
der Einführung sind nicht bekannt. Ob die beschriebene Weise wird die Hülse normal
in der Literatur zu findende Bezeichnung weiterbearbeitet: Kürzen und entgraten,
"6,5 x 58 R Sauer & Sohn" einen dies- Hülsenhals auf einen Durchmesser von
bezüglichen Hinweis gibt, ist nicht als 7,57 mm reduzieren, was man am besten
sicher anzusehen, aber immerhin möglich. mit einer handelsüblichen Hülsenhals-
Hülsen und Laborierungsnummern aus fräse macht. Wenn keine Geschosse im
alten Katalogen lassen die Zeit der Vor- Originaldurchmesser 6,64 mm erhältlich
stellung zwischen 1897 und 1900 ver- sind, müssen solche von .257" Dia.
muten und die Hülsenmaße deuten darauf verladen werden. Dies macht einen
hin, daß es sich um eine Parallel-, vielleicht Expander .257" erforderlich. Die Lade-
auch Weiterentwicklung der ebenfalls angaben wurden mit .257er-Geschossen
konischen, von der "Expreß-Hülse" von Hornady ermittelt und gelten nur für
9,3 x 72 R stammenden 8 x 58 R handeln diese (siehe 6,5 x 70 R)!
dürfte, was den Geburtstag der 6,5 x 58 R Desgleichen ist die Sicherheit der Lade-
in das letzte Jahrzehnt des vorigen Jahr- angaben nur bei Benützung der RWS-
hunderts legt. Hülse 9,3 x 72 R gewährleistet. Alte
Originalhülsen 6,5 x 58 R bringen mit den
nebenstehend abgedruckten Ladeem-
Die Patrone aus der Sicht des pfehlungen weniger Leistung, was sich
Wiederladers aus dem etwas größeren Verbrennungs-
volumen der 6,5-Hülse ergibt. Anderer-
Die Abstammung von den Expreßhülsen seits sollte die Ladung für Originalhülsen
gestattet die Hülsenherstellung aus der wegen ihres Alters nicht unbedenklich
RWS-Boxerhülse 9,3 x 72 R. Wegen der erhöht werden.
stark unterschiedlichen P2, H-und L-Maße Es wird darauf hingewiesen, daß um-
gehört die Umformung von 9,3 x 72 R in seitige Ladevorschläge nur für die aufge-
6,5 x 58 R jedoch zu den kraft- und führten Geschosse des Durchmessers
arbeitsaufwendigsten Umformarbeiten .257 gelten.
des Handladers und kann nur auf starken
Pressen bei besonders fester Veranker-

166
12,75 --I- 6,53
(s.Text)

58,50 ►

Kaliber: 6,5 mm (.257" Dia.)


Hülse: umgeformt aus RWS 9,3 x 72 R
Zündh.: RWS 5341

TMS 6,5 g Hornady TMR 7,6 g Hornady


Patronenlänge 73,2 mm Patronenlänge 73,2 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 901 R 901
max. 1,56 24.0 I 715 max. 1,49 23.0 635
min. 1,43 22.0 l 680 min. 1,36 l 21.0 600
R 902 R 902
max. 1,75 27.0 750 max. 1,68 26.0 675
min. 1,62 25.0 710 min. 1 56 24.0 630
R 903 R 903
max. 2,07 32.0 765 max. 1,85 28.5 685
min. 1,94 30.0 720 min. 1,68 26.0 615

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

167
.25 - 06
Als eine der vielen Modifikationen der Die Patrone aus der Sicht des
Grundhülse .30 - 06 und somit eine von Wiederladers
der "Ur-Hülse" 8 x 57 abstammende
Patrone gehört die .25 - 06 zum Standard
der US-Patronen. In den USA wird sie vor Obwohl aus allgemeinen Gesichtspunkten
allem als weitreichende Varmintpatrone bei uns nicht unbedingt notwendig und
und auch gelegentlich als Schalenwild- wegen der bereits vorhandenen Standard-
patrone eingesetzt, vor allem auf Prong- patronen eigentlich überflüssig, ist die
hornantilope sowie Wei ßwedel- und Maul- .25 - 06 an sich recht flexibel, weil sie ihre
tierhirsch. Bei uns scheint sie kaum Fuß von den US-Jägern geschätzte Univer-
zu fassen, da das Waffenangebot im salität auf ein breites Geschoßangebot im
Kaliber .257" doch begrenzt ist und der Durchmesser .257" bauen kann. Die US-
Leistungsbereich von mehreren in Europa Geschoßhersteller bieten Projektile von
bereits etablierten Konkurrenzpatronen etwa 4,9 g bis 7,8 g an, wobei die ge-
abgedeckt wird. Dies alles muß jedoch ringeren Gewichte für Raubzeuglabo-
nicht gegen die .25 - 06 sprechen und so rierungen gedacht sind. Für die Belange
sind die nachfolgenden Empfehlungen des mitteleuropäischen Revierbetreuers
für den Liebhaberdieses etwas exotischen besser geeignet sind allerdings die Ge-
Kalibers gedacht. schoßgewichte von etwa 6,5 g bis 7,6 g,
weswegen die Ermittlungsbeschüsse mit
diesen durchgeführt wurden. Beide Ge-
Geschichte schosse sind vom Fabrikat Hornady, wo-
bei das 6,5 g mehr zum Schuß auf Rehwild
Die .25 - 06 ist ein weiteres Beispiel für die und das 7,6 g TMR auch schon für den
Langlebigkeit einer Wildcat-Patrone, denn Schuß auf schwaches bis mittleres Dam-
schon um 1920 bot die A. 0. Niedner und Rotwild geeignet scheint.
Company gute Repetierbüchsen im Kali- Hülsen können aus .30 - 06 oder .270
ber ".25 Niedner" an. Jahrzehntelang blieb Win. umgeformt werden. Bei letzteren ist
die Patrone von den Munitionsfirmen un- zur Vermeidung von hohen Gasdrücken
beachtet, bis Remington angesichts der eine Hülsenkürzung notwendig, Bei den
Beliebtheit der "Viertel-Zoll-06" nicht mehr Pulvern bewährten sich Rottweil R 904
am Bedarf vorbeigehen konnte und die (6,5-g-Geschoß) und Rottweil R 905
.25 Niedner in unveränderter Form als (7,6-g-Geschoß). Wie bei allen Hand-
.25 - 06 auf den Markt brachte. Das war ladungen muß jedoch die jeweils beste
1969, ein halbes Jahrhundert nach der Präzision aus der spezifischen Waffe
ersten Einführung. ermittelt werden.

168
12,01 6,53

63,35

Kaliber: .25 (.257" Dia.)


Hülse: R-P
Zündh.: RWS 5341

TMS 6,5 g Hornady TMR 7,6 g Hornady


Patronenlänge 78,6 mm Patronenlänge 77,1 mm
Pulver g gr Va m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907
max. 3,24 50.0 980 max. 3,05 47.0 905
min. 2,98 46.0 930 min. 2,79 43.0 860
R 904 R 904
max. 3,43 53.0 980 max. 3,24 50.0 900
min. 3,18 49.0 925 min. 2,98 46.0 850
R 905 R 905
max. 3,63 56.0 980 max. 3,43 53.0 915
min. 3,40 52.5 920 min. 3,24 50.0 860

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

169
6,5 x 70 R
Nicht nur zur Abrundung gedacht ist die Die Patrone aus der Sicht des
Behandlung dieser "Bleistiftpatrone": Wiederladers
Relativ viele und erstaunlich gut erhaltene
Drillinge und Bockbüchsflinten warten auf Der unübliche P1-Durchmesser von nur
"Futter" und können mit wiedergeladenen 9,00 mm bringt es mit sich, daß der
Patronen versorgt werden. Wiederlader 6,5 x 70 R-Hülsen nicht aus
anderen, gängigen Boxerhülsen umfor-
men kann, sondern auf Originalhülsen
angewiesen ist, entweder auf solche mit
Berdanzündung, für die das Berdan-
Geschichte Zündhütchen 5620 verwendet werden
muß, oder in Kleinserie hergestellte
Die Verkaufserfolge leichter, führiger Boxerhülsen. Die 6,5 x 70 R müßte mit
Kipplaufwaffen in Kalibern mit schlanken 6,64 mm messenden Projektilen verladen
konischen, auf der alten "Expreßhülse" werden welche von spezialisierten
aufbauenden Randpatronen (6,5 x 58 R, Geschoßherstellern bisweilen lieferbar
7 x 72 R, 8 x 72 R usw.) führten zu einem sind. In Ermangelung solcher kann man
Extrem, das in Form der 6,5 x 70 R den jedoch auf Geschosse .257"/6,53 mm
Bau noch schmälerer Verschlußkästen zurückgreifen, was wegen der
und somit leichterer Waffen ermöglichen eintretenden Stauchführung dieser
sollte. Die 6,5 x 70 R muß deshalb als Geschosse auf Schußleistung und Ziel-
Extrem bezeichnet werden, weil es keine ballistik kaum Einfluß hat. Beim Ermitt-
andere Hülse mit einem so eigenwilligen lungsbeschu ß wurden das 6,5 g TMS und
Verhältnis von P1-Durchmesser (9,00 das 7,6 g TMR von Hornady verwendet,
mm) zu Hülsenlänge (70,00 mm) gibt. Der wobei sich vor allem letzteres anbietet, da
Ursprung der 6,5 x 70 R fällt in die Jahre es vom Aufbau her für die relativ geringe
1911 -1912. In dieser Zeit entstand quasi Geschwindigkeit der 6,5 x 70 R geeignet
als "Gemeinschaftsprodukt" einer Suhler ist. Für dieses Geschoß sind die Pulver-
Gewehrfabrik mit einem Alfred Ungewitter sorten R 901, R 902 und R 903 angebracht;
aus Gut Roßdorf bei Jeßnitz-Anhalt eine das 6,5 g TMS ist bei dem vorliegenden
"Neue 6,6" mit 70 mm langer zylindrischer Hülsenvolumen und der sehr konischen
Hülse, deren größter Durchmesser nur Konfiguration der schlanken, konischen
9,0 mm war. Hauptsächliche Verbreitung Hülse zu leicht und wird nur mit R 901
fand die Patrone allerdings im ausreichend präzise versorgt. Wie im Fall
süddeutschen und österreichischen der 6,5 x 58 R ist auch bei der 6,5 x 70 R
Raum, wo sie einfach "Sechssechs- ein Aufweiter Kal. .257 " erforderlich. Der
siebzig" hieß. Die letzte RWS-Munition mit dem Matrizensatz normalerweise
wurde 1970 gefertigt; seit Mitte der ausgelieferte Expander ist zu dick und
Neunziger stehen werksgeladene verursacht einen übertrieben aufge-
Patronen Fabrikat "WR" zur Verfügung. weiteten Hülsenmund, welcher die .257"
Da mit der 6,5 x 70 R das Hülsenvolumen Dia. messenden Geschosse nicht aus-
der 6,5 x 58 R und somit deren Leistung reichend festhält. Beim Verladen der
erreicht wird, ist sie wie diese als erwähnten kaliberrichtigen Geschosse
vornehmlich mit ihrer Geschoß-Masse dürfen nebenstehende Ladevorschläge
wirkende Rehwildpatrone anzusprechen. ohne drucktechnische Überprüfung
keineswegs verwendet werden.

170
6,53
10,70i
(s.T

70,00

Kaliber: 6,5 mm (.257 "Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5620 (Berdan)

TMS 6,5 g Hornady TMR 7,6 g Hornady


Patronenlänge 86,3 mm Patronenlänge 85,2 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 901 R 901
max. 1,62 25.0 700 max. 1,49 23.0 645
min. 1,49 23.0 640 min. 1,36 21.0 605
R 902
max. 1,62 25.0 680
min. 1,49 23.0 635
R 903
max. 1,85 28.5 685
min. 1,75 27.0 640

ACHTUNG! DIE LADEANGABEN GELTEN NUR FÜR RWS-BERDANHÜLSEN UND NUR


FÜR DIE ANGEGEBENEN GESCHOSSE!

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.
171
6,5 mm Carcano
Die ehemalige italienische Militärpatrone wird sind ein schlechter Kompromi ß zwischen den
kaum in Jagdwaffen geführt, obwohl es auch zur damaligen Zeit am Markt befindlichen
hierkeine Regel ohneAusnahmegibt: Immerhin Repetierbüchsensystemen und zu den
liegtdie Patrone im gleichen Leistungsbereich konstruktiven Mängeln kommtnoch die meist
wie die 6,5 x 54 Mannlicher Schönauer und sehr schlechte Verarbeitung.
daskönnteso manchenJägerbewogen haben
oder bewegen, sich einen der zahlreichen
Sammler-Karabiner zum Jagdgewehr Die Patrone aus der Sicht des
umbauen zu lassen. In den meisten Fällen Wiederladers
dürfte sich zwar der Aufwand des Umbaus
nicht lohnen, was mehr mit der mangelnden Obwohl dereigentlicheGeschoßdurchmesser
Festigkeit und dem Zustand der Waffe 6,77 mm beträgt, könnendiegängigen RWS-
zusammenhängt, aber möglich ist er. In Geschosse 6,70 mm verwendetwerden. Vor
solchen Repetierbüchsen und in den Original- allem das10,3gTeilnnantel-Rundkopfgeschoß
Karabinern sollten unbedingt nur gasdruck- entspricht am ehesten dem damaligen
schwache Patronen verschossen werden. Vollmantel-Rundkopfgeschoß 10,5 g aus
Unter diesem Aspekt sind auch die nach- Militärfertigung und wird vom progressiven
folgenden Ladevorschläge zu betrachten, die Drall der Carcanobüchsen relativ gut
auf den früherzulässigen Gasdruckvon 3200 stabilisiert. Dieses Geschoß könnte im
bar (Cu) abgestellt sind. Die angeführten Rahmendeszulässigen Drucks auf etwa 730
Maximaldaten lagen unter dem damaligen m/s beschleunigtwerden, was man aber nur
gesetzlichen Limit und trugen bereits damals in Waffen festerer Verschlüsse(z. B. Mauser)
dem um dieJahrtausendwendevon derCIP tun sollte. Für die üblichen 6,5mm Carcano-
reduzierten Pmax von nur noch 2.850 bar Büchsen solltedie Maximalladung keinesfalls
(piezo) Rechnung. Daß sie trotzdem als ausgeschöpftwerden. Dies giltauch bei den
Maximaldaten geführtwerden, liegt am schon alternativ angebotenen Vorschlägen für die
erwähnten schlechten Zustand der Mehrzahl beiden RWS-6,0-g-Geschosse, welche bei ge-
noch vorhandener Waffen. Wer für seinen ringem Druck bis zu 835 m/s erreichen.
Carcanowiederladenwill, soll die Waffe vorher
einem Fachmann zur Begutachtung und ggf.
zum Beschussvorlegen.

Geschichte

Die 6,5 x 52 Carcano warvon 1891, dem Jahr


der Einführung, bis zum Jahre 1938, als sie
von der 7,35 mm Carcano abgelöst wurde,
die italienische Militärpatrone. Noch im
zweiten Weltkrieg kam sie, obwohl offiziell
schon ersetzt durch die mit logistischen
Problemen behaftete 7,35mm Carcano,
weiterhin zum Einsatz. Von den Militärwaffen
im Kaliber6,5 mm Carcano sind die Modelle
1891, 1891/41 und 1891/38 - letzterer als
Karabiner-die bekanntesten. Diese Waffen

172
ougamo unu s`g
11,42 6,70 (s Text)
_Y_
1 52,50
›.1

Kaliber: 6,5 mm (.264" Dia.)


Hülse: Norma
Zündh.: RWS 5341

_
TMS 6,0 g RWS VMS 6,0 g RWS TMR 10,3 g RWS
Patronenlänge 67,2 mm Patronenlänge 66,7 mm Patronenlänge 74,5 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 901 R 901 R 901
max. 2,01 31.0 755 max. 2,01 31.0 750 max. 1,75 27.0 580
min. 1,88 29.0 700 min. 1,88 29.0 700 min. 1,62 25.0 530
R 902 R 902 R 902
max. 2,27 35.0 790 max. 2,27 35.0 780 max. 2,01 31.0 625
min. 2,11 32.5 730 min. 2,11 32.5 735 min. 1,88 29.0 560
R 903 R 903 R 903
max. 2,59 40.0 830 max. 2,59 40.0 835 max. 2,33 36.0 675
min. 2,43 37.5 775 min. 2,40 37.0 780 min. 2,20 34.0 605

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48,49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

173
6,5 x 54 Mannlicher Schönauer
Die Mannlicher-Entwicklung zählt ohne Version der 6,5 x 53 R dar. Sie kam, noch
Zweifel zu den Patronen der Munitions- im letzten Jahrhundert entwickelt, ab 1903
geschichte, die kaum jemals ernsthaft in griechischen Militärdienst, gleichzeitig
kritisiert oder gar in Frage gestellt wurden. mit dem Mannlichergewehr Mod. 1903.
Das hängt natürlich auch damit zusam- Dessen Zivilversion, meist in Stutzenaus-
men, daß die 6,5 x 54 M. Sch. wegen der führung, wurde im selben Jahr zum
Beschränkung auf nur ein Waffenmodell Verkauf angeboten.
nicht die große Verbreitung fand wie an-
dere Kaliber. Zudem wurde dieses Waffen-
modell fast ausschließlich von Bergjägern RWS-Laborierungen
geführt und diese sind bekannt für ruhiges,
überlegtes Schießen. Der Schuß in der Der Nachfrage entsprechend wird von
Dämmerung oder auf flüchtiges Wild ist Zeit zu Zeit die seit langem bewährte
im Gebirge die Ausnahme und auch von TMR-Laborierung aufgelegt. Das 10,3-g-
dieser Seite her gibt es wenig Möglichkeit, Gescho ß erreicht eine Vo von 670 m/s aus
Ansatzpunkte für Kritik an einer Patrone dem nur 45 cm langen Lauf des Stutzens.
zu finden. So gehen Munition und Büchse
(wovon letztere nicht mehr und erstere
nur noch begrenzt gefertigt werden), als Die Patrone aus der Sicht des
eine der besten Waffen/Patronen-Kombi- Wiederladers.
nationen in die Geschichte des jagdlichen
Schießwesens ein. Trotzdem muß man Als Universalgeschoß gilt das 8,2 g KS,
beiden nicht nachtrauern: Die Waffe hat während für Rehwild und noch schwä-
bessere Nachfolger gefunden und auch chere Beute die beiden 6,0 g TMS und
die Patrone, deren Ruf auf der zuver- VMS auf immerhin 850 m/s beschleunigt
lässigen Wirkung des schweren und werden können.
langen Geschosses begründet ist, kann Das 1 0,3-g-TMR kann mit den "mittleren"
durch mehrere Konkurrenten ersetzt wer- Pulvern auf die 670 m/s der Original-
den. Besitzern von Mannlicher-Schön- Werksladung verladen werden.
auern sollte der letzte Satz jedoch nicht
die Freude an der Waffe nehmen, denn
gerade zur Erhöhung der Universalität
des Stutzens sind die nachfolgenden
Vorschläge gedacht.

Geschichte

Hervorgegangen aus der Randpatrone


6,5 x 53 R Mannlicher von 1892, welche
in den Niederlanden und Rumänien als
Militärmunition geführt und erst nach dem
Zweiten Weltkrieg abgelöst wurde, stellt
die 6,5 x 54 M. Sch., abgesehen von
geringfügigen Änderungen, die randlose

174
'Ll3S'INtSxS'9
11,52 lifilfflli ammie 6,70
T
53,65

Kaliber: 6,5 mm (.264" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5341

TMS 6,0 g RWS VMS 6,0 g RWS KS 8,2 g RWS


Patronenlänge 68,6 mm Patronenlänge 68,6 mm Patronenlänge 71,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 902 R 902 R 902
max. 2,59 40.0 850 max. 2,59 40.0 845 max. 2,40 37.0 750
min. 2,46 38.0 780 min. 2,46 38.0 780 min. 2,33 36.0 710
R 903 R 903 R 903
max. 2,66 41.0 850 max. 2,62 40.5 840 max. 2,59 40.0 740
min. 2,56 39.5 730 min. 2,56 39.5 735 min. 2,46 38.0 690
R 907 R 907 R 907
max. 2,79 43.0 850 max. 2,79 43.0 850 max. 2,66 41.0 760
min. 2,59 40.0 740 min. 2,59 40.0 740 min. 2,53 39.0 720

ST 9,0 g RWS HMoH 10,0 g RWS TMR 10,3 g RWS


Patronenlänge 72,5 mm Patronenlänge 76,8 mm Patronenlänge 76,4 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 902 R 902 R 902
max. 2,33 36.0 720 max. 2,20 34.0 680 max. 2,24 34.5 670
min. 2,20 34.0 680 min. 2,07 32.0 600 min. 2,14 33.0 620
R 903 R 903 R 903
max. 2,53 39.0 730 max. 2,20 34.0 670 max. 2,27 35.0 670
min. 2,40 37.0 690 min. 2,14 33.0 615 min. 2,14 33.0 600
R 907 R 907 R 907
max. 2,59 40.0 740 max. 2,40 37.0 680 max. 2,46 38.0 670
min. 2,46 38.0 690 min. 2,27 35.0 630 min. 2,33 36.0 630

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48;49 und 55.56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

175
6,5 x 55 Schwedisch Mauser
Die Mauser-Entwicklung 6,5 x 55 ist in den sen wurde. Die Skandinavier sind allesamt
skandinavischen Ländern sehr beliebt und begeisterte Jäger und Sportschützen und
wird, was ein Blick in die Statistik zeigt, z. B. so wurde die Patrone samt der zugehörigen
in Schweden als die am meisten auf Elch Waffensysteme gleichlaufend mit der
verwendete Patrone geführt. Das heißt nun militärischen Verbreitung auch auf dem
nicht, daß sie die Elchpatrone schlechthin Zivilmarkt verwendet. Der großen Zahl der
ist: Vom rein ballistischen Standpunkt wird vorhandenen Waffen und der Leistung
die 6,5x 55 eher an der Untergrenze dessen selbst auf Hochwild wie Rentier und Elch
anzusiedeln sein, was für europäisches verdankt die 6,5x55 ihre Beliebtheit. So
Schalenwild noch als "tauglich auch bei kann man verstehen, daß die Schweden
schlechten Schüssen" angesehen werden und Norweger heute noch an "ihrer" Patrone
kann. Da die 6,5x55 Schwedisch Mauser festhalten.
etwa im gleichen Leistungsbereich liegt wie
die deutsch-österreichische
Standardpatrone 6,5 x 57, kann man sie RWS-Laborierungen
nach den gleichen Einsatzgrundsätzen
beurteilen wie die Lieblingspatrone der Von 1986 bis 1997 hatte Dynamit Nobel
Bergjäger. Im deutschsprachigen Raum ist eine vielseitig einsetzbare 6,0 g SG-
die 6,5x55 Schwedisch Mauser vor allem Laborierung auf dem Markt, welche den
bei den Sportschützen bekannt geworden, Sportschützen ansprach. Äußerst präzise,
welche die Patrone wegen ihrer dabei waffen- und schützenschonend,
Eigenpräzision und des geringen beschleunigt das sechs Gramm schwere
Rückstoßes schätzen. Einen großen Anteil Scheibengeschoß auf 910 m/s, was im
an der Verbreitung hat natürlich auch die Vergleich zu den mit dem gleichen Projektil
Präsenz der vielen in den Händen von aus der 6,5x57 möglichen 1010 m/s ein
Sammlern und Schützen befindlichen Hinweis auf die unterschiedliche Belast-
Militärwaffen ausArsenalbeständen, darunter barkeit vorhandener Systeme ist. Das
solche mit überdurchschnittlichem norwegische Dienstgewehr ist nämlich
Erhaltungszustand und entsprechender keineswegs so verschlußfest wie die
Schußleistung. Daneben werden inzwischen Mauserkonstruktion, was vor allem beim
hervorragend schießende Sportwaffen ange- Wiederladen Beachtung finden sollte.
boten und seit etwa 1983 findet man sogar Für die zahlreichen guten Repetierbüchsen
6,5x55 - Jagdwaffen aus deutscher Herste- moderner Bauart in 6,5 x 55 gedacht sind
llung. Die meisten dieser Waffen werden in die seit 2000 lieferbaren Werksladungen
den skandinavischen Ländern vertrieben. mit dem KS 8,2 g und dem DK 9,1 g. Beide
sind nicht nur in Sportwaffen präzise sowie
hochwildtauglich und entsprechen in ihrer
Geschichte Wirkung etwa der 6,5 x 57 mit gleichen
Geschossen.
Die 6,5 x 55 wurde im Jahre 1894 für die
Mauserbüchse gleichen Modelljahres in Die Patrone aus der Sicht des
Oberndorf entwickelt und mit dieser Wiederladers
zusammen in der schwedischen Armee
eingeführt. Wenig später erfolgte die Aus- Die 6 5 x 55 hat einen um 5/100 größeren
lieferung der Patrone an Norwegen, wo Laufdurchmesser (Feld 6,50 mm; Zug 6,75
diese im Krag-Jorgenson-Gewehrverschos- mm) im Vergleich zu anderen 6,5mm

176
Patronen. Trotzdem können die Mit dem 9,1 g schweren, bei bester
standardisierten 6,70 mm-Geschosse zielballistischer Leistung sehr eigenpräzisen
verladen werden. Manche Matrizenher- und darüber hinaus wildbretschonenden
steller liefern einen im Durchmesser RWS-Doppelkerngeschoß DK steht dem
geringfügig zu großen Aufweiter, welcher Liebhaber der 6,5 x 55 Schwedisch Mauser
dann unbedingt gegen einen solchen des ein universell für alles europäische
Durchmessers 6,70 ausgewechselt wer- Schalenwild einsetzbares Jagdgescho ß zur
den muß. Klarheit bringt erst die Über- Verfügung.
prüfung des festen Geschoß-Sitzes. Neben den in der Tabelle angegebenen
Vor allem die 6,0 g Geschosse, sowie Ladungen empfiehlt sich noch folgende:
das 10,3 g TMR sind vom Durchmesser 3,21 g / 49.5 gr R 904 beschleunigen das
an der unteren Grenze des technisch 6,0 g Scheibengeschoß auf etwa 880 m/s.
tolerierbaren Durchmesserbereichs Alle Ladevorschläge können innerhalb der
gehalten und würden zu wenig fest in vorgegebenen "max./min." - Angaben
einem zu weiten Hülsenhals sitzen. variiert werden, bis die individuell
Auch die Hülse der 6,5x55 fällt bestmögliche Präzision aus der eigenen
hinsichtlich der Dimension etwas aus Waffe erreicht ist. Unterschreitungen der
dem Rahmen, so daß sie nicht aus "min." - Ladung sind möglich, doch ist vor
gängigen Standardhülsen umgeformt allem bei den faulen Pulvern Vorsicht
werden kann und der Wiederlader auf geboten: Man reduziert in 0,01 Gramm
Originalhülsen angewiesen ist. Schritten, aber nur so lange, wie eine
Andererseits verhindern die saubere Verbrennung gegeben ist.
unterschiedlichen Abmessungen der
Hülse, daß eine Patrone 6,5x55 in eine
Waffe 6,5x57 passt. Die Patrone zeigt
eine offensichtliche Vorliebe für die
jeweils fauleren Pulversorten, also R
904 bei den leichten und R 905 bei den
schweren Geschossen, wenngleich mit
2,30 g R 901 hinter den 6,0 g Ge-
schossen eine besonders für die ver-
schlußschwachen Militärwaffen
geeignete reduzierte Ladung hergestellt
werden kann. Diese ist bei mäßigem
Gasdruck etwa 850 m/s schnell.

177
6,5 x 55

Ee I
TMS 6,0 g RWS VMS 6,0 g RWS SG 6,0 g RWS
Patronenlänge 69,3 mm Patronenlänge 69,3 mm Patronenlänge 68,6 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 903 R 901 R 902


max. 2,92 45.0 950 max. 2,40 37.0 940 max. 2,72 42.0 870
min. 2,59 40.0 850 min. 2,14 33.0 850 min. 2,59 40.0 825
R 907 R 902 R 903
max. 3,05 47.0 950 max. 2,59 40.0 900 max. 2,98 46.0 900
min. 2,79 43.0 870 min. 2,33 36.0 845 min. 2,88 44.5 870
R 904 R 903 R 907
max. 3,24 50.0 960 max. 2,92 45.0 945 max. 3,05 47.0 905
min. 3,05 47.0 870 min. 2,59 40.0 845 min. 2,88 44.5 870

itzt
KS 7,0 g RWS KS 8,2 g RWS ST 9,0 g RWS
Patronenlänge 70,8 mm Patronenlänge 71,9 mm Patronenlänge 72,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 903 R 907 R 907
max. 2,92 45.0 900 max. 2,66 41.0 820 max. 2,66 41.0 790
min. 2,79 43.0 865 min. 2,59 40.0 800 min. 2,46 38.0 740
R 907 R 904 R 904
max. 2,98 46.0 915 max. 2,92 45.0 830 max. 2,92 45.0 810
min. 2,88 44.5 880 min. 2,79 43.0 800 min. 2,79 43.0 785
R 904 R 905 R 905
max. 3,11 48.0 900 max. 3,11 48.0 835 max. 3,11 48.0 825
min. 3,01 46.5 870 min. 2,95 45.5 800 min. 2,85 44.0 750
auch 2,66 g 41.0 gr R902 = 890 m/sec.

178
Nunafflograp.— 6.70

55,00

Kaliber: 6,5 mm (.264" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5341

DK 9,1 g RWS HMoH 10,0 g RWS TMR 10,3 g RWS


Patronenlänge 73,0 mm Patronenlänge 74,5 mm Patronenlänge 77,3 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Va m/s
R 907 R 907 R 907
max. 2,66 41.0 805 max. 2,62 40.5 740 max. 2,59 40.0 730
min. 2,53 39.0 750 min. 2,46 38.0 670 min. 2,46 38.0 670
R 904 R 904 R 904
max. 2,92 45.0 805 max. 2,82 43.5 750 max. 2,85 44.0 750
min. 2,79 43.0 770 min. 2,59 40.0 640 min. 2,59 40.0 640
R 905 R 905 R 905
max. 3,01 46.5 800 max. 3,01 46.5 770 max. 3,05 47.0 770
min. 2,85 44.0 745 min. 2,85 44.0 715 min. 2,85 44.0 710
auch max. 2,56 g/39.5 gr R 903=750 m/s

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck). sowie auf Seite 105
beachten.

179
6,5 x 57
Abgesehen von manchen nicht oder nicht Hauptvorteil der 6,5 und so ist es nicht
mehr gängigen 6,5 mm Patronen ist die weiter verwunderlich, wenn die Patrone
6,5 x 57 die kleinste der noch für Hochwild in den Listen aller Waffenhersteller ihren
zugelassenen Standardpatronen. Zusätz- Stammplatz hat. Daran kann auch nichts
lich aber ist sie eine der beliebtesten ändern, daß die 6,5 wegen angeblich
Rehwildkaliber, wozu ohne Zweifel die mangelnder Schu ßleistung hin und wieder
Laborierung mit dem 6,0 g Teilmantel- ins Gerede kommt. Diefehlende Präzision
Geschoß beiträgt. Universalität auf Reh- wird dann immer mit dem sehr langen
und Hochwild wird vor allem gewünscht Übergangskonus des Patronenlagers in
vorn Revierbetreuer, vom Berufsjäger und Verbindung gebracht (Freiflug bei Verwen-
Forstbeamten, aber auch von Jägern, die dung kurzer Geschosse). Eingehende Un-
sich auf die Anschaffung nur einer Scha- tersuchungen ergaben jedoch, daß weni-
lenwildwaffe beschränken wollen. Der gerder sich einstellende Freiflug, sondern
Bergjäger schätzt die bewährte Patrone; andere innenballistische Unwägbarkeiten
für den gelegentlichen Einsatz auf Jagd- die Ursache für schlechte Schußleistung
reisen und in manchen intensiv genutzten waren. Schließlich gibt es zahlreiche
Revieren des Auslandes steht die 6,5 in andere Patronen, deren kurze Geschosse
gutem Ruf: Sie bringt stärkeres Wild zur mit dem Freiflug fertig werden müssen,
Strecke, ohne viel Wildbretentwertung z.B. die Weatherby-Patronen sind ge-
hervorzurufen. Das ist dann wichtig, wenn radezu für Freiflug konzipiert. Wenn also
das erlegte Wildbret kommerziell genutzt in einer 6,5x57 bei Verwendung der kurzen
werden muß. Natürlich ist die 6,5 x 57 Geschosse bei bestimmten Pulverla-
etwas deplaziert, wenn mit ihr ausschließ- dungen eine mangelnde Schußleistung
lich Rehwild geschossen wird, ohne jemals festgestellt wird, so ist dies keineswegs
die Chance zu haben auf stärkeres Wild nur dem überlangen Konus anzulasten,
benutzt zu werden. Dann sollte man sich sondern auch hier gilt der Satz, daß "jede
besser für ein kleineres Rehkaliber wie Waffe ihre eigenen ballistischen Gesetze
5,6 x 57 oder 5,6 x 50 Mag. entscheiden. hat". Die Tatsache, daß nicht alle Waffen
Für den "Nur-Hochwildjäger", z. B. den alle Laborierungen gleich gut "verdauen",
Jagdreisenden, ist die 6,5 dann fraglich, hat selbstredend auch bei der 6,5 x 57
wenn nicht nur Garns oder mittleres Wild Gültigkeit.
gejagt werden soll, denn für starkes Wild Trotz aller grundsätzlichen Beliebtheit der
ist die Verwendung einer Hochwildpatrone 6,5x57 ist seit der Vorstellung der 6,5x65
ratsamer. Das soeben gefallene Stichwort RWS und ihrer Schwesterpatrone mit
"Garns" gibt die Überleitung zu einem Rand 6,5x65 R ein Rückgang der 6,5 mm
gerne angeführten Pluspunkt der 6,5x57, Patronen mit 57 mm langer Hülse
nämlich die gestreckte Flugbahn, welche festzustellen, vor allem weil Waffen 6,5x57
primär im Gebirge genützt werden kann. und 6,5x57 R leicht in 6,5x65 RWS und
Auf 100 m mit vier cm Hochschuß justiert, 6,5x65 R RWS umgebaut werden können.
fällt die 6,5 auf 300 m nur etwa 20 cm;
Fleckschuß wird bei etwas mehr als 200 Geschichte
m erreicht. Dies und die gesetzliche
Festlegung der 6,5 als kleinste zugelas- Der Ursprung der Paul Mauser Ent-
sene Gamspatrone sind ein weiterer wicklung kann nicht genau terminiert wer-
Grund für die Beliebtheit der "Sechsein- den; zu vielseitig war die Aktivität des
halbmalsiebenundfünfzig" beim Bergjä- Oberndorfers in den Jahren zwischen der
ger. Universalität für alle bei uns vorkom- Einführung der Patrone M/88 (8 x 57) und
menden Schalenwildarten ist der der Jahrhundertwende. Die Mutterhülse

180
wurde damals zu vielen mehr oder weniger bis 9,3 mm führte schließlich zum Bau
tauglichen Formen umgepreßt, aufgewei- des H-Mantelgeschosses mit offener
tet oder eingewürgt; die "Tochterhülsen" Hohlspitze vom Gewicht 10,0 Gramm,
wiederum als Grundform für weitere Modi- wie es bis 1992 gefertigt wurde. Im Gegen-
fikationen benützt Es ist aber sicher, daß satz zu den kaliberstärkeren H-Mantel-
die 6,5 x 57 aus der Zeit nach 1890 und Geschossen konnte man beim 6,5 mm H-
vor 1894 stammt; ziemlich sicher wurde Mantelgescho ß auf die fertigungsaufwen-
sie 1893 entwickelt. Sie war im Gegensatz dige, aber dort (bei den größeren Kalibern)
zu allen anderen 6,5 mm Patronen von sicher notwendige ballistische Haube, die
Mauser und Mannlicher niemals Militär- "Kupferhohlspitze", verzichten. So war das
patrone, wenngleich sie wahrscheinlich 10,0 g HMoH das durchmesserkleinste,
als Vorbild z. B. für die 6,5 x 55 Schwedisch wenn auch nicht das leichteste des RWS-
Mauser oder die 6,5 x 58 Mauser P H-Mantel-Sortiments. Das Geschoß war
(Portugiesisch Mauser) gelten kann. In fester Bestandteil der Werkslaborierungen
manchen Quellen wird die 6,5 x 57 als und stellte in der verbesserten Form eine
Tochterpatrone der 7 x 57 von 1893 be- gute Lösung für Hochwild auf Waldjagd-
zeichnet. Dem ist jedoch nicht so: Die entfernungen dar. Damit erlegtes Rehwild
Schulter der 6,5x57 liegt vor der Schulter war, entgegen der Meinung, daß ein
der 7x57; hätte man letztere (als schweres Geschoß eine größere Wildbret-
angebliche "Mutterpatrone") lediglich auf entwertung nach sich ziehen müsse, meist
6,5 mm eingewürgt, so läge die Schulter sehr wenig zerschossen. Dem H-Mantel-
gleich auf mit derjenigen der 7x57 oder gescho ß wird ganz allgemein, so auch in
sogar hinter dieser. Unterschiedliche P2- 6,5 mm, eine gute Eigenpräzision be-
und L1-Dimensionen lassen den Schluß scheinigt. Die Einschießer der meisten
zu, daß die 7 x 57 und die 6,5 x 57 Jagdwaffenfertiger bevorzugten die H-
Parallelentwicklungen mit gewollt unter- Mantelgeschosse vor allem wegen der
schiedlichen Verschlußabständen d.h. Beständigkeit ihrer Präzision, besonders
Anlageflächen sind und beide in direkter in Läufen, welche mit anderen Geschos-
Linie von der 8 x 57 stammen. Verladen sen nicht sehr gut schießen.
wurde die 6,5 x 57 damals mit einem etwa Die Herausnahme der H-Mantel-Patronen
10,0 g schweren Teilmantelrundkopfge- aus der Produktion war keineswegs tech-
schoß (weswegen der lange Übergang nisch begründet, sondern hatte aus-
notwendig wurde); die leichten 6,0-g-Ge- schließlich kommerzielle Gründe.
schosse kamen erst später. Als Kompromiß zwischen dem relativ
schweren H-Mantelgeschoß und den sehr
RWS-Laborierungen leichten, wenig querschnittsbelasteten
6,0 g Geschossen kann das 8,2 g schwere
Ausgehend von den hervorragenden Er- Kegelspitzgeschoß - KS - bezeichnet
fahrungen, welche man mit den langen werden. Dieses Spezialgeschoß nimmt
und schweren Teil mantel-Rundkopfge- für sich in Anspruch, im Kaliber 6,5 mm
schossen in der 6,5 x 57 oder auch in das Universalgeschoß darzustellen, so-
anderen 6,5 mm Patronen gemacht hatte, wohl hinsichtlich des Gewichts, als auch
wurde Anfang der dreißiger Jahre bei hinsichtlich der Wirkungsweise: Ausrei-
RWS in Stadeln versucht, für die 6,5 ein chend stabil und restkörpererhaltend für
spezielles Hochwildgeschoß zu kon- schweres Wild; dabei schnell und reak-
struieren. Die gleichlaufende Entwicklung tionsfähig genug für leichtes Wild, also
der H-Mantelgeschosse in den Kalibern 7 auch bei wenig Widerstand im Wildkörper.

181
6,5 x 57
Die Entwicklung des 8,2 g KS geht zurück Als Ergänzung für die 6,0 g Teilmantel-
bis Anfang der sechziger Jahre, wo man Laborierung gedacht war die mit dem
über verschiedene Manteldimensionen ebenfalls 6,0 g schweren Vollmantel-
und unterschiedliche Gescho ßgewichte Spitzgescho ß, sowie die gewichtsgleiche
(meist 7,8 oder 8 Gramm) schließlich bei Scheibengeschoß-SG - Ladung.
der jetzigen Konfiguration anlangte. Das Während das 6,0 g VMS als Spezial-gescho ß
8,2 g KS in 6,5 mm ähnelt in der zur Erlegung schwachen Nutz-wildes oder
Wirkungsweise - relativ gesehen - dem von "Pelzträgern" diente, wurde die SG-
10,5 g KS im Kaliber 7 mm und ist wie Laborierung vornehmlich zum Zwecke des
dieses in einem großen Zielgeschwindig- Übungs-, also Scheiben-schießens auf den
keitsspektrum einsetzbar. Vor allem in Markt gebracht.
Revieren mit gemischtem Vorkommen von
Hoch- und Rehwild führt der Praktiker
gerne das 8,2 g KS-Geschoß, auch auf
etwas größere Schu ßentfernungen. Die Patrone aus der Sicht des
1988 kam das KS-Geschoß im Gewicht 7,0 g Wiederladers
auf den Markt. Die 7,0 g-KS-Laborierung liegt
im Leistungsbereich zwischen der 6,0 g-TMS Durch die Festlegung des Maximaldrucks auf
und der 8,2 g-KS-Ladung und soll beide 3400 bar (Cu) bzw. 3900 bar (piezo) istdie 6,5
Laborierungen ergänzen. Dies gelingt ganz x 57 etwas im Nachteil, wenn die erzielbaren
gut, wie die Erfahrungszahlen zeigen, selbst Leistungen mit denen anderer Patronen
bei den seitJahrzehnten auf das 6,0 g TMS verglichen werden, z. B. mitder .25 - 06 oder
eingeschworenen Bergjägern. der .270 Win., diebeide ungefährdiegleichen
Eine spezielle Weitschu ß-Laborierung ist die Geschoßgewichteverschießen.Ander-erseits
mit dem 6,0 g Geschoß. Dies heißt nun wird aber gerade im Vergleich mit diesen
keineswegs, daß die 6,0 g Geschosse auf größeren Patronen deutlich, daß die kurze 6,5
kürzere Entfernung zu wildbretent-wertend erstaunliches leistet. Die 6,0 g Geschosse
wären, wie manchmal behauptet wird. Es ist können auf immerhin eintausend
nur so, daß die Teilmantel-geschosse mit Metersekunden beschleunigt werden. Die
ihrem gewollt reaktions-fähigen ("weichen") Bestladung für Gleichmä ßigkeitvon Schu ß zu
Aufbau bei Knochen-treffern auf geringe Schuß ergibt sich bei Verwendung von R 907
Entfernung und dementsprechend hoher aus kurzen und von R 904 aus langen Läufen.
Zielgeschwindigkeit zu stark deformieren. Das 7,0 g KS bringt ausvielen Waffen eine
Andererseits ist es gerade diese hohe sehr gute Präzision und erweist sich als
Deformationsbereitschaft, welche auf großer zielballistische Ergänzung zum 6,0 g TS
Entfernung noch zum Erfolg führt. Natürlich einerseits und zum 8,2 g KS andererseits.
zusammen mitdengutenaußenballistischen Mit R905 und R 904 wird die 8,2g KS-Ladung
Eigenschaften, nämlich der geringen kopiert. Die gleichen Pulver bringen die
Windabdrift und der gestreckten Flugbahn.Da Bestladung bzgl. Präzision und erreichbarer
die 6,0 g TMS-Laborierung auf 300 Meter VQ, wenn noch vorhandene Bestände des H-
nur etwa 20 cm fällt, ist die 6,5 x 57 seit Mantelgeschosses geladen werden.
Jahrzehnten schon zur beliebtesten leichten Das 10,3 g Teilmantelrundkopfgeschoß aus
Patrone des Bergjägers geworden. Natürlich der 6,5 x 54 Mannlicher Schönauer, welches
kann sich auch der im weiten, deckungslosen der genannten Patrone zu ihrem Weltruhm
Flachland jagende Rehwildschützedieseguten verhalf, benötigtetwas mehr Pulver als das H-
Eigenschaften der 6,5 x 57 zunutze machen. Mantelgescho ß, was durch die geringere

182
Geschoßeinsetztiefe erklärbar ist. Die zulässigen Pmax; 3,11 g / 48.0 gr R 907
dann erzielbare Leistung liegt um fast 100 beschleunigen das 6,0 g TMF auf über 970
Metersekunden überderjenigender6,5 x54 m/s und mit 3,31 g / 51,0 gr R 904 werden
M. Sch. Eineweitere interessanteAufgabe ist 950 m/s erreicht.
die Erarbeitung von reduzierten Ladungen Dieser Laborierungsvorschlag für R 904
mitden 6,0-g-Geschossen,z.B.fürschwache hinterdem 6,0 g TMFdarfjedoch nicht auf das
"Nur-Rehwild"- oder für Raub- 6,0 g SG - Scheibengeschoß - transferiert
zeuglaborierungen. Wer dabei noch unterdie werden, falls jemand das Pulver R 904 für
V, der vorgeschlagenen Anfangsladungen eine SG-Ladung verwenden will. Vielmehr
kommen möchte, kann diese weiter werden bereits mit 3,24 g / 50.0 gr R 904
reduzieren. Dabei ist aber die Liderung der die zulässigen Gasdruckwerte erreicht; die
Hülse zu gewährleisten (Reduktion in 0,03- Geschoßgeschwindigkeit wurde (bei einer
Gramm-Schritten). Für weitergehende Patronenlänge von 70,0 mm) mit 955
Reduktionen ist jedenfalls der Wechsel zu Metersekunden gemessen. Die Unterschiede
schnelleren Pulvern anzuraten. Hierfüreinige der zulässigen Höchstladung hinter zwar
Anregungen: Mit 2,72 g / 42.0 gr R 902 gleich schweren, aber in Mantelmaterial und
werden 920 m/s erreicht; eine Verkleinerung Konstruktion unterschiedlichen Geschossen
der Ladung ist bis etwa2,33 g /36.0 gr R 901 sind erheblich: Läßtdas 6,0 g TMS noch 3,37g
möglich. Mit dieser reduzierten Ladung ist /52 gr R 904 zu, so liegt die Maximalladung
das 6,0 g Geschoß nur noch 830 m/s beim 6,0 g TMF bereits bei 3,31 g / 51.0 gr
schnell. Natürlich müssen die leichten und muß hinterdem tombakplattierten Stahl-
Ladungen vorder Verwendung auf Wild auf mantelgeschoß SG nochmals auf 3,24 g /
ihre Präzision und Treffpunktlage überprüft 50.0 grgesenktwerden.
werden. Einewesentliche Ergänzung fürden Gleiches Gescho ßgewicht bietet noch lange
6,5 x 57-Schützen ist das 6,0 g schwere keinen Freibrieffürungeprüftes Übernehmen
Scheibengeschoß - SG -, welches für das einer Pulverladung. Dies wird sehrdeutlich
Übungsschießen derJägerschaft und zum beim Vergleich der Ladedaten für das 9,0 g
Schuß auf Pelzträgergute Dienste leistet. Auf SG und das 9,1g DK:Obwohl letzteres sogar
Grund des unterschiedlichen Mantel- (geringfügig) schwerer ist, "verträgt" es etwas
materials weichen die Ladedaten für das mehr Treibladungsmittel und kommt damit
Scheibengeschoß vondenender6,0 g TMS beiannähernd gleichen Druckverhältnissen
oder VMS-Geschosse ab. Ähnliches galt für auf eine vergleichsweise höhere Leistung.
das 6,0 g TMF, welches als ergänzendes
Spezialgeschoß seinerzeit mit folgenden
Werten gemessen wurde: 2,79 g / 43.0 gr
R 902 brachten 925 m/s bei etwa 85 % des

183
6,5 x 57

.
1•11113•01110011111011•3»...........„...

TMS 6,0 g RWS SG 6,0 g RWS VMS 6,0 g RWS


Patronenlänge 72,0 mm Patronenlänge 70,0 mm Patronenlänge 71,8 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr V, m/s
R 903 R 902 R 903
max. 2,98 46.0 970 max. 2,79 43.0 940 max. 2,95 45.5 950
min. 2,85 44.0 880 min. 2,69 41.5 860 min. 2,82 43.5 850
R 907 R 903 R 907
max. 3,11 48.0 985 max. 3,01 46.5 945 max. 3,11 48.0 985
min. 2,85 44.0 810 min. 2,92 45.0 870 min. 2,85 44.0 800
R 904 R 907 R 904
max. 3,37 52.0 990 max. 3,08 47.5 960 max. 3,37 52.0 980
min. 3,18 49.0 870 min. 2,98 46.0 870 min. 3,11 48.0 830

KS 7,0 g RWS KS 8,2 g RWS ST 9,0 g RWS


Patronenlänge 71,8 mm Patronenlänge 72,9 mm Patronenlänge 72,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 907 R 907 R 907


max. 2,95 45.5 925 max. 2,82 43.5 830 max. 2,72 42.0 790
min. 2,82 43.5 880 min. 2,59 40.0 760 min. 2,59 40.0 730
R 904 R 904 R 904
max. 3,21 49.5 915 max. 3,05 47.0 865 max. 2,98 46.0 815
min. 3,08 47.5 865 min. 2,79 43.0 765 min. 2,85 44.0 770
R 905 R 905 R 905
max. 3,47 53.5 945 max. 3,31 51.0 865 max. 3,14 48.5 810
min. 3,31 51.0 895 min. 3,05 47.0 800 min. 2,98 46.0 755

184
1
11,95 Ammialaiminiz.--i 6,70
y

56.70

Kaliber: 6,5 mm (.264" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5341

EEJE
DK 9,1 g RWS HR/101-110,0 g
.3111fflomilleW

RWS TMR 10,3 g RWS


Patronenlänge 75,0 mm Patronenlänge 77,8 mm Patronenlänge 78,8 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907 R 907
max. 2,78 43.0 815 max. 2,75 42.5 780 max. 2,79 43.0 760
min. 2,66 41.0 750 min. 2,59 40.0 700 min. 2,59 40.0 675
R 904 R 904 R 904
max. 3,11 48.0 820 max. 2,95 45.5 780 max. 2,98 46.0 745
min. 2,92 45.0 780 min. 2,79 43.0 715 min. 2,79 43.0 690
R 905 R 905 R 905
max. 3,18 49.0 825 max. 3,08 47.5 770 max. 3,11 48.0 755
min. 3,05 47.0 760 min. 2,98 46.0 720 min. 2,98 46.0 700
auch max. 2,69 g/41.5gr R 903=750 m/s

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

185
6,5x57R
Ein prüfender Blick in die Kaliberlisten der Geschichte
deutschen und österreichischen Jagdwaf-
fenherstellerzeigtdie Popularitätder6,5 x 57 Wenn der Ursprung der 6,5 x 57 auf etwa
R. Vornehmlich in Bockbüchsflinten angeboten, 1893 festgelegt werden kann, so ist die R-
zählt sie auch zu den Standardpatronen für Version nicht viel jünger. Die Aktivitäten
Drillinge. Wie ihre randlose Schwesterpatrone der Büchsenmacher jener Zeit gingen
6,5x 57 wird sie vor allem dort geführt, wo im meist dahin, Kipplaufwaffen in den Rand-
Rehwildrevier mitdem gelegentlichen Vorkom- versionen der damals in fast undurch-
men von stärkerem Schalenwild gerechnet schaubarer Menge neugeschaffenen Pa-
werden kann. tronen herzustellen. Meist in Büchsflinten
Die 6,5 x 57 R darf nur bis maximal 2900 bar (nebeneinanderliegende Schrot- und
laboriert werden und somit liegt sie um 500 Büchsenläufe), aber auch schon in Drillin-
bar niedriger als ihre Schwesterpatrone. gen (1878 wurde der erste Hinterlader-
Natürlich wirkt sich die Einhaltung eines drilling patentiert) wurden die neuen Rand-
dermaßen niedrigen Gasdrucks auf die patronen eingebaut und es dürfte um die
erzielbare Leistung aus. Trotzdem kann die Jahrhundertwende sicher auch schon eine
Randpatrone nach den gleichen 6,5 x 57 R neben den damals noch ge-
Einsatzgrundsätzen wie die 6,5 x 57 beurteilt läufigeren "Expreßpatronen" dabeigewe-
werden. sen sein. Sehr häufig war die 6,5 x 57 R
In Deutschland hängtdie Popularitätder 6,5 allerdings nicht und auch in den Jahrzehnten
x 57 R damit zusammen, daß sie die kleinste danach stellte nur die RWS Munition in der
bzw. leistungsschwächste derfür Hochwild Randversion her. Noch Anfang bis Mitte
zugelassenen Patronen ist. In Österreich wird der drei ßigerJahre scheint man die anderen,
ihr diese Stellung von der .243 Win. streitig heute nicht mehr geläufigen 6,5 mm
gemacht, welche bisweilen auch in Randpatronen wie 6,5 x 58 R, 6,5 x 53 R
Kipplaufwaffen eingebautwird, trotz möglicher und 6,5 x 61 R vorgezogen zu haben.
Schwierigkeiten beim Ausziehen der Hülse.
Dabei zeigt ein nüchterner Vergleich der Erst kurz vor dem Zweiten Weltkrieg erlebte
Ladetabellendieses Buches, da ß diegasdruck- die 6,5 x 57 R die erste Blütezeit mit der
mäßig sehrverhalten laborierte 6,5 x 57 R mit Vorstellung des auch noch nach dem Krieg
den leichten Geschossen nahezu diegleiche gefertigten 6,2 g D-Mantelgeschosses,
Leistung bringtwie die .243 Win. bei gleichem welches aber nach und nach durch das
Geschoßgewicht und wesentlich höheren vielseitigere, da auch auf schweres
Drücken. Zudem hat die 6,5 x 57 R noch den Schalenwild einsetzbare TMS im Gewicht
Vorteil der Präsenz schwererer Geschosse, 6,0 g abgelöst wurde. Zu dem ebenfalls
wo diese gewünscht werden. schon vordem Krieg gefertigten H-Mantel-
Mit diesen Bemerkungen soll beileibe nichts gescho ß mit offener Hohlspitze gesellten
gegen die .243 Win. gesagt werden. Der sich in den siebziger und achtziger Jahren
Vergleich zieltvielmehr auf die Potenz der 6,5 die 7,0 und 8,2 g KS-Geschosse. Ende der
x 57 R, als kleinste in Deutschland zulässige Neunziger kam das 9,1 g Doppelkerngeschoß
Hochwildpatrone. (DK).

RWS-Laborierungen

Es stehen, wie bei der randlosen 6,5x57, ein


6,0g Geschoß, die 7,0g KS und 8,2g KS und

186
das 9,1 g DK fabrikgeladen zur Verfügung. Die Patrone aus der Sicht des
Natürlich sind die Fabrikpatronen mit dem Wiederladers
7,0g KS besonders beliebt, denn schließlich
entspricht diese Laborierung am ehesten Im Vergleich zu ihrer randlosen
den Anforderungen derjenigen Jäger, welche Schwesterpatrone ist die 6,5 x 57 R wegen
die kleine 6,5 als Weitschußpatrone für der Beschränkung des Gasdrucks auf
schwaches Schalenwild, also für Reh und 2900 bar gehandicapt, was das Erreichen
Garns nützen wollen. der Sollwerte betrifft. Da die Spezialpulver
Mehr Vielseitigkeit vor allem hinsichtlich der Werksladungen nicht zur Verfügung
der Verwendung auf mittleres Schalenwild stehen, werden unter Einhaltung des zu-
kann die Laborierung mit dem 8,2 g KS lässigen Drucks die Schußtafelwerte nicht
bieten, da hier doch mehr Geschoßmasse ganz erreicht. Es fehlen maximal 35 m/s
vorhanden ist und ein energiehaltender und dies liegt praktisch im Bereich der
Geschoßrestkörper die nötige Tiefenwir- Meßtoleranz . Dadie Unterschiede gering
kung gewährleistet. Dies gilt in noch sind und die Anforderungen nach dem
größerem Maße für das 9,1 g DK. Bundesjagdgesetz hinsichtlich der
Was die Außenballistik betrifft, so hat die Zulässigkeit der Patrone auf Hochwild
8,2 g KS Ladung zwar um 140 m/s weniger erfüllt werden (mindestens 2000 Joule
Vo als die 6,0 g Ladung und auf größere Eloo m), muß der Minderleistung keine
Entfernung bei gleichem Haltepunkt etwas große Bedeutung beigemessen werden.
mehr Tiefschuß, doch bringt das schwe- Unabhängig davon wärees jedochan derZeit,
rere Geschoß wegen seiner Masse und sich bei den entsprechenden Stellen einmal
der daraus resultierenden größeren Gedanken über die künftigen Anforderungen
Querschnittsbelastung von der Mündung an Munition hinsichtlich des Gasdrucks zu
weg mehr kinetische Energie mit. Es gibt machen. In den Maßlisten der 3.WaffV0 zum
allerdings zielballistische Situationen, wo WaffG ist, wie schon gesagt, die 6,5x 57 R mit
das 8,2 g KS bei den relativ niedrigen einem maximal zulässigen Gasdruckvon 2900
Geschwindigkeiten der 6,5 x 57 R zu bar belegt. Dies ist ein Wert, derzudenZeiten
wenig "anspricht", vor allem bei der sehr leichten Bockbüchsflinten mit alten
schwächerem Wild mit geringerem Verschlüssen und zweifelhafter Material-
Zielwiderstand (z. B. bei glatten festigkeit sicher seine Berechtigung hatte.
Kammerdurchschüssen) bzw. bei weiten Andererseits werden heute in praktisch
Schüssen. Deswegen wurde die 7,0 g dieselbe Waffe alle gängigen Patronen ein-
KS-Laborierung entwickelt, welche vor gebaut, wie ein Blick in die Kataloge der
allem die 8,2 g KS-Ladung ergänzen soll. Hersteller beweist. Die manchmal rein
Speziell für die kürzeren Waldjagdent- willkürlich festgelegten höchstzulässigen
fernungen gedacht war das zielballistisch Gasdrücke unterscheiden sich dabei um
für schwereres Wild ausreichende 10,0 g manchmal mehr als 1000 bar! Es ist also
HMoH, welches beim leichten Rehwild nicht leicht einzusehen, warum eine 6,5 x 57
keineswegs mehr Wildbret entwertete als R nur 2900 bar Po. (Cu) - entspricht 3300
andere Projektile. Diese Werksladung wur- bar (piezo) - aufweisen darf und eine
de 1992 aus der Produktion genommen. möglicherweise aus demselben Waffen-
Ende der Neunziger kam als modell verschossene .300 Win. Mag. 3700
hervorragende Ergänzung das 9,1 g DK bar (Cu) - entspricht 4300 bar (piezo). Das hat
auf den Markt, welches die Anforderungen natürlich nur indirekt mit der 6,5 x 57 R zu
an ein auch für schweres Wild taugliches tun. Es sollte nur aufgezeigt werden, daß
6,5 mm Projektil mehr als erfüllt. viele Patronen, naturgemäß die mit den

187
6,5 x 57 R
mittleren Verbrennungsvolumen, hinsicht- tung der Ergebnisse aus den Beschüssen
lich der behördlich erlaubten und der mit dem früheren 9,0 g ST (Standard-
technisch durchaus möglichen Leistung Teilmantelgescho ß) und dem 9,1 g
nicht ganz überein gebracht werden Doppelkerngeschoß DK: Obwohl im
können. Die 6,5 x 57 R ist, zusammen mit Rahmen des vorgegebenen
der 7 x 57 R, der 8 x 57 IRS und der 9,3 x Höchstgasdruckes sowohl mit R 904, als
74 R, ein Musterbeispiel für das gerade auch mit R 905 und selbst mit dem noch
erwähnte, wie ein Vergleich mit den schnelleren R 907 eine Mündungsge-
entsprechenden Patronen ohne Rand schwindigkeit von teilweise mehr als 750
leicht beweist. Daß dabei niemand in m/s erzielt werden konnte, bestach das R
Versuchung geführt werden soll, einfach 905 durch seine Bestleistung. Selbst die
die Ladung für die randlose Patrone in der Anfangsladung mit diesem Pulver schießt
Randpatrone zu verschießen, braucht noch hervorragend. Dabei weiß jeder
nicht betont zu werden. Solange die Waffe Praktiker, daß gut schießende Abbruch-
nicht einem Sonderbeschuß ausgesetzt ladungen mit faulen Pulvern keineswegs
wurde, bleibt die Verwendung einer die Regel sind.
gasdruckstärkeren als zulässigen Ladung Beim 10,0 g HMoH konnte die nur mit
verboten. Nach diesen allgemeinen Ge- einem Kunstgriff erzielbare Höchstleistung
danken, welche teilweise nicht 6,5 x 57 R mit R 905 erreicht werden, jedoch muß
-spezifisch sind, nun zu den Details. bei dieser Ladung das Geschoß
Berücksichtigt man die Meßtoleranzen unbedingt auf eine Patronenlänge von
zugunsten der Handladung, was durchaus 81,7 mm herausgesetzt werden. Ein Be-
zulässig ist, so kann man sagen, daß die lassen der in der Tabelle angegebenen
Schu ßtafelwerte der mit den entsprechen- Patronenlänge von 77,8 mm führte bei
den Geschossen verladenen Fabrikpatro- den Ermittlungsbeschüssen zu Gasdruck-
nen knapp erreicht werden. Dabei zeigt sprüngen und einem um mehrere hundert
sich eine projektilabhängige Präferenz für Bar zu hoch liegenden Druck. Durch das
verschiedene Pulver, was die sogenann- Heraussetzen des Geschosses wird je-
ten Bestladungen betrifft. Darunter ver- doch mehr Verbrennungsraum geschaf-
steht man bekanntlich die ausgewogenste, fen, was sich bei gegebener Ladung durch
in der Relation zwischen Gasdruck, Lei- einen geringeren Druck bei gleicher Ener-
stung und Standardabweichung bei Mün- gieausnutzung auswirkt.
dungsgeschwindigkeit und Gasdruck Selbstredend sind solche Experimente
gleichmäßigste Ladung. Bei den leichten nur vor dem Hintergrund technisch ein-
Geschossen im Gewicht 6,0 Gramm gab wandfreier Messungen durchzuführen. So
sich das Rottweil R 904 am besten. Im ergab sich bei anderen Versuchen mit
Falle des 8,2 g schweren Kegelspitzge- herausgesetzten Geschossen eine Lei-
schosses konnte mit Rottweil R 904 zwar stungsverringerung bei gleichbleibenden
die Maximalleistung gemessen werden, Drücken! Bei allen Veränderungen der in
jedoch leitet dieses Geschoßgewicht be- den Ladedaten angegebenen Patronen-
reits über zu Rottweil R 905. Damit wurde längen ist zu beachten, daß eine zu kurze
die am besten schießende Präzisions- Patronenlänge immer zu einer Gasdruck-
ladung gefunden, ohne im zulässigen steigerung führen wird. Herausgesetzte
Druckrahmen die Leistung der R 904- Geschosse sind daraufhin zu kontrollieren,
Ladung erreichen zu können. Diese Ten- ob sie die Felder berühren. Dies dürfte im
denz zum langsamsten Pulver der Falle der 6,5 x 57 R mit ihrem überlangen
Rottweil-Reihe verstärkt sich bei Betrach- Übergang wohl nur bei einem fehlerhaft

188
gebohrten Lager vorkommen, jedoch ist die gewünschte Entfernung einschießt
bei anderen Patronen immer Vorsicht (GEE nach Tabelle der Fabrikladung,
geboten: "Anstehende" Geschosse verur- interpoliert auf die Vo der Handladung),
sachen ziemlich markante Druckerhöhun- geht es nun an die Ermittlung der Zweit-
gen.Anwendungsbezogen, vor allem oder Scheibenladung. In unserem Falle
hinsichtlich der Geschosse, ergeben sich bieten sich 6,0 g Geschosse an wie das
bei der 6,5 x 57 R folgende Kombinations- SG. Wegen dessen unterschiedlichen
möglichkeiten: Wer die leichten Projektile Geschoßmantels und des abweichenden
bevorzugt, wird sich mit dem seit vielen "Formwerts" ist damit zu rechnen, daß
Jahrzehnten auf alles leichte bis mittel- das SG eine etwas andere TPL aufweist.
schwere Schalenwild bewährten 6,0 g Dies "erschießt" man sich in
TMS seine Bestladung "herausschießen" entsprechenden Versuchen. Man kann
sofern er nicht das 7,0 g KS wählt, welches dabei als Faustregel festhalten, daß auch
aus vielen Waffen eine hervorragende die Zweitladung mit dem Pulver der
Präzision ergibt und zielballistisch außer- Grundlaborierung am besten zurecht-
ordentlich befriedigt. Die Ermittlung der kommt. In der Regel benötigt das SG
Bestladung ist unter Zuhilfenahme der etwas weniger Pulver als das TMS, um
Ladetabelle einfach, indem man sich, be- auf etwa die gleiche TPL zu kommen.
ginnend mit der "min." - Ladung und die Selbstredend haben sich die Versuche im
"max." - Ladung nicht überschreitend, zu Rahmen der Ladedatenvorgabe zu be-
einergut schießenden Ladung hinarbeitet. wegen.
Dabei sollten alle Pulvervorschläge, (d. h. Mit dem SG fürdie Scheibe und dem 6,0
Pulversorten R 903, R 907 und R 904), g TMS bzw. dem universelleren 7,0 g KS
der Ladetabelle berücksichtigt werden. für die Jagd ist der 6,5 x 57 R - Jäger gut
Als Abstufung hinsichtlich der Pulver- für Rehwild und leichtes Hochwild
charge haben sich Schritte von ca. gerüstet. Im Falle des Wunsches nach
0,05 Gramm bewährt. Wer das für seine einer stärkeren Laborierungskombination
Waffe "richtige" Pulvergefunden hat, tastet wird man die Grundlaborierung 8,2 g KS
sich nun in noch kleineren Schritten (jetzt wählen und sich für das 9,0 g ST eine
ca. 0,03 Gramm oder ca. 0.5 Grain) zur dazu passende Ladung erarbeiten. In
endgültig am besten schießenden vielen Fällen läßt sich diese auch mit den
Ladung. Daß bei einer solchen Prozedur schweren HMoH und TMR-Geschossen
die allgemein gültigen Regeln des kombinieren, zumindest auf Waldjagdent-
Präzisionsschießens beachtet werden fernungen. Nicht nur für letztere hat sich
müssen, versteht sich von selbst. Dabei das 9,1 g DK als eine "gute Medizin für
ist genügend Abkühlzeit einzuhalten. alles mitteleuropäisches Schalenwild"
Trotz des hohen Aufwandes an Zeit lohnt erwiesen.
sich die Ermittlung der Bestladung, denn
sie wird es bei Verwendung immer gleicher
Komponenten auf Jahre hinaus bleiben
können. Tunlichst wird man sich zu diesem
Zweck mit einem Vorrat an Komponenten
gleicher Herstellung (Losnummer) ein-
decken. Dies hat auch für das Pulver zu
gelten.
Nach Festschreibung der "Grundlaborie-
rung", mit welcher man seine Waffe auf

189
6,5 X 57 R

TMS 6,0 g RWS SG 6,0 g RWS SG6,0g RWS


Patro nenlänge 72 ,0 mm Patronenlänge 70,0 mm Patronenlänge 70,0 mm
Pulver g gr V0 m/s II Pulver g gr V0 m/s I I Pulver g gr V0 m/s I
R 903 R 901 R 907
max. 2,88 144.5 1 920 max. 2,40 37.0 I 900 max. 2,98 46.0 I 935
min. 2,72 42.0 870 min. 2,27 135.0 830 min. 2,85 144 .0 890
R 907 R 902 R 904
max. 2,98 46.0 I 935 max. 2,72 42.0 I 920 max . 3,24 50 .0 I 940
mi n. 2,79 143.0 860 min. 2,59 140.0 850 mi n. 3,11 148.0 875
R 904 R 903
max. 3,31 51.0 I 955 max. 2.92 45 .0 I 920
min . 3,18 149.0 885 min. 2,82 143.5 880

VMS 6,0 g RWS KS 7,0 g RWS KS8,2g RWS


Patronenlänge 72 ,0 mm Patronen länge 71,8 mm Patronenlänge 72 ,9 mm
Pulver g gr V0 m/s II Pulver g gr V0 m/s I I Pulver g gr V0 m/s I
R 903 R 903 R 907
max. 2,88 1 44.5 1 920 max. 2,82 143 .5 1 870 max . 2,66 41.0 I 780
mi n. 2,72 42 .0 865 min . 2,66 41.0 800 min. 2,53 139 .0 750
R 907 R 904 R 904
max. 2,98 46.0 I 930 max. 3,11 48.0 I 870 max. 2,95 145.5 1 810
min. 2,82 1 43.5 860 min . 2,98 146.0 815 min. 2,79 43.0 750
R 904 R 905 R 905
max. 3,31 1 51.0 1 945 max. 3,27 150.5 1 870 max. 3,05 47.0 I 780
min. 3,18 49.0 880 min. 3, 18 49.0 820 min. 2,92 145.0 740

190
13,32 —1
-
6,70

56,70

Kaliber: 6,5 mm (.264" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5341

ST 9,0 g RWS DK 9,1 g RWS HMoH 10,0 g RWS


Patronenlänge 72,5 mm Patronenlänge 75,0 mm Patronenlänge 77,8 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr V0 m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907 R 907
max. 2,59 40.0 750 max. 2,56 39.5 755 max. 2,53 39.0 700
min. 2,50 38.5 695 min. 2,40 37.0 695 min. 2,46 38.0 680
R 904 R 904 R 904
max. 2,85 44.0 750 max. 2,85 44.0 755 max. 2,82 43.5 740
min. 2,72 42.0 685 min. 2,66 41.0 700 min. 2,72 42.0 710
R 905 R905 R 905 (s. Text 81,7mm)
max. 2,98 46.0 750 max. 2,92 45.0 750 max. 2,98 46.0 760
min. 2,85 44.0 705 min. 2,75 42.5 700 min. 2,85 44.0 710
auch 2,46 g/38.0 gr R 903=710 m/s

TMR 10,3 g RWS


Patronenlänge 78,8 mm
Pulver g gr Vo m/s

R 907
max. 2,53 39.0 700
min. 2,46 38.0 670
R 904
max. 2,82 43.5 730
min. 2,72 42.0 705
R 905
max. 2,98 46.0 725
min. 2,95 45.5 700

ACHTUNG! Vordem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

191
6,5 x 65 RWS
Die 6,5 x 65 RWS und ihre bis auf den lung mit einer 7,0 g KS-Ladung. Im Laufe
Rand baugleiche "Stallschwester" 6,5 x des Folgejahres kam die 8,2 g KS-Ladung
65 R RWS sind Parallelentwicklungen. hinzu.
Man war sich im Klaren darüber, daß dem
deutschsprachigen Markt mit seinem
relativ großen Anteil an Kipplaufwaffen RWS - Laborierungen
nur mit dem Angebot sowohl einer
randlosen, als auch einer Randpatrone Mit 1000 m/s verläßt das 7,0 g KS-
Genüge getan werden konnte. Die 6,5 x Geschoß der bis 1999 lieferbaren
65 RWS sollte weder die bewährte 6,5 x Einführungsladung den 650 mm Lauf und
57 verdrängen, noch der Hochleistungs- ist aus einem 600 mm langen Lauf nur
patrone 6,5x 68 RWS Konkurrenz machen. etwa 10 m/s langsamer. Dieser geringe
Vielmehr schien die ausge-wogene Vo-Verlust spricht für die Ausgeglichenheit
Mittelpatrone dazu geeignet, die beiden der für Rehwild und schwaches Hochwild
älteren Patronen zu ergänzen. Die gedachten Laborierung. Sie wurde
technischen Voraussetzungen dazu sind inzwischen aufgegeben, was indirekt mit
gegeben: Die 6,5 x 65 RWS kann mit den verstärkten Schwarzwildbesätzen und
einem 7 Gramm schweren Geschoß die dem Wunsch des Jägers nach gescho ß-
Mündungsgeschwindigkeit der 6,5 x 57 schwereren Ladungen zusammenhängt
mit dem 6,0 g Geschoß erreichen und auf Diesem konnte RWS Rechnung tragen
diese Weise bei gleicher Rasanz mehr und so haben die Liebhaber von
Energie in das Ziel bringen. mittelschweren Projektilen schon seit 1991
Ein wichtiges Konstruktionsziel der RWS- eine Laborierung mit dem 8,2 g Kegel-
Patrone war die Möglichkeit, vorhandene spitzgeschoß zur Verfügung. Es ist mit
Waffen 6,5 x 57 auf 6,5 x 65 RWS umrü- einer Mündungsgeschwindigkeit von 930
sten zu können. Dabei ist es sicherlich als m/s und einer V100 von 850 m/s eine
beachtenswerte Verbesserung anzu- flachschießende, präzise Ladung für
sehen, daß wegen der größeren P1- und Rehwild, Garns sowie Hochwild
P2-Maße der neuen Patrone etwaige einschließlich mittlerer Sauen.
Abnützungen oder maßliche Unstimmig-
keiten des abzuändernden Lagers beseitigt
werden können. Die RWS-Patrone Die Patrone aus der Sicht des
eliminiert die in Waffen 6,5 x 57 erkannten Wiederladers
Nachteile des sehr langen Überganges:
Das Maß "G" der 6,5 x 65 RWS wurde auf Hochwertige Hülsen mit bester Wiederla-
9,9 mm festgelegt, so daß auch kurze defähigkeit und hoher Lebenserwartung
Geschosse keinen Freiflug mehr auf- stehen im Fabrikat RWS zur Verfügung.
weisen. Die Hülsen brauchen vor der ersten Wie-
derladung weder kalibriert noch der
Hülsenmund angefast werden. Als Zünd-
Geschichte hütchen dient die Größe 5,33 mm (Large
Rifle), wobei sich die Auswahl nach "Stan-
Die 6,5 x 65 RWS wurde zusammen mit dard" (RWS 5341) oder "Magnum" (RWS
der 6,5 x 65 Rin den Jahren 1987 bis 1989 5333) nach der aus dem jeweiligen Lauf
im Werk Stadeln der Dynamit Nobel kon- erzielbaren Präzision richten wird. Das
struiert. Im März 1990 erfolgte die Vorstel- Magnum Zündhütchen 5333 verursacht

192
einen etwas höheren Gasdruck, die schosse ausgesprochene Sportprojektile
Ladung bringt aber kaum kinetische sind und wegen ihrer fehlenden
Mehrleistung im Vergleich zu einer Tiefenwirkung nicht für den Schuss auf
Verwendung des Standard Zündhütchens Schalenwild geeignet sind. Namhafte
5341. Die umseitigen Ladevorschläge sind Hersteller fertigen sportliche
alle auf das Zündhütchen 5333 abge- Matchbüchsen in 6,5 x 65. Der Vorteil der
stimmt und somit auf den mit dieser RWS-Patrone gegenüber kalibergrößeren
Anzündung zu erwartenden geringfügig Matchpatronen ist das geringere Ge-
höheren Gasdruck., Wenn dies mit dem schoßgewicht und deswegen der we-
Zweck einer möglichen Präzisions- sentlich schwächere Rückstoß. Im Ver-
verbesserung gewünscht wird, kann somit gleich zur kalibergleichen 6,5 x 55
ein Zündhütchenwechsel vorgenommen Schwedisch Mauser bewährt sich bei
werden. Zweckmäßigerweise wird man in sonst gleichen Parametern die kürzere
die Ermittlungsbeschüsse beide Flugzeit zur Vermeidung von durch die
Zündhütchen einbeziehen. Bei den Windabdrift verursachten Fehlern.
Pulvern zeigt sich eine strenge Vorliebe Ausgenommen die 10,0 g und 10,3 g
für die fauleren Sorten, zumindest unter schweren Geschosse, bei denen
Betrachtung der Geschosse ab etwa neun langsame Pulver die höchste kinetische
Gramm. Ab hier beginnt das sonst Leistung erzielen, kann ein sehr
hervorragende Rottweil R 907 zurück- gleichmäßiger Leistungsgrad der ver-
zufallen, was die bei gegebenem Druck schiedenen Treibladungsmittel beobach-
höchstmögliche Leistung betrifft. Da dies tet werden. So sind mit 6,0 g Geschossen
jedoch die erzielbare Präzision nicht etwa 1070 m/s, mit dem 7,0 g KS-Geschoß
tangiert, sollten bei den Ermittlungsbe- etwa 1000 m/s und mit dem 8,2 g
schüssen alle in der Tabelle angegebenen Kegelspitzgeschoß etwa 930 Meter-
Pulversorten einbezogen werden. Interes- sekunden möglich. Beachtenswert auch
sant ist bei Verwendung des 9,1 g die Werte für das 9,1 g schwere, nicht nur
schweren Matchgeschosses von Sierra bei Kammerschüssen auch auf starkes
die Tatsache der in mehreren Meßläufen mitteleuropäisches Wild zufriedenstellend
fehlenden Eignung des Pulvers R 907, und überwiegend wildbretschonend
was sicher mit der Form, und Konfiguration wirkende, Doppelkerngeschoß (DK):
des Geschoßhecks dieses Scheiben- Dessen "max."-Ladungen wurden aus 600
geschosses zusammenhängt. Auf die mm Meßläufen mit Mündungs-
Angabe eines Ladevorschlags für Rottweil geschwindigkeiten von bis 870 m/s
R 907 wurde deshalb verzichtet, zumal gemessen, was in etwa der Leistung der
die beiden anderen Treibladungsmittel im 6,5 x 57 mit dem 8,2 g Geschoß entspricht.
Versuch hervorragende Ergebnisse Alle beschriebenen Leistungen werden
brachten: Auf 300 m konnten Streukreise bei annähernd gleichen Druck-
in absoluter Matchqualität erzielt werden. verhältnissen erzielt. Dies spricht ebenfalls
Da die Gesamtpatronenlänge mit dem fürdie große Ausgewogenheit der Patrone
9,1 g Sierra Matchgeschoß 84,5 mm 6,5 x 65 RWS.
beträgt, kann diese Ladung aus normal
langen Standard-Systemen bzw. Stan-
dard-Magazinen verschossen werden.
Der Ergänzung halber muss erwähnt
werden, dass dünnmantelige Matchge-

193
6,5 x 65 RWS

TMS 6,0 g RWS SG 6,0 g RWS VMS 6,0 g RWS


Patronenlänge 79,5 mm Patronenlänge 79,5 mm Patronenlänge 79,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 907 R 907 R 907


max. 3,50 54.0 1065 max. 3,47 53.5 1060 max. 3,47 53.5 1065
min. 3,24 50.0 955 min. 3,24 50.0 970 min. 3,24 50.0 970
R 904 R 904 R 904
max. 3,73 57.5 1070 max. 3,69 57.0 1060 max. 3,69 57.0 1065
min. 3,43 53.0 950 min. 3,43 53.0 960 min. 3,43 53.0 960
R 905 R 905 R 905
max. 3,95 61.0 1070 max. 3,89 60.0 1060 max. 3,89 60.0 1065
min. 3,76 58.0 940 min. 3,69 57.0 950 min. 3,76 58.0 955

KS 7,0 g RWS KS 8,2 g RWS DK 9,1 g RWS


Patronenlänge 79,5 mm Patronenlänge 79,5 mm Patronenlänge 81,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 907 R 907 R 907


max. 3,30 51.0 1000 max. 3,18 49.0 930 max. 3,05 47.0 850
min. 3,11 48.0 940 min. 2,98 46.0 870 min. 2,92 45.0 790
R 904 R 904 R 904
max. 3,60 55.5 1000 max. 3,37 52.0 930 max. 3,40 52.5 870
min. 3,37 52.0 935 min. 3,18 49.0 860 min. 3,30 51.0 820
R 905 R 905 R 905
max. 3,76 58.0 1000 max. 3,50 54.0 930 max. 3,47 53.5 860
min. 3,50 54.0 945 min. 3,30 51.0 850 min. 3,30 51.0 825
auch max. 2,98 g/46.0 gr R903=800 m/s

194
SA/11:199x9 '9
6.70

Kaliber: 6,5 mm (.264" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5333

MS 9,1 g Sierra HMoH 10,0 g RWS TMR 10,3 g RWS


Patronenlänge 84,5 mm Patronenlänge 84,0 mm Patronenlänge 81,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 904 R 907 R 907
max. 3,24 50.0 870 max. 3,05 47.0 835 max. 2,98 46.0 820
min. 3,05 47.0 830 min. 2,85 44.0 795 min. 2,79 43.0 770
R 905 R 904 R 904
max. 3,37 52.0 850 max. 3,30 51.0 845 max. 3,24 50.0 825
min. 3,24 50.0 810 min. 3,11 48.0 800 min. 3,05 47.0 770
R 905 R 905
max. 3,43 53.0 860 max. 3,37 52.0 855
min. 3,24 50.0 800 min. 3,18 49.0 790

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf
Seite 105 beachten.

195
6,5 x 65 R RWS
Neue Patronen haben nur dann eine wurde die 6,5 x 65 R im März 1990 an-
Chance, wenn sie auf die Marktsituation läßlich der IWA in Nürnberg dem interes-
eingehen. Im Falle der 6,5 x 65 R RWS wird sierten Fachpublikum vorgestellt, zu-
den Liebhabern des mittleren Standard- nächst mit der 7,0 g KS-Laborierung. Die
kalibers 6,5 mm als Alternative zur 6,5 x 57 Ladung mit dem universeller einzu-
R oder 6,5 x68 R eine kräftige, weitreichende setzenden 8,2 g KS-Geschoß folgte im
und rasante Patrone zur Verfügung gestellt. März 1991.
Zudem wird den zahlreichen Besitzern von
Waffen 6,5 x 57 R die Möglichkeit gegeben,
diese ohne großen Aufwand auf die neue RWS - Laborierungen
Patrone umändern zu lassen. Selbstver-
ständlich müssen die Altwaffen ver- Das bis 1997 werksverladene 7,0 g KS
schlu ßdicht und technisch einwandfrei sein. verläßt die Laufmündung mit einer
Die Änderung des Lagers wird vom Geschwindigkeit von 960 Metersekunden
Beschußamt mit einem Neubeschuß und hat bei 300 Meter Zielentfernung eine
überprüft; der zulässige Maximalgasdruck kinetische Energie von mehr als 1500
der Patrone 6,5 x 65 R RWS beträgt Joule. Auf 300 Meter fällt das Geschoß
3300 bar. Die Umänderung einer Waffe 6,5 bei einer auf GEE einjustierten Waffe um
x 57 R in 6,5 x 65 R RWS führt zu einer lediglich 23 cm. Mit der Mündungsge-
vielseitiger einzusetzenden Büchse und schwindigkeit von 870 Metern in der
kommt einer merklichen Verbesserung Sekunde bei einer Masse von 8,2 g hat
derselben gleich: Da die Dimensionen des das vom deutschen Jäger sicherlich aus
Pulverraumes der neuen RWS-Patrone Gründen der besseren Eignung auch auf
größer gehalten sind und die Hülse länger mittleres Schwarzwild bevorzugte schwe-
ist, werden präzisions- und funktionsbeein- rere der beiden RWS KS-Geschosse eine
trächtigende Unregelmäßigkeiten des alten Anfangsenergie von mehr als 3100 Joule.
Patronenlagers (z.B. Fräsriefen oder Ja es hält auf 200 Meter noch die von
erodierte Übergänge) gänzlich abgestellt. Fachleuten als Mindestwert geforderten
Die Patrone 6,5 x 65 R RWS wird vor allem (und für Hochwild vom Gesetzgeber auf
von Jägern geführt, welche eine lediglich 100 m vorgeschriebenen) 2000
weitreichende und kräftige, dabei präzise Joule. Rehwild, Gamswild und mittleres
und rückstoßschwache, sowie für Rehwild Hochwild kommt mit beiden Ladungen
nicht zu sehr wildbretentwertende Patrone sicher zur Strecke, auch auf großen, jagd-
in Revieren mit gelegentlichem Hochwild- lich noch vertretbaren Entfernungen.
vorkommen haben wollen.
Als Waffen für die 6,5 x 65 R RWS kommen
Kipplaufbüchsen und Bockbüchsflinten, Die Patrone aus der Sicht des
sowie Drillinge in Betracht. Obwohl dies Wiederladers
nicht die erklärte Absicht ihrer Konstruk-
teure war, kann die RWS-Entwicklung die Genaue Abstimmung der Wiederladung
für Hochwild sicherlich etwas unzureich- auf die spezifische Waffe ist der große
ende 6,5 x 57 R ablösen. Diese Folgerung Vorteil des Handladens. Der Besitzer einer
ergibt sich unschwer aus dem enormen 6,5 x 65 R wird sich dabei selten auf
Verkaufszuwachs für Waffen und Munition leistungsmäßig bzw. komponentenbe-
in dem neuen Kaliber. zogen exakte Kopien der Werksladungen
beschränken, sondern aus dem
Geschichte reichhaltigen Angebot von RWS-
Geschossen dieses gängigen Kalibers
Wie ihre randlose Schwesterpatrone eines oder mehrere Projektile zusätzlich

196
für Spezialzwecke auswählen. So sind je mm ist das 9,1 g schwere
nach Pulversorte von 1000 bis 1050 Meter- Doppelkerngeschoß DK. Es kann bei
sekunden mit den 6,0 g Geschossen waffenschonenden Drücken mit Rottweil
möglich., Dies macht die 6,5 x 65 R mit R 907 auf 820 m/s, mit R 904 auf 830 m/
dem 6,0 g TMS zu einer sehr präzisen, s und mit R 905 auf 835 m/s gebracht
dabei rasanten und weitreichenden Reh- werden. Eine weitere interessante Ladung
oder (mit VMS - Geschoß) zu einer ist 2,72 g/42.0 gr Rottweil R 903 hinter
effektiven Fuchspatrone für den Einsatz dem 9,1 g Doppelkerngeschoß DK. Wer
auf dem freien Felde. Das 6,0 g SG, auf keine Hochleistung braucht aber
die gleiche V. verladen und deshalb in unbedingt das schwere, wegen seiner
den allermeisten Fällen die gleiche geringen Wildbretentwertung inzwischen
Treffpunktlage aufweisend, dient als sehr beliebte DK als Universalgeschoß
Übungsgeschoß. Es kann, etwas benutzen will, kann damit eine Kopie der
geschwindigkeitsreduziert, auch als "guten alten" 6,5 x 57 R anfertigen (ca.
Scheibenpatrone zu den Gebrauchs- 760 m/s),. Diese schießt i.d.R. besser als
ladungen mit den beiden KS - Geschossen eine reduzierte Ladung mit langsameren
verwendet werden. Pulvern.
Als Teilzerlegungsgeschoß mit garantiert Allgemein liegt bei den Treibladungs-
großer Tiefenwirkung hat sich das mittler- mitteln in bezug auf die erzielbaren
weile nicht mehr gefertigte 10,0 g H-Man- Mündungsgeschwindigkeiten bei allen
tel-Gescho ß im Laufe der Jahre sehr gut Geschossen ganz klar das Rottweil R 905
bewährt und zwar in der randlosen wie in vorne. Versuche zur Präzisions-
der Randversion der 6,5 x 57. Da die 6,5 verbesserung lohnen sich, vor allem bei
x 65 RWS und die 6,5 x 65 R RWS mit 250 den leichteren Geschossen und
mm den gleichen Drall aufweisen wie die besonders in mehrläufigen Waffen. Das
Ausgangspatrone mit 57 mm langer Hülse gleiche gilt für die Wahl der Zündhütchen.
und deswegen die langen, schweren Normalerweise genügt das
Geschosse recht gut stabilisieren, lohnen Standardhütchen RWS 5341, aber oft
sich Versuche mit dem H-Mantelgescho ß: gewährleistet das kräftigere RWS 5333
Mit 820 m/s ist das 10,0 g HMoH bei die bessere Präzision in kombinierten
geringerem Gasdruck um 40 m/s schneller Waffen mit ihren komplizierten Lauf -
als die entsprechende Ladung 6,5 x 57 bündel-Spannungsverhältnissen.
und bei nur geringfügig höherem Druck Die in der Tabelle aufgeführten Ladedaten
über 70 m/s schneller als die 6,5 x 57 R. wurden mit dem Zündhütchen RWS 5333
Unter ähnlichem Aspekt zu sehen ist das ermittelt, weswegen die gasdrucker-
ursprünglich von der 6,5 x 54 Mannlicher höhenden Eigenschaften dieses Hütchens
Schönauer stammende, 10,3 g schwere bereits berücksichtigt sind.
Teilmantelrundkopfgeschoß, welches sich
dort eine sehr gute Reputation erwarb. In
der viel kräftigeren 6,5 x 65 verladen, gibt
sich das 10,3 g TMR allerdings etwas
"weich", was beim Schuß auf kurze Distanz
hinsichtlich der Wildbretentwertung zum
Tragen kommen könnte und dieses Ge-
schoß bezüglich der auf starkes Wild
unbedingt erforderlichen Tiefenwirkung
gegenüber dem 10,0 g HMoH etwas
zurücksetzt.
Das jüngste RWS Projektil im Kaliber 6,5

197
6,5 x 65 R RWS

TMS 6,0 g RWS SG 6,0 g RWS VMS 6,0 g RWS


Patronenlänge 79,5 mm Patronenlänge 79,5 mm Patronenlänge 79,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 907 R 907 R 907


max. 3,40 52.5 1030 max. 3,40 52.5 1005 max. 3,40 52.5 1035
min. 3,10 47.8 960 min. 3,10 47.8 950 min. 3,10 47.8 965
R 904 R 904 R 904
max. 3,70 57.1 1035 max. 3,70 57.1 1015 max. 3,70 57.1 1035
min. 3,25 50.2 880 min. 3,25 50.2 870 min. 3,25 50.2 880
R 905 R 905 R 905
max. 3,90 60.2 1045 max. 3,90 60.2 1025 max. 3,90 60.2 1040
min. 3,70 57.1 960 min. 3,70 57.1 935 min. 3,70 57.1 950

KS 7,0 g RWS KS 8,2 g RWS DK 9,1 g RWS


Patronenlänge 79,0 mm Patronenlänge 79,5 mm Patronenlänge 81,5 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 907 R 907 R 907


max. 3,25 50.2 950 max. 3,05 47.1 860 max. 2,85 44.0 820
min. 3,00 46.3 880 min. 2,85 44.0 825 min. 2,72 42.0 770
R 904 R 904 R 904
max. 3,50 54.0 950 max. 3,30 50.9 870 max. 3,14 48.5 830
min. 3,25 50.2 880 min. 3,15 48.6 815 min. 3,05 47.1 750
R 905 R 905 R 905
max. 3,70 57.1 950 max. 3,50 54.0 885 max. 3,27 50.5 835
min. 3,45 53.2 895 min. 3,25 50.2 820 min. 3,11 48.0 780

198
SMEI1:1S9 x9'9
6,70

65,00

Kaliber: 6,5 mm (.264" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5333

HMoH 10,0 g RWS TMR 10,3 g RWS


Patronenlänge 84,0 mm Patronenlänge 81,5 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 907 R 907
max. 2,90 44.8 790 max. 2,90 44.8 780
min. 2,75 42.4 740 min. 2,75 42.4 715
R 904 R 904
max. 3,20 49.4 805 max. 3,20 49.4 795
min. 3,05 47.1 730 min. 3,10 47.8 735
R 905 R 905
max. 3,35 51.7 820 max. 3,35 51.7 805
min. 3,00 46.3 735 min. 3,20 49.4 750

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

199
6,5 x 68
Wenn auch nie als "Magnum" bezeichnet, um so stärker sein muß, je mehr Pulver
ist die 6,5 x 68 doch in einem Atemzug mit verbrannt wird. Das heißt nun nicht, daß
den Patronenentwicklungen zu nennen, die 6,5 x 68 ein den Lauf zerstörendes
denen das verkaufsträchtige Beiwort mit- Kaliber wäre. Richtig ist vielmehr, daß die
gegeben wurde. Mit der für damalige Ver- 6,5 x 68, wie andere "heiße" Patronen
hältnisse nahezu unglaublichen Leistung auch, viel stärker auf die Lebenserwartung
von mehr als eintausendeinhundertfünfzig eines Laufes Einfluß nimmt als schwä-
Metersekunden Mündungsgeschwindig- chere Patronen. Schädlichere Nebenwir-
keit des 6,0 g schweren Teilmantelspitzge- kungen als z. B. die Weatherby-Patronen
schosses stellte die 6,5 x 68 alles in den oder andere "Magnums" hat die 6,5 x 68
Schatten, was vor dem Zweiten Weltkrieg keineswegs.
am Markt war. Selbst die einige Zeit vorher
erschienene 5,6 x 61 S. E. vom Hofe war Nach diesem einzigen Nachteil (welcher
trotz leichterer Geschosse nahezu fünfzig wie beschrieben aber alle Hochleistungs-
Metersekunden langsamer. patronen betrifft) hat die 6,5 x 68 viele
Auch die amerikanische Munitionsindu- Vorteile. Neben der hohen Mündungsge-
strie bzw. die bereits vor dem Krieg aktiven schwindigkeit, welche sich direkt in hohen
Wildcatter konnten nichts Ebenbürtiges Auftreffgeschwindigkeiten im Ziel (VZ)
bieten: Die .220 Swift von 1935 war zwar niederschlägt, ist vor allem die sehr
schneller, hatte aber ein nur 3,1 g gestreckte Flugbahn zu erwähnen. Auf
schweres Geschoß und kam deshalb für 150 m mit einem 4 cm-Hochschu ß justiert,
schwereres Schalenwild nicht in Frage. fällt die 6,0 g Laborierung auf 300 m
Erst nach und nach - beginnend mit Roy lediglich etwa 10 cm. Gerade bei den sehr
Weatherby's Magnumpatronen - gelang weiten Schüssen im Gebirge kann der
es der Konkurrenz, die Leistung der 6,5 x Vorteil ausgespielt werden: Rechnet man
68 zu erreichen. Noch heute ist sie die noch die außenballistischen Gegeben-
schnellste kommerzielle Patrone der heiten durch die zusätzliche Höhe über
Kaliber 6 mm/.243, 6,5 mm/ .257, 6,5 mm / dem Meeresspiegel, so ergibt sich bis zu
.264 und 7 mm/ .270, wenn das Ge- Entfernungen von weit über 300 m
schoßgewicht 6,0 g zugrundegelegt wird. keinerlei Notwendigkeit, das Ziel "höher
anfassen zu müssen". Selbstauf die schon
Leistung hat aber seinen Preis. So ist an sehr große und nur bei besten äußeren
dieser Stelle auch ein bekannter Nachteil Konditionen noch waidmännische
der volumengroßen, sehr viel Treibla- Entfernung von über 300 m kann mit
dungspulver verbrennenden Hochlei- gleichem Haltepunkt geschossen werden,
stungspatronen angeführt. Die 6,5 x 68 sofern es sich um Ziele mit einer größeren
macht keine Ausnahme von der Regel, tödlichen Trefferzone als etwa 10 -15 cm
daß Waffen bzw. die Läufe solcher Waffen handelt. Die dazu erforderliche Präzision
mit Hochleistungspatronen eine geringere wird von der Patrone und den dafür
Lebensdauer haben als Waffen für klei- gebauten guten Waffen mitgebracht.
nere Hülsen. Das hängt ganz einfach Die 6,5 x 68 hat sich aber nicht nur beim
damit zusammen, daß der Schuß Wärme Bergjäger auf die Gams bewährt, sondern
verursacht, die zusammen mit den ver- auch in anderen Revieren auf Reh - vor
schiedensten Faktoren zu einer Erosion allem weit draußen stehende und sonst
des Patronenlagers bzw. des Laufes führt. schwer zu bejagende Feldrehe - und auf
Dabei ist es einleuchtend, daß die Erosion alles bei uns vorkommende Hochwild.

200
Wer solches überwiegend bejagt und ein RWS-Laborierungen
etwas schwereres Geschoß verwenden
möchte, kann das Anfang der siebziger Die ursprüngliche, bereits vor dem Krieg
Jahre entwickelte, bewährte 8,2 g KS angebotene 6,0 g Ladung mit dem Teil-
verschießen. Im Ausland und beim mantel-Spitzgescho ß wurde im Laufe der
Jagdreisenden steht die 6,5 x 68 ebenfalls Jahrzehnte immer wieder verbessert und
hoch im Kurs, vor allem, wenn es auf den neuesten ballistischen Erkenntnissen
Wildschafe, Wildziegen oder anderes angepaßt. Heute stellt diese Laborierung
scheues Berg- und Steppenwild dieser vor allem in der Relation zwischen Auf-
Gewichtsklasse geht. Die meist wand, Leistung und Nebenwirkung ein
erforderlichen Weitschüsse können mit Optimum für die großvolumige Patrone
der 6,5 x 68 gemeistert werden. Der dar. Das 6,0 g TMS ist äußerst präzise,
Wichtigkeit der 6,5 x 68 trägt auch das zielballistisch für die ihm zugedachten
Waffenangebot Rechnung: Alle renom- Wildarten und Schu ßentfernungen gelun-
mierten Hersteller von Repetierbüchsen gen und läßt sich auch aus leichten Waffen
haben die starke 6,5 im Programm. ohne lästigen Rückstoß und ohne stören-
des Mündungsfeuer verschießen. Freun-
de dieser Ladung sind von der verblüffen-
den Wirkung auch auf weite Entfernungen,
Geschichte sei es Garns im Berg, Reh auf der Ebene
oder Hirsch im schottischen Hochland,
In den Jahren 1938 und 1939 bei RWS in begeistert. Wer die Grenzen der Patrone
Nürnberg entwickelt, kam die 6,5 x 68 im kennt, wird immer mit ihr zufrieden sein.
Frühjahr 1940 auf den Markt. Manche Dies gilt natürlich für jede Patrone, aber in
patronenhistorische Quellen benennen großem Maß für die 6,5 x 68, deren ge-
die Fa. August Schüler oder die Fa. streckte Flugbahn und die hohe Augen-
Krieghoff als Entwickler, andere die Firmen blickswirkung des 6,0 g TMS doch leicht
vom Hofe oder gar Mannlicher. Diese zur Selbstüberschätzung führen können:
Angaben sind falsch. Vielmehr war die Für den schweren ungarischen Tiefland-
6,5 x 68 eine Parallelentwicklung der 8 x hirsch, zumal in der Brunft, gibt es natürlich
68 S und erschien ein Jahr später als geeignetere Patronen mit mehr Leistungs-
diese. reserven bei den immer einzukalkulie-
renden schlechten Schüssen. In gewis-
Ursprünglich war die Patrone mit einem sem Sinn ist die Laborierung mit dem
6,0 g TMS und einem 8,0 g Hohlspitzge- 8,2 g Kegelspitzgeschoß als reserven-
schoß verladen (Lab. Nr. RWS 136 und haltende Verbesserung der "Ur"-Labo-
137). Die Hohlspitzladung wurde nach rierung mit dem 6,0 g TMS gedacht: Ob-
dem Krieg nicht mehr aufgelegt und durch wohl 200 m/s langsamer an Mündungs-
eine 8,5 g H-Mantellaborierung (Plastik- geschwindigkeit, hat das schwerere Ge-
spitze) abgelöst. Diese Ladung wiederum schoß bereits bei 50 Metern Zielent-
fiel schließlich den gesicherten zielballi- fernung leistungsmäßig, d. h. nach Ener-
stischen Erkenntnissen zum Opfer, giewerten, das leichte Geschoß einge-
welche zum KS-Geschoß führten und holt. Da auch die Rasanz nicht allzuviel
wurde Anfang der siebziger Jahre durch Unterschiede aufweist (auf 300 m ca. 10
die heute noch gelieferte 8,2 g KS-Patrone cm Tiefschuß gegenüber der 6,0 g TMS),
ersetzt. stellt die Ladung mit dem 8,2 g KS für

201
6,5 x 68
schwereres Wild eine echte Alternative zur Vorschlägen für R 902 und R 903, die
6,0 g TMS-Laborierung dar. Mitdem 8,2g KS noch geringfügig bis zur Erhaltung sau-
liegt die 6,5x 68 genau in der Leistungsklasse beren Pulverabbrands bzw. einer aus-
für mittlere Schalenwildpatronen, in der sich reichenden Liderung abgebrochen wer-
auch die 7x 64 (8,0 g Geschoß) oder die den können, stellt die Maximalladung eine
.270 Win. (8,4g Geschoß) befinden. Kopie der 6,5 x 57 und die Anfangsladung
Als Ergänzung wurde früher eine 6,0g VMS- eine Kopie der 6,5 x 57 R, jeweils mit den
Laborierung angeboten, welche ursprünglich 6,0-g-Geschossen dar. Wer noch weiter
dem Bergjägerden Schu ß auf den Kleinen und heruntergehen will, z. B. für eine Raub-
Großen Hahn ermöglichen sollte, ohne ihn die zeugladung mit den TMS/SG oder dem
gewohnte Waffe verm issen zu lassen. Danach balgschonenden VMS, kann das Rottweil
war die Hauptaufgabe dieses Vollmante- R 901 verwenden. Wegen des sehr langen
Igeschosses die balgschonende Erlegung Dralls (zumeist 280 mm) der 6,5 x 68 wird
der "Pelzträger", vor allem des aus manchen Waffen die langsamste
Winterfuchses. Dem kam natürlich die Ladung mit R 901 und den 6,0-g-Ge-
überaus gestreckte Flugbahn des 6,5 mm schossen nicht immer zufriedenstellend
Projektils entgegen: Auf 100 Meter mit "zwei- schießen, was aber sehr von der einzelnen
Fingerbreit"-Hochschu ß einjustiert, fällt das Waffe abhängt und deswegen jeweils
6,0 g Geschoß auf 300 Meter nur etwa eine überprüft werden muß. Das Potential der
Handbreit! Aus einleuchtenden 6,5 x 68 ist mit der Kopie der 6,0 g
geschoßformbedingten Gründen, sowie Werksladung ausgeschöpft; die 8,2 g KS-
wegen unterschiedlicher Geschoßboden- Laborierung wird geringfügig verbessert
formen (beim TMS "geschlossen", beim und das nicht in einer Werksladung liefer-
VMS "offen"), stellten sich manchmal un- bare 7,0g KS bringt ebenfalls wieder-
terschiedliche Treffpunktlagen der beiden geladen erstaunliche Leistungen. Unter
6,0 g Geschosse ein. Berücksichtigung des weiter vorne über
die Erosion Gesagten wird man als Wie-
derladerjedoch die Chance leicht reduzier-
Die Patrone aus der Sicht des ter Gebrauchsladungen nützen. Hierfür
Wiederladers bietet sich u. a. das 6,0 g schwere Schei-
bengeschoß - SG - an, welches nicht nur
Man sagt den Hochleistungspatronen für das Übungsschießen der Jägerschaft,
mangelnde Universalität und Flexibilität sondern auch zum Schuß auf Raubwild
nach, weil die große Hülse keine gut sowie für die Jungjägerausbildung ver-
schießenden und innenballistisch "sau- wendet werden kann.
beren" Reduktionen zulasse. In gewissem In der Tabelle sind für das 6,0 g SG
Sinne stimmt dies, aber nur für Reduk- Ladevorschläge mit allen Rottweil-Büch-
tionen der langsamsten Pulver R 904/R senpulvern zu finden, damit dem an guten
905. Bei ihnen sollte die Anfangsladung Scheibenladungen interessierten Wieder-
nicht unterschritten werden; bei R 907 gilt lader alle technischen Möglichkeiten
dies für die Anfangsladung der 6,0-g- freigestellt bleiben. Dem aufmerksamen
Geschosse. Wie mit Hilfe der schnelleren Leser entgeht sicher nicht, daß die
Pulver gute Reduktionen in den Leistungs- erzielbaren Geschwindigkeiten mit dem
bereich einer 6,5 x 57, 6,5 x 57 R oder 6,0 g Scheibengeschoß weit unter denen
noch darunter hergestellt werden können, liegen, die mit dem 6,0 g TMS und 6,0 g
zeigt ein Blick in die Ladetabelle. Bei den

202
VMS erreichtwerden können. Dies hängt mit wurden mit R 905 und R 907 gemessen und
dem einfachen Geschoßaufbauzusammen: mit R 904, welches sich hinsichtlich der
Das SG kann zwar preisgünstig hergestellt Standardabweichung bei V, und Gasdruck
werden und ist deswegen billig, doch hatdies am ausgewogensten gab, wird mit der
im Zusammenhang mit"Hochleistung"doch angegebenen "max."-Ladung die Bestladung
seinen Preis. Hohe, möglicherweiseerzielbare erreicht. Bei den Vorschlägen für die bereits
Geschwindigkeiten von über etwa 1100 schnellen Pulver R 901, R 902 und R 903
Metersekunden wären zwar im Bereich des wurde bewußt auf die Ausreizung des gas-
technisch Machbaren, doch ergäbesich dann, druckmäßig möglichen verzichtet, weil diese
wie bei den Probeschüssen beobachtet, die Pulver unter bestimmten Konditionen in der
Möglichkeiteiner unerwünschten, vorzeitigen großen Hülse Drucksprüngezeigen können.
Geschoßzerlegung bereits im Lauf oder Insofern sinddieausgedruckten "max."-Anga-
während des Fluges. Dasselbe gilt übrigens ben auch als solche zu sehen. Als Übungs-
auch für nicht in der Tabelle aufgeführte geschoß bzw. als Jagdgescho ß für einfache
leichte Geschosse anderer Hersteller, welche ballistische Verhältnisse gedacht war das
deshalb nicht über die angeführten 9,0 g ST (Standardteilmantel), welches mit
Mündungsgeschwindigkeiten hinausgeladen den drei progressiven Rottweil-Pulvern auf
werden sollten (ganz abgesehen davon istes eine der 8,2 g KS-Ladung angenäherte
nichtstatthaft, irgendeine Komponente einer Leistung gebracht werden konnte. Das ST-
Ladeempfehlung zu substituieren). Bei den Geschoß diente vor allem der finanziellen
meisten Billig-Geschossen istes nicht nurdie Einsparung, weil es als Übungsprojektil zum
einfache Konstruktion, welche die vorzeitige 8,2 g KS-Gescho ß Verwendung fand (nicht
Zerlegung bei sehr hohen Geschwindigkeiten mehrlieferbar).
verursacht, sondern die Tatsache, daß ein Das seit 1988 erhältliche 7,0-g-KS-Geschoß
dünner Tombakmantel nicht so stabil istwie ergänztdas RWS-Geschoßangebot insofern,
ein Flu ßeisenmantel. Letzteres wird dadurch als es die hervorragende Möglichkeit bietet,
bewiesen, daß manche leichten 6,5 mm die hohe Mündungs-geschwindigkeit mit einer
Tombakmantel-Geschosse anderer größeren Masse (als sie die 6,0-g-Geschosse
Hersteller, auf die sehr hohen aufweisen) zu verbinden. Die Ladungen mit
Mündungsgeschwindigkeiten der 6,5x68 dem 7,0g schweren KS sind eine äußerst
gebracht, kurz nach der Mündung "ver- praktische Lösung für die Anforderungen an
dampfen", was mit freiem Auge bisweilen eine universell einzusetzende6,5 mm Patrone.
recht gut zu beobachten ist. Das Interes- Rottweil R 904 zeigt sich fürdas 7,0-g-KS als
sante dabei ist, daß nicht alle Geschosse Bestpulver.
eines Loses sich vorzeitig zerlegen. Vielleicht
ist es nur eines von einhundert. Da aber
gerade dieses bestimmte Projektil eine sehr
wichtige Aufgabe zu erfüllen haben könnte, z.
B. wenn es gerade dem "Lebensbock" gilt,
sollte man alle Unsicherheiten von vorne
herein ausschließen und ausschließlich die
umstehenden Ladeempfehlungen hinsichtlich
Pulverladung und Geschoßauswahl
verwenden.
Doch zurückzu den Ladungen mit dem 6,0 g
SG-Scheibengeschoß. Maximal 1050 m/s

203
6,5 x 68

TMS 6,0 g RWS SG 6,0 g RWS SG 6,0 g RWS


Patronenlänge 82,8 mm Patronenlänge 82,3 mm Patronenlänge 82,3 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 901 R 907
max. 4,08 63.0 1070 max. 2,98 46.0 900 max. 4,02 62.0 1050
min. 3,86 59.5 1000 min. 2,79 43.0 860 min. 3,86 59.5 1010
R 904 R 902 R 904
max. 4,57 70.5 1120 max. 3,43 53.0 1000 max. 4,41 68.0 1040
min. 4,34 67.0 1010 min. 3,24 50.0 950 min. 4,21 65.0 950
R 905 R 903 R 905
max. 4,86 75.0 1150 max. 3,56 55.0 960 max. 4,67 72.0 1040
min. 4,60 71.0 1000 min. 3,43 53.0 880 min. 4,47 69.0 955

VMS 6,0 g RWS KS 7,0 g RWS KS 8,2 g RWS


Patronenlänge 82,2 mm Patronenlänge 82,4 mm Patronenlänge 83,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907 R 907
max. 4,02 62.0 1050 max. 3,86 59.5 1035 max. 3,60155.5 1 900
min. 3,82 59.0 1000 min. 3,66 56.5 990 min. 3,43 53.0 1 860
R 904 R 904 R 904
max. 4,54 70.0 1 1100 max. 4,34 67.011070 max. 4,15 64.0 940
min. 4,34 67.0 I 1005 min. 4,24 65.511030 min. 3,95 61.0 890
R 905 R 905 R 905
max. 4,80 74.0 1130 max. 4,50 69.5 1065 max. 4,41 68.0 980
min. 4,60 71.0 1000 min. 4,37 67.5 1020 min. 4,15 64.0 900

204
13,00 6,70

67,50

Kaliber: 6,5 mm (.264" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5333

DK 9,1 g RWS ST 9,0 g RWS HMoH 10,0 g RWS


Patronenlänge 84,0 mm Patronenlänge 83,1 mm Patronenlänge 85,6 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V„ m/s Pulver g gr V, m/s
R 907 R 907 R 907
max. 3,53 54.5 900 max. 3,69 57.0 1915 max. 3,37 52.0 815
min. 3,37 52.0 870 min. 3,50 54.01 850 min. 3,31 51.0 800
R 904 R 904 R 904
max. 3,99 61,5 935 max. 4,08 63.0 920 max. 3,82 59.0 845
min. 3,86 59.5 880 min. 3,95 61.0 880 min. 3,63 56.0 800
R 905 R 905 R 905
max. 4,11 63.5 935 max. 4,28 66.0 925 max. 4,08 63.0 855
min. 3,99 61.5 900 min. 4,15 64.0 880 min. 3,89 60.0 800

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

205
6,5 x 68 R
Die Erfolge der randlosen RWS-Entwick- genügt also selbst auf kleine Ziele. Nicht
lung 6,5 x 68 gaben den Ausschlag, auch viel mehr fällt das seit 1992 aus der
eine Randversion der starken Weitschs- Fertigung genom-mene 8,2 g KS: Bis
spatrone anzubieten. Nach den gleichen etwa 250 m kann mit ihm "Fleck"
Einsatzbedingungen beurteilt, kam die geschossen werden. Die auf diese Ent-
Randpatrone gut an, wenngleich sie den fernung noch verbleibende Auftreffwucht
Bekanntheitsgrad der randlosen Version nicht von etwa 2200 Joule garantiert zusammen
ganz erreicht. Das ist aber schon deshalb mit der bewährten Konstruktion des 8,2 g
erklärlich, weil die ältere 6,5 x 68 in KS auch auf stärkeres Schalenwild Erfolg.
preisgünstigen Repetierbüchsen angeboten
wird, während Kipplaufwaffen (Bockbüchsf- Die Patrone aus der Sicht des
linten oder meist Kipplaufbüchsen) in diesem Wiederladers
Kaliber doch eine gewisse
Liebhaberangelegenheit sind. Werdie 6,5x Abgesehen von der Notwendigkeit eines nicht
68 R je führte, z. B. in einer handlichen ganzgängigen Hülsenhaltersverursachtdie
Kipplaufbüchse, wird sie nicht mehr missen Randpatrone nicht mehr Aufwand als jede
wollen: Nurwenig schwächergeladen alsdie andere. Auf Grund der anderen
für höhere Gasdrücke zugelassene 6,5 x 68, Hülsengeometrieundwegendesgeringeren
bietet sie praktisch die gleichen Vorteile wie Gasdrucks der R-Version ist das R 904
diese. Vor allem der Bergjäger und der auf besonders gut geeignet für die Kopie der
weite Schüsse angewiesene Rehwildjäger, Werksladungen. Zudem kann bei Bedarf eine
sei es als Revierbetreuer oderals Gast, ist mit 6,0 g TMS- oder VMS-Patrone hergestellt
der 6,5 x 68 R gut beraten. Jagdreisende werden, die entweder mit R 907 oder R 904
schätzen den Vorteil der gestreckten auf die Vo der nicht mehr lieferbaren 6,0 g-
Flugbahn der Patrone genauso wie die Ladung gebrachtoderals reduzierte Ladung
Möglichkeit, die Kipplaufwaffe platzsparend (mit R 901) für kleines Nutzwild verwendet
zerlegen und so bequem transportieren zu werden kann. Die Vorschlägefür6,5 x 68, 6,0
können. g SG und die Pulver R 901,R 902 und R 903
(nur für diese!) gelten auch für die
Geschichte Randpatrone.
Während die 6,5 x 68 bereits vordem Krieg in Mit der Verwendung der anderen Geschos-
den Jahren 1938/39 entwickelt und 1940 se des RWS-Sortiments kann die 6,5x68 R
vorgestelltworden war, kam die Randversion vielseitiger gemacht werden, wenngleich der
erst Ende dersechzigerJahre, zunächst nur lange Drall vieler 6,5x68R Läufe nicht alle
mitderbewährten 6,0-g-TMS-Laborierung. Die angegebenen Ladungen mitschwereren als
8,2-g-KS-LadungtratAnfangdersiebzigerJahre etwa acht Gramm Geschossen gleichmäßig
dazu und Mitte der achtzigerJahre die 7,0 g- präziseverdaut. Da die Gasdruckbeg renzu ng
KS-Laborierung. der Randver-sion im Zusammenhang mitdem
geringen Pulververbrauch fürdieschwereren
RWS-Laborierungen Geschosse eine Ladedichte von weit unter
100% nach sich zieht, erweist sich das große
Mit etwa 1010 Metersekunden verläßt das Hülsenvolumen der 6,5x68 R als echter
7,0 g Kegelspitzgeschoß der bis 1997 Nachteil gegenüberden Mittel-patronen, vor
gebauten Werksladung die Laufmündung,was allem gegenüber der sehr viel
einer Mündungsenergie von fast 3600 Joule ausgewogeneren 6,5x65 R RWS.
entspricht. Bei einer GEE von 205 m beträgt
derzu erwartende Tiefschu ß auf 300 m nur
knappe 20 cm; "Haltepunkt Rückenlinie"

206
15 00 illaBliffaffini taiamizammzigki»-----1 Ä 6.70
-r

67.50

Kaliber: 6,5
6,5 mm (.264" Dia.)
Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5333

TMS 6,0 g RWS SG 6,0 g RWS VMS 6,0 g RWS


Patronenlänge 82,3 mm Patronenlänge 82,3 mm Patronenlänge 81,7 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 907 R 901 R 901
max. 3,89 60.0 1040 max. 2,98 46.0 900 max. 2,85 44.0 865
min. 3,69 57.0 980 min. 2,79 43.0 830 min. 2,79 43.0 850
R 904 R 902 R 907
max. 4,37 67.5 1080 max. 3,43 53.0 990 max. 3,89 60.0 1040
min. 4,15 64.0 980 min. 3,24 50.0 930 min. 3,69 57.0 980
R 905 R 903 R 904
max. 4,54 70.0 1070 max. 3,56 55.0 950 max. 4,34 67.0 1075
min. 4,41 68.0 1020 min. 3,43 53.0 870 min. 4,15 64.0 980

KS 7,0 g RWS KS 8,2 g RWS ST 9,0 g RWS


Patronenlänge 82,4 mm Patronenlänge 83,0 mm Patronenlänge 83,1 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 907 R 907 R 907
max. 3,76 58.0 975 max. 3,50 54.0 915 max. 3,37 52.0 830
min. 3,50 54.0 920 min. 3,31 51.0 860 min. 3,24 50.0 780
R 904 R 904 R 904
max. 4,21 65.0 1000 max. 3,92 60.5 920 max. 3,76 58.0 840
min. 4,08 63.0 950 min. 3,76 58.0 880 min. 3,63 56.0 750
R 905 R 905 R 905
max. 4,41 68.0 1000 max. 4,08 63.0 915 max. 3,95 61.0 845
min. 4,31 66.5 960 min. 3,89 60.0 860 min. 3,82 59.0 750

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

207
.270 Win.
Nach nahezu sechs Jahrzehnten der Be- Verfügung, darunter die heute noch gefertigte
währung im Ursprungsland USA und in fast mit dem 8,4-g-HMK-Geschoß.
allen Jagdgebieten der Erde kann der .270
Win. die Daseinsberechtigung sicher kaum
noch abgesprochen werden. Daßder .30 - 06-
Abkömmling jedoch bei uns in Mitteleuropa
nichtsoankommt, hatseineGründezweifellos RWS-Laborierungen
in der Existenz der 7x 64, einer Patrone,
die den Leistungsbereich der .270 Win. zum
Großteil abdeckt und darüber hinaus Neben der 8,4 g HMK-Patrone gibt es eine
hinsichtlich der Verwendungsmöglichkeit TMS-Ladung im gleichen Geschoßgewicht.
schwererer Geschosse noch mehr bietet. Seit Ende der siebziger Jahre wird eine
Das ist beileibe keine Abqualifizierung: Einer 9,7 g KS-Laborierung angeboten.
guten Patrone, wie es die .270 Win. darstellt,
kann auch bei starker, bereits lange eta-
blierter Konkurrenz ein Platz eingeräumt
werden. Diese Meinung vertritt nicht nur die
heimische Waffenindustrie, die ausnahmslos
.270-Win.-Waffen im Programm hat, son- Die Patrone aus der Sicht des
dern auch die nicht sehr große, aber be- Wiederladers
geisterte Schar der .270-Anhänger. Die
Patrone wird gerne auf mittleres Hochwild
geführt. Dem Verwendungszweck der .270 entspre-
chend ist das Geschoßangebot gegliedert:
8,4g TMS für Rehwild und leichtes Hochwild,
8,4g HMK für alle bei uns vorkommenden
Hochwildarten und das kompakte 9,7g KS für
Geschichte mittleres bis schweres Wild, wobei sich
natürlich die genannten Abgrenzungen
fließend darstellen. Das 8,4 g SG ist eine
Die .270 Win. kam 1925 auf den Markt, nützliche Ergänzung des an sich kompletten
zusammen mitder Repetierbüchse Mod. 54. Gescho ßangebots hinsichtlich der Möglich-
Der Erfolg der ersten Winchester- keit, präzise und preisgünstige Übungs-
Repetierbüchse ist hauptsächlich auf das patronen anfertigen zu können, ebenso das
sofortige Ankommen der Patrone zurückzu- 9,7g schwere TMRausdem GECO-Sortiment.
führen. Einer der bekanntesten Befürworter Hinsichtlich der Pulverwahl reagiert die
der .270 war Jack O'Connor, welcher als Patrone unkritisch, solange man sich in den
Jagd- und Waffenschriftsteller über 40 Jahre gegebenen Grenzen bewegt. Die jeweiligen
lang die aus intensiver Erfahrung Maximalladungensolltendagegen nichtohne
kennengelernten Vorzüge der .270 an seine Heranarbeiten übernommen werden.
Leser weitergab. Zu uns kam die .270 erst
nach dem Zweiten Weltkrieg und wurdeetwa
1960 in das Fertigungsprogramm der
Munitionshersteller genommen. 1964
standen bereits mehrere Laborierungen zur

208
12,01', ' 7.04
_Y_

411 64,52

Kaliber: .270 (.277" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5341

HMK 8,4 g RWS TMS 8,4 g RWS SG 8,4 g RWS


Patronenlänge 81,2 mm Patronenlänge 81,5 mm Patronenlänge 81,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 907 R 907 R 907


max. 3,24 50.0 900 max. 3,24 50.0 890 max. 3,14 48.5 875
min. 3,18 49.0 870 min. 3,18 49.0 850 min. 2,98 46.0 830
R 904 R 904 R 904
max. 3,69 57.0 935 max. 3,56 55.0 915 max. 3,40 52.5 880
min. 3,56 55.0 900 min. 3,37 52.0 860 min. 3,31 51.0 825
R 905 R 905 R 905
max. 3,92 60.5 935 max. 3,76 58.0 905 max. 3,69 57.0 880
min. 3,82 59.0 900 min. 3,56 55.0 845 min. 3,56 55.0 830

KS 9,7 g RWS
Patronenlänge 81,2 mm
Pulver g gr Vo m/s

R 907
max. 3,08 47.5 830
min. 2,98 46.0 810
R 904
max. 3,37 52.0 880
min. 3,24 50.0 845
R 905
max. 3,47 53.5 860
min. 3,37 52.0 835

209
.270 Weatherby Magnum
Befürworter des Kalibers .270 haben nicht Die Patrone aus der Sicht des
viel Auswahl, denn ihnen stehen nur die Wiederladers
.270 Win. von 1925 und die hier zu
besprechende .270 Weatherby Magnum Matrizensatz- und Hülsenbeschaffung ist
zur Verfügung. Von diesen beiden nach geringer Wartezeit kein Problem;
Patronen ist die .270 Win. die weitaus bei den Komponenten bietet das RWS-
bekanntere, was nicht nur mit dem Rottweil-Sortiment alles Notwendige: Als
Einsatzbereich zu tun hat, sondern vor Zündhütchen kommt RWS 5333 in Frage
allem vom Waffenangebot abhängt: - ausgenommen sehr leichte reduzierte
Abgesehen von Sonderanfertigungen Ladungen mit mittleren Pulvern, auf die
wurde und wird die .270 Weatherby hier nicht einzugehen lohnt. Bei den
Magnum ausschließlich in den Pulversorten ist es das langsamste der
Repetierbüchsen Weatherby Mk V Rottweil-Linie, nämlich R 905, welches
angeboten. Diese Büchsen, früher bei die beste Leistung bringt, gefolgt vom
Sauer & Sohn in Eckernförde und in Japan universellen Rottweil R 904. Geschoß-
gebaut, kommen jetzt aus USA und sind bezogen bietet das RWS-Sortiment nicht
natürlich auch in den anderen Weatherby- nur das 8,4 g schwere H-Mantelgeschoß
Kalibern zu haben. In der Reihenfolge mit der Kupferhohlspitze, sondern auch
der Bekanntheit liegt die .300 Weatherby das für schwereres Wild gedachte 9,7 g
Magnum weitvorne, während alle anderen Kegelspitzgeschoß. Mit den genannten
Weatherbykaliber in etwa gleichauf Projektilen kann eine Leistung erzielt
dahinter folgen. werden, welche über der Leistung der
.270 Win. liegt, was den Wirkungsbereich
einer Waffe dieses Kalibers signifikant
Geschichte vergrößern kann.

Roy Weatherby brachte die Patrone als


solche etwa 1943, zumindest auf dem
Reißbrett bzw. mit handgeformten Hülsen.
Kommerzielle Munition folgte erst einige
Jahre später. Die .270 Weatherby Mag-
num war übrigens die erste Weatherby-
Patrone und wurde, wie viele der folgen-
den Weatherby's, von einer ausge-
blasenen .300 Holland & Holland
abgeleitet - wie z. B. auch die .257
Weatherby Magnum, die 7 mm Weatherby
Magnum, die .300 Weatherby Magnum
und die .340 Weatherby Magnum, was
am gemeinsamen R1-Durchmesser
ersichtlich ist.

210
"BeIN ÄqJagleaAA OLz.
13,50 7,04

64,75

Kaliber: .270 (.277" Dia.)


Hülse: Weatherby
Zündh.: RWS 5333

HMK 8,4 g RWS KS 9,7 g RWS


Patronenlänge 81,4 mm Patronenlänge 81,5 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 904 R 904
max. 4,54 70.0 1030 max. 4,15 64.0 910
min. 4,34 67.0 980 min. 3,95 61.0 860
R 905 R 905
max. 4,73 73.0 1035 max. 4,34 67.0 925
min. 4,54 70.0 980 min. 4,08 63.0 870

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48(49 und 55156 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

211
7 mm - 08 Rem.
Die aus der .308 Win. entstandene 7-mm- geläufigen Versionen wie .263 Expreß
Patrone wurde im Ursprungsland für (6,5 x 51) oder .270/.308 auch eine 7 mm/
Spezialzwecke entwickelt und vom Her- .308, welche erst 1980 von Remington
steller mit annoncierten Vorteilen ange- kommerzialisiert und als 7 mm-08 Rem.
boten, welche für mitteleuropäische Ver- angeboten wurde. Der Hintergrund für
hältnisse weitgehend theoretisch sind. die kurze 7-mm-Patrone ist im "Metallic-
Zudem stellt sich der neuen Patrone eine Silhouette"-Schießen zu sehen, einer
etablierte Konkurrenz in Form der 7x57(R) Schießsportart, bei der nur präzise, aus-
entgegen, aber auch die .308 Win. und reichend energiestarke Patronen erfolg-
selbst die 6,5 x 57 decken zumindest reich sein können. Die 7 mm-08 besitzt
teilweise und laborierungsabhängig den darüber hinaus noch einen erträglichen
für uns in Frage kommenden Einsatz- Rückstoß, was ebenso wie die Tatsache
bereich der 7 mm-08 "leichtes bis mittleres der jagdlichen Brauchbarkeit auf schwa-
Schalenwild" ab. Trotzdem soll die Patrone ches und mittleres Schalenwild von MS-
hier beschrieben und behandelt werden: Schützen bevorzugt wird.
Es steht schließlich jedem Schützen frei,
welche Patrone er wählen will. Vor allem
der Wiederlader kann sich auf Grund Die Patrone aus der Sicht des
seiner Kenntnisse und Möglichkeiten Wiederladers
dieser Freiheit ausgiebig bedienen.
Wer RWS-Spezialgeschosse zur Jagd
verwenden will, kann sich der nachfol-
Geschichte genden, auf Gasdruck und Leistung der
Fabrikpatrone aufgebauten Vorschläge
Der Wunsch nach einer kurzen 7-mm- bedienen. Leider hat die 7 mm-08 den
Patrone zur Verwendung in Repetier- Nachteil des sehr kurzen Übergangs, so
büchsen mit kürzerem und deswegen daß auf die Einhaltung der angegebenen
etwas führigerem System beschäftigte Patronenlänge Wert gelegt werden muß.
die Wildcatter schon vor dem Zweiten Insgesamt gesehen ist die 7 mm-08 mit
Weltkrieg. Kurz nach diesem interes- der 7 x 57 R vergleichbar; das 8,0 g KS hat
sierten sich die englischen Militärs für sich als besonders geeignet erwiesen,
eine kurze 7-mm-Patrone, die im schließ- was den Schuß auf leichtes Schalenwild
lich doch nicht in Serie gehenden Sturm- angeht. Für reduzierte Ladungen bietet
gewehr EM 2 verschossen werden sollte sich das 5,1 g TMR von Sako an, welches
und in Form der .280/.303 British heute mit 2,85 g / 44.0 gr Rottweil R 901 mit
zu den begehrten Sammlerpatronen zählt. 1025 m/s gemessen wurde. Von dieser
Nach dem Erscheinen der .308 Win. bzw. Ladung ausgehend, kann sich der Schütze
ihrer etwas jüngeren Zwillingspatrone "seine" Reduktion erarbeiten.
7,62 mm NATO bot sich dann eine
Grundhülse an, die den Vorteil der
Häufigkeit mit der Möglichkeit verband,
auf alle möglichen und "unmöglichen"
Kaliber eingewürgt und aufgeweitet
werden zu können. Neben den be-
kannteren Resultaten wie .243 Win. oder
.358 Win. entstand außer nicht so

212
-1
---- e ••••1
----Å
12,01 7,21
.Y_
-0" _V__ 3
51,69 ► 3

Kaliber: 7 mm (.284"Dia.)
Hülse: Remington
Zündh.: RWS 5341

KS 8,0 g RWS SG 9,0 g RWS KS 10,5 g RWS


Patronenlänge 64,5 mm Patronenlänge 67,8 mm Patronenlänge 65,0 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 903 R 903 R 903
max. 2,88 44.5 860 max. 2,88 44.5 825 max. 2,53 39.0 710
min. 2,79 43.0 830 min. 2,79 43.0 790 min. 2,46 38.0 685
R 907 R 907 R 907
max. 2,95 45.5 875 max. 2,98 46.0 845 max. 2,59 40.0 725
min. 2,85 44.0 850 min. 2,92 45.0 810 min. 2,50 38.5 700
R 904 R 904 R 904
max. 3,24 50.0 820 max. 3,24 50.0 835 max. 2,79 43.0 720
min. 3,14 48.5 785 min. 3,14 48.5 800 min. 2,69 41.5 695

/issmoinummom

TIG 10,5 g RWS HMK 11,2 g RWS TIG 11,5 g RWS


Patronenlänge 66,0 mm Patronenlänge 69,8 mm Patronenlänge 65,0 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr Vo m/s
R 903 R 907 R 907
max. 2,56 39.5 720 max. 2,56 39.5 690 max. 2,56 39.5 1 685
min. 2,46 38.0 700 min. 2,46 38.0 660 min. 2,46 38.0 I 650
R 904 R 904 R 904
max. 2,82 43.5 720 max. 2,72 42.0 680 max. 2,79 43.0 685
min. 2,66 41.0 690 min. 2,66 41.0 655 min. 2,69 41.5 645
R 905 R 905 R 905
max. 3,08 47.5 715 max. 3,01 46.5 700 max. 3,01 46.5 690
min. 2,98 46.0 680 min. 2,92 45.0 665 min. 2,92 45.0 660

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

213
7 x 57
Obwohl in den letzten Jahrzehnten ein Geschichte
wenig in den Hintergrund gerückt und
nicht mehr ganz so beliebt wie zwischen
den Weltkriegen, kann die ausgewogene
Mittelpatrone 7 x 57 gegen die anderen Aufbauend auf der Hülse M/88, also der
Standardpatrone recht gut bestehen: deutschen Militärpatrone 8 x 57, wurde die 7
Mit dem 8,0 g KS- für Rehwild und leichtes x 57 als Militärpatrone konzipiert und unter
Hochwild; den mittelschweren 10,5 g KS- verschiedenen Bezeichnungen an zahlreiche
und den 11,2 g HMK- bzw. 11,5 g TI- Länder geliefert, zusammen mit den
Geschossen auch für schwerstes euro- entsprechenden Waffen. Als Ursprungsjahr
päisches Hochwild, stellt sie eine Univer- wird meist 1893 angenommen, doch stand
salpatrone dar, die auf die üblichen kurzen die Patrone bereits ein Jahr früher zur
Waldjagdentfernungen in der Hand eines Verfügung, indem sie vorläufig in die M/92-
bedächtigen Schützen völlig ausreicht. Waffen (Belgisch-Mauser) eingebautwurde.
Die 7 x 57 Mauser hat außerdem den Die "Spanisch-Mauser"folgte 1893 und dies
Vorteil, daß sie auch in führigen, nicht zu dürfte der Anlaß sein, daß manchma11893
schweren Repetierbüchsen angeboten als Geburtsjahr der 7 x 57 zu lesen ist. Die
wird und der Rückstoß und das Mündungs- Original-Militärlaborierung hatte ein 11,2g
springen im Vergleich zu den größeren VMR-Geschoß, welches aber in einigen
Kalibern bzw. zu den schnelleren 7 mm Ländern durch leichtere Projektile ersetzt
Kalibern wesentlich angenehmer ist. wurde (z. B. 9,0 g Geschossein Brasilien und
Letzteres scheint nicht nur für Jägerinnen Kolumbien oder 10,5 g Geschosse in Mexico
ein Grund zu sein, sich für eine Waffe und Uruguay).
dieses Kalibers zu entscheiden. Im Aus- Indirekt wardie 7 x 57 der Initialpunkt für die
land ist die 7 x 57 genauso bekannt wie Annahme des Mausersystems in Form des
bei uns, was sicher mit der weiten Ver- Springfield-Systems von 1903, hatten doch
breitung der Patrone als Militärkaliber zu- die Amerikaner im spanisch-amerikanischen
sammenhängt. Besonders die latein- Krieg recht ungute Erfahrungen mit den
amerikanischen Staaten führten um die Spaniern und dem Mausergewehr M/93
Jahrhundertwende oder später die Mau- samt zugehöriger 7 x 57 machen müssen.
serpatrone. Bei der sprichwörtlichen Als Jagdpatrone wurde die 7 x 57 wahr-
Langlebigkeit des Mausersystems, zu- scheinlich schon im Jahr ihrer Vorstellung
sammen mit der geringen Neigung der verwendet, genauso wie ihre Parallelent-
7 x 57, den Lauf über Gebühr zu bean- wicklung 6,5 x 57.
spruchen, sind auch heute noch sehr Diegroße Popularität im In- und Ausland wird
viele Waffen dieses Kalibers in Benutzung. durch das Vorhandensein zahlreicher
In Serienbüchsen wird die 7 x 57 ebenfalls Laborierungen bestätigt: Zwischen den
eingebaut, zumindest aufWunsch und gegen Weltkriegen waren mehr als drei Dutzend
geringen Mehrpreis. Insofern undbesonders erhältlich. Dagabesleichte Rehwildladungen
im Hinblick auf die vielen vorhandenen mit etwa sieben Gramm schweren Teilmantel-
Mauserbüchsen in diesem Kaliber wird die 7 Flachkopfgeschossen genauso wie
x 57 noch sehr lange mit uns sein. mittelschwere Universallaborierungen im
Gewicht um zehn Gramm oder schwere
Hochwildladungen bis etwa zwölf Gramm.
Vollmantellaborierungen wurden sogar für
die Erlegung schwerster Dickhäuter
verwendet und von manchen berufsmäßigen

214
Elefantenjägern den schweren englischen 5,1 und 9,0 g lohnt es sich, bei Bedarf die
Expreßpatronen vorgezogen. Es ist angegebene "min"-Ladung noch zu
nämlich mit einer 7 x 57 leichter, den unterschreiten. Dies muß aber in kleinen
Schuß sehr präzise zu plazieren und dies Schritten erfolgen, wobei die richtige Liderung
ist z. B. beim Hirnschuß am Elefanten und vollständiger Pulverabbrand
wichtiger als alles andere. Natürlich ist die Voraussetzungen für eine gute Reduktion
7 x 57 deswegen noch lange keine bilden. Wer ein mittelleichtes Schonzeitge-
"Elefantenpatrone", aber für den Ruf der schoßverladenwill, kann dies in Form des 6,5
Patrone haben die "Professionals" aus g TMH von Hornady. Bei einer Patronenlänge
dem afrikanischen Busch sehr viel getan. von 70,6 mm wird die Maximalladung jeweils
Bereits vor dem zweiten Weltkrieg fand erreicht mit 2,72 9 /42.0 gr R 901 (960 m/
eine gewisse Raffung des Labo- s); 2,85 g / 44.0 gr R 902 (945 m/s) sowie
rierungsangebots statt, vor allem nach 3,18 g / 49.0 gr R 903 (980 m/s). Das
der Einführung der H-Mantelladung, wel- weiterobenfürdie Ermittlung von reduzierten
che andere Speziallaborierungen über- Ladungen gesagte gilt natürlich auch hier.
flüssig machte. Besagtes TMH-Geschoß ist lediglich dem
Schuß auf Kleinwild vorbehalten und sollte
keinesfalls auf Schalenwildverwendet wer-
den. Dies gilt mitder Einschränkung hinsicht-
RWS-und GECO-Laborierungen lich des gelegentlichen Schusses auf
schwaches Rehwild auch für das 5,1 g TMR.
Das 11,2 g TMR RWS istwegen seiner Form
Es gehören die 8,0 g KS-, die 10,5 g TIG- ziemlich tief einzusetzen und zeigt die
und die 11,2 g HMK-Laborierungen zum folgenden Leistungen, welche an die
RWS-Standardsortiment. Dazu kommt Schußtafelwerte aus der Vorkriegszeit
eine 10,7g TMR-Patrone aus dem GECO- anknüpfen. Bei einer Patronenlänge von 71
"Target"-Programm, die unter einfachen mm wird die Maximalleistung jeweils erreicht
Bedingungen auf Schalenwild verwendet mit 2,66 g/41.0 gr R 903 (705 m/s); 2,72
werden kann. g/42.0 gr R 907 (710 m/s); 2,88 g/44.5 gr
R 904 (715 m/s) und 3,18 g/49.0 gr R 905
(745 m/s).

Die Patrone aus der Sicht des


Wiederladers

Als Mittelpatrone ist die 7 x 57 völlig


problemlos, sowohl hinsichtlich der Lade-
technik, als auch bezüglich der Komponen-
tenversorgung. Neben den in der Tabelle
ausgedruckten Ladungen für Geschoßg-
ewichte zwischen 5,1 und 11,5 Gramm
gibt es noch die Möglichkeit, stark
reduzierte Kleinwildlaborierungen zusam-
menzustellen. Hierfür eignen sich beson-
ders die schnelleren Pulversorten. Bei
diesen und den Geschossen im Gewicht

215
7 X 57

TMR 5,1 g Sako KS 8,0 g RWS TMR 9,0 g RWS


Patronenlänge 67,7 mm Patronenlänge 72,0 mm Patronenlänge 72 ,0 mm
I' -P-ul-ve- r- -g- -g-r _ V_ _m
_/-,
s Pulver
0
g II
gr V m/s
0
I IPulver g gr V0 m/s I
R 901 R 902 R 902
max . 2,92 145 .0 11030 max. 2,79 43.0 I 870 max. 2,75 142.5 1 800
min. 2 66 41 .0 930 min . 2 59 140.0 815 min . 2 59 40 .0 750
R 902 R 903 R 903
max. 3,05 147.0 11020 max. 3.05 47.0 I 890 max. 2.85 44.0 I 800
min . 2,85 44 .0 910 min. 2 92 145.0 840 min . 2 72 1 42 .0 755
R 903 R 907 R 907
max. 3,37 152 .0 11050 max . 3,18 149.0 1 880 max. 3.05 ! 47.0 I 800
min . 3,24 50 .0 970 min. 3,05 47.0 830 min . 2,92 45 .0 760

SG 9,0 g RWS VMR 9,0 g RWS DK 10,0 g RWS


Patronenlänge 75 ,0 mm Patronenlänge 72 ,0 mm Patronenlänge 74,0 mm
I Pu lver g gr V m/s
0
IIPulver g gr V m/s
0
I 1.--P-u-lv-er_ g_ __gr-----=-V-m---,--,
0
/s I

R 902 R 902 R 907


max . 2,72 42.0 I 795 max. 2,75 142.5 j 800 max. 2,92 45.5 I 780
min . 2,59 1 40 .0 765 min . 2,59 40 .0 750 min. 2,79 1 43,0 740
R 903 R 903 R904
max . 2,85 44.0 I 800 max. 2.85 44.0 I 800 max. 3.18 49.0 I 790
min. 2,69 41 5
1 750 min . 2,72 42 .0
1 755 min. 3,05 1 47.0 720

R 907 R 907 R 905


max . 2,98 46 .0 I 820 max . 3.05 47.0 I 800 max. 3.30 51 .0 I 780
min . 2,85 144.0 785 min . 2,92 145 .0 760 min. 3,21 1 49.5 740

216
7.21

57.00

Kaliber: 7 mm (.284" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5341

\IIMe•

ST 10,0 g RWS KS 10,5 g RWS TIG 10,5 g RWS


Patronenlänge 77,0 mm Patronenlänge 76,0 mm Patronenlänge 75,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 903 R 903 R 903
max. 2,85 44.0 780 max. 2,66 41.0 765 max. 2,72 42.0 780
min. 2,69 41.5 750 min. 2,53 39.0 700 min. 2,59 40.0 740
R 904 R 907 R 907
max. 3,11 48.0 780 max. 2,92 45.0 790 max. 2,95 45.5 790
min. 2,98 46.0 705 min. 2,79 43.0 715 min. 2,85 44.0 740
R 905 R 904 R 904
max. 3,30 51.0 790 max. 3,18 49.0 790 max. 3,18 49.0 800
min. 3,21 49.5 735 min. 3,05 47.0 700 min. 3,05 47.0 730

TMR 10,7 g GECO HMK 11,2 g RWS TIG 11,5 g RWS


Patronenlänge 76,0 mm Patronenlänge 78,0 mm Patronenlänge 75,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 903 R 907 R 907
max. 2,82 43.5 760 max. 2,85 44.0 785 max. 2,85 44.0 765
min. 2,66 41.0 710 min. 2,72 42.0 700 min. 2,72 42.0 710
R 907 R 904 R 904
max. 2,92 45.0 770 max. 3,11 48.0 780 max. 3,08 47.5 760
min. 2,85 44.0 740 min. 2,98 46.0 700 min. 2,98 46.0 700
R 904 R 905 R 905
max. 3,11 48.0 780 max. 3,30 51.0 775 max. 3,34 51.5 765
min. 3,01 46.5 750 min. 3,18 49.0 705 min. 3,24 50.0 700

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

217
7x57R
Schon seit Jahrzehnten gehört die Rand- patronen mit ihrer konischen Hülse der
version der 7 x 57 Mauser von 1892/93 zu den Markt gehörte und die Kipplaufwaffenver-
beliebtesten Patronen für Kipplaufwaffen, schlüsse denkbar einfach gehalten waren.
wenn sie auch gegenüber der 7 x 65 R und Die ersten Laborierungen für die 7 x 57 R
zeitweise - jedoch nur bis zum Anwachsen wurden im Hinblick auf die schwere Militär-
der Schwarzwildbestände in den 1990ern - ladung gefertigt und mit einem 11,2 g
gegenüber der Rehwildpatrone 5,6 x 50 R TMR verladen. Zur Verbesserung der
etwas in den Hintergrund getreten ist bzw. flugbahnbezogenen Eigenschaften ging
war. man später zu mittelschweren Teilmantel-
InnerhalbderStandard-Randpatronen nimmt Spitzgeschossen über, was die jagdliche
sie die kaliberbegründete Mittelstellung ein: Wirkungsweite etwas hinaufsetzen konnte,
Während der Schwerpunkt der 6,5 x 57 R auf zumindest auf leichtes bis mittleres Wild. Für
der Bejagung von leichtem Schalenwild liegt leichtes Schalenwild gedacht waren die um
und die 8 x 57 IRS dem Leistungsbereich sieben Gramm schweren Teilmantel-
"mittleres bis schweres Schalenwild auf Flachkopfgeschosse mit Mündungsge-
Waldjagdentfernungen"zugewiesen werden schwindigkeiten um 850 m/s. Interes-
kann, ist die 7 x 57 R, obwohl leistungsmäßig santerweise gab es in den drei ßigerJahren
unter der 7 x 65 R liegend, derselben Ka- auch 7 x 57 R-Ladungen, die mit 3300 bar
tegorie "tauglich für alles europäische Gasdruck auf den Standard der 7 x 57
Schalenwild" zuzurechnen. Wird die aufgeladen waren. Diese 10,0 g TMR-
7x57R von einem sicheren, besonnenen Laborierungen brachten es bis auf 840
Schützen aus einer guten Waffe mit Metersekunden und zeigen das Leistungs-
erstklassigerOptikgeführt, so läßtsich obiges potentialderkleinen Hülse, wenn sie nicht auf
Prädikatguten Gewissens auf "... und das die heute festgelegten 3000 bar bzw. auf die
meiste ausländische Wild"erweitern. Insofern darunter liegenden Arbeitsgasdrücke
ist die 7 x 57 R mit ihrer randlosen Schwester begrenzt ist.
gleichzusetzen. Nüchterne Vergleiche
zwischen Randpatronen und ihren randlosen
Pendanten zeigen oftmals so geringe RWS-undGECO-Laborierungen
Leistungsunterschiede, daß weniger die zu
bejagende Wildart als Einsatzkriterium gilt, Um dem universellen Verwendungs-bereich
als vielmehr die Einsatzentfernung. Im Falle der 7 x 57 R Rechnung tragen zu können,
der 7x 57 R heißtdies, daß sie alles kann, was werden Geschosse vom Gewicht 8,0 g bis
die 7 x 57 auch kann, nur eben um wenige 11,5g angeboten. Das8,0g KSistvornehmlich
Meter in der Wirkungsweite eingeschränkt. für den Schu ß auf Rehwild gedacht, wie auch
das traditionelle 9,0 g TMR. Universell
einsetzbarsind 10,0g DK, 10,5g TIG und KS,
während 11,2 g HMK und 11,5 g TIG für
Geschichte HochwildVerwendungfinden. Ergänztwerden
die genannten Jagdladungen durch eine
In Anlehnung an die Randversion der 10,7 g TMR-Laborierung aus dem GECO-
8 x 57 von 1888 wurde auch die 7 x 57 von Sortiment. Nach den vielen Jahren des
1892/93 sehr bald mit einem Rand Gebrauchs dieser Ladungen hat sich ge-
versehen und in Kipplaufwaffen angebo- zeigt, daß Wirkung und Wildbretentwer-
ten. Dies war ein äußerst mutiger Schritt tung in einem sehr guten Verhältnis zuein-
zu einer Zeit, als noch den Expreß- ander stehen.

218
Die 7 x 57 R ist keineswegs "zu stark" auf oftmals im Mittel dieser Extreme. Wer
schwaches Wild, wie man manchmal am neben den 12 Geschossen des RWS-
Jägerstammtisch hören kann. und GECO-Angebots noch weitere
verladen will, dem sei für Schwach-
ladungen die Verwendung folgender
angeraten: Mit dem 6,5 g TMH von
Die Patrone aus der Sicht des Hornady (welches nicht für Schalenwild
Wiederladers gedacht ist), lassen sich Schwach-
ladungen durch Reduktion der
Die Auswahl der Geschosse aus dem RWS- nachstehenden Maximalladungen
Angebot erfolgt genau unter den gleichen (Patronenlänge 70,6 mm) herstellen und
Gesichtspunkten wie die Auswahl der den zwar 2,59 g/40.0 gr R 901 (900 m/s); 2,82
Verhältnissen angepassten Fabrikladungen. g/43.5 gr R 902 (915 m/s); 3,08 g/47.5 gr
Obwohl letztere unter Vorliegen glücklicher, d. R 903 (920 m/s), sowie 3,08 g/47.5 gr R
h. zufälliger Umstände, oft die gleiche 907 (900 m/s). Ebenfalls sind durch
Treffpunktlage wenigstens auf kurze und Reduzierung folgender Maximalladungen
mittlere Schu ßentfernung haben können, z. B. dem interessierten Wiederlader gut
8,0 g KS und 11,5 g TIG, wie aus etlichen schießende Schwachladungen an die
Waffen bekannt, ist es für den Wiederlader Hand gegeben: Sako 5,1 g TMR,
viel leichter, zwei oder mehr gewünschte Patronenlänge 67,7 mm, 2,69 g/41.5 gr
Laborierungen verschiedener Geschoß- R 901 (975 m/s); 2,98 g/46.0 gr R 902
gewichte zu einer übereinstimmenden (990 m/s); 3,24 g / 50.0 gr R 903
Treffpunktlage zu bringen. Es zeigt sich (1000 m/s), sowie 3,31 g/51.0 gr R 907
nämlich, daß die drei jeweils aufgezeigten (960 m/s). Die Reduktionen sind in kleinen
Pulversorten spezifische Auswirkungen Schritten und unterständiger Überprüfung
hinsichtlich des Schwingungsverhaltens der Liderung sowie der Präzision und
des Laufes haben können. Selbst gleiche Übereinstimmung der Treffpunktlage
Leistung vorausgesetzt, kann durch einen durchzuführen. Es wird nochmals betont,
Wechsel der Pulversorte die eventuell daß es sich bei den Ladungen der beiden
vorher fehlende Übereinstimmung mit zuletzt genannten Geschosse um Maxi-
einer Grundladung gefunden werden. malladungen handelt, die keineswegs
Die 7 x 57 R ist als sehr ausgeglichen überschritten werden dürfen.
anzusehen, was die Auswirkungen der
Komponentenauswahl betrifft. Bestladungen
sind nicht auf wenige Kombinationen
beschränkt, sondern breit über das Kompo-
nentenangebotgestreut. Was die Pulveraus-
wahl betrifft, so liegtdiese (leichte Ladungen
eingeschlossen) über derganzen Palette des
Rottweil-Pulverangebots für Büchsen-
patronen, nämlich von Rottweil R 901 bis
Rottweil R 905. Bei der Auswahl innerhalb
der drei Alternativpulver sollte man sich
weder von übertriebener Sparsamkeit,
noch von scheinbarer Höchstleistung
leiten lassen. Die Bestladungen liegen

219
7x57R

KS 8,0 g RWS MR 9,0 g RWS SG 9,0 g RWS


Patronenlänge 72,0 mm Patronenlänge 72,0 mm Patronenlänge 75,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 902 R 902 R 902


max. 2,72 42.0 810 max. 2,59 40.0 780 max. 2,59 40.0 765
min. 2,66 41.0 795 min. 2,40 37.0 720 min. 2,46 38.0 710
R 903 R 903 R 903
max. 2,95 45.5 870 max. 2,82 43.5 780 max. 2,75 42.5 755
min. 2,79 43.0 825 min. 2,59 40.0 710 min. 2,66 41.0 720
R 904 R 907 R 907
max. 3,05 47.0 850 max. 2,85 44.0 755 max. 2,82 43.5 765
min. 2,95 45.5 820 min. 2,69 41.5 725 min. 2,69 41.5 725

VMR 9,0 g RWS ST 10,0 g RWS DK 10,0 g RWS


Patronenlänge 72,0 mm Patronenlänge 77,5 mm Patronenlänge 74,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 902 R 903 R 903
max. 2,59 40.0 780 max. 2,59 40.0 735 max. 2,66 41.0 740
min. 2,40 37.0 720 min. 2,40 37.0 675 min. 2,53 39.0 700
R 903 R 907 R 907
max. 2,82 43.5 780 max. 2,79 43.0 740 max. 2,75 42.5 750
min. 2,59 40.0 710 min. 2,59 40.0 670 min. 2,66 41.0 705
R 907 R 904 R 904
max. 2,85 44.0 755 max. 3,05 47.0 760 max. 2,98 46.0 750
min. 2,69 41.5 725 min. 2,92 45.0 700 min. 2,88 44.5 715

220
7 mm Rem. Magnum
Die 7 mm Rem.Mag. ist eine in Standard- rikanischen Munitionshersteller. Die .264
Jagdwaffensysteme passende Magnum- Win.Mag. wurde (zusammen mit der .338
patrone US-amerikanischen Ursprungs. Win.Mag.) aus der Basishülse .458
Im deutschsprachigen Raum wird sie vor Win.Mag. entwickelt. Von der „Ausgangs-
allem von Jägern geführt, die eine im patrone" .264 Win.Mag. unterscheidet
Vergleich zur 7 x 64 gesteigerte Leistung sich die 7 mm Rem.Mag. nur durch das
der dort verwendeten Geschosse und Kaliber; alle anderen Maße wurden bei-
eine flachere Flugbahn haben wollen. behalten. Während die .264 Win.Mag.
Der Leistungsvorsprung zur 7 x 64 be- (auf Grund ihrer auf stärkeres Schalen-
trägt etwa 10 % und wird durch das im wild wegen des Fehlens ausreichend
Vergleich zur 7 x 64 vergrößerte Hülsen- schwerer Geschosse doch begrenzten
volumen ermöglicht. Der Leistungsvor- Einsatzmöglichkeiten) keine große Ver-
teil gegenüber der 7 x 64 bezieht sich auf breitung erfuhr und selbst für leichtes bis
die höheren Geschoßgeschwindigkeiten mittleres Schalenwild in Europa nicht Fuß
und somit auf die gestrecktere Flugbahn fassen konnte (schließlich musste sie
und muß durch einen höheren Gasdruck sich an der hohen Leistung der 6,5 x 68
und Pulververbrauch, sowie stärkere Ne- messen), kam die etwas kalibergrößere
benwirkungen beim Schuß (Knall, Rück- Konkurrenz 7 mm Rem.Mag. auch bei
stoß) sowie eine verringerte Lebensdau- den europäischen Jägern gut an. Die
er des Laufes erkauft werden. Trotz der 1955 entwickelte und im deutschspra-
aufgezeigten Nachteile im Vergleich zu chigen Raum bereits vor der 7 mm
so bewährten Mittelpatronen wie 7 x 64 Rem.Mag. eingeführte 7 x 66 S.E.v.Hofe
(oder .280 Remington) gehört die 7 mm stellte trotz grösseren Hülsenvolumens
Rem. Mag. zu den „besseren" Patronen und deswegen höherer Leistung keine
der Kategorie „Magnum-Patrone mit ernstzunehmende Konkurrenz für die
Gürtelhülse". Dieses gute Prädikat teilt Amerikanerin dar. Der Grund ist wohl
sie mit ihrer Konkurrenzpatrone .300 darin zu suchen, daß Patronen 7 x 66
Win.Mag., erreicht jedoch deren Verbrei- S.E.v.Hofe wesentlich teurer waren als
tungs- und Beliebtheitsgrad nicht. die der sich schnell etablierenden Mitbe-
werberin. Die 7 mm Rem.Mag. ist die
erste Remington-Entwicklung mit metri-
Geschichte scher Kaliberbezeichnung und war der
Anfang einer Reihe von Remington-Pa-
Die 7 mm Rem.Mag. ist eine sog. „kurze" tronen, deren Kaliber nicht in Inches (Zoll),
Magnumpatrone. Sie kann mit ihrer Ge- sondern in Millimetern angegeben wird.
samt-Patronenlänge von nicht viel mehr Die 7 mm Rem.Mag. war übrigens nicht
als 80 mm aus den meisten Repetier- die erste Gürtelpatrone des Kalibers 7
büchsen mit Standard-System verschos- mm, denn diese Eigenschaft kommt der
sen werden. Anlaß für die Vorstellung inzwischen nicht mehr gängigen, engli-
der 7 mm Rem.Mag. im Jahre 1962 war schen .275 Belted Rimless Nitro Express
vor allem der anfängliche Erfolg der 1958 zu. Diese auch unter dem Namen .275
von Winchester eingeführten .264 Win. H&H Magnum bekannte Patrone wurde
Mag. und das daraus resultierende bereits 1912 vorgestellt.
Konkurrenzdenken der beiden US-ame-

222
RWS- und GECO-Laborierungen dung sinken. Die in der Ladetabelle an-
gegebenen Patronenlängen tragen dem
Von den Teilmantellaborierungen im Ge- Umstand des kurzen Übergangs Rech-
wicht 9,4 und 11,3 g blieb 1999 die leich- nung und resultieren in ziemlich grossen
tere übrig. Daneben hat sich die 10,5 g Einsetztiefen, die oft oberhalb der
KS-Ladung besonders gut eingeführt. geschoßspezifisch vorgesehenen liegen.
Seit 1986 ist auch eine Ladung mit dem Das in der Werksladung vorhandene
überaus bewährten Hochwildgeschoß TMS-Geschoß steht dem Wiederlader
11,5 g TIG am Markt und von 1995 -1999 nicht zur Verfügung, dafür aber alle
gab es eine gleichermaßen preiswerte Spezialgeschosse, sowie das preisgün-
wie verläßliche 10,7 g TMR-Ladung aus stige 10,7 g TMR aus dem GECO-
dem GECO-Patronensortiment. Geschoßsortiment. Die Verwendung des
11,5 g schweren Brenneke TIG ist we-
gen des kurzen Überganges nur unter
strikter Beachtung der richtigen Einsetz-
Die Patrone aus der Sicht des Wieder- tiefe möglich. Die Patronenlänge soll mit
laders diesem Geschoß 78,0 mm nicht über-
schreiten. Eine gute Ergänzung des
Die 7 mm Rem.Mag., obzwar keinesfalls Geschoßangebots ist das 10,0 g DK
als Extrempatrone zu bezeichnen, ist Doppelkerngeschoß. Es kann mit Rottweil
innenballistisch nicht so ausgeglichen R 904 und sogar R 907 unter Einhaltung
wie die mit kleineren Verbrennungs- des zulässigen Maximalgasdruckes von
volumen ausgestatteten Standardhülsen. 3700 bar auf eine Mündungsgeschwindig-
Das wird deutlich, wenn man versucht, keit von gut 920 m/s gebracht werden.
sie mit anderen als den progressivsten Mit dem progressiven Rottweil R 905
Pulvern zu verladen, denn nur diese bie- werden aus manchen Läufen 930 m/s
ten Spitzenleistung bei geringen Stan- erzielt.
dard-Abweichungen, d.h. ohne große
Gasdrucksprünge. Höchstleistung bei an-
nehmbaren Drücken wird mit Rottweil
R 905 erzielt. Ein Nachteil, den die 7 mm
Rem.Mag. mit vielen anderen
Magnumpatronen gemein hat, ist der
kurze Patronenlager-Übergang. Er läßt
das an sich ausreichend große Hülsen-
volumen deshalb nicht voll zur Wirkung
kommen, weil die langen Spezial-
geschosse sehr tief eingesetzt werden
müssen und so Verbrennungsraum weg-
nehmen. Dadurch kann weniger
Treibladungspulver eingefüllt werden,
womit weniger Energie zur Verfügung
steht. Gleichzeitig kann der Gasdruck
steigen und die Eigenpräzision der La-

223
7 mm Rem. Mag.

KS 8,0 g RWS SG 9,0 g RWS DK 10,0 g RWS


Patronenlänge 78,0 mm Patronenlänge 79,0 mm Patronenlänge 77,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 907 R 907 R 907


max. 4,0 62.0 980 max. 3,89 60.0 925 max. 3,73 57.5 900
min. 3,89 60.0 950 min. 3,69 57.0 875 min. 3,56 55.0 855
R 904 R 904 R 904
max. 4,34 67.0 1000 max. 4,18 64.5 925 max. 4,02 62.0 910
min. 4,18 64.5 950 min. 4,02 62.0 880 min. 3,89 60.0 870
R 905 R 905 R 905
max. 4,60 71.0 1020 max. 4,37 67.5 925 max. 4,28 66.0 920
min. 4,44 68.5 950 min. 4,28 66.0 880 min. 4,15 64.0 870

KS 10,5 g RWS TIG 10,5 g RWS TMR 10,7 g GECO


Patronenlänge 77,5 mm Patronenlänge 79,0 mm Patronenlänge 79,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 907 R 907 R 907


max. 3,73 57.5 865 max. 3,79 58.5 880 max 3,79 58.5 880
min. 3,63 56.0 820 min. 3,63 56.0 830 min. 3,66 56.5 845
R 904 R 904 R 904
max. 3,95 61.0 870 max. 4,05 62.5 880 max. 3,99 61.5 885
min. 3,73 57.5 825 min. 3,86 59.5 850 min. 3,86 59.5 845
R 905 R 905 R 905
max. 4,28 66.0 920 max. 4,24 65.5 915 max. 4,21 65.0 895
min. 4,15 64.0 875 min. 4,15 64.0 860 min. 4,05 62.5 850

224
13,51
3
3
63,50

CD

Kaliber: 7 mm (.284" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5333 E
ta)

mwmon"."
NIIII.111.111181111
.1.11"

HMK 11,2 g RWS TIG 11,5 g RWS


Patronenlänge 81,0 mm Patronenlänge 78,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr V, m/s

R 907 R 907
max. 3,63 56.0 850 max. 3,69 57.0 850
min. 3,43 43.0 805 min. 3,56 55.0 830
R 904 R 904
max. 3,89 60.0 850 max. 3,92 60.5 850
min. 3,76 58.0 835 min. 3,79 58.5 830
R 905 R 905
max. 4,34 67.0 890 max. 4,15 64.0 875
min. 4,15 64.0 855 min. 3,99 61.5 850

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

225
7 x 64
Eine der ganz großen Jagdpatronen sich zunächst die Hülse M/88 bzw. 8 x 57
überhaupt und die meistgeführte des damaligen Armeegewehrs M 98 an.
Büchsenpatrone im mitteleuropäischen Es ist anzunehmen, daß auch die
Raum ist die 7 x 64. Alles bei uns vor- Einführung der Patrone .30 - 06 bei der
kommende Schalenwild kann US-Armee eine gewisse Rolle gespielt
waidgerecht damit erlegt werden, wobei hat, als Brenneke im Jahre 1912 die 8 x
natürlich der Schwerpunkt der 64 (siehe dort) durch Verlängern der 8 x
Verwendung einer starken 7-mm-Patro- 57 erhielt und die für damalige
ne auf mittelstarkem europäischem Verhältnisse sehr leistungsstarke 8-mm-
Schalenwild liegt. Eine Vielfalt von Labo- Patrone den kaiserlichen Annahmestellen
rierungen wird angeboten, die das eigent- als neue Militärpatrone mit einer im
liche Betätigungsfeld nach oben und nach Vergleich zur 8 x 57 stark gesteigerten
unten erweitern helfen: Mit leichteren Leistung vorschlug. Die Grundidee war
Geschossen für die Bejagung von nicht verkehrt, was die Leistungs-
Rehwild und Garns und mit schwereren steigerung betraf. Zudem konnten die
zum Schuß auf Rotwild und grobe Sau. Militärwaffen Kal. 8 x 57 leicht für die
Der Vorteil der 7 x 64 liegt in der neue Patrone 8 x 64 geändert werden;
Universalität der Verwendung. So man- das System Mauser 98 erwies sich als
cherJäger führt ausschließlich die Repe- lang genug. Trotzdem ging Brennekes
tierbüchse in diesem Kaliber für alle Idee nicht durch. Man blieb aus allgemein-
vorkommenden Schalenwildarten. logistischen Gründen bei der kurzen Hül-
Waffen in 7 x 64 werden von sämtlichen se. Als Jagdpatrone vorgestellt, hatte die
Herstellern bereitgestellt. Schließlich gilt 8 x 64 begrenzten Erfolg. Dadurch an-
die 7 x 64 als das Maß, an dem die geregt, wagte sich Brenneke an eine
Leistung anderer Patronen gemessen weitere Modifikation: In den zurücklie-
wird; sie ist sozusagen der Standard für genden fast 25 Jahren hatte sich die
europäische Verhältnisse. Auch im 7mm Mauser (7 x 57) einen so guten
Ausland spielt die 7 x 64 eine relativ Namen gemacht, daß sich das Kaliber
große Rolle, lediglich in den amerikani- geradezu anbot. Brenneke zog die 8 x 64
schen Jagdgebieten ist sie nicht so be- auf 7 mm ein, setzte die Schulter etwas
kannt und wird dort durch die im zurück und stellte die neue Patrone im
annähernd gleichen Leistungsbereich Jahre 1917 als 7 x 64 vor. Mit einer etwa
liegende .30-06 vertreten. zehn Prozent betragenden Verbesserung
zur 7 x 57 kam die Patrone zwischen den
beiden Weltkriegen hervorragend an,
Geschichte obwohl es damals mehr 8-mm-
Befürworter für den Schuß auf Hochwild
gab als heute. Das "Wunderkaliber", wie es
Im Prinzip nicht viel mehr als eine ver- von den Verfechtern im positiven und von
längerte 7 x 57 Mauser von 1893, ge- den Gegnern im negativen Sinn genannt
staltete sich der Werdegang der 7 x 64 wurde, war z. B. im Jahre 1938 mit fast
doch komplizierter. Wilhelm Brenneke be- vierzig Laborierungen auf dem deutschen
schäftigte sich schon in der Zeit nach der Markt.Schon damals gab es die heute noch
Jahrhundertwende mit der Verlängerung beliebten und bewährten Ladungen mit dem
von damaligen Standardhülsen, um auf 11,2-g-H-Mantel-Geschoß und den 10,5-
diese Weise eine Leistungssteigerung und 11,5-g-Brenneke Torpedo-Ideal-
herbeizuführen. Als Ausgangshülse bot Geschossen (TIG). Als die Munitions-

226
fertigung nach dem Zweiten Weltkrieg wildbretentwertend wirken. Es ist kaum
wieder aufgenommen wurde, zählte die möglich, aus den RWS-Laborierungen
7 x 64 wieder zu den Standardsorten und für die 7 x 64 keine passende
wird es auch in absehbarer Zukunft herauszufinden, zumal seit 1997 eine
bleiben. besonders günstige GECO-Laborierung
angeboten wird. Das GECO-TMR hat ein
Gewicht von 10,7 Gramm und ist präzise.
Aus vielen Waffen wird eine zum
RWS- und GECO-Laborierungen Übungsschießen ausreichende Über-
einstimmung mit den Treffpunktlagen der
Spezial-Jagdlaborierungen beobachtet,
Dem Wunsch nach einer schnellen Reh- so daß die GECO-TMR-Patronen auch
und Gamswildladung, welche auch auf in der 7 x 64 eine früher vermisste
schwächeres Hochwild tauglich ist, wurde Möglichkeit bieten, mit geringen Kosten
mit der Einführung des 8,0 g KS Rechnung das aus Gründen der Waidgerechtigkeit
getragen. Die manchmal geforderte strikt geforderte Übungsschießen
Reduzierung des Geschoßgewichts auf absolvieren zu können.
etwa 6,5 bis 7 Gramm ist wegen des
doch sehr langen Übergangs nicht
erfolgreich. So kann die 8,0-g-KS-Patrone
als guter Kompromiß zwischen innen-,
außen- und zielballistischen
Anforderungen angesehen werden. Mit Die Patrone aus der Sicht des
einer Vo von etwa 970 m/s erreicht die Wiederladers
8,0-g-KS-Ladung den Leistungsbereich
z. B. einer 270 Win. oder anderer,
wesentlich jüngerer US-Vorstellungen. Wenn vorhin im Abschnitt "RWS-Labo-
Selbst die größere Hülse der 7mm Rem. rierungen" gesagt wurde, daß es kaum
Magnum leistet bei gleichem Gasdruck möglich sei, aus den RWS-Laborierungen
nur etwa 20 m/s mehr, was im Vorgriff auf für die 7 x 64 keine passende herauszu-
den Abschnitt "Wiederladen" schon hier finden, so ist dies auch unter dem Aspekt
bemerkt werden soll. Neben dem 8,0 g der Geschoßauswahl zu sehen. Dem
KS hat sich das 10,5 g schwere Geschoß Wiederlader stehen nämlich alle werks-
gleicher Ausführung ebenfalls einen seitig laborierten Projektile zur Verfügung
Spitzenplatz erobert. Das Gewicht von und darüber hinaus das aus der 7 x 57 R
10-10,5 g kann im 7-mm-Kaliber als bekannte 9,0 g Teilmantel-Rundkopfge-
universell bezeichnet werden. Demzu- schoß. Dem Schaffen des Wiederladers
folge liegen das 10 g DK und das 10,5 g sind damit nur durch die Einhaltung der
TIG, die bewährte Brenneke- Ladedaten Grenzen gesetzt.
Konstruktion, im universellen Bereich. Nun zu den einzelnen Komponenten. Die
Bereits in Richtung "Hochwildpatrone" Hülse ist überaus marktgängig und auf
zeigt die 7 x 64, wenn sie mit den über elf allen Schießständen zu finden. Es würde
Gramm schweren Projektilen verladen jedoch völlig verkehrt sein, ein etwa über
ist. Hier stehen das 11,2 g TMR und die Jahre zusammengelesenes "Sammel-
beiden Spezialgeschosse 11,2 g HMK surium" an verschiedensten Hülsen zu
und 11,5 g TIG zur Verfügung, die aber verladen! Zu groß sind die Unterschiede
beide auch auf schwächeres Wild nicht in der Material-zusammensetzung und

227
7x64
bezüglich der Maße. Besonders schwer- 5341 abgestellt und müssen bei Ver-
wiegend ist das unterschiedliche Verbren- wendung von 5333 um ca. 0,03 Gramm
nungsvolumen von Hülsen unterschied- bzw. ein halbes Grain gekürzt werden.
licher Fertigungen, von den Unterschieden Von den Pulversorten eignen sich die
bei den Fabrikaten ganz zu schweigen. progressiveren am besten; Höchstge-
Es wird deshalb dringend angeraten, sich schwindigkeiten werden jeweils mit R 905
für die Laborierung präziser Jagd- und erzielt. Eine Ausnahme bildet die Ladung
Scheibenmunition immer nur Hülsen eines mit dem 8,0 g KS. Hierfür ist R 905 zu
Loses zu bedienen. Dazu nimmt man wenig dicht, so daß man die Bestladung
entweder die aus der eigenen Waffe ver- bzgl. Präzision und Geschwindigkeit mit
schossenen Hülsen der fabrikgefertigten Rottweil R 904 erreicht. Letzteres Pulver
Patronen eines Fertigungsloses, oder man wird sich aus den meisten Waffen
kauft sich eine ausreichende Anzahl von hinsichtlich der Standardabweichung von
jungfräulichen Neuhülsen. Nur auf diese Druck und Geschwindigkeit sowie
Weise ist sauberes, technisch einwand- Präzision am ausgeglichensten zeigen.
freies und präzises Wiederladen möglich. Da aber jede Waffe ihre "eigenen Gesetze"
hat, sollte der gewissenhafte Wiederlader
Bei den Zündhütchen für die 7 x 64 ist der bei seinen Präzisionsüberprüfungen auch
Vergleich des Magnum-Hütchens Sinoxid das Rottweil R 907 nicht vergessen, das
5333 mit dem Standard-Zündhütchen besonders mit leicht reduzierten Ladungen
5341 interessant. Für diese Patrone kann noch gut schießt, vor allem hinter den
gesagt werden, daß das sog. Magnum- leichteren Projektilen. Viele Waffen des
hütchen 5333 dem Standardhütchen 5341 Kalibers 7 x 64 sind auf Grund ihres
vorzuziehen ist. Das Anzündhütchen mit geringen Gewichts im Zusammenhang
dem höheren Satzgewicht der "Magnum"- mit einer ungünstigen Schaftverlaufsform
Ausführung verursacht zwar etwa durch- etwas "rückstoßträchtig" für den nur
schnittlich 100 bar mehr Druck, wird aber gelegentlich mit Großkaliber schießenden
mit wesentlich weniger Standardabwei- Jäger, so daß leichte Reduktionen der
chung bei Druck und Geschwindigkeit Ladung zugleich geld- und nerven-scho-
gemessen. Die Minimierung der letzteren nend sein können. Solche Reduktionen
Werte durch das Magnum-Zündhütchen sind weniger bei den Spezial-Jagdge-
sind ein Beweis für die bessere Pulver- schossen, sondern vielmehr bei SG und
verbrennung bei der vorliegenden Hülsen- auch den 9 g schweren Teilmantel-Rund-
konfiguration bei gegebener Ladung. Da kopf- und Vollmantelgeschossen interes-
zudem das 5333 etwa fünf bis zehn Meter- sant. Wer noch unter die Minimalladungen
sekunden mehr Mündungsgeschwindig- der leichten Geschosse gehen will, kann
keit nach sich zieht, gleichen sich die dies mit R 907 in ganz kleinen Schritten,
Auswirkungen der beiden Zündhütchen solange die Hülse noch gut lidert und die
wieder aus. Unter dem Strich ist also das Präzision nicht leidet, versuchen. Bei den
Magnumhütchen vorzuziehen - ausge- 9,0 g schweren Geschossen sind dann
nommen bei den Ladungen für das leichte weitergehende Reduktionen nach einem
8,0 g KS. Hier bringt interessanterweise Wechsel auf das nächst schnellere R 903
das Standardhütchen Vorteile, was sicher möglich. Die Maximalladung für dieses
mit der geringeren Masse des Projektils Pulver bei den 9,0 g Geschossen liegt bei
zu tun hat, aber auch mit der Ladedichte. etwa 3,11 g/48.0 gr, womit ca. 800
Die Angaben für das 8,0 g KS sind auf Metersekunden erzielt werden. Eine

228
Ladung von 2,98 g/46.0 gr R 903 hinter Ladedichte ist auf eine immer gleich-
dem 9,0 g TMR bringt eine Kopie der mäßige Lage des Pulvers bei der Anzün-
beliebten 7 x 57 R mit gleichem Geschoß dung zu achten. Auch sollte man bei so
(ca. 780 m/s). Eine "Nur-Rehwild-Ladung" starken Unterladungen vorher auf dem
mit demselben Geschoß erreicht man mit Schießstand die Funktion einer größeren
ca. 2,27 g/35.0 gr Rottweil R 901 (700 m/ Serie von Patronen überprüfen.
s), wobei bis einhundert Meter oftmals Wie geschaffen für Übungs- und
Übereinstimmung mit der TPL einer der "Zweitladungen" ist das 10,7 g GECO,
11,2 bzw. 11,5 g Ladungen gefunden welches mit den ausgedruckten Vor-
wird. Damit hätte der Praktiker eine schlägen auf die Geschwindigkeit und
schwere Ladung für Hochwild und eine meist auch Treffpunktlage der DK, TIG
für Rehwild völlig ausreichende aus der und KS geladen werden kann. Letztere
gleichen Waffe zur Verfügung. Alle Daten können so dem gelegentlichen Kontroll-
für das 9,0 g TMR gelten auch für das schu ß auf die Scheibe und dem wichtigen
ebenso schwere VMR, welches gerne Schuß auf Schalenwild vorbehalten
zum Bejagen der "Pelzträger" oder sehr bleiben, was nicht unerheblich zur
schwachen Schalenwildes (z.B. Kitze Kosteneinsparung beiträgt.
unter etwa 7 bis 8 kg) verwendet wird. Soll Wer sehr leichte Geschosse bevorzugt,
das 9,0 g VMR noch weiter herunterge- kann auch folgende verschießen, wobei
laden werden, wenn z. B. das VMR sich die Maximalladung nicht überschritten
immer noch zu balgentwertend auf den werden darf: Sako 5,1 g TMR bei 73,3 mm
Fuchs herausgestellt hatte, so kann die und 3,82 g/59.0 gr R 903 (1110 m/s) bzw.
angegebene 2,27 g/35.0 gr Ladung des 3,24 g/ 50.0 gr R 901 (1060 m/s); Hornady
Rottweil R 901 noch in kleinen Schritten 6,5 g TMH bei 77,6 mm und 3,53 g/54.5 gr
reduziert werden. Hier muß man allerdings R 903 (1020 m/s). Reduktionen sind in
bei der Ladungsermittlung strikt auf den kleinen Schritten durchzuführen (siehe
sauberen und vollständigen Abbrand der bei 7 x 65 R).
geringen Ladung achten. Bei der niedrigen

229
7x64

KS 8,0 g RWS TMR 9,0 g RWS SG 9,0 g RWS


Patronenlänge 80,4 mm Patronenlänge 79,1 mm Patronenlänge 82,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 903 * R 907 R 907


max. 3,40 52.5 950 max. 3,24 50.0 860 max. 3,37 52.0 880
min. 3,24 50.0 880 min. 3,11 48.0 800 min. 3,18 49.0 850
R 907 * R 904 R 904
max. 3,43 53.0 940 max. 3,50 54.0 880 max. 3,66 56.5 890
min. 3,37 52.0 900 min. 3,37 52.0 840 min. 3,53 54.5 830
R 904 * R 905 R 905
max. 3,86 59.5 975 max. 3,82 59.0 890 max. 3,86 59.5 900
min. 3,69 57.0 890 min. 3,69 57.0 850 min. 3,69 57.0 855

VMR 9,0 g RWS ST 10,0 g RWS DK 10,0 g RWS


Patronenlänge 80,5 mm Patronenlänge 82,0 mm Patronenlänge 83,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907 R 907
max. 3,24 50.0 860 max. 3,24 50.0 840 max. 3,24 50.0 860
min. 3,11 48.0 810 min. 3,11 48.0 800 min. 3,11 48.0 825
R 904 R 904 R 904
max. 3,50 54.0 880 max. 3,50 54.0 840 max. 3,50 54.0 860
min. 3,37 52.0 850 min. 3,31 51.0 780 min. 3,43 53.0 850
R 905 R 905 R 905
max. 3,82 59.0 895 max. 3,73 57.5 850 max. 3,73 57.5 875
min. 3,69 57.0 850 min. 3,50 54.0 775 min. 3,56 55.0 860

230
7,21

64,00
›.1

Kaliber: 7 mm (.284" Dia.)


RWS
Ziindh.: RWS 5333 bzw. 5341*

KS 10,5 g RWS TIG 10,5 g RWS TMR 10,7 g GECO


Patronenlänge 82,7 mm Patronenlänge 81,0 mm Patronenlänge 84,0 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 907 R 907 R 907
max. 3,18 49.0 800 max. 3,24 50.0 830 max. 3,30 51.0 830
min. 3,05 47.0 780 min. 3,11 48.0 800 min. 3,08 47.5 770
R 904 R 904 R 904
max. 3,50 54.0 845 max. 3,50 54.0 845 max. 3,53 54.5 835
min. 3,31 51.0 800 min. 3,31 51.0 805 min. 3,40 52.5 810
R 905 R 905 R 905
max. 3,76 58.0 850 max. 3,76 58.0 850 max. 3,69 57.0 845
min. 3,56 55.0 800 min. 3,56 55.0 815 min. 3,56 55.0 800

""meowialimlpoll~›

HMK 11,2 g RWS TMR 11,2 g RWS TIG 11,5 g RWS


Patronenlänge 83,2 mm Patronenlänge 82,5 mm Patronenlänge 81,7 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 907 R 907 R 907
max. 3,14 48.5 780 max. 3,11 48.0 785 max. 3,18 49.0 785
min. 2,98 46.0 750 min. 3,05 47.0 770 min. 3,05 47.0 765
R 904 R 904 R 904
max. 3,31 51.0 815 max. 3,43 53.0 795 max. 3,31 51.0 815
min. 3,18 49.0 790 min. 3,24 50.0 740 min. 3,24 50.0 795
R 905 R 905 R 905
max. 3,63 56.0 830 max. 3,53 54.5 805 max. 3,63 156.0 825
min. 3,50 54.0 810 min. 3,37 52.0 750 min. 3,50 54.0 800

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55'56 (Fettdruck). sowie auf Seite 105 beachten.

231
.280 Rem.
An sich ist der Bedarf für 7 mm Patronen Die Patrone aus der Sicht des
durch die Präsenz der bewährten 7 x 57 Wiederladers
(R) bzw. 7x 64/65 R-Laborierungen weit-
gehend abgedeckt. Daß trotzdem ver- Vom rein ladetechnischen Ablauf und der
sucht wird, eine weitere 7 mm Patrone zu Komponentenversorgung ist die Patrone
forcieren, hängt mit dem Waffenangebot problemlos, wenngleich zur Patronen-
zusammen. So bietet z.B. Remington länge gleich etwas gesagt werden muß:
(auch wegen der rechtlichen Verhältnisse Die .280 Rem. / 7 mm Expreß Rem. hat,
in Frankreich, wo Patronen des Kalibers im Gegensatz zu unseren 7 mm Patronen,
.30 zur Jagd nicht zugelassen sind) einen sehr knappen Übergang, so daß
seine Selbstladebüchsen auch in .280 nahezu alle Geschosse sehr tief einge-
Rem. an. Der Befürworter des 7 mm setzt werden müssen, damit sie die Felder
Kalibers, der gleichzeitig ein Liebhaber nicht berühren. Wie bekannt, kann fehlen-
des Selbstladesystems ist, kann dann der rotationsloser Geschoßweg eine ge-
auf die Patrone .280 Rem. zurückgreifen. fährliche Drucksteigerung hervorrufen.
Tief eingesetzte Geschosse aber redu-
Geschichte zieren den Verbrennungsraum, was bei
gegebener Ladung zur Gasdrucksteiger-
Die .280 Rem. kam 1957 auf den ameri- ung und bei reduzierter Ladung zum Lei-
kanischen Markt, zusammen mit dem Modell stungsabfall führen muß. Im Klartext heißt
740, einer Selbstladebüchse. Trotz großer dies, daß die .280 Rem. durchaus auf die
Beliebtheit der Büchse ging die Patrone Leistung der 7 x 64 geladen werden
nicht mehr so gut, so daß sich Remington könnte, wenn der Übergang nicht derart
entschloß, der Patrone als "7 mm Express kurz gehalten wäre. Andererseits ist die
Rem." zusammen mit einer Neuauflage der Patrone auch werksseitig ziemlich ver-
Selbstladebüchse und parallel zu halten laboriert, weil sie so in Selbstlade-
verbesserten Laborierungen einen neuen büchsen besser funktioniert. Neben den
Start zu geben. Munition 7 mm Expreß Angaben für die RWS-Spezialgeschosse
Rem. kann in allen Waffen .280 Rem. welche nebenstehend ausgedruckt sind,
verschossen werden und umgekehrt. Der kann der preisbewu ßte Wiederlader auch
Pmax. der .280 Rem. / 7 mm Express Rem. ist noch folgende Laborierungen für das
gemäß Anlage III WaffG auf 3.500 bar 9,0 g SG-Scheibengeschoß versuchen:
begrenzt. Damit wird der Tatsache 3,37 g/52.0 gr R 907 (870 m/s);
Rechnung getragen, daß diese Patrone 3,53 g/54.5 gr R 904 (855 m/s);
vornehmlich aus Selbstladebüchsen 3,73 g/57.5 gr R 905 (855 m/s);
verschossen wird, welche bei "mittleren" Patronenlänge jeweils 77,5 mm.
Drucken und ausgewogenen Druck-/
Zeitrelationen am besten funktionieren.

RWS Laborierungen

Die .280 Rem. wird seit 1986 auch im


Fabrikat RWS gefertigt Das 10,5 g TIG
erreicht eine V. von 850 m/s, was der
Leistung der 7 x 65 R entspricht. Seit
1997 steht auch eine preisgünstige
GECO-Ladung mit dem 10,7 g TMR zur
Verfügung.

232
%MW 1.411.911»..e.,

1199 7,21

6.52

Kaliber: 7 mm (.284" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5341

enx,
sr.
11r1111•1181

-- 1
.13111 .11124—
KS 8,0 g RWS TMR 10,7 g Geco KS 10,5 g RWS
Patronenlänge 76,6 mm Patronenlänge 79,5 mm Patronenlänge 77,6 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 903 R 903 R 907
max. 3,40 52.5 930 max. 2,98 46.0 800 max. 3,18 49.0 830
min. 3,11 48.0 850 min. 2,79 43.0 750 min. 2,85 44.0 750
R 907 R 907 R 904
max. 3,56 55.0 955 max. 3,11 48.0 810 max. 3,43 53.0 830
min. 3,34 51.5 900 min. 2,92 45.0 770 min. 3,08 47.5 750
R 904 R 905 R 905
max. 3,82 59.0 960 max. 3,56 55.0 825 max. 3,60 55.5 835
min. 3,50 54.0 895 min. 3,37 52.0 770 min. 3,31 51.0 755
auch max. 3,37 g R 904=810 m/s

\mmeglicluou• "."mu.1"
\\1.111111111M1113111111313

TIG 10,5 g RWS HMK 11,2 g RWS TIG 11,5 g RWS


Patronenlänge 77,6 mm Patronenlänge 82,0 mm Patronenlänge 79,2 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907 R 907
max. 3,18 49.0 835 max. 3,21 49.5 795 max. 3,11 48.0 760
min. 2,92 45.0 750 min. 2,85 44.0 700 min. 2,82 43.5 700
R 904 R 904 R 904
max. 3,50 54.0 825 max. 3,37 52.0 800 max. 3,31 51.0 800
min. 3,18 49.0 750 min. 3,08 47.5 710 min. 3,05 47.0 715
R 905 R 905 R 905
max. 3,69 57.0 840 max. 3,63 56.0 810 max. 3,60 55.5 810
min. 3,34 51.5 755 min. 3,24 50.0 720 min. 3,21 49.5 700

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

233
7x65R
Was hinsichtlich der Beliebtheit und der der Standardpatronen: Nach "oben" hin
technischen Universalität der 7 x 64 gesagt ist das für unsere Breiten geeignete Feld
wurde, gilt in gleichem Maße auch für die von Randpatronen begrenzt durch die
Schwesterpatrone mit Rand. Die 7 x 65 R 9,3 x 74 R welcher man allerdings schon
unterscheidet sich von der 7 x 64 nur ein deutliches Übergewicht hin zur reinen
durch den Rand, die geringfügig längere Hochwildpatrone bescheinigen muß. Der
Hülse und den auf 3300 bar begrenzten Bereich zwischen 9,3 x 74 R und der
Gebrauchsgasdruck, was sich in der 7 x 65 R war bis zur Einführung der .30 R
erreichbaren Leistung selbstverständlich Blaser (1991) nicht von Standardpatronen
auswirken muß. Letzteres, d. h. die belegt.
Begrenzung des Gasdruckes, ist ein Unterhalb des Leistungsbereiches der
gewisses Handicap der 7 x 65 R, da vom 7 x 65 R finden wir nun die 7 x 57 R, die
Hülsenvolumen her die gleichen Mün- 6,5 x 65 R und die 6,5 x 57 R. Diesen
dungsgeschwindigkeiten wie bei der Patronen gemeinsam ist ihre Eignung für
randlosen Patrone erzielt werden können. "alles Schalenwild", allerdings mit einer
Die Reduzierung des Drucks ist aber gewissen Betonung auf die schwachen
schon deshalb erforderlich, weil die vielen bis mittleren Arten. Somit fällt der 7 x 65 R
Kipplaufverschlüsse einfacherer Art mit eine Mittelstellung zu, welche durch ein
höheren Drücken überfordert wären. Vom vielfältiges Angebot an Laborierungen
Beliebtheitsgrad her gesehen ist die noch ausgebaut wurde: Die 7x65 R kann,
7 x 65 R neben der 5,6 x 50 R die unter dem Aspekt des Revierjagdsystems
zahlenmäßig am meisten vertretene und unter Berücksichtigng der Stückzahl-
Randpatrone und liegt von allen verteilung der schwachen, mittleren und
Jagdbüchsenpatronen ganz vorne in der starken Schalenwildarten als Universal-
Gunst des Publikums. Dies kommt nicht patrone bezeichnet werden. Ihre Präsenz
von ungefähr: Die Jagdsituation in unseren und ihr Beliebtheitsgrad entspringt der
Revieren ist - im Gegensatz zur wildart- ganz einfachen Überlegung, daß man mit
bezogenen Eintönigkeit der Lizenzjagd - einer kombinierten Waffe dieses Kalibers
von "Überraschungen" gekennzeichnet. für alle möglichen Eventualitäten der
Es kommt für den Praktiker also darauf Revierjagd gerüstet ist, also auch mit dem
an, möglichst universell ausgerüstet zu Auftauchen eines groben Keilers in einem
sein. Bei den Waffen gelingt dies mit sonst reinrassigen Rehwildrevier.
unseren "Kombinierten" und es ist be-
zeichnend für das Revierjagdsystem, daß
in ihm die kombinierte Waffe, also Drilling Geschichte
und Bockbüchsflinte, bei weitem vorherr-
schen.
Bei der Munition kann eine "Universalität" Der sofortige Erfolg der 7 x 64, der
für die verschiedensten Gegebenheiten "Wunderpatrone", ließ Wilhelm Brenneke
nur dann erreicht werden, wenn sich der nicht lange zögern. Schon 1920, fast
Revierbetreuer auf die schwerste vielleicht gleichzeitig mit der 8 x 65 R und damit nur
vorkommende Wildart einstellt. Dies ist drei Jahre nach der randlosen
der eigentliche Grund für die Beliebtheit Schwesterpatrone 7 x 64, brachte er die
der 7 x 65 R. Vergleicht man sie nämlich 7 x 65 R. Sie wurde von Anfang an mit
mit ihren Mitbewerbern um die Gunst des dem 10,5 g schweren Brenneke TIG -
Jägers, so ergibt sich folgende Einreihung Torpedo-Ideal-Geschoß - geladen. Das

234
11,5 g TIG folgte etwa ab 1926. Zwischen werden können. Ein speziell für "Wal-
den Kriegen war die 7 x 65 R eine bereits djagdentfernungen", d. h. vornehmlich für
äußerst beliebte Patrone und stellte mit Drückjagden geeignetes Geschoß ist das
über dreißig Laborierungen (Spezial- 11,2 g TMR. Alle diese Geschosse sind
ladungen noch gar nicht mitgerechnet) auch für Rehwild verwendbar und rufen
eine große Auswahl dar. Nach dem bei entsprechenden Treffern keineswegs
Zweiten Weltkrieg legte Dynamit Nobel mehr Wildbretentwertungen hervor als
die 7 x 65 R im Jahre 1953 wieder auf, manche Rehwildlaborierungen. Ergänzt
zusammen mit den anderen Standard- werden diese Spezialgeschosse durch
patronen. eine 10,7g TMR-Ladung aus denn GECO-
Die erwähnte Nachkriegslaborierung von Sortiment.
1953 war eine sehr verhalten geladene
Patrone von der Leistung einer heutigen
7 x 57 R und brachte bei einem 11,2 g
TMR vor 3,3 g R 2 nicht einmal 800 m/s. Die Patrone aus der Sicht des
Trotzdem war es ein guter Neubeginn für Wiederladers
die Patrone an sich. Schon wenige Jahre
später konnte sich der Jäger entscheiden
zwischen mehr als fünfzehn Laborier- Was zum Abschnitt "Geschosse" bei der
ungen und dies machte die Qual der Wahl 7 x 64 gesagt wurde, gilt natürlich auch für
manchmal schwer. Eine rationelle die Schwesterpatrone mit Rand. Hinsicht-
Streichung überflüssiger Ladungen in den lich der Zündhütchen ist eine zwingende
späten Sechzigern und die bekannten Präferenz für das RWS 5333 Magnum-
Neuentwicklungen der siebziger und hütchen festzustellen und zwar bei R 905-
achtziger Jahre führten zum heutigen Ladungen. Alle anderen Pulver kommen
RWS-Angebot. mit dem Standardhütchen aus. R 905 ist
bei den mittleren und schweren Geschos-
sen als Bestpulver zu bezeichnen; beim
8,0 g Geschoß sind R 907 und R 904
RWS- und GECO-Laborierungen gleichermaßen zu beurteilen. Mit den
Minimalladungen der 9,0 g TMR- und
10,0 g ST Geschosse entstehen passable
Leichtestes Geschoß und gleichzeitig Schwachladungen im oder unter dem
Universalgeschoß für leichtes bis Leistungsbereich der 7 x 57 R, wobei das
mittleres, auch weiter zu beschießendes 10,0 g ST wegen der größeren Masse
Schalenwild ist das 8,0 g KS. Wer nur geschwindigkeitsbezogen sogar etwas
Rehwild im Revier hat, ist damit gut beraten mehr reduziert werden kann als das 9,0 g
und trotzdem für gelegentliches Hochwild Geschoß. Wer das 9,0 g VMR z. B. für den
gerüstet. Als Universalgeschosse für alle Schuß auf "Pelzträger" noch weiter
mitteleuropäischen Eventualitäten anzu- reduzieren will, kann dies mit 2,20 g /
sehen sind das 10,0 g DK sowie die 34.0 gr R 901 versuchen (ca. 700 m/s).
beiden 10,5 g Geschosse der Konstruk-
tionen KS und TIG, während das 11,2 g H-
Mantel mit seiner verdeckten Kupfer-
hohlspitze und das 11,5 g schwere TIG
als Hochwildgeschosse bezeichnet

235
7x65R

KS 8,0 g RWS TMR 9,0 g RWS SG 9,0 g RWS


Patronenlänge 80,9 mm Patronenlänge 80,1 mm Patronenlänge 82,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 903 R 907 R 907


max. 3,37 52.0 915 max. 3,18 49.0 820 max. 3,18 49.0 820
min. 3,31 51.0 880 min. 2,92 45.0 700 min. 2,98 46.0 770
R 907 R 904 R 904
max. 3,43 53.0 930 max. 3,47 53.5 820 max. 3,47 53.5 830
min. 3,31 51.0 890 min. 3,37 52.0 780 min. 3,37 52.0 800
R 904 R 905 * R 905 *
max. 3,69 57.0 930 max. 3,63 56.0 830 max. 3,63 56.0 830
min. 3,50 54.0 870 min. 3,50 54.0 770 min. 3,50 54.0 775

VMR 9,0 g RWS DK 10,0 g RWS ST 10,0 g RWS


Patronenlänge 81,5 mm Patronenlänge 83,0 mm Patronenlänge 82,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 907 R 907 R 907


max. 3,18 49.0 820 max. 3,24 50.0 840 max. 3,18 49.0 810
min. 2,92 45.0 700 min. 3,11 48.0 805 min. 2,98 46.0 750
R 904 R 904 R 904
max. 3,47 53.5 820 max. 3,47 53.5 840 max. 3,43 53.0 805
min. 3,37 52.0 780 min. 3,37 52.0 800 min. 3,31 51.0 750
R905 * R 905 R 905 *
max. 3,63 56.0 830 max. 3,66 56.5 845 max. 3,63 56.0 820
min. 3,50 54.0 770 min. 3,56 55.0 820 min. 3,50 54.0 750

236
Ti'
13,32 7,21

65.00

Kaliber: 7 mm (.284" Dia.)


HijIse: RWS
RWS 5341 bzw. RWS 5333*

KS 10,5 g RWS TIG 10,5 g RWS TMR 10,7 g GECO


Patronenlänge 82,0 mm Patronenlänge 82,8 mm Patronenlänge 83,6 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907 R 907
max. 3,11 48.0 780 max. 3,14 48.5 795 max. 3,18 49.0 790
min. 2,92 45.0 735 min. 2,98 46.0 765 min. 3,05 47.0 750
R 904 R 904 R 904
max. 3,37 52.0 790 max. 3,34 51.5 800 max. 3,43 53.0 810
min. 3,21 49.5 750 min. 3,18 49.0 760 min. 3,34 51.5 780
R 905 * R 905 * R 905 *
max. 3,47 53.5 800 max. 3,47 53.5 805 max 3,50 54.0 780
min. 3,24 50.0 765 min. 3,24 50.0 770 min. 3,43 53.0 760

HMK 11,2 g RWS TMR 11,2 g RWS TIG 11,5 g RWS


Patronenlänge 83,4 mm Patronenlänge 82,5 mm Patronenlänge 81,7 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 907 R 907 R 907
max. 3,11 48.0 785 max. 3,08 47.5 775 max. 3,14 48.5 760
min. 2,92 45.0 730 min. 2,92 45.0 715 min. 2,92 45.0 710
R 904 R 904 R 904
max. 3,37 52.0 800 max. 3,31 51.0 790 max. 3,21 49.5 755
min. 3,05 47.0 750 min. 3,05 47.0 740 min. 2,98 46.0 735
R 905 * R 905 * R 905 *
max. 3,47 53.5 790 max. 3,43 53.0 790 max. 3,40 52.5 795
min. 3,24 50.0 740 min. 3,24 50.0 750 min. 3,18 49.0 730

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

237
7 x 66 Super Express vom Hofe
Von ihren Anhängern begeistert als Die Patrone aus der Sicht des
"Nonplusultra für mitteleuropäisches Wiederladers
Schalenwild" verteidigt und von ihren
Gegnern als "Papiertiger" abgetan, be- Wie aus der Ladetabelle ersichtlich, sind
hauptet sich die 7 x 66 Super Express nahezu alle Geschosse des RWS-Sor-
vom Hofe seit Jahren auf dem Markt und timents geeignet. Beim für leichtes bis
stützt sich auf eine zwar kleine, aber sehr mittleres Schalenwild gedachten 8,0 g KS
loyale Gefolgschaft. Vielleicht ist es der ist Rottweil R 907 am präzisesten,
wohlklingende Name, der das Interesse während die 10,5 g Geschosse das
derJäger weckt, ganz sicher sind aber die Rottweil R 904 vorziehen und die 11,2 g
ballistischen Daten ausschlaggebend für bzw. 11,5 g Projektile mit Rottweil R 905
die Entscheidung, sich eine gute Waffe in die Bestleistung hinsichtlich Präzision und
diesem Kaliber zu kaufen. Dass die Mündungsgeschwindigkeit erbringen. Für
Patrone in Wirklichkeit nicht viel mehr alle Ladungen ist das Zündhütchen 5333
leisten kann als eine solche mit kleinerem erforderlich; die Laborierungsermittlungen
Hülsen-volumen, wird erst nach Kenntnis erfolgten in Gehmann-Hülsen. Wer die
ballistischer Grunderfahrungen klar: Unter mit Handladungen erzielbaren Mündungs-
Zu-grundelegung eines bestimmten geschwindigkeiten der 7 x 66 mit den
Kalibers ist es nicht möglich, die Vo und früher annoncierten Leistungen der werks-
damit die Leistung beliebig durch geladenen Gehmann-Patronen vergleicht,
Vergrößern des Hülsenvolumens und der wird ziemliche Differenzen feststellen, vor
Pulverladung zu steigern. Irgendwann ist allem bei den schwereren Geschoß-
der Punkt erreicht, wo bei gleichem Druck gewichten. Diese Differenzen rühren vor
ein "Mehr" an Pulver nicht automatisch allem aus der Tatsache, daß bei den
mehr Leistung erzeugt. Im Vergleich zur 7 Ermittlungsbeschüssen unterschiedlich
mm Rem. Magnum verbraucht die 7 x 66 lange Läufe verwendet wurden (60 bzw.
fast zehn Prozent Pulver mehr, um auf die 70 cm).
gleiche Leistung zu kommen. Bei Die hier ausgedruckten Leistungen
manchen Geschossen des RWS- wurden mit 60 cm-Läufen bei sicheren
Angebots ist die kleinere Hülse sogar Drucken ermittelt. Auch hierist ersichtlich,
überlegen. Das hat übrigens nichts damit daß die 7 x 66 ihre besten Schießer-
zu tun, daß es sich bei letzterer um eine gebnisse mit leicht reduzierten
Gürtelhülse handelt, wie manchmal Pulvermengen erzielt. Allerdingsversteht
behauptet wird; der gleiche Effekt würde es sich bei der vorliegenden Hülsenform
auch z. B. bei einer randlosen bzw. und vor allem dem großen Hülsenvolumen
Randhülse auftreten. von selbst, daß man sich bei der Suche
nach der präzisesten Ladung vorsichtig
an die untere Ladegrenze hintasten muß.
Geschichte Unterschreitungen der "min."-Ladungen
sind auf jeden Fall zu vermeiden.
Die 7 x 66 S. E. v. Hofe wurde 1955 von
Walter Gehmann, Inhaber der Firma Vom
Hofe und Ex-Weltmeister im Gewehr-
schießen, konstruiert.

238
ei0H-A'3 'S 99 xL
721

66,00

Kaliber: 7 mm (.284" Dia.)


Hülse: Gehmann
Zündh.: RWS 5333

•41""r"."....j°
KS 8,0 g RWS KS 10,5 g RWS TIG 10,5 g RWS
Patronenlänge 80,0 mm Patronenlänge 84,0 mm Patronenlänge 83,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907 R 907
max. 4,28 66.0 990 max. 3,92 60.5 850 max. 3,95 61.0 875
min. 4,21 65.0 975 min. 3,86 59.5 830 min. 3,89 60.0 850
R 904 R 904 R 904
max. 4,54 70.0 1005 max. 4,28 66.0 880 max. 4,41 68.0 890
min. 4,41 68.0 990 min. 4,12 63.5 850 min. 4,18 64.5 860
R 905 R 905 R 905
max. 4,93 76.0 1030 max. 4,54 70.0 900 max. 4,63 71.5 905
min. 4,80 74.0 970 min. 4,34 67.0 845 min. 4,37 67.5 850

HMK 11,2 g RWS TIG 11,5 g RWS


Patronenlänge 85,0 mm Patronenlänge 84,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907
max. 3,95 61.0 860 max. 3,89 60.01 830
min. 3,89 60.0 850 min. 3,79 58.51 790
R 904 R 904
max. 4,34 67.0 870 max. 4,21 65.0 840
min. 4,18 64.5 840 min. 4,12 63.5 800
R 905 R 905
max. 4,60 71.0 895 max. 4,54 70.0 885
min. 4,44 68.5 835 min. 4,34 67.0 830

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

239
7x72R
Erstaunlich viele, zumeist guterhaltene 7 x 72 R auf 2500 bar festgelegt (7 x 57 R
Bockbüchsflinten, Büchsflinten, Drillinge 3000 bar). Aus diesen Gründen erweist
und Kipplaufbüchsen existieren heute sich auch die manchmal gehörte Meinung,
noch in diesem Kaliber und werden auch daß die 7x72 R in der Klasse der 7x57 R
geführt. Allerdings liegt die letzte liegt und lademäßig so behandelt werden
Munitionsfertigung schon längere Zeit könne, als falsch und letztlich auch als
zurück. Fabrikpatronen gehen deshalb gefährlich, wenn der Zustand der doch
zur Neige und Liebhaber von 7 x 72 R- inzwischen um die 50 Jahre alten Waffen
Waffen, die sich oftmals durch ihrgeringes berücksichtigt wird. Gegebene 7 x 57 R-
Gewicht und die Schmalheit des Systems Vorschläge müssen deswegen um
auszeichnen, sind auf Handladungen mindestens 10 % abgebrochen werden,
angewiesen. besser um 15 %. Auch bezüglich der
Form- und Ladetechnik sind wichtige
Hinweise angebracht: Hülsen können
Geschichte ohne Mühe aus der 9,3 x 72 R (Boxer)
umgeformt werden. Da diese Grundhülse
Es ist nur wenig bekannt, daß der Vater aber sehr starkwandig ist, tritt meist ein
dieser schlanken, konischen Randpatrone gewisser Rückspringeffekt des Materials
Wilhelm Brenneke war. Auch das Alter auf, so daß die Hülse trotz kräftigster
dieser Konstruktion, mit der Brenneke Kalibrierung oft nicht ladefähig ist. Ein
das Ziel verfolgte, leichte, führige und oben gekürzter Hülsenhalter bringt
schlanke Kipplaufwaffen anbieten zu Abhilfe. Ebenso ist für manche Waffen
können, wird oft nicht richtig eingeschätzt: der Hülsenhals abzudrehen. Große
Die Patrone wurde erstmalig 1927, bereits Aufmerksamkeit ist der Geschoß-
zehn Jahre nach der 7 x 64/65 R, einsetztiefe zu widmen. Da das Kaliber
vorgestellt, also im gleichen Jahr wie die erst ab April 1930 normalisiert wurde, ist
9,3 x 64. Jedoch konnten sich die jeweils in der spezifischen Waffe die
Munitionsfabriken über deren Form und Einsetztiefe so zu wählen, daß das
Länge nicht sofort einigen. Jedenfalls Geschoß die Felder nicht berührt
wurde sie zusammen mit der 8 x 72 R erst (Gasdrucksteigerungen!). Muß dann die
im April 1930 normalisiert. angegebene Patronenlänge unter-
schritten werden, so ist die Ladung
selbstredend zu verringern; gegebenen-
Die Patrone aus der Sicht des falls bis zur Anfangsladung.
Wiederladers

Wie alle Büchsenpatronen mit konischer


Hülse ist die 7 x 72 R nicht ungefährdet
gegen Drucksprünge im oberen
Ladedichtenbereich. Zudem bringt die
konische Hülse wegen der vorliegenden
Hülsengeometrie eine stärkere Verschlu ß-
belastung als eine vergleichbare
geschulterte Hülse, selbst wenn gleiche
Drücke vorliegen. Nicht umsonst wurde
deswegen der zulässige Höchstdruck der

240
12,351 7,21

72,00

Kaliber: 7 mm (.284"Dia.)
Hülse: umgeformt aus RWS 9,3 x 72 R
Zündh.: RWS 5341

KS 8,0 g RWS TMR 9,0 g RWS KS 10,5 g RWS


Patronenlänge 88,0 mm Patronenlänge 87,0 mm Patronenlänge 90,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 902 R 902 R 903
max. 2,33 36.0 750 max. 2,11 32.5 700 max. 2,24 34.5 650
min. 2,20 34.0 705 min. 1,98 30.5 650 min. 2,01 31.0 600
R 903 R 903 R 907
max. 2,62 40.5 790 max. 2,43 37.5 735 max. 2,33 36.0 650
min. 2,37 36.5 700 min. 2,24 34.5 650 min. 2,11 32.5 600
R 907 R 907 R 904
max. 2,66 41.0 790 max. 2,56 39.5 740 max. 2,59 40.0 680
min. 2,46 38.0 720 min. 2,37 36.5 670 min. 2,33 36.0 600

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48 49 und 55 56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

241
7 x 75 R Super Express vom Hofe
Die Patrone mit dem wohlklingenden Die Patrone aus der Sicht des
Namen ist eine der vom-Hofe-Patronen, Wiederladers
die von der Fa. Walter Gehmann
vertrieben werden. Die Patrone hat ihre
Befürworter, da sie leistungsmäßig in etwa Während die Fabrikpatronen in zwei Ge-
zwischen einer 7 x 64 und der 7 mm Rem. schossen angeboten werden, hat der
Mag. einzuordnen ist, allerdings näher Wiederladerdie Wahl zwischen deren fünf,
bei ersterer. die einfachen Teilmantel bzw. Voll-man-
Als Randpatrone für die im mittel-europäi- tel- und SG-Geschosse im Gewicht 9,0,
schen Raum favorisierten Kipplaufwaffen 10,0 und 11,2 g noch nicht einmal
bestens geeignet, ist die 7 x 75 R vor mitgerechnet. Dabei ist die Kombination
allem bei den Hochwildjägern beliebt, die 8,0 g KS (für Rehwild und leichtes Hochwild)
auch für weite Schüsse gerüstet sein mit einem ausgesprochenen
wollen. Andererseits scheint aber manch- Hochwildgeschoß (z. B. TIG 11,5g) ebenso
mal die Zahlengläubigkeit ihrer Benützer denkbar wie das Verladen eines
ausschlaggebend für das Interesse an Universalgeschosses wie z. B. 10,5 g KS
der 7 x 75 R zu sein, denn wie alle vom- welches auf etwa 870 m/s gebracht werden
Hofe-Patronen wird die 7 x 75 R Super kann.
Expreß als "Höchstleistungspatrone" mit Für kostengünstige Trainingsschüsse
sehr hoher Vo vorgestellt, wobei vor allem bietet sich das 9,0 g SG an, welches mit
die früher annoncierten außenbal- den Ladedaten der 10,5 g Geschosse mit
listischen Leistungen der schwereren etwa dessen Mündungsgeschwindig-
Geschosse stark überzogen schienen. keiten gemessen wurde. Bei den Pulvern
Wie dem auch sei, die 7 x 75 R ist eine hat sich vor allem Rottweil R 905 bewährt,
akzeptable Patrone, die sich durch ein was mit dem relativgroßen Hülsenvolumen
relativ ausgewogenes Druck-/Leistungs- der Patrone zusammenhängt und mit dem
verhältnis auszeichnet. So bringt sie z. B. bei Verwendung der schweren Geschosse
ihre über der 7 x 64 liegende Leistung mit die innenballistisch optimale und immer
weniger Druck als diese und würde, auf anzustrebende Ladedichte "nahezu 1"
die gleichen Drucke wie die 7 mm Rem. erreicht wird. Die Ermittlungsbeschüsse
geladen, diese nahezu kopieren. wurden mit Hülsen des Fabrikats Gehmann
durchgeführt. Bei der leicht möglichen
Umformung aus Hülsen RWS 9,3 x 74 R
dürfen keineswegs die Maximaldaten ohne
Überprüfung verwendet werden. Wegen
Geschichte des sehr stabilen Aufbaus sind die RWS-
Hülsen etwas volumenkleiner, so daß der
Die Patrone wurde von Walter Gehmann, daraus resultierende kleinere
der 1955 die Fa. vom Hofe übernahm im Verbrennungsraum eine höhere Leistung,
Jahre 1958 vorgestellt, nachdem bereits aber auch einen höheren Gasdruck erzielt.
Ernst August v. Hofe kurz vor dem Kriege Aus umgeformten RWS-Hülsen wird die
damit experimentiert und auch Munition gasdruckrelevante Höchstleistung z. T.
in den Handel gebracht hatte. bereits mit der "min."- Ladung erreicht.

242
ei0WA3- SklSLXL
113111.1.
1111,,,,
q,
13,35 7,21

75,00

Kaliber: 7 mm (.284" Dia.)


Hülse: Vom Hofe
Zündh.: RWS 5333

KS 8,0 g RWS KS 10,5 g RWS TIG 10,5 g RWS


Patronenlänge 91,4 mm Patronenlänge 92,7 mm Patronenlänge 91,4 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907 R 907
max. 3,95 61.0 930 max. 3,66 56.5 820 max. 3,66 56.5 865
min. 3,82 59.0 880 min. 3,50 54.0 785 min. 3,53 54.5 780
R 904 R 904 R 904
max. 4,31 66.5 935 max. 3,99 61.5 830 max. 3,99 61.5 820
min. 4,15 64.0 875 min. 3,82 59.0 I 800 min. 3,86 59.5 800
R 905 R 905 R 905
max. 4,60 71.0 950 max. 4,28 66.0 870 max. 4,28 66.0 865
min. 4,41 68.0 890 min. 4,02 62.0 800 min. 4,02 62.0 800

HMK 11,2 g RWS TIG 11,5 g RWS


Patronenlänge 93,2 mm Patronenlänge 93,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907
max. 3,60 55.5 805 max. 3,50 54.0 800
min. 3,50 54.0 780 min. 3,31 51.0 760
R 904 R 904
max. 3,86 59.5 800 max. 3,82 59.0 805
min. 3,69 57.0 760 min. 3,63 56.0 765
R 905 R 905
max. 4,21 65.0 840 max. 4,18 64.5 850
min. 4,02 62.0 770 min. 3,95 61.0 775

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

243
.30 M 1 Carbine
Die kleine US-Armeepatrone des Zweiten Die Patrone aus der Sicht des
Weltkrieges istwederjagdlich noch sportlich Wiederladers
brauchbar. Trotzdem hat sie eine gewisse
Popularität, was mit der Beliebtheit der für Die Standardladung hatte ein 7,1 g / 110 gr
sie gefertigten Waffe, dem Selbstlade- VMR-Geschoß, das mit etwa 600 m/s ge-
karabiner .30 M 1 Carbine zusammenhängt. messen wurde. Angesichts des Alters der
verwendeten Waffen wurde die Leistung
Geschichte später auf eine etwas geringere Mündungs-
geschwindigkeit zurückgenommen. Teil-
Die Patrone .30 M 1 und die zugehörige mantelgeschosse mit 7,1 g und aus werks-
Waffe waren als Ersatz für die .45 ACP geladener Munition stammende DN-Hülsen
Government Pistole gedacht und der US- für Boxerzündhütchen (Bodenstempel
Armee ab 1941 zur Verfügung gestellt "DAG") sind im RWS-Angebot zu finden. Als
worden. Die an sich gute und auf Verein- Pulver ist das schnellste Büchsenpulver der
fachung abzielende Umbewaffnungsidee Rottweil-Reihe, das Rottweil R 910 geeignet.
kam jedoch bei den davon betroffenen Mit der Maximalladung können die
Einheiten und Soldaten nicht so recht an: ursprünglich konzipierten 600 m/s knapp
Die Soldaten verließen sich lieber weiterhin erreicht werden. Alle anderen Komponenten
auf ihre Pistole .45 Auto und die Infanterie- aus der Ladetabelle sind als Substitute zu
munition .30 - 06. So blieb der in riesigen betrachten. Das Pistolenpulver P 806 ist
Stückzahlen produzierte .30 M 1 Carbine innerhalb der Vorschläge begrenzt
nach Kriegsende zwar weiterhin Armee- brauchbar und dient, vor allem hinter den
waffe, wurde auch noch im Korea-krieg Pistolengeschossen der Gewichte 4,7 g und
verwendet, aber dann endgültig und zusam- 6,0 g zum Fertigen von Übungsladungen.
men mit der Munition abgelöst. Die Gege- Bei diesen muß die Selbstladefunktion
benheiten nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch von Ladung zu Ladung überprüft
brachten es mit sich, daß Tausende von M werden; bei Verwendung des von der 7,65
1 Carbines in die Hände von deut-schen mm Browning stammenden, geringfügig
Polizisten, Jägern und Förstern gelangten durchmesserstärkeren Pistolengeschosses
und von diesem Personenkreis als mit 4,7 g hat sich die Überprüfung auch auf
vorübergehend einzige legale Waffe geführt den konzentrischen Sitz des Geschosses
und später auch käuflich erworben werden und die Ladefähigkeit der Hülse im
konnten. Dies war besonders in Geschoßraumbereich zu erstrecken. Das
Süddeutschland der Fall, wo die .30 M 1 6,0 g VMR hat eine Kneifrille und somit
Carbines als "Ami-Stutzen" in die jüngere könnte die Hülse zur besseren
Jagd- und Jagdwaffengeschichte eingingen. Geschoßbefestigung leicht gekniffen
Unzuverlässige Wirkung auf Schalenwild werden. Dabei ist jedoch streng auf die
und mangelnde Präzision für kleinere Ziele Einhaltung des richtigen Verschlußab-
ließen Waffe und Patrone jedoch bald in standes zu achten: Die Patrone .30 M 1 ist
Vergessenheit geraden. Sie sind heute nur Hülsenmundanlieger, weswegen die Form
noch sporadisch in jagdlichem Einsatz und und Lage des Hülsenmundes nicht verändert
meist in Sammlerhänden zu finden. werden darf. Unzulässig starkes Kneifen
Verschiedene Revolvermodelle, von denen der Hülse würde die Hülsenlänge L3
der Ruger Blackhawk auch an deutsche verkürzen bzw. den Hülsenhalsdurchmesser
Interessenten verkauft wurde, sowie min- H2 verkleinern, was auf Grund des daraus
destens ein Pistolenmodell der sog. "Long resultierenden, zu großen Verschlußab-
Slide Generation" verschie ßen ebenfalls die standes zu Zündversagern und Hülsenform-
Patrone .30 M 1. veränderungen, vereinzelt sogar zu Beschä-
digungen der Waffe führen kann.

244
Å , _

eunie0 I. lAl 0E "


1
9,14 I 7,82
....
_.y.., .K... Y_
32,77

Kaliber: .30 (.308"Dia.)


Hülse: DAG (Dynamit Nobel AG)
Zündh.: RWS 4033

VMR 4,7 g GECO VMR 6,0 g GECO TMR 7,1 g RWS


Patronenlänge 40,6 mm Patronenlänge 40,7 mm Patronenlänge 42,4 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Va m/s Pulver g gr V, m/s

P 806 P 806 P 806


max. 0,87 13.5 660 max. 0,75 11.5 565 max. 0,71 11.0 535
min. 0,81 12.5 625 min. 0,68 10.5 520 min. 0,65 10.0 500
R 910 R 910 R 910
max. 1,04 16.0 685 max. 1,00 15.5 670 max. 0,91 14.0 590
min. 0,97 15.0 600 min. 0,97 15.0 650 min. 0,87 13.5 580

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

245
7,62 x 39 Kalashnikov
Die Öffnung des Ostens Anfang der neun- her geeignet (7,62 mm Feld-, 7,86 mm
ziger Jahre brachte den Waffensammlern Zugdurchmesser), Schon in den
und Schützen zahlreiche, bis dato meist Dreissigern hatte Genschow Berlin unter
nur aus der Literatur unddamit weitgehend der Bezeichnung M35 eine Kurzpatrone
theoretisch bekannte Waffen und Pa- "7,75 x 39,5" entwickelt die aber nicht zum
tronen. Darunter befand sich auch die 7,62 Einsatz kam. Nach Kriegsende mussten
x 39 Kalashnikov, die nach dem bekannten Genschowfürdie Sowjets 20.000 Patronen
russischen Konstrukteur der hauptsächlich "7,62 x 39" liefern und kurz darauf wurde
für sie eingerichteten leichten Armeewaffe der Sinnonov-Selbstladekarabiner SKS
gleicher Bezeichnung benannt wurde. eingeführt. Die gängige sowjetische
Unter "Kalashnikov" versteht man sowohl Darstellung einer Eigenentwicklung darf
die sicherlich am meisten verbreitete also bezweifelt werden.
Militärwaffe des früheren "Ostblocks"- samt
seiner ehemaligen "Bruderstaaten" von Die Patrone aus der Sicht des
Angola bis Kuba - als auch die Wiederladers
Armeepatrone. Dabei war die Patrone gar
keine Kalashinikov-entwicklung. Der Zugdurchmesser der 7,62 x 39
(7,86mm) weicht von dem der .30er-
Geschichte Patronen (7,82 mm) ab, so daß
Spezialgeschosse verwendet werden
Die Übernahme und Einführung der 7,62 x müssen. Für die Ladevorschläge wurden
39 Kalashnikov war die unmittelbare deshalb hauptsächlich 8,0 g Geschosse
Reaktion der Sowjets auf passive d.h. von Sako im Durchmesser "7,87 - 7,91
schlechte Erfahrungen mit der deutschen mm" (Werksangabe) verwendet.
Kurzpatrone 8 x 33, wie sie z.B. im StGw Ladungen mit dem RWS .308 "7,1 g TMR
44 der Wehrmacht verwendet wurde. Der (der Patrone .30 M1 Carbine) erwiesen
technische und taktisch-logistische sich wegen großer Gasdrucksprünge mit
Grundgedanke militärischer Kurzpatronen allen Pulvern als ungeeignet, dagegen
ist der, daß unter Beibehaltung des Kalibers konnten mit 1,20 g/18.5 gr Rottweil
(und oft auch der R- und P-Hülsenmaße) R 910 hinter dem GECO 6,0 g VMR (.309")
der Standard-Armeepatrone eine leichte der Pistolenpatrone 7,65 mm Parabellum
Patrone mit reduzierter, den Kurzdistanzen bei einer Patronenlänge von 45,5 mm
des infanteristischen Kampfes angepasster und mittleren Gasdruck Mündungsge-
Wirkungsweite, geschaffen wird. Auf Grund schwindigkeiten von knapp 800 m/s
ihrer geringeren Nebenwirkungen beim erzielt werden. Selbstverständlich ist die
Schuß und wegen des geringeren Funktionsfähigkeit solcher "Sonder-
Volumens bringen sie sowohl beim ladungen" in der jeweiligen Waffe zu
kostenextensiven Bau leichter, führiger überprüfen. Das gleiche gilt für die in der
Handwaffen, als auch bei der Herstellung Ladetabelle aufgeführten Laborierungen
und Versorgung mit Munition finanzielle mit dem RWS SG 9,5 g, welches trotz des
und vorallem logistische Vorteile. Während geringfügig zu kleinen Durchmessersgute
alle genannten Punkte auf die aus der Leistungen brachte. Ursache für die
deutschen Armeepatrone 7,9x57 derivierte unerwartete Eignung des nicht mehr
"8 x 33 kurz" zutrafen, konnten die lieferbaren SG in der 7,62 x 39 ist wohl die
russischen Konstrukteure ihre Standard- Stauch-/Pressführung dieses relativ
Armeepatrone nicht auf eine"Kurzversion" dünnmanteligen und schweren Projektils.
schrumpfen: Die große Randhülse 7,62 x
54 R M.N. ist dafür höchstens vom Kaliber

246
—A— ,se --Ä-
11 30
eL.
38,50

Kaliber: 7,62/7,86 (.309')


Hülse: Lapua
Zündh.: RWS 5341

TMS 8,0 g Sako VMS 8,0 g Sako SG 9,5 (.308') RWS <
Patronenlänge 55,2m Patronenlänge 55,4 mm Patronenlänge 55,4 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s

R 910 R 910 R 901


max. 1,05 16.2 650 max. 1,05 16.2 655 max. 1,65 25.5 675
min. 1,00 15.4 625 min. 1,00 15.4 640 min. 1,25 19.3 540
R 901 R 901 R 902
max. 1,70 26.2 725 max. 1,70 26.2 730 max. 1,80 27.8 700
min. 1,45 22.4 635 min. 1,45 22.4 640 min. 1,43 22.1 570
R 902 R 902
max. 1,85 28.5 755 max. 1,85 28.5 760
min. 1,65 25.5 670 min. 1,65 25.5 690

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

247
.308 Win.
Die Verwendung im Militärdienstträgt sehr schießen, der Streukreisermittlung durch
zur raschen Verbreitung einer Patrone bei die Benchrester. Sie hat dort zwar den, im
und der zivile Schütze profitiert von den Vergleich zu den schwächeren Spezial-
Verbesserungen, die während der Laufzeit kalibern, beträchtlichen Nachteil des
an der Dienstpatrone vorgenommen größeren Rückstoßes und der ungleich
werden müssen. Ein weiterer Vorteil ist stärkeren Laufanwärmung, kann sich aber
das Vorhandensein von preisgünstigen im Vergleich zu anderen Kalibern wie-
Waffen oder zumindest Systemen für das derum sehen lassen.
jeweilige Dienstkaliber, wenn dies auch
im Zeitalter der Maschinenwaffen nicht Die vorhandene Eigenpräzision der Pa-
mehr die Wertigkeit besitzt wie z. B. noch trone ist auch ausschlaggebend für eine
vor dem Zweiten Weltkrieg. weitere Spezialverwendung: Die .308 Win.
ist eine der am meisten verbreiteten
Das Vorhandensein von Militärmunition Scharfschützenpatronen im Polizeiein-
in Vollmantelausführung dagegen ist kaum satz.
als Vorteil für den Jäger zu bezeichnen.
Schon die nach völlig anderen Grund-
sätzen geforderte "Präzision" der Armee- Geschichte
patrone liegt außerhalb dessen, was man
als noch jagdtauglich bezeichnen könnte. Bereits 1952 als Jagd- und Sportpatrone
Wichtigster Nachteil der Vollmantelmu- vorgestellt, scheint die .308 als solche
nition aber ist der Mangel an zielballi- entwickelt worden zu sein, zumal sie erst
stischer Wirkung beim Schuß auf Wild. 1954 als Militärpatrone angenommen und
erst 1957 die entsprechenden Armee-
Als Jagdmunition hat sich die .308 Win. waffen vorhanden waren. Diese auf den
einen guten Namen gemacht und als ersten Blick und wegen der Jahreszahl-
solche soll sie im folgenden behandelt folge scheinbar richtige Feststellung ist
werden: Leistungsmäßig liegt die .308 jedoch falsch: Der Ursprung der .308 Win.
unterhalb der 7 x 64 oder .30 - 06; etwa auf bzw. 7,62 mm NATO geht (wenn nicht
einer Linie zwischen 7 x 57 und 7 x 65 R. sogar bis zur 8 x 51 Mauser) bis in die Zeit
An die 8 x 57 IS reicht sie nicht heran, vor dem Zweiten Weltkrieg zurück. Schon
wenn dies von ihren Befürwortern auch damals hatte man bei den amerikanischen
behauptet wird. Aber die Tatsache der Streitkräften festgestellt, daß die Leistung
Vergleichsmöglichkeit mit der deutschen der meist unterladenen damaligen Armee-
Militärpatrone zweier Weltkriege weist die patrone .30 - 06 auch von einer kürzeren,
.308 in ihren Verwendungs- und Lei- leichteren und damit logistisch vorzuzie-
stungsbereich ziemlich genau ein: Sie ist henden Patrone gebracht werden könnte.
tauglich auf alles europäische Schalen-
wild, wobei der Schwerpunkt auf mittlerem Nach einigen technischen Um- und Irr-
Wild liegt. wegen kurz vor bzw. während des Zweiten
Weltkrieges (.276 Pederson und .30 M 1
Ein weiterer Verwendungsbereich liegt Carbine) kam man kurz nach dem Krieg
auf dem Sportschützensektor: Die .308 über die etwas veränderte .300 Savage
wird nicht nur für verschiedene Disziplinen zur sog. T 65, die von Winchester, wie
des Scheibenschießens benützt, sondern beschrieben, bereits vor der Annahme
auch zum eigentlichen Präzisions- durch die Militärs mit einem geschickt

248
angelegten Werbefeldzug und dem Die Patrone aus der Sicht des
Firmennamen versehen als .308 Win. auf Wiederladers
den Markt gebracht wurde.
Der Start der neuen Patrone war jedoch Neben den Geschossen der Werksla-
nicht leicht; es galt, die große Konkurrenz dungen verdient das nur 7,1 g schwere
in Form der .30 - 06 auszuschalten. Die TMR Beachtung: Das von der ehemaligen
.30 - 06 in der Zivilversion konnte mit den US-Armeepatrone .30 M 1 Carbine stam-
damaligen Pulvern nämlich alles, was die mende, kaliberbezogen sehr leichte Pro-
.308 auch konnte, jedoch bei geringerem jektil leistet vor 3,11 g/48.0 gr R 902 etwa
Gasdruck. Bei gleichem Druck war sie der 980 m/s und kann bis etwa 930 m/s
.308 jeweils überlegen. Erst die später heruntergeladen werden, ohne die für
neu entwickelten Kugelpulver mit ihrem kleine Ziele, also Reh- und Raubwild,
hohen Schüttgewicht ermöglichten das erforderliche Präzision zu verlieren. Hinter
Fortkommen der zivilen .308 Win. diesem Geschoß eignen sich noch
Heute ist die .308 ähnlich wie ihre mili- mehrere Pulver, so das R 907 (maximal
tärische Schwester auf der westlichen 3,31 g/51.0 gr bei 940 m/s) oder die in der
Weltverbreitet, ausgenommen die Länder, Ladetabelle ausgedruckten R 903 und
welche die jeweilige Militärpatrone zu R 901. Letzteres Pulver läßt sich bei
zivilen Zwecken verbieten. Dazu kommen ausreichender Hülsenliderung noch über
Jagdgebiete in aller Welt, wo sich die .308 die angegebene Minimalladung reduzie-
Win. wegen eines preisgünstigen Muni- ren, etwa bis 2,33 g/36.0 gr (ca. 760 m/s).
tions- und Jagdwaffenangebots einführen Soll das 7,1 g TMR noch weiter verlang-
konnte. samtwerden, z. B. für eine Schwach- oder
Es ist deshalb anzunehmen, daß die .308 Übungsladung, so ist der Wechsel zu
zusammen mit der .30 - 06, der .303 einem offensiveren Pulver angebracht,
British und der 8 x 57 IS zu den zahlen- wobei sich das Rottweil R 910 anbietet.
mäßig am meisten vertretenen Jagdpa- 1,88 g/29.0 gr ergeben ca. 800 m/s. Von
tronen der Welt gehört und die beiden dieser Maximalladung ausgehend, ist eine
letztgenannten Patronen wahrscheinlich Reduzierung der .308 mit dem deshalb
schon überholt hat. als sehr gute Ergänzung anzusehenden
7,1 g Geschoß bis auf den Pegel der
kleinen .30 M 1 Patrone möglich. Aus den
RWS- und GECO-Laborierungen meisten Waffen ist eine ausreichende
Liderung noch bei ca. 1,30 g / 20.0 gr
Dem Verwendungszweck entsprechend Rottweil R 910 = ca. 590 m/s zu erwarten.
stehen mehrere Laborierungen zur Am besten arbeitet man sich in kleinen
Verfügung: Matchpatronen mit den 10,9 Schritten nach unten, damit der vollstän-
und 12,3 g Match-S-Geschossen, 11,7-g- dige Pulverabbrand und damit die sichere
Jagdpatronen mit TUG und HMK, 9,7-g- Liderung der Hülse gewährleistet sind.
Jagdpatronen mit KS und TIG. Zur Bei der geringen Ladedichte mit den
Ergänzung wurden noch die Allround- Rottweil R 910-Chargen sollte man sich
Ladungen mit den universell einsetzbaren angewöhnen, die Waffe vor dem Schuß
10,7 g KS und DK aufgelegt. Aus der mit der Mündung nach oben zu halten.
preiswerten GECO-Reihe kommt die TMR Dies hat den Effekt, daß beim Einrichten
11,0 g-Target-Patrone für das Scheiben- der Waffe auf die Auflage das wenige
schießen und für einfache Verhältnisse. Pulver in der Hülse immer in gleicher

249
.308 Win.
Lage zum Zündstrahl zu liegen kommt. je nach Lauflänge 830 bis 850 m/s erreicht,
So wird eine möglichst große Gleich- wobei sich hinter dem 9,5 g SG das R 903
mäßigkeit von Schuß zu Schuß erreicht am ausgewogensten gibt. Besagte ca.
und damit die Voraussetzung für eine 840 m/s sind ein guter Wert für eine
gute Präzision. Übungsladung, sollten aber aus Waffen
Sämtliche hier und in der umstehenden mit kürzerem Drall nicht ausgeschöpft
Tabelle aufgeführten Vorschläge für das werden. Für diese bietet sich eine Redu-
7,1 g TMR dienen auch zum Verladen des zierung des 9,5 g SG an (s. Ladeliste).
6,0 g VMR-Geschosses der Pistolen- Als jagdliches Bestgeschoß zeigt sich das
patronen 7,65 mm Para. bzw. 7,63 mm 9,7 g KS, welches vor allem mit den
Mauser, sofern in Spezialfällen der Bedarf beiden langsameren Pulvern sehr gut
für ein leichtes Vollmantelgeschoß vor- auskommt. Das KS ist für alles bei uns
handen ist. Die Patronenlänge ist dabei vorkommende Schalenwild geeignet und
so zu legen, daß die Kneifrille des 6,0 g ist dann erste Wahl, wenn neben Rehwild
VM fast im Hülsenmund versenkt ist. Mit mit gelegentlichem Hochwild gerechnet
gleicher Pulverladung wie beim 7,1 g TMR werden kann. Die gleiche Beurteilung
angegeben liegen die erzielbaren kommt dem seit 1988 lieferbaren 9,7-g-
Mündungsgeschwindigkeiten des 6,0 g TIG zu, welches hinsichtlich Präzision
Vollmantelgeschosses etwas höher und und Zielballistik aus manchen Waffen das
der Spitzengasdruck naturgemäß etwa 9,7-g KS ergänzen kann.
200 bar niedriger. Interessant ist eine Als Universalgeschosse sowohl hinsicht-
Vollmantelladung relativ geringen Ge- lich der Masse als auch der außen- und
schoßgewichts natürlich zur Erlegung zielballistischen Wirksamkeit dienen die
kleinen Nutzwildes, wenn wenig Wildbret seit 1988 bzw. 1996 am Markt befindlichen
entwertet werden soll. So führen enga- KS und DK im Gewicht 10,7 Gramm.
gierte Wiederlader der .308 Win. gerne Mit 10,9 g ist das Sierra-Match-S-Gescho ß
eine solche "Kleinwildpatrone" auf der in bewährter Hohlspitzausführung auch
Jagd mit, wenn statt dem Hirsch ein Hase für Läufe mit kurzem Drall geeignet und
zur Strecke gelegt werden soll. bringt aus diesen beste Präzision. Bei
den Ermittlungsbeschüssen stellte sich
Im nächst höheren Geschoßgewicht die Maximalladung mit 2,92 g/45.0 gr R
9,5 g steht dem Wiederlader ein Scheiben- 903 als die präziseste heraus. Es handelt
geschoß - SG - zur Verfügung, welches sich dabei um eine komprimierte Ladung
sowohl beim Schützen als auch beim hinter dem auf eine Patronenlänge von
Jäger Beachtung findet. Letzterer bedient 71,0 mm gesetzten Matchgeschoß,
sich des preiswerten, auf die normale 100 welche sowohl bei der Mündungsge-
m Entfernung doch sehr gut schießenden schwindigkeit als auch beim Gasdruck
SG-Geschosses vor allem für das jagd- sehr geringe Standardabweichungen
liche Übungsschießen und den gelegent- aufweist. Aus manchen Läufen genauso
lichen Kontrollschuß. Der Schütze nimmt gut schießend ist die Maximalladung mit
das SG ebenfalls zum Übungsschießen, R 907, welche ebenfalls eine sog.
vor allem zur finanziellen Einsparung im "Preßladung" darstellt. Innenballistisch
Vergleich zu den teureren Matchge- günstig ist normalerweise eine Pulver-
schossen. Mit 2,88g/44.5 gr Rottweil ladung, welche geringfügig unter der
R 902 sowie 3,05 g/47.0 gr Rottweil R 903 Ladedichte "1" liegend, mit möglichst
und 3,11 g/48.0 gr Rottweil R 907 werden wenig Druck eine möglichst hohe Leistung

250
erzielt. Im Falle der .308 Win. ist die der Grenze der Leistungsfähigkeit ange-
typische Ausnahme von dieser Regel zu langt. Noch schwerere Geschosse als
sehen: Bedingt durch das im Verhältnis das zur Befriedigung des Interesses der
zum Verbrennungsraum ziemlich große Liebhaber massenreicher Projektile mit
Kaliber ist die .308 eine Zwitterpatrone, hereingenommene 13,0 g KS-Geschoß
für die bei normalen Geschoßgewichten erscheinen innen- und außenballistisch,
die am Wiederladermarkt gängigen Büch- sowie aus Gründen der Waffenfunktion
senpulver entweder zu wenig dicht oder (Magazinlänge) als wenig vorteilhaft, so
zu wenig energiereich sind, so daß es daß auf die Ermittlung von Laborierungen
relativ schwer ist, die richtigen Pulver mit 14,2 g / 220 gr oder mit gar noch
hinter gegebene Geschoßgewichte zu schwereren Geschossen verzichtet
setzen. Es wird deswegen bei Durchsicht wurde.
der Ladeangaben und im Vergleich mit
den Fabrikdaten auffallen, daß die Lei- Bei den Maximalladungen ist die nötige
stung der Werksladungen nicht ganz Sorgfalt beim Verwiegen des Pulvers
erreicht werden kann, weil deren Spezial- dringend angebracht, da die .308 in
pulver dem Wiederlader nicht zur Verfü- diesem Bereich schon auf kleine
gung steht. Ladungserhöhungen reagiert. Mit R 903
Andererseits wiegen wenige Metersekun- wird die jeweilige Bestladung erbracht,
den in der Praxis kaum etwas und zudem, gefolgt von R 902. R 907 ist ebenfalls
wie gesagt als "Ausnahme von der Regel", geeignet; die ausgedruckten Anfangsla-
bringt die .308 auch mit komprimierten dungen für dieses schon progressive
Ladungen eine hohe Leistung hinsichtlich Pulver sollten nicht unterschritten werden.
kinetischer Energie und Präzision. Echte Die .308 Winchester ist unzweifelhaft eine
Hochwild-Spezialgeschosse sind die der wichtigen Jagd- und Sportpatronen.
beiden 11,7 g Projektile der Konstruktion Das RWS-Geschoßangebot trägt dem
H-Mantel-Kupferhohl-spitze - HMK - und Rechnung, indem neben dem "reinrassi-
Torpedo-Ideal-Geschoß - TIG -. Trotz gen" Matchgeschoß im Gewicht 12,3 g
unterschiedlicher Konstruktion haben und den "reinrassigen", speziellen Jagdge-
beide die gleiche Konzeption: Sie sollen schossen (KS, DK, TIG, HMK, TUG) auch
beim Eindringen in den Wildkörper noch Geschosse mit dualen Aufgaben,
deformieren und Splitter abgeben, um mit also mit Blick auf die Verwendung sowohl
dem verbleibenden Geschoßrest Aus- auf die Scheibe als auf der Jagd, ange-
schuß erreichen zu können. Dabei ist das boten werden. Zur letzteren Kategorie
HMK ganz auf die Zerlegung des vorderen zählen die Teilmantel-Geschosse im
Geschoßteils konstruiert, so daß ein Gewicht 7,1 g und 11,0 g, sowie das 9,5 g
zylindrischer Restkörper erhalten bleibt. schwere SG. Letzteres wird bereits mit
Die Laborierungsangaben für die beiden den unteren Ladevorschlägen auf die
Geschosse sind bis auf die Maximalladung "gängige" Mündungsgeschwindigkeit von
R 902 austauschbar, wobei sich R 903 als 750 m/s beschleunigt.
Bestpulver zeigt. Ein äußerst präzises
Matchgeschoß für Läufe mit dem kürzeren
Drall ist das 12,3 g schwere MS in Lochge-
schoßausführung. Bei einer Leistung von
750 m/s mit diesem für die .308 schon
schweren Projektil ist die Hülse bereits an

251
.308 Wi n.

TMR 7,1 g RWS SG 9,5 g RWS KS 9,7 g RWS


Patronenlänge 62,5 mm Patronenlänge 68,0 mm Patronenlänge 68,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 901 R 902 R 902
max. 2,92 45.0 965 max. 2,88 44.5 840 max. 2,85 44.0 840
min. 2,72 42.0 900 min. 2,66 41.0 740 min. 2,59 40.0 730
R 902 R 903 R 903
max. 3,11 48.0 980 max. 3,05 47.0 840 max. 2,98 46.0 850
min. 2,98 46.0 930 min. 2,79 43.0 750 min. 2,72 42.0 740
R 903 R 907 R 907
max. 3,37 52.0 965 max. 3,11 48.0 840 max. 3,11 48.0 850
min. 3,18 49.0 880 min. 2,92 45.0 770 min. 2,92 45.0 720

TIG 9,7 g RWS KS 10,7 g RWS DK 10,7 g RWS


Patronenlänge 66,1 mm Patronenlänge 69,3 mm Patronenlänge 68,8 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 902 R 902 R 902
max. 2,92 45.0 870 max. 2,79 43.0 810 max. 2,79 43.0 810
min. 2,75 42.5 810 min. 2,59 40.0 740 min. 2,66 41.0 775
R 903 R 903 R 903
max. 3,14 48.5 865 max. 3,01 46.5 825 max. 3,05 47.0 815
min. 3,01 46.5 830 min. 2,79 43.0 760 min. 2,92 45.0 770
R 907 R 907 R 907
max. 3,18 49.0 865 max. 3,05 47.0 820 max. 3,08 47.5 820
min. 3,05 47.0 820 min. 2,92 45.0 760 min. 2,92 45.0 770

252
00
e
_•
Kaliber: .30 (.308"Dia.)
Hülse: RWS Match
Zündh.: RWS 5341

MS 10,9 g Sierra TMR 11,0 g GECO HMK 11,7 g RWS


Patronenlänge 71,0 mm Patronenlänge 71,0 mm Patronenlänge 69,9 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s

R 902 R 902 R 902


max. 2,75 42.5 790 max. 2,85 44.0 810 max. 2,53 39.0 750
min. 2,59 40.0 720 min. 2,75 42.5 775 min. 2,33 36.0 705
R 903 R 903 R 903
max. 2,92 45.0 785 max. 3,01 46.5 805 max. 2,79 43.0 770
min. 2,69 41.5 700 min. 2,85 44.0 760 min. 2,53 39.0 700
R 907 R 907 R 907
max. 2,98 46.0 780 max. 3,05 47.0 790 max. 2,95 45.5 770
min. 2,85 44.0 725 min. 2,92 45.0 750 min. 2,72 42.0 710

TUG 11,7 g RWS MS 12,3 g RWS KS 13,0 g RWS


Patronenlänge 66,6 mm Patronenlänge 71,0 mm Patronenlänge 69,0 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 902 R 902 R 902
max. 2,50 38.5 740 max. 2,46 38.0 730 max. 2,56 39.5 710
min. 2,33 36.0 725 min. 2,33 36.0 710 min. 2,43 37.5 650
R 903 R 903 R 903
max. 2,79 43.0 770 max. 2,59 40.0 750 max. 2,79 43.0 710
min. 2,59 40.0 740 min. 2,33 36.0 690 min. 2,59 40.0 670
R 907 R 907 R 907
max. 2,95 45.5 770 max. 2,79 43.0 745 max. 2,85 44.0 710
min. 2,72 42.0 715 min. 2,59 40.0 680 min. 2,72 42.0 670

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

253
.307 Win.
Der Wunsch nach leistungsfähigen Patronen Verlust, der in der Waffenkonstruktion
für Unterhebel-Repetierbüchsen istsehr alt, begründet ist: Bekanntlich dürfen in Waffen
denn schon immergabes Kritikan der Leistung mit Röhrenmagazin nur Flachkopfgeschosse
derfürLeverActions meist verwendeten .30 verladen werden (Ausnahme nur bei
-30Win. (s.d.). So versuchte man auf zweierlei spiralförmigen Röhrenmagazinen),weil sonst
Wegen, die Nachfrage zu befriedigen: Einmal beim Rückstoßdurch den Trägheitsmoment
konstruierte man "neue Waffen für alte die (scharfe) Geschoßspitze einer hinten
Patronen", z. B. baute Marlin das Unterhebel- befindlichen Patrone als "Schlagbolzen"für
Repetierbüchsenmodell1 895 für die alte .45 ein davor befindlichesZündhütchen fungieren
- 70 Government, oder aber man schuf neue könnte. Eine "Massendetonation" im
Patronen für bereits existierende Waffen, z. Magazinrohrwäredie Folge. Insofern istjede
B. die .444 Marlin (s.d.). Winchester, schon Ladung für Lever Actions benachteiligt, weil
immer mit offenem Ohrfürdie Liebhaberdes wegen der ungünstigen Ballistischen
"Levers", ging einen dritten Weg, indem Koeffizienten der Flachkopfgeschosse ein
zugleich zur Neuvorstellung einer Waffe neue rascher Verlust an Fluggeschwindigkeit auf
Patronen vorgestellt wurden. Wie die größere Entfernungen die Folge ist.
Patronenbezeichnung nichterkennen läßt, ist
die .307 Win. eine Schwesterder .308 Win.
odertechnisch ausgedrückt, eine "Halb"-Rand-
Version der .308 Win. Der schwache Rand
der .307 ist nicht zu vergleichen mit dem Die Patrone aus der Sicht des
kräftigen Rand einer normalen Randpatrone Wiederladers
(.307 Win. Differenz P1/R1 = 0,89 mm; 7 x
57 R Differenz P1/R1 =1,45 mm). Dies läßt
darauf schließen, daß es sich beim Halb-Rand Während die Originalhülsen zur Verfügung
der .307 Win. lediglich um eine Ausziehhilfe stehen, sieht es beim Gescho ßangebot nicht
handelt, wohingegen der Verschlu ßabstand sehr gut aus: Flachkopfgeschosse gibt es
derHülse überdieSchultergebildetwird. Die zwarin großerAuswahl,doch sind diese, von
.307 Win. ist also kein Randanlieger, wie der .30 - 30 stammend, viel zu "weich" im
normale Randpatronen, sondern ein Aufbau, als daß sie bei den in der .307
Schulteranlieger, wie randlose Patronen. erzielbaren Geschwindigkeiten als
Von der Leistung wäre die .307 Win. im Jagdgeschosse gelten können. Den
Prinzip vergleichbar mit der .308 Win., Westernfan oder sonstigen Liebhaber von
nachdem die Hülsenaußenmaße (bis auf den Lever Action Waffen wird dies nicht stören,
R-Bereich) identisch sind und beide Patronen weil es sich beim Schuß auf die Scheibe nicht
mit dem gleichen Maximal-gasdruck (3600 auswirkt. Die TMR-Geschosse sollten
bar) zugelassen sind. In Wirklichkeit liegt jedoch vorsichtshalber etwas abgeflacht werden.
bei der .307 ein etwas geringerer
Hülsenverbrennungs-raum vor, was bei
gleichem Druck zu einer
Leistungsschmälerung führen muß, da
weniger Energie in Form einer geringeren
Pulverladung zur Verfügung steht. Das Minus
an erzielbarer Mündungsgeschwindigkeit bei
gleichem Geschoß und gleichem Druckwird
nochverstärktdurcheinenaußenballistischen

254
12,85 7,82
T
__T
-411 51.18

Kaliber: .30 (.308" Dia.)


Hülse: W-W
Zündh.: RWS 5341

TMR 7,1 g RWS TMR 9,7 g Hornady TMF 11,0 g Hornady


Patronenlänge 62,5 mm Patronenlänge 64,4 mm Patronenlänge 64,4 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr V, m/s
R 901 R 902 R 902
max. 2,85 44.0 945 max. 2,72 42.0 810 max. 2,59 40.0 760
min. 2,53 39.0 830 min. 2,46 38.0 730 min. 2,40 37.0 710
R 902 R 903 R 903
max. 3,11 48.0 960 max. 3,05 47.0 815 max. 2,98 46.0 785
min. 2,92 45.0 890 min. 2,85 44.0 745 min. 2,66 41.0 710
R 903 R 907 R 907
max. 3,31 51.0 925 max. 3,05 47.0 800 max. 2,98 46.0 760
min. 3,05 47.0 860 min. 2,79 43.0 720 min. 2,85 44.0 720

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48 49 und 55 56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

255
.30 - 30 Win.
Im Ursprungsland USA finden sich an- auf den ersten Blick auf eine
nähernd so viele Widersacher wie Befür- Schwarzpulverpatrone hinzuweisen
worter der .30 - 30. Die Patrone wird von scheint, besagt, daß die ursprüngliche
ihren Freunden als "die beste Deer- Ladung aus 30 Grains eines rauch-
Patrone", aber vor allem von den schwachen Pulvers bestand. Vor allem
fortschrittlichen Jägern als "der beste bekanntgeworden durch die leichten,
Deer-Verwunder" bezeichnet, wobei mit führigen Lever-Action-Repetierer, ist die
"Deer" die verschiedenen Spezies der .30 - 30 heute wahrscheinlich noch die
Neuwelthirsche, d.h. Weißwedelhirsch weitverbreitetste Schalenwildpatrone
und Maultierhirsch mit ihren Sub-Spezies, Nord-, Mittel- und Südamerikas. Bei uns
gemeint sind. Ohne sich in den Streit der konnten sich Waffen und Patrone .30 - 30
amerikanischen Jäger einmischen zu aus den schon erwähnten Gründen nicht
wollen, kann die Beurteilung der .30 - 30 durchsetzen.
etwa so lauten: Vom rein hülsenspezi-
fischen leistet die doch recht schmal-
brüstige Patrone zwar mehr, als man ihr
zutraut, jedoch nicht genug, um sie guten
Gewissens für schwereres Schalenwild Die Patrone aus der Sicht des
als Rehwild einsetzen zu können. Die Wiederladers
Bestimmungen des deutschen Jagdge-
setzes lassen die .30-30 nur auf Rehwild Die .30 - 30 ist keine gängige Wiederla-
zu. Ein weiterer Nachteil aus der Sicht derpatrone, was im Zusammenhang mit
hiesiger Jagdverhältnisse ist die meist obigen Gründen der Bekanntheit ver-
mangelnde Präzision der für sie einge- ständlich ist: Mögliche präzisionsbezo-
richteten Waffen, die hauptsächlich als gene Verbesserungen der Patrone
Unterhebelrepetierer ausgelegt sind. Da können waffenseitig nicht genutzt werden
auf diesen funktionsbedingt eine Zielfern- und außen- bzw. zielballistische Verbes-
rohrmontage ausreichender Festigkeit oft serungen sind gegenüber den zahlreich
nicht möglich ist, beschränkt sich die angebotenen Werksladungen nicht
Verwendung von Waffen Kal..30 - 30 auf durchschlagend. Trotzdem ist die .30 - 30
gelegentliches Führen anläßlich von bei uns in Wiederladerkreisen nicht unbe-
Nachsuchen. Die weitaus größte Anzahl kannt und wird schon aus Kostengründen
von solchen Büchsen ist demgemäß in gerne geladen. Bewährt haben sich bei
Sammlerhänden zu finden. den Pulvern vor allem R 902 hinter dem
RWS 7,1 g TMR und dem Hornady 9,7 g
TMR, während R 903 beim 11,0 g Hornady
TMF die Bestleistung bringt. In Büchsen
Geschichte mit Röhrenmagazin dürfen aus den be-
kannten Gründen keine Spitzgeschosse
Die .30 - 30 kam als .30 WCF (Winchester verladen werden. Bei den TMR-Geschos-
Center Fire) zusammen mit der schon sen empfiehlt sich die Abflachung der
legendären Unterhebelrepetierbüchse Spitze, was mit Hilfe einer Flachfeile ohne
(Lever Action) Winchester Model 94 im Präzisionseinbußen geschehen kann.
Jahre 1895 auf den Markt und war die
erste US-Nitropulverpatrone für Jagd-
zwecke. Die Bezeichnung .30 - 30, welche

256
12,85 7,82 0
_Y_
51,80
0
e
_•
Kaliber: .30 (.308" Dia.)
Hülse: Norma
Zündh.: RWS 5341

malle111111111M
u=inifflY
TMR 7,1 g RWS TMR 9,7 g Hornady TMF 11,0 g Hornady
Patronenlänge 62,2 mm Patronenlänge 64,4 mm Patronenlänge 64,7 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 901 R 901 R 901
max. 2,07 32.0 745 max. 1,94 30.0 665 max. 1,81 28.0 620
min. 1,88 29.0 685 min. 1,68 26.0 600 min. 1,68 26.0 590
R 902 R 902 R 902
max. 2,40 37.0 800 max. 2,27 35.0 720 max. 2,11 32.5 665
min. 2,20 34.0 730 min. 2,07 32.0 650 min. 1,94 30.0 600
R 903 R 903 R 903
max. 2,46 [38.0 750 max. 2,33 36.0 690 max. 2,24 34.5 680
min. 2,30 35.5 700 min. 2,20 34.0 650 min. 2,04 31.5 600

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

257
7,62 x 54 R
Die Patrone hat mehrere Bezeichnungen, büchsenmodell m/91 vorgestellt. In
von denen 7,62 Russian, 7,62 mm russ. Rußland bzw. später in der Sowjetunion,
und 7,62 x 53 R am bekanntesten sind. sowie in den damaligen Staaten des
Oftmals wird auch ein "MN" angehängt. sowjetischen Einflußbereiches, war die
Dies ist die Abkürzung für "Mosin-Nagant", Patrone in nahezu allen Militärwaffen
wobei der eine ein belgischer Konstruk- gebräuchlich und blieb bis weit in die
teur, Louis Nagant, der andere ein sechziger Jahre Standard. In Finnland
russischer Hauptmann, Sergej Mosin, war. war sie ebenfalls über alle dortigen
Die 7,62 x 54 R wird im Ursprungsland Modifikationen des Systems 91 (z. B. m/
immer noch als Jagdpatrone geführt. In 91-24 "Lotta", m/27 "Pystikorva" und m/
dieser Eigenschaft läßt sie sich fast auf 39 "Ukko-Pekka") die Standardpatrone.
Metersekunde und Joule genau in die Heute ist die 7,62 x 54 R als Militärpatrone
gleiche Klasse wie die .308 Win. oder praktisch abgelöst, zumindest bei den
eine leicht unterladene .30 - 06 einordnen. Handfeuerwaffen (Ausnahme manche
Da Geschosse von etwa sechs bis veralteten MG-Modelle) und zwar durch
dreizehn Gramm zur Verfügung stehen, die Kurzpatrone gleichen Kalibers, die
ist die 7,62 x 54 R für alles in Europa 7,62 x 39.
und dem asiatischen Einzugsbereich der
Patrone vorkommende Wild ausreichend. Die Patrone aus der Sicht des
Als ehemalige, auch finnische, Wiederladers
Militärpatrone ist die 7,62 vor allem bei
den alten Jägern der Nordkalotte noch Die 7,62 x 54 R kann trotz ihres gegenüber
beliebt. den "westlichen .30er Patronen" gering-
Allerdings war sie als Kriegspatrone nicht fügig größeren Zugdurchmessers mit allen
immer für den zivilen Gebrauch zugelas- Geschossen des Kalibers .308 versorgt
sen. So entstanden unter Verwendung werden. Hülsen gibt es aus Finnland,
der 7,62 mm-Hülse neue Patronen. Hier sowie aus Schweden von Norma. Letztere
sind besonders zu nennen die 6,5 x 53 R kamen im Beschuß zur Verwendung (Bo-
Finnisch und die 7 x 53 R, sowie die denstempel 7,62 russ.). Es versteht sich
8,2 x 53 R und die 9,3 x 53 R. Die von selbst, daß beim Wiederladen für alte
7,62 x 54 R ist eine gute Jagdpatrone und Waffen die Laborierungen sehr sorgfältig
stellte im Norden und Osten Europas "von unten" ermittelt werden müssen. Die
zudem zu ihrer Zeit, neben den aus 91er Systeme und ihre Varianten, ganz
Deutschland übernommenen Scheiben- gleich von welchem Hersteller, sind als
patronen der 8,15 x 46 R-Klasse, eine der nicht besonders stabil bekannt, vor allem
wichtigsten Sportpatronen dar. Noch lange die aus Kriegsfertigung.
nach der Umstellung auf die 7,62 x 39, Weitere "max." - Ladungen: 3,11 g/48.0 gr
eigentlich bis zur Aufnahme der KK- R 902 hinter dem 9,7 g KS bringen bei
Patrone für die Biathlon-Wettkämpfe, war einer Patronenlänge von 71,0 mm
die 7,62 x 54 R die beliebteste Patrone 835 m/s; 3,01 g/46.5 gr R 903 hinter dem
der finnischen und russischen Skijäger. 11,7 g HMK (72,0 mm) wurden mit
750 m/s gemessen und 3,05 g/47.0 gr
Geschichte R 907 hinter dem 11,7 g TUG sind gut für
765 m/s. Damit kann die alte Randpatrone
Die 7,62 x 54 R Mosin-Nagant wurde bei geringerem Gasdruck einer modernen
1891 zusammen mit dem Repetier- .308 Win. leicht Paroli bieten.

258
14,40 7,82

53,50 X
(37

Kaliber: .30 (eigentl. 7,62/7,87 mm = .309" Dia.- s.Text)


Hülse: Norma "7,62 russ."
Zündh.: RWS 5341

TMR 7,1 g RWS SG 9,5 g RWS ST 11,7 g RWS


Patronenlänge 64,0 mm Patronenlänge 70,0 mm Patronenlänge 72,5 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 901 R 902 R 902
max. 3,01 46.5 945 max. 2,92 45.0 830 max. 2,79 43.0 750
min. 2,79 43.0 880 min. 2,72 42.0 790 min. 2,59 40.0 715
R 902 R 903 R 903
max. 3,21 49.5 955 max. 3,24 50.0 835 max. 3,08 47.5 750
min. 3,05 47.0 915 min. 3,08 47.5 800 min. 2,92 45.0 710
R 903 R 907 R 907
max. 3,50 54.0 940 max. 3,24 50.0 830 max. 3,08 47.5 750
min. 3,37 52.0 910 min. 3,11 48.0 795 min. 2,92 45.0 715

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

259
7,5 x 55 Schweizer Ordonnanz
Obwohl mehrere Waffenhersteller die bei etwas höherem Gasdruck ebenfalls
Patrone im Programm haben und gute 870 m/s; die .30-06 wird mit etwa 910 m/
Büchsen zur Verfügung stehen, ist die 7,5 s gemessen. Die Daten der KS-Ladung
x 55 im deutschen Raum weitgehend bestätigen die relative Nähe der 7,5 x 55
unbekannt. Das hängt damit zusammen, zur .308 Win., was die erzielbare Energie
daß ihr Leistungsbereich von anderen anlangt.
Standardpatronen vollständig abgedeckt
wird: Die .308 Win. ist praktisch gleich- Die Patrone aus der Sicht des
wertig, zumindest bei höheren Drücken Wiederladers
und die .30 - 06 bringt bei gleichem Druck
eine etwas höhere Geschwindigkeit bei Die 7,5 x 55 ist an sich für Geschosse des
jeweils gleichen Gescho ßgewichten. Trotz- Kalibers 7,81 mm/.307"vorgesehen, kann
dem hat die 7,5 x 55 ihre Berechtigung aber mit den geringfügig stärkeren, gängi-
neben den genannten Patronen und ist geren Geschossen 7,82 mm/.308"verla-
wegen ihrer Ausgewogenheit vor allem bei den werden. Auch die Zug- und Felder-
den Freigewehrschützen beliebt. Natürlich maße weichen etwas von den normalen
wird sie im Ursprungsland Schweiz auch .30 Kalibern ab; sie messen nämlich 7,51/
gerne auf der Jagd geführt, wenn auch 7,74 mm anstatt 7,62/ 7,82 mm. Die
nicht überall zugelassen. metrische Patronenbezeichnung "7,5 mm"
der Ordonnanzpatrone läßt die Zuge-
Geschichte hörigkeit zur großen Familie der Kaliber-
.30-Patronen mit ihren Geschoß- bzw.
Ausgangspatrone für die 7,5 x 55 war die
Zugdurchmessern von .305 "(7,5 x 55) bis
Schmidt-Rubin-Patrone von 1889, die aus
.309 "(z. B..30 Luger/7,65 mm Parabellum)
dem Militärrepetierer gleichen Modelljahrs
nicht gleich vermuten, erklärt sich aber
verschossen wurde und ein 13,6 g schwe-
aus dem Feld-Durchmesser der 7,5 x 55
res Bleigeschoß mit Papierwicklung auf
von 7,51 mm. Der Zugdurchmesser der
etwa 600 m/s beschleunigte. Über meh-
7,5 x 55 von 7,74 mm entspricht 0,305";
rere Entwicklungsstufen an Waffe und
Waffen in 7,5 x 55 können aber ohne
Patrone kam dann 1911 die 7,5 x 55 in
Nachteile mit den normalen .308 "-
ihrer jetzigen Form, zusammen mit dem
Geschossen versorgt werden.
Gewehr Mod. 1911, welches später vom
Zum Wiederladen der Ordonnanzpatrone
Modell 31 und schließlich vom Sturmge-
stehen fabrikgefertigte RWS-Hülsen zur
wehr Mod. 57 abgelöst wurde. Seit 1911
Verfügung. Dies ist besonders von
ist die 7,5 x 55 in Form der GP11 Dienst-
Wichtigkeit für alle schweizer Jäger und
patrone beim Schweizer Militär und wird
Schützen, weil diesen das Wiederladen
dies, zumindest bei einigen Waffen-
von Militärhülsen untersagt ist.
modellen, wohl noch einige Jahre bleiben.
Außer den in der Tabelle aufgeführten
Geschossen findet das praktische 10,7 g
RWS Laborierungen
KS Verwendung: 2,98 g/46,0 gr R 903
Von 1986 bis 1997 wurde von Dynamit bringen 815 m/s; 3,18 g/49,0 gr R 907
Nobel eine RWS Patrone Kaliber 7,5 x 55 wurden mit 810 m/s gemessen und 3,43
mit dem 9,7 g Kegelspitzgeschoß her- g/53,0 gr R904 erreichen 820 m/s. Die
gestellt. Die Mündungsgeschwindigkeit "min."-Ladung liegt etwa 0,15 g/2,0 gr
mit dem KS Geschoß beträgt 870 m/s. Bei niedriger, was in einer um etwa 50 m/s
gleichem Geschoß leistet die .308 Win. geringeren Vo resultiert.

260
55,50

Kaliber: .30 (.307 - .308" Dia. - s.Text)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5341

TMR 7,1 g
Patronenlänge
RWS
65,0 mm
1==SG 9,5 g
Patronenlänge
RWS
70,5 mm
KS 9,7 g
Patronenlänge
RWS
70,2 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 901 R 903 R 903
max. 2,92 45.0 950 max. 3,18 49.0 850 max. 3,11 48.0 845
min. 2,79 43.0 850 min. 3,05 47.0 790 min. 2,98 46.0 790
R 902 R 907 R 907
max. 3,05 47.0 950 max. 3,24 50.0 870 max. 3,24 50.0 855
min. 2,92 45.0 870 min. 3,11 48.0 795 min. 3,11 48.0 790
R 903 R 904 R 904
max. 3,43 53.0 960 max. 3,53 54.5 860 max. 3,56 55.0 870
min. 3,24 50.0 870 min. 3,40 52.5 810 min. 3,43 53.0 820

MS 10,9 g Sierra HMK 11,7 g RWS MS 12,3 g RWS


Patronenlänge 72,5 mm Patronenlänge 74,7 mm Patronenlänge 72,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 903 R 903 R 903
max. 2,92 45.0 770 max. 2,98 46.0 770 max. 2,85 44.0 760
min. 2,79 43.0 720 min. 2,85 44.0 735 min. 2,72 42.0 700
R 907 R 907 R 907
max. 3,11 48.0 790 max. 3,11 48.0 775 max. 2,98 46.0 745
min. 2,98 46.0 740 min. 2,98 46.0 740 min. 2,85 44.0 700
R 904 R 904 R 904
max. 3,31 51.0 770 max. 3,37 52.0 800 max. 3,24 50.0 740
min. 3,18 49.0 715 min. 3,24 50.0 745 min. 3,11 48.0 690

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48'49 und 55 56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

261
.30 - 06 Springfield
Die .30 - 06 wird als die gängigste Jagd- Geschichte
büchsenpatrone der Welt bezeichnet.Von
den USA kam sie als Militärpatrone in 1906 als Modifikation der 1903 entwickel-
zahlreiche Staaten der westlichen Welt, ten US-Dienstpatrone in die US-Armee
um von dort als Jagdpatrone in die Wild- eingeführt, trug die Patrone den offiziellen
gebiete dieser Erde verbracht zu werden. Namen "Ball Cartridge, Caliber .30, Model
Sie wurde mit Erfolg auf sämtliches Scha- of 1906", woraus im allgemeinen Sprach-
lenwild geführt. gebrauch das ".30-06" wurde. Die erste
Von der Au ßenballistik leistet die .30 - 06 Zahl bezeichnet das Kaliber (eigentlich
nicht mehrals andere Patronen derselben .308", also 0.308 Zoll), und das "06"
Kategorie. Die 7 x 64 steht ihr nicht nach; bezieht sich auf die Jahreszahl der
die kürzere, gasdruckschwächere 8 x 57 Einführung. Genauso wie das zugehörige
IS ebensowenig. Militärgewehr Modell Springfield 1903
Es ist also nicht nur die Leistung für den wurde die Patrone im Springfield Arsenal
Erfolg der .30 - 06 ausschlaggebend, entwickelt, was ihr den Zusatznamen
sondern auch die Einstellung der Lieb- eintrug und sie zur ".30 - 06 Springfield"
haber dieses Kalibers zu "ihrer" Patrone machte.
- und natürlich die riesige Zahl der Waffen Obwohl ungern von den Amerikanern
in .30 - 06 welche weltweit in Gebrauch zugegeben, sind Waffe und Patrone von
sind, oft in Form von preiswerten Umbau- der damaligen deutschen Armeepatrone
ten verschiedener Militärmodelle. In den 8 x 57 und dem Mausersystem 98 abge-
Kaliberlisten der Waffenhersteller hat sie leitet. Das ursprüngliche Geschoßgewicht
ihren festen Platz. Meist ist sie in Repetier- für die .30 - 06 betrug 9,7 g und wurde in
büchsen eingebaut, man findet aber auch Anlehnung an die deutsche Einführung
Selbstladebüchsen, Blockbüchsen und des 8-mm-S-Geschosses so gewählt.
Kipplaufwaffen. Sowohl im 1. als auch im 2. Weltkrieg
Weltweite Verbreitung bringt logistische kamen VMS-Geschosse dieses Gewichts
Vorteile für den Jagdreisenden. Man zum Einsatz.
kann überall .30 - 06-Patronen kaufen, in Als Jagdpatrone kam die .30 - 06 schon
Anchorage, Nairobi oder Ulan Bator. vor dem 1. Weltkrieg nach Europa und
Ein technisches Plus ist die Flexibilität wurde in den dreißiger Jahren auch von
bei den Geschoßgewichten: Vom leichten den deutschen Herstellern als "7,62 x 63,
6,0-g-Übungs- und Schonzeitgeschoß Kal. 30" in mehreren Laborierungen
über das 7,1-g-TMR zur Bejagung von angeboten. Mit Einführung der 7,62 mm
kleinen Beutegreifern oder leichtem NATO oder .308 Win. war die Dienstzeit
Schalenwild und vom bekannten 9,7-g- der .30 - 06 bei den amerikanischen
Gescho ßgewicht für Schüsse auf weite Streitkräften beendet.
Entfernungen (Steppe, Bergjagd), über
das Universalgeschoßgewicht 11,7 g bis
hin zum schweren 14,3-g-Geschoß für RWS- und GECO-Laborierungen
die Waldjagd - eine so breite Palette gibt
es nur bei ganz wenigen Kalibern. Dazu Entsprechend dem Verwendungszweck
kommen die Spezial-Matchprojektile für werden die Jagdladungen in den Ge-
das sportliche Schießen. Die .30 - 06 hat schoßgewichten 9,7 g, 10,7 g, 11,0 g,
sich auch hier einen Namen gemacht. 11,7 g und 13,0 g gefertigt. Dabei können
die wegen ihrer überlegenen Gescho ß-
konstruktionen universell einsetzbaren 9,7
g KS und 9,7 g TIG für alles europäische

262
Schalenwild verwendet werden, der auch auf Schalenwild geführten
wenngleich der Schwerpunkt auf den Jagdwaffe auszutragen. Da die .30 - 06
leichten Wildbretgewichten liegt. weit verbreitet ist, wird die Möglichkeit,
Eine mittlere Universal-Laborierung preiswerte und dabei präzise Munition
stellen die 10,7 g KS- und 10,7 g DK- verschießen zu können, gern ange-
Ladungen dar, die seit 1988 bzw. 1996 nommen.
am Markt sind.
Für mittleres bis schweres europäisches
Schalenwild tauglich sind die seit vielen Die Patrone aus der Sicht des
Jahren bewährten Spezialgeschosse 11,7 Wiederladers
g Brenneke TUG und 11,7 g H-Mantel-
Kupferhohlspitze. Wegen der geringeren Dem Wiederlader stehen alle Geschosse
Querschnittsbelastung haben die beiden der Werksladungen zum Selbstlaborieren
11,7 g - Geschosse zwar nicht die E200 zur Verfügung. Darüber hinaus kann der
z.B. einer 7 x 64 mit dem 11,5 g TIG und Anwendungsbereich der .30 - 06 unter
auch nicht deren gestreckte Flugbahn, Verwendung weiterer Geschosse des
bringen aber wegen der etwas größeren RWS/GECO-Sortiments merklich erwei-
V, in etwa die Leistung der 7 x 65 R. Im tertwerden, sofern die jagdlichen Bedürf-
praktischen Jagdbetrieb wirken sich nisse oder schützenspezifische Ambitio-
solche theoretischen Unterschiede kaum nen dies erforderlich machen.
aus. Mit dem 7,1 g schweren Teilmantel-Rund-
Für die vielen Freunde der massenreichen kopfgeschoß ist die Fertigung von
Hochwildgeschosse steht seit 1993 das schnellen Raubwildladungen und mittle-
13,0 g KS zur Verfügung. ren Rehwild- sowie reduzierten Klein-
Das RWS- und GECO-Patronensortiment wildladungen möglich. Für Rehwild
erfährt durch die 11,0 g TMR-(Target) sollten dabei höchstens mittlere Ge-
Patronen eine Komplettierung. Sie sind schwindigkeiten gewählt werden, da das
von Konzeption und Preis als Ergänzung von der langsamen Patrone .30 M1
der Spezialgeschosse gedacht. Durch kommende, dünnmantelige Geschoß bei
rationelle Fertigung, verbunden mit dem hohen Auftreffgeschwindigkeiten (es sind
einfachen Aufbau dieses Geschosses, ist immerhin Mündungsgeschwindigkeiten
eine finanzielle Einsparung möglich und von über 1.000 m/s möglich) zu stark
diese wird an den Endverbraucher deformiert bzw. in unwirksame Splitter
weitergegeben. zerlegt und deshalb die für Schalenwild
Das 11,0 g "Target"-Geschoß soll Jäger, nötige Tiefenwirkung nicht erbringen
Sportschützen und Waffensammler kann.
ansprechen und ermöglicht ein preis- Übertrieben hohe Mündungsgeschwin-
günstiges Schießen bei guter Präzision. digkeiten führen bei diesem Geschoß
Da Ladungen mit dem 11,0-Geschoß oft sogar zu vorzeitiger Zerlegung kurz nach
dieselbe TPL aufweisen wie die 10.7 g dem Mündungsaustritt. Daher stellen die
und 11,7 g - RWS-Spezialgeschosse, sind Maximalladungen die schnelle Raubwild-
sie eine preisgünstige Alternative zu den ladung dar, während die Anfangsladung
Jagdgeschossen, wenn es um die zum Schuß auf Rehwild nicht
Waffenkontrolle, das Übungsschießen überschritten werden sollte. Eine leichte
oder das jagdliche Vergleichsschießen Reduktion der Anfangsladung für das
geht. 7,1 g TMR ist machbar, solange die Hülse
Viele Jägerkameradschaften gehen dazu gut lidert, was in der individuellen Waffe
über, ihre alljährlichen Preisschießen mit überprüft werden muß.

263
.30 - 06 Springfield
Für weitere Übungszwecke und den ge- einhalbmal schwerer als das leichteste
legentlichen vollmantelspezifischen Ein- Geschoß der Palette. Eine solche Breite
satz, z. B. für den Fangschuß auf schwa- findet man nur bei wenigen Kalibern.
ches Wild, zur Erlegung kleinen Nutz- Zwar bringt das Verladen eines über-
wildes usw. bietet sich auch das 6,0 g schweren Geschosses in der Mittelhülse
schwere (bzw. "leichte") Vollmantel- .30 - 06 kaum außen- und zielballistischen
Rundkopfgeschoß aus der Reihe der Verbesserungen, doch soll mit dem
GECO-Pistolengeschosse (.309 "Dia.) an. Anbieten der Ladedaten für dieses
Dafür finden die gleichen Pulverladungen schwere Geschoß dem Interessierten
wie für das beschriebene RWS 7,1 g TMR Gelegenheit gegeben werden, seine
Anwendung. Die erzielbare Mündungs- persönlichen Vorstellungen verwirklichen
geschwindigkeit ist bei einer Patronen- zu können. Schließlich ist das Wieder-
länge von 72,5 mm geringfügig höher als laden nichts anderes als angewandter
für das 7,1 g TMR, der Gasdruck etwas Individualismus in technisch abgegrenz-
niedriger. In den Testbeschüssen er- ten Bahnen und wer ein schweres Ge-
reichte man mit der Maximalladung von schoß für Waldjagdentfernungen haben
3.37 g / 52.0 gr Rottweil R 901 und dem will, soll es haben.
6,0 g VMR (.3091 eine Mündungsge- Für das 14,3 g Hornady-TMR bieten sich
schwindigkeit von 1020 Metersekunden. drei Pulver an, wobei sich das progres-
Der damit erzielbare Streukreis war stark sivste am gleichmäßigsten gab und die
waffenabhängig und hing insbesondere höchste Mündungsgeschwindigkeit er-
vom Drall des Laufes ab. Allgemein zielte. 3,01 g / 46.5 g R 903 brachten 700
benötigen kurze, schnelle Geschosse m/s; die Minimalladung liegt bei 2,85 g /
einen langen Drall und der für die .30 - 06 44.0 gr (665 m/s). Die gleichen
"normale" Drall von 1 : 10", etwa 250 mm, Mündungsgeschwindigkeiten werden mit
kommt dem nicht entgegen. Es war 3,31 g / 48.0 gr R 907 (max.) bzw.
deshalb keine Überraschung, daß die 2,98 / 46.0 gr R 907 (min.) erzielt. Für
besten Streukreise mit den leichten Höchstleistung hinter dem 14,3 g TMR
Geschossen in Läufen längeren Dralls von Hornady eignet sich Rottweil R 904:
(300 mm) gemessen wurden. Hier bleibt 3,47 g / 53.5 gr wurden mit 735 m/s
nichts anderes übrig, als die Leistung gemessen (womit der zulässige Gasdruck
dermaßen spezieller Ladungen aus der ausgereizt wäre); die "min."-Ladung für R
eigenen Waffe zu ermitteln. Der Satz, daß 904 sollte 3,31 g / 51.0 gr (690 m/s) nicht
"jede Waffe ihre eigenen ballistischen unterschreiten (alle Ladungen mit 14,3 g
Gesetze habe", gilt natürlich auch für die TMR bei 82 mm Patronenlänge).
Standardpatrone .30 - 06. Wenn hier viel Eine schwere Ladung spielt ihre Trümpfe
Platz für die leichten Ladungen eingeräumt auf kurze Entfernung aus; bereits auf
wurde, so nur deshalb, weil nicht viele siebzig oder achtzig Meter sind keine
andere Patronen so als Universal- bzw. Vorteile gegenüber einem mittelschweren
"Alleinkaliber" eingesetzt werden wie die Geschoß mehr vorhanden. Auch ist die
.30 - 06. Flugbahn nicht so gestreckt wie bei den
Für Befürworter schwerer Geschosse ist leichteren Projektilen, weswegen sich
eine Erweiterung des Verwendungs- Unterschiede in der TPL ergeben werden.
bereiches der .30 - 06 ebenfalls denkbar, Die Streukreise mit den 14,3 g Ladungen
weswegen das 14,3 g TMR von Hornady lagen zwischen 30 und 70 mm bei fünf
in die Ladedatenermittlung aufgenommen Schuß auf 100 Meter abhängig von der
wurde. Dieses Geschoß ist fast zwei- Länge des Dralls und waren somit jagdlich
264
brauchbar, jedoch nicht so gut wie die mit
den mittelschweren Geschossen.
Hier stehen zur Auswahl die universellen
Jagdgeschosse für leichtes bis mittleres
Schalenwild 9,7 g KS und TIG, 10,7 g KS
und DK, sowie zwei 11,7 g Geschosse,
nämlich das H-Mantel-Kupferhohlspitz
(HMK), sowie das Brenneke-Torpedo-
Universalgescho ß (TUG). Die beiden 11,7
g Spezialgeschosse, über deren
Leistungsfähigkeit kaum noch etwas
gesagt werden muß, dienen haupt-
sächlich dem Schuß auf mittleres bis
schweres Schalenwild, ohne auf leichtes
Wild überdurchschnittlich wildbretent-
wertend zu wirken.
Seit 1993 ist das gewichtsmäßig zwischen
den 11,7 g "Allround"-Geschossen und
den 14,3 g - Projektilen liegende Spezial-
geschoß 13,0 g KS lieferbar, welches sich
sofort nach der Einführung einen
Marktanteil sichern konnte, sowohl in der
Werksladung, als auch als lose Kom-
ponente. Es spricht vor allem die Hoch-
wildjäger an.
Das 10,9 g MS von Sierra und das 12,3 g
schwere MS (RWS) sind für den Sport-
einsatz gedacht, z. B. für den Freigewehr-
schützen bzw. für den präzisen Schuß auf
größere Distanzen. Präzisionsbeschüsse
müssen dabei ermitteln, welches Geschoß
geeignet ist bzw. den individuellen Drall
am besten "verdaut".
Dies gilt auch für das vornehmlich zum
Übungsschießen verwendete 9,5 g SG.
Als sinnvolle Erweiterung des GECO-
Geschoß-Sortiments gilt das 11,0 g TMR
("Target). Dieses beliebte Geschoß ist
besonders preiswert und läßt deswegen
ein intensives Training zu.

265
.30 - 06 Springfield

TMR 7,1 g RWS SG 9,5 g RWS KS 9,7 g RWS


Patronenlänge 73,0 mm Patronenlänge 80,0 mm Patronenlänge 78,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 901 R 903 R 903
max. 3,37 52.0 990 max. 3,53 54.5 875 max. 3,53 54.5 910
min. 3,24 50.0 940 min. 3,31 51.0 800 min. 3,24 50.0 780
R 902 R 907 R 907
max. 3,56 55.0 1005 max. 3,63 56.0 875 max. 3,63 56.0 890
min. 3,43 53.0 940 min. 3,40 52.5 830 min. 3,43 53.0 855
R 903 R 904 R 904
max. 3,79 58.5 1010 max. 3,92 60.5 885 max. 3,95 61.0 910
min. 3,63 56.0 930 min. 3,69 57.0 820 min. 3,82 59.0 870

TIG 9,7 g RWS KS 10,7 g RWS DK 10,7 g RWS


Patronenlänge 77,5 mm Patronenlänge 78,8 mm Patronenlänge 78,3 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 903 R 903 R 903
max. 3,56 55.0 920 max. 3,40 52.5 850 max. 3,40 52.5 845
min. 3,40 52.5 870 min. 3,27 50.5 820 min. 3,27 50.5 815
R 907 R 904 R 904
max. 3,63 56.0 910 max. 3,69 57.0 840 max. 3,73 57.5 855
min. 3,43 53.0 860 min. 3,56 55.0 800 min. 3,56 55.0 815
R 905 R 905 R 905
max. 4,28 66.0 910 max. 4,05 62.5 870 max. 4,02 62.0 845
min. 4,08 63.0 865 min. 3,89 60.0 830 min. 3,92 60.5 820

266
12,01 7,82

63,35 ►

Kaliber: .30 (.308" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5341

a
MS 10,9 g Sierra TMR 11,0 g GECO HMK 11,7 g RWS
Patronenlänge 82,0 mm Patronenlänge 80,0 mm Patronenlänge 82,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr V, m/s

R 903 R 903 R 903


max. 3,31 51.0 800 max. 3,31 51.0 835 max. 3,27 50.5 810
min. 3,18 49.0 740 min. 3,18 49.0 785 min. 3,01 46.5 750
R 907 R 907 R 904
max. 3,43 53.0 840 max. 3,43 53.0 840 max. 3,69 57.0 820
min. 3,34 51.5 780 min. 3,31 51.0 800 min. 3,34 51.5 780
R 905 R 904 R 905
max. 4,02 62.0 840 max. 3,69 57.0 855 max. 3,99 61.5 830
min. 3,89 60.0 780 min. 3,53 54.5 810 min. 3,89 60.0 800

TUG 11,7 g RWS MS 12,3 g RWS KS 13,0 g RWS


Patronenlänge 78,0 mm Patronenlänge 82,0 mm Patronenlänge 79,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr V0 m/s Pulver g gr V, m/s
R 903 R 903 R 903
max. 3,24 50.0 830 max. 3,21 49.5 780 max. 3,05 47.0 745
min. 3,05 47.0 760 min. 3,11 48.0 745 min. 2,92 45.0 710
R 907 R 907 R 907
max. 3,43 53.0 825 max. 3,31 51.0 780 max. 3,18 49.0 755
min. 3,34 51.5 800 min. 3,24 50.0 750 min. 3,05 47.0 720
R 905 R 904 R 904
max. 3,92 60.5 830 max. 3,56 55.0 800 max. 3,43 53.0 775
min. 3,82 59.0 800 min. 3,43 53.0 750 min. 3,24 50.0 740

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck). sowie auf Seite 105 beachten.

267
.300 Win. Magnum
Die Amerikanerin ist eine der "besseren" RWS- und GECO-Laborierungen
Gürtelpatronen und hatsich trotzerheblicher
Konkurrenz in Form bereits etablierter 1984 kam die Ladung mit dem 10,9 g
Patronen gut auf dem Weltmarkt eingeführt. Matchgeschoß. Diese präzise Ladung dient
Im Ursprungsland ist sie beliebt weil sie als dem Punktschuß auch auf große
"verstärkte .30 - 06" auf alles nordameri- Entfernungen. Ein Blick auf die Schußtafel
kanische Wild geführt werden kann. Auch der bestätigtdie Eignung als Weitschu ßpatrone
Jagdreisende hat die .300 Win. entdeckt. hinsichtlich der Flugbahn: Mit vier
Daß sie sich gegen die 7 mm Rem.Mag. Zentimeter Hochschu ß auf einhundert
durchsetzen konnte, spricht für ihre Leistung. Meter justiert, fällt das Projektil auf 200
Zudem schließt sie die Lücke zwischen der Meter nur um 3 cm, hat also dort immer
.30 - 06 und den starken .338er und .375er noch knappen Hochschu ß. Zwischen 200
Patronen. Zwar existierte dort bereits die und 300 m fällt die Flugbahn nur siebzehn
.300 Wea.Mag., aber diese ist waffenseitig Zentimeter.
auf die Weatherby-Büchsen oder wenige Als Jagdladung erschien ebenfalls 1984 eine
andere Fabrikate beschränkt und beim US- 940 m/s schnelle Laborierung mit dem
Durchschnittsjäger nicht so populär, wie bewährten 11,7 g schweren Brenneke
man annehmen müßte. Die Einführung der Torpedo-Universalgescho ß TUG. Diese "für
.300 Win. Mag. war also keinejagdballistische alles Schalenwild"geeignete Laborierung liegt
Angelegenheit sondern vielmehr eine etwa im Spektrum "7 mm Rem. Mag.
marktpolitische. schwerstes Geschoß" bis "8 x 68S leichtestes
Geschoß".
In Ergänzung zum 11,7g TUG wurden 1988
bzw. 1996 die 10,7-g-KS- und -DK-Patronen
auf den Markt gebracht, vornehmlich als
Geschichte Universalladungen für mittleres bis schweres
Wild. Ergänzt wird das Angebot an Spezial-
Wie alle Gürtelpatronen stammt die .300 Jagdladungen seit 1996 durch die 11,0 g
Win. von der .375 H & H Mag. ab, stellt sich TMR-Patroneausdem GECO-Sortiment.
jedoch bei näherer Betrachtung als
modifizierte "Schwester" der .338 Win. Mag.
von 1958 und somit als "Enkelin" der .458
Win. von 1956 dar. Sie hat aber eine längere Die Patrone aus der Sicht des
Hülse (66,55 mm im Vergleich zu 63,50 mm), Wiederladers
ohne die 72 mm-"Langhülse" z.B. der .375
H.& H. oder der .300 Wea.Mag., aufzuweisen. RWS-Hülsen sind sehr stabil und haben
Trotz der 66,55 mm langen Hülse kann die deshalb ein geringeres Volumen als andere
.300 Win.Mag. in normale Repetierbüchsen- Fabrikate. Dieangegebenen Pulverladungen
systemeeingelegtwerden. Ihr Einführungsjahr gelten aus diesem Grund nur für RWS-
ist 1963. Hülsen. Als Anzündung wird das
Magnumhütchen RWS 5333 benötigt. Bei
den Treibladungsmitteln kommen die
progressiven Sorten am besten zur Wirkung.

268
Mit Rottweil R 905 erzielt man höchste bietet sich das TMR 11,0 g aus dem GECO-
Geschwindigkeiten (bisweilen mit Sortimentan. Matchgeschossesollen wegen
Mündungsfeuer). Rottweil R 904 erwies sich (gewollt) fehlender Tiefenwirkung nicht auf
als Bestpulver und Rottweil R 907 als Wild verwendet werden.
sparsames Alternativpulver. Mitseinergelungenen Konstruktion bei großer
Bei reduzierten Ladungen (bzw. leichten Masse ist das 13,0 KS eine willkommene
Geschossen) muß auf schnellere Pulver Ergänzung des RWS/GECO-
ausgewichen werden. Sofinden hinterdem Geschoßprogramms. Ein noch schwereres
7,1 g TMRdie Pulver R 903, R907 und R904 Geschoß muß in der .300 Win.Mag. zur
Verwendung. Dabei ist zu beachten, daß die Vermeidung hoher Drücke tief eingesetzt
angegebenen Ladungen das kleine Projektil werden und hat wegen relativ geringer
so schnell machen können, daß es nach Leistung kaum ballistischeVorteile.Trotzdem
Verlassender Mündung zerlegt (`Verdampft"). wurden Ladevorschläge für ein 14,3 g
Man nehme deshalbdie Minimalladungen und Geschoß aufgenommen. Bei 84,5 mm
taste sich an die der spezifischen Waffe Patronenlänge ergeben sich mit dem
zuträglichen Geschwindigkeiten heran. Richtig 14,3 g TMR von Hornady folgende
verladen erweist sich das 7,1 g Geschoß als Leistungen:
balgschonend. Die schnellen 7,1 g TMR- max. 4,02 g / 62.0 gr R 907 = 795 m/s
Ladungen sind nichtfür Rehwild gedacht. Als min. 3,89 g / 60.0 gr R 907 = 780 m/s
7,1 g TMR-Rehwildladung für kurze Ent- max. 4,37 g / 67.5 gr R 904 = 800 m/s
fernungen und einfache Verhältnisse bieten min. 4,18 g /64.5 gr R 904 = 770 m/s
sich 2,85 g /44.0 gr R 901 an (ca. 800 m/ max. 4,60 g / 71.0 gr R 905 = 830 m/s
s). min. 4,28 g / 66.0 gr R 905 = 770 m/s
Mit 9,7g Geschossen lassen sich über 1000
m/s erreichen. Wer das 9,7 g KS oder TIG
reduzieren will, kann dies mit R907tun. 3,43
g/53.0 gr R 907 hinter dem 9,7 g KS oder
denn 9,7g TIG (und dem 9,5g SG)wurden mit
ca. 765 m/s gemessen. Der Gasdruck dieser
Ladungen betrug für die saubere Verbren-
nung gerade noch ausreichende 2000 bar.
Zur Gewährleistung eines sauberen
Pulverabbrandes sollte die R 907-"min."-
Ladung in kleinen Schritten verringertwerden.
Übertriebene Reduktionen von R 904 und R
905 sind zu vermeiden, weil sie Nachbrenner
oder Versagerzur Folge haben können. Als
universell erweisen sich die 10,7-g-KS- und
DK-Geschoße: Sie wirken noch nicht zu
wildbret-oder balgentwertend auf schwaches
Wild, haben aber Reserven auf schweres
Wild undgrößere Entfernungen.
Für ÜbungszweckeundeinfacheVerhältnisse

269
.300 Win. Magnum

TMR 7,1 g RWS SG 9,5 g RWS KS 9,7 g RWS


Patronenlänge 77,7 mm Patronenlänge 84,5 mm Patronenlänge 82,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 903 R 907 R 907
max. 4,80 74.0 1095 max. 4,67 72.0 1000 max. 4,67 72.0 1020
min. 4,60 71.0 1005 min. 4,41 68.0 950 min. 4,54 70.0 970
R 907 R 904 R 904
max. 4,99 77.0 1100 max. 4,99 77.0 1000 max. 4,99 77.0 1010
min. 4,86 75.0 1050 min. 4,80 74.0 940 min. 4,80 74.0 940
R 904 R 905 R 905
max. 5,22 80.5 1105 max. 5,25 81.0 1025 max. 5,25 81.0 1030
min. 5,09 78.5 1050 min. 4,99 77.0 925 min. 5,06 78.0 945

.\\,11
,___
11&1

TIG 9,7 g RWS KS 10,7 g RWS DK 10,7 g RWS


Patronenlänge 83,5 mm Patronenlänge 84,5 mm Patronenlänge 84,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907 R 907
max. 4,67 72.0 1040 max. 4,47 69.0 970 max. 4,47 69.0 960
min. 4,41 68.0 970 min. 4,21 65.0 925 min. 4,34 67.0 940
R 904 R 904 R 904
max. 4,99 77.0 1020 max. 4,80 74.0 970 max. 4,80 74.0 970
min. 4,80 74.0 960 min. 4,54 70.0 910 min. 4,60 71.0 920
R 905 R 905 R 905
max. 5,31 82.0 1035 max. 5,06 78.0 980 max. 5,00 78.0 985
min. 5,12 79.0 960 min. 4,86 75.0 910 min. 4,86 75.0 935

270
14,40
O
O
66,55 s

Kaliber: .30 (.308"Dia.) E


Hülse: RWS ly
Zündh.: RWS 5333 c.c.2

MS 10,9 g Sierra TMR 11,0 g GECO HMK 11,7 g RWS


Patronenlänge 82,0 mm Patronenlänge 84,8 mm Patronenlänge 85,3 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907 R 907
max. 4,34 67.0 935 max. 4,37 67.5 920 max. 4,37 67.5 920
min. 4,15 64.0 880 min. 4,21 65.0 870 min. 4,21 65.0 880
R 904 R 904 R 904
max. 4,63 71.5 935 max. 4,63 71.5 920 max. 4,70 72.5 925
min. 4,47 69.0 890 min. 4,50 69.5 875 min. 4,54 70.0 880
R 905 R 905 R 905
max. 4,92 76.0 950 max. 4,89 75.5 930 max. 4,92 76.0 930
min. 4,80 74.0 905 min. 4,73 73.0 885 min. 4,73 73.0 880

TUG 11,7 g RWS MS 12,3 g RWS KS 13,0 g RWS


Patronenlänge 83,0 mm Patronenlänge 83,0 mm Patronenlänge 84,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907 R 907
max. 4,28 66.0 910 max. 4,21 65.0 900 max. 4,15 64.0 840
min. 4,15 64.0 880 min. 3,95 61.0 830 min. 3,89 60.0 800
R 904 R 904 R 904
max. 4,67 72.0 935 max. 4,45 70.0 900 max. 4,34 67.0 870
min. 4,54 70.0 900 min. 4,21 65.0 810 min. 4,15 64.0 835
R 905 R 905 R 905
max. 4,86 75.0 935 max. 4,80 74.0 900 max. 4,60 71.0 900
min. 4,67 72.0 890 min. 4,47 69.0 800 min. 4,34 67.0 845

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

271
.30 R Blaser
Die .30 R Blaser ist sicherlich eine der durch hochgespannte Treibgase erheblich
auffälligsten Patronenentwicklungen auf verringert. Die .30 Rand kann als eine
dem gesamten Gebiet der jagdlich ver- sehr eigenpräzise Patrone bezeichnet
wendeten Büchsenpatronen mit Rand. werden.
Sie entstand in Zusammenarbeit von Die Einsatzgrundsätze der .30 R. Blaser
Dynamit Nobel und der Blaser Jagd- sind dieselben wie bei der etwa 5%
waffenfabrik aus dem dringenden Bedürf- weniger leistungsfähigen .30-06: Die
nis und dem berechtigten Verwender- Randpatrone ist angesichts ihrer erziel-
wunsch nach einer möglichst universellen baren kinetischen Energie (E0 etwa 4300
Randpatrone mit der bewährten Leistung Joule) tauglich für alles europäische
und der Geschoßvielfalt der .30-06. Die Schalenwild und darüber hinaus für die
neue Patrone sollte aus praktischen afrikanischen Antilopen und anderes
Gründen durch Anfügung eines auszieh- ausländische Wild vom Steinbock bis zum
freundlichen Randes unproblematisch in Wapiti geeignet. Die gestreckte Flugbahn
den vor allem im deutschen Sprachraum erlaubt den Einsatz der .30 R für weite
beliebten Kipplaufwaffen funktionieren. Schüsse in der Steppe und im Gebirge,
Dieses Konstruktionsziel wurde erreicht, z.B. auf der Gams- oder Schafjagd. Diese
wobei die .30 R Blaser noch weitere Be- Verwendungsmöglichkeit spricht sicher-
dingungen erfüllt. So bietet sich auf Grund lich den Liebhaber dertechnisch hochent-
der etwas größeren P-Maße der neuen wickelten, präzisen und sehr führigen
Randpatrone im Vergleich zur .30-06 die Kipp-Blockverschlußbüchsen an. Der
Umarbeitung von Kipplauf- oder Block- Jäger des deutschsprachigen Raumes
verschlußwaffen Kaliber .30 nicht nur hat die .30 R als besonders prädestinierte
wegen der höheren Funktionssicherheit Allround - Patrone für die im Reviersystem
und Leistung der Randversion an, sondern beliebten und zweckmäßigen, kombi-
auch wegen der Möglichkeit, etwaige nierten Waffen angenommen und führt
Bearbeitungs- und Gebrauchsspuren im sie vor allem in der Bockbüchsflinte und
umzuarbeitenden.30-06 - Lager und Über- im Drilling.
gang zu beseitigen. Dies gilt auch beim
möglichen Umbau von Kipplaufwaffen Geschichte
.308 Win.. Weiter trägt die Hülsenform zur
Erhöhung der Auszieh- und damit Die .30 R Blaser entstand auf Initiative
Funktionssicherheit bei: Eine gewollte der BlaserJagdwaffenfabrik, Isny, im Werk
Konizität zwischen den Meßpunkten für Stadeln von Dynamit Nobel und wurde
die P1- und P2-Durchmesser gewähr- zur IWA 1991 mit zwei Laborierungen
leistet nach dem Schuß ein sicheres (9,7g KS und 11,7 g TUG) vorgestellt. Der
Abheben der Hülse von der Patronen- Ladung mit dem 13,0 g KS (1993) folgte
lagerwandung auch noch bei stark ver- die mit dem 10,7 g DK (1997).
schmutzten oder rauh gewordenen
Lagern. Der neu konfigurierte und nicht RWS - Laborierungen
etwa von der .30-06 übernommene
Geschoßübergangskegel der .30 R hat Das 9,7 g Kegelspitzgeschoß - KS - verläßt
einen kurzen zylindrischen Teil vor dem die Mündung des 600 mm langen Meß-
Hülsenmund und einen kurzen, steilen laufes mit 940 m/s, das sind 30 m/s mehr,
Kegel. Dadurch wird die präzisionsab- als mit demselben Geschoß bei gleichem
trägliche Umspülung des Geschoßhecks Gasdruck und gleicher Lauflänge bei der

272
.30-06 möglich sind. Die GEE mit der KS großer Experimentierfreudigkeit gewarnt,
- Ladung liegt bei 190 m; die Ladung besonders was die Ausreizung der mit
schießt auf 300 m etwa 25 cm tief, womit den "max."-Ladungen möglichen Mün-
die Rasanz der .30 R mit dem 9,7 g KS - dungsgeschwindigkeiten betrifft: Dieses
Geschoß in etwa mit der Flugbahn der leichte Geschoß wurde für die langsame
.243 Winchester - 6,2 g KS- zu vergleichen Patrone .30 M1 konstruiert, hat dem-
ist. Die 9,7 g - KS - Ladung kann somit als gemäß einen ziemlich dünnen Mantel und
Allroundlaborierung für mitteleuropäische scheidet bei den möglichen hohen Ge-
Verhältnisse - Rehwild mit Vorkommen schwindigkeiten der .30 R wegen zu er-
von mittlerem Hochwild einschließlich wartender Wildbretverluste für den Schu ß
Garns - angesehen werden. auf Rehwild aus. Dagegen ist das 7,1 g
"Eine Gewichtsklasse" höher einsetzbar TMR nach schrittweiser Reduktion der
ist die 10,7 g DK-Ladung. Sie hält bei "min."-Ladung (auf Liderung achten) recht
ähnlicher GEE wie die 9,7 g KS (181 m zu gut auf Reh und Fuchs einzusetzen.
189 m) auf 300 m die für Hochwild Speziell für den balgschonenden Einsatz
wünschenswerten ca. 2000 Joule und ist auf den Winterfuchs gedacht ist die
auch für schußhartes Hochwild geeignet, Verwendung des 6,0 g VMR (.309') der
z.B. für Bergschafe. Pistolenpatrone 7,65 mm Parabellum vor
Die Ladung mit dem 11,7 g TUG hat sich einer reduzierten Pulverladung. Die
wegen dessen spezifischer Wirkungs- Maximalladung beim 6,0 g VMR (.309')
weise für die Jagd auf europäisches ist 3,80 g / 58.6 gr Rottweil R 901, was in
Hochwild uneingeschränkt bewährt und einer Mündungsgeschwindigkeit von ca.
ist auch auf Rehwild nicht "zu stark" da 1070 m/s resultiert. Die einzelnen Verwen-
wildbretschonend.. dungen für die 9,5 g bis 13,0 g schweren
Bei den in anderen Kontinenten auf Projektile ergeben sich aus der Be-
schweres Wild Waidwerkenden ist die .30 schreibung dieser bewährten RWS -
R Blaser mit dem seit 1993 erhältlichen Geschosse. Wenn Vorschläge für die sehr
13,0 g KS beliebt, z.B. als Universal- schweren TMR von Hornady (14,3 g) und
patrone in einer auf Safaris mitgeführten Barnes (16,2 g) mit aufgenommen wurden,
(kombinierten) zweiten Waffe. so soll dies vor allem die Universalität der
.30 R aufzeigen. Es ist allerdings anzu-
fügen, daß die beiden letztgenannten
Die Patrone aus der Sicht des Geschosse sehr hart im Aufbau sind und
Wiederladers beim Schuß auf mittleres und erst recht
leichtes Wild (z.B. Kahlwild oder schwache
Im Kaliber .30 (Geschoßdurchmesser Sauen auf Drückjagden) zielballistisch
7,82 mm) ist die Geschoßvielfalt be- nicht unbedingt besser wirken als die
sonders groß: Wie ein Blick auf die in den etwas leichteren, dafür aber zielwider-
Ladevorschlägen aufgeführten Ge- standsgerechter ansprechenden RWS-
schosse zeigt, wird damit ein um- Geschosse mit 10,7 und 11,7 g. Wer
fangreiches Anwendungsspektrum ab- mehr Masse will, ist mit dem 13,0 g KS am
gedeckt. Dem interessierten Wiederlader besten beraten.
der .30 R stehen für alle diese Geschosse Zusammengefasst läßt sich feststellen, daß
praxisgerechte Ladevorschläge zur Ver- die .30 R Blaser eine dervielseitigsten und
fügung. Allerdings wird beim leichtesten besonders praxisnah ausgeführten
Geschoß der Tabelle (7,1 g) vor allzu- Randpatronen ist.

273
.30 R Blaser

TMR 7,1 g RWS SG 9,5 g RWS KS 9,7 g RWS


Patronenlänge 78,0 mm Patronenlänge 86,0 mm Patronenlänge 84,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 901 R 907 R 907


max. 3,70 57.1 1040 max. 3,90 60.2 920 max. 3,90 60.2 930
min. 3,35 51.7 910 min. 3,75 57.9 880 min. 3,75 57.9 885
R 902 R 904 R 904
max. 3,85 59.4 1040 max. 4,20 64.8 935 max. 4,20 64.8 935
min. 3,55 54.8 950 min. 4,00 61.7 850 min. 4,00 61.7 860
R 903 R 905 R 905
max. 4,20 64.8 1050 max. 4,40 67.9 940 max. 4,40 67.9 945
min. 3,80 58.6 920 min. 4,20 64.8 890 min. 4,20 64.8 885

TIG 9,7 g RWS KS 10,7 g RWS DK 10,7 g RWS


Patronenlänge 86,5 mm Patronenlänge 86,0 mm Patronenlänge 85,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907 R 907
max. 3,95 61.0 930 max. 3,80 58.6 900 max. 3,90 60.2 900
min. 3,75 57.9 870 min. 3,55 54.8 820 min. 3,75 57.9 870
R 904 R 904 R 904
max. 4,25 65.6 935 max. 4,10 63.3 900 max. 4,15 64.0 900
min. 4,00 61.7 840 min. 3,90 60.2 820 min. 4,05 62.5 880
R 905 R 905 R 905
max. 4,45 68.7 940 max. 4,30 66.4 900 max. 4,35 67.1 900
min. 4,20 64.8 880 min. 4,15 64.0 810 min. 4,25 65.6 875

274
ezzazzemisimmit,
13,50 ir 7,82
_7

68,00

Kaliber: .30 (.308"Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5341

TMR 11,0 g GECO HMK 11,7 g RWS TUG 11,7 g RWS


Patronenlänge 88,5 mm Patronenlänge 90,5 mm Patronenlänge 86,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 907 R 907 R 907


max. 3,79 58.5 865 max. 3,80 58.6 845 max. 3,65 56.3 850
min. 3,70 57.1 830 min. 3,70 57.1 810 min. 3,50 54.0 790
R 904 R 904 R 904
max. 4,10 63.3 895 max. 4,00 61.7 850 max. 3,90 60.2 855
min. 4,00 61.7 860 min. 3,80 58,6 800 min. 3,65 56.3 765
R 905 R 905 R 905
max. 4,30 66.0 895 max. 4,20 64.8 860 max. 4,15 64.0 860
min. 4,15 64.0 845 min. 4,10 63.3 800 min. 4,00 61.7 780

KS 13,0 g RWS TMR 14,3 g Hornady TMR 16,2 g Barnes


Patronenlänge 84,0 mm Patronenlänge 86,0 mm Patronenlänge 87,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 907 R 907 R 907


max. 3,60 55.6 800 max. 3,40 52.5 740 max. 3,25 50.2 685
min. 3,50 54.0 770 min. 3,25 50.2 700 min. 3,00 46.3 610
R 904 R 904 R 904
max. 3,80 58.6 810 max. 3,75 57.9 755 max. 3,60 55.6 710
min. 3,70 57.1 780 min. 3,60 55.6 700 min. 3,35 51.7 650
R 905 R 905 R 905
max. 4,00 61.7 830 max. 3,80 58.6 760 max. 3,75 57.9 715
min. 3,90 60,2 800 min. 3,70 57.1 710 min. 3,50 54.0 670

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

275
.300 Weatherby Magnum
Starke Hochwildpatronen sind ein Die Patrone aus der Sicht des
dankbares Betätigungsfeld für den Wiederladers
Wiederlader, da sie bei Bedarf auch mit
reduzierten Ladungen versehen und so Als Hülse wurde bei den Ermittlungs-
universeller eingesetzt werden können. beschüssen die Original-Weatherby
Dabei sollen aber besagte "reduzierte verwendet, obwohl im Notfall auch eine
Ladungen" nicht im Sinne einer Schwach- Umformung aus z. B..375 H & H möglich
ladung verstanden werden, sondern als wäre (Kalibrierung und "Feuerformung").
"abgebrochene Ladung" innerhalb der Bei Verwendung solchermaßen umge-
gleichen Einsatzkategorie. Um ein Beispiel formter Hülsen muß natürlich die
zu nennen: Die hier beschriebene .300 Eingangsladung zur Laborierungser-
Weatherby Magnum kann mit entsprech- mittlung reduziert werden. Das
ender Pulverwahl auf das Leistungsniveau Zündhütchen war RWS 5333, welches
einer .30 - 06 heruntergeladen werden sich den in der amerikanischen
und ist somit immer noch "tauglich für Fachliteratur empfohlenen, speziellen
alles europäische Schalenwild". Magnum-Zündhütchen zumindest
Die .300 Weatherby Magnum - obwohl ebenbürtig zeigte. Bei den Pulvern stand
nach der .340 Weatherby Magnum die R 904 dem langsameren R 905 kaum
am besten ausgewogene Patrone des nach, brachte sogar Vorteile bei
Weatherby-Programms - ist nicht gut reduzierten Ladungen, für welche auch
balanciert, was das Verhältnis Pulverraum R 907 geeignet ist. Ein Unterschreiten der
zu Pulverbedarf in der Relation zur gegebenen Anfangsladung ist nur im
erzielbaren Leistung unter Berücksichti- Schrittverfahren möglich, da zu starke
gung des Höchstdruckes betrifft. Der Reduzierungen fauler Pulver Nachbrenner
Vergleich mit der .300 Win. Magnum z. B. und starkes Mündungsfeuer verursachen.
zeigt, daß die Unterschiede zwischen den Als Geschosse bewährten sich die .30er
beiden Patronen nicht signifikant sind, ja Projektile von RWS; das 14,3 g TMR von
oftmals durch waffenspezifische Eigen- Hornady wurde zur Abrundung mit
arten aufgehoben werden. Dabei kommt hereingenommen. Wer ein leichtes
die .300 Win. Mag. mit z. T erheblich Projektil verladen möchte, kann das RWS
weniger Pulver aus. 7,1 g TMR verwenden: 5,12 g/79.0 gr R
903 ("max.") brachten 1125 m/s; die "min."-
Geschichte Ladung mit 4,99 g/77,0 gr erzielte 1000
m/s. Es wird betont, daß Ladungen mit
Die .300 Weatherby Magnum ist eine dem "weichen" 7,1 g TMR nichtfür Rehwild
kraftvolle Patrone und bringt "über den gedacht sind.
Daumen" etwa 100 m/s mehr
Mündungsgeschwindigkeit als die .30-06
bei gleichen Geschossen. Weatherby
stellte die .300 WM bereits 1948 vor.
Entwickelt wurde sie aus der "Magnum-
Mutterhülse" .300 Holland & Holland. Nach
anfänglicher eigenhändiger Fertigung der
Munition übertrug der Kalifornier Roy
Weatherby deren Herstellung an Norma.

276
13,50 7,82 C)

71,75
CD
CLI
rh
Kaliber: .30 (.308" Dia.)
Hülse: Weatherby
Zündh.: RWS 5333
‘,<

\ -
KS 9,7 g RWS HMK 11,7 g RWS TUG 11,7 g RWS
Patronenlänge 89,1 mm Patronenlänge 90,3 mm Patronenlänge 89,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 903 R 907 R 907


max. 4,67 72.0 1125 max. 4,60 71.0 935 max. 4,60 71.0 930
min. 4,41 68.0 905 min. 4,34 67.0 865 min. 4,34 67.0 870
R 904 R 904 R 904
max. 5,12 79,0 1010 max. 4,93 76,0 955 max. 4,93 76.0 955
min. 4,86 75.0 910 min. 4,67 72.0 860 min. 4,67 72.0 865
R 905 R 905 R 905
max. 5,44 84.0 1030 max. 5,18 80.0 950 max. 5,18 80.0 945
min. 5,31 82.0 910 min. 5,06 78.0 880 min. 5,06 78.0 880

MS 12,3 g RWS KS 13,0 g RWS TMR 14,3 g Hornady


Patronenlänge 91,2 mm Patronenlänge 90,1 mm Patronenlänge 90,1 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 907 R 907 R 907


max. 4,47 69.0 910 max. 4,54 70.0 860 max. 4,41 68.0 825
min. 4,28 66.0 840 min. 4,41 68.0 840 min. 4,21 65.0 785
R 904 R 904 R 904
max. 4,80 74.0 915 max. 4,86 75.0 875 max. 4,73 73.0 820
min. 4,54 70.0 800 min. 4,73 73.0 845 min. 4,54 70.0 775
R 905 R 905 R 905
max. 5,06 78.0 915 max. 5,12 79.0 895 max. 4,99 77.0 830
min. 4,93 76.0 845 min. 4,99 77.0 850 min. 4,80 74.0 790

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48.'49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

277
.300 Holland & Holland Magnum
Die .300 H & H Mag. ist ohne Zweifel eine sind die gut abgestimmten Hülsen/
aus patronenhistorischer Sicht bedeut- Patronenlagermaße. Holland & Holland
same Patrone. Sie war im angelsächsi- warb lange mit den Erfolgen, welche die
schen Sprachraum bis in die fünfziger .300 bei 1000-Yards-Präzisionsschießen
Jahren in der .30er Kalibergruppe kon- erringen konnte.
kurrenzlos leistungsfähig, gilt heute aber
als von ihren „Tochterpatronen" (vor al- Die Patrone aus der Sicht des
lem .300 Win. Mag. und .300 Wea. Mag.) Wiederladers
abgelöst. Patronenhistoriker nennen sie
respektvoll in einem Atemzug mit ihrer Munition für klassische und neue Waffen
älteren Zwillingsschwester .375 Holland fertigt der Wiederlader mit modernen Kom-
& Holland Mag., und jagdreisende Nost- ponenten in besserer Qualität, als sie
algiker führen sie zusammen mit dieser, jemals fabrikgeladen auf dem Markt war.
meist in hochwertigen Safaribüchsen- Hülsen können aus .375 H & H umge-
"Pärchen". Wie in guten alten Zeiten dient formt werden; wer jedoch Wert auf den
dann die .375 H & H Mag. zur Großwild- „richtigen" Bodenaufdruck legt, verwen-
jagd auf die Big Five sowie große Antilo- det Neuhülsen. Zündhütchen mit hohem
pen bzw. Bären und die .300 H & H Mag. Satzgewicht sorgen für eine gleichmäßi-
für Steppenwild inklusive die großen Kat- ge Anzündung; RWS 5333 ist hier richtig.
zen, sowie für Bergwild. Im Vergleich zu Ein schlanker, konischer Hülsenverlauf
den gebräuchlichen Hochleistungs- gibt normalerweise einen Hinweis auf die
patronen der Kalibergruppe .30 schnei- offensiven Pulver. Geschosse ab ca. 11 g
det die .300 H & H nicht schlecht ab und können aber eine Ausnahme darstellen
ist vor allem eine grundpräzise Patrone, und so kann das „richtige" Treibladungs-
die im Ausland immer noch werksgefertigt mittel für die eigene Waffe nur durch
wird. Der Markt für die traditionsreichen ausgiebige Schießversuche ermittelt wer-
Munitionen belebt auch den Markt für den. Von den RWS-Geschossen bieten
neue Waffen in diesen Kalibern. Spora- sich die 10,7 g bzw. 13,0 g schweren KS
disch erscheinen Kleinserien oder sowie das 10,7 g DK an; die 11,7 g
Sondermodelle. schweren HMK und TUG gelten als
Universalgeschosse, während das preis-
Geschichte günstige 11,0 g TMR von GECO zum
Übungsschießen und für einfache jagdli-
Die .300 H & H wurde 1925 von Holland che Verhältnisse dient.
& Holland London als „300 Belted Rimless
Magnum H & H" eingeführt und war auch
unter dem Namen „Super 30" bekannt.
Sie stammt aus der .375 H & H Mag. von
1912 und diente wie diese als Vorlage für
Neuentwicklungen, z.B. für die
Weatherby-Patronen. Der Einsatzschwer-
punkt der .300 H & H Mag. liegt bei
(weltweit gesehen) mittlerem Wild; sie
kann hinsichtlich kinetischer Energie und
Rasanz zwischen 7 x 64 und 8 x 68 S
angesiedelt werden. Die .300 H & H ist
eine präzise Patrone. Ein Grund dafür
278
Ä 24..)
13,51 7,82 O
O
72,39
O

Kaliber: .30 (.308" Dia.)


Hülse: Remington
Zündh.: RWS 5333

KS 10,7 g RWS DK 10,7 g RWS MS 10,9 g Sierra


Patronenlänge 90,5 mm Patronenlänge 90,0 mm Patronenlänge 93,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 907 R 907 R 907


max. 4,21 65.0 920 max. 4,21 65.0 910 max. 4,15 64.0 900
min. 3,95 61.0 850 min. 3,95 61.0 860 min. 3,95 61.0 850
R 904 R 904 R 904
max. 4,54 70.0 925 max. 4,50 69.5 920 max. 4,47 69.0 905
min. 4,34 67.0 850 min. 4,346 7.0 860 min. 4,28 66.0 850
R 905 R 905 R 905
max. 4,80 74.0 930 max. 4,80 74.0 930 max. 4,73 73.0 910
min. 4,60 71.0 900 min. 4,60 71.0 890 min. 4,54 70.0 850

TMR 11,0 g GECO TUG 11,7 g RWS KS 13,0 g RWS


Patronenlänge 92,5 mm Patronenlänge 91,0 mm Patronenlänge 90,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 907 R 907 R 907


max. 4,15 64.0 880 max. 4,15 64.0 900 max. 3,95 61.0 820
min. 4,05 62.5 860 min. 4,02 62.0 870 min. 3,82 59.0 795
R 904 R 904 R 904
max. 4,54 70.0 900 max. 4,47 69.0 900 max. 4,15 64.0 820
min. 4,34 67.0 840 min. 4,28 66.0 850 min. 4,02 62.0 790
R 905 R 905 R 905
max. 4,80 74.0 910 max. 4,73 73.0 900 max. 4,41 68.0 830
min. 4,54 70.0 830 min. 4,54 70.0 850 min. 4,21 65.0 785
auch 11,7 g HMK (93,0 mm)

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

279
7,65 x 53 Mauser (argentinisch)
Das ist die erste Mauserpatrone für Die Patrone aus der Sicht des
Nitropulver. Sie wurde für das Mauser- Wiederladers
gewehr Modell 1889 konstruiert und unter
dem Namen "Belgisch Mauser" bekannt, Die an sich gut durchkonstruierte und
da Mauser die Fertigungsrechte an der effektive Hülse leidet etwas darunter, daß
Waffe an Belgien verkaufte. Aber auch sie vom Gesetzgeber mit einem Maximal-
"Argentinisch Mauser" oder "7,65 mm druck von nur 3000 bar versehen wurde.
Argentine" werden als Bezeichnung So ist das Potential nicht voll auszu-
verwendet. Das kommt daher, daß die schöpfen. Andererseits geschah dies mit
seinerzeit nach Südamerika gelieferten Rücksicht auf den z. T nicht sehr guten
Waffen vor einigen Jahren von diesen Erhaltungszustand der Sammlerwaffen,
Ländern auf den Sammlermarkt gegeben so daß unter dem Aspekt der Sicherheit
wurden und Argentinien war der erste und die Herabsetzung des Gasdrucks begrüßt
hauptsächliche Verkäufer. werden kann. Die Ladedaten tragen dem
Heute wird die Patrone fast ausschließlich Rechnung.
von Sammlern benutzt, welche ihre Waffe Einem Engpaß in Originalhülsen kann
gelegentlich schießen wollen. Von Jägern durch Umformung aus der RWS-Hülse
wurden aber auch Umbauten in preis- 8 x 57 IS ganz leicht begegnet werden.
günstige, einfache Jagdrepetierer (z. B. Die dafür erforderliche Form-Matrize gibt
für Nachsuchen usw.) bei einschlägigen es im Handel; Metallsäge und Feile sind
Büchsenmachern in Auftrag gegeben. sowieso auf der Ladebank zu finden. Der
Allerdings sind die so verwendeten Arbeitsgang ist dabei folgender: Hülse
Büchsen weit in der Minderzahl gegenüber leicht fetten, in die völlig niederge-
den vielen Sammlerwaffen. schraubte Matrize fahren, in oberer
Stellung halten und den überstehenden
Geschichte Hülsenteil mit der Metallsäge kürzen.
Dann mit der Feile den letzten Überstand
Natürlich inspiriert von der 8 x 57, der beseitigen und den Hülsenhals entgraten.
deutschen Militärpatrone von 1888, wollte H-Durchmesser bei gesetztem Geschoß
Mauser die grundsätzlichen Vorzüge überprüfen und ggf. mit Hülsenhalsfräse
deren Hülsenform nützen. Mit kleinen abdrehen.
Abänderungen und einem kleineren
Kaliber entstand die 7,65 x 53, welche
wenig später nicht nur von Belgien
angenommen, sondern auch in Staaten
wie Kolumbien, Bolivien, Ekuador, Peru
usw. eingeführt wurde. In den USAwurden
bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg sogar
Zivilwaffen in diesem Kaliber gefertigt.
Bei uns in Deutschland dagegen war die
Patrone weitgehend unbekannt - bis zu
dem schon erwähnten Verkauf der
gebrauchten Militärwaffen durch die
südamerikanischen Staaten.

280
7,65x 53 Mauser(argentinisch)
12,05 7,92

53,50

Kaliber: .303 (.312" Dia.)


Hülse: Norma
Zündh.: RWS 5341

TMS 9,7 g Hornady TMR 11,3 g Hornady


Patronenlänge 72,9 mm Patronenlänge 71,6 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s

R 902 R 902
max. 2,72 42.0 800 max. 2,46 38.0 730
min. 2,59 40.0 750 min. 2,33 36.0 700
R 903 R 903
max. 2,79 43.0 800 max. 2,79 43.0 760
min. 2,66 41.0 750 min. 2,72 42.0 735
R 907 R 907
max. 2,92 45.0 815 max. 2,92 45.0 770
min. 2,79 43.0 760 min. 2,79 43.0 720

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

281
.303 British
Nicht sehr geläufig im deutschen Sprach- Laborierung bestritt das britische Empire
raum, gehört die .303 British mit zu den die folgenden militärischen Auseinander-
am weitesten verbreiteten Jagdpatronen. setzungen. Erst Ende der fünfziger Jahre
Das ist aus ihrer Herkunft erklärlich, wurde erfolgte die Ablösung der .303 durch die
doch die Patrone von England aus in alle 7,62 mm NATO, welche uns auch als .308
unter der britischen Krone stehenden Win. geläufig ist. Bei den Waffen für die
Länder gebracht. Von der Leistung her .303 British handelte es sich um zahlreiche
kann die Randpatrone als etwa im Bereich Versionen der Lee-Enfield Repetier-
der 7 x 57 R und 8 x 57 IRS gesehen büchse; andere Systeme wurden aber
werden, ohne aber deren spezifische auch für die britische Standard-Rand-
Vorteile vorweisen zu können. Trotz der patrone eingerichtet.
zahlenmäßig sehr hohen Verbreitung
gehört die .303 British nicht zu den Die Patrone aus der Sicht des
erfolgreichen Jagdpatronen. Dies hängt Wiederladers
aber nicht vom eigentlichen Leistungspo-
tential der Hülse ab, sondern viel eher von Nicht nur die Begrenzung des höchst-
der Tatsache, daß in der Vergangenheit zulässigen Gasdrucks, sondern auch der
fast ausschließlich Vollmantelgeschosse Zustand der oft in nicht mehr guter
auf Wild verschossen wurden und ent- technischer Verfassung befindlichen
sprechend der geringen zielballistischen Waffen zwingt zum Verschießen schwa-
Wirkung dieser Militärgeschosse sehrviel cher Ladungen, wozu sich die jeweilig
Wild verlorenging. Kaum jemand führt die angegebenen Anfangsempfehlungen mit
.303 British im deutschen Sprachraum den Hornady-Geschossen, aber auch
zur Jagd. So sind die nachfolgenden etwa 2,92 g/45.0 gr/R 902/7,1 g TMR
Ladeempfehlungen auch hauptsächlich .308" gut eignen. Diese Laborierung
zum Nachvollziehen für Waffensammler erbringt mit dem TMR-Geschoß der
gedacht, die ihre "Lee-Enfield" oder Patrone .30 M 1 eine Mündungsge-
"SMLE" auf dem Schießstand zum schwindigkeit von etwa 850 m/s bei
"Sprechen" bringen wollen. mäßigem Gasdruck und ausreichender
Schußleistung. Beim Verladen des .308 "-
Geschichte Geschosses muß der .311 "-Expander
gegen einen solchen im Durchmesser
Die .303 British wurde ursprünglich als .308" ausgetauscht werden.
Schwarzpulverpatrone entwickelt und
verschoß ein 13,9 g schweres Vollmantel-
Rundkopf-Geschoß vor einer Ladung von
70 gr Schwarzpulver.. Nach dieser Version
von 1888 folgte 1892 eine Laborierung
mit dem damals neuen Cordite als
Treibladung, unter Beibehaltung des
schweren Rundkopfgeschosses. Kurz
nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs
erfolgte eine Verringerung des Geschoß-
gewichtes auf 11,3 g; die Mündungs-
geschwindigkeit konnte dadurch auf etwa
730 m/s erhöht werden. Mit dieser

282
LisRPEICOV
56,44

Kaliber: .303 (.312" Dia.)


Hülse: R-P
Zündh.: RWS 5341

TMS 9,7 g Hornady TMR 11,3 g Hornady


Patronenlänge 76,1 mm Patronenlänge 74,6 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s

R 902 R 902
max. 2,79 43.0 810 max. 2,59 40.0 730
min. 2,59 40.0 750 min. 2,40 37.0 680
R 903 R 903
max. 2,92 45.0 790 max. 2,82 43.5 745
min. 2,72 42.0 740 min. 2,66 41.0 700
R 907 R 907
max. 2,98 46.0 790 max. 2,88 44.5 750
min. 2,79 43.0 735 min. 2,69 41.5 700

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48;49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

283
8 x 57 I
Heute sind Repetierwaffen im Kaliber 7,80 Pulverladung und auch eine höhere
mm (Feld) und 8,07 mm (Zug), aus denen Präzision. Man verfolgte also das gleiche
die engen Geschosse vom 8-mm-I-Kaliber Ziel wie die Militärwaffenfachleute,
(8,09 mm) verschossen werden müssen, allerdings auf entgegengesetztem Wege.
nicht mehr sehr zahlreich. Meist als Das Durch- und Nebeneinander von
Gebrauchswaffen strapaziert, sind sie verschiedenen 8-mm-Kalibern mußte
nicht immer in bestem optischen Zustand. schließlich zu einer Normalisierung führen.
Trotzdem lohnt sich das Wiederladen der Wenn die Trennung von I- und S-Kaliber
Patrone, wenn der Lauf noch in Ordnung offiziell auch erst mit dem Waffengesetz
ist. Die Robustheit des 98er Systems, auf bzw. der Normalisierungsverordnung von
dem die meisten Vorkriegswaffen 1939 durch unterschiedliche Bezeich-
aufbauen, garantiert eine Lebensdauer, nungen bestätigt wurde, so bestand sie
die selbst von mehreren Jägerge- doch schon vierzig Jahre vorher. Die
nerationen nicht genützt werden kann. Bezeichnung "I" kommt von "Infanterie",
weil der Geschoßdurchmesser der "I"-
Patrone eben dem Geschoßdurchmesser
der Infanteriepatrone von 1888 entsprach.
Eine irreführende Bezeichnung für das !-
Geschichte oder Jagdkaliber ist "Ogivalkaliber"; man
sollte sie ausmerzen.
Im Gegensatz zum 8 mm S-Kaliber
(Geschoßdurchmesser 8,20 mm/.323')
weisen die Geschosse des 8 mm (-
Kalibers einen Durchmesser von nur 8,08
mm/.318 "auf, den gleichen Durchmesser, Die Patrone aus der Sicht des
den schon die Vollmantel-Rundkopfge- Wiederladers
schosse der Patrone M/88 des Gewehrs
88 und auch des Gewehrs 98 hatten. Als Mit dem 12,7 g schweren TMR vor den
dann im Laufe der Jahre 1904/5 die im Pulvern R 903 und R 907 kann die Leistung
Durchmesser stärkeren S-Geschosse der ehemaligen Werkslaborierung erreicht
eingeführt wurden (sie brachten eine werden.
höhere Lebensdauer der Läufe und eine Die Hülse für die 8 x 57 I unterscheidet
merkliche Präzisionsverbesserung), sich von der 8 x 57 IS nur durch den
hatten die Munitionsfachleute des kleineren H-Durchmesser, so daß eine
Zivilmarktes bereits einen Schritt in die Umformung der 8 x 57 IS in 8 x 57 I durch
andere Richtung gemacht: Anstatt den einfaches Kalibrieren in der 8 x 57 (-
Geschoßdurchmesser dem Zug-/Feld- Matrize möglich ist. Auf jeden Fall ist eine
durchmesserdes Laufes anzupassen, wie so umgeformte Hülse durch Ausschlagen
es bei der Militärwaffe geschah, behielten des "S" bei "8 x 57 IS" zu kennzeichnen.
sie den Geschoßdurchmesser der alten Das geringere Hülsenvolumen der
Patrone M/88 bei und paßten die Zug-/ umgeformten RWS-Hülse gegenüber der
Felddimensionen dem Geschoß an. Dies leichter gebauten Norma-Hülse zieht eine
ging soweit, daß schließlich Läufe mit geringfügig höhere Leistung der RWS-
Kalibern bis zu 7,7 mm hergestelltwurden. Hülse nach sich, aber auch mehr Druck.
Durch das Enghalten der Läufe versprach Eine Reduktion der Maximalladung um
man sich eine bessere Ausnutzung der 0,05 Gramm ist angebracht.

284
Co
11,95 8,08
X
_Y_
01
57,00
14 •1

Kaliber: 8 mm (.318" Dia.)


Hülse: Norma oder RWS (s. Text)
Zündh.: RWS 5341

TMR 12,7 g RWS


Patronenlänge 75,7 mm
Pulver g gr Vo m/s

R 902
max. 2,98 46.0 680
min. 2,72 42.0 650
R 903
max. 3,24 50.0 705
min. 2,98 46.0 660
R 907
max. 3,31 51.0 695
min. 3,18 49.0 655

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

285
8x57IR
Obwohl schon seit über vierzig Jahren unter Beibehaltung des Geschoßdurch-
nicht mehr zum Standard zählend, sind messers immer mehr zu verkleinern, um
Patronen 8 x 57 IR bzw. Waffen dieses dadurch eine höhere Leistung und Prä-
Kalibers immer noch geläufig. So zision zu erreichen. Da diese Kaliber-
mancher Drilling und zahlreiche verkleinerung nicht ungefährlich war und
Bockbüchsflinten konnten über den Krieg bis herunter zu 7,7 mm ausuferte, mußte
"gerettet" werden und leisten, oft in noch im Zuge der Normalisierung das alte,
sehrguter technischer Verfassung, immer "enge" Jagdkaliber auf die Maße 7,80/
noch ihre Dienste. Andererseits läßt aber 8,07 mm (Geschoßdurchmesser 8,09
der Zustand manchmal sehr zu wünschen mm/.318 begrenzt werden. Auch wurde
übrig. Besitzer solcher Waffen sollten kurz vor dem Zweiten Weltkrieg die ge-
aus Gründen der Sicherheit besser auf meinsame Bezeichnung der
ein Führen verzichten, was natürlich auch Randpatrone "8 x 57 R", die es bis dahin
für Gewehre anderer Kaliber gelten kann. zwar vornehmlich für das enge Kaliber,
Im Zweifelsfall lasse man die Waffe von aber auch z. B. mit einem 10,0-g
zuständiger Stelle auf ihre Tauglichkeit Teilmantel-S-Geschoß (8,22 mm) gab,
untersuchen. Aber auch die ersten nach in die beiden Bezeichnungen 8 x 57 IR
dem Zweiten Weltkrieg gefertigten 8-mm- und 8 x 57 IRS geändert.
Kipplaufwaffen, die somit noch relativ
neu sind, durften anfangs nur das (-
Kaliber haben, was somit die Existenz
dieser Patrone noch zusätzlich RWS-Laborierungen
rechtfertigt.
Da nach dem Zweiten Weltkrieg im
Kaliber 8 mm lt. Kontrollratsbeschlu ß der
Sieger-mächte nur Waffen in 8 x 57 IR
Geschichte gefertigt werden durften, sind diese noch
in so großen Stückzahlen vorhanden,
Schon bald nach der Übernahme der daß die zeitweise Auflage der 12,7 g
Militärpatrone M/88 (8 x 57) wurde auch Teilmantel-ladung gerechtfertigt ist. Diese
eine Randversion zur Verwendung in hat sich seit Jahren bewährt und ist für
Kipplaufwaffen gefertigt, die den ur- Hochwild unter einfachen Verhältnissen
sprünglichen Geschoßdurchmesser der geeignet.
Armeepatrone von 1888 erhielt. Die
Änderung des Militärgeschosses auf
8,22 mm unter Beibehaltung des schon
seit 1895 im Gew. 88 und von Anfang an Die Patrone aus der Sichtdes
im Mauser Mod. 98 vorhandenen Zug- Wiederladers
kalibers 8,20 mm im Jahre 1905 wurde
von der Waffen- und Munitionsindustrie Neben den genannten Ladungen mit
nicht geschlossen zum Anlaß genommen, R 902, R 903 und R 907 kann die
nur noch einen Geschoßdurchmesser und 8 x 57 IR bei gleichem Geschoß auch mit
nur noch ein Kaliber zu berücksichtigen. 2,46 g R 901 (650 m/s) und 3,31 g R 904
Vielmehr ging man schon wie in den (700 m/s) versorgt werden.
neunziger Jahren des vorigen Jahr-
hunderts dazu über, das Waffenkaliber

286
CO
13,32 8,08 X
01
57,00

Kaliber: 8 mm (.318" Dia.)


Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5341

TMR 12,7 g RWS


Patronenlänge 76,3 mm
Pulver g gr Ve m/s

R 902
max. 2,75 42.5 690
min. 2,56 39.5 650
R 903
max. 3,11 48.0 715
min. 2,92 45.0 670
R 907
max. 3,18 49.0 710
min. 3,05 47.0 665

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

287
8 x 57 R 360
Eine Patrone mit bescheidener Die Patrone aus der Sicht des
ballistischer Leistung muß nicht unbedingt Wiederladers
einen geringen Bekanntheitsgrad haben.
Aus der relativ großen Anzahl Wegen des geringen Druckmaximums ist
vorhandener, noch schießfähiger Waffen eine gehörige Portion Vorsicht
läßt sich schließen, daß die 8 x 57 R 360 angebracht, was die Pulververarbeitung
zu ihrer Zeit sehr beliebt gewesen sein betrifft. Schon kleine Ladungserhöhungen
muß. können Drucksprünge verursachen.
Zudem reagieren die offensiven
Pulversorten sehr heftig auf Unterschiede
Geschichte in der Geschoßeinsetztiefe. Aus diesen
Gründen wurden Ladevorschläge für die
Wie aus der Patronenbezeichnung mittleren bis faulen Pulversorten erarbeitet
ersichtlich, resultiert die 8 x 57 R 360 aus und der Maximaldruck bewußt niedrig
einer Modifikation der alten englischen gehalten. Es wird darauf hingewiesen,
Schwarzpulverpatrone .360 Expreß 2 — daß die Ladeempfehlungen dieses
die später als .360 N. E. auch mit Buches nur gelten, wenn ausschließlich
rauchschwachem Pulver geladen wurde. die genannten Komponenten Verwendung
Damit gehört die 8 x 57 R 360 wie andere finden. Beim Beispiel der 8 x 57 R 360
mehr oder weniger geläufige Patronen wird die Notwendigkeit der Befolgung
zur großen Familie der "Expreß"-Kaliber, dieses dringenden Ratschlags sehr
die alle das gemeinsame Merkmal der deutlich: Mit derselben Pulverladung und
leicht geschulterten oder konischen Hülse gleich schweren Geschossen anderer
mit dem etwa 11 mm messenden P1- Hersteller zeigten sich Drucksteigerungen
Durchmesser und natürlich den Rand von mehreren hundert Bar, was beim
aufweisen. Wegen des geringen Druckes natürlichen Alterungszustand der Waffen
werden die Waffen nicht stark eine Gefahr darstellen kann. Hülsen für
beansprucht, so daß es möglich war, die 8 x 57 R 360 werden aus 9,3 x 72 R
leichte, schmale Verschlußkästen für geformt.
führige Kipplaufwaffen, meistens Drillinge Zur Erzielung der Maßhaltigkeit muß der
herzustellen. Der genaue Zeitraum der H-Durchmesser dann unbedingtverringert
Einführung ist nicht bekannt, wird aber werden, weil die Basishülse eine an dieser
etwa zwischen 1885 und 1890 liegen. Die Stelle stärkere Hülsenwandung aufweist
bekanntesten Laborierungen waren die und so die Ladefähigkeit nicht gegeben
bis 1940 gefertigten RWS-Nummern wäre. Von der Verwendung alter Original-
39 R, 40 R und 41 R, welche das 12 7 g (Berdan-) Hülsen ist abzusehen. Diese
TMR (zwei Ladungen) und ein 10,2 g Hülsen, selbst die letzten Fertigungslose,
TMR enthielten. Die Leistung mit dem stammen aus den fünfziger Jahren und
12,7 g TMR war mit 533 bzw. 581 m/s neigen altersbedingt stark zu Hals- oder
angegeben, während das 10,2 g TMR auf gar Bodenreißern.
706 m/s kam. Nach dem Krieg wurde die
leichte 12,7 g TMR-Ladung noch einmal
aufgelegt (1954). Seitdem ist die 8 x 57 R
360 als reine Wiederladerangelegenheit
zur Liebhabersache geworden.

288
L9x8
‘Itimmiema
--A-
12,40 8,08

09C I:I
57,00

Kaliber: 8 mm (.318" Dia.)


Hülse: umgeformt aus RWS 9,3 x 72 R
Zündh.: RWS 5341

TMR 12,7 g RWS


Patronenlänge 75,2 mm
Pulver g gr V, m/s

R 903
max. 2,07 32.0 I 570
min. 1,94 30.0 I 540

R 907
max. 2,20 I 34.0 I 570
min. 2,11 I 32.5 535
R 904
max. 2,43 37.5 580
min. 2,27 35.0 530

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

289
8x58R
Im gleichen Leistungsbereich liegend Die Patrone aus der Sicht des
wie die bereits beschriebene 8 x 57 R Wiederladers
360, gelten die dort gemachten
Bemerkungen auch bei der 8 x 58 R. Wie bei allen Patronen der "Expreß"-
Familie liegt bei der 8 x 58 R ein R1- und
P1-Durchmesser vor, den auch die
9,3 x 72 R aufweist. Aus diesem Grund ist
die Hülsenbeschaffung für alte Expreß-
Geschichte patronen leicht geworden, denn aus der
in moderner Boxerausführung gefertigten
Die Entwicklung der 58 mm langen, RWS-Hülse 9,3 x 72 R können alle
konischen Randhülse ist parallel zur Schwester- oder Tochterhülsen in meist
Entstehung der anderen konischen einfachen Arbeitsgängen umgeformt
Hülsen dieser Zeit (etwa 1885 bis zur werden. Im Falle der 8 x 58 R ist nur eine
Jahrhundertwende) so verlaufen, daß, Hülsenkürzung und die Vollkalibrierung
auf der alten Schwarzpulverhülse .360 erforderlich. Verringerungen des Hülsen-
aufbauend, die verschiedensten Hülsen- halsdurchmessers, wie sie bei fast allen
formen und -längen erprobt und anderen Umformungen, der 9,3 x 72 R
angeboten wurden. Zu den bekanntesten (z. B. in 8 x 57 R 360, 6,5 x 58 R)
8-mm-Patronen dieser Kategorie, welche notwendig werden, kann man sich daher
übrigens nie im 8 mm-"S"-Kaliber, sondern sparen, was aber vorsichtshalber in der
immer im engen Jagd- oder "I"-Kaliber spezifischen Waffe überprüft werden
gefertigt wurden, zählen neben der sollte. Mit den nebenstehenden Lade-
8 x 58 R auch die ebenfalls in diesem vorschlägen können die damaligen
Buch mit Ladevorschlägen bedachten Werkslaborierungen Nr. 42 R und 43 R
Patronen 8 x 56 R 360 und die von Wilhelm nachvollzogen werden, wobei mit R 904
Brenneke im Jahre 1898 erstmals meist die beste Präzision erreicht wird.
intensiver vorgestellte 8 x 72 R. Munition R 907 ist ebenfalls geeignet und kann bei
für die 8 x 58 R gab es sowohl mit 10,2-g- etwas geringerer Leistung mit der
TMR- als auch mit 12,7-g TMR- Ladeangabe für R 903 verladen werden
Geschossen. Die Leistung der 8 x 58 R ist (2,33 g/36.0 gr). Alle Vorschläge gelten
mit der 8 x 57 R 360 identisch, wobei nur für das 12,7 g TMR von RWS.
letztere auf etwas höhere Drücke geladen Von der Verarbeitung alter 8 x 58 R
war. RWS-Werksladungen waren bis (Berdan-) Hülsen ist abzuraten, weil diese
1940 verfügbar; eine Wiederauflage der wegen des natürlichen metallurgischen
leichten 12,7-g-TMR-Ladung Ende der Altersprozesses versprödet sind und zum
fünfziger Jahre trug der damaligen Reißen neigen.
Nachfrage Rechnung.

290
T+ co
12,75 8,08
_Y_ 01
1411
58,50 op

Kaliber: 8 mm (.318" Dia.)


Hülse: umgeformt aus RWS 9,3 x 72 R
Zündh.: RWS 5341

ommiwomp

TMR 12,7 g RWS


Patronenlänge 77,0 mm
Pulver g gr Vo m/s

R 902
max. 2,14 33.0 I 560
min. 2,01 31.0 I 520
R 903
max. 2,33 36.0 575
min. 2,14 33.0 I 520
R 904
max. 2,56 39.5 575
min. 2,40 37.0 525

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

291
8x60
Etwa zehn Prozent Leistungserhöhung Geschichte
im Vergleich zur 8 x 57Ibietet die um etwa
drei Millimeter längere 8 x 60; sie benötigt Wie bei der 8 x 60 S nachzulesen, waren
aber auch etwas mehr Gasdruck, ohne die Auswirkungen der Waffenbe-
deswegen die Gebrauchsgasdrücke stimmungen zum Friedensvertrag von
heute gängigerer Patronen zu erreichen. 1918 in erster Linie ausschlaggebend für
Da schon lange keine Fabrikmunition mehr die Abänderung der zahlreichen Waffen
hergestellt wird, ist die 8 x 60 wie die Kaliber 8 x 57 in 8 x 60. Dabei wurden aber
meisten der alten 8-mm-1- und 8-mm-S- nicht nur die Büchsen vom eigentlichen
Patronen, zu einer Wiederladerpatrone Militärkaliber 8 x 57 IS, sondern auch
geworden. Da es aber keinen Unterschied solche vom Jagdkaliber 8 x 57 1 abge-
macht, ob eine alte oder eine moderne ändert, woraus die relativ große Anzahl
Patrone mit neuen Komponenten verladen heute noch vorhandener Waffen in 8 x 60
wird - die Qualität der Wiederladung ist resultiert. Daneben kamen viele Waffen
immer gleich - hängt es ausschließlich der damals sehr beliebten Mauser-
vom Zustand der jeweiligen Waffe ab, wie Zivilausführung zum Verkauf, welche
gut die Waffen/Patronen-Kombination außer 7 x 57, 9 x 57 und 9,3 x 62 auch in
schießt und wie lange die Büchse geführt 8 x 60 angeboten wurden, u. a. als Stutzen.
werden kann. Überwiegend finden sich
Repetierbüchsen mit dem Mauser 98-
System unter den für die 8 x 60
eingerichteten Waffen, was als Garantie Die Patrone aus der Sicht des
für eine lange Lebensdauer angesehen Wiederladers
werden kann. Voraussetzung dafür ist
natürlich der sonstige Erhaltungszustand, R 907 hat sich als besonders geeignet
vor allem des Laufes: Ist dieser in Ordnung, hinter dem 12,7 g TMR erwiesen, gefolgt
so kann die Büchse im Kaliber 8 x 60 noch von R 904. Hülsen sind leicht aus RWS
lange Jahre gute Dienste leisten. Läßt der 8 x 60 S umzuformen. Um Verwechs-
Zustand des Laufes jedoch zu wünschen lungen mitdem S-Kaliber auszuschließen,
übrig, so sollte man nicht auf Biegen und sollte man das "S" im Bodenstempel in
Brechen versuchen, das Kaliber zu geeigneter Weise unkenntlich machen.
erhalten. Vielmehr ist es dann an der Zeit, Als einfachste Methode hat sich dabei
einen guten Büchsenmacher mit dem das vorsichtige Ausschlagen mit einem
Einlegen eines neuen Laufes zu Körner bewährt.
beauftragen. Da vom System her nahezu
alle Möglichkeiten offen sind und von
5,6 x 57 über .30 - 06 bis zur 9,3 x 62
sämtliche Patronen mit dem etwa 12 mm
messenden "Mauserboden" eingepaßt
werden können, wird die Kaliber- bzw.
Patronenwahl nicht leicht fallen.

292
co
8,08

Kaliber: 8 mm (.318" Dia.)


Hülse: umgeformt aus RWS 8 x 60 S
Zündh.: RWS 5341

TMR 12,7 g RWS


Patronenlänge 77,7 mm
Pulver g gr Vo m/s

R 903
max. 3,37 52.0 785
min. 3,18 49.0 730
R 907
max. 3,47 53.5 785
min. 3,34 51.5 750
R 904
max. 3,69 57.0 780
min. 3,50 54.0 730

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

293
8x6OR
Als Schwesterpatrone der randlosen Die Patrone aus der Sicht des
8 x 60 kommen der Randpatrone die Wiederladers
gleichen Aufgaben und Einsatzbereiche
zu, sofern sie noch jagdlich geführt werden Während die Geschoßfrage durch die
soll. Letzteres setzt natürlich einen ein- Präsenz des 12,7-g Teilmantel-Rund-
wandfreien Erhaltungszustand der Waffe kopfgeschosses geklärt ist und als
voraus. Vornehmlich wurde die 8 x 60 R in Treibladungspulver die mittleren Rottweil-
Bockbüchsen und Bockbüchsflinten ein- sorten zur Verfügung stehen, muß der
gebaut. Sauer & Sohn, Suhl z. B. fertigte Hülsenbeschaffung ein besonderes Au-
auch Bock-Wechselläufe oder Bock- genmerk gewidmet werden. Natürlich ist
Kombinationen in diesem Kaliber. die eine oder andere Packung aufge-
hobener Originalhülsen noch vorhanden,
Geschichte doch ist, abgesehen von der Tatsache,
daß es sich dabei um Berdanhülsen
Die Herkunft der Randversion ist im handelt, deren natürlicher Alterungszu-
Zusammenhang mit der Geschichte der stand zu beachten. Zweckmäßigerweise
8 x 60 zu sehen und in dem Wunsch der wird man deswegen versuchen, aus
Jägerschaft begründet, eine im Vergleich gängigen Boxerhülsen Umformungen zu
zur 8 x 57 IR leistungsstärkere Rand- erhalten. Dabei ist der gängige R-und P1-
patrone für Kipplaufwaffen zu erhalten. Durchmesser der 8 x 60 R als glücklicher
Anders als bei der von Anfang an auf Umstand zu betrachten, denn dadurch
hohen Gasdruck konzipierten 8 x 65 R stehen sowohl 7 x 65 R- als auch
(s. d.), hatte man bei der 8 x 60 R jedoch 9,3 x 74 R-Hülsen zur Auswahl. Die
die Verschlu ßfestigkeit der einfachen Umformung erfolgt auf einfachem Weg
Kipplaufwaffen zu beachten und be- durch einen Kalibriervorgang in der
grenzte den Druck schließlich auf 3000 8 x 60 R-Matrize. Beide Grundhülsen
bar - vor allem auch im Hinblick auf eine müssen anschließend im H1- und H2-
leicht mögliche Änderung vorhandener Bereich mit Hilfe einer Hülsenfräse re-
Waffen Kaliber 8 x 57 IR. Im Vergleich zu duziert werden, bis sie an dieser Stelle
letzterer lassen sich bei gleichem Druck weniger als 8,99 mm messen. Die Lade-
etwa sechs Prozent mehr Geschwindigkeit vorschläge können für beide Grundhülsen
erzielen. Die gängige Laborierung der verwendet werden; innerhalb einer Serie
zwanziger und drei ßigerJahre war die mit sollte man sich jedoch aus Gründen der
dem 12,7 g Teilmantelrundkopfgeschoß; Gleichmäßigkeit für eine Hülse ent-
es gab aber auch Ende der dreißiger scheiden, wobei die aus 9,3 x 74 R die
Jahre bereits H-Mantelpatronen. Nach höhere Leistung, aber auch den höheren
dem Krieg kam die Patrone noch einmal Gasdruck bringen (in der Ladetabelle
in Form der Laborierung 45 R in die RWS- bereits berücksichtigt).
Fertigung und die damalige DWM legte
die Brenneke TIG-Laborierung nochmals
auf. Seitdem ist die 8 x 60 R zur
Wiederladerangelegenheit geworden.

294
13,40 8,08


60,00 O

Kaliber: 8 mm (.318"Dia.)
Hülse: umgeformt aus RWS 7 x 65 R
Zündh.: RWS 5341

TMR 12,7 g RWS


Patronenlänge 77,7 mm
Pulver g gr V, m/s

R 903
max. 3,18 49.0 740
min. 3,05 47.0 690
R 907
max. 3,24 50.0 750
min. 3,21 49.5 735
R 904
max. 3,53 54.5 745
min. 3,43 53.0 715

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

295
8x64
Meistens sind die Repetierbüchsen dieses hatte und die 8 x 64 als Zivilversion. Erst
Kalibers mit dem Stempel "W. Brenneke" als die 8 x 64 S beim Militär nicht ankam,
versehen, denn zwischen den Weltkriegen stellte er auch diese der Jägerschaft zur
war es vor allem die Firma Brenneke, Verfügung. Damit gab es bei den genann-
welche Waffen in 8 x 64 herstellte. Heute ten Kalibern dasselbe Neben- und Durch-
befinden sich diese sauber ausgeführten einander zwei verschiedener 8-mm-
Repetierbüchsen nicht nur in Sammler- Geschoßdurchmesser wie bei fast allen
händen. Auch mancher Jäger hat eine anderen 8-mm-Patronen auch.
8 x 64 im Schrank stehen und macht sich
Gedanken über den bald zur Neige
gehenden Munitionsvorrat - sofern ein
solcher überhaupt noch vorhanden ist. Die Patrone aus der Sicht des
Insofern ist die 8 x 64, wie alle alten Wiederladers
Patronen, zur Wiederladerangelegenheit
geworden. Ist die Waffe noch in gutem Die nachstehend ausgedruckten Lade-
Zustand, so lohnt sich das Wiederladen angaben gelten ausschließlich für das
auf jeden Fall: Im Vergleich zur 8 x 57 I RWS 12,7 g TMR-Geschoß. Labormes-
lassen sich nahezu 150 m/s mehr aus der sungen haben gezeigt, daß Geschosse
63,7 mm langen Hülse herausholen. anderer Hersteller z. T. sehr viel höhere
Selbst gegenüber der .30 - 06 hat die Drücke verursachen. Von den Pulvern
8 x 64 Vorteile bzgl. der Mündungsenergie. wird sich R 907 oder R 904 am präzisesten
Das 12,7 g TMR ist etwa so schnell wie zeigen; möglich wären auch 3,60 g /
das ein Gramm leichtere Geschoß der 55.5 gr R 903 (ca. 820 m/s). Hülsen
Amerikanerin. Natürlich sind die genann- können aus 7 x 64 - Neuhülsen umgeformt
ten außenballistischen Vorteile der 8 x 64 werden, sofern diese im Hülsenmund-
weitgehend theoretischer Art, denn sowohl bereich nicht zu „dünn" ausfallen
vom zielballistischen Standpunkt als auch (unzuverlässiger Geschoßsitz). Am
vom Geschoßangebot ist die 8 x 64 den einfachsten ist die Umformung aus neuen
gängigen Patronen Kal. .30 und auch Hülsen RWS .280 Rem: Aufweiten auf
7 mm unterlegen. Man wird sich also .338", kalibrieren mit 8,08 mm/.318"-Dorn
kaum mehr eine neue Büchse in 8 x 64 unter Ausformung einer „Hilfsschulter"
oder einem anderen der alten Kaliber (Verschlußabstand!), Feuerformung mit
bauen lassen wollen - obwohl dies einer „min."-Ladung (vorzugsweise R907),
durchaus möglich wäre. Hier würde man L3 reduzieren bzw. Hülsenmund
das Wiederladen zum Selbstzweck egalisieren. Möglich ist auch die
machen.
Umformung aus neuen Hülsen 9,3 x 62,
die allerdings zu kurz geraten und im P1-
Bereich zu dick sind. Die Reduktion des
P1-Durchmessers erfolgt am einfachsten
Geschichte
auf einer Feinmechaniker-Drehbank. Bei
geringen Stückzahlen ist aber auch ein
Wilhelm Brenneke brachte die 8 x 64
Abschleifen mit in Streifen gerissenem
wahrscheinlich einige Monate früher als
Schleifpapier möglich, wobei das
die 8 x 64 S, denn es ist anzunehmen, daß
individuelle Patronenlager jeweils als
er die 8-mm-S-Variante zuerst aus-
Ladefähigkeitslehre dient.
schließlich als Armeepatrone vorgesehen

296
N
i1115.1010961...131...

12,00 8,08
• 51
63,70

Kaliber: 8 mm (.318" Dia.)


Hülse: umgeformt aus RWS .280 Rem.
Zündh.: RWS 5341

TMR 12,7 g RWS


Patronenlänge 82,4 mm
Pulver g gr Vo m/s

R 907
max. 3,73 57.5 845
min. 3,56 55.0 800
R 904
max. 4,05 62.5 845
min. 3,89 60.0 795
R 905
max. 4,21 65.0 825
min. 4,08 63.0 800

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

297
8x65R
Die 8 x 65 R ist nach der 8 x 57 IR die am Jahren auf alles mitteleuropäische, auch
weitesten verbreitete Randpatrone mit starkes Schalenwild bewährt. Die relativ
dem 8,08 mm Geschoß und war noch in hohen Mündungsgeschwindigkeiten im
den sechziger Jahren als eine der Vergleich zu den anderen 8 mm (8,08
"Spezialpatronen" im Fertigungspro- mm) Patronen gestatten Schüsse auf
gramm der damaligen IWK. größere Entfernungen. So hat die 8 x 65
R auf 200 m noch in etwa dieselbe
Geschwindigkeit wie z. B. eine 8 x 57 IR
auf 100 m; die Rasanz ist entsprechend
besser, ebenso die Geschoßenergie. Bei
den Pulvern ergibt R 907 die geringste
Geschichte Standardabweichung bzgl. Mündungs-
geschwindigkeit und Gasdruck, sollte aber
Wie ihre Schwesterpatrone 8 x 65 RS in den Bereichen im oder knapp unterhalb
wurde die 8 x 65 R von Wilhelm Brenneke des Maximalbereichs nicht ohne "Labo-
konstruiert und in endgültiger Form etwa rieren", d. h. Heranarbeiten an diese La-
1920 der Jägerschaft vorgestellt. Neben dung verarbeitet werden. Obwohl in nahe-
dem 12,8g TIG fertigte Brenneke ein be- zu allen anderen 8-mm-Hülsen dieser
sonders für schweres Hochwild gedach- Größenordnung eines der vielseitigsten
tes 14,5 g TIG, welches etwa 810 m/s Pulver, zeigt das R 907 in der Randhülse
erreicht haben soll. leichte Neigung zum Präzisionsverlust
schon bei geringfügiger Abstufung. Da
aber auch die anderen Pulver u. U.
ähnliche Reaktionen aufweisen können,
scheint es sich um eine hülsenspezifische
Angelegenheit zu handeln, die wahr-
Die Patrone aus der Sicht des scheinlich von der Hülsengeometrie ab-
Wiederladers hängt. Diese ist auch verantwortlich für
die Tatsache des höheren Drucks in der
Wie schon bei der randlosen Schwester- Randhülse bei gleicher Ladung. Hülsen
patrone erwähnt, gilt die nachfolgende für die 8 x 65 R werden am einfachsten
Laderezeptur nur für das 12,7 g TMR aus Neuhülsen 9,3 x 74 R umgeformt,
RWS. Mit diesem Geschoß ist es möglich, wofür zusätzlich zum Kalibriervorgang ein
unter Einhaltung des höchstzulässigen Kürzen der Hülse und die Reduktion des
Gasdrucks die Leistung der damaligen H-Durchmessers erforderlich wird. Letz-
Fabrikpatrone gleichen Geschosses zu terer darf 8,86 mm nicht überschreiten,
kopieren. Geschosse anderer Hersteller, was an der geladenen Patrone zu über-
auch wenn sie gleicher Art und gleichen prüfen ist.
Gewichts sind, ergeben regelmäßig zu Nach dem ersten Schuß, der "Feuerform-
hohe Gasdrücke bzw. unzureichende ladung" welche wegen möglicher TPL-
Mündungsgeschwindigkeiten bei Einhal- Abweichungen auf die Scheibe abgege-
tung des zulässigen Gasdrucks. Das ben werden sollte, hat die Hülse die
RWS-TMR im Gewicht 12,7 g hat sich, richtigen Maße, weil sie sich dem Patro-
obwohl nicht so optimal wirkend wie die nenlagerangepaßt hat, d. h. im P2-Bereich
modernen RWS-Spezialgeschosse, seit "ausgeblasen" wurde.

298
Nagiomm Co
13,32 • 8,08 X

64,70 10.1 (71


1

Kaliber: 8 mm (.318" Dia.)


Hülse: umgeformt aus RWS 9,3 x 74 R
Zündh.: RWS 5341

TMR 12,7 g RWS


Patronenlänge 82,4 mm
Pulver g gr Vo m/s

R 903
max. 3,43 53.0 795
min. 3,31 51.0 760
R 907
max. 3,47 53.5 790
min. 3,37 52.0 760
R 904
max. 3,92 60.5 805
min. 3,73 57.5 755

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

299
8x72R
Mit dem Ziel entwickelt, eine schlanke der 12,7-g TMR-Ladung (V25 = 640 m/s)
Patrone von der Leistung der 8 x 57 R zu geführt, welche nach dem Zweiten Welt-
erhalten, konnte die 8 x 72 R die an sie krieg noch bis Ende der fünfziger Jahre
gestellten Anforderungen nicht erfüllen. gefertigt wurde.
Daß trotzdem eine große Anzahl von
Kipplaufwaffen für die konische "Bleistift-
patrone" hergestellt wurde, lag vornehm-
lich daran, daß sich Wilhelm Brenneke für Die Patrone aus der Sicht des
die Patrone einsetzte und sie auch mit Wiederladers
einem "Brenneke Torpedo-Ideal-Geschoß
(TIG)" vom Gewicht 13,4 g anbot. Mit den heute zur Verfügung stehenden
Komponenten kann eine moderne Kopie
der zuletzt genannten Laborierung gefer-
tigt werden. Die Hülsenbeschaffung be-
Geschichte reitet keinerlei Schwierigkeiten, da die
seinerzeitige Ausgangshülse 9,3 x 72 R
Wahrscheinlich haben sich mehrere Kon- leicht umgeformt werden kann und zudem
strukteure mit der Entwicklung der 8x72 R sogar in der bequem zu bearbeitenden
befaßt, welche 1898 das erste Mal auf- Boxerausführung erhältlich ist. Beim Kali-
tauchte. Sie kann aber ohne Zweifel brieren der Hülse ist unbedingt jegliches
Wilhelm Brenneke zugeschrieben werden. Gewindespiel in der Presse zu beseitigen;
Der in der Fachliteraturzu lesende Hinweis der Rückspringeffekt der konischen Hülse
auf Sauer & Sohn dürfte nicht richtig sein: macht u. U. sogar ein oberseitiges Kürzen
Es gab zwar eine Patrone 8 x 72 R S&S, des Hülsenhalters erforderlich. Mit den
welche aber nicht identisch mit der Vorschlägen die durch 2,98 g/46.0 gr R
konischen Hülse 8 x 72 R ist, sondern 904 = 620 m/s ergänzt werden können,
eine auf 8 mm eingewürgte 9,3 x 72 R wird der maximal zugelassene Druck von
S&S darstellt. (Letztere wiederum ist nicht 2500 bar nicht überschritten.
identisch mit der konischen 9,3 x 72 R, der
Ausgangshülse für die 8 x 72 R, sondern
ist leicht geschultert.) Mit der Kaliberver-
ringerung auf 8 mm konnte trotz Erhöhung
des Gasdrucks und Beibehaltung der
Pulverladung keine Leistungserhöhung
herbeigeführt werden, weil sich nicht nur
das Kaliber, sondern durch den Einzug
auf ganzer Hülsenlänge auch das Vo-
lumen der Hülse verringerte. Neben der
schon erwähnten 13,4-g TIG-Ladung (V25
= 680 m/s) gab es bis zu Beginn des
Zweiten Weltkrieges auch noch eine
Laborierung mit dem 11,75 g schweren
Kupferteilmantelgeschoß (V25 = 675 m/s)
und neben anderen sogar eine 14,7-g
TMR-Patrone (V25 = 585 m/s).
Hauptsächlich aber wurde die 8 x 72 R mit

300
CO
12,35 8,08
X
*NI
72,00

Kaliber: 8 mm (.318" Dia.)


Hülse: umgeformt aus RWS 9,3 x 72 R
Zündh.: RWS 5341

TMR 12,7 g RWS


Patronenlänge 90,4 mm
Pulver g gr Vo m/s

R 902
max. 2,59 l 40.0 l 655
min. 2,40 37.0 l 600
R 903
max. 2,85 44.0 680
min. 2,66 l 41.0 620
R 907
max. 2,85 44.0 670
min. 2,66 41.0 600

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

301
8 x 56 Mannlicher Schönauer
Die 8 x 56 M. Sch. ist nicht so bekannt wie mm S-konformes, also geringeres Maß
ihre "Stallschwester" 6,5 x 54 M.Sch., eingezogen werden. Wechselnder
was mit der begrenzten Verbreitung der Ausziehwiderstand des Geschosses wirkt
8 mm - M.Sch.-Büchsen erklärt werden sich stark auf die Regelmäßigkeit von
kann. Ergänzend kommt hinzu, daß die Schuß zu Schuß aus. Bei den Ermittlungs-
8 x 56 trotz ähnlicher Hülsenform viel beschüssen wurden durch unterschiedlich
weniger leistet als z.B. die 8 x 57. fest sitzende Geschosse Abweichungen
von bis zu 1000 bar und 100 m/s
festgestellt. Als 8 mm-S-Geschoß und
unter Einhaltung des gleichbleibenden
Geschichte Ausziehwiderstandes eignet sich das 12,7
g TMR, welches selbst bei den mit 8 x 56
Die 8 x 56 M. Sch. erschien 1907, drei M.Sch. erzielbaren Mündungsgeschwin-
Jahre nach der 6,5 x 54. Es ist nicht digkeiten von knapp 660 m/s noch
bekannt, warum ihre Konstrukteure sich günstige zielballistische Eigenschaften
so weit von der 8 x 57 entfernt hatten: mitbringt. Diese Leistung entspricht der
Nicht nurdie P1-, P2- und R-Maße wurden RWS-Vorkriegslaborierung mitdem gleich
geändert, sondern auch die Lauf- und schweren Geschoß. Von Herstellern, die
Gescho ßdurchmesser. auf die Fertigung kleiner Mengen von
Geschossen ausgefallener Durchmesser
spezialisiert sind, können exakt auf die
Lauf-Innenmaße der spezifischen Waffe
Die Patrone aus der Sicht des abgestimmte Sonderanfertigungen
Wiederladers bezogen werden, wobei zur Festlegung
des genauen Kalibers die Einsendung
Da die Geschoß- und Laufdurchmesser eines Bleidurchtriebs erforderlich ist. Für
der 8 x 56 M.Sch. mit 8,25 mm bzw. 7,95 solche Spezialgeschosse dürfen die
mm und 8,30 mm nur wenig über denen nebenstehenden Ladevorschläge keines-
der 8-mm-S-Kaliber liegen ( 8,22 mm falls übernommen werden, allenfalls stel-
bzw. 7,82 mm und 8,20 mm), bereitet das len die "min"-Daten einen Anhaltspunkt
Verschießen der hierfür eigentlich zu dar. Die Überprüfung derartiger Ladungen
"dünnen" S-Geschosse keine Nachteile. durch ein Beschußamt oder die DEVA
Allerdings treten solche beim Verladen wird dringend empfohlen, schon wegen
auf: Die Kalibermatrize ist mit einem auf der geringen Verschlußfestigkeit der
das G-Maß 8,25 mm abgestellten Ex- meisten 8 x 56 M.Sch.-Waffen. Da der
pander ausgestattet. Da S-Geschosse Gebrauch überlagerter Originalhülsen ein
(G= 8,22 mm) in damit kalibrierten Hülsen Sicherheitsrisiko darstellt und es keine
nicht halten, ist zur Erzielung eines wiederladerfreundlichen Boxerhülsen in
gleichmäßigen Ausziehwiderstandes die 8 x 56 M.Sch. gibt, werden solche aus
Kalibermatrize mit einem .328/8-mm-S- modernen Hülsen 8 x 57 IS umgeformt.
Aufweiter auszustatten und außerdem Dies ist etwas aufwendig, weil Hülsen 8 x
beim Setzen des Geschosses eine 57 IS im P1- und H-Durchmesser stärker
Ringkneifung anzubringen. Sollte sich gehalten sind und dort reduziert werden
diese einfachen Maßnahmen als müssen. Die Ladefähigkeit ist an einer
unzureichend erweisen, so muß mit einer mit Geschoß versehenen Hülse zu
Fremdmatrize der Hülsenhals auf ein 8 überprüfen.

302
S IAI99 x 8
11,85
X8,20
v (s. Text)

56,40
11

Kaliber: 8 mm S (.323" Dia.)

- 43
Hülse: umgeformt aus RWS 8 x 57 IS
Zündh.: RWS 5341

TMR 12,7 g RWS


Patronenlänge 75,5 mm
Pulver g gr Vo m/s

R 902
max. 2,53 39.0 650
min. 2,40 37.0 615
R 903
max. 2,79 43.0 655
min. 2,66 41.0 615

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

303
8x57IS
Eine Ermittlung des Aufwand/Leistungs- beim Zerwirken heraus, daß die Ent-
verhältnisses der Jagdbüchsenpatronen wertung größer ist als von außen er-
bringt die 8 x 57 mitandie Spitzesämtlicher sichtlich. Die 8 x 57 IS dagegen, stellver-
Patronen. Nur wenige können es mit dem tretend für alle mittelschweren und mittel-
Oldtimer aufnehmen, was die rechne- schnellen Patronen, zeigt beim Ein- und
rische und praktisch umsetzbare Leistung vor allem Ausschuß "Masse", ohne jedoch
"Joule pro Gramm Pulver" betrifft. Daß unschöne Hämatome oder gar ent-
dies nicht nur Zahlenspielereien sind, be- wertende Nebenerscheinungen nach sich
weisen die Erfahrungen aus der Praxis. zu ziehen. Durch den etwas größeren
Das Hauptanwendungsgebiet der Ausschuß wird nicht nur die immer
8 x 57 IS liegt im Bereich "mittleres bis wünschenswerte Schweißfährte gewähr-
schweres Hochwild". Hier wird sie von leistet, sondern auch das lebensmittel-
erfahrenen Hochwildjägern oft sogar den hygienisch so wertvolle vollständige Aus-
wesentlich gängigeren Hochleistungs- schweißen des Stückes. Ein ausge-
patronen vorgezogen, auf jeden Fall ihren schwei ßtes Stück schmeckt ungleich
direkten Kontrahenten .30 - 06 und 7 x 64. besser als ein nur wenig schweißendes
Erfahrene Schweißhundführer berichten und auch die Lagerfähigkeit des Wildbrets
von unverhältnismäßig wenig Nachsuche- wird meßbar größer. Die Tauglichkeit der
naufwand mit der ehemaligen deutschen Patrone im zielballistischen Sinn und die
Militärpatrone, geeignetes Geschoß wichtige Präsenz vieler preisgünstiger
natürlich vorausgesetzt. Auch für die Repetierbüchsen in diesem Kaliber mach-
"laute" Jagd wird die 8 x 57 IS gerne ten aus der 8 x 57 IS auch eine der
genommen: Noch vor der ebenfalls beliebtesten Nachsuchenpatronen fürden
äußerst beliebten 9,3 x 62 ist sie sicher Hundeführer.
die zahlenmäßig am stärksten auf Drück- Mit dem Stichwort "Hundeführer" soll auf
jagden vertretene Patrone, was natürlich eine immer wieder aufkommende Streit-
mit der großen Zahl vorhandener Waffen frage unter selbst versierten Nachsuchen-
zusammenhängt. leuten eingegangen werden, nämlich ob
Für unsere hauptsächliche Schalenwild- beim fälligen Fangschuß vor dem stel-
art, das Rehwild, ist die 8 x 57 IS mit ihren lenden Hund einem Vollmantel- oder
um zwölf Gramm schweren Geschossen einem Teilmantelgeschoß der Vorzug
manchem Jäger "zu stark". Da die gegeben werden soll. Manche Hunde-
Spezialgeschosse wie TIG oder H-Man- führer plädieren ausschließlich für das
tel oder auch die beiden Kegelspitzge- Vollmantelgeschoß, weil es sich nicht
schosse aber so konstruiert sind, daß sie zerlegt und so den am Stück befindlichen
ihre Energieabhängig vom Zielwiderstand Hund nicht durch schräg vom Ausschuß
abgeben, sind Rehe mit der 8 x 57 IS wegfliegende Splitter verletzen kann, wie
manchmal sogar sauberer geschossen das beim Teilmantelgeschoß schon be-
als mit einem rasanten, leichten Geschoß obachtet wurde.
kleineren Kalibers, zumal bei leichter Andere Rüdemänner haben allerdings
Konstruktion desselben. Oftmals wird bei schlechte Erfahrungen mit der uner-
der 8 x 57 IS weniger Wildbretentwertung wünschten Durchschlagskraft der Voll-
registriert als bei Verwendung der mantelgeschosse machen müssen und
sogenannten Rehwildpatronen. Letztere es sind wahrscheinlich genau so viele
liefern zwar meist spektakulär kleine Ein- gute Hunde durch das stabile Vollmantel-
und Ausschüsse, doch leider stellt sich geschoß verletzt oder getötet worden wie

304
durch die Splitter von Teilmantelgeschos- über Zwischenstufen bzw. Tochterpa-
sen. Hundeführer, die den Vollmantel- tronen entwickelt, nicht in einen unmittel-
geschossen ablehnend gegenüber ste- baren Zusammenhang gebracht werden
hen, plädieren deshalb für ein Teil- können, wie z. B. die .22 - 250 oder die
mantelgeschoß, vor allem auch wegen 7 mm Benchrest Rem.
der besseren wundballistischen Wirkung, Interessant sind die verschiedenen Pa-
speziell aber für ein schweres rallel-Entwicklungen, die sowohl zeitgleich
Deformationsgeschoß wie das KS. als auch zeitlich verschoben beobachtet
Das Kegelspitzgeschoß - und im Kaliber werden können, wie z. B. die .244 Rem.
8 mm S bietet sich dafür das 14,5 g von 1955 und die nahezu baugleiche
schwere Projektil geradezu an - steht also 6 x 57 von 1894!
für den spezifischen Verwendungszweck
"Fangschu ß auch auf schweres Schalen-
wild" dem Wiederlader zur Verfügung und
kann von der Wirkungsweise her etwa Geschichte
zwischen das durchschlagskräftige Voll-
mantelgeschoß und das splitterpro- Bereits 1888 als Patrone M/88 für das
duzierende Teilmantelgeschoß gestellt Gewehr 88 auf den Markt gebracht und
werden. fast gleichzeitig als Jagdpatrone übernom-
Wie in der Ladetabelle ersichtlich, wurden men, war die Patrone ursprünglich mit
sowohl für das Vollmantelgeschoß im einem Geschoß kleineren Durchmessers
Gewicht 12,7 g als auch für das 14,5 g verladen. Das 14,7-g VMR wurde in den
schwere KS Vorschläge unterdem Aspekt Jahren 1904/1905 durch das im
des Fangschusses entwickelt. Durchmesser stärkere 10,0-g-S-Geschoß
Die Patrone war seinerzeit so bahn- ersetzt. Die von Anfang an vorhandenen
brechend, daß fast alle Neuentwicklungen Laufmaße 7,90/8,10 mm (ab 1894/957,90/
zumindest teilweise auf den Patronen- 8,20 mm) hatten sich als nicht günstig für
Grundmaßen der "M/88" beruhen. Würde das alte, in kombinierter Stauch-/
man die vielen Modifikationen und Preßführung geführte Geschoß erwiesen.
Varianten der Hülse 8 x 57 als "Töchter" Mit der Vergrößerung des Geschoßdurch-
oder "Enkeltöchter" bezeichnen, so gäbe messers erhielt man eine verbesserte
es keine andere Metallpatrone, die man Präzision und eine höhere Lebensdauer
treffender mit "Mutterhülse" oder gar der Läufe. Die etwas irreführende Be-
"Großmutterhülse" bezeichnen könnte als zeichnung "S-Kaliber" kommt von der
die hervorragende deutsche Standard- Verwendung des "S"-(Spitz-) Geschosses
patrone 8 x 57. Welche Patronen alle aus und ist deshalb verwirrend, weil der
der Grundhülse hervorgingen, läßt sich Eindruck erweckt werden könnte, daß mit
im Rahmen dieser kleinen Beschreibung Einführung des S-Geschosses auch das
gar nicht aufzählen. Es dürften aber an Laufkaliber der Militärwaffen geändert
die einhundert Abkömmlinge direkter und worden war. Vielmehr kommt das enge
indirekter Art sein, die jeweiligen Rand- Jagd- oder "I"=Kaliber dadurch zustande,
versionen mitgerechnet. Viele sind nicht daß zivile Munitionsfachleute und
mehr geläufig, was im Sinneder Weiterent- Büchsenmacher versuchten, den
wicklung verständlich ist. Andere lassen Geschossen im alten Durchmesser durch
auf den ersten Blick die Verwandtschaft enge Läufe eine bessere Leistung und
zur 8 x 57 nicht mehr erkennen, weil sie, Präzision zu geben (s.a.8 x 57 1(R) und

305
8x57IS
l(R)S). Von Anfang an wurde die 8 x 57 im Hinweis auf die "dickeren" Geschoße
In- und Ausland zur Jagd geführt, zwar des S-Kalibers und als Unterscheidung
wesentlich mehr im engeren Jagdkaliber, zur Patrone "8 x 571' eine schwarze
aber auch im S-Kaliber, welches erst ab Ringfugenlackierung.
1939 nach der Normalisierung gemäß
dem damaligen Waffengesetz so genannt
wurde. Der eigentliche Aufschwung des Die Patrone aus der Sicht des
S-Kalibers kam kurz vor dem Zweiten Wiederladers
Weltkrieg, was durch das damalige
Vorhandensein von mehr als einem Die Geschosse der Werksladungen TMR,
Dutzend Laborierungen unterstrichen TIG und HMK können mit den Treib-
wird. ladungspulvern Rottweil R 903 und R
907 auf die Leistung der Fabrikpatronen
gebracht werden. Rottweil R 904 bringt
RWS- und GECO-Laborierungen diese nicht ganz, weil für die vorliegende
Hülsenkonfiguration bereits zu
Die 8 x 57 IS wird ihrer Aufgabe als progressiv, ausgenommen in überlangen
Hochwildpatrone mit einem Geschoß- Läufen (ab etwa 70 cm), aber die sind
gewicht zwischen etwa 12 und etwa 13 heute gänzlich aus der Mode gekommen.
Gramm am besten gerecht: Dafür stehen Neben den Geschossen der Fabrikla-
die 11,7 g DK- und die 12,1 g HMK-La- dungen bieten sich die anderen Ge-
borierung, die 12,7 g TMR-Laborierung schosse des Kalibers 8 mm S aus dem
und die 12,8 g TIG-Laborierung zur Ver- RWS-Sortiment an. Diese von der 8 x68
fügung. Alle Geschosse sind beim Schu ß S stammenden Projektile sind für Sonder-
auf schwaches Wild nicht wildbretent- aufgaben geeignet, wie z. B. zur Her-
wertender als die sog. Rehwildpatronen stellung einer effektiven Nachsuchen-
mit ihren zwar leichten, aber doch schnel- patrone, was im Einführungsabschnitt
len Geschossen großer Zerlegungs- bereits angerissen wurde.
bereitschaft. Wie schon im vorigen An erster Stelle ist hierfür das 12,7 g
Abschnitt erwähnt, ist sauber mit der 8 x VMR zu nennen. Wegen des Aufbläh-
57 IS (oder anderen Patronen größerer Effekts des hinten offenen
Kaliber) geschossenes Wild sehr gut aus- Geschoßmantels ist das VMR etwas
geschweißt, was wildbrethygienisch von gasdruckintensiver als das gleichschwere
großem Vorteil ist. Zu den ausgespro- TMR und muß im Falle des Pulvers R
chenen Jagdlaborierungen DK, HMK, 904 mit leicht verringerter Charge
TMR und TIG wird noch ein preiswertes verladen werden. Aus vielen Waffen ist
Geschoß angeboten und zwar in Form die Treffpunktlage der beiden 12,7 g
der 12,0 g GECO-TMR-Laborierung. Geschosse die gleiche, wobei auch sehr
Dieses Geschoß ist ein TMR einfachen oft noch das 12,8 g TIG eingeschlossen
Aufbaues mit guter Präzision. Wegen werden kann. Patronen mit dem 12,1 g
seiner relativ einfachen Fertigung ist es HMK und dem von Wiederladern sehr
preisgünstig und wird deswegen gerne auf leichtes bis mittleres
preiswert laboriert zu attraktiven Schalenwild verwendeten 11,7 g KS
Endpreisen abgegeben. Alle schießen ebenfalls aus den meisten
werksgeladenen RWS und Geco-
Patronen im Kaliber 8 x 57 IS haben als

306
Waffen zusammen, gleiche Pulversorte Zusätzlich zu den normalen 12,1 g SG-
vorausgesetzt. Aus nicht wenigen Waffen Ladungen sind auch noch Vorschläge
schießen alle Geschosse der Klasse mit anderen Pulvern hinter diesem
12,1 g über 12,7 g bis 12,8 g auf jagdliche Übungs-geschoß ausgedruckt. Damit
Entfernung ausreichend gut zusammen, lassen sich in jedem Fall
auch das 12,1 g SG. "maßgeschneiderte" Übungspatronen
Das 11,7 g KS zeichnet sich durch einen fertigen.
relativ harten Geschoßaufbau aus, was Ausgesprochene "Rehwildladungen" sind
dem Schuß auf leichtes Wild von der mit dem inzwischen aus der Fertigung
Wildbretentwertung entgegenkommt, genommen 9,8 g TMF (der 8,15 x 46 R)
ohne hinsichtlich der Augenblickswirkung möglich. Dabei sind die ausgedruckten
Probleme zu bereiten. Aus manchen Maximalwerte nicht etwa als Vorschlag
Waffen werden mit der Höchstladung zu sehen, sondern eher als Hinweis
R 903 und R 907 Mündungsgeschwindig- bezüglich des erreichten Maximaldrucks.
keiten von mehr als 830 m/s erreicht, Die spezifische "Zweitladung" erhält man
was sich besonders im Vergleich mit den vielmehr im Bereich der "min."-Angabe
"Konkurrenten" 7 x 64 und .30 - 06 als bzw. noch darunter, wenn die geringere
hervorragend darstellt. Ladung noch sauber verbrennt bzw. die
Das 14,5 g KS dient dem nahen Schuß Hülse noch gut lidert und die Präzision
sowohl auf der Drückjagd als auch auf vorhanden ist. All dies muß in der eigenen
der Nachsuche. Wegen des geringen Waffe ermittelt werden und gerade das
Verbrennungsraumes der Hülse muß die ist der Reiz des Wiederladens. In der
Pulverladung stark gepreßt werden (gilt individuellen Waffe ist auch die Lade-
auch für andere Vorschläge in der fähigkeit der 9,8-g-TMF-Ladung zu über-
Tabelle). Bei manchen Chargen ist es prüfen. Läßt sich die so geladene Patrone
bei herkömmlicher Füllmethode schwer, nicht vom Magazin in das Lager
die angegebene Menge überhaupt in die repetieren, so muß sie einzeln von Hand
Hülse zu bekommen, weswegen man vorgeladen werden (bei manchen
sich hier mit einem langen Pulvertrichter Systemen notwendig). Im Falle der 8 x 57
und leichtem Einrütteln der Ladung IS erhält der Handlader nicht nur eine für
behelfen muß. Obwohl die mit dem 14,5 alles Schalenwild ausreichende
g-Geschoß lt. Tabelle erzielbare V, Starkladung, sondern auch eine leichte
mindestens der bekannten Rehwildladung, von den "normalen"
Vorkriegsladung mit dem 14,7 g TMR Laborierungen ganz zu schweigen.
entspricht, gibt es noch eine Verbes-
serungsmöglichkeit: Mit 3,60 g/55.5 gr R
904 hinter dem 14,5 g KS, welches dann
aber unbedingt auf eine Patronenlänge
von 78,7 mm herausgesetzt werden muß,
werden aus manchen Läufen über 750
m/s erzielt. Das ist schneller, als die .30-
06 mit einem 14,3 g- Geschoß und ein
Grund mehr, die 8 x 57 IS noch nicht zum
Alteisen zu zählen.

307
8x 57 IS

astileimme

TMF 9,8 g* RWS KS 11,7 g RWS DK 11,7 g RWS


Patronenlänge 67,7 mm Patronenlänge 72,2 mm Patronenlänge 73,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 902 R 903 R 903


max. 3,11 48.0 830 max. 3,37 52.0 810 max. 3,40 52.5 795
min. 2,85 44.0 725 min. 3,11 48.0 765 min. 3,24 50.0 760
R 903 R 907 R 907
max. 3,37 52.0 840 max. 3,34 51.5 805 max. 3,43 53.0 810
min. 3,11 48.0 740 min. 3,21 49.5 760 min. 3,31 51.0 770
R 907 R 904 R 904
max. 3,37 52.0 830 max. 3,69 57.0 800 max. 3,73 57.5 800
min. 3,24 50.0 740 min. 3,43 53.0 760 min. 3,56 55.0 770
*8,23 mm

TMR 12,0 g GECO TMR 12,0 GECO HMK 12,1 g RWS


Patronenlänge 74,4 mm Patronenlänge 74,4 mm Patronenlänge 75,6 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 901 R 907 R 903


max. 2,82 43.5 760 max. 3,50 54.0 800 max. 3,34 51.5 810
min. 2,66 r 41.0 700 min. 3,40 52.5 770 min. 3,05 47.0 760
R 902 R 904 R 907
max. 3,18 49.0 800 max. 3,82 59.0 815 max. 3,34 51.5 805
min. 3,05 47.0 765 min. 3,63 56.0 760 min. 3,21 49.5 765
R 903 R 905 R 904
max. 3,40 52.5 800 max. 3,89 60.0 780 max. 3,63 56.0 800
min. 3,27 50.5 765 min. 3,76 58.0 750 min. 3,37 52.0 755

308
11,95 8,20

57,00

Kaliber: 8 mm S (.323" Dia.)


Hiilse: RWS
Zijndh.: RWS 5341

SG 12,1 g RWS SG 12,1 g RWS TMR 12,7 g RWS


Patronenlänge 76,0 mm Patronenlänge 76,0 mm Patronenlänge 76,6 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 901 R 907 R 903


max. 2,66 41.0 730 max. 3,27 50.5 760 max. 3,31 51.0 770
min. 2,40 37.0 650 min. 3,24 50.0 745 min. 2,98 46.0 740
R 902 R 904 R 907
max. 2,92 45.0 770 max. 3,69 57.0 780 max. 3,31 51.0 770
min. 2,66 41.0 670 min. 3,56 55.0 740 min. 3,24 50.0 740
R 903 R 905 R 904
max. 3,27 50.5 780 max. 3,76 58.0 760 max. 3,63 56.0 755
min. 2,92 45.0 680 min. 3,56 55.0 740 min. 3,50 54.0 720

""1111011
.

VMR 12,7 g RWS TIG 12,8 g RWS KS 14,5 g RWS


Patronenlänge 76,5 mm Patronenlänge 76,3 mm Patronenlänge 75,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 903 R 903 R 903


max. 3,31 51.0 765 max. 3,31 51.0 795 max. 3,05 47.0 700
min. 2,98 46.0 740 min. 3,05 47.0 740 min. 2,79 43.0 650
R 907 R 907 R 907
max. 3,31 51.0 770 max. 3,27 50.5 785 max. 3,08 47.5 690
min. 3,24 50.0 745 min. 3 11 48.0 730 min. 2,95 45.5 655
R 904 R 904 R 904
max. 3,56 55.0 745 max. 3,63 56.0 795 max. 3,43 53.0 705
min. 3,43 53.0 710 min. 3,37 52.0 730 min. 3,24 50.0 650

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

309
8x57IRS
Die Anhänger der Randpatrone 8 x 57 der Doppelbüchse mit ihren zwei
IRS kommen aus dem gleichen Lager wie Kugelläufen vorbeikommen. Die Waffen-
die Befürworter ihrer Schwesterpatrone hersteller, welche sich auf diese Art von
ohne Rand und das nicht ohne Grund. Büchsen spezialisiert haben, sind der
Zwar etwas schwächer verladen als 8 x 57 IRS aus gutem Grund freundlich
letztere, ist die 8 x 57 IRS mit den gleichen gesonnen: Kaum eine andere Patrone
Geschossen laboriert und deswegen des gesamten Angebots läßt sich so gut
gelten alle Einsatzkriterien der 8 x 57 IS garnieren wie die 8 x 57 IRS und vor allem
auch für die 8 x 57 IRS. Daß sich die ist es die konstante Leistung der Patrone,
verringerte Ladung auf die jagdliche auch über viele Fertigungslose hinweg,
Reichweite auswirkt versteht sich von welche über Jahre eine stets gleichblei-
selbst und wird hinsichtlich des großen bende Treffpunktlage liefert und ein Zu-
Vorteils der Randversion gerne toleriert: sammenschießen der beiden Läufe garan-
Wegen der Begrenzung des maximalen tiert.
Gasdrucks der 8 x 57 IRS auf 2900 bar In der Bockbüchsflinte und der Kipplauf-
schießt sich die Patrone auch aus leichten büchse ist die 8 x 57 IRS ebenfalls anzu-
Kipplaufwaffen noch angenehm. Zudem treffen, vor allem beim im Wald waid-
sind Waffen dieses Kalibers bekannt für werkenden Hochwildjäger. Diese Waffen
ihre lange Lebensdauer und hohe Ver- sind oftmals ziemlich leicht und da macht
schlu ßdichtigkeit. Es gibt Vorkriegswaffen, sich die angenehm zu schießende Patrone
die heute praktisch in der dritten viele Freunde.
Jägergeneration geführt werden und trotz Wenn hier gesagt wird, daß die 8 x 57 IRS
intensiven Gebrauchs noch keine Ver- eine Patrone des Hochwildjägers ist, so
schleißerscheinungen zeigen. Wer sich schließt dies natürlich nicht aus, daß damit
also heute eine Kipplaufwaffe in 8 x 57 auch Rehwild erlegt wird. Es wird sogar
IRS zulegt, hat bereits für mindestens die ziemlich viel unseres schwächsten, hei-
nächste Generation vorgesorgt. mischen Schalenwildes damit erlegt, was
Vornehmlich ist es der Drilling des Wald- sich schon allein aus den Zahlen der
jägers, der mit der 8 x 57 IRS versehen Abschußverteilung zwischen Hochwild
wird. Der Drilling, als die "deutscheste" und Rehwild ergibt. DerAusdruck "Patrone
aller Kipplaufwaffen, ist wieder mehr in des Hochwildjägers" soll lediglich fest-
Mode gekommen. Ausgerüstet mit der stellen, daß der Waidmann mit der 8 x 57
großen Kugel und der Brenneke im linken IRS bestens für jedes bei uns vorkom-
Schrotlauf, stehen zusätzlich zum Schrot mende Hochwild gerüstet ist.
im rechten Lauf zwei schnelle Schüsse
für das im Wald vorkommende Schalen-
wild zur Verfügung. Zum Ansitz kann der
Drilling bei Bedarf mit einem Einstecklauf Geschichte
komplettiert werden, z. B. in .22 Hornet für
den Fuchs oder den gelegentlichen Das Nebeneinander von zwei 8-mm-Kali-
Küchenhasen und wird so zum "Bock- bern führte auch bei den Kipplaufwaffen
drilling". zu einiger Verwirrung.
Wer eine Kipplaufwaffe ausschließlich für Der 1905 für die Militärpatrone übernom-
den schnellen Schuß auf Schalenwild mene 8-mm-S-Geschoßdurchmesser
sucht, wird nicht an der Bockbüchse bzw. wurde gelegentlich auch in 8 x 57 R-

310
Hülsen verladen und durfte dann nur in zwei 12,7 g TMR-Patronen zu groß war:
entsprechend geänderten Waffen mit S- Obwohl mit einem grauen Zündhütchen
Läufen (7,89/8,20) verschossen werden. ausreichend als Schwachladung gekenn-
Andererseits gab es aber auch 8 x 57 R- zeichnet, wurde damit auch auf stärkeres
Patronen mit S-Geschossen, die man auf Wild geschossen oder aber die beiden
Grund einer schwachen Ladung in beiden Ladungen unterschiedlicher Treffpunktla-
8-mm-Bohrungen verwenden konnte, was gen durcheinander verschossen. An
in höchst unterschiedlicher Leistung resul- diesem Beispiel kann man sehen, daß
tierte und deshalb nur als Notbehelf anzu- nicht alles gut ist, was auf Wunsch
sehen war. ernsthaft interessierter Endverbraucher
Selbst nach der anläßlich der Auswir- auf den Markt kommt. Doch zurück zum
kungen des Beschußgesetzes von 1939 Angebot vor dem Krieg. Das H-Mantel-
bzw. der Normalisierung, vorgenom- Geschoß kam in gleich drei Versionen,
menen Umbenennung von "8 x 57 IR - mit nämlich als H-Mantel-Kupferhohlspitze 35
Rand - nur für Läufe mit S-bzw. Magnum- mm lang und 12,7 g schwer (der Vor-
kaliber" in das einfachere "8 x 57 IRS" war Vorläufer des jetzigen HMK); als H-Man-
diese noch auf die beschriebene Art tel-Bleispitze im Gewicht 12,7 g und 30
geladen. Die 1953 wieder aufgenommene mm lang, sowie als H-Mantel offene Hohl-
Munitionsfertigung berücksichtigte den spitze, ebenfalls 12,7 g schwer und
Umstand von zwei 8 mm-Kaliber durch 29 mm lang. Die Mündungsgeschwindig-
die entsprechende Kennzeichnung der keit mit diesen Spezialgeschossen lag
Patronen im S-Kaliber (Rändelung der bei 760 Metersekunden und entsprach
Geschosse und schwarze Lackierung des damit dem heutigen Soll.
Zündhütchens). Die Hinweise auf die Präsenz des H-
Interessehalber sind im Folgenden die Mantelgeschosses sind für den an der
verschiedenen Ladungen angeführt, wel- Munitionsentwicklung Interessierten ein
che im Fabrikat RWS im Kaliber 8 x 57 Beweis für die lange Test- und Bewäh-
IRS nach der Normalisierung im Jahre rungszeit, die dieses heute ausgereifte
1939 zur Verfügung standen. Geschoß hinter sich hat.
Da gab es die Laborierung Nr. 35 R mit Im Geschoßgewicht 14,7 g gab es in der
einem 10,2 g schweren Teilmantelge- Form eines Teilmantel-Rundkopfge-
schoß vor 3,0 g R 5 und einer V, (68 cm- schosses (30 mm) eine anscheinend gern
Lauf) von 856 m/s. Dann spielte die D- verwendete Vertreterin der schweren
Mantel-Laborierung bereits eine Rolle Geschosse und davon standen gleich drei
(11,5 g Geschoßgewicht, 725 m/s). Ladungen zur Verfügung, welche sich nur
Mit 12,7 g Gewicht waren gleich drei durch abgestufte Chargen und, damit
Ladungen der heute noch gängigen TMR- korrelierend, unterschiedliche Drücke und
Version vertreten, darunter eine mit Mündungsgeschwindigkeiten unterschie-
schwacher Ladung (2,6 g T 1910) und den, nämlich 602 m/s bei 2200 bar,
einer V, von gewollt niedrigen 715 m/s für 650 m/s bei 2600 bar und 710 m/s bei
den Schuß auf schwaches Wild. Diese 2800 bar, alle gemessen aus einem
Laborierung wurde übrigens in den 68 cm Lauf.
sechziger Jahren nochmals aufgelegt, Soweit dieser Ausflug in die Vergan-
dann aber wieder gestoppt, weil die genheit. Heute präsentiert sich das Ange-
Verwirrung durch das Nebeneinander von bot an RWS-Patronen in 8 x 57 IRS so:

311
8x57IRS
RWS- und GECO-Laborierungen seiner aufwendigen Fertigung sehr präzise
und wird von vielen Waffenherstellern in
Aus der Vielzahl des Vorkriegsangebots
der Einschießmunition genützt. Zu den
hat sich im Falle der 8 x 57 IRS ein knap-
genannten RWS-Jagdladungen und der
pes, aber äußerst bewährtes Sortiment
seit Ende der 1990er lieferbaren, sich rasch
herauskristallisiert. Geblieben ist die
einführenden 11,7 g Doppelkern-Ladung
Ladung mit dem 12,7 g Teilmantel-
DK kommt die preiswerte GECO-
Rundkopfgeschoß, welches material- und
Laborierung mit dem 12,0 g schweren TMR.
formbezogen immer wieder verbessert
Alle werksgeladenen RWS und Geco-
wurde und heute sozusagen den Stan-
Patronen im Kaliber 8 x 57 IRS haben als
dard darstellt. Das TMR 12,7 g ist im
Hinweis auf die "dickeren" Geschoße
Gegensatz zum gleich schweren TMR
des S-Kalibers und als Unterscheidung
Kal. 8 mm (.318 ") mit einer
zur Patrone 8 x 57 IR eine schwarze
ldentifizierungsrändelung versehen. Das
Ringfugenlackierung.
12,7 g TMR wird gerne auf Sauen und
Rehwild verwendet; die
Wildbretentwertung hält sich dabei in
Grenzen. Erst 1972 in die RWS-Fertigung
aufgenommen, wurde das schon seit den Die Patrone aus der Sicht des
Wiederladers
drei ßigerJahren bekannte Brenneke Tor-
pedo-Ideal-Geschoß. Das 12,8 g TIG, Die 8 x 57 IRS läßt sich angenehm
seitdem mehrmals verbessert, ist ein klas- verschießen, und ist auch beim Wieder-
sisches Teilzerlegungsgeschoß mit einer laden eine angenehme, da komplika-
ziemlich großen Anpassungsfähigkeit an tionslose Patrone. Die Hülsen aus RWS-
den Widerstand im Wildkörper, wobei es Fertigung sind speziell für das Wieder-
konstruktionsgemäß sehr verzögert an- laden hergestellt und haben deswegen
spricht und deshalb gerade bei schwa- bei größtmöglicher Sicherheit eine äus-
chem Wild sehr wenig Wildbret entwertet. erst hohe Lebenserwartung. Richtig aus-
Dies und die gute Wirkung auch bei geführte Wiederladungen erlauben eine
stärkstem europäischen Schalenwild oftmalige Verwendung der Hülse, richtige
machen die Ladung mit dem 12,8 g TIG Behandlung jedoch vorausgesetzt. Dazu
sehr beliebt. gehört, daß die Schulter der Hülse beim
Den gleichen Beliebtheitsgrad hat die 12,1 Kalibrieren auf keinen Fall zurückgesetzt
g H-Mantel-Laborierung, welche, wie oben werden darf (Matrizeneinstellung mit einer
schon erwähnt, eine Bewährungszeit seit geschwärzten Probehülse überprüfen).
Ende der Dreißiger hinter sich hat. Das H- Eine bei Randpatronen zurückgesetzte
Mantelgeschoß ist ebenfalls ein Teilzerle- Schulter hat zwar nicht den Einfluß auf die
gungsgeschoß mit einer Sollbruchstelle, Vergrößerung des Verschlußabstandes
wobei sich der vordere Abschnitt des Ge- wie bei randlosen Patronen, doch tritt,
schosses zerlegen und durch Abgabe von weil die Hülse an der Schulter zuviel
mehr oder weniger großen Splittern wirken Freiraum hat, ein "Flie ßeffekt" auf, welcher
soll, während der immer vorhandene das Hülsenmaterial stark schwächt und
Geschoßrestkörper in der Tiefe des zwar am Übergang zwischen der Hülsen-
Wundkanals wirkt und Ausschuß gewähr- wandung und dem massiven Bodenteil.
leistet. Das H-Mantelgeschoß ist wegen Ringförmige Dehnungsstellen in diesem

312
Bereich deuten auf kurz bevorstehende dungsgeschwindigkeiten bringen. Das
Hülsenreißer hin; oftmals kann man die VMR dient für Spezialzwecke, z. B. dem
Dehnungsfuge im Innern der Hülse sogar Fangschuß. Letzterem und dem Einsatz
fühlen (Drahthaken o.ä.). Wenngleich ein auf nahe Drückjagdentfernung ist das
Hülsenreißer sehr selten vorkommt, so ist 14,5 g KS zugedacht. Hier erweist sich
er doch, gerade bei den relativ schwachen eine Ladung von ca. 3,14 g R 904 als
Verschlüssen unserer meisten Kipplauf- besonders präzise. Als Ergänzung zu den
waffen, ein Übel für Material und Schützen. Universalgeschossen und zum SG läßt
Im Falle der 8 x 57 IRS (obige Ausfüh- sich auch das von der 8,15 x 46 R
rungen gelten natürlich allgemein für stammende 9,8 g TFK verladen und zum
Randpatronen) empfiehlt sich unter Um- Schuß auf Rehwild verwenden. Wegen
ständen eine Nur-Halskalibrierung. Wird des weichen Geschoßaufbaues sollten
diese angewandt, so ist darauf zu achten, jeweils reduzierte Ladungen Anwendung
daß nur Neuhülsen bzw. bereits aus der finden. Die Angaben für das 9,8 g
Waffe verschossene Hülsen zum Ver- Teilmantel-Flachkopfgeschoß gelten auch
laden kommen. Das Zündhütchen ist auf für das gleich schwere Bleigeschoß
Grund der verwendeten Pulversorten bzw. gleichen Kalibers von H & N, mit dem bei
Pulvermassen vorgegeben: RWS 5341 etwas geringerem Druck und etwas
ist richtig; das Magnumhütchen hätte hier geringerer Geschwindigkeit und einer
eher Nachteile (Druck- und V-Sprünge). Patronenlänge von 68,0 mm zumindest
Bei den Treibladungsmitteln leisten die bei reduzierter Ladung ein gutes
zwei "mittleren" Pulver R 903, R 907 und Präzisionsergebnis ermittelt wurde. Beim
das schon "faule" R 904 optimales. Im Verladen der beiden .324er-Geschosse
Falle der reduzierten Ladungen kommen sollte wegen der Gefahr des Abschabens
auch die schnellen Pulver R 901 und der Hülsenmund angefast (Hülsenmund-
R 902 lt. Tabelle zum Einsatz. Speziell entg rater) oder besser aufgeweitet
hinter den 12,7 g TMR und VMR bietet (spezieller Expander) werden.
sich das R 907 an; bei den anderen
Geschossen fällt die Wahl u. U. auch auf
R 904, was die Präzision betrifft. Probe-
laborierungen und die Fertigung von
Schußbildern geben Aufschluß. Bei den
Geschossen bietet sich neben den Projek-
tilen der Fabrikladungen vornehmlich das
Scheibengeschoß - SG - an. In der Lade-
tabelle sind Angaben für alle Rottweil-
Büchsenpulverzu finden, so daß auf jeden
Fall ein Pendant zur Jagdladung ermittelt
werden kann. Das SG dient dann als
Übungsgeschoß auf die Scheibe, während
das teurere Spezialgeschoß dem jagd-
lichen Schuß vorbehalten bleiben kann.
Mit geringfügig weniger Treibladungsmittel
als das 12,7 g TMR läßt sich das VMR
gleichen Gewichts auf ähnliche Mün-

313
8x57IRS

TMF 9,8 g* RWS KS 11,7 g RWS DK 11,7 g RWS


Patronenlänge 67,7 mm Patronenlänge 73,5 mm Patronenlänge 73,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 901 R 903 R 903
max. 2,72 42.0 785 max. 3,18 49.0 760 max. 3,21 49.5 760
min. 2,33 36.0 675 min. 2,98 46.0 715 min. 3,11 48.0 735
R 902 R 907 R 907
max. 2,92 45.0 785 max. 3,18 49.0 765 max. 3,27 50.5 770
min. 2,59 40.0 680 min. 2,98 46.0 705 min. 3,14 48.5 740
R 907 R 904 R 904
max. 3,05 47.0 750 max. 3,40 52.5 730 max. 3,43 53.0 745
min. 2,92 45.0 700 min. 3,24 50.0 700 min. 3,30 51.0 705
*8,23 mm

TMR 12,0 g GECO HMK 12,1 g RWS


Patronenlänge 74,4 mm Patronenlänge 77,2 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 903 R 903
max. 3,30 51.0 760 max. 3,14 48.5 750
min. 3,18 49.0 720 min. 2,98 46.0 715
R 907 R 907
max. 3,24 50.0 730 max. 3,14 48.5 765
min. 3,11 48.0 700 min. 2.98 46.0 710
R 904 R 904
max. 3,56 55.0 750 max. 3,40 52.5 735
min. 3,43 53.0 720 min. 3,24 50.0 700

314
i. 03
13,32 Meiii~0~011~~1~, 8,20 x
57,00 •1

Kaliber: 8 mm S (.323" Dia.)


RWS
Ziindh.: RWS 5341

SG 12,1 g RWS SG 12,1 g RWS TMR 12,7 g RWS


Patronenlänge 76,0 mm Patronenlänge 76,0 mm Patronenlänge 76,2 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 901 R 907 R 903
max. 2,59 40.0 700 max. 3,05 47.0 705 max. 2,98 46.0 700
min. 2,33 36.0 620 min. 2,88 44.5 655 min. 2,79 43.0 650
R 902 R 904 R 907
max. 2,79 43.0 720 max. 3,40 52.5 725 max. 3,11 48.0 715
min. 2,59 40.0 650 min. 3,24 50.0 675 min. 2,92 45.0 655
R 903 R 905 R 904
max. 2,95 45.5 705 max. 3,56 55.0 715 max. 3,34 51.5 705
min. 2,85 44.0 670 min. 3,40 52.5 650 min. 3,18 49.0 660

VMR 12,7 g RWS TIG 12,8 g RWS KS 14,5 g RWS


Patronenlänge 76,0 mm Patronenlänge 76,4 mm Patronenlänge 75,0 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 903 R 903 R 903
max. 2,95 45.5 700 max. 3,05 47.0 720 max. 2,82 43.5 655
min. 2,79 43.0 660 min. 2,85 44.0 670 min. 2,69 41.5 600
R 907 R 907 R 907
max. 3,08 47.5 715 max. 3,11 48.0 720 max. 2,88 44.5 650
min. 2,92 45.0 660 min. 2,92 45.0 680 min. 2,79 43.0 600
R 904 R 904 R 904
max. 3,31 51.0 710 max. 3,37 52.0 725 max. 3,21 49.5 670
min. 3,18 49.0 665 min. 3,21 49.5 670 min. 3,01 46.5 600

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

315
8x6OS
Militärpatronen bzw. ihre Hülsen sind oft RWS-Laborierungen
Ausgangsobjekt für mehr oder weniger
erfolgreiche Modifikationen. Diese ent- Unter dem Aspekt des "Dienstes am
stehen entweder aus dem Wunsch nach Kunden" und im Hinblick auf die Vielzahl
Leistungsverbesserung oder aus anderen der noch vorhandenen Waffen in diesem
Gründen, z. B. wegen gesetzlicher Not- Kaliber wurde eine 12,1-g-HMK-Labo-
wendigkeiten. Die 8 x 60 S wurde unter rierung angeboten, die mit einer Vo von
letzterem Aspekt geschaffen und bewähr- 845 m/s (60-cm-Lauf) bei geringerem
te sich so, daß sie auch nach Wegfall des Druck der Vorkriegsladung entsprach. Seit
eigentlichen Grundes weiter gefertigt 2000 gibt es eine Ladung mit 11,7 g DK,
wurde. das sich als besonders wildbretschonend
bewährt.
Geschichte

Mutterhülse für die 8x60 S ist die 8x57 IS, Die Patrone aus der Sicht des
welche unter Beibehaltung der R- und P1- Wiederladers
Maße in Schulter und Gesamtlänge um
drei Millimeter verlängert wurde. Gründe Da Boxerhülsen und alle in anderen 8 mm
zur Entwicklung der 8 x 60 S waren die S-Patronen bewährten Geschosse des
Auswirkungen der Waffenbestimmungen RWS-Sortiments verladen werden kön-
zum Friedensvertrag von 1918, dem nen, bereitet die Fertigung guter Hand-
Deutschland nach dem verlorenen Krieg ladungen keine Mühe. Selbst eine "Zweit"-
zustimmen mußte. Hierin legte man die ladung ist machbar: 2,59 g/40.0 gr R 901
den Deutschen erlaubte Anzahl von Mili- 9,8 g TMF (.3241 = Vo 680 m/s bei einer
tärwaffen sowie die zugehörige Munition Patronenlänge von 70,8 mm. Beliebt ist
fest und die zahlreichen in Privathand auch die Drückjagdladung mit dem 14,5 g
befindlichen Waffen Kal. 8 x 57 IS zählten KS, welche eine gute Ergänzung zu den
natürlich mit. Durch Verlängerung des schnellen Laborierungen mit den 11,7 g
Patronenlagers und Schaffung der neuen KS bzw. 12,1 g HMK-Geschossen bildet.
Patronen umging man auf einfache Weise R 907 hat sich als Universalpulver in
eine Reglementierung, die sonst zum Ein- dieser Hülsenlänge erwiesen, wenngleich
zug der Waffen geführt hätte. Umänderun- auch gute Präzision mit R 904, vor allem
gen an Repetierwaffen Mod. 98 sind sehr aus langen Läufen, festgestellt wird.
leicht und preiswert durchführbar, da ledig-
lich Lager und Übergang aufgerieben wer-
den müssen. Die Vergrößerung des Pul-
verraums führte zu einer Erhöhung der
Geschoßgeschwindigkeit von etwa drei
Prozent im Vergleich zur Mutterpatrone
mit gleichem Geschoß. Später führte man
noch leistungsstärkere Laborierungen ein:
Bei der damaligen DWM die 12,0-g-"Mag-
num-Bombe" und bei RWS die 12,1-g-H-
Mantel "Mag num ohne Rand". Beide
Laborierungen brachten die bemerkens-
werte Vo von 890 m/s (72-cm-Lauf) .

316
11,95

60,00

Kaliber: 8 mm S (.323" Dia.)


Hiilse: RWS
RWS 5341

KS 11,7 g RWS HMK 12,1 g RWS TMR 12,7 g RWS


Patronenlänge 76,5 mm Patronenlänge 79,2 mm Patronenlänge 77,3 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 903 R 903 R 903


max. 3,53 54.5 830 max. 3,53 54.5 830 max. 3,37 52.0 780
min. 3,31 51.0 760 min. 3,31 51.0 755 min. 3,18 49.0 720
R 907 R 907 R 907
max. 3,53 54.5 835 max. 3,53 54.5 840 max. 3,50 54.0 790
min. 3,37 52.0 770 min. 3,34 51.5 770 min. 3,37 52.0 745

R 904 R 904 R 904


max. 3,79 58.5 810 max. 3,79 58.5 810 max. 3,69 57.0 780
min. 3,56 55.0 760 min. 3,56 55.0 760 min. 3,50 54.0 710

VMR 12,7 g RWS TIG 12,8 g RWS KS 14,5 g RWS


Patronenlänge 77,1 mm Patronenlänge 79,2 mm Patronenlänge 78,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo Pulver g gr Vo m/s

R 903 R 903 R 903


max. 3,34 51.5 770 max. 3,43 53.0 790 max. 3,27 50.5 725
min. 3,18 49.0 725 min. 3,24 50.0 735 min. 3,05 47.0 655
R 907 R 907 R 907
max. 3,47 53.5 785 max. 3,40 52.5 795 max. 3,18 49.0 705
min. 3,34 51.0 750 min. 3,34 51.5 735 min. 3,05 47.0 660
R 904 R 904 R 904
max. 3,66 56.5 780 max. 3,69 57.0 780 max. 3,50 54.0 715
min. 3,53 54.5 730 min. 3,53 54.5 730 min. 3,24 50.0 655

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48'49 und 55/56 (Fettdruck), sowie aut Seite 105 beachten.

317
8x60 RS
Im Vergleich zur randlosen 8 x 60 S und Torpedo-Starkmantelgeschosses wurde
zur kaliberkleineren Schwesterpatrone zeitweise von DWM angeboten. Im
8 x 60 R erfuhr die 8 x 60 RS nicht die Programm der RWS befanden sich seiner-
Bekanntheit, die ihr von der möglichen zeit gleich sieben Ladungen, zu denen
ballistischen Leistung zustehen könnte. etwa 1938 das 11,5-g-D-Mantelgeschoß
Immerhin sind in der 8 x 60 RS Steiger- trat. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde
ungen der Mündungsgeschwindigkeit die Fertigung der 8 x 60 RS nicht wieder
gegenüber der 8 x 57 IRS möglich, ohne aufgenommen.
deren Gasdrücke überschreiten zu müs-
sen. Daß die 8 x 60 RS nicht so bekannt
wurde, hängt sicher mit der Tatsache Die Patrone aus der Sicht des
zusammen, daß es eine 8 x 65 R oder gar Wiederladers
8 x 75 R gab, welche auf die Belange des
Nur-Hochwildjägers besser zugeschnitten Die Beschränkung des höchstzulässigen
waren. Was den Vergleich mit der 8x60 R Gasdrucks der 8 x 60 RS auf 3000 bar läßt
anlangt, so sind mit dieser höhere Mün- die Vorkriegsleistungen, welche bei
dungsgeschwindigkeiten möglich und Drücken von z. T. über 3500 bar erzielt
man darf nicht vergessen, daß in der Zeit worden waren, natürlich nicht mehr zu.
zwischen den Weltkriegen das 8,09-mm- Insofern sind die vom Wiederlader mach-
Kaliber geschoßbezogen und auch vom baren Leistungen mehr als Vergleichs-
Beliebtheitsgrad hergesehen dem 8-mm- maßstab zur 8 x 57 IRS anzusehen. Die
S-Kaliber dem die 8 x 60 RS angehört, Komponentenfrage bei der 8 x 60 RS ist
einiges voraus hatte. Letzteres gilt nicht geschoßbezogen durch die Präsenz der
nur im Falle der 60 mm langen Hülse, hervorragend wirkenden Spezialgeschos-
sondern bei den anderen Hülsenlängen se in KS-, HMK- und TIG-Ausführung
auch. gelöst. Beim Pulver wird man, wie bei fast
allen Hülsen dieser Dimension, mit R 907
am weitesten kommen. Die Hülsenbe-
Geschichte schaffung ist ebenfalls unproblematisch,
da die 8 x 60 RS sowohl aus der 7 x 65 R
Wie die 8 x 60 S bzw. 8 x 60 und 8 x 60 R als auch aus der 9,3 x 74 R in einfachen
entstand die 8 x 60 RS unter den Arbeitsgängen umgeformt werden kann.
Nachwirkungen des Ersten Weltkrieges. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die
Besonders intensiv befaßten sich die Einhaltung des zulässigen H-Durch-
damalige DWM, die RWS und Wilhelm messers, welcher an der fertigen Patrone
Brenneke mit der Patrone, wobei letzterer in der jeweiligen Waffe zu überprüfen
aber schließlich sein volles Augenmerk wäre.
der 8 x 65 RS zuwandte und die
Laborierung der 8 x 60 RS ganz den
Fabriken überließ. Etwa 1934 gab es bei
DWM fünf verschiedene Laborierungen,
vom 10,0-g Teilmantel-S-Geschoß bis
zum 12,7-g-Starkmantel-Rundkopf-Ge-
schoß. Auch die schon fast legendäre
"Magnum Bombe" mit einer annoncierten
Vo von 891 m/s des 12,0 g schweren

318
03
13,40 8,20


60,00 O

cn
Kaliber: 8 mm S (.323" Dia.)
Hiilse: umgeformt aus RWS 7 x 65 R
RWS 5341

HMK 12,1 g RWS TIG 12,8 g RWS KS 14,5 g RWS


Patronenlänge 76,5 mm Patronenlänge 79,2 mm Patronenlänge 78,0 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 903 R 903 R 903
max. 3,21 49.5 770 max. 3,18 49.0 740 max. 2,92 45.0 655
min. 3,05 47.0 720 min. 3,05 47.0 700 min. 2,79 43.0 615
R 907 R 907 R 907
max. 3,14 48.5 755 max. 3,11 48.0 720 max. 2,98 46.0 660
min. 3,08 47.5 730 min. 3,05 147.0 700 min. 2,82 43.5 620
R 904 R 904 R 904
max. 3,53 54.5 755 max. 3,47 53.5 720 max. 3,24 50.0 655
min. 3,37 52.0 705 min. 3,31 51.0 690 min. 3,08 47.5 605

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

319
8x64S
Leistungsverbesserungen an bereits der Jägerschaft vor. Das war 1912 und
eingeführten und bewährten Patronen sind noch vor dem Ersten Weltkrieg. Aber erst
oftmals das Ziel der Munitionskonstruk- in den zwanziger Jahren wurden Waffen
teure. Im Falle der 8 x 64 S, welche im und Munition in diesem Kaliber von
Prinzip eine verlängerte M/88 - 8 x 57 von Brenneke produziert. Die ehemalige DWM
1888 ist, wollte Wilhelm Brenneke den stellte bis etwa Mitte der sechziger Jahre
Pulverraum durch Streckung der Hülse bis zu fünf verschiedene Laborierungen
vergrößern. Dasich am R- und P1-Bereich her.
keine Änderungen ergaben, war es mög-
lich, die neue Patrone in das 98er-System
einzubauen, ohne daß dies aufwendige Die Patrone aus der Sicht des
Büchsenmacherarbeit erforderlich mach- Wiederladers
te. Die meisten heute noch existierenden
8 x 64 S-Repetierer sind deswegen von Hintergründe der Komponentenauswahl
8 x 57 IS auf die 64 mm lange Hülse sind bei 8 x 65 RS nachzulesen. Etwas
geänderte 98er aus der Zeit zwischen Schwierigkeiten macht die Umformung
den Weltkriegen. Gewisses Interesse an aus 7 x 64-Hülsen: Da der P2-Durch-
der von ihren Verwendern als zuverlässig messer der "Mutterhülse" kleiner ist, muß
erkannten 8 x 64 S, hervorgerufen vor der gesamte Bereich aufgeweitet werden.
allem durch die Präsenz der RWS- Bei gebrauchten Hülsen beträgt der
Spezialgeschosse 11,7-g-und 14,5-g-Ke- Ausschuß bis zu 60 °A, so daß die Ver-
gelspitz (KS), aber auch des Original wendung von 7 x 64-Neuhülsen besser
Brenneke TIG im Gewicht 12,8 g, gibt es. ist.
Es wurden auf Kundenwunsch Lager- Bewährt hat sich das Aufweiten von
fräser in dem Kaliber gefertigt und manche Hülsen .280 Rem. auf 8,5 mm (.338') mit
Büchsenmacher erklärten sich bereit , die nachfolgendem Halskalibrieren auf 8 mm
Patrone auch in moderne Systeme einzu- S (.323'). Dadurch entsteht eine Hilfs-
legen. schulter, welche den richtigen Verschluß-
Vom Leistungspotential hergesehen liegt abstand gewährleistet, so daß die Hülse
die 8 x 64 S etwa 20 bis 30 m/s über den mit einer mittleren Ladung der Pulver R
möglichen Mündungsgeschwindigkeiten 903 oder R 907 feuergeformt werden kann.
der 8 x 60 S. Die TPL-Überprüfung dieser Feuerform-
ladungen wird zeigen, ob die Hülsenform-
Geschichte ladung bereits zum Übungsschießen taugt
oder "als Selbstzweck" in den Kugelfang
Anlaß für die Schaffung der 8 x 64 S war gesetzt werden muß.
ohne Zweifel die Annahme der .30 - 06 Bei Verwendung der nebenstehenden
Springfield durch die Amerikaner. Bren- Laderezepturen mit gebrauchter Hülsen
neke wollte unter Beibehaltung des 8- des Bodenstempels 8 x 64 S sollte ein
mm-S-Kalibers die Leistung der .30 - 06 Institut mit der Gasdrucküberprüfung
zumindest kopieren. Da die Annahme der betraut werden.
8 x 64 S als Armeepatrone von den
deutschen Militärstellen abgelehntworden
war - man sah keine Notwendigkeit, die
8 x 57 IS ersetzen zu müssen - stellte
Wilhelm Brenneke seine neue Patrone

320
00
12,00

Kaliber: 8 mm S (.323" Dia.)


Hiilse: umgeformt aus RWS .280 Rem.
ZUndh.: RWS 5341

ti
KS 11,7 g RWS HMK 12,1 g RWS TMR 12,7 g RWS
Patronenlänge 82,0 mm Patronenlänge 84,0 mm Patronenlänge 84,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr V„ m/s Pulver g gr Vo m/s
R 903 R 903 R 903
max. 3,56 55.0 835 max. 3,56 55.0 840 max. 3,63 56.0 I 810
min. 3,34 51.5 785 min. 3,37 52.0 780 min. 3,43 53.0 l 765
R 907 R 907 R 907
max. 3,69 57.0 840 max. 3,69 57.0 840 max. 3,69 57.0 825
min. 3,56 55.0 810 min. 3,56 55.0 800 min. 3,56 55.0 790
R 904 R 904 R 904
max. 4,02 62.0 850 max. 4,02 62.0 850 max. 4,08 63.0 830
min. 3,82 59.0 785 min. 3,82 59.0 780 min. 3,89 60.0 780

VMR 12,7 g RWS TIG 12,8 g RWS KS 14,5 g RWS


Patronenlänge 84,0 mm Patronenlänge 83,0 mm Patronenlänge 83,0 mm
Pulver g gr V0 m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V0 m/s
R 903 R 903 R 907
max. 3,60 55.5 810 max. 3,53 154.5 810 max. 3,31 51.0 735
min. 3,43 51.5 765 min. 3,31 51.0 750 min. 3,18 49.0 705
R 907 R 907 R 904
max. 3,66 56.5 820 max. 3,50 54.0 815 max. 3,69 57.0 735
min. 3,56 55.0 790 min. 3,37 52.0 795 min. 3,50 54.0 700
R 904 R 904 R 905
max. 4,05 62.5 825 max. 3,99 61.5 825 max. 3,86 59.5 745
min. 3,89 60.0 780 min. 3,79 58.5 790 min. 3,63 56.0 700

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

321
8x65RS
Der Gleichlauf von Randpatronen und Die Patrone aus der Sicht des
randlosen Patronen gleicher Ausmaße Wiederladers
und Leistung ist durchaus üblich und
verständlich, wenn man die hiesigen
Revierverhältnisse und damit die Ver- Die Umformung der Hülse erfolgt am
teilung der Waffenarten berücksichtigt. einfachsten aus der 7 x 65 R, wobei
Oft führt der Jäger und Revierbetreuer dringend die Verwendung von Neuhülsen
neben dem Repetierer noch eine angeraten wird (sehr großer Ausschuß
kombinierte Waffe in Form des Drillings bei bereits beschossenen Hülsen). Wie
oder der Bockbüchsflinte und möchte, da bei der 8 x 64 S (aber wegen der Rand-
zufrieden, die Leistung der bewährten anlage nicht so notwendig wie bei dieser)
Patrone auch in der anderen Waffe nicht hat sich auch bei der 8 x 65 RS die Anlage
missen. Es spielt dabei keine Rolle, ob einer "Hilfsschulter" bewährt, welche beim
dann zwei verschiedene, nicht austausch- Feuerformen die zentrische Anlage der
bare Patronen (mit Rand und randlos) Hülse gewährleistet und so maßhaltige
vorliegen. Oder aber ein Jäger möchte Hülsen ohne einseitige Längung des
keinen Repetierer führen, weil er ein Hülsenhalses produziert. Anschließend
Liebhaber von kombinierten Waffen oder wird in der 8 x 65 RS-Matrize kalibriert,
Kipplaufbüchsen ist. Da diese mit wobei sämtliches Gewindespiel in der
Randpatronen klaglos funktionieren, Presse beseitigt werden muß ("Rück-
kommt das Angebot der Hersteller springeffekt" im P2-Bereich, was die
zustande, eine existente Patrone ohne Ladefähigkeit in Frage stellen kann).
Rand auch in der Randversion anzubieten. Möglich ist auch die Umformung aus
Unter diesem Aspekt muß die 8 x 65 RS 9,3 x 74 R. Hier dürfen aber wegen des
gesehen werden, welche mit denn gleichen unterschiedlichen Hülsenvolumens
Gasdruck von 3.500 bar zugelassen ist, keineswegs die angegebenen Maximal-
wie ihre randlose Schwester und sich daten angewandt werden. Zudem ist der
deswegen, zumindest theoretisch, wie Hülsendurchmesser im H-Bereich zu re-
man weiter unten sehen wird, nur durch duzieren (aufreiben oder besser
den Rand unterscheidet. abdrehen, weil dadurch eine vielleicht
vorhandene Exzentrizität beseitigt werden
kann).
Ladedaten für das 12,1 g HMK gelten
Geschichte auch für das 11,7 g KS. Die Vorschläge
für das 12,8 g TIG ergeben hinter den
Wahrscheinlich unternahm Wilhelm 12,7 g TMR und VMR eine Minderleistung
Brenneke schon vordem Ersten Weltkrieg von ca. 30 m/s bei geringerem Gasdruck.
Versuche mit der 8 x 65 RS, wurde aber Dies hängt von verschiedenen Faktoren
durch die Auswirkungen desselben ab, z. B. der Ausformung des Geschoß-
unterbrochen, so daß die ersten Waffen hecks und vor allem der Geschoßein-
nicht vor ca. 1920 auftauchten. Wie die setztiefe. Die Patronenlänge für die
8 x 64 S, wurde auch die 8 x 65 RS in 12,7 g schweren Geschosse (TMR und
verschiedenen Laborierungen von VMR) beträgt 84,0 mm. Diese Länge ist
Brenneke und von DWM angeboten. durch die Lage der Kneifrille vorgegeben.

322
13,32 8,20

65,00

Kaliber: 8 mm S (.323" Dia.)


Hülse: umgeformt aus RWS 7 x 65 R
Zündh.: RWS 5341

niumassann

HMK 12,1 g RWS TIG 12,8 g RWS KS 14,5 g RWS


Patronenlänge 84,0 mm Patronenlänge 83,0 mm Patronenlänge 83,0 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V0 m/s Pulver g gr V, m/s
R 903 R 903 R 907
max. 3,50 54.0 830 max. 3,43 53.0 800 max. 3,24 50.0 720
min. 3,31 51.0 780 min. 3,24 50.0 755 min. 3,18 49.0 710
R 907 R 907 R 904
max. 3,56 55.0 840 max. 3,50 54.0 820 max. 3,69 57.0 735
min. 3,50 54.0 805 min. 3,37 52.0 805 min. 3,50 54.0 700
R 904 R 904 R 905
max. 3,95 61.0 855 max. 3,89 60.0 835 max. 3,82 59.0 740
min. 3,76 58.0 785 min. 3,76 58.0 795 min. 3,56 55.0 700

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48:49 und 55 56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

323
8x68S
Diese Hochwildpatrone hat sich seit Musterbeispiel dafür, wie eine Patrone für
Jahrzehnten im In- und Ausland einen ein bestimmtes System maßgeschneidert
Namen gemacht. Sie wird vom Saujäger wird. Der Drallwinkel für die üblichen
genauso geführt wie vom jagdlichen 8-mm-S-Läufe erwies sich für die hohen
Globetrotter und wurde in allen Revieren Durchlaufgeschwindigkeiten der neuen
des jagdlichen Spektrums so etwas wie Patrone als zu schnell, d. h. zu steil und
das Markenzeichen des deutschen wurde aus diesem Grund soweit
Waidmanns. Hochwild und weit draußen heruntergesetzt, bis eine Drallänge von
stehendes Steppenwild, nicht zu 28 cm zustande kam, die das schnelle H-
vergessen die Bergwildarten, sind das Mantelgescho ß ausreichend stabilisieren
Ziel der 8 x 68 S, welcher ausgezeichnete konnte. Die Patrone mit der H-Mantel-
Erfolge auch auf größte Entfernungen Kupferhohlspitzlaborierung kam im Früh-
nachgesagt werden. jahr 1939 neu auf den Markt. Schon
damals, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg,
Geschichte begann sich der Erfolg der 8 x 68 S
abzuzeichnen. Im Jahre 1957 wurde die
Der Ursprung der 8 x 68 S geht zurück bis alte H-Mantelpatrone wieder aufgelegt und
in die Mitte der Dreißiger Jahre. Bei RWS 1960 kam eine - inzwischen nicht mehr
war man damals dabei, auf Grund der lieferbare - Vollmantelausführung dazu.
regen Nachfrage eine Hochleistungs- Das 12,7 g schwere Vollmantelrundkopf-
patrone im 8-mm-Kaliber zu entwickeln, geschoß ist an der Spitze verstärkt und
welche den schon vorhandenen Patronen deshalb zum Bejagen dickhäutigen
wie 8 x 64 S und 8 x 75 S überlegen sein Großwildes geeignet, soweit keine das
sollte. Der zuerst eingeschlagene Schritt, Kaliber betreffenden gesetzlichen Auf-
lediglich durch Verwendung eines neu lagen dagegen sprechen.
geschaffenen, sehr progressiven Pulvers 1966 ersetzte man auf Grund neuer
in Hülsen geläufiger Dimension zu ballistischer Erkenntnisse das spitze, 33,5
wesentlich größeren Leistungen zu mm lange H-Mantelkupferhohlspitzge-
kommen, war nur teilweise erfolgreich. scho ß durch das verbesserte 30 mm lange
Der logische zweite Schritt war die HMK mit halbrunder Spitze. 1967 war die
Vergrößerung des Verbrennungsraum- Erprobung der Laborierung mit dem
volumens bei gleichzeitig notwendig 14,5 g schweren Kegelspitzgeschoß
werdender Verstärkung der Hülsen- erfolgreich beendet, und diese speziell
wandung. Da die Patronenlänge durch für starkes Wild gedachte Ladung ging in
die Dimensionen des normalen 84-mm- Serie. Gerade das 14,5-g-KS hat viel zum
Mausersystems Grenzen fand, mußten guten Ruf der 8 x 68 S beigetragen, nicht
zwangsläufig die P- und R-Durchmesser nur auf heimisches Hochwild, sondern
im Vergleich zu den geläufigeren Patronen auch im Ausland. Im Frühjahr 1976 wurde
erhöht werden, um einen genügend die Patrone mit einem 11,7 g schweren
großen Brennraum zu erhalten. Am KS auf den Markt gebracht, nachdem
Mausersystem waren einige geringfügige zuvor umfangreiche Erprobungen im La-
Änderungen wie etwa Verlängerung und bor und in der Praxis durchgeführt worden
seitliche Aufweitung der Auflauframpe, waren. Das 11,7-g-KS weist bei
Vergrößerung des Stoßbodens usw., hervorragendem Energie-Abgabever-
durchzuführen. Die 8 x 68 S ist - wie die halten eine sehr gestreckte Flugbahn auf,
gleichzeitig entwickelte 6,5 x 68 - ein ist besonders für weite Schüsse gedacht

324
und somit als Ergänzung und nicht als KS (GEE 190 m statt 202 m) und somit auch
Konkurrent zum 14,5-g-KS zu sehen. für normale Verhältnisse geeignet ist die
Dazu trägt auch der merklich gemilderte seit 1999 lieferbare Ladung mit dem11,7 g
Rückstoß mit dem leichten Projektil bei. DK.

RWS-Laborierungen Die Patrone aus der Sicht des


Wiederladers
Im Angebot an Werksladungen finden sich die
11,7 g DK sowie die beiden Kegel- Erfahrungsgemäß sind die ballistischen
spitzlaborierungen mit 11,7 und 14,5 Gramm, Leistungen der RWS-Hochleistungspatronen
sowie die H-Mantel-Kupferhohlspitzlaborierung durch den Wiederlader im zulässigen
mit 12,1 Gramm Geschoßmasse. Die Kon- Druckbereich zwar kopierbar, aber kaum zu
struktion der beiden KS-Geschosse, sowie übertreffen. Dies liegt ganz einfach daran,
die Eigenschaften des verwendeten Man- daß dem Handlader zwar die
tels aus zähhartem Tombak gewährleisten Originalkomponenten Hülse, Zündhütchen
eine kontrollierte Deformation des Projektils und Geschoß zur Verfügung stehen, nicht
mit gesteuerter Energieabgabe. Dies ist aber das optimale Spezialpulver. Die 8 x 68 S
besonders dann von Vorteil, wenn Wild macht hier keine Ausnahme. Auch nicht von
unterschiedlicher Stärke bejagt wird, vor der innenballistischen Grundregel, daß in
allem hinsichtlich der Relation von Wirkung großvolumigen Hülsen, die progressive Pulver
und Nebenwirkung, sprich Wildbretentwer- erforderlich machen, reduzierte Ladungen
tung. Dabei ist das 14,5 g KS für schwerstes wegen manchmal unerklärlicher Druck-
(auch afrikanisches oder nord- sprünge mit Vorsicht zu genießen sind und
amerikanisches) Wild geeignet, weil es mit stark abgebrochene Ladungen sich meist in
seinem reichlich dimensionierten schlechter Präzision äußern. Zudem muß
Geschoßheck genügend Energiereserven immer mit Versagern, Laufsteckern oder
in die Tiefe des Wundkanals führen kann. Nachbrennern gerechnet werden. Im Klar-
Das 11,7 g KS zeigt bei ausreichendem text heißt dies, daß handgeladene Hoch-
Geschoßgewicht und schneller Energie- leistungspatronen mit den faulen Pulvern in
abgabe sowie hoher kinetischer Leistung der Regel in die oberen Druckbereiche ge-
(es ist das, nach Joule gemessen, "stärkste" laden werden müssen. Oder man muß eben
Geschoß innerhalb der Werksladungen) vor auf schnellere, "schärfere" Pulversorten
allem eine sehr rasante Flugbahn. Bis etwa ausweichen, damit die reduzierten Ladungen
300 Meter kann auf Hochwild - natürlich auch funktionieren und präzise
unter Berücksichtigung der Eigenarten der schießen.Reduzierte Ladungen sind ein pro-
jeweiligen Waffen-/Patronenkombination - bates Mittel, z. B. zur Verbesserung der
nahezu ohne Haltepunktveränderung Schießfertigkeit, zur Kosteneinspa-rung, für
geschossen werden: Haltepunkt "Hochblatt" Spezialzwecke usw., so daß in der Folge
genügt auch noch auf die sehr weite und nicht mehr näher auf die Hinter-gründe einge-
jagdlich nur äußerst selten überschrittene gangen werden muß. Wer sich allgemein mit
Schußentfernung von 350 Metern; der Schwachladungen be-f essen möchte, sei auf
Schuß wird dann tiefblatt immer noch gut im das entsprechende Kapitel weiter hinten in
Herzen sitzen. Die 8 x 68 S hat die Flugbahn diesem Buch hin-gewiesen. Was die
einer 6,5 x 57 oder .243 Win. und dies mit technische Verarbei-tung der Schwach-
dem nahezu doppelt so schweren Geschoß. ladungen betrifft, so tragen die nachfolgen-
Etwas verhaltener laboriert als das 11,7 g den bzw. in der Tabelle ausgedruckten

325
8x68S
Empfehlungen den sicherheitsbezogenen sind die Laborierungen mit dem 9,8 g-
Anforderungen Rechnung. Generell ist TFK - Teilmantelflachkopf-Geschoß der
zu sagen, daß die "min."-Angaben für 8,15 x 46 R. Dieses dünnmantelige Reh-
R 905 keinesfalls unterschritten werden wildgeschoß wird nur in den unteren Ge-
sollten. Bei R 904 (begrenzt) und R 907 ist schwindigkeitsbereichen zielballistisch
eine Unterschreitung der angegebenen befriedigen. Schneller verladen, könnte
Anfangsladung nur dann möglich, wenn die Präzision, auf jeden Fall aber die
sie in sehr kleinen Schritten und unter Zielballistik leiden und aus dem gut-
ständiger Überprüfung des vollständigen mütigen Zerlegungsgeschoß würde ein
Pulverabbrandes und der Präzision "Sprenggeschoß"! Das für Mündungsge-
erfolgt. Auf die ausreichende Liderung schwindigkeiten um die 550 m/s gedachte
der Hülse ist dabei ebenso zu achten 9,8 g TFK macht aus der starken Hoch-
(Hülse darf außen nach dem Schuß nicht wildpatrone eine zuverlässig wirkende,
schwarz angeblakt sein!) wie auf unter "gemütliche", da gasdruckschwache Reh-
Umständen zurückgesetzte Zündhütchen. wildpatrone. Das noch relativ gut schies-
Normalerweise reichen die "min."- sende Minimum mit diesem Geschoß wird
Angaben aus der Tabelle aus, um mit der R 903-Ladung erreicht. Vorsichts-
gasdruckschwächere, präzise Kopien halber sollte man sich über eine mittlere
anderer 8 mm Patronen wie 8 x 60 S oder Ladung zur leichten Ladung "hinunter-
8 x 57 IS zu fertigen, so daß die Not- tasten". Die Komponentenbeschaffung für
wendigkeit einer nochmaligen Ladungs- die 8x68 S ist durch das komplette RWS-
kürzung nicht besteht. Will man die 8 x 68 Angebot leicht. Boxerhülsen vereinfachen
S jedoch auf die Leistung einer 8 x 57 IRS die Arbeit und werden mit dem RWS 5333
"herunterladen", so ist der Wechsel zu versorgt. Bei stark reduzierten Ladungen
einem schärferen Pulver angezeigt: genügt das Standardhütchen 5341, was
3,89 g/60.0 gr Rottweil R 903 hinter dem aber durch Präzisionsbeschüsse über-
12,8 g TIG z. B. ergeben eine aus vielen prüft werden muß.
Läufen recht gut schießende "Quasi- Die Lebensdauer der 8 x 68 S-Hülse ist
8 x 57 IRS" (Mündungsgeschwindigkeit sehr hoch und bis zu zwanzig mal Wieder-
ca. 770 m/s). In den Vorschlagstabellen laden ist ohne weiteres möglich. Danach
ausgedruckt findet der interessierte Wie- dehnt sich meist die Zündglocke und das
derlader Angaben für die Reduzierung Hütchen hält nicht mehr. Obwohl die Hülse
des 12,1 g SG und zwar nicht nur für die sonst noch intakt wäre, muß sie zum
drei "normalen" Treibladungspulver der Altmetall gegeben werden. Bei den
8 x 68 S, nämlich R 907, R 904 und R 905, Pulvern bringt das Rottweil R 905 oft die
sondern auch für die drei "scharfen" Höchstleistung, während das Rottweil
Büchsenpulverder Rottweil-Palette R 901, R 904 aus manchen Läufen eine hohe
R 902 und R 903. Auf ca. 85 % des Mündungsgeschwindigkeit bei hervor-
zulässigen Höchstgasdrucks abgestimmt, ragenden Standardabweichungen nach
sind die ausgedruckten "max ".-Ladungen V und P (die sog. Bestleistung) erzielt,
als Anhalt zu sehen. Wer reduzieren will, besonders bei den beiden leichten Ge-
wird sich vielmehr an die "min"-Ladungen schossen. R 907 erweist sich als ebenfalls
halten, die unter Berücksichtigung des einsetzbar und steht, zudem sehr spar-
weiter oben schon Gesagten nicht mehr sam, nicht viel zurück. Präzisionsbe-
wesentlich verringert werden sollten. schüsse aus der individuellen Waffe geben
Ebenfalls als Schwachladung gedacht Aufschluß über die Laborierung der Wahl.

326
Auf keinen Fall sollte sich der gewissen- bewiesen, daß die 8 x 68 S leicht auf die
hafte Wiederlader nur von der größtmögli- Leistungen anderer "modernerer" Pa-
chen Mündungsgeschwindigkeit leiten las- tronen gebracht werden kann, sondern
sen. daß sie auch, mit einem geringen Ge-
An Geschossen stehen alle auch in den schoßgewicht auf den Gebrauchswert
Werksladungen verladenen Projektile zur einer Mittelpatrone reduziert, ein breites
Verfügung, daneben noch die bereits er- Spektrum abdeckt.
wähnten 12,1 g SG-, die nicht mehr werks-
geladen vorhandenen 12,7 g VMR-, sowie
die 9,8 g TFK- (.324') Geschosse. Weiter
läßt sich das 12,8 g TIG sowie das 12,7
g VMR und 12,7g TMR laden. Zu letzterem
ist zu bemerken, daß es für die hohen
Mündungsgeschwindigkeiten der 8 x 68
S "zu weich" sein könnte. Schließlich für
die langsamere Mittelpatrone 8 x 57 kon-
struiert, zerlegt sich das 12,7 g TMR unter
Vorliegen bestimmter Umstände (hoher
Zielwiderstand bei hoher Zielgeschwindig-
keit) zu schnell und würde auf starkes
Wild zu wenig Tiefenwirkung zeigen.
Am Markt geläufig sind die 9,7 g/150 gr
Geschosse verschiedener Hersteller. Ob-
wohl angesichts der RWS-Geschosse die
Notwendigkeit einer schnellen Labo-
rierung mit einem Geschoß geringer Quer-
schnittsbelastung nicht gesehen wird,
sollen die nachfolgenden Angaben die
Flexibilität der 8 x 68 beweisen. Im Be-
schuß wurde das 9,7 TMS von Sierra
verwendet. Die Patronenlänge betrug 86,2
mm. Die auf etwa 80 % des Höchstgas-
druckes, d. h. ca. 3000 bar abgestimmte
Ladungen resultierten in folgenden Er-
gebnissen: Jeweils 1000 m/s wurden
erreicht mit 4,67 g/ 72.0 gr R 907; 5,06 g/
78.0 gr R 904, sowie 5,25 g/81.0 gr R 905,
wobei die Bestleistung mit Rottweil R 904
erreicht wurde, knapp gefolgt von Rottweil
R 907. Die Ladung mit R 905 verursachte
einen kräftigen Feuerball und ist deshalb
nur beschränkt zu empfehlen. Ein Abbruch
der R 907 Ladung von 10 %, etwa 8 % bei
R 904 und 5 % bei R 905 ergab eine Vo
von jeweils ca. 870 m/s.
Mit diesem Ladeversuch wurde nicht nur

327
8x68S

TMF 9,8 g* RWS KS 11,7 g RWS DK 11,7 g RWS


Patronenlänge 77,0 mm Patronenlänge 83,7 mm Patronenlänge 84,0 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 903 R 907 R 907
max. 4,54 70.0 970 max. 4,41 68.0 920 max. 4,44 68.5 920
min. 2,59 40.0 525 min. 4,15 64.0 860 min. 4,28 66.0 880
R 907 R 904 R 904
max. 4,54 70.0 970 max. 4,80 74.0 930 max. 4,80 74.0 940
min. 3,89 60.0 800 min. 4,60 71.0 900 min. 4,60 71.0 915
R 904 R 905 R 905
max. 4,93 76.0 970 max. 5,02 77.5 950 max. 5,06 78.0 935
min. 4,21 65.0 730 min. 4,86 75.0 870 min. 4,93 76.0 900
*8,23 mm

TMR 12,0 g GECO HMK 12,1 g RWS


Patronenlänge 86,2 mm Patronenlänge 86,2 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907
max. 4,47 69.0 905 max. 4,34 67.0 905
min. 4,34 67.0 880 min. 4,24 65.5 840
R 904 R 904
max. 4,83 74.5 920 max. 4,76 73.5 940
min. 4,73 73.0 890 min. 4,54 70.0 870
R 905 R 905
max. 5,12 79.0 930 max. 5,02 77.5 940
min. 4,99 77.0 890 min. 4,83 74.5 880

328
13,00

67,50

Kaliber: 8 mm S (.323" Dia.)


RWS
Zandh.: RWS 5333

SG 12,1 g RWS SG 12,1 g RWS TMR 12,7 g RWS


Patronenlänge 86,0 mm Patronenlänge 86,0 mm Patronenlänge 86,4 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr Vo m/s
R 901 R 907 R 907
max. 3,56 55.0 820 max. 4,47 69.0 915 max. 4,28 66.0 875
min. 2,92 45.0 650 min. 4,21 65.0 850 min. 3,95 61.0 800
R 902 R 904 R 904
max. 3,89 60.0 850 max. 4,76 73.5 920 max. 4,76 73.5 900
min. 3,24 50.0 730 min. 4,41 68.0 840 min. 4,41 68.0 800
R 903 R 905 R 905
max. 4,34 67.0 855 max. 5,09 78.5 920 max. 5,06 78.0 910
min. 3,95 61.0 780 min. 4,86 75.0 840 min. 4,73 73.0 800

! .17111")
111.1P''1111
"1"...1

VMR 12,7 g RWS TIG 12,8 g RWS KS 14,5 g RWS


Patronenlänge 86,5 mm Patronenlänge 85,3 mm Patronenlänge 85,1 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 907 R 907 R 907
max. 4,28 66.0 880 max. 4,28 66.0 860 max. 4,08 63.0 800
min. 3,95 61.0 800 min. 4,21 65.0 840 min. 3 89 60.0 755
R 904 R 904 R 904
max. 4,76 73.5 905 max. 4,63 71.5 880 max. 4,44 68.5 850
min. 4,41 68.0 810 min. 4,28 66.0 810 min. 4,21 65.0 800
R 905 R 905 R 905
max. 5,06 78.0 910 max. 4,99 77.0 910 max. 4,70 72.5 855
min. 4,73 73.0 815 min. 4,67 72.0 800 min. 4,54 70.0 815

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

329
8 mm Rem. Magnum
Schon vor dem Erscheinen der Patrone Die Patrone aus der Sicht des
wurde ihr in den USA und darüber hinaus Wiederladers
weltweit eine große Zukunft vorhergesagt.
Die Gürtelhülse mit dem in USA unüb- Großvolumige Hülsen sind zwar einesteils
lichen, "europäischen" 8-mm-Kaliber sollte "gutmütig"; andererseits aber auch mit
andere Hochwildpatronen bezüglich Vorsicht zu behandeln, was das
Flugbahn, Energie und Rückstoß über- Druckverhalten betrifft. Deshalb wurden
bzw. unterbieten. Wie weitgehend die Ladedaten in Anlehnung an das Druck-
theoretisch diese Vorschu ßlorbeeren von /Leistungsverhältnis der Fabrikpatronen
Werbung und Presse damals waren, zeigt ermittelt und sind ausschließlich unter
sich heute: Die Patrone konnte in diesem Aspekt zu sehen. Die Angaben
Mitteleuropa kaum Fuß fassen. Selbst im führen also zu einer geschwindigkeits-
Ursprungsland hört man nicht allzuviel bezogenen Kopie der beiden Fabriklabo-
von ihr. Das muß nicht bedeuten, daß die rierungen, wobei für das 12,0 g Geschoß
8 mm Rem. Mag. keine gute Patrone ist. eine Vo von 920 m/s und für das 14,3 g
Sie hat es vielmehr schwer, gegen die schwere Projektil eine Vo von 830 m/s
bewährten und seit Jahren etablierten zugrunde gelegt werden konnte.
Patronen der gleichen Leistungskategorie Als Hülse diente die Originalhülse von
anzukommen, wobei vor allem die .300 Remington; Zündhütchen sollten bei der
Win. Magnum und .300 Weatherby Mag- nicht unerheblichen Pulvermenge mit
num zu nennen sind, in Europa aber auch einem höheren Satzgewicht versehen
die 8 x 68 S, welche - zwar bei etwas mehr sein, so daß das RWS 5333 sich als gut
Gasdruck - bei geringerem Hülsen- geeignet herausstellte. Ein Best-Pulver
volumen und weniger Aufwand an Pulver konnte sich nicht herauskristallisieren:
die 8 mm Rem. Magnum teilweise deutlich Obwohl die jeweils höchsten Geschwin-
übertreffen. Trotz allem kann die 8-mm- digkeiten mit dem R 905 erzielt werden
Rem. in der Hand eines interessierten konnten und R 907 nur wenig nachstand,
Wiederladers zu einem dankbaren Objekt gab es aufgrund der Hülsen-Überkapa-
werden. zität bisweilen Präzisionsprobleme. Bei
den Geschossen bewährte sich vor allem
Geschichte das 11,7-g-KS, das bei einer Vo von etwa
920 m/s die kleinsten Streukreise zeigte.
Die 8 mm Rem. Mag. kam 1977 auf den
Markt, wobei sie mit den Geschoß-
gewichten 12,0 g und 14,3 g vorgestellt
wurde. Gleichzeitig erschien die
Remington Repetierbüchse Mod. 700 in
diesem Kaliber.

330
72,39

Kaliber: 8 mm S (.323" Dia.)


Hülse: R-P
Zündh.: RWS 5333

KS 11,7 g RWS HMK 12,1 g RWS KS 14,5 g RWS


Patronenlänge 87,5 mm Patronenlänge 92,0 mm Patronenlänge 88,5 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr Va m/s

R 907 R 907 R 907


max. 4,67 72.0 905 max. 4,63 71.5 900 max. 4,28 66.0 800
min. 4,47 69.0 850 min. 4,41 68.0 850 min. 3,89 60.0 730
R 904 R 904 R 904
max. 4,96 76.5 885 max. 4,99 77.0 870 max. 4,47 69.0 815
min. 4,60 71.0 820 min. 4,54 70.0 810 min. 4,21 65.0 760

R 905 R 905 R 905


max. 5,25 81.0 920 max. 5,25 81.0 910 max. 4,93 76.0 830
min. 4,99 77.0 840 min. 5,06 78.0 835 min. 4,73 73.0 770

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

331
8x75RS
Das moderne Interesse an der alten Geschichte
Patrone kommt vor allem daher, daß es in Die 8 x 75 RS wurde ca. 1908 von DWM
der von Praktikern erkannten Lücke zwi- im Auftrag der "Beh rs Waffenwerke, Suhl"
schen den Randpatronen der 7 x 65 R/ (Simson) aus der 9,3 x 74 R weiter-
8x57 IRS-Klasse und der starken, ge- entwickelt und sollte als Hochwildpatrone
schoßschweren 9,3 x 74 R lange Zeit, d.h. auch in den damaligen deutschen Kolo-
bis zum Erscheinen der .30 R Blaser nien Anwendung finden. Es gab zwei Ver-
keine für Kipplaufwaffen uneingeschränkt sionen der Patrone und zwar als 8 x 75 RS
einsetzbare Randpatrone aus serienmäßi- (8,20mm, sog."S"-Kaliber) und als 8x75 R
ger Produktion mehr gab. In diesem Be- (8,08 mm). Dazu kamen analoge
reich fehlte seit Auslauf der Vorkriegsfer- Schwesterpatronen ohne Rand für Repe-
tigung eine leistungsfähige Randpatrone. tierbüchsen. Zwischen den Kriegen war
Mit dem Anbieten einer werksgefertigten vor allem die 8 x 75 RS populär. Inwieweit
8 x 75 RS konnte die Lücke wenigstens hierbei hineinspielt, daß sie eine der Lieb-
mit Geschoßgewichten bis etwa 13,0 g lingspatronen des Reichsjägermeisters
ausgefüllt werden. Andererseits ist die gewesen sein soll, ist heute weder bekannt
alte 8 x 75 RS keine sehr "moderne" noch relevant. Die jüngste Geschichte
Patrone, weil sie auf Grund ihrer Hül- der 8x75 RS ist eng mit den Namen Heinz
sengeometrie (stark konischer Verlauf, Knipp und Hartmut Böning verbunden.
hohe Pulversäule) bei hoher Schußbe- Sie belebten die Patrone Mitte der Acht-
lastung doch Verschlußdichtigkeitspro- ziger mit modernen Komponenten neu.
bleme mit sich bringen kann. Hinsichtlich
der Leistung liegt die 8 x 75 bei Einhaltung Die Patrone aus der Sicht des
des zulässigen Pm. (3300 bar) und unter Wiederladers
Berücksichtigung eines für solche innen- Hülsen wurden unter anderem von MEN
ballistisch schwierigen Patronen unbe- hergestellt. Aus normalen 9,3 x 74 R
dingt notwendigen Sicherheitsabschlages umgeformte Hülsen geraten etwas zu
(Arbeitsgasdruck höchstens 85% des kurz. Die 8 x 75 RS ist ziemlich wählerisch,
maximal zugelassenen Gasdruckes) bei was die für gute Präzision geeigneten
guten 850 m/s des 12,1 g HMK-Ge- Pulver angeht. Das R 907 erwies sich
schosses. Geschwindigkeiten, wie sie vor hinter den 12,7 g Geschossen aus innen-
dem Krieg publiziert wurden (z.B. über ballistischen Gründen als nicht geeignet.
900 m/s mit einem 12,0 g Geschoß) sind Die Ladedaten gelten mit den üblichen
unrealistisch. Konkurrenzpatronen der Einschränkungen auch für die Schwester-
8 x 75 RS sind die nicht mehr gefertigte patrone der 8 x 75 RS, die randlose
8 x 65 RS und die zwar kaliberkleinere, 8 x 75 S. Dabei ist der Rand abzudrehen
aber mit einer moderneren Hülse aus- und eine Auszieherrille zu stechen. Vor
gestattete .30 R Blaser. Auch die von dem Feuerformen der randlosen Hülse
Werner Reb entwickelte Wiederlader- 8 x 75 S ist durch überkalibriges Aufweiten
patrone 8,5 x 63 R ist, wenn auch nicht auf 9,5mm (.375"Dia.) und anschlies-
kommerziell, so doch leistungsbezogen, sendes Kalibrieren auf 8 mm unbedingt
eine direkte Konkurrenz der 8 x 75 RS und eine Hilfsschulter anzubringen.
zwar wegen des größeren Kalibers und
der dadurch möglichen schwereren
Geschosse.

332
13,35

Kaliber: 8 mm S (.323" Dia.)


Hülse: MEN
Zündh.: RWS 5341

KS 11,7 g RWS DK 11,7 g RWS HMK 12,1 g RWS


Patronenlänge 91,0 mm Patronenlänge 91,0 mm Patronenlänge 95,7 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s

R 907 R 907 R 907


max. 3,85 59.4 820 max. 3,96 61.1 845 max. 3,80 58.6 815
min. 3,70 57.1 765 min. 3,86 59.5 810 min. 3,65 56.3 780
R 904 R 904 R 904
max. 4,35 67.1 855 max. 4,37 67.5 850 max. 4,35 67.1 860
min. 4,15 64.0 790 min. 4,18 64.5 805 min. 4,20 64.8 820
R 905 R 905 R 905
max. 4,65 71.8 870 max. 4,67 72.0 830 max. 4,55 70.2 850
min. 4,50 69.4 810 min. 4,50 69.4 800 min. 4,40 67.9 825

TMR 12,7 g RWS TIG 12,8 g RWS KS 14,5 g RWS


Patronenlänge 94,0 mm Patronenlänge 94,0 mm Patronenlänge 91,5 mm
Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s Pulver g gr Vo m/s
R 904 R 907 R 907
max. 4,25 65.6 790 max. 3,70 57.1 790 max. 3,55 54.8 730
min. 4,20 64.8 765 min. 3,60 55.6 770 min. 3,40 52.5 700
R 905 R 904 R 904
max. 4,50 69.4 805 max. 4,25 65.6 820 max. 4,10 63.3 770
min. 4,40 67.9 750 min. 4,15 64.0 795 min. 3,95 61.0 725
R 905 R 905
max. 4,50 69.4 830 max. 4,40 67.9 790
min. 4,40 67.9 780 min. 4,20 64.8 730
auch VMR 12,7 g RWS

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

333
8,15 x 46 R
Verwendungsbezogen kann die alte RWS-Laborierungen
Schützenpatrone als Vorläuferin der KK-
Sportpatrone angesehen werden. Die Das 9,8 g schwere Teilmantel-Flachkopf-
Frohnpatrone, wie die 8,15 auch genannt geschoß ist speziell für die 8,15 entwickelt
wird, warzu ihrer Zeit die Scheibenpatrone worden und zeichnet sich durch hohe
schlechthin und wurde sogar auf Rehwild Präzision aus. Es beschleunigt auf etwa
verwendet. In den Achtzigern erlebte sie 550 m/s. Die Laborierung ist in den
eine Wiedergeburt, da speziell für sie Ländern die für den Schuß auf Rehwild
Schießdisziplinen geschaffen und wieder eine Mindest- E100 von 1000 Joule fordern,
hervorragende Matchwaffen gebaut wur- noch auf Rehwild zugelassen. 1990 wurde
den. die Fertigung dieser Patrone eingestellt.
Hülsen sind noch im Handel.

Geschichte
Die Patrone aus der Sicht des
Entwickelt wurde die ursprünglich für Wiederladers
Schwarzpulver ausgelegte 8,15 x 46 R
noch vor der Jahrhundertwende von Da moderne Boxerhülsen im RWS-
Frohn, Suhl. Dabei darf man unter "Ent- Angebot zu finden sind, wird das
wicklung" aber keine gezielte Hinarbeit Zündhütchen RWS 5341 gesetzt. Bei den
auf die eine spezifische Patrone ver- Pulversorten haben sich für das 9,8 g
stehen. Vielmehr war die Frohnpatrone Teilmantel-Flachkopfgeschoß Rottweil
lediglich eine der vielen Scheibenstutzen- R 902, R 903 und R 907 als geeignet
patronen dieser Periode und kristallisierte erwiesen, aber auch das im Vorschlag für
sich im Laufe der Jahre als besonders das TMF nicht aufgeführte R 901 (1,49 g/
geeignet heraus. Interessant war die Art 23.0 gr = 525 m/s). Bleigeschosse
der Wiederladung, als später auf rauch- schießen vor etwas reduzierter Ladung
schwache Pulver umgestellt wurde. Dafür am besten. Das im Ermittlungsbeschuß
standen Einzelladungen zur Verfügung: verwendete, teflon-beschichtete 9,6 g BF
Pulverladungen, die fabrikmäßig abge- von H & N war vor R 903 und Rottweil R
wogen und in dünnes Papier verpackt in 910 erfolgreich. Selbstredend muß jeder
einer großen Vielfalt angeboten wurden. Schütze seine waffenspezifische
Der Schütze brauchte nur das Zündhüt- Bestladung in der eigenen Büchse
chen zu setzen, die Einzelladung einzu- ermitteln, wobei ihm die genannten sechs
legen, das Geschoß aufzusetzen, was oft Pulver des Rottweil-Sortiments zur
in der Waffe und unmittelbar vor dem Verfügung stehen.
Schuß erfolgte, und konnte dies alles auf
dem Stand erledigen. Noch 1940 bot die
RWS acht verschiedene Einzelladungen
an, welche von 0,70-g Troisdorfer 1912
über Rottweiler "P" bis 0,85-g-Walsroder-
M 1910 reichten. Die Papierhülle brauchte
nicht entfernt zu werden, denn sie
verbrannte restlos beim Schuß.

334
T ------7--— CO
2,35 WiiiiiiIMMIIIIIMI 8,23 bzw. 8,20 (BF) 'U
--t— V
_Y__ 011
46,50 X
H IPI

0)
Kaliber: 8,15 mm (.324" Dia.)
Hülse: RWS
Zündh.: RWS 5341

BF 9,6 g H & N BF 9,6 g H&N TMF 9,8 g RWS


Patronenlänge 60,0 mm Patronenlänge 60,0 mm Patronenlänge 60,0 mm
Pulver g gr V° m/s Pulver g gr V° m/s Pulver g gr Va m/s

P 806 R 902 R 902


max. 0,84 13.0 460 max. 1,62 25.0 515 max. 1,69 26.0 550
min. 0,75 11.5 400 min. 1,43 22.0 400 min. 1,49 23.0 435
R 910 R 903 R 903
max. 1,05 16.2 500 max. 1,81 28.0 530 max. 1,81 28.0 540
min. 0,97 15.0 475 min. 1,62 25.0 435 min. 1,62 25.0 430
R 901 R 907 R 907
max. 1,49 23.0 520 max. 1,81 28.0 535 max. 1,88 29.0 520
min. 1,30 20.0 440 min. 1,69 26.0 400 min. 1,81 28.0 405

335
8,5 x 63
Die 8,5 x 63 profitiert von allen Vorzügen .280 Rem im Vergleich zur hülsenmund-
des Steilschulterprinzips und von den meist größeren Hülse .35 Whelen schwieriger
hohen Ballistischen Koeffizienten ihrer 8,59 dar. Bei Umformung der .280 Rem (nur
mm/.338" messenden Geschosse. Sie ist fabrikfrische RWS-Hülsen verwenden) mu ß
zu erstaunlichen Leistungen befähigt, wie der Hülsenmund aufgeweitet werden und
ein Vergleich mit Standardpatronen ähnli- zur Einhaltung des Verschlußabstandes
cher Hülsenvolumen zeigt. Die 8,5 x 63 ist im Moment der Sprengverformung, d.h.
eine für größere Distanzen einsetzbare, zur Vermeidung von Hülsenreißern, das
universelle Hochwildpatrone. Ähnlich wie Geschoß auf den Feldern aufsitzen. Als
ihre beliebte Schwesterpatrone mit Rand Feuerformladung für die Hülse .280 Rem.
8,5 x 63 R füllt die 8,5 x 63 die im werks- dient jede mittlere Ladung der Tabelle.
geladenen Patronensortiment ohne Zwei- Bereits die Feuerformladungen schießen
fel vorhandene Lücke zwischen den präzise und können zum Übungsschießen
Standardpatronen und den „Magnums" und oder für einfache jagdliche Verhältnisse
stellt technisch wie anwendungspraktisch verwendet werden. Wegen der positiven
eine interessante Ergänzung dar. Eigenschaften der Patronenkonstruktion
wie Rasanz, Präzision, geringe Nebenwir-
Geschichte kungen beim Schuß, Sparsamkeit beim
Komponentenverbrauch und weniger
Wie die 8,5 x 63 R wurde die 8,5 x 63 von Waffenverschleiß als bei hülsengrößeren
Werner Reb in den Jahren 1983/84 kon- Magnumpatronen vergleichbarer Leistung
struiert. Erste Waffen kamen 1984/85. 1987 finden Jäger und Sportschützen Gefallen
erfolgte die Aufnahme der Patrone in die an der 8,5 x 63, sogar Großdistanz-
Maßlisten zur 3.WaffVO. Nach Aussage Benchrester mit ihren bekannt hohen An-
von Werner Reb war die randlose Version sprüchen. Vor allem begeistern sich Hoch-
gar nicht geplant, wurde aber dann doch wild- und Auslandsjäger für die Patrone,
ausgeführt, weil sie sich anderen Standard- auch weil sie bei guter Leistung eine gewis-
patronen des gleichen Anwendungsspek- se Exklusivität aufweist. Viele für Standard-
trums überlegen zeigte. patronen wie .30-06 oder 8 x 57 IS einge-
richtete Waffen können in 8,5 x 63 umge-
Die Patrone aus der Sicht des Wieder- ändert werden. Läufe mit und ohne
laders Patronenlager liefert der Fachhandel. Auch
kann man sich beim Rohrmacher in Suhl
Im Fachhandel sind sporadisch Neuhülsen den Laufdurchmesser auf 8,5 mm/.338"
lieferbar; ansonsten erfolgt die Herstellung aufziehen lassen. Die 8,5 ist bei Besitzern
der Hülse durch Halskalibrieren der .35 von Wechsellauf-Repetierbüchsen beliebt,
Whelen, wodurch eine dem Verschlußab- weil sie mit Läufen für kleinkalibrige
stand dienende Hilfsschulter angelegt wird Standardpatronen wie .243 Winchester
(Achtung - Schulter nicht zurücksetzen). oder 6,5 x 65 RWS kombiniert werden
Anschließend wird die Hülse durch Ver- kann, noch mehr aber wird sie als Universal-
schießen einer Feuerformladung (z.B. patrone geschätzt, denn wie die 8,5 x 63 R
3,70 g R 907 hinter dem 14,6 g - oder profitiert die 8,5 x 63 von einem überaus
3,60 g R 907 hinter dem 16,2 g - Geschoß) breiten Geschoßangebot hochwertiger
sprengverformt. Da die 8,5 x 63 als randlo- Jagd- und Scheibengeschosse von 19,4 g
se Patrone ein Schulteranlieger ist und ihre bis 10,4 g. Mit dem leichten 10,4 g Barnes-
Schulter sich aus konstruktiven Gründen "X" (BC 0.337) und 4,30 g/66.4 gr R 903
weit vorne befindet, stellt sich die Hülsen- oder 4,35 g/67.1 gr R907 kann die 8,5 x 63
umformung aus der kaliberkleineren Hülse auf 975 m/s gebracht werden.

336
12,01 8,59

X
63,00
Cr)
(4)

Kaliber: 8,5 mm (.338" Dia.)


Hülse: umgeformt aus Hülse .35 Whelen oder
RWS-Hülse .280 Rem. oder Neuhülse (Fachhandel)
Zündh.: RWS 5341

"X" 11,3 g Barnes TMS 13,0 g Hornady TMS 14,6 g Hornady


Patronenlänge 84,0 mm Patronenlänge 84,0 mm Patronenlänge 84,0 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 903 R 903 R 903
max. 4,25 65.6 950 max. 3,95 61.0 880 max. 3,80 58.6 I 815
min. 4,00 61.7 855 min. 3,50 54.0 750 min. 3,65 56.3 l 780
R 907 R 907 R 907
max. 4,30 66.4 965 max. 4,05 62.5 890 max. 3,80 58.6 815
min. 4,05 62.5 850 min. 3,80 58.6 820 min. 3,55 54.8 750
R 904 R 904 R 904
max. 4,65 71.8 940 max. 4,40 67.9 880 max. 4,40 67.9 840
min. 4,40 67.9 845 min. 4,00 61.7 800 min. 4,25 65.6 800
auch TMS 13,0 g Speer(82,5 mm) auch TMS 14,6 g Speer o 14,6 g Nosler

TMR 16,2 g Hornady TMS 17,8 g Speer TMR 19,4 g Barnes


Patronenlänge 84,0 mm Patronenlänge 84,0 mm Patronenlänge 83,5 mm
Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s Pulver g gr V, m/s
R 907 R 907 R 907
max. 3,70 57.1 760 max. 3,55 54.8 730 max. 3,40 52.5 700
min. 3,55 54.8 730 min. 3,20 49.4 650 min. 3,00 46.3 620
R 904 R 904 R 904
max. 4,15 64.0 800 max. 4,10 63.3 770 max. 3,90 60.2 730
min. 4,05 62.5 760 min. 3,70 57.1 680 min. 3,35 51.7 640
R 905 R 905 R 905
max. 4,25 65.6 790 max. 4,20 64.8 760 max. 4,10 63.2 730
min. 4,00 61.7 725 min. 4,00 61.7 710 min. 3,80 58.6 660
auch 16,2 g Monolithic Solid 84,0 mm auch VMR 19,4 g Barnes 83,5 mm

ACHTUNG! Vor dem Laden unbedingt Hinweise auf den Seiten 48/49 und 55/56 (Fettdruck), sowie auf Seite 105 beachten.

337
8,5 x 63 R
Diese universell einsetzbare Wiederlader- Geschichte
patrone ("Wildcat") kann bei geringem
waffen- und patronenseitigen Aufwand Die 8,5 x 63 R wurde von Werner Reb
und geringem Druck die vor allem vom etwa 1982 bis 1984 konzipiert; erste
Hochwildjäger erkannte Leistungslücke Waffen erschienen 1985, beginnend mit
zwischen den Standardpatronen 8x57 I RS einer Kleinserie aus der Blaser-Jagd-
/ 7 x 65 R und 9,3 x 74 R abdecken. Dabei waffenfabrik. 1987 wurde die Patrone
ist die 8,5 x 63 R keineswegs ein standardisiert und in die Maßlisten der 3.
"Lückenbüßer": Richtig verladen, deckt WaffVO aufgenommen. Viele deutsche
sie den gesamten Bereich zwischen etwa Hersteller von Kipplaufwaffen einschließ-
7x 57 R und 9,3 x 74 R ab, sogar über die lich der Suhler Büchsenmacher bauen
Leistung letzterer noch hinausgehend, Waffen dieses Kalibers auf Anfrage.
wobei Geschosse von 10,6 g bis 19,4 g
zur Verfügung stehen. Wegen der hohen Die Patrone aus der Sicht des
Querschnittsbelastung der verwendeten Wiederladers
8,59 mm /.338 "Dia. - Geschosse ergeben
sich Vorteile und zwar hinsichtlich der Im Fachhandel sind Neuhülsen erhältlich.
Rasanz und der hohen Zielenergie auf Man erhält Hülsen auch durch Umformung
größeren Entfernungen. Die 8,5 x 63 R und "Feuerformung" von Neuhülsen 7 x
hat mit ausgesuchten Ladungen die 65 R oder 9,3x74 R (letztere macht aber
gestreckte Flugbahn einer 7 x 64 und auf zusätzliche Umformschritte nötig wie
300 m die Auftreffwucht einer .375 H & H. Vorkürzung und, Hülsenhals abdrehen).
Dabei arbeitet die Patrone mit einem sehr Die steile Hülsenschulter und der P2-
niedrigen Pmax: 3300 bar (cu) - entspricht Durchmesser werden durch Sprengver-
3800 bar (piezo). Der Grund für das gute formung erreicht. Dazu dient die jeweilige
Druck-/Leistungsverhältnis liegt in der "min." - Ladung mit R 903. Solche Feuer-
vorteilhaften Relation von Kaliber und f orm ladu ng en können bereits zum
Geschoßmasse und, damit verbunden, Übungsschießen oder für einfache jagd-
am günstig dimensionierten Anschub. Vor liche Verhältnisse Verwendung finden.
allem aber ist die Hülsenform beteiligt: Die 8,5 x 63 R ist eine äußerst präzise,
Werner Reb konstruierte die 8,5 x 63 R dabei ungemein leistungsfähige Rand-
nach dem Steilschulterprinzip mit nahezu patrone mit einem sehr weiten Anwen-
zylindrischem Hülsenkörperverlauf. Wäh- dungsbereich. Selbst auf Rehwild nicht
rend durch diese Konfiguration einerseits wildbretentwertend, kann sie für weite
mehr Verbrennungsraum zur Verfügung Schüsse auf Berg- und Steppenwild ge-
gestellt wird, fördert die steile Schulter die nauso verwendet werden wie für heimi-
vollständige und damit ökonomische sches Hochwild oder ausländisches Groß-
Verbrennung des Pulvers. Die vorliegende wild, welches Geschoßmassen über 16 g
Konfiguration der steilen Schulter erweist erforderlich macht.
sich als verschlu ßschonend, zusammen Angesichts der bereits in größerer Anzahl
mit dem nur geringfügig konischen vorhandenen, guten Waffen scheint die
Hülsenverlauf. Diese Vorteile heben die Zukunft der 8,5 x 63 R gesichert zu sein,
Nachteile einer solchen Hülsenform zumindest als Wiederladerpatrone.
(verminderte Ausziehfähigkeit aus rost-
narbigen, stark vernachlässigten Pa-
tronenlagern) aber wieder auf.

338
co
13,32 8.59

63..00
W

Kaliber: 8,5 mm (.338" Dia.)


Hülse: Neuhülse (Fachhandel) oder umgeformt
aus neuen RWS-Hülsen 7 x 65 R oder "9,3 x 74 R"
Zündh.: RWS 5341

EE3
"X" 11,3 g Barnes TMS 13,0 g Hornady TMS 14,6 g Hornady
Patronenlänge 84,0 mm Patronenlänge 84,0 mm Patronenlänge 84,0 mm
Pulver g gr Ve m/s Pulver g gr Va m/s Pulver g gr Vo m/s
R 903 R 903 R 903
max. 4,10 63.3 935 max. 3,85 59.4 850 max. 3,80 58.6 805
min. 3,80 58.6 800 min. 3,50 54.0 750 min. 3,70 57.1 770
R 907 R 907 R 904
max. 4,15 64.0 940 max. 3,80 58.6 820 max. 4,10 63.3 795
min. 3,90 60.2 815 min. 3,60 55.6 760 min. 3,90 60.2 760
R 904 R 904 R 905
max. 4,50 69.4 920 max. 4,15 64.0 835 max. 4,25 65.6 790
min. 4,30 66.4 825 min. 3,90 6