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FAKULTÄT ELEKTROTECHNIK

E9/A7/ES1 Schutzmaßnahmen in elektrischen


Anlagen nach DIN VDE 0100
03/2015

Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden


Prof. Dr.-Ing. Ralf- Dieter Rogler
Dipl.-Ing. K. Schellenberger
1. Einleitung

1.1 Ziel des Praktikums

Das Praktikum "Schutzmaßnahmen in elektrischen Anlagen nach DIN VDE 0100" soll den
Einblick in den Aufbau von Netzen der Energieversorgung und in die Wirkungsweise sowie
die Prüfung der Funktion von Schutzmaßnahmen vertiefen.

Die in der DIN VDE enthaltenen Regeln sind grundsätzlich nur Empfehlungen und haben
keinen Gesetzescharakter. Die Anwendungspflicht ergibt sich erst aus mehreren
Vorschriften und Gesetzen, wie z.B. der Unfallverhütungsvorschrift BGV A3 oder der
Betriebssicherheitsverordnung incl. deren technischen Regeln (TRBS) sowie der 2.
Durchführungsverordnung zum Energiewirtschaftsgesetz. Darin ist sinngemäß
festgeschrieben, dass Hersteller, Nutzer und Betreiber von elektrischen Anlagen die Pflicht
haben, die Empfehlungen des Deutschen Institutes für Normung (DIN) und des Verbandes
Deutscher Elektrotechniker (VDE) als "Anerkannte Regeln der Technik" einzuhalten.

Schutzmaßnahmen gegen gefährliche Körperströme sind erforderlich, da trotz größter


Sorgfalt bei der Errichtung bzw. dem Betrieb elektrischer Anlagen und Geräte Fehler und
Defekte nicht auszuschließen sind.
Die Grundregel des Schutzes gegen elektrischen Schlag nach VDE 0140-1 ist, dass
gefährlich aktive Teile nicht berührbar sein dürfen und berührbare Teile weder unter
normalen Bedingungen noch unter Einzelfehlerbedingungen zu gefährlich aktiven Teilen
werden dürfen. Die Schutzmaßnahmen erfüllen ihren Zweck jedoch nur, wenn sie
ordnungsgemäß ausgeführt sind und regelmäßig überprüft werden.

In diesem Praktikum sollen verschiedene Erdungssysteme (TN-System, TT-System)


betrachtet werden. Es werden mehrere Schutzmaßnahmen (Erdung, Überstromschutz,
Fehlerstromschutz) eingesetzt und deren Wirksamkeit beim Auftreten von Fehlern an den
Leitungen und an einem Gerät der Schutzklasse I untersucht.
Als Kriterium dient dabei die Sicherheit des Anwenders anhand der am Modellmenschen
gemessenen Ströme und Spannungen.
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Es soll untersucht werden, welche Maßnahmen in welchen Systemen am besten geeignet


sind, auch beim Auftreten mehrere Fehler und unter ungünstigen Umgebungsbedingungen
eine hohe Sicherheit zu gewährleisten.

1.2 Sicherheitsregeln

Alle Prüfungen werden bei 230 V Netzspannung durchgeführt. Es dürfen nur


berührungsgeschützte Messkabel verwendet werden. Vor dem Umstecken von Kabeln und
Messgeräten muss die Spannung abgeschaltet werden. Ein Wiedereinschalten darf nur
nach vorheriger Kontrolle der Schaltung erfolgen. Bei jedem Anzeichen einer Fehlfunktion
muss sofort die Spannung abgeschaltet werden.

2. Verwendete Formelzeichen

Ia Abschaltstrom der Schutzeinrichtung


IF Fehlerstrom, Strom über die Fehlerstelle
IK Körperstrom, Strom über den Menschen
IN Nennstrom
IN Nennfehlerstrom
k Material- und umgebungsabhängiger Faktor für Schutzleiterquerschnitte
RA Erdungswiderstand des Schutzleiters
RB Widerstand der Betriebserdung
RI Isolationswiderstand
RK Körperschlusswiderstand
RL Widerstand des Außenleiters
RM Widerstand des Menschen (Körperwiderstand)
RS Schleifenwiderstand
RÜ Standortübergangswiderstand
RV Widerstand des Verbrauchers
S Schutzleiterquerschnitt
t Ansprechzeit, Auslösezeit
UB Berührungsspannung am Menschen
UF Fehlerspannung (zwischen Körper des el. Betriebsmittels und Bezugserde)
UL zulässige Berührungsspannung
ULN Leiter - Erde - Spannung
UN Netzspannung
U0 Nennspannung Außenleiter gegen geerdeten Leiter
RCD Fehlerstromschutzschalter, FI-Schutzschalter; z.B. IN = 30 mA,
LS Leitungsschutzschalter
ZS Impedanz der Fehlerschleife
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3. Grundlagenwissen

3.1. Zusammenstellung von normgerechten Schutzmaßnahmen

(Aus: Kiefer/ Schmolke; VDE 0100 und die Praxis; 15. Auflage; S 176)

Bild 1: Schutzmaßnahmen nach DIN VDE 0100-410

3.2. Wichtige Begriffe

Die erforderlichen Schutzmaßnahmen kann man definieren als:

- Basisschutz, d.h. Isolierung als Schutz gegen direktes Berühren bei Normalbedingungen
Für einen funktionierenden Basisschutz muss die Isolation zwischen gefährlich aktivem
Leiter und berührbaren Teilen groß genug sein um unter Normalbedingungen einen
unerwünschten Stromfluss zu verhindern. Da dies üblicherweise durch die verwendeten
Betriebsmittel vorgegeben ist soll hier nicht näher darauf eingegangen werden.

- Fehlerschutz, d.h. Schutz bei indirektem Berühren unter Einzelfehlerbedingungen


Der Fehlerschutz erfolgt zumeist mittels automatischen Abschalteinrichtungen die auf zu
hohe Ströme ansprechen, z.B. mit einer Leitungsschutzsicherung, in Verbindung mit einem
System von Schutzleitern und der Erdungsanlage.
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- Zusätzlicher Schutz, notwendig bei besonderen Umgebungsbedingungen


Der Zusatzschutz erfolgt hauptsächlich mittels automatischen Abschalteinrichtungen die
bereits auf kleine Ströme abseits der dafür vorgesehenen Leitungen reagieren, z.B. einem
FI-Schutzschalter, in Verbindung mit einem System von Schutzleitern und der
Erdungsanlage oder mittels zusätzlichem Potentialausgleich.

Eine Schutzmaßnahme muss immer aus mindestens 2 Maßnahmen bestehen:


- aus einer Kombination von Basisschutz und Fehlerschutz oder
- aus einer zum Basisschutz zusätzlichen, doppelten oder verstärkten Schutzisolierung

Der Begriff "Schutzleiter" bezeichnet elektrische Leiter, die hauptsächlich zum Zweck der
Sicherheit eingebaut werden, z.B. als Schutz gegen elektrischen Schlag.
- Der Schutzerdungsleiter, verbindet leitfähige Teile, z.B. den "Körper" (leitfähiges
Gehäuse) eines elektrischen Betriebsmittels mit dessen Erdungsanschlusspunkt
- Der Erdungsleiter ist die Verbindung (oder ein Teil davon) zwischen bestimmten
Erdungspunkten des Netzes, der Anlage oder eines Betriebsmittels mit dem Erder.
- Der Schutzpotentialausgleichsleiter dient der Verbindung leitfähiger Teile mit
dem Haupterdungspunkt oder als zusätzlicher Schutzpotentialausgleich
zwischen Geräten bzw. zu fremden leitfähigen Teilen

Erdungssystem:
Dieses umfasst alle fest mit der Umgebung verbundenen Erdungsbauteile wie Fundament-
und Tiefenerder. Der Erder muss bei allen Umgebungsbedingungen einen bestimmten
möglichst geringen Widerstand aufweisen. Da der Erder sich außerhalb der elektrischen
Anlage befindet liegt die Verantwortung dafür beim Netzbetreiber. (siehe IEC 0100-540)

In der VDE-0100-100 werden folgende Systeme nach der Art der Erdverbindungen
unterschieden:

- TN – System: Schutzmaßnahme „Nullung“ d.h. nur der mit dem Mittel- oder
Neutralleiter des Versorgungssystems verbundene Null-Leiter (N) des Netzsystems
wird direkt mit Erde verbunden. An diesen oder an einen davon abgezweigten PE-
Leiter werden alle Körper angeschlossen. Dieses System ist das am meisten
verwendete.
- TT-System: Schutzmaßnahme „Erdung“ (Terra = Erde) Alle Körper dieses Systems
werden direkt an einen Erder angeschlossen. Der Null- oder Mittelleiter des
Versorgungssystems wird an einer anderen Stelle separat geerdet. Dieses System
wird z.B. bei Energieversorgern, für das öffentliche Niederspannungsnetz in
Frankreich und in Italien in Haushalten genutzt.
- IT-System: Schutzmaßnahme „Isolierte Stromversorgung“ Die wichtigste
Voraussetzung ist die Stromversorgung über einen separaten Transformator oder
über einen eigenen Generator. Der Sternpunkt des Stromerzeugers darf nur über
eine ausreichend hohe Impedanz mit Erde verbunden werden. Das bewirkt, dass
ein Einzelfehler nicht zu einem gefährlichen Zustand und damit zur Abschaltung
führen muss. Das System wird z.B. in bestimmten Bereichen von Krankenhäusern
verwendet, in denen eine kurzfristige Abschaltung vermieden werden muss.
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3.3. Dimensionierung der Schutzleiter

Der Querschnitt eines Schutzleiters muss vor allem so dimensioniert werden, dass sich mit
ihm im Falle eines Fehlers die vorgeschriebenen Abschaltzeiten erreichen lassen.

120 V < U0 < 230 V 230 V < U0 < 400 V


Sonstige
System (IN < 32 A) (IN < 32 A)
AC DC AC DC
TN 0,4 s 5s 0,2 s 0,4 s 5s
TT 0,2 s 0,4 s 0,07 s 0,2 s 1s
TT (mit
Schutz-Pot.- 0,4 s 5s 0,2 s 0,4 s 5s
Ausgleich)

Tabelle 1: Maximal zulässige Abschaltzeiten (nach VDE 0100-410, Tabelle 41.1)

U0 Nennwechselspannung oder Nenngleichspannung Außenleiter gegen Erde

Andererseits muss er allen thermischen und mechanischen Belastungen im zu erwartenden


Fehlerfall bis zum Abschalten durch die Schutzeinrichtung standhalten. Zusätzlich muss er
widerstandsfähig gegen mechanische Beschädigungen sein.
Aus diesen Forderungen ergeben sich für verschiedene Anwendungsfälle verschiedenen
Mindestquerschnitte, die auch abhängig vom verwendeten Material und den
Umgebungsbedingungen sind.

Der Mindestquerschnitt von Schutzleitern zur Gewährleistung der geforderten


Abschaltzeiten lässt sich bei Zeiten unter 5s durch die folgende Formel berechnen:

IF2 * t  k2 * S2

S Schutzleiterquerschnitt in mm2
IF Effektivwert des zu erwartenden Fehlerstromes in A
t Ansprechzeit der Schutzeinrichtung für die automatische Abschaltung in s
k Material- und umgebungsabhängiger Faktor (VDE 0100-540 Anhang A)

Bei richtig dimensionierten Außenleiterquerschnitten können zur Bestimmung der


Schutzleiterquerschnitte näherungsweise die Werte aus Tabelle 2 verwendet werden.

Aus rein mechanischen Gründen darf bei Schutzleitern, die nicht Bestandteil eines Kabels
oder einer Leitung sind, ein Mindestquerschnitt nicht unterschritten werden, z.B. 16 mm2
bei Aluminiumkabel und 4 mm2 bei Kupfer bei ungeschützter Verlegung (weitere Werte und
Bedingungen siehe VDE 0100-540).
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Querschnitt der Außenleiter der Mindestquerschnitt des entsprechenden


Anlage Schutzleiters
(Faktor k2; SP in mm2)
(Faktor k1; S in mm2) gleicher Werkstoff anderer Werkstoff
S 16 S (k1 / k2) * S
16  S  35 16 (k1 / k2) * 16
S  35 0,5 * S (k1 / k2) * 0,5 * S

Tabelle 2: Schutzleiterquerschnitt in Abhängigkeit von Außenleitern (nach VDE 0100-540)

Wenn ein Schutzleiter gemeinsam für zwei oder mehr Stromkreise verwendet wird, muss
die Querschnittsberechnung für die jeweils ungünstigste Bedingung vorgenommen werden.
Bei einigen Systemen wie z.B. dem TN- Systemen übernehmen die Schutzleiter weitere
Funktionen. Es gibt PEN-, PEL- und PEM-Leiter, die jeweils die Funktion des Neutral-,
Außen- oder Mittelleiters mit übernehmen. Diese dürfen nur in fest installierten elektrischen
Anlagen verwendet werden und müssen entsprechend den zusätzlichen Aufgaben größer
dimensioniert werden.

Die VDE 0100-410 fordert in jedem Gebäude einen Schutzpotentialausgleich über die
Haupterdungsschiene. An dieser müssen z.B. die folgenden leitfähigen Teile, sofern
vorhanden, verbunden werden: metallene Rohrleitungen, metallene Heizungs- und
Klimasysteme und metallene Teile der Gebäudekonstruktion.
Der Schutzpotentialausgleichsleiter muss einen Mindestquerschnitt haben (6 mm2 CU, 16
mm2 AL, 50 mm2 Stahl). Es besteht ebenfalls eine Abhängigkeit zum Querschnitt der
Außenleiter und eine zum Querschnitt des Schutzerdungsleiters (siehe VDE 0100-540)

Nach VDE 0100-410 ist ein zusätzlicher Schutzpotentialausgleich insbesondere dort


vorzunehmen, wo durch die Umgebungsbedingungen ein erhöhtes Risiko vorliegt, die
Bedingungen für die automatische Abschaltung (tA = 0,2 s oder 5 s) mit dem üblichen
Schutzerdungsmaßnahmen nicht erfüllt werden können oder wenn im IT- System
Isolationsüberwachungseinrichtungen eingesetzt werden.
In die Maßnahme müssen alle gleichzeitig berührbaren Körper ortsfester Betriebsmittel, alle
vorhandenen Schutzleiter und alle fremden, leitfähigen Teile (Wasserleitungen, metallene
Träger, Heizung) einbezogen werden.

Allgemein gilt für den Widerstand des zusätzlichen Potentialausgleichsleiters:

R < 50 V / Ia

Ia Auslösestrom, der das Abschalten der Schutzeinrichtung bewirkt


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3.4. Auslösekennlinien von Schutzeinrichtungen

Moderne LS-Sicherungen vereinigen in sich zwei Funktionen. Die elektromagnetische


Schnellauslösung löst z.B. bei Geräten der B-Charakteristik bei Strömen > 3*IN innerhalb
von 10 ms aus. Die thermische Auslösung für Ströme zwischen 1,2 * IN und 3 * IN erfolgt mit
einer stromhöhenabhängigen Verzögerung (4 Sekunden bis 60 Minuten). Das heißt, dass
diese Sicherung zur rechtzeitigen Abschaltung gefährlicher Körperströme nur dann
beitragen kann, wenn ein sehr hoher Überstrom IL fließt. (Bei der im Praktikum benutzten
Geräteschutzsicherung ist ein Überstrom von etwa 10 IN für die Schnellauslösung nötig.)

Bild 1: Auslösekennlinien von LS-Sicherungen: allgemeine Kennlinie / Praktikums-LS

Im folgenden Bild wird deutlich, dass ein FI-Schutzschalter in der Lage ist, zu hohe
Körperströme innerhalb von 40 ms abzuschalten und damit einen großen Teil des
Gefährdungsbereiches abdeckt. Dabei ist die zulässige Herstellertoleranz eines FI-
Schutzschalters (0,5...1,0* IN) zu beachten.

Bild 2: Gefährdungskennlinie mit Auslösekennlinie eines FI-Schutzschalters


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3.5. Schutzmaßnahmen im TN - System

Die wichtigste Voraussetzung für die Funktion von Schutzmaßnahmen im TN-System ist
die zuverlässige und wirksame Verbindung des Sternpunktes des Versorgungssystems und
des Neutralleiters (N) mit der Erde (= Betriebserder)

Wenn die Körper aller Geräte zu Schutzzwecken an die Weiterführung dieses Leiters (=
PEN) angeschlossen werden, sprechen wir von einem TN-C-System ("combined"). Dieses
ist das am häufigsten in älteren Bauten verwendete System. Es kommt mit sehr wenigen
Kabeln aus. Oft wird bereits in der Steckdose PE und N zusammengeschlossen.
Wenn vom Betriebserder ein extra PE-Leiter abgezweigt und im gesamten Netz
mitgezogen wird, und an diesen alle Körper von Geräten und Anlagen angeschlossen
werden, entsteht ein TN-S-System ("separated").
Wird der PE-Leiter erst im Verlauf des Netzes vom PEN-Leiter abgezweigt, entsteht ein
TN-C-S-System.

Um bei Erdschluss eines Außenleiters den Spannungsanstieg der anderen Leiter und des
Schutzleiters gegen Erde zu begrenzen, soll der Gesamterdungswiderstand des
Betriebserders 2  nicht übersteigen

Im TN - System sind Überstrom-Schutzeinrichtungen zugelassen. Der im Fehlerfall


fließende Strom muss das vorgeschaltete Schutzgerät innerhalb der vorgeschriebenen Zeit
(siehe Tabelle 1) zum Ausschalten bringen.

Die Kennwerte der Schutzeinrichtungen und Stromkreisimpedanzen müssen die folgende


Anforderung erfüllen:
Zs * Ia  Uo

ZS ... Impedanz der Fehlerschleife, bestehend aus:


- der Stromquelle,
- dem Außenleiter bis zum Fehlerort und
- dem Schutzleiter zwischen Fehlerort und Stromquelle
Ia ... Strom, der das automatische Abschalten innerhalb der vorgegebenen Zeit
(siehe Tabelle 2) bewirkt;
U0 ... Nennspannung Außenleiter gegen Erde

Wird diese Forderung nicht erfüllt, so muss ein zusätzlicher Schutzpotentialausgleich


eingebaut werden, der das Bestehen bleiben einer zu hohen Berührungsspannung
verhindert.

Die Verwendung von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) in TN-Systemen ist nur


bei TN-S-Systemen uneingeschränkt möglich Der RCD dient immer nur als Zusatzschutz.
Der Stromkreis muss zugleich durch eine Überstrom-Sicherung geschützt sein.
Wenn in TN-C-S-Systemen ein RCD verwendet wird, so darf auf der Lastseite kein PEN-
Leiter verwendet werden. Die Verbindung des Schutzleiters mit dem PEN-Leiter muss auf
der Versorgungsseite des RCD hergestellt werden!
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3.6. Schutzmaßnahmen im TT - System

Die wichtigste Voraussetzung für die Funktion der Schutzmaßnahmen im TT-System ist
einerseits die zuverlässige und wirksame Verbindung des Neutral- oder Mittelpunktes
(Sternpunkt) des Versorgungssystems mit der Erde (Betriebserder) und andererseits der
Anschluss aller Körper, die gemeinsam durch dieselbe Schutzeinrichtung geschützt
werden, müssen durch Schutzleiter an einen anderen (gemeinsamen) Erder
(Anlagenerder). Zwischen beiden Erdern befindet sich hierbei nur das vorhandene
Erdreich. Dessen Leitfähigkeit ist stark abhängig von den jeweiligen
Umgebungsbedingungen.

In TT-Systemen sind im Allgemeinen Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) zu


verwenden. Dazu müssen die folgenden Bedingungen erfüllt sein:

RA * IN  UL

RA ... Summe der Widerstände des Erders und des Schutzleiters der Körper in 
(wenn nicht bekannt, darf er durch Zs ersetzt werden)
IN ... Bemessungsdifferenzstrom der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) in A
UL ... zulässige Berührungsspannung, d.h. 50 V

Der Fehlerschutz (bei indirektem Berühren) ist in diesem Fall auch bei nicht
vernachlässigbarer Fehlerimpedanz gegeben.

Des Weiteren sind im TT - System Überstromschutzeinrichtungen zugelassen.


Die Voraussetzung für deren Funktion ist, dass dauerhaft und zuverlässig ein geeigneter
niedriger Wert von Zs sichergestellt werden kann.

Zs ist hier die Impedanz der Fehlerschleife und besteht aus:

- der Stromquelle
- dem Außenleiter bis zum Fehlerort
- dem Schutzleiter der Körper und dem Erdungsleiter
- dem Anlagenerder und dem Erder der Stromquelle

Die Berechnung kann analog der beim TN-System erfolgen.


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4 Vorbereitungsfragen

1 Erläutern Sie die vier Gefährdungsbereiche von technischem Wechselstrom!

2 Erklären Sie die Begriffe: aktive Teile, fremde leitfähige Teile, Körper und
elektrischer Schlag!

3 Erklären Sie die folgenden Fehlerarten: Kurzschluss, Körperschluss, Leiterschluss,


Isolationsfehler!

4 Was ist bei der Dimensionierung eines Netzes (Leiterquerschnitte, Festlegung von
Nennströmen von Sicherungen und Leitungsschutzschaltern) in Hinblick auf die
zulässigen Abschaltzeiten zu beachten?

5 Unter welchen Bedingungen ist der Einsatz von RCD im TN - C - System möglich?

5 Literatur

/1/ DIN VDE 0100 – 410 (VDE 0100-410):2007-06; (IEC 60364-4-41:2005, modifiziert)
Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz
gegen elektrischen Schlag

/2/ DIN VDE 0100 – 540 (VDE0100-540):2012-06; (IEC 60364-6, modifiziert)


Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Auswahl und Errichtung
elektrischer Betriebsmittel – Erdungsanlagen und Schutzleiter

/3/ DIN VDE 0100 – 600 (VDE0100-600):2008-06; (IEC 60364-5-54:2011)


Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Prüfungen

/4/ DIN VDE 0701 - 0702 (VDE 0701-0702):2008-06


Prüfung und Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte – Wiederholungsprüfung
elektrischer Geräte – Allgemeine Anforderungen für die elektrische Sicherheit

/5/ Hösl, Alfred:


Die neuzeitliche und vorschriftsmäßige Elektroinstallation: Wohnungsbau / Gewerbe
/ Industrie von Alfred Hösl und Roland Ayx.-18. neu bearbeitete. Auflage.-
Heidelberg: Hüthig 2003

/6/ Karnowsky, Jürgen:


Prüfungen der Schutzmaßnahmen: Erstprüfungen nach DIN VDE 0100 Teil 600 u.
Wiederholungsprüfungen / Jürgen Karnowsky; Uwe Konika; Dieter Vogt- 3. Aufl.-
Berlin; Offenbach: vde -verlag 1988

/7/ Kiefer, Gerhard:


VDE 0100 und die Praxis/Gerhard Kiefer 15. Aufl.- Berlin; Offenbach: VDE - Verlag
2014

/8/ Unfallverhütungsvorschrift BGV A3 / DGUV Vorschrift 3


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6 VERSUCHSAUFGABEN

Allgemeine Regeln für die Inbetriebnahme jedes Teilversuchs:


- Die Schaltung darf nur bei ausgeschalteter Stromversorgung aufgebaut werden
- Vor dem Einschalten ist ggf. der ausgelöste FI- oder Leitungsschutz zurückzusetzen
- Am Leitungsschutzschalter steht in diesem Fall der schwarz-roten Taster ca. 1 cm heraus
- Diesen sehr vorsichtig drücken, nach thermischer Auslösung muss er ggf. erst abkühlen!
- Bei den Messgeräten vor dem Anstecken der Kabel den richtigen Messbereich einstellen
- Nach Einschalten (Netzversorgung-grüner Schalter) anhand der angezeigten Messwerte
Netzspannung UN und Gesamtstrom IL1) die fehlerfreie Funktion der Schaltung überprüfen
- Die Fehlerbrücken sollten erst nach dem Einschalten gesteckt werden, und bitte zügig,
- Bei ersten Anzeichen der thermischen Auslösung des LS (leises Brummen) muss der Test
zügig beendet und sofort abgeschaltet werden (zur Vermeidung einer Geräteüberhitzung).

Erforderliche Geräte-Grundausstattung:
LD-Grundgerät "Netzversorgung" (wahlweise mit Vorhängeplatten z.B. TT, TN-S)
LD-Grundgerät Verbraucher „Glühlampe“ ( 15 W, mit Vorhängeplatten 2, 3, 4,)
LD-Geräteplatte „Modellmensch“ mit einem Körperwiderstand RM von 750 Ω
optional LD-Geräteplatte „FI-Schutzschalter“ (IN = 30 mA).
„Metrahit“-Multimeter ( 5 Geräte) auf Trägerplatten

Aufgabe 6.1: Indirektes Berühren bei einem geerdeten Netz

- Erforderliche Geräte-Zusatzausstattung:
Netz-Vorhängeplatte „TT-System“, Verbraucher-Vorsatzplatte „4“

Bauen Sie ein TT-Modellnetz auf. Wählen Sie als Betriebserder-Widerstand RB = 2,2 Ω.
Überbrücken Sie den FI-Schutzschalter, verbinden Sie also das Netz direkt mit dem
Verbraucher. Bei diesem Test lassen Sie den Schutzleiteranschluss am Verbraucherkörper
frei. Verbinden Sie die „Hand“ des Modellmenschens mit dem Körper des Gerätes der
Schutzklasse 1. Verwenden sie als Übergangswiderstand RÜ vorerst 220 Ω (entspricht gut
leitfähigem Untergrund).
Schließen Sie je ein Messgerät zu Überprüfung der Netzspannung UN und des Gesamt-
stromes IL1 an. Schließen Sie weitere Messgeräte zur Messung der Berührungsspannung
UB und des Körperstromes IK an. Achten Sie an allen Messgeräten auf die Auswahl des
richtigen Messbereiches und auf die richtigen Anschlussbuchsen.

Überprüfen Sie Ihre Schaltung anhand des Schaltplanes auf der folgenden Seite.
Nehmen Sie nun die Anlage nach obenstehender Anleitung in Betrieb.
Testen Sie die Schaltung bei verschiedenen Kombinationen von Fehlern und RÜ´s.

Körperschluss bei a (RK = 0,2 ) Körperschluss bei b (RK = 100 )


Rü in k. LS ? UB in V IK in mA Rü in k. LS ? UB in V IK in mA
0,22 0,22
10 10

Tabelle 6.1: Messwerte für Aufgabe 6.1


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Tragen Sie die Messwerte sowie ggf. die Auslösung der LS-Sicherung in die Tabelle ein.

Bewerten Sie anhand der aus der Norm bekannten Grenzwerte von UB und IK und der
gemessenen Werte, welche Gefahren aus dieser Art von Installation entstehen.

Bild 6.1: Schaltung für Aufgabe 6.1 (geerdetes Netz mit Verbraucher)

Zeichnen Sie die Ersatzschaltbilder für Körperschlüsse bei a und bei b.

Bestimmen Sie den Widerstand RV des Verbrauchers. Berechnen sie den Körperstrom IK
und die Berührungsspannung UB für den Körperschluss bei b, wenn RÜ = 220 bzw. 10
k beträgt. Hinweis: Für die Berechnung können RB und RL vernachlässigt werden.

Aufgabe 6.2: Indirektes Berühren im TT-Netz

Stellen Sie durch Verbindung des Verbraucherkörpers mit der Anlagenerdung einen
ordnungsgemäßen Zustand her. Der FI-Schutzschalter bleibt inaktiv. Wählen Sie als
Erdungswiderstand des Anlagen-Erders RA = 1 k. (siehe auch Schaltbild auf der nächsten
Seite)

Wiederholen Sie nun die Messung und tragen Sie die Messwerte in Tabelle 6.2 ein.

Körperschluss bei a (RK = 0,2 ) Körperschluss bei b (RK = 100 )


Rü in k. Sicher. UB in V IK in mA Rü in k. Sicher. UB in V IK in mA
0,22 0,22
10 10

Tabelle 6.2: Messwerte für Aufgabe 6.2 (Verbraucher mit Schutzleiter)

Bewerten Sie das Ergebnis. Warum besteht auch hierbei noch eine Gefährdung?
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Bild 6.2: Schaltung für Aufgabe 6.2 (TT-System und Verbraucher mit Schutzerdung)

Zeichnen Sie das Ersatzschaltbild für den Körperschluss bei b und vergleichen Sie dieses
mit dem von Aufgabe 6.1.

Berechnen Sie für die Schaltung (Körperschluss bei „b“) den Gesamtstrom, wenn RÜ = 220
 beträgt. Für die Berechnung können wieder RB und RL vernachlässigt werden. Bewerten
Sie unter diesem Gesichtspunkt das Verhalten der LS-Sicherung!

Aufgabe 6.3 : Überprüfung der Bemessung des Schutzerders im TT-System

- Erforderliche Geräte-Zusatzausstattung:
LD-Platte „Sonde“ zur Simulation einer Referenz-Erdungssonde
Schutzmaßnahme-Prüfgerät „PG 0100 N“ zur Feststellung des Erder-Widerstandes

Bei diesem Test soll der wirksame Erdungswiderstand gemessen werden.


Entfernen Sie die Verbindung zum Modellmenschen, da dieser die Messwerte verfälschen
könnte. Ergänzen Sie die Schaltung mit der Erdungs-Sonden-Platte. ( RS = 4,7 k).
Stecken Sie Brücken bei „RA“: 1 k und bei „RB“: 4,7.

Hinweis: Eine Sonde wird in der Praxis als Vergleichs-Messpunkt außerhalb des Spannungstrichters
der Erder gesetzt. Überlegen Sie, welche Erdungsanschlüsse in der Realität für die Funktion der
Schutzeinrichtungen überprüft werden müssen und wo bzw. wie diese messtechnisch erreichbar
sind.
Einstellung des PG 0100 N:
- Inbetriebnahme: Kabel herausnehmen, Aufklappen (auf beiden Seiten drücken und zugleich
kippen), Kabel anstecken am Gerät, Violett an GND, schwarz an N, braun an L1
- Wahlschalter auf RE. (Erdungswiderstand). LD-Netzversorgung einschalten.
- "Start"-Taste drücken: das Gerät misst jetzt. Es kompensiert dabei den Sonden-Widerstand.
- Taste „Display“ ggf. mehrfach drücken bis RE angezeigt wird

Messen Sie den Erdungswiderstand des Anlagenerders.


Überprüfen Sie die Einhaltung der zulässigen Berührungsspannung nach der Bedingung für
TT-Netze: RA * Ia  UL
Tragen Sie Ihre Ergebnisse in die Tabelle 6.3 ein und bewerten Sie diese.
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Bild 6.3: Schaltung für Aufgabe 6.4 ( Schutzleiterwiderstandsmessung im TT-SystemL)

Grenzwert Nennwert Istwert Messwert berechnet: Bedingung erfüllt


UL in V IN in mA Ia in mA RA in  UB in V Ja / nein

Tabelle 6.3: Überprüfung der Einhaltung der Bedingung RA * Ia  UL

Aufgabe 6.4: Testmöglichkeiten an einem Fehlerstrom-Schutzschalter

- Test 1: Haushaltsüblicher Test


Schließen Sie den FI-Schutzschalter zwischen Stromversorgung und Verbraucher an.
Führen Sie zuerst den haushaltsüblichen Test des FI - Schutzschalters durch. Tragen Sie
das Testergebnis in die 1. Spalte der Tabelle ein.
Erklären Sie, was bei diesem Test im Schalter vorgeht. Welche Kennwerte muss dieser FI-
Schutzschalter erfüllen? Welche Toleranzbereiche sind zulässig?

- Test 2: Feststellung des genauen Auslösestromes des verwendeten Gerätes


Erforderliche Geräte-Zusatzausstattung:
LD-Platte „FI-Auslösung“ zur Einstellung eines variablen Test-Fehlerstromes
Positionieren Sie die Auslöseplatte neben dem FI-Schutzschalter. Entfernen Sie alles was
den Messwert verfälschen könnte (gesteckte Fehler, Modellmensch). Kontrollieren Sie Ihre
Schaltung mit Hilfe des Bildes 6.4 Bestimmen Sie den Fehlerstrom (IF), bei dem dieser FI-
Schutzschalter auslöst.

Hinweis: zur Bestimmung des Auslösestromes stellen Sie zuerst das Drehpotentiometer auf den
größtmöglichen Widerstandswert (23 k) ein. Stecken Sie anschließend den AC-Anschluss mittels
Brücke bei d. (Anschluss mit Diode bleibt frei) Schalten Sie die Anlage ein. Stellen Sie das
entsprechende Multimeter auf Maximalwerterfassung (Taste Data / Max mehrfach drücken) ein.
Messen Sie den Auslösestrom, indem Sie den Widerstand langsam verkleinern. Entfernen sie „d“
anschließend wieder um die Auslöseschaltung zu deaktivieren
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Bild 6.4: Schaltung zum Test des Fehlerstrom-Schutzschalters im TT-System

- Test 3: Feststellung der Auslöse- bzw. Abschaltzeit dieses RCD´s

Erforderliche Geräte-Zusatzausstattung:
Schutzmaßnahme-Prüfgerät „PG 0100 N“ zur Feststellung der Abschaltzeit

- Bestimmen Sie die Auslösezeit des FI - Schutzschalters mittels PG 0100 N


- Anschluss nach der am Gerät angebrachten Skizze bzw. den unten aufgeführten
Hinweisen.
- Kontrollieren Sie, ob der untersuchte FI - Schutzschalter den vorgeschriebenen
Anforderungen genügt.
Überlegen Sie von welchen Faktoren die Auslösezeit noch abhängig sein könnte.

getestete Funktion Abschaltung Auslösestrom in mA Auslösezeit in ms


benutztes Gerät FI-Test-Taster Stromregler / Multimeter PG 0100 N
Ergebnis bzw. Messwert
ggf. Sollwert
Bewertung

Tabelle 6.4: Messergebnisse zum Test des Fehlerstromschutzschalters

Einstellung des PG 0100 N für die Auslösezeit


- Gerät in Betrieb nehmen , 3-poligen Stecker an Gerät anstecken
- Kabel mit Messaufbau verbinden: Violett an GND, schwarz an N, braun an L1
- Wahlschalter auf FI: 30 mA; schaltet Gerät an, Displaytest
- Netzversorgung einschalten: LS-Sicherung, Ein-Schalter, FI - Rücksetzschalter
- "Start" drücken: das Gerät testet ob die richtige Spannung anliegt
- Das Gerät erzeugt einen ansteigenden Fehlerstrom bis zur Auslösung
- zuerst wird UB angezeigt; mittels "Display"-Taste die anderen Messgrößen anzeigen lassen
- es folgen RS und als letztes tA (= Auslösezeit)
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Aufgabe 6.5 : Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen bei Fehlern im TT-Netz

Entfernen Sie die zusätzlichen Geräte und bauen Sie wieder die Grundschaltung (mit
überbrücktem FI-Schutzschalter) auf. Kontrollieren Sie die Schaltung mit Hilfe von Bild 6.5.
Nehmen Sie die Anlage in Betrieb.

Stecken / entfernen sie die jeweiligen Brücken für Körperschlüsse und Leitungsunter-
brechungen nach Tabelle (a, b, c, d).

- Messen Sie UB, IK und den Schutzleiter-Ableitstrom IRA zunächst mit überbrücktem
RCD-Schalter.
- Tragen Sie die Werte in die Tabellen 5a und 5b ein. Notieren Sie bei „LS“ bzw. "LS/FI"
ob die Leitungsschutzsicherung oder der FI-Schutzschalter ausgelöst hat.

Schaltung ohne RCD, Rü = 0,22 k RB = 4,7 , RA = 1 k

Körperschluss bei a (RK = 0,2 ) Körperschluss bei b (RK = 100 )


Unterbrech. LS UB in V IK in mA IRA in mA LS UB in V IK in mA IRA / mA
-
c (N-Leiter
d (PE-Leiter)
c+d

Tabelle 6.5a: Messwerte bei Fehlern im TT – System ohne Einsatz eines RCD

Schalten Sie jetzt den FI - Schutzschalter zusätzlich in den Stromkreis ein.

Schaltung mit RCD, Rü = 0,22 k, RB = 4,7 , RA = 1 k

Körperschluss bei a (RK = 0,2 ) Körperschluss bei b (RK = 100 )


Unterbrech. LS / FI UB in V IK in mA IRA / mA LS / FI UB in V IK in mA IRA / mA
-
c (N-Leiter
d (PE-Leiter)
c+d

Tabelle 6.5b: Messwerte bei Fehlern im TT - System bei Einsatz eines RCD
17

Bild 6.5 : Schaltung für Aufgabe 5 (Fehler und Schutzgeräte im TT - System)

Aufgabe 6.6 : TN-C-System

- Erforderliche Geräte-Zusatzausstattung:
Netz-Vorsatzplatte „TN-C-Netz“
Vorsatzplatte „Verbraucher 3“

Bauen Sie die Grundschaltung auf, (FI-Schutz überbrücken). Kontrollieren Sie diese durch
Vergleich mit Bild 6.6 (RB = 4,7 ).

Nehmen Sie die Anlage in Betrieb.


Führen Sie zuerst eine Messung laut Tabelle 6.6a mit den üblichen Körperschlüssen und
Übergangswiderständen durch und notieren Sie die Werte. Vergleichen Sie das Ergebnis
mit denen des TT-Netzes (Tabelle 6.2).

Körperschluss bei a (RK = 0,2 ) Körperschluss bei b (RK = 0 )


Rü in k. LS UB in V IK in mA Rü in k. LS UB in V IK in mA
0,22 0,22
10 10

Tabelle 6.6a: Messwerte für Aufgabe 6.6 ( TN-C - System)

Simulieren Sie nun den Ausfall des PEN-Leiters (in der Nähe der Einspeisung) und dann
das Vertauschen des Leiters L1 mit dem PEN-Leiter!
Überprüfen Sie zuerst, ob bei diesen Fehlern bereits ohne Körperschluss eine Gefährdung
auftritt! (Rü = 220 ) Notieren Sie die Ergebnisse in Tabelle 6.6b.
18

ohne Körperschluss
Fehler LS UB in V IK in mA
c (PEN unterbrochen)
x (L/PEN vertauscht)

Tabelle 6.6b: Messwerte für ein fehlerhaftes TN-C-System

Was bedeutet dieses Ergebnis für die Sicherheit des TN-C-Systems?

Erzeugen Sie jetzt zusätzlich Körperschlüsse bei a und b.


Notieren Sie die Messwerte in der Tabelle 6.6c.

Körperschluss bei a (RK = 0,2 ) Körperschluss bei b (RK = 0 )


Fehler Rü in k. LS UB in V IK in mA Rü in k. LS. UB in V IK in mA
0,22 0,22
c (PEN
unterbrochen) 10 10
x (L / PEN 0,22 0,22
vertauscht)
10 10

Tabelle 6.6c: Fehler und Körperschlüsse im TN-C - System

Überlegen Sie, ob und wie hier ein FI-Schutzschalter oder eine andere Sicherung Abhilfe
schaffen könnte.

Bild 6.6: Schaltung für Aufgabe 6.6 (TN - C - System)


19

Aufgabe 6.7: TN-S-System

- Erforderliche Geräte-Zusatzausstattung:
Netz-Vorsatzplatte „TN-S-Netz“
Vorsatzplatte „Verbraucher 2“

Kontrollieren Sie den Aufbau mit Hilfe der Schaltung in Bild 6.7 (RB = 2,2 ).
Nehmen Sie die Anlage in Betrieb.
Messen Sie UB und IK beim jeweiligen Übergangswiderstand RÜ mit / ohne RCD und
tragen Sie die Werte in die Tabelle 6.7a/b ein. Vergleichen Sie das Ergebnis mit dem der
anderen Netzkonfigurationen.

Schaltung ohne RCD

Körperschluss bei a (RK = 0,2 ) Körperschluss bei b (RK = 0 )


Rü in k. LS UB in V IK in mA Rü in k. LS UB in V IK in mA
0,22 0,22
10 10

Tabelle 6.7a: Messwerte eines TN-S-Systems ohne RCD

Schaltung mit RCD

Körperschluss bei a (RK = 0,2 ) Körperschluss bei b (RK = 0 )


Rü in k. LS / FI UB in V IK in mA Rü in k. LS / FI UB in V IK in mA
0,22 0,22
10 10

Tabelle 6.7b: Messwerte für ein TN-S-System mit RCD

Unterbrechen Sie nach Tabelle 7c und 7d den Leiter an den angegebenen Stellen und
stecken Sie danach den Körperschluss-Fehler.

Schaltung ohne RCD, Rü = 0,22 k

Körperschluss bei a (RK = 0,2 ) Körperschluss bei b (RK = 0 )


Unterbrech. LS UB in V IK in mA LS UB in V IK in mA
-
c (N-Leiter)
d (PE-Leiter)
c+d
e (B.-Erder)
d+e

Tabelle 6.7c: Messwerte für Fehler und Körperschlüsse im TN-S-System ohne RCD
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Schalten Sie jetzt den FI - Schutzschalter zusätzlich in den Stromkreis ein.

Schaltung mit RCD, Körperschluss bei a (Rü = 0,22 k)

Körperschluss bei a (RK = 0,2 ) Körperschluss bei b (RK = 0 )


Unterbrech. RCD LS UB in V IK in mA RCD LS UB in V IK in mA
-
c (N-Leiter)
d (PE-Leiter)
c+d
e (B.-Erder)
d+e

Tabelle 6.7d: Messwerte für Fehler und Körperschlüsse im TN-S-System mit RCD

Bild 6.7: Schaltung für Körperschlüsse und Leitungsunterbrechungen im TN-S-System


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Aufgabe 6.8 : TN-C-S - System

- Erforderliche Geräte-Zusatzausstattung:
Netz-Vorsatzplatte „TN-C-S-Netz“
Gerät „Verbraucher 6“ (mit Glühlampe 25 W) ohne Vorsatzplatte

Bauen Sie die Grundschaltung auf. (FI-Schutzschalter zuerst überbrücken)


Kontrollieren Sie den Aufbau mit Hilfe der Schaltung in Bild 6.8.

Nehmen Sie die Anlage in Betrieb. (RB = 2,2  , RA = 1k  )


Realisieren Sie zuerst die Leitungsunterbrechungen “keine“, „c“, „d“, „e“, „f“ nach Tabelle.
Stecken Sie dann die Brücken für die Körperschlüsse bei „a“ und „b“. Messen Sie UB und
IK beim jeweiligen Fehlerzustand und tragen Sie die Werte bzw. die Auslösung von der
Leitungsschutzsicherung (LS) in die Tabelle 6.8a ein. Vergleichen Sie das Ergebnis mit
dem der anderen Netzkonfigurationen.

Schaltung ohne RCD, Rü = 0,22 k

Körperschluss bei a (RK = 0,2 ) Körperschluss bei b (RK = 0 )


Unterbrech. LS UB in V IK in mA LS UB in V IK in mA
keine
c (PE)
d (N)
e (PEN)
f (PE-RA)

Tabelle 6.8a: Messwerte für Aufgabe 6.8 (TN-C-S-System ohne RCD)

Schalten Sie jetzt den FI - Schutzschalter zusätzlich in den Stromkreis ein.


Messen Sie UB und IK beim jeweiligen Fehlerzustand und tragen Sie die Werte bzw. die
Auslösung von LS oder FI in die Tabelle 8b ein.
Schaltung mit RCD, Rü = 0,22 k

Körperschluss bei a (RK = 0,2 ) Körperschluss bei b (RK = 0 )


Unterbrech. RCD LS UB in V IK in mA RCD LS UB in V IK in mA
keine
c (PE)
d (N)
e (PEN)
f (PE-RA)

Tabelle 6.8b: Messwerte für Aufgabe 6.8 (TN-C-S-System mit RCD)


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Bild 6.8: (Körperschlüsse und Leitungsunterbrechungen im TN - C - S - System)

Vergleichen Sie nochmals alle Ergebnisse bezüglich der Sicherheit der hier
betrachteten Systeme:

- erreichbarer Schutz auch beim Auftreten von Mehrfachfehlern

- Möglichkeit durch Unachtsamkeit oder äußere Einflüsse Gefährdungen zu


verursachen

- Unterschiede beim Aufwand für die Installation und Wartung der Systeme