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Schweißen unlegierter und

niedriglegierter Baustähle
Merkblatt 381
Merkblatt 381

Wirtschaftsvereinigung Stahl Impressum

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl ist Expertise für die Merkblatt 381


der wirtschafts­ politische Verband Mitgliedsunternehmen „Schweißen unlegierter und
der Stahlindustrie in Deutschland Austausch fachlicher Expertise in niedriglegierter Baustähle“
mit Sitz in Düsseldorf und Büros Ausschüssen und Gremien ist ein Ausgabe 2017
in Berlin und Brüssel. Der Verband weiteres Ziel der Wirtschaftsvereini­ ISSN 0175-2006
vertritt die branchenpolitischen Inter­ gung Stahl.
essen der in Deutschland ansässigen Herausgeber
Stahlproduzenten und assoziierter National und international Wirtschaftsvereinigung Stahl
ausländischer Mitgliedsunterneh­ vernetzt Marketing
men gegenüber Politik, Wirtschaft Durch die Mitgliedschaften im Bundes­ Postfach 105464
und Öffentlichkeit. Die wichtigsten verband der Deutschen Industrie (BDI), 40045 Düsseldorf
Aufgaben sind: im europäischen Stahlverband EURO­
FER und im Welt-Stahlverband World Autoren
Das wirtschaftspolitische Umfeld Steel Association werden die Interessen Prof. Dr.-Ing. Uwe Reisgen,
mitgestalten der Mitgliedsunternehmen national wie Dr.-Ing. Lars Stein
Zentrales Anliegen ist es, ein wirt­ auch international vertreten. Institut für Schweißtechnik und
schaftspolitisches Umfeld zu er­ Fügetechnik (ISF)
möglichen, das die internationale Marketing für Stahlanwendungen der RWTH Aachen
Wett­bewerbsfähigkeit der Stahlun­ Markt- und anwendungsorientiert wer­
ternehmen in Deutschland auch in den firmenneutrale Informationen über Redaktion
Zukunft sichert. Verarbeitung und Einsatz des Werk­ Fachausschuss für unlegierte Bau­
stoffs Stahl bereitgestellt. Publikatio­ stähle im Werkstoffausschuss des
Aufmerksamkeit schaffen, nen bieten ein breites Spektrum pra­ Stahlinstituts VDEh in Kooperation
Meinungen bilden xisnaher Hinweise für Konstruk­teure, mit der Wirtschaftsvereinigung Stahl
Die Wirtschaftsvereinigung Stahl Entwickler, Planer und Verarbeiter von
vertritt die Interessen der Mitglieds­ Stahl. Sie werden auch in Ausbildung Die dieser Veröffentlichung zugrun­
unternehmen gegenüber politischen und Lehre eingesetzt. Vortragsveran­ de liegenden Informationen wurden
Entscheidungsträgern, Behörden, staltungen schaffen ein Forum für mit größter Sorgfalt recherchiert und
anderen wirtschaftlichen Branchen Erfahrungsberichte aus der Praxis. redaktionell bearbeitet. Eine Haftung
sowie der Öffentlichkeit und den Messen und Ausstellungen dienen der ist jedoch ausgeschlossen.
Medien. Präsentation neuer Werkstoffentwick­
lungen und innovativer, zukunftswei­ Ein Nachdruck – auch auszugsweise –
Bündelung wirtschaftlicher sender Stahlanwendungen. Alle drei ist nur mit schriftlicher Genehmigung
Interessen Jahre wird der Stahl-Innovationspreis des Herausgebers und bei deutlicher
Die Mitgliedsunternehmen haben (www.stahl-innovationspreis.de) aus­ Quellenangabe gestattet.
gemeinsame Ziele. Diese gilt es zu gelobt. Er ist einer der bedeutendsten
bündeln und mit einer Stimme an die Wettbewerbe seiner Art und zeichnet Titelbild
Politik zu richten. besonders innovative Stahlanwendun­ Schutzgasschweißen einer
gen aus. Kehlnaht am T-Stoß

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Schweißen unlegierter und niedriglegierter Baustähle

Inhalt

1 Einführung.............................  4 5 Festlegung von


Schweißparametern...........  17

2 Systematik 5.1 Abschätzung der


schweißgeeigneter Abkühlung im
Baustähle...............................  4 Schweißnahtbereich..............  17
5.2 Vorhersage mechanischer
 .1 Baustähle im Walzzustand.......  4
2 Eigenschaften aus dem
2.2 Wärmebehandelte Abkühlungsverlauf.................  21
Baustähle................................... 5 5.3 Vorhersage beim
2.2.1 Normalgeglühte/ Schweißen entstehender
normalisierend gewalzte Eigenspannungen
schweißgeeignete und Verzüge..........................  21
Baustähle.............................  5 5.4 Software................................  22
2.2.2 Thermomechanisch 5.5 Festlegung
gewalzte schweißgeeignete angemessener
Feinkornbaustähle................  5 Schweißbedingungen............  22
2.2.3 Stähle mit höherer 5.6 Beispiel für die
Streckgrenze im Ermittlung von
vergüteten Zustand...............  5 Schweißbedingungen............  23

3 Schweißen von 6 Prüfung von


Baustählen.............................  6 Schweißverbindungen........  24

3.1 Schweißverfahren....................  6 6.1 Prüfverfahren.........................  24


3.1.1 Lichtbogenschweiß- 6.1.1 Sichtprüfung.......................  24
­verfahren..............................  6 6.1.2 Ultraschallprüfung...............  24
3.1.2 Strahlschweißverfahren.........  9 6.1.3 Durchstrahlungsprüfung.....  26
3.1.3 Sonstige.............................  10 6.1.4 Farbeindringprüfung...........  26
3.2 Schweißnahtvorbereitung......  11 6.1.5 Magnetpulverprüfung..........  26
3.3 Schweißzusatzwerkstoffe.......  11 6.2 Ungänzen und Fehler in
Schweißverbindungen...........  26
6.2.1 Heißrisse ...........................  26
4 Einfluss der 6.2.2 Kaltrisse .............................  27
Schweißbedingungen
auf die mechanischen 7 Wirtschaftliche
Eigenschaften von Gesichtspunkte
Schweißverbindungen........  13 beim Schweißen..................  27

4.1 Schweißeignung von
Stählen..................................  13 8 Quellennachweis.................  29
4.1.1 Kohlenstoffäquivalent..........  14
4.2 Umwandlungsvorgänge im 9 Normen und
Schweißnahtbereich..............  14 Regelwerke.........................  29
4.3 Eigenspannungsentstehung
und Verzug............................  15
4.4 Anforderungen an
Schweißverbindungen...........  16

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Merkblatt 381

1 Einführung Unlegierte Baustähle S185, S235, S275, DIN EN 10025-2


S355, S450,
Baustähle werden in vielfältigen E295, E335, E360
Anwendungen des Bauwesens und
Normalgeglühte/normalisierend S275, S355, S420, DIN EN 10025-3
Maschinenbaus zur Realisierung
gewalzte schweißgeeignete S460
tragender Strukturen eingesetzt. Sie
Feinkornbaustähle
sind in einer Vielzahl von Erzeugnis-
formen und Festigkeitsklassen er- Thermomechanisch S275, S355, S420, DIN EN 10025-4
hältlich. gewalzte schweißgeeignete S460
Wichtigstes Fügeverfahren, Feinkornbaustähle
sowohl bei der Vorfertigung in der Wetterfeste Baustähle S255, S355 DIN EN 10025-5
Werkstatt als auch auf der Baustelle Flacherzeugnisse aus Stählen S460, S500, S550, DIN EN 10025-6
ist – neben dem Schrauben, das fast mit höherer Streckgrenze im S620, S690, S890,
ausschließlich bei der Montage zur vergüteten Zustand S960
Anwendung kommt – das Schwei-
ßen, Abb. 1. Grund hierfür sind die Tabelle 1: Stahlsorten (Streckgrenzenklassen) gemäß DIN EN 10025
erzielbaren Festigkeiten und die hohe „Warmgewalzte Erzeugnisse aus Baustählen“
Zuverlässigkeit der Verbindungen
bei vergleichsweise geringen Fer-
tigungskosten. Anforderungen an technischen Hintergründen bereitzu- hinsichtlich ihrer Anforderungen spe-
den Werkstoff sind hierfür neben stellen und zu erläutern. Es richtet zifiziert sind, Tabelle 1.
mechanischer Festigkeit, guter Duk- sich vorwiegend an Konstrukteure Für besondere Einsatzzwecke
tilität und Zähigkeit eine chemische und Fertigungsfachleute, kann aber stehen zudem weitere schweißge-
Zusammensetzung, die diese Eigen- auch zur Ausbildung in technischen eignete Baustahlsorten zur Verfü-
schaften auch unter dem Einfluss Studiengängen genutzt werden. gung, deren Anforderungen – zum
der Schweißwärme weitestgehend Teil neben anderen, höherlegierten
sicherstellt. Baustähle erfüllen diese Stahlsorten – in den in Tabelle  2
unter dem Begriff „Schweißeignung“ 2 Systematik aufgeführten Normen festgelegt sind.
zusammengefassten Eigenschaften schweißgeeigneter Die speziellen Eigenschaften der
in hervorragender Weise, so dass ihr Baustähle schweißgeeigneten Baustähle kön-
Einsatz in vielen Anwendungsregel- nen auf sehr unterschiedliche Art
werken zugelassen ist. Schweißgeeignete Baustähle und Weise erreicht werden. In der
Ziel des vorliegenden Merkblatts im Sinne dieses Merkblatts sind modernen Stahlproduktion werden
ist es, das für die schweißtechnische vor allem Stähle für warmgewalzte Legierungstechnik sowie gezielte
Verarbeitung dieser Stahlgruppe Flach- und Langerzeugnisse, wie sie Wärmebehandlung in Kombination
notwendige Basiswissen mit seinen in den Teilen 2 bis 6 der DIN EN 10025 mit der Umformung durch Walzen
angewendet, um Gefüge einzustel-
len, die die gewünschte Kombination
von Festigkeit, Zähigkeit und Verar-
beitungseigenschaften aufweisen.
Die Art der Herstellung (vergl.
hierzu auch [1]) beeinflusst in erheb-
lichem Maße die schweißtechnische
Verarbeitung, und wird daher im
Kapitel 4 „Einfluss der Schweißbe-
dingungen auf die mechanischen
Eigenschaften von Schweißver-
bindungen“ als Grundlage für die
Ermittlung der Schweißparameter
herangezogen.

2.1 Baustähle im Walzzustand

Bei den Baustählen im Walzzu-


stand handelt es sich um schweißge-
eignete Stahlsorten mit Massenantei-
len von maximal 0,25 % Kohlenstoff
Abb. 1: Baustellenschweißung eines Stahltragwerks und höchstens 1,8 % Mangan.

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Schweißen unlegierter und niedriglegierter Baustähle

Die Gebrauchs- und Festigkeits­ Aufhärtung. Das Fenster der mög- dies zu einem besonders feinkörni-
eigenschaften dieser Gruppe von lichen Abkühlgeschwindigkeiten ist gen Gefüge, wodurch der Stahl bei
Bau­stählen resultieren aus der Le- meist kleiner als bei nicht wärmebe- hoher Festigkeit gleichzeitig gute
gierungszusammensetzung und dem handelten Stählen. Die Auswahl der Zähigkeitseigenschaften aufweist.
beim konventionellen Warmwalzen Schweißparameter orientiert sich in Durch die Schweißwärme verän-
entstehenden Gefüge. Maßgebliche der Regel an der Erfüllung der me- derte thermomechanisch erzeugte
Elemente sind Kohlenstoff und Man­ chanisch-technologischen Anforde- Gefüge lassen sich wegen der für
gan. Darüber hinaus können sogenann­ rungen in der Wärmeeinflusszone der ihre Entstehung notwendigen Ma-
te Mikrolegierungselemente wie Niob, Schweißnaht. terialverformung nicht durch eine
Vanadium, Titan und auch Aluminium nachfolgende Wärmebehandlung
zugesetzt werden. Die Eigenschaften wieder herstellen.
stellen sich ohne besondere Walz- und 2.2.1 Normalgeglühte/ Thermomechanisch gewalzte
Wärmebehandlungsbedingungen wie normalisierend gewalzte schweißgeeignete Feinkornbaustähle
thermo­mechanisches oder normalisie- schweißgeeignete Baustähle werden durch den Zusatz M bzw. ML
rendes Walzen ein. gekennzeichnet.
Stähle dieser Art sind in der Regel Durch Normalglühen bzw. äqui-
gutmütig bei der schweißtechnischen valentes normalisierendes Walzen
Verarbeitung. Abhängig von ihrer Le- werden mögliche Gefügeinhomo- 2.2.3 Stähle mit höherer
gierungszusammensetzung können genitäten nach dem Warmwalzen Streckgrenze im vergüteten
sie insbesondere bei hohem Koh- ausgeglichen und ein homogenes, Zustand
lenstoffgehalt und hohem Kohlen- feinkörniges Gefüge erzeugt. Dieses
stoffäquivalentwert bei zu schneller kann durch die Schweißwärme be- Vergüten ist eine kombinierte
Abkühlung aus der Schweißwärme einträchtigt, jedoch durch anschlie- Wärmebehandlung aus Härten und
heraus zu unerwünschter Aufhärtung ßendes Normalglühen mit geeigneten anschließendem Anlassen. Beim
in der wärmebeeinflussten Zone Parametern gegebenenfalls wieder Härtevorgang wird die diffusions-
neigen. Zu langsame Abkühlung hergestellt werden. gesteuerte Ferritumwandlung durch
führt zur Kornvergröberung in der Normalgeglühte/normalisierend schnelles Abkühlen verhindert. Der
Wärmeeinflusszone und damit zum gewalzte, schweißgeeignete Bau­ entstehende Martensit oder Bainit
Verlust an Zähigkeit. Das Fenster von stähle sind an dem Zusatz N bzw. verleiht dem Stahl höchste Festig-
Abkühlgeschwindigkeiten, die gute NL in ihrem Kurznamen erkennbar. keit bei meist unerwünscht niedriger
mechanische und technologische Ei- Duktilität und Zähigkeit. Während der
genschaften hervorrufen, ist jedoch nachgeschalteten Anlassbehandlung
vergleichsweise weit. Die Auswahl 2.2.2 Thermomechanisch kommt es zur Kohlenstoffdiffusion
der Schweißbedingungen orientiert gewalzte schweißgeeignete und infolge dessen zur Karbidbil-
sich in der Regel an der Vermeidung Feinkornbaustähle dung, die eine deutliche Verbesse-
unerwünschter Aufhärtung. rung der Zähigkeitseigenschaften
Baustähle im Walzzustand sind Beim thermomechanischen bei Abnahme der Festigkeit mit sich
durch den Zusatz AR in ihrem Kurz- Walzen erfolgt der letzte Warmwalz- bringt. Vergütete Feinkornbaustähle
namen gekennzeichnet. schritt bei vergleichsweise niedri- zeichnen sich durch ein feinstruktu-
gen Temperaturen. Bei geeigneter riertes Gefüge mit martensitischen
Legierungszusammensetzung führt und/oder bainitschen Gefügebe-
2.2 Wärmebehandelte Baustähle

Eine weitere Methode zur Erzie-


lung der mechanisch-technologi- Flacherzeugnisse aus Druckbehälterstählen DIN EN 10028
schen Eigenschaften ist die definierte Warmgewalzte Flacherzeugnisse aus Stählen mit DIN EN 10149
Einstellung von Gefügen mittels Wär- hoher Streckgrenze zum Kaltumformen
mebehandlung während oder nach Warmgefertigte Hohlprofile für den Stahlbau aus DIN EN 10210
dem Walzprozess. Die Legierung ist unlegierten Baustählen und aus Feinkornbaustählen
auf die jeweilige Wärmebehandlung
abgestimmt. Nahtlose Stahlrohre für Druckbeanspruchungen DIN EN10216
Schweißen beeinflusst dieses Kaltgefertigte geschweißte Hohlprofile für den DIN EN 10219
gezielt eingestellte Gefüge. Zu ge- Stahlbau aus unlegierten Baustählen und aus
ringe Abkühlraten verändern den Feinkornbaustählen
Wärmebehandlungszustand in Schweißgeeignete Baustähle für feststehende DIN EN 10225
der Wärmeeinflusszone ungünstig Offshore-Konstruktionen
und führen in der Regel zu uner-
Warmgewalzte Spundbohlen aus unlegierten Stählen DIN EN 10248
wünschtem groben Korn. Zu hohe
Abkühlgeschwindigkeiten führen zur Tabelle 2: Erzeugnisse aus Baustählen für besondere Einsatzzwecke

5
Merkblatt 381

standteilen aus. Auch dieser Wär-


mebehandlungszustand wird durch Drahtelektrode und
die Schweißwärme irreversibel ver- Drahtvorschubeinheit
ändert.
Stähle mit höherer Streckgrenze
+
im vergüteten Zustand sind mit dem Gasdüse
Zusatz Q bzw. QL gekennzeichnet. U

Schutzgasversorgung -
I

Schweißenergie-
3 Schweißen von quelle
Baustählen Schutzgasabdeckung
Lichtbogen

3.1 Schweißverfahren

Baustähle im Sinne dieses Schweißraupe Schmelzbad


Merkblattes können mit nahezu
allen gängigen Schweißverfahren
verarbeitet werden. Im Folgenden Abb. 2: Prinzip des Metall-Schutzgasschweißens [2]
werden die wichtigsten Verfahren
für Stahlwerkstoffe und typische
Blechdicken warmgewalzter Flach- Stromquellenregelung eine Anpas- dicken sind mithilfe der Mehrlagen-
und Langerzeugnisse vorgestellt. sung von Abschmelzleistung und technik verarbeitbar.
Ergänzende Informationen – auch Streckenenergie an Grundwerkstoff
zu weiteren Verfahren – können der und Schweißaufgabe in weitem Rah- Unterpulverschweißen
einschlägigen Fachliteratur, z. B. [2], men ermöglichen. Beim Unterpulverschweißen (UP-­
entnommen werden. Das MSG-Schweißen stellt Schweißen) wird eine endlose Draht­
wegen seiner teilmechanisierten elektrode, die den Zusatzwerkstoff
Arbeitsweise ein produktives Verfah- liefert und typischerweise einen
3.1.1 Lichtbogenschweißverfahren ren zum Fügen von Baustählen dar, Durchmesser von 3,2 bis 4 mm
Abb. 3, das sich darüber hinaus auch aufweist, unter einer Schicht aus
Metall-Schutzgasschweißen gut automatisieren lässt. Schweißpulver unter der Wirkung
Das Metall-Schutzgasschweißen Nach aktuellem Stand der Tech- eines Lichtbogens abgeschmolzen,
(MSG-Schweißen) ist ein Lichtbo- nik sind Blechdicken bis ca. 8 mm Abb. 4. Das Schweißpulver wird durch
genschweißverfahren, bei dem ein als V-Naht oder als Kehlnaht in einer den Lichtbogen aufgeschmolzen und
elektrischer Lichtbogen zwischen ei- Lage verschweißbar. Größere Blech- erfüllt dabei die folgenden Aufgaben:
ner abschmelzenden, kontinuierlich
nachgeförderten endlosen Draht­
elektrode, die den Zusatzwerkstoff
liefert, und dem Grundwerkstoff
brennt. Zum Schutz der Schweiß-
stelle vor dem schädlichen Einfluss
der Atmosphäre wird ein Schutzgas
eingesetzt, Abb. 2. Dies kann entwe-
der ein aktives Gas oder Gasgemisch
sein, das im Schweißprozess aktiv
umgesetzt wird, oder ein inertes (re-
aktionsträges) Gas, das den Prozess
nicht aktiv beeinflusst. Dementspre-
chend wird beim MSG-Schweißen
zwischen dem Metall-Aktivgas-
schweißen (MAG-Schweißen) und
dem Metall-Inertgasschweißen
(MIG-Schweißen) unterschieden.
Moderne digital geregelte
MSG-Schweißgeräte bieten eine
Vielzahl von Prozessvarianten, die
im Zusammenspiel von Parame- Abb. 3: Einschweißen eines Stegblechs zwischen zwei Flansche mit dem
tereinstellung, Schutzgastyp und Metall-Schutzgasschweißverfahren

6
Einschweißen eines Revisionsöffnungs- Moselbrücke zwischen Grevenmacher (Luxemburg) und Wellen (Rheinland-Pfalz) –
Flansches in ein Stahlrohr-Turmsegment für Brückenbogen aus Stählen der Sorten S355J2+N bis S460N
Windkraftanlagen (Foto: Reuther STC GmbH) (Foto: © Gilles Martin – Infosteel, Poncin)

Kugelbehälter mit einem Fassungsvermögen von jeweils 7.000 m3 zur Container eines Abrollkippers aus hoch- und
Lagerung von Butan – Einsatz von Grobblechen aus P355GH mit Blechdicken verschleißfesten Baustählen (Foto: F. X. MEILLER
bis 30 mm (Foto: TISSOT SAS) Fahrzeug- und Maschinenfabrik-GmbH & Co. KG)

Shanghai World Financial Center, China,


im Bauzustand, mit Stahlbauelementen der
Sorten ASTM A913 Grade 50, ASTM A572 Tunnelbohrmaschine für den Nordtunnel der innerstädtischen Autobahn M-30 in Madrid –
Grade 50 sowie S460M/ML Einsatz der Stahlsorte S355J2+N in Blechdicken bis 200 mm (Foto: © Herrenknecht AG)

7
Merkblatt 381

Stabelektrode andererseits, wel-


Drahtelektrode und
Drahtvorschubeinheit che vom Schweißer kontinuierlich
nachgeschoben werden muss. Eine
mineralische Umhüllung bildet die
Schlacke, welche die Schweißstelle
vor der Atmosphäre schützt, die Naht
Schweißpulver formt und die Eigenschaften der ent-
Pulvertrichter + stehenden Naht beeinflusst, Abb. 5.
Flüssige Schlacke Die Anpassung an Grundwerk-
U

Erstarrte Schlacke stoff und Schweißaufgabe erfolgt


Kaverne
mit Lichtbogen I
durch die Auswahl geeigneter Sta-
- belektrodentypen und passender
Schweiß- Kernstabdurchmesser. Es können
energiequelle
Blechdicken bis ca. 4 mm mittels
V-Naht oder Kehlnaht miteinander
Schweißraupe Schmelzbad verbunden werden, bei größeren
Blechdicken werden die Mehrlagen-
technik oder sogenannte Hochleis-
Abb. 4: Prinzip des Unterpulverschweißens [2] tungselektroden angewendet.
Trotz der vergleichsweise niedri-
gen Produktivität des Verfahrens wird
• Schutz der Schweißstelle, des nen. Der wirtschaftlich relevante das Schweißen mit der Stabelektrode
Schmelzbads und des überge- Blechdickenbereich beginnt ab ca. nach wie vor gerne eingesetzt. Die
henden Zusatzwerkstoffs vor 8 mm, große Blechdicken werden gegenüber dem Schutzgasschwei-
dem schädlichen Einfluss der gegebenenfalls in Mehrlagentechnik ßen relativ geringe Windempfind-
Umgebungsluft verschweißt. lichkeit sowie der geringe Geräte-
• Formung der erstarrenden Naht aufwand machen es zu einem guten
• Beeinflussung der mechanisch- Lichtbogenhandschweißen Baustellenverfahren.
technologischen Eigenschaften Das Lichtbogenhandschweißen,
der Naht durch Reaktion des häufig auch als Stabelektroden- Wolfram-Inertgasschweißen
Schweißguts mit der Schlacke schweißen bezeichnet, ist ein Beim Wolfram-Inertgasschweißen
Schweißverfahren, das fast aus- (WIG-Schweißen) dient ein Licht-
Für die Verarbeitung schweiß- schließlich manuell ausgeführt wird. bogen, der zwischen einer nicht
geeigneter Baustähle stellt das Zwischen Grundwerkstoff und Stab­ abschmelzenden Wolframelektrode
Unterpulverschweißen ein hoch elektrode brennt ein Lichtbogen. und dem Werkstück brennt, als Wär-
produktives Schweißverfahren dar, Die Übertragung des Stroms auf mequelle zum Aufschmelzen von
mit dem üblicherweise lange gera- die Stabelektrode erfolgt über eine Grund- und eventuell manuell zu-
de Nähte in der Werkstatt oder auf als Handstück dienende Klemme geführtem Zusatzwerkstoff, Abb. 6.
der Baustelle mit hervorragenden (Elektrodenhalter). Der Lichtbogen Im Gegensatz zu den Verfahren mit
mechanisch-technologischen Ei- sorgt für das Aufschmelzen des abschmelzender Elektrode können
genschaften gefertigt werden kön- Grundwerkstoffs einerseits und der Streckenenergie und Zusatzwerkstoff-

Stabelektrode Elektrodenhalter

erstarrte Schlacke
flüssige Schlacke

Schweißnaht Schmelzbad Lichtbogen Schweißenergiequelle

Abb. 5: Prinzip des Lichtbogenhandschweißens [2]

8
Schweißen unlegierter und niedriglegierter Baustähle

onskosten und der notwendigen


Wolframelektrode Automatisierung erst bei höheren
Stückzahlen oder besonders hohen
Anforderungen an die Verzugsarmut
Gasdüse sinnvoll.
-
U
Laser-MSG-Hybridschweißen
Schutzgasabdeckung
Die Kombination des Laserstrahl-
Schweißstab
I
schweißens mit einem oder mehre-
Schutzgasversorgung + Schweiß-
ren MSG-Schweißprozessen führt
energiequelle
zum Laser-MSG-Hybridschweißen.
Hierbei übernimmt der Lichtbo-
Lichtbogen
gen vollständig das Aufschmelzen
des drahtförmigen Zusatzwerkstoffs,
wodurch die wirksame Laserleistung
erhöht wird. Beide Teilprozesse lau-
Schweißnaht Schmelzbad
fen in einem gemeinsamen Schmelz-
bad ab, Abb. 8.
Abb. 6: Prinzip des Wolfram-Inertgasschweißens [2] Aus der Synergie ergibt sich
ein Schweißverfahren, das die Ein-
schweißtiefe und Geschwindigkeit­des
menge weitestgehend unabhängig Die dabei entstehenden Nähte Laserprozesses mit der Spaltüber-
voneinander gewählt werden. Das zeichnen sich durch ein großes Tie- brückbarkeit und der Möglichkeit der
Verfahren wird in der Regel manuell fe-Breite-Verhältnis aus. Das aufge- metallurgischen Beeinflussung des
ausgeführt, die Produktivität ist gering. schmolzene Volumen ist im Vergleich Schweißgutes aus dem MSG-Pro-
WIG-Schweißen kommt bei der zu Lichtbogenschweißverbindungen zess kombiniert. Verfahrensbedingt
Verarbeitung schweißgeeigneter klein, was eine vergleichsweise entsteht eine gut ausgebildete Naht-
Baustähle vor allem für die Fertigung niedrige thermische Beeinflussung wurzel, was bei Ermüdungsbeanspru-
handwerklich anspruchsvoller Nähte des Werkstoffs mit schmalen Wär- chung vorteilhaft sein kann. Einlagig
zur Anwendung, z. B. zur Schweißung meeinflusszonen zur Folge hat. Als ist das Verschweißen von Blechdicken
von Wurzellagen. Nahtvorbereitung wird meist der bis zu 12 mm bei hoher Schweißge-
Stumpfstoß ohne Spalt verwendet, schwindigkeit und im Vergleich zum
die hierfür notwendigen Genauig- reinen Laserstrahlschweißen geringe-
3.1.2 Strahlschweißverfahren keiten erfordern in der Regel eine ren Anforderungen an die Qualität der
spanende Bearbeitung. Nahtvorbereitung möglich.
Laserstrahlschweißen Das Laserstrahlschweißen ist Ähnlich dem normalen Laser-
Energiequelle beim Laserstrahl- für die Verarbeitung schweißgeeig- strahlschweißen ist der wirtschaftli-
schweißen ist ein leistungsstarker neter Baustähle sehr gut geeignet, che Einsatz nur bei höheren Stück-
Laserstrahl, der mithilfe von Spie- ein wirtschaftlicher Einsatz ist jedoch zahlen oder hohen Ansprüchen an
gel- oder Linsenoptiken im Bereich wegen der relativ hohen Investiti- die Verzugsarmut gegeben.
der Werkstückoberfläche fokussiert
und somit auf hohe Leistungsdich-
ten gebracht wird, Abb.  7. Diese
reichen aus, um das Material durch CO2-Laser Festkörperlaser
Absorption so weit zu erhitzen, dass
es schmilzt und verdampft. Bei aus-
reichender Energiedichte bildet sich
auf diese Weise eine Dampfkapillare
aus, die von schmelzflüssigem Stahl Strahlführung
umgeben ist. Die Wechselwirkung des
Strahls mit dem Metalldampf in der Fokussierung
Kapillare bewirkt eine Wärmeeinbrin-
gung auch in der Tiefe des Werkstoffs.
Durch Bewegen der Dampfkapillare Werkstück
entlang einer Schweißfuge entsteht
die Verbindung. Man spricht vom Tief-
schweißen, mit dessen Hilfe Blechdi-
cken bis ca. 12 mm in einer Überfahrt
verschweißt werden können. Abb. 7: Prinzip des Laserstrahlschweißens [2]

9
Merkblatt 381

Elektronenstrahlschweißen
Beim Elektronenstrahlschweißen
Laserstrahl MSG-Brenner
wird die kinetische Energie hoch-
beschleunigter Elektronen, die
als Elektronenstrahl auf die Werk- Schutzgasabdeckung
stückoberfläche treffen und dort in
Wärmeenergie umgewandelt wer-
den, als Energiequelle zum Schwei- MSG-Lichtbogen
ßen genutzt. Durch die Fokussierung
des Strahls nahe der Oberfläche wer- Schmelzbad
den wie beim Laserstrahlschweißen
Energiedichten erreicht, die zur Aus-
bildung einer Dampfkapillare führen.
Erzeugung und Lenkung des Elek­
tronenstrahls erfordern ein qualitativ
hochwertiges Vakuum, die Bauteile Abb. 8: Prinzip des Laser-MSG-Hybridschweißens [2]
befinden sich daher bei der Bearbei-
tung in einer Kammer, Abb. 9.
Die entstehende Naht weist ein
großes Tiefe-Breite-Verhältnis auf. Es
sind Blechdicken bis ca. 150 mm bei
minimaler thermischer Beeinflussung Elektronenstrahlerzeugung
und minimalem Verzug in einer Über- und -fokussierung
fahrt schweißbar. Der Einsatz des
Verfahrens ist vor allem dann sinnvoll,
wenn große Wanddicken mit hohen
Ansprüchen an die Verzugsarmut
und an die Maßhaltigkeit der end-
bearbeiteten Bauteile geschweißt
werden sollen.

3.1.3 Sonstige
Elektronenstrahl
Vakuumkammer
Elektrogasschweißen Naht
mit Werkstückhandling
Beim Elektrogasschweißen handelt
es sich um eine spezielle Verfah-
Abb. 9: Prinzip des Elektronenstrahlschweißens [2]
rensvariante des Metall-Schutz-
gasschweißens, mit der senkrecht
stehende Blechstöße mit hohen
Abschmelzleistungen typischer-
weise in einer Lage im Stumpfstoß Schweißrüssel mit
verschweißt werden können. Der Lichtbogen Drahtelektrode und Drahtvorschub
Zusatzwerkstoff wird von oben
über einen Schweißrüssel zwischen
den beiden Blechen zugeführt, wo Kupferschuhe
er durch einen Lichtbogen abge- mit Wasserkühlung Schmelzbad U

schmolzen wird. Wassergekühlte und Schutzgaszufuhr


Kupferschuhe halten das Schmelz-
bad und formen und kühlen die Schweiß-
entstehende Naht. Über Bohrungen energiequelle
im oberen Teil der Kupferschuhe wird
die Schweißstelle mit Schutzgas ver-
sorgt. Entsprechend der Schweißge- Schutzgasversorgung
Schweißnaht
schwindigkeit werden diese mithilfe
eines Klettergeräts kontinuierlich
nach oben bewegt, Abb. 10.
Die Schweißgeschwindigkeit
und damit auch der Wärmeeintrag Abb. 10: Prinzip des Elektrogasschweißens [2]

10
Schweißen unlegierter und niedriglegierter Baustähle

ergeben sich als Funktion der Draht-


vorschubgeschwindigkeit sowie
des Nahtquerschnitts. Das Verfah-
rensprinzip beschränkt das Elektro-
gasschweißen auf lange, gerade und
senkrecht stehende Nähte, wobei
Abweichungen von der Senkrechten
um 45° möglich sind.
Aufgrund der vergleichsweise ho- Abb. 11:
hen Energieeinbringung, die aus der Schweißnahtvorbereitung
geringen Schweißgeschwindigkeit eines schweren
und der hohen Abschmelzleistung re- warmgewalzten
sultiert, ist das Elektrogasschweißen Breitflanschprofils durch
nicht für wärmebehandelte schweiß- autogenes Brennschnei-
geeignete Baustähle einsetzbar. den und anschließender
Strahlentzunderung

3.2 Schweißnahtvorbereitung
zulässig hohe Aufhärtungen auf und Vor dem Verschweißen ist der
Mithilfe der Nahtvorbereitung neben den Schnittflächen entste- gesamte Nahtbereich mit geeigne-
soll gewährleistet werden, dass die hen. Diese können an Stellen, die ten Verfahren von Schlacken, Zunder,
Fügeteile über den gesamten vor- später nicht mehr beim Schweißen Rost, eventuellen Anstrichen und
gesehenen Querschnitt fehlerfrei aufgeschmolzen werden, die Riss- sonstigen Verunreinigungen zu reini-
angebunden werden können. Die bildung z. B. bei Kaltumformung gen. Weiterhin muss der Nahtbereich
Anforderungen an die Nahtvorbe- oder unter schwingender Bean- trocken sein.
reitung beinhalten daher: spruchung begünstigen und so die
• Ausreichende Zugänglichkeit für Lebensdauer und Tragfähigkeit der
den Lagenaufbau Bauteile deutlich verringern. Um 3.3 Schweißzusatzwerkstoffe
• Genügend großer Öffnungswin- dies zu vermeiden, ist es häufig er-
kel, um mit dem Ansatzpunkt forderlich, Bleche und Profile aus Schweißzusatzwerkstoffe stellen
des Schweißlichtbogens am Baustählen vor dem thermischen das zum Auffüllen der Schweißfuge
Werkstück auch die Wurzellage Schnitt vorzuwärmen. sowie zum Ausgleich von Toleranzen
sicher erreichen und aufschmel- Übliche Vorwärmtemperaturen notwendige Material zur Verfügung.
zen zu können liegen im Bereich zwischen 100 und Die Verbindung soll in ihren Festig-
• Hinreichende Qualität der Schnitt­ 200 °C, abhängig von: keits- und Zähigkeitseigenschaften
oberflächen bezüglich Reinheit • Stahlsorte idealerweise möglichst genau dem
und Rissfreiheit bzw. Aufhärtung • Materialdicke Grundwerkstoff entsprechen. Bei
• Einhaltung geometrischer Tole- • anschließender Kaltumformung schweißgeeigneten Baustählen
ranzen insbesondere bei vollme- der Schnittkanten werden zur Erreichung dieses Ziels
chanisierter oder automatisierter • Werkstücktemperatur in der Regel artgleiche oder artähnli-
Schweißung che Zusatzwerkstoffe eingesetzt. Die
Beim Vorwärmen sind die von den erforderlichen mechanisch-technolo-
Die Wahl der Nahtvorbereitung Stahlherstellern empfohlenen Tempe- gischen Eigenschaften stellen sich
hat daher erheblichen Einfluss auf die raturen über die gesamte Materialdi- bei diesen wegen der üblicherweise
Schweißsicherheit und die Wirtschaft- cke in einem Streifen von mindestens nicht statt findenden Wärmenachbe-
lichkeit. Bewährte Standardvorberei- 50 mm beidseitig der Schnittfuge handlung bei Einhaltung der notwen-
tungen für das Lichtbogenschweißen einzuhalten. Auf ein Vorwärmen ver- digen Randbedingungen aufgrund
sind mit den einzuhaltenden Toleran- zichtet werden kann in der Regel bei der Legierung im Schweißgefüge ein.
zen in [3] aufgelistet. Wanddicken kleiner 25 mm, sofern Zu den einzuhaltenden Randbe-
Je nach Materialdicke und An- keine nachfolgende Kaltumformung dingungen gehören das Schweißver-
forderungen an die geometrische vorgesehen ist. Wenn das thermische fahren, verfahrens- und grundwerk-
Genauigkeit kommen bei schweiß- Trennen bei Werkstücktemperaturen stoffspezifische Abkühlbedingungen,
geeigneten Baustählen das auto- unter +5  °C erfolgen soll, ist der verfahrenstypische Aufmischungs-
gene Brennschneiden (Abb.  11), Schnittbereich unabhängig von der grade sowie eventuelle verfahrens-
das Plasmaschneiden, das Wasser- Materialdicke zumindest auf 30  °C typische Reaktionen mit Hilfsstoffen
strahlschneiden aber auch spanende anzuwärmen. Im konkreten Anwen- wie z. B. der Schlacke aus der Elek­
Verfahren zum Einsatz. dungsfall empfiehlt es sich, die fach- trodenumhüllung beim Schweißen
Bei der Nutzung der thermi- liche Unterstützung der Stahlhersteller mit der Stabelektrode oder der
schen Trennverfahren können un- in Anspruch zu nehmen. Schlacke aus dem UP-Schweißpul-

11
Merkblatt 381

Schweißzusätze zum Metallschutzgasschweißen


DIN EN ISO 14341 Schweißzusätze – Drahtelektroden und Schweißgut zum
Metall-Schutzgasschweißen von unlegierten Stählen und
Feinkornstählen – Einteilung
DIN EN ISO 16834 Schweißzusätze – Drahtelektroden, Drähte, Stäbe und
Schweißgut zum Schutzgasschweißen von hochfesten
Stählen – Einteilung
DIN EN ISO 17632 Schweißzusätze – Fülldrahtelektroden zum
Metall-Lichtbogenschweißen mit und ohne Schutzgas von
unlegierten Stählen und Feinkornstählen – Einteilung
DIN EN ISO 18276 Schweißzusätze – Fülldrahtelektroden zum
Metall-Lichtbogenschweißen mit und ohne Schutzgas von
hochfesten Stählen – Einteilung
DVS-Merkblatt 0941-2 Fülldrahtelektroden für das Metall-Lichtbogenschweißen mit
Gasschutz von un- und niedriglegierten Stählen
Hilfsstoffe zum Metallschutzgasschweißen
DIN EN ISO 14175 Schweißzusätze – Gase und Mischgase für das
Lichtbogenschweißen und verwandte Prozesse
Schweißzusätze zum Unterpulverschweißen
DIN EN ISO 14171 Schweißzusätze – Massivdrahtelektroden, Fülldrahtelektroden
und Draht-Pulver-Kombinationen zum Unterpulverschweißen
von unlegierten Stählen und Feinkornstählen – Einteilung
DIN EN ISO 26304 Schweißzusätze – Massivdrahtelektroden, Fülldrahtelektroden
und Draht-Pulver-Kombinationen zum Unterpulverschweißen
von hochfesten Stählen – Einteilung
Hilfsstoffe zum Unterpulverschweißen
DIN EN ISO 14174 Schweißzusätze – Pulver zum Unterpulverschweißen und
Elektroschlackeschweißen – Einteilung
Schweißzusätze zum Schweißen mit Stabelektrode
DIN EN ISO 2560 Schweißzusätze – Umhüllte Stabelektroden zum
Lichtbogenhandschweißen von unlegierten Stählen und
Feinkornstählen – Einteilung
DIN EN ISO 18275 Schweißzusätze – Umhüllte Stabelektroden zum
Lichtbogenhandschweißen von hochfesten Stählen – Einteilung
Hilfsstoffe zum Schweißen mit Stabelektrode
- -
Schweißzusätze zum WIG-Schweißen
DIN EN ISO 636 Schweißzusätze – Stäbe, Drähte und Schweißgut zum
Wolfram-Inertgasschweißen von unlegierten Stählen und
Feinkornstählen – Einteilung
DIN EN ISO 16834 Schweißzusätze – Drahtelektroden, Drähte, Stäbe und
Schweißgut zum Schutzgasschweißen von hochfesten
Stählen – Einteilung
Hilfsstoffe zum WIG-Schweißen
DIN EN ISO 14175 Schweißzusätze – Gase und Mischgase für das
Lichtbogenschweißen und verwandte Prozesse
Schweißzusätze zum Elektrogasschweißen
- -
Hilfsstoffe zum Elektrogasschweißen
DIN EN ISO 14175 Schweißzusätze – Gase und Mischgase für das
Lichtbogenschweißen und verwandte Prozesse
Tabelle 3: Normen und Regelwerke für Schweißzusätze und Hilfsstoffe

12
Schweißen unlegierter und niedriglegierter Baustähle

ver. Verfahrens- und werkstoffspezi- von den in der Konstruktion festge- gen. Das Zusammenwirken wird im
fische Hinweise hierzu finden sich in legten Werkstoffen, den Anforde- sogenannten Schweißtechnischen
den Produktunterlagen der Schweiß- rungen an die Verbindung und nicht Dreieck veranschaulicht, Abb. 13.
zusatzwerkstoffhersteller, die meist zuletzt auch von den geometrischen
auch exemplarische Schweißpara- Gegebenheiten ab. Die von der Ferti-
meter zur Verfügung stellen. gung bestimmten Randbedingungen 4.1 Schweißeignung von Stählen
Die Auswahl geeigneter Schweiß- werden unter dem Begriff „Schweiß-
zusätze erfolgt daher in Abhängigkeit möglichkeit“ zusammengefasst. Die [4] definiert die Schweißeignung
von Grundwerkstoff und Schweißver- Schweißmöglichkeit ist gegeben, als eine Werkstoffeigenschaft, die
fahren. Darüber hinaus ist im gesetz- wenn die Verbindung mit den zur im Wesentlichen von der Fertigung
lich und normativ geregelten Bereich Verfügung stehenden Mitteln tech- und nur in geringem Maße von der
(z. B. bauaufsichtlich geregelter Be- nisch herstellbar ist. Konstruktion beeinflusst wird. Die
reich, Schiffbau, Schienenfahrzeuge, Das Ausdehnungsverhalten des Schweißeignung eines Werkstoffs
fliegende Bauten, etc.) auf eine ent- Werkstoffs durch Wärmeeinbringung gilt als gegeben, wenn mit dem
sprechende Zulassung zu achten. beim Schweißen beeinflusst zusam- eingesetzten Schweißverfahren
Tabelle 3 gibt Aufschluss über men mit der Werkstoffauswahl und der aufgrund der werkstoffspezifischen
anzuwendende Normen sowie Merk- Konstruktion maßgeblich die Ausprä- chemischen, metallurgischen und
blätter. gung von Verzug und Eigenspannun- physikalischen Eigenschaften und
gen im fertigen Bauteil. Letztendlich unter den gegebenen konstruktiven
hängen von der schweißgerechten Randbedingungen eine den Anfor-
4 Einfluss der Ausführung der Konstruktion die derungen entsprechende Schweiß-
Schweißbedingungen Verbindungsqualität und -sicherheit naht hergestellt werden kann. Die
auf die mechanischen ab. Der Konstruktion wird daher der Schweißeignung eines Stahls ist
Eigenschaften von Begriff der „Schweißsicherheit“ zuge- umso besser, je weniger die werk-
Schweißverbindungen ordnet, die gegeben ist, wenn unter stoffbedingten Faktoren bei der Aus-
den konstruktiven Randbedingungen wahl des Schweißverfahrens und der
Schweißen von Stahl ist ein eine im Sinne der Funktionsfähigkeit Parameter für eine bestimmte Kon-
komplexer Vorgang, der auf vielfäl- sichere Verbindung herstellbar ist. struktion beachtet werden müssen.
tige Art und Weise Einfluss auf die Sind Schweißeignung, Schweiß- Baustähle im Sinne dieses
Tragfähigkeit der Verbindung hat. Die möglichkeit und Schweißsicherheit Merkblatts sind u. a. hinsichtlich
zum Schmelzschweißen notwendige gegeben, wird von der „Schweiß- ihrer Legierungszusammensetzung
Wärmeeinwirkung verändert das Ge- barkeit“ der Verbindung ausgegan- und Herstellung auf eine möglichst
füge des Werkstoffs und ruft komple-
xe Eigenspannungszustände hervor.
Qualität und Quantität dieser durch
das Schweißen hervorgerufenen
Werkstoff
Veränderungen hängen von Kon­
struktion, Fertigung und Werkstoff Schweißeignung
ab, wobei die einzelnen Einflussfak-
toren untereinander in Wechselwir-
kung stehen.
Grund für die Veränderungen
des Werkstoffs ist im Wesentlichen
sein aus der Legierungszusammen-
setzung resultierendes, von der Zeit
und Temperatur abhängiges metal-
Schweißbarkeit
lurgisches Umwandlungsverhalten
des Bauteils
und sein ebenfalls temperaturab-
hängiges Ausdehnungsverhalten.
Die dem Werkstoff zugeordnete
Sc

it
sic ion
rhe
hw
Fe

Eigenschaft „Schweißeignung“ ist,


kt
he
eiß
rtig glich

hw stru

vereinfachend ausgedrückt, gege-



un

n
eiß

ben, wenn es möglich ist, zwischen


Ko
g

den Fügeteilen aus diesem Werkstoff


ke

Sc

Schweißverbindungen herzustellen,
it

die den gestellten Anforderungen


entsprechen.
Die Auswahl und Parametrisie-
rung des Schweißprozesses hängt Abb. 13: Schweißtechnisches Dreieck nach [4]

13
Merkblatt 381

gute Schweißeignung für die hierfür Stähle mit gleichem Kohlenstoff- schen 800 und 500 °C durchlaufen
vorwiegend eingesetzten Lichtbo- äquivalent weisen der Theorie nach wird, entsteht aus dem Austenit
genverfahren optimiert. Die Schweiß- ungefähr dieselbe Aufhärtungs- und das bei Raumtemperatur vorlie-
eignung kann jedoch insbesondere Versprödungsneigung auf und sind gende Gefüge. Die Anwendbarkeit
bei wärmebehandelten Stahlsorten demzufolge etwa gleichermaßen eines entsprechenden Zeitinter­
soweit eingeschränkt sein, das sie schweißgeeignet. valls wie der sogenannten t8/5-Zeit,
durch entsprechende fertigungstech- In den Regelwerken wird häufig also der für eine Abkühlung von
nische Maßnahmen wieder herzustel- das Kohlenstoffäquivalent nach De- 800 auf 500 °C benötigten Zeit,
len ist. arden und O’Neil angewandt, wel- zur Charakterisierung der Abküh-
ches auch in den Werkszeugnissen lungsbedingungen wurde 1985 in
der Stahlhersteller ausgewiesen ist: [6] nachgewiesen.
4.1.1 Kohlenstoffäquivalent

Dem Kohlenstoff im Stahl kommt


zur Beurteilung der Schweißeignung
eine besondere Bedeutung zu, da er
bei Baustählen wichtigster Bestand- Für die Abschätzung der Schweiß- Langsames Abkühlen, d.  h.
teil zur Erzielung der Festigkeit ist. eignung gilt: vergleichsweise hohe t8/5-Zeiten, er-
Eisen-Kohlenstoff-Legierungen laubt den im Austenit eingelagerten
weisen ein temperatur- und zeitab- CEV ≤ 0,45 % und C ≤ 0,22 %: gute festigkeitssteigernden Elementen
hängiges Umwandlungsverhalten der Schweißeignung (vornehmlich Kohlenstoff) nach dem
Elementarzelle mit der Besonderheit Umklappen des Gitters das Ausdif-
auf, das in dieser oberhalb der Um- CEV = 0,45 % bis 0,6 %: bedingte fundieren aus der einen kleineren Git-
wandlungstemperatur aufgrund der Schweißeignung, besondere Maß- terabstand aufweisenden Alpha-Ele-
größeren Gitterkonstante höhere nahmen (z. B. Vorwärmen) erforderlich mentarzelle des ferritischen Eisens.
Mengen Kohlenstoff gelöst werden Der Kohlenstoff reichert sich im Perlit
können als bei Raumtemperatur. Bei CEV ≥ 0,6 %: keine Schweißeignung an, wodurch ein ferritisch-perlitisches
langsamer Abkühlung diffundiert der Gefüge entsteht.
Kohlenstoff aus der Eisen-Elemen­ Eine Abschätzung der Rissgefahr Höhere Abkühlgeschwindig-
tarzelle heraus, es bildet sich ein ist mithilfe des Kohlenstoffäquivalents keiten verringern die für die Diffu-
weiches, wenig festes, ferritisch-per- CEV allein nicht sinnvoll möglich, da sion zur Verfügung stehende Zeit.
litisches Gefüge. Ist diese Diffusion diese neben der Zähigkeit des Werk- Es bilden sich festere und härtere
aufgrund hoher Abkühlgeschwindig- stoffs u. a. auch von der Blechdicke, Gefügebestandteile wie Martensit
keiten nicht möglich, verspannt sich dem Spannungszustand, dem Was- und Bainit.
das Gitter der Elementarzelle durch serstoffgehalt und der Wärmeführung Die genaue Gefügezusammen-
die eingelagerten Kohlenstoffatome. abhängt. Weitere Hinweise für den setzung hängt von der Legierung und
Der Werkstoff gewinnt an Festig- Anwender finden sich im SEW 088 [5]. der Menge des vor der Abkühlung
keit, verliert jedoch gleichzeitig an vorliegenden Austenits ab, welche
Zähigkeit und neigt in der Folge zu wiederum von der Aufheizdauer
Rissbildung und sprödem Versagen 4.2 Umwandlungsvorgänge im und der Haltedauer bei Austeniti-
unter Last. Reine Kohlenstoffstähle Schweißnahtbereich siertemperatur bestimmt wird. Die
mit einem Massenanteil von Kohlen- Zusammenhänge sind in so genann-
stoff von unter 0,22 % gelten als gut Das Gefüge schweißgeeigneter ten Zeit-Temperatur-Umwandlungs-
schweißgeeignet. Baustähle erfährt unter dem Einfluss schaubildern (ZTU-Diagrammen)
Moderne schweißgeeignete der Schweißwärme eine Reihe von abgebildet. Diesen kann entlang
Baustähle sind jedoch mit einer Veränderungen hinsichtlich Gefüge- bekannter Abkühlkurven der prozen-
Vielzahl von Elementen legiert, von zusammensetzung und Korngröße. tuale Anteil der jeweiligen Gefügebe-
denen sich einige ähnlich festig- Die Umwandlung der bei Raum­- standteile und die resultierende Härte
keitssteigernd, zähigkeitssenkend temperatur vorliegenden kubisch-­ entnommen werden. ZTU-Diagram-
und versprödend auswirken wie raumzentrierten Elementarzelle me gelten jedoch nur für definierte
Kohlenstoff. Um eine Beurteilung (Alpha-Mischkristall) in die ku- Austenitisierbedingungen mit langen
der grundsätzlichen Schweißeignung bisch-flächenzentrierte Elementar- Haltedauern, wie sie bei Wärmebe-
durch den Praktiker zu ermöglichen, zelle des Austenits (Gamma-Misch- handlungsprozessen üblicherweise
wurden empirische Berechnungs- kristall) bei Erwärmung über eingesetzt werden.
formeln entwickelt, welche mithilfe Umwandlungstemperatur bildet die Beim Schweißen erfolgt das Auf-
von Korrekturfaktoren die Wirkung Grundlage für das metallurgische heizen dagegen sehr viel schneller
der einzelnen Elemente abbilden und Umwandlungsverhalten. Abhängig bei praktisch nicht vorhandener
durch Aufsummieren zum sogenann- von der Abkühlgeschwindigkeit, mit Haltedauer, was zu einer inhomoge-
ten Kohlenstoffäquivalent führen. der das Temperaturintervall zwi- nen Austenitisierung des Gefüges

14
Schweißen unlegierter und niedriglegierter Baustähle

S355J0+AR Spitzentemperatur 1.350 °C Schweißwärmezyklus

Chemische C Si Mn P S AI N Cr Cu Ni
Zusammensetzung [%] 0,16 0,47 1,24 0,029 0,029 0,024 0,0085 0,10 0,17 0,06
900
Ac3 = 867 °C

800
Ac3 = 727 °C
700
Temperatur [°C]

F
2 8 48 50
600 P
52 50
57
500 92
ZW 90
Ms 75 85
45 55 60
400
222 215
M
300

200
449 HV 30 420 400 363 334 324 270 253 251 249 243

100

0
1 2 4 6 8 10 20 40 60 80 100 200 400
Zeit [s]

Abb. 14: Schweiß-ZTU-Diagramm für die Stahlsorte S355J0+AR, nach [7]

führt. Schweiß-ZTU-Schaubilder, über Ac3, was dem Normalisie- Kritische Zone ist in der Regel die
wie in Abb.  14 für den Werkstoff rungsglühen entspricht. Es liegt Grobkornzone, hier addieren sich die
S355J0+AR exemplarisch darge- ein feinkörniges Gefüge mit gu- Zähigkeitsverluste durch Aufhärtung
stellt, berücksichtigen dies durch ten Festigkeits- und Zähigkeits- und Kornvergröberung.
Anwendung eines standardisierten eigenschaften vor.
Schweißwärmezyklus. Sie erlauben • Zone unvollständiger Umwand-
somit eine grobe Abschätzung des lung oder auch Perlitzerfallszone: 4.3 Eigenspannungsentstehung
zu erwartenden Gefüges in Nähe der Durch einen Temperaturbereich und Verzug
Schmelzlinie. zwischen Ac3 und Ac1 (Beginn
Neben der metallurgischen Um- der Austenitumwandlung) ge- Die lokale Wärmeeinbringung
wandlung führt die Schweißwärme kennzeichnet, kann der in dieser durch das Schweißen und die da-
auch zu einer Veränderung der Korn- Zone befindliche Perlit aufgrund rauf folgende Abkühlung führen zu
struktur. Diese ist ebenfalls zeit- und des sich bei zu hohen Abkühl- lokal begrenzter Ausdehnung und
temperaturabhängig. Dementspre- geschwindigkeiten bildenden Schrumpfung des Werkstoffs. Die
chend stellen sich in der Wärmeein- Martensits verspröden. Einspannung der Schweißstelle im
flusszone unterschiedliche Gefüge- • Bereich ohne Gefügeumwand- Bauteil behindert die freie Ausdeh-
zonen ein, Abb. 15. Ausgehend von lung: Erreichen die Temperatu- nung bzw. Schrumpfung und führt
der Schmelzzone sind diese: ren nicht mehr Ac1, finden keine bei Überschreitung der örtlichen
• Grobkornzone: Die lokale Über- Umwandlungsvorgänge statt. temperaturabhängigen Streckgrenze
hitzung des Gefüges deutlich Abhängig von der Stahlsorte er- zu einer lokalen Plastifizierung, die
über Ac3 (Ende der Austenit­ folgen hier Rekristallisations- und sich nach vollständiger Abkühlung als
umwandlung) durch die nahe Anlassvorgänge des Grundwerk- bleibende Verformung darstellt. Der
Schmelze fördert das Korn- stoffgefüges. nicht durch plastische Verformung,
wachstum, was zu einer Verrin- d. h. durch Verzug, abbaubare Span-
gerung der Zähigkeit führt. Die Effekte durch die Verände- nungsanteil bleibt als Eigenspannung
• Normalisierungs- bzw. Feinkorn- rungen der Kornstruktur und die im Bauteil erhalten.
zone: Diese Zone durchläuft Veränderungen der Gefügezusam- Eigenspannungen sind aus ver-
einen Temperaturzyklus knapp mensetzungen überlagern sich. schiedenen Gründen unerwünscht:

15
Merkblatt 381

• Sie bilden sich als nur schwer volumina) führen zu niedrigerem die Baugruppe möglichst früh aus.
berechenbarer, meist mehrach- Eigenspannungsniveau und Das heißt:
siger Spannungszustand aus. kleinerem Verzug als Schweiß- • Das Bauteil soll möglichst voll-
Mehrachsige Spannungszustän- verfahren mit großer Energieein- ständig zusammengebaut und
de wirken versprödend auf den bringung. kräftig geheftet werden.
Werkstoff. • Mehrlagenschweißungen mit • Die Nähte, die am meisten zu
• Sie überlagern sich dem Be- vielen Lagen führen zu niedrige- Steifigkeit des Bauteiles beitra-
triebsspannungszustand und rem Eigenspannungsniveau und gen, sind zuerst zu schweißen.
führen bei Überschreitung der kleinerem Verzug als Schweißun- • Symmetrisches Schweißen kann
Streckgrenze zur lokalen Plasti- gen mit nur einer oder wenigen den Verzug aus einer Naht durch
fizierung des Bauteils. Lagen. den Verzug einer gegenüberlie-
genden Naht kompensieren.
Schweißgeeignete Baustähle Eine eigenspannungsreduzier- • Auch hier lässt sich Verzug nicht
weisen in der Regel eine ausrei- te Schweißfolge folgt daher dem vollständig vermeiden, bei kriti-
chend hohe Duktilität auf, um den Grundsatz, die Bauteile möglichst schen Passungen ist daher ein
Eigenspannungsabbau durch lokale lange frei schrumpfen zu lassen. Bearbeitungsaufmaß vorzusehen.
Verformung zu ermöglichen. Das bedeutet:
In der Praxis lassen sich Eigen- • Zuerst müssen die Nähte ge-
spannungsniveau und Verzug durch schweißt werden, die das Bauteil 4.4 Anforderungen an
die Konstruktion des Bauteils, Ver- oder die Baugruppe am wenigs- Schweißverbindungen
fahrenswahl und Schweißfolge sowie ten aussteifen. Der dabei unver-
die Schweißparameter beeinflussen. meidliche Verzug kann Nach- Die Dimensionierung und Be-
Dabei gilt: arbeiten erforderlich machen, rechnung von Schweißkonstrukti-
• Weiche, nachgiebige Konstruk- wozu entsprechende Aufmaße onen aus schweißgeeigneten Bau-
tionen oder Teilkonstruktionen vorzusehen sind. Passungen stählen erfolgt in der Regel durch
führen zu niedrigem Eigen- sind in der Regel abschließend Anwendung von Ingenieurrechen-
spannungsniveau bei hohem spanend nachzuarbeiten. modellen, die die Auswirkungen der
Schweißverzug. • Eigenspannungen lassen sich vorstehend beschriebenen Verände-
• Steife Konstruktionen oder Teil- nicht vollständig vermeiden, bei rungen konservativ abschätzen und
konstruktionen verringern den Bauteilen mit hohen Ansprüchen von ausreichenden Duktilitäts- und
Schweißverzug zulasten eines an Eigenspannungsarmut kann Festigkeitsreserven in Grundwerk-
höheren Eigenspannungsni- ein abschließendes Spannungs- stoff und Schweißzusatzwerkstoff
veaus. armglühen erforderlich sein. ausgehen. Die Erfüllung der Annah-
• Schweißverfahren mit geringer men, die den Berechnungsmethoden
Energieeinbringung (gleichzu- Eine verzugsminimierende zu Grunde liegen, wird in der Praxis
setzen mit kleinen Schmelzbad- Schweiß­folge steift das Bauteil oder durch Schweißverfahrensprüfungen
nachgewiesen. Diese gelten als be-
standen, wenn die Anforderungen der
anzuwendenden Regelwerke an die
Probestücke erfüllt sind.
[7] fordert dazu mindestens ei-
nen Prüfumfang nach Tabelle 4, die
betreffenden Anwendungsnormen
können weitere Anforderungen de-
finieren. Die Anforderungen für die
Zugprüfung und den Kerbschlagbie-
geversuch entsprechen mindestens
den Anforderungen an den Grund-
werkstoff. In der Wärmeeinflusszone
(WEZ) dürfen maximal Härten nach
Tabelle 5 gemessen werden.
Qualitative Anforderungen an
Lichtbogenschweißverbindungen
sind in DIN EN ISO 5817 „Schwei-
ßen – Schmelzschweißverbindungen
an Stahl, Nickel, Titan und deren Le-
gierungen (ohne Strahlschweißen) –
Bewertungsgruppen von Unregelmä-
Abb. 15: Veränderung des Gefüges durch den Schweißwärmezyklus in der Wärmeeinflusszone ßigkeiten“ festgelegt.

16
Schweißen unlegierter und niedriglegierter Baustähle

5 Festlegung von
Prüfstück Prüfart Prüfumfang
Schweißparametern
Sichtprüfung 100 %
Die Einstellparameter des Durchstrahlungs- oder 100 %
Schweißverfahrens beeinflussen Ultraschallprüfung
eine Reihe von Faktoren, von denen
Oberflächenrissprüfung 100 %
einige unmittelbaren Einfluss auf die Stumpfstoß mit voller
Tragfähigkeit der Schweißverbindung Querzugprüfung 2 Proben
Durchschweißung
haben. Wesentliche Faktoren sind: Querbiegeprüfung 4 Proben
• Einbrand und damit die Neigung zu Kerbschlagbiegeprüfung 2 Sätze
Flanken- und Wurzelbindefehlern Härteprüfung erforderlich
• Nahtgeometrie und dadurch der
benötigte Nacharbeitsaufwand Makroschliffuntersuchung 1 Probe
zur Herstellung überschweiß- Sichtprüfung 100 %
fähiger oder gebrauchsfähiger T-Stumpfstoß mit voller Oberflächenrissprüfung 100 %
Oberflächen Durchschweißung Durchstrahlungs- oder 100 %
• Abkühlbedingungen und dem- Ultraschallprüfung
entsprechend die mechanisch- Rohrabzweigung mit voller
Durchschweißung Härteprüfung erforderlich
technologischen Eigenschaften
• Größe des Schmelzbads und so- Makroschliffuntersuchung 2 Proben
mit die Eignung für die jeweilige Sichtprüfung 100 %
Lage im Lagenaufbau Oberflächenrissprüfung 100 %
• Menge an flüssigem Material und Kehlnähte
Härteprüfung erforderlich
damit Eignung für die Schweiß­
position Makroschliffuntersuchung 2 Proben
Tabelle 4: Mindestprüfumfang für eine Verfahrensprüfung nach [7]
Die Einzelfaktoren stellen teilwei-
se stark gegenläufige Anforderungen
dar, z. B. werden aus wirtschaftlichen
Gründen möglichst hohe Abschmelz- lich ist. Die Prozessparameter werden sentlichen durch die Abkühlkurve
leistungen gefordert, jedoch für die daher in Versuchen ermittelt, in einer beeinflusst.
Positionsschweißbarkeit möglichst Schweißanweisung festgelegt und Die Spitzentemperaturen hän-
kleine Schmelzbäder. Bei der Ermitt- diese über eine Verfahrensprüfung gen vor allem von der Schmelztem-
lung geeigneter Schweißparameter qualifiziert. In [7] sind Vorgehenswei- peratur des Werkstoffs ab und sind
für eine spezifische Schweißauf- se, Prüfumfang und Geltungsbereich daher kaum beeinflussbar. Sie neh-
gabe gilt es diese Anforderungen sowie Übertragbarkeit von Verfah- men mit zunehmendem Abstand zur
gegenein­ander abzuwägen, um den rensprüfung und Schweißbarkeit Schmelzlinie ab. Der Abkühlgradient,
besten Kompromiss aus technischer geregelt. der in der Schweißtechnik durch die
und wirtschaftlicher Sicht herauszu- t8/5-Zeit charakterisiert wird (siehe
arbeiten. auch Abschnitt 4.2), ergibt sich aus
Die genannten Faktoren sind 5.1 Abschätzung der Abkühlung der in die Schweißnaht eingebrach-
komplex mit den Schweißparame- im Schweißnahtbereich ten Wärmemenge, der unveränder-
tern sowie untereinander verknüpft, lichen Geometrie des Bauteils, der
so dass eine einfache analytische Die mechanisch-technologi- Wärmeleitfähigkeit des Werkstoffs
Berechnung der Parameter für einen schen Eigenschaften des Schweiß- sowie dem die Wärmeleitung trei-
sicheren Schweißprozess nicht mög- guts und der WEZ werden im We- benden Temperaturunterschied zwi-

Nicht wärmebehandelt Wärmebehandelt


Baustähle mit ReH <= 460 MPa 380 HV 10 320 HV 10
Feinkornbaustähle mit Zusatz +N/+NL
und ReH <= 360 MPa
Feinkornbaustähle mit Zusatz +M/+ML
Feinkornbaustähle mit Zusatz +Q/+QL 450 HV 10 380 HV 10
und ReH < 890 MPa

Tabelle 5: Maximal zulässige Härte in der WEZ für eine Verfahrensprüfung nach [7]

17
Fußgängerbrücke „Simone de Beauvoir“ – Bogenbrücke über die Seine Mit den Längsträgern verschweißte Querträger und
in Paris (Frankreich) mit Stählen der Sorten S355K2, S355N und S355NL – Diagonalstäbe stabilisieren die Hängekonstruktion der
Mittelteil („Linse“) nahezu vollständig in Werkstatt vorgefertigt Fußgängerbrücke „Simone de Beauvoir“
(Foto: ©DFA | Photo David Boureau)

Raupenkran mit Parallel-Auslegersystem zur Tragkraftsteigerung


(Foto: Liebherr-Werk Ehingen GmbH)

MAG-geschweißtes Übergangselement (P-Adapter) aus der Stahlsorte S890QL für


Gittermast-Parallel-Ausleger großer Raupenkrane (Foto: Liebherr-Werk Ehingen GmbH)

Isolierende Blechhülle (Coldbox) aus unlegierten Baustählen für


Komponenten einer verfahrenstechnischen Anlage – hergestellt Luftzerlegungsanlage mit Coldboxen zur großtechnischen
durch MAG-Schweißen (Foto: Linde AG) Gewinnung von Sauerstoff (Foto: Linde AG)

18
Schweißen unlegierter und niedriglegierter Baustähle

schen Schweißnaht (Wärmequelle)


und Grundwerkstoff (Wärmesenke).
Dementsprechend kann die Abkühl-
kurve in der Praxis nur durch die aus
dem Schweißprozess eingebrachte
Wärmemenge und die Temperatur
des Bauteils beeinflusst werden.
Bei Lichtbogenschweißprozes-
sen wird die Streckenenergie aus den
elektrischen Schweißparametern
und der Schweißgeschwindigkeit
berechnet und durch Multiplikation
mit einem verfahrensabhängigen re-
lativen thermischen Wirkungsgrad
die eingebrachte Wärmemenge be-
stimmt. Diese auf die Schweißnaht-
länge normierte Wärmemenge wird
als eine bestimmende Größe für die
Erreichung einer t8/5-Zeit verwendet. Abb. 16: Messen der t8/5-Zeit mittels Thermoelement – Unterpulverschweißversuch an
Durch die Schweißparameter Grobblechen der Stahlsorte S690QL im Schweißlabor
lässt sich somit Einfluss auf die Ab-
kühlkurve nehmen: Höhere Werte für
Strom und Spannung sowie kleinere fen auf Basis der Streckenenergie, des und berücksichtigt keinerlei Verluste
Werte für die Schweißgeschwindig- Schweißverfahrens, der Vorwärmtem- z. B. durch Abstrahlung, Schlacke-
keit erhöhen die Streckenenergie peratur und den Wärmeableitbedin- aufschmelzung u. ä. Für den Unter-
und somit auch die t8/5-Zeit. Die gungen wurde 1985 von Degenkolbe pulver-Schweißprozess wurden diese
Abkühlkurve wird dadurch flacher. und Uwer [6] vorgeschlagen. in den nachfolgenden Gleichungen
Der Variation der Schweißparame- Als Wärmequelle wird der zur Abschätzung der Abkühlzeit
ter sind jedoch durch die begrenzten Schweißlichtbogen angenommen, bei der Festlegung der Konstanten
Arbeitsbereiche der einsetzbaren der eine auf ein Streckenelement bereits berücksichtigt. Bei der Ver-
Schweißverfahren sowie durch die bezogene Wärmemenge konzentriert wendung anderer Schweißverfahren
Notwendigkeit der Vermeidung geo- einbringt. Diese als Streckenenergie werden die abweichenden Energie-
metrischer Ungänzen wie Bindefeh- bezeichnete Wärmemenge berech- verluste durch die Multiplikation der
lern und Wurzeldurchhang Grenzen net sich zu: Streckenenergie mit einem relativen
gesetzt. thermischen Wirkungsgrad η' be-
Eine weitere Einflussgröße ist die (1) rücksichtigt, Tabelle 6.
Temperatur des Grundwerkstoffs. Für das Metall-Inertgasschwei-
Wird diese durch Vorwärmung oder ßen sind seit Veröffentlichung des
vorher geschweißte Lagen erhöht, Für die Schweißspannung U und Abschätzverfahrens zahlreiche
wird die Abkühlkurve flacher, wo- den Schweißstrom I werden Mittel- Prozessvarianten (Impulslichtbo-
durch die t8/5-Zeit steigt. werte der tatsächlichen Strom- und genschweißen, digital gesteuerte
Die sicherlich genaueste Me- Spannungsverläufe eingesetzt, so Kurzlichtbogenprozesse) entwickelt
thode zur Ermittlung der t8/5-Zeit wie sie z. B. von den Schweißgeräten worden, die vom tabellierten Wert
ist ihre unmittelbare Messung beim protokolliert werden. Die Strecken­ abweichende relative thermische
Schweißversuch im Bereich der energie stellt die gesamte umgesetz- Wirkungsgrade haben können.
Nahtmitte. Diese Messung kann te Wärme pro Streckenelement dar Zur Verbesserung der Vorhersage­
entweder durch Eintauchen von
Thermoelementen in die Schmelze,
Abb. 16 oder berührungslos mittels
Pyrometer erfolgen. Ausgehend von Schweißverfahren Relativer thermischer
einem bereits bekannten Parameter- Wirkungsgrad η'
satz für ähnliche Bedingungen lassen Unterpulverschweißen 1,0
sich von einem erfahrenen Schweißer
Lichtbogenhandschweißen 0,8 – 0,9
oder Einrichter auf diese Weise relativ
schnell geeignete Schweißparameter Metall-Aktivgasschweißen (MAG) 0,85
für die jeweilige gewünschte Abkühl- Metall-Inertgasschweißen (MIG) 0,7
zeit ermitteln. Wolfram-Inertgasschweißen (WIG) 0,65
Eine rechnerische Abschätzung
der Abkühlzeit t8/5 bei Stahlwerkstof- Tabelle 6: Relativer thermischer Wirkungsgrad für die wichtigsten Schweißverfahren [5]

19
Merkblatt 381

Nahtfaktor
Nahtart F3 – Dreidimensionale F2 – Zweidimensionale
Wärmeableitung Wärmeableitung
Auftragraupe 1,0 1,0
Erste und zweite Kehlnaht am T- oder Kreuzstoß 0,67 0,45 – 0,67
Dritte und vierte Kehlnaht am Kreuzstoß 0,67 0,3 – 0,67
Kehlnaht am Eckstoß 0,67 0,67– 0,9
Kehlnaht am Überlappstoß 0,67 0,7
Wurzellage von V-Nähten 1,0 –1,2 ≈ 1,0
(Öffnungswinkel 60°, Stegabstand 3 mm)
Wurzellage von X-Nähten 0,7 ≈ 1,0
(Öffnungswinkel 50°, Stegabstand 3 mm)
Mittellagen von V-und X-Nähten 0,8 –1,0 ≈ 1,0
Decklagen von V-und X-Nähten 0,8 –1,0 1,0
I-Naht, Lage-Gegenlage-Schweißung – 1,0
Tabelle 7: Nahtfaktoren für die zwei- bzw. dreidimensionale Wärmeableitung [5]

ergebnisse des Verfahrens wurden Wärmeableitung von Bedeutung. Die- großen Blechdicken kann zusätzlich
die thermischen Wirkungsgrade η' in se hängt von der Wärmeeinbringung auch Wärme in Blechdickenrichtung
Forschungsprojekten kalorimetrisch und der Vorwärmtemperatur ab. Bei transportiert werden (3-dimensionale
gemessen. Die Ergebnisse können [8] vergleichsweise dünnen Blechen kann Wärmeableitung). Eine weitere Anpas-
entnommen werden. die eingebrachte Wärmemenge nur sung an die tatsächliche Nahtgeo-
Weiterhin ist für die rechnerische in der Blechebene abgeführt werden metrie erfolgt durch entsprechende
Abschätzung der t8/5-Zeit die Form der (2-dimensionale Wärmeableitung), bei Nahtfaktoren, Tabelle 7.

Die Blech- bzw. Vorwärmtemperatur T0 in °C definiert den für die Wärmeableitung notwendigen Temperaturgradienten,
d bezeichnet die Blechdicke in cm.

Damit ergibt sich für die zweidimensionale Wärmeableitung folgende Beziehung, aus der sich direkt die t8/5-Zeit in
Sekunden berechnen lässt:

(2)

Für die dreidimensionale Wärmeableitung gilt entsprechend:

(3)

Durch Gleichsetzen von (2) und (3) und Auflösen nach der Blechdicke d ergibt sich die Berechnungsvorschrift für
die Übergangsblechdicke:

(4)

Für Blechdicken unterhalb der Übergangsblechdicke ist Gleichung (2) anzuwenden, bei Blechdicken oberhalb der
Übergangsblechdicke Gleichung (3).

Die Vorgehensweise bei der Anwendung verdeutlicht das Ablaufdiagramm, Abb. 17.

20
Schweißen unlegierter und niedriglegierter Baustähle

U
I
vS
η‘
T0
d

Berechnung der Übergangsblechdicke:

d > dü d≤ dü

3-dimensionale Wärmeableitung: 2-dimensionale Wärmeableitung:

Abb. 17: Vorgehensweise bei der rechnerischen Abschätzung der t8/5-Zeit

Die Zusammenhänge lassen auch aus Schweiß-ZTU-Schau­ bungsaufwands bei der Ermittlung
sich auch in Diagrammen darstellen. bildern für den Grundwerkstoff ent- geeigneter Schweißbedingungen
Weiterhin sind Computerprogramme, nommen werden. Die Hersteller der dar. Die Bestätigung und Freigabe
z. B. [9] verfügbar, die den Anwender Schweißzusatzwerkstoffe stimmen dieser Schweißbedingungen muss
bei der Abschätzung der t8/5-Zeit un- ihre Schweißzusätze auf etwa den- jedoch letztendlich durch Beprobung
terstützen. selben t8/5-Bereich ab. Liegt die tat- von Versuchsschweißungen anhand
Darüber hinaus kann die Ermitt- sächliche Abkühlkurve in der Schnitt- einer Schweißverfahrensprüfung er-
lung von Abkühlkurven durch Simu- menge der möglichen Bereiche für folgen.
lation der Wärmeeinbringung und Grundwerkstoff und Schweißzusatz
deren Weiterleitung in das Bauteil kann eine Schweißverbindung erwar-
erfolgen, z. B. [10], [11]. tet werden, die den Anforderungen 5.3 Vorhersage beim
an die mechanisch- technologischen Schweißen entstehender
Eigenschaften entspricht. Eigenspannungen und
5.2 Vorhersage mechanischer Die einfachste Art, sicherzustel- Verzüge
Eigenschaften aus dem len, dass sich in der Schweißnaht
Abkühlungsverlauf und der Wärmeeinflusszone entspre- In der heutigen betrieblichen
chende Eigenschaften einstellen, Praxis wird meist versucht, den
Die mechanischen und tech- besteht also im Abgleich der zuläs- Schweißverzug eines Bauteils auf
nologischen Eigenschaften einer sigen t8/5-Bereiche für den Grund- Basis der Erfahrungswerte des Pla-
Schweißlage oder Naht werden, werkstoff sowie für den Schweiß- ners oder Schweißers abzuschätzen
neben der durch den Grund- und zusatzwerkstoff mit der ermittelten und mithilfe einer daraus abgeleiteten
Zusatzwerkstoff festgelegten Le- oder gemessenen t8/5-Zeit für die Schweißfolge im tolerierbaren Rah-
gierungszusammensetzung, fast gewählten Schweißbedingungen. men zu halten. Es kann davon ausge-
vollständig durch den erlebten Ab- Deckungsgleichheit ergibt gewöhn- gangen werden, dass die verbleiben-
kühlverlauf, der in der Regel durch die lich gute Ergebnisse. Dennoch blei- den Eigenspannungen aufgrund der
t8/5-Zeit charakterisiert ist, bestimmt. ben eine Reihe von Unsicherheiten, ausgeprägten Zähigkeit der schweiß-
Die Stahlhersteller geben die Be- die beispielsweise aus Toleranzen in geeigneten Baustähle durch lokale
reiche für die t8/5-Zeiten an, innerhalb der Legierungszusammensetzung, Plastifizierung reduziert werden, so
derer die betreffenden Werkstoffe Ungenauigkeiten bei der Abschät- wie es die relevanten Regelwerke
verschweißt werden können, ohne zung der t8/5-Zeit oder Vergütungs- durch die mit ihnen zu führenden
dass die Anforderungen an Zugfes- effekten beim Mehrlagenschweißen Festigkeitsnachweise voraussetzen
tigkeit, Zähigkeit und Härte in der resultieren können. Das Verfahren (vergl. Abschnitt 4.3).
Wärmeeinflusszone unterschritten stellt ein gutes Mittel zur Reduzie- Für genauere Analysen kann
werden. Alternativ kann die t8/5-Zeit rung des Versuchs- und Bepro- die Optimierung der Schweißfolge

21
Merkblatt 381

jedoch auch rechnergestützt erfol- und Verformungen ermöglicht. Durch Streckenenergien oder Härten in der
gen. Die Implementierung des tem- Variation der Eingangsgrößen kann Wärmeeinflusszone abgeschätzt wer-
peraturabhängigen Verformungs- iterativ die Qualität von Eigenspan- den können (z. B. [9]), über Prozess-
und Ausdehnungsverhaltens des nungen und Verzügen beeinflusst simulationen, die den eigentlichen
Materials in Finite-Elemente-Soft- werden. Aufgrund der Komplexität Schweißprozess nachbilden (z. B. [10]),
ware erlaubt die Berechnung von der erforderlichen Eingaben ist die bis hin zu komplexen Systemen, wel-
Eigenspannungen und Verzügen Anwendung solcher Programme je- che in der Lage sind, Schweißverzüge
auch komplexerer Bauteile im Zu- doch geschulten Berechnungsspe- und (Eigen-)Spannungen innerhalb
sammenwirken mit den Schweiß- zialisten vorbehalten. modellierter Bauteile zu berechnen
vorrichtungen. Die Wärmequelle (z. B. [11]).
des Schweißprozesses wird durch
eine virtuelle Wärmequelle nachge- 5.4 Software
bildet, welche durch ihre Gesamt- 5.5 Festlegung angemessener
leistung, den Einwirkbereich sowie Rund um die Thematik des Schweißbedingungen
die Energieverteilung definiert wird. Schweißens und seine Auswirkungen
Als weiterer Parameter wird die auf Werkstoff und Konstruktion gibt es Bei der Festlegung der Schweiß-
Schweißgeschwindigkeit benötigt. eine Reihe von Softwareprogrammen bedingungen sind die im Kapitel 4
Die Programme berechnen unterschiedlicher Zielsetzung, mit de- zur Schweißbarkeit genannten Wech-
daraus für jedes finite Element die nen Teilaspekte des Schweißens be- selwirkungen aus Fertigungsprozess,
Aufheiz- und Abkühlkurve, was zu- rechnet oder simuliert werden können. Werkstoff und Konstruktion so in
sammen mit dem temperaturabhän- Die Programme reichen von Einklang zu bringen, das die Anfor-
gigen Materialverhalten und den geo- einfachen schweißtechnischen For- derungen der relevanten Normung an
metrischen Randbedingungen die melsammlungen, mit denen z.  B. das Produkt möglichst wirtschaftlich
Berechnung von Eigenspannungen Vorwärmtemperaturen, Abkühlzeiten, erfüllt werden.

Nahtvorbereitung Schweißverfahren Stahl Blechdicke

Auswahl
Auswahl Schweißzusätze Schweißparameter Anpassung
z. B. aus Katalog z. B. aus Erfahrung, alte WPS Schweißparameter

zul. t8/5 -ZeitenSZ 8/5-ZeitenGW


zul. t8/5 * Strecken-
SZ*
GW
8/5
CETGW GW*** energie***

Vorwärm- Anpassung und/


temperatur**** Vorwärmtemperatur oder

Abschätzung
8/5-Zeit**
t8/5

nein
t
8/5
8/5
im zul. Bereich?

ja

Schweißversuch
mech./techn. Prüfung

Anforderungen nein
erfüllt?

ja * aus Datenblatt
** berechnet Kap. 5.1
*** berechnet DIN EN 1011-2
**** ermittelt DIN EN 1011-2
Dokumentation in WPS
GW: Grundwerkstoff
SZ: Schweißzusatz

Abb. 18: Vorgehensweise zur Ermittlung von Schweißparametern nach DIN EN 1011-2 [12]

22
Schweißen unlegierter und niedriglegierter Baustähle

Schweißverfahren, Werkstoff, innerhalb derer der Schweißzusatz 5.6 Beispiel für die Ermittlung
geometrische Randbedingungen seine mechanisch-technologischen von Schweißbedingungen
sowie die Gebrauchs- und Funkti- Eigenschaften ausbildet. Häufig sind
onsanforderungen werden durch den auch Schweißparameter vorgegeben, Ausgegangen wird von zwei
Konstrukteur vorgegeben, wobei eine die als Einstieg für die Optimierung Blechen der Stahlsorte S690QL mit
enge Abstimmung mit den Schweiß- genutzt werden können. Aus dem Da- einer Dicke von jeweils 20 mm, die
fachleuten des Unternehmens sinnvoll tenblatt des Stahls können ebenfalls mittels MAG-Schweißen zu verbin-
ist. Diese Faktoren werden daher als günstige Bereiche für die t8/5-Zeiten den sind. Als Nahtvorbereitung wird
feste Eingangsgrößen betrachtet. entnommen werden. Anhand sei- eine V-Naht mit 60° Öffnungswinkel
Festzulegen bzw. abzustimmen sind ner chemischen Zusammensetzung gewählt, die als Mehrlagenschwei-
jedoch die Schweißzusatzwerkstoffe, kann nach DIN EN 1011-2 ein Koh- ßung in der PA-Position (Wannenla-
Vorwärm- und Zwischenlagentempe- lenstoffäquivalent errechnet werden, ge) ausgeführt werden soll.
raturen sowie die Einstellparameter das zusammen mit der aus den Der Hersteller empfiehlt, den
des Verfahrens. Schweißparametern zu berechnenden Stahl mit einer t8/5-Zeit von 5 – 20
In der einfachsten Form können, Streckenenergie und der Blechdicke sec und einer Streckenenergie von
falls vorhanden, erprobte Schweißan- in die Bestimmung der Vorwärmtem- max. 20 kJ/cm zu verarbeiten. Als
weisungen als Basis für die Ermittlung peratur eingeht. Diese wird durch Vorwärmtemperatur werden 100 °C
geeigneter Schweißbedingungen die- Addition der aus den Einzeleinflüs- empfohlen, als Zwischenlagentem-
nen. Liegen jedoch keine betrieblichen sen Legierungszusammensetzung, peratur sollten max. 150 °C einge-
Erfahrungen vor, die als Eingangsgrö- Blechdicke, Wasserstoffgehalt sowie halten werden. (Liegen keine Emp-
ße verwendet werden können, müssen Wärmeeinbringung des Schweiß- fehlungen vor, stellt DIN EN 1011-2
diese nach eigenem Ermessen oder verfahrens notwendigen Einzelvor- eine Vorgehensweise zur Ermittlung
besser mit Unterstützung von erfah- wärmtemperaturen abgeleitet. von Mindestvorwärmtemperaturen
renen Personen ausgewählt werden. Mit den jetzt bekannten Parame- zur Verfügung).
Als Grundlage hierfür kann DIN tern kann die t8/5-Zeit (siehe Abschnitt Aus einer bekannten Schweiß-
EN 1011-2 dienen, welche Empfeh- 5.1) abgeschätzt und mit den für Stahl anweisung werden die folgenden
lungen zum Schmelzschweißen von und Zusatzwerkstoff empfohlenen Einstellparameter übernommen:
Stählen gibt, Abb. 18. Bereichen verglichen werden. Mög- Massivdrahtelektrode (Ø 1,2 mm),
Der Zeichnung lassen sich der liche Abweichungen können durch verarbeitet im Sprühlichtbogen bei
eingesetzte Stahl, die Blechdicke und Anpassung der Schweißparameter 30 V Schweißspannung und 10,5
Nahtvorbereitung sowie das vorgese- und/oder der Vorwärmtemperatur m/min Drahtvorschubgeschwindigkeit
hene Schweißverfahren entnehmen, korrigiert werden. Die so ermittelten bei 300 A Schweißstrom
aus den anzuwendenden Normen Randbedingungen sind durch eine Wurzel, Füll- und Decklagen
ergeben sich die Anforderungen an Verfahrensprüfung z. B. nach DIN sollen mit den gleichen Einstel-
die Naht. EN ISO 15614-1, bestehend aus lungen der Schweißenergiequelle
Mithilfe des Schweißverfahrens Schweißversuch mit anschließender hergestellt werden. Als Schweißge-
und der Stahlbezeichnung können Prüfung der Musterbauteile, abzusi- schwindigkeiten für die Wurzel- und
dann die erforderlichen Zusatzwerk- chern. Bei erfüllten Anforderungen Fülllagen werden 30 cm/min ge-
stoffe und Hilfsstoffe ausgewählt wird das Ergebnis in einer Schweiß- wählt, die Decklage soll gependelt
werden. Die Kataloge der entspre- anweisung bzw. WPS (Welding Pro- mit 20 cm/min geschweißt werden.
chenden Hersteller geben in der Regel cedure Specification) z. B. nach DIN Es ergibt sich ein 6-lagiger Aufbau
auch Bereiche für die t8/5-Zeiten an, EN ISO 15609-1 dokumentiert. mit guter Nahtüberwölbung.

Aus den Tabellen des Abschnitts 5.1 können folgende Konstanten entnommen werden:

Wurzellage Fülllagen Decklage


Rel. Wirkungsgrad η' 0,85
F2 1 1 1
F3 1,1 0,9 0,95

Unter Anwendung der in den Abschnitten 5.1 bis 5.5 aufgeführten Vorgehensweise und Formeln ergeben sich für
die einzelnen Lagen die nachfolgenden t8/5-Zeiten, wobei die tatsächlichen Vorwärmtemperaturen für die Füll- und
Decklagen zwischen der überwachten Vorwärmtemperatur und der ebenfalls überwachten max. Zwischenlagen-
temperatur liegen können:

23
Merkblatt 381

Wurzellage Fülllage Fülllage Decklage Decklage


Vorwärmtemperatur 100 °C min. 100 °C max. 150 °C min. 100 °C max. 150 °C

Streckenenergie E 15,3 15,3 15,3 23 23

Effektive
13 13 13 19,5 19,5
Streckenenergie E η'

Übergangsblechdicke
17,8 17,8 18,7 21 23
dü [mm]

t8/5 (2dim) [s] – – – 15,5 20,1


t8/5 (3dim) [s] 8,6 8,6 10,2 – –

Alle abgeschätzten Abkühlzeiten fertigen Produkt nicht mit letzter Si- 6.1 Prüfverfahren
liegen in dem vom Hersteller empfoh- cherheit zerstörungsfrei nachweisen
lenen Bereich. lassen.
Da es sich bei S690QL um einen Die Überprüfung der Qualität ist 6.1.1 Sichtprüfung
Stahl handelt, dessen Eigenschaften daher nur anhand sekundärer Kri-
auf dem durch Wärmebehandlung terien, wie z. B. dem Einhalten der Die Sichtprüfung eignet sich vor
eingestellten Gefügezustand beru- Anforderungen nach DIN EN ISO allem zur Beurteilung von Oberflä-
hen, der durch zu lange Abkühlzei- 5817 möglich. Dazu ist es erforder- chenfehlern wie beispielsweise Geo-
ten geschädigt werden kann, sollten lich, ein weit vernetztes System an metriefehlern der Naht.
bei der nachfolgenden Verfahrens- Randbedingungen einzuhalten, die
prüfung die maximalen Zwischen- beginnend bei den Anforderungen an
lagentemperaturen zur Prüfung des den ausführenden Betrieb, über die 6.1.2 Ultraschallprüfung
„Worst-Case“ eingehalten werden. Qualifikation des Personals, die fach-
Abhängig vom Ergebnis kann es gerechte Konstruktion der Bauteile Für die Ultraschallprüfung wird
erforderlich sein, die Abkühlzeit der und die Festlegung der Schweißpa- ein Ultraschallbündel in das Bau-
Decklage entweder durch Begren- rameter bis hin zur Überwachung der teil eingekoppelt und durchläuft
zung der Zwischenlagentemperatur Arbeiten und Prüfung des Ergebnis- dieses. Trifft es auf eine Grenz-
oder Verringerung der Streckenener- ses in einer Vielzahl von aufeinander fläche innerhalb des Bauteils, an
gie, d. h. durch schnelleres Schwei- aufbauenden Regelwerken festgelegt der sich die Materialeigenschaften
ßen, weiter zu verkürzen. sind. unterscheiden, wird ein Teil der
DIN EN ISO 3834 beschreibt mit Schallenergie reflektiert und kann
ihren Teilen 1– 5 ein Subsystem zur mithilfe eines Detektors (meist mit
6 Prüfung von Qualitätssicherung im schweißtechni- dem Ultraschallgeber verbunden)
Schweißverbindungen schen Bereich, welches in ein überge- aufgefangen werden. Das Verfahren
ordnetes Qualitätssicherungssystem eignet sich besonders zum Auffin-
Spezielle Prozesse im Sinne von (z. B. nach DIN EN 9001) eingebunden den von Fehlern und Ungänzen, die
Qualitätsmanagementsystemen sind werden soll. Das Normensystem legt ihre hauptsächliche Ausdehnung
Fertigungsprozesse, bei denen die eine Methode fest, um die Fähigkeit senkrecht zur Einschallrichtung
Übereinstimmung der Ergebnis- eines Herstellers darzulegen, mittels haben. Neben senkrecht einschal-
se mit den Anforderungen an das Schmelzschweißung Produkte aus lenden Prüfköpfen stehen auch
fertige Produkt nicht direkt geprüft metallischen Werkstoffen in der vom Winkelprüfköpfe zur Verfügung.
werden kann. Ob die Anforderungen Besteller festgelegten Qualität zu Eine Abschätzung der Größe von
eingehalten werden, zeigt sich erst produzieren. Abhängig von den Qua- Fehlern und Ungänzen ist in der
im Gebrauch. litätsanforderungen an das Bauteil im Einschallrichtung durch die Mes-
Dies trifft insbesondere auf Hinblick auf Sicherheit und Schadens­ sung der Schalllaufzeiten möglich,
Schweißprozesse zu, bei denen potenzial im Gebrauch, aber auch auf senkrecht zur Einschallebene kann
sich die Qualität des Ergebnisses, Komplexität und Schwierigkeit der die Bewegung des Prüfkopfes ge-
d. h. die für die Funktion relevanten Herstellung des Produkts, werden un- nutzt werden.
Eigenschaften wie Tragfähigkeit, terschiedliche Anforderungen an den Die Ultraschallprüfung von
Verformungs- und Bruchverhalten, Hersteller und den Herstellungspro- Schweißnähten ist u. a. in DIN EN
Korrosionsbeständigkeit u. a., am zess gestellt [13], [14], [15], [16], [17]. ISO 11666 geregelt.

24
Neubau des Timmerhuis in Rotterdam, Niederlande – Gebäudekomplex Errichtung der Tragstruktur des Timmerhuis aus Stählen der
mit gemischter Nutzung in Stahlskelettbauweise (Foto: Stadt Rotterdam) Sorten S355J0+N, S355J2+N und S355K2+N (Foto: © CSM)

Deckentragwerk mit Lochstegträgern Herstellung eines Lochstegträgers durch Verschweißen der Profilhälften

Mähdrescher mit diversen geschweißten Baugruppen MIG-geschweißter Dreschkorb eines Mähdreschers aus
(Foto: CLAAS KGaA mbH) unlegiertem Baustahl (Foto: CLAAS KGaA mbH)

25
Merkblatt 381

6.1.3 Durchstrahlungsprüfung 6.1.5 Magnetpulverprüfung strichen. Poren lassen sich aufgrund


ihrer Eigenschaft als Hohlkörper mit
Bei der Durchstrahlungsprüfung Bei der Magnetpulverprüfung Ausdehnung in allen Raumachsen
wird der zu prüfende Querschnitt von wird das Prüfstück mithilfe eines gut mittels Durchstrahlungsprüfung
energiereicher elektromagnetischer Elektromagneten im Prüfbereich oder Ultraschallprüfung nachweisen.
Strahlung (Röntgen- oder Gamma­ magnetisiert, so dass es nahe und Ebenfalls gut mit beiden Verfahren
strahlung) durchdrungen. Genutzt parallel zur Oberfläche vom mag- detektierbar sind feste Einschlüsse
wird der Effekt, dass dichte Mate- netischen Feld durchströmt wird. z. B. aus überschweißten Schlacke-
rialien die Strahlung auf ihren Weg Oberflächennahe Störungen in der resten. Wolfram­einschlüsse bilden
durch den Prüfling stärker abschwä- Werkstoffstruktur, z. B. durch Risse sich dagegen nur in der Durchstrah-
chen als weniger dichte Materiali- verursacht, zwingen den magneti- lungsprüfung zuverlässig ab.
en. Mithilfe eines Films oder immer schen Fluss zum Umfließen dieser Wird eine nicht vom Schweißlicht-
häufiger eines elektronischen De- Störungen und zum Austreten aus bogen angeschmolzene Oberfläche
tektors auf der Gegenseite wird die der Oberfläche, wo er mithilfe einer von schmelzflüssigem Schweißgut
durch den Prüfling abgeschwächte Suspension magnetisierbarer Partikel überflossen, können Bereiche ent-
Strahlung aufgefangen und für den sichtbar gemacht werden kann. Das stehen, an denen keine metallische
Menschen sichtbar gemacht. Das Verfahren eignet sich zum Nachweis Verbindung zustande kommt. Je
Bild zeigt dichte Bereiche dunkler oberflächlicher und oberflächennaher nach Ort des Auftretens werden die-
an als weniger dichte Bereiche. – auch geschlossener – Risse. se Ungänzen als Wurzelbindefehler,
Aufgrund ihres Abbildungsprinzips Die Magnetpulverprüfung von Flankenbindefehler oder auch als
eignet sich die Durchstrahlungsprü- Schweißnähten ist in DIN EN ISO Lagenbindefehler bezeichnet. Bin-
fung vor allem zum Aufdecken von 17638 und DIN EN ISO 23278 defehler können, abhängig von ih-
Ungänzen und Fehlern mit Ausdeh- genormt. rer Ausrichtung zur Einstrahl- bzw.
nung in Durchstrahlungsrichtung. Einschallrichtung gut mithilfe der
Das Verfahren liefert ausschließlich Durchstrahlungsprüfung und der
Informationen über die Ausdehnung 6.2 Ungänzen und Fehler in Ultraschallprüfung nachgewiesen
der Fehler und Ungänzen in der Schweißverbindungen werden.
Film- bzw. Detektor­ebene. Mit beiden Verfahren gelingt der
Die Durchstrahlungsprüfung von Schweißnähte können aus der auch der Nachweis von Rissen, die
Schweißnähten ist in DIN EN ISO Herstellung resultierende Unregelmä- sich ihrer Entstehung nach in Heiß-
176­36-1 und DIN EN ISO 17636-2 ßigkeiten aufweisen. Überschreiten und Kaltrisse einteilen lassen.
geregelt. diese in Qualität oder Quantität die
in den einschlägigen Regelwerken,
z. B. DIN EN ISO 5817, vorgegebenen 6.2.1 Heißrisse
6.1.4 Farbeindringprüfung Toleranzen, werden sie zu Schweiß-
nahtfehlern. Heißrisse entstehen bei der Ab-
Hierbei handelt es sich um ein Zu den mittels Sichtprüfung erfass- kühlung am Übergang flüssig-fest.
Verfahren zur Detektion von Rissen, baren Ungänzen gehören geometrische Heiß­risse sind Materialtrennungen, die
die zur Oberfläche hin geöffnet sind. Unregelmäßigkeiten der Naht, wie ein entlang der Korngrenzen (Dendriten­
Nach einer Reinigung der Oberflä- Unter- bzw. Übermaß der Nahtlänge grenzen), also interkristallin (inter­
che wird eine dünnflüssige, meist und/oder der Nahtdicke, Wurzelfehler dendritisch) verlaufen. Sie treten
rote Farbe aufgebracht, die auf- oder Einbrandkerben. Zur Oberfläche fast immer in Verbindung mit niedrig
grund der Kapillarwirkung auch in hin offene Risse in Schweißgut oder schmelzenden Substanzen an den
die Risse eindringt. Ein nachfolgen- Wärmeeinflusszone lassen sich mittels Korngrenzen auf. Sie werden nach der
der Reinigungsschritt entfernt die Farbeindringprüfung gut hervorheben Art ihrer Entstehung in Erstarrungsris-
Farbe von der Oberfläche. Abschlie- und beurteilen. Die Magnetpulverprü- se, die im Schweißgut auftreten und
ßend wird ein meist auf Kreidepulver fung visualisiert auch oberflächennahe Wiederaufschmelzungsrisse, die in
basierender Entwickler aufgetragen, geschlosssene Risse. der Wärmeeinflusszone des Grund-
der die in den Rissen verbleibende Poren sind kugelförmige oder werkstoffs oder im Schweißgut von
Farbflüssigkeit aufgrund der eige- schlauchartige Gaseinschlüsse im Mehrlagenschweißungen gefunden
nen höheren Kapillarität an die Ober- Schweißgut. Ursache sind meist werden, unterschieden.
fläche saugt und durch den hohen eine unzureichende Qualität der Heißrisse lassen sich durch klei-
Kontrast gut sichtbar werden lässt. Schutzgasabdeckung des erstar- ne und flache Schmelzbäder, wie sie
Die Farbeindringprüfung von renden Schmelzbads oder Ver- für das Schweißen mit kleinen Stre-
Schweißnähten ist in DIN EN ISO schmutzungen im Schweißbereich ckenenergien in der Mehrlagentechnik
23277 genormt. durch Reste von Ölen oder Farban- typisch sind, vermeiden.

26
Schweißen unlegierter und niedriglegierter Baustähle

Schweißgeeignete Baustähle, Wasserstoffmolekül. Durch weite- Stahlsorten anfällig für wasserstoff­


vor allem die zu der Gruppe der Qua- res Hinzudiffundieren kann sich an induzierte Kaltrissbildung. Die Pro-
litätsstähle zählenden Sorten, sind den Fehlstellen so viel molekularer blematik ist jedoch bei Verwendung
insbesondere in ihrem Schwefel- und Wasserstoff sammeln, bis der ent- erprobter Schweißzusatzwerkstoffe
Phosphorgehalt auf so kleine Men- stehende Druck das Gefüge aufreißt und geeigneter Parameterwahl so-
gen begrenzt, dass die Entstehung und so den Anriss für einen weiteren wie sorgfältiger Vermeidung zusätz-
von Heißrissen bei der Verarbeitung Rissfortschritt unter der Wirkung lichen Wasserstoffeintrags sicher
unwahrscheinlich ist. von Eigen- und Betriebsspannun- beherrschbar.
gen bildet. Wasserstoffinduzierte
Rissbildung gilt als besonders tü-
6.2.2 Kaltrisse ckisch, da die Risse – bedingt durch 7 Wirtschaftliche
die Zeit, die für die Wasserstoffdif- Gesichtspunkte beim
Kaltrisse sind Werkstofftren­ fusion benötigt wird – oft erst nach Schweißen
nungen aufgrund verschiedener Stunden bis Tagen erscheinen und
Ursachen, die im erkalteten Zu- nachweisbar sind. Daher sollte bei Die Motivation zum Einsatz
stand der Schweißnaht auftreten. entsprechend anfälligen Stahlsorten hoch und höherfester Baustähle
Sie sind definiert als interkristalline die zerstörungsfreie Prüfung frühes- kann vielfältiger Natur sein, wobei
oder trans­kristalline Materialtren- tens 24 Stunden nach der Herstel- letztendlich immer auch wirtschaft-
nungen, die in der Wärmeeinfluss- lung der Schweißnaht erfolgen. liche Gesichtspunkte die Auswahl
zone oder im Schweißgut infolge der Quellen für den Wasserstoff begründen.
Wechselwirkung einer ungünstigen können dabei sowohl die Schweiß- So erlauben die hohen Festigkei-
Kombination von lokalem Härtege- hilfsstoffe, z. B. feuchte Schutzgase, ten dieser Werkstoffgruppe bei geeig-
füge, lokalen mechanischen (Eigen-) Elektrodenumhüllungen und Schweiß- neter Konstruktionsweise entweder
Spannungen und Wasserstoffgehalt pulver als auch die Zusatz- und eine Reduzierung des Gewichts bei
entstehen. Grundwerkstoffe selbst sein. Weitere gleicher Tragfähigkeit oder die Erhö-
Aufhärtungsrisse werden durch Quellen können in der Umgebung der hung der Tragfähigkeit bei gleichem
das Zusammenwirken mechani- Schweißnaht liegen, z. B. organische Gewicht, woraus sich abhängig vom
scher Spannungen mit dem durch Beschichtungen, Öle, Fette, Rost oder Produkt Vorteile im Markt ableiten
martensitische Aufhärtung der Wär- Zunder. lassen. Fahrzeuge, z. B. Mobilkrane
meeinflusszone reduzierten Verfor- Schlüssel zur Verringerung des profitieren beispielsweise vom nied-
mungsvermögen verursacht. Diese Risikos wasserstoffinduzierter Riss- rigeren Gewicht durch geringere Be-
Risse verlaufen oft von Kerben aus, bildung ist neben der Vermeidung triebskosten und höhere Hublasten.
die durch die von ihnen ausgehende von Härtegefügen durch fachge- Im Druckbehälterbau können durch
Spannungskonzentration den Riss in rechte Wahl der Schweißparameter Wanddickenreduktion Schweißnaht-
die Wärmeeinflusszone des Grund- und Temperaturführung vor allem das volumina und eingesetzte Material-
werkstoffs einleiten. Aufhärtungs- Vermeiden von zusätzlichem Wasser- menge gesenkt werden.
risse lassen sich bei Einhaltung der stoffeintrag während des Schweißens. Es ergeben sich dort, wo die
von den Herstellern vorgegebenen Dabei helfen: erhöhten Festigkeiten in verringer-
t8/5-Zeit-Bereiche durch geeignete • Vollständiges Entfernen von Rost te Wandstärken umgesetzt werden
Schweißparameter und gegebenen- und Zunder können, eine Reihe konstruktiver
falls Vorwärmen der Bauteile sicher • Sorgfältiges Entfernen aller or- und fertigungstechnischer Vorteile,
vermeiden. ganischen Beschichtungen und die den höheren Kosten pro kg für
Kritischer zu betrachten ist Verschmutzungen aus dem Be- Grundwerkstoffe sowie Schweiß-
dagegen die wasserstoffinduzier- reich der Schweißnaht zusatz- und -hilfsstoffe entgegen-
te Rissbildung. Voraussetzung • Rücktrocknen von Stabelektro- gesetzt werden können. So sinkt
für diese ist neben einem wenig den und Schweißpulvern ent- die benötigte Wanddicke und da-
verformungsfähigen lokalem Här- sprechend den Empfehlungen mit Menge des Grundwerkstoffs
tegefüge und einem bestimmten der Hersteller, Verwendung tro- ungefähr proportional zu seiner
Eigenspannungsniveau auch das ckener Schutzgase Festigkeit. Auch die Vorwärmzei-
Vorhandensein von Wasserstoff im ten und -kosten verhalten sich
Gefüge. Der anfangs im Bereich Die Kaltrissempfindlichkeit wird etwa proportional zur Wanddicke.
der Schweißnaht gleichmäßig bei der Zulassung der Stähle für die Die notwendigen Nahtquerschnitte
vorliegende atomare, bewegliche betreffende Anwendung mithilfe und damit alle darauf bezogenen
Wasserstoff diffundiert an Fehlstel- normierter Verfahren beurteilt. In der Verbrauchsmengen- und Personal-
len im Gefüge und rekombiniert dort Gruppe der schweißgeeigneten Bau- kosten verringern sich annähernd
zu einem nicht mehr beweglichen stähle sind vor allem die höherfesten quadratisch zur Wanddicke.

27
Merkblatt 381

Tragwerkskonstruktion einer Brücke mit Kopfbolzen Anschweißen von Kopfbolzen auf den
Obergurt eines Stahlträgers

Aussichtsturm im Olympiapark in Kreuzfahrtschiff mit Schweißbaugruppen aus speziellen, von den Klassifikations­
London, UK – Wahrzeichen der Olympi- gesellschaften abgenommenen Baustählen
schen und Paralympischen Spiele 2012
– Tragwerk aus geschweißten Stahlrohren
der Sorte S355J2H (Photography by
Simon Kennedy – www.simonkennedy.net)

Rundnahtverbindungsschweißen mit
vollmechanisiertem MAG-Schweißprozess
an einem Pipeline-Großrohr Megamonopile als Gründung für Offshore-Windenergieanlagen

28
Schweißen unlegierter und niedriglegierter Baustähle

8 Quellennachweis [10] Institut für Schweißtechnik und 8.2 Bildnachweis


Fügetechnik der RWTH Aachen:
SimWeld. http://www.tl-ing.de/pro- Die jeweiligen Bildquellen sind den
8.1 Schrifttum dukte/simweld/ Bildunterschriften zu entnehmen.
Nicht gekennzeichnete Fotos wur-
[1] Axmann, G.; Lippe, M.; Dickau, B.; [11] simufact engineering gmbh: den von Mitgliedern des Fachaus-
Moninger, G.; Hocké, A.; Nelius, B.; Simufact.welding. http://www.simu- schusses unlegierte Baustähle im
Kratz, H.-J.; Nießen, T.: fact.de/simufactwelding-schweisssi- Werkstoffausschuss des Stahlinsti-
Lieferzustände von unlegierten Bau­ mulation.html tuts VDEh bereitgestellt.
stählen nach DIN EN 10025-2. Stahl-
bau 81 (2012), Heft 10, S. 788 ff. [12] DIN EN 1011-2:2001:
Schweißen – Empfehlungen zum
[2] Reisgen, U.; Stein, L.: Schweißen metallischer Werkstoffe 9 Normen und
Grundlagen der Fügetechnik – – Teil 2: Lichtbogenschweißen von Regelwerke
Schweißen, Löten und Kleben. Fach- ferritischen Stählen
buchreihe Schweißtechnik. Bd. 161. DIN 1910-11
DVS Media, Düsseldorf, 2016 [13] DIN EN ISO 3834-1:2006 Schweißen – Werkstoffbedingte Be-
Qualitätsanforderungen für das griffe für Metallschweißen
[3] DIN EN ISO 9692-1:2013 Schmelzschweißen von metallischen
Schweißen und verwandte Prozesse Werkstoffen – Teil 1: Kriterien für die DIN 1910-100
– Arten der Schweißnahtvorbereitung Auswahl der geeigneten Stufe der Schweißen und verwandte Prozesse
– Teil 1: Lichtbogenhandschweißen, Qualitätsanforderungen – Begriffe – Teil 100: Metallschweiß-
Schutzgasschweißen, Gasschweißen, prozesse mit Ergänzungen zu DIN EN
WIG-Schweißen und Strahlschweißen [14] DIN EN ISO 3834-2:2006 14610:2005
von Stählen Qualitätsanforderungen für das
Schmelzschweißen von metallischen DIN EN 1011-2
[4] DIN-Fachbericht ISO/TR 581:2007 Werkstoffen – Teil 2: Umfassende Schweißen – Empfehlungen zum
Schweißbarkeit – Metallische Werk- Qualitätsanforderungen Schweißen metallischer Werkstoffe
stoffe – Allgemeine Grundlagen – Teil 2: Lichtbogenschweißen von
[15] DIN EN ISO 3834-2:2006 ferritischen Stählen
[5] SEW 088:1993; SEW 088 Beiblatt Qualitätsanforderungen für das
1:1993; SEW 088 Beiblatt 2:1993 Schmelzschweißen von metallischen DIN EN 10025-1
Schweißgeeignete Feinkornbaustähle Werkstoffen – Teil 3: Standard-Quali- Warmgewalzte Erzeugnisse aus Bau­
– Richtlinien für die Verarbeitung, be- tätsanforderungen stählen – Teil 1: Allgemeine technische
sonders für das Schmelzschweißen Lieferbedingungen
[16] DIN EN ISO 3834-4:2006
[6] Degenkolbe, J.; Uwer, R.: Qualitätsanforderungen für das DIN EN 10025-2
Einfluss der Schweißbedingungen Schmelzschweißen von metallischen Warmgewalzte Erzeugnisse aus Bau-
auf die Kerbschlagzähigkeit in der Werkstoffen – Teil 4: Elementare Quali­ stählen – Teil 2: Technische Lieferbe-
Wärmeeinflusszone von Schweißver- tätsanforderungen dingungen für unlegierte Baustähle
bindungen hochfester Baustähle und
deren Ermittlung. Thyssen Technische [17] DIN EN ISO 3834-5:2015 DIN EN 10025-3
Berichte 17 (1985), Heft 1, S. 57-73 Qualitätsanforderungen für das Warmgewalzte Erzeugnisse aus Bau-
Schmelzschweißen von metallischen stählen – Teil 3: Technische Liefer­
[7] Seyffarth, P.; Meyer, B.; Scharff, A.: Werkstoffen – Teil 5: Dokumente, deren bedingungen für normalgeglühte/
Großer Atlas Schweiß-ZTU-Schaubil- Anforderungen erfüllt werden müssen, normalisierend gewalzte schweißge-
der. Fachbuchreihe Schweißtechnik. um die Übereinstimmung mit den An- eignete Feinkornbaustähle
Bd. 110. DVS Verlag, Düsseldorf, 1992 forderungen nach ISO 3834-2, ISO
3834-3 oder ISO 3834-4 nachzuweisen DIN EN 10025-4
[8] Kusch, M.; Hälsig, A.; Thurner, S.: Warmgewalzte Erzeugnisse aus Bau­
Bestimmung von Wirkungsgraden an [18] DIN 1910-11:1979 s­tählen – Teil 4: Technische Liefer­
Schutzgasschweißverfahren. Schwei- Schweißen – Werkstoffbedingte Be- bedingungen für thermomechanisch
ßen und Schneiden 63 (2011), Heft griffe für Metallschweißen gewalzte schweißgeeignete Feinkorn-
1-2, S. 30 ff. baustähle
[19] DIN 1910-100:2008
[9] thyssenkrupp Steel Europe AG: Schweißen und verwandte Prozesse DIN EN 10025-5
ProWeld. https://www.thyssenkrupp- – Begriffe – Teil 100: Metallschweiß- Warmgewalzte Erzeugnisse aus Bau-
steel.com/de/produkte/grobblech/ prozesse mit Ergänzungen zu DIN EN stählen – Teil 5: Technische Lieferbe-
grobblech-uebersicht.html 14610:2005 dingungen für wetterfeste Baustähle

29
Merkblatt 381

DIN EN 10025-6 und aus Feinkornbaustählen – Teil 1: DIN EN ISO 3834-1


Warmgewalzte Erzeugnisse aus Bau- Technische Lieferbedingungen Qualitätsanforderungen für das
stählen – Teil 6: Technische Lieferbe- Schmelzschweißen von metallischen
dingungen für Flacherzeugnisse aus DIN EN 10216-1 Werkstoffen – Teil 1: Kriterien für die
Stählen mit höherer Streckgrenze im Nahtlose Stahlrohre für Druckbe- Auswahl der geeigneten Stufe der
vergüteten Zustand anspruchungen – Technische Lie- Qualitätsanforderungen
ferbedingungen – Teil 1: Rohre aus
DIN EN 10028-1 unlegierten Stählen mit festgelegten DIN EN ISO 3834-2
Flacherzeugnisse aus Druckbehäl- Eigenschaften bei Raumtemperatur Qualitätsanforderungen für das
terstählen – Teil 1: Allgemeine An- Schmelzschweißen von metallischen
forderungen DIN EN 10216-2 Werkstoffen – Teil 2: Umfassende
Nahtlose Stahlrohre für Druckbe- Qualitätsanforderungen
DIN EN 10028-2 anspruchungen – Technische Lie-
Flacherzeugnisse aus Druckbehäl- ferbedingungen – Teil 2: Rohre aus DIN EN ISO 3834-2
terstählen – Teil 2: Unlegierte und unlegierten und legierten Stählen Qualitätsanforderungen für das
legierte Stähle mit festgelegten mit festgelegten Eigenschaften bei Schmelzschweißen von metallischen
Eigenschaften bei erhöhten Tempe- erhöhten Temperaturen Werkstoffen – Teil 3: Standard-Qua-
raturen litätsanforderungen
DIN EN 10216-3
DIN EN 10028-3 Nahtlose Stahlrohre für Druckbe- DIN EN ISO 3834-4
Flacherzeugnisse aus Druckbehälter­ anspruchungen – Technische Lie- Qualitätsanforderungen für das
stählen – Teil 3: Schweißgeeignete ferbedingungen – Teil 3: Rohre aus Schmelzschweißen von metallischen
Feinkornbaustähle, normalgeglüht legierten Feinkornbaustählen Werkstoffen – Teil 4: Elementare Qua-
litätsanforderungen
DIN EN 10028-5 DIN EN 10216-4
Flacherzeugnisse aus Druckbehäl- Nahtlose Stahlrohre für Druckbe- DIN EN ISO 3834-5
terstählen – Teil 5: Schweißgeeignete anspruchungen – Technische Lie- Qualitätsanforderungen für das
Feinkornbaustähle, thermomecha- ferbedingungen – Teil 4: Rohre aus Schmelzschweißen von metallischen
nisch gewalzt unlegierten und legierten Stählen mit Werkstoffen – Teil 5: Dokumente,
festgelegten Eigenschaften bei tiefen deren Anforderungen erfüllt werden
DIN EN 10028-6 Temperaturen müssen, um die Übereinstimmung
Flacherzeugnisse aus Druckbehäl- mit den Anforderungen nach ISO
terstählen – Teil 6: Schweißgeeignete DIN EN 10219-1 3834-2, ISO 3834-3 oder ISO 3834-4
Feinkornbaustähle, vergütet Kaltgefertigte geschweißte Hohlprofile nachzuweisen
für den Stahlbau aus unlegierten Bau-
DIN EN 10149-1 stählen und aus Feinkornbaustählen – DIN EN ISO 5817
Warmgewalzte Flacherzeugnisse aus Teil 1: Technische Lieferbedingungen Schweißen – Schmelzschweißver-
Stählen mit hoher Streckgrenze zum bindungen an Stahl, Nickel, Titan
Kaltumformen – Teil 1: Allgemeine DIN EN 10225 und deren Legierungen (ohne Strahl-
technische Lieferbedingungen Schweißgeeignete Baustähle für schweißen) – Bewertungsgruppen
feststehende Offshore-Konstruktio- von Unregelmäßigkeiten
DIN EN 10149-2 nen – Technische Lieferbedingungen
Warmgewalzte Flacherzeugnisse aus DIN EN ISO 9692-1
Stählen mit hoher Streckgrenze zum DIN EN 10248-1 Schweißen und verwandte Prozesse
Kaltumformen – Teil 2: Technische Warmgewalzte Spundbohlen aus un- – Arten der Schweißnahtvorbereitung
Lieferbedingungen für thermo­ legierten Stählen – Teil 1: Technische – Teil 1: Lichtbogenhandschweißen,
mechanisch gewalzte Stähle Lieferbedingungen Schutzgasschweißen, Gasschwei-
ßen, WIG-Schweißen und Strahl-
DIN EN 10149-3 DIN EN ISO 636 schweißen von Stählen
Warmgewalzte Flacherzeugnisse aus Schweißzusätze – Stäbe, Drähte und
Stählen mit hoher Streckgrenze zum Schweißgut zum Wolfram-Inertgas- DIN EN ISO 11666
Kaltumformen – Teil 3: Technische schweißen von unlegierten Stählen Zerstörungsfreie Prüfung von
Lieferbedingungen für normalge- und Feinkornstählen – Einteilung Schweißverbindungen – Ultraschall-
glühte oder normalisierend gewalzte prüfung – Zulässigkeitsgrenzen
Stähle DIN EN ISO 2560
Schweißzusätze – Umhüllte Stab­ DIN EN ISO 14171
DIN EN 10210-1 elektroden zum Lichtbogenhand- Schweißzusätze – Massivdrahtelek-
Warmgefertigte Hohlprofile für den schweißen von unlegierten Stählen troden, Fülldrahtelektroden und
Stahlbau aus unlegierten Baustählen und Feinkornstählen – Einteilung Draht-Pulver-Kombinationen zum

30
Schweißen unlegierter und niedriglegierter Baustähle

Unterpulverschweißen von unle- Schweißverfahren für metallische Gammastrahlungstechniken mit


gierten Stählen und Feinkornstählen Werkstoffe – Schweißverfahrens- Filmen
– Einteilung prüfung – Teil 1: Lichtbogen- und
Gasschweißen von Stählen und DIN EN ISO 17636-2
DIN EN ISO 14174 Lichtbogenschweißen von Nickel Zerstörungsfreie Prüfung von
Schweißzusätze – Pulver zum Unter- und Nickellegierungen Schweißverbindungen – Durchstrah-
pulverschweißen und Elektroschla- lungsprüfung – Teil 2: Röntgen- und
ckeschweißen – Einteilung DIN EN ISO 15614-7 Gammastrahlungstechniken mit
Anforderung und Qualifizierung von digitalen Detektoren
DIN EN ISO 14175 Schweißverfahren für metallische
Schweißzusätze – Gase und Misch- Werkstoffe – Schweißverfahrens- DIN EN ISO 17638
gase für das Lichtbogenschweißen prüfung – Teil 7: Auftragschweißen Zerstörungsfreie Prüfung von
und verwandte Prozesse Schweißverbindungen – Magnet-
DIN EN ISO 15614-11 pulverprüfung
DIN EN ISO 14341 Anforderung und Qualifizierung von
Schweißzusätze – Drahtelektroden Schweißverfahren für metallische DIN EN ISO 18275
und Schweißgut zum Metall-Schutz- Werkstoffe – Schweißverfahrens- Schweißzusätze – Umhüllte Sta-
gasschweißen von unlegierten Stäh- prüfung – Teil 11: Elektronen- und belektroden zum Lichtbogenhand-
len und Feinkornstählen – Einteilung Laserstrahlschweißen schweißen von hochfesten Stählen
– Einteilung
DIN EN ISO 15609-1 DIN EN ISO 15614-12
Anforderung und Qualifizierung von Anforderung und Qualifizierung von DIN EN ISO 18276
Schweißverfahren für metallische Schweißverfahren für metallische Schweißzusätze – Fülldrahtelektro-
Werkstoffe – Schweißanweisung – Werkstoffe – Schweißverfahrens­ den zum Metall-Lichtbogenschwei-
Teil 1: Lichtbogenschweißen prüfung – Teil 12: Widerstandspunkt-, ßen mit und ohne Schutzgas von
Rollennaht- und Buckelschweißen hochfesten Stählen – Einteilung
DIN EN ISO 15609-2
Anforderung und Qualifizierung von DIN EN ISO 15614-13 DIN EN ISO 23277
Schweißverfahren für metallische Anforderung und Qualifizierung von Zerstörungsfreie Prüfung von
Werkstoffe – Schweißanweisung – Schweißverfahren für metallische Schweißverbindungen – Eindring-
Teil 2: Gasschweißen Werkstoffe – Schweißverfahrens- prüfung von Schweißverbindungen
prüfung – Teil 13: Pressstumpf- und – Zulässigkeitsgrenzen
DIN EN ISO 15609-3 Abbrennstumpfschweißen
Anforderung und Qualifizierung von DIN EN ISO 23278
Schweißverfahren für metallische DIN EN ISO 15614-14 Zerstörungsfreie Prüfung von
Werkstoffe – Schweißanweisung – Anforderung und Qualifizierung von Schweißverbindungen – Magnetpul-
Teil 3: Elektronenstrahlschweißen Schweißverfahren für metallische verprüfung von Schweißverbindun-
Werkstoffe – Schweißverfahrens­ gen – Zulässigkeitsgrenzen
DIN EN ISO 15609-4 prüfung – Teil 14: Laserstrahl-Licht-
Anforderung und Qualifizierung von bogen-Hybridschweißen von Stäh- DIN EN ISO 26304
Schweißverfahren für metallische len, Nickel und dessen Legierungen Schweißzusätze – Massivdrahtelek-
Werkstoffe – Schweißanweisung – troden, Fülldrahtelektroden und
Teil 4: Laserstrahlschweißen DIN EN ISO 16834 Draht-Pulver-Kombinationen zum
Schweißzusätze – Drahtelektroden, Unterpulverschweißen von hoch-
DIN EN ISO 15609-5 Drähte, Stäbe und Schweißgut zum festen Stählen – Einteilung
Anforderung und Qualifizierung von Schutzgasschweißen von hochfes-
Schweißverfahren für metallische ten Stählen – Einteilung DVS-Merkblatt 0941-2
Werkstoffe – Schweißanweisung – Fülldrahtelektroden für das Me-
Teil 5: Widerstandsschweißen DIN EN ISO 17632 tall-Lichtbogenschweißen mit Gas-
Schweißzusätze – Fülldrahtelektro- schutz von un- und niedriglegierten
DIN EN ISO 15609-6 den zum Metall-Lichtbogenschwei- Stählen
Anforderung und Qualifizierung von ßen mit und ohne Schutzgas von
Schweißverfahren für metallische unlegierten Stählen und Feinkorn- SEW 088; SEW 088 Beiblatt 1; SEW
Werkstoffe – Schweißanweisung – stählen – Einteilung 088 Beiblatt 2
Teil 6: Laserstrahl-Lichtbogen-Hy­ Schweißgeeignete Feinkornbaustäh-
brid­schweißen DIN EN ISO 17636-1 le – Richtlinien für die Verarbeitung,
Zerstörungsfreie Prüfung von besonders für das Schmelzschwei-
DIN EN ISO 15614-1 Schweißverbindungen – Durchstrah- ßen
Anforderung und Qualifizierung von lungsprüfung – Teil 1: Röntgen- und

31
Wirtschaftsvereinigung Stahl
Marketing

Postfach 105464
40045 Düsseldorf
Sohnstraße 65
40237 Düsseldorf

Fon +49 (0) 211 67 07- 0


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