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Grundsätze der Maintaler Familienzentren Der Magistrat der Stadt Maintal Fachdienst Kindertageseinrichtungen
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Grundsätze der Maintaler Familienzentren

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Der Magistrat der Stadt Maintal Fachdienst Kindertageseinrichtungen Klosterhofstr. 4 - 6 · 63477 Maintal

KONZEPTIONELLE GRUNDLAGEN DER MAINTALER FAMILIENZENTREN

Inhalt

1. Einleitung

2

2. Anforderungsprofil und Aufgaben der pädagogischen Fachkraft im Familienzentrum:

3

Kindbezogene Aufgaben der pädagogischen Fachkraft

4

Die acht pädagogischen Strategien

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Familienbezogene Aufgaben der pädagogischen Fachkraft

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3. Team

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Anforderungsprofil und Form der Zusammenarbeit

6

Zusammenarbeit im Team: Reflexion, kollegiale Beratung:

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4. Rolle, Anforderungsprofil und Aufgaben von Leitung

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5. Zusammenarbeit mit Familien, Erziehungspartnerschaft, Angebote, Vernetzung,

Kooperation

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6. Ressourcen: Räume, Raumgestaltung, Bildungsmaterial, Vermietung

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7. Personelle Ressourcen

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24.03.2015

Erarbeitet von:

H. Barnikol-Veit, B. Holzwarth, T. Knorr, Chr. Mehringer, G. Steltner-Merz, A. Wagner

1. Einleitung

Familie ist heutzutage keine feste Lebensform mehr, sondern sie ist ein Prozess, den es immer wieder neu zu gestalten gilt. Im Siebten Familienbericht, der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend BMFSFJ im Jahr 2006 herausgegeben wurde, ist von einer „Herstellungsleistung“ die Rede, die täglich neu erbracht werden muss. 1

Diese Leistung kann nicht von der Familie allein geschafft werden. Dazu braucht sie in unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Unterstützungs- oder Ergänzungsangebote. Dies gilt für alle Familien und ist völlig unabhängig von sozioökonomischen Hintergründen.

Zu den Unterstützungsleistungen zählt die Erziehung, Bildung und Betreuung in einer Kindertagesstätte, sowie eine Beratung bei der alltäglichen Erziehungsleistung. Manchmal zählt dazu auch eine Beratung in krisenhaften Lebensphasen, ein Bildungsangebot für die Eltern, Unterstützung bei der

Integration in das Leben in diesem Land u. v. m

Die grundlegende Idee der

Familienzentren in Deutschland besteht darin, Familien diese Unterstützungs- formen niederschwellig zu eröffnen, d. h., sie den Familien einfach und möglichst

ohne bürokratische, räumliche oder sonstige Hürden anzubieten.

Die Angebote, die sich in beiden Maintaler Familienzentren entwickelt haben, sind unterschiedlich und orientieren sich vornehmlich am Bedarf der Kinder und Familien, aber auch an den jeweiligen fachlichen Profilen der Einrichtungen und den besonderen Kompetenzen, die innerhalb der Teams vorhanden sind. Bei aller Unterschiedlichkeit in den Angeboten sind die konzeptionellen Grundlagen die gleichen. Dazu zählt, dass sich die Familienzentren im Sinne der EEC auf drei Ebenen bewegen:

1. Jedes Kind ist exzellent. Der Blick richtet sich auf die Stärken und Talente, die jedes Kind in sich trägt und die weiter entwickelt und gefördert werden können.

2. Eltern sind die ersten und wichtigsten Experten ihrer Kinder. Sie in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken und sie einzubeziehen in die Bildungs- prozesse ihrer Kinder ist Grundlage der Erziehungspartnerschaft.

3. Vernetzung und Kooperation: Familienzentren öffnen sich als Bildungsstätten nach innen und außen.

1 BMFSFJ (Hrsg) (2006): Familien zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit Perspektiven für eine lebenslauf- bezogene Familienpolitik. Siebter Familienbericht. S. 104. Drucksache 16/1360

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Die konzeptionellen Grundladen der beiden Maintaler Familienzentren und die daraus resultierenden Anforderungen an die Pädagogischen Fachkräfte, Teams und Leitungen werden im Folgenden dargestellt

2. Anforderungsprofil und Aufgaben der pädagogischen Fachkraft im Familienzentrum:

Die Arbeit in einem Familienzentrum stellt bestimmte Anforderungen an die Fachkompetenz und die pädagogische Grundhaltung der Fachkräfte, deren Aufgabe darin besteht, „exzellente“ Bildungsprozesse zu ermöglichen, die Familien in den Bildungsprozess einzubeziehen, Beratung und Unterstützung anzubieten und vernetzt zu arbeiten. Haltung und Verhalten der Pädagogen/innen müssen immer wieder neu reflektiert und erarbeitet werden. Charakteristisch im Early Exzellence Ansatz ist die Bedeutung der professionellen Selbstreflexion, der Selbstbeobachtung der pädagogischen Fachkraft und der Dialog im Team. Fachkräfte in Familienzentren vernetzen Bildung, Beratung und Kooperation. Dazu benötigen sie neben einer fundierten, pädagogischen Qualifikation auch methodische, persönliche und fachliche Kompetenzen.

Anforderungsprofil

Mindestvoraussetzung: Staatlich anerkannte/r Erzieher/in

Zusatzqualifikationen erwünscht, z. B.: Interkulturelle Pädagogik, Inklusiver Ansatz, Psychomotorik, Erlebnispädagogik, Gesprächs- Kommunikations- und Beratungsmethoden,

Sehr gute theoretische Kenntnisse: Early Excellence Center - Ansatz, HBEP, Situationsansatz, Beobachtungsverfahren z. B. Bildungs- und Lerngeschichten nach Carr, bzw. die Bereitschaft, sich diese anzueignen; Entwicklungspsychologisches Grundlagenwissen (1 10 Jahre)

Bereitschaft, in einem vernetzten Team zu arbeiten

Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen

Bereitschaft, die eigene Handlungen zu hinterfragen, Kritik und Feedback angemessen zu geben und annehmen zu können, sich als Teil des Ganzen zu sehen

Bereitschaft zu kontinuierlicher Fort- und Weiterbildung

Fähigkeit zur professionellen Selbstreflexion bezüglich der pädagogischen und persönlichen Grundhaltung, Bild vom Kind, Interaktion und Kommunikation mit Kind, Eltern, Team

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Offenheit für alle Familien, sie in ihrer Individualität wahrzunehmen und ihnen entsprechend zu begegnen

Vorurteilsbewusste Haltung gegenüber Kindern und Familien

sich als Erziehungspartner zu verstehen

Interkulturalität und Inklusion als Bereicherung zu begreifen

Persönliche und soziale Kompetenzen wie z. B. Aufgeschlossenheit, Team- fähigkeit, Konfliktfähigkeit, Flexiblität, Engagiertheit, Belastbarkeit, Kommunikationsfähigkeit

Kindbezogene Aufgaben der pädagogischen Fachkraft

Die exzellente Bildungsbegleitung von Kindern wird anhand der acht pädagogischen Strategien als Anleitung für einen kindzentrierten, positiven Blick nach dem EEC Ansatz umgesetzt. Die pädagogische Fachkraft (FK) reflektiert ihre pädagogische Arbeit, ihre Haltung und ihre feinfühlige Interaktion anhand dieser Strategien mit Hilfe von Reflexionsfragen. Zum professionellen Handwerkszeug der Fachkraft gehören Selbstbeobachtung, Selbstreflexion und der Dialog im Team.

Die acht pädagogischen Strategien 2

1. Warten und Beobachten in respektvoller Distanz (Sanfte Intervention) Beobachtet die FK, was das Kind tut? Fragt die FK das Kind, was es tut? Wartet sie ab, bevor sie interveniert? Hört sie dem Kind, seinen Eltern zu?

2.

An

frühere

Erfahrungen

und

Erlebnisse

des

Kindes

anknüpfen

(Kontextsensitivität) Den kindlichen Kontext kennen und fähig sein, seine früheren Erlebnisse mit einzubeziehen, damit Lernprozesse an Erfahrungen anknüpfen können Reflexionsfragen: Zeigt die FK, dass sie das Zuhause des Kindes und seiner Familie kennt? Verbindet sie Einzelheiten des Familienlebens und der Familiengeschichte mit aktuellen Erfahrungen? Bemüht sie sich, heraus zu finden, was das Kind zu lernen versucht?

3. Zuwendung durch physische Nähe und Mimik und damit Bestätigung des Kindes (Affirmation) Reflexionsfragen: Befindet sich die FK oft auf dem Niveau, auf der Höhe des Kindes? Stellt sie Blickkontakt mit dem Kind her? Befindet sie sich in körperlicher

2 Hebenstreit-Müller, Sabine; Lepenies, Annette (Hrsg.) (2007): Early Excellence: Der positive Blick auf Kinder, Eltern und Erzieherinnen. S. 51. Berlin. Dohrmann Verlag.

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Nähe? Zeigt die FK dem Kind, dass sie daran interessiert ist, was das Kind interessiert?

4. Das Kind ermutigen, zu wählen und selbst zu entscheiden.

Reflexionsfragen: Hört die FK sorgfältig zu? Versucht sie die Meinung des Kindes zu erfragen? Bietet sie dem Kind Wahlmöglichkeiten? Richtet sie sich nach der Wahl des Kindes und handelt entsprechend?

5. Das Kind dabei zu unterstützen, angemessene Risiken einzugehen

Reflexionsfragen: Ermutigt die FK das Kind, weiterzugehen? Unterstützt sie das Kind physisch? Unterstützt sie das Kind dabei verbal?

6. Das Kind ermutigen, etwas zu tun, was den Erwachsenen im Ablauf selbst unklar ist. Das Kind bei diesen Experimenten begleiten. Reflexionsfragen: Folgt die FK der Führung des Kindes? Sagt sie, dass sie einer Sache nicht sicher ist oder sie etwas nicht weiß? Macht die FK Vorschläge, wie man in diesem Fall vorankommen könnte, indem man beispielsweise in einem Buch nachsieht oder einen anderen Erwachsenen befragt? Berücksichtigt die FK, auf welcher Entwicklungsstufe sich das Kind befindet?

7. Wissen, dass die Haltung und die Einstellung des Erwachsenen das Kind beeinflussen:

Die FK ist hat mit ihrer Persönlichkeit, ihren Wertevorstellungen, ihren Erfahrungen und Handlungen eine Vorbildwirkung. Ihr pädagogisches Handeln, ihre Einstellungen, ihre Haltung, ihr Wissen z. B. zu einem Thema des Kindes, beeinflussen sowohl die Kommunikation mit dem Kind als auch den Lernprozess des Kindes. Reflexionsfragen: Ist sich die FK dieser Wirkung bewusst und reflektiert? Ist die FK offen demgegenüber, was das Kind interessiert?

8. Der Erwachsene zeigt, dass er und das Kind im Lernen Partner sind.

Reflexionsfragen: Lässt sich die FK durch die Erkundungen des Kindes begeistern? Macht sie einen engagierten Eindruck? (Leuchtende Augen, Konzentration, Ausdauer, Energie, Befriedigung). Zeigt die FK Neugierde? Versucht sie mehr heraus zu bekommen, beispielsweise dadurch, dass sie in ein Buch schaut, andere Leute fragt oder ins Internet geht? Eine wesentliche Grundlage der pädagogischen Arbeit ist die professionelle Beobachtung und Dokumentation der Lernprozesse der Kinder. Nur die reflektierte Beobachtung führt zu pädagogischem Handeln zu Bildungsimpulsen, Bildungsangeboten und Projektarbeit im Dialog mit dem Kind

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Familienbezogene Aufgaben der pädagogischen Fachkraft

Ausgehend von dem Leitgedanken „Eltern sind die Experten ihrer Kinder“ basiert die Erziehungspartnerschaft auf Dialog und Kommunikation. Gemeinsam werden Erziehungsziele zum Wohle des Kindes ausgetauscht, diskutiert und vereinbart. Dabei spielt die Bezugserzieherin eines Kindes eine besondere Rolle. Sie hat das Kind mit seiner Familie und deren Themen von Anfang an im Blick und begleitet das Kind und die Familie kontinuierlich als Bildungs- und Erziehungspartnerin. Sie reflektiert sich und die Zusammenarbeit mit den Familien anhand von Leitfragen:

Was gelingt mir mit dem Kind, mit der Familie gut? Was gelingt dem Kind gut? Was gelingt der Familie gut?

3.

Team

Anforderungsprofil und Form der Zusammenarbeit

Die Arbeit in einem Familienzentrum stellt nicht nur an die einzelne pädagogische Fachkraft, sondern an das gesamte Team besondere Anforderungen. Teams in Familienzentren insbesondere sehr große Teams, brauchen klare Arbeits-, Organisations- und Kommunikationsstrukturen. Bildung, Beratung, Kooperation und Vernetzung erfordern ein multiprofessionelles Team. Die Zusammensetzung des Teams sollte auf die Bedarfe der Familien und Kinder hin überprüft werden. Dazu bedarf es einer regelmäßigen Bedarfsanalyse und Reflexion: Was brauchen unsere Familien im Familienzentrum?“ „Haben wir diese Kompetenzen, Ressourcen passend zu dem, was die Familien brauchen?“ „Brauchen wir dementsprechend zusätzliches Personal oder können wir uns weiter qualifizieren?“ Notwendige Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen können in der jährlichen Fortbildungswoche, den Konzeptionstagen und über das Fortbildungsbudget der beiden Einrichtungen realisiert werden. Das Team versteht das Familienzentrum als eine lernende Organisation. Von einem multiprofessionellen Team mit Fachkräften, die unterschiedliche Kompetenzen und fachliche Schwerpunkte haben, können profitieren alle im Familienzentrum profitieren: Kinder, Familien und Team.

Zusammenarbeit im Team: Reflexion, kollegiale Beratung:

Kollegiale Beratung findet auf unterschiedlichen Ebenen statt: mit den Leitungen, der Gruppenkollegin, mit der Partnergruppe, im Kleinteam und mit dem Gesamtteam.

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Als Grundlage zur Überprüfung der eigenen Haltung, Handlung und Interaktion in der kollegialen Beratung unterstützen gegenseitige Beobachtungen: „Beobachte mich bitte in der Kommunikation mit dem Kind, mit der Familie, mit den Kolleginnen.“ „Gib mir Feedback aus deiner Perspektive“. Professionelle Feedbackregeln unterstützen diesen Prozess. Ebenso dienen die acht pädagogischen Strategien und deren Reflexionsfragen als Grundlage zur Überprüfung der pädagogischen Arbeit.

Für Fallbesprechungen werden individuelle, fallbezogene und lösungsorientierte Leitfragen entwickelt. Diese dienen als Grundlage zur professionellen Vorbereitung, z. B. auf Entwicklungs- Beratungs- oder interdisziplinäre Gespräche mit Familien. Beide Familienzentren nutzen bei Bedarf Supervision oder externe Beratung und Begleitung.

4. Rolle, Anforderungsprofil und Aufgaben von Leitung

Zu den wesentlichen Leitungsaufgaben aller Kitaleitungen gehören:

Personalführung und entwicklung

Betriebsführung und Organisation der Einrichtung

Moderation, Koordination und Evaluation der pädagogischen Prozesse

Konzeptionsentwicklung und Qualitätssicherung

Kooperation mit Eltern, Bürger/innen, anderen Institutionen, Stiftungen etc.

Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung

Zu den besonderen Aufgaben der Leitung eines Familienzentrums gehören die Kooperation und Vernetzung, die Personalentwicklung- und -qualifizierung sowie die Evaluation von Bedarfen und Angeboten durch regelmäßige Sozialraumanalysen/ Elternbefragungen etc Die Leitungen sind verantwortlich für die Erarbeitung des Profils des Familienzentrums in Zusammenarbeit mit dem Gesamtteam und der Fachdienstleitung/ Fachbereichsleitung.

In einem multiprofessionellen Team eines Familienzentrums mit seinen unterschiedlichen Angeboten und Aufgaben ist die Personal- und Teamentwicklung sowie der Personaleinsatz unter Berücksichtigung der Stärken, Kompetenzen und Schwerpunkte der pädagogischen Fachkräfte eine besonders wichtige Aufgabe und Herausforderung.

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Im Sinne einer internen Evaluation werden z. B. in den jährlichen Mitarbeitergesprächen, an Konzeptionstagen sowie in der Fortbildungswoche alle pädagogischen Verfahren aufgefrischt und bisherige Abläufe überprüft. Dazu zählen die acht pädagogischen Strategien nach dem EEC Ansatz.

In einer Arbeitsgruppe bestehend aus den beiden Leitungsteams der Familienzentren Ludwig-Uhland-Straße und Schillerstraße, der Pädagogischen Fachberatung und der Fachbereichsleitung wird die konzeptionelle Weiterentwicklung beider Häuser begleitet und miteinander abgestimmt.

5. Zusammenarbeit mit Familien, Erziehungspartnerschaft, Angebote, Vernetzung, Kooperation

Die grundlegende Idee der Familienzentren besteht darin, Familien Unterstützungsformen niederschwellig anzubieten, d. h., möglichst einfach und ohne bürokratische, räumliche oder sonstige Hürden. Nicht alle Angebote eines Familienzentrums können intern erbracht werden. Manche Leistungen anderer Einrichtungen und Partner werden über Kooperationsvereinbarungen verlässlich sichergestellt. Das Familienzentrum selbst ist erste Anlaufstelle, vermittelt die erforderlichen Informationen und begleitet ggf. die Familien auf ihrem Weg zu den ergänzenden Angeboten. Die Einbindung der Ressourcen von Eltern in den pädagogischen Alltag kann als Ergänzung zu BEP und Situationsansatz genutzt werden. Diese Angebote sind aktions- oder projektbezogen und sind abgestimmt mit der pädagogischen Themensetzung des Familienzentrums.

6. Ressourcen: Räume, Raumgestaltung, Bildungsmaterial, Vermietung

Familienzentren bieten gute Voraussetzungen, ein unterstützendes Netzwerk auch für diejenigen Familien bereitzustellen, deren Kinder nicht oder noch nicht in der Einrichtung sind. Dabei ist es wichtig mit anderen Trägern, Schulen, Institutionen der Jugendhilfe sowie Vereinen in Kontakt zu treten und aktiv eine Kooperation zu initiieren. Grundgedanke dabei ist, dass mit einer engen Kooperation die jeweiligen Ressourcen auch anderer Institutionen für die Familien erschlossen

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werden können. Ziel ist es, eine integrierte Familienarbeit zu entwickeln, in der Familien Unterstützung erhalten, soziale Netzwerke entwickeln und sich selbst aktiv mit ihren Kompetenzen und Ressourcen beteiligen können.

Eine Voraussetzung, um diese Arbeit vernetzter Angebote für Familien im Stadtteil zu installieren, sind Räume im Familienzentrum, die entsprechend umgestaltet, neu geschaffen oder multifunktional genutzt werden sowie Zusatzräume für alle Altersgruppen und Nutzer.

Anforderung an den pädagogischen Raum:

Die Gestaltung der Innen- und Außenräume orientiert sich an den Bedürfnissen der Kinder nach Kommunikation, Bewegung, Rückzug, Entspannung und Kreativität. Die Nutzung vielfältiger elementarer Ausdrucksmittel und unterschiedlicher Formen von Medien werden in allen Gruppenräumen ermöglicht. Es gilt der Grundsatz des „vorbereiteten Raums“. Eine klare Raumstruktur, ein einfaches, sich selbst erklärendes Ordnungssystem für Materialien, erleichtert die multifunktionale Nutzung des Raumes für alle Altersgruppen. Die Ausstattung ist flexibel veränderbar.

Zusätzlich zu den Gruppenräumen verfügen die Familienzentren über Funktionsräume, die von Kindern, Eltern und Erzieherinnen und Kooperationspartnern eigenständig oder angeleitet benutzt werden können. Die Vermietung der Räume für Angebote von Eltern oder Kooperationspartner wird durch die multifunktionale Nutzung der Gruppen- und Zusatzräume, der klaren Raumstruktur und der flexiblen Gestaltung der Ausstattung einfacher.

7. Personelle Ressourcen

Zu den Rahmenbedingungen eines Familienzentrums gehört unbedingt, dass ein zusätzliches Stundenkontingent für Leitungs- und Koordinationsaufgaben zur Verfügung steht. Derzeit wird ein Stundenkontingent von fünf Stunden für die Schillerstraße durch die Projektmittel des Landes finanziert, in der Ludwig-Uhland- Straße wurden fünf Stunden aus dem Gesamtbudget des Fachdienstes heraus bereitgestellt. Im Zuge der Weiterentwicklung beider Familienzentren wird deutlich, dass ein höherer Stundenbedarf besteht, denn gerade der Bereich der Koordination von Angeboten mit externen Partnern/innen und der Etablierung von Vernetzungsstrukturen erfordert zusätzliche zeitliche Ressourcen. Hier müssen neue Lösungen gefunden werden.

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