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Hans

R i e b e r – !19.06.1909 Pforzheim † vermisst April 1945


- 1. Kompanie / Nachrichtenabteilung 5 -


Hans Rieber wurde am 19. April 1909 in Pforzheim
geboren. Als Unteroffizier kämpfte er in der 1. Kompanie
der Divisions-Nachrichtenabteilung 5, der 5. Infanterie- und
Jäger-Division. Unteroffizier Rieber gilt seit April 1945 als
vermisst. Seine Frau Käte Rieber hat in den sechziger und
siebziger Jahren alles unternommen um das Schicksal ihres
Mannes aufzuklären.

Gottfried Hertel, ein Kamerad von Hans Rieber, schreibt am
5. Oktober 1959:

„Sehr geehrte Frau Rieber!

Auf Grund Ihres Telefonanrufs bestätige ich Ihnen
hiermit, dass Ihr Mann, Hans Rieber als Unteroffizier der
Nachrichtenabteilung 5 in der 5. Jäger-Division, am 6.
März 1945 in Blumenau / Hinterpommern, etwa 50 Kilometer ostwärts der Oder,
gegen Abend durch einen Armschuss verwundet wurde.

Da die Nachrichtenabteilung zusammen mit dem Divisionsstab an diesem Tage von
den Russen eingeschlossen wurde und beabsichtigt war, in der Nacht zum 7. März
1945 den Einschließungsring zu sprengen und nach Westen durchzubrechen, war es
nicht möglich, Ihren Mann mit seiner schweren Verwundung und dem hohen
Blutverlust mitzunehmen. Er wurde zusammen mit anderen Verwundeten, unter
Betreuung eines Sanitätsfeldwebels in diesem Ort zurückgelassen, der den Auftrag
hatte, die Verwundeten den Russen zu übergeben. Weder von ihm, noch von allen
anderen Verwundeten ist jemals eine Nachricht durchgekommen, sodass über das
Schicksal Ihres Mannes beim besten Willen keine Angaben gemacht werden konnten.
Ein weiterer Kamerad Ihres Mannes, der seinerzeitige Nachrichtenleutnant Erich
Kraus ist bereit, ebenfalls über die Verwundung Ihres Mannes auszusagen, wenn dies
behördlicherseits benötigt werden sollte. Es tut mir leid, Ihnen keine anderen Angaben
machen zu können. Seien Sie versichert, dass ich an dem Schicksal Ihres Mannes, mit
dem ich während langer Zeit freundschaftlich verbunden war, großen Anteil
genommen habe.“

Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes kommt nach seinen Nachforschungen zu
folgendem Schluß:

Hans Rieber geriet wahrscheinlich bei den Kämpfen, die im April 1945 während des
Rückzuges von Bad Freienwalde/Oder bis Lenzen an der Elbe, 20 Kilometer nordwestlich
von Wittenberge, geführt wurde, in sowjetischen Gewahrsam. Hier verstarb er mit hoher
Wahrscheinlichkeit in der ersten Zeit der Gefangenschaft, noch bevor er namentlich
registriert werden konnte.

Zur Begründung wird aufgeführt:

Am 29. Januar 1945 waren die sowjetischen Armeen bei Küstrin und Frankfurt bis zur Oder
vorgedrungen und hatten bis Anfang März zwischen den beiden Städten auf dem Westufer

Hans R i e b e r – !19.06.1909 Pforzheim † vermisst April 1945
- 1. Kompanie / Nachrichtenabteilung 5 -



des Stromes Fuß gefasst. Zur Fortsetzung des Angriffs zog der Gegner in diesem Abschnitt
mehr als zehn Armeen zusammen, denen von deutscher Seite nur die restlichen Teile
angeschlagener Frontdivisionen und Alarmeinheiten entgegengestellt werden konnten.
Nach der Räumung von Küstrin am 30. März entwickelten sich besonders heftige Kämpfe
um die 15 Kilometer weiter westlich gelegenen, die Oderniederung beherrschenden
Seelower Höhen.

Die deutsche 5. Jäger-Division wurde am 1. April 1945 aus ihren Stellungen nordostwärts
von Stettin herausgelöst und im Bahntransport in den Raum von Bad Freienwalde, 60
Kilometer nordostwärts von Berlin, verlegt, wo die Einheiten bis zum 5. April Stellungen
zwischen den Orten Hohensaaten und Neu Rüdnitz, entlang des westlichen Oderdamms
bezogen. Am 16. April drangen sowjetische Panzer auch weiter nördlich in Richtung
Wriezen, 40 Kilometer nordwestlich von Küstrin vor, erreichten drei Tage später Bad
Freienwalde und schlossen die Division ein. Beim Ausbruch wurden die Regimenter
versprengt und kämpften sich unter hohen Verlusten über Eberswalde und Zehdenick nach
Gransee und bis zum 29. April in Richtung Rheinsberg zurück. Gegnerische Panzer hatten
von Norden her die Straße Altruppin – Zechliner Hütte bei Zippelsförde besetzt. In kleinen
Gruppen schlugen sich die Soldaten über Neuruppin, Kyritz und Wittenberge bis zur Elbe
durch, die sie in der Nacht zum 3. Mai 1945 südlich von Lenzen überquerten.


Kampfraum der 5. Jäger-Division im April bis Mai 1945

Seit diesen Kämpfen werden zahlreiche Soldaten der 5. Jäger-Division vermisst. Viele von
Ihnen sind gefallen, ein Teil geriet in sowjetische Gefangenschaft.

Schon bei den Märschen in die Lager starben kranke und verwundeten Kriegsgefangene,
die den Strapazen nicht mehr gewachsen waren. Unzureichende Bekleidung und
Verpflegung sowie ungenügende sanitäre Verhältnisse verursachten beträchtliche Verluste.
Die Ungewissheit über das weitere Schicksal lähmte den Willen zum Überleben.

Nach einem Hinweis ist auch der Verschollene bei diesen Kämpfen in Gefangenschaft
geraten. Auf eine Suchanfrage teilte das Sowjetische Rote Kreuz mit, dass über ihn keine
Unterlagen vorhanden sind. Diese Aussage des Sowjetischen Roten Kreuzes zwingt zu der
Schlussfolgerung, dass der Verschollene Unteroffizier Hans Rieber bald nach seiner
Gefangennahme verstorben ist, bevor er namentlich registriert werden konnte.