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AGENDA

2030

THE GLOBAL GOALS powered by Alumni


ZIEL 1 KEINE ARMUT

ZIEL 2 KEIN HUNGER

ZIEL 3 GESUNDHEIT UND WOHLERGEHEN

ZIEL 4 HOCHWERTIGE BILDUNG

ZIEL 5 GESCHLECHTERGLEICHHEIT

ZIEL 6 SAUBERES WASSER UND SANITÄRE EINRICHTUNGEN

ZIEL 7 BEZAHLBARE UND SAUBERE ENERGIE

ZIEL 8 MENSCHENWÜRDIGE ARBEIT UND WIRTSCHAFTSWACHSTUM

ZIEL 9 INDUSTRIE, INNOVATION UND INFRASTRUKTUR

ZIEL 10 WENIGER UNGLEICHHEITEN

ZIEL 11 NACHHALTIGE STÄDTE UND GEMEINDEN

ZIEL 12 NACHHALTIGE/R KONSUM UND PRODUKTION

ZIEL 13 MASSNAHMEN ZUM KLIMASCHUTZ

ZIEL 14 LEBEN UNTER WASSER

ZIEL 15 LEBEN AN LAND

ZIEL 16 FRIEDEN, GERECHTIGKEIT UND STARKE INSTITUTIONEN

ZIEL 17 PARTNERSCHAFTEN ZUR ERREICHUNG DER ZIELE


VORWORT 3

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung drückt die internationale Staaten-
gemeinschaft ihre Überzeugung aus, dass sich die globalen Herausforderungen nur
gemeinsam lösen lassen. Das Kernstück der Agenda bildet ein Katalog mit 17 Zielen
und 169 Unterzielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals).

Viele Menschen und Institutionen weltweit setzen sich dafür ein, die Vision einer
sozial gerechten und ökologisch verträglichen Welt Wirklichkeit werden zu lassen.
Unter ihnen sind viele Deutschland-Alumni*, die mit großen und kleinen Projekten
einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Ziele in ihren Heimatländern leisten.

Das Alumniportal Deutschland hat es sich zur Aufgabe gemacht, im Rahmen der
Agenda 2030 Partnerschaften und Kooperationen zu ermöglichen, zu informieren
und zu inspirieren. Wir möchten mit diesem E-Book, aber auch auf der Website
www.alumniportal-deutschland.org die Agenda 2030 bekannter machen und zeigen,
dass jeder Einzelne gefragt ist und etwas tun kann.

Neben den harten Fakten präsentieren wir Ihnen auf den folgenden Seiten viele
Erfolgsgeschichten von Alumni, die die Agenda 2030 greifbarer und erlebbarer
machen. Und die hoffentlich viele weitere Menschen inspirieren, sich für die Errei-
chung der Ziele zu engagieren, denn hier sind nicht nur die internationale Politik,

große Institutionen oder Nichtregierungsorganisationen gefragt – es liegt an jedem

von uns, seinen Beitrag zu leisten.


Herzlichst

Ihre Sabine Olthof


Projektleiterin Alumniportal Deutschland

* Jährlich ermöglicht die deutsche Bundesregierung – insbesondere durch Programme des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und des Auswärtigen Amtes – Menschen aus aller Welt einmalige Bildungs- und Forschungserfahrungen in
und mit Deutschland. Sie kehren häufig in ihre Herkunftsländer zurück und arbeiten auf unterschiedlichen Ebenen in Politik und Gesellschaft in ihrer Heimat – unter ihnen sind spannende Persönlichkeiten wie KünstlerInnen, UnternehmerInnen, ForscherInnen, ManagerInnen,
JournalistInnen, Abgeordnete und auch MinisterInnen. Deutschland-Alumni sind aufgrund ihrer internationalen Erfahrungen häufig Impulsgeber und Innovatoren in ihren Ländern.
4

DIE AGENDA 2030:


Eine Gebrauchsanweisung für eine nachhaltige Zukunft

„Wir können die erste Ge-


neration sein, der es ge-
lingt, die Armut zu besei-
tigen, ebenso wie wir die
letzte sein könnten, die
die Chance hat, unseren
Planeten zu retten.“
Ban Ki-moon,
UN-Generalsekretär von 2007 bis 2016
5

Die Armut ist besiegt, das Klima im Gleichgewicht, es herrschen fai- einer gerechten Gesellschaft lebt, umgeben von einer intakten Umwelt – über-
re Arbeitsbedingungen, die Ökosysteme sind intakt ... Es gibt viele Visi- all in der Welt. Der Ansatz der Agenda ist universell: Alle Länder sollen glei-
onen für eine bessere Zukunft – und viele Menschen und Institutionen, chermaßen die Verantwortung für ihr Gelingen weltweit tragen. Die 17 Ziele
die sich dafür einsetzen. Aber erreicht wurde bislang noch zu wenig. sollen global und partnerschaftlich erreicht werden.

WAS MUSS SICH ALSO ÄNDERN?

In der Agenda 2030 werden erstmals die wesentlichen globalen Herausforde-


rungen benannt und der Weltgemeinschaft wird der Weg gewiesen, wie sie die-
se bis zum Jahr 2030 lösen kann, damit auch künftige Generationen die Chance
auf ein erfülltes Leben haben.

VEREINTE NATIONEN: „DIE ZUKUNFT, DIE WIR WOLLEN“

Die Staatengemeinschaft versuchte seit vielen Jahren, Antworten darauf zu


finden, wie weltweites Wirtschaftswachstum sozial gerecht und ökologisch ver-
träglich zu gestalten sei. Aber die bisherigen Ansätze reichten nicht aus. Im Sep-
tember 2015 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Natio-
nen schließlich die Agenda 2030, eine Übereinkunft aller 193 Mitgliedsstaaten
mit 17 globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development
Goals, SDGs) und 169 Unterzielen. Sie gilt seit dem 1. Januar 2016 und dient so-
zusagen als Gebrauchsanweisung für eine bessere Welt.

MENSCH, PLANET, WOHLSTAND, FRIEDEN UND PARTNER-


SCHAFT

Die Agenda benennt fünf Dimensionen, auf die gleichermaßen abgezielt wer-
den muss: den Menschen, den Planeten, Wohlstand und Frieden und eine glo-
bale Partnerschaft (englisch: People, Planet, Prosperity, Peace, Partnership – „5
Ps“). Die Vision der Agenda 2030 ist der gesunde Mensch, der in Frieden in
MEHR ZUR AGENDA 2030
6

INFOGRAFIK:
DIE FÜNF UMSETZUNGS-
PRINZIPIEN DER AGENDA 2030

Die Agenda beinhaltet fünf handlungslei-


tende Grundsätze: Die Umsetzungsprin-
zipien. Sie sind Wegweiser, wie nachhal-
tige Entwicklung global, transparent und
fair gestaltet werden sollte.

ZUR INFOGRAFIK

Stand: September 2018


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EINE STARKE STIMME:


AUMA OBAMAS STIFTUNG „SAUTI KUU“
Auma Obama:
„Es liegt an jedem selbst, sein Leben zu verbessern“
8

Mit ihrer Stiftung „Sauti Kuu“ fördert Auma Obama Kinder und Jugend- Im Sommer 2018 eröffnete Auma Obama in Alego im Südwesten Kenias ein
liche in ihrer Heimat Kenia. Die Deutschland-Alumna ist überzeugt, dass neues Sport-, Ressourcen- und Ausbildungszentrum. Dazu gehören unter an-
jeder sein Leben selbst in die Hand nehmen kann – mit der richtigen Un- derem ein Fußballplatz, ein Berufsbildungszentrum, ein IT-Laboratorium und
terstützung. eine Bibliothek. Zur Eröffnungsfeier kam auch ihr Halbbruder Barack Obama,
der ehemalige US-Präsident.
Dr. Auma Obama möchte möglichst vielen Menschen einen Schlüssel in die
Hand zu geben, der für alle Türen passt, die sich im Leben vor ihnen verschlie-
ßen können. „Mich hat schon immer die Frage umgetrieben, wie man Men-
schen zeigen kann, dass sie trotz aller Widrigkeiten immer einen Ausweg fin-
den können“, sagt die Germanistin und Soziologin. Sie wurde 1960 in einem
Dorf im Südwesten Kenias geboren. Dass sie sich von dort aus ihren Weg in
die Metropolen der Welt bahnte, hat ihre Einstellung zum Leben geprägt. „Es
liegt an jedem selbst, sein Leben zu bewältigen und zu verbessern“, betont
Obama. „Andere können dabei nur unterstützend tätig sein.“

WEITERGEBEN, WAS SIE GELERNT HAT

„You are your future“ ist das Motto der Stiftung „Sauti Kuu“, die Deutsch-
land-Alumna Auma Obama in Kenia gründete und die seit 2013 auch in
Deutschland aktiv ist. Sie ist überzeugt: „Unsere Stimmen sind stark, wenn wir
uns äußern. Und andere finden, die – im Wortsinne – ,einstimmen‘.“

Sport und Bildung sind die Schlüssel zu dieser Erfahrung, die Auma Obama
gemacht hat und mit „Sauti Kuu“ vor allem benachteiligten Kindern im ländli- Name: Auma Obama
chen Kenia vermitteln will. Dort sind Chancen immer noch rar, das Leben vie- Lebt in: Nairobi, Kenia
ler Menschen ist von Armut geprägt. Junge Menschen ziehen oft in die Städ- Deutschlandaufenthalt: von 1980-
te und hoffen hier auf eine bessere Zukunft. Doch viele landen in einem der 1996
Slums und verlieren ihre Ziele aus den Augen. Dabei ist Obama überzeugt, Bildungseinrichtung: Universität
dass die jungen Menschen sich auch auf dem Land eine Zukunft aufbauen Heidelberg, Universität Bayreuth
können, wenn sie ihre Fähigkeiten nutzen. Beruf: Germanistin, Soziologin, Jour-
nalistin und Gründerin der Stiftung MEHR ZUM PROJEKT
„Sauti Kuu“
ZIEL 1 KEINE ARMUT 9

Armut in allen ihren Formen und überall beenden

„Armut bedeutet nicht


nur zu wenig Geld.
Den Armen fehlen zudem
die nötigen Ressourcen,
um ihr Potential auszu-
schöpfen.“
Bill and Melinda Gates,
Gates Foundation, USA
ZIEL 1 KEINE ARMUT 10

Viele Menschen können sich nicht ohne Hilfe aus der Armut befreien. Sie ver-
1.1 Extreme Armut beseitigen 1.2 Armut halbieren dienen dafür zu wenig Geld, erhalten keine staatliche Absicherung und können
keine finanziellen Rücklagen bilden. Ohne Bankkonto können sie weder Geld
anlegen noch Kredite erhalten. All dies führt dazu, dass sie ein entbehrungsrei-
1.3 Soziale Sicherheit 1.4 Wirtschaftliche Ressourcen & Besitz
ches und unsicheres Leben führen müssen und daran aus eigener Kraft kaum
etwas ändern können.
1.5 Resistenz gegen Katastrophen
Zudem sind die Ärmsten oft besonders stark von Ereignissen wie Wirtschafts-
krisen oder Natur- und Umweltkatastrophen betroffen. Sie haben solchen Ge-
1.a Finanzielle Ressourcen erhöhen 1.b Politische Rahmen schaffen fahren kaum etwas entgegenzusetzen: Sie leben in Gebäuden, die nicht erdbe-
bensicher gebaut sind oder ungeschützt vor Hochwasser, weil Deiche fehlen.
Sie verlieren dann häufig alles, was sie besitzen.
DATEN UND FAKTEN
WAS IST ZU TUN?
• Die Anzahl der extrem armen Menschen an der Weltbevölkerung halbierte
sich in den Jahren 2002 bis 2012 von 26 auf 13 Prozent. Armut weltweit um die Hälfte reduzieren und extreme Armut vollständig been-
• In Afrika südlich der Sahara waren 2012 immer noch mehr als 40 Prozent den – das ist das erste Nachhaltigkeitsziel und gleichzeitig eine Vision, die die
der Bevölkerung von Armut betroffen gesamt Agenda 2030 durchzieht. Denn Armut verhindert den Fortschritt in al-
• In kleinen, fragilen und von Konflikten betroffenen Ländern ist der Anteil len Bereichen: Sei es in der Bildung, der Gesundheit, der Wirtschaft oder auch
armer Menschen an der Bevölkerung besonders hoch. dem Umweltschutz. Die Weltgemeinschaft verpflichtet sich dazu, für arme Men-
schen die notwendigen Voraussetzungen und Absicherungen zu schaffen, da-
Der Anteil der armen Menschen an der Weltbevölkerung geht seit mit sie widerstandsfähiger werden. Hierfür will sie viel Geld investieren und die
Jahren zurück. Doch noch immer leben mehr als 700 Millionen Menschen in notwendigen politischen Rahmenbedingungen schaffen.
extremer Armut. Wer extrem arm ist, kann seine Grundbedürfnisse nicht
selbst befriedigen.
1 2 3

ZIEL 1 KEINE ARMUT 11

IN EIN ANDERES IN EINEM ANDEREN GELD IN SEIN HEIMATLAND


LAND AUSREISEN LAND ARBEITEN TRANSFERIEREN

MIGRANTEN WELTWEIT

244 Mio. 8,15 Mio.

MIGRANTEN WELTWEIT MIGRANTEN IN DEUTSCHLAND


(laut UN-Angaben, 2015) (laut Statistischem Bundesamt, 2014)

WELCHE BEDEUTUNG GELDTRANSFERS HABEN

Viele Menschen, die außerhalb ihrer Heimatländer GELDTRANSFERS IN


leben und arbeiten, schicken ihren Verwandten zuhause HEIMATLÄNDER WELTWEIT
regelmäßig Geld für den Lebensunterhalt. Die Infografik Alle Beträge sind grundsätzlich Schätzungen,
da es keine Möglichkeit gibt, private Geldtransfers
zeigt, warum solche Geldtransfers („Remittances“) für vie- vollständig zu erfassen.

le Menschen weltweit existenzsichernd und für manche (Geldtransfers in Millarden)

Länder ein wichtiger Bestandteil ihrer Volkswirtschaften


sind.

$131,6 $585,0 $442,0


OFFIZIELLE ENTWICKLUNGS- WELTWEIT IN ENTWICKLUNGS-
HILFE WELTWEIT 2015 2016 LÄNDER

Durch private Geldtransfers von Migranten 2015 versendeten Migrantinnen und


in ihre Heimatländer fließt dreimal mehr Migranten weltweit $ 580,6 Millarden,
Geld als durch offzielle Entwicklungshilfe. davon $ 438,6 Millarden in Entwicklungs-
länder. Für 2016 ist ein leichter Anstieg zu
verzeichnen.

LÄNDER MIT DEM GRÖSSTEN ANTEIL VON


GELDTRANSFERS AM BRUTTOINLANDSPRODUKT



32,2 % 31,2 % 28,8 % 25,7 % 24,7 %


NEPAL LIBERIA TADSCHIKISTAN KIRGISTAN HAITI

Stand: Januar 2017

DIE TOP SENDE- UND EMPFÄNGERLÄNDER

Top-Empfängerländer
China

ZIEL 1 KEINE ARMUT $ 20,3


Pakistan
$ 65,5
Indien $ 29,1
Philippinen
12
$ 28,1
Mexico

GELDTRANSFERS AUS UND


NACH DEUTSCHLAND
Inflows und Outflows 2016, in Milliarden

$18,5 OUTFLOWS
INFLOWS

$15,4
INFLOWS

5%

des Bruttoinlandsprodukts

WOHIN FLIESST DAS GELD VON MIGRANTEN


IN DEUTSCHLAND?
Schätzungen darüber, wie viel Geld aus Deutsch-
land in einzelne Länder geflossen ist

Ausschnitt aus Bilateral remittances matrix 2015


(in Millionen, kein vollständiges Ranking)
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ZIEL 1 KEINE ARMUT 13

WELCHE AUSWIRKUNGEN WIRTSCHAFTSKRISEN AUF


GELDTRANSFERS
WELCHE AUSWIRKUNGEN HABEN.
HABEN WIRTSCHAFTSKRISEN?

Alle großen Wirtschaftskrisen wie die Ölkrise,


die Asienkrise oder die 2007 ausgebrochene
globale Finanzkrise brachten beschränkte
Zuwanderungsmöglichkeiten in Industrieländer
mit sich. Daraufhin verschlechterte sich die
Lebens- und Einkommenssituation der
Migranten in diesen Ländern. Und durch aus-
bleibende Geldtransfers in ihre Herkunftsländer
verschärfte sich auch dort die Armut. In Ländern
mit hohen Abhängigkeiten von Geldtransfers
können solche Auswirkungen katastrophal sein.


ZUR INFOGRAFIK
ZIEL 1 KEINE ARMUT

14

Wie sich Alumni in der Dominikanischen Republik engagieren

ALUMNI-PROJEKT: LEBENSWERTEN WOHNRAUM SCHAFFEN

#MissionResponsible: Rosaleda Reynoso über „Casita para la Vida”

Deutschland-Alumna Rosaleda Reynoso ist Gründerin der Initiative „Casita


para la Vida“, welche das Ziel hat, die menschenunwürdigen Lebensbedingun-
gen in den armen ländlichen Gebieten in der Dominikanischen Republik zu be-
heben. Erreichen will sie dies durch angemessenen Lebensraum für betroffe-
ne Familien: sei es durch Neubauten, sei es durch Reparaturen. Sie ersetzen
alte Holzwände und Zinkbleche oder Lehmböden durch Zementestrich. Oder
sie machen aus Latrinen richtige Toiletten mit Anschluss an die Wasser- und
Abwasserversorgung. „Jeder das Recht auf menschenwürdiges Wohnen (...) Ich
wollte mit meinen Kenntnissen als Architektin Menschen in Armutslagen unter-
stützen!“ Das Projekt wird gut angenommen:
„Die Familien sehen, wie wir zu ihnen kommen, um ihnen freiwillig zu helfen –
und wie sie bei der Hausgestaltung, über Baumaterialien, Grundrisse oder Farb-
anstriche mitbestimmen dürfen. Das macht sie froh und dankbar. Und die
Partizipation der Bewohner am Bauvorhaben erhöht die Akzeptanz des Pro-
jekts.“

Name: Rosaleda Reynoso


Lebt in: Santo Domingo, Dominika-
nische Republik
Deutschlandaufenthalt: April 2003
bis März 2013
Bildungseinrichtungen: Goethe-
Institut Mannheim-Heidelberg,
Karlsruher Institut für Technologie
(KIT), Städtebau-Institut der Uni-
versität Stuttgart

WEITERLESEN
ZIEL 2 KEIN HUNGER 15

Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere


Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft
fördern

„Mit dem Ehrgeiz und dem Engage-


ment, die die Agenda 2030 von uns
fordert, können wir das Ziel ‚Zero
Hunger‘ erreichen. Wir haben die
Technologie, das Wissen und die
Mittel, die wir zur Umsetzung
dieser Vision brauchen.
Was noch fehlt sind ein Bewusst-
sein der Dringlichkeit sowie der
politische Wille, diese Verpflich-
tungen in die Tat umzusetzen.“
Dominic MacSorley, Vorstandsvorsitzender der irischen Ent-
wicklungs- und Hilfsorganisation Concern Worldwide
ZIEL 2 KEIN HUNGER 16

Den Hunger überall auf der Welt zu beenden, ist trotz großer Fortschritte in
2.1 Genug Nahrung für alle 2.2 Gesunde Ernährung den vergangenen Jahren nicht gelungen. Weltweit sind heute knapp 800 Mil-
lionen Menschen von Hunger betroffen. Weil die Bevölkerung insbesondere
in Entwicklungsländern weiter ansteigt, schätzen Experten, dass die Landwirt-
2.3 Kleinbauern stärken 2.4 Nahrungsmittel nachhaltig produzieren
schaft bis 2050 weltweit 60 Prozent mehr Nahrung produzieren muss, damit
alle Menschen satt werden.
2.5 Biodiversität von Nutzpflanzen & -tieren
WAS IST ZU TUN?

2.a Landwirtschaftliche Erträge erhöhen 2.b Offene Agrarmärtke


Mit Nahrungsmittelhilfen allein lassen sich Hunger und Mangelernährung in
der Welt nicht beseitigen. Es geht vor allem darum, dass Lebensmittel effek-
2.c Stabile Nahrungsmittelpreise tiver, effizienter und nachhaltiger produziert werden und dass alle Menschen
Zugang zu diesen Lebensmitteln haben. Dafür sollen zum Beispiel Kleinbauern
dabei unterstützt werden, den Ertrag ihrer Äcker zu erhöhen, damit sie selbst
DATEN UND FAKTEN überleben und andere mit Nahrung versorgen können. Forschung und Techno-
logien werden benötigt, auf die auch ärmere Länder zugreifen können. Zudem
• Seit dem Jahr 2000 ist der Hunger weltweit um 27 Prozent zurückgegangen. müssen Böden, Wasser und andere natürliche Ressourcen langfristig erhalten
• Ein Viertel aller Kinder unter fünf Jahren ist unterernährt oder wachstums- werden – auch um die Landwirtschaft besser vor extremen Wetterereignissen
gestört. Täglich sterben rund 8500 Kinder an den Folgen von Hunger und zu schützen.
Mangelernährung – jeder zweite Sterbefall von Kindern weltweit geht
darauf zurück.
• 75 Prozent aller Hungernden leben auf dem Land. Die meisten Kleinbauern
dort sind Frauen, die die Nahrung für ihre Familie selbst anbauen.

In einigen Teilen der Welt hungern immer noch viele Menschen, beson-
ders in Süd- und Südostasien und in Afrika südlich der Sahara, wo fast
jeder Vierte unter Hunger oder Mangelernährung leidet. Die Ursachen
sind oft bewaffnete Konflikte und extreme Naturereignisse, aber auch
strukturelle Armut.

ZIEL 2 KEIN HUNGER
17

Wie sich Alumni in Madagaskar engagieren

FOTOS SAGEN MEHR ALS 1.000 WORTE

Deutschland-Alumna Rindrahatsarana Ramanankirahina aus Madagaskar ist


eine der Gewinnerinnen des Fotowettbewerbs „Agenda 2030:
„Seht her – Macht mit“. Mit ihrem Bild „Hunger and Education“ möchte sie auf
Nahrungsmangel und dessen Folgen aufmerksam machen.

„Das Gesicht des Jungen verrät uns, wie erschöpft er ist, weil er unter Nah-
rungsmangel leidet. Die Lehrer erzählten uns, dass viele ihrer Schüler im Un-
terricht einschlafen oder sich nicht aufs Lernen konzentrieren können, weil sie
nichts gegessen haben, bevor sie zur Schule kommen.“

Fotowettbewerb „Agenda 2030: Seht her – Macht mit“




ZUR MITMACHAKTION
ZIEL 3 GESUNDHEIT UND WOHLERGEHEN 18

Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewähr-


leisten und ihr Wohlergehen fördern

„Ich bin fest davon über-


zeugt, dass Vorsorge besser
ist als Heilung.
Alle Menschen müssen Infor-
mationen über die Bekämp-
fung von Krankheiten erhal-
ten, damit sie sich über die
unterschiedlichen Gesund-
heitsprobleme in der Welt
bewusst sind.“

Ana Riza Mendoza, Leitende Angestellte im
Bereich Tourismus auf den Philippinen
ZIEL 3 GESUNDHEIT UND WOHLERGEHEN 19

Je ärmer die Menschen, desto niedriger die Lebenserwartung. Sozial


3.1 Müttersterblichkeit senken 3.2 Kindersterblichkeit reduzieren Schwache werden schlechter medizinisch versorgt und leben häufiger in
ungesunden Verhältnissen. Aber auch wohlhabende Menschen sind Ge-
sundheitsgefahren ausgesetzt: Suchtkrankheiten, Verkehrsunfälle oder
3.3 Tropenkrankheiten & Epidemien senken
Umweltgifte sind nur einige Beispiele.

3.4 Physische & psychische Gesundheit 3.5 Mehr Verkehrssicherheit In den vergangenen Jahren gab es viele positive Entwicklungen. So gelang es,
die Ausbreitung von HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose zu stoppen und die
Kinder- und Müttersterblichkeit deutlich zu senken. Immer noch aber stellen
3.6 Sucht bekämpfen 3.7 Familienplanung ermöglichen
Schwangerschaft und Geburt für viele Frauen weltweit eine Gefahr dar. In In-
dustrieländern steigt die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Alte und Kinder
3.8 Gesundheitsversorgung für alle sind stets verwundbarer, denn sie können Gesundheitsgefahren weniger ent-
gegensetzen. Und Epidemien wie Ebola oder HIV/AIDS können alle Alters- und
Bevölkerungsgruppen und über Kontinente hinweg bedrohen.
3.9 Weniger Krankheiten durch Umweltgifte

WAS IST ZU TUN?


3.a Tabakkonsum eindämmen 3.b Medikamente & Impfstoffe
Viele Krankheits- und Todesfälle weltweit wären vermeidbar. Die Ursachen rei-
chen von ungesunder Lebensweise, schlechter Versorgung oder mangelhafter
3.c Mehr medizinisches Fachpersonal 3.d Besseres Risikomanagement
Aufklärung über fehlende Impfstoffe bis hin zu Belastung des Lebensumfeldes
durch Umweltverschmutzung. Möchte man allen Menschen medizinische Ver-
sorgung ermöglichen, muss mehr Geld investiert werden – etwa in die Beschäfti-
DATEN UND FAKTEN gung von Ärzten, Psychologen und Hebammen und in die Forschung. Zudem gilt
es, Gesundheitsgefährdungen zu verringern, beispielsweise durch verschmutz-
• Die Müttersterblichkeit sank zwischen 1990 und 2015 weltweit um 44 Pro- tes Trinkwasser, Tabakkonsum oder ungeschützten Sexualverkehr. Gesetzliche
zent. Dennoch sterben jeden Tag immer noch 800 Frauen an den Folgen Regelungen, Kontrollen und Aufklärung können hier viel bewirken.
von Schwangerschaft oder Geburt.
• 2014 waren weltweit 36,9 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, 70
Prozent davon in Subsahara-Afrika.
• Nicht übertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs
waren 2012 weltweit für 68 Prozent aller Todesfälle verantwortlich.
ZIEL 3 GESUNDHEIT UND WOHLERGEHEN 20

Wie sich Alumni in Kenia engagieren

ALUMNI-PROJEKT: GEMEINSAM HERAUSFORDERUNGEN DER


GESELLSCHAFT MEISTERN

Im Jahr 2012 gründete Deutschland-Alumnus Eddy Odari gemeinsam mit zwei


Freunden die Ogallo-Osako Memorial Foundation. Mit ihr will er dort Hoffnung
spenden, wo die Menschen die Hoffnung verloren haben. Dabei geht es meist
um kleine Projekte in Dörfern im Westen Kenias. Ein afrikanisches Sprichwort
besagt „Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen“. Die Stiftung soll ein
Teil dieses Dorfes sein und die Menschen zur Zusammenarbeit motivieren, da-
mit sie die Herausforderungen der Gesellschaft meistern.

So haben sie beispielsweise ein kleines Heim für Kinder mit körperlichen Be-
hinderungen gebaut und unterstützen dort momentan 26 Kinder. Die Stiftung
kümmert sich auch um Schulgelder, um Hilfsmittel wie Rollstühle und Prothe-
sen und übernimmt unter anderem mit Spendengeldern aus Deutschland und
Italien die Gehälter für Sozialarbeiter, eine Hausmutter sowie die Kosten für
Operationen. Dank dieser Hilfe können heute sieben Kinder selbstständig ge-
hen, was ihnen zuvor nicht möglich war.

Durch das Heim ist auch im Dorf viel Positives geschehen: Die Menschen ver-
stecken zum Beispiel ihre behinderten Angehörigen nicht mehr länger zu Name: Dr. Eddy Okoth Odari

Hause und die Dorfgemeinschaft übernimmt die Versorgung des Heims mit Lebt in: Nairobi, Kenia
Essen. Dieses Projekt zeigt, dass es oft keine großen Projekte internationaler Herkunftsland: Kenia
Geber braucht! Wenn sich die Gesellschaft gemeinsam engagiert, kann auch Deutschlandaufenthalt: von 2011
mit sehr geringem finanziellen Aufwand viel Gutes geschehen. bis 2014
Bildungs- und Forschungseinrich-
tung: Ludwig-Maximilians-Universität
München
Beruf: Dozent in der Abteilung für
medizinische Mikrobiologie an der
WEITERLESEN
Jomo Kenyatta Universität für Land-
wirtschaft und Technologie
aber ohne Gesundheit ist alles nichts“, heißt es
beim Philosophen Arthur Schopenhauer. Dass
Gesundheit wesentlich für das Wohlergehen ist –
diese Einsicht teilen die meisten Menschen.
Dabei hängt Gesundheit mehr denn je von
den medizinischen und sozialen Entwicklungs-
ZIEL 3 GESUNDHEIT UND WOHLERGEHEN standards der Gesellschaft ab, in der wir leben. 21

LEBENSERWARTUNG WELTWEIT

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist die Sterblichkeit


weltweit deutlich zurückgegangen und die Lebens-
erwartung stieg in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
in fast allen Regionen der Welt deutlich an.

1950 2010
weltweiter Durchschnitt weltweiter Durchschnitt

WIE STEHT ES UM DIE GESUNDHEIT DER


MENSCHEN WELTWEIT?
47 JAHRE
68 JAHRE

Dass Gesundheit wesentlich für das Wohlergehen ist 2,5 MRD. 7 MRD.
– diese Einsicht teilen die meisten Menschen. Diese In- Weltbevölkerung Weltbevölkerung

fografik zeigt, wie es um die Gesundheit der Menschen


weltweit bestellt ist und was hier noch zu tun ist. INDUSTRIELÄNDER UND ENTWICKLUNGSLÄNDER
Ein deutlicher Unterschied.

Die Lebenserwartung hängt von vielen Faktoren ab.


Neben individuellen Konditionen spielt u. a. der Zugang zu
guter medizinischer Versorgung eine wichtige Rolle. Wo wir
leben entscheidet nicht selten darüber, wie lange wir leben.
Insbesondere zwischen Industrie- und Entwicklungsländern
gibt es große Unterschiede.

77 73 69 55

Europa Lateinamerika Asien Afrika


HIV-Infizierte leben in fördern.
fördern.”” Auch
Auch andere
andere Ziele
Ziele der
der Agenda
Agenda beschäftigen
beschäftigen sich
sich
Deutschland mit
mit Fragen
Fragen der
der Ernährung,
Ernährung, der
der Hygiene
Hygiene oder
oder dem
dem Erhalt
Erhalt
einer
einer lebensfreundlichen
lebensfreundlichen Umwelt
Umwelt und
und zahlen
zahlen auf
auf das
das Thema
Thema
Gesundheit
Gesundheit ein.
ein.

ZIEL 3 GESUNDHEIT UND WOHLERGEHEN Die


Diese
Diese Aufgabe
Aufgabe müssen
müssen alle
alle gemeinsam
gemeinsam angehen:
angehen:
22

30.000 Die Weltgemeinschaft,


Weltgemeinschaft, die
die einzelnen
einzelnen Staaten
Staaten und
und Regierungen,
Regierungen,
Institutionen
Institutionen wir
wir Krankenhäuser
Krankenhäuser oderoder Forschungszentren
Forschungszentren
Menschen sind in
Deutschland bisher an den sowie
sowie viele
viele zivilgesellschaftliche
zivilgesellschaftliche Gruppen
Gruppen und
und auch
auch
Folgen von AIDS gestorben Unternehmen.
Unternehmen.

BESSERE HYGIENE
HYGIENE UND
WAS MUSS SICH ÄNDERN? BESSERE
LEBENSBEDINGUNGEN
LEBENSBEDINGUNGEN
UND
ABWASSER
ABWASSER

Das
Das Umfeld,
Umfeld, in
in dem
dem Menschen
Menschen Krankheiten
Krankheiten durch
durch schmutziges
schmutziges
leben,
leben, muss ein gesundes Leben
muss ein gesundes Leben Wasser
Wasser müssen reduziert werden.
müssen reduziert werden.
ermöglichen.
ermöglichen. Dazu gehören z.
Dazu gehören z. B.
B. Jeder
Jeder Mensch muss Zugang zu
Mensch muss Zugang zu
ausreichend Nahrung, eine hoch-
ausreichend Nahrung, eine hoch- sauberem Trinkwasser und
sauberem Trinkwasser und zuzu
wertige
wertige Gesundheitsversorgung,
Gesundheitsversorgung, sanitären
sanitären Anlangen
Anlangen haben.
haben.
saubere
saubere Luft
Luft und
und Wasser
Wasser und
und Dabei müssen Entwicklungsländer
Dabei müssen Entwicklungsländer
Schutz vor Katastrophen.
Schutz vor Katastrophen. unterstützt
unterstützt werden.
werden.

Eins der 17 Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige


PRÄVENTION
PRÄVENTION UND
UND MEDIZINISCHE
MEDIZINISCHE
Entwicklung der UN lautet: „Ein gesundes Leben für alle
IMPFUNG
IMPFUNG VERSORGUNG
VERSORGUNG
Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen
fördern.” Auch andere Ziele der Agenda beschäftigen sich
mit Fragen der Ernährung, der Hygiene oder dem Erhalt
einer lebensfreundlichen Umwelt und zahlen auf das Thema Gesund
Gesund bleiben
bleiben durch
durch Vorsorge:
Vorsorge: Besonders
Besonders wichtig
wichtig ist
ist eine
Gesundheit ein. Alle
Alle Menschen brauchen den
Menschen brauchen den ausreichende Dichte an
eine
Ärzten,
Zugang zu Impfungen. ausreichende Dichte an Ärzten,
Zugang zu Impfungen. Krankenhäusern
Krankenhäusern und und Therapie-
Therapie-
Besonders
Besonders die
die Forschung
Forschung zu
zu plätzen. Das medizinische
Diese Aufgabe müssen alle gemeinsam angehen: Krankheiten,
Krankheiten, die hauptsächlich in
die hauptsächlich in
plätzen. Das medizinische
Fachpersonal
Entwicklungsländern Fachpersonal muss
muss zudem
zudem gutgut
Die Weltgemeinschaft, die einzelnen Staaten und Regierungen, Entwicklungsländern
vorkommen,
ausgebildet sein und wichtige
ausgebildet sein und wichtige
vorkommen, muss
muss verstärkt
verstärkt Medikamente
Medikamente verfügbar
verfügbar und
und be-
Institutionen wir Krankenhäuser oder Forschungszentren werden.
werden. Auch muss weltweit
Auch muss weltweit zahlbar. Frauen brauchen
be-
Zugang
zahlbar. Frauen brauchen Zugang
sowie viele zivilgesellschaftliche Gruppen und auch mehr
mehr zur Prävention gegen
zur Prävention gegen zu
zu sexual-
sexual- und
und reproduktions-
reproduktions-
Krebs, Suchtkrankheiten
Krebs, Suchtkrankheiten medizinischer
Unternehmen. und medizinischer Versorgung. Auch
Versorgung. Auch
und andere
andere Gesundheitsrisiken
Gesundheitsrisiken Sucht- und psychische Krankheiten
Sucht- und psychische Krankheiten
getan
getan werden.
werden. müssen
müssen behandelt
behandelt werden.
werden.

BESSERE HYGIENE UND INFORMATION


INFORMATION UND
UND VERHALTEN
VERHALTEN UND
UND
LEBENSBEDINGUNGEN ABWASSER BILDUNG
BILDUNG GEWOHNHEITEN
GEWOHNHEITEN

Aufklärung Wenn
Wenn man
man die
die Gefahren
Gefahren kennt,
Das Umfeld, in dem Menschen Krankheiten durch schmutziges Aufklärung über
über Infektionswege,
Infektionswege, kennt,
Risiken kann man sein Verhalten ändern.
leben, muss ein gesundes Leben Wasser müssen reduziert werden. Risiken und Möglichkeiten zur
und Möglichkeiten zur kann man sein Verhalten ändern.
Prävention schützen viele Durch
Durch die
die Nutzung
Nutzung vonvon Kondo-
Kondo-
ermöglichen. Dazu gehören z. B. Jeder Mensch muss Zugang zu Prävention schützen viele
Menschenleben. men
men wird die Verbreitung von
wird die Verbreitung
ausreichend Nahrung, eine hoch- sauberem Trinkwasser und zu Menschenleben. Dazu
Dazu gehört
gehört von
auch die Beratung im Bereich HIV/Aids eingedämmt und
HIV/Aids eingedämmt und durch durch
auch die Beratung im Bereich
wertige Gesundheitsversorgung, sanitären Anlangen haben. den
Familienplanung,
Familienplanung, Ernährung
Ernährung undund den Verzicht
Verzicht von
von Nikotin
Nikotin u.
u. a.
a.
saubere Luft und Wasser und Dabei müssen Entwicklungsländer Sucht. Solche Informationen Lungenerkrankungen. Nicht nur
Sucht. Solche Informationen Lungenerkrankungen. Nicht nur
Schutz vor Katastrophen. unterstützt werden. müssen Regierungen
Regierungen undund Institutionen
müssen auch
auch ärmeren
ärmeren und
und Institutionen
weniger gebildeten Menschen sind
sind gefragt, sondern auch
gefragt, sondern auch jeder
jeder
weniger gebildeten Menschen
zur Einzelne für sich selbst.
zur Verfügung
Verfügung stehen,
stehen, z.
z. B.
B. durch
durch Einzelne für sich selbst.
ZURPRÄVENTION
INFOGRAFIKUND MEDIZINISCHE
spezielle Kampagnen.
spezielle Kampagnen.
Stand: Dezember 2017
IMPFUNG VERSORGUNG
Quellen:
Quellen:

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung


ZIEL 4 HOCHWERTIGE BILDUNG 23

Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewähr-
leisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle
fördern

Fotowettbewerb „Agenda 2030: Seht her – Macht mit“


„La Dame qui écrit“, Benin
Foto: Stephane Brabant und Miriam Bulbarelli

„Es ist nicht an der Zeit,


den Staats- und Regierungs-
chefs zu sagen, wie wichtig
Bildung ist. Das wissen sie
schon, ihre eigenen Kinder
gehen schließlich auf gute
Schulen. Jetzt ist es an der
Zeit, sie aufzufordern, sich
aktiv für alle anderen Kin-
der der Welt einzusetzen.“
Malala Yousafzai, pakistanische Aktivistin für die
Bildung von Mädchen und Frauen
ZIEL 4 HOCHWERTIGE BILDUNG 24

Wer nicht lesen, schreiben und rechnen kann, hat kaum Chancen, ein
4.1 Schulbildung garantieren 4.2 Vorschuldbildung für alle gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben zu führen. Denn Bildung
wirkt sich nicht nur auf die Karriere aus, sondern auf viele Lebensbereiche
wie soziale Kontakte oder politische Teilhabe.
4.3 Fachliche, berufliche & universitäre Bildung

Menschen ohne Schulbildung sind oft arm und können sich nur schwer aus die-
4.4 Mehr qualifizierte Arbeitskräfte 4.5 Inklusion ser Armut befreien. Ihnen fehlen grundlegende Fähigkeiten und Kenntnisse, um
sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Je ärmer aber eine Familie ist, desto
weniger Jahre verbringen die Kinder in der Schule – ein Teufelskreis.
4.6 Lese-, Schreib- und Rechenkompetenz

In den letzten Jahren wurde einiges erreicht: Die Zahl der Analphabeten ist welt-
4.7 Bildung für nachhaltige Entwicklung weit deutlich gesunken, gestiegen ist die Zahl der Kinder, die eine Grundbildung
abschließen. Immer noch aber gehen Millionen Kinder nicht zur Schule, viele von
ihnen sind Mädchen. Für sozial Schwache und Minderheiten ist der Zugang zu
4.a Barrierefreie Bildungseinrichtungen hochwertiger Bildung und Universitäten selbst in einigen Industrieländern we-
sentlich schwieriger. Und die Qualität in der Bildung schwankt weltweit enorm.

4.b Stipendien für Entwicklungsländer 4.c Lehrkräfte qualifizieren


WAS IST ZU TUN?

Jeder Mensch soll freien Zugang zum gesamten Bildungssystem haben. Das be-
DATEN UND FAKTEN deutet: Geschlecht, Herkunft, gesellschaftliche Stellung oder Behinderungen dür-
fen nicht zu Benachteiligungen führen. Das beginnt mit dem Kindergarten und
• 57 Millionen Kinder im Grundschulalter – die meisten davon Mädchen – be- setzt sich in der Schule und später in der Ausbildung oder beim Studium fort. Wo
suchen keine Schule. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich deutlich höher. die finanziellen Mittel fehlen, müssen Stipendien angeboten werden. Wo nötig
• Über 770 Millionen Jugendliche und Erwachsene können weder lesen noch müssen Schulen gebaut, ausgebaut und besser ausgestattet werden, um offe-
schreiben. Etwa zwei Drittel von ihnen sind Frauen. ne und gute Lernumgebungen zu schaffen. Lehrer müssen gut ausgebildet und
• Von 2000 bis 2013 verdoppelte sich in den Entwicklungsregionen der Welt besser bezahlt werden, damit sie eine hochwertige Bildung vermitteln können.
die Anzahl von Studierenden.
ZIEL 4 HOCHWERTIGE BILDUNG 25

Wie sich Alumni in Indonesien engagieren

Name: Zainah Rahmiati


Lebt in: Jambo Timu, Distrikt Lhokseu-
mawe, Provinz Aceh, Indonesien
Herkunftsland: Indonesien
Deutschlandaufenthalt: Mai 2009
ALUMNI-PROJEKT: ANALPHABETISMUS BEKÄMPFEN
bis Mai 2010 in Saarbrücken, Mann-
heim, Magdeburg, Bremen und Berlin
Deutschland-Alumna Zainah Rahmiati arbeitet für eine gemeinnützige Orga-
Förderorganisation: Deutsche Gesell-
nisation namens Rumoh Baca Hasan-Savvas (die Hasan-Savvas-Bibliothek). Sie
schaft für Internationale Zusammen-
wurde gegründet, um den Analphabetismus bei jungen Menschen aus Familien
arbeit (GIZ)
mit niedrigem Einkommen zu bekämpfen, die in den Küstenregionen der Pro-
vinz Aceh in Indonesien leben: „Wir glauben, dass Analphabetismus und unzu-
reichender Zugang zu Bildung dazu beitragen, dass Menschen ausgegrenzt und
gefährdet leben müssen.“

Als Reaktion auf diese Probleme fühlen sich die Mitglieder der Organisation auf-
gerufen zu helfen, indem sie Alphabetisierungskurse und Aktivitäten für junge
Menschen aus der Region anbieten. Unter anderem haben sie eine Bibliothek
für junge Menschen in ländlichen Gebieten gegründet, vor allem für Schüler
und Studenten. Sie möchten ihnen Zugang zu hochwertigen Büchern verschaf-
fen, damit sie ihr Wissen in bestimmten Bereichen ausweiten können.

Über Ihren Deutschland-Aufenthalt sagt Zainah Rahmiati:

„Ich hatte mit vielen Menschen aus unterschiedlichen Nationen und mit verschie-
denen kulturellen Wurzeln zu tun. Ich verstand immer besser, wie man harmonisch
zusammenleben kann und dass Glaube, Hautfarbe oder kulturelle Identität keine
Rolle spielen. Ich lernte auch, dass Respekt gegenüber anderen sehr hilfreich im
Miteinander und der Kommunikation mit anderen Menschen ist, auch wenn es eine
Sprachgrenze gibt.“

WEITERLESEN
Wo gibt es die größten Universitäten und wie
ist es um die chancengerechte
Bildung bestellt?

ZIEL 4 HOCHWERTIGE BILDUNG 26

CHANCENGERECHTE
BILDUNG

WIE HOCHSCHULBILDUNG AUSSIEHT


Lernende in der tertiären Bildung weltweit

Ziel 4 der Agenda 2030 möchte inklusive, gleichberechtig-


te und hochwertige Bildung für alle gewährleisten. Diese Eine UNESCO-Studie von 2017/2018 zeigt, dass sich die
Infografik beleuchtet den Aspekt der Hochschulbildung Anzahl der Lernenden in der tertiären Bildung weltweit
weltweit und zeigt auf, wie diese weltweit aussieht und zwischen 2000 und 2014 auf 207 Millionen verdoppelt hat.
wie es um chancengerechte Bildung bestellt ist. Das ist aber nicht überall auf der Welt gleich.

2000 2014

Der tertiäre Bildungsbereich


umfasst die akademische
Bildung sowie die höhere
Berufsbildung. Dazu zählen
vor allem sämtliche Hoch-
schulen - wie etwa Universi-
täten und Fachhochschulen
– sowie in Deutschland auch
Berufsakademien.

100 MIO. 207 MIO.


Berufsakademien.

ZIEL 4 HOCHWERTIGE BILDUNG100 MIO. 207 MIO. 27


Hochschulzugang weltweit
HOCHSCHULZUGANG WELTWEIT
Weltweit wählen immer mehr junge Menschen den akademischen Bildungsweg. In Nordamerika und
Europa beginnen heute etwa drei Viertel aller Hochschulberechtigten ein Studium. Der Unterschied zu
Entwicklungsländern aber ist gewaltig: in Subsahara-Afrika liegt die Quote bei nur 8 %.


Ø EINSCHREIBUNGSQUOTE
DER 19-23 JÄHRIGEN

75 %
NORDAMERIKA UND EUROPA

1%
Nur 1 % der ärmsten
Menschen weltweit
hat vier Jahre tertiäre
Bildung durchlaufen
8%
SUBSAHARA AFRIKA

Die große Diskrepanz zwischen Industrie- und Entwicklungsländern herrscht vor, da es in ärmeren Ländern

weniger Universitäten und weniger Menschen gibt, die sich einen Besuch finanziell leisten können.
Meistens ist das Bildungsniveau in der Bevölkerung insgesamt niedriger und weniger Menschen haben eine
Hochschulzugangsberechtigung.
76 % 50 %

Sozialwissenschaften / Journalismus Ingenieurwesen


64 % 24 %

ZIEL 4 HOCHWERTIGE BILDUNG


Bildende Kunst
63 %
IT / Informatik
19 %
28

TERTIÄREBILDUNG
TERTIÄRE BILDUNG IN
IN DEUTSCHLAND
DEUTSCHLAND

Nichtakademikerkinder gehen seltener


an eine Hochschule

Von den Kindern in Deutschland aus Nichtakademikerhaushalten


nehmen nur 21 % ein Studium auf.

Von den Akademikerkindern schreiben sich hingegen


durchschnittlich 74 % an einer Hochschule ein.

Von 100 Nichtakademikerkindern


wird eine Promotion absolviert.

100 1 PROMOTIONS-
ABSOLVENT

Von 100 Akademikerkindern


werden zehn Promotionen absolviert.


100 10 PROMOTIONS-
ABSOLVENTEN

Stand: Juli 2018 ZUR INFOGRAFIK


ZIEL 5 GESCHLECHTERGLEICHHEIT 29

Geschlechtergleichstellung erreichen und alle


Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen

„Ich finde es richtig, dass Frauen genau-


so viel verdienen wie Männer. Ich finde es
richtig, dass ich selbst Entscheidungen über
meinen Körper treffe. Ich finde es richtig,
dass Frauen in meinem Namen an der
Politik und den Entscheidungsprozessen
in meinem Land beteiligt sind. Ich finde es
richtig, dass mir genauso viel Respekt ent-
gegengebracht wird wie Männern. Aber
leider muss ich sagen, dass kein einziges
Land in der ganzen Welt Geschlechtergleich-
heit erreicht hat.“
Emma Watson, britische Schauspielerin und UN-Sonderbotschafterin
ZIEL 5 GESCHLECHTERGLEICHHEIT 30

Völlige Gleichstellung der Geschlechter gibt es noch in keinem Land der


5.1 Diskriminierung weltweit beenden Welt. Die Spanne reicht von Lohnunterschieden bis zu Ausbeutung und
offener Diskriminierung.

5.2 Gewalt und Ausbeutung bekämpfen


Vieles hat sich in den letzten Jahren schon gebessert: Heute besuchen deutlich
mehr Mädchen eine Schule und weniger Frauen sind in unsicheren Verhältnis-
5.3 Frühe Heirat & Beschneidung verhindern sen beschäftigt. Einige Entwicklungen aber stagnieren. Auch heute noch küm-
mern sich viele Mädchen weltweit um den Haushalt, während ihre Brüder zur
Schule gehen. Erst in der Hälfte aller Länder studieren mindestens genauso vie-
5.4 Pflege- und Hausarbeit anerkennen
le Frauen wie Männer, und auch dort ist ihr Lohn im Durchschnitt niedriger. Sie
besitzen nur einen Bruchteil des weltweiten Vermögens und sind weiterhin zu
5.5 Teilhabe & Chancengleichheit wenig in der Politik vertreten. Diese Ungleichheit schadet nicht nur den Frauen
selbst, sie vergeudet auch ein großes Potenzial, das für Fortschritt und Entwick-
lung eingesetzt werden könnte.
5.6 Sexuelle Gesundheit & Familienplanung
WAS IST ZU TUN?
5.a Gleiches Recht auf Vermögen & Besitz
Frauen sollen dieselben Chancen haben wie Männer und über ihr Leben selbst
bestimmen können. Dafür müssen für beide die gleichen Rechte, Pflichten und
5.b Technologien (IKT) für Frauen 5.c Gleichstellungspolitik verstärken Möglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gelten. Dies ist nur möglich,
wenn sich Frauen und Männer gemeinsam dafür einsetzen und die Politik die
Weichen stellt. Gleichzeitig muss sich die konkrete Lebenswirklichkeit der Frau-
DATEN UND FAKTEN en verbessern: Bis 2030 sollen alle Formen der Diskriminierung, Gewalt und se-
xuellen Ausbeutung sowie Kinderheirat und Genitalverstümmelungen beseitigt
• Frauen verdienen im Durchschnitt 23 Prozent weniger als Männer. werden. Besserer Zugang zum Internet und mehr Unterstützung beim Thema
• Wenn Bäuerinnen die gleichen Mittel und Möglichkeiten hätten wie Bauern, Familienplanung sind ebenfalls notwendig.
müssten laut Welternährungsorganisation (FAO) etwa 150 Millionen weni-
ger Menschen hungern.
• Während Männer weltweit durchschnittlich 8 Prozent ihres Tages unbe-
zahlt arbeiten, sind es bei Frauen 19 Prozent.
ZIEL 5 GESCHLECHTERGLEICHHEIT 31

Wie sich Alumni in Tunesien engagieren

ALUMNI-PROJEKT: NACHHALTIGE ENTWICKLUNG DURCH


FOTOGRAFIE ERREICHEN

Amina Gharred: SDG-Botschafterin hinter der Kamera

Der Fantasie, wie wir alle zur Umsetzung der 17 Ziele für nachhaltige Entwick-
lung beitragen können, sind keine Grenzen gesetzt. Deutschland-Alumna Amina
Gharred aus Tunesien ist eine SDG-Botschafterin hinter der Kamera. Sie wurde
durch unseren Fotowettbewerb „Agenda 2030: Seht her, macht mit!“ auf die
SDGs aufmerksam

„Mein Mittel, um meine Stimme zu erheben, ist die Fotografie. Sie ist seit der
Revolution meine Waffe, mein Sprachrohr für meine Gedanken und für bisher
noch nicht gehörte Geschichten aus Tunesien.“

2014 gründete sie zusammen mit sieben anderen Frauen einen Verband tune-
sischer Fotografinnen und es ist seither ihr Ziel, Frauen – auch in ländlichen Re-
gionen – zu ermutigen, in der Gesellschaft sichtbarer zu werden und vor allem
zur Entwicklung ihres Landes beizutragen.

„Frauen müssen aktiver werden. Stellen Sie sich nur vor, wie viel sie gemeinsam
bewegen könnten!“
Name: Amina Gharred
Darüber hinaus möchte Amina Gharred in ihrer Heimatstadt Mahdia, die unter Lebt in: Tunis, Tunesien
anderem für ihr römisches Amphitheater bekannt ist, mit einem Fotoprojekt Herkunftsland: Tunesien
vor allem junge Menschen dafür begeistern, sich für den Schutz des kulturel- Deutschlandaufenthalt: von
len Erbes der Stadt einzusetzen. Sie tun damit nicht nur für die Kunstschätze September bis Dezember 2015
selbst etwas Gutes, sondern auch für die lokale nachhaltige Entwicklung. Förderorganisation:
Folkwang-Universität der Künste,
Essen
WEITERLESEN Beruf: Office Managerin beim
Tunisia Language Centre
SAUBERES WASSER UND SANITÄRE
ZIEL 6 32

EINRICHTUNGEN
Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser
und Sanitärversorgung für alle gewährleisten

„Ein Lösungsansatz für das Problem


des Zugangs zu sauberem Wasser in
Indien wäre es, die Menschen über
Verschwendung und Aufbewahrung
von Trinkwasser aufzuklären. Auf
örtlicher Ebene sollten innovative
Vorgehen weiter verfolgt werden,
zum Beispiel die Wiederverwendung
von Wasser durch Grauwasserauf-
bereitung und Regenwasserspeiche-
rung.“
Mani Dhingra, Wissenschaftlerin aus Indien
SAUBERES WASSER UND SANITÄRE
ZIEL 6 33

EINRICHTUNGEN

Über 40 Prozent aller Menschen haben nicht ausreichend sauberes Was-


6.1 Zugang zu Trinkwasser 6.2 Sanitärversorgung & Hygiene ser zur Verfügung und die Wasserknappheit wird sich in vielen Regionen
der Welt weiter verschärfen.

6.3 Wasserqualität verbessern 6.4 Wasserverbrauch minimieren


Die Wasserqualität ist vielerorts schlecht. Das Trinkwasser von schätzungsweise
über 1,8 Milliarden Menschen ist durch Krankheitserreger verseucht. Ein Drittel
6.5 Nachhaltige Wasserwirtschaft der Menschen weltweit kann statt hygienischer Toiletten nur Eimer, unhygieni-
sche Latrinen oder die freie Natur nutzen. Hinzu kommt, dass etwa drei Vier-
tel des von Menschen produzierten Abwassers ungesäubert in Flüsse oder ins
6.6 Gewässer & Feuchtgebiete schützen
Meer gelangt. All das hat schwerwiegende Auswirkungen, zum Beispiel auf die
Landwirtschaft, die für den Anbau von Nahrungsmitteln ausreichend Wasser
6.a Wasserprojekte in Entwicklungsländern fördern benötigt. Mangelnde Hygiene verursacht viele Krankheiten, die für Kinder oft le-
bensbedrohlich sind. Abwasser verunreinigt die natürlichen Wasserressourcen.

6.b Lokale Gemeinwesen beteiligen WAS IST ZU TUN?

Alle Menschen müssen sauberes Trinkwasser und hygienische Toiletten oder


Latrinen nutzen können. Die Wasserbewirtschaftung muss in vielen Ländern
DATEN UND FAKTEN
verbessert werden. Das bedeutet eine verlässliche, gerechte und bezahlbare
Versorgung mit sauberem Trinkwasser und kein Wasserverlust aus undichten
• Weltweit haben etwa zehn Prozent der Menschen keinen Zugang zu sau-
Leitungen. Zudem muss Abwasser grundsätzlich gesammelt und wieder aufbe-
berem Trinkwasser.
reitet werden.
• Etwa 950 Millionen Menschen weltweit müssen ihre Notdurft im Freien ver-
richten.
Um langfristig die Versorgung der Menschen mit sauberem Wasser sicherzu-
• Etwa 5.000 Kinder unter fünf Jahren sterben täglich an Krankheiten wie
stellen, muss die Ressource Wasser nachhaltig genutzt werden. Das bedeutet,
Durchfall oder Cholera, die durch verschmutztes Wasser ausgelöst wurden.
für den Wasserhaushalt wichtige Ökosysteme wie Wälder, Feuchtgebiete und
• Weltweit fließen mehr als 80 Prozent der Abwässer ungeklärt in die
Flüsse zu schützen oder wiederherzustellen.
Umwelt.
SAUBERES WASSER UND SANITÄRE
ZIEL 6 34

EINRICHTUNGEN
Wie sich Alumni in Indien engagieren

ALUMNI-PROJEKT: ZUGANG ZU SAUBERER ENERGIE- UND


WASSERVERSORGUNG SICHERN

Mani Dhingra: „Nachhaltigkeit ist für mich Einstellung und Lebensart“

Nachdem sie als DAAD-Stipendiatin das Fachgebiet „Stadtquartiersplanung“


am Institut „Entwerfen von Stadt und Landschaft (ISEL)“ am Karlsruher Institut
für Technologie (KIT) studiert hatte, schloss Mani Dhingra 2014 ihr Studium am
Indian Institute of Technology in Kharagpur mit einem Master in Stadtplanung
ab. Für die Deutschland-Alumna ist das vordringlichste Problem Indiens der
steigende Bedarf an Energie und Zugang zu sauberer Energie- und
Wasserversorgung.

Außerdem gibt es ländliche Gegenden in Indien, die noch nicht an die Stromnetze
angeschlossen sind und ihren Energiebedarf mit Kerosin und Feuerholz decken.
Weiterbildung und Armutsbekämpfung sind soziale Aufgaben, die dringend in
Angriff genommen werden müssen. Indien ist eines der Länder, das am meisten
unter den Folgen des Klimawandels zu leiden hat, darunter Naturkatastrophen
und Ernährungsunsicherheit. Anpassungsstrategien werden immer wichtiger.

Bei ihrer Arbeit beschäftigt sich Mani Dhingra intensiv mit diesen Fragen. Für

sie ist es besonders wichtig, nachhaltiges Vorgehen in Architektur und Stadt-
planung zu verstehen und umzusetzen. Nur so kann ein gesundes Lebensum-
feld gewährleistet werden, das langfristig energieeffizient und selbstversorgend
Name: Mani Dhingra funktioniert.
Lebt in: Kharagpur, Westbengalen
Herkunftsland: Indien
Deutschlandaufenthalt: Sep-
tember 2013 bis März 2014
Förderorganisation: Karlsruher
WEITERLESEN
Institut für Technologie (KIT)
BEZAHLBARE UND SAUBERE
ZIEL 7 35

ENERGIE
Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moder-
ner Energie für alle sichern

„Erneuerbare Energien werden


zunehmend wirtschaftlich.
Schon rund ein Drittel des Stroms
in Deutschland stammt aus Wind,
Sonne und Biomasse. Dadurch
sind die Technologiekosten für
Erneuerbare so stark gesunken,
dass eine nachhaltige und
zugleich bezahlbare Energiever-
sorgung auch in Schwellen- und
Entwicklungsländern möglich ist.“
Dr. Barbara Hendricks, ehemalige Bundesumweltministerin
BEZAHLBARE UND SAUBERE
ZIEL 7 36

ENERGIE

Kein Zugang zu Energie bedeutet: kein Licht am Abend, keine Kommuni-


7.1 Energiezugang für alle 7.2 Erneuerbare Energie fördern kationstechnologie, moderne Medizin oder industrielle Produktion. Mehr
als eine Milliarde Menschen auf der Welt lebt heute noch ohne Stroman-
schluss.
7.3 Energieeffizienz erhöhen 7.a Zugang zu Forschung & Technologie

Die Versorgung mit Energie hat sich in den vergangenen Jahren besonders für
7.b Bessere Infrastruktur in Entwicklungsländern die städtische Bevölkerung verbessert. Aber die Menschen benötigen immer
mehr Energie. Der Bedarf in Industrieländern wie den USA oder auch Deutsch-
land ist gewaltig. Fossile Brennstoffe wie Kohle und Öl produzieren Treibhaus-
gase und tragen erheblich zum Klimawandel bei. Sie dürfen daher nicht weiter
DATEN UND FAKTEN
wie bisher zur Erzeugung von Energie dienen. Auch die Nutzung von Brennholz
ist nicht nachhaltig.
• 65 Prozent der Bevölkerung Afrikas südlich der Sahara haben keinen Zu-
gang zu Elektrizität. Weltweit sank der Anteil zwischen 2000 und 2012 von
21 auf 15 Prozent. WAS IST ZU TUN?
• Rund drei Milliarden Menschen müssen mit umweltschädlichen Brenn-
stoffen wie beispielsweise Holz, Kohle oder Agrarabfällen kochen. An der Energie muss nicht nur für jeden zugänglich sein, sondern auch sauber und
dadurch verursachten Luftverschmutzung sterben pro Jahr 1,5 Millionen nachhaltig produziert werden. Der Anteil erneuerbarer Energien wie Wind, Son-
Menschen. ne und Wasser am globalen Energiemix muss deutlich steigen. Die internatio-
• Kohle, Gas und Öl verursachen etwa 60 Prozent der Treibhaus- nale Gemeinschaft muss sich dafür einsetzen, dass alle Länder gleichberechtigt
gasemissionen. von Forschung und neuen Technologien profitieren können. Zudem ist es not-
• Weltweit steigt die Nutzung von erneuerbaren Energien stetig an. Ihr Anteil wendig, dass sie in die Energie-Infrastruktur investiert, insbesondere in den am
an der Stromversorgung lag 2015 bei 23,7 Prozent. wenigsten entwickelte Ländern. Auch muss die Wirtschaft weltweit umdenken
und ihren Energieverbrauch deutlich senken. Die bisherigen Anstrengungen rei-
chen nicht aus, um die Energieeffizienz wie vorgesehen bis 2030 zu verdoppeln.
BEZAHLBARE UND SAUBERE
ZIEL 7 37

ENERGIE

WIE DER STROMVERBRACH PRO KOPF IN


DEUTSCHLAND, EUROPA UND WELTWEIT AUS-
SIEHT.

Wie viel Strom verbraucht ein Mensch im Jahr? Diese


Infografik zum Thema Stromverbrauch verrät interessan-
te Details weltweit sowie bezogen auf Deutschland und
macht den internationalen Vergleich im Bereich Strom-
konsum.

Stand: Dezember 2015


WELTWEIT.

EUROPA Ø
7.860 kWh
Was den Stromverbrauch
pro Kopf angeht, liegt

BEZAHLBARE UND SAUBERE


ZIEL 7 Deutschland europaweit
unter dem Durchschnitt.
38

ENERGIE
Doch wie sieht es im inter-
nationalen Vergleich aus?

3
EUROPA Ø ASIEN Ø
7.860 kWh 3.809 kWh 1
2 3

2
1
Island 1
Kuwait
51.142 kWh 17.031 kWh
2
Liechtenstein 2
Vereinigte Arabische Emirate
36.448 kWh 15.131 kWh
3
Norwegen 3
Taiwan
23.486 kWh 10.368 kWh

39
Türkei 48
Nepal
2.088 kWh 89 kWh
40
Albanien 49
Afghanistan
1.507 kWh 78 kWh
41
Rep. Moldau 50
Osttimor
1.175 kWh 56 kWh

NORD- UND AUSTRALIEN


MITTELAMERIKA Ø UND OZEANIEN Ø
3.269 kWh 2.899 kWh 1
3

1
1
Kanada 1
Australien 2
14.351 kWh 9.486 kWh
2
2
USA 2
Neuseeland
12.186 kWh 9.260 kWh
3
3
Kaimaninseln 3
Neukaledonien
10.052 kWh 6.870 kWh

24
Guatemala 9
Kiribati
557 kWh 223 kWh
25
Nicaragua 10
Vanuatu
503 kWh 192 kWh
26
Haiti 11
Salomonen
21 kWh 125 kWh

SÜDAMERIKA Ø AFRIKA Ø 2
3
2.130 kWh 0.537 kWh
1
Falklandinseln 1
Südafrika
3
6.222 kWh 4.841 kWh
2
2
Chile 2
Libyen
3.106 kWh 4.042 kWh
1
3
Venezuela 3
Seychellen
1 2.946 kWh 2.872 kWh

11
Kolumbien 52
Sierra Leone
981 kWh 23 kWh
12
Guyana 53
Burundi
696 kWh 21 kWh
13
Bolivien 54
Tschad
653 kWh 8 kWh

VERTEILUNG
1
Falklandinseln 1
Südafrika
3
6.222 kWh 4.841 kWh
2
2
Chile 2
Libyen
3.106 kWh 4.042 kWh
1
3
Venezuela 3
Seychellen
1 2.946 kWh 2.872 kWh

BEZAHLBARE UND SAUBERE


ZIEL 7 Kolumbien Sierra Leone
39

ENERGIE
11 52
981 kWh 23 kWh
12
Guyana 53
Burundi
696 kWh 21 kWh
13
Bolivien 54
Tschad
653 kWh 8 kWh

VERTEILUNG
WAS KOSTET
DES ENERGIEVER -
EINE kWh?
BRAUCHS NACH
ENDNUTZER VERKEHR 1,60 kW

in Deutschland 29% × 0,20 €


= 0,32 €/h

Beispiel: Ein Gerät hat einen Stromverbrauch von


GEWERBE 1600 Watt, das entspricht 1,60 Kilowatt. Geht man von
40,8% einem Preis von 0,20 € pro kWh aus, so kostet es 32 Cent,
das Gerät eine Stunde lang laufen zu lassen.

Wo genau der Endverbraucherpreis für eine kWh Strom


HAUSHALTE
30,2% aktuell liegt, lässt sich so pauschal allerdings nicht sagen,
da dies von dem jeweiligen Stromtarif abhängt.

VERTEILUNG
DES STROM -
VER BRAUCHS NACH
ANWENDUNGSART
in Deutschland

25,6% 16,7% 14,8% 12,4% 9,8% 8,1% 12,5%

TV/Audio Kühlen & Warmes Waschen, Kochen Licht Übrige


& Büro Gefrieren Wasser Trocknen, Spülen
BEZAHLBARE UND SAUBERE
ZIEL 7 40

ENERGIE
TV/Audio Kühlen & Warmes Waschen, Kochen Licht Übrige
& Büro Gefrieren Wasser Trocknen, Spülen

WAS GENAU EINFACHE


BEDEUTET ES EINE ENERGIESPAR-
kWh ENERGIE ZU TIPPS FÜR
VERBRAUCHEN? DEN WINTER
Mit der Energie aus einer kWh
kann man beispielsweise:

7 STUNDEN EIN MITTAGESSEN PROFICHECK


fernsehen oder für vier Personen Lassen Sie Ihre Heizungsanlagen regelmäßig durch
ca. 15 Stunden mit auf dem Elektroherd Fachpersonal prüfen! Am besten zu Beginn der Heiz-
einem LED-Fernseher kochen. periode sollte die Heizungsanlage gewartet werden.
fernsehen. Nur so ist ein effektiver und wirtschaftlicher Betrieb
Ihrer Anlage gewährleistet.

9 LITER
35 BECHER Tee aufbrühen.
à 300 ml Kaffee JEDES GRAD ZÄHLT
kochen. Die Raumtemperatur sollte im Wohnbereich möglichst
nicht mehr als 20 °C betragen. Jedes Grad weniger
spart Heizenergie! Unsere Empfehlung für andere
Räume: in der Küche 18 °C, im Schlafzimmer 17 °C.
50 STUNDEN Halten Sie die Türen zwischen unterschiedlich warmen
Räumen geschlossen.
am Laptop oder
2.800 5 Stunden
mal elektrisch am PC arbeiten.
rasieren.

THERMOSTATVENTILE
Thermostatventile bremsen automatisch: Sie halten
133 die Temperatur in den einzelnen Räumen konstant
1 STUNDE auf dem gewünschten Wert, auch wenn die Sonne ins
Scheiben
Zimmer scheint. Je genauer ein Thermostatventil die
auf mittlerer Stufe Brot toasten.
Raumtemperatur einhalten kann, desto geringer ist
staubsaugen
der Energieverbrauch.
(mit einem 1000 Watt
Staubsauger).

17 STUNDEN
Licht einer Glühlampe RICHTIG LÜFTEN
(60 Watt) oder
EINE MASCHINE Regelmäßiges Lüften ist in der Heizsaison unerlässlich,
90 Stunden Licht einer
um die Feuchtigkeit in den Wohnräumen zu verringern
Wäsche bei Stromsparlampe
und eine gute Luftqualität zu gewährleisten. Dauer-
60 °C waschen. (11 Watt).
lüften mit gekippten Fenstern bei laufender Heizung
ist reine Energieverschwendung. Bei ausgeschalteter
Heizung kühlen die Wände und Möbel stark aus.
Stattdessen mehrmals kurz und kräftig lüften.
ZUR INFOGRAFIK
Quellen: www.indexmundi.com, statista.com,
strom-magazin.de, verivox.de, Umwelt Bundesamt
7 BEZAHLBARE UND SAUBERE
ZIEL 7 41

ENERGIE
Wie sich Alumni in Indonesien engagieren

ALUMNI-PROJEKT: ERNEUERBARE ENERGIEN EINSETZEN

Soni Fahruri, Jakarta, Indonesien

Als Berater im Abgeordnetenhaus der Republik Indonesien unterstützt Deutsch-


land-Alumnus Soni Fahruri die Kommission VII (Energie), die unter anderem die
Aufsicht über das Ministerium für Energie und Bodenschätze, das Umweltmi-
nisterium, das Ministerium für Forschung und Technologie und den nationalen
Energierat innehat.
Seine Aufgabe ist es, sein Fachwissen in Form von Studien und Analysen
zur Überprüfung bestimmter Probleme in Übereinstimmung mit den Aufgaben
des Rates in den Bereichen Haushalt, Gesetzgebung und Kontrolle bereitzustel-
len. „Mich hat Deutschland immer schon fasziniert, da es sehr gute Technologi-
en im Bereich der erneuerbaren Energien aufzuweisen hat.“
Sein Wunsch ist es, einmal ein eigenes Forschungsinstitut zu eröffnen, in dem
Lösungen für den Energiebedarf gefunden werden.

„Mein Motto ist: Solange ich am Leben bin, möchte ich versuchen, die Welt zu
verbessern“. Als Deutschland-Alumnus sagt Soni Fahruri: „In Deutschland konn-
te ich wichtige Erkenntnisse gewinnen, die weltweit in Fachkreisen diskutiert
werden. Mit diesem erreichten Wissen kann ich einen wichtigen Beitrag zu glo-

balen Problemen leisten, die regional aufgegriffen werden müssen, beispiels-
Name: Soni Fahruri weise im Bereich Klimawandel und erneuerbare Energien“.
Lebt in: Jakarta, Indonesien
Herkunftsland: Indien
Deutschlandaufenthalt: April bis No-
vember 2013 und März bis April 2014
Bildungseinrichtungen:
Otto-von-Guericke-Universität
Magdeburg, Brandenburgische
WEITERLESEN
Technische Universität Cottbus
MENSCHENWÜRDIGE ARBEIT UND
ZIEL 8 42

WIRTSCHAFTSWACHSTUM
Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschafts-
wachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdi-
ge Arbeit für alle fördern

„Social Entrepreneurship ist in


vielen Ländern ja noch unbe-
kannt. Gerade in Ost- und Süd-
osteuropa könnte das Modell,
sich selbstständig zu machen
und soziale Probleme zu lösen,
ein kleiner Schritt auf dem Weg
aus der Krise sein.“
Oliver Beckmann, ehemaliger Leiter Qualifizierung
der Social Entrepreneurship Akademie, München
MENSCHENWÜRDIGE ARBEIT UND
ZIEL 8 43

WIRTSCHAFTSWACHSTUM

DATEN UND FAKTEN


8.1 Wirtschaftswachstum aufrechterhalten
• Mehr als 200 Millionen Menschen sind weltweit ohne Arbeit. In Westasien
und Nordafrika ist die Arbeitslosenquote der Frauen doppelt so hoch ist
8.2 Produktivität steigern 8.3 Entwicklungsorierte Wirtschaftspolitik
wie die der Männer.
• Etwa 30 Prozent der arbeitenden Bevölkerung weltweit haben pro Tag
8.4 Nachhaltig wirtschaften weniger als 3,10 USD zum Leben und zählen damit zu den „Working Poor“.
• Die Arbeitsverhältnisse von etwa 80 Prozent der Menschen in Entwicklungs
ländern sind prekär, also schlecht bezahlt, nicht von Dauer oder mit zu
8.5 Vollbeschäftigung & menschenwürdige Arbeit
geringer Stundenzahl.

8.6 Ausbildung & Arbeit für junge Menschen Es gibt weltweit nicht genügend hochwertige und menschenwürdige Jobs.
In den weniger entwickelten Regionen der Welt wächst die Wirtschaft zu
langsam. Löhne und Arbeitsbedingungen sind daher für viele sehr schlecht.
8.7 Kinder- und Zwangsarbeit abschaffen 8.8 Arbeitsrechte schützen
Viele Menschen können von ihrem Lohn kaum Leben und sind trotz Arbeit arm.
8.9 Nachhaltigen Tourismus fördern Besonders betroffen sind Frauen und Jugendliche, die oft auch keine Ausbildung
besitzen. Auch ist Kinderarbeit in einigen Ländern noch weit verbreitet.

8.10 Zugang zu Finanzdienstleistungen


WAS IST ZU TUN?

8.a Exporte von Entwicklungsländern erhöhen Es braucht nicht nur mehr Jobs, sondern auch Unternehmen, die die Umwelt
schonen, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und gute Löhne bieten und
Männern und Frauen die gleichen Chancen gewähren. Ab 2020 soll eine globale
8.b Globale Strategie für Jugendbeschäftigung Strategie für Jugendbeschäftigung umgesetzt sowie bis 2030 die schlimmsten
Formen der Ausbeutung und Kinderarbeit abgeschafft werden. Die Wirtschaft
soll weltweit nachhaltiger werden und in den weniger entwickelten Ländern um
mindestens sieben Prozent pro Jahr wachsen.
MENSCHENWÜRDIGE ARBEIT UND
ZIEL 8 44

WIRTSCHAFTSWACHSTUM
Wie sich Alumni in Indien engagieren

RAUS AUS DER VERSCHULDUNG: WIE EIN START-UP INDISCHEN


KLEINBAUERN DIE EXISTENZ SICHERN MÖCHTE

Shrikrishna Hegde Ullane weiß viele Erfolgsgeschichten zu erzählen: Er be-


treut als Geschäftsführer die Plattform ConnectFarmer.com, auf der Kleinbau-
ern ein geeignetes Marketing-Training bekommen, um den Verkaufswert ihrer
Produkte abschätzen zu können. Außerdem stellt die Plattform den Kontakt zu
den Endkunden her. Kleinbauern erhalten nun regelmäßig Bestellungen –
direkt von den Kunden. Zwischenhändler werden nicht mehr benötigt und
die Bauern bekommen den Preis für ihre Produkte, den sie auch wirklich wert
sind.

Ullane ist selbst in einem kleinen, abgelegenen Dorf im Bundesstaat Karnata-


ka im Südwesten Indiens geboren und aufgewachsen. Seine Familie besteht
aus Kleinbauern, die schon seit vielen Generationen in der Landwirtschaft tä-
tig sind. „Ich wusste also schon früh über die Nöte der Kleinbauern Bescheid.
Manchmal ist es ein Schädlingsbefall, manchmal sind es Überschwemmungen –
aber trotz all dieser Naturkatastrophen sind die Bauern immer in der Lage, mit
großer Anstrengung und Mühe einen bestimmten Ernteertrag zu produzieren.
Leider streichen am Ende immer Zwischenhändler den Gewinn ein, die Bauern
machen Verluste. Ich wollte immer etwas tun, um die Probleme der Bauern zu
lösen“
Am College hat er Betriebswirtschaft studiert, was ihm eine bessere Vorstellung
von Geschäftsabläufen vermittelte. Er fand heraus, dass eine Kooperative die
beste Methode wäre, um die Probleme der Kleinbauern zu lösen. So entstand
die Idee für eine Online-Plattform.
Projekt: Start-Up ConnectFarmer.com
Land: Indien
Ziel: Kleinbauern Marketingtraining an-
bieten und Kontakt zu Endkunden
MENSCHENWÜRDIGE ARBEIT UND
ZIEL 8 45

WIRTSCHAFTSWACHSTUM

Zusammen mit Balchandra Hegde Sayimane, der ebenfalls aus einer Bauern-
familie kommt, gründete er 2013 ConnectFarmer.com und schuf damit einen
virtuellen Marktplatz, um Bauern direkt mit Endkunden zu verbinden und ihre
Produkte zu verkaufen.

Für den jungen Mann aus einem entlegenem Dorf war alles eine Herausfor-
derung: Die Finanzierung, Familienmitglieder überzeugen, ein Team aufbauen:
„Ich hatte einen Traum, mehr nicht“. Trotz der Herausforderungen stieß seine
Plattform auf außerordentlich positive Resonanz.

Persönlich hat Shrikrishna Hegde Ullane ebenfalls einen großen Wunsch für die
Zukunft:

„Ich würde gern meinen Master in Agrarwirtschaft oder in Ländlicher Entwick-


lung machen – am liebsten in Deutschland. Wenn ich finanzielle Unterstützung
durch ein Stipendium bekommen würde, wäre das eine große Hilfe für mich.
So könnte ich mich weiterbilden und die Bauerngemeinschaft in meinem Land
noch besser unterstützen.“

MEHR ZUM PROJEKT


INDUSTRIE, INNOVATION UND
ZIEL 9 46

INFRASTRUKTUR
Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirk-
same und nachhaltige Industrialisierung fördern und
Innovationen unterstützen

„In den letzten zehn Jahren habe


ich einen gewaltigen Sprung nach
vorne erlebt, was die Entwicklung
von Marokko angeht. Der Lebens-
standard der Leute ist spürbar ge-
stiegen. Die Infrastruktur, die für
die Entwicklung eines Landes von
großer Bedeutung ist, hat sich
erheblich verbessert.“
Mostafa Saidi, Marokkanisches Ministerium für Verwaltungs-
modernisierung
INDUSTRIE, INNOVATION UND
ZIEL 9 47

INFRASTRUKTUR

Straßen, Strom- und Wasserleitungen sowie Mobilfunknetze gehören zur


9.1 Infrastruktur verbessern 9.2 Nachhaltige Industrialisierung Infrastruktur eines Landes und sind dessen Lebensadern. Zu wenig oder
schlechte Infrastruktur hemmt die Entwicklung.

9.3 Wertschöpfung kleiner Unternehmen erhöhen


In vielen weniger entwickelten Ländern gibt es daher kaum Industrie. Denn In-
dustrie, aber auch Landwirtschaft, benötigen eine umfangreiche und stabile Inf-
9.4 Umweltverträgliche & effiziente Industrien rastruktur, um ihre Waren zu produzieren und zu transportieren. Immer wieder
kommt es weltweit zu Infrastrukturprojekten, die aber nicht nachhaltig geplant
werden. Das hat dann oft sehr negative Auswirkungen auf die Anwohner und
9.5 Forschung & Innovation
die Natur. Wegen schlechter oder teurer Internetverbindungen fehlt zudem vie-
len Menschen Zugang zu wichtigen Informationen. Wirtschaftliches Wachstum
9.a Infrastrukturförderung für Entwicklungsländer oder technische Innovation sind dann kaum möglich.

WAS IST ZU TUN?


9.b Technologie & Innovation in Entwicklungsländern

Eine nachhaltige Industrialisierung trägt viel zum wirtschaftlichen Wachstum


9.c Zugang zu IKT und Internet bei und schafft Arbeitsplätze. Nachhaltig bedeutet, dabei möglichst wenige na-
türliche Ressourcen zu verbrauchen und umweltfreundliche Technologien zu
nutzen. Unternehmen können dies aber nur umsetzen, wenn sie Kredite auf-
DATEN UND FAKTEN nehmen können und Zugang zu attraktiven Märkten haben. Besonders in länd-
lichen Regionen vieler Entwicklungsländer muss auch deshalb dringend die Inf-
• In vielen Ländern Afrikas verringert die fehlende Infrastruktur die Produkti- rastruktur ausgebaut werden. Das darf aber nicht auf Kosten der Umwelt oder
vität von Firmen um etwa 40 Prozent. der Menschen geschehen. Bis 2020 sollen möglichst viele Menschen weltweit
• Nur knapp 30 Prozent der Landbevölkerung in den am wenigsten ent- das Internet als „Tor zur Welt“ nutzen können. Forschung und Innovation müs-
wickelten Ländern haben Internetzugang über mobile Breitbandnetze der sen kontinuierlich gefördert werden.
dritten Generation (3G).
• Investitionen in Forschung und Entwicklung sind in den vergangenen Jah-
gestiegen – in entwickelten Regionen auf 2,4 Prozent des Bruttoinlands-
produkts, in den am wenigsten entwickelten und Binnenentwicklungslän-
dern auf weniger als 0,3 Prozent.
INDUSTRIE, INNOVATION UND
ZIEL 9 48

INFRASTRUKTUR
Wie sich Alumni Äthiopien engagieren

DIGITAL START-UP IN ÄTHIOPIEN

Deutschland-Alumnus Eskinder Mamo und Amanuel Abrha gründeten in


der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ein Start-up für Web- und Mobi-
le-App-Entwicklung: AhadooTec. Seither wuchs das Unternehmen rasant – 20
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat es heute. Ihr erster Unterstützter war
das Berliner Social Impact Lab. Sie haben sie beraten, Mentoring und Networ-
king zur Verfügung gestellt und sie konnten in ihrem Co-Working-Space arbei-
ten. Auch das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) hat
das Projekt finanziell unterstützt, und in Äthiopien gab es zahlreiche Organisa-
tionen und Privatpersonen, die uns informell unterstützt haben.

„In einigen internationalen Projekten, die wir durchgeführt haben, konn-


ten sich die Kunden in Europa anfangs nicht vorstellen, dass es fähige Soft-
ware-Entwickler in Äthiopien gibt. Manche fragten sogar: Haben die dort
überhaupt Handys oder PCs?“ Doch Eskinder Mamo ist überzeugt: „Wenn
Menschen die Möglichkeit bekommen, egal wo auf der Welt, können sie tolle
Sachen entwickeln. Das Talent ist da“.

Name: Eskinder Mamo


Lebt in: Addis Abeba, Äthiopien
Deutschlandaufenthalt: Kam 1998
mit 12 Jahren nach Deutschland
Förderungen: Social Impact Lab Berlin,
Centrum für internationale Migration
und Entwicklung (CIM)
Fachgebiete: Innovationsmanagement
WEITERLESEN
und Entrepreneurship
WENIGER UNGLEICHHEITEN
ZIEL 10 49

Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern

Fotowettbewerb „Städte im Wandel“


„Straßenreinigung in Qingdao“, China
Foto: Ralf Oldenburg

„Die Ungleichheit hat in den


letzten 20 Jahren ganz erheblich
zugenommen: 10 Prozent der
Menschheit besitzen heute 90
Prozent des Vermögens.
Angesichts dieser Verhältnisse
stelle ich die Frage: Kann das auf
die Dauer gut gehen? Das ist
keine Grundlage für eine friedli-
che und zukunftsfähige Welt!“
Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung
ZIEL 10 WENIGER UNGLEICHHEITEN 50

• Ungleichheit ist universell: Auch in reichen Ländern gibt es Armut, Rassis-


10.1 Mehr Einkommen für die ärmste Bevölkerung mus und religiöse Intoleranz.

Geschlecht, Behinderung, sexuelle Orientierung, ethnische Zugehörigkeit


10.2 Selbstbestimmung & Inklusion 10.3 Chancengleichheit
oder Religion dürfen kein Grund sein, dass ein Mensch schlechtere Chan-
cen hat als ein anderer. Das ist die Theorie – die Praxis sieht oft anders aus.
10.4 Gerechte Steuern, Löhne & sozialer Schutz
In vielen Ländern werden Teile der Bevölkerung ausgegrenzt oder benachteiligt.
Die Chancen auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Teilhabe sind häufig sehr
10.5 Finanzmärkte besser regulieren
ungleich. Eine Spaltung in reich und arm, in privilegiert und benachteiligt zer-
reißt Gesellschaften und schürt Konflikte. Auf internationaler Ebene verstärkt
10.6 Mehr Mitsprache für Entwicklungsländer sie Migration. Gleichzeitig sind die Menschen in der globalisierten Welt vielfach
miteinander verbunden. Alle sind den globalen Finanzmärkten ausgeliefert, ob-
wohl diese sich vor allem an den Interessen der Wohlhabenden orientieren. Be-
10.7 Verantwortungsvolle Migrationspolitik sonders Entwicklungsländer sind vielen internationalen Prozessen ausgesetzt,
ohne Einfluss nehmen und eigene Strategien durchsetzen zu können.

10.a Entwicklungsländer differenziert behandeln


WAS IST ZU TUN?

10.b Entwicklungshilfe zielgerichtet einsetzen Chancengleichheit und gerechte Verteilung sind die Grundlage für Frieden und
Zusammenhalt – innerhalb von Gesellschaften und global. Daher hat die Redu-
10.c Gebühren für Auslandsüberweisungen senken zierung von Armut höchste Priorität. Ärmere Länder müssen ihre Interessen auf
internationaler Ebene besser vertreten können und stärker unterstützt werden.
Migration als eine Folge weltweiter Ungleichheit muss geordneter und sicherer
DATEN UND FAKTEN werden. Nach innen müssen Staaten diskriminierende Gesetze und Praktiken
abschaffen und die benachteiligte Bevölkerung schützen, zum Beispiel durch
• Die Ungleichheit der Einkommen nahm in Entwicklungsländern zwischen
soziale Absicherung und ein faires Steuersystem. Wirtschaft muss nachhaltig
1990 und 2011 um 11 Prozent zu.
wachsen und die gesamte Gesellschaft am Wohlstand beteiligen.
• In Entwicklungsländern ist die Gefahr, dass Kinder vor ihrem fünften Ge-
burtstag sterben, für die ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung fünfmal hö-
her als für die reichsten 20 Prozent.
ANALPHABETEN ANALPHABETEN
Heute gibt es nur noch Erwachsene, die die
wenige Analphabeten, Schule besucht haben
die in der ursprüng- und dennoch kaum
WAS IST
lichen Bedeutung des lesen und schreiben
Wortes Analphabeten ANALPHABETISMUS? können. Das bedeutet

WENIGER UNGLEICHHEITEN
ZIEL 10 sind, also wirklich
keine Buchstaben
Eine ausgeprägte
Schreib- und
Leseschwäche, die
auch oft, dass sie
Schwierigkeiten mit
51
kennen. Rechnen und anderen
psychisch oder Fächern haben.
kulturell bedingt ist
oder auf einen Mangel
an Bildung zurück-
geführt werden kann.

ZWEI DRITTEL 33 %
SIND FRAUEN IN INDIEN
INFOGRAFIK ANALPHABETISMUS WELTWEIT Fast zwei Drittel von
ihnen sind Frauen.
MILLIONEN Allein in Indien leben
33 Prozent der
Dies entspricht rund
496 Millionen.
ANALPHABETEN weltweiten Analpha-
beten. Dort können
Der Weltbildungsbericht der UNESCO zeigt, dass die WELTWEIT rund 256 Millionen
Menschen weder
Anzahl der erwachsenen Analphabeten beständig hoch lesen noch schreiben.

bleibt. In vielen Ländern ist es immer noch ein Privileg,


16 MIO.
lesen und schreiben zu können.
8 MIO.
WELTBEVÖLKERUNG 2015:
7,35 Milliarden Menschen
1,3 MRD.
EINWOHNER IN INDIEN

KEINE CHANCE
Nahezu 16 Millionen
Mädchen, im Alter
ANALPHABETISMUS:
Etwa jeder Zehnte ist betroffen.
256 MIO.
ANALPHABETEN
zwischen 6 und
11 Jahren werden nie
die Chance haben eine
Schule zu besuchen.
Bei den Jungen sind
es halb so viele.

58 MIO.
LESEN & SCHREIBEN 10 LÄNDER KEINE SCHULE
In Subsahara-Afrika kann Ca. 500 Millionen Menschen 58 Millionen Kinder
jede zweite Frau weder des gesamten Analphabetismus weltweit gehen
lesen noch schreiben. verteilen sich auf nur 10 Länder. nicht zur Schule.

34,3 % der Bevölkerung


20 % der Bevölkerung
30,5 %
96,6 MIO. AFGHANISTAN
BANGLADESCH
118 MIO. 34,3 %
26,3 %
31,8 MIO.
WENIGER UNGLEICHHEITEN
ZIEL 10 45 MIO.
ÄGYPTEN
16,7 %
166 MIO.
52
325 MIO.
86,9 MIO.
551 MIO.

ANALPHABETEN
ANALPHABETEN
NACH WELTREGION
NACH WELTREGIONEN
Zu Analphabeten in der erwachsenen Bevölkerung zählen alle Personen über
15 Jahren, die einen kurzen, einfachen Text über ihr alltägliches Leben weder
lesen, schreiben, noch verstehen können. (UNESCO, 2015)

70,2 %
63,6 % 61 %

379 Millionen 191,1 Millionen 75,1 Millionen


Süd- und Westasien Afrika (Sub-Sahara) Ostasien und Ozeanien

67,3 % 54,8 %

49,5 Millionen 31,2 Millionen


Arabische Staaten Lateinamerika
und Karibik

78,6 % 60,5 %

4,2 Millionen 218.200


Zentral- und Zentralasien
Osteuropa

ANALPHABETISMUS
78,6 % 60,5 %

WENIGER UNGLEICHHEITEN
ZIEL 10 4,2 Millionen 218.200
53
Zentral- und Zentralasien
Osteuropa

ANALPHABETEN
ANALPHABETISMUS
IN DEUTSCHLAND
IN DEUTSCHLAND

ABC
ALPHABETISIERUNGS-
PROJEKTE
Das Bundesministerium
für Bildung und Wissen-
schaft wird in den Jahren
2015 bis 2025 mit bis 60 % SIND MÄNNER
zu 180 Millionen Euro
Über 60 Prozent aller
Alphabetisierungs-
funktionalen Analpha-
projekte fördern sowie
beten sind Männer, rund
Kurskonzepte und
40 Prozent sind Frauen.
Selbstlernmöglichkeiten EINWOHNER DEUTSCHLAND: Im globalen Maßstab ist
schaffen. 81,2 Millionen Menschen es genau umgekehrt:
Zwei Drittel der weltweiten
Analphabeten sind
Frauen und Mädchen.

ANALPHABETISMUS:
BILDUNG Mehr als jeder Neunte ist betroffen.
Mehr als die Hälfte
aller Betroffenen
besitzt keinen oder ARBEITSLOS 17 %
nur einen niedrigen
Schulabschluss. ERWERBSTÄTIG 60 %

Erwerbstätigkeit ist unter funktionalen Analphabeten weit verbreitet.


Gut 60 Prozent aller Betroffenen gehen einem Beruf nach, arbeitslos
sind knapp 17 Prozent. Der berufliche Status sagt also wenig über die
Lese- und Schreibkompetenz eines Erwachsenen aus.
ZUR INFOGRAFIK
Stand: April 2016
WENIGER UNGLEICHHEITEN
ZIEL 10 54

Wie sich Alumni in Tansania engagieren

FLYING CIRCUS ACADEMY: EINE FRAU, DIE MIT IHRER IDEE EINEN
ZIRKUS ZUM FLIEGEN BRACHTE

Durch einen glücklichen Zufall kam Habiba Issa aus Tansania nach Deutschland
zu einer Hospitation in die ufa-Fabrik Berlin. Dort lernt sie viel über die Kon-
zeption, Planung und Durchführung von Kulturprojekten. Aus dem Stipendium
nimmt Habiba vor allem dies mit: Selbstbewusstsein und die Erkenntnis, dass
man mit Kultur etwas bewegen – und vielleicht sogar davon leben kann? Schon
in Berlin beginnt eine Idee in ihr zu wachsen: Habiba will eine Zirkus-Schule in
Dar-es-Salaam aufbauen. Gesagt, getan!

Bei dem Projekt „Fit for Life“ liegt der Fokus auf dem Aufbau einer Zirkusschule
und der praktischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Ein Herzensanliegen
von Habiba, denn sie kennt die besonderen Geschichten, die die Kinder aus
Mburahati, einem Stadtviertel von Daressalam, mitbringen. Oft sind sie sozial
benachteiligt und müssen sich als Taschen- oder Hühnerdiebe durchschlagen.
Ihre Talente werden nicht erkannt und gefördert, sondern verschwendet. Das
an „Fit for Life“ anknüpfende Projekt „Flying Circus Academy“ hat einen Train-
the-Trainer-Ansatz, um neuen Nachwuchs fürs Artistik-Training auszubilden
und nachhaltige Strukturen für Straßenzirkus-Kunst zu schaffen. Was Deutsch-
land-Alumna Habiba Issa aus diesen kooperativen Projekten mitnimmt, ist die
Erkenntnis: „Wenn du selbst an dich glaubst, tragen dich andere.“

Name: Habiba Issa


Lebt in: Daressalam, Tansania
Deutschlandaufenthalt: 2008
Bildungs- und Kultureinrichtung:
Goethe-Institut, ufaFabrik Berlin
Beruf: Gründerin und Leiterin der
Zirkus- und Artistenschule „Flying
Circus Academy“ in Tansania WEITERLESEN
NACHHALTIGE STÄDTE UND
ZIEL 11 55

GEMEINDEN
Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig
und nachhaltig gestalten

„Das Wohlbefinden der Men-


schen hängt von der Gestaltung
der Städte ab: soziale Netzwerke,
Vertrauen, Sicherheit,
Kommunikation, gemeinsames
Verantwortungsgefühl entstehen
nicht in anonymen Betonsilos
oder wenn sich die Wohlhaben-
den hinter Mauern verstecken.
Öffentliche Räume sind nötig.“
Prof. Dirk Messner, Wirtschaftlicher Beirat der
Bundesregierung Globale Umweltveränderungen
NACHHALTIGE STÄDTE UND
ZIEL 11 56

GEMEINDEN

Die meisten Menschen leben in Städten und Siedlungen, und es werden


11.1 Bezahlbarer Wohnraum 11.2 Mobilität ermöglichen immer mehr. Manche Großstädte stehen kurz vor dem Kollaps – sie plat-
zen aus allen Nähten. Es ist eine Herausforderung, Städte zu einem ge-
sunden und sicheren Wohnraum für alle zu machen.
11.3 Verstädterung nachhaltig gestalten

Besonders in Entwicklungsländern ziehen immer mehr Menschen vom Land in


11.4 Natur- und Kulturerbe schützen 11.5 Katastrophenschutz die Städte, weil sie sich dort größere Chancen erhoffen. Städte und Siedlungs-
raum dehnen sich schnell aus, trotzdem ist vielerorts der Wohnraum knapp
und damit teuer. Immer mehr Menschen in der Welt leben ärmlich in Slums. Oft
11.6 Umweltbelastungen senken 11.7 Gestaltung öffentlicher Räume
gibt es zu wenige öffentliche Verkehrsmittel und die Luftverschmutzung nimmt
zu. Es ist teuer und aufwendig, für viele Menschen sauberes Wasser und Strom
11.a Verbindung zwischen Stadt & Land zur Verfügung zu stellen und den Abfall zu entsorgen. Weltweit sind Städte für
gravierende Umweltschäden verantwortlich.

11.b Nachhaltige Stadtpolitik & Katastrophenvorsorge


WAS IST ZU TUN?

11.c Nachhaltig bauen Städte sollen für die Menschen auch weiterhin Orte des Handels, der Kultur,
der Wissenschaft, der Innovation und des Fortschritts sein. Dies kann nur ge-
lingen, wenn der Wohnraum Stadt nachhaltig und inklusiv gestaltet wird. Dafür
DATEN UND FAKTEN braucht es eine gute Stadtplanung sowie nationale Strategien und regionale
Entwicklungspläne. Städte müssen Lösungen finden, damit sie den Menschen
• Die Hälfte der Menschheit lebt heute in Städten. Im Jahr 2050 werden es Wohnraum, eine Grundversorgung und Verkehrssysteme bereitstellen sowie
voraussichtlich 80 Prozent sein. Sicherheit, niedrigere Umweltbelastungen und Grünflächen zur Erholung bie-
• Etwa ein Drittel der städtischen Bevölkerung in Entwicklungsländern lebt in ten können.
Slums. Besonders Städte in Entwicklungsländern müssen sich besser vor Überschwem-
• Städte machen nur drei Prozent der Erdoberfläche aus, sind aber für 75 mungen und anderen Naturkatastrophen rüsten. Hierbei muss die internatio-
Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. nale Staatengemeinschaft finanziell und technisch helfen.
• Die Hälfte aller Stadtbewohner atmet Luft, deren Schmutzwerte mindes-
tens 2,5-fach höher sind als der von der WHO festgelegte Höchstwert.
NACHHALTIGE STÄDTE UND
ZIEL
ZIEL11
11 57

GEMEINDEN
Wie sich Alumni in Brasilien engagieren

BUNDESKANZLER-STIPENDIUM: MIT DEM FAHRRAD DURCH


EUROPA

João Paulo Amaral aus Brasilien hat sich mit Unterstützung des Bundeskanz-
ler-Stipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung die „Fahrradfreundlich-
keit“ in Europa angeschaut. Ein Jahr lang tourte , genannt JP, durch Europa. 46
Städte in 15 Ländern – von Portugal bis Polen – hat er sich angesehen und auf
ihre Fahrradtauglichkeit getestet: Darunter waren Millionenstädte wie Ham-
burg und München, Fahrradstädte wie Amsterdam, Kopenhagen oder Münster
und autofreundliche Städte wie Bochum. Acht Jahre arbeitete der Umweltakti-
vist schon daran, wie man die Städte in Brasilien fahrradfreundlicher machen
kann. Das Bundeskanzler-Stipendium war für ihn das perfekte Programm, um
zu lernen, wie europäische Städte damit umgehen. Seine neuen Erfahrungen
und Kontakte kann der Deutschland-Alumnus auch für Bike Anjo („Fahrraden-
gel“) nutzen, ein Netzwerk von Fahrradaktivisten, die Menschen dabei helfen,
in großen Städten Fahrrad zu fahren. Die wichtigste Erkenntnis für João Paulo
Amaral: Entscheidend ist es, den kulturellen Wandel hin zu einer Fahrradkul-
tur und einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu stärken. Es ist mehr nötig, als
praktische Lernhilfen zu geben. Ein grundsätzlicher Wandel braucht auch Ver-
änderungen im staatlichen Handeln. Mittlerweile ist JP wieder in Brasilien und
blickt zurück:
„Das Stipendium hat mir ein großes Netzwerk an Menschen geschenkt, mit
vielen Möglichkeiten zu lernen, sich auszutauschen und sich zu verbinden.“

Name: João Paulo Amaral


Lebt in: São Paulo, Brasilien
Deutschlandaufenthalt: 2015-2016
Förderung: Bundeskanzlerstipendium
der Alexander von Humboldt-Stiftung
Beruf: Berater und Projektkoordinator
im Bereich Stadtentwicklung und Nach- WEITERLESEN
haltigkeit
NACHHALTIGE/R KONSUM UND
ZIEL 12 58

PRODUKTION
Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen

„Ich versuche es zu vermeiden,


Sachen zu kaufen, die ich eigent-
lich nicht brauche. Außerdem ist
es mir wichtig zu wissen, woher
die Produkte kommen und ob sie
umweltgerecht hergestellt und
fair gehandelt wurden. Bei
Lebensmitteln versuche ich
möglichst lokale Produkte zu
kaufen. Außerdem habe ich kein
Auto und benutze möglichst
öffentliche Verkehrsmittel.“
Angelina Davydova, russische Umweltjournalistin
NACHHALTIGE/R KONSUM UND
ZIEL 12 59

PRODUKTION

DATEN UND FAKTEN


12.1 Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster
• Jährlich landet weltweit etwa ein Drittel der Nahrungsmittel auf dem Müll,
verdirbt auf dem Transportweg oder durch schlechte Erntepraktiken.
12.2 Natürliche Ressourcen schonen
• Wächst die Weltbevölkerung weiter wie bisher, benötigt sie 2050 fast drei
Planeten wie die Erde, um für ihren bisherigen Lebensstil genügend
12.3 Weniger Nahrungsmittel verschwenden Ressourcen zur Verfügung zu haben.
• Im Jahr 2020 wird es über 30 Prozent mehr Autos und Lkw geben.
Der Flugverkehr wird sich bis dahin schätzungsweise verdreifachen.
12.4 Abfälle verantwortungsvoll entsorgen

Möglichst viel und ohne Nachdenken produzieren und konsumieren – ein


12.5 Müll vermeiden & recyceln solches Verhalten passt nicht mehr ins 21 Jahrhundert. Es ist angesichts
knapper werdender Ressourcen zu verschwenderisch.

12.6 Verantwortungsvolle Unternehmen Unser Energieverbrauch belastet das Klima und für viele Produkte und Nah-
rungsmittel werden natürliche Ressourcen zerstört. Die Waren werden oft in
12.7 Nachhaltiges Beschaffungswesen anderen Ländern und unter schlechten Arbeitsbedingungen produziert. Wir
verbrauchen fossile Brennstoffe, übernutzen die natürlichen Wasservorräte
und in reichen Ländern landen riesige Mengen von Nahrungsmitteln im Müll.
12.8 Aufklärung & Bewusstseinsbildung

WAS IST ZU TUN?


12.a Entwicklungsländer unterstützen
„Weniger ist mehr“ ist hier das Motto. Die Industrie, Konsumenten, Politik, Wis-
senschaft und viele andere müssen umdenken und die natürlichen Ressour-
12.b Nachhaltigen Tourismus ausbauen cen verantwortungsvoller nutzen, etwa über Recycling, Reduzierung von Plas-
tikverpackungen oder den Kauf von umweltfreundlicher Kleidung. Die Politik
muss die Subventionierung fossiler Brennstoffe beenden und ihre öffentliche
12.c Subventionen fossiler Brennstoffe abschaffen
Beschaffung nachhaltig gestalten.
NACHHALTIGE/R KONSUM UND
ZIEL 12 60

PRODUKTION
Wie sich Alumni in Indonesien engagieren

SPIRULINA-ANBAU: EIN PROJEKT ZUR STÄRKUNG DER FISCHER


IN LABUAN

In diesem Projekt befasst sich das Alumni-Netzwerk „Yayasan Indonesia – Jer-


man“ mit der Entwicklung von Technologie für den Mikroalgenanbau. Indonesi-
en ist eines der größten Archipel-Länder und hat mit ungefähr 81.000 km nach
Kanada die weltweit zweitlängste Küste. Das Land hat eine reichte Meeresar-
tenvielfalt; Fischfang und Aquakultur sollten in der Zukunft in großem Umfang
genutzt werden.

Gemäß dem Konzept des Blauen Wachstums oder der Blauen Wirtschaft, das
die indonesische Regierung als Strategie zur Stärkung von Wachstum und nach-
haltiger Entwicklung im Fischereisektor ausgerufen hat, geht es bei dem Alum-
ni-Projekt um die Entwicklung einer Produktionsanlage für Spirulina (eine Art
von Mikroalge) in einem indonesischen Küstengebiet.

Die Idee entstand angesichts der zunehmend schwierigen Lebensbedingungen


der Fischer. Obwohl die Aquakultur ein strategischer Sektor der Lebensmittel-
versorgung und des wirtschaftlichen Wachstums geworden ist, profitierten die
Fischer nicht davon. Angesichts der geographischen Bedingungen Indonesiens,
das am Äquator liegt und ganzjährig ausreichend Sonnenlicht erhält, ist der An-
bau von Mikroalgen, und vor allem von Spirulina, eine geeignete alternative
Einkommensquelle für Fischer und ihre Familien – auch dann, wenn das Klima
die Fischerei unmöglich macht. Das Produkt Spirulina kann vor Ort von den
Fischern als Fischfutter oder Zusatzfutter verwendet werden, um die Immun-
Projekt: Spirulina-Anbau – Ein
kräfte der Fischlarven zu stärken und die Sterberate der Fische zu verringern.
Projekt zur Stärkung der Fischer
in Labuan
Land: Indonesien
Alumni-Netzwerk: Yayasan
MEHR ZUM PROJEKT Indonesia – Jerman
MASSNAHMEN ZUM KLIMA-
ZIEL 13 61

SCHUTZ
Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels
und seiner Auswirkungen ergreifen

„Unser Planet ist nicht zu retten,


wenn wir die fossilen Brennstof-
fe nicht dort lassen, wo sie hinge-
hören, nämlich in der Erde. Eine
umfassende und grundlegende
Veränderung ist jetzt sofort nötig,
die zu einem neuen kollektiven
Bewusstsein führen muss.
Zu einer neuen, kollektiven Evo-
lution der Menschheit, die von
Euer aller Bewusstsein dieser
Dringlichkeit inspiriert und er-
möglicht wird.“
Leonardo di Caprio, amerikanischer Schauspieler und
UN-Friedensbotschafter
MASSNAHMEN ZUM KLIMA-
ZIEL 13 62

SCHUTZ

Das Klima weltweit ändert sich schneller als bislang angenommen. Das
13.1 Anpassungen an den Klimawandel bringt nicht nur lokal anderes Wetter, sondern verändert die Vegetation
ganzer Regionen und hat schwere Naturkatastrophen zur Folge.

13.2 Nationale Klimaschutzpolitiken


Der menschengemachte Klimawandel betrifft alle, für die ärmsten und ver-
wundbarsten Menschen sind die Auswirkungen aber besonders ernst. Der
13.3 Aufklärung & Kapazitäten verstärken Meeresspiegel steigt und es gibt mehr extreme Wetterereignisse: Dürren ver-
nichten immer mehr Ernten, woanders zerstören Überschwemmungen und
Stürme ganze Landstriche. Schuld daran ist der Ausstoß von zu vielen Treib-
13.a Finanzielle Hilfe für Entwicklungsländer
hausgasen vor allem bei der Energiegewinnung, in der Produktion, im Trans-
portwesen und im Straßenverkehr. Die Verpflichtungen, die alle am Klimaab-
13.b Mehr Kapazitäten in ärmsten Ländern kommen von Paris beteiligten Länder eingegangen sind, werden noch nicht
ausreichend umgesetzt.

WAS IST ZU TUN?


DATEN UND FAKTEN
Das Pariser Klimaabkommen sieht vor, dass die globale Temperatur im Ver-
• Seit 1990 ist der Ausstoß von CO2 weltweit um fast 50 Prozent gestiegen. gleich zur vorindustriellen Zeit um deutlich weniger als 2 Grad Celsius ansteigt.
• Steigt die Temperatur um 1 Grad Celsius, gehen weltweit die Getreideern- Hier sind also besonders die Industrieländer in der Pflicht, denn sie stoßen den
ten um 5 Prozent zurück. Von 1981 bis 2002 reduzierte sich daher die Ernte Großteil der Treibhausgase aus. Dieser Ausstoß muss sofort deutlich reduziert
von Getreide um jährlich 40 Megatonnen. werden. Dafür muss die Wirtschaft auf erneuerbare Energien umsteigen und
• Der Meeresspiegel stieg zwischen 1901 und 2010 um 19 Zentimeter an. Es ebenso wie die Verbraucher ihren Energie- und Kraftstoffverbrauch reduzieren.
wird geschätzt, dass er bis 2100 um bis zu 63 Zentimeter ansteigt. Die nationalen Politiken müssen hierfür Vorgaben machen und sie auch umset-
zen. Aber die Menschen müssen sich auch an das veränderte Klima anpassen
und für den Notfall vorsorgen. Bauern können Sorten pflanzen, die besser für
das sich verändernde Klima geeignet sind, und Deiche können vor Überschwem-
mungen schützen. Besonders Entwicklungsländer benötigen Unterstützung, um
Schutzmaßnahmen zu ergreifen und ihre Wirtschaft klimaneutral zu entwickeln.
MASSNAHMEN ZUM KLIMA-
ZIEL 13 63

SCHUTZ
Wie sich Alumni in Uganda engagieren

ALLAN MUBIRU: „IN DEUTSCHLAND HABE ICH VIEL ÜBER


KLIMAFINANZIERUNG UND INTERNATIONALE ZUSAMMEN-
ARBEIT GELERNT“

Allan Mubiru aus Uganda hat Finanzwesen und Wirtschaftswissenschaften


studiert. Während seiner Zeit als Klimaschutzstipendiat der Alexander von
Humboldt-Stiftung war er als Gastwissenschaftler bei atmosfair in Berlin be-
schäftigt. Flugpassagiere können mit atmosfair die Klimagase ihrer Flugreise
kompensieren, indem sie freiwillig einen von den Emissionen abhängigen Kli-
maschutzbeitrag zahlen. Der Deutschland-Alumnus arbeitet heute als Län-
dermanager für atmosfair in Ruanda und ist dort vor allem für ein Programm
zuständig, das die Nutzung von hochwertigen und energieeffizienten Kochher-
den fördert.
„Während meines Aufenthalts in Deutschland sammelte ich viele unterschied-
liche berufliche und private Erfahrungen. Auf der beruflichen Seite habe ich
enorm viel zu den Themen Klimafinanzierung und internationale Zusammen-
arbeit gelernt. Insbesondere fand ich heraus, dass es ein großes, bisher nicht
ausgeschöpftes Kooperationspotential zwischen jungen Fachkräften in der Re-
gion Ostafrika und unseren deutschen Kollegen gibt. Dadurch wurde für mich
noch einmal das Potential für Partnerschaften zwischen deutschen und afrika-
nischen Unternehmen in der nachhaltigen Entwicklung der Bereiche Energie-
effizienz und erneuerbare Energien unterstrichen“.
Seine Motivation entspringt aus dem Wunsch, einerseits Haushalten mit gerin-
Name: Allan Mubiru
gem Einkommen besseren Zugang zu erneuerbaren Energien und Energieeffi-
Lebt in: Kigali, Ruanda
zienz zu verschaffen und andererseits nachhaltige Handelspraktiken zu unter-
Herkunftsland: Uganda
stützen. Der Zugang zu sauberer Beleuchtung beispielsweise hat es Schülern
Deutschlandaufenthalt: Juli 2012
und anderen Nutzern solarbetriebener Lampen ermöglicht, länger am Tag zu
bis November 2013 in Berlin
lernen und die Gesundheitsrisiken durch Kerosinlampen zu vermeiden.
Bildungs- und Forschungseinrich-
tung: atmosfair gGmbH (Internati-
onales Klimaschutzsti-pendium der WEITERLESEN
Alexander von Humboldt-Stiftung)
LEBEN UNTER WASSER
ZIEL 14 64

Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne nachhaltiger


Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen

„Indonesien ist eine der arten-


reichsten Meeresregionen über-
haupt. Es gibt hier 600 verschiede-
ne Korallenarten und die größte
Vielfalt an Riff-Fischen weltweit.
Nach Schätzungen sind etwa 90
Prozent der Korallenriffe mehr oder
weniger stark bedroht. Insofern
gibt es für uns viel zu tun.“
Dr. Hawis Madduppa, Agricultural University in Bogor,
Indonesien
ZIEL 14 LEBEN UNTER WASSER 65

Wir Menschen zerstören die Ozeane, obwohl sie für uns lebensnotwendig
14.1 Saubere Meere 14.2 Ökosysteme stabilisieren sind: Sie regulieren das globale Ökosystem, beeinflussen das Klima und
bieten Nahrung und Einkommen für viele Millionen Menschen.

14.3 Versauerung der Ozeane reduzieren 14.4 Überfischung beenden


Für etwa 11 Prozent der Weltbevölkerung ist die Fischerei Lebensgrundlage, ins-
besondere in Küstengebieten und kleinen Inselstaaten. Ein großer Teil der Ge-
14.5 Küsten- & Meeresgebiete erhalten wässer ist aber überfischt, das Wasser besonders in Küstennähe verschmutzt.
Kleinfischer verarmen und müssen ihre Heimat verlassen, Korallenriffe sterben,
die Artenvielfalt ist in Gefahr. Eine besonders akute Bedrohung ist die Ansamm-
14.6 Schädliche Subventionen abschaffen
lung von riesigen Mengen Plastikmüll in den Ozeanen, die nach und nach zu
kleinen Partikeln zerfallen und von Fischen und Meeresvögeln gefressen wer-
14.7 Meeresressourcen nachhaltig nutzen den. Damit gelangen sie auch in unsere Nahrungskette.

WAS IST ZU TUN?


14.a Forschung & Technologietransfer 14.b Kleinfischer unterstützen

Nur gemeinsam kann die internationale Gemeinschaft zur Gesundung der Mee-
14.c Völkerrecht umsetzen re beitragen. Illegale Fischerei muss stärker verfolgt und nicht nachhaltige For-
men von Fischereisubventionen beendet werden. Auch sind die Wirtschaft und
die Verbraucher gefragt: Sie müssen Produkte aus nachhaltiger Fischerei bevor-
zugen und aufhören, Müll im Meer zu entsorgen. Jeder kann etwas für die Ge-
DATEN UND FAKTEN sundheit der Meere tun, zum Beispiel indem man mehr Fisch aus zertifizierter
Haltung isst oder weitgehend auf Plastikverpackungen verzichtet. Mehr in die
• Ozeane absorbieren etwa 30 Prozent des menschlichen CO2-Ausstoßes
Meeresforschung zu investieren und diese Erkenntnisse auch mit Entwicklungs-
und mildern damit die globale Erderwärmung ab.
ländern zu teilen, kann in Zukunft helfen, die Ozeane und Küstengebiete poli-
• In den Ozeanen der Welt leben fast 200,000 Tierarten. 20 Prozent der welt-
tisch, ökologisch und wirtschaftlich besser zu schützen.
weiten Korallenriffe sind unwiderruflich zerstört und 24 Prozent sind un-
mittelbar in großer Gefahr.
• 90 Prozent aller Fischbestände gelten als überfischt oder bis an die Grenze
der Nachhaltigkeit ausgebeutet.
• Über 200 Millionen Menschen arbeiten direkt oder indirekt in der Fischerei.
darüber, wie groß die von Plastikmüll verschmutz­
ten Gebiete tatsächlich sind. Mal ist von der Größe
Texas', mal von der Westeuropas die Rede. Tatsäch­
lich lässt sich die Größe schwer messen, da
STRÖMUNGSSYSTEME die Grenzen diffus sind und der Müll nicht unbed­
Ozeane werden von komplexen Strömungs­ ingt sichtbar. Lediglich die Partikelkonzentration

LEBEN UNTER WASSER


systemen durchzogen. Eine hohe Konzentration
ZIEL 14 an Müll sammelt sich vor allem in den fünf großen
lässt sich aus einzelnen Wasserproben eindeutig
feststellen.
66
Wirbelstromgebieten der Ozeane an.

PLASTIKMENGE IM MEER
Zu den zehn häufigsten
Schwemmgut-Objekten gehören:

11%

PLASTIKFLASCHEN 2,7 MILLIONEN TONNEN!


AUSMASS UND URSACHEN VON PLASTIK IM Von über 300 Millionen
Tonnen Kunststoff, die
OZEAN 10%
jährlich hergestellt werden,
landen Schätzungen zufolge
4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen
als Plastikabfall im Meer.
Es gibt riesige Mengen Plastikmüll im Ozean. Diese In-
fografik zeigt, wie das Plastik ins Meer kommt, was mit
den Plastikabfällen langfristig passiert und was es für
Mensch und Tier, für Natur und Klima bedeutet.
PLASTIKTÜTEN

9%
60 – 90%
des Mülls in den offenen
MÜLL AN STRÄNDEN
80 % des gefundenen Mülls an
Stränden besteht aus Plastik.

Ozeanen besteht aus


Plastik.

LEBENSMITTELVERPACKUNGEN

5%

BECHER, TELLER & BESTECK

WOHER KOMMT DER


LEBEN UNTER WASSER
ZIEL 14 67

BECHER, TELLER & BESTECK

WOHER KOMMT DER


MÜLL EIGENTLICH?

80 %
HAUPTTRANSPORT VOM FESTLAND
Flüsse, Bäche, Seen und Feuchtgebiete
tragen den Müll aus dem Landesinneren
in die Meere.
20 %
MÜLL ÜBER BOARD

NICHT ORDNUNGSGEMÄSSE FISCHFANG


ENTSORGUNG VON ABFÄLLEN: Abfälle von industriellem Fischfang
Tüten, Splitter oder Plastikflaschen z. B. Netze.
landen nicht in Mülleimern, sondern
werden einfach liegengelassen.

ABFÄLLE VON SCHIFFEN


SCHLECHTE SICHERUNG ILLEGALE Abfälle von Schiffen, die ins Wasser fallen
Müllhalden sind schlecht oder MÜLLDEPONIEN oder illegal über Bord geworfen werden.
gar nicht gesichert. Dadurch
kann Müll durch Winde ins Meer
oder in die Flüsse gelangen.

ABWASSER TOURISTEN
Mikroplastik ist kleiner als 5 mm und Müll wird von Touristen
wird u.a. in Kosmetika, Duschgel oder als an Stränden
Kunstfaser in Kleidung eingesetzt. liegen gelassen.
Kläranlagen können Mikroplastik nur
unzureichend filtern. So gelangt Mikro­
plastik über das Abwasser ins Meer.

PLASTIKMÜLL:
ABWASSER TOURISTEN
Mikroplastik ist kleiner als 5 mm und Müll wird von Touristen
wird u.a. in Kosmetika, Duschgel oder als an Stränden
Kunstfaser in Kleidung eingesetzt. liegen gelassen.
LEBEN UNTER WASSER
ZIEL 14 Kläranlagen können Mikroplastik nur
unzureichend filtern. So gelangt Mikro­
68

plastik über das Abwasser ins Meer.

PLASTIKMÜLL:
GEFAHR FÜR TIERE
UND MENSCHEN

TIERE
• Jährlich sterben mehr als 1 Million
Seevögel und über 100.000
MENSCHEN Meeressäuger, weil sie sich in Netzen,
• Durch den Verzehr von Speisefisch, Schnüren und Plastiktüten verheddern
Meeresfrüchten und Meersalz nehmen oder sich damit strangulieren. Dazu
wir chemische Schadstoffe von gehören vor allem Wale, Delfine,
Mikroplastik aus den Ozeanen auf. Schildkröten, Robben und Haie.

!
• Eine Mahlzeit Muscheln enthält im • Schätzung: 2050 werden 99 %
Durchschnitt 90 Plastikpartikel. aller Seevögel Plastik mit der Nahrung
aufgenommen haben.

ÖKONOMISCHE FOLGEN
Der gesamtwirtschaftliche Schaden durch
Plastikmüll in den Meeren wird weltweit auf etwa
13 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Wirtschaft­
liche Kosten, die aber nicht durch die Verursacher
getragen werden.

Stand: Juni 2017

PLASTIKVERBRAUCH
ZIEL 14 LEBEN UNTER WASSER 69

Wie sich Alumni in Indonesien engagieren

Name: Dr. Hawis Madduppa


Lebt in: Bogor, Indonesien
Herkunftsland: Indonesien
Deutschlandaufenthalt: Oktober
2008 bis März 2012 in Bremen
Bildungs- und Forschungseinrich-
HAWIS MADDUPPA: „DAS STIPENDIUM HAT MEINER tung: Universität Bremen
KARRIERE EINEN ENTSCHEIDENDEN SCHUB GEGEBEN“

Promoviert hat er in Bremen – über den Anemonenfisch, der durch den


Film „Findet Nemo“ berühmt geworden ist. Heute, rund vier Jahre später, ist
Deutschland-Alumnus Dr. Hawis Madduppa Leiter des Labors für Marine
Biodiversität und Biosystematik an der Agricultural University in Bogor in In-
donesien. Nach seiner durch ein DAAD-Stipendium geförderten Promotion an
der Universität Bremen hat er sich einen Namen als Spezialist für Biodiversi-
tätsforschung und Meeresumweltschutz gemacht. Madduppa und sein Team
wollen die Lebensräume erforschen, ehe sie zerstört sind. Landesweit sind sie
eines der ganz wenigen Labore, die genetische Untersuchungen durchführen,
um die Artenvielfalt im Meer und die Veränderung von Populationen von Mee-
resorganismen zu erforschen. Sie arbeiten unter anderem an Manta-Rochen,
Korallen oder bunten Meeresschnecken.
„Was meine wissenschaftliche Arbeit betrifft, habe ich gelernt, wie man eine
Arbeitsgruppe aufbaut und leitet oder wie man erfolgreich publiziert. Ganz
wichtig ist auch das Netzwerk, das ich knüpfen konnte. Als Leiter eines eigenen
Labors pflege ich engen Kontakt nach Deutschland und inzwischen auch zur
University of California; nicht zuletzt um fachlich und technisch auf der Höhe
zu bleiben“.

WEITERLESEN
LEBEN AN LAND
ZIEL 15 70

Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nach-


haltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften,
Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und
umkehren und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende
setzen

„Für die Bevölkerung Äthiopi-


ens und anderer Entwicklungs-
länder muss die Artenvielfalt als
ein Element des täglichen Über-
lebens betrachtet werden. Sie
ist nicht weit entfernt von uns,
vielmehr sind wir für das nack-
te Überleben auf sie angewie-
sen. Unsere Nahrungsmittel, die
Luft, die wir atmen, das Wasser,
das wir trinken und alle anderen
Lebensgrundlagen entstammen
direkt der Artenvielfalt.“
Dr. Gemedo Dalle Tussie, äthiopischer Minister für
Umwelt, Forstwirtschaft und Klimawandel
LEBEN AN LAND
ZIEL 15 71

DATEN UND FAKTEN


15.1 Landökosysteme schützen 15.2 Gesunde Wälder
• Wälder bedecken 30 Prozent der weltweiten Landfläche und sind die
Heimat von 80 Prozent aller Tiere und Pflanzen
15.3 Wüstenbildung bekämpfen 15.4 Bergökosysteme erhalten
• Über 23.000 Pflanzen-, Pilz- und Tierarten waren 2015 stark vom Aus-
sterben bedroht.
15.5 Biologische Vielfalt bewahren • Jede Minute gehen 23 Hektar Land durch Dürre oder Desertifikation
verloren.

15.6 Zugang zu genetischen Ressourcen


Landökosysteme sind fragil. Sind sie gestört, treibt das viele Menschen in
Hunger und Armut und wirkt sich negativ auf das globale Klima aus.
15.7 Wilderei beenden 15.8 Invasion fremder Arten verhindern
Jährlich werden 7,6 Millionen Hektar Wald zerstört, was etwa der Fläche Irlands
entspricht. Durch nicht nachhaltige Landwirtschaft verlieren jährlich riesige Bo-
15.9 Ökonomische Kennzahlen nutzen denflächen ihre Fruchtbarkeit. Die Artenvielfalt schwindet rasant. Wüsten brei-
ten sich aus und gebietsfremde Pflanzen verdrängen in vielen Regionen die ein-
15.a Biodiversität finanziell fördern heimische Flora.

WAS IST ZU TUN?


15.b Finanzierung nachhaltiger Waldwirtschaft

Böden und Wälder müssen weltweit nachhaltig bewirtschaftet werden. Viele


15.c Wildereibekämpfung unterstützen Länder haben erkannt, welche ernsten Folgen die Zerstörung der Wälder hat und
setzen sich für ihren Schutz ein. Auch Entwicklungsländer, in denen Holz noch
vielfach die einzige Energiequelle ist, müssen auf erneuerbare Energien setzen.
Wilderei muss strenger verfolgt werden sowie verstärkt auf nachhaltige Land-
wirtschaft gesetzt und die Ausbreitung invasiver Arten verhindert werden.
LEBEN AN LAND
ZIEL 15 72

Wie sich Alumni auf den Philippinen engagieren

BLESILDA M. CALUB: „DEUTSCHLAND-ALUMNA ZU SEIN IST


GLEICHZEITIG PRIVILEG UND VERANTWORTUNG“

Dr. Blesilda M. Calub kommt als junge Forscherin am Institut für Landwirt-
schaft und Bodenschätze der Universität der Philippinen Los Baños über ein
Trainingsprogramm zum Thema „Entwicklung landwirtschaftlicher Systeme“
das erste Mal mit Deutschland in Kontakt. Dort beeindruckt sie besonders,
dass die Kurse auf die aktive Beteiligung der Trainees ausgerichtet sind. Als die
Deutschland-Alumna selbst anfängt, Kurse für Bauern in verschiedenen süd-
ostasiatischen Ländern zu leiten, achtet sie darauf, ein Umfeld zu schaffen, in
dem alle Teilnehmenden den Mut finden, sich zu äußern – auch Menschen, die
nicht schreiben können und sich nicht trauen, öffentlich zu reden. Ihre fachli-
che und pädagogische Erfahrung fasst sie in einem Handbuch zusammen, das
mehr und mehr Verbreitung in den Einsatzgebieten der GIZ im südostasiati-
schen Raum findet. „Ich kann wirklich sagen, dass das PRA-Handbuch im Hin-
blick auf die Anzahl der Menschen, die es erreicht und beeinflusst hat, ein Er-
folg ist.“ So ist es Blesilda M. Calub gelungen, für mehr Teilhabe und ländliche
Entwicklung in Südostasien zu sorgen – nicht zuletzt durch die Unterstützung
bei der Gründung von Bauernverbänden und Engagement im Bereich der
nachhaltigen und biologischen Landwirtschaft.
„Ich finde, dass ich für die vielen beruflichen und persönlichen Möglichkeiten,
Name: Dr. Blesilda M. Calub die mir meine Ausbildung in Deutschland eröffnet hat, anderen Menschen
Lebt in: Los Baños, Provinz Laguna, Philippinen etwas zurückgeben muss, egal welcher Nationalität sie sind. Deutschland-
Herkunftsland: Philippinen Alumna zu sein ist gleichzeitig Privileg und Verantwortung – etwas, was für im-
Deutschlandaufenthalt: April bis Mai 1994 in Felda- mer in meinem Herzen, meinem Geist und meinen Händen sein wird!“
fing bei München und Witzenhausen sowie 1995 bis
2006 einmal jährlich in Feldafing, Leipzig, Witzenhau-
sen und Göttingen sowie einmal in Berlin
Bildungseinrichtungen: Georg-August-
Universität Göttingen und Christian-Albrechts-Uni-
versität zu Kiel WEITERLESEN
FRIEDEN, GERECHTIGKEIT UND
ZIEL 16 73

STARKE INSTITUTIONEN
Friedliche, inklusive Gesellschaften fördern, Zugang zur Justiz
ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige
Institutionen aufbauen

„Krieg muss genau wie jede töd-


liche Krankheit vermieden und
geheilt werden. Gewalt ist nicht
das richtige Medikament: Sie
heilt nicht die Krankheit, son-
dern tötet den Patienten.“
Gino Strada, italienischer Chirurg und Preisträger des
Right Livelihood Award 2015
FRIEDEN, GERECHTIGKEIT UND
ZIEL 16 74

STARKE INSTITUTIONEN

• Im Jahr 2015 haben über 65 Millionen Menschen wegen Konflikten und


16.1 Krieg & Gewalt verringern Gewalt ihre Heimat verlassen.
• Durch Korruption, Bestechung, Diebstahl und Steuerhinterziehung entge-
hen den Entwicklungsländern jährlich etwa 1,25 Billionen US-Dollar.
16.2 Gewalt gegen Kinder beenden 16.3 Rechtsstaatlichkeit fördern

Gewalt hat viele Gesichter. Sie geht von Einzelnen oder kriminellen Grup-
16.4 Kriminelle Strukturen bekämpfen 16.5 Korruption reduzieren pen aus, von Terroristen und Armeen, aber auch von Regierungen und ih-
ren staatlichen Institutionen.

16.6 rechtstaatliche Systeme aufbauen Wo Gewalt oder Unterdrückung herrschen, kann keine nachhaltige Entwicklung
stattfinden. Beides nimmt den Menschen den Raum, ihr Leben frei zu gestalten.
Wenn die Sicherheit fehlt und man um seinen Besitz, seine Freiheit oder gar sein
16.7 Demokratie & Partizipation
Leben fürchtet, ist alles andere zweitrangig. Die Betroffenen verlassen daher oft
ihre Heimat und nehmen ein Leben in Armut in Kauf. In vielen Ländern können
16.8 Globaler Einfluss der Entwicklungsländer sich die Menschen nicht auf die staatlichen Institutionen verlassen, wenn dort
Willkür und Korruption herrschen. Zudem sind viele Menschen gar nicht in Ge-
burtenregistern erfasst, so dass sie ihre Rechte nicht in Anspruch nehmen kön-
16.9 Rechtliche Identität für alle 16.10 Freier Zugang zu Informationen nen. Weltweit haben sich im Zuge der Globalisierung auch kriminelle Strukturen
gebildet, die erheblichen Schaden anrichten.

16.a Mehr Kapazitäten für Gewaltkämpfung


WAS IST ZU TUN?

16.b Gleichheit vor dem Gesetz Das Ziel friedlicher und gerechter Gesellschaften müssen Regierungen, Zivilge-
sellschaft und Bürger lokal, national und international verfolgen. Dabei gilt es,
alle Formen der Gewalt zu reduzieren und Konflikte mit gewaltfreien Mitteln
DATEN UND FAKTEN zu lösen. Die To-do-Liste ist lang: Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit und die
Einhaltung der Menschenrechte fördern, Korruption und Diskriminierung be-
• Menschen, die in Konflikt- oder Post-Konflikt-Ländern leben, sind doppelt kämpfen. Die internationale Gemeinschaft muss sich für die Beendigung ge-
so häufig unterernährt wie in anderen Ländern. Die Wahrscheinlichkeit ist waltsamer Konflikte einsetzen und den Handel mit illegalen Waffen eindämmen.
um 50 Prozent höher, dass sie unterhalb der Armutsgrenze leben. Gesellschaften können nur gerecht sein, wenn sie auf dem Recht der Gleichheit
basieren und die Schwachen besonders fördern und schützen.
FRIEDEN, GERECHTIGKEIT UND
ZIEL 16 75

STARKE INSTITUTIONEN
Wie sich Alumni in Nigeria engagieren

MIT LANDKARTEN NIGERIA VERSTEHEN

Mit thematischen Landkarten von Nigeria visualisiert Deutschland-Alumnus


Olesegun Osifuye online politische und soziale Fakten und Missstände. Im
Februar 2016 startete er sein Projekt „Nigeria in Maps“:

„Ich hatte das dringende Bedürfnis, das Bewusstsein der Menschen für die Pro-
bleme meines Landes zu stärken – auf eine anschauliche und ansprechende
Weise. Nigeria in Maps stellt komplexe Themen vereinfacht in Karten dar und
bietet so eine gute Grundlage für gesellschaftliche Diskussionen. Eine Karte sagt
mehr als 1.000 Worte.“

Mit seinen Karten will Olusegun Osifuye zur Erreichung der 17 Ziele für nachhal-
tige Entwicklung beitragen. Er ist überzeugt, dass der globale Wandel zu einem
großen Teil lokal stattfinden muss. „Meine Karten zeigen genau, wo etwas pas-
siert und ermöglichen es dem Betrachter so, einen direkten Bezug zu seinem
Standort herzustellen.“

Für die Zukunft von Nigeria in Maps hat Olusegun Osifuye noch einiges vor:

„Ich möchte noch viel mehr Daten sammeln und dafür neue Datenquellen fin-
den, damit ich weitere – bald auch interaktive – Karten veröffentlichen kann. Zu-
Name: Olusegun Osifuye
dem wünsche ich mir, dass mein Ansatz in anderen Ländern aufgegriffen wird.“
Lebt in: Lagos, Nigeria
Herkunftsland: Nigeria
Deutschlandaufenthalt: von 2012
bis 2014
Bildungs- und Forschungsein-
richtung: Hochschule für Technik,
Stuttgart
WEITERLESEN Beruf: Analyst von Geodaten
PARTNERSCHAFTEN ZUR
ZIEL 17 76

ERREICHUNG DER ZIELE


Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für
nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen

„Aus dem klassischen


Nord-Süd-Gefälle soll eine globa-
le Partnerschaft auf Augenhöhe
entstehen. Das bedeutet, sich
auf wechselseitiges Lernen und
Verändern zwischen ungleichen
Partnern aus allen Ländergrup-
pen einzulassen.“
Dr. Imme Scholz, stellvertretende Direktorin des
Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE)
PARTNERSCHAFTEN ZUR
ZIEL 17 77

ERREICHUNG DER ZIELE

Prozent vereinbart. Dieses Ziel erreichten nur wenige Länder (unter ande-
17.1 Steuererhebung verbessern 17.2 Zusagen zur Entwicklungshilfe einhalten rem Norwegen und Schweden).
• Zwischen 2000 und 2014 konnten die ärmsten Länder ihren Anteil am welt
weiten Warenexport von 0,6 Prozent auf 1,1 Prozent fast verdoppeln.
17.3 Zusätzliche Entwicklungsgelder bereitstellen 17.4 Verschuldung verringern
• Entwicklungsländer führen knapp 80 Prozent ihrer Exporte zollfrei in entwi-
ckelte Länder ein.
17.5 Investitionen fördern 17.6 Globaler Wissenstransfer
Viele der Zielsetzungen der Agenda 2030 werden bereits seit Jahren ver-
folgt, aber konnten bisher nicht erreicht werden. Das hat viele Gründe.
17.7 Nachhaltige Technologien für alle 17.8 Bank für Wissenschaft & Technologie
Es müssen noch viele Strukturen verbessert und Hindernisse beseitigt werden.
Ganz vorne steht natürlich die Frage der Finanzierung. Trotz internationaler
17.9 Kapazitätsaufbau in Entwicklungsländern 17.10 Fairer Handel Vereinbarungen stellen die Staaten bisher nicht genügend Geld für nachhalti-
ge Entwicklung bereit. Einige Entwicklungsländer sind so tief verschuldet, dass
sie kaum Handlungsspielraum haben. Unfaire Bedingungen im Welthandel
17.11 Exporte der Entwicklungsländer steigern 17.12 Marktbarrieren abbauen
verschärfen diese Situation noch. Zudem werden viele Initiativen zu isoliert
durchgeführt. Oft fehlen wichtige Akteure, wie etwa die Wirtschaft oder die
17.13 Globale Märkte stabilisieren 17.14 Bessere Politikkohärenz
Wissenschaft, oder die zivilgesellschaftliche Perspektive wird ignoriert. Poten-
ziale bleiben ungenutzt, Maßnahmen sind weniger wirksam und nachhaltig.

17.15 Politische Autonomie respektieren 17.16 Globale Partnerschaften WAS IST ZU TUN?

Alle sind gefragt: Regierungen, Privatwirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesell-


17.17 Kooperation gesellschaftlicher Akteure 17.18 Bessere demografische Daten schaft aller Länder müssen partnerschaftlich an der Umsetzung der globalen
Ziele arbeiten. Auch müssen sich die Politikbereiche besser koordinieren –
Wirtschaft, Umwelt, Bildung und Soziales, Innen- und Außenpolitik brauchen
17.19 Neue Indikatoren für Wohlstand erarbeiten gemeinsame nachhaltige Strategien. Die internationale Gemeinschaft muss
ihre Zusagen einhalten und mehr Geld bereitstellen, besonders für Entwick-
lungsländer. Diese müssen aber verstärkt auch selbst Ressourcen mobilisie-
DATEN UND FAKTEN ren. Der Welthandel muss offener und gerechter werden und Entwicklungs-
länder brauchen leichteren Marktzugang für ihre Exportgüter. Sie benötigen
• 2015 gaben die Industrieländer im Schnitt 0,3 Prozent ihres Bruttonational- freien Zugang zu Forschung und Technologie und mehr globalen Wissensaus-
einkommens (BNE) für Entwicklungshilfe aus, im Rahmen der UN sind 0,7 tausch.

PARTNERSCHAFTEN ZUR
ZIEL 17 78

ERREICHUNG DER ZIELE


Wie sich Alumni aus Kamerum engagieren

ERICK TAMBO: „DIGITALE BILDUNG LEISTET EINEN WICHTIGEN


BEITRAG ZU NACHHALTIGER ENTWICKLUNG“

Dr. Erick R. Gankam Tambo kam 1998 als Student nach Deutschland. Nach
seinem Studium an der TU Dortmund und seiner Promotion an der FernUniver-
sität in Hagen ist er heute an der Universität der Vereinten Nationen in Bonn
tätig. Er forscht und entwickelt Projekte im Bereich digitale Bildung als Teil der
Entwicklungszusammenarbeit in der Wissenschaft. Mit seiner Arbeit möchte er
vor allem einen Beitrag zum nachhaltigen Austausch und Transfer von Wissen
und Technologien von Nord nach Süd leisten.

Digitale Bildung kann einen großen Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit
leisten, vor allem unter jungen Leuten. Das ist besonders für Afrika mit einem
großen jungen Bevölkerungsanteil wichtig.

„Deutschland könnte die digitale Bildung als Element der Entwicklungszusam-


menarbeit in drei Bereichen fördern: Zum einen durch die finanzielle Förderung
von Innovationen in der digitalen Bildung, zum anderen durch Technologietrans-
fer und zum Dritten durch eine stärkere Einbindung des privaten Sektors“.

Name: Dr. Erick R. Gankam Tambo


Lebt in: Bonn, Deutschland
Herkunftsland: Kamerun
Deutschlandaufenthalt: 1998 bis
heute
Bildungs- und Forschungseinrich-
tung: Technische Universität Dort-
mund, FernUniversität in Hagen

WEITERLESEN
IMPRESSUM 79

HERAUSGEBER

Kooperation Alumniportal Deutschland zwischen

Alexander von Humboldt-Stiftung, Bonn

Deutscher Akademischer Austauschdienst


(DAAD) e. V., Bonn

Deutsche Gesellschaft für internationale


Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, Bonn

Goethe-Institut e. V., München

UNTER FÜHRUNG VON

Deutsche Gesellschaft für Internationale


Zusammenarbeit (GIZ) GmbH

SITZ DER GESELLSCHAFT

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53113 Bonn
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Fax +49 228 4460-17 66

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