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51.

Schneewittchen
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�s war eiQmal minen im Winter, �nd die Schneet]c >eken
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1 �{e Koh1� war d schonste im ganzen Land, und �
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�t�Yz 0auf ihre SchoníieiFSie hatte :JUch einen Spieuel, vor
den t r� sie alle Morgen und fragte:
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.,Spieglein, Spieglein an der Wam.l:
wer ist die schónste Frau in dem ganze1� LanJ:.•·
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Da sprach das Spieglein allzeit: .

,lhr, Frau Konigin, seid die schónste Frau ím L.md. ··


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Und da wuBte sie gewi JS, daB niemand schóner aLtf der
. C!et�t" �f CI�IJÍ
Welt war. Schneewmchen aber � �,., �. und 1 s es
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sieben Jahr alt war, war es so schon, d:.tfS es sab. r die


Kónigin an Schónheit übertraf, und als diese ihren SrlJf"gel
.SVpefCtY"

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.fragte: revertido alrededor
Welt sei, kehrte si<;:h ihr das Herz herum.
huntsman
Da lieB ihr der
envidia paz
Neid keine Ruhe, und sic rief cmen Jager und sagtc zu ihm:
,Spieglein, Spieglein an er Wand: .
Fahren - drive
Führe das Schneewittchen hinaus in den Wald an einen
wer ist die schonste Frau in dem ganzen Land?"
symbol
;..,eiten abgelegenen Ort,
wide isolated stechen - stab
da stech's tot, und zum Wahrzei­
pulmón hígado
chen bring mir seine Lunge und seine Leber mit, die will ich
sagte der Spiegel:
mit Salz kochen und essen." führen - to lead out
nehmen - took
Der Jager nahm das Schncewittchen und führte es hinaus,
"Frau Konigin, Ihr seid die Schonste hier, cuchillo de monte ziehen - jalar, arrastrar just
wie er aber den Hirschfanger gezogen harre und eben
aber Schneewittchen ist noch tausendmal schoner picadura bitten - to ask
anfangen - to start to cry
zustechen wollte, da fing es an zu weinen, und bat so sehr,
als Ihr!" mögen - mag,may
er moge ihm sein Leben lassen, es wolle nimmermehr
ongoing, progressive

.
Wi fh�i� K6 Q_\g�n �$.n Spiegel so sprechen ll�!Je, wurde 0
zurückkommen, sondern in den \Xfald fortlaufen. Den Jager
erbarmen - to pity
erbarmte es, weil es so schon war und er dachte: ,.Die
s1e � vor L'frkEfcr, und von Stund an lja�te sie das wilden Tiere werden es doch bald gefressen haben, ich bin
fressen - eat

Schneewittchen, und wenn sie es a:mirado


:.:n.:.:::s�ah:..!.l, und daffi"R dachte,
glad
froh, daB ich es nicht zu roten brauche." Und weil gerade
daB durch seine Schuld sie nicht meh
r die Schonste auf der
cerdito laufen - correr apuñaló abajo
ein junger Frischling gelaufen kam, stach er densymbol
nieder,
f*"'tf-tb,t.ó�d nehmen - tomar
nahm Lunge und Leber heraus und brachte si<:! al�
out
Wahrzei­
aufessen - dejar el plato limpio
mitbringen - llevar

An)e�- \o CO"'�'Óe-1 chen der Künigin mit, die kochte sic mit Salz und aB sie auf,
meinen - creer
und meinte ___§ie hatte Schneewittchens Lunge und Leber
essen - comer
gegessen.
.
Schneewittchen aber war in dem groBen Wald muttersee­
lenallein, so dafS ihm recht Angst wurde und es fing an zu

laufen und zu Iaufen über die spitzen -iteine, und durch die
Dornen den ganzen Tag: endlich, als die Sonne untergehen
wollte, kam es zu einem kleinen Hauschen. Das Hauschen
gehorte sieben Zwergen, die waren aber nicht zu Haus,
sondern in das Bergwerk gegangen. Schncewittchen ging
hinein und fand alles klein, abt ,- niedlich und remlich: Da
stand ein Tischlein mit sieben kleinen Tellern, dabei sieben
Lofflein ' sieben Messerlein und Gabelein, sieben Becher-
lein ' und an der Wand standen sieben Bettlein nebeneinan-
der frisch gedeckt. Schneewittchen war hungrig und durstig,
aB von jedem Tellerlein ein wenig Gemüse und Brot, trank
aus jedem Glaschen einen Tropfen Wein, und weil es so

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und reinlich haltst, sollst du bei uns bleiben und es o;;f')ll dir
müde war, wollte es sich schlafen legen. Da probierte es die
sieben Bettlein nacheinander, kein•s war ihm aber recht, bis an nichts fehlen; abends kommen wir nach Haus, da muB

auf das siebente, in das legte es sich und schlief ein. das Essen fertig sein, am Tage aber sind wir im Bergwerk

Weil es Nacht war, kamen die sieben Zwerge von ihrer und graben Gold, da bist du allein; hüte dich nur vor der
Arbeit heim, und sreckten ihre sieben Lichtlein an, da sahen Kónigin und laB niemand herein."
sie, daB jemand in ihrem Haus gewesen war. Der erste Die Kónigin aber glaubte, sie sei wieder die Allc-rschónste

sprach: ,Wer hat auf meinem Stühlchen gesessen?" Der im Land, trat morgens vor den Spiegel und fragte:
zweite: ,Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?" Der
dritte: ,Wer hat von meinem Brótchen genommen?" Der ,Spieglein, Spieglein an der Wand:
vierte: ,Wer hat von meinem Gemüschen gegessen?" Der wer ist die schónste Frau in dem ganzen Land?"

fünfte: , Wer hat mit meinem Gabelchen gestochen?" Der


sechste: , Wer hat mit meinem Messerchen geschnitten?" Der Da antwortete der Spiegel aber wieder:
siebente: ,Wer hat aus meinem Becherlein getrunken?"
Danach sah der erste sich um und sagte: ,Wer hat in mein ,Frau Kónigin, Ihr seid die schónste hier,
Bettchen getreten?" Der zweite: ,Ei, in meinem hat aueh
·
aber Schneewittchen, über den sieben Bergen
jemand gelegen?" und so alle weiter bis zum siebenten, wie ist noch tausendmal schóner als Ihr!"

der naeh seinem Bettchen sah, da fand er das Schneewitt­


sie und sah woh l,
chen darin liegen und schlafen. Da kamen die Zwerge alle Wie die Kónigin das hórte, erschrak
r Schneewtttchen
gelaufen, und schrien vor Verwunderung und holten ihre daB sie betrogen worden war und der Jage
als die siebe n
sieben Lichtlein herbei und betrachteten das Schneewitt­ nicht getótet hatte. Weil aber niemand
da wuBte sie gleich,
chen. ,Ei du mein Gott! Ei du me in Gott!" riefen sie, ,Was ist Zwerglein in den sieben Berg en war,
nun sann sie von
das schón!" Sie hatten groBe Freude an ihm, weckten es daB es sich zu diesen gerettet hatte, und
te, denn so lange
auch nicht auf und lieBen es in dem Bettlein liegen; der neuem nach, wie sie es umbringen kónn
nste Frau im ganzen
siebente Zwerg aber schlief bei seinen Gesellen, bei jedem der Spiegel nicht sagte, sie war die �chó
nicht sicher und
eine Stunde, da war die Nacht herum. Land, hatte sie keine Ruh. Da war ihr alles
selber in eine alte
Als nun Schneewittchen aufwachte, fragten sie es, wer es gewiB genug, und sie verkleidete sich
kein Mensch
sei und wie es in ihr Haus gekommen ware, da erzahlte es Kramerin, farbte ihr Gesicht, daB sie auch
aus. �ie klopfte
ihnen, wie seine Mutter es habe wollen umbringen, det erkannte, und ging hinaus vor das Zwergenh
ich bin du:: alte
jager ihm aber das Leben geschenkt habe, und wie es den an die Tür und rief: ,Macht auf, macht auf,
eev\· ínchen guckte
ganzen Tag gelaufen und endlich zu ihrem Hauslein Kramerin, die gute Ware feil ha t." Schn
,Schnürriemcn,
gekommen sei. Da hatten die Zwerge Mitleid und sagten: aus dem Fenster: ,Was habt ihr denn?" -
hervor, der war
,Wenn du unsern Haushalt versiehst und kochen, nahen' liebes Kind", sagte die Alte, und holte einen
chten: ,Willst du
betten, waschen und stricken willst, auch alles ordentlich von gelber, roter und blauer Seide geflo

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l

den haben?" - ,Ei ja", sprach Schneewittchen und dachte, ,Frau Konigin, Ihr seid die Schonste hier,
die gute alre Frau kann ich wohl hereinlassen, die meint's aber Schneewi�tchen bei den sieben Zwergelrhen
redlich; riegelte also die Türe auf und handelte sich den ist tausendmal schoner als Ihr."
Schnürriemen. ,Aber wie bist elu so schlampig geschnürr",
sagte die Al te, ,komm ich will dich einmal besser schnüren. ·· Sie erschrak, daB da� Blut ihr all zum Herzen lief, da sah
Schneewittchen stellte sich vor sie, da n:1hm sie den sie, daB Schneewittchen wieder lebendig geworden war.
Schnürriemen und schnürte und schnürte es so fest, daiS Danach sann sie den ganzen Tag und die Nacht, wie sie es
ihm der Atern verging, und es für tor hinfiel. Danach war sie doch noch fangen wollte, und machte einen giftigen Kamm,
zufrieden und ging fort. verkleidete sich in eine ganz andere Gestalt, und ging
wieder hinaus. Sie klopfte an die Tür, Schneewittchen aber
Bald darauf wurde es Nacht, da rief: ,Jch darf niemand hereinlassen." Da zog sie den Kamm
kamen die sieben Zwerge nach hervor, uno als Schneewittchen den blinken· sah und es
Haus, die erschraken recht, als sie auch jemand ganz fremdes war, so machte es doch auf, und
ihr liebes Schneewittchen auf der kaufte ihr den Kamm ab. ,Komm ich will dich auch
Erde liegen fanden, als war es tot. kammen!" sagte die Kramerin, kaum aber steckte der Kamm
Sie hoben es in die Hohe, da dem Schneewittchen in den Haaren, da fiel es nieder und
sahen sie, daB es so fest ge­ war tot. .,Nun wirst du liegen bleiben··, sagte die Konigin.
schnürt war, schnitten den und ihr Herz war ihr leicht geworden. und sie ging heim.
Schnürriemen entzwei, da atmete Die Zwerge aber kamen zur rechten Zeit, sahen was
es erst, und dann wurde es wie­ geschehen war und zogen den giftigen Kamm aus den
der lebendig. .,Das ist niemand Haaren, da schlug Schneewittchen die Augen auf und war
gewesen, als die Konigin", spra­ wieder lebendig, und versprach den Zwergen, es wollte
chen sie, ,die hat dir das Leben gewifS niemand mehr einlassen.
nehmen wollen, hüte dich und Die Konigin aber stellte sich vor jhren Spiegel:
laB keinen Menschen mehr her­
ein." ,Spieglein, Spieglein an der Wand:
Die Konigin aber fragte ihren wer ist die s�honste Frau in dem ganzen Land?"
Spiegel:
Der Spiegel antwortete:
,Spieglein, Spieglein an der Wand:
wer ist die schonste Frau in dem ganzen Land?" ,Frau Konigin, Ihr seid die Schonste hier,
aber Schneewittchen bei den sieben Zwergelchen
Der Spiegel antwortete: ist tausendmal schoner als Ihr!"

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Wie das die Konigin wieder horte, zitterte und bebte sie ,Nun hab ich Ruhe", sprach sie, ,da ich wieder die
vor Zorn: "So soll das Schneewittchen noch sterben, und Schonste im Lande bin, und Schneewittchen wird diesmal
wenn es mein Leben kostet!" Dann ging sie in ihre tot bleiben. "
heimlichste Stube, und niemand durfte vor sie kommen, Die Zwerglein kamen abends aus den Bergwerken nach

und da machte sie einen giftigen, giftigen Apfel, auBerlich Haus, da lag das liebe Schneewittchen auf dem Boden und
war er schon und rotbackig und jeder der ihn sah, bekam war tot. Sie schnürten es auf und sahen, ob sie nichts
Lusr dazu. Darauf verkleidete sie sich als Bauersfrau, ging Giftiges in seinen Haaren fanden, es half aber alles nichts,
vor das Zwerghaus und klopfte an. Schneewittchen guckte sie konnten es nicht wieder lebendig machen. Sie legten es
und sagte: ,Ich darf keinen Menschen einlassen, die Zwerge auf eine Bahre, serzten sich alle sieben daran, weinten und
haben mir's bei Leibe verboten." ,Nun, wenn Ihr nicht weinren drei Tage lang, dann wollten sie es begraben, da
wollt", sagte die Bauerin, ,kann ich Euch nicht zwingen, sahen sie aber, daB es noch frisch und gar nicht wie ein
meine Apfel will ich schon los werden, da, einen will ich Toter aussah, und daB es auch seine schonen roten Backen
Euch zur Probe schenken." - ,Nein, ich darf aueh nichts noch hatte. Da lieBen sie einen Sarg von Glas machen,
geschenkt nehmen, die Zwerge wollen's nicht haben." - ,Ihr legren es hinein, daB man es recht sehen konnte, schrieben
mogt Euch wohl fürchten, da ich will den Apfel entzwei auch mit goldenen Buchstaben seinen Namen darauf un�
schneiden und die Halfte essen, da den schonen roten seine Abstammung, und einer blieb jeden Tag zu Haus und
Backen sollt Ihr haben!" Der Apfel war aber so künstlich bewachte es.
gemacht, daB nur die rote Halfte vergiftet war. Da sah
Schneewittchen, daB die Bauerin selber davon aB, und sein
Gelüsten danach wurde immer groBer, da lieB es sich
endlich die andere Halfte durch's Fenster reichen, und biB
hinein, kaum aber harte es einen Bissen im Mund, so fiel es
tot zur Erde.

Die Konigin aber freure sich, ging nach Haus und fragte
den Spiegel:

,Spieglein, Spieglein an der Wand:


wer ist die schonste Frau in dem ganzen Land?"

Da antwortete er:

,Ihr, Frau Konigin, seid die schonste Frau im Land."

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So lag Schneewittchen lange, lange Zeit in dem Sarg und
venveste nicht, war noch so weiB als Schnee und so rot als
Blut und wenn es die Auglein hatte konnen auftun, waren
sie so schwarz gewesen wie Ebenholz, denn es lag da, als
wenn es schlief. Einmal kam ein junger Prinz zu dem
Zwergenhaus und wollte darin übernachten, und wie er in
die Stube kam und Schneewittchen in dem Glassarg liegen
sah, auf das die sieben Lichtlein so recht ihren Schein
warfen, konnte er sich nicht satt an seiner Schonheit sehen,
und las die goldene Inschrift und sah, daiS es eine
Kónigstochter war. Da bat er die Zwerglein, sie sollten ihm
den Sarg mit dem toten Schneewittchen verkaufen, die
wollten aber um alles Gold nicht; da bat er sie, sie mogen
es ihm schenken, er konne nicht leben ohne es zu sehen,
und er wolle es so hoch halten und ehren, wie sein Liebstes
auf der Welt.

Da waren die Zwerglein mitleidig und gaben ihm den


Sarg, der Prinz aber lieJS ihn in sein SchloB tragen, und lieB
ihn in seine Stube setzen, er selber saB den ganzen Tag
dabei, und konnte die Augen nicht abwenden; und wenn er
ausgehen muiSte und konnte Schneewittchen nicht sehen,
wurde er traurig, und er konnte auch keinen Bissen essen,
wenn der Sarg nicht neben ihm stand. Die Diener aber, die
bestandig den Sarg herumtragen muBten, waren bos dar­
über, und einer machte einmal den Sarg auf, hob Schnee­
wittchen in die Hóhe und sagte: !,Um so eines roten
.Madchens willen werden wir den ganzen Tag geplagt." Und
er gab ihm mit der Hand einen Stumpf in den Rücken. Da
fuhr ihm der garstige Apfelgrütz, den es abgebissen hatte,
aus dem Hals, und da war Schneewittchen wieder lebendig.
Da ging es hin zu dem Prinzen, der wu.Bte gar nicht, was er
vor Freude tun sollte, als sein liebes Schneewittchen

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lebendig war, und sie setzten sich zusammen an die Tafel 52.
und aBen in Freuden.
HansDumm
Auf den andern Tag wurde die Hochzeit bestellt, und
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Sc�neewittchens gottlose Mutter auch eingeladen. Weil sie
nun am Morgen vor den Spiegel trat und sprach:

,Spieglein, Spieglein an der Wand: s war ein Kónig, der lebte mit seiner Tochter,
wer ist die schonste Frau in dem ganzen Land?" die sein einziges Kind war, vergnügt: auf
einmal aber brachte die Prinzessin ein Kind zur
Da antwortete er: Welt, und niemand wuBte, wer der Vater war;
der Kónig wuBte lang nicht, was er anfangen
,Frau Konigin, Ihr seid die Schonste hier, sollte, am Ende befahl er, die Prinzessin c;olle
aber die junge Konigin ist tausendmal schoner als Ihr!" mit dem Kind in die Kirche gehen, da sollte ihm eine
Zirrone in die Hand gegeben werden, und wem es die
Als sie das hórte, erschrak sie, und es war ihr so Angst, so reiche, solle der Vater des Kindes und Gemahl der Prinzes­
Angst, daB sie es nicht sagen konnte. Doch trieb sie der sin sein.
Neid, daB sie auf der Hochzeit die junge Kónigin sehen Das geschah nun, doch war der Befehl gegeben, daB
wollte, und wie sie ankam, sah sie, daB es Schneewittchen niemand als schone Leute in die Kirche sollten eingelassen
. war; da waren eiserne Pantoffeln im Feuer glühend ge­ werden. Es war aber in der Stadt ein kleiner, schiefer und
macht, die muBte sie anziehen und darin tanzen, und ihre buckliger Bursche, der nicht recht klug war, und darum der
FüBe wurden j�mmerlich verbrannt, und sie durfte nicht Hans Dumm hieB, der drangte sich ungesehen zwischen
aufhoren bis sie sich zu Tode getanzt hatte. den andern auch in die Kirche, und wie das Kind die
Zitrone austeilen sollte, so reichte es sie dem Hans Dumm.
Die Prinzessin war erschrocken, der Kónig war so aufge­
bracht, daB er sie und das Kind mit dem Hans Dumm in
eine Tonne stecken und aufs Meer setzen lieB. Die Tonne
schwamm bald fort, und wie sie allein auf dem .Meere
waren, klagte die Prinzessin und sagte: , Iltl garstiger,
buckliger, naseweiser Bub bist an meinem Unglück schuld,
was hast du dich in die Kirche gedrangt, das Kind ging dich
nichts an."- ,0 ja", sagte Hans Dumm, ,das ging mich wohl
etwas an, denn ich habe es einmal gewünscht, dafS du ein
Kind bekamst, und was ich wünsche, das trifft ein."- .,Wenn

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das wahr ist, so wünsch uns doch was zu essen hierher."­ zu halten", und gab sieh als seine Tochter zu erkennen. Da
,.Das kann ich aueh", sagte Hans Dumm, wünschte sieh aber freute sich der Kónig und sie lebten vergnügt zusammen,
eine Schüsse l recht voll Kartoffeln, die Prinzessin hatte gern und nach seinem Tod wurde Hans Dumm Kónig.
etwas Besseres gehabt, aber weil sie so hungrig war, half sie
ihm die Kartoffeln essen.
Nachdem sie satt waren, sagte Hans Dumm: N u n will ith ,

uns ein schones Schiff wünschen!" Und kaum hatre er das


gesagt, so saBen sie in einem prachtigen Schiff, darin war
alles z um ÜherflutS, was man nur v�rlangen konnte, der
Steuermann fuhr grad ans La n d, und als sie ausstiegen,
sagte H ans Oumm: ,. Nun soll ein SchloB dort srehen!" Da
stand ein prachtiges Schlo!S und Diener in Goldkleidern
k�1men und füh rten die Prinzessin und das Kind hinein, und
als sie mitren in dem Saal waren, sagte Hans Dumm: .,Nun
·wünsch ich, dafS ich ein junger und kl uger Prinz werde!" Da
verlor sich sein Buckel, und er war schón und gerad und
freundlich, und er gefiel der Prinzessin gut und wurcle ihr
Gemahl.
So Jebten sie la nge Zeit vergnügt; da ritt einmal der alte
Konig aus, verirrte sich, und kam zu dem SchlofS. Er
verwunderre sich darüber, weil er es noch nie g esehen hatte
un d kehrte ein. Die Prinzessin erkannte gleich ihren Vater,
er aber erkannte sie nicht, er dachte auch, sie sei schon
Uingst im Meer ertrunken. Sie bewirtete ihn prachtig, und als
er wieder nach Ha use wollte, steckte sie ihm heimlich einen
goldenen Becher in die Tasche. Nachdem er aber fortgerit­
ten war, schickte sie ein paar Reiter nach, die mu!Sten ihn
anhalten und untersuchen, ob er den goldenen Becher nicht
gestohlen habe, und wie sie ihn in seiner Tasche fanden,
brachten sie ihn mit zurück.
Er schwor der Prinzessin, er ha be ihn nicht gestohlen und
wisse nicht, wie er in se ine Tasche gekommen sei. ,Darum",
sagte sie, .,muB man sich hüten, jemand gleich für schuldig

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53. Not, und wie nun der Konig auch dieses Stroh in Gold
Rumpelstilzchen verwandelt sah, nahm er die schone Müllerstochter zu
seiner Gemahlin.

Bald darauf kam die Konigin ins Wochenbett, da trat das
Mannlein vor die Konigin und forderte das versprochene
Kind. Die Konigin aber bat, was sie konnte und bot dem
s war einmal ein Müller, der war arm, aber er Mannchen alle Reichtümer an, wenn es ihr ihr Kind la'isen
hatte eine schone Tochter. Und es traf sich, daB wollte, allein alles war vergebens. Endlich sagte es: ,In drei
er mit dem Konig zu sprechen kam und ihm Tagen komm ich wieder und hole das Kind, wenn du aber
sagte: )eh habe eine Tochter, die weiB die dann meinen Namen weiBt, so sollst du das Kind behalten! ·

Kunst, Stroh in Gold zu verwandeln." Da lieB Da sann die Konigin den ersten und zweiten Tag, was
der Konig die Müllerstochter also gleich kom- doch das Mannchen für einen Namen hatte, konnte sich
men, und befahl ihr, eine ganze Kammer voll Stroh in einer·
aber nicht besinnen und wurdc ganz betrübt. Am dritten
Nacht in Gold zu verwandeln, und konne sie es nicht, so
Tag aber kam der Konig von der Jagd heim und erzahlte ihr:
müsse sie sterben.
,Ich bin vorgestern auf der jagd gewesen, und als ich tief in
Sie wurde in die Kammer eingesperrt, saB da und weinte, den dunklen Wald kam, war da ein kleines Hauo; und vor
denn sie wuBte um ihr Leben keinen Rat, wie das Stroh zu dem Haus war ein gar zu lacherliches Mannchen, das
Gold werden sollte. Da trat auf einmal ein kleines Mannlein sprang als auf einem Bein davor herum und schrie·
zu ihr, das sprach: ,Was gibst du mir� daB ich alles zu Gold
mache?" Sie tat ihr Halsband ab und gab's dem Mannlein, 'heute back ich, morgen brau ich,
und es tat, wie es versprochen hatte. Am andern Morgen übermorgen hol Ú:h der Frau Kónigin ihr Kind,
fand der Konig die ganze Kammer voll Gold; aber sein Herz ach wie gut ist, daB niemand weiB,
wurde dadurch nur noch begieriger, und er lieB die daB ich Rumpelstilzchen heiB!'"
Müllerstochter in eine andere, noch groBere Kammer voll
Stroh tun, das sollte sie auch zu Gold machen. Und das Wie die Kónigin das horte, wurde sie ganz froh, und als
Mannlein kam wieder, sie gab ihm ihren Ring von der Hand, das gefahrliche Mannlein kam, fragte es: ,Frau Konigin, wie
und alles wurde wieder zu Gold. Der Konig aber hieB sie heiB ich?" - ,HeiBt du Conrad?" - ,Nein." - ,HeiBt du
die dritte Nacht wieder in eine dritte Kammer sperren, die Heinrich?" - ,Nein."
war noch groBer als die beiden ersten und ganz vol! Stroh.
, Und wenn dir das aueh gelingt, sollst du meine Gemahlin ,HeiBt du etwa Rumpelstilzchen?"
werden." Da kam das Mannlein und sagte: ,Ich will es noch
einmal tun, aber du muBt mir das erste Kind versprechen, ,Das hat dir der Teufel gesagt!" schrie das Mannchen, lid
das du mit dem Konig bekommst." Sie versprach es in der zornig fort und kam nimmermehr wieder.

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