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Klinisch es

Jahr buch
über das

H e il V e r fa h r e n
in der

medicinisch-praktischen Schule für Wundärzte in dem


k. k. allgemeinen Krankenhause zu Prag.

. Im Jahr e 1 82 4.

V on

Dr. Ignaz Rudolph Bischoff,


k. k. Professor, Primararzte im allgemeinen Krankenhause
und Arzte des Gebärhauses.

Prag:
J. G. Calvesche Buchhandlung.

B 8 2 5
Operae non exiguum pretium me facturum existima
bam, si, quae sedula horum ce morborum contemplatione,
et luculenta quotidie experientia doctus in adversaria con
jeci, publici nunc juris faciam, fidaque narratione, ac
simplici stylo, quae in tanto aegrotantium numero pro
desse, aut etiam nocere expertus fuerim, cordate expouam.

AM a r. Sº t o l l.
Rat. medendi.
Vorrede und Einleitung.

Der wohlthätige Zweck, welchen Oesterreichs


hohe Regierung bei Errichtung medicinisch
praktischer Schulen für Wundärzte beabsich
tigte, ging zunächst dahin, eine hinlängliche
Anzahl heilkundiger Individuen auszubilden,
damit an allen jenen Orten des Kaiserthums,
wo es an Aerzten mangelt, doch jeder Unter
than bei körperlichen Leiden die nöthige Hilfe
erhalten könne.
Ich habe diesen Zweck in der Vorrede zu
dem Werke: „Grundsätze der praktischen Heil
kunde, durch Krankheitsfälle erläutert, aus
führlicher darzustellen gesucht.
Wenn wir die Verhältnisse der menschli
chen Gesellschaft betrachten, so weiset die Er–
fahrung nach, daſs in allen Ländern die Aerzte
kaum den sechsten Theil der Erkrankten zu
behandeln im Stande seyen; eine fünffach grö–
ſsere Anzahl, gerade die zahlreichste Menschen
klasse der Landbewohner, ist daher bei Krank
heiten der Besorgung der Wundärzte überlas
P
IV

sen. – Der Wirkungskreis dieses, für das ge


meinsame Wohl höchst einfluſsvollen Standes,
ist daher ungemein wichtig, und vermöge der
bestehenden Gesetze dahin beschränkt, auf
dem Lande, und auch in kleineren Städten,
wenn daselbst kein Arzt sich befindet, die
Stelle desselben würdig zu vertréten, – Indie
ser Hinsicht ist dem Wundarzte das Leben seiner
Mitbrüder anvertraut, daher werden richtige
Kenntniſs des Verlaufes und der Gefahr der
Krankheiten, Gewissenhaftigkeit und beschei
denes Benehmen als vorzügliche Eigenschaften
mit vollem Rechte erfordert.
Um diesem wichtigen Berufe zu entspre
chen, erhalten die Wundärzte, (da unter eilf
Krankheitsfällen zehn in das Gebiet der Medi
cin gehören), einen ihrer Fassungskraft und
beschränkteren Vorkenntnissen angemessenen
praktischen Unterricht am Krankenbette auch
in der inneren Heilkunde, der einfach, gemein
faſslich, und doch gründlich seyn muſs, damit
der Wundarzt bei schnelle Gefahr drohenden
Krankheitsfällen, und wo rasche Hilfe von Sei
ten der Kunst erfordert wird, zweckmäſsig und
nach richtigen Grundsätzen zu handeln wisse,
und somit das Menschenleben nicht unerfahr
nen Händen anvertraut sey. – Er ist aber ver–
möge der Allerhöchsten Verordnun
V

gen bei dem minder umfassenden Kreise seiner


Kenntnisse strenge verpflichtet, bei bedenkli
chen und lebensgefährlichen Fällen, so bald
als möglich, einen Arzt zu Rathe zu ziehen,
und unter dessen Leitung die Behandlung ge
meinschaftlich fortzuführen; – auch hat er
demselben überall mit den sogenannten chi
rurgischen Hilfeleistungen beizustehen.
Seit zwölf Jahren ist an der Universität
zu Prag diese Bildungsanstalt errichtet, und
gegen 5oo Wundärzte, nun bereits zum gröſs–
ten Theile im Königreiche Böhmen verbreitet,
erhielten in derselben Unterricht.
In der vorliegenden Schrift versuchte ich,
theils meinen Zuhörern ein Gedenkbuch der
klinischen Vorfälle des gegenwärtigen Jahres
zu überliefern, theils der gelehrten Welt in ei
nem kurzen Uiberblicke eine öffentliche Dar
stellung der in dieser Schule eingeführten Her
lungsmethode, nach dem gegenwärtigen Stand
punkte der praktischen Medicin, zu übergeben.
Dic Heilkunde ist und bleibt eine Tochter
der Erfahrung. Alle Erfahrung geht von That
sachen aus, diese auf das Sorgfältigste zu sam
meln, aus ihrem Inbegriff für die Menschheit
ersprieſsliche Resultate zu ziehen, den ange
henden Heilkundigen rein und ungetrübt die
Natur in ihren krankhaften Aeuſserungen beob
VI

achten zu lehren, und auf solche Beobachtung


den Heilplan zu gründen, ist die oberste Pflicht
des klinischen Lehrers.
Damit aber der wichtige Zweck, den mit
den nothwendigen theoretischen Kenntnissen
versehenen Schüler in die praktische Laufbahn
einzuführen, und denselben zum gewissenhaf
ten, brauchbaren und umsichtigen Heilkundigen,
(nach Maſsgabe des, den Wundärzten in Bezie
hung auf die innere Heilkunde zustehenden
Wirkungskreises) zu bilden, auf die sicherste
Art erreicht werden möge, ist in der klinischen
Schule folgende Methode eingeführt:
Jeder aufgenommene Kranke wird einem
Zuhörer, als seinem Ordinarius, übergeben,
der nun das so hochwichtige Krankenexa
men öffentlich, in Gegenwart des Lehrers, mit
aller möglichen Genauigkeit aufnimmt, indem
1) die Disposition des Kranken und die Ge–
schichte aller seiner früher überstandenen Lei–
den, 2) die erregenden Ursachen, 5) der An
fang und bisherige Verlauf der Krankheit,
4) die Symptome des gegenwärtigen Zustan
des, 5) die bisher in Gebrauch gezogenen Heil–
mittel und ihr Erfolg, auf das Sorgfältigste er
forscht werden.
Nach diesem bloſs auffassenden und rein
historischen Verfahren geschieht nun der Ui–
-
VII

bergang zu dem zweyten, wichtigsten Punkt,


zu der Krankheitsbestimmung, oder Diagnose.
Diese wird aus den eben angeführten, auf
solche Weise erhobenen Angaben (aus der Dis
position, den erregenden Ursachen, dem Ver
laufe und den Symptomen der Krankheit, wel–
che daher auch die diagnostischen Momente
heiſsen), geschöpft. – Es wird das, was die
Krankheit mit andern, ihr Verwandten, Ge
meinsames hat, und wodurch sie sich von äh
nelnden unterscheidet, genau hervorgehoben,
der vorliegende Fall mit der herrschenden
Krankheitskonstitution (stationärem, epidemi
schem und endemischem Character) in Verglei
chung gesetzt, und die Verbindung der gegen
wärtigen Symptome mit den vorausgegangenen
Ursachen erforscht; von ihnen die Schluſsfolge,
als von Ursache auf Wirkung gezogen, so die
Krankheit nach ihrer Natur, Character, Form,
Stadium und Heftigkeit bestimmt, und ihr dann
durch die Benennung der Platz in der wissen
schaftlichen Krankheitslehre angewiesen.
Durch die Diagnose steigen wir daher aus
einzelnen, gesammelten Angaben zu dem allge
meinen Begriffe der Krankheit hinauf, und hier
schlägt der praktische Lehrer den umgekehr
ten Weg des Pathologen ein, denn dieser setzt
anfänglich den Begriff der Krankheit fest, und
VIII

bestimmt dann ihre Symptome, Ursachen, Ein


theilungen u. dgl.
Mittelst der Diagnose übersieht der Arzt
den vorhergehenden, gegenwärtigen und künf
tigen Gang (Prognose) der Krankheit, gleich
sam mit einem Blicke. Letztere sucht er nach
der Wahrscheinlichkeit, ob die Krankheit in
Genesung, in eine andere Krankheit, oder in
den Tod übergehen werde, zu bestimmen. Die
Prognose fordert da, wo der Vortrag in deut
scher Sprache geschieht, eine besondere Um
sicht, damit durch das Herausheben ungünsti
ger Symptome das Gemüth des Leidenden nicht
erschüttert werde, daher muſs sie in vielen
Fällen in Gegenwart des Kranken mit Still
schweigen übergangen, und an einem andern
Orte dargestellt werden.
Nach festgesetzter Diagnose folgt nun die
dritte Hauptaufgabe, der Entwurf der Behand–
lung. Diese gründet sich auf die Richtigkeit
der Diagnose und auf die darauf gebaute An
zeige oder Indication, das ist auf die Bestim
mung der Veränderungen, welche in dem kran
ken Organismus von Seite der Natur oder der
Kunst noch erfolgen müssen, um den Gene
sungsprozeſs einzuleiten. Da diese Verände
rungen nun entweder durch die Natur selbst,
oder durch die Kunst hervorgebracht werden,
IX

so gibt es eine Naturheilung und Kunsthei


lüng.
Vor Allem ist hier auf die etwa noch mög–
liche Hebung der einwirkenden Ursache zu
dringen. – Ist diese nicht mehr in unserer
Macht, so erkennen die Krankheiten in Bezug
auf die Behandlung überhaupt einen zweyfa
chen und höchst wichtigen Unterschied: ei
nige können einzig und allein durch die Heil
kräfte der Natur glücklich besiegt werden, und
den Organismus zur Gesundheit zurückführen;
bei andern aber würde die Natur in diesem
Kampfe unterliegen, oder sie vermag nur un
glücklichen Ausgang herbeizuführen.
Bei jenen geht der Zweck der Behandlung
dahin, den Verlauf der Krankheit nicht zu
stören, und so regelmäſsig als möglich zu er–
halten, hier findet dann ein ruhiges, beobach–
tendes Verfahren statt, welches milde, dem
Zwecke entsprechende Mittel anwendet, Hin
dernisse beseitigt, und das diätetische Verhal–
ten genau bestimmt.
Vermag aber die Krankheit für sich allein
ihren Verlauf nicht glücklich zu vollenden, so
findet ein mehr oder minder kräftiges Eingrei
fen in den Krankheitsprozeſs durch Hilfe der
Kunst statt. – Es wäre unverzeihlich, da, wo
eine richtige Indication dringend zum Handeln
X

auffordert, noch einen bloſsen Zuschauer abzu


geben. .

In welchen Fällen jedoch die Natur sich


zu überlassen, in welchen aber, und wie durch
die Kunst einzugreifen sey, ist die groſse Auf
gabe der gesammten praktischen Heilkunde.
Nach gestellter Indication werden die an
gezeigten Heilmittel der individuellen Consti
tution des Kranken auf das Genaueste ange
paſst, mit möglichster Einfachheit angeordnet,
und das diätetische Verhalten auf das Sorgfäl–
tigste bestimmt.
Alles, was auf diese, in kurzer Uibersicht
erwähnte Weise, über den Kranken verhandelt
wurde, wird nun von dem Ordinarius nach eben
dieser Ordnung schriftlich, wahr und vollstän
dig aufgesetzt, und am folgenden Tage, als
Krankengeschichte oder pathologische Biogra
phie, öffentlich vorgelesen.
In dem Verlaufe der Krankheit hat der Or–
dinarius die Pflicht, täglich noch vor der An
kunft des Lehrers den Kranken zu erforschen,
die Veränderungen, die sich ergaben, und das
Bild der Krankheit schriftlich zu entwerfen.
Bei der Eröffnung der Klinik werden dann
diese Beobachtungen vorgelesen, das Wahre an
ihnen bestätigt, das Irrige berichtigt und so–
gleich verbessert.
X1

Dadurch wird ein doppelter Zweck er


reicht: 1) Der Zuhörer lernt selbst genau be
obachten. 2) Es wird verhindert, daſs nicht
etwa nach Verlauf mehrerer Tage, die Sympto
me der Krankheit bloſs aus dem, oft ungetreuen
Gedächtnisse niedergeschrieben, und so zu den
sonderbaren, oft kaum glaublichen Krankheits
geschichten Veranlassung gegeben wird.
Auf solche Art wird das Verfahren bis zur
Entscheidung zur Genesung oder zum Tode
fortgesetzt. – Im letzteren Falle wird die Lei
chenöffnung unternommen. Vor dieser wird
nun in Vergleichung mit der Krankheit vorläu
fig erörtert, was man in den Leichnamen zu
finden erwarte.

Bei der Section selbst werden die Ergeb


nisse auf das Sorgfältigste aufgefaſst, und so
gleich in die Feder diktirt. Der ganze Befund
wird nun mit dem Bilde der Krankheit und
mit der gestellten Diagnose verglichen, der
Sectionsbericht am folgenden Tage, wieder öf
fentlich vorgelesen, das Wahre oder Irrige der
Beurtheilung dargethan, und die hieraus flie
ſsenden Resultate für die praktische Heilkunde
erörtert. -

Dieses ist die Methode des klini


schen Unterrichts; – durch sie wird zwar nicht
der Möglichkeit des Irrthums, dieses gemeinsa
XII

men Looses der Sterblichen, wohl aber der


Möglichkeit einer Unwahrheit vorgebeugt. –
Die Krankheitsfälle selbst wurden hier nicht
nach der in der Schule eingeführten, jeden
Umstand erörternden Methode, sondern nur in
einem kurzen Umrisse, ohne jedoch die wich
tigsten Momente zu übergehen, entworfen. Sie
sollen vorzüglich als kurze Wiederholung des
sen, was bei jedem einzelnen Falle ausführlich
vorgetragen wurde, der Erinnerung zu Hilfe
kommen.
Mein Bestreben ging durchgehends dahin,
Iloſs auf dem Wege der Beobachtung und Er–
fahrung den Verlauf der Krankheiten, so wie
er sich in der Natur ergab, und die bei ihnen
angewandte Behandlungsart, getreu und einfach
darzustellen.
Es ist gewiſs ein groſser Vorzug der Kunst,
wenn sie, ungeachtet des täuschenden Bildes der
verschiedenen, oft stürmisch auftretenden Krank–
heitsformen, ruhig den Verlauf derselben zu be–
obachten lehrt, nur da zu handeln gebietet, wo
wirklich zu handeln ist, und zwar mit weni–
gen, aber sicher wirkenden Heilmitteln, auf den
Grund einer richtigen Indication gestützt. Den
Vorwurf, zu oft dieselben Heilkörper angewen
det zu haben, halte ich daher für keinen Tadel,
wenn nur der Hauptzweck, – gründliche Hei
XIII

lung – vollständig erreicht wird, und die Heil


kunde steht gewiſs auf einer um so höheren
Stufe, mit je wenigeren und einfacheren Mitteln
sie glücklich den Verlauf schwerer Krankhei
ten zu besiegen weiſs.
Die aufgenommenen Kranken werden hier
aus den Abtheilungen des k. k. allgemeinen Kran
kenhauses, in welchem jährlich, ohne Inbegriff
des Irren- und Gebärhauses, im Durchschnitte
gegen 18oo, bei herrschenden Epidemien gegen
dritthalbtausend Kranke behandelt werden, für
die klinischen Schulen ausgewählt. – Damit
aber die übrigen wichtigen und merkwürdigen
Fälle auch zum Gegenstande des Unterrichts
und der Belehrung dienen, ist die Einrichtung
getroffen, daſs zu verschiedenen Zeiten, wie
auch bei merkwürdigen Vorfällen, die Zuhörer
in die übrigen Krankensäle geführt werden, wo
dann über die vorliegenden Fälle das dem
Zwecke Entsprechende abgehandelt wird.
Aus der Anzahl der aufgenommenen Kran
ken in Vergleichung mit der Zahl der Schüler
ergibt sich, daſs jeder Zuhörer wenigstens 2
Kranke zu übernehmen verpflichtet war; ei
nige auch 5–4 zu behandeln Gelegenheit hatten.
Rücksichtlich der Benennungsart der Krank
heiten habe ich mich vorzüglich der lateinischen
Namen, und zwar aus dem Grunde bedient, weil
XIV

vermöge der bestehenden Einrichtung, sowohl


bei der, neben jedem Kranken hangenden Tafel,
(auf welcher der Name, das Alter, die Krank–
heitsart, der Tag der Ankunft, die Dauer der
Krankheit, die verordneten Arzneyen, und die
Diät aufgezeichnet sind), als auch bei den Pro
tocollen, die Bezeichnung der Krankheit in Ia
teinischer Sprache durchgehends eingeführt ist.–
Uiberdieſs sind diese Benennungen ehrwürdig
durch ihr Alterthum, in allen Sprachen ver–
ständlich, und dem Heilkundigen zu wissen eben
so nothwendig, als dem Botaniker die lateini
sche Benennung der Pflanzen.
In Hinsicht der Arzneymittel bediente ich
mich der älteren Benennungsart, wegen ihrer
allgemeinen Verständlichkeit. – Bei allen Arz–
neyformeln ist die, auch im Krankenhause einge
führte Gebrauchsvorschrift: alle 2 Stunden 2
Eſslöffel voll zu nehmen, zu verstehen, wenn
nicht ausdrücklich eine andere beigesetzt ist.
Da ich in dem klinischen Jahresberichte
von 1825 die wissenschaftliche Ordnung wählte,
habe ich mich in dem gegenwärtigen, um Ein
förmigkeit zu vermeiden, der chronologischen
bedient. -

Prag am 26. Oktober 1824.

P is c h off.
In der medicinischen Klinik für wundärzte
waren in dem Schuljahre 18 vom Anfange
Novembers bis Ende August's, 15o Kranke ein
Gegenstand der Behandlung und des Unter
richts. -

Unter diesen waren 4o Männer, go Wei


ber; in Hinsicht des Standes gröſstentheils Stu
dierende, Kaufleute, Professionisten, Reisende,
Dienstbothen und verheirathete Frauen; sie
wurden, wie es in Spitälern überhaupt der Fall
ist, meistens im bereits ausgebildeten, oft zu
einem hohen Grade der Heftigkeit emporgestie
genen Zustände der Krankheit überbracht.
Rücksichtlich der verschiedenen Gattun
gen der Krankheiten, wurden nach dem Zwecke
dieser Klinik aus der Abtheilung des allgemei–
nen Krankenhauses vorzugsweise die am häu
figsten vorfallenden, besonders die herrschen
den Zeit- und Volkskrankheiten zur Aufnah
me auserwählt, ohne jedoch irgend eine Krank
heitsform auszuschlieſsen. -

Von den behandelten Kranken erhielten


115 ihre Genesung; 8 starben, und zwar 2
Männer und 6 Weiber, 5 wurden ungeheiltent
1.
2

lassen (2 Lungenschwindsuchten und 1 Herz


fehler); 6 wurden am Schluſse des Schul
jahrs als Reconvalescenten in die Abtheilung
des Krankenhauses übersetzt, wo sie sämmtlich
genasen. - - -“

Vergleichen wir die Anzahl der in diesem


Jahre behandelten Kranken mit jener des vori
gen Jahres, so ergibt sich, daſs im gegenwär
tigen Jahre um 11 Kranke weniger in die Kli
nik aufgenommen wurden. -

Die Ursache dieses geringen Unterschiedes


liegt darin, daſs im verflossenen Jahre mehrere
am ansteckenden Kerkertyphus, und an den Ma
sern Erkrankte in der Klinik behandelt wur–
den, im gegenwärtigen Jahre hingegen keine
ansteckende Epidemie herrschte.
Die Anzahl der Zuhörer war in diesem
Jahrgange 55. – Jeder von ihnen war verpflich–
tet die einzelnen Krankheitsformen unter Lei–
tung des Lehrers zur Behandlung zu überneh
men, die Schilderung des Kranken, die Ge
schichte des frühern und gegenwärtigen Lei
dens mit Wahrheit und Vollständigkeit aufzu–
nehmen, und den Krankheitsverlauf täglich ge
treu mit gröſster Genauigkeit aufzuzeichnen,
und öffentlich vorzulesen. *

Die behandelten Krankheitsformen waren


nach der Ordnung ihrer Aufnahme folgende:
Im Monate November.
Erfolg.
Febris inflammatoria gastrica,
cum affectione pleurae . . Genesen.
Phrenitis . . . . . . . Genesen.
Arthritis chronica . . . . Genesen.
Febris rheumatica dein nervosa -

stupida . . .. . . . . Genesen.
Febris rheumatica subnervosa
cum tumoribus glandularum
subcutanearum . . . . . Genesen.
Hepatitis . . . . . . . Genesen.
Febris catarrhalis cum affectio–
ne tracheae . . . . . . . Genesen.
8. Febris puerperalis . . . . Gestorben.
9 Coxalgia spuria . . . . Genesen.
T O. Pleuritis traumatica . . . Genesen.
1 J.
Peripneumonia cum affectione
pleurae . . . . . . . Genesen.
12. Tussis chronica cum affectione
bronchiorum . . . . . Genesen.
Angina faucium cum febri in
characterem nervosum versa Genesen.
Febris rheumatica subnervosa
cum affect. pectoris . . . Genesen.
15. Ptyalismus - . . . . . . Genesen.
16. Febris gastrica . . . . . Genesen.
1*
4

Im Monate December.
Erfolg.
17. Phthisis pulmonalis purulenta
exhaemoptoé praegressa . Gestorben.
18. Pleuroperipneumonia . . . Genesen.
19. Arthritis acuta . . . . . Genesen.
2O. Febris nervosa stupida ex ga–
strica Orta . . . . . . . Genesen.
21, Febris rheumatica gastrica in
febrem intermittentem larva
tam, subforma cephaleae, versa. Genesen,
22. Febris rheumatica in nervosam
Versa . . . . . . . . Genesen.
25. Angina membranacea : . . Genesen.
24. Splenitis . . . . . . . Gestorben.
25. Febris rheumatica inflammato–
ria c. Erysipelate pedum . Genesen.
26. Febris inflammatoria rheuma
tica cum affectione musculorum
intercostalium . . . . . Genesen.
Rheumatismus inflammatorius Genesen.
Spasmi c. affectione ventriculi Genesen.
Phthisis pulmonalis . . . Ungeheilt
entlassen.
Tracheitis et Bronchitis . . Genesen.
Arthritis acuta . . . . . . Genesen.
Febris gastrica saburralis . Genesen.
Im Monate Januar.
Erfolg.
HO . Bubo metastaticus . . . . Genesen.
54. Urticaria . . . . .. . . Genesen.
55. Febris rheumatica . . . . Genesen.
56. Arthritis acuta . . . . . Genesen.
57. Febris gastrica . . . . . Genesen.
58. Chlorosis . . . . . . . . Genesen.
59. Apoplexia et Hemiplegia. . Uibersetzt,
40. Febris rheumatica . . . . . Genesen.
41. Epilepsia . . . . . . .. . Genesen.
42. Arthritis acuta . . . . . Genesen.
45. Febris gastrica. saburralis . Genesen.
44. Arthritis acuta . . . . . . Genesen.

Im Monate Februar.
45. Hepatitis chronica . . . . Genesen.
46. Phthisis pulmonalis . . . Ungeheilt
- entlassen.
47. Pleuritis dextra : . . . Genesen.
48. Haemoptoë in phthisin versa Gestorben.
49. Metrorrhagia . . . . . Genesen.
5o. Febris catarrhalis c. affectione
membranae Schneiderianae ex
polypo evulso . . . . . Genesen.
51. Febris catarrhalis subnervosa Genesen.
52. Rheumatalgia . . . . . Genesen.
Im Monate März.
Erfolg.
55. Vitium cordis organicum . Ungeheilt
* - entlassen.
54. Ptyalismus . . . . . . Genesen.
55. Febris inflammatoria gastrica
in febrem intermitt. desinens Genesen.
56. Febris rheumatica subnervosa Genesen.
57. Febris intermittens tertiana. Genesen.
58. Pleuroperipneumonia . . . Genesen.
59. Scarlatina . . . . . . . Genesen.
6o. Pleuritis dextra . . . . Genesen.
61. Metritis chronica . . . . Genesen.
62. Febris gastrica . . . . . Genesen.
65. Peritonitis et Oophoritis . . Genesen.

Im Monate April.
64. Enteritis chronica . . . . Genesen.
65. Febris catarrhalis nervosa . Genesen.
66. Syphilis . . . . . . . Genesen.
67. Hepatitis . . . . . . . Genesen.
68. Cephalaea . . . . . . Genesen.
69. Febris rheumatica gastrica . Genesen.
7o. Angina tonsillaris . . . . Genesen.
71. Pleuroperipneumonia . . . Genesen.
72. Febris rheumatica gastrica in
nervosam versa . . . . . Genesen.
7

- Erfolg.
75. Febris inflammatoria c. affect.
faucium . . . . . . . . . Genesen.
74. Hypochondriasis . . . . Genesen.
75. Pleuritis chronica et Syphilis Gestorben.
76. Febris rheumatica . . . . . Genesen.
77. Febris intermittens tertiana . Genesen.
78. Hepatitis et enteritis . . . Gestorben.

Im Monate May.
79. Peripneumonia . . . . . Genesen.
8o. Febris rheumatica cum affect.
pleurae . . . . . . . Genesen,
31. Peripneumonia . . . . . Genesen,
82. Ischias . . . . . . . Genesen.
85. Hepatitis . . . . . . . Genesen.
84. Pleuroperipneumonia . . . Genesen.
85. Febris intermittens tertiana . Genesen.
86. Pleuritis rheumatica . . . Genesen.
87. Febris inflammatoria rheuma
tica . . . . . . . . Genesen.
88. Pleuritis sinistra . . . . Genesen.

Im Monate Juny.
89. Angina tonsillaris . . . . Genesen.
9o. Pleuritis traumatica . . . Genesen.
91. Pleuroperipneumonia . . . Genesen.
Erfolg
92 Peripneumonia . . - - h Genesen.
95 Pleuroperipneumonia » 4 " . Genesen.
94. Enteritis . . . . . « 4 4. Genesen.
95 Febris inflammatoria gastrica Genesen.
96. Arth ritis aenta . . -- Genesen.
97. Pleuritis sinistra . Genesen. h

98 Febris rheumatica c. affectione


pleurae . . . . . . . Genesen.
99 Epilepsia . . . . » h Genesen.
100. Febris rheumatica . 4. 6 « Genesen,
1 O 1. Pleuritis rheumatica 6. 4 Genesen.

1 O2. Erysipelas faciei . h 4 Gestorben.


1 O5.Splenitis . . . . 9 » 4. Genesen.
104. Febris gastrica saburralis . Genesen.

Im Monate July.
105. Febris rheumatica . . . . Genesen.
1o6. Febris rheumatica c. affect, he–

patis in nervosam versa . Genesen. e

1o7. Pleu roperipneumonia Genesen. 4.

108. Tussis chronica . «. Genesen.


LO9. Hydrops . . . . h Genesen.
1 1 O•
Otitis et Angina . Genesen.
1 1 1, Arthritis acuta . . Genesen.
L 2. Febris nervosa . , Genesen.
1 13 Convulsiones . . Genesen.
1 14. Febris rheumatica . d Genesen.
9

Erfolg.
1 15. Haematemesis . . . . . Genesen.
1 16. Phrenitis lactea . . . . Genesen.
117. Peripneumonia et angina sup
puratoria . . . . . . . Genesen.
118. Metrorrhagia . . . . . Genesen.
119 Pleuritis et Syphilis . . . Genesen,
Im Monate August.
120. Febris inflammatoria rheuma
tica cum collo obstipoet angina
faucium . . . . . . . Uibersetzt,
121. Hydrothorax acutus . . . Genesen.
122. Febris rheumatica gastrica . Genesen.
125. Hydrothorax inflammatorius Uibersetzt.
124. Febris gastrica saburralis . Genesen.
125. Pleuritis et ulcera syphilitica Uibersetzt,
126. Haemorrhoides . . . . . Genesen.
127. Pleuritis in subjecto syphili
tico . . . . . . . . Uübersetzt.
128. Febris biliosa nervosa dein pu
trida . . . . . . . . Gestorben.
129. Phrenitis lactea . . . . Genesen.
15o. Colica inflammatoria . . . Uibersetzt.
Diese Krankheitsformen nach wissenschaft
licher Ordnung geordnet, geben nach meinen
Tabellen über Fieber und chronische Krank
heiten folgende Uibersicht:
LO

I. Pyrexiae seu Fe
bres. Status morbi.
A. Febres continuae.
1. Cum sola systematum
affectione.
Febris inflammat. rheumatica
a) System. sanguinei
„ inflammat. catarrhalis
b) System, reproductiº– –Ä5
„ biliosa (putrid.)
9)

c) System, nervosi „ nervosa


„ putrida
2. Cum affectione syste-/Phrenitis
matis et Organi. Otitis
Angina faucium
» membranacea
Bronchitis
Peripneumonia
9y notha Sydenh.
Pleuritis
a) Inflammationes to Pleuroperipneumonia
Picae . . . . . . . . Ä
Splenitis
Enteritis
Peritonitis
Metritis
Febris puerperalis
Bubo metastaticus iñquinal.
Ischias
Arthritis et Rheumatismus

(Erysipelas
b) Exanthemata . . . #Scarlatina
-

B. Febres intermittentes, Febris intermitt. tertian.


11
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1–– 1–– 2 2 1 2 9 | 6 | – | 1 | 2
1 1–– 1 1 1 5 1 – 9 | 9 | – | – | –
1 –– 1 – 2 1 ––– 5 | 4 | – | 1 |–
– 1 ––––– 1–– 2 | 1 | –
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–––– 1 ––––– 1 | 1 | – | – | –
1 ––––––––– 1 | – | – 1 | –
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II. Apyrexiae seu


Morbi Chronici Status morbi.
sensulatiori.
1. Cum affectione systemat.
Sanguinei.
Haemoptoë
Haematemesis
-
Haemorrhagi
morrhagae Haemorrhagia Uteri
- -

(Haemorrhoides
2. Cum affectione systemat.
reproductivi.

a) Systemat. plastici et
lymphatici - -

a. Hydrops . . . . Hydrops universalis


Hydrothorax
ß. Physconia . . . . Obstruct. et Infarct. visc. abd.
y. Impetigines . . . Syphilis
ö. Decoloratio . . . Chlorosis
b) Nutritionis Phthsis pulmonalis
- - Tussis chronica
c) Secretionis.
a. Profl. serosa . . Piyalismus

5. Cum affectione systemat.


nervosi.

a) Dolores. . . . . Colica inflammatoria


- FCephalaea
- Epilepsia
b) Spasmi . . . . . Convulsiones

» Spasmi tonici
c) Languores . . . . Hemiplegia
4. Yitia localia . . . . . . . Vitium cordis
Summa ..
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5 58 zooſ 15o | 5 | 5 | 3 T 6
Witterungsbeschaffenheit
und

herrschender Charakter der


Krankheiten.

Allgemeine Beschaffenheit

Im Allgemeinen war der Winter dieses Jahres


milde, es gab wenig Kälte und wenig Schnee.
Der Frühling war kalt und rauh, lange
sproſste keine Knospe, und häufige Regen tra
ten ein.
Selbst der Sommer blieb unverhältniſsmä–
ſsig kalt und feucht, die Höhe desselben zeich–
nete sich durch heftige Regengüsse und groſse
Uüberschwemmungen aus.
Der stationäre Charakter der Krank
heiten im Allgemeinen war der gemäſsigt ent
zündliche, mit einer besondern Neigung
leichter und häufiger als sonst in den nervösen
15

überzugehen, worauf die Beschaffenheit des


Wetterstandes, und der vorherrschende Mangel
an Kälte gewiſs den nächsten Einfluſs äuſserte.
Der nervöse Charakter wurde jedoch in den
meisten Fällen in seiner höhern Ausbildung be
schränkt, und erschien unter dem Bilde eines
eintretenden oder beginnenden nervösen Zu
standes. (Status subnervosus).
Das angewandte Heilverfahren war daher
im Allgemeinen ein gemäſsigt antiphlogistisches,
mit nicht zu häufigen Blutentziehungen, Bei
eintretendem subnervösen Zustande wurde mehr
ein ruhig beobachtendes Verhalten mit glückli
chem Erfolge angewendet, um die Natur in
ihrem Wirken zur Vollendung der Krisen nicht
zu stören.

Besondere Beschaffenheit der ein


zelnen Monate, nebst Darstellung
der Behandlung einzelner Krank–
heitsformen.

November.
Der höchste Barometerstand 28 Zoll. 1, 14 L.
„ tiefste 9) 9) 27 „ 2,61 „
9) mittlere 9) %) 27 » 7, 87 »
16

Der höchste Thermometerstand + 7°. o R.


%)
tiefste 4) „ . – 1°. 7 9y
„ mittlere » » + 2“. 65 „
Herrschende Winde Südwest und Nordwest.
Der Monat November begann mit stürmi
schem Regenwetter, vielem Nebel und ziemli
cher Kälte. Am 1o. fiel Schnee unter nördli–
chen Windstürmen, nach der Hälfte des Mo–
nats lieſs die Kälte zwar nach, das Wetter blieb
jedoch stürmisch, nur gegen das Ende wurde
es für diese Jahrszeit ungewöhnlich milde, und
glich einen heitern Herbstwetter. -

Der herrschende Charakter der Krankhei–


ten war in der ersten Hälfte der entzündlich
rheumatische, in der zweiten neigte er sich zu
dem nervösen. Die am häufigsten vorkommen
den Krankheiten waren unter den acuten Fäl
len: entzündlicher Seitenstich, Kindlbettfieber,
Hirnentzündungen, und nervöse Charaktere der
Fieber; – unter den langwierigen Krank–
heiten, Husten, Lungensuchten und viele Was
sersuchten.
Das angewandte Heilverfahren war bei dem
entzündlichen Seitenstiche die antiphlogisti
sche Methode meistens mit Aderlässen; sehr
oft aber war zugleich gastrischer Zustand da–
mit verlunden, welcher sich durch stark be–
legte Zunge, veränderten Geschmak, Spannen
17

in der Herzgrube, Diarrhoeen äuſserte, hier


muſste mit der antiphlogistischen Methode ein
auflösendes Verfahren in Verbindung treten, zu
Brechmitteln fand jedoch nie eine Anzeige
statt; von trefflicher Wirkung war bei diesen
Umständen der Gebrauch des Salmiaks.
Die Gehirnentzündungen zeigten sich vor
züglich bei Trinkern, und erforderten kräftige
Blutentziehungen, und kalte Umschläge über
den Kopf, nebst ableitenden Mitteln.
Bei dem Kindbettfieber wurde das anti
phlogistische Verfahren, selten mit allgemeinen,
desto öfter mit örtlichen Blutentziehungen an
gewendet.
Der nervöse Charakter der Fieber äuſserte
sich durch Schwere und Leerheit des Kopfes,
Ohrensausen, leichte Verwirrung der Sinne,
trockene Zunge, groſsen Durst, Diarrhöen und
trockene Haut; der Puls blieb gewöhnlich mä–
ſsig frequent, war nicht hart, aber hinreichend
kräftig. Bei diesem Zustande konnte man si
cher seyn, daſs die Krankheit noch wenigstens
einen Cyclus von 7 – 11 Tagen beschreiben
werde; mäſsiges Unterstützen der hinreichen–
den Kräfte durch Radix Caryophyllatae, Sal–
miak und Blasenpflaster führten den gewünsch
ten Ausgang meistens herbei.
2
18

Krankheitsfälle.
Phr e n 't s.

Am 9. November kamen zwey, von hefti


ger Gehirnentzündung befallene Men–
schen, in das allgemeine Krankenhaus, die ein
ganz verschiedenes Bild der Krankheit darbo
ten. – Der eine war ein Fuhrmann, 55 Jahre
alt, von kräftigem Körperbau, dem Zorn und
häufigem Genuſs des Brandweins sehr ergeben.
Schon am 2. November fühlte er sich, ohne
bestimmte Ursache angeben zu können, unpäſs–
lich mit ungewöhnlicher Abgeschlagenheit,
Mangel an Appetit und Kopfschmerz. Er ver–
richtete noch seine Geschäfte, doch am 6. d. M.
redete er plötzlich irre, und wurde äuſserst
zänkisch. - Die Nacht war sehr unruhig, von
heftigem Durst und Hitze begleitet. So ver
lief der Zustand bis zum 9., wo er in die Kli
nik überbracht wurde.
Der Kranke redete irre, war über seine
Verwandten sehr aufgebracht, von denen er
glaubte, daſs sie ihm nach dem Leben streb
ten. Auf die Frage, was ihm fehle, klagte er
über Schmerz und groſse Hitze im Kopfe, die
ser war ungewöhnlich heiſs, das Gesicht roth,
die Augen wild rollend, der Blick trotzig, die
19

Zunge feucht, weiſs belegt, die Respiration un


gehindert, doch zuweilen tief seufzend und von
Husten begleitet, der Unterleib weich, der
Stuhlgang verstopft, der Urin sparsam, mäſsig
geröthet, die Haut warm und ausdünstend, der
Puls gleichförmig, mäſsig beschleunigt, voll und
hart. -

Verordnung. Eine Aderlässe von 8 Unc.,


kalte Umschläge auf den abgeschorenen Kopf,
Klystiere mit Salz, Senfteige auf die Waden.
Innerlich:

B. Dect. rad. Alth. ex unc. dim, par.


UIMCs OCtO.

Salis amari
U7NC. Ul/TC77.

Sig. Alle 2 Stunden 2 Eſslöffel zu nehmen.


Einige Stunden nach der Aderlässe trat
Ruhe ein, das Irrereden lieſs nach, und am an–
dern Tage kehrte das Bewuſstseyn vollkommen
wieder zurück, das Blut bildete keine Entzün
dungshaut. Stuhlgang erfolgte nicht, im Blicke
war noch etwas Fremdes. Es wurde mit Allem
fortgefahren, und alle 2 Stunden noch / Gran
Calomel gereicht,
> Am folgenden Tage war der Gesammtzu–
stand gebessert, noch stumpfer Kopfschmerz
mit etwas Husten zugegen, der Durst mäſsig,
es erfolgten zwey flüssige Stühle, der Puls war
2*
2O

mäſsig beschleunigt, kräftig, jedoch nicht hart,


der Urin bildete einen weiſsen schleimigen Bo–
h
densatz.–Die Pulver wurden ausgesetzt, die
kalten Umschläge blieben hinweg, und statt
des Bittersalzes der Arzney 15 Grane Salmiak
beigesetzt. -

In den folgenden Tagen trat ruhiger Schlaf


ein, doch hustete der Kranke ziemlich viel
mit schleimigem Auswurf bei ungehindertem
Einathmen. Puls und Urin wichen kaum vom
naturgemäſsen Zustande ab, und Eſslust stellte
sich ein. -

Es wurde wegen des anhaltenden Hustens


nun Dct. herb. Tussilag. c. Ext. Hyosciam. an
gewendet, und am 22. November kehrte er ge
nesen zu den Seinigen zurück. -

Bei dieser Gehirnentzündung, die schon


drey Tage angedauert hatte, schaffte die mä–
ſsige Aderlässe schnelle Hülfe, wo in andern
Fällen dieser Art am 5. – 4. Tage oft schon
Ausschwitzung erfolgte, und dann nicht selten
alle Hilfe fruchtlos angewendet ward.
Den Beweis liefert hievon der erwähnte
gleichzeitig überbrachte Kranke, welcher we–
gen erlittener heftiger Kränkung im unmäſsi
gen Genuſse des Brandweins Trost suchte.
Am 5. November fing er an irre zu reden
und zu toben, bei seinem heftigen Durste ver
-

&
21

langte er stets nach Bier, das man ihm auch


zur Besänftigung unglücklicher Weise bis 9.
November darreichte, wo er mit allen Zeichen
der ausgebildeten Gehirnentzündung, daher mit
heftigem Fieber und mit beständigem Zittern,
(delirium cum tremore) in das allgemeine Kran
kenhaus kam. Wiederholte Aderlässe, Blutegel,
kalte Umschläge und der übrige antiphlogisti
sche Heilapparat wurden angewendet, doch
schon am folgenden Tage erfolgte der Tod.
Bei der Leichenöffnung zeigten sich
schon bei dem Einschneiden in die allgemeinen
Bedeckungen des Kopfes die Gefäſse sehr blut- -

voll, die harte Hirnhaut an mehreren Stellen


durch Pseudomembranen mit dem Cranium vor–
züglich in der Gegend des groſsen Sichelblut
leiters fest anhängend, die Gefäſse der Hirn
häute vom Blute strotzend, auf der pia mater
eine weiſse grieſsähnliche schmierige Masse mit
bedeutendem lymphatischen Exsudat, die Hirn
substanz derb und blutreich, in den Seitenven
trikeln mehr als gewöhnlich Wasser ergossen.
Das Herz groſs und von ungewöhnlich vielem
Fett überzogen. Die Eingeweide des Unter
leibes waren natürlich.
Der hochverdiente Vogel bemerkt mit
Recht, daſs die Härte des Pulses allein bei
Hirnentzündungen keine Indication zur Wie
22

derholung der Aderlässe geben könne, denn


auch hier blieb der Puls noch nach der letz–
ten auch durch die übrigen Symptome ange -

zeigten Aderlässe hart, und wurde dann plötz


lich schwingend und unzählbar, und schnell
erfolgte der Tod.
Blasenpflaster, Calomel, Flores Arnicae,
die im kurzen Verlaufe noch angewendet wur
den, vermochten bei dem bereits vorhande
nen Zustande der ausgebildeten Ergieſsung kei
ne Hilfe zu schaffen. -

Feb ris nervosa stupida.


Ein Schuhmacher von 47 Jahren von mitt
lerem Körperbau, sonst stets gesund wurde
ohne Veranlaſsung am 7. November von Frost
und Hitze mit reiſsenden, ziehenden Schmier
zen in den Gliedern befallen, er achtete sein
Leiden wenig, und kam nach 7 Tagen in die
Klinik. -

Der Kopf war unschmerzhaft, das Ange–


sicht natürlich, die Zunge weiſs mit mäſsigem
Durst, Brust und Unterleib frei, doch reiſsen–
de und ziehende Schmerzen längst der Wir
belsäule, wodurch das Aufrichten und Umdre
hen sehr erschwert wurde, die Hautwärme
war etwas erhöht, der Puls mäſsig frequent
und hinlänglich kräftig.
25

Es wurde gegeben:
B. Infus. flor. Sambuc. ex drach. duab. par.
unC. octo. . * -

Liquor. Minder. dispens. veter. -

drachm. tres,
Roob Sambuc. -

unc. dimidiam.
MI. D.
S. Alle 2. Stund. 2 Eſslöffel.
So leicht dieser Fall schien, war doch
die Nacht sehr unruhig, das Gesicht verlor
an Lebhaftigkeit, die Augen wurden matt,
Schwerhörigkeit und Ohrensausen waren am
folgenden Morgen zugegen, der Urin blaſs
roth, mit einem schwimmenden Wölkchen, die
Haut heiſs und trocken, die Zunge jedoch noch
feucht, der Puls beschleunigt klein und weich.
Offenbare Zeichen des beginnenden ner
vösen Zustandes.
Verordnung:
B. Infus. rad. Caryophyllat. ex drach, trib. parat.
unC. OCl0. v.

adde
Liquor Minder. disp. veler.
drach. lres.
D. -

Am folgenden Tage belegte sich die Zun


ge mehr, und Abends trat bei vermehrtem
Kopfschmerz Delirium ein, der Puls blieb
mäſsig frequent, weich. Es wurde ein Blasen
24

pflaster zwischen die Schultern gelegt, und


statt des Liquors Mindereri der Arzney 15 Gran
Salmiak beigesetzt. -
In den folgenden Tagen blieb Delirium mit
Betäubung abwechselnd zugegen, der Puls
wurde äuſserst träge und klein, die Haut trok
ken, täglich Stuhlgang.
Bei diesem sinkenden Zustande der Kräfte
würden der Arzney 2 Grane Kampfer zugesetzt.
Der nervöse Character bildete sich je
doch immer mehr aus, denn am 18. war star
ke Betäubung, Schwere des Kopfes, bleiches
Gesicht, trockene Zunge mit schmuzigem Be
lege und Rissen, mehr gesunkener, kleiner
schwacher Puls zugegen.
Da nun die Betäubung das vorzüglich her
vorstechende Symptom darstellte, wurden Flo
res Arnicae nach folgender Formel beigesetzt,
Blasenpflaster wiederholt angewendet.
Verordnung: -

B. Rad. Caryophyllat.
drach. tres.
Flor. Arnic.
drach. unam et semis.
fiat infus. fervid. Colat. unc. octo
adde.

Camphor. mucil. Gumm. arab. subact.


Gran. tria.
D. .
25

In diesem Zustande verlief die Krankheit


bis zum 17. Tag, nur gesellte sich durch Ein
trocknung der Schleimhäute trockenes Hüs–
teln bei. -

Nun aber feng die Zunge an sich zu rei


nigen, sie stieſs ihren Uiberzug ab, der Hus–
ten wurde feucht, die Haut dünstete reichlich
aus, und der Urin machte schleimigten Boden
satz. Diese Krisen dauerten im mäſsigen Gra
dé fort, worauf das Stadium der Wiedergene–
sung eintrat. Gegen den Husten und zähen
Auswurf wurden nun erweichende Säftchen mit
Sulf. aurat. antimon und Dec. polygal. amar.
c. Spirit. Sal. ammoniac. anisat. angewendet.
Den Beschluſs machte Dt. cort. peruv. et polygal.
AIY13 TAG." -

Am 56. Tage der Krankheit kehrte er ge


nesen nach Hause.
Bemerkung,
Bei diesem Falle erreichte der nervöse
Character seine Ausbildung, was bei ähnlichen
Fällen dieser Art in diesem Jahre selten ge
schah, denn gewöhnlich traten wohl Oh
rensausen, vorübergehende Verwirrung der
Sinne, matter Blick, trockene Zunge und Haut,
meistens mit Durchfällen ein, und stellten den
Status nervosus dar.
26 - - 4

Er hielt gewöhnlich durch 5 bis 7, selten


bis 11 Tage an und entschied sich jeder
zeit durch Ausdünstung der Haut, und immer
durch Bodensatz im Urin, der nun erst seine
rothe Farbe änderte; – bevor dieses kritische
Sediment nicht erschien, konnte man durch
gehends auf Wiederkehr der Verdauungskräfte
und auf Wiedergenesung nicht hoffen; es bleibt
daher in praktischer Hinsicht immer von
hochwichtiger Bedeutung. g"

Cox algia spuria.

Ein etwas seltener und leicht als


Cox algie täuschender Fall kam bei einem
schwächlichen 12jährigen Knaben vor, wel–
cher bereits seit 5 Wochen ziemlich heftige
Schmerzen am obern Theile der innern Flä
che des rechten Schenkels und im Kniegelenke
hatte, so daſs er nur mit gebogenem Schenkel
hinkend einher gehen konnte. Als er am 17.
November in die Klinik kam, war der rechte
Fuſs um 1 Zoll kürzer als der linke, der
Puls etwas gereizt, das übrige Befinden we
nig gestört.
Es wurden an den groſsen Trochadern 4
blutige Schröpfköpfe, und dann erweichende
Umschläge angewendet. Innerlich Dt. Gramin.
27

c. Tart. tartaris. gegeben, strenge Ruhe, mit


horizontaler Lage anempfohlen.
Am folgenden Tage war der Schmerz sehr
vermindert, bis 2o die gleiche Länge herge
stellt, Am 25. wurde er gesund entlassen.
Die Verkürzung, die bei der Coxalgie ge
wöhnlich erst im 5. Stadium eintritt, hatte
hier offenbar ihren Grund in den Muskeln, die
durch Rheumatismus krankhaft ailicirt, durch
ihre Zusammenziehung den Schenkelkopf in
die Pfanne hineindrückten, und so eine Verkür
zung von 1. Zoll bedingten.

Febr is pu erper a lis.

Am 15. November kam ein heftiges Puer


peralfieber bei einer Erstgebärenden in die Be
handlung. Die Geburt war den Tag vorher
glücklich vorüber gegangen. Ohne eine be
kannte Veranlassung fühlte die Kranke am
folgenden Tage reiſsende Schmerzen im Unter
leibe, die schnell an Heftigkeit zunahmen, der
Bauch schwoll auf. – Bei ihrer Ankunft im
Spitale vertrug derselbe nicht eine leise Berüh
rung, der Uterus war zusammengezogen, die
Lochien flossen ordentlich, der Durst ver
mehrt, die Wärme erhöht, der Puls sehr be
schleunigt, unterdrückt. – Es wurden Blut
28

egel an den Leib erweichende Umschläge,


öhl. Klystiere und Decoct. Alth. Mannat. nebst
einer Emuls. Amygdal. zum Getränk gereicht.
– Die Nacht war sehr unruhig ohne allen
Schlaf, die Schmerzen hatten bedeutend zuge
nommen und sich gegen die Herzgrube gezo
gen, von wo aus sie sich nach den falschen
Rippen um den Leib verbreiteten und stechend
waren, die Kranke war sehr beängstigt, die
Respiration hoch, mühsam, aber kein Husten
zugegen, der Puls sehr beschleunigt, härt
lich zusammengezogen, 6 flüſsige Stühle er
folgten. Es wurde eine Aderlässe zu 6 Unzen
angestellt, nebst dem Mixt. oleosa gegeben. –
Gegen Abend trat heftige Verschlimmerung ein,
die Unruhe stieg mit jeder Stunde, die ste–
chenden Schmerzen hielten an, die Haut war
trocken, heiſs, der Puls äuſserst frequent.
Man war um das Leben der Kranken be
sorgt. -

Es wurden 8 Blutegel an die Herzgrube


gesetzt, und Pulver aus / Gran Calomel alle
2 Stunden gereicht. (Es war die Zeit des Ein
tritts des Milchfiebers.) -

Am folgenden Morgen (den :7.) ging es


zwar etwas besser, die Schmerzen im Unter–
leibe waren vermindert, der Unterleib vertrug
leichter die Berührung, war aber immer noch
- 29

schmerzhaft, der Urin hatte Bodensatz, die


Brüste blieben aber ohne Milch.
Es wurde die Anwendung der Blutegel
wiederholt und Calomel zu 1. Gr. alle 2 Stun–
den gereicht; als die Zufälle beim Abendbesuch
dieselben blieben, ja sich hiezu mehrmaliges
Erbrechen gesellte, der Stuhl nun hartnäckig
verstopft blieb, der Puls für keine Blutentzie
hung mehr geeignet war, wurde ein lauwarmes
Bad gegeben, und dann ein groſses Blasenpflas
ter über den Unterleib gelegt, die Gabe des
Calomel auf 2 Gr. erhöht, an die Brüste er–
weichende Fomente angewendet und durch An
legung der Sauggläser die Milch herbeizulei
ten gesucht.
Den 18 hielt das Erbrechen einer gras
grünen Materie an, Stuhlentleerung war auf
keine Weise zu erhalten, der Puls wurde un
zählbar, das Gesicht eingefallen, blaſs-kal
ter Schweiſs bedeckte den Körper; in der
Nacht erfolgte der Tod.
Leichenöffnung.
In der Bauchhöhle war eine häufigergosse
ne gelbgrüne Flüſsigkeit, in welcher Flocken
ähnliche Fasern herumschwammen. Die Organe
des Unterleibs, besonders das Bauchfell und
die dünnen Gedärme zeigten allgemeine Ent
50

zündung, eben so waren die Eyerstöcke an


geschwollen, von ungewöhnlicher Gröſse, hart
und im hohen Grade entzündet. Auch am
Zwerchfelle lieſsen sich deutliche Spuren von
Entzündung wahrnehmen.
Der Uterus war gehörig zusammengezo–
gen, obschon am Umfange bedeutend groſs, in
seinen Wänden verdickt, die innere Fläche
mit brauner fauler Jauche umzogen, die
Scheidenportion wie mit Blut unterlaufen,
ganz dunkelschwarz gefärbt, und brandig.
Bemerkung,
Jedes Kindbettfieber ist eine stets bedeu–
tende oft höchst gefahrvolle Krankheit, bei
welcher die sonst so gütige Natur für sich al–
lein meistens nur unglücklichen Ausgang her
vorzubringen vermag; es bedarf daher stets der
Hilfe der Kunst. So günstig der Verlauf des
Kindbettfiebers unter der erwähnten antiphlo
gistischen Behandlung sich sonst in häufigen
Fällen zu vollenden pflegte, so trat dieser
günstige Ausgang im gegenwärtigen Falle doch
nicht ein; der Grund hievon scheint darin zu
liegen, daſs der Muttermund und Mutterhals
von einer schleichenden Entzündung vielleicht
schon im Zustande der Schwangerschaft ergrif
fen seyn mochte, durch welche nach vollen
deter Geburt schnell Absterbung und Fäulniſs
W.
51

der Gebärmutter begründet wurde. – Uiber


haupt waren Kindbettfieber im gegenwärtigen
Herbste viel schwieriger und gefahrvoller als
sonst, sie kamen öfters vor, und fast schienen
sie sich epidemisch ausbreiten zu wollen, was
jedoch nicht geschah. Dieser Krankheitsfall
hatte mit der in den medicinischen Jahrbü–
chern des österreichischen Staates 1822, so
trefflich geschilderten Epidemie schon manche
Aehnlichkeit.

December.

Der höchste Barometerstand 26 Zoll. o, 97 L.


» tiefste 9) 9) 27 » 2, 49 „
» mittlere „ 99 27 » 7, 75 „
Der höchste Thermometerstand + 11°. 9L.
„ tiefste 9) 9) – 8“. 2 „
» mittlere „ 9) + 1“. 85„
Herrschende Winde Südost und Südwest.
Im Monate December hielt in der ersten
Hälfte die ungewöhnlich milde Witterung an,
späterhin erfolgte Regen, und in der 2. Hälfte
trat trockener Frost ein, hierauf folgte Schnee,
der einige Tage liegen blieb.
Der im vorigen Monate vorherrschende
nervöse Character der Fieber dehnte sich auch
auf diesen aus, doch brachte die in der Mitte
52
des Decembers eingetretene anhaltende Kälte
mehrere entzündliche Krankheitsformen her
vor, allein sie waren weder häufig noch
heftig. -

Die zwischenlaufenden rheumatischen Fie–


ber, so wie die gastrischen hatten immer auf
fallende Geneigtheit, in den nervösen Character
überzugehen, wenigstens nahmen sie einen
nervösen Anstrich an. Gicht und Rheumatis–
men zeigten sich ziemlich häufig, -

Das angewandte Heilverfahren war im


Ganzen das erwähnte, und der Verlauf der
Fieber im Allgemeinen günstig aber langsam;
der nervöse Character wurde mehr von der
Natur bezwungen, als mit Arzneymitteln be
stürmt; nur wo der Gang der Krankheit un
günstige Abweichungen einschlug, oder wo be
denkliche Erscheinungen, als entkräftende flüs–
sige Stuhlgänge bei darniederliegenden Kräften
Gefahr drohten, wurde positives Eingreifen von
Seiten der Kunst erfordert, hier wurden dann
wiederholte Blasenpflaster, Rad. Arnicae, ge
ringe Gaben von Salmiak in Verbindung mit
Salep und andern schleimigten Mitteln: Ipe
cacuana in kleiner Gabe, Aqua Cinnamom. Au
ra camphorata, schleimigte Klystiere gereicht.
55

Krankheitsfälle.
Febr is rheumatic a cum tumoribus Glan
du la rum.

Ein Taglöhner von 60 Jahren kam nach


5 Tagen seines Erkrankens mit eingenomme
nem Kopfe, Ohrensausen, trockener zittern
der Zunge, groſsem Durst in die Klinik. Als
Ursache seines Leidens gab er Verkühlung an;
an beiden Seiten des Halses fühlte er Schmerz,
die Halsdrüsen stellten sich als knotenähnliche
Geschwülste dar, eben so waren die Achseldrü–
sen und jene der Leistengegend, zu der Gröſse
eines Hühnereyes angeschwollen, und bei der
Berührung sehr schmerzhaft, die Füsse waren
mit reiſsenden Schmerzen behaftet, und um die
Knöchel etwas angelaufen, das Athmen frei, der
Husten von vielem Schleimauswurfe begleitet.
Der Urin war trübe, geröthet, sparsam, die
Haut heiſs und trocken, der Pulsfrequent, voll
und härtlich. -

Es wurde Dot. Alth. c. Sal. Ammoniac. et


Roob. Sambuc. gegeben, und ruhiges Verhal
ten im Bette anempfohlen. Nach 2 Tagen
(den 15. November), erschien im Urin ein kleien
ähnlicher Bodensatz; die Geschwulst der Füs–
se nahm zu, und Diarrhöen traten ein. Es
O
54
wurde nun Infus. rad. Arnic. c. Sal. Ammoniac.
Gr. XV. und ein Blasenpflaster zwischen die

Schultern verordnet. -

Am 18. war das Scrotum stark ödematös


geschwollen, der Urin vermindert, die Haut
stets trocken. Es wurden über die Füsse war
me Tücher und über den Hodensaek trockene
Säckchen angewendet, und Infus. rad. Levist.
c. Liquor. Minder. et Oxymel simpl. gereicht.
Unter dem Gebrauch dieser Mittel fiel die
Geschwulst der Füsse und des Scrotums, so wie
jene der Drüsen ab. Um den Husten zu be
schwichtigen, und den häufigen Schleimaus
wurf zu beseitigen, wurde nun zum Dct. Poly
gal amar. und Lichenis übergegangen. In un
gestörtem Wohlbefinden gieng er den 20. De
cember nach Hause.
Merkwürdig wurde aber der Kranke durch
einen neuen Zufall, mit welchem er nach 14
Tagen zurückkehrte. Offenbare Krisen waren
nämlich nie erschienen, und wir glaubten, die
Krankheit habe sich durch Lysis entschieden.
Allein einige Tage nach seinem Austritte
zeigte sich im rechten Schenkelbuge eine Ge
schwulst, welche bald die Gröſse einer Faust
erreichte, heftig schmerzte, roth aussah, und
fluctuirte. Erweichende Umschläge brachten
diesen kritischen Bubo zum Aufbruche, und
55

es entleerte sich eine ungemeine Menge von


Eiter, worauf der Kranke gänzlich genas,
und sich einer vollkommenen Gesundheit noch
erfreut.

Febr is in flammatoria nervos a cum ir


r it at one cerebri et pectoris.
Ein entzündlich nervöses Fie–
b er mit Reizung des Gehirns und
der Brust trat bei einer starken jungen Dienst
magd von 19 Jahren ein, die am 7. Tage ih–
rer Krankheit kam. Ihr Gesicht war um–
schrieben roth, aufgetrieben, der Kopf heiſs,
sehr eingenommen, Ohrensausen und Schwin
del zugegen, mitunter Irrereden, die Augen
glasicht, wie im Wasser stehend, die Zunge
trocken, roth, aufgesprungen, der Kopf heiſs,
der Durst heftig, in der Gegend der falschen
Rippen linker Seits klagte sie über stechenden
Schmerz, der bei dem Husten heftiger wurde,
der Urin war roth und wolkicht, die Haut
in starker Ausdünstung, der Pulsfrequent,
härtlich und zusammengezogen.
Dec. antiphlogist, erweichende Umschlä
ge an die Brust, und 6 Blutegel an die Stirn
wurden verordnet. Letztere verschafften rück
sichtlich des Kopfschmerzes und der Eingenom
menheit, einige Erleichterung, die aber nicht
- K
O
56

von langer Dauer war, denn am folgenden Ta


ge war der Zustand beinahe wieder derselbe,
gegen Abend die Exacerbation stark. -,

Es muſsten wieder 6 Blutegel an die


Schläfe gesetzt, und nebstdem Klystiere gege
ben werden. Bei dieser entzündungswidrigen
Behandlung, ohngeachtet der nervösen Erschei
nungen, und des Schwankens der vorwalten
den Irritabilität und Sensibilität, lieſsen die
Kopfschmerzen und das Irrereden nach, die um
schriebene Röthe der Wangen verlor sich, das
Auge wurde klar, die Zunge feucht, im Urin
bildete sich ein kleienartiger Bodensatz. -

Einige Zeit wurde noch das einfache Dec.


Alth, fortgesetzt, die Kranke genas vollkom
men, und verlieſs nach 15 Tagen die Klinik
Der nervöse Character des Fiebers durfte
bei der vorherrschenden Reizung des Gehirns
und der Brust von einem gemäſsigten antiphlo
gistischen Heilverfahren durchaus nicht ab
halten. - - -

Fe bris catarrhalis eum affect one


bron c h ior um.

Merkwürdig war ein catarrhalisches


Fieber, mit Leiden der Bronchien und con–
vulsivischem Husten bei einem 26 Jahre alten
Mädchen. Sie glaubte sich verkühlt zu ha
37

ben, als sie bloſsfüſsig bei rauher Witterung


um Wasser gieng. Sie litt schon 5 Wochen
am Husten, der aber gegenwärtig zu einer

Höhe gestiegen war, daſs sie bei seinen Anfäl


len sich erbrach, bewuſstlos wurde und auſser
Athem kam. In der Gegend der Bifurcation
der Luftröhre hatte sie ein Gefühl von Reiz
und Kitzel mit Drücken unter dem Brustbein;
sie litt an stumpfen Kopfschmerzen in der
Stirngegend, hatte starken Schnupfen, die
Sprache war verändert, die Augen gegen das
Licht empfindlich, in Thränen schwimmend,
sie konnte nicht tief einathmen, ohne daſs der
Husten mit sehr groſser Heftigkeit erregt wur
de, sie warf Schleim aus, die Hauttempera
tur war erhöht, der Puls sehr frequent, unter
drückt und härtlich. -

Es wurde Dt. Alth. c. Nitroet Syrup. Alth.


erweichende Umschläge und Blutegel an die
Stelle der Theilung der Luftröhre angeordnet,
die groſse Erleichterung verschafften, den Hu
sten aber wenig verminderten, welcher noch vie
le Tage mit groſser Heftigkeit anhielt. – Bla
senpflaster wirkten wenig. – Nun wurde Calo
mel zu %. Gr. 5mal des Tags gereicht. – Es er
folgte freiwilliges Nasenbluten mit gröſster Er
leichterung; aber erst als diesen Pulvern Opium
zu / Gran zugesetzt wurde, nahm der Hu
58

sten zusehends ab; die Kranke fieng an stark


auszudünsten, womit sich der Schnupfen auch
verlor. Später wurde zu den Plummer'schen
Pulvern übergegangen, und nun brach sich
der Urin, der Auswurf wurde dicht, in Klum
pen, wahrhaft kritisch, und nach jedesmali
gem Auswerfen solcher Stücke fühlte die Kran
ke sich besser und leichter. Es erfolgte noch
mals Nasenbluten und bei Dec. Alth. c. Ex
tract. Hyosciam. genas sie endlich ganz.
Eine Pleuritis, welche sich eine Dienst
magd durch einen Fall auf die linke Seite der
Brust zugezogen hatte, erforderte Aderlässe,
Blutegel wiederholt angewendet, erweichen
de Umschläge, innerlich erweichende Mittel
mit Nitrum, um die Zertheilung und die Gene
sung herbeizuführen. Sie wurde innerhalb
11 Tagen vollkommen genesen entlassen.

Ang in a membran a ce a.

Am 17. December kam eine heftige häu


tige Bräune an. Ein 9jähriger taubstum
mer Knabe, der sich am Morgen des vorher–
gehenden Tages noch ganz wohl befand, zu
Mittag mit vollem Appetite aſs, fühlte Abends
Kälte mit Hitze, Unbehaglichkeit und einen
hohlen Husten. Schnell steigerte sich die
- 39

Krankheit zu einer solchen Höhe, daſs sie nach


Aussage seines Lehrers den Erstickungstod be
fürchten lieſs. Am Morgen, als der Kranke in
unsere Behandlung kam, klagte er über Kopf
schmerzen, und heftigen, stechenden Schmerz
in der Gegend des Larynx, der beim Druck ver
mehrt wurde; zugleich befiel den Kranken Hu
sten von eigenthümlichem Ton, und zwar mit
solcher Heftigkeit, daſs er Erstickung drohte;
das Athmen war sehr ängstlich, mit einem zi
schenden Geräusch verbunden, das Schlingen
nicht gehindert, das Gesicht aufgetrieben, roth,
der Puls sehr beschleunigt, härtlich und un
terdrückt.
Sogleich wurden 6 Blutegel um den Hals
gesetzt, die Nachblutung möglichst lang unter
halten, erweichende Umschläge um den Hals,
ein Blasenpflaster zwischen die Schultern und
Einreibungen von Ungt.mercurial, in die Seiten
theile des Halses und der Brust; innerlich Dt.
Alth. Mannat, und bei dem dringenden Zustande
Pulver aus 2 Gran Calomel alle 2 Stunden ver
ordnet. Bei dem Abendbesuch erfolgte schon
bedeutende Erleichterung, doch hielt der ste
chende Schmerz noch an, so wie der bellende
Husten, das Fieber war noch stark. Nochmals
wurden 4 Blutegel gesetzt, im Uübrigen fleiſsig
fortgefahren. Die Nacht war ruhiger, mitun
40

ter hatte der Kranke selbst etwas geschlafen,


der Husten war seltener geworden. Am Mor
gen (19.) war das Aussehen ganz verändert,
die Miene heiterer, die Röthe und die Aufge
triebenheit des Gesichtes vermindert, der
Schmerz gering, der Husten lockerer, ohne je
nen bellenden Ton, das Fieber war mäſsig, im
Urin wurde bereits ein kleienähnliches Sedi
ment abgesetzt, die Haut schwitzte, Stuhl er
folgte zweymal. Die Pulver wurden zu 1 Gr.
alle 2 Stunden gegeben, das Uibrige blieb.
Gegen Abend vermehrte sich jedoch die
Hitze bedeutend, der Puls wurde frequenter,
der Husten aber war gelinde und feucht, es
wurde nun dem Dct. Alth. Nitrum beigegeben,
die Gabe des Calomels in dem Grade vermin
dert, und endlich ganz ausgesetzt, als das ört
liche Leiden nachlieſs. *
Am 25. Abends brach sich der Urin noch–
mals, und setzte Bodensatz ab. Genesen ver
lieſs der Kranke am 1o. Tage die Anstalt.
Ein rheumatisches Fieber mit ent
zündlichem Leiden der Zwischenrippenmuskeln
kam bei einer starken 18jährigen Dienstmagd,
Kopfiwa Agnes, vor; durch Verkühlung ver
fiel sie in Kälte mit Hitze und Abgeschlagen
heit, bekam bald stechend – reiſsende Kopf
schmerzen, die sich über die rechte Seite des
41

Halses nach abwärts gegen die falschen Rippen


hin verbreiteten, und bei der Berührung ver
mehrt wurden. Warmes ruhiges Verhalten im
Bette, in Verbindung mit erweichenden, die
Hautausdünstung befördernden Mitteln, als Dct.
Alth. nitros. cum Roob. Sambuc., Umschläge,
trockene Tücher um den Hals, schafften bald
Linderung und gänzliche Heilung. Binnen 8
Tagen war sie hergestellt und entlassen.
Am 21. December ereignete sich bei ei
ner Wärterin folgender Fall. Nach einem
schnell vorübergehenden Gefühl von Uibelseyn
fiel sie plötzlich um die Mittagsstunde leblos
und ohne Bewuſstseyn zur Erde, und es ver–
gingen gegen anderthalb Stunden, ehe man sie
wieder zu sich brachte; der Puls war mäſsig
frequent, die Respiration langsam, nicht gestört,
die Hände krampfhaft zusammengezogen. Riech
wasser aus Essig, kalte Anspritzungen und Wa–
schungen, Reibungen fruchteten nichts, ein
Krenteig jedoch an die Magengegend und Kly
stiere riefen Leben und Bewuſstseyn zurück.
Die Kranke erklärte, daſs sie seit 4 Tagen kei
nen Stuhl gehabt habe, der sonst täglich er
folgte; kaum hatte sie aber diese Worte ge
sprochen, so überfielen sie neue Krämpfe, Zuk
kungen, ja Anfälle von Opisthotonus. Es wur
den nun Chamomillenklystiere mit Salz gege
42
ben; innerlich Aq. Menth. Melissae aa. unc.
duas, Tinct. Castorei. Liquor. C. C. succinat. aa.
dr. semis. Auſserdem aber eine Auflösung von
Bittersalz angeordnet. – Es erfolgten bald ei
nige Stühle, und mit diesem waren die Krämpfe
und alle krankhaften Erscheinungen bald ge–
hoben. -

Pty a lismus.

Ein altes Mütterchen, die in einem


engen Zimmer mit einem Barometerverfertiger
zusammenwohnte, verfiel in einen heftigen
Speichelfluſs, indem durch einige Tage viel
mit Quecksilber gearbeitet worden war. Die
wenigen Zähne wackelten so sehr, daſs sie
selbe mit leichter Mühe hin und her bewegen
konnte, zwey davon fielen auch aus, der Mund
war voll Aphthen, das Zahnfleisch und die Zunge
geschwollen, und der Mund brannte nach ihrem
Ausdruck wie Feuer, der Speichel wurde häu
fig abgesondert, und ein häſslicher Gestank ver
breitete sich aus dem Munde, sie konnte bei
nahe nichts genieſsen, selbst die Suppe verur
sachte viel Schmerz.
Es wurden ableitende Mittel, als Dct. Gra
min. c. Sal. Glauber. und Pulver. ex Flor. Sul–
fur., erweichende lauwarme Mundwässer ver–
45
ordnet, die auch bald Linderung verschafften.
Nach und nach verloren sich bei dieser Behand
lung alle Zufälle, die Zähne wollten jedoch bei
dem wenigen Zahnfleische sich nicht befesti
gen, ein viele Tage fortgesetztes Infus.flor. Sal
viae that, nachdem der Entzündungszustand
beseitigt war, vortreffliche Dienste. – Ein Be–
weis der heftigen Wirkung der Quecksilber
dünste auf den menschlichen Organismus.

Peripneumonia.

Eine sehr heftige, aber regelmäſsige und


schnell verlaufende Lungenentzündung
kam bei einem rüstigen Bräuergesellen vor, der
sich dieselbe durch Verkühlung zugezogen hat–
te. Der Auswurf war sehr von Blut gefärbt,
die Brustbeschwerden, als Drücken und Ste–
chen, so wie der Husten heftig, das Liegen auf
der rechten Seite gehindert, das tiefe Einathmen
nicht möglich, der Puls härtlich und stark. Eine
reichliche Aderlässe brachte groſse Erleichte
rung, doch blieb der Auswurf noch blutig, und
fing erst den folgenden Tag an sich zu verlie
ren, so wie sich die Stockungen allmählich ho–
ben. Erweichende Mittel, Althaea mit Nitrum,
Umschläge, strenge Diät trugen das Ihrige zur
Erleichterung bei, so daſs nach 8 Tagen die
44
vorige Gesundheit zurückkehrte, und der Kran
ke die Anstalt verlieſs. -

Unter den übrigen Fällen verdient eine


Apoplexie, die in der Krankenabtheilung
vorkam, hier Erwähnung. -

Ein Binder fiel bewuſstlos von seiner Ar


beitsbank, und wurde am folgenden Tage in
das allgemeine Krankenhaus überbracht. Die
Veranlassung war unbekannt, der Mann hatte
sonst ein ordentliches Leben geführt, und zählte
jetzt 70 Jahre. Er war auf der linken Sei
te gelähmt. Aderlässe, Ableitungsmittel und
Hautreize vermochten nichts, er starb den 2 .
Tag seines Hierseyns. Als die Section gemacht
wurde, fand sich in der rechten Seitenhirn
kammer ein Blutextravasat von 6 Unzen, welches
diese Hirnhöhle so ausdehnte, daſs nach Er
öffnung der Schädelhöhle eine bedeutende Her
vorragung an der Oberfläche des Gehirns be–
merkt wurde, und daſs die Höhle selbst ge
borsten war. Das Extravasat hatte seinen Ur
sprung aus dem Plexus choroideus derselben
Seite, der mit Hydatiden besetzt und wo die
Venen varicös ausgedehnt waren.
Januar. f

Der höchste Barometerstand 28 Zoll. 1, 90 L.


„ tiefste „ „ 20 » 8, 95 „
„ mittlere „ 9)27 » 4,96 „
Der höchste Thermometerstand + 5°. 6 R.
„ tiefste 3) 99 – 6°. 5 „
„ mittlere „ 99 – o°.45 »
Herrschende Winde sehr abwechselnd.
Der Monat Januar begann mit neblichtem,
jedoch mildem Wetter, der wenige Schnee zer
floſs. Vom 6. an trat heitere Witterung mit
steigender Kälte und äuſserst hohem Barome
terstande ein. In verschiedenen Gegenden des
nördlichen Deutschlands ereigneten sich Erdbe–
ben.
Die vorherrschenden Krankheiten waren
catarrhöse und rheumatische Fieber, hitzige
Gicht, Rothlauf und Wassersuchten. Ausge
bildete Entzündungen einzelner Organe kamen
in diesem Monate selten vor.
Die eingeschlagene Heilmethode war bei
rheumatischen Fiebern die antiphlogistische mit
gelindem Hinwirken auf die Hautfunction. Bei
der hitzigen Gicht wurden gelind diaphoreti
sche Mittel mit geringen Gaben von Nitrum
nebst Einhüllen der befallenen Theile in Hanf,
46

und Anwendung von örtlichen Blutentziehun


gen bei heftigerem Grade erfordert.

Krankheitsfälle.
B r on c h i t i s et t r a c h e it is.

Ein merkwürdiger Fall einer Luftröh


ren – und Luftröhrenäste – Entzün
dung ereignete sich bei einer Wäscherin (Ko
petzka Franziska), 25 Jahre alt, von ziemlich
starkem Körperbau. Sie litt seit ihrem 25. Le
bensjahre an einem alljährig zurückkehrenden
Nesselausschlag, gegen welchen sie dieſsmal von
einem Weibe unbekannte Mittel in Gebrauch
zog, die ihr heftiges Erbrechen und Durchfall
erregten, und die Kranke sehr angriffen. Ein
trockener Husten, der sich hinzu gesellte, und
welchen sie sich durch Verkühlung zugezogen
zu haben glaubte, veranlaſste sie zu dem Ge
brauche von Safran in starkem Brandwein auf
gelöst. Sie fing hierauf an heftig zu husten,
fühlte auf der Brust groſse Beklemmung, mit
kurzem Athem. Es befiel sie Hitze und Kälte mit
Kopfschmerzen und vermehrtem Durste. Diese
Erscheinungen stiegen in kurzer Zeit, nämlich
von früh Morgens bis Abends zu einer solchen
Höhe, daſs augenblickliche Erstickung drohte,
- 47
und sie bei den Hustenanfällen auſser Athem
gerieth und ohne Besinnung da lag. In diesem
Zustande wurde sie am 25. Novemb. in der Nacht
um 1o Uhr in die Klinik aufgenommen. – Die
Kranke schnappte, wie man zu sagen pflegt,
nach Luft, konnte nicht sprechen, noch sonst
einen Laut von sich geben, griff beim Husten
anfall nach dem nächsten festen Körper, um
sich festzuhalten und Luft zu verschaffen, sie
konnte nur in der aufrechten Lage verweilen,
vor unsäglicher Angst bat sie mit aufgehobenen
Händen um Rettung; die Augen waren hervor
getrieben, längst der Luftröhre fühlte sie einen
heftig brennenden Schmerz, und eine drückende
Beklemmung um das Brustbein, sie vermochte
nicht tief einzuathmen, ohne daſs nicht der so
sehr quälende, schmerzhafte, hohltönende, bel–
lende, trockene, mit krampfhaften Bewegun
gen der Hände verbundene Husten sogleich er
regt, und die Kranke in die angstvolle Lage zu
ersticken versetzt wurde, das gewöhnliche Ath–
men war sehr erschwert, von besonders tönen–
dem Laute begleitet, beim Husten fühlte die
Kranke auch flüchtige stechende Schmerzen in
der linken Seite der Brust, der Unterleib war
unschmerzhaft, der Puls klein und so unter
drückt, daſs er fadenförmig schien, und nur
mit Aufmerksamkeit konnte gefühlt werden.
48

Es wurde eine Aderlässe von 1o Unzen,


nebstdem 6 Blutegel an die Luftröhre, erwei
chende Umschläge auf die Brust, innerlich Mixt.
oleosa, Calomel zu 1 Gr. mit / Gr. Ext. Hyos–
ciam. alle Stunden, und ein milder Brustsaft
verordnet. - e

Schon während das Blut in vollem Strome


floſs, lebte die Kranke gleichsam wieder auf,
sie vermochte sogleich tiefer Athem zu schö–
pfen, und die Erstickung drohenden Husten
anfälle minderten sich augenblicklich; die Nacht
wurde weit erträglicher hingebracht.
Am folgenden Morgen fühlte die Kranke
sich viel erleichtert, der Husten hatte an Hef
tigkeit und Häufigkeit sehr abgenommen, war
nicht mehr so hart und hohltönend, das Angst
gefühl auf der Brust verschwunden, so wie der
drückende und stechende Schmerz. Nur in
der Gegend der Luftröhre klagte sie noch über
einen brennenden Schmerz und Reiz zum Hu
sten, die Stimme war zurückgekehrt, aber hei
ser, das Athmen ruhiger und freier, der Puls
frequent, härtlich und zusammengezogen, doch

weit freier als gestern. Das Blut war mit ei


ner dicken Entzündungshaut versehen.
Es wurden heute nochmals 4 Blutegel an
die Luftröhrengegend gesetzt, im Uibrigen flei
49
ſsig fortgefahren, nur die Gabe des Calomels auf
"/, Gr. herabgesetzt. -

Am 27. (5.) war der Schmerz in der Luft


röhre bis auf einige Rauhigkeit und Kratzen
verschwunden, der Husten wurde lockerer, und
die Kranke warf bereits einen dicken klumpen
artigen Auswurf mit groſser Erleichterung aus,
das Athmen wurde hierauf freier, das Liegen
in allen Lagen gestattet, der Puls mäſsig fre
quent, freier und kräftig. Es waren mehrere
flüſsige Stühle erfolgt, daher das Calomel bei
Seite gesetzt, und Emulsio gummosa verord
net wurde.
Als aber am folgenden Tage 28. Nov. (4.) die
flüssigen Stühle noch anhielten, sich eher noch
vermehrten, so wurde die Emuls. gummos. mit
Dct. Salep spiss. c. Syrup. Diacod. vertauscht,
auſserdem Pulver aus / Gr. Ipecacuanh. alle 2
Stunden gegeben. . . - -

Im Urin bildete sich ein weiſslicher Bo–


densatz, die Durchfälle stillten sich auch, es
verlor sich aller Husten und jede Spur von
Beschwerden, die Stimme wurde natürlich,
und bei Dct. Salep spiss. erlangte die Kran
ke innerhalb 11 Tagen ihre vorige Gesund
heit. – -
z

4
50

Urt i caria.

Am 7. December kam bei einem starken


vollsäftigen Dienstmädchen von 25 Jahren, Na
mens Popp Franciska, ein schönes Beispiel
einer Nesselsucht vor. Die Kranke wuſste
keine Veranlassung anzugeben, und wurde am
4. December von Frösteln befallen, dem in der
Nacht ein heftiges Brennen der Haut folgte
gleich als läge die Kranke im Feuer, sie hatte
viel Hitze und Durst, und bemerkte am fol–
genden Morgen auf der Haut hie und da,
besonders aber an den Extremitäten und
auf der Brust blasenartige, blasse und hellrothe
Flecke, davon erstere über der Haut erhaben,
und mit den Blasen nach Nesselpeitschen sehr
viel Aehnlichkeit hatten. Sie fühlte etwas Druck
auf der Brust, hustete auch, und war durch
mehrere Tage verstopft. -

Es wurde ihr DCt. Alth. c. Nitro et Roob


Sambuc. verordnet, und als am folgenden Tage
noch kein Stuhl erfolgte, statt des Nitrum, Sal.
Glauberi gegeben.
Das Exanthem fing diesen Tag schon
theilweise zu verschwinden an, und am 9. be–
merkte man Abschuppung der Oberhaut. Sie
genas schnell, und verlieſs am 15. December
gesund die Klinik.
51

Art h rit is.

Die hitzige Gicht zeigte sich in die


sem Monate öfters. Rücksichtlich der Be
handlung kamen Arthritis acuta und Rheuma
tismus acutus sehr überein, beide wurden als
entzündliche Zustände antiphlogistisch behan
delt, wobei vorzüglich auf die Hautausdünstung
zu sehen war.
Gramen, Althaea, Nitrum, Mittelsalze und
warme Einwicklungen der ergriffenen Theile
machten beinahe die ganze Behandlung aus, zu
denen nur etwa bei groſser Heftigkeit Blutent
leerungen, meistens örtliche, und erst wenn
die Entzündung gröſstentheils gehoben war, der
Schmerz aber noch andauerte, Blasenpflaster,
Dulcamara, Aconitum, Antimonialia, Calomel in
Anwendung kamen. So wenigstens wurden die
zahlreich vorkommenden Fälle in der Klinik
schnell und glücklich, ohne je einen unange
nehmen Zufall durch metastatische Versetzun
gen zu erfahren, behandelt. Zum Belege mö–
gen hier einige Fälle dienen.
Groſs Mathias, ein Knopfmacher, 29
Jahre alt, von gesunden Eltern geboren, auch
selbst immer gesund, verfiel vor etwa 2 Jah–
ren in allgemeines Glieder reiſsen, von
welchem er durch Aderlässe und antiphlogi
4*
52 - *

stische Heilmittel glücklich genas. Er befand


sich wieder wohl, bis er am 1o. Januar dieses
Jahres von derselben Krankheit, und wie er
glaubte, dadurch befallen wurde, daſs er viel
in der Nässe arbeiten muſste. Er bekam heftige
stechende Schmerzen in den Gelenken der Kniee
und der Fuſswurzeln, konnte nicht gehen, noch
die Füsse bewegen, bald wurden auch die Ellen
bogen- und Handwurzelgelenke, so wie die Fin
ger beider Hände befallen, alle Bewegungen
schmerzhaft und ganz aufgehoben.
Acht Tage gingen hin, ehe er am 18. in
die Klinik kam. Der Kranke fieberte heftig,
das Gesicht war schmerzhaft verzogen, der
Körper unbeweglich, steif, bei der geringsten
Bewegung fühlte er heftige Schmerzen, ge
nannte Gelenke und auſserdem auch noch die
Schultergelenke waren geschwollen, schmerz
haft, besonders bei der Bewegung, der Durst
groſs, der Puls beschleunigt, voll.
Es wurden sämmtliche Gelenke mit durch
wärmtem Hanfwerg eingewickelt, innerlich
Hautausdünstung und Stuhl befördernde Mit
tel, als DCt. Gramin. c. Nitro, Sal. Glauber.
und Roob Sambuc. verordnet, und ruhiges war–
mes Verhalten im Bette anempfohlen.
Es erfolgten bald allgemeine, häufige, dunst
förmige, sauerriechende Schweiſse und gelinde
55

Oeffnungen, die Schmerzen lieſsen allmählig in


den Gelenken nach, und in dem Verhältnisse
trat Bewegung ein. Nach 16 Tagen war der
Kranke vollkommen von seinem Uibel befreit,
und kehrte gesund zu seinem Geschäfte nach
Hause zurück. -

Ein ganz ähnlicher Fall kam bei


einer 58jährigen Wittwe, und bei einer 22jäh
rigen Dienstmagd vor, welche nie an dieser
Krankheit gelitten hatten. Dieselben Zufälle
erheischten dieselben Mittel, und glücklich
entschied sich die Krankheit bei regelmäſsigem
Verlauf durch häufige sehr stark sauerriechende
Schweiſse, und durch Bodensatz im Urin; sie
genasen. Beide schnell.
Reizmittel verträgt diese Krankheit unter
diesen Zufällen durchaus nicht, und die die Haut
ausdünstung befördernden Mittel müssen sämmt–
lich aus der Klasse der antiphlogistischen ge
wählt werden, selbst Liquor Mindereri und die
Dulcamara, passen Anfangs nicht, noch weniger
das Aconitum; es ist jedoch nicht in Abrede
zu stellen, daſs bei Nachlaſs des Fiebers, und
doch anhaltender Fortdauer der Schmerzen,
diese Arzueyen an ihrem Platze stehen. Wir
bedurften derselben jedoch bei der obigen
eingeschlagenen Behandlung nicht.
Eine andere in diesem Monat häufig und zu
gleicher Zeit vorkommende Krankheit waren
Schlagflüsse und Halblähmungen,
welche letztere meistens die Folge von jenen
waren. Mit ihrem Vorkommen gleichzeitig
wurden auch rücksichtlich des Barometerzu
standes wichtige Veränderungen bemerkt; denn
von einer ungewöhnlichen Tiefe stieg er bin
nen. Kurzem zu einer auſserordentlichen Höhe.
Atmosphärische Verhältnisse schienen hier of
fenbar als Hauptgrund mit im Spiele zu seyn,
welche aber, und worin sie bestanden, ist eine
noch nicht genugsam zu beantwortende Frage.
Die befallenen Subjecte waren meistens
Menschen aus dem männlichen Alter zwischen
5o bis 50 Jahren von verschiedener Beschäfti
gung. Häufiger betraf die Halblähmung die
rechte Seite, und diese erstreckte sich auch auf
den Schlund (daher Beschwerde des Schlin
gens, aber ohne Schmerz), auf den Kehlkopf
(daher stotternde, schwer vernehmbare Spra
che), auf die Gesichtsmuskeln einer Seite (da
her schiefer Mund), auf den Mastdarm (daher
Beschwerden bei dem Stuhlgang, jedoch ohne
Schmerz, strenge Stuhlverhaltung), und auf die
Muskeln der Extremitäten (daher Lähmung der
Gliedmassen der getroffenen Seite).
55

Die Behandlung war bei dem entzündli


chen Character, antiphlogistisch. Aderlässe,
Schröpfköpfe, Hautreize und Eccoprotica wur
den zuerst angewendet; von welchen dann zu den
Floribus Arnicae, Rad. Senega, Pyrethr. Spirit.
C. C. Spirit. sal. ammoniac.anisat, Nux vomica,
aromatischen Einreibungen und Dämpfen, Frotti
rungen und Laugenbädern übergegangen wurde.
Von erwünschtem Erfolge war jedoch die
in manchen Fällen im späteren Verlaufe unter
nommene Anwendung der Galvanischen Säule,
die oft noch hilfreich war, wo jenes Verfah
ren nicht hinreichte.

Februar.
Der höchste Barometerstand 28 Zoll. 1,72 L.
» tiefste %) » 26 „ 10,67 „
„ mittlere „ 3) 27„ 6,9 »
Der höchste Thermometerstand + 7°. o R.
%y tiefste %) %) - 5°. O y)

» mittlere %) %)
+ 1°. O »
Herrschende Winde Nordwest und Südwest.
Im Monate Februar sprach sich die Gelin
digkeit des dieſsjährigen Winters fortwährend
durch milde Witterung und viele warme Ta–
ge aus, doch gegen die Mitte hin herrschten
kalte Nordwinde mit Schneegestöber. Nach
56

dem 20. erschienen häufige Nebel, wodurch


die Luft beständig feucht, aber nie sehr kalt
WAI'. - - -

Dieser Witterungskonstitution zu Folge


herrschten im Februar häufige Schnupfen und
andere catarrhalische Leiden, Gicht und Rheu
matismen, demohngeachtet blieb unter den Fie
bern das Hinneigen zum nervösen Character
das Vorherrschende, wozu offenbar die gelinde
feuchte Witterung, die von keinem Schnee be
deckte, der Ausdünstung offene Erde, und un
bekannte atmosphärische Einflüsse beitragen
mochten. Dieser Character blieb jedoch im
mer mit den schon erwähnten Symptomen von
gelinderm Grade, und es zeigte sich offenbar,
daſs er in der Regel nicht mit wirklichem Mangel
oder Darniederliegen der Lebenskräfte, son
dern mit einem hinreichenden Zustande der
selben einherging. Der Puls war Anfangs in
Hinsicht seiner Frequenz und Stärke immer so
beschaffen, daſs man nichts weniger, als posi
tive Reizmittel hätte anordnen dürfen, eben so
wenig aber wurde die strengere antiphlogisti
sche oder auch die entleerende Methode ver–
tragen, sondern es war die Pflicht des Arztes,
mehr einen ruhigen Beobachter abzugeben,
wodurch der Verlauf mit Sicherheit glücklich
entschieden wurde. -
Krankheitsfälle.
Catarrh us narium ex polypo e vul so.

Ein bemerkenswerther Fall von einem


Nasencatarrh, kam bei einem jungen zwanzig
jährigen Mädchen von zartem Körperbau vor, die
durch einige Jahre an Schleimpolypen der Nase
litt, von welchen ihr auch in unbestimmten
Zeiträumen mehrere ausgezogen wurden. Ohn
gefähr vier Wochen vor ihrem Eintritte in
das Krankenhaus wurde an ihr abermals diese
Operation vollzogen.
Sie gieng hierauf bei rauhem Wetter eine
beträchtliche Strecke Wegs nach Hause. Die
durch das Ausziehen verursachten Schmerzen
in der Nase waren unbedeutend, allein sie
wurden in den folgenden Tagen so heftig, daſs
sie durch Schauder nebst Hitze, und Abge–
schlagenheit genöthigt wurde zu Bette zu
gehen.
Ein stumpfer, drückender Kopfschmerz,
der die ganze Stirngegend einnahm, von der
Nasenwurzel ausgieng, und über die linke
Wange gegen die Jochbrücke hin sich verbrei
tete, quälte die Kranke ohne Nachlaſs. Als
sie bei uns anlangte, waren diese Schmerzen
von solcher Heftigkeit, daſs sie in keiner Lage
58

zu bleiben vermochte, die Augen kaum öff


nen konnte, und kaum das Licht vertrug. Die
Bindehaut war roth, die Augen schwammen
in Thränen, das Gesicht aufgetrieben, die
Wangen, so wie die Schleimhaut der Nase, so
weit sie sichtbar war, geröthet, in der Nase
hatte die Kranke ein lästiges Gefühl von Trok
kenheit und Spannung, das Fieber entsprach
nicht der Heftigkeit des örtlichen Leidens, der
Puls war mäſsig frequent, weich und voll.
Es wurden Blutegel an die Schläfe gesetzt,
ein Blasenpflaster im Nacken verordnet, in
nerlich Dt. Alth. c. Roob Sambuc. gegeben, und
Klystiere beigebracht. Nach Anwendung der
Blutegel erfolgte augenblickliche Erleichte
rung, der Kopfschmerz verschwand, und bin
nen wenig Tagen kehrte die Kranke nach Hause.

Ph this is pulmon a lis.

Ein in der Medicin bekannter Fall, daſs


durch Schwangerschaft die Schwindsucht gleich
sam aufgehalten werde, ereignete sich bei einem
Weibe, die im 9. Monat schwanger im ganz
erträglichen Zustande bloſs mit Husten, der
von eiterähnlichem mäſsig häufigem Lungenaus–
wurf begleitet war, ohne besondere Beschwer
den im Athmen überbracht wurde. - Die Ge
59

burt gieng glücklich vor sich, auch die ersten


Tage des Wochenbettes, nun aber trat die bis
her schweigende Lungenkrankheit mit erneu
erter Heftigkeit hervor, der Husten wurde
quälend, der Auswurf war häufig und von
ichoröser Beschaffenheit, es traten colliquative
Schweiſse mit steigendem Fieber nebst täglich
zunehmender Auszehrung und Entkräftung ein,
und in wenigen Wochen erfolgte der Tod.
Bei der Leichenöffnung waren beide Lun
gen fest an die Rippen verwachsen, und in jau
chichte, krebsartige Masse (Carcinoma pulmo
num) so entartet, daſs bei dem Einschnitte das
Messer einen Widerstand äuſserte, den man bei
Durchschneidung einer knorpelichten Substanz
findet; und doch vermochte die Schwanger
schaft ein so weit gediehenes Leiden auf eini
ge Zeit zum Stillstande zu bringen.

E pil e ps i a.

Eine Krankheit, gegen welche die Medi


cin oft mit allen Waffen vergeblich kämpft, die
Epilepsie, kam bei einem sonst immer ge–
sunden Studenten von 22 Jahren vor, dessen
Eltern auch nie an dieser Krankheit litten.
Eines Tages aſs er sein Mittagsmahl mit gu
tem Appetit, verspürte aber hierauf Unbe
6o
hagen und Abneigung gegen Speisen. – Etwa
nach 5 Stunden bekam er einen ausgebildeten
Anfall von Epilepsie; der Kranke verfiel näm
lich in Bewuſstlosigkeit, sah und hörte nichts;
die Umstehenden erzählten ihm, daſs er von
convulsivischen Bewegungen ergriffen, Schaum
vor dem Munde gehabt habe, und dann
in einen tiefen Schlaf verfallen sey. Dieser
Anfall kehrte an demselben Tage in kurzen
Zwischenräumen noch einigemal zurück. Als
er am folgenden Tage in die Klinik kam, hat
te er die Zufälle ganz auf die oben er
wähnte Weise, das Gesicht wurde dabei sehr
aufgetrieben, blauroth, und blieb es auch noch
nach dem Anfalle, die Gesichtszüge fremdar
tig entstellt, das Weiſse im Auge war von unter
laufenem Bluteroth, die Augen hervorstehend,
die Zunge von dem Einbeiſsen der Zähne an
der Spitze und an den Seiten verletzt, auch
etwas angeschwollen, weiſs belegt, mit bitterm
Geschmacke und vermehrtem Durste, der Kopf
heiſs anzufühlen, und eingenommen, der Blut
andrang dahin unverkennbar. In der Herz
grube war ein Gefühl von Druck, der Stuhl
flüssig, der Puls beschleunigt, voll und härt
lich. -

Es wurde Mixtur. temperans (aus Cremor


tart, mit Lapid, Cancror.) nebst Pulvern aus
61

Zinkblumen zu 1 Gr. gegeben, einige Blutegel


an die Schläfe und kalte Umschläge an den
Kopf, nebst Senfteigen an die Wadenverordnet,
In der Folge ging man zu Dt. Gramin. c.
Tart. emet. Gr. 1. mit Sal. Glauber. über, fuhr
in der Anwendung der Pulver fort, und lieſs
den Kranken strenge Diät beobachten.
Die Anfälle erschienen bald als bloſse An
mahnungen durch Zuckungen bei fortbestehen
dem Bewuſstseyn, der Kopf wurde freier, die
Zunge reiner. Beim Gebrauch des Dt. Gra
min. c. Tart. tartaris. wurde der Kranke bin
nen wenig Tagen von seinem Zustande befreit,
und kehrte gesund zu seinen Studien nach
Hause zurück.

S p l e n i t i s.

Ein 6o jähriges Mütterchen, ein


Branntweinbrennersweib, das öfters dem Brannt
weingläschen zusprach, verfiel in heftige Leib
schmerzen, weſshalb sie in das allgemeine
Krankenhaus kam. Alle Symptome sprachen
für eine Milzentzündung, die von starkem
Fieber begleitet war, diese wurde als solche
behandelt, Aderlässe angestellt, und der
übrige antiphlogistische Apparat in Gebrauch
gezogen. Der Zustand besserte sich nach
62

Wunsch, das örtliche Leiden nahm ab, die


Geschwulst fiel, der Druck wurde besser ver
tragen, und auch im Urine erschien Bodensatz.
Doch wollte das Fieber nicht ganz weichen,
und eine gewisse Empfindlichkeit, die bald
zunahm, blieb in der Milzgegend zurück, ja
die Schmerzen breiteten sich weiter gegen die
Herzgrube hin aus, und es stellten sich perio
disches Würgen und Erbrechen ein, jedoch
nicht nach etwas Genossenem; hiezu traten Be
schwerden im Urinlassen, die Kranke hatte hef
tiges Brennen und vermochte den Urin nur mit
groſser Anstrengung hervorzupressen, äuſserte
auch Schmerzen gegen die linke Nierengegend
hin, kurz alle Umstände erregten den Ver–
dacht von verborgener Gastritis und Nephritis,
wozu ihre frühere Lebensart besonders beige
tragen zu haben schien; ein schleichendes Fie
ber stellte sich ein, das periodenweise Erbre–
chen vermochte nichts zu stillen, die Urinse
cretion verminderte sich, und es bildete sich
Bauchwassersucht aus. Diese wurde zwar glück
lich beseitigt, jedoch bei Fortdauer des Fie
bers und der Beschwerde im Urinlassen, sowie
des Schmerzes in der Magen-, Milz- und Nie
rengegend. – Blutegel, erweichende, einhül
lende Mittel, Emulsionen, Mercurialia, Ein
reibungen, Hautreize von Senfteigen, Um
65
schläge und Bäder vermochten wohl den Zustand
zu lindern, aber nicht gründlich zu heben;
nach sieben Wochen starb die Kranke.
Bei der Leichenöffnung zeigten Kopf- und
Brusthöhle nichts Besonderes. Bei der Eröff–
nung der Bauchhöhle waren die Gedärme na
türlich beschaffen, die Leber durch Pseudo
membranen mit der Nachbarschaft verwachsen,
in ihrem Gewebe ungewöhnlich fest, verhär
tet, der linke Leberlappen bildete die obere
Wand von einer Eiterhöhle, die von der Car
dia des Magens ausging, und bei näherer Un
tersuchung den obern Magengrund carcinoma
tös entartet, und zerfressen darstellte. An der
Oberfläche der Milz wurden lymphatische Aus
schwitzungen bemerkt, die deutlich die vor
handen gewesene Entzündung dieses Organs
verriethen, in ihrer Substanz aber war sie na–
türlich beschaffen, nur stark vergröſsert; die
linke Niere war um die Hälfte gröſser als die
rechte, in ihrer Substanz nicht krankhaft, aber
im Nierenbecken fanden sich mehrere steatoma
töse Massen von der Gröſse einer wälschen Nuſs.
Im Blinddarm wurden mehrere Trichuri
den gefunden.
Bemerkung. - ,

Diese Milzentzündung war bloſs Folge


krankheit des ursprünglichen krankhaften Zu
64

standes des Magens an einer Stelle, wo derselbe


mit der Milz in unmittelbarer Verbindung steht,
wo die Vasa brevia durch die scirrhöse Entar
tung ihr Blut nicht entleeren konnten, und da
durch Veranlassung zur Entzündung der Milz
gaben. Wenn gleich nun diese Krankheit als
die hervorspringende beseitigt wurde, so konnte
gleichwohl der Ausgang bei dem Daseyn der
organischen Destruction nicht glücklich seyn.
Sonderbar war jedoch, daſs die Kranke
früher nie an Beschwerden im Urinlassen ge
litten hatte, und doch konnte dieser krankhafte
Zustand der Nieren nicht jetzt erst entstanden
seyn. Ihre frühere Lebensart, der häufige Ge
nuſs des Branntweins bedingte höchst wahr
scheinlich die Ursache der scirrhösen Magen
verhärtung. -

März. "

Der höchste Barometerstand 27 Zoll. 11,25 L.


„ tiefste » » ?” » 9,59 »
„ mittlere » » ?7 » 4,5 »
Der höchste Thermometerstand + 11°. 8 R.
„ tiefste » » - 5“. Ö „
» mittlere 9) 9) + 4°. . »
Herrschende Winde Nordwest.
. Der Anfang des Monats März war stür
misch mit Schneegestöber, herrschendem Ost
winde und tiefem Barometerstande. Gegen die
Mitte trat mäſsig warmes Wetter mit Regen ein,
nach der Hälfte änderte sich der Witterungs
stand, und es wurde kalt. Gegen Ende hat
ten wir heiteres kühles Wetter.
Die vorherrschenden Krankheiten waren
rheumatische und gastrische Fieber, Wechsel
fieber, vorzüglich von gastrischen Zufällen be
gleitet, Brust und Leberentzündungen; au–
ſserdem dauerte der nervöse Fiebercharacter
fort, war aber nun häufig mit entzündlichen
Brust- und Unterleibsaffectionen begleitet. Er
erheischte ein mildes beobachtendes Heilver
fahren mit steter Rücksicht auf das örtliche
Leiden, welches oft die Anwendung von Blut
egeln unentbehrlich machte.

Krankheitsfälle.

Die Behauptung, daſs man Fieber mit ner


vösem Character sehr vorsichtig mit Reizmit
teln behandeln müsse, um die wohlthätigen
Wirkungen der Natur nicht zu stören, möge
im folgenden Falle einen neuen Beleg finden.
5
66

Febris nervosa e ae c at a rrh a l i ort a.

Fliegel Johann, 10 Jahre alt, Schul


knabe, wurde zu Ende Januars vom Schnupfen
befallen, der von beständigem Frösteln und einem
drückenden stumpfen Schmerz über der Nasen
wurzel begleitet war. Dieser Zustand wurde
gänzlich vernachläſsigt. Am 15. Februar befiel
den Knaben heftiger Frost, brennende Hitze mit
Durst und Abgeschlagenheit; trockener Husten
und häufige Diarrhöen gesellten sich dazu. Es
vergingen viele Tage (bis zum 25. Febr.), ehe
der Kranke in das allgemeine Krankenhaus
überbracht wurde. Er beklagte sich über stum
pfen Kopfschmerz, Schwindel beim Aufrichten
im Bette, das Angesicht war blaſs, die Zunge
mit einem schmutzig – gelben Beleg versehen,
der Geschmak bitter, das Athmen ungehindert,
zuweilen von einem rauhen trockenen Husten
begleitet, der Unterleib weich, die flüssigen
Stuhlgänge dauerten an, und erfolgten mehrmal
des Tages, die Haut war trocken und heiſs, der
Pulsfrequent, zum schwachen sich hinneigend.
Verordnet wurde Dct. Salep. spiss. c. Sal.
ammoniac. et Syrup. Diacod. Blasenpflaster zwi
schen die Schultern. ,-

Im weitern Verlaufe (am 28.) zeigten sich


Petechien als blaurothe Punkte über die ganze
67
Haut, das übrige Befinden war sich gleich. Die
Diarrhöen wurden seltener, der Puls weich und
klein. Es wurde nun verordnet: Pulver aus
% Gr. Ipecacuanh. und Infus. rad. Arnic. c. Aq.
Cinammom. et Mucilag. Gummiarab. Am 1. März
verloren sich die Petechien, der ganze Zustand
besserte sich, das Gesicht und der Blick wurde
heiterer, die Haut gerieth in dunstförmige
Schweiſse, der Urin war wolkicht, die Oeff
nungen erfolgten natürlich.
Es wurde, da sich neuerdings Husten ein
stellte, zum Dot. Salep, und dann zum Dec. Po–
lygal. amar. übergegangen. Den Beschluſs
machte Infus. Rad. Caryophyllat. Am 25. März
verlieſs der Kranke die Anstalt vollkommen
genesen.

Arthritis a cut a genu de art ri in puer


per a.

.. . Ein kraftvolles Landmädchen von 18 Jah–


ren reiste nach der Hauptstadt, um dasélbst zu
entbinden. Dieſs geschah im December bei der
rauhesten Witterung in einem offenen Wagen,
in welchem sie allem Ungemach einer feuchten
und kalten Winterluft ausgesetzt war. Bis auf
den Leib durchnäſst fühlte sie schon auf dem
Wege heftige Schmerzen im rechten Knie, wie
5*
- G8

auch in der Schulter, Frost und Hitze begleite


ten diesen Zustand. – Sie gebar den folgenden
Tag nach ihrer Ankunft (am 21. December) ein
todtes Kind, die Niederkunft hatte übrigens
nichts Besonderes; die Schmerzen im Kniege
lenke wurden mit jedem Tage heftiger, daher
die Kranke am 25. in die Klinik übertragen wur
de. Es bot sich ein heftiges entzündliches
Fieber dar, mit reiſsendem Schmerz im Schul
tergelenke, die Brüste waren ohne Milch, die
Lochien in gehöriger Menge zugegen, das rechte
Knie sehr angeschwollen, heiſs anzufühlen,
aber nicht roth, die Kranke empfand im In
nern desselben die heftigsten Schmerzen, die
besonders des Nachts unerträglich waren, die
geringste Bewegung zwang sie zum Aufschreien,
der gelindeste Druck wurde nicht vertragen.
- Es wurden mehrmals Blutegel um das Knie
gesetzt und trockene Einwicklungen um das–
selbe angeordnet, die aber bald wegen Heftig
keit des Schmerzes mit erweichenden besänf
tigenden Breiumschlägen vertauscht werden
muſsten. Innerlich wurde Det. Gramin. c. Ar
can. dupl. et Roob Sambuc. verordnet.
Die Schmerzen in der Schulter verloren
sich bald, aber im Kniegelenke hielten sie mit
solcher Hartnäckigkeit an, daſs man einen un
günstigen Ausgang in weiſse Kniegeschwulst,
69A.

Aufhebung der Bewegung, und andere Desor


ganisationen der Gebilde besorgen muſste. Da
bloſs Entzündung der das Gelenk umgebenden
Theile, besonders der sehnigten und faserigten
Gebilde der Grund der Heftigkeit war, so wurden
allmählig in verschiedenen Zwischenräumen, so
wie der Schmerz zurükkehrte, gegen 50 Blut
egel und viele blutige Schröpfköpfe nahe dem
Kniegelenke gesetzt, Einreibungen von Unguent.
mercurial. gemacht, Senfteige, Blasenpflaster
wiederholt gelegt, endlich Unguent. ex Tart.
emetico eingerieben. Nun gingen rings um das
Kniegelenk die scarificirten Stellen in Eiterung
über, wodurch der Schmerz sich linderte und
die Geschwulst abzunehmen anfing; heilten die
eiternden Stellen, so wurden durch Blasenpfla
ster neuerdings dieselben ersetzt, dabei die Ein
reibungen mit Unguent, mercurial. am Unter
schenkel und die Breiumschläge fortgesetzt, und
innerlich ableitende und umstimmende Mittel, als
Tart. tartarisat., Calomel, Sulf. aurat. Anti
mon. und Aconit. gereicht, und so glücklich
diese schmerzhafte und hartnäckig drohende
Krankheit nach Verlauf von mehr als dritthalb
Monaten besiegt. Eine zurückbleibende Anchy
losis spuria des Kniees hob sich durch Ein
reibungen von Unguent. mercurial., erweichen
de Umschläge und vorsichtiges Bewegen der
7o

Gliedmasse. Die Kranke verlieſs am 15. März


nach seltenem schmerzhaften Leiden ganz ge
sund die Klinik.

Pleuro per ºpneumonia.

Schwalb Joseph a, 40 Jahre alt,


Kindsfrau von schwächlichem Körperbau, ver
fiel in eine heftige Brustfell – Lungenent
zündung, daher ihr zu Hause eine Aderlässe
gemacht wurde. Am 2. Tage der Krankheit
kam sie mit groſser Hitze, Durst, heftigem Ste
chen und Druck auf der Brust, welche durch
anhaltenden trockenen Husten und tieferes Ein
athmen sehr vermehrt wurden, mit frequentem
und hartem Pulse in die Klinik. Es wurde ei
ne zweyte Aderlässe angestellt. Das Blut war
mit einer Entzündungshaut bedeckt. Auſser
dem wurde Emulsio nitrosa gereicht, und er
weichende Umschläge gegeben.
Den 4. Tag der Krankheit stellten sich
Krisen im Urin ein, der gesammte Zustand war
sehr gebessert. Bei dem Dct. Alth. und einem
Brustsaft mit Ext, Hyoscyam, erlangte die Kranke
schnell ihr voriges Wohlbefinden, und kehrte
am 8. Tage nach Hause. -* -
Feb ris in t er mit ten s tertia n a.

Intermittirende Fieber waren bei uns in


diesem, so wie im verflossenen Jahre nicht sel
ten, aber meistens von gelindem Verlaufe.
Hier einige Beispiele:
Hawlik Adalbert, 18 Jahre alt, kam
mit den Zufällen einer Synoch a gast ri
ca, die er durch einen Diätfehler sich zuge
zogen hatte, in die Klinik. Die Krankheit
wurde mit antiphlogistisch – auflösenden Mit
teln behandelt, sie besserte sich schnell, die
Zunge wurde rein, der Geschmak natürlich,
der Appetit kehrte zurück. Sehon als Recon
valescent wurde er eines Tages ohne weitere
Veranlassung von einer starken Kälte, Durst
mit darauf folgender Hitze befallen, welche
mit Schweiſs endigte, auch setzte der Urin ei–
nen ziegelrothen Bodensatz ab. Nachdem diese
Zufälle vorüber waren, befand sich der Kranke
wieder wohl. Es wurde mit dem Dec. Gra
min. c. Sal. ammoniac. fortgesetzt, und nach
dem 5. Paroxysmus der Cortex in Substanz
(2 Quentchen in 4 Unzen Wasser) alle 2 Stunden
zu 1 Eſslöffel gereicht. Nachdem eine Unze
verbraucht worden war, blieben die Paroxys
men aus, und geheilt verlieſs der Kranke nach
einem Zeitraume von 5 Wochen die Klinik,
72

Ein anderer Fall eines dreytägigen Fiebers


kam bei einem Handwerksburschen, Karl
Schönel, vor, welcher davon schon seit 6
Wochen auf der Reise befallen wurde. Auch
ihm lag eine gastrische Note zum Grunde, der
Kranke war durch viele Tage verstopft.
Es wurde Dec. Gramin. c. Arcan. dupl.
verordnet, später Dec.Taraxac. c. Sal. ammoniac.
gegeben, endlich eine Mixtur aus Ext. Centaur.
minor. c. Liquor. Hoffman. verordnet, und bei
diesen Mitteln genas der Kranke innerhalb 1o
Tagen ohne Anwendung der China,

W i t i um c or dis.

An einem chronischen Herz übel


wurde ein Schuhmacher von 5oJahren behandelt.
Wahrscheinlich lag eine Erweiterung des lin
ken Herzens zum Grunde, die sich durch un
ordentlichen Herzschlag, sehr unregelmäſsigen
Puls, Schwerathmigkeit, Beängstigung, kurzen
Athem beim Stiegensteigen, und durch Schwindel
aussprach. Der Kranke hatte dieses Uibel schon
seit 2 Jahren, litt früher an Hämorrhoiden,
und konnte sich keiner bestimmten Veranlas
sung erinnern, er war bereits sehr abgezehrt.
Es wurde strenge Ruhe empfohlen, und inner
lich kühlende auflösende Mittel gereicht, er
75

bekam Dec. Gramin. c. Cremor Tart. et Aq. Lau


roceras. In der Kreuzgegend wurden blutige
Schröpfköpfe gesetzt.
Zum Verwundern hatte diese einfache Be
handlung den entsprechendsten Erfolg, das
Herzklopfen sowie die Beängstigung lieſs nach,
der Puls wurde freyer, der Kranke nahm an
Fleisch und Kräften zu, und froh so unver–
hofft Erleichterung erlangt zu haben, verlangte
er in diesem gebesserten Zustande nach drey
Wochen zu seiner Familie zurückzukehren,

April.
Der höchste Barometerstand 28 Zoll o, 14 L.
» tiefste 9) 9) 26 » 11, 51 „
„ mittlere » » 27 » 5, 82 ,
Der höchste Thermometerstand + 21°. 5 R.
» tiefste 9) 9) + o°. 4 »
» mittlere » 9) + IO“. 95 »
Herrschende Winde Nord und Nordwest.
Der Anfang des Aprils trat rauh und stür
misch mit Schneegestöber ein, bald aber wur
de der Himmel schön und heiter, gegen die
Mitte folgten kühle Tage und Frost. Das Ende
war wieder warm, für die Fruchtbarkeit ent
sprechend. -
74
Der herrschende Character der Krankhei
ten war nun der catarrhalische, der auch wie
der leicht in den subnervösen, doch von mil–
dem Verlaufe überging. Auch Wechselfieber
traten in gröſserer Anzahl ein, sie waren meist
Tertianfieber mit gastrischer Note, und wichen
dem auflösenden Heilverfahren und späterhin
der China ohne Schwierigkeit. -

Rheumatische Fieber waren bei dem un


bestimmten Wechsel der Witterung, bei der
noch immer kalten und feuchten Luft nicht sel–
ten, und Gichtkranke litten viel an heftigen
Anfällen, die sich als Entzündung aussprachen
und örtliche Blutentziehungen bedingten. Der
nervöse Character erheischte durchgehends ein
- gelindes Verfahren, und duldete selbst in schwe–
ren Fällen eine eingreifende incitirende Metho–
denicht, denn leicht gesellten sich schleichende,
entzündliche Zufälle des Unterleibes hinzu,
welche als der Grund der höhern Gefahr die
strengste Rücksicht verdienten und ein modi
ficirtes, erweichend einhüllendes Verfahren, und
die ableitende Methode erheischten.
Krankheitsfälle.
Ang in a tonsilla ris.

In diesem Monate kamen mehrere Hals


entzündungen vor. Ein Fall trat bei ei
ner Köchin ein, die sich die Krankheit durch
Verkühlung zugezogen hatte. Das Schlingen
war erschwert, die Rachengebilde bedeutend
geschwollen und geröthet, besonders die Man
deln, die man auch äuſserlich am Halse als har
te, schmerzhafte Geschwulst fühlte; zugleich
war starkes Fieber zugegen. Auf die Anwen
dung von Blutegeln, Cataplasmen um den Hals
und erweichenden Mundwässern, innerlich Dec.
Alth. mit 1 Serupel Nitrum, gaben sich die Zu
fälle in wenig Tagen. Einen rückbleibenden
anhaltenden Kopfschmerz hob ein Blasenpfla
ster in den Nacken gelegt.
Ein ganz ähnlicher Fall bei einem die Chi
rurgie Studirenden wurde mit eben denselben
Mitteln in eben so kurzer Zeit geheilt.
-

Per it on it is et Ooph or it is.

Ein bemerkenswerther Fall einer Bauch


fell – und Eyerstöckentzündung bot
sich bei einem Dienstmädchen dar. Sie war
76
vor 6 Wochen mit der Zange entbunden wor
den, hatte sich bald wieder erholt, verkühlte
sich aber am 24. März und fühlte bald Schmer
zen im Unterleibe. So lange diese nicht
heftig wurden, achtete sie ihrer nicht, erst
am 50. März kam sie mit heftiger Hitze,
trockner Zunge, festsitzendem, stechendem
Schmerz in der Gegend des linken Ovariums,
der sich über den Unterleib verbreitete, und
frequentem härtlichem Pulse in die Klinik.
Eine eigene Erscheinung aber war ein häufiges
heftiges Schluchzen, an dem die Kranke schon
2 Jahre zu leiden vorgab. Blutegel, erweichende
Umschläge, Einreibungen von Ungt. mercuriale,
Klystiere, Dec. Alth. Mannat. und der Gebrauch
von Calomel verminderten und hoben alle Zu
fälle bis auf das Schluchzen. Gegen diese rein
nervöse Erscheinung wurden nun die Zink
blumen zu / Gr. alle 5 Stunden in Gebrauch.
gezogen, auſserdem ein Senfteig in die Magen
gegend gelegt, und dadurch das lästige Symp–
tom gänzlich beseitigt. Sie verlieſs vollkom
men genesen die Anstalt.
Der Scharlach zeigte sich sporadisch.
Ein Fall kam bei einer 25jährigen Frau vor,
und zwar die Form des Frieselscharlachs, aber
von gutartiger Beschaffenheit, er verlief
sehr milde und regelmäſsig bei dem Gebrauch
77

gelinde antiphlogistischer Mittel. Die Kranke


forderte jedoch ungeachtet aller Gegenvorstel
lungen am 15. Tage ihre Entlassung, indem
sie zu Hause Gelegenheit hätte sich zu schonen
und im Zimmer zu verweilen. -

Sie kam nach Hause, beobachtete nicht


das ihr streng eingeschärfte Verhalten, und es
erfolgte allgemeine wassersüchtige Anschwel–
lung. Bei diesem Zustande wurde ihr verord–
net, strenge im Bette zu bleiben, und eine
Arzney aus Dec. Gramin. c, Liquor. terr. fo
liat. Tartar. et Oxymel. scillitic. gegeben. Nun
stellte sich häufige Diuresis ein, der Körper
fiel ab, und die gestörte Abschuppungsperiode
beendigte sich nun erst gänzlich und glücklich.

Metr it is chronica.

Die chronischen Entzündungen überhaupt


sind eine reichhaltige Quelle vielfacher Leiden
des Menschengeschlechts, sie sind oft schwer
zu erkennen, und noch schwieriger zu behan
deln; denn ihr Verlauf ist langsam und schlei
chend, und von Seiten der Kunst kann nur ein
anhaltend fortgesetztes, gegen die Entzündung
gerichtetes, und doch nicht heftig eingreifen
des Verfahren von günstigem Erfolge seyn.
Geduld und Ausdauer wird sowohl von Seiten
78

des Kranken, als des Arztes in hohem Gradeer


fordert, daher die psychische Behandlung, um
den Leidenden stets in tröstender Hoffnung zu
erhalten, hier von vorzüglicher Wichtigkeit
ist. Ihr Anfang ist fast immer von so gelinden
Symptomen begleitet, daſs der Kranke ihrer
gewöhnlich kaum achtet, ja daſs sie selbst dem
Scharfblicke des Arztes leicht entgehen. – Oft
beginnen sie als acute Entzündungen, und neh
men einen chronischen Verlauf an; dieser Fall
tritt besonders ein, wenn das leidende Organ
in aufgereizter oder regelwidriger Thätigkeit
sich schon durch längere Zeit vorher befand.
Ein Freudenmädchen von 28 Jahren, von
lebhaftem Temperamente und mittlerem Kör–
perbau, wurde seit ihrem 20. Jahre zweymal
an Entzündung der Gebärmutter und einmal an
Mutterblutfluſs als Folge ihrer Lebensart im all
gemeinen Krankenhause behandelt. – Am 5.
März befielen sie Kälte und Hitze mit Schmer
zen in der Kreuzgegend und in der Tiefe des
Unterleibs, sie suchte selbe durch Gebrauch
von Chamillenthee zu mildern, und verweilte
bis auf den 11. Tag ihrer Krankheit zu Hause.
Da sich das Leiden nicht besserte, so kam sie
am 14. März in folgendem Zustande in die
Klinik. Der Kopf schmerzte, das Angesicht
war blaſs und heiſs mit einem leidenden Zuge,
79

der Durst groſs, die Zunge weiſs, die Respi


ration frei, der Unterleib gespannt, in der Ge
gend des Uterus bei der leisesten Berührung
mit einem stechenden festsitzenden Schmerz
behaftet, der Abgang des Urins nicht erschwert,
der Stuhlgang weich, sonst gewöhnlich unor
dentlich, zuweilen Stuhlzwang, und Anschwel–
lung der Goldader zugegen, der Puls mäſsig
beschleunigt, zusammengezogen, unterdrückt
und härtlich. Die Menstruation war bereits
durch 5 Monate nicht erschienen, die Kranke
erzählte, daſs sie seit dieser Zeit häufig an
flüchtigen, stechenden und bohrenden Schmer
zen in der Tiefe des Unterleibes, - die sie für
Krämpfe hielt, gelitten habe.
Es wurde eine Aderlässe von 7 Unzen an
gestellt, und erweichende Fomente (da Cata
plasmen nicht vertragen wurden) angeordnet.
Innerlich wurde gegeben:
B. Olei Amygdal. dulc. drach.tres, Mueilag. Gum
mi arabic.drach. Sex, Syrup. Alth. unc. dimid.
Opt. subact. admisc. Aquae commun. unc. sex.
Am folgenden Tage hatten sich die Schmer
zen vermindert, der Puls war freier, der Urin
blaſsgelb, Stuhlgang erfolgte. – Diesen gemil
derten Zustand beobachtete die Krankheit bis
zum 19., wo die Schmerzen wieder sehr heftig
zurückkehrten und das Fieber sich vermehrte.
ZO

Es wurde wieder eine Aderlässe von 8 Un–


zen verordnet, und Pulver aus / Gr. Calomcl
5mal des Tags gereicht.
Die Heftigkeit der Schmerzen minderte sich
hierauf bedeutend, doch waren sie um so an–
dauernder, und zogen sich bald gegen die Nie–
ren, bald gegen die Kreuzbeingegend hin, das
Fieber war mäſsig, jedoch stellte sich vorzüg
lich. Abends Hitze, vermehrter Durst, gereiz
ter und beschleunigter Puls ein, der Urin blieb
blaſsgelb und setzte einen schleimigten Boden
satz ab. Unter diesem Bilde dauerte der Zu
stand durch volle 6 Wochen, wobei die Kranke
zusehends abmagerte. Rücksichtlich der Be
handlung wurden bei den heftigern Exacerba
tionen Blutegel, oder blutige Schröpfköpfe, wenn
der Schmerz nicht an den äuſsern Bedeckungen,
sondern in der Tiefe haftete, angesetzt, erwei
chende Umschläge und Klystiere, Einreibungen
von Mercurialsalbe, lauwarme Bäder fleiſsig
angewendet, innerlich Dct. rad. Althaeae, Sa
lep, Emulsionen, Calomel, Extr. Hyoscyamige
reicht, und eine sehr leicht nährende, bloſs aus
schleimigten Substanzen bestehende Diät an
geordnet. -

Die Schmerzen, so wie das schleichende


Fieber nahmen erst in der 5. und 6. Woche,
wo auch die Menstruation erschien, allmählig ab,
/ - B1

und verschwanden in der 7. Woche gänzlich.


Durch 14 Tage wurde die Kranke als Recon
valescentin noch sorgsam behandelt, und am
24. May ohne Spur von Schmerz oder sonsti–
ger Beschwerde mit der Ermahnung, ihrer Le
bensart zu entsagen, entlassen.

E n t er i t i s.

Eine Frau von 28 Jahren, kräftig gebaut,


sonst gesund, setzte sich bei dem Aufhängen
der Wäsche der Verkältung aus. Bald darauf
befiel sie heftiger Schmerz im Unterleibe mit
Kälte und folgender Hitze, gegen welchen eine
Aderlässe angewendet wurde. Der Zustand
wurde erleichtert, sie verlieſs bald das Zim
mer, und kehrte, obwohl leidend, zu ihrem
Geschäfte zurück. Als nach 5 Wochen die
vorigen Schmerzen mit Heftigkeit sich einstell
ten, reichte ihr ein Arzt ein Brechmittel. Sie
glaubte sich anfänglich dadurch erleichtert, al
lein gar bald traten die nämlichen Schmerzen
mit erneuerter Heftigkeit und freiwilligem Er
brechen ein. Jetzt suchte sie in der 6. Woche
ihres Leidens Hilfe in der Klinik.
Der Kopf war frei, die Augen rein, das
Gesicht blaſs und Schmerz ausdrückend, die
Zunge belegt, mit Ekel und Aufstoſsen, der
6 -
Z2

Durst groſs, die Brust frei, der Unterleib auf


getrieben, mit anhaltenden heftigen Schmerzen,
besonders um die Nabelgegend, welche nicht
die geringste Berührung vertrug, die Haut
temperatur mäſsig erhöht, die Haut weich, zur
Ausdünstung geneigt, Stuhlgang erfolgte seit 2
Tagen nicht, der Puls war gleichförmig, fre–
quent, zusammengezogen und härtlich.
Es wurden 6 Blutegel um die Nabelgegend
gesetzt, erweichende Umschläge und Klystiere,
innerlich Dct. Alth. Mannat. verordnet.
Nach Anwendung der Blutegel trat groſse
Erleichterung ein, die Menstruation erschien,
doch es erfolgte ungeachtet der Klystiere keine
Oeffnung; es wurden daher der Arznei 5 Drach
mten Sal. amar. beigesetzt.
Nun stellten sich einige flüssige Stuhlgänge
ein, die Schmerzen verminderten sich, der Un–
terleib vertrug die Berührung, der Urin warf
einen röthlichen Bodensatz, und nahm bald die
natürliche Farbe an. Da die Darmsecretion in
den folgenden Tagen wieder zögerte, so wurde
bei Abwesenheit alles Schmerzes DCt. Gramin.
c. Tartar. tartarisat. verordnet, und schon am
12. April verlieſs die Kranke die Anstalt.
M a y.
Der höchste Barometerstand 27 Zoll, 11, o5 L.
%)
tiefste 9) Hy 27 „ 1, 20 „
–» mittlere 9) » 27 „ Ö, 12 „
Der höchste Thermometerstand + 2o°. 5 R.
„ tiefste Hy 3y – 7“. o „
„ mittlere ) 9 - 15°. 75 »
Herrschende Winde, Südwest und Nordwest.
Der Monat May entsprach seiner sonsti
gen Annehmlichkeit nicht, denn er war stets
kühl und regnerisch mit vielen Nordwinden,
daher rauh und unfreundlich,
Der Character der Fieber änderte sich
nun in den rheumatisch – entzündlichen, jedoch
ohne ausgezeichneten Grad der Heftigkeit
um, und der nervöse verschwand fast ganz.
Häufig erkrankten die Menschen an Lungen
und Brustfellentzündungen, nicht minder häu
fig waren rheumatische, und gichtische Lei
den und Wechselfieber, welche letztere über–
haupt seit zwey Jahren wieder häufiger als sonst
erscheinen, da sie während vollen 1o Jahren
zu den Seltenheiten gehörten, -

Da der entzündliche Charakter nur in


gelindem Grade hervortrat, so war eine mil–
de antiphlogistische Behandlung mit geringen
Blutentziehungen hinreichend.
6.
84
Mit Nachdruck hingegen muſste die ent–
zündliche Gicht oft durch wiederholte örtli
che Blutentziehungen, wobei die Schröpfkö–
pfe die ausgezeichnetste Wirkung hatten, be
kämpft werden, und die wüthendsten Schmerzen
konnten einzig und allein durch dieses Verfah
ren gemildert und gänzlich beseitigt werden.
Intermittirende Fieber erforderten auflö–
sende, eccoprotische Heilmittel, und nach einer
gewissen Anzahl von Paroxysmen wichen sie
dann ohne Schwierigkeit mäſsigen Gaben von
Cortex, der zu 1 – 2 Drachmen vier Unzen Brun
nenwassers beigemischt, und wovon alle 2 Stun
den 1 Eſslöffel gereicht wurde. Gewöhnlich
reichten 2 bis 4 solche Arzneyen hin, die Gene
sung herbeizuführen.

Krankheitsfälle.
Peripne um on ia.

Eine heftige Lungenentzündung kam


bei einem jungen kraftvollen Kaufmannsdie
ner, Pe zimek Adalbert, vor. Ohne be
kannte Ursache wurde er am 8. May in der
Nacht plötzlich von beklommenem Athem, mit
groſser Unruhe und drückendem Schmerz um das
Brustbein befallen, hiezu gesellte sich Husten
B5

mit Auswurf, von Blutstriemchen durchzogen.


Am 11. hatten sich diese Zufälle zu einem sehr
hohen Grade gesteigert, der Auswurf war mit
vielem Blute vermischt. Zwey kräftige Ader
lässen, wobei das Blut immer mit dicker Entzün–
dungshaut bedeckt war, und einmalige Anwen
dung von Blutegeln verschafften augenblickliche
Erleichterung und Hilfe; bei dem Gebrau–
che erweichender, kühlender Mittel, nämlich
Dct. Alth. c. Nitridrach. semis, und erweichen
der Umschläge genas der Kranke innerhalb 1o
Tagen vollkommen.

Is c h a s.

Ein Ischias der rechten Seite, wo sich


der Schmerz vorzüglich in dem Pfannenge
lenke der äuſsern Seite über den Oberschenkel
herab erstreckte, wurde bei einem Weibe von
47 Jahren durch Anwendung blutiger Schröpf
köpfe um das Hüftgelenk, und nach dem Verlaufe
des ischiatischen Nerven, nebst einigen auflö–
senden, eccoprotischen Mitteln aus Alth., Gram.
mit Arcan, dupl. und Nitrum mit Roob Sambuci
in wenigen Tagen schnell gehoben.
86
Pleuroperipneumonia chronica et Hy
dr oth or a 30.

Besonderer Erwähnung verdient noch die


Leichenöffnung einer 48jährigen, auch mit Sy
philis behafteten Taglöhnerin, welche bereits
seit 5 Wochen an flüchtigen Stichen und Drü
cken in der Brust mit Husten und Beklemmung
begleitet, litt. Doch wurden nach ihrer Aus
sage diese Leiden ohne Gebrauch von Arzneien
erleichtert.

Bei ihrer Ankunft war der Kopf einge


nommen, das Angesicht kalt, die Wangen blei
färbig umschrieben, die Zunge trocken mit
grünlichem Belege, das Athmen durch groſse
Beklemmung sehr erschwert, in der linken
Rippengegend ein stechender, bei tiefem Athem
zug vermehrter Schmerz, der Auswurf saffran
gelb, zähe und häufig, der Puls sehr frequent,
klein, gesunken, zu keiner Aderlässe weiter
geeignet.
Schleimigte, kühlende Mittel, Calomel, Sul–
fur. aurat. antim, Blasenpflaster, Blutegel und
Schröpfköpfe blieben ohne Erfolg.
Bei Eröffnung der Brusthöhle war die linke
Lunge leberartig verhärtet, in ein kleines Vo–
lumen zusammengedrängt, mit vielem Wasser in
der Brusthöhle dieser Seite. Im verdickten
87

Herzbeutel fand sich eine ungewöhnliche Menge


Wassers, die Oberfläche des Herzens verrieth
durch häufige ausgeschwitzte Lymphe, Blässe
und Schlappheit, deutliche Spuren vorhanden
gewesener Entzündung. In der Bauchhöhle
war die Milz mit der Nachbarschaft durch li–
gamentöse Gebilde verwachsen, in ihrer Sub
stanz einem Zwetschkenbrey nicht unähnlich,
wie sphacelös, von auſsen mit einer Haut,
gleich einer knorpelähnlichen Schale, umgeben.
In den Genitalien Spuren von syphiliti
scher Ansteckung, als Condylomen und Fluor
albus.

Hepatitis et Enter it is.

In diesem Monate verloren wir ebenfalls


eine Kranke von 21 Jahren, die in einem Kaf
feehause diente. Sie war von sehr cachecti–
schem Aussehen, erlitt vor 2 Jahren einen
Lungenblutsturz, hierauf wurde sie syphili
tisch, und zerstörte überhaupt durch zügello
ses Leben ihre Gesundheit. Bei einem hefti
gen häuslichen Aerger genoſs sie viele hitzige
Getränke, worauf sie besinnungslos zu Boden
stürzte. Fieber, Kopfschmerz, bitteres Auf
stoſsen und Erbrechen waren die Haupterschei
nungen, welche sie zwangen, in der Klinik
BZ *.

Hilſe zu suchen. Der Unterleib war in der


Magen- und Lebergegend schmerzhaft und hart
anzufühlen, das tiefere Einathmen vermehrte
diesen Schmerz, dabei war der Geschmak bit–
ter, öfteres Aufstoſsen und Erbrechen zugegen;
der Pulsfrequent, klein und unterdrückt.
Die Krankheit wurde als Entzündung der
Leber, vorzüglich des linken Lappens, erklärt,
der antiphlogistische Apparat mit wiederholten
örtlichen Blutentleerungen, erweichenden Um
schlägen und einhüllenden eccoprotischen Mit
teln, später mit Camphora und Einreibung von
Unguento mercuriali behandelt, doch schon am
5. Tage erfolgte unter häufigen Diarrhöen und
Erbrechen der Tod. -

Bei der Section waren die Lungen im nor


malen Zustande, doch eine bedeutende Menge
Wasser in der Brusthöhle enthalten. Im Herz
beutel 2 Unzen blutige Flüssigkeit, das Herz
sehr welk. In der Bauchhöhle waren die dün
nen Gedärme an der äuſsern Fläche entzündet,
die Gallenblase ausgedehnt, die Leber unge
wöhnlich groſs, an der gewölbten Fläche mit
vielen Pseudomembranen versehen, der Pylo–
rus sehr weich, die Milz hart, die Nieren sehr
groſs, die Mutterscheide entzündet.
89

J u n y.
Der höchste Barometerstand 27 Zoll. 9,74L.
» tiefste y) 9) 26 » . » 55»
„ mittlere 9) %) 27 „ 4,54»
Der höchste Thermometerstand + 24°. o R.
» tiefste 9) 9) + 7°. 2 »
„ mittlere yy 9) + 15°. 6 „
Herrschende Winde Südwest.
Der Anfang des Monats Juny zeichnete sich
durch heitere, jedoch auch kühle Tage aus;
bald trat plötzlich groſse Wärme ein. Am 15.
wurde es empfindlich kalt mit vielem Regen,
der Himmel blieb stets umwölkt. Am 2o. fiel
Schnee im Gebirge, eine ungewöhnliche Er–
scheinung. Die Regen dauerten an, besonders
heftig waren sie am 24. und 25., wo die Flüsse
zu ungeheuerer plötzlicher Höhe anschwollen,
und eine so schreckliche Uiberschwem–
mung, daſs man seit 40 Jahren keiner ähnli
chen gedenkt, hervorbrachten.
Häufig kamen in diesem Monate rheumati
sche Fieber, Kopfschmerzen, Rothlauf und
Wechselfieber vor. Fast allgemein herrschten
häufige Durchfälle, ein Produkt der durch die
Nässe gestörten Hautausdünstung, und erfor–
derten schleimigte Mittel, warme Theeaufgüſse
und Ipecacuanha in gebrochenen Gaben. –
90

In der Stadt herrschte hie und da ein äu


ſserst bösartiger Scharlach, der in einem Falle
am 4., im andern schon am 2. Tage tödtete.

Krankheitsfälle.
- - - Splenit is.
Eine Dienstmagd von 25 Jahren, Mü11 er
Barbara, bekam nach einem heftigen Zanke
Kälte und Hitze mit Kopfschmerz, dem sich
bald ein stechender brennender Schmerz in der
linken Seite beigesellte, welcher sich bis in die
linke Schulter erstreckte, dabei stellte sich ein
periodisch wiederkehrendes Erbrechen von
dunklem Blute ein. Als sie am 20. Juny in
die Klinik aufgenommen wurde, hatten sich die
Zufälle bedeutend vermehrt, in der linken Rip
penweiche vertrug die Kranke nicht die Be–

rührung, und empfand daselbst einen brennen


den, gegen die Herzgrube sich hin verbreiten
den Schmerz, das Würgen und Erbrechen einer
blutigen Flüssigkeit hielt noch an, der Puls
war frequent, härtlich, unterdrückt, das Aus–
sehen cachectisch. Es wurde Dct. Alth.man
nat. verordnet, 8 Blutegel an die Milzge–
gend und erweichende Umschläge angewandt.
Es erfolgte zwar einige Linderung, doch wurde
91

die Berührung noch immer nicht vertragen,


auch hielt das Erbrechen, obschon viel selte–
ner, noch an. Es wurden nun noch dreymal
blutige Schröpfköpfe an die schmerzhafte Stelle
gesetzt, und in der übrigen Behandlung fort
gefahren. -

Am 6. Tage entschied sich die Krankheit


durch reichlichen Schweiſs und schleimigen Bo–
densatz im Urin. Einige unbedeutende Span
nung und Empfindlichkeit der linken Seite ver
lor sich unter dem Fortgebrauche warmer Um
schläge und Dct. Alth.

JRheumatismus a cut us ped is.

Ein Landmädchen, 19 Jahre alt, Pe–


chiczkow a Maria, kam mit heftigen, reis
senden Schmerzen in der Wade, die sie früher
im Kniegelenk hatte, und mit Fieber in die
Klinik. Die Kranke konnte weder auftreten,
noch vertrug sie die Berührung, auch war et–
was Geschwulst wahrnehmbar. Es wurden ei
nige blutige Schröpfköpfe längst der Wade ge–
setzt, der Unterschenkel in trockene Tücher
gehüllt, innerlich Dct. Alth. c. Nitro et Roob
Samb. gereicht. Die Schmerzen lieſsen be
deutend nach, so wie das Fieber, doch wollten
sie nicht gänzlich weichen, daher Einreibun
92

gen von Ungt. Neapolitan, und endlich ein Bla–


senpflaster in Form eines Strumpfbandes unter
dem Kniegelenk gelegt, innerlich Dec. Gram.
Tart. tartaris. et Roob Sambuc. gegeben wurde;
unter dieser Behandlung erlangte die Kranke
bald wieder ihre Genesung. -

E pil e ps i a.

Erwähnung verdient der Fall einer Epi


lepsie, wo sich die Kraft der Zinkblumen zum
zweitenmale in diesem Jahre wirksam bewies.
Sauczkin Magdalena 55 Jahre alt,
eine Dienstmagd, erfreute sich einer ungestör–
ten Gesundheit, hatte aber den 11. Juni ei
nen so heftigen Schreck, daſs sie in heftige
Convulsionen verfiel; sie war ohne Bewuſst–
seyn, das Gesicht strotzte, vor den Mund trat
Schaum, und nachdem diese Zufälle durch /.
Stunde gedauert hatten, verfiel sie in einen
tiefen Schlaf, aus welchem sie erwachend von
Allem vorgefallenen nichts wuſste, sondern sich
nur sehr matt und abgeschlagen fühlte. Den–
selben Tag so wie auch den 12. kehrten ähn
liche Anfälle noch mehrmal zurück. Bei der
Aufnahme in die Klinik lieſs sich an der
Kranken auſser Mattigkeit, geröthetem Gesicht,
Mangel an Appetit und vermehrtem Durste
Q3

nichts Krankhaftes wahrnehmen. Es wurdeMix


tura temperans, und Flor. Zinci zu 1 Gr. alle 5
Stunden gereicht. Von dieser Zeit an blieben die
Anfälle aus, und nach 14 Tagen verlieſs die
Genesene in ungestörtem Wohlseyn die Klinik.

Pleurop er ipneumonia.

Ein Dienstmädchen von 22 Jahren kam am


4. Tage ihrer Krankheit mit Hitze, rothem Ge
sicht, Durst, stechendem und drückendem, durch
tiefes Einathmen vermehrtem Schmerz, Husten
mit zähem Auswurf, hartem und vollem Pulse
in die Klinik. Eine reichliche Aderlässe, hier–
auf 6 Blutegel an die Brust, innerlich Dec. an–
tiphlog und der äuſserliche Gebrauch erwei
chender Umschläge stellten die Kranke inner
halb 1o Tagen her.

Bemerkungen über die Syphilis.


Die Formen, in welchen syphilitische Lei
den in diesem Jahre vorkamen, waren man
nigfaltig, in der Klinik waren sie gewöhnlich
mit andern Krankheiten, besonders Fieber
characteren jeder Art verbunden, welche letz–
teren auch die Hauptdiagnose bestimmten.
Die Hauptformen waren Hautausschläge,
Geschwüre im Rachen, Nase und Genitalien,
94
Fluor albus, Condylomatöse Auswüchse an ver
schiedenen Gegenden des Körpers, nächtliche
Knochenschmerzen, und Auftreibungen der
Knochen. In Hinsicht der Behandlung gewähr–
te gewöhnlich die fieberhafte Krankheit, die
Hauptindication, nach deren Beseitigung erst
vorzüglich auf die Syphilis eingewirkt werden
konnte. Im allgemeinen war das Hauptmittel
zur Bekämpfung dieser Krankheit immer der
Mercur, und diesen suchte man so bald in An–
wendung zu bringen, als es die Umstände und
die beigesellten andern Krankheitszufälle er–
laubten ; dabei wurde immer von dem Grundsatz
ausgegangen, daſs die milder wirkenden Präpa
rate den heftigern, so lange damit auszureichen
war, vorgezogen wurden. Die Salivation wurde
nie, als die Heilung bedingend, zu erregen oder zu
unterhalten gesucht, vielmehr gab sie den wohl
zu beherzigenden Wink, daſs der Körper hin
länglich mit dem specifischen Mittel gesättiget,
und hiemit seiner weitern Darreichung Einhalt
zu thun sey. Sobald sich daher Spuren von Sa–
livation durch Anschwellung des Zahnfleisches,
übeln Geruch aus dem Munde, Gefühl von
Brennen und Schmerz in demselben, vermehrte
Speichelabsonderung oder eigenthümliches Ge
fühl von Längerseyn der Zähne, oder Locker
werden derselben, einstellte, wurde der Ge
95

brauch des Merkurs ausgesetzt, und durch


Ausspülen mit einem lauwarmen erweichenden
Theeaufguſs der Mund gereinigt. Gewöhnlich
beugte man dadurch dem völligen Ausbruche
des Speichelfluſses vor, in andern Fällen je
doch, wo der Kranke bereits eine groſse Men–
ge Quecksilber vorher schon zu sich genommen
hatte, und wo ohngeachtet des Aussetzens sei
nes Gebrauchs, doch der Speichelfluſs in sei
ner Heftigkeit ausbrach, wurde der Zustand
als ein Reizungszustand betrachtet, mit erwei
chenden Mundwässern, mit ableitenden, vor
züglich auf den Stuhl und das Hautorgan wir
kenden Mitteln bekämpft, und ohne Schwie
rigkeit beseitigt. Es gab keinen Fall, wo selbst
bei der gröſsten Heftigkeit der Salivation sehr
bedenkliche Erscheinungen eingetreten, oder
wohl gar Zähne verloren gegangen wären."
Hautausschläge syphilitischer
Art machten gewöhnlich viel zu schaffen,
zu ihrer Heilung wurde meistens Calomel oder
auch Mercur. solub. niger angewendet, dabei
aber durch Trinken eines Thees aus Rad. Bar–
danae, Dulcamar. Sarsaparill. und Guajacum die
Heilung zu unterstützen gesucht. -

Eben so wurde bei syphilitischen Ge


schwüren immer der Mercur gebraucht, sie
mochten primären oder secuudären Ursprungs
96
seyn, und dieselben gewöhnlich mit dem versüſs
ten Quecksilber behandelt; als ein Hauptmoment
bei ihrer Heilung wurde jedoch auch die ört– -

liche Behandlung stets betrachtet. Hiebei ist


vorzüglich zu sehen, in welchem Zustande das
Geschwür sich befindet, nämlich ob ein Rei
zungs- und Entzündungszustand zugegen sey,
welchen der mehr oder minder heftige Schmerz,
Röthe, Trockenheit, Geschwulst und Span
nung deutlich characterisirt, oder ob es im Zu
stande von Unempfindlichkeit und Torpor sich
befinde. Im erstern weit häufigern Falle thun
lauwarme erweichende Bähungen und Wa
schungen, ja selbst das Auflegen milder Salben
vortreffliche Dienste und beschleunigen die Hei
lung, im zweiten Falle ist es aber nöthig, in den
Geschwürflächen durch erregende Mittel, deren
die Mercurialpräparate so herrliche liefern,
mehr Leben und Thätigkeit hervorzurufen,
daher das Betupfen mit Lapis infernalis, Ein
streuen von rothem Präcipitat mit Zucker als
Vehikel, nach Umständen auch mit Camphora
verbunden. In beiden Fällen befördert diesen
Zweck die möglichste Reinlichkeit, daher flei
ſsiges Waschen mit lauem Wasser, Einlegen
reiner weiſser Leinwandläppchen zwischen die
Geschwürflächen, besonders in den Genitalien
und Abhalten des Ichors von gesunden Stellen,
97

Condylomatöse Auswüchse wurden da,


wo sie einzeln, mit dünner und ziemlich ho
her Basis vorkamen, mit der nach der Flä
che gebogenen Scheere in verschiedenen Zwi
schenzeiten entfernt, und das Nachwachsen
durch Betupfen mit einem Aetzmittel verhin
dert. Wo dieselben wegen breiter und nie
driger Basis, oder wegen ZUl groſser Menge nicht
hinweggenommen werden konnten, suchte man
sie durch Betupfen mit Aetzmitteln, beson
ders durch Lapis infernalis oder durch Bu
tyrum Antimonii zu beseitigen, immer wur
de jedoch innerlich der Merkur gereicht. Bei
Condylomen der Vorhaut, die so gerne nach–
wuchern, leistete das Baden in einer etwas
stärkern Solution desMercur. sublimat. corro
siv. die besten Dienste.
Bei hartnäckigen Formen von Syphilis,
besonders bei Knochenschmerzen und Knochen
auftreibungen, wurden nun auch die kräftige
ren Mercurialpraeparate angewendet, nament
lich der Mercur. sublimat. corrosivus. Er wurde
theils in Auflösung (ein Gran auf 5 bis 6 Unzen
destillirtes Wasser, wovon früh
und Abends 1.
Eſslöffel genommen wurde), heils in Pillen
gereicht, und nebstbei obige Theeaufgüsse und
fleiſsig schleimige Mittel gegeben.
7
98

Einige einzelne Fälle mögen dienen, um


das Spezielle der Behandlung näher zu be
leuchten.
Condylomata Faciei. Ein Weib von
54 Jahren kam am 7. April 1824 mit den Zu
fällen allgemeiner Syphilis in das allgemeine
Krankenhaus. An verschiedenen Stellen des
Gesichts, als an der Oberlippe, zur Seite der
Nase, am Kinn, an der Stirne und im Nacken,
befanden sich Zoll breite, runde, über die Haut
mehrere Linien erhabene condylomatöse Aus
wüchse, die unter einer braunen Kruste einen
ichorösen Eiter enthielten, der behaarte Theil
des Kopfes war mit ähnlichen Krusten und of
fenen Stellen besetzt, nur mit dem Unterschiede,
daſs sie hier über die Haut nicht erhaben wa–
ren. Am übrigen Körper zeigte sich keine
weitere Spur von Infection, doch bekannte sie
selbst, durch unreinen Beischlaf angesteckt wor–
den zu seyn. Nach Angabe der Kranken be–
obachtete sie diese lästigen Erscheinungen
bei übrigens ungestörter Gesundheit seit 8 Wo
chen; anfänglich schoſsen blatterartige Aus–
schläge hie und da im Gesichte auf, die aber
am Umfange täglich zunahmen, und sich über
die Haut erhoben.
Es wurde verordnet:
99

B • Mercur. solubil. nigri Gran. duo. Sach. alb. Dr.


unam. M. f. pulv. divid. in dos. Nro.sex. D. S.
Früh und Abends 1 Stück zu nehmen. – Dec.
Bardanae pro potu.
Zum Betupfen der condylomatösen, ulce
rirten Auswüchse der Haut: -

B. Mercur. sublimat. corrosiv. Gran. quatüor, solve


in Aquae destillat. unc. quatuor. D. S. Zum äu
ſsern Gebrauche. -

Bald jedoch zeigten sich Spuren von Spei


chelfluſs, der Athem wurde übelriechend, das
Zahnfleisch leicht blutend, in den Zähnen ent
stand ein Miſsgefühl von Stumpfseyn. Es wurde
der Mercur ausgesetzt, und lauwarme Mundwäs
ser aus Eibischthee verordnet, innerlich Sal
Glauberi in Wasser aufgelöst, bis einigemal
Stühle erfolgten, verordnet.
Hierauf wurden diese Zufälle bald be
schwichtigt, und nun wieder zu dem Gebrauch
des Mercurs geschritten. Sie erhielt nun, theils
weil die Kranke so leicht salivirte, theils weil
das Leiden schon längere Zeit eingewurzelt
und allgemein im Körper verbreitet war:
B. Aq. destillat. unc. quatuor. Aq. cort. Aurant. unc.
unain. Mercur. sublimat. corrosiv. Gran. unum.
Laud. liquid. Sydenham. Gutt. viginti. D. S.
Früh und Abends 1 (hölzernen) Eſslöffel voll
zu nehmen.

Auch nach dieser Arzney, durch einige Zeit


gebraucht, drohte der Speichelfluſs auszubre
7*
1OO

chen; durch das baldige Aussetzen dersel


ben, durch die ableitende Methode, besonders
mit Mittelsalzen, erweichende Mundwässer und
einige kleine Gaben Florum Sulfuris, wur
de dem wirklichen Ausbruche immer vor–
gebeugt. Nach dessen Beseitigung wurde dann
wieder mit obiger Arznei fortgefahren, bis die
letzte krankhafte Erscheinung ihres Leidens
gehoben war. Bei dem so periodenweise fort
gebrauchten Sublimat, und bei örtlicher An
wendung desselben, nahmen die condylomatösen
Auswüchse immer mehr ab, und verschwanden
nach 6 Wochen gänzlich, am frühesten heilten
die Stellen des behaarten Theils des Kopfes. –
Sie verlies am 2. July genesen die Anstalt.
In einer andern Form, nämlich als Ulcera
und Fluor albus, kam die Syphilis bei einer 17
jährigen Dienstmagd vor. Diese litt an Ge–
schwüren der Genitalien, welche die innere
und äuſsere Fläche derselben als ein Geschwür
bedeckten, und ein scheuſsliches Aussehen hat
ten, nebst einem gleichzeitig vorhandenen wei
ſsen Ausfluſse aus der Scheide, der die berüh
renden Theile aufätzte, wund machte, und mit
starkem Urinbrennen verbunden war. Die Kran
ke litt auſserdem an einem rheumatisch ent–
zündlichen Fieber mit steifem Halse, und Be
schwerden im Schlingen, Es wurden erwei
1 O1

chende Umschläge um den Hals, Dec. Alth. c.


Nitro et Roob Sambuc. verordnet, dem in der
Folge wegen Stuhlverstopfung % unc. Arcan.
dupl. zugesetzt wurde. Was das örtliche Lei
den anbelangt, so wurden einstweilen die Ge
schwüre so wie die wunden Stellen, täglich mit
lauwarmem Wasser gereinigt, und zwischen
dieselben reine Leinwandläppchen eingelegt.
Nachdem die Heftigkeit des Fiebers besei
tigt war, wurde zu dem Gebrauche der Mer
curialmittel, namentlich zum Calomel zu /, Gr.
Früh und Abends übergegangen, und damit al
lein fortgefahren, nachdem das verschwundene
Fieber den Gebrauch anderer Arzneien nicht
weiter erheischte. Ohngeachtet die Kranke das"
Calomel gegen einen ganzen Monat in obiger
Gabe gebrauchte, zeigte sich doch keine Spur
von Speichelfluſs, und die Heilung sowohl der
Geschwüre, als des Fluor albus erfolgte bin
nen dieser Zeit vollkommen.
In Form von condylomatösen Hautaus
wüchsen am After, kam die Syphilis bei ei–
ner Dirne von 27 Jahren vor. Diese stellten
rings um denselben mehr und weniger erhabe
ne, rothe, blumenkohlartig aussehende Hautge
wächse dar, welche der Kranken auſser eini–
gem Jucken keine Beschwerden verursachten.
OT

. . Da diese mit dünnerer Grundfläche aufsas


sen, so wurde ein Theil derselben mittelst
der nach der Fläche gebogenen Scheere abge
nommen, und das Bluten mittelst aufgedrück
ter Scharpie gestillt. Innerlich erhielt die Kran
ke Pulver aus /, Gr. Calomel, 2mal des Tages.
So wurden nach und nach sämmtliche Condy
lomen mit der Scheere entfernt. Konnten die
se wegen breiter Basis nicht abgetragen wer
den, so wurden sie mittelst eines Pinsels mit
Butyr. Antimonii, einmal des Tages betupft; –
oder sie wurden andererseits mit Lapisinfernalis
geätzt, besonders wenn sie nach Hinwegnahme
mittelst der Scheere nachzuwuchern drohten,
* oder sonst nicht bis auf den Grund entfernt
werden konnten. Es bedurfte einer Zeit von
7 Wochen, um diese Afterorganisation gänz
lich zu vertilgen, und die Kranke vollkommen
zu heilen.

Ery sipel as faciei.


Rothlaufartige Entzündungen kommen in
unserer Gegend ziemlich oft vor; am meisten
ist denselben das weibliche Geschlecht, be
sonders Dienstboten unterworfen, welche den
erregenden Schädlichkeiten so häufig ausge–
setzt sind. Obschon diese Krankheit an und
105

für sich nicht immer gefährlich ist, so bleibt


sie doch stets bedeutend, und wirft sich leicht,
besonders wenn sie zweckwidrig behandelt
wird, auf edle Organe, wo sie höchst gefahr
voll und selbst tödtlich werden kann. Ein
trauriges Beispiel hievon fiel in diesem Jahre
vor und zeigt, wie die Kunst oft unvermögend
ist, zu verbessern, was kenntniſsloses Eingrei–
fen veranlaſste. – Czerny Anna, 50 Jahre
alt, von ziemlich starker Leibesbeschaffen
heit, erfreute sich einer guten Gesundheit und
auſser einiger Beschwerde beim Eintritte der
Menstruation blieb ihr jede Krankheit fremd.–
Am 1o. Juny d. J. erschrak sie heftig, und
wurde bald darauf von Frost und Hitze be
fallen, wozu sich noch vermehrter Durst ge–
sellte. Nach 24 Stunden fühlte sie ein bren
nendes Jucken im Gesichte und eine lästige
Spannung, wobei dasselbe aufschwoll und
glänzend roth aussah; bei Zunehmen dieser
Erscheinungen muſste sie bald das Bett hüten,
während dem der Rothlauf sich auch über den
behaarten Theil des Kopfes bis in den Nacken
verbreitete. Verschiedene gebrauchte, mitunter
sehr unsinnige Hausmittel, als: Salben und
Pulver aus Bleiweis, verschlimmerten das Uibel
sehr. Die Augen waren ganz verschwollen, im
Gesichte bildeten sich Blasen, die eine seröse
104

Feuchtigkeit enthielten und in Krusten über


gingen, welche wie eine Larve das Angesicht
bedeckten, und ein monströses Aussehen verur
sachten. Als die Kranke am 18. Juny, den 8.
Tag ihres Erkrankens, in die Klinik aufgenom
men wurde, hatte sich die rothlaufartige Ent
zündung über den ganzen Kopf bis in den Nak
ken und selbst tief in den äuſsern Gehörgang
hinein verbreitet. Uibrigens klagte dieselbe
über keinen Kopfschmerz, die Zunge war aber
trocken, mit einer braunen Kruste belegt, der
Durst sehr stark, zuweilen ein schmerzloser,
mehr trockener Husten, die Brust frei, der
Unterleib unschmerzhaft und weich, der Urin
tiefroth gefärbt, ohne Bodensatz, der Stuhl
gang bisher immer mehr trocken, die Haut
wärme sehr erhöht, der Puls mäſsig frequent
und weich. -

Es wurde Dot. Gramin. c. Tartaro tartari


sat. et Roob Sambuc. verordnet, Kopf und Ge
sicht mit trockenen, durchwärmten Tüchern
bedeckt.

Die folgenden Tage, den 19 – 20. Juny,


hatte der Zustand den Anschein von Besserung,
es erfolgten leichte Oeffnungen, die Geschwulst
im Gesichte verminderte sich, die Krusten stie–
ſsen sich ab, und wirkliche Abschuppung der
Gesichtsfläche trat ein. -
- 105

Die Seelenverrichtungen waren nicht ge


stört, das Fieber blieb mäſsig, die Zunge aber
immer trocken, mit einer Kruste, bei sehr erhöh
ter Hautwärme und dunkelrothem Urin. Wäh
rend aber der Rothlauf im Gesichte abnahm,
verbreitete er sich über den Rücken, über
die Schultern und Brust weiter, und man konn
te täglich deutlich wahrnehmen, um wie viel
er vorgerückt war. -- -

Am 21. Juny erfolgten mehrere flüſsige


Stuhlgänge, daher Dct. Salep. spiſs mit eini
gen Granen Salmiak, nebst Pulvern aus / Gr.
Ipecacuanh. alle 5 Stunden verordnet wurden,
worauf sich diese bald beschränkten. Indem
sich der Rothlauf über den Körper und die
Oberarme immer weiter verbreitete, war der 25.
Juny (als 15. der Krankheit) herangerückt, oh
ne daſs sich im Urin oder durch Schweiſs kri
tische Aussonderungen offenbarten, der Roth
lauf nahm nun bereits die Oberarme bis zum
Ellbogengelenke ein, eben so erstreckte er sich
über den Rücken, Brust und Bauch bis auf die
Hälfte der Oberschenkel und gränzte sich an
genannten Stellen scharf ab.
In der Nacht vom 25. auf 24. Juny hatte
die Kranke manchmal irre gesprochen, bei der
Morgenvisite war sie jedoch bei vollem Bewust
seyn, antwortete vernünftig und hatte über
196

nichts zu klagen, als daſs der Husten sie et–


was mehr beunruhige. Der Puls war hinrei
chend kräftig, mäſsig, frequent, das Fieber
überhaupt nicht zu heftig, die schwarz incru
stirte Zunge und der Mangel aller Krisenmach
te allein die Prognose bedenklich. Es wurde
Dct. Rad. Alth. mit einigen Granen Salmiak et
Extr. Hyoscyam. Gr. 1. gereicht, und ein Blasen
pflaster im Nacken gelegt. -

Nun stellten sich aber täglich neue ungün–


stige Erscheinungen ein, das Irrereden wurde
stärker, das Bewuſstseyn ging gänzlich ver
loren, die Kranke verfiel in einen schlafsüch
tigen Zustand, und indem am 27. Juny der
Rothlauf plötzlich verschwand, wurde der
Puls unzählbar. Wiederholte Blasenpflaster
und Senfteige nebst der Anwendung des Cam
phers, blieben ohne Wirkung und die Kranke
verschied gegen Abend.
Leichenöffnung.
Bei Eröffnung der Schädelhöhle bot sich
auſser einiger Turgescenz der Blutgefäſse der
Hirnhäute und der Hirnsubstanz selbst, nichts
Besonderes dem Auge dar, Brust- und Bauch
höhle wurden normal gefunden. Der Grad von
Fäulniſs, den der Körper innerhalb 24 Stun
den erreicht hatte, war bereits sehr hoch. – In
diesem Falle gewährte die Leichenöffnung wenig
Aufschluſs.
107
Ju ly.
Der höchste Barometerstand 27 Zoll 10, 45 L.
9) tiefste 9) % 27 » 4, 66 »
„ mittlere „ „ 27 » 7, 55 »
Der höchste Thermometerstand + 25°. o R.
„ tiefste 9) 9) + 1o°. 6 „
„mittlere » 9) -- 17“- 8 „
Herrschende Winde Nordwest und Südwest.
Der Monat July war durch sehr unbestän
dige, bald warme und heitere, bald plötzlich
mit Gewitter, heftigen Regengüſsen und Hagel
abwechselnde Witterung bemerkenswerth. Zu
Anfang des Monats standen die überschwem
menden Gewässer noch ziemlich hoch, aus den
Straſsen, Kellern entwickelten sich feuchte,
schädliche Dünste.
Der herrschende Character der Fieber war
der gastrische und nervöse, letzterer in ziem
lich heftigem Grade, besonders wenn der Fall
eintrat, daſs häufige Durchfälle zugegen waren;
er zeichnete sich durch heftige Eingenommenheit
des Kopfes, und oft entzündliche Reizung des
Gehirns, durch Delirien, wie auch durch hef
tigen Meteorismus aus.
Häufig erschienen rothlaufartige Entzün
dungen, sowohl des Kopfes als der übrigen
Theile, welche meist mit hoher Gefahr und
1O8

groſser Neigung verbunden waren, sich auf


innere Gebilde zu werfen. - -

Mehr als gewöhnlich stellten sich Blut


flüsse der Gebärmutter ein, welchen theils
Fehlgeburten, theils Schwäche zum Grunde lag,
sie erforderten im Allgemeinen ein tonisch erre
gendes Verfahren, vorzüglich Aquam und Tinct.
Cinnamomi, Cort. Peruvian. Alumen, Gummi
Kino und Ipecacuanha in gebrochener Gabe.

Krankheitsfälle.
Die merkwürdigen Fälle dieses Monats
waren vorzüglich: .

Hydrops universalis.

Ein altes Mütterchen von 80 Jahren, in


Noth und Elend in einer feuchten, kalten Woh–
nung ihr Leben dahinbringend, schwoll was
sersüchtig an, die Füsse wurden kannendick,
der Leib wie eine Trommcl gespannt, das Ath
men beengt, und die Kranke konnte nicht auf
dem Rücken, sondern nur mit erhöhter Brust lie
gen. Dieser Zustand hatte 6 Wochen gedauert,
als sie in unsere ärztliche Behandlung kam.
Eine Auflösung des in Acet. Scillae saturir
ten Sal Tart. mit Infus. Herb. Petroselin. und als
sich hierauf Durchfälle einstellten, Infus. Rad.
Levist. c. Ext. Scillae, nebst einer Einreibung
von Ungt. Digital. Olei Junip. et Terebint. auf
den Bauch, und endlich ein Inſus. Levist. c.
Spirit. Nitr. dulc. stellten sie unter Eintritt
einer häufigen Diuresis in kurzer Zeit her.

Phren it is l a cte a lev or.

Ein rüstiges, 2ojähriges Landmädchen,


vollsäftig, säugte 4 Wochen ihr Kind; da ihr
aber dieses bei ihrem Dienst sehr beschwerlich
war, stillte sie es ab, und suchte die Milch
durch Auflegen von Schmalz zu vertreiben.
Die Brüste schwollen aber auſserordentlich an,
wurden schmerzhaft, hart und entzündet. Am 4.
Tag bekam die Kranke heftige Kopfschmerzen
unter Frost und Hitze, sie hatte schlaflose
Nächte, mit unruhigen, ängstigenden Träumen,
vorübergehendem Irtereden und Bewustlosig–
keit, der Durst war vermehrt, der Stuhl ver
stopft. Bei ihrer Ankunft (den 4. Tag der Krank
heit) war das Fieber mäſsig,
Verordnung. -

Dec. Gramin. c.Arcan.dupl. drach, sex, Pulv,


aus / Gr. Calomel, erweichende Fomente und
Dämpfe an die Brust, Klystiere, und Ausziehen
der Milch, sobald die Brüste es zulassen. –
1 1G

Bald uach der Anwendung der erweichenden


Dämpfe lieſs die Spannung der Brüste nach,
sie wurden weicher, und die Milch konnte
durch sanftes Ausziehen mittelst. Sauggläser
entleert werden, ja sie floſs von selbst aus.
Es erfolgten bald mehrere dünne Stühle mit
augenblicklicher, allgemeiner Erleichterung, be
sonders aber des Kopfes, der in dem Grade frei
er wurde, als Stuhl- und Milchentleerung unge
hindert vor sich gingen. Der Urin machte ei
nen häufigen Bodensatz. - - - -

Ein Milchknoten in der rechten Brust


drohte aber, ohngeachtet dieser Behandlung, in
Eiterung überzugehen, es erhob sich in dieser
Stelle die Geschwulst, spitzte sich und schmerz
te sehr. Es wurden fleiſsig erweichende Um
schläge fortgesetzt und eine Einreibung in der
Umgebung des Milchknotens von Ung, mer
curiale verordnet; die Entzündung und Ge–
schwulst verminderte sich, der Knoten fing an
sich zu zertheilen, diesem wurde nun durch
Umschläge von Specieb. emollientib. mit Herb.
Cicut, und während der Nacht durch Auflegen
des Emplast. de Cicuta nachzuhelfen gesucht,
und glücklich der Zweck der vollkommenen
Zertheilung dadurch erreicht. – Sie verlieſs
vollkommen gesund die Klinik.
I 11

Ein anderer Fall dieser Art fiel im Monate


August bei einer Dienstmagd vor, welche
am 26. July im k. k. Gebärhause glücklich ent
bunden wurde, und sich nach der Entbindung
wohl befand. Am 27. füllten sich unter den
gewöhnlichen Erscheinungen bei leichtem Frö–
steln die Brüste mit Milch, das übrige Befin
den blieb ungestört, und sie übernahm das Ge
schäft einer Amme. Am 51. ging sie bei voll
kommenem Wohlseyn zu Bette, und schlief
auch ziemlich ruhig die Nacht hindurch. Am
Morgen aber nahm sie plötzlich ein ungewöhnli
ches Betragen an, verzerrte das Gesicht, jauchzte
und sang bei den sonderbarsten Geberden. Die
Gliedmassen fühlten sich kalt an, das Gesicht
wurde blaſs, während der Kopf heiſs war,
der Puls schlug häufig, stark und voll. Die
Brüste waren welk und ohne Milch. – Es wur
den Blutegel an die Schläfe, kalte Umschläge auf
den Kopf, warme Tücher auf die Brüste, ei
nige Klystiere, trockne Schröpfköpfe und
Hautreize aus Meerrettig mit Essig auf die Wa
den angewendet, und man eilte, sie in das
allgemeine Krankenhaus zu übertragen, wo sie
am 1. August in folgendem Zustande ankam.
Das Bewuſstseyn war wieder zurückgekehrt,
sie antwortete vernünftig auf die vorgelegten
Fragen, und klagte über stumpfen Kopfschmerz,
I 12

der Blick hatte jedoch etwas Verwirrtes, der


Kopf war mäſsig warm, die Brüste bereits
wieder mit Milch gefüllt, gespannt, hart und
empfindlich beim Anfühlen, der Unterleib stark
aufgebläht, unschmerzhaft, Oeffnung war er–
folgt, der Urin dunkelgelb, mit einem schlei
migten Bodensatz, die Hautwärme mäſsig, der
Puls beschleunigt, voll und weich.
Es wurde Dct. Gramin. c. Arcan. dupl. unc.
dimid. nebst Pulvern aus 1 Gr. Calomel alle 2
Stunden verordnet, erweichende Fomente an
die Brüste angewendet. -

Es erfolgten hierauf bald reichliche Stuhl


entleerungen, der Bauch fiel zusammen, der
Kopf wurde freier, und am folgenden Tage
(2. Aug) war das Befinden auffallend besser, die
Eſslust stellte sich wieder ein. Aus den Brü
sten entleerte sich die Milch von freien Stük
ken unter der Anwendung der Fomente, die
Spannung lieſs nach, sie wurden weich und
schmerzlos, im Urin erschien ein häufiger weiſs
licher Bodensatz, die Haut dünstete aus, das
Fieber war mäſsig.
Die Pulver wurden zu /, Gr. 2mal des
Tags, das Arcan. dupl. in der Arznei auf 2 Drach.
vermindert, und strenge Diät beobachtet.
Die Milch entleerte sich durch einige Tage
hindurch, und verminderte sich allmählig in
| 13

dem Maſse, als die Stuhlentleerung befördert


wurde. Es wurden nun die Brüste bloſs mit
trocknen, warmen Tüchern bedeckt, die Pulver
ausgesetzt, und mit der Arznei in längern
Zwischenräumen so fortgefahren, daſs des
Tages 2-5mal Oeffnung erfolgte. Am 14. konnte
die Kranke ganz genesen entlassen werden.

- Ot i t i s.
Ein 2ojähriges Mädchen erlitt als Folge ei
ner Verkühlung eine Ohrenentzündung mit Fie
ber, heftigem stechenden Schmerz, Verschwel–
lung des äuſsern Gehörgangs, Verlust des Ge
hörs am rechten, und gleichzeitigen reiſsenden
Schmerz am linken Ohr. Das Sprechen und
Schlingen verschärfte den Schmerz noch mehr,
beide Mandeln waren entzündlich angeschwol
len, der Puls härtlich und unterdrückt. – Es
war der 8 Tag der Krankheit. Man verord–
nete 6 Blutegel an die Seite des Halses, am fol
genden Tage 4 um das rechte Ohr, erweichende
Dämpfe und Umschläge, innerlich antiphlogi
stische, kühlende Mittel. Späterhin, als bei ge
ringerem Fieber der Schmerz noch anhielt, wur
de ein Blasenpflaster in den Nacken, und Einrei
bungen aus Unguent, mercuriale verordnet. Die
Entzündung zertheilte sich glücklich, jedoch
- Z
1 14

erschien nun ein heftiges Hüſtennervenwch am


linken Schenkel, welches abermals die öfters
wiederholte Anwendung von blutigen Schröpf
köpfen längst des Verlaufes des ischiatischen
Nervens, nothwendig machte. Nach Verlauf von
5 Wochen wurde sie genesen entlassen,

Haem atem es is.

Ein schwächliches, cachectisch aussehen


des Mädchen erzürnte sich heftig, und trank
hierauf einige Gläser Punsch. Sie fühlte bald
Unbehaglichkeit, Brennen in der Magenge
gend, Uibelkeiten und erbrach ein schwärz
liches, flüssiges Blut. Als sie am 2. Tage im Spi
tale ankam, hielten diese Zufälle noch an, es
war kein Fieber zugegen, der Puls klein, zu–
sammengezogen, die Milzgegend, so wie die
Magengegend beim Druck sehr empfindlich.
Auf die Anwendung einiger Blutegel an die
linke Rippenweiche, innerlich kühlender säuer–
licher Mittel, aus Dct. Gramin. tamarindi
nat. c. Tartar. tartarisat, stillte sich das Blut
erbrechen, wie die übrigen krankhaften Zu
fälle. – Nach 1o Tagen verlieſs sie gesund
das Spital,
1 15

Arthritis vag a.

Ein gefahrvoller Fall von Gicht ereig


nete sich bei einer 41jährigen cachectischen
Dienstmagd. Die Kranke hatte nie daran ge
litten, und gegenwärtig waren die Handwur
zel- und Fingergelenke, so wie die Fuſswur
zelgelenke von entzündlicher Anschwellung er
griffen, jede Bewegung aufgehoben und schmerz
haft. Diesen Zustand begleitete ein ziemlich
heftiges Entzündungsfieber, das entzündungs
widrig mit Dct. Gramin. c. Nitro, Arcan. dupl.
et Roob Sambuc. und DCt. Hord. c. Acid. tar–
tar.propotu, nebst trocknen warmen Einwicklun
gen von Hanfwerg behandelt wurde. Unver
muthet aber verschwanden diese Zufälle in ge
nannten Gelenken, und Brustbeschwerden mit
ungleichem Pulse, Angst und brennender Schmerz
in der Herzgegend traten ein.
Blasenpflaster auf die Waden lockten das
Gichtleiden in die Kniegelenke mit Verschwin–
den der Brustbeschwerden, die Kranke erhielt,
da sich öfter Stuhlverhaltungen einstellten, Dct.
Gramin. c. Sal. amar. et Roob Sambuc.
Allein auch aus den Kniegelenken verlor
sich wieder der Schmerz und die Geschwulst,
und warf sich auf den Kopf, was sich durch
Schmerz und Eingenommenheit desselben aus
8*
- 1 16

sprach; Phantasien und Ohrensausen traten bei


blassem, eingefallenem, eigenthümlich ent
stelltem Gesicht ein. (Metastasis ad meninges).
Ableitende Mittel, Blasenpflaster und Ca–
Iomel, beugten der Gefahr vor, die Gicht er
schien wieder in beiden Handwurzelgelenken,
so wie später in den Fuſsgelenken, der Kopf
wurde frei, und nun erst, am 21. Tage der
Krankheit, bildete der Urin einen schleimigen
Bodensatz, die bisher immer trockene Haut ge
rieth in Schweiſs. Diesen Zweck zu befördern,
suchte man die Natur durch diaphoretische
Heilmittel, als Dot. Gramin. c. Antimon. dia–
phoret. non ablut., Liquor. Minder., Stipit.
Dulcamar, endlich durch Plummerische Pulver
und Aconitum zu unterstützen.

Die Kranke näherte sich der Reconvales


zenz, eine ödematöse Anschwellung um die
Knöchel herum verlor sich bei einer Einreibung
aus Spirit. Vini camphorat, und trockener Wär
me. Vollkommen wohl verlieſs die Genesene
binnen 4 Wochen die Anstalt.

Metrorrhagia.
Eine starke 18jährige Dienstmagd, im 2.
Monate schwanger, hob von der Erde eine
schwere Wasserbutte, und fühlte dabei einen
1 17

unbedeutenden Schmerz in dem Schooſse, auch


floſs bald viel Blut von ihr ab, ja nach wenig
Stunden nahm der Blutfluſs so sehr zu, daſs
ganze Klumpen geronnenen Blutes ausgestoſsen
wurden. Ein Wundarzt verordnete eine unbe
kannte Arzney, und kalte Umschläge, worauf
sich der Blutabgang etwas stillte, aber noch
durch 4 Tage anhielt, bis sie in der Klinik
Hilfe suchte. Die Kranke hatte Fieber, klag
te über Schmerzen oberhalb der Schambein
vereinigung, vertrug aber den Druck. Es
wurde ihr Dot. Gramin. tamarindinat. c. Cre
mor. Tartari et Syrupo Rubi Idaei verordnet,
ruhiges Verhalten empfohlen, und nach 6 Ta–
gen waren alle Zufälle beseitigt. Sie verlieſs
gesund das Spital.

Convulsion es.

Ein die Chirurgie Studierenderin dürftigen


Umständen, verlor seine Baarschaft, und verfiel
aus Schrecken in die heftigsten Convulsionen
mit Bewuſstlosigkeit. Heftiges Zähneknirrschen
mit Verletzungen der Zunge, und krampfhaf
tes Zusammenbeiſsen der Zähne, (Trismus),
mit periodisch wiederkehrenden Rückwärts
krümmungen des Körpers, krampfhaftes Zu
sammenballen der Hände, und Einziehen der
1 18

Daumen, Ausstoſsen eines dumpfen Gebrülles,


heftiges Herzklopfen, unregelmäſsiger, ausset
zender Puls, boten sich als Erscheinungen dar.
Es wurde eine Aderlässe von 8 Unzen gemacht,
Senfteige an die Magengegend und Brust ge
legt, Klystiere von Chamillen gegeben, inner
lich Mixt, temperans c. Aq. Lauroceras. drach.
dimid. und Flor. Zinc. gereicht, und die Genesung
erfolgte schon den 2. Tag seines Erkrankens,

August.
Der höchste Barometerstand 27 Zoll 1o, 29L.
„ tiefste » » 27 » 4, 25»
» mittlere » » 27 » 7, 26 »
Der höchste Thermometerstand + 25°. o R.
» tiefste 9) 9) -- 12°. 1 ,
» mittlere „ y) + 17°. 55 »
Herrschende Winde, Südost.
Im Monate August war die Hitze in einzel–
nen Tagen bedeutend, dabei die Nächte und die
Morgen empfindlich kalt. Wenige Tage blie
ben ohne Regen, daher auch dieser Monat im
Ganzen sich mehr durch Feuchtigkeit auszeich
nete. Nur in den letzten 5 Tagen trat pracht
volles Sommerwetter ein.
- * -
1 19

Der herrschende Character der Krankhei


ten war der rheumatische und mäſsig entzünd–
liche, wie auch der biliöse, es kamen viele
rheumatische Brustfellentzündungen, aber auch
Faulfieber vor. Auſser diesen war die Anzahl
der Kranken in diesem Monate die am wenig
sten zahlreiche, doch wurden mehrere Ge
bärmutterblutstürze, Lungenschwindsuchten und
Wassersuchten in das allgemeine Krankenhaus
gebracht.
Im Allgemeinen waren daher in diesem
Jahre Gicht, rheumatische und nervöse Fie
ber, Brustentzündungen und Durchfälle, die
am häufigsten vorkommenden Krankheiten. Ui
berhaupt herrschten ungewöhnlich viele Fieber
mit nervösem Character, obschon meistens von
gelinderem Grade, mit welcher Beobachtung
auch die Erfahrungen des Herrn Med. Dr. Held,
dermaligen Decan's der medicinischen Facultät,
als Physicus des Krankenhauses der Barmher
zigen, übereinstimmen.
Viel seltener als sonst erschienen Halsent
zündungen, häutige Bräune, wie auch Lun
genblutstürze, Puerperalfieber und andere Un–
terleibsentzündungen; häufiger als gewöhnlich
zeigten sich Wechselfieber.
Sehr selten erschienen Blattern, Masern,
Scharlach, und gar nicht der ansteckende Typhus,
-
1 2O

Krankheitsfälle
Hydroth or a ac a cut us.

Eine kräftige junge Dirne, im 9. Monate


schwanger, bekam Drücken auf der Brust mit
Husten und erschwertem Athmen. Diesen Zu
stand nicht achtend, schwollen ihr nach 8 Ta
gen die Füſse ödematös an, ebenso die Arme
und das Gesicht. Die Kranke konnte nur mit
erhöhtem Brustkorbe, in mehr sitzender Lage,
liegen, das Athmen war kurz, beklommen. Sie
gebar in diesem Zustande ein gesundes Kind,
und kam den 2. Tag nach der Geburt (den 1.
August) in unsere Behandlung.
Das Gesicht, die Hände und Füſse waren
wassersüchtig angeschwollen, und lieſsen tiefe
Gruben beim Fingerdruck zurück, die Haüt–
wärme war erhöht, die Beklommenheit auf der
Brust hatte zugenommen, das Athmen war sehr
mühsam, der tiefere Athemzug von Hüsteln be
gleitet, der Unterleib aufgetrieben, weich, aber
empfindlich bei der Berührung, die Lochien
floſsen gehörig, der Urin und Stuhl waren spar
sam, der Pulsfrequent, härtlich, unterdrückt.
Es wurden 6 Blutegel um das Brustbein ge–
setzt, Dct. Alth. c. Nitro, Arcan, dupl. et Oxym.
simpl, gereicht.
1 21

Die folgende Nacht war sehr unruhig und


schlaflos, es hatten sich stechende Schmerzen
in der linken Seite des Brustkorbes eingestellt,
die sich bei tieferm Einathmen vermehrten;
das Fieber war sich gleich.
Es wurden neuerdings 6 Blutegel an die
schmerzhafte Stelle gesetzt, Pulver aus /. Gr.
Calomel und % Gr. Digitalis 5mal des Tages
gereicht, und über die Brüste, welche em
pfindlich wurden, erweichende Umschläge und
Ausziehen der Milch mittelst Sauggläser ver
ordnet. Der Zustand wurde hierauf viel er–
leichtert, es hatten sich am folgenden Tage die
Beschwerden auf der Brust sehr vermindert,
der stechende Schmerz war beinahe gänzlich
verschwunden, die Beklommenheit aber mit ei–
nigem Hüsteln hielt noch an. Gesicht, Hände
und Füſse waren zum Erstaunen abgefallen, die
Haut befand sich in angenehmer Ausdün
stung.
Es wurde ein Blasenpflaster auf das Brust
bein verordnet, worauf auch der drückende,
beklemmende Schmerz beseitigt wurde. Nun er–
folgten mehrere flüssige Stühle bei einer häu
figen Urinabsonderung. Es blieb daher das
Arcan. dupl. aus der Arzney hinweg, die Pul
ver wurden nur 2mal täglich gegeben. Bei
Fortgebrauch dieser Mittel durch einige Tage
I 22

genas die Kranke vollkommen, und verlieſs


am 12. August die Klinik.

Febr is nervos a put rida.

Die höchste Wichtigkeit der genauesten


Beobachtung des Zustandes der Eingeweide des
Unterleibs, besonders der Gedärme, in Nerven
und Faulfiebern, beweist folgender Fall.
Ein 12jähriger Knabe erkrankte am 16.
August mit Hitze und Kälte nebst ungewöhnli–
cher Müdigkeit. Ein Arzt wähnte ein gastri–
sches Fieber im Spiele, verordnete ein Brech
mittel, und hierauf Stuhl befördernde Arzneyen,
die häufige Diarrhöen zur Folge hatten; der
Zustand wurde nicht gebessert, sondern täg–
lich schlimmer, so zwar, daſs sich bereits am
5. Tage seiner Ankunft im Krankenhause (den
21. August) alle Symptome eines fauligten Ner
venfiebers darstellten.
Der Kopf war sehr eingenommen, tiefe
Betäubung und Schwerhörigkeit zugegen, das
Gesicht blaſs und eingefallen, die Zunge ganz
dürre, hölzern und trocken, mit braunschwar–
zer Borke überzogen, rissig, die Zähne mit
einem zähen, schwarzen Kleister bedeckt, das
Bewuſstseyn zurückgedrängt, Delirium, das
Athmen mühsam, der Unterleib zusammenge–
125

fallen, nur bei tieferer Berührung empfindlich,


wo der Kranke aus seiner Betäubung etwas er
wachte und die Gesichtsmuskeln verzog; häu
fige Durchfälle, der Puls klein, sehr frequent.
Der faulichte Character der Krankheit bil–
dete sich in dem Verlaufe, trotz aller ange
wandten Mittel in seinen Zügen immer mehr
aus, und endigte am 28. August mit dem Tode.
Die angewandten Heilmittel bestanden dem
Krankheitszustande gemäſs in zweymaliger An
wendung von Blutegeln auf den Unterleib, Bla
senpflastern und Senfteigen, dann schleimigten,
einhüllenden, im Verlaufe mit Camphor. und
Rad. Arnic. verbundenen Arzneyen; bei endlich
erfolgendem Subsultus tendinum wurde Casto
reum und Moschus gereicht.
Leichenöffnung.
Die Schädelhöhle bot, auſser einiger aus
geschwitzter Lymphe zwischen der dura Ma
ter und der Arachnoidea, nichts Besonderes dar,
eben so die Brusthöhle. Auch schien die Bauch–
höhle beim ersten Anblick nichts zu enthalten,
was abnorm war; denn nach Zurückschlagung
der Bauchdecken wurde das Bauchfell, so wie
das Netz und die Gedärme in der natürlichen
Lage und von der naturgemäſsen Farbe gefun–
den. Nachdem jedoch der Darmkanal entfal–
tet wurde, zeigten sich in den dünnen Gedär
124

men häufige rothe Stellen von % – 1 Zoll im


Umfange, ja der untere Theil (Ileum) war an
zwey Stellen im ganzen Umfange, von mehr als
einem Fuſs Länge dunkelroth, an ändern Stellen
verengert, diese zeigten beim Durchschneiden
die Schleimhaut blutroth, und den höchsten
Grad von Entzündung; eben so war das Ge
kröſe von Entzündung ergriffen, seine Drüsen
zur Haselnuſsgröſse angeschwollen.
Die Krankheit war also eine Febris pu–
trida, als Folge verborgener Entzündung des
Darmkanals, deren Wichtigkeit der unglück
liche Ausgang der Krankheit zeigte, nnd doch
konnte wohl aus den Symptomen auf vorhan–
denes entzündliches Leiden, aber nicht auf ei
nen so äuſserst heftigen Grad der Entzündung
der Gedärme, geschlossen werden.

Colic a haemorrhoid a lis.

Ein Schneider von schwächlicher Leibes–


beschaffenheit, 56 Jahre alt, litt schon seit
mehreren Jahren an Goldaderbeschwerden,
Stuhlverstopfung, Störungen der Verdauung
u. s. w. In seinem 55. Jahre bekam er die
Gelbsucht, von welcher er erst nach mehreren
Monaten genas. Anfangs August 1824 befielen
ihn Schmerzen in der Lenden- und Kreuzge
125

gend, er konnte sich nicht aufrichten. Gegen


die Mitte des Monats hin nahmen diese Be–
schwerden, die anfallsweise kamen, so hef
tig zu, daſs der Kranke während des Anfalls,
sich krümmend, auf dem Boden herumkroch;
sie verbreiteten sich von der Lendengegend aus
nach vorwärts über den Bauch; besonders wa
ren die Hypochondrien sehr empfindlich, der
Puls zusammengezogen und härtlich,
Es wurden 8 blutige Schröpfköpfe in der
Lendengegend gesetzt, Dct. Gramin. fruct. Pru
nor. c. Tart. tartarisat, Klystiere und Umschläge
verordnet. Es erfolgte einige Erleichterung,
aber von kurzer Dauer, denn die Schmerz
anfälle kehrten bald wieder zurück, und ver–
setzten den Kranken in den qualvollsten Zu
stand. Auch die nochmalige Anwendung von
Blutegeln um die Kreuzgegend verschaffte
keine bleibende Erleichterung. Es wurden nun
Pulver aus 5 Gran Flor. Sulf. 5mal des Tages
gereicht, und ihre Wirkung war schnell und
vortrefflich, denn schon nach 12 Stunden wa
ren die Schmerzen verschwunden, ohne daſs
sie mehr zurückkehrten. Nach einigen Tagen,
welche der Kranke zur Beobachtung noch hier
blieb, verlieſs er genesen die Klinik.
126

Colica inflammatoria c um Ileo.

Eine höchst gefahrvolle Krankheit war fol


gender Fall. Smolikin Anna, 5o Jahre
alt, Dienstmagd von schwächlicher Leibes
beschaffenheit, erkrankte, wie sie vorgab,
am 18. August nach dem Genuſse von un
reifem Obste. Sie wurde von heftigem Bauch
grimmen ergriffen, das periodenweise sie be
fiel. Ein Weib reichte ihr unbekannte Pur–
giermittel dar, da der Stuhlgang strenge ver–
stopft war, es erfolgte jedoch keine Wirkung,
sondern der Zustand verschlimmerte sich schnell,
der Bauch schwoll auf, und die Anfälle der wü–
thendsten Schmerzen brachten sie beinahe au–
ſser sich. So kam sie am 25. August in un
sere Behandlung. Die Kranke fieberte mäſsig,
die Hitze war gelinde, sie vertrug die Berüh
rung des Unterleibs, und äuſserte nur bei stär
kerem Druck in der Tiefe des Bauches Schmerz.
Es wurde Mixt. oleosa, Klystiere, erweichende
Umschläge auf den Leib, und 8 Blutegel ver–
ordnet. - -

Am 24. August stellte sich hiezu Aufstos


sen und öfteres Würgen ein, kein Stuhlgang
erfolgte. - - -

Es wurden wieder 6 Blutegel an den Un–


terleib gesetzt, und nebst einer Emuls. gummos.
127

Pulver aus / Gr. Calomel alle 2 Stunden ge


reicht, in der Anwendung der Klystiere und
erweichenden Fomente fortgefahren.
Den 25. August hatte die Kranke in der
Nacht einigemal sich erbrochen, der Zustand
war etwas erleichtert, die Auftreibung des Un
terleibes aber dieselbe, eine sehr geringe Oeff
nung erfolgt. Die Gabe des Calomel wurde
auf einen Gran erhöht, und abermals 8 Blutegel
an den Bauch gesetzt.
Den 26. August hatte die Kranke wieder
einigemal erbrochen, und zwar eine stinkende
gelbliche Flüſsigkeit, die sich als aufgelöster
Koth darstellte; zugleich waren 2 Spulwürmer
mit ausgeworfen worden. Das Fieber hielt in
mäſsigem Grade an, und bei stärkerer Berüh
rung äuſserte die Kranke noch immer Schmerz
in der Tiefe des Bauches. Zwei sehr sparsa–
me Oeffnungen waren erfolgt und dabei etwas
Koth abgegangen.
Es wurden nun 8 blutige Schröpfköpfe an
den Unterleib gesetzt, die Gabe des Calomel
auf 2 Gran alle 5 Stunden erhöht, mit der Arz
nei fortgefahren und alle 2 Stunden 1 Eſslöffel
Oleum Ricini gereicht. A

Am 27. August war der Zustand derselbe,


es erfolgte kein Stuhl, auch hatte die Kranke
nicht erbrochen. Es wurde verordnet: -
128

B. Olei Ricini unc. unam, Mucil. Gummi arab.


Syrup. Alth.ana unc. dim. Optim. subact.
aff. Aqu. fontan. unc. sex. Salamar. drach. sex.
Am 28. August hatte die Kranke wieder
Koth erbrochen, und ein Spulwurm ging ab,
ausgiebige Oeffnung erfolgte.
Den 29. Aug waren 2 Oeffnungen erfolgt,
doch hatte die Kranke 5mal dieselbe Materie
erbrochen. Der Unterleib vertrug eine starke
Berührung, und sie fühlte nur einen unbedeu
tenden Schmerz in der Tiefe, dabei aber war
der Bauch stark aufgetrieben und gespannt, der
Puls natürlich und fieberlos. -

Es wurde, um auf die Darmentleerung


hinzuwirken, verordnet: Mixlurae oleosae unc.
quatuor. Aqu. laxativ. Disp. Vienn. unc. duas.
Den 50. Aug war der Zustand beinahe der
selbe, das Erbrechen einer kothartigen Mate
rie erfolgte 2mal, und eine Stuhlentleerung.
Nun erhielt sie Dct. Alth. mit einer Unze
Manila und ein lauwarmes Bad.
Am 51. Aug. wurde der obigen Arznei Sal
amar. zu 1. Unze beigesetzt. Das Erbrechen
erfolgte einigemale nebst 2 Stuhlgängen.
Am 1. Sept, wurden der Kranken Brau
sepulver aus Magnes, mur Gran decem, Acid.
tartaric. Gran. sex alle drey Stunden zu 1.
Stück verordnet, und das hartnäckige Erbre
129

chen kothartiger Stoffe hörte auf und kehrte


nie mehr zurück, die Kranke bekam 12 flüs–
sige Oeffnungen, der aufgetriebene, gespannte
Bauch fiel zusammen und bald kehrte die Eſs
lust und Wohlbefinden zurück.
Am 8. Sept, verlieſs die Kranke vollkom
men wohl das Krankenhaus.
Bemerkung.
Diese ursprünglich als Kolik beginnende
Krankheit ging in schleichende, verborgene
Darmentzündung über, und nur eine auf siche
re Indication gegründete, beharrlich fortge
setzte, antiphlogistische Behandlung, vermochte
einen günstigen Ausgang herbeizuführen.
Praktisch wichtig ist dieser Umstand, daſs
sich das Erbrechen erst nach den Brausepul–
vern hob, ein Beweis, daſs nach beseitigter
Entzündung, eine bloſs gesteigerte, rückbleiben
de Empfindlichkeit des Darmkanals, das Erbre
chen unterhielt, und nur durch die in dieser Hin
sicht specifisch wirkende Kohlensäure entfer
net werden konnte.

Apoplex ia et Hem ple gia.

Den ausgezeichneten Einfluſs, welchen


Leidenschaften auf die Gesundheit des Men–
schen äuſsern, wie mächtig besonders nieder
9 W.
150

drückende Gemüthsaffecte dieselbe zu unter


graben, und unvermuthet schnell den Orga
nismus der Zerstörung nahe zu bringen vermö–
gen, beweiset folgender Fall einer Apoplexie.
Elisabeth Saukup, eine Dienstmagd,
in dem Alter von 19 Jahren, von kräftigem, ge
sundem, nicht apoplectischem Körperbau, wur
de durch die traurige Nachricht von dem Uibel
befinden ihrer einzig noch lebenden Mutter in
tiefen Kummer versetzt, der ihr Eſslust, Ruhe
und Schlaf raubte. – Als sie am 18. Jänner,
bei anscheinend bester Gesundheit sich zu Bet–
te gelegt hatte, bemerkte ihre, im nämlichen
Zimmer schlafende Schwester, daſs sie röchle,
und jeder Versuch sie zu erwecken war frucht
los. Ein schnell herbeigerufener, erfahrner
Arzt erkannte den Zustand sogleich als voll
kommenen Schlagfluſs. Es wurden ohne Ver–
zug die zweckmäſsigsten Heilmittel angewendet,
dreimal zur Ader gelassen, und die antiphlo–
gistische, ableitende Methode, mit Hautreizen im
ganzen Umfange in Gebrauch gezogen, wodurch
die Kranke zwar wieder zu etwas Bewuſst
seyn gelangte, allein gänzliche Stimmlosigkeit
mit Halblähmung der rechten Seite blieben
zurück.
In diesem Zustande wurde sie am 21. Jä–
ner, als den 5. Tag der Krankheit in die Kli
151
nik überbracht. – Die Kranke äuſserte kei
nen Schmerz, der Mund war schief, nach der
linken Seite verzogen, die Bewegung der Zun–
ge schwerfällig, ohne einen Laut hervorbrin
gen zu können, der rechte Arm hieng blei–
schwer herab, ohne alles Bewegungsvermögen,
mit sehr vermindertem Gefühle, die Finger
waren gebogen (als Folge der gelähmten
Streckmuskeln), eben so war die untere rechte
Gliedmasse unbeweglich, und die Kranke un
vermögend zu stehen oder zu gehen. Als ein
anderer merkwürdiger Zustand zeichnete sich
aus, daſs am linken gesunden Arm auch bei
der gröſsten Aufmerksamkeit kein Puls zu
fühlen, am gelähmten Arme derselbe aber nor
mal, frequent, weich und schwach war.
So dringend nothwendig Anfangs die anti
phlogistische Heilmethode bei dem jungen rü
stigen Subjecte zur Rettung des Lebens war,
so erheischte doch der gegenwärtige Krank
heitszustand solche Heilmittel, welche die ge
sunkene Lebensthätigkeit empor zu heben, und
die Verrichtungen der Nerven, als der edel–
sten Organe, wieder hervorzurufen und zu re
geln im Stande sind.
Zu diesem Behufe wurde innerlich Infus.
Flor. Arnic. mit Spirit. C. C. und Extr. Arnicae;
äuſserlich Einreibungen aus Spirit.saponat. et
9*
152

Spirit. Vini camphorat. cum Tinct. Cantharid.


in die gelähmten Theile, die Brechweinstein
salbe in die Wirbelsäule, und Blasenpflaster
hinter die Ohren, und als diese heilten, an die
Seiten des Halses, die Seidelbastrinde auf die
Arme gegeben, der Stuhlverstopfung aber durch
einige Grane Jalappe mit Calomel vorgebeugt,
die Radix Pyrethri der Kranken mehrmal des
Tages als Kaumittel verordnet.
Bei dem beharrlichen, längern Gebrauche
dieser Arzneien, mit welchen in der Folge Se–
nega, Spirit. Sal. ammon. anisat, Sulfur. aurat.
Antimon. abwechselnd verbunden, und zugleich
täglich örtliche Dampfbäder angewendet wur
den, zeigte sich einige Hoffnung zur Besse
rung; die vorige Empfindung kehrte in die ge
lähmten Theile wieder, das polstrige Gefühl,
wie sie sich auszudrücken pflegte, verschwand.
Es wurden nun aromatische, und Laugenbäder
mit Lapis causticus in Anwendung gebracht,
und diese hatten den günstigen Erfolg, daſs
die Kranke die untere gelähmte Gliedmasse,
jedoch nicht die obere, bald etwas zu bewegen
vermochte. Auch erschien ganz unerwartet
am 12. Februar die Stimme wieder; aber hie
mit schien auch alles gethan zu seyn, denn
trotz des fleiſsigen, fortgesetzten Gebrauchs der
133

Arzneien, auch mit Zugabe von Campher blieb


der Lähmungszustand sich gleich.
Eine wichtige Veränderung ereignete sich
aber mit dem allgemeinen Befinden der Kran
1ken in der fünften Woche. Ohne daſs eine
Ursache ausgemittelt werden konnte, nahmen
die Kräfte wieder ab, der Puls sank zum fa
denförmigen herab, es erschien Aufliegen am
Kreuzbein, die Kranke wurde täglich schwä
cher und gänzliche Erschöpfung der Aeuſse
rungen der Lebensthätigkeit drohte baldigen
unglücklichen Ausgang. Nun wurde, um das
jeden Augenblick zu erlöschen drohende Le
ben zu erhalten, die erregende Methode im
ganzen Umfange angewendet: Cort. Peruvian.
mit verstärkten Gaben von Camphor. Rad. Va
lerianae, Angelicae mit versüſsten Mineralsäu
ern und Tinct, nervino-tonica Bestuscheffii,
spirituöse Einreibungen und Waschungen, Bla
senpflaster, stärkende, belebende Nahrungs
mittel, besonders Wein, riefen neues Leben
in die von allgemeiner Lähmung ergriffenen
Organe zurück, und langsam erhohlte sich im
Verlaufe von 6 Wochen die Kranke wieder,
und so wie die Kräfte zunahmen, wuchs auch
das Vermögen, den gelähmten Schenkel zu be
wegen, der Pulsschlag kehrte nun erst am
linken Arme zurück, gelangte jedoch nie
-
154
zu dem Grade der Stärke und Ausdehnung,
wie am leidenden Arme, und blieb auch in der
Folge undeutlich. -

Um von Seiten der Kunst wieder auf die


Lähmung einzuwirken, wurde nun die Anwen
dung der Galvanischen Säule in Gebrauch ge
zogen, mit 1o Plattenpaaren angefangen, und
die Kranke dem electrischen Strome so ausge
setzt, daſs der eine Pol an die Schulter, der
andere am Rücken des Fuſses der gelähmten
Seite angebracht, und durch / – % Stunde
die Operation unterhalten wurde. Die Pole
wurden nach einigen Tagen gewechselt, und
derjenige oben angebracht, welcher sonst un
ten angelegt worden war. So wurden dann
allmählig die Platten bis auf 2o, und endlich
auf 5o Paare vermehrt, ohne daſs die Kranke
bedeutende, unangenehme Empfindungen wahr
genommen hätte; nur bildeten sich da, wo die
Ketten angelegt wurden, Geschwürchen eigen
thümlicher Form, die eine seröse Flüssigkeit
absonderten, und schwarze Fleckchen zurück
lieſsen. – Bald äuſserten sich die herrlichen
Wirkungen dieses vortrefflichen, und gewiſs zu
wenig in der Heilkunst gewürdigten Mittels,
des Galvanismus. – Es kehrte die Stimme mit
vermehrter Kraft, und auch die Sprache zurück,
so unvollkommen stotternd und unverständlich
135

diese Anfangs war, (sie vermochte nur die vor


gesagten Worte mit groſser Anstrengung nach
zusprechen), so bildete sie sich bald geläufiger
aus; die schief verzogene Mundspalte zog sich
unvermerkt in ihre vorige gerade Richtung,
und allmählig fing endlich die Kranke auch
an, den Oberarm zu bewegen. Mit dem rech
ten Fuſse war sie bereits dahin gelangt, daſs
sie im Zimmer mittelst eines Stockes herum
zugehen im Stande war. Dabei wurde inner
lich Tinct. Rhois radicantis in steigender Gabe
von 15 Tropfen bis zu % Drachme in 4 Un
zen eines aromatischen Wassers gegeben. –
Die Kranke erlangte, hinsichtlich des physi
schen Befindens, ein blühendes Aussehen, hatte
gute Eſslust, und nahm an Fleisch und Kräf
ten zu. Alles ging vortrefflich, wir gedachten
sie zur gänzlichen Herstellung in die Bäder
von Töplitz im Monate Juny zu senden. – Doch
sollte die erfreuliche Aussicht einer gänzlichen
Heilung bald sehr getrübt werden. Seit dem
Beginn der Krankheit waren nämlich bei der
sonst regelmäſsig menstruirenden Kranken, die
Catamenien ausgeblieben. Sie empfand nun
Schmerzen in der Lendengegend, die sich nach
vorwärts über den Unterbauch gegen die Scham
gegend hinzogen, periodisch zurückkehrten, und
wieder verschwanden; dabei wurden weder Fie
156
berbewegungen im Pulse, noch sonst andere Stö
rungen der Functionen des Organismus wahrge
nommen, und die ganzen Zufälle für günstige
Bemühungen der Natur gehalten, welche keine
besonderen Maſsregeln erheischten, höchstens
daſs, um die Natur in ihrem Wirken zu unter
stützen, Umschläge, zuweilen eine Tasse Cha
millenthee, und späterhin Infus. Melissae, Men
thae cum Tart. tartarisat. und Extr. Chamomill.
gegeben, und durch laue Fuſsbäder der An
drang des Blutes zu den unteren Theilen be
fördert wurde. -

So verliefen im Monate Juny einige Tage,


ohne daſs sich der Zustand erleichterte, viel
mehr wurden die Schmerzen anhaltend, der
Puls fieberhaft; die Eſslust verlor sich, und
die Berührung der Lendengegend war sehr em
pfindlich, im Unterleibe fühlte die Kranke bloſs
bei stärkerem Druck Schmerzen in der Tiefe
gegen die Lendenwirbel hin, der Stuhl erfolgte
träge, die Menstruation trat nicht ein, wohl
aber zeigte sich ein schleimigter Ausfluſs aus
der Scheide. - - . . .

Die Gegenwart einer verborgenen Entzün


dung, die wohl im Gekröse haftete, war un
verkennbar, und hiernach wurde auch der Heil
plan eingeleitet. Die Kranke wurde auf strenge
Diät gesetzt, erweichende Umschläge an den
157

Unterleib applicirt, Dct. Alth. Mannat. und Man


delmilch zum Getränke verordnet. Demohnge
achtet schritt die Entzündung in ihrer Ausbil
dung vorwärts, das Fieber wurde stärker, die
Schmerzen in der Lendengegend heftiger, und
verbreiteten sich über den Unterleib. Es wur
den nun zu wiederholten Malen bei sehr angst
voller Prognose, Blutegel und blutige Schröpf
köpfe gesetzt, erweichende Klystiere angewen
det, Emulsionen und Pulver aus Calomel ge
reicht. Nachdem in einem Verlaufe von 14
Tagen, 56 Blutegel und 4o blutige Schröpfköpfe
gesetzt, mehrmal Senfteige und Einreibungen
der Brechweinsteinsalbe, so wie Unguent. mer–
curial. und lauwarme Bäder angewendet wor–
den waren, entschied sich das Fieber entllich
in der Mitte August's durch kritischen Urin und
Schweiſs, und die Entzündung zertheilte sich
vollkommen. *

Hinsichtlich der Lähmung war die Kranke


so weit vorgerückt, daſs die Stimme und Spra
che zurückgekehrt waren, daſs sie frei umher
gehen, auch den Oberarm bedeutend heben und
bewegen konnte; die Eſslust kehrte zurück,
heitere Gemüthsstimmung und blühendes Aus
sehen traten nach und nach ein; zu einem ho
hen Grade der Besserung, doch nicht der gänz–
lichen Wiederherstellung, hatte es die Kunst zu
138

bringen vermocht. Sie wurde am Schluſse des


Schuljahres in die Abtheilung des Kranken
hauses übersetzt, und daselbst am 8. Septem
ber auf ihr Verlangen zu ihrer Mutter auf das
Land entlassen, ihr die zweckmäſsige Diät, und
im künftigen Frühlinge der Gebrauch der Heil
quellen zu Töplitz angeordnet, von deren An
wendung bei dem jugendlichen Subjecte, und
bei der so weit vorgeschrittenen Besserung,
gänzliche Herstellung ihrer Gesundheit mit
vollem Grunde zu hoffen ist.
Bemerkung. Dieser merkwürdige Fall,
der durch volle 8 Monate ein Gegenstand der
klinischen Behandlung war, liefert, obgleich
die Kranke nicht gänzlich hergestellt wurde,
einen neuen Beweis, was beharrlich fortgesetz
tes Bestreben von Seiten der Kunst auch bei ver
zweifelt scheinenden Fällen vermag, und daſs
keine, noch so lange Dauer der Krankheit, den
Arzt je in seinen Bemühungen ermüden dürfe; –
er lehrt aber auch, welche höchst verschiedenen
Heilmethoden bei dem nämlichen kranken Sub
jecte, nach Verschiedenheit der Umstände, ange
zeigt seyn können. – Anfänglich war bei dem
Zustande der Lähmung ein mäſsig reizendes
Verfahren, späterhin bei gänzlicher Erschö–
pfung der Lebensthätigkeit, die kräftig erre
gende Methode im ganzen Umfange angezeigt,
- 159

und im 6. Monate ihrer Krankheit muſste we


gen schleichender Entzündung der Eingeweide
des Unterleibes, ein streng antiphlogistisches
Verfahren durch mehrere Wochen andauernd
angewendet werden. – Keine vorgefaſste Mei
nung, nur umsichtige Beobachtung der Natur
allein, vermag den Arzt am Krankenbette zur
richtigen Behandlung anzuleiten.

Pleur it is sinistra et Ulcera syphilitica.

Eine Kellnerin von 18 Jahren, schmäch–


tig gebaut, zog sich durch ihre ausschweifende
Lebensart syphilitische Geschwüre der Genita
lien zu, an welchen sie in dem hiesigen Kur
hause durch 8 Wochen behandelt wurde. Am
12. August befiel sie aus Verkühlung Kälte,
welche in anhaltende Hitze mit Kopfschmerz
und Mattigkeit überging; zugleich stellte sich
ein stechender Schmerz in der linken Seite der
Brust ein, welcher durch tieferes Einathmen,
wie auch durch häufigen trocknen Husten be
deutend vermehrt wurde.
Am 15. August kam sie in die Klinik. Das
Angesicht war roth, das Auge lebhaft, die
Zunge schmutzig gelb belegt, der Geschmak
bitter, der Brustkorb bei äuſserer Berührung
nicht schmerzhaft, der stechende Schmerz in
140
"

der linken Seite hielt an, und hatte an Heftig–


keit zugenommen, die Kranke konnte auf der
ergriffenen Seite nicht liegen, ohne daſs der
Husten erregt und der Schmerz gesteigert wur–
de, der Unterleib war frei, der Urin trübe, mit
einem häufigen, ziegelmehlähnlichen Bodensatz
versehen, die Hautwärme bedeutend erhöht,
der Puls hielt gegen 1oo Schläge, war voll und
stark. Die syphilitischen Geschwüre waren
bis auf eine bohnengroſse Excoriation geheilt.
Es wurden 6 Blutegel an die leidende Seite
des Brustkorbes, nach reichlich unterhaltener
Nachblutung erweichende Breiumschläge, und
innerlich DCt. Rad. Alth. c. Nitro drach. dimid.
et Syrup. Alth. verordnet. -
Der Schmerz verminderte sich bedeutend
nach Anwendung der Blutegel, so daſs die
Kranke am 17. August bereits auf der kranken
Seite liegen konnte, und ruhig in der vergan
genen Nacht geschlafen hatte. Die Verordnung
wurde nicht geändert, nur kamen zu der Be
handlung wegen vorhandener Syphilis Pulver
aus / Gr. Calomel 2mal des Tages.
Am 18. August waren die Symptome der
Brustfellentzündung gröſstentheils gehoben, al–
lein die bleibend belegte Zunge mit bitterm
Geschmak, der gänzliche Mangel an Eſslust,
deutete auf eine gleichzeitig vorhandene ga
141
strische Note hin, die nun mit auflösender Me
thode aus Dct. Rad. Gramin. c. Oxymel. simplic.
behandelt werden konnte.
Nachdem sie diese Mittel durch einige
Tage hindurch gebraucht hatte, verloren sich
auch diese krankhaften Erscheinungen, die Ge
schwüre waren geheilt, und genesen verlieſs
die Kranke am 24. August die Klinik.

Fe bris ga strica s aburra lis.

Ein Sprachlehrer, 6o Jahre alt, von schwäch–


licher Leibesbeschaffenheit, verlor ohne be
kannte Ursache die Eſslust, fühlte Neigung zum
Erbrechen, und erbrach auch wirklich eine
Menge wasserheller Flüssigkeit, und jede Nah
rung kam ihm bitter vor. Ein Bitterbrannt
wein verbesserte den Zustand nicht, und nach–
dem der Kranke sich gegen 5 Wochen kränkelnd
herumgeschleppt hatte, suchte er am 15. August
Hilfe in der Klinik.
Er sah blaſs aus, das Gesicht war einge
fallen, die Eſslust ganz vertilgt, die Zunge
gelblich weiſs belegt, der Geschmak lehmicht,
der Pulsfrequent und weich, die übrigen Ver–
richtungen ordentlich. Er erhielt zur Arzney
Dct. Rad. Gramin. c. Tartar. tartarisat., worauf
bald flüssige Oeffnungen erfolgten, welche den
142

Uibergang zum Det. Rad. Taraxac. c. Sal. am


moniac., nebst Pulvern ausgebrochenen Gaben
Rad. Ipecacuanh. nothwendig machten.
Am 16. August hatten sich die durchfall
artigen Stühle wohl beschränkt, allein es er–
folgten noch immer täglich flüssige Oeffnungen,
die Zunge blieb belegt, bei dem gänzlichen
Mangel an Eſslust verordnete man: P.. In–
fus. Rad. Ipecacuanh. ex Gran. decem par. unc.
sex. Sal. ammon. scrup. unum.
Bis 18. August hatte sich der Zustand des
Kranken wenig geändert, doch erfolgte der
Stuhl nun ordentlich. Bei dem offenbaren
Schwächezustande, in welchem sich hier die
Verdauungswerkzeuge befanden, war die An
zeige, solche Mittel in Anwendung zu brin
gen, welche die Atonie des Darmkanals ver
besserten, ohne die angehäuften, schadhaften
Stoffe zurückzuhalten. – Der Kranke erhielt
daher eine bittere, auflösende Arzney aus: B. Aq.
commun. unc.- quat. Extr. Trifol.fibrin. Sal.
ammoniac. ana drach. semis, und am 20. Aug.
B. Aq.commun. Aq. Cort. Aurant.ana unc. duas.
Extr. Cardui bened. drach. unam.
Der Erfolg dieser Heilmittel war so gün
stig, daſs am 22. August die Zunge gänzlich
rein war und die Eſslust zurückkehrte. Der
Kranke dünstete mehr als gewöhnlich aus, der
145
Urin setzte einen schleimigten Bodensatz ab,
er näherte sich rasch der Wiedergenesung,
und die gänzliche Herstellung wurde bloſs durch
eingetretenen Husten unterbrochen, den sich
der Kranke wahrscheinlich dadurch zugezogen
hatte, daſs er in der Nacht, wo er gewöhnlich
stark ausdünstete, durch Aufstehen aus dem
Bette sich verkühlte. Ein durch einige Tage
fortgesetztes Dct. Polygal. amar. c. Extr. Liquirit.
hob auch diesen Zufall, und am 31. August kehrte
der Kranke genesen zu den Seinigen zurück.

Hydroth or a c inflammatorius.

Nicht unähnlich einem oben erwähnten Falle


kam eine entzündliche Brustwasser
sucht bei einem Bereuter von 64 Jahren vor.
Vor 4 Wochen erkrankte er an einer Brustfell
Lungenentzündung, die theils nach dem Grade
ihrer Heftigkeit nicht behandelt, theils auch
vom Kranken selbst vernachläſsigt, den Aus
gang in hitzige Brustwassersucht nahm. Er
kam am 11. August am ganzen Körper ange
schwollen, mit mühsamem, beängstigtem, kur
zem Athmen und Gefahr zu ersticken, so, daſs er
stets nach Luft schnappte, und nicht liegen
konnte, in das allgemeine Krankenhaus. Der Urin
war sehr sparsam. Verordnet wurde: ein Bla–
144

senpflaster zwischen die Schultern, Dct. Alth.


c. Infus. fol. Digital. ex Gran decem. parat.
Später erhielt er ein neues Blasenpflaster auf
die Brust, Dot. Alth. c. Liquor. terr. fol. Tart.
et Oxym. scillit. und Pulv. aus Digital. mit Ca
Iomel. Als die Digitalis ihre Wirkung auf den
Puls besonders dadurch äuſserte, daſs dieser
selten (46 Schläge) und aussetzend war, wurde
Aura camphor. exgran. duob. in Dct. Alth. ge
geben, der Campher aber wieder ausgesetzt,
als der Puls geregelt erschien. Bei Fortgebrauch
von Dct. Alth. c. Liquor. terr. fol. Tart. und
Oxymel. scill. nebst geringen Gaben Plummeri
scher Pulver, trat anhaltender, reichlicher Ab
gang des Harns ein, die Geschwulst des Kör–
pers verlor sich, jede Beschwerde der Brust
verschwand, der Kranke konnte ganz ungehin–
dert in jeder Lage zubringen, und erfreute sich
bald eines gänzlichen Wohlbefindens, so daſs
er mit dem Schluſse der Klinik genesen ent
lassen wurde.
--
ct. Alth. Register
ſl. parat der vorkommenden Krankheitsfälle.
aster an
ol, Tart
mit Cº Angina membranacea . . . . . . . . . . . . . . . . 58
f auf den
Angina tonsillaris • • • • • • • • • • • • • • • • • • 75
-

Apoplexia . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
ſs diese
Apoplexia et Hemiplegia . . . . . . . . . . . . . . 129
T, wurº Arthritis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51-55
Alth.g- Arthritis acuta genu dextri in puerpera . . . . . . 67
usgese: Arthritis vaga . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
Bronchitis et Tracheitis . . . . . . . . . . . . . . . 46
gebraut Catarrhus narium ex polypo evulso . . . . . . . . 57
Tart, um Colica haemorrhoidalis . . . . . . . . . . . . . . . . 24
lummer Colica inflammatoria cum Ileo . . . . . . . . . . . 126
icher Al Convulsiones . . . . - - - - - - - - - - - - • • 41–117
des Kö Coxalgia spuria - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 26
ler Brust Enteritis - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 81
ungehiº Epilepsia - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 59-92
Febris catarrhalis cum affectione bronchiorum . . 56
reutesch Febris gastrica saburralis . . . . . . . . . . . . . . 141
S0 daß
Febris intermittens tertiana . . . . . . . . . . . 71–72
esen en“ Febris inflammatoria nervosa, cum irritatione ce
rebriet pectoris . . . . . . . . . . . . . . . 35
Febris nervosa ex catarrhali orta . . . . . . . . .“ 66
Febris nervosa putrida . . . . . . . . . . . . . . . 122
Febris nervosa stupida . . . . . . . . . . . . . . . 22
Febris puerperalis . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
Febris rheumatica . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4o
Febris rheumatica cum tumoribus glandularum . . 55
Haematemesis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
Hepatitis et Enteritis . . . . . . . . . . . . . . . . 87
Seite

IIydrops universalis . . . . . - - - - - - 08
Hydrothorax acutus . . . . . • • • • • • 120

Hydrothorax inflammatorius - - - - - - 45
Ischias . . . . . . . . . . . . - - - - - - 85
Metritis chronica . . . . . . . . - - - - - - 77
Metrorrhagia . . . . . . . . . . - - - - - - 16
Otitis . . . . . . . . . . . . . . - - - - - - 15
Peripneumonia . . . . . . . . . . . . . 45–84–95
Pleuritis sinistra et Ulcera syphilitica 139 e e sº e sº e

Pleuroperipneumonia . . . . . . . . . . . . . . . . 70
Pleuroperipneumonia chronica et Hydrothorax . . 86
Peritonitis et Oophoritis . . . . . . . . . . . . . . 75
Phrenitis . . . . . . . . . • • • • • • • • • 18-20
Phrenitis lactea . . . . . . . . . . . . . . o9-111
Phthisis pulmonalis . . . e e e s | d - sº e s 58
Ptyalismus • • • • • • • • • • - - -- -- - - - e- a 42
Rheumatismus acutus pedis. - - - - - - 9.
Scarlatina. • * 9 d O. • • . . . . . . 76
Splenitis . . . . . . e, . . . . 61–90
Syphilis . . . . . . . 98–100-101
Urticaria . . . . . . .
- - - - - - -
• • • • • • 50
Witium organicum cordis ? d
• • • • • • 72

- - - - - - - - - -

- - - - - - - Druckfehler.
-
Seite Zeile -
26 – 3 von unten statt Trochadern lese man Trochanter.
29 –g von unten – blaſs-kalter blaſs, kalter.
52 – 3 von unten – Ipecacuana Ipecacuanha

- -
-,

Gedruckt in der Sommerschen Buchdruckerey.


·
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> - W-
- - -

von densehen esses in der - -

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en Benug erschienen
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De Lee in einer Tee dargeste
- oo 8 - es 2 - C.
e cosce . . ee - weiten
Sie - einer Tee gese
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Grusze der asche eude
e . aese euer gr. 8 -
-
Ese e - ebe. Auch e
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be c . ee erer
es 2 :
Zwee ees - ege E- -
zu ungen. Auch unter den e |
-

die Lee von den zündungen der -


B es Leee e |
ese ee - es - --
so r C -

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