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Ballauff Teil I Bettina Kietzmann

„Wir wollen uns nicht weiter auf all diese wissenschaftstheoretischen oder
„metatheoretischen“ Erörterungen einlassen. Sie nehmen heute in den meisten
erziehungswissenschaftlichen Darstellungen einen außerordentlichen Umfang an, oft
auf Kosten dessen, was der Leser erwartet, eben eine inhaltliche Darlegung der
Themen
und Theorien der pädagogischen Differenzierungen. Dem sollen die folgenden
Ausführungen
dienen.

Die Geschichte sollte uns zugleich gewährleisten, unsere Situation, das Gesamt der
heutigen Konstellation, zu erreichen, das Überholte und das zu Überholende zu
erkennen. Ob es dem Kurs gelingt, dieses Ziel zu erreichen, entzieht sich dem Urteil
des Autors.“ S:30/31

Ballauff bis S. 32

Begriffe:

BiWi, Bildung, Pädagogik, Erziehung, Sozialisation,

Subjekt-Welt-Relation (Verhältnis Individuum zur Umgebung)


Ballauff Teil I Bettina Kietzmann

materiale Bildungstheorien (Voraussetzung:


bestimmtes

Wissen, um an Bildung teilzunehmen =gescheitert


weil zu inhaltsbasiert und zeitspezifisch)

Bildung= Ergebnis eines indiv. Bildungserwerbs

Dualismus (Klafki versuchte Kluft aufzuheben in „kategorialen Bildung“ siehe


Textauszug: wechselseitige Erschließung von Ich und Welt)

formale/funktionale Bildungstheorien (Konglomerat


an Fähigkeiten als Voraussetzung für inhaltl.
Bildung; Bildung: Funktion des Wegbereitens)

traditionelle Bildungstheorien: Bildung als stetiger individueller Entwicklungsprozess


(bzgl. „Bildsamkeit“-Klassik und „lebenslanges Lernen)

„Gegenstand einer Reihe traditioneller bildungsphilosophischer Ansätze ist die


Vorstellung
von Bildung als eines individuellen Prozesses, in dem sich das Subjekt in
einem kontinuierlichen Entfaltungs-, Entwicklungs- bzw. Identitätsprozess befindet.“
S.10

„EHRENSPECK weist darauf hin, dass diese Prozessualität von Bildung mit dem
klassischen
Begriff von Bildsamkeit gemeint ist und in den neueren Diskussionen eine
Parallele zu dem Begriff des lebenslangen Lernens gezogen werden kann (vgl.
EHRENSPECK 2004, S. 69). Sich bilden wird damit für den Einzelnen zu einer
dauerhaften
Aufgabe.“

„Der Ansatz, Bildung als institutionalisierte Bildung zu verstehen, ist nicht neu,
sondern
wurde bereits in klassischen Bildungstheorien bei HUMBOLDT, SCHLEIERMACHER
u. a. diskutiert. Institutionalisierte Bildung meint, dass „Bildung auch als eine Aktivität
bildender Institutionen und Personen zu verstehen ist“ (EHRENSPECK 2004, S. 70).“
Ballauff Teil I Bettina Kietzmann

Theorien institutionale Bildung (Aktivität Institut und Person)

Individuelle Theorien (Einzelner)

ganzheitliche Theorien (Menschheit)

Entscheidung für historischen Zugang als Einführung (Rückblick in


Ideengeschichte  Vergangenheit erschließt Gegenwart und somit Zukunft
(wenn Vergangene integriert)

historischer Zugang zur BiWi:

- seit Antike Fragen zur Bildung, Erziehung, Sozialisation und Lernen („Was ist
Bestimmung des Menschen und wie erreicht er sie?“)
- Vergangenheit schlüsselt Sinnhaftigkeit des „Jetzt“
auf(Orientierung/Auseinandersetzung mit Vergangenheit während des
Prozesses)
- Direkter Vergleich mit damaligen Vertretern

Biografie Ballauff

- gestaltet histor. Zugang und stellt Geschichte der Pädagogik als


Bildungsphilosophie dar
- „Pädagogik als Bildungsphilosophie“ 1983 für FU Hagen (geschichtlicher
Überblick pädagogischer Themen (Themenkreise) als Einführung
- =Pädagoge und Philosoph
- Beschäftigung mit Geschichte und Systematik der Päda
- „Philosophischen Begründungen der Pädagogik. Die Frage nach dem
Ursprung
und Maß der Bildung' [1966]
- Begann Ausführungen zum Bildungskonzept mit Platons Höhlengleichnis (wie
Heidegger)
- BALLAUFF, Th.: Philosophische Begründungen der Pädagogik. Berlin 1966;
und BANKI, F.: Der Weg ins Denken. Platon-Martin Heidegger-Theodor
Ballauff. Bern 1986
Ballauff Teil I Bettina Kietzmann

„Was ist für Sie Bildung? Wie sehen Sie aus Ihrer jetzigen Perspektive und Ihren
Erfahrungen das Verhältnis des Menschen zur Welt und zur Gesellschaft? Welchen
Stellenwert messen Sie dem Begriff Bildung heute bei? Notieren Sie Ihre Antwort und
vergleichen Sie nach der Kurseinheit Ihre Antwort mit den dargestellten Ansätzen.
Inwieweit hat sich Ihre Vorstellung von Bildung nach der Bearbeitung des Kursteils
geändert? Wir
werden Sie am Ende des Kurses wieder an diese Fragen erinnern.“ S.11

Biografie:
- * 14.1.1911 Magdeburg
- Prof. Pädagogik und Philosophie
- Themen: Geschichte der Pädagogik, zur Bildungstheorie, Anthropologie und
Erwachsenenbildung, systematische Päda
- Studierte Chemie, Biologie, Philo, Psycho, Religionswissenschaften
- 1938 Promotion „Über den Vorstellungsbegriff bei Kant“
- Nach Lehramtsprüfung Referendar an der Uni-Bibo Halle
- Mitglied der NSDAP- später distanzierte er sich von NS-Ideologie
- 1943 habilitierte an der Uni Berlin
- 1952-1979(emeritiert) Prof. für Päda und Psycho an Uni Mainz
- Starb am 20.12.1995 in Mainz
- Mitbegründer der Phänomenologischen und Historischen Päda

Begriffe: Denken und Wahrheit

Ausgang für seinen Ansatz selbstloser Umgang

(nicht die Praxis der Erziehung) Päda als Bildungslehre bzw. als
„Pädagogik der
selbstlosen Verantwortung der Wahrheit“.

Bildung= abhängig von Veränderungen in Gesellschaft

Was bedeutet „pädagogisch“ in bestimmter Zeit?

Pädagogik = Theorie der Bildung und Erziehung

Begriffe Erziehung und Bildung verschieden interpretiert, ABER es gibt Leitlinien!


Ballauff Teil I Bettina Kietzmann

Grundfragen an die Wissenschaft der Pädagogik:

Wo und in welcher Zeit liegt ihr Ursprung? Erstes Ziel? (Geschichte)

Themen, Gegenstände und deren Zusammenhang?

Methoden? (für Beantwortung von derartigen Fragen)

Wie ist die Pädagogik aufgebaut? (Systematik)

Themenkreise/ Säulen/ Differenzierungen der Pädagogik:

Sozialisation Erziehung Schule Unterricht Bildung

sowohl Prozesse als auch Institutionen beabsichtigte


Sozialisation

Einführung des jungen Menschen(Generationenfolge)

in Gesellschaft

Frage nach der Wissenschaftlichkeit, über Begründungen zu beantworten 

- Differenzierung müssen begründet werden und ein Zusammenhang soll


erschlossen werden
- theoret./metatheor. Fragen und Lehrsätze/Theoreme/Aussagen der Päda
- Wissenschaftlichkeit ist durch Verbindung der Methoden mit gekennzeichnet

Aussagen/Lehransätze der Pädagogik Päda als Wissenschaft

Begründung

Arten

systematisch historisch (Priorität)

Losgelöst von Geschichte; Beziehung der „Säulen“ zu-

Ergebnisse dieser sind gebunden an einander; Basis für alle


anderen zeitgenössische Voraussetzungen
Begründungen
Ballauff Teil I Bettina Kietzmann

Systematische Begründungen der pädag. Differenzierungen:

- Gesellschaftlich: Erziehung/Sozialisation als „Funktion der Gesellschaft“ (für


Aufbau und Selbsterhaltung der Gesellschaft)
- Ökonomisch: Verbesserung/Sicherung der Lebenslage; auch Erfolg
- Philosophisch (Auseinandersetzung mit bestehenden Erzg. Und Soz.) und
theologisch (Religionen beanspruchen Ausschließlichkeit v.a. Abendland)
- Ethisch: Mittelpunkt in Neuzeit (Herleitung aus philos. und theol.); Kants
„Persönlichkeit“ und Herbarts „Charakterstärke der Sittlichkeit“
- Anthropologische und sozialisationstheoret.: Lebenwesen- Mensch- bedarf
Erzg. und Sozialisation mit Ziel der Lebensfähigkeit; Lernen für Anpassung
und Zaumhaltung der Triebe
- Weitere, z.B. anthroposophische: gesellschaftlich-
ökonomische(politökonomische) Begründungen

Kurz:

Systematische Begründungen

gesellschaftlich: Erziehung/Sozialisation INNERHALB der Gesellschaft (notwendig


für Erhalt und Aufbau der Gesellschaft)

ökonomisch: Sicherung der Lebenslage durch Erziehung/Sozialisation (Überleben)

philosophisch: Auseinandersetzung mit bestehender Erziehung/Sozialisation

theologisch: Religion mehr und mehr Obhut über Erziehung/Sozialisation

ethisch: Kant („Persönlichkeit“) und Herbart („Sittlichkeit“)- Grundlage philo. und


theol.

anthropologisch/sozialtheoretisch: Mensch als Lebewesen braucht


Erziehung/Sozialisation um lebensfähig zu werden (Anpassung an Umwelt und
Überwindung der Triebe)

anthroposophisch: Weisheit
Ballauff Teil I Bettina Kietzmann

Historische Begründungen

- Vergessenheit der Geschichte, die mögliche Wiederholungsfehler in der


Gegenwart, durch längst gewonnene Lösungsansätze und Antworten auf
Fragen, vermeiden könnte (daher: Quellenarbeit)
- Konfrontation mit klassischen Lehransätzen und Aufforderung zu hinterfragen
und Vor-Urteile zu prüfen, denen wir womöglich selbst unterliegen
- Vergleich damals-heute- kritische Beleuchtung unserer heutigen Auffassung
von Bildung, Erziehung, Sozialisation etc. (Blick über den Tellerrand,
Schätzung des geschichtlichen Prozesses und das anerkennen der
Unvollkommenheit)

- „4. Wir müssen die Geschichte vor sich selbst schützen. Wenn wir nicht durch
Historie um sie wissen, werden wir von ihr überrumpelt; wir bleiben in ihr
befangen,
je mehr wir den Blick von ihr abwenden.“

Was meint Ballauff damit? Bzw. könnte er meinen?


Wir sollten uns auf den Weg machen und die Geschichte nach und nach
nachzuvollziehen versuchen. Ich grenze die Aussage Ballauffs auf unser Dasein ein:
Wenn ich nicht um meine Vergangenheit weiß, nicht integriere, verarbeite,
anerkenne, was „gewesen“ und was zu dem gemacht, was ich heute bin, dann bleibe
ich im Sog der Vergangenheit gefangen und begehe ohne zu merken unbewusst
immer wiederkehrende Muster. Wenn ich jedoch beginne zurückzuschauen und
Bezüge zu meinem jetzigen Verhalten erkenne, so habe ich die Wahl: weiter wie
bisher oder aus der Vergangenheit lernen…
Ähnlich kann man dies auf unsere Menschheitsgeschichte beziehen.
Und schon wirde der 5. Punkt leichter zu verstehen:

- Um nicht überhöht, unkritisch und autoritär zu werden, müssen wir die


Geschichte kennen, um Maßgeblichkeit nicht ungeprüft stehen zu lassen
(Verantwortung)
- Aktivität im „Jetzt“ und Erkennen der Verbindlichkeit des „Damals“(geschichtl.
Gedankengänge)- Sinn der Erziehung, Bildung etc. in Erfahrung bringen über
Traditionen
- Ermittlung des Maßgeblichen (nicht über gegenwärtige Beobachtung (Emprie)
sondern über geschichtl. Gedankengänge) und der Bogen spannt sich zur
„Aktivität im Jetzt“, d.h. Selbstständigkeit im Denken und dessen Nachweis

Kurz: Ziel der histor. Betrachtung:

- moderne System herleiten, begründen und gliedern


- dadurch soll überholte und zu überholende erkannt werden
- viele Spezialgebiete (gemeinsamer Grundstock? Überschneidungen?)
- Forschung: Schulpäda, Berufspäda, Sonderpäda, Erwachsenenbildung etc.
Ballauff Teil I Bettina Kietzmann

Methoden der Pädagogik

historisch (Päda) experimentell (moderne Erz.-wiss. beruht auf


Experimenten)

diachron (durchläuft Geschichte) synchron (durchläuft Geschichte nicht,


zeitgenössisch)

Vorwürfe: normative alte Päda

GP- zu geschichtlich, wenig Praxisbezug

inexakt, geringe Verifizierbarkeit

Verschiedene Interpretationen der Pädagogik

- Berufswissenschaft („Wiss. der Lehrer“-= Konflikthaft) nicht „modern“


(Erz.wiss. als Dienerin (ancilla))
- Handlungswissenschaft (Kritik: es fehle ihr der distanzierte Blick) *
- Technologie (Ancilla-Konflikt-(Dienerin) wenn nur auf Methoden und
Technik begrenzt, dann reines Instrument; Zielsetzung elementar)
- Pädagogik als Bildungstheorie (traditionell, geschichtlich)

Erziehungswissenschaft = Lehrer vs. Lehrer =


Erziehungswissenschaft

(Erz.wiss. wäre nur Mittel zum Zweck- Dienstleistung, Ancilla-Konzept


(Dienerin))

*Gefahr nur Praktikable als wichtig anzusehen; TUN, Umsetzen und Theorie außen
vor

Wissenschaft: Praxis wird von Theorie abgeleitet (dabei werden alle Aspekte
bedacht)

W. Busch: „Jemand der zusieht sieht mehr als jemand der mitmacht“  meint, dass
Mitwirken in Erziehung und Unterricht KEINE erziehungswiss. Forschung bedeutet;
beim TUN fehlt Distanz, dafür greift man ein und verändert
Ballauff Teil I Bettina Kietzmann

Pädagogik als Bildungstheorie

- Geht darum auch Maßgaben, Voraussetzungen und Zielsetzung in Begriff


aufzunehmen um klar umrissenen Forschungsbereich zu eröffnen
- Bildungstheorie beinhaltet als Begriff am besten einen klar umrissenen
Themenkreis

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