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Diachrone Beschreibung

der deutschen Sprache


Präsentation zum Einführungsseminar
Alexander Lasch

http://alexanderlasch.wordpress.com
Organisation
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Organisatorische Details

Organisatorisches

Sprechstunde: Donnerstag, 9.00-10.00 Uhr, LS8 – 428.

Tutorium zum Seminar

a.a.O.

Elektronische Anmeldung für das Seminar

Wenn Sie das Seminar besuchen, informieren Sie mich bitte kurz über dieses
Formular: http://goo.gl/4A5u6.

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Organisatorische Details

Informationen und
Material zur Lehre

alle Materialien unter


http://alexanderlasch.
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Organisatorische Details

Informationen zum
Seminar

https://goo.gl/mvyH58

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Screencasts

https://goo.gl/3rMUZL

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Organisatorische Details

Historische Kontexte

http://goo.gl/fu1k02

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Organisatorische Details

Material

1. Reader zum Seminar - verfügbar auf der


Website des Lehrstuhls für deutsche
Sprachwissenschaft, das Blog oder
die OLAT-Lernplattform.

2. Basisliteratur:

Stedje, Astrid. 2007. Deutsche Sprache


gestern und heute. 6., neu bearb. Aufl.
Paderborn.

Schmidt, Wilhelm. 2007. Geschichte der


deutschen Sprache. Ein Lehrbuch für das
germanistische Studium.
10. Aufl. Stuttgart.

Sanders, Willy. 1982. Sachsensprache,


Hansesprache, Plattdeutsch.
Sprachgeschichtliche Grundzüge des
Niederdeutschen. Göttingen.
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Organisatorische Details

Empfehlungen

1. Schmid, Hans Ulrich. 2013. Einführung in die deutsche


Sprachgeschichte. 2. Aufl. Stuttgart.

2. Peter, von Polenz. 2009. Geschichte der deutschen


Sprache. 10. Aufl. Berlin, New York.

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Introduction / Exercise / Evaluation (IEE)

Es hat mir rückblickend betrachtet viel mehr Spaß gemacht, als ich vorher
gedacht hatte! Besonders durch die Podcasts waren die Themen weniger
‚trocken‘. Man hätte auch immer nur stumpf den Schmidt wälzen können,
doch das wäre wirklich nichts für mich gewesen. [...]

Der Schmidt ist meiner Meinung nach ein hilfreiches Werk, jedoch bin ich so
vorgegangen, dass ich gezielt Begriffe im Register nachgeschlagen habe, um
diese besser zu verstehen. Ich habe nicht zu jeder Einheit das komplette
(durchaus sehr detailreiche) Kapitel durchgelesen.

Viel hilfreicher waren für mich die Podcasts, die ich als ersten Überblick und
zur Einführung genutzt und dann durch das Lesen bestimmter Abschnitte im
Schmidt spezifiziert/verfeinert habe.

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Introduction / Exercise / Evaluation (IEE)

Artikel zur Erläuterung der Methode und dem Einsatz in der akademischen
Lehre:

Introduction / Exercise / Evaluation. Überlegungen zum ICM (Inverted


Classroom Model) im Rahmen der Hochschuldidaktik
(http://goo.gl/WeCCM3).

Inverted Classroom Model (ICM) — Vorstellung für den Kurs “Einführung in


die deutsche Sprachwissenschaft” (http://goo.gl/WkzpV2).

IEE (Introduction / Exercise / Evaluation) im Einführungsseminar — eine


Nachbesprechung (http://goo.gl/qAXbzS).

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Introduction / Exercise / Evaluation (IEE)

Introduction Exercise Evaluation

Lektüre
Inverted Classroom Ergebnissicherung
Podcast // Screencast
1. Sitzung 2. Sitzung
‚Historische Kontexte‘

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Einführung
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Sprachgeschichte

Die Sprachgeschichte ist der Teil der Sprachwissenschaft, der sich mit der inneren und
äußeren Geschichte der Sprache beschäftigt. Ihr Hauptaugenmerk gilt der Modellierung
und Analyse diachroner Längsschnitte, denn ihr Gegenstand ist die Beschreibung von
sprachlichen Veränderungsprozessen, von Sprachwandel.

Sprachgeschichte kann eingeteilt werden in die Geschichte unterschiedlicher Ebenen


des Sprachsystems:

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Diachrone Beschreibung der deutschen Sprache
Dr. Alexander Lasch
Sprachursprungstheorien

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Sprachursprungstheorien

Monogenese Polygenese

S1 S1 S2

S3 S1.3

S1 S1.1 S2.1 S2.2


S2 S1.2

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Sprachfamilien

http://goo.gl/qdEaX

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Historisch vergleichende Sprachwissenschaft

1786 entdeckt der


Orientalist William
Jones Gemeinsam-
keiten zwischen dem
Sanskrit und dem
Lateinischen und
Griechischen.

Rigveda auf Papier, frühes 19.


Jh. //http://goo.gl/dwdn1

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Historisch vergleichende Sprachwissenschaft

Franz Bopp.1816.

Über das Konjugati-


onssystem der
Sanskritsprache in
Vergleichung mit
jenem der
griechischen,
lateinischen,
persischen und
germanischen Sprache

Werner König. 2004.


dtv-Atlas Deutsche
Sprache (Digitale
Bibliothek 112). Berlin:
directmedia.
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Historisch vergleichende Sprachwissenschaft

August Schleicher.
1863.

Stammbaumtheorie

Werner König. 2004.


dtv-Atlas Deutsche
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directmedia.
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Historisch vergleichende Sprachwissenschaft

Werner König. 2004.


dtv-Atlas Deutsche
Sprache (Digitale
Bibliothek 112). Berlin:
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3
Historisch vergleichende Sprachwissenschaft

http://goo.gl/53z4iL
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Sprachwandel

Unter „Sprachwandel“ werden verschiedene Prinzipien (der beobachteten


Veränderungen) und die Veränderungen einer Sprache selbst zusammengefasst.

Die Prinzipien des Sprachwandels sind:

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Sprachstufen des Deutschen

Indoeuropäisch (ca. 3000-1000 v. Chr.)


Erste
germ.
LV

Germanisch (ca. 1000 v. Chr.-500 n. Chr.)


Zweite
hd. LV

Althochdeutsch (750-1050) Altniederdeutsch (800-1100)

Mittelhochdeutsch (1050-1350)

Mittelniederdeutsch (1250-1650)
Frühneuhochdeutsch (1350-1650)

Neuhochdeutsch (1650-1950*) Neuniederdeutsch (ab 1650)

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Vorgeschichte
der deutschen Sprache
ek hlewagastiz holtijaz horna tawido

‚Ich, Hlewegast, der Holting, machte das Horn‘.

Rekonstruktion der Goldhörner von Gallehus (400 n. Chr.) // Malene Thyssen // http://goo.gl/nNHQz
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Indoeuropäisch
(3000-1000 v. Chr.)

„Die sanskritische Sprache, wie alt sie auch immer sein mag, ist von
herrlicher Struktur; perfekter als die Griechische, reichhaltiger als die
Lateinische und in vorzüglicherer Weise verfeinert als jede von
beiden, besitzt sie doch zu beiden eine stärkere Wesensverwandt-
schaft, sowohl in den Wurzeln der Verben als auch in den Formen der
Grammatik, als sie durch bloßen Zufall hätte entstehen könne; in der
Tat ist diese so stark, daß kein Philologe alle drei untersuchen
könnte, ohne zu glauben, daß sie sämtlich einer gemeinsamen
Quellen entsprungen sind, die vielleicht nicht mehr existiert.“

Zitiert nach David Crystal. 1995. Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache.
Frankfurt am Main. 296.
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Indoeuropäisch
(3000-1000 v. Chr.)

Wesentliche gemeinsame sprachliche Merkmale sind:

• indoeuropäische Sprachen flektieren (Morphosyntax),


• in den indoeuropäischen Sprachen wird ein regelhafter Ablaut
gebildet (Phonetik, Phonologie / Morphosyntax) und
• indoeuropäische Sprachen weisen Gemeinsamkeiten in Bezug auf
bestimmte Begrifflichkeiten auf (Lexik)

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Indoeuropäisch Wiederholung
(3000-1000 v. Chr.)

Kentumsprachen

Satemsprachen

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Indoeuropäisch
(3000-1000 v. Chr.)

Neben der Unterscheidung zwischen Kentum- und Satemsprachen wird


mittels verschiedener Entstehungstheorien versucht, die Verwandtschafts-
beziehungen zwischen den ide. Sprachen zu erklären.

• Stammbaumtheorie (August Schleicher 1872)

• Wellentheorie (Johannes Schmidt 1873)

• Substrattheorie (Hermann Hirt 1894)

• Entfaltungstheorie (Otto Höfler 1956)

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28.04.2016 | http://alexanderlasch.wordpress.com Prähistorische Pfahlbauten von Unteruhldingen am Bodensee // http://goo.gl/MH18D

1
Indoeuropäisch
(3000-1000 v. Chr.)

Auch wenn man heute nicht mehr von einem „Urvolk“ spricht, so ist doch
zumindest ein gemeinsamer Kulturraum anzunehmen, dessen Merkmale sich
durch Wortschatzuntersuchungen erschließen ließen (über gemeinsame
Wortwurzeln der überlieferten ide. Sprachen).

Wagen, Nabe, Rad

Schaf, Lamm, Schwein, Ferkel, Wolle, weben, Vieh, melken, Joch

Haus, Tür, Dach

Gold, Silber und ein drittes Metall ohne spez. Bedeutung

Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Sohn, Tochter, Sohnessohn (Enkel),

Sohnestochter (Enkelin), Vatersbruder, Mutterschwester, Schwiegervater,

Schwiegermutter, Schwiegertochter

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Germanisch
(1000 v. Chr. - 500 n.Chr.)

Werner König. 2004.


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Germanisch
(1000 v. Chr. - 500 n.Chr.)

Neben der Überlieferung


durch „Nachbarn“ sind die
Runeninschriften
wichtige Quellen des
Germanischen.

Vor allem für den kultischen Gebrauch verwendeten die Germanen die Runenschrift.
Diese besteht in einer älteren Form aus 24 (in jüngeren, nordischen bzw.
angelsächsischen Varianten aus 16 bzw. 28 oder 33) Lautzeichen und wird nach den
ersten sechs davon Fuþark genannt (vgl. Schmidt 2004, 49).

Ungefähr 220 Inschriften sind in der älteren Form des Runenalphabets überliefert –
sie bieten die einzigen Anhaltspunkte bei der Erschließung des Germanischen.

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Germanisch
(1000 v. Chr. - 500 n.Chr.)

Helm von Negau (5. Jh. v. Chr.)

Inschrift ist von rechts nach links geschrieben:


harigastiteiva

• harigast(i) als Personenname, teiva


ist dann als zweiter Name
(des Mannes) zu deuten.

• got. hajis ‚Heer‘, gast ‚Gast‘;


altis. týr, tivar Göttername
(vgl. lat. Deus, gr. Zeus)

teiwa – dem Gotte?


harigasti – Wotan?

 Keine anerkannte Deutung

http://goo.gl/6GvNTr
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Germanisch
(1000 v. Chr. - 500 n.Chr.)

Abbildung des goldenen


Horns dieses ... Horn ist
gefunden AD 1734 d 21 April
bey dem Dorffe Gallehuus in
der Graffschafft
Schackenburg ohnweit der
Stadt TUNDERN als ein
Bauer ... graben wollen fast
an demselben orte wo ein
dergleichen AD 1639 gelegen
war. Es bestehet aus einem
gedoppelten Gold Bleche
davon das äusserste von
ganz feinem das innen von
schlechterem Golde. Es
fasset in sich eine Maaß.
oder eine ... und wiget VII
Pfund und XIV Loth

Joachim Richard Paullis Zeichnung des zweiten, kurzen Hornes // Malene Thyssen // http://goo.gl/Pvx5C

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Germanisch
(1000 v. Chr. - 500 n.Chr.)

Das Gotische

Bibel des Wulfila


(311–383)

Codex Argenteus
(um 500)

Wulfila-Bibel

Werner König. 2004.


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Germanisch
(1000 v. Chr. - 500 n.Chr.)

Das Gotische

Wulfila-Bibel

Werner König. 2004.


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Sprache (Digitale
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Paternoster aus dem Codex Argenteus
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Germanisch
(1000 v. Chr. - 500 n.Chr.)

Neben dem heute ausgestorbenen


Ostgermanischen (Burgunden, Goten
und Wandalen) unterscheidet man
weiter das Süd- oder Westger-
manische.

Den Süd- oder Westgermanen werden


die Weser-/Rheingermanen (Franken)
und die Elbgermanen zugeordnet
(Alemannen, Baiern, Hermunduren,
Langobarden), zu den
Nordseegermanen gehören Friesen,
Angeln und Sachsen (hieraus
entwickelt sich das seit dem 9. Jh.
belegte Altsächsische oder
Altniederdeutsche).

Die heutigen hoch- und nieder-


deutschen Dialekte sind typologisch
hier zuzuordnen.
Der geschlossene germanische Sprachraum vom 3. bis zum 8. Jahrhundert. Werner König. 2004. dtv-Atlas
Deutsche Sprache (Digitale Bibliothek 112). Berlin: directmedia.
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Sprachliche Merkmale des Germanischen

Erste (oder germanische) Lautverschiebung

Bezeichnung für die Veränderungen im ide. Konsonantensystem, die zur Ausdifferenzierung des Germ. führten.

Stimmlose Plosive Stimmhafte Plosive Stimmh. Plosive, behaucht


[p] [t] [k] [b] [d] [g] [bh] [dh] [gh]
entwickeln sich zu entwickeln sich zu entwickeln sich zu

[f] [þ] [χ] [p] [t] [k] [b] [d] [g]

lat. pater / got. fadar


lat. decem / got. taíkun
lat. trēs / got. *þreis agriech. phrāter / got. brōþar
lat. genus / got. kuni
lat. cor / got. haírtō

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Sprachliche Merkmale des Germanischen Wiederholung

Erste
germ.
LV

Werner König. 2004.


dtv-Atlas Deutsche
Sprache (Digitale
Bibliothek 112). Berlin:
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Sprachliche Merkmale des Germanischen

„Grammatischer Wechsel“ (Jacob Grimm)


Im Ide. liegt der Akzent in der Flexion und Wortbildung nicht immer auf der selben Silbe,
deshalb stehen sich in den Wortfamilien und deren Paradigmen sth. und stl. Reibelaute
gegenüber Markierung als Ausnahme.
Vernersches Gesetz (Karl Verner)
Ausnahmen des „Grammatischen Wechsels“ sind regelhaft: Die stimmlosen Reibelaute
entwickeln sich akzent- und stellungsbedingt im Germanischen vor der Festlegung des
germanischen Initialakzentes weiter. Die stimmlose Variante setzt sich durch bei Akzent
unmittelbar vor Reibelaut; die stimmhafte, wenn der Akzent nicht direkt vor Reibelaut
erscheint. Dadurch lassen sich im Neuhochdeutschen noch die Oppositionen: s – r, f –
b, d –t und h – g beobachten.
f vs. b
ide. *pénku̯e > got. fimf fünf [stl.]
ide. *septm > got. sibún sieben [sth.]
þ vs. đ
ide. *bhrāter - > germ. brōþar Bruder [stl.]
aind. *pətḗr > germ. fađer Vater [sth.]
X vs. g
ide. *dékm > got. taíhun (über germ. *téχun) zehn [stl.]
aind. *ankáh > germ. *angá Angel [sth.]

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Sprachliche Merkmale des Germanischen

Akzentverhältnisse
Der im Ide. freie Wortakzent wird im Ger. auf die erste Silbe festgelegt. Daher gilt
Anfangsbetonung sowohl bei Simplizia (Mútter) wie Präfixbildungen (Úrlaub). Jüngere
Präfixbildungen (bemúttern, beúrlauben) bleiben ohne Anfangsbetonung.
Die Anfangsbetonung setzt den Prozess der Endsilbenabschwächung in Gang und
begünstigt die Entwicklung des sog. Stabreimes.

Morphologische Veränderungen
Vom Ide. zum Ger. werden folgenden Formen abgebaut:
• Dual (Reduktion der gramm. Numerusdifferenzierung)
• Ablativ, Vokativ, Instrumental, Lokativ (Reduktion der acht ide. Kasus auf vier Kasus
im Ger.). Die Funktionen des Ablativs und Lokativs werden vom Dativ übernommen,
der Vokativ fällt mit dem Nominativ zusammen, der Instrumental wird ebenfalls vom
Dativ übernommen.
• Die ide. Verbalformen werden reduziert (Medium [Passiv], Futur, Aorist und
Imperfekt). Die gemeingermanisch synthetisch gebildeten Tempusformen werden
auf Präsens und Präteritum reduziert.

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Sprachliche Merkmale des Germanischen

Zusammenfassung

1. Indoeuropäisch (ca. 3000 – 1000 v.Chr.)


2. Germanisch (ca. 1000 v. – 500 n.Chr.)
3. Sprachliche Besonderheiten der Germanischen
• Erste germanische Lautverschiebung
• Vernersches Gesetz
• Erstsilben-/Stammsilbenbetonung
• Morphosyntax

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Schr.
am &
auf d.
Rand

Althochdeutsch (750-1050)
Zwei Wörter des mehrfach überlieferten ‚St. Galler Schreiberverses‘
CHUMO KISCREIB FILO CHUMOR KIPEIT (hier CHUMO KIBEIT)
im Cod. Sang. 166,314; 9. Jh.

CC BY-NC // http://goo.gl/eGpwQ
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Althochdeutsch (500-1050)

ADSIGNANDUM DOMUM CONTRA DIABOLUM


Zur Kennzeichnung des Hauses gegen böse Geister

uuola uuiht taz tu uueist taz tu uuiht heizist


Gut, Wicht, dass du weißt, dass du Wicht heißt,

taz tune uueist noch ne chanst cheden chnospinci


dass du nicht weißt noch nicht kannst reden (aussprechen): chnospinci.

Züricher Haussegen. Zürich Zentralbibliothek, Ms. Car. C 176

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Historische Grundlagen

Chlodwig wird durch


Remigius von Reims getauft.

Der Meister von Saint-Gilles (um 1500)


http://goo.gl/PJ7Cj

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Historische Grundlagen

Karl (der Große) wird am Weihnachtsabend


des Jahres 800 in Rom zum Kaiser gekrönt.
Karlsbüste (nach 1349), Aachener Domschatz.
http://goo.gl/CcT4M

Königsthron im Aachener Dom (Foto: Holger Weinandt)


http://goo.gl/6Iwll

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1
Historische Grundlagen

Tsui nach wolpertinger


(CC BY-SA 3.0)

http://goo.gl/Ekg5g

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1
Historische Grundlagen

wolpertinger
(CC BY-SA 3.0)

http://goo.gl/Bmrwm

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1
Historische Grundlagen

Straßburger Eide (842)


Nithardi historiarum libri IV in: MGH II, Script. rer. Germ.
Codex latinus 9768, f. 13 (Paris, Bibl. Nat.)

Karls Schwur
In godes minna ind in thes christânes folches ind unsêr
bêdhero gehaltnissî, fon thesemo dage frammordes, sô
fram sô mir got geuuizci indi mahd furgibit, sô haldih
thesan mînan bruodher, sôso man mit rehtu sînan
bruodher scal, in thiu thaz er mig sô sama duo, indi mit
Ludheren in nohheiniu thing ne gegango, the mînan
uuillon imo ce scadhen uuerdhên

Schwur des Heeres Ludwigs


Oba Karl then eid, then er sînemo bruodher Ludhuuuîge
gesuor, geleistit, indi Ludhuuuîg mîn hêrro then er imo
gesuor, forbrihchit, ob ih inan es iruuenden ne mag, noh
Bibliotheca Augustana
ih noh thero nohhein, then ih es iruuenden mag,
http://goo.gl/sS8Yb uuidhar Karle imo ce follusti ne uuirdhit

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1
Historische Grundlagen

Heinrich I. (919-936)

Standbild Heinrichs I. am Meißner Heinrichsbrunnen


http://goo.gl/bojDw

Stiftskirche Quedlinburg (Foto: Annabell Preußler)


http://goo.gl/KGlV5

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2
Althochdeutsche Schriftlichkeit ist ohne
Christianisierung nicht zu denken.

INCIPIUNT CLOSAS EX VETERE


TESTAMENTO
‚Hier beginnen die Glossen aus dem Alten Testament‘

Abrogans - dheomodi (‘bescheiden, demütig‘)

St. Galler Codex Abrogans Cod. Sang. 911,4.


CC BY-NC // http://goo.gl/TfNNF

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2
Althochdeutsche Schriftlichkeit ist ohne
Christianisierung nicht zu denken.

Plan des Klosters


St. Gallen

(Cod. Sang. 1092r, Anfang


des 9. Jh.)

Scriptorium

Klausur

61
CHUMO KISCREIB FILO CHUMOR KIPEIT
St. Galler Schreibervers im Cod. Sang. 623,209; 9. Jh.

CC BY-NC // http://goo.gl/dF9s5
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Räumliche Gliederung des Althochdeutschen
Freising: ›Abrogans‹ (2. Hälfte
Weißenburg: 8. Jh.), ›Petruslied‹
Evangelienharmonie des (endreimend, um 900),
OTFRID um 865, Vaterunserübersetzung (9. Jh.),
›Weißenburger Nachdichtung des 138. Psalms
Katechismus‹ (um 800). (10. Jh.) u.a.

Regensburg:
›Samanunga‹, gekürzte
Fassung des ›Abrogans‹ (9.
Jh.), ›Muspilli‹ (Gedicht vom
Werner König. 2004. Weltuntergang, stabreimend,
dtv-Atlas Deutsche Anfang 9. Jh.),
Sprache (Digitale Fulda:
Bibliothek 112). Berlin: ahd. Übersetzung der Mon(d)see:
directmedia. Evangelienharmonie des Syrers Glossen, fragm. bair. Abschrift
TATIAN (4. Jh.), wohl um 830. des schwer zu lokalisierenden
St. Gallen: ›Vocabularius St. Galli‹ (nach ›Isidor‹.
Sachgruppen geordnetes Glossar, noch Würzburg:
8. Jh.), Paternoster- und Credo- Mark(Grenz-)beschreibungen Salzburg und
Übersetzung, v. a. die (Ende 10.Jh.). Tegernsee: v. a. Glossen.
kommentierenden Übersetzungen
antiker Werke durch NOTKER (1022). Bamberg:
EZZO ›Cantilena
Reichenau: reiche Glossenarbeit, de miraculis Christi‹ (11. Jh.).
Interlinearversion der
Benediktinerregel und Ambrosian.
Hymnen (beide Anfang 9. Jh.).

Murbach: Hymnen.

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Sprachliche Besonderheiten des Althochdeutschen

Zweite (oder althochdeutsche) Lautverschiebung

Bezeichnung für die Veränderungen im germ. Konsonantensystem, die zur Differenzierung des Ahd. von allen
anderen germ. Sprachen führten.

Stimmlose Plosive (Tenues) Stimmhafte Plosive (Medien)


[p] [t] [k] [b] [d] [g]
entwickeln sich je nach Stellung im Wort zu werden verschoben nach
[p] [t] [k].

Diese Verschiebung findet im


[pf] [ts] [kx] [f] [s] [x] Oberdeutschen statt und wird
seit dem 11. Jahrhundert
• Anlaut • nach Vokal teilweise wieder rückgängig
• nach Konsonant gemacht (außer in Gemination).
• in Gemination

got. pund / ahd. pfunt as. slâpan / ahd. slafan


germ. bindan / bair. pintan
as. twenzig / ahd. Zweinzug got. itan / ahd. ezzan
got. Giban / bair. kepan
got. kaurn / bair. chorn as. makon / ahd. mahhon

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4
Sprachliche Besonderheiten des Althochdeutschen

Zweite (oder althochdeutsche) Lautverschiebung


Oppositionen im Ahd. wegen Grammatischen Wechsels

f/b heffen/ gihaban `heben, gehoben'


d/t snîdan / gisnitan `schneiden, geschnitten'
h/g ziohan / gizogan `ziehen, gezogen'
h / ng fahan / gifangan `fangen, gefangen'
h/w lîhan / giliwan `leihen, geliehen'
s/r kiosan / gikoran `kiesen, gekoren/gewählt'

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4
Sprachliche Besonderheiten des Althochdeutschen

Zweite (oder althochdeutsche) Lautverschiebung


Oppositionen im Ahd. wegen Grammatischen Wechsels
Umlaut

i-Umlaut

Bezeichnung für den Vorgang bzw. das Ergebnis einer partiellen regressiven Fernassimilation
des Vokals einer Haupttonsilbe an den Vokal der (unbetonten) Folgesilbe

• Primärumlaut
a, e vor i, î, j der Folgesilbe: gast (Sg.) - gesti (Pl.)
lamb (Sg.) - lembir (Pl.)

• Sekundärumlaut
Wandel von zunächst nicht umgelautetem a > ä und auch o > ö, u > ü (Kurzvokale), â > æ, ô
> oe, û > iu (Langvokale) sowie ou > öu, uo > üe (Diphthonge).
ahd. mahtig - mhd. mæhtec
ahd. mâri - mhd. mære
ahd. skôni - mhd. schoene

so genannter „Rückumlaut“

66
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4
Sprachliche Besonderheiten des Althochdeutschen

Zweite (oder althochdeutsche) Lautverschiebung


Oppositionen im Ahd. wegen Grammatischen Wechsels
Umlaut
Althochdeutsche Monophthongierung

germ. ai  ahd. ê got. laiseins - ahd. lêra


germ. au  ahd. ô got. laus - ahd. lôs (‚befreit‘)

Althochdeutsche Diphthongierung

germ. ô ahd. uo got. brôÞar - ahd. bruoder


germ. ê ahd. ea, ia, ie got. hêr - ahd. hiar (‘hier’)

Althochdeutscher Diphthongwandel

ai  ei, au  ou, eu  iu / eo.

67
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4
Sprachliche Besonderheiten des Althochdeutschen

Entwicklungen im Vokalismus

Althochdeutsch Altniederdeutsch

Kurzvokale (germ.) a ë i u o

a ë i u o a ë i u o

Langvokale (germ.) ā ē1 ē2 ī ō ū

ā ē[2] ī ō ū ā ē[2] ī ō ū

Weitere Entwicklung:

ē > ea > ia, ie > ie


ō > uo
Diphthonge (germ.) ai au eu

ai > ei / vor d, n, r, w: ai > ē ai > ē


au > ou / vor h, Dentalen: au > ō au > ō
eu > iu, io > ie eu > iu

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4
Sprachliche Besonderheiten des Althochdeutschen

Entwicklungen im Vokalismus

Althochdeutsch Altniederdeutsch

Kurzvokale (germ.) a ë i u o

a ë i u o a ë i u o

Langvokale (germ.) ā ē1 ē2 ī ō ū

ā ē[2] ī ō ū ā ē[2] ī ō ū

Weitere Entwicklung:
ahd. Diphthongierung
ahd. Monophthongierung
ē > ea > ia, ie > ie
ō > uo
Diphthonge (germ.) ai au eu

ai > ei / vor d, n, r, w: ai > ē ai > ē


au > ou / vor h, Dentalen: au > ō au > ō
eu > iu, io > ie eu > iu
ahd. Diphthongwandel

69
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4
Sprachliche Besonderheiten des Althochdeutschen

Zweite (oder althochdeutsche) Lautverschiebung


Oppositionen im Ahd. wegen Grammatischen Wechsels
Umlaut
Althochdeutsche Monophthongierung // Diphthongierung // Diphthongwandel
Morphologie

Bestimmter Artikel
Analytische Umschreibungen des Perfekts / Plusquamperfekts
Analytisches Passiv
Futurperiphrasen
Vereinfachung der Flexionsparadigmen

70
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4
Sprachliche Besonderheiten des Althochdeutschen

Zweite (oder althochdeutsche) Lautverschiebung


Oppositionen im Ahd. wegen Grammatischen Wechsels
Umlaut
Althochdeutsche Monophthongierung // Diphthongierung // Diphthongwandel
Morphologie
Wortbildung

Grammatikalisierung: Eigenständige Lexeme werden zu Suffixen: heit ‚Person, Gestalt’, scaf


‚Ordnung, Plan’, schaft `Schöpfung’, tuom `Urteil, Gericht’.

Germ. Suffix -jan wird durch das Lehnsuffix -âri (lat. -arius) verdrängt.

71
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4
Sprachliche Besonderheiten des Althochdeutschen

Zweite (oder althochdeutsche) Lautverschiebung


Oppositionen im Ahd. wegen Grammatischen Wechsels
Umlaut
Althochdeutsche Monophthongierung // Diphthongierung // Diphthongwandel
Morphologie
Wortbildung
Syntax

Starke Beeinflussung durch die lateinische Syntax (‚Direktübersetzung‘)

72
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4
Sprachliche Besonderheiten des Althochdeutschen

Zweite (oder althochdeutsche) Lautverschiebung


Oppositionen im Ahd. wegen Grammatischen Wechsels
Umlaut
Althochdeutsche Monophthongierung // Diphthongierung // Diphthongwandel
Morphologie
Wortbildung
Syntax
Lexik

‚Christianisierung‘ des Wortschatzes – Bereiche „Religion und Kirche“, „Schriftwesen und


Volksbildung“ sowie „Obst- und Gartenbau“ werden massiv ausgebaut.

73
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4
Sprachliche Besonderheiten des Althochdeutschen

Wilhelm Braune. 1989. Abriss der althochdeutschen Grammatik mit Berücksichtigung des
Altsächsischen. 15., verb. Aufl. bearb. von Ernst A. Ebbinghaus. Tübingen: Niemeyer. §50.

ahd. mhd. and. got.


SG. NA hërza hërze hërta, -e haírtō
G hërzen, hërzin hërzen hërton, -an; -en haírtins
D hërzen, hërzin hërzen hërton, -an; -en haírtin

PL. NA hërzun hërzen hërtun, -on haírtōna


G hërzōno (-ôn N) hërzen hërtono haírtanē
D hërzōm, -ôn hërzen hërton, -un haírtam

Oxford English Dictionary (OED) Online (http://goo.gl/8Yf1n): Old English heorte, of Germanic origin;
related to Dutch hart and German Herz, from an Indo-European root shared by Latin cor, cord- and
Greek kēr, kardia […].

Etymologisches Wörterbuch (nach Pfeifer) beim DWDS (http://goo.gl/zCwWL): Herz n. zentrales


Antriebsorgan des Blutkreislaufs, auch als Sitz der Seele, des Gemüts, des Verstandes, der Vernunft
gedacht, ahd. herza (8. Jh.), mhd. herz(e), asächs. herta, mnd. mnl. herte, harte, nl. hart, aengl. heorte,
engl. heart, anord. hjarta, schwed. hjärta, got. haίrtō (germ. *hertan-) führt mit dehnstufigem griech.
kḗr (κῆρ) ‘Herz’, schwundstufigem griech. kardίā (καρδία) ‘Herz, Magen, Mark der Pflanzen’, lat. cor
(Gen. cordis) ‘Herz’ […].

74
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4
Sprachliche Besonderheiten des Althochdeutschen

Werner König. 2004.


dtv-Atlas Deutsche
Sprache (Digitale
Bibliothek 112). Berlin:
75directmedia.
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5
Das Wort „deutsch“

Etymologie: *Þeodisk ‚zum Volk gehörig’


von germ. *Þeudo- ‚Volk’

786 latine / theodisce (volkssprachlich)


842 Straßburger Eide: teudisca lingua.
Rechtssprachlicher Terminus zur
Abgrenzung von lateinischer und
romanischer Sprache.

1000 Notker: in diutiscum als


Sprachbezeichnung
1090 Annolied: diutisch als Bezeichnung
für Sprache, Land und Leute

Bischof Anno von Köln (Abbildung aus der sog.


Darmstädter Anno-Vita, ca. 1180, Kloster Siegburg, Hess.
Landes- und Hochschulbibliothek)

Bibliotheca Augustana
http://goo.gl/miOHD

76
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6
Weltenbrand

Das Muspilli entstand


am Anfang des 9. Jh.
in Freising und
wurde auf einigen freien
Seiten und Seiten-
rändern einer Hs.
aus dem Besitz
Ludwigs des Deutschen
aufgezeichnet.

Die Hs. liegt heute in


der Staatsbibliothek
München (Clm 14098).

Das Muspilli wurde von


Johann Andreas
Schmeller 1817
entdeckt und 1832
veröffentlicht.

http://goo.gl/76qI6

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6
Weltenbrand

selida âno sorgun: dâr nist neoman siuh.


. . . sîn tac piqueme, daz er touuan scal. denne der man in pardîsu pû kiuuinnit,
uuanta sâr sô sih diu sêla in den sind arhevit, hûs in himile, dâr quimit imo hilfa kinuok
enti si den lîhhamun likkan lâzzit, pidiu ist durft mihhil
sô quimit ein heri fona himilzungalon, allero manno uuelîhemo, daz in es sîn muot kispane,
5 20
daz andar fona pehhe: dâr pâgant siu umpi. daz er kotes uuillun kerno tuo
sorgên mac diu sêla, unzi diu suona argêt, enti hella fuir harto uuîse,
za uuederemo herie si gihalôt uuerde. pehhes pîna: dâr piutit der Satanasz altist
uuanta ipu sia daz Satanazses kisindi kiuuinnit, heizzan lauc. sô mac huckan za diu,
daz leitit sia sâr dâr iru leid uuirdit, sorgên drâto, der sih suntîgen uueiz.
10 25
in fuir enti in finstrî: daz ist rehto virinlîh ding. uuê demo in vinstrî scal sîno virinâ stûên,
upi sia avar kihalônt die die dâr fona himile quemant, prinnan in pehhe: daz ist rehto paluuîc dink,
enti si dero engilo eigan uuirdit, daz der man harêt ze gote enti imo hilfa ni quimit.
die pringent sia sâr ûf in himilo rîhi: uuânit sih kinâda diu uuênaga sêla:
dâr ist lîp âno tôd, lioht âno finstrî, ni ist in kihuctin himiliskin gote,
15 30

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6
Weltenbrand

uuanta hiar in uuerolti after ni uuerkôta. stêt pî demo Satanase, der inan varsenkan scal:
sô denne der mahtîgo khuninc daz mahal kipannit, pidiu scal er in deru uuîcsteti uunt pivallan
dara scal queman chunno kilîhaz: enti in demo sinde sigalôs uuerdan.
denne ni kitar parno nohhein den pan furisizzan, doh uuânit des vilo . . . gotmanno,
ni allero manno uuelîh ze demo mahale sculi. daz Elias in demo uuige aruuartit uuerde.
35 50
dâr scal er vora demo rîhhe az rahhu stantan, sô daz Eliases pluot in erda kitriufit,
pî daz er in uuerolti eo kiuuerkôt hapêta. sô inprinnant die perga, poum ni kistentit
daz hôrtih rahhôn dia uueroltrehtuuîson, ênîhc in erdu, ahâ artruknênt,
daz sculi der antichristo mit Eliase pâgan. muor varsuuilhit sih, suilizôt lougiu der himil,
der uuarch ist kiuuâfanit, denne uuirdit untar in uuîc arhapan. mâno vallit, prinnit mittilagart,
40 55
khenfun sint sô kreftîc diu kôsa ist sô mihhil. stên ni kistentit, verit denne stûatago in lant,
Elias strîtit pî den êuuîgon lîp, verit mit diu vuiru viriho uuîsôn:
uuili dên rehtkernôn daz rîhhi kistarkan: dâr ni mac denae mâk andremo helfan vora demo mûspille.
pidiu scal imo helfan der himiles kiuualtit. denne daz preita uuasal allaz varprinnit,
der antichristo stêt pî demo altfîante, enti vuir enti luft iz allaz arfurpit,
45 60

79
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6
Weltenbrand

uuâr ist denne diu marha, dâr man dâr eo mit sînên mâgon piehc?
diu marha ist farprunnan, diu sêla stêt pidrungan,
ni uueiz mit uuiu puaze: sô verit si za uuîze.
pidiu ist demo manne sô guot, denner ze demo mahale quimit,
daz er rahôno uuelîha rehto arteile.
65
denne ni darf er sorgên, denne er ze deru suonu quimit.
ni uueiz der uuênago man, uuielîhan uuartil er habêt,
denner mit den miatôn marrit daz rehta,
daz der tiuval dâr pî kitarnit stentit.
der hapêt in ruovu rahôno uuelîha,
70
daz der man êr enti sîd upiles kifrumita,
daz er iz allaz kisagêt, denne er ze deru suonu quimit;
ni scolta sîd manno nohhein miatun intfâhan.
sô daz himilisca horn kilûtit uuirdit,
74

80
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6
Weltenbrand

enti sih der suanari ana den sind arhevit


74a
[der dâr suannan scal tôten enti lepentên],
75
denne hevit sih mit imo herio meista,
daz ist allaz sô pald, daz imo nioman kipâgan ni mak.
denne verit er ze deru mahalsteti, deru dâr kimarchôt ist:
dâr uuirdit diu suona, dia man dâr io sagêta.
denne varant engila uper dio marha,
80
uuechant deota, uuîssant ze dinge.
denne scal manno gilîh fona deru moltu arstên.
lôssan sih ar dero lêuuo vazzôn: scal imo avar sîn lîp piqueman,
daz er sîn reht allaz kirahhôn muozzi,
enti imo after sînên tâtin arteilit uuerde.
85

81
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6
Weltenbrand

denne der gisizzit, der dâr suonnan scal


enti arteillan scal tôtên enti quekkhên,
denne stêt dâr umpi engilo menigî,
guotero gomôno: gart ist sô mihhil:
dara quimit ze deru rihtungu sô vilo dia dâr ar restî arstênt.
90
sô dâr manno nohhein uuiht pimîdan ni mak,
dâr scal denne hant sprehhan, houpit sagên,
allero lido uuelîhc unzi in den luzîgun vinger,
uuaz er untar desen mannun mordes kifrumita.
dâr ni ist eo sô listîc man der dâr iouuiht arliugan megi,
95
daz er kitarnan megi tâto dehheina,
niz al fora demo khuninge kichundit uuerde,
ûzzan er iz mit alamusanu furimegi
enti mit fastûn dio virinâ kipuazti.
99

82
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6
Weltenbrand

denne der paldêt der gipuazzit hapêt,


99a
denner ze deru suonu quimit.
100
uuirdit denne furi kitragan daz frôno chrûci,
dâr der hêligo Christ ana arhangan uuard.
denne augit er dio mâsûn, dio er in deru menniskî anfênc,
dio er duruh desse mancunnes minna fardolêta.

Sprecher: Derk Ohlenroth // Text: Althochdeutsches Lesebuch, Nr. XXX.


Quelle: http://goo.gl/NWZEe

83
Mittelhochdeutsch (1050-1350)
Graf Otto IV. von Botenlauben (um 1175-1244) im Codex Manesse
Cod. pal. germ. 848, 27r (Große Heidelberger Liederhandschrift),
Zürich (ca. 1300 bis 1340)

CC BY-NC // http://goo.gl/lVJdo
Mittelhochdeutsch (1050-1350)

Otto von Botenlauben


Singet, vogel, singet mîner frouwen
Cod. pal. germ. 848, 27v

CC BY-NC // http://goo.gl/lVJdo
Singent vogel singent miner frowen
der ich sanc ■ ich sanc vmbe alle ir ere
v vmbe ir werden frúndes lip ■ den beid
dien ich gerne ir so dient ich ane wanc ■
das trvwe ich wol erwenden sit sich das
wnder schone wip ■ eines riters v ir er
hat bewegen ■ ich pflag ir her nv msse
ir got der riche pflegen ■ v helf ime wol
von hinnen er hat zelange hie gelegen ■

Singet, vogel, singet mîner frouwen, der ich sanc:


ich sanc umbe alle ir êre und umbe ir werden friundes lîp.
den beiden diente ich gerne: ir sô diene ich âne wanc.
daz triuwe ich wol erwenden, sît sich das wunderschoene wîp
eins ritter und ir êren hât bewegen.
ich pflac ir her, nu müeze ir got der rîche pflegen
und helfe im wol von hinnen: er hât ze lange hie gelegen.

Editierter Text: Tagelieder des deutschen Mittelalters. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch. Ausgewählt, übers. und kommentiert von Martina
Backes, mit einer Einleitung von Alois Wolf. Stuttgart: Reclam. 1992.

Beachte: Das „normalisierte Mittelhochdeutsch“ (Benecke/Lachmann) ist eine reine Konstruktion!


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1
Historische Grundlagen

Haus der Hohenstaufen

Ks. Friedrich I. Barbarossa (1152-1190)

Ks. Friedrich II. (1212-1250) - stupor


mundi („Erstaunen der Welt“)

Friedrich I. Barbarossa mit seinen Söhnen


Heinrich VI. und Friedrich von Schwaben
in der Historia Welforum (Weingarten,
1179-1191, heute Fulda, Hessische
Landesbibliothek) // http://goo.gl/voSnX

87
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1
Historische Grundlagen

Ostsiedlung
(auch Ostexpansion oder
Ostkolonisation)

Phasen der deutschen Ostsiedlung nach Walter


Kuhn // http://goo.gl/lOQBX

88
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1
Historische Grundlagen

Isoglossen

a. maken / machen
(„Benrather Linie“)
b. dorp / dorf Schriftdialekte in
c. dat / das mhd. und mnd. Zeit.
d. appel / apfel
Hilkert Weddige. 2007.
(„Speyerer Linie“) Mittelhochdeutsch: Eine
e. pund / fund Einführung. 7. Aufl.
f. ik / ich München: C.H. Beck. 21
(nach H. Paul. 1989.
Mittelhochdeutsche
Grammatik. 23. Aufl.
Tübingen: Niemeyer. 7).
89
Zeitliche Gliederung des Mhd.

Frühmittelhochdeutsch 1050-1170
Klassisches Mittelhochdeutsch 1170-1250
Spätmittelhochdeutsch 1250-1350

Untersuchungsgegenstand ist meist das


„klassische“ Mhd. (um 1200) und damit die
„Höfische Dichtersprache“.

Neidhart (von Reuental) im Codex Manesse


Cod. pal. germ. 848, 273r (Große Heidelberger Liederhandschrift),
Zürich (ca. 1300 bis 1340)

CC BY-NC // http://goo.gl/b17J2
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2
„Höfische Dichtersprache“

Die Sprache der Literatur spiegelt nicht den Zustand des Mittelhochdeutschen um 1200,
sondern ist als ein „Funktiolekt“, eine funktionale Varietät zu begreifen, die einer sozial
äußerst heterogenen Gruppe als „Mittel der literarischen Kommunikation“ (N. R. Wolf)
diente.

Beispiele:
Bürgerliche Laien
Heldenepen: Nibelungenlied, Klage, Kudrun

Artusroman: Erec, Iwein (Hartmann von Aue), Parzival (Wolfram von Eschenbach)

Höfischer Roman: Tristan und Isolde (Gottfried von Straßburg) Ministeriale

Minnesang: Der Kürenberger, Heinrich von Veldeke, Hartmann von Aue, Otto von
Botenlauben, Ks. Heinrich VI., Walther von der Vogelweide, Heinrich von Morungen u.a.

Fahrende Sänger

Hochadel
91
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2
„Höfische Dichtersprache“

Beide Autorenbilder
aus dem Cod. pal.
germ. 848.

CC BY-NC //
http://goo.gl/5cKqh

Graf Otto IV. von Botenlauben (um 1175-1244) gehörte dem


mächtigen ostfränkischen Geschlecht der Grafen von Henneberg
an, führte seinen Namen aber nach seiner Burg bei Bad Kissingen
in Unterfranken. Er begleitete Kaiser Heinrich VI. (1165-1197, Ks.
1191) nach Italien, wo dieser kurz vor seiner Reise ins Heilige Land
verstarb.
92
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3
Literarische Zentren (und Schreiborte)

U. Rautenberg. 1985. Soziokulturelle Voraussetzungen und Sprachraum des Mittelhochdeutschen. In: W. Besch
et al. Hg. Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. 2.
Hbd. 1. Aufl. Berlin, New York: de Gruyter. 1127.

93
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4
Varietäten des Deutschen (12. und 13. Jahrhundert)

1. Bairisch
2. Alemannisch
3. Ostfränkisch
4. Rheinfränkisch
5. Mittelfränkisch
6. Thüringisch
7. Limburgisch
8. Brabantisch
9. Flämisch
10. Nordniederdt.
11. Westfälisch
12. Ostfälisch

Werner König. 2004.


dtv-Atlas Deutsche
Sprache (Digitale
Bibliothek 112).
Berlin: directmedia.

94
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5
Textsortenentwicklung im Deutschen

1. Bairisch
2. Alemannisch
3. Ostfränkisch
4. Rheinfränkisch
5. Mittelfränkisch
6. Thüringisch
7. Limburgisch
8. Brabantisch
9. Flämisch
10. Nordniederdt.
11. Westfälisch
12. Ostfälisch

Werner König. 2004.


dtv-Atlas Deutsche
Sprache (Digitale
Bibliothek 112). Berlin:
95directmedia.
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6
Sprachliche Besonderheiten des Mittelhochdeutschen

Wichtigstes Merkmal zur Entwicklung des Neuhochdeutschen aus dem


Mittelhochdeutschen:
• Neuhochdeutsche Monophthongierung und Diphthongierung

Merkmale des „klassischen Mittelhochdeutschen“:


• Schreibung des i-Umlautes
• Primär- (ahd. gasti mhd. gesti) und Sekundärumlaut (mâri - maere)
• Vokalismus: Dehnung, Kürzung, Tendenzen in der Nebensilbe
• Grammatischer Wechsel
• (graphematisch angezeigte) Auslautverhärtung
• Morphologie (Ablautreihen des Mittelhochdeutschen)
• Syntax (Verbstellung [Satzklammer], besondere Konstruktionen)

96
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6
Sprachliche Besonderheiten des Mittelhochdeutschen

Neuhochdeutsche Diphtongierung

Aus den mhd. Langvokalen


î, iu und û werden die nhd.
Diphthonge ei, eu, au:

mîn niuwes hûs 


mein neues Haus

Seit dem 12. Jh. breitet sich


dieses Phänomen vom
Oberdeutschen ausgehend
nach Norden aus bis ins
Fränkische und Ostmittel-
deutsche (15./16. Jh.)

Werner König. 2004. dtv-Atlas Deutsche Sprache (Digitale Bibliothek


112). Berlin: directmedia.

97
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6
Sprachliche Besonderheiten des Mittelhochdeutschen

Neuhochdeutsche Monophthongierung

Ungefähr ab 1100 werden zunächst im Mitteldeutschen die


mhd. Diphthonge ie, uo, üe zu nhd. Monophthongen
verschoben: i, u, ü (Langvokale)

liebe guote brüeder  liebe gute Brüder

Die Monophthongierung wird im Ostmitteldeutschen, teils im


Rhein- und Ostfränkischen, jedoch nur vereinzelt im
Oberdeutschen durchgeführt.

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6
Sprachliche Besonderheiten des Mittelhochdeutschen

Vokalismus: Dehnung

Durchsetzung im gesamter mitteldeutschen Raum 12.-14. Jh., im


oberdeutschen Raum im 14. Jh. (außer Hochalemannisch). Mit der
Dehnung wird der Prozess der Längung eines Lautes, hier kurzer
Stammsilbenvokale in offener Tonsilbe (sagen [a]  sagen [a:]; lëben
[e]  leben [e:]; sigen [i]  siegen [i:]), bezeichnet.
Mit der Dehnung wird die neuhochdeutsche Diphthongierung - neben
der Monophthongierung das wichtigste Merkmal des
Neuhochdeutschen - in Verbindung gebracht.

Vokalismus: Kürzung

Seit dem 12. Jh. tritt auch das weit weniger als die Dehnung verbreitete
Phänomen der Kürzung vor allem im mitteldeutschen Raum auf. Hierbei
werden mhd. Langvokale vor bestimmten Konsonanten(-verbindungen)
teilweise gekürzt (brâhte  brachte; hôrchen  horchen; jâmer 
Jammer; hôchzît  Hochzeit)
99
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6
Sprachliche Besonderheiten des Mittelhochdeutschen

Nebensilbenvokalismus

Gesamttendenz: a, e, i, o, u  e

Bewahrung:
Affixe mit stärkerem Nebenton (-unge, -nisse, -aere, -inne, -lîn, -lîch)

Abschwächung:
Bei Prä- (ahd. ga-, gi- mdh. ge-; ur-, ir- er-; fur-, fir- ver-; ant-,
int- ent-) und Suffixen (ahd. -ag, -il, -ida mhd. -ec, -el, -ede) und
generell bei Flexionssilben

Schwund:
Apokope (Wegfall des unbetonten [e] am Wortende): schoene  schön;
hemede  Hemd
Synkope (Wegfall einer unbetonten Mittelsilbe): heriro  hêrre; salida 
sælde; gibarida  gebærde

100
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6
Sprachliche Besonderheiten des Mittelhochdeutschen

Auslautverhärtung

Stimmhafte Verschlusslaute werden im Mhd. im Wort- und


Silbenauslaut stimmlos

Lautung: [b] , [d] , [g], [v] zu [p], [t] , [k] , [f]

Schreibung: <b>, <d>,<g>,<v> zu <p>,<t>,<c>,<f>

stoubes  stoup
nîdes  nît
hiengen  hienc
hoves  hof

Tritt auch vor stimmlosen Konsonanten ein (neigen - neicte, houbet -


houpt).

101
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6
Sprachliche Besonderheiten des Mittelhochdeutschen

Assimilation (Lautangleichung)

• progressiv | regressiv
• vollständig | partiell
• Kontaktassimilation | Fernassimilation

zimber  Zimmer (progressiv, vollständig, Kontaktassimilation)


anebôz  ambôz (regressiv, partiell, Kontaktassimilation)

Dissimilation (Lautdifferenzierung zur Ausspracheerleichterung)

ahd. samanôn  mhd. samenen  samelen  sammeln


mhd. verliumunden  verliumunenden  verleumden

102
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6
Sprachliche Besonderheiten des Mittelhochdeutschen

Morphologie

Verb

Abnahme der starken Verben, Zunahme der schwachen Verben

Ablautreihen

Periphrastische Verbalformen

Präteritopräsentia und athematische Verben (oder Wurzelverben:


gên, stân / stên, gân / gên, tuon)

103
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6
Sprachliche Besonderheiten des Mittelhochdeutschen

Ablautreihen
mhd. Verben
Übersicht erstellt von
Holger Runow //
http://goo.gl/k6LJF

104
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6
Sprachliche Besonderheiten des Mittelhochdeutschen

Präteritopräsentia
Gruppe von Verben in den germanischen Sprachen, die aus den Präteritum-
formen starker Verben hervorgegangen sind. Sie bilden ein schwaches
Imperfekt (Dentalsuffix –t).

105
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6
Sprachliche Besonderheiten des Mittelhochdeutschen

Morphologie

Substantiv

Reduktion der Flexionsklassen

Adjektiv

starke / schwache Adjektivdeklination

Kennzeichnung deadjektivischer Adverbien im Mhd. noch durch ein


angehängtes -e (ahd. -o).

106
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6
Sprachliche Besonderheiten des Mittelhochdeutschen

Syntax

Stellung des finiten Verbs

HS: Stellungsmöglichkeiten wie im Nhd. (Verbzweitstellung)

NS: Verbendstellung ist noch selten:


Endstellung: daz ich nâch âventiure reit (Iwein)
„Nicht-Zweitstellung“: Swie wunt er was zem tode (NL)
Zweitstellung: daz von der wunden spranc das bluot (NL)

Satzrahmen / prädikativer Rahmen

Vollständiger Rahmen: Ir muget mir dest gerner dagen (Iwein)


Verkürzter Rahmen: dem sol der rihter daz gebieten bi des keisers hulden
(Mainzer Reichslandfrieden)
Kontaktstellung: der sun sol sîn verteilet eigens und lehens und varends
guotes (Mainzer Reichslandfrieden)
107
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6
Sprachliche Besonderheiten des Mittelhochdeutschen

Syntax

Negation

Besonders häufig begegnet die doppelte Verneinung aus


Verneinungspartikel ne (proklitisch angeschlossen als en-) und
Negationswort (niht, kein etc.)

*ichn will iu keine lüge sagen Ich werde Euch nicht belügen.
*ichn enwill iu keine lüge iht sagen
*ich enwill iu niht lüge sagen

Koordination / Subordination

Häufig sind noch asyndetische Satzverbindungen, erst nach und nach


werden koordinierende und subordinierende Konjunktionen eingesetzt.
Ir muget mir dest gerner dagen: | ichn will iu keine lüge sagen (Iwein)

108
Neidhart (von Reuental)
Mir ist vnmatten leyde
Handschrift O (Frankfurter Neidhart-Fragment),
Ms. germ. oct. 18, Anf. 14. Jh.
CC BY-NC // http://goo.gl/B4LKd

Marc Lewon. 2002. Untersuchungen zu den Melodien


Neidharts. Eine musikalische Analyse der Handschrift O.
Heidelberg (Magisterarbeit) // http://goo.gl/bB8SA

Marc Lewon. 2012. Neidhart: A Minnesinger and his 'Vale of


Tears' - Songs and Interludes. Audio-CD. Naxos //
http://goo.gl/ycDgE
Altniederdeutsch (800-1100)
„Kein Zweifel, die altsächsische Schreibtätigkeit ist ohne das Vorbild der althochdeutschen, besonders fränkischen,
nicht denkbar“. (Willy Sanders)
Heliand (um 830-40), Hs. M, BSB Cgm 25, Corvey, Mitte des 9. Jh, 9v und 10r.
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http://goo.gl/CDmqp
111
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1
Historische Grundlagen

Bonifatius, angelsächsischer
Benediktinermönch und
Missionar, geb. 673 in
Wessex, erleidet zusammen
mit 50 Begleitern zu
Pfingsten 754 das Martyrium:
Sie werden bei Dokkum
(heutige Niederlande) von
‚heidnischen Friesen‘,
‚Bewaffneten mit Schwert und
Schild‘, getötet.

Miniatur im Fuldaer Sacramentarium


(heute: Udine). In der Miniatur ist der
Angreifer mit dem beidschneidigen
sahs dargestellt //
112 http://goo.gl/d1C6t.
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1
Historische Grundlagen Wiederholung

Karl (der Große) wird am Weihnachtsabend


des Jahres 800 in Rom zum Kaiser gekrönt.
Karlsbüste (nach 1349), Aachener Domschatz.
http://goo.gl/CcT4M

Königsthron im Aachener Dom (Foto: Holger Weinandt)


http://goo.gl/6Iwll

113
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1
Historische Grundlagen Wiederholung

Tsui nach wolpertinger


(CC BY-SA 3.0)

http://goo.gl/Ekg5g

114
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1
Historische Grundlagen

Tsui nach wolpertinger


(CC BY-SA 3.0)

http://goo.gl/Ekg5g

115
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2
Räumliche Gliederung des Altniederdeutschen

116
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3
Zeitliche Einordnung des Altniederdeutschen

Altniederdeutsch (800-1100)

Überlieferung setzt nach der


fränkischen Niederwerfung um 800 ein,
im 9. Jahrhundert entstehen Heliand
und Altsächsische Genesis.

Weitere Zeugnisse sind aus dem 10.


und 11. Jahrhundert (z.B.
Freckenhorster Heberegister)
überliefert.

Nach einer Überlieferungslücke setzt


das Mittelniederdeutsche um 1250 ein.

Textsortengruppen:

• Bibeldichtung,
• Klein- und Merkversdichtung,
• kirchliche und weltliche
Gebrauchsprosa,
• Glossen.

Mitteldeutsche Zeitung // http://goo.gl/WJnxS


117
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4
Sprachliche Besonderheiten des Altniederdeutschen

Aus den wenigen Quellen, die dem Altniederdeutschen zugerechnet werden (Umfang
der Kleintexte: 56 Verse, Heliand: ca. 6000 Verse, Altsächsische Genesis: ca. 300
Verse) lassen sich vor allem zwei wesentliche Merkmale für die Entwicklung des
Niederdeutschen erfassen:

Nähe zu den nordseegermanischen


Die zweite (ahd.) Lautverschiebung
Sprachen (Niederdeutsch,
wird nicht durchgeführt. Wegen des
Niederländisch, Friesisch, Englisch)
fränkischen Einflusses finden sich in
lässt sich vor allem an den so
den schriftlichen Quellen jedoch
genannten „Ingwäonismen“
zahlreiche Reflexe des
(lat. ingvaeones nach Tacitus)
Althochdeutschen.
illustrieren.

118
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4
Sprachliche Besonderheiten des Altniederdeutschen
Wiederholung
Zweite (oder althochdeutsche) Lautverschiebung

Bezeichnung für die Veränderungen im germ. Konsonantensystem, die zur Differenzierung des
Ahd. von allen anderen germ. Sprachen führten.

Stimmhafte Plosive (Medien)


Stimmlose Plosive (Tenues) [b] [d] [g]
[p] [t] [k] werden verschoben nach
entwickeln sich je nach Stellung im Wort zu [p] [t] [k].

Diese Verschiebung findet im


[pf] [ts] [kx] [f] [s] [x] Oberdeutschen statt und wird
seit dem 11. Jahrhundert
• Anlaut • nach Vokal teilweise wieder rückgängig
• nach Konsonant gemacht (außer in
• in Gemination Gemination).

got. pund / ahd. pfunt as. slâpan / ahd. slafan


germ. bindan / bair. pintan
as. twenzig / ahd. zweinzug got. itan / ahd. ezzan
got. giban / bair. kepan
got. kaurn / bair. chorn as. makon / ahd. mahhon

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4
Sprachliche Besonderheiten des Altniederdeutschen
Wiederholung
Entwicklungen im Vokalismus

Althochdeutsch Altniederdeutsch

Kurzvokale (germ.) a ë i u o

a ë i u o a ë i u o

Langvokale (germ.) ā ē1 ē2 ī ō ū

ā ē[2] ī ō ū ā ē[2] ī ō ū

Weitere Entwicklung:

ē > ea > ia, ie > ie


ō > uo
Diphthonge (germ.) ai au eu

ai > ei / vor d, n, r, w: ai > ē ai > ē


au > ou / vor h, Dentalen: au > ō au > ō
eu > iu, io > ie eu > iu

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4
Sprachliche Besonderheiten des Altniederdeutschen
Wiederholung
Entwicklungen im Vokalismus

Althochdeutsch Altniederdeutsch

Kurzvokale (germ.) a ë i u o

a ë i u o a ë i u o

Langvokale (germ.) ā ē1 ē2 ī ō ū

ā ē[2] ī ō ū ā ē[2] ī ō ū

Weitere Entwicklung:
ahd. Diphthongierung
ahd. Monophthongierung
ē > ea > ia, ie > ie
ō > uo
Diphthonge (germ.) ai au eu

ai > ei / vor d, n, r, w: ai > ē ai > ē


au > ou / vor h, Dentalen: au > ō au > ō
eu > iu, io > ie eu > iu
ahd. Diphthongwandel

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4
Sprachliche Besonderheiten des Altniederdeutschen

Ingwäonismen

• Fehlen der zweiten Lautverschiebung (Bsp.: as. tand , ae. tōþ, ahd. zan).

• Verbaler Einheitsplural (im Nd., Engl., Fries.) vs. differenzierter Plural im Hd.: z.B.
we/you/they make vs. wir machen/ihr macht/sie machen.

• Nasalschwund und Ersatzdehnung (als Tendenz):

Hd.: Ihr müsst für uns fünf andere Gänse finden.


Engl.: us five other goose [find]
As.: ūs fīf ôðar *Göös fîðan

• Zetazismus: Übergang des Plosivs [k] vor vorderen Vokalen (Palatalvokalen) in einen
Sibilanten (Zischlaut), z.B. angezeigt durch die Schreibung <ki, ci> in altwfäl. kiesur ‚Kaiser‘
(s.o.), antkiennien ‚erkennen‘, folcsciepe ‚Volkschaft‘.

• Pronomen ‚er‘ und ‚ihr‘: nd. he, engl. he vs. hd. er; nd. ji/ju, engl. you vs. hd. ihr.

• Einheitskasus („Akku-Dativ“) bei Pronomen: nd. mi ‚mir, mich‘, vgl. engl. me.

• Kontextunabhängige Monophthongierung von ai und au: nd. Steen, Boom, nl. steen, boom,
altfries. stēn, bām (vs. hd. Stein, Baum)

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Heliand (um 830-40)

Hs. M, BSB Cgm 25, Corvey, Mitte des 9. Jh, 9v und 10r.
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5
Heliand

| Thô sprak im eft [that folc] angegin,


620
that uuerod uuârlîco, | quâ|d|un that sie uuissin garo,
that he scoldi an Bethleem giboran uuer|d|an: | «sô is an [ûsun] bôkun giscri|b|an,
uuîslîco giuuritan, | sô it uuârsagon,
suuî|d|o glauua gumon | bi godes crafta
[filuuuîse] man | furn gisprâcun,
Heliand (‚Heiland‘)
625
that scoldi fon Bethleem | burgo hirdi, Dichtung vom Leben Jesu,
vorwiegend nach Mt.
liof landes uuard | an thit lioht cuman,
rîki râdge|b|o, | the rihtien scal Entstanden um 830-40,
Iudeono gumskepi | endi [is ge|b|a uuesan] Entstehungsort strittig (Fulda /
mildi o|b|ar middilgard | managun thiodun.»
Niederrhein / Werden).

Überliefert in sechs Handschriften;


davon vier fragmentarisch.

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125
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126
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Mittelniederdeutsch (1250-1650)
Alle der warlde herlicheyt is alse ene blome de huete wasset un morgen vorgheit. Des herrn wort blift yn
ewicheit.

Mittelniederdeutsche Inschrift (um 1537) mit deutlichen hochdeutschen Einflüssen auf einem
Hamelner Fachwerkhaus (Quelle: http://goo.gl/QRGWX).
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1
Historische Grundlagen Wiederholung

Ostsiedlung
(auch Ostexpansion oder
Ostkolonisation)

Phasen der deutschen Ostsiedlung nach Walter


Kuhn // http://goo.gl/lOQBX

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1
Historische Grundlagen

Werner König. 2004. dtv-Atlas Deutsche Sprache (Digitale Bibliothek 112). Berlin: directmedia.

131
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2
Sprachliche Besonderheiten des Mittelniederdeutschen

Domänenverlagerung

Domäne des Altsächsischen (800-1100): kirchlicher Bereich

Domänen des Mittelniederdeutschen (1250-1650): weltlicher Bereich

• Rechtswesen

• Verwaltung

• Historiographie

• Handel

• Literatur (v.a. importierte Stoffe)

132
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2
Sprachliche Besonderheiten des Mittelniederdeutschen

Entwicklungslinien vom And. zum Mnd.

• Germanische Akzentkonzentration auf die Stammsilbe

• Abschwächung der vollen Nebensilbenvokale (And.) zum Schwa-Laut bis hin


zum Vokalausfall (Mnd.)

• Beispiele:
as. fadar > mnd. vader, as. folgon > mnd. volgen
as. hërta > mnd. hërte ‚Herz‘
as. heritogo > mnd. hertoch

• Dehnung / „Zerdehnung“ und Senkung der Kurzvokale in offener Silbe

• Beispiele:
as. sunu > mnd. sōne ‚Sohn‘
as. nigun > mnd. nēgen ‚neun‘

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2
Sprachliche Besonderheiten des Mittelniederdeutschen

Phonologie

• Umlaut von a, o, u, â, ô, û:
• Beispiele: as. mannisk ‚Mensch‘, slutil ‚Schlüssel‘, lâri ‚leer‘, môdi ‚müde‘ >
mnd. mensch, slötel, leer, mööt

• Ausfall des anlautenden [ x ]:


• Beispiele: as. hladan ‚laden‘, hlûd ‚laut‘, hrêni ‚rein‘, hwat ‚was‘ >
mnd. laden, luyd, rein, wat

• Wandel von [ Þ, ñ ] zu [ d ]:
• Beispiele: as. thiof ‚Dieb‘, erða ‚Erde‘, dôð ‚Tod‘ > mnd. deef, erde, doot

• Vereinfachung der Langkonsonanten, z.B. [d:], [g:], [l:] > [d], [g], [l]:
• Beispiele: as. roggon [rɔg:o:n] > mnd. roggen [rɔgn] ‚Roggen‘

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2
Sprachliche Besonderheiten des Mittelniederdeutschen
Wiederholung

Wilhelm Braune. 1989. Abriss der althochdeutschen Grammatik mit Berücksichtigung des
Altsächsischen. 15., verb. Aufl. bearb. von Ernst A. Ebbinghaus. Tübingen: Niemeyer. §50.

ahd. mhd. and. got.


SG. NA hërza hërze hërta, -e haírtō
G hërzen, hërzin hërzen hërton, -an; -en haírtins
D hërzen, hërzin hërzen hërton, -an; -en haírtin

PL. NA hërzun hërzen hërtun, -on haírtōna


G hërzōno (-ôn N) hërzen hërtono haírtanē
D hërzōm, -ôn hërzen hërton, -un haírtam

Oxford English Dictionary (OED) Online (http://goo.gl/8Yf1n): Old English heorte, of Germanic origin;
related to Dutch hart and German Herz, from an Indo-European root shared by Latin cor, cord- and
Greek kēr, kardia […].

Etymologisches Wörterbuch (nach Pfeifer) beim DWDS (http://goo.gl/zCwWL): Herz n. zentrales


Antriebsorgan des Blutkreislaufs, auch als Sitz der Seele, des Gemüts, des Verstandes, der Vernunft
gedacht, ahd. herza (8. Jh.), mhd. herz(e), asächs. herta, mnd. mnl. herte, harte, nl. hart, aengl. heorte,
engl. heart, anord. hjarta, schwed. hjärta, got. haίrtō (germ. *hertan-) führt mit dehnstufigem griech.
kḗr (κῆρ) ‘Herz’, schwundstufigem griech. kardίā (καρδία) ‘Herz, Magen, Mark der Pflanzen’, lat. cor
(Gen. cordis) ‘Herz’ […].

135
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2
Sprachliche Besonderheiten des Mittelniederdeutschen

Morphologie

Abschwächung der vollen Nebensilbenvokale (Endsilbenabschwächung). Folge:


Vereinfachung der grammatischen Paradigmen.

Bsp. aus der Substantivflexion:

Altsächsisch Mittelniederdeutsch

Sg. Nom. hërta hërte ‚das Herz‘


Gen. hërton hërten ‚des Herzen‘
Dat. hërton hërten ‚dem Herzen‘
Akk. hërta hërte ‚das Herz‘
Pl. Nom. hërtun hërten ‚die Herzen‘
Gen. hërtono hërten ‚der Herzen‘
Dat. hërton hërten ‚den Herzen‘
Akk. hërtun hërten ‚die Herzen‘

= 5 Ausdrucksformen = 2 Ausdrucksformen
(-a, -o, -on, -un, -ono) (-e, -en)

136
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2
Sprachliche Besonderheiten des Mittelniederdeutschen

Werner König. 2004. dtv-Atlas Deutsche Sprache (Digitale Bibliothek 112). Berlin: directmedia.

137
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3
Spegel der Sassen
Eike von Repgow, um 1220/24, ostfälisches Frühmnd.

Wolfenbütteler Sachsenspiegel (1350-1375) Landrecht III, 67f. // http://goo.gl/CblVX


138
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3
Spegel der Sassen
Swer deme andern sine burg angewinnet Wer einem anderen seine Burg auf unrechtmäßige
mit unrechte, clait iener dar uf zu rechte, unde Weise wegnimmt, und jener klagt darauf rechtmäßig
helt man im di burg geweldiclich vor, und man enthält ihm dann die Burg gewaltsam vor,
al di wile he ir ungewaldig is, der si da zu rechte solange jener sie nicht in seiner Gewalt hat, der sie
habin solde, so enmag man uffe di burg keine rechtmäßig haben sollte, so lange kann man gegen die
clage getun, da man si mit rechte ummebrechin. Burg keine Klage erheben, kraft deren man sie
Der richter sal zu deme ersten lxviii sulle. rechtmäßig zerstören könnte.
mit einem bile dri slege slan an eine Der Richter soll zum ersten mit einem Beil drei Schläge
burg oder an ein gebu, das mit orteiln vorteilt gegen eine Burg oder gegen ein Gebäude führen, die
is. Da suln di lantlute zu helfin mit durch Urteil zum Abbruch bestimmt sind. Dann sollen
houwin unde mit rammen, nicht ensal man die Landleute mit Hauen und Stoßen dabei helfen;
burnen, noch holcz noch stein dennen vuren, niederbrennen soll man nicht, noch Holz oder Stein
noch nicht des dar uffe is, is ensi rouplich davonführen, noch sonst irgend etwas, das daran ist,
dar uf gevurt; zut sich dar iemant mit rechte es sei denn durch Raub dahin gebracht worden;
zu, der vuret is dannen. Den graben unde beansprucht es jemand zu Recht, so führe er es von
den berg sal man ebenen mit spatin. Alle, di dannen. Den Graben und den Wall soll man mit dem
in deme gerichte gesessin sin, suln dar zu Spaten ebnen. Alle, die in dem Gericht ansässig sind,
helfin bi irs selbis spise, ab si dar zu geladin die sollen dabei bei eigener Verköstigung helfen, wenn
werdin mit gerufte. sie dazu mit Gerüfte geladen werden.

139
1
Historische Grundlagen

Lübeck

Politisches und kulturelles Zentrum der Hanse, im 14. und 15. Jh. führende Stadt unter den Hansestädten.

Salzspeicher in Lübeck (ab 16. Jh.) // http://goo.gl/WsIj0


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3
Hansesprache

Domänen der sog. „Hansesprache“

• Handel (Schriftstücke zur


Regelung der geschäftlichen
Angelegenheiten),
• Recht und Diplomatie
(Stadtrechte, Privilegien,
Urkunden, Protokolle usw.),
• Literatur (mnd. Drucke v.a. aus
Lübecker Offizinen).

Ubena von Bremen auf der Hanse Sail 2012 vor


Warnemünde (Quelle: tallship-fan.de)

Mit dem Niedergang der Hanse im 15. Jahrhundert (letzter Hansetag 1669 in
Lübeck) und dem gleichzeitigen Erstarken der oberdeutschen Reichsstädte
(Augsburg, Nürnberg) verliert das Mittelniederdeutsche zunehmend an Bedeutung.

141
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3
Textsortenentwicklung im Deutschen
Wiederholung

1. Bairisch
2. Alemannisch
3. Ostfränkisch
4. Rheinfränkisch
5. Mittelfränkisch
6. Thüringisch
7. Limburgisch
8. Brabantisch
9. Flämisch
10. Nordniederdt.
11. Westfälisch
12. Ostfälisch

Werner König. 2004.


dtv-Atlas Deutsche
Sprache (Digitale
Bibliothek 112). Berlin:
directmedia.
142
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3
Mittelniederdeutsche Verwaltungssprache
Exkurs

Aufbau einer Urkunde

Protokoll

Invocatio Anrufung Gottes (mit Chrismon)


Intitulatio Name und Titel des Ausstellers (mit Devotionsformel, die der Legitimation dient)
Inscriptio Nennung des Empfängers
Arenga allgemeine, v.a. religiöse Begründung der Handlung

Text / Kontext

Promulgatio Verkündigungsformel (Publicatio; „es mögen alle erfahren“)


Narratio Entstehungsumstände der Urkunde; Nennung der Petenten (potentielle Empfänger)
und Intervenienten (Fürsprecher)
Dispositio eigentlicher Rechtsinhalt
Sanctio Ankündigung und Androhung von Strafe bei Zuwiderhandlung
Corroboratio Beglaubigungsmittel und Siegelbefehl u.U. Zeugenlisten

Eschatokoll

Signumzeile Monogramm des Königs (evtl. Vollziehungsstrich)


Recognition Name des Notars / Kanzlers; endet mit korbähnlichem Recognitionszeichen
Datierung Zeit und Ort der Beurkundung ( actum et datum)
Apprecatio abschließender Segenswunsch

143
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3
Mittelniederdeutsche Verwaltungssprache

Recesse und andere Akten der Hansetage: [1408] Mai 28 – Lübeck

1 An de vorsichtigen wisen lude, de kerkzworen to sunte Peter to Hamborg, unde an dat mene
kerspel dar sulves, unse vrunde.
Unsen vruntliken grud mit alle behegelcheit unde wes wi gudes vormogen.
Guden vrunde. Wi hebben wol vornomen, wo dat rovere up de see gekomen synt ut den
5 Vresen unde groten scaden vor der Elve gedaen hebben. Dar hebbe wi juwem rade vakene
umme schreven, dat wi gerne dar to helpen wolden, dat des an tiiden gesturet worde; unde
se hebbet uns neen antwarde gescreven unde vorholden uns dat noch. Ok wolde wi gerne
jegen se gereden hebben unde hebben uns des myt en vordregen, wo wy der roverye yn
tiiden sturen mochten; dar en ys uns ok nen antwerde aff geworden, wente se sanden up dat
10 leste her Kulen eren schriver to uns; dat werff, dat he uns brochte sunder credencie, dat was
also, dat wi uns dar nicht to richten konden. Wor umme so bidde wi ju, leven vrunde, dat gi
spreken willen, myt weme ju dunket, de dar behoeff to sy, unde unbedet uns juwe meninge
yn der sake. Dar wille wi gerne des besten mede helpen raden. Wir bevelen ju Gode.
Gescreven under unsem secrete des mandages na unses Heren hemmelvard.
15 Consules et communitas civitatis Lubicensis.

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145
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147
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3
Mittelniederdeutsche
Verwaltungssprache

Aus der Korrespondenz Johanns von Hamm (1459-1485


Prokurator des Klosters Herzebrock) mit Sophia von
Münster. Brief vom 1. Juli 1493.

FARheda H3302, Personalia Sophia von Münster

148
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3
Mittelniederdeutsche
Verwaltungssprache

MPI für Geschichte (Hg.). 1986. Germania Sacra.


Historisch-Statistische Beschreibung der Kirche des
alten Reiches. NF21: Die Bistümer der Kirchenprovinz
Köln. Bd. 1: Das Bistum Osnabrück. Das Kanonissenstift
und Benediktinerinnenkloster Herzebrock. Berlin, New
York: de Gruyter. 43.

149
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3
Mittelniederdeutsche
Verwaltungssprache

MPI für Geschichte (Hg.). 1986. Germania Sacra.


Historisch-Statistische Beschreibung der Kirche des
alten Reiches. NF21: Die Bistümer der Kirchenprovinz
Köln. Bd. 1: Das Bistum Osnabrück. Das Kanonissenstift
und Benediktinerinnenkloster Herzebrock. Berlin, New
York: de Gruyter. 43.

Der Name Her(t)zebro(i)ck setzt sich erst im 17.


Jahrhundert durch. Horsebruoca bzw. Hrossabroca
verweist auf „eine mit Pferden bestandene feuchte
Niederung“.(vgl. ebd. 44).

150
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4
Zeitliche Gliederung des
Mittelniederdeutschen (1250-1650)
Traditionelles Periodisierungsmodell

1. Mnd. Frühzeit: Schreibdialekte mit starker Nähe zur Mündlichkeit


2. Klassisches Mnd. (‚Hansesprache‘) : Ausgleichssprache mit überregionaler (Form
und) Geltung, größere Distanz zur Mündlichkeit
3. Mnd. Spätzeit: „Rückfall ins Dialektale“

Bewertung der ‚Hansesprache‘

‚Hansesprache‘ in der wissenschaftlichen Tradition:

• eine Sprache, die „eine überregionale Einheitlichkeit anstrebte“ (Sanders 1982),


• eine überregionale Verkehrssprache für den gesamten Hanseraum,
• eine Sprache, die während der Blütezeit der Hanse im 14./15. Jh. ihre größte
Einheitlichkeit besaß und die mit dem Untergang der Hanse an Bedeutung verlor
(Stellmachers These von der „Dialektisierung“).

Allerdings ist die Charakterisierung als „einheitliche Verkehrssprache“ stark


einzuschränken (schriftsprachlich, stadtsprachgebunden, text- und schreiberbezogen,
Lübecker „Norm“ selbst nicht homogen) (Robert Peters):

• das Mittelniederdeutsche ist als Oberbegriff für verschiedene regionale


Schreibsprachen zu gebrauchen.
151
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5
Vom Mittelniederdeutschen zum
Frühneuhochdeutschen

Werner König. 2004. dtv-Atlas Deutsche Sprache (Digitale Bibliothek 112). Berlin: directmedia.

152
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5
Vom Mittelniederdeutschen zum
Frühneuhochdeutschen

Dreiphasenmodell von Artur Gabrielsson (1983)

1. Bewahrung des niederdeutschen Grundcharakters, aber mit hochdeutschen


Entlehnungen:

z.B. Präpositionen (nach, bei, zu, auf, durch), Pronomina (ich, mich, er, ihr, wir),
prominente Lautmerkmale (z.B. neue Diphthonge ei, au, äu), formelhafte
Wendungen (betzeugen, offentlich, thun kundt), Fachwortschatz (Rechnung,
empfangen, offentlich)

2. Mischsprache mit systematischer Anwendung von Korrespondenzregeln zur


Übertragung von niederdeutschen Wörtern ins Hochdeutsche

z.B. wenn nd. î, dann hd. ei, wenn nd. û, dann hd. au, wenn nd. t, dann hd. z.
Entstehung hyperkorrekter Formen: kieken *keichen ‚gucken‘, Tass ‚Tasse‘
*Zasse, Lappen, ‚Lappen‘ *Lapfen

3. Hochdeutsch mit niederdeutschen Reliktformen ( „Missingsch“)

153
Frühneuhochdeutsch (1350-1650)
Genesis 1 in der Bibel Martin Luthers von 1534 (Das Buch der Bücher. Die Luther-Bibel von 1534. Bd. 1: Altes
Testament. Mit einer kulturhistorischen Einführung von Stephan Füssel. Köln: Taschen).
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1
Historische Grundlagen

Nikolaas Pienemann: Die Ankunft des Kolumbus in Amerika (1846) // http://goo.gl/RGqEs

155
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1
Historische Grundlagen

Die Eroberung Konstantinopels (1453). Kupferstich (später coloriert) von Matthaeus Merian d. Ä. (1593-1659).
Gedruckt in J. L. Gottfried. 1630. Historica Chronica. Frankfurt am Main, 674 // http://goo.gl/Vs9rO
156
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1
Historische Grundlagen

David (1501-1504) des Michelangelo


(Michelangelo Buonarroti, 1475-1564) in und für Florenz.

157
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1
Historische Grundlagen

Lübeck (im 17. Jh.) // Geo GREIF Geographische Sammlungen Greifswald // http://goo.gl/k7g3R

158
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1
Historische Grundlagen

Aufstieg der Städte: Leipzig

900
slawische Siedlung an den Ufern der
Parthe

1015
erstmalige Erwähnung (urbs Libzi)
durch Thietmar von Merseburg (975-
1018)

1165
Otto (der Reiche) (1125-1190, 1156-
1190 Markgraf von Meißen) gewährt
der Siedlung Stadt- und Markrecht an
der Kreuzung der Via Regia und Via
Imperii.
CC BY-SA 2.5 // Maximilian Dörrbecker
// http://goo.gl/3NWH8

159
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1
Historische Grundlagen

Leipzig (1657) // Geo GREIF Geographische Sammlungen Greifswald // http://goo.gl/0I6pP

160
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161
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1
Historische Grundlagen

Aufstieg der Städte: Leipzig

Die ältere Marktkirche (später Thomaskirche) wurde


bereits im 12. Jh. erbaut, nach der Vergabe der
Stadtrechte wird die Nikolaikirche errichtet.

Nikolaikirche // Twenglish // http://goo.gl/4bTtZ Thomaskirche // Dirk Goldhahn //


http://goo.gl/qW5zc+
162
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163
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1
Historische Grundlagen

Aufstieg der Städte: Leipzig

1409
Alma Mater Lipsiensis

1497
Erhebung zur Reichsmessestadt

1507
Maximilian I. (1459- 1519, Kg. 1486,
Ks. 1508) erweitert das Stapelrecht um
die Stadt Leipzig.

1539
Einführung der Reformation

CC BY-SA 2.5 // Maximilian Dörrbecker


// http://goo.gl/3NWH8

164
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1
Historische Grundlagen

Leipzig im
Dreißigjährigen Krieg
(1618-1648)

Die Bevölkerungszahl
fiel um ein Drittel auf
12.000.

Die Stadt erlebte fünf


Belagerungen
zwischen 1631 und
1642, ab 1642 blieb
sie besetzt bis 1650.

Belagerung Leipzigs 1632 durch Heinrich von Holk (April 1599-1633) // Matthaeus Merian d. Ä. 1637. Theatrum
Europaeum. Bd. 2. Frankfurt am Main // http://goo.gl/kHGxV

165
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2
Medienrevolution: Buchdruck

Göttinger Gutenberg-Bibel um 1454


(Genesis, Vol. 1, 5r // http://goo.gl/XwFdx)
166
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2
Medienrevolution: Buchdruck

Buchdruck

Mit der Erfindung des


Buchdrucks werden
die ersten
Druckstätten
aufgebaut (Offizinen),
die ihren Schwerpunkt
vor allem in
Oberdeutschland
haben:

Straßburg
Augsburg
Nürnberg
Ulm, Basel
Werner König. 2004. Köln
dtv-Atlas Deutsche
Lübeck
Sprache (Digitale
Bibliothek 112). Leipzig
Berlin: directmedia.

168
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2
Medienrevolution: Buchdruck

Nach und nach löst die deutsche


Sprache auch die lateinische Sprache in
den Drucken ab, doch erst 1680 ist die
Zahl der Drucke in beiden Sprachen
gleich.

Werner König. 2004. dtv-Atlas Deutsche Sprache (Digitale Bibliothek 112). Berlin:
directmedia.

169
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3
Reformation der Kirche: Martin Luther

Übersetzung der Einleitung zu den 95 Thesen durch die Luther Stiftung // http://goo.gl/NMm7G

170
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3
Reformation der Kirche: Martin Luther

Druck der Thesen aus


Zeitz //
http://goo.gl/tCagQ

171
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3
Reformation der Kirche: Martin Luther

Martin Luther (1483-1546)

Sendbrief vom Dolmetschen (1530)

„(...) denn man mus nicht die


buchstaben jnn der Lateinischen
sprachen fragen / wie man sol
Deudsch reden / wie diese Esel thun /
Sondern man mus die mutter jhm
hause / die kinder auff der gassen /
den gemeinen man auff dem marckt
druemb fragen / vnd den selbigen
auff das maul sehen / wie sie reden /
vnd darnach dolmetschen / so
verstehen sie es denn / vnd mercken
/ das man Deudsch mit jhn redet.“

172
3
Reformation der Kirche: Martin Luther
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4
Sprache als kulturpatriotische Projektionsfläche

Sprachgesellschaften im 17.
Jahrhundert
• Gesteigertes Sprachbewusstsein
 Kulturpatriotismus
• Fruchtbringende Gesellschaft
(auch „Palmenorden“) 1617 als
die bedeutendste unter den
Sprachgesellschaften mit den
Zielen der Herstellung der
„Sprachrichtigkeit“ des
Deutschen
Vertreter
• Justus Georg Schottelius (1612-
1676)
• Christian Gueintz (1592-1650)
Palmenorden. Kupfer-
stich und Druck von
• Georg Philipp Harsdörffer (1607-
Mattheus Merian d. Ä.
Frankfurt am Main 1658)
1646 //
http://goo.gl/iHTVp
174
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5
Das Ostmitteldeutsche („Meißnische“) als
Prestigevarietät Wiederholung

Werner König. 2004. dtv-Atlas Deutsche Sprache (Digitale Bibliothek 112). Berlin: directmedia.

175
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5
Das Ostmitteldeutsche („Meißnische) als
Prestigevarietät

Überregionale Prestigeschreibsprachen

• „Osthochdeutsche Schreibsprache“ (ab dem 15. Jhd.), auf omd. und obd.
Grundlage
• Sprache der Hanse (Lübeck, Mittelniederdt. 14.-17. Jhd.)
• Gemeines Deutsch (Augsburg)
• Verkehrssprache des Mittelniederländischen (ab dem 13. Jhd.),
Niederländisch als eigene Literatursprache (ab dem 15./ 16. Jhd.)

Schriftsprachliche Varietätengruppen

Neben der Sprache der Institutionen (Kanzleisprache, Geschäftssprache,


Verwaltungssprache allgemein), die vor allem in Urkunden belegt ist, gewinnt das
Deutsche in seinen verschiedenen Varietäten als Literatursprache zunehmend an
Bedeutung.

176
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5
Das Ostmitteldeutsche („Meißnische) als
Prestigevarietät

Werner König. 2004.


dtv-Atlas Deutsche
Sprache (Digitale
Bibliothek 112).
Berlin: directmedia.

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6
Sprachliche Besonderheiten des
Frühneuhochdeutschen
Variantenreduktion

Wrde aber / do GOtt fr sey / im Schloß oder auff dem Zeughaus ein Fewer Substantivmorphologie
auffgehen / so sol dem Ersten der eine Btte Wasser bringet / Zwene • Rückgang der Kasuskennzeichnung
Glden. Dem Andern Ein Glden. Dem Dritten Drey Ort. Vnd dem Vierten ein
halber Glden gereicht werden. • Ausbau der Numerusopposition
Do nu der Furleut einer oder mehr / zum Fewer / Wasser oder Leittern zu
zufren / sich verweigern / vnd dasselb vorsetzlich verlassen wrde / der
oder die sollen jhrer Pferde verlustig sein.
Es sol auch niemands mit ledigen Henden zum Fewer gelauffen kommen /
sondern mit sich bringen eine Sprtze / Wasserkanne / Axt / Radehawen /
Keilhawen oder dergleichen zu retten dienstlich.
Vnd sollen mssige Personen / die nicht wehren helffen wollen / mit ernst
abgetrieben / vnd alda nicht geduldet werden. Die Nachtwach / dergleichen
die Stundenschreyer auff den Gassen / sollen bey Leibes straff / so bald sie
Fewer vormercken / den Brgermeistern / Richtern / vnd andern
Rathsvorwandten solchs vormelden.
Es sol auch ein jeder Hauswirt / sampt seinem Gesinde / sein Fewer alsbaldt
/ bey vormeidung zwantzig glden straff / beschreyen / vnd nicht
vorschweigen.

[1608] FewerOrdnung / Der Stadt Dreßden […]. Gedruckt durch Hieronymum Schtz. 13r
182
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7
Bedeutungswandel

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7
Bedeutungswandel

Werner König. 2004. dtv-Atlas Deutsche Sprache (Digitale Bibliothek 112). Berlin: directmedia.
186
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8
Entlehnung

Ein Beispiel: Zahlreich sind bereits die Entlehnungen der germ. Stämme aus
dem Lateinischen. Für die Datierung wird als taq (terminus ante quem) bzw.
tpq (terminus post quem) die 2. LV benutzt. Wörter, die sie „mitgemacht“
haben, gelten als vor dem 5. Jh. entlehnt: Lat. palatium erscheint vor der 2. LV
entlehnt als nhd. Pfalz, danach im Mittelalter aus dem Afrz. entlehnt als
Palast, um im 17. Jh. ein drittes Mal (und wieder aus dem Frz.) übernommen
zu werden mit charakteristischem frz. Lautstand als Palais.

Werner König. 2004. dtv-Atlas Deutsche Sprache (Digitale Bibliothek 112). Berlin: directmedia.

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Varietätenlinguistik

„Manche Menschen träumen ihr ganzes Leben lang ihren Traum. Und irgendwann wachen sie auf und
stellen fest, dass sie sich an ihren Traum überhaupt nicht mehr erinnern können.“ –
die Ruhrpottgaunerei als Varietätenlehrstück: Bang Boom Bang. Ein todsicheres Ding (1999)

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1
Soziolinguistik als Varietätenlinguistik
Wiederholung

Soziolinguistik

Wer spricht
was und
wie
mit wem
in welcher Sprache und
unter welchen sozialen Umständen
mit welchen Absichten und Konsequenzen?

Nach: Fishman, Joshua A. 1972. The sociology of language. An interdisciplinary social science
approach to language in society. Rowley/Mass.: Newbury House. 15.

189
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1
Soziolinguistik als Varietätenlinguistik
Wiederholung

Soziolinguistik

Defizithypothese Basil Bernsteins

Elaborierter Code: Sprachgebrauch


gehobener Schichten

Restringierter Code: Sprachgebrauch


der Unterschicht

Differenzierung nach den Dimensionen:

1) Explizitheit
2) Grammatische Korrektheit
Ralf Richter als Kalle in Was nicht passt, wird
3) Logische vs. argumentative passend gemacht // http://goo.gl/mtq4h
Strukturiertheit

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1
Soziolinguistik als Varietätenlinguistik
Wiederholung

Soziolinguistik

Differenzhypothese

William Labov kritisierte die Annahmen Bernsteins und die seinen Untersuchungen
zu Grunde liegenden Methoden.

Er strich die Andersartigkeit und Differenz von anderen Sprachgebrauchsformen (z.B.


Lernersprachen, „Gastarbeitersprachen“) heraus, ohne jedoch weiter von Defiziten
auszugehen:

„X kann sich schlechter ausdrücken als Y.“  „X drückt sich anders aus als Y.“

191
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1
Soziolinguistik als Varietätenlinguistik

Soziolinguistik als Varietätenlinguistik

Eine Varietät ist eine Sprachgebrauchsform, die sich

• zum einen durch charakteristische sprachliche Merkmale bestimmen lässt,


• zum anderen aber wesentlich an eine durch außersprachliche Faktoren definierte
Gruppe von Sprecher_innen angebunden werden kann.

192
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2
Gegenstand und Terminologie

Varietät als Sprachgebrauchsform

Variable Variante Varietät

Kategorie Bezeichnungs-
Menge
alternativen
verschiedener
Kombinationen von
ERWACHSENE FRAU
Variablen und
WEIBLICHE EHEFRAU
Varianten –
PERSON HEXE
Sprachgebrauchs-
ALTE
form
MUDDA
[…]

Man lebt nur einmal.


LEBENSMOTTI JUGENDSPRACHE
YOLO
193
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2
Gegenstand und Terminologie

Varietätenraum

Die Varietätenlinguistik untersucht den wegen der Kombination bestimmter


Variablen und Varianten spezifischen Sprachgebrauch einer Gruppe (nach
Eugeniu Coseriu) in der:

• diachronischen Dimension (historischer Zeitpunkt),

• diatopischen Dimension (kommunikative Reichweite),

• diastratischen Dimension (soziale Gruppe der Sprechenden),

• diasituativen Dimension (kommunikative Funktion).

194
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2
Gegenstand und Terminologie

Varietätenraum

Variation Dimension Varietät

Ausdruck und diachronisch Althochdeutsch


Inhalt sprachlicher
Zeichen auf
unterschiedlichen diatopisch Stadtsprache Lübecks (in mnd. Zeit)
Ebenen:

• Phonetik
diastratisch Jugendsprache / Fachsprachen
• Phonologie
• Morphologie
• Syntax
• Lexik usw. diasituativ Gesprächs- und Textsortengebrauch /
Fachsprachen

195
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196
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2
Gegenstand und Terminologie

Dialektgliederung des Deutschen

Einteilung der deutschen


Dialekte nach Peter
Wiesinger (Karte 47.4 aus
HSK 1.2 Dialektologie).

197
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2
Gegenstand und Terminologie

Konzeptionelle Mündlichkeit /
Schriftlichkeit

Nähesprache / Distanzsprache

Koch, Peter & Wulf Oesterreicher. 1985.


Sprache der Nähe - Sprache der
Distanz. Mündlichkeit und
Schriftlichkeit im Spannungsfeld von
Sprachtheorie und Sprachgeschichte.
In: Romanistisches Jahrbuch
36/85:15-43.

Koch, Peter & Wulf Oesterreicher. 1994.


Schriftlichkeit und Sprache. In:
Günther, Hartmut und Otto Ludwig
(Hg.): Schrift und Schriftlichkeit (HSK
10.1). Berlin / New York: de Gruyter.
587–604.)
http://goo.gl/njCaX

198
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2
Gegenstand und Terminologie
Konzeptionelle Mündlichkeit / Schriftlichkeit

Um Texte als konzeptionell mündlich bzw. als konzeptionell schriftlich einzustufen,


bedarf es einer genauen Rekonstruktion und Beschreibung des/der:

• Übertragungsmediums,
• medialen und institutionellen Bedingungen der Textentstehung,
• historischen Bedingungen der Produktion und Rezeption,
• kommunikativen Kontexte, in denen Texte verwendet werden.

Wer spricht was und wie mit wem in welcher Sprache und
unter welchen sozialen Umständen
mit welchen Absichten und Konsequenzen?

199
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2
Gegenstand und Terminologie
Konzeptionelle Mündlichkeit / Schriftlichkeit

Mediale / konzeptionelle Mündlichkeit / Schriftlichkeit (Koch / Oesterreicher 1994)

Zeitungsinterview Gesetzestext

Leitartikel
Privatbrief

grafisch
mündlich schriftlich
phonisch

Vorstellungsgespräch

Wiss. Vortrag
Telefongespräch

Familiengespräch Predigt

200
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3
Gegenstand und Terminologie
Sprachliche Merkmale / Versprachlichungsstrategien

Nähesprache Distanzsprache

prozesshaft vergegenständlicht
vorläufig endgültig
parataktisch hypotaktisch
weniger kompakt kompakter
weniger komplex komplexer
weniger elaboriert elaborierter

201
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4
Ein Beispiel: Vormoderne Feuerordnungen
Elbtor und Elbbrücke

Schloss

Franziskaner-Kloster Frauenkirche

Kaitzbach
Willisches Tor

Rathaus

Altmarkt

Kreuzkirche

Plan der Stadt Dresden (um 1500)


Darstellung auf der Basis eines Holzmodells von 1521 (Kriegsverlust).
Otto Richter. 1900. Geschichte der Stadt Dresden. Dresden. Anhang.
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4
Ein Beispiel: Vormoderne Feuerordnungen

Elbtor und Elbbrücke

Schloss
Frauenkirche

Franziskaner-Kloster

Willisches Tor
Rathaus
Altmarkt

Kreuzkirche

Grundriß der Stadt Dresden wie solche anno 1529 zu sehen gewesen (Ausschnitt, genordet)
Kupferstich Wolf Caspar von Klengels. Nürnberg 1680. Maßstab 1: 4500.
Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Kartensammlung.
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4
Ein Beispiel: Vormoderne Feuerordnungen

Elbbrücke

Schloss Kaitzbach

Frauenkirche
Franziskaner-Kloster

Willisches Tor Rathaus


Altmarkt
Kreuzkirche

Dresden und Altendresden im Jahre 1651 (Ausschnitt, genordet)


Samuel Nienborg.
Otto Richter. 1891. Verwaltungsgeschichte der Stadt Dresden. 2 Bde. Dresden. Bd. 2. 401f. und Beilage.
Neuhochdeutsch (1650-1950)
Warnschilder im Wolfsgehege („Wildgehege“ Moritzburg) // CC BA-SY 3.0 Alexander Lasch.
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1
Politik- und Diplomatiegeschichte

Historische Grundlagen auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
1789 Französische Revolution
1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
1812-1815 Befreiungskriege
1833 Slavery Abolition Act (UK)
1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
1861-1865 Sezessionskrieg
1864 Dt.-Dän. Krieg
1870/71 Dt.-Franz. Krieg
1871 Reichseinigung
1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
1933 Machtergreifung Hitlers
1939-1945 WK II
1949 NATO; BRD | DDR
Giovanni Francesco 1950-1953 Koreakrieg
Caroto: Knabe mit einer 1955 (-1991) Warschauer Pakt
Zeichnung (16. Jh.) // DB 1957-1975 Vietnamkrieg
Sonderband: 1000 1979 NATO-Doppelbeschluss
Gemälde // (c) 2001 The 1979-1989 Afghanistankrieg
Yorck Project. 1990 Dt. Wiedervereinigung

206
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Politik- und Diplomatiegeschichte

Historische Grundlagen auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
1789 Französische Revolution
1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
1812-1815 Befreiungskriege
1833 Slavery Abolition Act (UK)
1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
1861-1865 Sezessionskrieg
1864 Dt.-Dän. Krieg
1870/71 Dt.-Franz. Krieg
1871 Reichseinigung
1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
Der Prager Fenstersturz 1933 Machtergreifung Hitlers
auf einem 1939-1945 WK II
zeitgenössischen 1949 NATO; BRD | DDR
Flugblatt (1618). In: Peter 1950-1953 Koreakrieg
Milger: 2001. Der 1955 (-1991) Warschauer Pakt
Dreißigjährige Krieg. 1957-1975 Vietnamkrieg
Gegen Land und Leute. 1979 NATO-Doppelbeschluss
Niedernhausen // 1979-1989 Afghanistankrieg
http://goo.gl/l4WXb 1990 Dt. Wiedervereinigung

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Politik- und Diplomatiegeschichte

Historische Grundlagen auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
1789 Französische Revolution
1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
1812-1815 Befreiungskriege
1833 Slavery Abolition Act (UK)
1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
1861-1865 Sezessionskrieg
1864 Dt.-Dän. Krieg
1870/71 Dt.-Franz. Krieg
1871 Reichseinigung
1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
1933 Machtergreifung Hitlers
1939-1945 WK II
1949 NATO; BRD | DDR
Hyacinthe Rigaud: Porträt 1950-1953 Koreakrieg
des französischen Königs 1955 (-1991) Warschauer Pakt
Ludwig XIV. (1638-1715). 1957-1975 Vietnamkrieg
1701. Ausschnitt // DB 1979 NATO-Doppelbeschluss
Sonderband: 1000
1979-1989 Afghanistankrieg
Gemälde // (c) 2001 The
1990 Dt. Wiedervereinigung
Yorck Project.
208
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1
Politik- und Diplomatiegeschichte

Historische Grundlagen auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
1789 Französische Revolution
1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
1812-1815 Befreiungskriege
1833 Slavery Abolition Act (UK)
1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
1861-1865 Sezessionskrieg
1864 Dt.-Dän. Krieg
1870/71 Dt.-Franz. Krieg
1871 Reichseinigung
1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
1933 Machtergreifung Hitlers
1939-1945 WK II
1949 NATO; BRD | DDR
Operationen im Jahr 1756 1950-1953 Koreakrieg
– Preußen gewinnt 1955 (-1991) Warschauer Pakt
endgültig die 1957-1975 Vietnamkrieg
Vormachtstellung im 1979 NATO-Doppelbeschluss
Reich // Kirill Lokshin //
1979-1989 Afghanistankrieg
http://goo.gl/cPEZ1
1990 Dt. Wiedervereinigung

209
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1
Politik- und Diplomatiegeschichte

Historische Grundlagen auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
1789 Französische Revolution
1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
1812-1815 Befreiungskriege
1833 Slavery Abolition Act (UK)
1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
1861-1865 Sezessionskrieg
1864 Dt.-Dän. Krieg
1870/71 Dt.-Franz. Krieg
1871 Reichseinigung
1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
1933 Machtergreifung Hitlers
1939-1945 WK II
1949 NATO; BRD | DDR
John Singleton Copley: 1950-1953 Koreakrieg
Der Tod des Majors 1955 (-1991) Warschauer Pakt
Peirson. 1782-1784. 1957-1975 Vietnamkrieg
Ausschnitt // DB 1979 NATO-Doppelbeschluss
Sonderband: 1000
1979-1989 Afghanistankrieg
Gemälde // (c) 2001 The
1990 Dt. Wiedervereinigung
Yorck Project.
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Politik- und Diplomatiegeschichte

Historische Grundlagen auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
1789 Französische Revolution
1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
1812-1815 Befreiungskriege
1833 Slavery Abolition Act (UK)
1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
1861-1865 Sezessionskrieg
1864 Dt.-Dän. Krieg
1870/71 Dt.-Franz. Krieg
1871 Reichseinigung
1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
1933 Machtergreifung Hitlers
1939-1945 WK II
Eugène Ferdinand Victor 1949 NATO; BRD | DDR
Delacroix: Die Freiheit 1950-1953 Koreakrieg
führt das Volk an. 1830. 1955 (-1991) Warschauer Pakt
Ausschnitt // DB 1957-1975 Vietnamkrieg
Sonderband: 1000 1979 NATO-Doppelbeschluss
Gemälde // (c) 2001 The 1979-1989 Afghanistankrieg
Yorck Project. 1990 Dt. Wiedervereinigung

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Politik- und Diplomatiegeschichte

Historische Grundlagen auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
1789 Französische Revolution
1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
1812-1815 Befreiungskriege
1833 Slavery Abolition Act (UK)
1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
1861-1865 Sezessionskrieg
1864 Dt.-Dän. Krieg
1870/71 Dt.-Franz. Krieg
1871 Reichseinigung
1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
1933 Machtergreifung Hitlers
1939-1945 WK II
Jacques-Louis David: 1949 NATO; BRD | DDR
Krönung Napoleons I. und 1950-1953 Koreakrieg
der Kaiserin Josefine. 1955 (-1991) Warschauer Pakt
1804. Ausschnitt // DB 1957-1975 Vietnamkrieg
Sonderband: 1000 1979 NATO-Doppelbeschluss
Gemälde // (c) 2001 The 1979-1989 Afghanistankrieg
Yorck Project. 1990 Dt. Wiedervereinigung

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Politik- und Diplomatiegeschichte

Historische Grundlagen auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
1789 Französische Revolution
1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
1812-1815 Befreiungskriege
1833 Slavery Abolition Act (UK)
1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
1861-1865 Sezessionskrieg
1864 Dt.-Dän. Krieg
1870/71 Dt.-Franz. Krieg
1871 Reichseinigung
1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
1933 Machtergreifung Hitlers
1939-1945 WK II
1949 NATO; BRD | DDR
Louis Ferdinand von 1950-1953 Koreakrieg
Rayski: Grenadiere im 1955 (-1991) Warschauer Pakt
Schnee. Ausschnitt // 1957-1975 Vietnamkrieg
http://goo.gl/bJ48U 1979 NATO-Doppelbeschluss
1979-1989 Afghanistankrieg
1990 Dt. Wiedervereinigung

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Historische Grundlagen auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
1789 Französische Revolution
1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
1812-1815 Befreiungskriege
1833 Slavery Abolition Act (UK)
1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
1861-1865 Sezessionskrieg
1864 Dt.-Dän. Krieg
1870/71 Dt.-Franz. Krieg
1871 Reichseinigung
1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
1933 Machtergreifung Hitlers
Adolf Friedrich Erdmann 1939-1945 WK II
von Menzel: 1949 NATO; BRD | DDR
Eisenwalzwerk (Moderne 1950-1953 Koreakrieg
Cyklopen). 1872-1875. 1955 (-1991) Warschauer Pakt
Ausschnitt // DB 1957-1975 Vietnamkrieg
Sonderband: 1000 1979 NATO-Doppelbeschluss
Gemälde // (c) 2001 The 1979-1989 Afghanistankrieg
Yorck Project. 1990 Dt. Wiedervereinigung

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Politik- und Diplomatiegeschichte

Historische Grundlagen auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
1789 Französische Revolution
1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
1812-1815 Befreiungskriege
1833 Slavery Abolition Act (UK)
1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
1861-1865 Sezessionskrieg
1864 Dt.-Dän. Krieg
1870/71 Dt.-Franz. Krieg
1871 Reichseinigung
1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
1933 Machtergreifung Hitlers
1939-1945 WK II
1949 NATO; BRD | DDR
1950-1953 Koreakrieg
1955 (-1991) Warschauer Pakt
1957-1975 Vietnamkrieg
Honoré Daumier: Ein
Wagen der Dritten Klasse. 1979 NATO-Doppelbeschluss
1862-1864. Ausschnitt // 1979-1989 Afghanistankrieg
http://goo.gl/CwevS 1990 Dt. Wiedervereinigung

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Politik- und Diplomatiegeschichte

Historische Grundlagen auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
1789 Französische Revolution
1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
1812-1815 Befreiungskriege
1833 Slavery Abolition Act (UK)
1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
1861-1865 Sezessionskrieg
1864 Dt.-Dän. Krieg
1870/71 Dt.-Franz. Krieg
1871 Reichseinigung
1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
1933 Machtergreifung Hitlers
1939-1945 WK II
1949 NATO; BRD | DDR
Claude Monet: Das 1950-1953 Koreakrieg
Parlament in London. 1955 (-1991) Warschauer Pakt
1904. Ausschnitt // DB 1957-1975 Vietnamkrieg
Sonderband: 1000 1979 NATO-Doppelbeschluss
Gemälde // (c) 2001 The 1979-1989 Afghanistankrieg
Yorck Project. 1990 Dt. Wiedervereinigung

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Politik- und Diplomatiegeschichte

Historische Grundlagen auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
1789 Französische Revolution
1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
1812-1815 Befreiungskriege
1833 Slavery Abolition Act (UK)
1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
1861-1865 Sezessionskrieg
1864 Dt.-Dän. Krieg
1870/71 Dt.-Franz. Krieg
1871 Reichseinigung
1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
1933 Machtergreifung Hitlers
1939-1945 WK II
1949 NATO; BRD | DDR
„Thin Red Line“ in der 1950-1953 Koreakrieg
Schlacht von Balaklawa 1955 (-1991) Warschauer Pakt
(25.10.1854). Regimental 1957-1975 Vietnamkrieg
Museum, Stirling Castle // 1979 NATO-Doppelbeschluss
Kim Traynor // 1979-1989 Afghanistankrieg
http://goo.gl/kNce0 1990 Dt. Wiedervereinigung

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Politik- und Diplomatiegeschichte

Historische Grundlagen auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
1789 Französische Revolution
1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
1812-1815 Befreiungskriege
1833 Slavery Abolition Act (UK)
1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
1861-1865 Sezessionskrieg
1864 Dt.-Dän. Krieg
1870/71 Dt.-Franz. Krieg
1871 Reichseinigung
1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
1933 Machtergreifung Hitlers
1939-1945 WK II
1949 NATO; BRD | DDR
Demonstrationen gegen 1950-1953 Koreakrieg
die Stationierung von 1955 (-1991) Warschauer Pakt
atomaren Mittelstrecken- 1957-1975 Vietnamkrieg
raketen in BRD (1982) und 1979 NATO-Doppelbeschluss
DDR (1984) //
1979-1989 Afghanistankrieg
http://goo.gl/M8Up8 &
1990 Dt. Wiedervereinigung
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Politik- und Diplomatiegeschichte

Historische Grundlagen auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
1789 Französische Revolution
1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
1812-1815 Befreiungskriege
1833 Slavery Abolition Act (UK)
1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
1861-1865 Sezessionskrieg
1864 Dt.-Dän. Krieg
1870/71 Dt.-Franz. Krieg
1871 Reichseinigung
1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
1933 Machtergreifung Hitlers
1939-1945 WK II
1949 NATO; BRD | DDR
1950-1953 Koreakrieg
1955 (-1991) Warschauer Pakt
Hildegard Leest: 1957-1975 Vietnamkrieg
Wiederver-
1979 NATO-Doppelbeschluss
einigung. 1962 //
1979-1989 Afghanistankrieg
http://goo.gl/My
1990 Dt. Wiedervereinigung
BuB
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Politik- und Diplomatiegeschichte

Sprachgeschichte vom 17. bis 20. Jh. auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
17. Jahrhundert 1740-1745 Schlesische Kriege
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Sprachbewusstsein (Kulturpatriotismus), Unabhängigkeitskrieg
Ostmitteldeutsche Prestigevarietät („Meißnisch), 1789 Französische Revolution
1792-1815 Koalitionskriege
Einfluss Luthers, Sprachgesellschaften 1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
(„Spracharbeit“), 1812-1815 Befreiungskriege
1833 Slavery Abolition Act (UK)
Deutsch als Wissenschaftssprache 1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
1861-1865 Sezessionskrieg
Zunehmende Standardisierung (z.B. 1864 Dt.-Dän. Krieg
Variantenreduzierung in der Schriftsprache), 1870/71 Dt.-Franz. Krieg
Ausbau funktionaler Varietäten 1871 Reichseinigung
1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
Monophthongierung / Diphthongierung, 1933 Machtergreifung Hitlers
1939-1945 WK II
Satzklammer 1949 NATO; BRD | DDR
1950-1953 Koreakrieg
1955 (-1991) Warschauer Pakt
1957-1975 Vietnamkrieg
1979 NATO-Doppelbeschluss
1979-1989 Afghanistankrieg
1990 Dt. Wiedervereinigung

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Politik- und Diplomatiegeschichte

Sprachgeschichte vom 17. bis 20. Jh. auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
17. Jahrhundert 1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
Sprachbewusstsein (Kulturpatriotismus),
18. Jahrhundert 1789 Französische Revolution
Ostmitteldeutsche Prestigevarietät („Meißnisch), 1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
Einfluss
DeutscheLuthers, Sprachgesellschaften
Sprache als Literatur- und 1812-1815 Befreiungskriege
(„Spracharbeit“),
Wissenschaftssprache und als Fachsprache in 1833 Slavery Abolition Act (UK)
Deutsch anderen
als Wissenschaftssprache.
Bereichen
1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
1861-1865 Sezessionskrieg
Zunehmendeund
Stabilisierung Standardisierung (z.B.
Institutionalisierung
1864 Dt.-Dän. Krieg
1870/71 Dt.-Franz. Krieg
Variantenreduzierung in der Schriftsprache),
funktionaler Varietäten und 1871 Reichseinigung
Ausbau funktionaler
Textsorten(-verbünde): Varietäten,
Diplomatie und Politik, 1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
Handel, Rechtswesen 1933 Machtergreifung Hitlers
Monophthongierung / Diphthongierung,
(Bps.: Stadtordnungen und -rechte) 1939-1945 WK II
Satzklammer. 1949 NATO; BRD | DDR
1950-1953 Koreakrieg
1955 (-1991) Warschauer Pakt
1957-1975 Vietnamkrieg
1979 NATO-Doppelbeschluss
1979-1989 Afghanistankrieg
1990 Dt. Wiedervereinigung

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Politik- und Diplomatiegeschichte

Sprachgeschichte vom 17. bis 20. Jh. auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
17. Jahrhundert 1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
18. Jahrhundert 1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
Sprachbewusstsein (Kulturpatriotismus), 1789 Französische Revolution
Ostmitteldeutsche19.Prestigevarietät
Jahrhundert („Meißnisch), 1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
Einfluss Luthers, Sprachgesellschaften 1812-1815 Befreiungskriege
(„Spracharbeit“),
Alphabetisierung 1833 Slavery Abolition Act (UK)
Deutsch alsUrbanisierung
Wissenschaftssprache. 1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
Demokratisierung 1861-1865 Sezessionskrieg
Zunehmende Standardisierung (z.B.
Säkularisierung 1864 Dt.-Dän. Krieg
1870/71 Dt.-Franz. Krieg
Variantenreduzierung in der Schriftsprache), 1871 Reichseinigung
Ausbau funktionaler Varietäten, 1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
Entwicklung der Presse und Pressesprache 1933 Machtergreifung Hitlers
Monophthongierung
(„Zeitungsdeutsch“), / Diphthongierung, in
Normierungsdebatte 1939-1945 WK II
Bezug aufSatzklammer.
die deutsche Sprache, 1949 NATO; BRD | DDR
1950-1953 Koreakrieg
(Sprach-)Purismus und (Sprach-)Nationalismus 1955 (-1991) Warschauer Pakt
1957-1975 Vietnamkrieg
1979 NATO-Doppelbeschluss
1979-1989 Afghanistankrieg
1990 Dt. Wiedervereinigung

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2
Politik- und Diplomatiegeschichte

Sprachgeschichte vom 17. bis 20. Jh. auf einen Blick


1568-1648 80jähriger Krieg der
Niederlande
1618-1648 30jähriger Krieg
1683 Türkische Belagerung von Wien
17. Jahrhundert 1701-1713/14 Span. Erbfolgekrieg
1740-1745 Schlesische Kriege
18. Jahrhundert 1756-1763 Siebenjähriger Krieg
1775-1783 Amerik.
Unabhängigkeitskrieg
19. Jahrhundert
Sprachbewusstsein (Kulturpatriotismus), 1789 Französische Revolution
Ostmitteldeutsche Prestigevarietät („Meißnisch), 1792-1815 Koalitionskriege
1806 Aufl. des Hl. Römischen Reichs
Einfluss Luthers, Sprachgesellschaften
20. Jahrhundert 1812-1815 Befreiungskriege
(„Spracharbeit“), 1833 Slavery Abolition Act (UK)
Deutsch alsNormierung
Wissenschaftssprache. 1848 Märzrevolution
1853-1856 Krimkrieg
Alphabetisierung
Sprachregulierung 1861-1865 Sezessionskrieg
Zunehmende Urbanisierung
Standardisierung (z.B. 1864 Dt.-Dän. Krieg
Dezentralisierung 1870/71 Dt.-Franz. Krieg
Demokratisierung
Variantenreduzierung in der Schriftsprache), 1871 Reichseinigung
Ausbau Säkularisierung
funktionaler
Differenzierung Varietäten,
der kommunikativen 1914-1918 WK I
1919 Weimarer Republik
Bezugsbereiche, Fachsprachenausbau, 1933 Machtergreifung Hitlers
Entwicklung der Dialekte/zu
Monophthongierung Diphthongierung,
Regionalsprachen, 1939-1945 WK II
Entwicklung der Presse und
Satzklammer. Pressesprache 1949 NATO; BRD | DDR
Sprachregulierung in den deutschen Diktaturen, 1950-1953 Koreakrieg
(„Zeitungsdeutsch“), Normierungsdebatte in
1945-1989 sprachliche Sonderentwicklungen im 1955 (-1991) Warschauer Pakt
Bezug auf die deutsche Sprache, 1957-1975 Vietnamkrieg
geteilten Deutschland, Deutsch als
(Sprach-)Purismus und (Sprach-)Nationalismus 1979 NATO-Doppelbeschluss
plurizentrische Sprache 1979-1989 Afghanistankrieg
1990 Dt. Wiedervereinigung

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28.04.2016| http://alexanderlasch.wordpress.com

2
Sprachgeschichte vom 17. bis 20. Jh.
Wiederholung

Werner König. 2004.


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Berlin: directmedia.

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Sprache und Medien

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Sprache und Medien

Begrenzung
• Auseinandersetzung
mit technischen
Übertragungsmedien,
die (zunächst) der
Informations-
übermittlung dienen,
und in denen
• Sprache als Medium
wenig Raum hat

http://www.dwds.de/

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Sprache und Medien

Telegrafie

• Optische Telegrafie
• Elektrische Telegrafie

Sprache wird in der


Telegrafie zunächst nicht
direkt, sondern mittels
Code monodirektional
übertragen, erst später
kann mittels Zeiger-
telegraf und Fern-
schreiber medial
schriftliche Sprache
direkt übertragen
werden.

http://goo.gl/R8458

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Sprache und Medien

‚Telegrammstil‘

• knappstmöglicher Einsatz
sprachlicher Mittel,
• elliptische Satzstrukturen,
orthographische und
graphematische
Besonderheiten,
• besondere sprachliche
Muster, die häufig zur
Nominalisierung neigen
(„Ankommen am [...]“),
• Verwendung üblicher (d.h.
in den Standard-
Orthographien geführter)
Abkürzungen.

http://goo.gl/L5enx

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Sprache und Medien

Abkürzungskultur

• Akronyme (Anfangsbuchstaben
oder -silben einer Wortgruppe
oder eines Kompositums bilden
eine Abkürzung): eg für „evil grin“

• Komplexere Abkürzungen
2F4U „Too Fast For You“
2L8 „Too Late“
4U „For you“
YOLO „You Only Live Once“

• Inflexive (*kicher*, *lach*)

• Emoticons (westliche und


japanische Emoticons)
http://goo.gl/rENf8

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Sprache und Medien

Microblogging

• Tweets sind auf 140 Zeichen begrenzt, Übernahme


verschiedener Abkürzungstechniken
• Tweets können
• an ein disperses Publikum adressiert,
• vernetzt (#Tagging),
• in andere Publikationsformate integriert
(Twitterwall, Twitterwidges etc.) und
• rasch geteilt werden.

http://twitter.com

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Sprache und Medien

Microblogging

Die technischen
Voraussetzungen und die
Form der Begrenzung
sprachlicher Zeichen
machen Twitter zu einem
effektiven Kommunikati-
onsmittel.

http://twitter.com

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Sprache und Medien

https://twitter.com/tiny_tales/status/5093755034

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