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The Man Who Wanted To Rocket To Success

faz.net/aktuell/feuilleton/raketenkonstrukteur-wernher-von-braun-15989855.html

Christopher Lauer

Foto: Science Photo Library

17.01.2019 · Wernher von Braun gilt als Vater der Raumfahrt: als genialer Konstrukteur
jener Raketen, mit denen die Amerikaner vor fünfzig Jahren zum Mond geflogen sind. Aber
stimmt diese Legende? Gerade der Beginn seiner Karriere lässt daran zweifeln.

Wernher von Braun is regarded as the father of space travel, the ingenious designer of the
rockets Americans used to fly to the moon 50 years ago. But is this legend really true?
The beginning of his career provides cause for doubt.

I n diesem Jahr ist es ein halbes Jahrhundert her, dass Apollo 11 zum Mond geflogen ist –
und wenn es fünfzig Jahre Mondlandung zu feiern gibt, wird wieder die Heldensage
Wernher von Brauns erzählt: jenes Mannes, der uns als Erfinder der modernen
Raketentechnik, als Vater der Raumfahrt gilt.

This year, a half-century will have passed since Apollo 11 flew to the moon. And the
celebrations of the 50th anniversary of the moon landing are sure to include the retelling
of the heroic legend of Wernher von Braun -- the man considered to be the inventor of
modern rocket technology, the father of space travel.

Diese Sage geht ungefähr so, dass Wernher von Braun sich schon in frühester Kindheit für
Raketen und den Weltraum begeisterte. Er war gerade zwanzig, da wurde sein
außerordentliches Talent von der Reichswehr entdeckt – und das Militär engagierte ihn,
damit er Raketen für die deutsche Armee entwickelte und baute. Mit zweiundzwanzig
schrieb er eine, natürlich wegweisende, Dissertation über Raketentechnik an der Universität
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Berlin. Mit fünfundzwanzig wurde er Technischer Leiter der Heeresversuchsanstalt
Peenemünde, wo er die Rakete A4 entwickelte. Die wiederum wurde im Zweiten Weltkrieg
als „Vergeltungswaffe 2“, kurz V2, vor allem auf englische Städte geschossen. Die V2, da
sind sich die Historiker einig, ist die einzige Waffe in der Geschichte der Menschheit, bei
deren Herstellung mehr Menschen getötet wurden als bei deren Einsatz. Unter welch
bestialischen Bedingungen NS-Arbeitssklaven die Waffe bauen mussten, wurde von Rainer
Eisfeld in seinem Buch „Mondsüchtig“ aufgearbeitet.

The legend essentially goes like this: Wernher von Braun was enthusiastic about rockets
and space even as a child. He was only 20 when the Reichswehr discovered his
extraordinary talent and the military recruited him to develop and build rockets for the
German army. At the age of 22, he wrote a dissertation -- pioneering, of course -- on
rocket technology at Berlin University. At the age of 25, he became technical director of
the Peenemünde Army Research Center, where he developed the A4 rocket. That rocket,
known as the „Vergeltungswaffe 2“ („Retaliation Weapon 2“), or the V2 for short, was then
fired on English cities during World War II. Historians agree that the V2 is the only weapon
in the history of humankind where more people were killed in the manufacturing process
than through its deployment. The horrific conditions under which the Nazis' slave laborers
were forced to build the weapon were described by Rainer Eisfeld in his book
„Mondsüchtig“ („Moonstruck.“)

Rudolf Nebel und Wernher von Braun / Rudolf Nebel and Wernher von Braun Foto: SZ Photo

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Obwohl Braun also für die Herstellung einer Kriegswaffe verantwortlich war, wollte er, so
geht die Sage weiter, von Peenemünde aus immer nur ins All. Nachdem er sich mit seinen
engsten Gefolgsleuten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges nach Bayern abgesetzt und
sich der US-Armee gestellt hatte, sollte Wernher von Braun fortan für die Amerikaner
Raketen entwickeln. Er baute eine Kurzstreckenrakete für den Koreakrieg; die Jupiter-
Rakete, mit der der erste amerikanische Satellit ins All geschossen wurde. Und schließlich
baute er die gewaltige Saturn V., die 1969 Neil Armstrong und Edwin Aldrin zum Mond
brachte. 1972 verließ Braun die Weltraumbehörde Nasa, da der US-Kongress deren Budget
stark gekürzt hatte und eine von ihm propagierte Mars-Mission damit unmöglich wurde.
1977 starb er, im Alter von fünfundsechzig Jahren.

Although he was responsible for production of a weapon of war, Braun -- according to the
story -- really just wanted to get to space from Peenemünde. After he and his closest
colleagues left for Bavaria toward the end of World War II and turned themselves in to the
U.S. Army, Wernher von Braun would go on to develop rockets for the Americans. He built
a short-range missile for the Korean War and the Jupiter missile, which was used to
launch the first American satellite into space. Finally, he built the massive Saturn V, which
took Neil Armstrong and Edwin Aldrin to the moon in 1969. Braun left NASA in 1972 after
the U.S. Congress slashed the agency's budget, thus eliminating the possibility of the
Mars mission he had championed. He died in 1977 at the age of 65.

Wernher von Braun prägte, wie wenige andere im 20. Jahrhundert, das Bild vom genialen
Wissenschaftler, der eigentlich das Richtige will, aber das Falsche tut – und am Ende doch
triumphiert. Der Braun-Experte Michael J. Neufeld spricht in seiner 2007 erschienenen
Biographie vom „faustischen Pakt“, den Braun zeitlebens eingegangen sei: mit den Nazis,
aber auch mit der US-Army.

Few others in the 20th century shaped the image the way Braun did of the ingenious
scientist who wants to do the right thing but ends up doing wrong -- only to triumph in the
end. In his 2007 biography, Braun expert Michael J. Neufeld wrote about the „Faustian
bargain“ Braun had been part of throughout his life: first with the Nazis, but also later with
the U.S. Army.

Warum, um des Weltraums willen, sollte man sich, im Jahr 2019, mit Wernher von Braun
beschäftigen, wenn seine Geschichte doch erzählt ist?

If his story is so well documented, though, why should Wernher von Braun's life be
revisited in 2019?

Weil möglicherweise alles ein bisschen anders war. Weil die Geschichte von der
Entdeckung des Wunderkinds umso mehr Fragen aufwirft, je genauer man sie betrachtet.
Und weil man die Doktorarbeit nachlesen kann. Was für jeden, der ans Genie Brauns
glaubte, eine Ernüchterung ist. Schon der Beginn der Geschichte, wie Braun, kaum zwanzig
Jahre alt, im Dezember 1932 bei der Reichswehr anfing, an Raketen zu basteln, lässt sich
nicht erzählen, ohne auf komplett widersprüchliche Darstellungen zu stoßen.

Because things may very well have unfolded a bit differently. Because the closer you
scrutinize the story about the discovery of the child prodigy, the more questions it raises.
And because it is possible to read his doctoral dissertation, an exercise that can only
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result in disillusionment for those who believed in Braun's genius. Even the beginning of
the story, when Braun, who had just turned 20, began tinkering with rockets in December
1932 on behalf of the Reichswehr, cannot be told without stumbling across entirely
contradictory portrayals.

Wernher von Braun ist nicht allein mit seiner Leidenschaft. Ende der zwanziger, Anfang der
dreißiger Jahre herrscht in Deutschland der sogenannte „Raketenrummel“. In Berlin schaut
man sich auf der Avus mit Raketen bestückte Autos von Opel an. Unter
Raketenenthusiasten sind die Bücher des Physikers und Gymnasiallehrers Hermann Oberth
„Die Rakete zu den Planetenräumen“ (1923) und „Wege zur Raumschiffahrt“ (1929) äußerst
beliebt. Darin beschreibt Oberth, wie seiner Meinung nach die Reise in den Weltraum
möglich sei. Besonders an seinen Büchern ist, dass sie die grundlegenden mathematischen
Formeln enthalten, die für Raketen und Raumschiffe notwendig waren. Was Oberths
Raketenidee auszeichnete, war, dass sie nicht mit Pulver, sondern mit Flüssigtreibstoffen
betrieben werden sollten. Denn nur diese hätten im Verhältnis zu ihrer Masse genug Energie
geliefert, um eine Rakete aus der Erdanziehung herauszukatapultieren.

Wernher von Braun wasn't alone with his passions. In the late 1920s and early 1930s,
Germany found itself in a frenzy of "rocket hype." In Berlin, people turned out at the Avus,
a highway sometimes used for motor racing, to view the spectacle of an Opel car that had
been fitted with rockets. Books by physicist and high school teacher Hermann Oberth like
„The Rocket into Planetary Space,“ (published in 1923), or „Ways to Spaceflight“ (1929),
were extremely popular among rocket enthusiasts at the time. In his books, Oberth
described his vision for how space travel could become possible, even including the basic
mathematical formulas necessary for rockets and spaceships. What set Oberth's rocket
idea apart from others was that they were not to be powered by powder, but by liquid fuel.
Only then would they deliver sufficient energy in relation to their mass to catapult a rocket
out of Earth's gravitational pull.

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Szene aus Fritz Langs „Frau im Mond“ / A scene from Fritz Lang's "Woman in the Moon"
Foto: Imago

Im 1927 gegründeten Verein für Raumschiffahrt versammelten sich deutschsprachige


Raketenenthusiasten, unter ihnen auch Oberth. 1929 kam Fritz Langs „Frau im Mond“ in die
Kinos, in dem die Protagonisten mit einer Rakete ihr Ziel erreichten. Für den Film sollte
Oberth eine Rakete entwickeln, die zu Promotionszwecken gestartet werden sollte, was ihm
nicht gelang. Hier tritt Rudolf Nebel auf, Weltkriegsflieger, Diplomingenieur und allgemein
als schillernder Charakter beschrieben. Nebel unterstützt Oberth bei seinem Unterfangen,
die Rakete für den Film zu bauen.

Founded in 1927, the Society for Space Travel brought together rocket enthusiasts in the
German-speaking realm, including Oberth. In 1929, Fritz Lang's „Woman in the Moon,“ in
which the protagonists travel to the moon in a rocket, was released in theaters. There had
been plans for Oberth to develop a rocket that would be launched to help promote the
film, but he failed. This is when Rudolf Nebel, a World War I pilot with a degree in
engineering, and a man generally described as a dazzling figure, stepped into the picture.
Nebel helped Oberth in his endeavor to build a rocket for the film.

Und Nebel ist es, der im September 1930 in Berlin-Reinickendorf den sogenannten
Raketenflugplatz Berlin gründet. Hier führte Nebel zahlendem Publikum sogenannte
Minimalraketen oder auch Miraks vor. Betrieben wurden die mit flüssigen Treibstoffen, was
die große Neuerung war.

And it was Nebel who founded the so-called Berlin Rocket Field in the city's Reinickendorf
district in September 1930. Nebel used the site to present what he called „minimal
rockets,“ or Miraks, to paying audiences. The rockets were propelled by liquid fuels, a
major innovation at the time.
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Ebenfalls an einem Raketenofen für flüssige Treibstoffe arbeitete zu dieser Zeit die Berliner
Firma Heylandt Gesellschaft für Apparatebau. Allerdings war hier ein Raketenauto das Ziel;
es wurde 1931 auf dem Tempelhofer Feld vorgeführt.

During the same period of time, the Berlin company Heylandt Gesellschaft für
Apparatebau (Heylandt Machine Engineering Company) was also working to develop its
own liquid-propelled rocket. The goal, however, was to construct a rocket car, which was
ultimately demonstrated in 1931 at Berlin's Tempelhofer Feld airport.

Und die Reichswehr? Die interessierte sich spätestens seit Ende 1930 für Raketen und
deren Weiterentwicklung zu Kriegszwecken. Treibende Kraft war hier Karl Emil Becker,
Abteilungsleiter im Heereswaffenamt Prüfwesen. Becker erklärte seinen Vorgesetzten im
Dezember 1930, was seine Strategie in der Raketenfrage sei: Zum einen sollten mit Pulver
angetriebene Raketen für kurze Distanzen entwickelt werden, zum andern eine
„Präzisionsfernrakete“. Ob diese mit Pulver oder Flüssigtreibstoffen betrieben werden
würde, stand für Becker zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. Becker, der Artillerist, sah
Raketen vor allem als ökonomische Alternative zur herkömmlichen Artillerie.

And the Reichswehr? By late 1930, if not before, it had become interested in the further
development of rockets for military purposes. Karl Emil Becker, a department head at the
Army Ordnance Office Testing Division, was the driving force. In December 1930, Becker
presented his rocket strategy to his superiors. He envisioned rockets powered by powder
being developed for short distances in addition to a „precision long-range rocket,“ though
Becker hadn't yet determined whether this rocket would be powered by powder or by
liquid fuels. As an artillerist, Becker primarily viewed rockets as a more economical
alternative to conventional artillery.

Für die Entwicklung der Kurzstreckenraketen war ein Referent Beckers zuständig, Ernst von
Horstig, der dabei von jenem Walter Dornberger unterstützt wurde, der später militärischer
Leiter der Heeresversuchsanstalt Peenemünde werden sollte. Was Pulverraketen anging,
konnten Horstig und Dornberger auf Entwicklungen aus der Industrie zurückgreifen. Aber
auf dem Gebiet der Flüssigkeitsrakete kam man nicht weiter. Becker hatte nach der
Vorführung des Raketenautos zwar Kontakt zur Firma Heylandt aufgenommen, allerdings
war der Verbrauch des Heylandt-Ofens zu diesem Zeitpunkt noch ungünstiger als ein
vergleichbarer Antrieb mit Pulver. Deshalb stellte man bei der Reichswehr die Arbeit an
einer Flüssigkeitsrakete erst einmal zurück; zunächst sollte untersucht werden, welche
Treibstoffe, Düsenform und Ofenkonstruktion überhaupt für eine Rakete geeignet seien. Mit
diesen Forschungsarbeiten wurden Doktoranden des Physikalischen Instituts der
Universität Berlin beauftragt.

Responsibility for the development of the short-range missiles fell to Ernst von Horstig,
one of Becker's officers. He was assisted by Walter Dornberger, who would later become
military director of the Peenemünde Army Research Center, where much of Germany's
famed rocket development would take place. When it came to powder rockets, Horstig
and Dornberger were able to draw on industry developments. But in the field of the liquid-
fuel rockets, little progress had been made by that point in time. Becker had contacted
Heylandt after the demonstration of the rocket car, but the fuel efficiency of the Heylandt
engine was even less favorable at the time than a comparable propulsion system that
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used powder. Given the circumstances, the Reichswehr put the work on a liquid-fuel
rocket on hold for the time being. The first task was to investigate which fuels, nozzle
shape and engine design were even suitable for a rocket. Doctoral students at the
Institute of Physics at Berlin University were commissioned with conducting these
research projects.

Vorführung des Raketenautos der Firma Heylandt während einer Pressekonferenz am


Berliner Flughafen Tempelhof / The presentation of the rocket car built by the company
Heylandt during a press conference at Berlin's Tempelhof Airport Foto: SZ Photo / Scherl

W ie passt Wernher von Braun in dieses Bild hinein? Glaubt man dem Mythos, dann so:
Braun immatrikulierte sich im April 1930 als Achtzehnjähriger an der TH Berlin im Fach
Maschinenbau. Gleichzeitig nahm er Kontakt mit dem Verein für Raumschiffahrt und Rudolf
Nebel vom Raketenflugplatz Berlin auf. Auf dem Gelände des Raketenflugplatzes
verbrachte er viel Zeit, wobei als sicher gelten kann, dass er nicht an der Konstruktion der
Miraks beteiligt war. Das Sommersemester 1931 studiert er an der ETH Zürich, Ende 1931
dann die Rückkehr an die TH Berlin und zum Raketenflugplatz.

So how does Wernher von Braun fit into the picture? As legend has it, his involvement
begins in April 1930, when he enrolled at the Technical College of Berlin (TH) to study
mechanical engineering. At the same time, he established contact with the Society for
Space Travel and with Rudolf Nebel of the Berlin Rocket Field. But even though he spent a
lot of time on the grounds of the rocket field, it is safe to assume that he was not involved
in the building of the Miraks. During the summer semester of 1931, he studied at another
technical college, ETW Zurich, but at the end of 1931, he returned to the Technical
College of Berlin and the rocket field.

Und jetzt wird es unübersichtlich. Denn die Reichswehr beobachtete auch den
Raketenflugplatz und soll dabei auf Braun aufmerksam geworden sein; es gibt hierzu
verschiedene Darstellungen.

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This is the point at which things start to get confusing. The Reichswehr kept its eye on the
Berlin Rocket Field and its attention was drawn to Braun in the process, but there are
differing depictions of how that happened.

Eine der ersten dürfte von Walter Dornberger stammen. In seinem Buch „V2 – Schuss ins
Weltall“ beschreibt er es so, dass er Karl Becker vorgeschlagen habe, Wernher von Braun
einzustellen. In einer ersten autorisierten Biographie Brauns, die 1959 erschien, wird es so
beschrieben, dass „Prof. Becker“ auf ihn aufmerksam geworden sei, ihm ein Studium an der
Universität Berlin empfohlen – und die Leitung (!) der Raketenversuche der Reichswehr
angeboten habe. Diese Biographie geht aber in keiner Weise auf die Begleitumstände des
Treffens ein; auch nicht darauf, wie Becker auf Braun aufmerksam wurde.

One of the first seems to have come from Walter Dornberger. In his book „V2 - Schuss ins
Weltall“ („V2 - Shot into Space“), Dornberger relates that he suggested to Karl Becker that
he hire Wernher von Braun. A first authorized biography of Braun, published in 1959,
described how he came to the attention of „Prof. Becker,“ who suggested he pursue
studies at Berlin University and also offered to make him the director of the Reichswehr's
rocket testing efforts. This biography, though, does not go into greater detail about the
meeting nor does it describe how Becker first became aware of Braun.

1969 erscheint bei Burda die autorisierte Biographie „Wernher von Braun, mein Leben für
die Raumfahrt“, in der der Wechsel zur Reichswehr so dargestellt wird, dass die Reichswehr
mit Nebel Kontakt hatte und dieser mit ihr verhandelte. Als er keinen Erfolg hatte, ging
Braun auf eigene Faust zu Becker, der sofort so begeistert war, dass Braun bei der
Reichswehr mit Raketenversuchen anfangen durfte.

In 1969, German publisher Burda released the authorized biography "Wernher von Braun,
mein Leben für die Raumfahrt" („Wernher von Braun, My Life for Space Travel“), in which
Braun's move to the Reichswehr is depicted differently. The book says that the
Reichswehr had contact with Nebel and negotiated with him, but when those talks proved
unsuccessful, Braun approached Becker on his own initiative -- and Becker was
immediately so enthusiastic that Braun was allowed to start working on rockets for the
Reichswehr.

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Wernher von Braun erklärt auf dem undatierten Archivbild anhand eines Modells die
Funktion von Raketen-Raumschiffen. / In this undated archive photo, Wernher von Braun
can be seen using a model to explain how rocket-propelled spaceships work. Foto: dpa

Michael J. Neufeld kommt in seiner Biographie aus dem Jahr 2007 zu dem Schluss, dass
Braun irgendwie auf dem Raketenflugplatz Berlin entdeckt wurde; er hält das Gespräch mit
Becker für plausibel, deutet aber an, dass auch ein Gespräch zwischen Ernst von Horstig
und Magnus von Braun, Wernhers Vater, mit der Einstellung zu tun gehabt haben könnte. In
keiner der Darstellungen wird beschrieben, wie es Braun genau gelungen ist, als
zwanzigjähriger Student einen Termin bei einem Abteilungsleiter einer Militärbehörde zu
bekommen.

In his 2007 biography, Michael J. Neufeld concludes that Braun somehow got discovered
at the Berlin Rocket Field. He also writes that he considers the discussion with Becker to
have been plausible, but suggests that a conversation between Ernst von Horstig and
Magnus von Braun, Wernher's father, may have also played a role in the hiring. None of
the portrayals describe exactly how Braun, as a 20-year-old student, managed to get an
appointment with the division head of a military agency.

Hier kommt eine Quelle zur Hilfe, die seit den siebziger Jahren im Bundesarchiv liegt und in
der Wernher-von-Braun-Forschung bisher anscheinend noch nie verwendet oder
besprochen worden ist: „Der Anfang der Raketenentwicklung beim Heereswaffenamt
Prüfwesen“, Autor: Ernst von Horstig, Beckers Referent. In dieser Darstellung geht es erst
mal gar nicht um Braun, sondern darum, wie Horstig und Dornberger an Pulverraketen
arbeiten. Als sie damit fertig sind, schauen sie sich an, was auf dem Raketenflugplatz Berlin
geschieht; Horstig schlägt Becker vor, Rudolf Nebel für die Reichswehr zu gewinnen. Bei
diesen Gesprächen fällt auch Wernher von Braun auf, den Horstig wie folgt beschreibt:

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But there is a document that has been held since the 1970s in the German Federal
Archive, one that doesn't appear to ever have been cited in any of the research conducted
into Wernher von Braun. It's title: „The Beginning of Missile Development at the Army
Ordnance Office Testing Division.“ Its author: Ernst von Horstig, Becker's officer. The
document doesn't initially address Braun at all, focusing instead on the work being done
by Horstig and Dornberger on powder rockets. It then discusses what was going on at the
Berlin Rocket Field. Horstig suggested Becker try to recruit Rudolf Nebel to the
Reichswehr. Those discussions did address Wernher von Braun, whom Horstig described
as follows:

„Wenn auch Herr v. Braun nicht in der Lage war, bestimmte Angaben über Schubleistung,
Verbrauch und Material zu nennen, so konnte man doch leicht erkennen, dass der Meister
in Braun einen Schüler hatte, der trotz Fehlens einer technischen Vorbildung
wissenschaftlich denken und anständig diskutieren konnte, soweit es überhaupt bei Herrn
Nebel möglich war.“

„Even if Herr v. Braun was not able to name specific values pertaining to propulsion,
consumption and materials, it was easy enough to see that in Braun, the master had a
pupil who, despite a lack of technical training, could think scientifically and carry on
respectable discussions, to the degree such a thing was even possible with Mr. Nebel.“

ERNST VON HORSTIG

Die Gespräche mit Nebel scheitern, weil dieser immer abstrusere Forderungen gestellt
haben soll. Im Oktober 1932 wird Horstig dann Nachfolger Beckers als Leiter der Abteilung
1 des Heereswaffenamts Prüfwesen. Kurze Zeit später trifft Horstig bei einem
Herrenabend der Reichswehr auf Magnus von Braun, der zum damaligen Zeitpunkt
Reichsminister für Landwirtschaft und Ernährung ist. Horstig fragt Braun senior, ob dieser
mit einem Raketenforscher Braun verwandt sei, worauf der Vater sein Leid klagt: „Minister
v. Braun brachte ziemlich aufgebracht heraus, dass der genannte Herr sein Sohn sei. Alle
Überredungskünste, doch endlich von dem ,Raketenfritzen‘ sich zu trennen und baldigst ein
Hochschulstudium zu beginnen, seien fehlgeschlagen. Min. v. Braun wolle seinem Sohn
selbstverständlich alle Mittel zur Verfügung stellen, um ihm ein solides technisches
Studium zu ermöglichen mit dem Ziel als Dr.-Ing. abzuschließen. Statt dessen sei sein Sohn
ganz versessen auf diesen ,Raketenkram‘.“

The talks with Nebel failed because he apparently made a series of increasingly abstruse
demands. In October 1932, Horstig became Becker's successor as head of Division 1 of
the Army Ordnance Office Testing Division. A short time later, Horstig met Magnus von
Braun, who at the time was Reich Minister for Agriculture and Nutrition, at a gentlemen's
evening hosted by the Reichswehr. Horstig asked Braun Sr. whether he was related to a
rocket scientist named Braun. His father responded by launching into a litany of
complaints. „A clearly dismayed Minister v. Braun identified the aforementioned
gentleman as his son. He said he had mustered all his persuasive skills but had
nevertheless failed to get him to part ways with the 'rocket guys' and to begin his
university studies as quickly as possible. Min. v. Braun said he of course wanted to do all
he could to enable his son to procure a solid technical education, with the aim of a
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doctorate in engineering. But instead, he said, his son was totally obsessed with this
'rocket junk.'“

Diese Aussage des Vaters könnte übrigens auch eine plausible Erklärung für den Wechsel
Wernher von Brauns von der TH Berlin an die ETH Zürich sein; die Eltern versuchten eben
alles, um ihren Sohn von Berlin und dem „Raketenfritzen“ Rudolf Nebel wegzubekommen,
was ihnen anscheinend nicht gelang. Ansonsten gibt es in der Forschung für diesen
Wechsel bisher nur Mutmaßungen.

That statement from his father might also provide a plausible explanation for Wernher
von Braun's transfer from the Technical College of Berlin to ETH Zurich. His parents, after
all, were doing all they could to get their son out of Berlin and away from „rocket guy“
Rudolf Nebel -- efforts that ultimately proved to be in vain. Otherwise, historical research
has only produced speculation as to the reasons for the transfer.

Horstig schlägt dem Minister vor, der Sohn könne zur Reichswehr kommen und dort an
Raketen forschen, gleichzeitig könne er sein Studium beenden. Was Horstigs Motivation
war, darüber lässt sich nur mutmaßen, aber es ist nicht unwahrscheinlich anzunehmen,
dass er es für sich als vorteilhaft erachtete, mit Magnus von Braun einen direkten Kontakt
in die Reichsregierung zu haben.

Horstig proposed to the minister that his son could come to the Reichswehr and conduct
research on rockets there while at the same time finishing his studies. Horstig's
motivation for doing so is anybody's guess, but it seems reasonable to assume that
Horstig thought it may be personally advantageous to have direct contact with Magnus
von Braun in the Reich government.

Wenige Tage nach dem Herrenabend bei der Reichswehr meldet sich Magnus von Braun
bei Horstig; man macht einen Termin für ein Vorstellungsgespräch Wernher von Brauns
aus, an welchem laut Horstig nicht Karl Becker, sondern Walter Dornberger und ein weiterer
Kollege teilnehmen. Man wird sich schnell einig, und Braun bekommt einen von Horstig
unterschriebenen Werkvertrag, der auf den 27. November 1932 datiert ist und über
zunächst vier Monate läuft. Karl Becker hatte also mit der Einstellung Wernher von Brauns
gar nichts zu tun.

A few days after the gentlemen's evening at the Reichswehr, Magnus von Braun got in
touch with Horstig and they set up an appointment for a job interview with Wernher von
Braun, which Horstig noted was attended by Walter Dornberger and an additional
colleague, but not by Karl Becker. They quickly came to an agreement and Braun received
what was initially a four-month contract, signed by Horstig and dated Nov. 27, 1932. In
other words, Karl Becker had nothing to do with Wernher von Braun's hiring.

Aber kann es nicht sein, dass Braun dann einfach der geniale Student war, als der er immer
beschrieben wurde? Das ist unwahrscheinlich: Seine Noten waren nicht besonders gut,
insbesondere in dem für Ingenieure wichtigen Fach Darstellende Geometrie, also
technisches Zeichnen. Hier erhielt Braun bei seiner Aufnahmeprüfung an der ETH Zürich
die Note 1, was im Schweizer Notensystem der deutschen Sechs entspricht. Seine
Vordiplomprüfung, die er im November 1932 ablegte, bestand er mit der
schlechtestmöglichen Gesamtbewertung. Insbesondere seine Prüfungen in Höherer
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Mathematik und Darstellender Geometrie waren mit der Note vier nicht besonders gut,
zumal vor dem Hintergrund, dass das System damals nur fünf Noten kannte. Bei nur einer
Fünf wäre er durch die Vordiplomprüfung gefallen.

But could it not also be true that Braun was, in fact, a brilliant student as descriptions of
him have always claimed? That's unlikely: His grades weren't particularly good, especially
in the field of descriptive geometry (technical drawing), an important skill for engineers.
In his entrance examination at ETH Zurich, Braun received a grade of „1,“ which is the
Swiss system's equivalent of a failing grade. He passed his intermediate exam in
November 1932 with the worst possible overall score. With a grade of „4,“ which is
described as sufficient but barely meeting the requirements (roughly equivalent to a „D“
in America), Braun did not fare well in his intermediate examinations in higher
mathematics and descriptive geometry, especially considering that the system had only
five grades at the time. If he had received a „5,“ he would not have passed his
intermediate exams.

Der Mythos geht dann so weiter, dass Braun alleine, nur mit Hilfe eines
Maschinenschlossers vom Raketenflugplatz die Raketen Aggregat 1 und 2 entwickelte und
nebenbei noch seine Dissertation an der Universität Berlin schrieb, für die er unter dem
Doktorvater Karl Becker die Bestnote bekam. In der Burda-Biographie von 1969 erklärt
Braun, er habe ganz allein die erfolgreich gestarteten A2-Raketen „Max und Moritz“ gebaut
und konstruiert. Das ist nicht sonderlich plausibel. Denn Braun dürfte, nach heutigem
Quellenstand, schlichtweg nicht das technische Wissen mitgebracht haben, um alleine eine
solche Rakete zu konstruieren, geschweige denn zu bauen. So schreibt Horstig in seinen
Darstellungen:

According to the legend, Braun developed the Aggregate 1 and 2 rockets on his own, with
no help other than that of a machinist from the rocket field -- all while writing his
dissertation at Berlin University at the same time, for which he received the highest
grades under the supervision of his doctoral supervisor Karl Becker. In the 1969 Burda
biography, Braun said that he had designed and built the successfully launched A2
rockets „Max and Moritz“ all on his own. But that's not particularly plausible. According to
the sources available today, Braun simply didn't have the technical expertise to engineer,
much less build, a rocket like that on his own. This is how Horstig portrayed it in his
version of events:

„Die genannten Herren waren mit mir einig, dass Herr v. Braun unmittelbar dem
Ballistischen Referat unterstellt wird und die Richtlinien für seine Arbeiten durch
Hauptmann Dornberger erhielt. Sonst war es üblich, dass die Doktoranden dem Leiter von
Wa. Prüf. Z., Dr. Schumann, unterstellt wurden. Von dieser Regel wurde von uns bewusst
abgewichen, um schneller zu praktischen und nicht nur theoretischen Ergebnissen zu
kommen.“

„The gentlemen mentioned agreed with me that, effective immediately, Mr. v. Braun
would be assigned to the Ballistics Department and that he would receive his instructions
from Captain Dornberger. The usual practice was for these doctoral students to report to

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Dr. Schumann, the head of Wa. Prüf Z. (a reference to a division of the Army Ordnance
Office). We deliberately deviated from that rule to accelerate the achievement of practical,
and not just theoretical, results.“

ERNST VON HORSTIG

„Sehr früh stellte sich heraus, dass das Hantieren mit flüssigem Sauerstoff wegen der
Verbrennungsgefahr nicht ganz ungefährlich war und einen Mann der Praxis erforderte.
Dornberger hatte wohl den glücklichen Gedanken, für diese Arbeit einen Mann bei der
Berliner Sauerstofferzeugenden Industrie zu suchen. So machten wir uns auf den Weg zu
den Berliner Sauerstoffwerken (Horstig meint die Firma Heylandt Gesellschaft für
Apparatebau) und fanden bei einem Direktor das Entgegenkommen, einen seiner
Fachleute, Meister Riedel, uns zur Verfügung zu stellen. Riedel wurde als Mitarbeiter von
Braun eingestellt.“

„Quite early on, it became clear that handling liquid oxygen was not entirely safe due to its
flammability and that a man of experience was needed. Dornberger came up with the
fortuitous idea of looking for such a person from within the Berlin oxygen-producing
industry. So, we headed to the Berlin oxygen factory (Horstig is referring to the company
Heylandt Gesellschaft für Apparatebau) and found an obliging director willing to make
one of his experts available to us, Master Riedel. Riedel was hired as an assistant to
Braun.“

Es entbehrt nicht der Komik, wenn Horstig erst erzählt, dass Braun für das Produzieren
praktischer Ergebnisse eingestellt wurde, um dann zu beschreiben, dass man einen
Mitarbeiter für Braun brauchte, weil Braun nicht in der Lage war, mit flüssigem Sauerstoff
umzugehen. Der von Horstig genannte Meister Riedel war Walter Riedel, Ingenieur bei der
Firma Heylandt, der zur Gruppe derer gehörte, die den Raketenofen entwickelt hatten.
Riedel brachte das Wissen mit, das Braun nicht hatte. Seinen Start beim Heereswaffenamt
Prüfwesen im Januar 1934 beschreibt Riedel so:

It is not without humor that Horstig first relates that Braun was hired to deliver practical
results before going on to recount that an additional employee was needed because Braun
wasn't able to handle liquid oxygen. The Master Riedel Horstig referred to was Walter
Riedel, an engineer at Heylandt who had been part of the group that developed the rocket
engine. Riedel brought along the expertise that Braun himself didn't possess and he
described his start at the Army Ordnance Office Testing Division in January 1934 as
follows:

„Als der Verfasser im Januar 1934 seine Tätigkeit in Kummersdorf aufnahm, hatte also v.
Braun die 4 Geräte (A1) fertiggestellt und war dabei, sie auf dem Prüfstand zu erproben. Da
damals noch keine Zeichnungen bestanden, sondern nur Handskizzen, ist es nicht möglich,
eine genaue Zeichnung des Antriebes zu zeigen.“

„When the author in January 1934 took up his duties in Kummersdorf, v. Braun had
completed the 4 devices (A1) and was in the process of testing them. Because no diagram
yet existed at the time, just hand-drawn sketches, it isn't possible to present an exact

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diagram of the propulsion.“

WALTER RIEDEL

Brauns erste und wahrscheinlich einzige Rakete, die er nur mit Hilfe eines
Maschinenschlossers vom Raketenflugplatz baute, wurde also anhand von Handskizzen
gefertigt, was damals absolut unüblich war. Ergebnis dieses Konstruktionsansatzes war,
dass alle vier A1-Raketen bei Tests explodierten. Riedel machte sich dann daran, die
Rakete komplett neu zu gestalten, so dass die Rakete A2 entstand, von der Braun später
behaupten sollte, er hätte sie alleine gebaut.

In other words, the first, and likely only, rocket that Braun produced solely with the help of
a machinist from the rocket field was completed using hand-drawn sketches, which was
extremely unusual at the time. The result of this approach to rocket-building was that all
four A1 rockets exploded during testing. Riedel then set about completely redesigning the
rockets, resulting in the A2, which Braun later claimed to have built on his own.

Maschineningenieur Klaus Riedel und Ingenieur Rudolf Nebel am Prüfstand der Mirak
(Minimum-Rakete) auf dem ersten Raketenflugplatz der Welt in Berlin-Reinickendorf /
Machinist Klaus Riedel and engineer Rudolf Nebel at the testing grounds of the Mirak
(minimum rocket) at the Berlin Rocket Field in the city's Reinickendorf district. Foto: akg-
images / TT News Agency / SV

Zu dem Urteil, dass Wernher von Braun nicht in der Lage gewesen wäre, alleine eine Rakete
zu bauen, kam auch das Landgericht München im Jahr 1952. Braun hatte Rudolf Nebel
verklagt, der nach dem Krieg behauptet hatte, er habe die V2 erfunden. Obwohl Braun in

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vielen Punkten Recht erhielt, bekam er es in einem wesentlichen Punkt nicht:

In 1952, the District Court of Munich likewise came to the conclusion that Wernher von
Braun was not able to build a rocket by himself. Braun had sued Rudolf Nebel, who had
claimed after the war that he had invented the V2. Although the court decided in Braun's
favor on several points, the judgment went against him on one central claim:

„Als sicher muss es gelten, dass der Antragsteller allein in der Raketenentwicklung nicht
vorwärts gekommen wäre; deswegen wurden ihm [durch das HWA Prüfwesen] Mitarbeiter
beigegeben.“

„It is held to be certain that the plaintiff would not have made strides in rocket
development on his own; therefore, a colleague was provided to him (by the Army
Ordnance Office Testing Division).“

LANDGERICHT MÜNCHEN

U nd Brauns Dissertation? Die weist viele Unregelmäßigkeiten auf. Zunächst wäre da, dass
Braun zeitlebens sagte, er sei nach seinem „Vorexamen“ an die Universität Berlin
gewechselt, um dort seine Dissertation zu schreiben. Ein solcher Wechsel war nicht
vorgesehen; denn er studierte an der TH auf Diplom, während das Universitätsstudium
etwas gänzlich anderes war. Das Vordiplom der TH war nur für die Diplomprüfung an der
TH zu verwenden. Voraussetzung für eine Dissertation war ein mindestens
sechssemestriges Universitätsstudium.

And Braun's dissertation? There are several inconsistencies. First of all, Braun always
said that he transferred to Berlin University following his „preliminary exams“ to write his
dissertation there. But the system didn't allow for such a transfer. He was enrolled at the
Technical College (TH), where students received a diploma upon completing their studies.
A university degree from Berlin University was the product of a completely different study
track. The preliminary examinations from the TH could only be used as part of the
diploma examinations at the TH. By contrast, at least six semesters of university study
were necessary before writing a dissertation.

Da Braun dies nicht vorweisen konnte, ließ er sich drei Semester TH Berlin und ein
Semester ETH Zürich als drei Universitätssemester anrechnen. Kurzum, Braun brach sein
Maschinenbaustudium an der TH ab und begann am 30. November 1932 ein
Physikstudium an der Universität Berlin, das er nach einem Jahr und acht Monaten 1934
mit seiner Dissertation beendete.

Because Braun didn't have that, he had his three semesters at TH Berlin and one
semester at the ETH Zurich recognized as the equivalent of three university semesters. In
short, Braun discontinued his mechanical engineering studies at the TH and began
studying physics at Berlin University on Nov. 30, 1932 -- which he concluded with a
dissertation in 1934 after a year and eight months.

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In der autorisierten Biographie aus dem Jahr 1969 sagt Braun, sein Doktorvater sei Karl
Becker gewesen. Dafür findet sich in den Unterlagen im Archiv der HU Berlin kein Hinweis.
Becker ist dort zwar als Prüfer eingetragen, wurde nachträglich mit Bleistift aber
ausgestrichen. Tatsächlich geprüft wurde Brauns Dissertation von Erich Schumann, der
auch am Heereswaffenamt arbeitete, und von Arthur Wehnelt, Physiker und Schumanns
Doktorvater. Braun gibt an, seine Dissertation am 16. April 1934 abgegeben zu haben. Aus
den Archivunterlagen geht hervor, dass er sie tatsächlich erst am 29. Mai 1934 abgab.

In the authorized biography from 1969, Braun said that his Ph.D. adviser had been Karl
Becker. There is, however, no evidence of that in the archives of the university, which is
today called Humboldt University of Berlin. Becker is mentioned there as an evaluator, but
his name was later crossed out in pencil. Braun's dissertation was actually evaluated by
Erich Schumann, who also worked at the Army Ordnance Office, and by Arthur Wehnelt, a
physicist who was Schumann's Ph.D. adviser. Braun claimed to have submitted his
dissertation on April 16, 1934, but archive files make it clear that he actually turned it in
on May 29, 1934.

Diese Diskrepanz wurde bisher in der Forschung noch nicht behandelt. Eine mögliche
Erklärung wäre eine sogenannte Vorabgabe, was hieße, dass Braun seine Arbeit den
Prüfern zu lesen gab, damit diese vor der offiziellen Abgabe Feedback liefern konnten.
Dafür spricht, dass Braun seine Dissertation mit dem Titel „Über Brennversuche“
anmeldete, obwohl die Arbeit den Titel „Konstruktive, theoretische und experimentelle
Beiträge zum Problem der Flüssigkeitsrakete“ trug. Denn Brauns Arbeit wurde, wie die
Arbeiten anderer, die für die Reichswehr an der Rakete forschten, zur Geheimsache erklärt.
Schaut man sich andere Dissertationen an, zum Beispiel die des am Heereswaffenamt
forschenden Kurt Wahmkes, so zeigt sich, dass dieser seine Arbeit mit ihrem endgültigen
Titel abgab.

This discrepancy has never before been addressed by historical research. One possible
explanation could be a so-called preliminary submission, which would have entailed
Braun turning in his dissertation to be read by his evaluators so they could give him
feedback ahead of official submission. An aspect that seems to support this theory is that
Braun registered his dissertation under the title „About Combustion Tests“ whereas the
work's official title was „Constructive, Theoretical and Experimental Contributions to the
Problem of Liquid Propellant Rockets.“

Beeindruckend ist, wie schnell die Dissertation dann geprüft wurde. Am Freitag, dem 1.
Juni 1934, bittet der Dekan der Philosophischen Fakultät die Doktorväter um eine Benotung
der Arbeit. Diese erteilt Schumann drei Tage später: am Montag, dem 4. Juni; die Wehnelts
erfolgt am 5. Juni. Dabei schließt sich Wehnelt Schumanns Höchstnote „eximum“ an.

Braun's dissertation, after all -- just like those from others involved in rocket research on
behalf of the Reichswehr -- was classified. If you look at other dissertations, such as the
one submitted by Kurt Wahmkes, who performed research at the Army Ordnance Office, it
is clear that he turned in his work complete with its definitive title. The speed with which
the dissertation was then examined is noteworthy. On Friday, June 1, 1934, the decan of
the philosophy department asked the evaluators to submit a grade for the work.

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Schumann submitted the grade three days later on Monday, June 4. The grade from
Wehnelt came on June 5, in which he joined Schumann in giving the dissertation the
highest possible mark, „eximum.“

Diese extrem schnelle Prüfung wirkt umso erstaunlicher, wenn man die Dissertation liest
und schnell erkennt, dass sie als wissenschaftliche Arbeit nicht besonders viel Sinn ergibt.
Es soll zwar um die Konstruktion einer Flüssigkeitsrakete gehen, in der Dissertation erfährt
man aber nichts Konkretes. Braun veröffentlicht keine Messergebnisse; der
Versuchsaufbau wird nur mit Fotos beschrieben, und die Arbeit hat kein Fazit. Nach
wissenschaftlichen Maßstäben ist das, was Braun in seiner Arbeit beschreibt, nicht
reproduzierbar. Hinzu kommt, dass Braun seitenweise mathematische Herleitungen aus
Lehrbüchern abschreibt, die zu diesem Zeitpunkt bereits zehn Jahre alt waren.

This extremely rapid evaluation process seems even more astonishing if you read the
dissertation and realize that as a piece of academic writing, it doesn't actually make much
sense. It is supposed to be about the construction of a liquid propellant rocket, but it
doesn't contain any specifics. Braun did not publish any measurement results; the
experiment preparation was documented only with photos and the dissertation reached
no conclusion. Measured against scientific standards, what Braun described in his paper
was not reproduceable. Moreover, Braun included pages of mathematical derivations
copied out of textbooks that were already 10 years old at the time.

Ein Kapitel über das „Zerstäubungsproblem“ ist fast vollständig aus der Zeitschrift des
Vereins für Raumschiffahrt entnommen, ohne dass dies über Fußnoten kenntlich gemacht
worden wäre. Dabei übernimmt Braun Formeln und Herleitungen, stellt sie aber teilweise
um oder benutzt andere Formelzeichen. Oder er schreibt wortwörtlich ab. An anderer Stelle
übernimmt er Passagen aus der vierten Auflage „Technische Thermodynamik“ von Wilhelm
Schüle, einem Lehrbuch, das 1923 erschienen ist, zum Zeitpunkt von Brauns Dissertation
also elf Jahre alt war. Dieses Abschreiben ist umso befremdlicher, als Braun an weniger als
einer Handvoll Stellen seiner Dissertation durchaus in der Lage ist, im Text auf Quellen
Bezug zu nehmen. Dass Braun beim Abschreiben Formelzeichen verändert, führt übrigens
zu der für naturwissenschaftliche Arbeiten damals wie heute unüblichen Situation, dass
Formelzeichen in verschiedenen Kapiteln verschiedene Dinge bedeuten. Oft wird nur in
einem Anhang erklärt, was welches Formelzeichen in welchem Kapitel bedeutet.

One chapter about the „atomization problem“ was taken almost completely from the
Society for Space Travel's magazine without crediting the publication in a footnote. In
doing so, Braun adopted formulas and derivations, but modified them on occasion or
used different formula symbols. Or he simply copied word-for-word. Elsewhere, he took
passages from the fourth edition of „Technical Thermodynamic“ by Wilhelm Schüle, a
textbook that was published in 1923, making it 11 years old at the time of Braun's
dissertation. Such copying is even more objectionable because Braun only mentioned his
sources in just a handful of places in the text. The fact that Braun altered formula
symbols as he copied also led to a situation that was unusual for scientific works at the
time and remains so today: Formula symbols have different meanings in different
chapters of his dissertation. In many instances, the meaning of the different symbols in
different chapters is only explained in an appendix.

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Vergleicht man Brauns Dissertation mit Dissertationen in dieser Zeit, so war es durchaus
üblich, Quellen durch Fußnoten kenntlich zu machen. Was sich in Brauns Dissertation
findet, ist einzig ein Literaturverzeichnis am Ende der Arbeit; da werden die verwendeten
Bücher ohne Seitenangabe aufgelistet. Braun gab eine eidesstattliche Versicherung ab,
dass seine Arbeit ohne fremde und unerlaubte Hilfe erstellt wurde, insbesondere, dass sie
weder ganz noch in Auszügen an anderer Stelle veröffentlicht worden ist. Misst man seine
Arbeit also an Brauns eigenen Maßstäben, so hält sie diesen nicht stand.

If one compares Braun's dissertations with other dissertations written around the same
time, it becomes clear that, even then, it was considered standard to use footnotes to
identify sources. Braun's dissertation, however, only includes a bibliography at the end of
the text in which the books he consulted are listed, but without page numbers. Braun gave
a sworn declaration that he completed his work without impermissible outside assistance,
including the claim that neither the entire dissertation nor sections of it had been
published elsewhere. If Braun's dissertation is measured against his own standards, in
other words, it falls short.

Jetzt könnte man erwidern, dass Braun sich erlauben konnte zu schludern, er wusste ja,
dass seine Arbeit geheim gehalten werden würde. Dieses Argument zerfällt, wenn man sich
die bereits erwähnte, ebenfalls geheim gehaltene Dissertation Wahmkes anschaut, die
Zeichnungen des Versuchsaufbaus sowie umfangreiche Tabellen der Versuchsergebnisse
enthält. Wahmkes Arbeit ist auch nach heutigen Standards reproduzierbar.

One might, of course, argue that Braun could get away with some sloppiness because he
knew that his paper would be kept secret. But this argument doesn't hold up if you look at
the previously mentioned dissertation submitted by Wahmke, which was also classified. It
contains sketches of the experiment preparation in addition to numerous tables
documenting the results of the experiment. Even measured against today’s standards,
Wahmke's work is reproduceable.

Vor dem Hintergrund seiner Dissertation und seines zur Schau gestellten technischen
Nichtkönnens ist es also unverständlich, wie Wernher von Braun technischer Direktor der
Heeresversuchsanstalt Peenemünde werden konnte. Diese Lesart – unter Hinzuziehung
neuer Quellen – wirft ein neues Licht auf Wernher von Braun. Es scheint, er verdankte den
Start seiner Karriere den Verbindungen seines Vaters sowie Mitarbeitern des
Heereswaffenamtes, die ihm eine Dissertation ermöglichten, obwohl er hierfür
augenscheinlich nicht die Qualifikation besaß. Das hat weitreichende Folgen für die
Bewertung seiner Tätigkeit im Nationalsozialismus, aber auch in der Zeit danach; Braun
wandelt sich vom genialen Wissenschaftler zum reinen Manager, der die meiste Zeit an
Rüstungsprojekten arbeitete.

Against the backdrop of his dissertation and his clearly demonstrated technical
shortcomings, it is difficult to understand how Wernher von Braun was able to become the
technical director of the Peenemünde Army Research Center. This reading, along with the
inclusion of new sources, shows Wernher von Braun in a different light. It looks as though
the beginning of his career came thanks to his father's connections and help from people
at the Army Ordnance Office, who made it possible for him to produce a dissertation even
though he apparently was unqualified to do so. That conclusion has far-reaching
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consequences for the assessment of his activities during the Nazi period as well as in the
period that followed. Braun's image changes from that of a gifted scientist to just a
manager who spent most of his career working on weapons projects.

https://youtu.be/Se1rPUmLD5Q
Video: NASA's Marshall Space Flight Center/Youtube
W ie, das ist die große Frage, konnte Braun dann trotz alledem eine so grandiose Karriere
hinlegen? Er war ohne Frage charismatisch, aufgrund seiner adligen Herkunft und seines
Standesbewusstseins dürfte er auch im Umgang mit Menschen äußerst geschickt
gewesen sein. Alle Beschreibungen Brauns haben gemein, dass er ein guter Zuhörer
gewesen sein soll, der Menschen das Gefühl geben konnte, sich nur für sie zu interessieren.
Und man muss nur in die jüngere deutsche Geschichte blicken, um zu sehen, wie sich ein
Land für einen jungen Adeligen begeistern lässt, nämlich Karl-Theodor zu Guttenberg, der
zu seinen besten Zeiten als Angela Merkels Nachfolger gehandelt wurde.

The big question is how Braun could have had such a successful career despite all of
that. There is no question that he was charismatic; and due to his aristocratic heritage
and class consciousness, he was also likely extremely adept in his interactions with
others. All descriptions of Braun agree that he was a good listener, a person who could
give others the feeling that they had his undivided attention. And one doesn't have to look
too far back into German history to see just how excited the country can get over a young
aristocrat, namely Karl-Theodor zu Guttenberg, who at the pinnacle of his popularity in
2010 was seen as a possible successor to Angela Merkel.

Weiter muss man sich vergegenwärtigen, dass Brauns dysfunktionale Rakete A1


wahrscheinlich die einzige war, an deren Konstruktion und Bau er maßgeblich beteiligt war.
Danach befehligte er immer größer werdende Gruppen von Ingenieuren, nicht direkt,
sondern über Abteilungsleiter, die wiederum ihm Bericht erstatteten. Technologisch
bearbeiteten sie alle komplettes Neuland, es gab also keine Möglichkeit zu bewerten, ob
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Braun und sein Team schnell oder langsam, gut oder schlecht arbeiteten. Auch dürften die
Ingenieure in Peenemünde kein Interesse daran gehabt haben, Brauns Qualifikation in
Frage zu stellen. Sie dürften froh darüber gewesen sein, vom Zweiten Weltkrieg – bis auf
ein Bombardement im Jahr 1943 – wenig mitzubekommen. Es ist im Übrigen auch heute
nicht unüblich, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Firma inkompetente leitende
Angestellte und Geschäftsführer nicht offen herausfordern, sondern aus der Situation das
Beste machen und um die Inkompetenz ihrer Vorgesetzten herum arbeiten.

It is also necessary to understand that Braun's dysfunctional A1 rocket was likely the only
one where he played a significant role in design and construction. After that, he merely
supervised ever-growing groups of engineers who reported to him through department
heads. And they were all treading new technical ground, making it impossible to
determine if Braun and his team worked slowly or rapidly, poorly or competently.
Furthermore, the engineers in Peenemünde likely didn't have an interest in questioning
Braun's qualifications. They were probably just happy to not be too terribly affected by
World War II, aside from one bombing raid in 1943. Even today, it should be noted, it isn't
unusual for employees to avoid openly exposing incompetent superiors and executives,
opting instead to make the best of the situation and work around the shortcomings
demonstrated by their bosses.

Für viele der Peenemünder war Braun nach dem Zweiten Weltkrieg dann das Ticket in die
Vereinigten Staaten. In den Augen der Alliierten war Braun der Kopf der Entwicklung der
deutschen Raketenwaffe. Dass Braun mehr als hundertzwanzig seiner Mitarbeiter mit in die
Vereinigten Staaten nahm, kann man so auslegen, dass er sich um seine Leute kümmerte,
es könnte aber auch viel banaler gewesen sein: dass Braun der US-Army allein nicht hätte
erklären können, wie die V2 funktioniert. Auch in Amerika zeigte sich dann das Muster von
Peenemünde: Braun war der Chef von Abteilungsleitern, ehemaligen Peenemündern; man
arbeitete im streng hierarchischen System der US-Army. Zwar wechselte Braun 1960 zur
Nasa, das System aus Abteilungsleitern behielt er jedoch bei.

For many of those working in Peenemünde, Braun then became their ticket to the United
States after the war. In the eyes of the Allies, Braun was the brain behind the development
of the German rocket. The fact that Braun took more than 120 of his workers with him to
the U.S. could be seen as him taking care of his people. But there is another, less
romantic interpretation: That Braun could not tell the U.S. Army how the V2 worked on his
own. The pattern from Peenemünde was then recreated in America, with Braun
supervising a number of department heads, all of them former colleagues from
Peenemünde. They worked together in the strictly hierarchical system of the U.S. Army.
Braun transferred to NASA in 1960, but he kept the system of department heads.

Im Nachkriegsdeutschland wurde Braun als der „Kolumbus des Alls“ und „Raketen-Beau“
(beides Zitate aus dem „Spiegel“) gefeiert. Es muss für viele nach der empfundenen
Schmach des Zweiten Weltkrieges ein befriedigendes Gefühl gewesen sein, dass ein
Deutscher den Amerikanern zeigt, wie man Raketen baut. Zumal Braun die Legende
wunderbar bediente, man habe das mit den Waffen ja gar nicht gewollt, es sei die SS
gewesen, die ihn und die Wissenschaftler mehr oder weniger dazu gezwungen hätte, die V2
zu konstruieren.

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In postwar Germany, Braun was celebrated as the „Columbus of Space“ and „Rocket
Beau“ (both quotes come from the German newsmagazine Der Spiegel). Following the
ignominy of World War II, it must have been pleasing to know that a German showed the
Americans how to build rockets. Particularly since Braun so adeptly served the legend
that he and his scientists didn't want to build a weapon. It was the SS, so the story goes,
that essentially forced him and his team to build the V2.

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Wernher von Braun im Kennedy-Raumfahrtzentrum auf Cape Canaveral in Florida. Im
Hintergrund eine Saturn I Rakete. / Wernher von Braun poses in front of a Saturn I rocket at
the Kennedy Space Center in Cape Canaveral, Florida. Foto: dpa

Und die Vereinigten Staaten? Dass Braun ein überzeugter Nationalsozialist war, ergab ein
erstes Gespräch, nachdem er sich 1945 gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Magnus
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den Alliierten gestellt hatte. Trotzdem wurde er nach Amerika geholt: Zu groß war der
Wunsch, selbst von der Technologie der Rakete zu profitieren. Spätestens nach dem Erfolg
mit dem Satelliten Explorer I hätte auch hier niemand Interesse daran gehabt, Brauns
Qualifikation in Frage zu stellen, geschweige denn, ihn mit Kriegsverbrechen in Verbindung
zu bringen. Erst in den achtziger Jahren setzte man sich kritisch damit auseinander, wen
man sich damals ins Land geholt hatte: 1984 stellte man Arthur Rudolph, einen
Wegbegleiter Brauns, vor die Wahl, entweder seine amerikanische Staatsbürgerschaft
zurückzugeben und nach Deutschland zu ziehen – oder sich in den Vereinigten Staaten
einem Prozess wegen Kriegsverbrechen zu stellen. Ein Schicksal, dem Braun, der 1977 an
Krebs starb, entging.

And the United States? The fact that Braun was a convinced National Socialist became
clear from an initial interrogation that took place after he and his younger brother Magnus
turned themselves in to the Allies in 1945. But he was brought to America anyway: The
desire to profit from rocket technology was too great. And once the satellite Explorer I
was successfully launched, nobody in the U.S. had any interest in questioning Braun's
qualifications, much less suggesting that he may have participated in war crimes. It was
only in the 1980s that a more critical look was taken at those who had been brought to the
country. In 1984, Arthur Rudolph, who had spent years working together with Braun, was
given the choice of surrendering his U.S. citizenship and moving back to Germany -- or
face a war crimes trial in the United States. It was a choice that Braun, who died of cancer
in 1977, had not been forced to make.

Zur Hochstapelei gehören am Ende nicht nur der Hochstapler, sondern auch diejenigen, die
ihm glauben wollen. Wer Wernher von Braun für einen genialen Wissenschaftler halten
wollte, konnte das, denn der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass man unmöglich
Chef eines Raketenprogramms werden und sich dort so lange halten kann, wenn man
nichts von Raketen versteht. Wer Wernher von Brauns Geschichte kritisch liest und
analysiert, bemerkt aber, dass einiges nicht passt. Grund genug, sich wieder intensiver mit
ihm auseinanderzusetzen.

Ultimately, deceptions belong both to the deceiver and to those willing to believe the
deceit. Those who wanted to believe that Wernher von Braun was an exceptional scientist
were able to do so because common sense dictated that a person who didn't understand
how rockets worked could never be made head of a rocket program and remain in the
position for so long. But for those who take a more critical look at Wernher von Braun's
story, it becomes clear that there are several discrepancies. Which is reason enough to
take an even closer look.

Christopher Lauer, Publizist, beendete nach seinem Ausscheiden aus dem Berliner
Abgeordnetenhaus 2018 sein Bachelor-Studium der Kultur und Technik mit Schwerpunkt
Wissenschafts- und Technikgeschichte an der TU Berlin mit der Arbeit „Umstände und
Voraussetzungen für Wernher von Brauns Eintritt in das Heereswaffenamt“. Sie liegt
diesem Artikel zugrunde.

Translated by Charles Hawley and Daryl Lindsey

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