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tftännerfwnb

unb tDtfienfd>aft
X>on

5llfre& Baeumlcr
<m btt Untoetfität Berlin

Juntev un6 foünnfyaupt Verlag / 23erltn


Y)ora>ort

XX>enn td? 6iefe *e6en un6 Vorträge aus vier 3<$vm beute
vorlege, fo tue t# es niefct um 3urü<f$ublicfett. sSs will mir
ftyeinen, als hätten 6ie 2lbgren3ungen, ^>ie bier an einigen
Punlren gegenüber 6er bürgerlichen (Öefelifcfcaft vorgenommen
wor6en fino, an 33e6eutung nichts verloren,
3ä) habe verfugt, im 6eutf4>en @tu6enten oen 3üngling an*
3ufpred>en; manches ernfter wer6en6e Auge J?<*t mir Antwort
gegeben« 3Das Politifcfce liegt niebt im <Segen|tan6 6er 2fc6en,
fonbern wirb dahinter ficfctbar. <San3 verjtän6licb werben fie

nur 6em, 6er $ugleid> 6ie Situation im Auge bat, in 6er fie

gehalten würben« 3e6er 6er vorgetragenen <8e6anfengänge hatte


eine unmittelbare politif^e 33e3iebung. JDie Srage ijt, ob fic|>

6iefe <0e6anfen heute, losgelöjt von ihrem altuellen politifchen


einn, gletchfam fchweben6 3U erhalten uh6 einen neuen politi*
feben @inn $u entfalten vermögen.
Durch 6en Eitel follen le6igltcb 6ie beiben fernen bejeic^net
werben, um 6ie fich in einer beftimmten Sage 6er tXHffenfchaften
unb bes &taatts meine Vortrage von felber gruppiert haben*
JDen ittännerbunb betraute ich hier gletchfam für fich, laffe
aber nirgenbs einen Zweifel barüber, baß er £eben un6 XPabr*
beit nur burch 6en Staat gewinnt, fo wie 6iefer nur burch ihn.
Sreunbfchaft wie Äamerabfcbaft finb nur 6a echt, wo 3ugletcb
6er €rnjt einer gemeinfamen Aufgabe waltet IDie Pflege
eines autonomen Äamerabfchaftsgeiftes, ohne Ziehung auf
jtaatlich*gefchichtlicbe Aufgaben, ift eine liberale Angelegenheit
Berlin, im Hovember 1933
3nl>alt
Seite

Vorwort .
VII

1. 2>er Sinn be$ (Brosen Krieges I. II 1

2. 2>as atafcemifefee tttännerfcaus 30

3. Ginn unb Aufbau 6er fceutfcfcen £eibes=

Übungen LH. 45

4. iDie geijle6gefd?id?tli4>e £age im Bpiegel 6er


mathtmatil unb pi^jtt* . 75

5. 2)er tbeoretifc^e unfc ber politifcfee tTfenfd) . 94

6. £>ae unb bie töebilbeten 113

7. Antrittetwlefung in Serlin 123

8. god^ule unb Staat 139

9. 2)er poltttfc^e Stubent 149

10. 2)er Solbat txm fceute 157

Anmerkungen 166
3Der Sinn &es (Brofm Krieges
i
\>ortr<tg, gehaltet» auf *ero r>ertretertag bt$ £oc^4wlnng8 öcutfc^«r Tlrt

Scfrlofr ^i$enkurg, 17. «Dftober 1929

vov 6em £age 6es (8e6äd?tniffes an £angemarrf.


XX>ir jteben
t£>o immer 6eutfd?e 3ünglinge un6 tftänner $ufammenfommen,
um £rnftes 3U beraten, 6a muffen fie 6iefcs Eages einge6en8
fein» £>enn unnü$ fm6 alle <Se6anfen un6 £ntfcblüffe, 6tc niebt

im flngeftcbt jenes Eages befteben. X>ergeffen wir es nie: 6ie


£oten 6enfen un6 banöeln ntebt mebr, aber ibr £>enten unb
<ban6eln war noeb md?t 3U £n6e, «1s fie ftarben. © i e finb nun
obnmacbtig, un6 nur 6ur<b u n s, 6ie £eben6en, tann ib* iDenlen
un6 <*>an6eln noeb ans £icbt. II ns ijt es anvertraut» XX>as uns
6a6urcb auf 6ie ©cbultern gela6en wir6, 6as ijt mebr als nur
eine morahföe Verantwortung. XPenn wir 6as ^iel vergeffen,
für 6as fie ibr £eben Eingaben, fo fcanfceln wir niebt nur t>er?
antwortungslos —
wir begeben ein ©atrileg. 3Die T)erpflicb*
tung, 6ie wir unferen ZEoten gegenüber baben, ijt n\d?t eine
moralijtye, fon6ern eine religiöfe. Hiebt (Scwiffensbiffe, fonbern
©cbauber unb (brauen, niebt Eabel, fonbern Unfegen fallt auf
uns, wenn wir ben fafralen 23efebl 6er pietas, $u öeutf4> 6er
Creue, ntebt befolgen. Tiber es ijt auefc etwas anoeres als 6as
25ewußtfein erfüllter Pflicht, 6as uns 3uteil wirb, wenn wir
6er Pietät uns weitem Sühlen wir wirflieb 6as 25an6, 6as uns
mit 6en ZCoten »erbin6et, wiffen wir uns wirfheb als 6ie t>oXl*
jtreefer ibres XPillens, f i n 6 wir 6ie £ater ibrer Eaten 6ann —
wirb uns aueb etwas von 6em (Ölanje jener XX>ür6e umlenkten,
6er f i e umgibt.
©ic finb viel gelobt worben. t£s ift viel Unüberlegtheit, Diel

pietätlofigleit in biefem £obe. fyat man febon einmal erwogen,


ob bie Überlebenben ein 2*ccbt baben, aus bem £id>t ber ©onn*
beraus bie anbern mit ibrem £obe 3U überfebütten.1 3cb glaube
2 £*r ©inm öes (Bregen Ärteges fcer Sinti fces (Stoßen Ärießes 3

ben 3fctf aus ben (Sräbern boren: „Uns ijt es niebt tim bas oas t)ertebrtejte tun. Unfere Seit ijt fo perfübrerifcb in ibter
mannigfaltigfeit, in uns feiber reben pieierlei Btimmen:
welcber
£ob unferer (Öefinnungen unb £aten $u tun, aucb niebt um bie
tonnen uns retten, tDirt*
^ntrüjtung über unfere (Öegner, fonbern cin$tg unb allein um follen wir folgen* Hur tDirflicbfeiten

braueben wir, nur tDirfliebteiten finb unperrüetbare


Seit*
bas tDtrtiicbe. £obt uns niebt, 3eigt uns lieber bas, wofür Ucbfeiten
wir gefallen finb." Unfere £iebe 3U ben £oten barf niebt barin £uns. 3cb brauche niebt ertenntmstbeorettfcb pon
jterne unferes
begeben, baß wir bie Gebauten wieberbolen, bie im tDtrfiicbfeit banbeln, ben icb bier ^UQtunbe
fie 35 e* bem begriff ber
wu§ n batten, als fie jtarben. tDenn wir beute noeb ab?
tf e i lege. 3cb werbe pon 3bnen perftanben,
wenn icb faß** eine
ftraft unb allgemein Pom t?aterianb unb von ber Erfüllung tDirtlicbteit in bemBinne, wie icb es bier meine, ijt berßroße

unferer Pflicbt reben, bann verleugnen wir, was injtoifcben ges Ärieg. Über biefe tDirtlicbteit fyabtn wir niebt unfere „Meinung"

ab3ugeben, por einer foieben tDirtlicbteit baben wir


$u aller*
febeben ijt, bann pergeffen wir gerabe ben Hob unferer Barne*
raben, bann pergeffen wir bas einmalige Ereignis, bem ibr <Eob erjt ftill 3U werben. Wie Mutmaßungen, alle J&ritif, alles
bie töröße gibt IDann benfen wir weiter, als wäre nichts (0e3ant 3U febweigen, wenn es
b<*t fieb um bie S^öe banbelt:

btbtuttt biefer Brieg für uns 5 £s ein befonberes £>ing


gefebeben. Zbtt es ijt etwas gefebeben! Swifcben uns unb jenen was ijt

tDorten, wie fie aus bem 25anbe ber Äriegsbriefe gefallener um gefcbicbtlicbe tDirtlicbteiten: fie finb um fo febwerer 3" Wen,
©tuoenten $u uns bringen, jtebt etwas: ibr Zob unb bas je naber man ibnen jtebt, unb gleicb ben (ßipf
ein bes ^oebgebirgs

Ereignis bes Krieges. tDir finb unwürbige t£rben, wenn wir befommt man fie niebt pon jebem seitlicben ©tanbort ber 3»
jene tDorte einfacb wieberbolen. 2Denn bie tDelt, in ber wir (0eficbt.
leben, ijt niä)t mebr bie, in ber jene lebten, ©ie ift peränbert, £s febeint fajt, als tomme je$t bie Seit beran, wo wir Pom
weil ibr Hob unb biefer Ärieg in fie eingetreten finb. tDir tonnen Äriege reben tonnen. JDie tfeflere bes «Srlebniffes finb nieber*

ni(bt mebr fpreeben wie jene, ba fie fielen, benn wir finb gefebrieben. Tiber biefer JRrieg als XX>irtlicbteit unferer
reieber als fie, reieb geworben bureb bas (Dpfer, bas fie (Sefcbicbte tritt erft je$t langfam in unferen töeficbtstrets
brauten, tiefer ^eiebtum bt(tt\)t in einer t>erpf liebtung: ^s ein, unb 3Ögernb löjt fieb bas tDort pon
ben Sippen, bas biefer
ijt $repel, wenn wir reben, als fei btefes (Dpfer ntebt gebraebt, tDirtlicbteit gemäß ijt. Hiebt 3U f pät alfo ijt es,
wenn wir beute
als fei bie tDelt noeb bie nämlicbe, bie porbem war. IDie
fie pom tDeltfrieg reben, fonbern eber noeb $u früb- Unb wenn
tDelt, bie bas gefeben bat, ijt bie alte tDelt niebt mebr. XDenn wir es überbaupt wagen tonnen, bann por allem besbalb,
ber Ärieg, in bem unfere Äameraben fielen, ©inn ^abtn
einen weil bie Seit, bie feit feinem €nbt pergangen ijt, überreieb ijt

foll, bann btbtuttt er eine tDeltwenbe. 3n bem tapferen an £rfabrungen politifeber, gefebiebtlicber Tlrt. £)ie 3abre bes
Glauben an eine tDeltwenbe 3U fallen bas ift ein Eob, — tDeltfrieges waren 3abre eines Erlebens, für bas es fein (öleicb*

ber niebt mebr finnlos ijt. Bein eigenes £eben unb Sterben 3abre bes „tDeltfriebens" aber finb für uns
nis gibt; bie
Zusbtud einer tDeltwenbe 3U wiffen, erbebt ben tftenfeben Deutfcbe eine Seit ber £rf ab rung gewefen, wie uns in
fie

in bas TXt\6) ber (Sröße. ber ßefebiebte no# geworben ijt.


nie 3«teil tDenn wir biefe
£>es neuen Sfaicbtums wir uns würbig 3u erweifen.
l)<tbtn 3abre niebt nacb bem betraebten, was wir in ibnen verloren
\)abtn f fonbern nacb bem, was wir in ibnen gelernt
3Das gefebiebt niebt babuvö), baß wir loben unb fpreeben, fon* b*ben,

bem es gefebiebt einjig unb allein babureb, baß wir bas i£r* bann müffen wir in ibnen eine ber wertpolljten €pocben uni*
eignisfelber bureb uns reben laff en. tDir muffen bem ©ub* ferer (Öefcbicbte erblicfen. Unfer Volt bat ben XXMtfrieg naip
es
elf 3<*bren, bie feitbem perfloffen finb,
ijt
jettipismus grünblicb abfagen. tDir muffen aufboren, auf unfere erlebt. €rjt in ben
fubjertipe Meinung $u bäum. Tlucb ein „gutes töewiffen" fann politifcb geworben, ijt es tum ^ewußtfein feiner felbjt
4
©er ein» öes <5tog«n Ärieges
5

un eres ^ tr
^ en * ic f es
^ottea erleben bürfen
«r«**«,
- ^ieUeic^t
Politifcb*werbe„
ift es bie Zvaft
feblt, ba wirb aus ber ^efebiebte ein

Baten unb Heinen ^reigniffen, von


bloßes X)er 5 eicbni8 üon
btefes £rlebmffes, bie uns fruit
fäbtg m^ t, Wtt öcm
'

Betten unb Bufailen. 2ln fielen (Drten


pf?4>ologifcben Sonberbar*
reben, xx>as ber XXMtfrteg gibt man beute mübe,
Ux*t fubfeltt»
für uns unb unfer Volt UbmM (Sef^te $u treiben, (Öefcbiebtspbilofopbien u
fieb

alfo Bonnen wir r>om wtrBltcben 3 erfinben unb


Sinn <0ef4n4>tsunterri(fct $u begrünben mit
0« flößen Ärte ö es fpreeben. £s banbelt
fi* niebt um einen
ängfllicber ttermeibung
j©«m ben voxt bem (Serben beffen, woraus (Sef^icbte fließt, unb worauf alle
na<bträglicb »erleben Bonnen. geföicbtlicbe
U?er bas metnt, bem feblt bie £rfenntms bttufr: bem beroifeben
Cfefunft »or ben Soten. Sie Cntbuf xasmus.
fu* m*t bafür geftorben, bamtt wir £>tefer €ntbufiasmus laßt fieb niebt bureb „ftaatsbürgerli^e
nun, melletcbt in 3rr*
^efmnung"
*T«'2 ^T' < * f** m dmn @inn untcr ^en, ben
erfe^en. $ttit ber (Sefinnung b es
Staatsburgers laßt fic^ (8ef4>icbte nur als
mebrfacb t>erf inerten
esm*t bat Mut von etwas XVivtli^tm „i^ntwicf lung" ftyret*
bürfen wir «ben,
mm von etwas bloß (Bebautem. 2lus bem
Sufammenbang mit
ben, namlicb als i^ntwitflung u
3 eben biefem Staatsbürger bin
ben Soten heraus, gelentt von Zbt+bit ^efebiebte ifl eine nxM Summe
t>on ientwi<flungen
ibnen, muffen wir ben wabren
fonbern ein Bufammenbang uon
einn ÖC8 Äämpfen.
5 u erraten fuebe«. Xtfeber
£ i
^eoretif4>« „04, „äftbetifd>«, noeb „moraltfcb«
Bie ^efebiebte erbalt ibren Sinn nur
bureb bas beroiföe igle*
dürfen wir »om ment; es gilt aber au<^ umgefebrt: bas
1
5t! f"?
** m>™™ feinen Sinn fueben, fonbern
nur
^eroiföe betommt feinen
; ^alt nur bureb bie Hebung
Ä bieauf gefcbi4>tli^e XX>elt.
i«f«f*I?/
ift in
* Wabren »» XPenn bte ^ebens3ujtanbe ftarf bur4,rationalifiert
finb, wenn bie
„«Hefe frage mengen im f^arfen Äcbt eines überwachen 25ewußtfeins
fallt niebt 3 ufammen mit bem leben,
Änegsperlaufs. Selbft ber Ausgang bes Krieges
Problem bes
ift gegenüber
bann Bann bas Urfprünglicb^eroifcbe
une es in früberen €po<ben ber Jtultur
nic^t mebr fo äußern! W
möglicb war. j£s be*
brobenb »or uns, wenn wir Sieger barf in biefen vom Xtxvufflein beberrftbten Zeitaltern eines
geblieben waren. tt>as
(Sebalts, an welcbem ber beroifebe Sinn
fi* aufriebten, pon bem
n. C*r. <0eb. be3 etdmet wirb, t>or
er ftcb näfrm unb mit beffen *üfe er warfen Bann. Sonft
bebeutete cieferjtusbru*
fieb gegangen" tt>as tfl er m (Sefabr 3 u »erwilbem, fpielerifcb tmb TOe<f
gren 3 e„lofer Wul gegmbas X>oDM ben, ober in einen JRult bes
3 los ju wer*

ir^\T \^ C ÖS
gegen b« „Barbaren«, ber »on
ber £rbe gegen uns
****
beinahe allen größeren Staaten
^^tungstog
i5,eroif4,en an
um3 «f(blagen. Hur in ber Sinbung an bas
unb tbrer Aufgaben erbalt ber
fiefc o|>ne Subjtan 3
Xeicb ber (Öefcbi^te
geführt würbe, was bebeuteten fcblteßlid,
beroifebe Sinn ft* gerabe unb ge*
jener «tut, funb. Benn biefer Sinn fa ni^t 2lusnabme 3 u(tanb epal,
ein
'ene
?
SapferBeit ebne mag unb ,e«e 2lusbauTobne tterter Seelen, fonbern es
ift

ba * bmmt ift berfenige Suftanb bes Gemüts, aus


ilZS Volt öicfcm Znitmm
bem bte fru4,tbar(ten Zattn unb bewunbertften fingen
ü£Z
m
b*tet l
bes
£W
X^eltfrieges.
blieben *licB
tfs bies
entbullt fi*
ber
Me-QXd.
feres ©efcblecbts
Wmn wir
beworgegangen finb.
XX>trBlicbBett in ber (Öefefncbte
feben wollen, bann
un,

ift »lief, wie ibn bie. muffen wir aueb bie X^irBli^Beit, bte uns umgibt,
geföicbtlicfc
f^tlt^e 3l«f feben Bonnen. X^ir bürfen nxd^t
berporEommt, bat feinen
moralifcb beurteilen, wir
fie
Urfprung in ber burfen ntebt
bereden Seele. IDie (5ef4>i4>tsf4,reibung einzelne
unb ibre ^anblungen feben,
«tenfeben
ift bie Sortfe^ung bes fonbern muffen bte *Ra*te
^elbengefangs in bas *eicb ber
Profa. X^o gewabr werben, bie mitetnanber
ber bereite Sinn rtngen. Bonnte wobl mancbmal feinen, als
feien es nur
6 2*r &mi öes (ffrogcn Ärieg«» 3Der @iim öea (Stögen Äritges
7
perfoncn und Parteien, die fich 6« herumflreiten. Aber hinter Uheater, ÄHffenfchaft und Äunfl. XX>ef entlich ifl der (Ben uß in
diefen perfonen und Parteien, foweit fie macht
haben, flehen jeder Art. man
»ertennt diefcs Syftcm, wenn man 3wifchen mates
immer auch gef chi cht U che machte. 3$ will die mächte, um Heilen und geifligen <2>enüffcn einen grundfä^Uchen Unterfchied
die es fi4> wefentlich handelt, in lurjen Bügen fchildern. Bwei macht £s ifl durchaus möglich, daß diefes Syftem »ergeifligt
Lcbensf yflcme, $xx>ei Kultur en flehen heute im Äampf. €s auftritt j£s gibt ja auch dem (öeifre gegenüber eine genießende
Hamen für fie, ich gebraute
gibt »tele abftchtlich feinen» Denn ich Haltung, eine Haltung, 2tnmut nicht 3u entbehren braucht
die der
möchte, daß Sie dtefe Lebensfyfteme mit einem anderen 3a man
BlicB tonnte flnmut in einem beflimmtenSinne den be*
fehen als fonfl. 3<h möchte erreichen, dag Sie alle Schlagworte herrfchenden Bug diefes Syflems nennen. £s ifl hier nicht die
»ergeffen, und den <Öegenfa§, um den es ftc^ handelt, fo ernfl fchlichte, nichts bedürfende Unmut des 3üngiings gemeint IDie
nehmen wie nur möglich XPir »erfländigen um über diefen materielle Äultur ift, wo fie 3ur X>ollBommenheit emporfleigt,
(Öegenfafc am beflen, wenn wir uns nicht an die Ideologien wo fie bis in die Bleinflen Dinge des täglichen Lebens sorge*
wenden, fondern einfach und realiflifch fagen: es drungen
ifl der Segens ifl, durch oas tPeib mann hat inner*
beflimmt. iDer
W5 3ttnfchen rechts und Ii n Es. XX>eil diefe Begriffe nichts halb diefer Äultur nur eine felundäre Rolle, i£r Bann es 3U
fagen, find fie gut: fie weifen auf XDirBlichBetten hin. Lebens* repräfentatiuen £ypen bringen, aber fobald es 3ur j£ntfcheidung
fyfleme, Lebensformen werden nicht ausgedacht, fondern in der Bommt, ordnet er fich oer überlegenen Jtultur, dem entfehiedeneren
XPirBlichBeitdargeflellt. 3cf> fe$e im folgenden alfo jwei
ge* (ÖefchmacB und dem flärBercn XX>illen des tPeibes unter. Das
Xealitättn einander gegenüber, nicht 3wei 3deologien.
fchichtliche
XX>eib innerhalb diefes Syflems feine <?>öhe als X>er*
erreicht
IDie 3deologien, die $tt diefen Realitäten
gehören, find 3hnen führerin und Beherrfcherin des mannes. XPenn in diefem
nicht unbeBannt VDürde ich aber 3*>ei 3oeologten einander ent* Syfteme die Stau fich bemalt, fich fchminBt, fo tut fie das nicht
gegenfe^en, dann müßte der Schluß meiner Rede aus irgend welchen äfthettfehen Sendeten,
lauten: für fie hilft nicht nur der
welche »on beiden man fich entfeheidet, Hatur etwas nach, fondern
ifl Bache der es ift pon ihr fymboiifch gemeint: fie
tPeltanfchauung. Su diefem liberalen Schluß werde will ausfehenwie einetftasBe, wie ein (Sörjenbild. Sie will gerade
ich
nicht Bommen, weil ich nicht von 3deologien
fpreche, fondern nicht ausfehen wie die Hatur, fondern wie ttvoa$ das
magifche, t
t>on Semsweifen, von Birten $u fühlen und 3U handeln, und niederwerfende äraft hat. Das XDeib erfüllt nur feine Pflicht,
mein Schlug wird nicht fein: nun wähle! fondern mein
Schluß fagt Baudelaire, wenn es das Beflreben h<*t, magifch und über*
wird fein: befinne dich, wer du b ifl! natürlich 3« erfcheinen; es foll erflaunlich fein und voller Rei3:
Die beiden Lebensfyfleme überlagern fich heute. IDas
eine halt als ein (Ööt3enbild muß es mit (Sold fich fchmücfen, damit es
fich frei x>on t)errmfchung, das andere nicht 3m mittelpunBt anQtbtttt werde.
des erfreu Lebensfyflems fleht die
materielle J&ultur. Diefes Syflem findet feinen reinflen flusdrucB in der tftode,
IDas tDort „materiell" ift hier nicht
moralifch 3" nehmen! fluch die Beine lächerliche Erfindung und ZCorheit fondern XPefens*
ifl,
hier werden (Söttet angebetet! IDa
fleht der <ÖÖ§e Mammon, da ausdrucB einer beftimmten Bultur, die wir nicht übernehmen
fleht der moloch, der 3ugend »erfchlingt. XX>irtfcbaft und
die Bonnen. Solange die tftode unferer Svautn noch »on ab* Paris
(Öefellfchaft ifl das Löfungs wort. IDer &taat wird
3u einer <Dr* hängig ifl, folange h<*i>en wir unfere eigene Lebensform noch
ganifation des Schubes und der Förderung guter
(Sefchäfte. nicht gefunden. Wtt folche Dinge für „äußerlich" halt, der Bennt
Sicherheit, nämlich Sicherheit der gewohnten
Lebensumflände, die Lebensgeferje der Kulturen nicht
der gewohnten ßenüffe ifl das oberfle
(Sut 3u diefen (Senüffen Der (Öefühlsuntergrund der materiellen Äultur ifl der eines
find auch die Jogenanntcn „geifligen" 3U dunBlen, ausweglofen, nie 3U befriedigenden finnlichen
3ählen: Literatur und
Begehrens.
3 3D«r &nn bts (Srogen Krieges
9
O)ebrlos füblt fic& frier ber Menfcl? feinen trieben ausgeliefert;
biefer Lebensform bagegen fretßt es: niebt 6ie Mauern fin6
er ift felbffcfücbtigunb einfam unö fpdcfrt es vov fieb felbft unb
*s, fon6ern 6ie Manner, 6ie 6as Daterlan6 ausmalen. Hiebt
unter Pier 2lugen offen aus. Unmutige X>er3wetflung, sersweif*
bas ^aus un6 6er Salon, fonöern 6ie Männeruerfammlung un6
lungsx>olle2lnmut iftbier b«r befte §all; ber fc&limmfte Sali ift an*
6as S^blager fin6 6ie fymbolifeben XPirllicbteiten biefer XX>elt.
mutlofer, gieriger Materialismus. Pereinigung von Srepfis unb
2lnmut, &tbtn$Qmu§ unö Melanefrolie — bas 3$ ftelle fie als 6ie beroifebe 6er Urbanen gegenüber.
ift bie Seelenftim*
mung i£me Dollenbete materielle Hultur innerbalb 6er
öes Urbanen Lebens3uftan6es, 6es Lebens3uftan6es, 6er
ift

beroifeben Lebensbaltung niebt 3u erreieben. IDer berotfebe Menfcb


in 6en Zentren ftäbtiföer (Öefelligreit fieb entfaltet 3n feiner X>oll*
ift materiell anfprucbslos. 3cb will ben (0»egenfa$ an einem
fommenbeit finoet er fieb öa, wo bie »olUommenfte Staöt ift,
bie Stabt fcbleebtbm, bas Urbilb aller Stäbte. JDiefe Staöt
weltbijtorifcben 25eifpiel 6emonftrieren. ^eroifcb war 6te Äul*
beißt
Paris, unö 6er Svan$ofc bat xnelleicbt ein 2tecbt $u fagen, es
tur jener llcbäer, bie Mylene unb Eiryns bewohnten. Urban
gebe nur eine Staöt. IDie Urbane Äultur wirö ftets
bagegen war 6ie minoifebe Kultur auf Jlreta.
auf Paris
als auf ibr unerreiebtes X>orbilö bliefen. man glaube Man tann niebt 6ie t>or3Üge 6iefer beiben &tb?n&
niebt,
Stäbter fein ju Bonnen, „utban" im tiefften Sinne ötefes XEor*
formen vereinigt beuten: wobl fann ber 2lcbäerbauptling, naebbem
tes — un6 unabbängig von Paris. IDie Vertreter Urbanen er Änoffos 3erjtört bat, wertvolle unö feböne iDinge nacb feiner

töeiftesgefhben es 6enn aueb meift offen ein, öaß Paris immer


33urg f4>leppen. ^ber er bleibt boeb auf feiner ^urg; er
unfer t>orbilö bltibm muffe, un6 baß wir es beftenfalls $u baut fie niebt um 3U einem minoifeben \>alafu €s gibt wobl
einer etwas geringeren Hacbabmung eine ^Jereicberung bes mytenifeben Lebensftils bureb Urbane €le*
fran3Öfifcber J&ultur, ro*
mamfefrer Urbanität bringen fönnen. XX>cr mente, aber nic^t eine „Byntbefe". *£iner 6er bei6en Stile
fieb auf literarifebem
XX>ege eine X>orftellung von
Utbünität uerfebaffen will, 6er
biefer
muß fuhren 6 bleiben. Merlwurbigerweife beflebt immer nur
lefe 4>einriefr feines Briefe aus Paris o6er Bornas Manns bie (Sefafcr, baß 6er beroifebe Lebensftil burc^ 2lufnabme urbaner
„Parifer &ed?enfcbaft". leicmente gefebwaebt wirb — nie ift ber umgelebrte Vorgang
IDie entgegengefe^te Lebensform ift 6ie 6cs mann es. Hicf*
3U beobaebten. «Sine uvbant &ultm rubt immer in fieb felbft.
6ie XXHrtfcbaft un6 6er (Öenuß, fonbern 6er etaat Sie Jann 3erftört werben, aber fie wirb fieb niemals aufgeben,
un6 6ic
Arbeit fteben bier im Mittelpuntt. „Arbeit" be3eicbnet
dagegen feben wir immer wieber, wie beroifebe X)ölEer fieb an
6ie
XXMt 6cs mannte €s ift cbarafteriftifcb, öaß 6as XOtvl 6es Urbane Kulturen verlieren: wir feben bie (Öriecben nacb ibrem
größten Äriegers un6 6as tDerf 6es fcblicbtefhn Arbeiters im beroifeben 3unglings* unb Mannesalter an ben Äüften bes
IDeutfcbenmit bemfelben tDorte benannt werben fann: von Mittellan6ifcben Meeres babinfcbmel3cn, wir feben bie 25ar*
,,grof3er arebeit" fpriebt öer JDicbter am Eingang 6es Hibe< barenftamme 6es Hor6ens wdbrenb ber 3af?rbun6erte 6er Hölter*
lungenliebes, un6 er meint bannt bie Scbwerttaten 6er gelben. wan6erung an 6en namlicben Äüften vergeben wie Scbnee t>or
IDie XX>elt 6er materiellen J&ultur ift eine XPelt 6es (Öenuffes; ber Sonne. Unb wir feben, wenn wir einmal bas Tinge für
6ie XDelt 6er Arbeit ift eine XXMt 6er £at. IDem Lebensfyftem biefes Sdjicffal geöffnet be!ommen baben, unfere eigene taufenb*
biefer Zat ift öie fta6tifcbe Xt>obnweife niö^t wefentlicb, ja fie jabrige ^efebiebte im 3nnerfhn als benfelben pro3eß ber i£r*
lann ibm feinblicb wer6en, 6a fie mit einer gewiffen Hotwenbig* weiebung einer beroifeben Anlage unter ben t>erlocfungen m*
feit 3ur i£rleid>terung,
Sicberung unb ^ebaglicbmacbimg bes baner Kulturen un6 urbaner ^eiftigfeit. IDie beutfebe ^»efebiebte
Lebens fübrt. §ür 6ie utbam Lebensform btbmttn 6ie Mauern ift bie <8tfäid)U ber Urbanifierung eines t>olfes, bas biefer
6er Stabt, 6ie 6ie Käufer umfcblteßen, etwas Urbanifierung im 3nnerften
^eiliges. 3n wiberftrebt. Sie 3eigt uns bas
2*
10 £*r @inn bt* (Stögen Äriegee
Der Ginn bts (Stoßen Äriegcs 11
langfame Btcbbeugen eines beroifeben Polles unter Sebensbebin*
gungen, in öenen es niemals öas ^öcbjte erreichen Bann, in fcble^tbin 3U »erjteben. IDie Urbanen XPerte finö uns in Sleifcb

öenen es nur langfam, feine reiben (gaben in falfcben un6 2Mut ubergegangen. XPir fönnen niebt einmal unfere eigene
2ttcb*
tungen uerfebwenbenö, 3ugrunöe gebt. (Öefcbtcbte mebr lefen!

IDiefes Urteil über öie öeutfebe (Sefcbicbte mag peffimiftifcb Hur in Ttnbeutungen will icb öen Äampf 6es Urbanen un6
6es beroifeben tt>efens in unferer ^efebiebte aufseigen. IDie
Hingen. £s ijt es niebt. Peffimiftifcb ijt es, wenn man fagt: erjtc

öer iDcutfcbe bat fein Hationalgefübl, öer IDeutfcbe große i^pocbe unferer (Sefcbicbte, 6ie beute faft »ergeffen ijt,
|>at fein
öie nur als Porbereitungsjeit für eine fpatere genommen wirb,
Btaatsbewußtfein, öer IDeutfcbe tjt unpolitifeb. Wie biefe ^e*
bauptungen ^>alte icb für Äursfcblüffe. XX>ir IDeutfcben finö von wäbrenö fie unfer größter @tolj, unfer einziger ?Trojt fein follte,
Hatur weöer o^ne Hattonalgefübl, noeb obne Btaatsbewußtfein, ift öie öeutfebe Äaiferjeit x>on (Dtto öem Großen bis $um i^nöe
noeb unpoutifeb. Tiber unfer ttationalgefübl, unfer Btaats*
öer ^obenftaufen. 3mmer wieöer ift oerfuebt woröen, geraöe

bewußtfein von im ^inblid auf öiefe beroifebe 3üngltngsepocbe unferes X)olfes


ift einer ^öfce öer Bpannung, von einer XPeite
unö (Sröße, öaß ibnen niebt leicht eine
öen IDeutf^en öas Qtaatebtxvu^tin abjufprecben. 3mmer
§orm genug tut Unö
ntebt besbalb, weil wir obne Btaatsbewußtfem waren, fon* wieöer bat man es öen Äaifern t>eröacbt, öaß fie nacb 3talien
öern nur öesbalb, weil unfer urfprünglicbes Btaatsbewußtfem $ogen. £s gab wobl aueb febon (ßefebiebtsfebreiber, öie in öiefen
im £aufe 6er abenblänöifcben (Öefcbtcbte in öie Seffeln öer mbantn Bügen über öie 2llpen öie Bebnfucbt nacb urbaner Jlultur witters
ten, unö erjt in unferen Eagen bat ein berübmt geworöenes
Äultur gefcblagen würbe, finö wir beute öas armfte Poll
unter öen großen Poltern öes Eröfreifes. IDie 23ucb über Srieöricb
II. öen Perfucb gemaebt, einen Urbanen
<Sfcf4>i4>tc feben,
wie fie ijt, ijt mebt Pefftmtsmus, fonöern Realismus. Cäfarismus als öen ^>öbepun!t öer öeutfeben mittelalterlicben
IDer
Realismus aber gebietet, öaß wir t>on öen febönfärbenben 3Dar*
öefebiebte öarsujtellen. Tiber §r"öricb II. war öer €r3iebung
jtellungen abfommen, als fei unfere (Sefcbicbte bis $um 3abre
nacb Bein IDeutfcber, fein tTorölanöer; er war Bijilianer, er

19? $ eine aufjteigenbe gewefen.


geborte öem tfttttelmeer. Hacb öem Orient jlrebte fein Binn wie
Zm Anfang unferer (Öefcbicbte Sufammenftoß mit
jtebt 6er
einjt öer Cäfars. £)ie öeutfeben Äaifer öagegen, öie über öie
einem Polte, 6as in feinem Urfprung felber beroifcb war, öas unbewußte Präger eines germ ani*
Tllpen fliegen, taten öas als

aber fcbließlicb wie alle Pölfer öes mtttelm^eeres feben Tieicbsgeöanfens. Bie bätten ju £aufe bleiben follen, fagt
öem Bcbicffal
6er Btabt perfallen Pon man, unö ein fleineres, aber feftes Keicb im Horben grünöen
ift. 6er urbs roma, "von 6er Bta6t, 6ie
öen mittelpuntt öes 3mperiums follen. IDiefe Äritif perfennt pollig öie weltgefcbicbtlicbe JCage
bilöete, 6ie 6er mittelpunft 6er
fpätanttten ^wilifation war, leitet fieb ja öas XPort urban ab.
jener 3abrbunöerte. IDas #eicb (Dttos öes (gfroßen war öie erjte

IDer Sufammenftoß römifcb*urbaner Bwilifation un6 germamfeb* politifebe örünöung öes ttoröens, öas erjte beimifebe, germanifebe
beroifeber Äraft niebt ein einmaliges
Ketcb. (pas Kcicb Äarls öes (Öroßen war es niebt, öas batte
ijt i£r;tgms unferer <8z*
immer neuen Sormen wir6 6ie Urbanität über uns
ftbiebte: in
noeb unwerfale (Srunölagen.) JDiefes erjte #eicb öes Hör*
£err, immer neue XPege finöet 6ic urfprünglicbe Äraft, um öens fonnte feine ^roße nur öureb Eaten beweifen. Tlls ^ug

6urcb3ubrecben. £>ie Sorfcbung bat uns längfl gezeigt, baß 6er unö (Sriff nacb öem ^öcbften, als ritterliche Zat muffen wir
ttoröen eine bobe, eigene Äultur bauerlicb*berotfcben (Gepräges öen immer evntuttn Tlufbrucb nacb öem Büöen »erjteben. IDer

batte. Bo weit fin6 wir t>on unferen Urfprungen entfernt, öaß Keicbsbegriff öer öeutfeben JRaifer ijt niebt ein jtatifeber; man
öenft niebt in ^änöern unö (Brenden, fonöern ein öynamifeber,
felbjt ötefes Sorfcbungsergebms fieb noeb niebt öurebfe^en fann,
weil wir gewobnt finö, unter „Äultur" öte uvbant Gebens weife man öenft in Eaten, Eroberungen, Äräften. Hicbts ijt cbarafs
teriftifeber als öer Umjtanö, öaß niemals öie dauern einer
12 S*r Sinn bts <ßrofen Äriegc*
£*r ©mit bts (Bregen Äriegte 13
Stakt bautvnb bit ^ofbaltung 6es Äaifers einfcblugen. JDas JDas Surftentum wir6 alleinberrfcbenb. IDiefes Sörftentum aber
£eicb Eon3entriert ficb niebt um eine urbs, fon6ern es ifl 6a, wo
romaniftert ficb wteberum in einem Pro3eß von 3afcrbunberten,
6er Kicbterflufcl 6es 6eutf#en Äömgs flebt, wo 6er Äaif er ifl
es gebt 6en namueben XX>eg, 6en 6as »urgertum vov ibm ge*
unb fein <*>eer.
gangen ift un6 gelangt 6aber an 6as namlicbe i£n6e. IDenEen
IDiefes beroifebe 2teicb bricht im |3. 3abrbun6ert 3ufammen. wir an 6em Kriege 3urüct Hocb ifl 6as
6ie Seit unmittelbar t>or
3n Jeber 25e3*ebung wan6elt ficb im |3. 3abrfcun6ert 6as Surftentum an 6er tftaebt, noeb ift es von militärifeben @ym*
©cfcicffal Europas. in 6er ©cblacbt von 25ouvincs^ bolen umgeben, noeb tragen 6er Äönig un6 6er ^roßber3og
fiegt Snebrtcb IL mit <*>ilfe 6er £nglän6er tm6 Sranjofen über 6en t>egen. Überall im <beere wabrer Heroismus lebenbig.
ift
6en XXMfen. 3n 6enfelben Z^t^nttn bringt 6ie fran3öfifcbe
JDesbalb ift Öegenftan6 6er Abneigung 6es Urbanen
biefes <?>ecr
Kultur fiegreieb in !Dcutfcblan6 ein: 6er romanifebe Stil, 6er in Europa. Hirgenbs aber, es ift erfebütternb, 6as 3u feben, ifl noeb
feinem XPefen urgermanifcb ifl, weicht öem gotifeben, 6er 6eutfcbe ein 25 e w
u % t f e i n 6a»on »orbanben, was biefes ^>eer bebeutet,
tttenfcb beginnt in 6en ©täbten 3U leben un6 aueb innerlicb fläbtt*
6aß es eine Lebensform barflellt, un6 mit welchen UUns*
feber Äuitur fiel? 3U3Uwen6en. Tüles 6as, worauf 6er IDeutfcbe formen es fieb niebt »ertragt» IDiefer Heroismus ifl Haturanlage
von ^etite ftolj

Mittelalters,
3u fein pflegt, 6ie fläbtifcbe Üultur 6es fpäten 6est)olfes, er ifl einfacb 6a, er ifl niebt umzubringen —
obwohl
3eigt febon bit 3üge unferes gefebiebtlicben T>tx* man alles tut, um ibn um3ubringen. JDer (Seift 6es gefellfcbaft*
bängniffes. §xt\\\d)i wieviel tttannestraft flectt noeb in 6iefen lieben r>orwärtsEommens, 6er (5eifl 6er £)e!oration, 6er öeifl
erflen ©täbten! Belange 6er ©täöter feine dauern noeb fclber 6er ^iußerliebEeit 6ringt an pielen Stellen ein. IDas JDeutfcblan6
verteibigte, war er groß. tDelebe waj>rbaft beroifebe £rfcbeinung t>or 6em Äriege 3etgt 6as 33il6 eines äußerlicb
militärifeben,
ift 6ie beutfebe £>anfe, welkes friegerifebe #tl6 bieten
ju Reiten innerlieb febon völlig uvbamn Lebens. t>erbängnisvoller 3rr*
manche fränEiföe, febwabifebe ©täbte. £s ifl nur natürlich ste jtum: man glaubte 6ie Lebensformen 6es beroifc^en (Seifles mit
urfprünglicbe Anlage, 6ie JUffe muß fid> burebfefcen. Tiber fie 6en Lebensformen 6es ^eiebtums uerbinben 3U fönnen.
ift in 6en ©tä6ten in ein falfcbes Jtleib gejxpangt,
un6 6iefer Von 6er beroifeben Lebensgeflaltung §orm
ifl 6ie 6es tftan*
Stvang muß ft^> auf 6ie iDaucr von 3abrbun6erten febfießlieb n erb unb es unabtrennbar. £>tv Äönig mit feinen (Setreuen,
räcben. IDie€ntwicflung 6es btutföm ©tabtewefens
bis 3um 6er militärifebe $übrer mit feiner Bcbar, für 6ie er
sugleicb t>or*
heutigen Eage
jeigt, 6aß 6er äußeren Urbanen Lebensweife 6ie
bilb un6 €r3ieber ifl, bilben 6en Hern 6er beroifeben Lebens*
innere Urbanifierung mit tfotwenbigtot nachfolgt
verfaffung. IDas beutfebe i?>eer war 6ie le£te ^eflalt eines
2>er Übergang 3ur eigentlichen Urbanifierung
erfolgt im beroifeben iltännerbunbes. 3bm flan6en 3wei Jormationen
? 6. 3a&rbun6err. ttodj einmal wtr6 in 6en L a n 6 s l n e cb t s * 'formell »erwan6ter 2(rt, aber grunbverfebiebenen (Seifles gegen*
beeren 6es |6. 3afcrbun6erts, 6ie gan3 von germanifebem über: 6er prieflerliebe JTTännerbunb 6er Äircbe unb 6er manner*
23lute gefpeifl fin6, 6er beroifebe 6es ttorbens fiebtbar.
(Seift bunb 6er greimaurerei. ^>ier lag £>eutfcblan6s Aufgabe: 6en
per Lanbstnecbt — 6as ift 6er triegerifebe mann 6es Horbens beroifeben «tännerbunb als weltgefcbiebtlic^e (Seflalt felbflanbig
in einer mban geworbenen 3eit: etwas prachtvolles, aber gegenüber biefen maebten 3U erbalten. ©tatt beffen wur6e
rafcb X)orübergeben6es, etwas ^offnungslofes, ein XX>i6erfprucb 6as i?>eer immer ftärter unter 3toilen, rein „militariftifeben"
in ficb felbfl.
(Seficbtspunften betraebtet. Überall gab es noeb jenes wunber*
pureb 6en so fähigen j&rieg, 6effen verniebtenber Ausgang volle t)erbaltnis, 6as es nur 3wifcben 6em fol6atifcben Sübrer
mit eine $olge unferer ©cbwäcbung 6urcb 6ie Urbanifierung unb
ift, einer ©c^ar ibm vertrauen6er Männer geben Bann. Tiber
wirb 6as 6eutfcbe Bürgertum in 6ie (Dbnmacbt 3urücfgeworfen. biefes X>erbältnis war niebt 6ie bewußt gepflegte (Srunblage
14 fcet Binn btz Großen Äriegcs
JDtr @mn des (ffroßen Äriegcs 15
*es Syftems. IDas Syftem war auf blendende Leiftung, auf
fceforation 3 ugefchnitten. Sur die Linfe ift der <£>roße Ärieg als Ärieg, als «retgnts,
«s wurde immer fälter, immer fach*
luher, immer feelenlofer. finnios; als Erfolg der feindlichen XVaffen dagegen fimwoll,
Srotj des XViderftandes, den die
ttaturanlage unf er es Voltes letftete, weil er den Sieg des Urbanismus bedeutet. <£>eute ift die große
wurde der gefellfchaftliche
Urbantsmus Schließlich Sieger über den Aufgabe der hinten: Serftörung der nichturbanen Voifsfchichten
Heroismus.
€s fam der Auguft des 3at>res undUrbanifierung der Arbeiterfchaft. $ür die Kochte tft der Jtrieg
Hein
?9 |4. wird den mann als «reignts fimwoll. Sie lebt noch in der heroifchen XVelt,
<tag »ergeffen, an dem
Volt ftiile wurde; leiner, der es
fein
erlebt fie weiß noch, was Äampf und Sieg ift. Aber fie lebt nicht mit
hat, weiß etwas, das fich mit diefem
Augenblicf vtu
gießen ließe. Und dann, Sicherheit, mit Klarheit und «ntf chiedenheit in
nach diefem Augenblicf feierlicher
©ttlle, brach *eer auf, dem das Volt »ertraute. Und bann
das
der heroifchen XVelt. Sie fennt die (Sröße der «ntfeheidung noch
fam die
Äataftrophe der marnefch lacht, an der
nicht, t>or die uns der XVeltfrieg geftellt hat. «s handelt fich
das *eer nicht
fchuldtg war. fcann erft, nach der nicht darum, nach diefem Bufammenbruch noch $u retten, was
Äataftrophe, fam das Unge*
$u retten ift, es handelt fich nicht darum, ju fonferpieren, fondern
heuerltchfte. «ine
Sprung, die nichts mehr überfah, hielt das
£eer, hielt das Volt noch tner es handelt fich um die Eroberung unferer alten Lebensform
3ahre lang in der etellung des
Verteidigers nicht nur, fondern des
Angreifers. 3n diefen fahren
unter neuen Bedingungen — , oder um den Unter*
tft das deutle Voll riefengroß über gang in einer uns fremden Lebensform.
Unter der „alten
feine $übrer hinausge*
wachfen. IDtefe $übrer waren, ohne Lebensform" aber »erftehe ich nicht die Lebensform des |Cj. 3abr*
dag fie es wußten, ohne
daß hunderts, auch nicht die des }$. oder des fondern die,
fie es wollten, abgeirrt uon den tiefer liegenden Eradi*
ttonen diefes Voltes. die im erften Stach ©es Hördens, im erften großen Staat
Aus dem Volte aber fprach eine Äraft, die
alter war als diefe 3ahrhunderte. IDer
Europas Ausdruct gefunden hat, die in der Eiefe unferes XVefens
tltännerbund fteilte fich
mit gewaltiger Äraft uberall wieder angelegt ift, und aus der XVelt der modernen Arbeit heraus
her. An
taufend Stellen der neu gefchaffen werden muß.
$ront fampfte der Jührer mit
feinen (Betreuen den alten aer*
mamfehen Äampf. ö IDer XVeltfrieg ift fein Ärieg neben anderen Kriegen unferer
™™ » «WHteriw»} Militarismus
(Sefchichte. «t ift der Anfang unferes «ndes — oder er leitet ju
ift Heroismus mit derdritten«poche

W
unferer (öefchtchte über. 2Die erfte Epoche
[fnÄ ? ffCn * 3Dewtf ^ Ian6 ™* ^m Äriege „mili* unferer (Öefchuhte die »orrömifche, die germanifche. IDie 3weite
tartfttfeh«, weil es & wenig beroifch war. «s hatte ein
«poche tft die
ift

römifche. Mit dem XVeltfrieg beginnt


fcaslangfam verbürgerlichte; aber es hatte
feine Ahnung von der
^»fgabe, daß es feine Lebensformen, die die nachrömifche «poche der deutfehen (Sefchtchte.
formen der Arbeit, des XVir müffen uns von dem engen Biicf, der nur auf 3abr*
XVobnens, des Verwaltens, des
Ziehens 3 u entbüreter*
** ******** ^
hunderte eingeftellten (Öcfchtchtsbetrachtung löfen. IDer XVelt*
5£^i*w
©eutfchland ^err geworden, weil
Clt ift im ™" *ber MM frieg fieht nicht auf 3ahrhunderte, fondern auf 3ahrtaufende
fie 3 m>or in feinem 3nneren jurücf und vorwärts. XVenn fage: er tft entweder unf er
ich
Vt
^!* en War * Sör öibt es feitdem nur «nde

^
r/^Europa öte r We
Einordnung in das fiegreiche bürgen
oder der Anf ang
neuen «poche, fo meine ich nicht,
einer
daß ich im Zweifel über das eine oder das andere wäre, tftein
liehe als ein ^ausgenoffe minderen
Rechts oder der - «ntweder*(Dder ift ein pädagogisches: es foll die (Sröße der
Austritt aus dem bürgerlichen
Lebensfyftem. „politifch linfs«
emgefMlt fem heißt in IDeutfchland, «ntfeheidung jum Bewußtfein bringen. JDas, was wir in
diefen Bieg billigen, heißt
alfo, ftch auf die Seite des
diefem Kriege erlebt und rollbracht haben, ift eine unerfchütter*
Urbanismus ftellen.
liehe XVirflichfeit. An diefer XVirfiichfeit laßt fich nicht rüttein,
16 fcer ©iim bes (Sroßen Ätiegcs
IDer &im bes (Scoßen Brtegts 17
unb biefer tXHrflichtett muß eine andere Witllitytit entfprechen:
basfeibe X>oK, bas biefe
verftebt jene ^mne <?>ölberlins an ben gefeffelten ©trom,
XPtrllichreit
wirb öieertragen hat,
bie mit ben XX>orten beginnt:
anbete XXHrtlichBeit »äffen, bas »ei*. 3mmer
von neuem
hat ft4> unfer X>olf gegen bie £enben3en 6er „tX>as fchlafft unb träumft IDu, 3üngling, gehüllt in IDich,
Domanifierung
aufgelehnt 3ch will hier am ©chluffe ausbrücfUch an
biefe
Unb fäumffc am Balten Ufer, <55ebulbiger2
Auflehnungen erinnern, an bie ©ie im ftillen alle Unb achtejt nicht bes Urfprungs, IDu, bes
fchon gebaut
haben. £me folche Auflehnung war bie (Brünbung bes (Djeans £obn, bes £itanenfreunbesl"
beutfehen
Ditterorbens unb feine fcätigtot im <Dften. €ine
folche Aufs
lehnung xvat bk (Örünbung Preußens, eine folche
Auflehnung
war öie Zat Luthers. €ine folche Auflehnung
war ber Staat II
Sriebrichs unb £ntbectung bes uns urverwanbten kriechen*
bie Vortrag, gehalten auf fl£inlabung ber bcutf<h*n ©tubentengenwinfehaft
tums. IDie (Örünbung bes Geichs burch »ismaref ift auch eine Bresben, ?$. 3amiar jgso
folche Zat IDurch fie ift vieles von bem, was öie Vergangen*
XPenn ber Philofoph es unternimmt, über ein Ereignis ber
heit serbrochen hatte, wiederhergestellt
worben. Als ben großen
XXHrtlichfeit 3U reben, wie es ber Äricg ift, unb gar über jenes
XX>ieberherfteller haben wir Wismarer 3U ehren. Aber wir waren
im 3rrtum, wenn wir ungeheure, noch langft nicht überfehbare Ereignis, bas wir ben
in ihm auch einen Sührer 3u unferer XX>eltfrieg nennen, weil er bie (öefchichte Europas (unb nicht
3uBunft
bem wir fhben,
fehen wollten. €x hat ben
aber er hat nirgenbs ein 23ewußtfein bavon
3obcn gefchaffen, auf nur Europas) in 3wei ©tücfe $erfchneibet fo Bann — er es auf
3weierlei Art tun. €r Bann als tftetaphyfiBer ober er Bann
»erraten, baß Ibeutfchlanb nicht befhhen
fann, ohne baß es
als (Öefchichtspbilofoph reben. IDie tftetaphyftf bes Krieges
fich 3" ben (Duellen feiner Äraft über bie
3ahrtaufenbe hanbelt von Leben unb ©ie hanbelt von ber tt>ertung
ZCob.
hinweg 3urucrwenbet.
bes Lebens, t>on ber Srage, welche 25ebeutung bem Hobt inner»
IDer XPeltfrieg führt uns baher über bie geiftige halb bes menfchltchen IDafeins suBommt, unb fie rann weiter*
unb über
bie politifche tDelt 33tsmarcfs hinaus. führen 3U ber Unterfcheibung 3weier ©yfteme, beren eines bas
j£r ruft uns bas
^elbenlieb unferer Stoffe wieber ins (Sebächtnis,
er forbert uns Leben über alles fetjt, beren anberes im (Dpfer bes Lebens
auf $um Äampfe
gegen bie Urbanifierung, 3ur t?>eroifierung ben i^ohepunft bes Lebens felber finbet. 3<h will als fcftetaphtfifer
|unferes Lebens burch bie Arbeit. £r ruft
uns'a^IRlTauf vom "Kriege überhaupt, wie als (Sefchichtsphilofoph von bem
1 3um Salrojfr^ Privateigentum. Äriege, ber unmittelbar hinter uns liegt, reben. Als eine ber
großen üatfachen unferer (Sefchichte wie bie t)ößerwanberung,
I
€& ift ein wefentlicher Bug im 25ilbe ber heroifchen Gebens*
bie c^rünbung bes ^eiligen römtfehen Meiches beutfeher Station,
form, baß fie ber 3ugenb, als bem heroifchen Alter bes Wen*
bie Deformation, ber (Ölaubenstrieg bes 17. 3ahrh«nberts fleht
I fchen, ben höchften Preis gibt. Achill unb
©iegfrteb finb 3üng* ber XPeltJricg heute vor unferem Auge. Vielleicht vermiffen ©ie
linge. IDie Urbane (ßeiftigfeit
verftärt bas frepttfehe, wtffenbe
Alter; bie heroifche Lebensform vertlärt
unter ber Auf3ahlung ber philofophifchen töc3irtc, von benen
ben 3ünglmg, ber ben
aus biefes Ereignis behanbelt werben tann, bie fcttoralphilofophie.
Zob nicht fcheut. Äein X>oll verftebt, was uns mit ben 3üng*
Itngen verbinbet, bie bei Langemarct
Allein bie tUoral hat nur ©inn, fofern es fich um ben £in3elnen
unb an fo vielen anbmn
©teilen bahinfanfen. Äein anberes Volt
unb feine tDahrhaftigfeit handelt. lOtv Jlrieg aber als
verfteht bie Hoffnung, Ärieg ift fein Ereignis im Leben ber £in3elnen, fonbern ein i£r*
bie wir heute auf unfere 3ünglinge fetjen. Hein anbtvts Voll eignis im Leben ber X>ölBer.
18 £>er Bmn &s Großen Äriege* IDer Sinn 6es (Stögen Briegee 19
£s gibt eine Begegnung 6es ^in 3 einen mit 6em J&rtege, wort nicht als £in3elne geben fönnen, fon6ern nur als (Slieber
nur fallt 6tefe Begegnung nicht ins 6er hiftonfehm Schief falsgemeinfchaft, 6er wir angehören, un6
moralifebe Gebiet 2ln*
gefiebts 6es Eo6es 6es feinen, angefichts 6er XX>un6e in öeren IDafein 6er Ärieg eingetreten
un6 ift.
6er t>erjtümmelung Sinn, 6en wir in 6en trogen Ärieg
ergebt fi<^> 6ie Srage 6es XVavumt 6ic 3cb re6e nicht x>on einem
Srage: muß 6as fein* Un6 öiefelbe Srage jtebt auf angefichts hineinlegen follen, fonbern t>on 6em Sinn, 6en 6iefer Ärieg für
6es Schmedes 6erer, 6ie an 6en (ffräbern 6es Krieges
flehen uns h a t —
gleichgültig, ob wir ihn erfüllen 06er nicht. Hicht
iDiefes „Xttarum", 6iefcs „Sttug 6as fein" taucht in von einer „Sinngebung 6es Sinnlofen" alfo re6e ich, fonbern
unferen
4>er$en immer öa auf, wo wir auf 6m
garten <Örun6 ©es menfeb* von einer finm>ollen Srage, 6ie an uns geftellt ijt. ^>ätte 6er
liefen IDafeins froren. IDtc Srage
febwebt auf unferen kippen, Philofoph nicht 6ie begrünbete Über3eugung, 6a£ auch 6icfes
wenn 6ie Hatur menfcbenleben »erntetet, wenn eine ungeheure Ereignis einen Sinn in fich felber trägt, 6ann
3erjtorcn6e
Äranfbeit 6as menfcblicbe IDafein auf$ef>rt, un6 tonnte er nicht t?on 6iefem Sinn
hier re6en. IDenn Philofoph
ergebt fie fich
felbjt 6ort, wo 6er £06 nach 6en unabän6erlicben <0efc§en 6er ijt nicht 6er, 6er Sinnlofen einen Sinn unterlegt,
6em an fich
natürlid> ? menf4>lid?en £rtj*en3 erfebeint, un6 uns Don 6em trennt, 6en es nicht hat, aber haben „foll", öer alfo 6en fcatfacben fub*
was wir liebten, was
mit unferer in6wi6ucllen Triften* ju jeftwe fctteimmgen unterfchiebt, fon6ern Philofoph ijt, wer
einer geheimnisvollen iginbett
»erbunben war. <5>icr jtebt 6er jtaunen6 6ie Sinnhaftigfeit 6es tDirflichen begreift.
leinene t>or einem 2lbgrun6, er blieft hinunter €s nicht 6er (Drt, 6en febwer 3U faffenöen begriff 6er
in eine fcbwtn* ijt bi«
6ein6e ^iefe. Angefichts 6es wir fliehen
Cobes bes £m3elnen gerichtlichen tDirflichfeit 3 u 6efinieren. 2lber ich habe 6ie ittögs
febweigt nic^t nur 6te tftoralpbilofopbtc, on lichfeit, 3$nm 6en (Sehalt 6iefes Begriffs auf eine unmittelbare
f 6ern auch 6ie Weta*
phyftf un6 6ie Pbilofopbie 6er (Berichte. t>or XOit ge6enfen
6em £o6e berrfebt 2lrt perjtän6lich 3U machen. fytutt 6er toten
6as ©Zweigen, tiefes Schweigen von Langemarcf. 3n6em wir ihrer
liegt über jebem (0rabe: es Sreun6e un6 Jlamera6en
tjt fein an6eres über 6em (örabe 6es Kriegers als über 6em (örabe ge6enfen, taud)t 6ie tt>ir flieh feit 6es trogen Krieges mit
6effen, 6er unter 6er (Öunjt 6es
Scbicffals einen fiebsigjahrigm »or uns auf. Stellen Sie fich x>or, wir
fehreefhafter IDeutlichfeit
Lebenslauf voütnbtn 6urfte. IDenn wür6en 3 u 6en toten Äameraöen alfo re6en: 6er ütrieg, in 6em
angefichts 6er unerbittlichen
<barte 6es £o6cs ijt 6ie IDauer 6es Lebens
nicht entfchei6en6: es 3hr fielt, war an fich ohne Sinn; wir wollen t>erfuchen, ihm
fann Oberflächlichkeit fein, 3u meinen, 6a§ 6er Bchmerj 6es einen Sinn 3U geben. XX>ür6e uns ba nicht 6asXX>ort in 6er Hehle
3öjahrtgen Sohnes über 6en E06 6es 701'ährigen Vattvs „ge* jteefen bleiben? Sie finö nicht 6afür gefallen, 6aj$ wir unfere
rmger" fei als 6er Schmers 6es ofähngen Prwatmeinungen un6 unferen privaten guten XX>illen an ihren
7 Katers über 6en £06
emes Sohnes t>on so 3abren. 3n 6er £06 anfnüpfem Sie fin6 für eine XPirflichfeit gefallen, un6 nur
äu&erften Sphäre 6es
menfchltchen IDafeins, wo es um 6as <San3e wenn wir uns 6urch fie hiu6urch an 6iefelbe XX>irf lichfeit ge*
geht, um jenes Sein
un6 Hichtfein, 6as mit uns gefegt ijt —
angefichts 6er €wig s bun6en fühlen, 6ann 6ürfen wir x>on ihnen un6 ihrem £o6e
fett
,
—haben Unterfcbeibungen wie „größer" 06er
„aerinaer"
0 re6en. £>eutfchlan6 h«ß 6ie XX>irf lichfeit, für 6ie fie fielen.
feinen pia§.
Hicht 6as empirifche !Deutfchlan6, wie es war, fon6ern jenes wirf*
Hicht nach6em a b f 0 1 u t e n Sinn 6es Krieges, nach 6em liebere un6 wahrere IDeutfchlan6, 6as in 6er £tefe unferer (öefchichte
6er
€tn 5 elne in feinen ftillften
Stun6en fragt, fann 6er (Eichichts* angelegt ijt, haben 6urch ihren Zob beftätigt. IDiefes ihres
fie
pbüofoph forfchen, fonbern nur nach 6em Sinn, 6er wirflichen (Dpfers, 6as für eine tDirflichfeit brachten, haben
6em Kriege fie
für 6te gefchichtliche (öemeinfebaft wir uns wür6ig 3U erweifen. 3hr £06 un6 jene tDirflichfeit,
3 ufommt, in 6er wir
leben. €s folgt aus 6em X)orhergehen6en, baj§ wir für 6ie fie fielen, ijt eins un6 6asfelbe: 6enn in6em fie fielen,
6iefe 2lnt*
20 JDer Gmn tee (Strogen Äriegce
3Der Sinn &es <Svo%tn Brieges 21

3eugten fic für bie XVirtlichteit jenes von ihnen gebauten ber ^mpirijt müffen vot ber XVirtlichteit bes Krieges t>erf agen —
IDeutfcblanbs.
gan3 gleich, ob fie biefeXVirtlichteit verbammen ober preifen. TEob,

Beine gefcbtcbtlicbe
Brieg, Heroismus finb burch moralifche Bategorien nicht 3U
fcatfacbe jtebt unverbunben neben ber
anbern. ©o
wie ber (öroße Brieg 3urüctweift in entfernte: f äffen, i£ine moralifche 33egrünbung bes ^elbentums ijt

3abrbunberte unferer Vergangenheit, fo weijt er vorwärts in fo wenig möglich wie eine moralifche Begrünbung bes böcbjten
unfere 3utunft. 2tus ben Arabern 6er Vergangenheit (Opfers, bes (Opfers bes Gebens. fcftan hat währenb bes Krieges
bauest bie
Srage: „...unb 3brS" IDiefes „unb 3b r" bat eine unbefebreib*
viel von „Pflicht" gef prochen, unb man hat babei biefes XVort
liebe tftaebt. £s ijt bte un3erretfjbare Bette, bie moralifch interpretiert. fcftan hat feiten baran gebacht, baß biefes
uns mit bem
Kriege verbinbet, eine Bette, bie ebenfo wirtlich XVort noch einen anberen ©inn hat: ben ©inn ber unb es
ift wie bie felbft*
verftänblicbe fcatfacbe, baß bie Väter unb mütter, Gröber
unb
b i n g t e n Verpflichtung —
nicht gegenüber einer fernen „3bee",

©cbweftern, Binber unb 25lutsverwanbten ber Eoten bes Brieges fonbern gegenüber ber XVirtlichteit, bie uns hervorgebracht hat
noch am Ubtn finb. Wir finb ber (Öefcbicbte unferes Voltes, bie
unb erhält, ben ©inn alfo einer übermoralifchen, tontreten Vers
biefen Brieg einfließt, niebt pflichtung unb Verbunbenheit. Von biefer Ttxt ijt bie Verpflicb*
würbig, wenn wir unferer (Toten
vetgeffen. JDer pbilofopbifcbe u tung gegenüber ben £oten. Unfer Verhältnis 3U ihnen tann tein
„3bealift rebet von einer Ver*
antwortung ber freien Perfönlicbtcit gegenüber einer „3bee". IDer moralifches mehr fein, es liegt in einer anberen
©pbäre.
pbilofopbifcbe 2lus ber Unangemeffenheit ber moralifchen 35egrünbung an bie
Realift bat einen anberen Begriff ber Verant*
wortung: er ftebt niebt in XVirtlichteit bes Krieges wirb eine ißrfcbeinung ertlärlich, bie
unbebingter Smbett vor einer felbjb
gefebaffenen 3bee, bie er 3U „verwirtlicben" bat, ohne baß es 3tmen vielleicht nicht unbetannt ift. Überall ba, wo <*>elbentum
tinen objetttven tftaßftab gäbe, wie weit er mit unb Brieg moralifch gerechtfertigt werben, mifcht fich ein fataler
biefer Ver*
wirfliebung getommen ift, fonbern er
Zon ein, hören wir etwas von Salfchheit, nicht von fubjettiver,
fühlt fieb bureb eine
XVirf lieb I ei t mit beftimmten maßfläben unb 21nforberungen fonbern von objeftiver Salfchheit. WXan meint es oft gut, wenn
gebunben. 3Die Verpflichtung, bie wir unferen Eoten gegenüber
man bie Zat bes gelben moralifch 3u rechtfertigen fucht, aber man
haben, eine metapbyfifcbe, niebt eine moralifche. wirb ihr bamit nicht gerecht. Bein tftenfcb tann mit m o r a l i *
ift
Hiebt wir
baben ibrem £obe einen ©inn 3U „geben", fonbern an uns fchen <J5rünben ben anbern 3um (Opfer feines Gebens bewegen,
ift
es, unf erem £eben einen ©inn
3u geben, inbem wir uns bes
fei worum es fei. 3mmer finb bie „moralifchen" (Örünb« Vor*
es

überempirifeben ©innes ibres £obes erinnern. bergrünbe. i£s gibt in ber moralifchen Tonart eine ober*
flächliche, eine „fchneibige" Begrünbung bes ^elbentobes, bei ber
2Cuf boppelte XVeift
tann bas Verhältnis ber Verpflichtung unb es einem ben dürfen hinunterläuft. Hur als Ereignis im i[ e b e n
ber Creue, in bem wir 3U unfern Eoten
flehen, gejtört werben. b e r V ö 1 1 e r tann ber Ärieg verftanben werben, unb auch als i£r*
IDurch bie Verwerfung bes Krieges, in welchem fie fielen, ober eignis im ileben bes €in3elnen tann er nur von ber (Sem eins
burch eine falfche Rechtfertigung biefes Brieges.
XVenn wir uns fchaft her verftänblich werben, ber biefer €in3elne angehört.
angefchloffen fühlen an unfere Eoten unb an bie
XVirtlichteit, JDiefe (Semeinfcbaft ift aber teine moralifche, gefellfchaftliche
bie fie burch ihr £eben befiegelten, bann werben
wir empfinblich (bie bas (Opfer bes Gebens nicht forbern tann)^ fonbern eine ton*
gegen jeben falfchen £on, gegen jeben 3rrtum,
auch ben wohl* trete, eine XVirtlichteit, bie im äugerften Salle bas wirtliche itbtn
meinenbften. XVir erf ernten, baß es nicht möglich
ift, t>om©tanbs verlangt, unb es verlangen b a r f, weil fie biefes £eben auch her*
punft einer mor aliflif eben ober einer empiriftif eben vorgebracht hat. IDer Sehler ber moraliftifchen Bcgrünbung bes
XVeltbetracbtung her ben Brieg 3U verfteben. IDer
tfloraltft unb Krieges liegt alfo tn bem unbebentlichen Übergang von ber
3Der ©mit öes (großen Jtrwgts

Sphäre öes Em3elnett unö öer tftoral $u öer Sphäre öer ßemein* öa$u geführt weröen, um
eine beftehenöe (Semeinfchaft nur 3«
unö öer (Sefchichte.
fchaft „erhalten". Schon fein Ausbrechen beöeutet suQltiä) öen An*
£>aber öas Unbehagen, öas wir bei jeöer moralifchen Stecht* bruch einer neuen oeit, eine Steigerung öer tftaßftäbe, eine Er*
fertigung öes ^elöentoöes empfinden — öaber aber auch öte höhung öes Scbicffalsbewußtfeins, unö eben öamit eine Er*
g e g e n öen
PetnUchteit, öie öer moralifch begrünöeten Agitation höhung öer Sorberungen an öie (Öeftalt öer ßemeinfebaft. fcttag

Krieg anhaftet. JDer Sefcto ift formal 6er gleiche: man gebt öie 3öeologie öes Krieges heute noch mit Gegriffen wie „Er*
unbeöenHicb aus öer Sphäre 6er für 6en Ein3elnen gültigen haltung öes Geichs" unö „t>erteiötgung" beftritten weröen; nicht
tftoralbegriffe über in 6ie Sphäre öes Hebens 6er VÖlhv un6 öarum ging es öer jungen (Generation, öie mit 33egeifterung hin*
6er Staaten, öas nicht 6en bekannten (öefetjen öes bürgerlichen aussog; nicht um öas empirifche 2>eutfchlanö, nicht um öiefes
Rechts, fonöern 6en unbtlannttn (Öefetjen öes Scbicffals unters Katferreicb finö fie gefallen, fonöern um ein innerlich größeres,
liegt IDort begrün6et man 6ie Eingabe öes Hebens moralifch, freieres, reineres IDeutfchlanö, um jenes #eicb, öas fie in fich trugen,
hier begrün6et man öie Erba
u n g öes Hebens um jeöen Preis
1 1 unö an öas fie trofc aller empiriftifchen Sfcptiter glaubten, man
moralifch. Aber öie Sttoral hat es nur 3u tun mit <5anölungen •
meine nicht, öaß jeöe „nationale" 3öeologie öem Kriege gerecht
innerhalb öes Hebens, fie tann über öas Heben nicht fyinaw* weröe. IDer immer nur öas 35e*
nationale Empirismus, öer
greifen, ö. h- fie *ann nicht öas (Dpfer öes Hebens f oröern, fie ftehenöeunö öas einftmals heftanöen habenöe ficht, geht an öer
tann aber auch nicht öas (öanse öes Hebens abwägen unö ungeheuren tt)ir Uicht eit öes Krieges ebenfo vorüber, wie
behaupten, es fei unmoralifch, fein Heben ein$ufet$en. Wo es jeöer Empirismus an öen Siefen unferes ^Däferns vorübergeht.
fich um öas Ö5an$e öes Hebens hanöelt, öa hanöelt es fich auch Auch auf öer Seite öer Gegner öes Krieges erfcheint öer Em*
um öen £oö, unö in öiefe Sphäre reichen öie begriffe öer pirismus, er fpielt ^ier neben öem fcftoraltsmus öie entfcheiöenöe
tftoral nicht mehr. 2*ollc. Empirismus ift es fchon, wenn man, ftatt öen Krieg
IDie. Verwerfung öes Krieges vom Stanöpunft öer tftoral ift unter gefchichtlichen Kategorien 3U betrachten, ftatt ihn als Er*
unmöglich, weil öie tftoral nur Soröerungen an öen Eisernen eignis 3U verfteben, auf öie Eigenart, öie Stimmungen unö
(teilen tctnn f öer Krieg aber nie öas VOtvt öes Eisernen ift. Entfchlüffe ein3elner Perfonen 3ttrüctführt. Es ift Em*
XX>enn man mit moralifchen (Örünöen gegen öen Krieg überhaupt pirismus in öer Eenöen3, öie tDeltgefchichte auf eine Sammlung
argumentiert, fo verwecbfelt man öie Sphären: man überträgt von Biographien berühmter — oöer berüchtigter 2Känner 3U*
begriffe, öie im Heben öes Eisernen ßülttgEeit haben, auf öas rücf3uführen. — Pfycbologifierung öer gefchichtlichen X>or*
£>te
Heben von (Semeinfchaften, öeren IDafein nicht öen (Sefe^en öer gänge ift öie eine Art öes Empirismus, womit öie Kriegs*
tttoral, fonöern öen (Sefe^en öes Scbictfals unterftebt. gegner arbeiten. JDie realiftifche Schilöerung ein3elner Kriegs*
Hicht nur auf öem XX>ege öes fcttoralismus, auch auf öem f3enen ift öie anöere. £>ie Seite öes IDämomfchen unö (Stauen*
tDege öes Empirismus ift öer Sinn öes Krieges nicht 3U haften wirö hervorgehoben mit Unterfchlagung öer heroi*
allein
cntöecfen. IDer moraltftifcbe unö öer empiriftifebe 3rrtum »er* fchen Seite, aber öas ift nicht genug: öas furchtbare wirö mit
binöen fich metft miteütanöer. XX>enn man öen Krieg öurch falt beobachtenöem Blid angefchaut, es wirö photogra*
moralifche begriffe ju rechtfertigen meint, öann weift man ge* phiert, unö erft öurch öiefe empiriflifche Behanölung erhält es
wohnlich auf öie empirifche (ßtftalt öer (Öemeinfcbaft hin, öie öie grauenhafte Starre, öie öiefe Art Bilöer fo entfe^lich macht.
öen Krieg führt, unö meint, um öie „Erhaltung" öiefer (fernem* Es ift unmöglich, öaß ein fcoter, öen man photographiert, einen

fchaft, fo wie fie ift, gehe öer Kampf. Aber ein großer Krieg, erfreulichen Anblicf bietet. XX>enn man öie Ztoten von Marathon
in welchem ein X>oil feine höchfte Kraft einfe^t, tann nicht photographieren fönnte, fo gäbe es fein „fchönes" 3ilö. IDaraus
3
24 2D«r ©iim 6cs (ßroßen JRrieges
3D«r &xm bts <Bto%tn Äritgcs 25
folgt aber nicht, daß der Äampf bei Marathon ein „Per*
brechen" war, fondern daraus folgt, daß ficht führen, wie fie vordem nicht möglich war. XPer meint,
fich Gefliehte nicht
das iSeben und die Gefchichte fönnen danach weitergehen, als
Photographien läßt. IDer anti*biftorifche Empirismus erreicht
feinen ^öhepunft darin, daß fei nichts gefchehen, wer meint, wir fönnten 6ie 6eutfche Ge*
er öen flnfehetn erweeft, er tonne
Gefliehte photographieren. 2lber die gerichtliche Größe ent3ieht fchichte heute noch fo betrachten, wie man fie vor 6iefem Kriege

Äamera. betrachtet hat, der ift von 6er ungeheuren XPirtlichfett 6iefes
fich der E)te Äamera ift ein typifch empiriftifches (Organ,
Eteigniff es ergriffen. £>ie Seit, wo wir 6arüber re6en
nicht
nicht die £infe, nur 6er Wl e n f ch fann eine Porftellung davon
geben, was fönnen, ift im 2lnjug. XPenn etwas Ungeheures vor unfern
erft
Gefchtchte ift. Äriege gehören in die Gefchichte;

nimmt man Ttugen gefchieht, 6ann erftarren wir, 6ann tritt ein Slugenblicf
fie aus oer Gefchichte heraus, fo haben fie feinen;
der Stille ein, bevor fich jenes Häufchen und jene Bewegung er*
Sinn, Hichts ift leichter und billiger als $u beweif en, daß ein
£rieg Beinen Sinn habe: es genügt da3U, daß man f elber feinen hebt, die einer Bataftrophe 3U folgen pflegen. £>iefe Stille
Sinn für Gefchichte hat.
dauert nun ins 3wölfte 3ahr. 211s £atfacf>e unferer Ge*
f ch i ch t e tritt der Große Äricg j e § t langfam in unferen geifti*
hiermit habe ich angedeutet, daß die metaphrfif4>e Betrachtung
des Krieges notwendig in die gcfchichtspbilofophifche hinüber*
gen Gefichtsfreis ein.

XPir feiern heute gerichtlichen Ertnnerungstag: den


einen
fü^rt. pbilofophie 6er Gefchichte fann fonfret nur von einem
beftimmten
Geöenftag der Errichtung des £>eutf<hen Meiches. IDiefes von
hiftorifchen (Drt aus getrieben werden, 6enn die
Bismarcf gebaute 2foich hat 3wet Generationen lang als die end*
Philofophie 6er Gefchichte ift nicht allgemeiner als 6ie Ge*
lieh eroberte p o l i t i f ch e (fttftalt des deutfehen Polfes gegolten,
fehichtswiffenfehaft, fondern fie ift fonfret er als diefe. IDie
Gefchichtswiffenfchaft wird einmal
tltit ^echt man einen Beweis für die Größe diefer £etftung
fieht
feftftellen, daß 6er Große
Ärieg einen XPendepunft in 6er Gefchichte 6es Abendlandes, un6 darin, 6aß der Bau den Stürmen der letjten |5 3ahre im
nicht nur des Zbtnblanbts bedeutet. Sie wird vielleicht genauer
großen und gan3en ftandgchalten h<*t. Zn nichts anderem aber
noch feftftellen, daß er 6en Wfchluß derjenigen Epoche 6arftellt, Bedeutung des Großen Krieges 6eut*
laßt fich die gerichtliche

6ie wir nach ihrem herrfchen6en Cypus liehet machen als 6aran, 6aß jenes Xeich 6urch 6en Ärieg in
6ie bürgerliche nennen.
eine weite Entfernung von uns gerüeft wor6en ift. XPir fönnen
Allein öiefe Seftftellungen fin6 für öen Philofophen 6er Ge*
in dem deiche Bismarcfs, 6as feinen Grunölagen nach bis 3um
nicht fonfret genug. Gefchichtsphilofophie ift nur von
fchichte
einem beftimmten Punfte 6er Gefchichte felber aus möglich, un6 heutigen Cage 6auert, nicht mehr diejenige Geftalt crblicfen, 6ie
dem XX>efen 6es 6eutfchen Polfes entfpricht» Hicht 6er äußere Bu*
ötefer Punft ift für uns IDeutfchland. Hur vom Sinn 6es
Großen Krieges innerhalb fammenbruch öiefes Meiches, nicht 6ie Hieöerlage ift entfeheiöend.
6er 6eutfchen Gefchichte fann ich
Entfcheidend ift vielmehr der innere Gehalt und die geifrig*
alfowahrhaft philofophifch reden, unö nur von 6iefem punfte
aus tonnen Sie mir folgen. JDas fchüeßt 6ie Beachtung eines politifche Geftalt diefes Meiches felbfi. 3ch fann hier nicht den
weiteren Umfreifes nicht aus, aber nur bürgerlichen Charafter des Bismarcrfchen Meiches, der
von IDeutfchlanö aus
fönnen wir 6iefen Umfreis überfehen. JDas ungeheure Ereignis fich hinter militärifchen Sotten verbarg und diefe Sonnen ent*

6iefes Krieges eröffnet uns Sichten, wie fie feit vielen 3ahr*
leerte, an einem fymbolifchen Gegen*
ausführlich fchildern. Tiber
fa^ fann ich andeuten, was ich meine. 2Der Staatsmann, der
hun6erten nicht mehr 6a waren. 3e6e ^elattvierung öes Krieges
diefes Keich gründete, hatte, nachdem es ftand, genug 3U tun, um
SU einem beliebigen gerichtlichen Ereignis, jeder Pergleich
es am JDafein 3U erhalten. Er hat nie daran gedacht, daß es nicht
mit einem Ärieg 6er legten Jahrhunderte lenft ab von feinem
Sinn. btftti^tn werde fönnen, wenn es nicht von einem eigenen
IDiefer gewaltige J&rieg muß uns 3U einer *?>öhe der Über?
Gehalt erfüllt fei, wenn es nicht getragen ift von einem
3*
26 tkt.&m fcea (Strogen Ärtegce 3D*r Sinn fces (Öroßen Krieges 27
Volte, 6as feiner felbjt unb 6er gerichtlichen ©teile, an 6er 6en tragif eben XV eg 6er Vernichtung geben mußte,
es fleht, völlig gewiß ift* €r bat ficb mit 6 er <Xra6itton tannaucb6enXX>eg6es2luf bausgeben. i£rft feit 6em
begnügt. U n f i cb e r b e i t war 6er innere (Cbaratter 6ief es Kriege wiffen wir, was wir finb. Xlnfer le§tes großes Ereignis
Deiches* 6as nach außen fo fieser auftrat Jtein anöeres Voll vor ibm war 6ie Deformation. Beit 6er Deformation bat
bat im 3abrbun6ert etwas erlebt, was 6em tiefen (Öcgen* JDeutfcblan6 teinen weltgefcbicbtlicben 2lugenblicf mebr gebabt,
fafc 6er beiden repräsentativen &>eutfcben 6es |C> 3abrbun6erts 6er ftcb mit ibr vergleichen ließe. i£s war eine Vertrrung, als
entfpriebt,6em (Öegenfa§ 3wifcben Cismar cl unb nte$fcb e. man glaubte, baß 6er Eag, 6effen wir beute ge6enfen, 6er
IDas beutfebe Bürgertum ift an nie$fcbe vorübergegangen, un6
?$. Januar, ein Ereignis von 6er inneren c^röße 6er Defor*
bat fich auch im (Beifügen an Bismarck gehalten. nie$fcbe bat mation gewefen fei. i£s war ein wichtiger €ag, un6 wir baben
6as gefpürt: fein heftiger Proteft gegen 6as IDeutfcblanb feiner wabrlicb Einlaß, feiner 3U ge6en!en; aber es war Eein (lag, 6er
Seit ftammt aus 6er £inficbt in 6ie (Öefabr, 6ie barin lag: ein Dicbtmaß für 6ie Sufunft in fid? enthielt, es war le6iglicb ein
hier war 6as „Deich" un6 6ort war 6er „töeift", hier ftan6 Eag, 6er uns 6as febwerfte Problem unferes 2)afeins gellte.
Bismartf un6 6ort ftan6 Hie$fcbe. i£s war nicht möglich, 6aß XX>ir haben 6iefes Problem nicht gelöft, wir haben es nicht ein*
fie jufammentamen, *s war nicht möglich, 6aß nie$fcbe $um mal begriffen —
6as 3eigte uns 6er XXMtfrieg. Zbtv er 3eigte uns
lieber berjenigen 3ugen6 wur6e, 6ie einmal 6en ^taat 6arüber hinaus einen neuen tftaßfrab 6er ^röße, einen ittaßjtab,
ihres Voltes bebenden follte. <?>ier liegt ein weltbiftori* 6en wir nicht mehr »ergeffen 6ürfen, wenn wir ni^t unferen
feber, nicht ein jufalliger (Öegenfa^ $weier Männer 3ugrun6e. Eoten 6ie ihnen gebührenbe Ehrfurcht verfagen wollen.
Äs fann etwas nicht richtig fein, wenn 6er größte pohtifebe XX)ofür fin6 fie gefallen? ©ie füi6 nicht gefallen für eine
unb 6er größte pbilofopbifcbe Genius eines VolEes einanber ©Ynaftie, aber auch nicht einen
für einheitlichen XXHrtfcbafts*
frem6, ja einan6er ausfcbließenb nebeneinan6er leben. Un6 förper, marimalen €rport, 06er für einen erhöhten
für einen
i>aß ttxoaB „nicht richtig" war, 6as mußte feber empfinden, XX>oblitan6. ©ie fin6 gefallen für 6as Deich, 6as im |3. 3abr*
6er als geiftiger menfeb in 6em £>eutfcblan6 6es Swiefpalts hunbert unterging, 6as im |6. 3ahrhun6ert 6urch Luther pon
3wifcbcn Bismarc! un6 Hietjfcbe aufwuchs. innen heraus neu gegrünbet wur6e, un6 6as im f 9. 3abrhun6ert
Sur Seit feiner Sreun6fcbaft mit XVagner, unmittelbar nach n i e § f ch e vov 6em inneren 2luge flehen
fah.
6em Äriege von |$7<>/7I, träumte ttie^febe mit XPagner 3u* Vom ©inn 6es XPeitfrieges re6en, heißt r»on 6er Vergangen*
fammen von einer bevorftebenben XViebergeburt 6es beutfeben beit unb 3 u l u n f t re6en. IDenn Vergangenheit un6
t>on 6er
(Öetftes. tftan glaubte an eine Degeneration von innen heraus, Sulunft gehören 3ufammen: tin Pol!, 6as feine Vergangenheit
6as j&unjtwerf von Bayreuth, 6as XVagnerfcbe mufitbrama, verleugnet, hat auch feine Sutunft. €ine SuEunft läßt fich nicht
follte 6er
(0run6jtein 6er neuen Epoche fein. abiytutt liefern. (Dhne fltaßftäbe 6er ^röße fann nichts Großes
XVeicber Unterfcbie6 3wifcben unferen Hoffnungen un6 wer6en; 6ie m<x%$äbt 6er (Öröße aber
liegen in 6er (Befcbicbte.
jenen Degener ationsboffnungen von Bayreuth! £>ie tDirf* IDaß 6er XX>elt!rieg unferen 23ücf nicht auf 6ie 3ahr3ebnte 3urü<fc
liebfeit, auf 6ie man 6amals baute, war ein JUmfhvert; 6ie richtet, fonbern auf 6ie 3ahrhun6erte, 6arin liegt ein gewaltiger
XVitflicbteit, auf 6ie wir bäum, ift 6ie unbefcbreiblicbe ZCat un* ©tun, un6 6arum 6ürfen wir ihn 6en Großen Jtrieg nennen.
feres Rottes im XVeittrieg. Eat war
IDiefe ja mehr als eine €r gibt uns tltaßftabe wieber, 6ie febon verloren fchienen,
„mihtärtfebe" Setftung. war eine Eat 6es
gan3en Voltes, Utaßjtabe, 6ie über 6ie (Segenwart hinausreichen unb allein uns
eine Cat, 6ie uns 6ie ungeheuren tftögucbfeiten, 6ie in uns 6as ^ineinwachfen in eine größere un6 freiere Sufunft gewahr*
fkefen, wieber erfcbloffen bat. iDiefelbe Äraft, bie hier Ceijten.
28 Ber <3itm bcs (Örofjen Briefes
0er Biwt tts (großen Krieges 29
£>et (Öroße Ärieg fübrt uns $uvüd $u 6en Ct u e II e n unf erer 3elne. 3m Gebiete ber Arbeit, 6es XViffens un6 6er €rfat>rung
<8tföiä)U. 3Die le^te (Duelle ift unfer VoIE. IDas XVort „Volt" bebauptet 6as Hilter feinen notwenbigen Pla§.
wtr6 fceute fo oft gebraucht, unb fo oft obne ©tnn für 6as (5c* tltan tut beute manchmal als muffe 3nftinft mit §orm*
fo,
betmms, 6as 6arin »erborgen ift. £>as Volt ift ntebt etwas, lofigfeit i6entifcb fein.
6as alle £age erfebetnt; wirf lieb faßbar wir6 es nur in 6cn Tiber es wäre ein 3uftan6 bes Verfalls un6 6er Entartung,
großen Augenblicken feiner (Öefcfcicbte. £>as Volt 6a, fagt wenn
ift 6er 3nftinEt niebt 3ur Sorm fän6e. 3nftinh un6 Sorm
£agar6e, wo man es in (Tagen 6er Hot o^ne Befinnen fuebt. fin6 aufeinan6er angewiefen: formlofer 3nftin!t ift gefäbrlicb,
tltan laßt beute 6as Volt $u rafcb reben, 6as Volt aber f priebt unb fann ins ^erftörerifebe übergeben, inftinftlofe §orm ift leer
langfam. £agarbe: „3n betreff eiserner (Befetje un6 einjelner unb 6aber obne XVert. XVenn 6er 3nftinft für 6ie <$vo%t 6a ift,
Maßregeln 6er Verwaltung bleibtfhtmm, wenn
oas Volt t>öllig 6ann ift aueb 6ie Aufgabe 6a, 6iefem 3nftinft 6ie §orm
man es aud? fltann für iltann einzeln angebt, unb von tttann 3U geben, bie feiner wür6ig ift.
für tftann Antwort erbält. IDas Voll benft als <3an$t8 nur
über <Öan$e." —
£>as Volt ift eine lebenoige (Babbelt. 3e6em
Verfucf? £rfaffung entfeblüpft oas £eben. €in
3al?lenmäßiger
Volt erhalt fiebGeburt un6 6urcb igrstebung. IDie (Se*
burefc
famtbett 6er Geburten eines Voltes wäbrenb eines beftimmten
Beitraumes nennen wir feine 3 u g e n 6. IDiefe 3ugen6 bat 6urcb
6ie £rsiebung in bie töefcbicbte ibres Voltes binein$uwacbfen.
3n (öefebic^te feines Voltes bineinwaebfen btbtuttt niebt,
oie
oen beftebenben 2>uftan6 6er JDinge unbebingt gutbeigen, fonbern
es btbtuttt: 6ie Wlaßftäbt t>crfteben lernen, 6ie ein Volt im
£aufe feiner (öeftfriebte als Zu&bvud feines XVefens ausgebtlbet
bat. IDie 3ugen6 ift 6er T£r$iebung bebürftig, aber fie ift niebt
ein totes (Dbfeft er3ieberifd?er i£inflüffe. IDie 3ugen6 ift 6er
lebenbtgfte ZCeil 6es Volles.XVenn es 6as XVefen 6es £ebenbigen
ausmaebt, 3nftintt $u b<*ben, bann ift 6ie 3ugen6 6efiniert 6urcb
6en 3nftintt. i£tne inftinftlofe 3ugen6 wäre eine 3ugen6 obne
£eben. Wie entfe^licb war 6as einfame £eben jenes Cannes,
ber nacb 6er 3ugen6 febrie, 6er fein ganjes pfcilofoplnfcbes XVerf
6em XVefen 6es 3nftinfts wi6mete, un6 3U 6em nieman6 tarn,
weil feinem Volte 6ie 3ugen6 fehlte. Hietjfcfces „Un3eitgemäße
33etracbtungen" fin6 an eine 3ugen6 gerietet, 6ie anbertbalb
fcftenfcbenalter fpäter in 6ie (öefebiebte eintrat.

3cb weiß fe^r wol?l, baß es niebt obne (Sefabr ift, 3ur 3ugen6
»on ibrem 3nftinft 3u fpreeben. erlauben Bie niebt, 6aß 6er 3n*
ftinft Arbeit unb Wiffen erfefcen Eann. i£s gebt ntebt o^ne
Arbeit unb XViffen, es gebt niebt ofcne batte fcftübe um 6as i£in*
30 Em afaiwmfc&t tftannerfcws 31

Stu6entenfchaft heute fich befin6et. tiefer 3ugen6, 6iefer ©tuöen*


tenfehaft fehlt eine Sorm, in 6er fie 6afein, leben un6 Wirten
lann, es fehlt ihr eine Lebensform, von eine fl£riftenzweife

3Daö afabemtf^e tttänner^aus eigener 3trt.~£>ic 6eutfche 3ugen6 lebt im £ril. Sie ift überallhin
verftreut, fie tritt 6a un6 6ort in £rfcheinung, aber nie in 6 er
Vottt&Q, gehalten unter btm Cttel „Die Erneuerung bts ftufcentifc&en Kaufes"
Zvt un6 tDeife, wie es ihrer Be6eutung un6 ihrer iltac^t tnU
auf 6er üertretertagung fces ^oc^f^ulrings öcurf^er Tlrt
Schloß 23oitjtnburg, fpricht. £>arin liegt eine (Öefahr: es tonnte gefchehen, 6aß
17. (Dftober jgso
6ie $ahllofen Einzelnen, (Svupptn un6 (Brüppchen in 6er XX>üfte
%n 6em £age, an welchem 6er !Deutf4>e Reichstag aufgelöft verfchmachten, mit 6er Beit ein (Dpfcr jener dächte
6aß fie
wur6e, an 6iefem 6enhvür6igen Eage unferer (Öefchichte, tarn
wer6en, gegen 6ie fie fich i'eftt mit prachtvollem Schwung auf*
ich aus zufälligem Anlaß nach 6er X>orlefung um $ Uhr aben6s
gelehnt haben, un6 6ie eigentlich )'e$t erft auf 6ie ihnen 6rohen6e
in 6as IÖres6ner ©tuöentenhaus. 3n 6cm Speiferaum war faum
Gefahr aufmerffam gewor6en fin6. 3n 6emfelben 3ahre, in
Pla£ 3U bekommen, einige Eifche waren von Barten fptelen6en welchem 6er Ltqmöationsausfchuß 6er herrfchen6en Bourgeoifie
Btuöenten hefe^t, im übrigen herrfchte 6ie fröhliche Unruhe eines
fein Eo6esurteil, 6en 3?oung*pian, unterzeichnet hat, in 6em*
öffentlichen ©petfelofals: man aß un6 tranc, man lachte ntr* — felben 3ahre fieht fich oie 6eutfche 3ugen6 vor 6ie Aufgabe ge*
gen6s f a^ ich ein ernftes töeficht, bemerke ich ein ernftes (Öefpräch. 3U organifieren. 3Die bei6en lgreigniffe gehören
ffcllt, fich felbjt
£ine ©tunöe fpätcr, auf 6em ttachhaufewege, ging ich an
zufammen. JDas 3ahr 1930 hat 6ie 6eutfche 3ugen6, 6ie in 6er
6em £aufe eines 3Dres6ner Äorps vorüber. Scharf un6 deutlich HachMegszeit heranwuchs, mün6ig gefprochen. JDie 6eutfche
orangen 6ie Eöne eines 6er ausgelaffenften £netplie6er, wie 3ugen6 verlaßt 6as <*>aus 6er X)äter fie grün6et ihr eigenes —
man fie an mein <Dhr. £s war 9 Uhr
in 6er fidulitas fingt,
^>aus.
abcn6s, un6 nieman6 wir6 es mir ver6enlen, 6aß ich mit Un6
t>on 6iefem <*>aufe wiK *<h heute Ttbmb re6en. $xoat
Bitterfeit zu meinen Begleitern jagte: So alfo fieht 6er 6eutfche 6em Bo6en
re6e ich von 6iefem <oaufe in 6er <£eftalt, 6ie es auf
Stu6ent an 6em Eage aus, 6er uns 6as wichtigfle politifche 6er ^ochfchule annehmen wir6. JDas ift nicht 6ie einzige (Öeftalt
Ereignis feit 6er Unterzeichnung 6es Vertrages von X>erfaWes t»on 6er (Seftalt
6iefes Kaufes, t^benfowohl lönnte ich Z»
gebracht hat.
6iefes Kaufes re6en, 6ie es auf 6em Bo6cn 6er 2)eutfchen Turners
Hicht im tiefen un6 Charafter 6er 6eutfchen 3ugen6 fuche ich
fchaft annehmen wir6. Bo verfchie6en 6er Äreis 6er ittenfehen
6en <8run6 für 6as 6emütigen6e Erlebnis, 6as ich foeben be?
ift, um 6en es fich öa un6 6ort han6elt, fo verfchie6en 6as ^>aus
fchrieben habe. 3ch mißtraue allen 6cnen, 6ie heute 6ie 3ugen6
6er Btu6enten von 6em £,aufe 6er Turner fein wir6 — 6ie
fchmahen, weil fie ihren Parolen nicht mehr folgt. 3n eben 6er Lebensform, 6ie in bei6en ihren 7(us6rucf fin6et, ift 6ie
Btun6e, in 6er wir hier verfammelt fin6, fpricht einer 6er gleiche; 6ie einzelnen Aufgaben fin6 verfchie6en, 6ie große *2luf«
bere6teften X>ertei6iger 6er bcftehen6en 3uftän6e, <?>ctr Thomas an n er *
gäbe ift 6iefelbe: 6er XX>ie6eraufbau 6es 6eutfchen tlt
mann, in Berlin tDorte gegen 6 ie 3ugen6, 6ie Sep* am 34. bun6es aus 6er 6eutfchen 3ungmannfchaft.
tember gewählt hat, fchmähenöe tX>orte gegen 6en 3nftinft un6
2Die Lebensform 6es Bun6es foll 6er 6eutfchen 3ugen6 fehlen*
gegen 6ie Begeiferung. Hein, nicht an 6er 6eutfchcn 3ugen6 habe
Tiber bün6elt es nicht an allen jgeten, ifl es nicht 6er „bün*
ich gezweifelt, als ich an jenem 2lben6 nach <oaufe ging, un6
6ifche (0e6anfe", von 6em man fo viel gesprochen hat, 6aß man
auch nicht an 6er 6eutfchen ©tu6cntenfchaft. Tiber ich fan6 6as heute fchon gar nicht mehr 6avon re6en 6arf> IDer bün6ifche
Erlebnis fymbolifch für 6ie Lage, in 6er vor allem 6ie 6eutfche Bun6
<öe6anfet tt>ie bezeichnen6, 6aß man 6en fofort in einen
32 2xts ttEatemtfcfc männttfaw
£><» aEßi>cmif(*e ittänrnr^aus 33

»?r», •* T'l'
ni * 1 f<*' : £» l0mmt «f tDunfc^ un6 XX>iUc finö lebentog, 6as wtr6 t>urc^ bic Un$af?l
„«He 0)u„f*e" immer „o* p itI beffer lft ats ci „
erfütlt,
* öcr Hemcn Sünöc bewiefcn; 6as Pulperfaß ift 6a, es fe^lt öer
Mog Sunfe. Suchen xoiv su erlernten: warum wir
mb W |>aben !ein btuU

»
b<t " n "««ff*«
Ii ltl '*
®eöanfe! Xüas für
t•
«m öeutf«es e^irffar ift ts
»erwanöeln lägt
ba8 me alUs .„ timn
- felbft öer Staat, öiefe grögte alt«
£ f4>es tHanner^aus, xx>arum fabelt wir Turnvereine, aber feinen
öeutfe^en Eurnpia£, warum ^aben wir @tuöenten|>aufer unfc

^«rll,<t,f«ten )
Korporationen, aber fein afabemifc^es fcttännerfcaus?
«>irö in ©eutfcpianö 3 „le 6 t erfeVöureb "en £)er itTännerbunö oer Sru^3eit, aus welchem öer urfprung*
Staatsgeöanten. «in Staat entfielt
nicbt öureb Möge <Se*
öanten unö au« ni^t öut* Möge üc^e @taat ^ervorge^t, ein Öfebilöe von ungeheurer Wiää)t\Qhit
©efinnungen, er ift ein «r* unö J&raft, entfaltet fic^ gegen eine XX> e 1 1 t>on Sein öen.
(D^ne öag (Gegner uberwunöen weröen, olme öen Sieg über öaö
.(i ötejemge ö.e ,„ tittm 25 un6e frcier j,^' Cfcaos gibt es feinen ©taat U>enn man in öen legten 3afcr*

öarf ber ittannerbunö aufboren hunöerten an öie (Örtinöung eines „Sunöes" ging, fo ftellte man
müffe. Ber »unö
»lanner Sann »erfcMeöene $ormen
öer freien es fid) atlsu leicht r>or. man meinte, mit öer Bereinigung von
annehmen: wir finb auf öem
U>ege, neue Jormen „(ßutgefinnten" fei es f4>on Qttan. Zbtv unter öem @ti4>wort
3 u entöecfen. flufbrecbenö geöenten
>mer Banner, öie f*on fo!d, e wir „Bereinigung öer töutgefinnten" finö £>inge möglich, öie mit
Wege fügten. toi ift wicL öem, was w
i r wollen, öie mit öem Staate nichts ju
uns beute Sriebri* *uö«,ig ftyaffen
3a<m, wie lieben wir «TSSU2 haben, ja ihm entgegenwirken, wie ein weitverbreiteter 33uni>
mit (öeheim^arafter beweift. IDer echte 33unö ift fein moralifcher

«nntoftt.TOD« Berein ju irgenöwelchen oweefen, fonöern eine Realität, öie


teuer ift uns bieErinnerung an bie erfte |eit einen bt^immttn^ realen, gefchichtlichen (Segner vorausfe§t.
6er 3«genbbe«,eg„„g mb bit Erinnerung an bie Sreitorps. alle
2'^" »f* **
nur öeUbenert, fonbern
gebanbelt.
5 f" organifiert;
Wie
Jmben ni«
ffe

tmf«ei„bar ift ö!r


„3eöe großartige Tatigfeit, fagt ^anfe einmal, erwächft in öem
mitgefuhl mit öen allgemeinen <£>egenfä$en, welche öie tDelt
immer entzweien; fie entfaltet fich inmitten öes Kampfes öer
«MWfl 3abns *« f enbeiöe, unb bo* war es bie ©rüm
,n bie
öung emes 3e,*s. Wie unf*einbar vorherrfchenöen Gewalten." £tn öeutfeher Jltannerbunö, öer
war bie XDinöfacfe öer
3uge„bbeW egu„a -
„ no öoeb war fie ber ficbtbare,
lebenbige
(Sröfe hat, fann nur entftehen im Kampfe gegen eine „vor*
herrfchenöe (Öewalt", öie ihm entgegengefe^t ift. i£r wirö immer
6t " gegen bas bürgerliche »eöürf»
«l
ms „a* Setuntat Bie Sewegung 3ab„s „„6 ber
öas tgr$eugnis einer XXMtnot fein. IDiefc „vorherrfchenöe <öe*
Urburf*e„ 5
VZ mWY
walt" ijt nicht eine tftaffe von chronifch Übelgefinnten oöer 2508*
tfam
ft
C

t
fentunentalen
W P01*» «««^
öie 3uge„öbeweg„„g
willigen. tflan macht es fich $u leicht, wenn man öie (Srenj*
3nöwibualismus geftotben. Sie (,at öen
Knie auf öas „moralifche a (Öebict verlegt: öamit entfchwinöet öer

2 ,uT 3um staat 1,14,1 flefun6cn » tt8


T
öag fie niemals e.nen wabren
»unb beroorgebrac&t hat. Hur
£rnjt öes Kampfes. Keine hiftorifche macht ijt öurchaus böfe.
IDie XBeltgefchichte
.« be 3 „j.auf öen Staat ift nicht öer ^iamvf öes guten unö öes;
gibt es einen »„„ö b!r
mcbts obne eine poIitif4>e 3öee. ; »unö ift 1 böfen Prin3ips, fonöern öer Schauplafc öes Kampfes relativ
berechtigter tftächte gegeneinanöer. £>er Jltenfch verliert öie tln*
VOat mtn m" f eutt «n Cbaos leerer oöer fentimentalet
„ T,
Äraft u„rV
n Ste,Ie ei " t8 flr ° 6en
Eft unö »ege,fterung
* '
erfüllten öeutfeben
Se/btoaut
«lännerbunöes?
- ficherheit unö öie 2lngft nicht öaöurch, öag
gut halt, öafj er meint, auf öer ©eite öer töuten fchlechthin ju
fampfen, fonöern öaöurch, öag er weig, wohin er gehört,
er fich für abfolut
34
35
dag er wetg, in welkem Verbände 31t fämpfen das Schicffal
ihm befttmmt h«t. bunde ift, dag er feine Mitglieder t r ä g t, dag er fie hält, ersteht
tPcnn heute die Stunde gefcblagen ^>at — und
es ift meine
und formt. XX>er einem bunde angehört, der tritt nicht nur einem
fejte 8ber3eugung, dag fie gefchlagen h«t -
Stun6e, in 6er
die
Metnungs* und töefinnungsfyftem bei, fondern einem Lebens?
6er 6eutfcbe Männerbun6 fich aus 6er Eiefe unferes Seins unb
fyftem. IDie Schwierigfeit befteht heute darin, einem folchen
tDefens neu er3eugt, bann wkb Lebensfern beizutreten, wahrend 3ugleich ein anderes, ihm ent*
in 6iefer Stun6e auch 6er
(Segner gegengefer^tes, in voller Geltung ift. tOk ungeheuer ift die
6eutlich vor um flehen muffen, 6en 6er Männerbun6
uberwin6en mug, bevor Schwierigteit dann, wenn die Macht diefes cntgegengefetjten
er f e i n f ann, in 6effen »efiegung er fi<|>
recht eigentlich fonftttutert. S?ftems fo groß ift, dag fie gar nicht mehr empfunden wird,
IDiefer
6te bür* Gegner ift
gerliche Lebensform. 3n 6em Slugenblicf, wo wir dag ihre Anerkennung eine Selbftverftändlichfett 3U fein fcheint!
IDeut*
fchen erfannt haben, 6ag bürgerlich, oag XDcnn man bisher 3U einem bunde aufrief, fo gefchah es in dem
„mban" werben heißt,
von unferem Lebensgefetj abfallen, inwiefern Sinne: es ift nichts da, es iftwir muffen etwas
alles chaotifch,
flugenbiief ift auch
6er 6eutfche Männerbun6 wte6er geboren. fchaffen. SDas ift 3rrtum! Es tft etwas
ein verhängnisvoller
da, etwas fehr Mächtiges, ein Lebensfern, dem wir ver?
IDer Äampf gegen 6ie börgerliche (Öefellfchaft un6 6ie begrün*
6ung 6esbun6es fallen find. XX>ir werden nur etwas fchaffen, wenn wir das, was
ift bei uns dasfelbe. £>ie bisherigen X>erfuche fin6
weil da ift, erfennen und bekämpfen.
gefcheitert, fie auf 6em 25o6en 6er bürgerlichen Lebensform
unternommen wur6en. XX>as da ift, nenne ich *>as Zebem* und E^iehungsf em der
urbanem bo6en muffen 6ie Männer*
2tuf
bun6c 6ahinfcbmel$en wie Schnee auf (Sief eil fchaft. XHele 3deen erheben heute den 2lnfpruch, den
glühen6en Steinen. Es
nu$t nichts, wenn wir heroifche XT>unfchbil6er 6ichten, un6 nicht Menfchen 3U er3iehen; in XPabrheit aber wird er durch *>ie (Se?
wiffen, was wir morgen tun fotlcn. Huf ^an6!ungen fommt fellfchaft exogen. 3Die töefellfchaft ift heute fo machtig, dag fie

es an. Ehe manner un6 6ie £ugen6en fin6 vorhaben, auch diejenigen Einrichtungen, die urfprünglich durchaus nicht
6ie $ur
Schaffung 6es bun6es nötig fin6. 2lber 6er Gegner gefellfchaftlicher Hatur find, wie Samtlie und Btaatf fich unter?
hat ein
ganzes Syftem von Einrichtungen, ein ttrfcnal wirft. Es gibt heute weder eine Samiliener3tehung noch eine
von X>erlochmgen
5ur Verfügung. IDaraus wächft
ihm immerwährend Äraft
Staatser3iehung, fondern lediglich eine Eichung durch sie (St*
3U, un6 fo wir6 feine Lebensform
wieöer un6 wie6er 6urch 6ie* 3<h nehme das tDort (Sefellfchaft hier auf, ohne es
fellfchaft.

jenigen betätigt, 6ie ihr näher 3U definieren. Unter (Sefellfchaft verftehe ich den Lebens*
6em tt>efen nach wi6erfprechen.
IDer XV i 6 e r f p r u ch iftnun *u organifteren. nicht 6er E i n * 3uftand, der in der tonangebenden ftädtifchen „guten (Gefells

$elne fann wi6erfprechcn, nur ein fchaft" gipfelt. JDas 3deal der ^»efellfchaft ift der gebildete und
Lebensfern wi6erfpricht
mit Erfolg einem Lebensfern, nur bebende Privatmann.
eine IDafeinsweife fann eine
an6ere IDafeinsweife aufheben. IDer betrachten wir den t£>eg eines jungen IDeutfchen von heute,
(Segner hört fich hcroifche
IDeflamationen im Hotfall gern an. alfo eines heroifch veranlagten junQtn tltannes durch &en gefeit
Unruhig wir6 er erft, wenn
6ie hergebrachte IDafeinsform, 6te fchaftlichen ^uftand. IDie Samilie ift leine er3ieherifche Macht mehr.
nur fcheinbar etwas Imgerliches
tft, 6urch „Heine, abweichcn6e Handlungen" IDer wahre Er3ieher ift die bürgerliche Pofition. IDie bürgerliche
inSrage
geftellt wir6
(ttte$fcbe). IDenn in wiefern 2lugenblicf fleht nicht (Öefellfchaft h«t die alten Stände in fo3tale Schichten aufgelöfl.
mehr begriff
gegen begriff, Ideologie gegen 36eologie, Einer fc^ialen Schicht aber wohnt feine wahre er3ieherifche
fon6ern tt>irf*
Itchleit gegen Witt lieh feit, ein Äraft mehr inne. JDurch alle fo3ialen Schichten hindurch waltet
Erjiehungsf yftem
gegen ein an6eres Er 5 i ehungsf y ftem. JDas Entfchet6en6e am
die nämliche er3ieherifd>e Macht: die Macht der (ßefellfchaft. %n
die Stelle der alten ftändifchen Gliederung und der ftändifchen
36 3Däs afoteroift&t Wlätmttb&w 37

£r3iehungsfvfteme ift bie gefellfchaftliche Umformität getreten, von außen Bennen gelernt hat, neben 6er er bisher gelebt h«t,
bie in ber Schäfcung von (Öelb unb Bilbung ihren 2lu8* plötjlich unmittelbar gegenüberfteht &v tritt ein in 6en von
brucB fmbet. £>as Biel ift für alle bas gleiche: viel verbienett* fchwirrenben (Sefprächen erfüllten Salon. S™uen, jüngere un6
gut angesogen fein unb mitreben tonnen. ältere, werben auf Um aufmertfam, hin un6 wieber wibmet ihm
£>ie Samilie ift auf bem Bobcn des gefcllfcbaftlichen Buftanbes vielleicht auch einmal ein mann für eine Bur3e Beit einige
nur noch eine moralifche Bereinigung 3wifchcn freien Per* iufmerBfamfeit. Perfönliche Be3iehungen, pftcfcologifc^e ^e*
fönen. Sie wirb nicht von 6er 2Caffe, von ber X>oiBsgemeinfchaft, fc^ictlic^Beit fin6 auf 6iefem ParBett au8f4>laggeben6. 3n 6tefem
von ber Katar un6 von 6er töefchichte her gefehen. IDie ~&u Britif4>en TlugenblicB trennen fic^ 6ie 3ünglinge in 3xx?ei *oöwfen:
3iehungen aller Samiüenmitglte6er jueinanöer werben fo3ial* 6ie einen begreifen fdmeller o6er langfamer, xoa& ^ier verlangt
moralifch interpretiert, bas Verhältnis von mann un6 XDtib, xvir6: fie 3ie^en fic^ richtig an, fie gebrauchen 6ie richtigen 33e«
Altern un6 Äinbern, (Öefchwtftern un6 t>erwanbten 3ueinanber griffe, fie loben 6ie richtigen ^ücber, fie f<fcmeid?eln 6en richtigen
wirb nicht als ein objeBtiv^fittüches angefehen, fon6ern als ein männern un6 nähern fic^ öen richtigen Sr^ucn. Sie wiffen fic^

fubjeBtivsmoralifches. IDaburch werben S<*milte un6 Sippe ihres €inia6ungen 3u verftyaffen, fie wiffen, xvelc^e XX>eltanf4>auung
Schwergewichts bttaubt f fie verlieren ihre macht, unö 6amit man in 6iefem o6er in jenem Salon im Unopflocfr tragen muß,
ihren er3iebedfchen Einfluß. Soweit fie überhaupt noch Einfluß fie haben 6ie ^olle 6er $tau in 6er (öefellfcbaft begriffen, ihrer

haben, verwettben fie ihn im IDienfte 6er (Sefellfchaft: eine gute Karriere fleht Bein ^>in6erni8 mehr entgegen.
Ätnberftube bereitet auf eine mühelofe Utfbcbn in 6er „guten" 1^8 gibt einen Vornan, in welchem 6er tDeg eines folchen
(Befellfchaft vor. ©er &taat mit fetner <3>röße un6 mit feinen jungen mannes 6urch 6ie ^efellfchaft mit meijterfchaft ge*
Sor6erungen liegt außerhalb 6es (ÖefichtsBreifes biefer 6em (öeift fchil6ert wir6. €s ift ein Blaff ifcher Vornan 6er §ran3ofen:
6er töefellfchaft verfallenen Samilie. 3m
fri6eri$ianifc^en Staat Slauberts „Education sentimentale". €in anberes 35eifpiel ift 6er
beftimmte b e r S
t a a t bie (Sefellfchaft, 6er J&öntg al8
Heerführer Vornan von maupaff ant mit 6em ZittU „Bei ami". 3n 6iefen
war 3ugleich 6er höchfte
Richer, un6 6iefe £r3iehung8macht Romanen wir6 6argeftellt, wie 6ie Srau 6as SchicBfal 6es in
brang bis in 2lbelsfamilie ein. Heute beftimmt bie (8e*
6ie 6k (Sefeilfchaft eintreten6en jungen mannes beftimmt. Sie fin6
fellfchaft ben Staat, un6 wirb auch bie gamilie ju einem
Eeil auf einem ^o6en erwachfen, 6er 6ie Lebensform bes "Bunbes
6er (Öefellfchaft. Schließlich wirb fogar bas Samilienieben
im nicht Bennt. Bei uns xven6et 6er 3üngling
heroifch veranlagte
engeren Sinne, bie i£inteiiung 6er Bimmer ufw. gefellfchaft* fich ab von er fucht 6en gleichaltrigen unb
6er (öefeUfchaft;
liefen ^ücBfichten geopfert. ben älteren Sreunb, er fucht ben Äameraben unb ben
3Der junge mann, 6er heute aufwächjt, von 6er Samilie erhalt Sührer, ben meijler unb bas Dorbilb, er fucht ben
feine Ziehung im Sinne 6e8 Staates, fon6ern im (Gegenteil Bunb. XPas wirb ein 3üngling erfahren, ber mit einem fo
erfährt er hier bie erften beftimmenben £inflüffe im Sinne
6er befchaffenen ^er3en in bie gefellfchaftliche XX>elt hinausgeftoßen
<0efellfchaft. 3ft er 6er Anlage nach für 6en ntänmvbunb
be*
wirb 5 i£r wirb un fich er werben, er wirb fich in einem
ftimmt, fo wächft er $imä$>ft ifoiiert unb frem6 in feiner
Um* vergeblichen Kampfe aufreiben, er wirb fruchtlos fuchen, 3iellos
gebung heran. i£r vermißt etwas, ohne es nennen 3u Bonnen. bauen, unb fchließlich verBommen, entweber inbem er unter bie
Solange er Bnabe ift, ttbaut er fich noch feine eigene XXMt. X>er* töefellfchaft h i « <* b f t n B t ober i n ber ($efellfchaft au^ttiQt
Bapfelt in 3n6ianergef#td>ten, J&ricgsabenteuer lebt er bahin. £>ie Lage bes jungen mannes, ber ein heroifches *?>er3 in ber
E)ann aber fommt 6er 2tugenbltcf, wo er mit 6er großen VOtlt in 33ruft trägt, tft heute bie furchtbarfte, bie e8 gibt. &t muß
Berührung tritt, xoo er fich 6er (ffefellfchaft, 6ie er bisher nur ein (ÖlücBf ucher werben, nach Befi$, Bilbung unb fchönen
38 39

Srauen ftreben, oöer er muß c infam bleiben, reftgnieren fehlt, welches öer #unö ift, gibt es feine Ziehung 3um ©taat
oöer ftch in vergeblichen Verfuchen verehren. «£s fehlt ihm unö öurch öen ©taat. Hein verräterifcherer begriff als öer 33e*
öte Lebensform öes 25uriöes, ohne öie er ni4>t geöeihen Bann. griff „ftaatsbürgerliche i£r3iehung"l s£r fpricht unbewußt öie

Unter öem Anhauch öes gefellfchaftlicben (Beiftes fterben alle XVahrheit aus: es hanöclt fich um eine j£r3tehung 3U öer bürger*
Lebensformen, öie auf öem Verhältnis von fcftann unö tftann liehen (Öefellfchaft, öie fich heute mit öem ©taat iöentifi3iert
berufen» JDenn öie (£>efellfcbaft hat öie 3öeologie öer ,,4>uma« fltan reöe einem kriechen von ftaatsbürgerlicber 33ilöung!
nität", fie fennt nur „fcltenfchen", nicht fcttann unö XVeib; in tftann fteht öa neben fcltann, ©äule neben ©äule: öas ift öie

öer (öefellfcbaft bewegen nur fcftenfchen, hier gibt es feinen


fich ©chlachtreihe, öas ift öer Eempel, öas ift öas Heiligtum, öas
Unterfchieö 3wifchen fcftann unö XVeib, 3wifchen 3ugenö unö ift öer ©taat.
Hilter. i£in €anjfaal, in welchem fich öie töefchlecbter unö moöerne XVelt ift eine XVelt ohne Steunöfcbaft. Kecbt
IDie
öie Lebensalter mifchen, ift öas Abbilö öer uniformierenöen (35es verftanöen ift öas eine erfchöpfenöe (Ebarafteriftit öiefer XVelt.

fellfchaft. €s gibt heute taufenö Stätten, wo tftann unö XVeib Verfolgen wir öen Weg unferes jungen Cannes weiter: als was
fich treffen fönnen: neben ©alon unö Ean3faal öas Baffee* tritt ihm öer anöere tftann entgegen 5 Als Littel 3um Bwecf, als

haus, öer £ennisplat$, öas Theater, öer Äon$ertfaal, öer Vor* (Öefcbäftsfreunö, als College —
alfo als etwas (Öleichgültigcs,
tragsraum ufw. Aber es gibt nicht eine ©teile, wo 2TCann oöer als ü i v a l e im XVettftrett um ein XVeib. IDiefer XVettftrett
neben fcftann fleht, wo tftänner 3ufammenfommen, öie jungen hat öie Oigentümlichfeit, öaß ftets beiöe unterliegen, öenn öer
mit öen jungen, oöer öie jungen mit öen älteren $u feinem anöem ©ieger verliert ebenfo wie öer 23efiegte — feine 3eit. ©chwache
3wecf, als weil öas fo fein muß. Hur bei Auffichtsratsfitjungen Haturen weröen öurch oie €rotit aus öer XVelt öer männlichen
unö anöeren ernften Angelegenheiten, wie (Öefchäftsgrünöungen Ziehungen gän3lich abgeörängt. ©ie verfchwinöen vom ©chau*
unö sliquiöationen, finö tttänner beifammen. Aber öann finö platj, nachöcm fie geheiratet haben, oöer fie gehen unter in eroti*

fie nicht £ft ä nn e r, fonöern „Opponenten öer XVirtfchaft" oöer fchen ^5e3iehungen. IDas erotifche Verhältnis tritt an öie ©teile
etwas ähnliches. Überall fonft vertümmert öas Verhältnis öes Sreunöfchaftsverhältniffes. IDas fcheint wenig, öas ficht aus
jwifchen unö
tffcann fcftann. XVie locfer ift öas Verhältnis wie ein bloßer Unterfchieö 3wcier pfychologifcher Zyvtn — aber
3wifchen ©chüler unö Lehrer, wie unglaublich locfer unö ober* es beöeutet viel mehr. IDenn öas Sreunöfchaftsverhältnis hat
flächlich insbefonöere öas jwifchen fyofyföükx unö ^ochfchuls eine Ziehung 3um ©taate^ öas erotifche Verhältnis nicht. 3n
lehrer. XVo blüht noch öas Verhältnis 3wifchen fcttetfter unö feiner Utot über öie öeutfehe ^epublif hat Thomas tltann öie
(ÖefelleS XVas blüht, ift öas Verhältnis 3wifchen Kollegen unö £)emofratie als eine erotifche Angelegenheit öefiniert. ©ie tann
(ßefchäftsfreunöen, öas völlig in öie ©phäre öes (Sefellfcbaft* jid? in öer (Tat nur öa erhalten, wo öas XVeib unö öie 25e«
liehen fällt. XVie vertümmert ift hwite öas Verhältnis öer 3iehung 3um XVeibe vorherrfchenö ift, niemals öa, wo öie Sreunö*
Sreunöfchaftt XVohl gibt es ein3elne S^eunöfchaften, aber öte fchaft berrfcht. XVeil öer IDeutfche wef entlieh friegerifcher Hatur
Sreunöfchaft als Lebensverhältnis vermag nicht ift, weil er tftann ift, weil er für öie Si*im&fcbaft geboren ift,

3U geöeihen, fie ift auf öem 2toöen öer (Öefellfchaft $um Aus* öeshalb fann öie Bemofratie, öie in ihrer legten Äonfequen3
fterben verurteilt. IDenn S**unöf#aft ift etwas anöeres als eine öa3U führt, öaß XVeiber über Männer richten öürfen, niemals in
perfönliche Liebhaberei. 3Die Sreunöfchaft als Lebensform geöeiht ©eutfchlanö geöeihen. (3ch erinnere an jene $xcty Lüöers, ehe*
nur mit 35e3ug auf öen 23unö unö öen ^tetat i£s gibt feine malige öemofratifche ^eichstagsabgeorönete, öie gegen öie Arn*
Sreunöfchaft ohne Vaterlanö, aber auch fein Vaterlanö ohne neftie öer fog. Scme*3nhaftierten geftimmt h^t.) S«*iücb ift mog*
Sreunöfchaft. XVeil öas verbinöenöe tftittelglteö 3um ©taat lieh, öag öie IDemofratie trotjöem herrfchenö wirö, öa§ fie fich

4
40 2Do& ötafcetmföe fltöimetbtma
2Das öfatemifd* ittännertmus 41

3war gan3 öurebfetjen rann, aber öoefc J&raft genug be*


triebt
lieben, auf öen S t aa t geriebteten Lebensform 3U entwöhnen,
bält, um alle Anfärje jur Entfaltung öes männerbunöes 3U
uns öureft Urbanifierung unfid?er unö fcfcwacb 3« machen.
unterbinöen. IDas ifl öer Buftanö in IDeutfcfclanö bis $um 3al?re
?950 gewefen.
XX>ir b;aben unfern jungen mann in öem Augenblick »erlaffen,

XX>enn Sie öie Semmiftenmg fluöieren trotten, wo er vov öer tt>afcl flanö, im pinliflertum oöer in öer tSrotit 3U
öie mit öer
öemorratifeben
x>crfinf en. üx f u cb t öen XX>eg sum ®taat, aber öer ift wie per*
(Befellfcbaft *>erbunben ifl, öann fluöieren Sie
öie 3öeologie unö Prärie der fo3iaföemofratif4>en Partei in 3aubert, unauffinöbar. tt>elcbe unfaglicbe mübe b^ben ficr;

SDcutfcblanö. IDicfc Partei ift niebt 3ufäilig 3Ugl«cb ein Pro*


€in3elne in öen legten 3<^ttn um öen Staat gegeben. XX>arum

paganöabüro für Ausbreitung ift altes »ergeblic^ gewefen? i^s fehlte öie fcaltenöe Sorm,
erotifefcer 25e3iebungen: fie unter?
ftürjt Zeltlager öer bälbwücbftgen 3ugenö, in öenen 23uben
öie jene Arbeit iii fieb unö weitergegeben batte.
aufgefpeic^ert
unö
mäöel bmd)änanbtv Vorträge unö Tagungen fönnen niemals öas ^aus unö öen
Hegen, fie i?at einen Arbeiterfportoerein ge*
grünöet, öer öie IDeutfc&e fcurnerföaft x>erörängen foll, unö ©er
B u n ö erf etjen. 3ene mü^er>olle Arbeit b<*t 3. niebt aufhalten
tonnen, öaß öie öeutfebe Stuöentenfcbaft unö weite Äreife öer
bei großen Peranflaltungen grunöfä$li4> nur mannlein unö
XDeiblein gemifc^t jeigt Eine X>erfammlung x>on männern obne öeutfeben 3ugenö tjtutt immer noeb in (Sefabr febweben, XV i r t *

f ä) a f t 3U meinen, wenn fie Staat fagen. 2Denn öarin t>ollenöet


Srauen, öas bat öiefe Partei begriffen, ift gefäfcrftcb. Hocb niebt
wie fieb öie i6r3iet;ung, öie öie (Öefeilfcfcaft öem jungen manne gibt:
begriffen fcat fie, läcberlicb es ift, wenn fie trorjöem gelegente
her; it>re „männer" ju fammeln fuebt — öie Säcberlicbfett öes
öaß fie ibn 3um Perebrer öer „XPirtfcbaft",
3um
öer materiellen
Profperität maebt. 2)ie ^efellfcbaft tenöiert ICDo^lftanö, öer
Keicbsbanners bleibt ibr noeb 3U entöecten. 25eobacbten Sie
öas X>orörmgcn öes tDeibes in öer öemofratifeben ^epubltr, junge mann, öer öer (öefellfc^aft perfallen ift, will gut leben.

unö Sie wiffen, was öie bloße Eatfacbe öes männerbunöes £>er Solöat lebt anfprucbslos im
S^uno*, öer
Äreife feiner
€rotiler brauebt (ßelö. IDie (Öefellfcfcaft weeft 3uerft öas #e*
beöeutet £s ift 3. fein Zufall, baß öie nämlicbe fötal*
öürfnis nac^ materieller Äultur, unö balt foöann öenjenigen, in
öemorratifc&e Partei politiftyen unö gcifltgen Anfcbluß bei
Sranfreicb öem es wacb geworöen ift, an feinen XDünftyen fefr. £)enn
fuebt: in Sranrrcid? gibt es einen männerbunö
öiefe tt>unfcbe finö nur öureb <J5elö 3U befrieöigen; öas (5elö aber
unö öie Sefcnfucbt öanacb niebt. IDie fran3ofifcbe Äultur fcat öie
»erwaltet öie <S5efellf4>aft.
©icberbeit, öie Scbonbeit unö öie ffcptifclK müöigfeit eines
uralten 2>unlifatkms3uflanöes, in welchem öie §rau öominiert. So ifr öer junge mann, obne öaß er es merrt, Pa3ifift ge*
3n Stantreicb lönnte niemals öas f>ttv als ^iebungsbuttö woröen. IDenn öie ^efellfc^aft b;at öas 3eöürfnis nac^ Sefurität,
t>olf unö Staat repräsentieren wie bei uns. £)er Sta^ofe ifl fie will, öaß öie (Sefcbafte fieb rubig unö fieber abwicteln. 2)er
geborener 3wilifl, wie öies ein öer öeutfeben hinten angeböriger Staat ift nur Öa3u öa, um Erwerb unö (Selöuertebr 3U fiebern.
Äenner unö X>ercbrer öes fran3öfifcben X>oltes x>ot Eur3em 3cöer ueröiene fo x>icl er Bann, öas ifl öie IDepife.
geiflreicb ausgefübrt fcat.(Sieburg, „(Sott in Stunfretcfc".) IDas Aus öem ^eöurfnis öer (Öefellfcbaft na4> SeBuritat folgt öann
XX>ort civilisation ifl öort öas böcbfte tPort. Unfer f>ö#ftes als letzter Bug ibte ^oebfebarjung öes weifen unö befi^enöen
XX>ort öagegen beißt Staat. IDer Staat t>at öie Samilie unö Alters. IDie (gfefellfcfcaft nimmt öie 3ugenö gerne auf, wenn
öie Sippe, öas XT>eib als mutter 3ur X>orausfetjung, aber er fie im Smotmg fommt unö tbre gefle mitmacht, ö. b» fieb ««fügt,
ift Sacbe unö VOtvt öes mann es. IDas (gferebe t?on öer aber fie ifl mtßtrauifcb gegen öie 3ugenö als folebe. Sic wittert
„t>erflänöigung" ifl nur öesbalb töricht unö t>ergiftenö, weil in ibr ^5egeiflerung unö bobe unö öas |>eißt: Aufrubr
Biele,
ibm 3Ugleicb öie Abficbt sugrunöe liegt, uns öer eigenen mann* unö Umftur3. IDesbalb gebort es 3ur 3öeologie öer öemotratis
4*
42 Das atabtmifät Wictnntvfyam 43

fchen (0efellfcbaft, 6te 3ugen6 „unerfahren" un6 „6umm" $u 3ch habe 6iePorausfe jungen ange6eutet; nun 3iehe ich
nennen, 6er 3ugen6 Klugheit anzuraten un6 ihr gönnerhaft 6en 6ie Schlußfolgerungen für 6en befon6eren Sali un6 6ie befon6ere
XDzq $um Per6tenft $u $eigen.
läge.
3Dte moraUjttfch^hw^^iftifche XPeltanficht, mit 6er 6te bürger* 3wei Käufer ftehen fich heute in 6en 6eutfchen t>o$fö\xh
U4>e <BefcUf4>af t fich rechtfertigt, ift 6urcb eine neue $u t>er6rängen. ftä6ten gegenüber. IDas Korporationsbaus un6 6as Stu6enten*
IDte neue Pbilofophie 6es fcftenfcben geht nicht aus von 6er 2lbs haus. Über 6as Stu6entenbaus brause ich nicht XPorte 3U »er*
ftraEtion 6er „PerfönliehEeit", fon6ew vom Wt e n *
fontreten Ueren: es ftellt fich heute r eftlos 6ar als eine Schöpfung 6er
fchen, 6er einer bestimmten 2$affe, einem beftimmten PoiEstum (gefellfchaft, 6es wirtfcbaftUcben Kentens, 6er „totalen" <&t*
un6 einem geschichtlichen 3uftan6e angehört; 6er nicht „Staats* finnung. Ellies, was an ein tftännerbaus erinnern lönntc,
bürger" an fich ift, fon6ern fltann o6er XPeib, 3ungfrau o6er ift hier forgfältig vermie6en. XPir haben eine XPoblfabrts*
Butter, 3üngling o6er fcftann. 3n 6er Ehe verbin6en jich anftalt vor uns, eine „ftaatsbejahenbe" Einrichtung im Sinne
nicht $wei abftratte „Perfönhchteiten", fon6ern Wann unb XPeib Bejahung 6er Staat gibt. 3Das 6ie eine
6er Sufchüffe, 6ie 6er ift
eines beftimmten Po IE es. IDie Sßwilie ift nicht eine fo$ial* Seite; überfehen wir 6ie an6ere Seite nicht: 6as Stubenten*
moralifche Catfacbe, fon6ern ein £etl 6er Sippe un6 mit ihr haus gibt 6och 6enen etwas, Korporation aus inneren
6ie einer
ein Zteil 6es Polfes. XPas 6iefe IDinge anbetrifft, verweife ich o6er äußeren <£>rün6en nicht beitreten tonnen. Es ift wenig, aber
auf 6as 33ucb von IDarre über 6as Bauerntum. es Eommt 6amit ein StücE weit einem wirtlichen 23e6ürfnis ent*
uns 6as Po If. 2Das
Tin 6ie Stelle 6er „töefellfcbaft" tritt bei gegen.
Poll un6 6entt unbumamftifch un6 ungefellfchaftltcb.
lebt, fühlt
2luf 6er an6eren Seite fteht 6as f>auB 6er Korporationen.
Es wirbelt nicht 6ie (öefcblechter un6 Lebensalter 6urcheinan6er, Einige fagen: 6as ift 6as fyam, von 6em £>u gereöet h<*ft. 34?
fon6ern es trennt 33urfcben un6 £Ha6el, titanner un6 XPeiber. aber antworten: Euer %<xm ift wohl aus 6er Sehnfucht
muß
ige lebt, wo es noch lebenötg ift, in objeEtiv^ittucben Sormen. 6es 6eutfchen 3ünglings nach 6em flTännerbun6 hervorgegangen
3n 6iefes geglte6erte Volt baut fich 6er £ltännerbun6 ein. XDic un6 h^t noch heute in 6iefer Sehnfucht feinen feften ^>run6
frem6 ftebt 6er Sol6at un6 6er fol6atifcbe tttenfeh in 6er Gefell* — aber es 6as 6^us, t>on 6em ich gere6et habe. IDenn
ift nicht
fchaft! Er verftebt fie nicht un6 fie verftebt ihn nicht. XPie 6as Äorporationshaus ift von 6er 36ec 6es tUännerbunöes im
gut aber paßt 6er Sol6at unter 6as Volt 3e6er große Kriegs* Laufe feiner (Berichte mehr un6 mehr abgewichen. Es ift an
mann war noch populär, wie volEstümltcb war unfer altes vielen Stellen gän3lich, an manchen Stellen faft gan$ 6em
^eer un6 ift es heute noch! (Seift 6er bürgerlichen töefellfchaft verfallen. 3ch brauche 3bnen
IDie S<*milie ift nicht 6ie „Ketm3elle" 6cs Staates, ©er Staat wie unfol6atifch, wie
6as nicht $u fchil6ern: Sie wiffen felbft,
Eommt aus einem Prinjip heraus, 6as 6em 6er Samilie ürfprüng*
gefellfchaftlich 6ie Er$iehung im ^aufe ift, Sie wiffen, welche
lieh entgegengefetjt ift; IDas Polf u>achft organifch; 6er &taat Atolle 6ie gefellfchaftliche Klei6ung un6 Haltung fpielt, welche
aber entfteht nicht organifch, fon6ern wir6 Eünftlicb gefchaffen Kolle 6en Konnerionen, 6em ^nfchluß, 6em Zan$ sufällt. IDer
6urch bk fcaten un6 6ie Bereinigung freier titanner. Hur voo „Bun6" ift fein echter 23un6, fon6ern eine Statte 6er Porbe*
6iefe Pereinigung ftattfin6et, 6a fin6 auch S<MnUe un6 Poll reitung für 6ie (öefellfcbaft. Un6 fchließlich wiffen Sie auch, in
gefun6. Sinket 6er ftcb entwtcfeln6e tftann 6en piatj nicht, 6en er welcher Erfcheinung 6er oufammenbang 6er Korporation mit 6er
$ur Entfaltung braucht, hat er nur 6ie XPabl, $um nüchternen bürgerlichen töefellfchaft am finnfälligften wir6: in 6er Wtherren*
(Sefchäftsmann, 3um XPeiberf neebt 06er $um verfimpelten fchaft. Es mag noch 6a unö 6ort einen 23un6 geben, in welchem
Samiltenvater ju wer6en, fo wir6 6as 6er Per6erb 6es <£>an$en.
fich 6ie 3ugen6 gegenüber 6er mtherrenfehaft behauptet — in
44 45

vielen SäHen wir6 6er 25un6 über 6as iftittel 6er finansiellen
llbhängigfeit von 6et Slltherrenfchaft hinweg aus 6er bürger*
liehen (Öefellfchaft heraus gelenft. IDer 6iesjährige Befchlujj 6es
Böfener B. neutral 3U »erhalten, wir6
Bymbol 'für öiefc
fich politifch
befchämenöc Eatfache bleiben.
ein
@mn unt> Aufbau ber Öeutfd>en £etbesübungen

«Ss ift mir


alfo unmöglich $u fagen: 6as ata6emifche Banner*
1
haus 6a. £>as Äorporationshaus, wie es heute noch fteht,
ift
un6 6as Btu6entcnhaus, wie es in 6en legten 3ahren gebaut Oortrog, glatten unter btm Ciiel „ptnlofopfrie im* Ueibesüfcungen"
tx>r öer ^rteitsgctneinfcHt 5er Euro* un5 Sportlehrer Backens
wur6e, »erhalten fich $ueinan6er wie 6as alte Bismarcffche 2Uich
2>R86m, 50. ittm 1930
un6 6ie Kepublil von VDdmar. (Öewig war 6er bürgerliche töeift
6es Bismarcfs^eiches ein an6erer als 6er heutige, aber es war Hach einem alten XX>orte fleht am Anfange ötr Philofophie
6och fchon ein gefellfchaftlicher töeift XX>en6en Bie mir 6en 6as Btaunen. 3eh nehme an, 6aß fchon 6as £hema meines
Ärieg nicht ein: 6en höben wir aus einer Bubftan3 geführt, 6ie Vortrags „Philosophie un6 Letbtsübungen" bei fielen von
noch tief unter 6em <$>tunb 6es BismarckKeichs lag. 3n 3hnen Btaunen hervorgerufen hat
ein un6 fomit wäre —
XX>eimar hat fich nur 6ie Opposition Bismarcks ihre X)er* 6iet>orausfe§ung für eine philofophifche Behandlung 6es Themas
faffung gefchaffen un6 als Regierung tonftituiert. €tft wenn gegeben. £>enn an 6as Btaunen ffttießt fich 6ie S™ge «es
6iefe (Dppofition abgetreten fein wtr6, ift 6as Sismarcf^eich VOamm an. XJOarum verbm6en wir 6ie begriffe Philofophie
gan$ geftorben, ift Kaum für 6 as neue # eich. Un6 6as un6 Leibesübungen un6 warum jtaunen wir über 6iefe t>er*
be6eutet für unfere S™ge: nur 6a6urch, 6ajj 6as Äorporations* bin6ung* IDic erfte Srage: wavum verbm6en wir 6ie begriffe
haus u n 6 6as Btu6entenhaus, wie fie heute f inö, fich auf löfen, Philofophie un6 Leibesübungen* betrifft 6ie Bache, 6ie 3«>eite
entfleht 6as afa6emifche Htännerbaus. Sragt: xoavum uns 6iefe X)erbin6ung nicht etwas Belbftverftän6*
liches ift, betrifft 6ie geiftige Bituation, aus 6er heraus wir
an 6ie Beantwortung 6ie?er grage herantreten. £s ift nötige
6a£ wir uns über 6ie geiftige Bituation erft verftän6igen, aus
6er heraus 6as £hema geboren wur6e, bevor wir mit feiner
23ehan6lung beginnen. ,

X>on 6en ittännern, 6ie in 6en legten |50 3ahren (feit <£>uts*

tltuths epochemachenöer „ßymnafttf für 6ie 3ugen6") über 6ie

Leibesübungen geschrieben haben, hat feiner Ziehung 6ie 6er

Theorie 6er Leibesübungen 3U 6cn tPiffenfchaftcn verrannt.


Byftematifch wur6e im Laufe 6er Seit 6ie Lehre von 6en Leibes*

Übungen auf 6ie ttttffenfchaft vom


Äörper g<*
menfchlichen
grün6et: 3unachft auf Anatomie un6 Phffiologie, fo6ann auf
Jtte6i3in, Biologie un6 Hygiene. 3ule$t trat 6er X>crfuch
auf, fie 3« 6er XT>tffcnfchaft von 6er Beele, 3ur PfT4>ologie in
Be3iehung 3U ferjen. Hieman6 wir6 6en tDert 6er Serbin*
6ung 3wifchen 6er Theorie 6er Leibesübungen un6 6en Bpe3ial*
46 Sintt un6 2lufb«u ötr ixutfc&eit -Ceibteübungctt
öeutftbcn «etbesübimfltn 47
©mit tmfc Zufbau btt

wiffenfcbaften, bie vom fcftenfcben banbeln, be3weifeln. Hiebt entfpricht ber ftarB inbwibualtftifcbe <£b<*raBter, ber ber rb?tb*
bas tft ob btefe längft bcj>c^en6c unb fruchtbare
bie frage,
mifchen (SymnaftiB anhaftet. £s ift bies ein 3nbitnbuatis*
t)erbmbung Sinn unb Berechtigung habe, fonbern ob jene mrwanbt ift. X>ollenbete Sclhft*
mus, ber bem afthetifchen
epe3idwiffenf4)aftett oie (gefamte) Ebeorte ber Leibesübungen
barftellung bas Biel ber rhythmifchen ^ymnaftit. IDer
ift
beftreiten Bonnen, ob fte fähig finb, bie Leibesübungen
in 6er bewegte Körper wirb gan3 Tlusbrucf: bamit finb wir fchon
ganzen breite unb Eiefe ihrer tDirHicbtett ju erfaffen unb ju
auf bas äfthetifche (Bebtet übergetreten.
begründen, hierauf wir mit Hein antworten. £>ie
müffen IDie Leibesübungen tonnen unb müffen auch von ber Seite ber
genannten Spe3talwiffcnfcböften legen nur Schnitte bem
burch ben tfthetit her betrachtet werben. S^her tat man bas in
menfcbltcben (Organismus, es liegt außerhalb ibrer Bewegungen Be3iehung
f Pflichten unb Sinn, baß man ben Leib unb feine in
ihrer tftögitcbBetten, bie grage nach bem gangen
I
Eftenfcfren unb einem abfoluten 3beal „ber" Schönheit, ^eute betrachten
fe$te 3U
nach bem^einn Betätigungen Itr^beantwortenT IDer wj^jJ^™!*
^f^S^^^^^
i feiner
wir ben Leib, wenn wir jhn äghetif^ -2iLs
s

gan3e Wtnf$W es aber, ber im mitttlpuntt ber Leibesübungen


bru
1
Kann 'ber äfthetifche (Öeficbts*
fleht. Srage nach bem Sinn unb XX>efen ber Leibesübungen
3Die
grunb genb
puWliroirXeTrTesubungen nun als l e betrachtet
rann baber mit einem Hinweis auf bie
Spe3ialwiffenfcbaften, werben) Heini Sieht man bie Leibesübungen unter bem <St*
3U benen auch bie Pfycbologie gebort, nicht beantwortet man vom
werben! fichtspunft bes AusbrucBs an, bann fieht fie 3«8 lcu$
Sie fü^rt uns in von Problemen unb metbobeni, StanbpunBt bes 3nburibuums („3<h bringe mich $utn Aus*
eine Schicht
bie grunbuerfebieben
brucB"), unb r>on ba aus Bann man bem Moment ber töemetn«
tft x>on ber Schicht, in welcher wir Tlnt*
wort ftnben auf Sragen wie: in weicher XXMfe funftioniert Begrünbung ber
unfer fchaft nicht gerecht werben. Bur philofophifchen
Üörper* XPas tonnen wir tun, um fein XPachstum unb (Öcfichtspunft nicht
feine Leibesübungen tann alfö ber äfthetifche
Verrichtungen 3u unter flü^en unb 3U förbern*
bienen.JDer fyinvotis auf eine gemeinfehaftlich bargeftellte 7lus*
Von brei Seiten t>erfucbt man heute, in bie Schicht von Pro*
bruetsbewegung, burch eine tXan3gruppe 3. B», macht bies
blemen einbringen, bie mit ben .mitteilt ber IDarftcllung
Spe3talwiffen* pollenbs beutlich, benn ber gemeinfehaftitchen
fchaften unlösbar finb: Von einer metapbyf iB bes
Lebens aus, entfpricht ja nicht eine reale <£> e m e i n f ch a f t.
von ber afthetifchen Betrachtung unb *>om &tanbpuntt
ber 2)aß ber äfthetifche (ßeftchtspuntt für bie Betrachtung ber
moral her. t£tne metaphrfif bes Lebens liegt bem
t>erfucb Leibesübungen nicht wefentlich fein Bann, ergibt fich auch baraus,
von Lubwig Flages 3ugrunbe, ben Leib unb feine burch ben
Betätigungen baß bie böchfte Sorm ber äfthetifchen iDarftellung
mit i?>ilfe ber Begriffe Polarität
unb ^hTthmus 3U beuten. Leib ber Cart3 ift ^an3 unb Leibesübungen finb aber fchon
IDurch ben Älagesfchüler Bobe hat biefer mit
ftarfem pbilofo* ihrem Urfprung nach »erfchieben. SDer €an3 ift in feinem Ur*
phifchen Sinn unternommene X>erfucb fchon
beträchtlichen i£tn* fpruhg Bultifchen, religtöfen €h«raBters, bie Leibesübungen ba^
flu§ auf bie Theorie unb bie Praris ber
Leibesübungen genom* gegen finb profanen, ftaatlichen Charatters. Beim Ean3e ftellt
men. Sreilich tft fein tPirtungsgebtet b e r e n
g 3 1, es befchräntt fich ber €in3elne als folcher, ober als (Blieb einer (Öruppe bar,
fich auf bie (BymnafttB im engeren Sinne. IDas ift Bein Zufall: bei biefen tut ber £in3elne als folcher ober als (Blieb einer
auch bie Lebensmetaphrfit von Flages
ift auf ein beftimmtes
Selb befchränlt. Sie fennt nur ben iein3elnen
(Sruppe e t w a s, löft er allein ober in ber (Öruppe eine beflimmte
unb feine £rleb* Aufgabe. IDer ZTan3 ift immer äfthetifche IDarftellung,
niffe, bie Buftänbe ber Spannung unb ber
Löfung, bes ^aufches bie Leibesübungen finb ein StücB reahs ^emeinfehafts leben.
unb ber Ermattung, fte bat jeboch feine Beübung
3 ur Gemein* — natürlich rebe ich hier vom Äunfttans unb nicht von bem faf^
fchaft. Sie tft eine metaphrfiE bes tnbuubuellen Lebens. SDem ausgeftorbenen X>olBstans, ber in erfter Linie nicht iDarftellung,
48 Sin» unb Zufbau btt {*utfcben Ititesübungen
Sinn unö Aufbau 6er i*utf<ben itibesübungen 49

fonbern eine Äußerung gemetnfcbaftiicben Gebens tft, unb ftrumentale Cbarafter bes Leibes nicbt aufgeboben, benn bie
babcr gtei^fattg nicbt nur jgbctifibjetcftdbtet werben barf. Ber wirb bier wefentlicb ibealiftifcb*moralifcb x>er*
.
„Perfonlicbteit"
X>ot!stanj ftebt f e I b fit a n b i g ben ieibe$äbingen-~«nb ftanben,unb bamit ift ber Leib aueb fefcon aus bem Bentrum
bcm äftyetifcben Äunfttan3.
berausgebrangt unb an bie Peripberie perfekt. Baß man ibn
von bann an ber Peripberie anertennt, änbert bie entfebeibenbe ZaU
<Db wir einer metapbyfit bes Lebens ausgeben ober t>on
ber ©cbonbett unb ber 2lusbructsfäbigfeit bes Leibes — beibe facbe nicbt, baß er sunt Zentrum nicbt
geredmet wirb, fonbern
male als fo lebiglicb ein Außeres unb Bienenbes bleibt. „Bu
ift ber Leib leb er bejaht, fein felbftänöiger XX>ert mußt IDir bie
anerfannt. Slnbers ftebt es, wenn wir uns ber moralpbilo* Spanntraft IDeines Leibes erbalten, um ben fittlicben 2ln*
fopbifcben töebanblung unferes Problems 3uwenben. **>ier gebt forberungen, bie ber Aufbau ber Perfonlicbteit an Btcb ftellt,

es fogleicb um bie Srage, ob ber Leib unb feine fcätigfett übers gereebt werben su tonnen" —
bas ift boeb immer ber letzte Sinn
böupt als eine Bpbäre bes tt>ertes mtxUnnt werben barf. £inorbnung bes Leibes in bie £tl>it ber Perfonlicbteit.
ber
Bie moralpbilofopbie gebt ja nicbt wie bie Lebenspbilofopbte
Ba bie ibealiftifebe Segrünbung ber Äörpertultur nacb bem
unb aus pon ber j£rfcbemung, fonbem von ber <Öe*
Scbema mittel unb Sweet »erfäbrt, tann fie febeinbar aueb bas
bie Slftbetif

ber ^emeinfebaft mit ber Leibesübung begrünben. Benn


finnung, nicbt t>on einer XDixl liebfeit, fonbern t>on einem
moment
geizigen XXWlen. Hicbts febeint leichter $u fein als eine an bie Stelle ber Perfonlicbteit tann aueb eine töemeinfebaft,
pI?ilofopbtfcf?e Segrünbung ber Leibesübungen unter bem <0»e* ber begrün*
3,23. bas t>oltsgan3e gefetjt werben. IDann lautet
Jficbtspuntt ber moral. Unter moralpfcilofopbie »erftebe icb bier
benbe (Gebaute: für ben Aufbau einer traftsollen fittlicben (ße*
bie beute allgemein angenommenen Lebren bes beutfeben 3bealis* not*
| meinfe^aft ift bie törperUcbe €rtücbtigung ibrer mitglieber
i tmis unb neu^um<mismtts vom tiefen bTs^Vn f $'e nTTHc^fö wenbig. Jftörpertultur —
ober beffer: Leibes3ucbt unb
tftaBer in tS>a#r&ett fcbwicriger~ais ein! Segrünbung ber Leibes?
Leibespflege —
ift alfo nid?t nur eine Jorb erung vom
|
Übungen t>on ber ibeatifttfeben Pbilofopbie ber» Benn biefe Pbilo* Stanbpuntt bes €in3elnen, fonbern aueb x>on bem
)
fopbie tann bem Leibe, feiner £rfcb einung unb feinen Setati* ber (Öemeinfcbaft Biefe Segrünbung bebt uns aus ber
gungen immer nur eine irgenbwie fetunbäre 2*ollc 3uerteilen.
engen Spbäre bes inbwibuums beraus. 2lber bie gorberung
L

Sie tarnt ben Leib nicbt unbefangen als a>irflid>feit nebmen, bie
1
bebält immer noeb ibren inftrumentalen Cbaratter: aueb bier
für Uns ein unergrünbltd?es (Öebeimnis einfließt, fonbern fie
wirb bie Jftörpertultur als ein bloßes mittel betrautet für
m
j

l faßt ibn ftets als i t


1
_e l $u einem 3w e et auf. IDie ibealiftifebe etwas anberes, für bie £rbaltung ber ttoltsgefunbbeit unb
(Efrunbeinflenung 3Üm Leibe ^pnmW^r^'xomn er in feinem X)olfstraft. eelbfh>erftanblicb ift eine foiebe Sorberung ebenfo
©fitem ber Bittenlebre fagt: „Wler Borge für meinen Leib foll finnt)oll unb bereebtigt wie ber Sa$, baß bie ein3elne Perfön*
unb muß fcfclecbtbin ber Sweet $um (Srunbe liegen, ibn 3U einem wenn ibren Börper nicbt x>er*
Hcbfeit nur banblungsfabig ift, fie
tauglicben tDert$euge ber moralität $u macben . . 3mmer aber
nacblaffigt, fonbern traftigt unb übt. £ier b^nbelt es fieb
!

\
bleibt bier ber Leib ein bloßes 3nftr ent um bes fitt* um bie Jrage, ob biefe Tlrt von Segrünbung ber Äörpertultur
Mieben Drillens, bas „Außere", bas allein febon als Sunbamcnt ber Ebeoric unb Praris ber
ein VOttt$tUQ bes 3n* Leibes*
neren Biefe <0eringf<#afcung bes Leibes bleibt muß werben.
I ift.
faW% auefc Übungen bienen tonne. Biefe S<*ge aber verneint
ba erbalten, wo man fieb »orfiebtiger ausbrüett als ber ebrlicbe Benn wir müffen uns fragen: was »erlangen wir x>on einer
Sid)tt es getan fcat. EDenn man alfo 3. 25. bie Pflege bes pbilofopbifeben Segrünbung ber Leibesübungen 5 genügt es
Äorpers als ein wefentlicbes iftoment für ben Aufbau ber uns, wenn man uns irgenbeinen, wenn aueb noeb fo bere4>*
„Perfonlicbteit" btttaQttt („Äörperfultur"), fo m*
ift ber bloße tigten Bwect biefer Betätigung nae^weifl?
50 Sinn unb ^tufb<«t ber beutfufeen Leibesübungen Sinn unb "Jtufbau ber beutföen Leibesübungen 5t

X>erfe$en wir uns, um


§rage beantworten 3u tonnen, auf
biefe Lebre fcblt, bie ber TCDirHicbteit ber Leibesübungen geregt wirb.
ben £urnpla$. tftiföen wir uns unter bie fröblid>e ©4>ar, fc>er(örunö bafür liegt einmal in ber überwarfen Binöung ber
ött fi<b bier tummelt: werben wir dem Leben, das ftcb öa regt, fcbeorie an bie £in3elwiffenf$>aften, 3um 3weiten in ber t>orberr*
geregt, folange wir es uoeb in irgendeiner Sorm als bloßes febaft bes leiblofen pbiiofopbifcben 3bealismus, ber es grunbfä^*
Littel etwas anberes betrauten 5 töewiß perfolgt bie
für lieb unmöglicb maebt, 3U einer unbefangenen XDüröigung bes
XPitffamteit, öie wir ba feben, au <b einen guten 3>wed, fie b«t Leibes 3U gelangen. Wo
man binwieberum ben Leib riebtig per*
and) eine äftbettfebe ©eite; aber um fie 3« »erflehen, öa3U ge* flebt, ba bleibt man beim Erlebnis bes inbwibuellen Leibes ftefcen

nügen biefe (Öeftcbtspunfte offenbar ni<$t. Wiv feben uns einem unb obne es 3« wollen unb 3U merten, einem ge*
perfallt,
©tücf Leben gegenüber: weiter Sinn wofmt ibm nießerifeben #ftbet*3ismus. £>ie pbilofopbie ber Leibesübungen
inne5 was
ift es, bas bie planes fo munter bewegt, was
tftitglteöer eines muß 3wei Ceile umf äffen. IDer erfte Seil entbält bie Lebre
fie ibre 3>ufammentimft unb Bnfammenarbeit als etwas Truftes com menf^en, eine pbilofopbifcbe 2lntbropologie, eine Pbilo*

nehmen lägt, was ibrer 2fcgfamfrit in ibren eigenen 2lugcn eine fopbie bes Leibes, bie suQhid) eine Pbilofopbie ber @eele ift.

gewiffe XPürbe, ja eine 3lrt von Wtfyt vtvltfytt £>tv Swetf €r entbalt ferner bie Lebre pon ben Bewegungen bes Körpers
tann es niebt wo^l fein, benn ber wirb ja niebt fiebtbar, unb unb von ber Übung. 3Der 3 weite Teil banbelt von ber
aud? niebt unmittelbar erlebt s£r ijt etwas £in3u* (ßemeinfebaft, von ben ^emeinf4>aftsformen, innerbalb welker
gebautes, etwas in ber Serne biegendes, wenn aueb Reales. <*>ier Leibesübungen einen Pla§ b^ben, unb von ber Be3iebung biefer
aber ift (Segenwart, iDafein unb Leben, bas fieb freubig unb
ernft Sormen 3U umfaffenberen unb größeren.
3uglei(b als etwas XDertPolles empfinöct. iDiefe Sreube ift 3nbem wir uns bem erjten Ztxl ^uxvmbtn^ betreten wir ben
niebts, bas von ber Befrteöigung über ein 3we<f Polles Zun ab* <Drt eines uralten Problems. £>as X>erbaltnis von ttib unb(
I
geleitet wäre; fie ifr pielmebr urfprünglt^, unb mir er*
6eele, von Körper unb (Seift, ja no$ allgemeiner von Viatut j
]

febeint biefe urfprünglicbe ^uft unb @elb ftbe jab«ng, bie


unb ^»eift ift bas (Srunbproblem jeber pbilofopbif4>en Lebre Pom j

jebem guten £urnpla$ feinen Cbaratter gibt, für bie Beftimmung iltenf(cben. ^ö^ft be3eicbnenb ift es, baß ber Beginn ber neueren }

bes tDefens ber Leibesübungen ein fcblecbtbm entfebeibenbes? Pbilofopbie (bei IDescartes) bureb eine neue Beftimmung biefes j

I
moment 3U fein. IDenn biefe greube ift ein 2lusörucf ber ©elb* X>erbaltniffes ^aralterifiert wirb. 2)as Problem bes Leibes
j
1

|
ftänöigteit unb tfnabbängigtett beffen, was bier gefebtebt, fie (unb bamit auä) ber Leibesübungen) tritt bei IDescartes 3um crften
tft

I
Zusbtuä ber Sreibeit von
(wenn aueb noeb fo riebtigen unb
aller ilTale mit ber ©cbarfe auf, wie wir es beute fennen. ]Denn
j
wiebtigen) 3w
einjtellung unb sbetraebtung.
e <* bier wirb 3um erften malt in ber pbilofopbifcben Terminologie
£ine wabrbaft pbilofopbifcbe Begrünbung ber Leibesübungen ber (Seift febarf Pom Äör per getrennt. XPir fteben 3um
muß btefem (Cbarafter bes. £urnpla§es gereebt werben: fie barf por bem JDuaüsmus
erflen vitale ÖJeift, ttoU
pon Hatur unb
'
öie freie Betätigung bes Leibes niebt irgenbeinem
Swetf unter* wenbigfeit unb grei^eit, ber im öeutfeben 3bealismus wieber*
febrt unb beute no<b weitbin bie Tlnfcbauungen beberrfebt. IDer
muß fie Menserfd?einung begreifen, bie einer umfaffenöeren
als Äorper erfebeint im Xaume unb in ber Seit, er ift ben (Se*
,
Lebenserfcbeinung 3"gebört, unb aus biefem Begreifen beraus fe£en ber Hatur unterworfen; ber ^eift bingegen, bas Prin3ip
muß fie bie begrünöenöe ZEbeorie ftnben. bes Belbftbewußtfeins unb ber 3bentitat, ift felbftanbig unb frei
£ro$ mebrerer 3wfd§e von verriebenen Betten ber b*ben unb ber (Sebieter feines Körpers. t)om Btanbpuntte biefes
wir noeb feine Pbilofopbie ber Leibesübungen, unb fmö über biefe Dualismus aus ift eine binrei4>enbe pbilofopbifcbe Begrünbung
Begriffsperbinbung erftaunt, weil bie einbettige, begrünbenbe ber Leibesübungen nt$i moglicb, weil bier bem Leibe bas innere,
52 6inn wib Zufbm bcv teutfäwn Leibesübungen Sinn uni> 2luffxm fcer beutftben Leibesübungen 53

belebenbe Prin3ip, weil ifcm 6ie Beele feblt, ja, man tonnte fagen, 3nbem wir bie Beele auf
IDicfc tHetbobe ift bie fambolifd?e. J

|
wc« es auf bem Boben biefer Pbilofopbte einen Leib gar niefct SeOeTb unb ben Leib "auf bie Beele be3ieben, beuten wir,

j
gibt, i£s gibt nur einen „Körper". Uno Körper ift eben 6er faffen wir f ie f y mbo l i f cb auf.
| (Siegenbegriff $u oem förperlofen (Seift. 3ft bie tfnterföetbung JDurd? bie Übung erreicht ber befeelte Leib ben ^öbepuntt
;
eines (Seiftes t>on einem ungeiftigen, Ieblofen Körper einmal feiner möglic&Betten. Die Übung maefct aus ibm bas, W03U er
|
gemalt, bann gibt es Beine ^ücBfebr 3ur £in|>eit mebr. 2111c angelegt ift. Bie r>o II enb et bie ttatur, inbem fie oie Hatur
: tterfuebe, £in&eit wiebersugewinnen, werben 3u unHaren
bie
bur4> bas 2leid? bes Zwanges fcinbureb auf einer leeren Btufe
i Vermittlungen unb Byntbefen. einb Körper unb (Seift einmal wieber 3U ft# surüdfübrt. 3Die Heibesübung fübrt $um Übungs*
gerieben, bann bleibt nur ber Btanbpunft bes Materialismus leib, b. &. 3U bem »ollenbeten, feiner felbft maebtigen 5eib.
j

ober bes Spiritualismus.


j IDer tftenfcb erfebeint bann als ber £)iefes ^urüettebren $um Ztxbt ift von größter ^ebeutung. IDurcb
I Sdmittpunft 3weier ^eiebe: eines materiellen unb eines geiftigen. bas moment ber Übung febeibet ftc^ bie ^eibesübung im eigent*
Boweit er bem erfteren angehört, banbelt von ibm bie Anatomie li<ben Binne vom Bp iel. 3Dur# bie 2lüdfebr ber Übung in
unb bie Pbrftologie, foweit er bem 3weiten angehört, ift er ein ben £eü> als Sertigteit bes Leibes unterf4>eibet fieb bie £cibes?
(Segenftanb ber Pfocfcologie unb ber moralp&ilofopbie. Wies, Übung x?on ber Arbeit. ^5ci ber Arbeit fc^rt bie geleiftete
J
was vom BtanbpunBt biefer i£nt3weiung aus über bie Leibes? ^Inftrengung nie^t wieber in bas ^nbjttt $uvü&, fonbern fie fließt
j

Übungen gefagt wirb, muß un3ureicbenb bkibm, weil man fcier in bas Xütvt gleic^fam aus, fie gel?t in ein objettwes öebübe j

von etwas fyanbtlt, bem man grunbfafclid? «ine tiefere 23ebeutung über, ^ei ben Leibesübungen fe^rt zum
fie &ubjttt 3«tü<t.^er^j
niebt 3ufpre<^en Bann. IDie Übung mag fo febwer unb fo
4eib „arbeitet" für jicb felbft.
j
Ber (Segenfa$, pon bem wir ausgeben muffen, beißt niefct f^öTfelnTwleltrw^ nur ein IDurcbgangsmoment, |

Körper unb (Seift, fonbern Leib unb Beele. JDer Körper ift ben Leib 3U feiner fcöcfcften möglicbfeiti unb 3U feiner böcbften €rs \

geiftlos, ber (Seift ift Borperlos; ber Leib aber ift nie unbefeelt — Meinung 3U bringen. j
ift er es, fo wirb er 3um Körper; fo uerwanbelt fieb beim £obe Vlad) 3wei Beiten tann ber Binn ber Leibesübungen »er*
ber Leib in einen .Körper — bie Beele ift nie of?ne Leib. €s fc^lt werben. Bcbwinbet bie Übung unb mit ibr bie Leitung
für bie
Sufammengefcörigteit ber beiben be3eicbnenb, baß wir auf ein Hicbts 3ufammen, fo bleibt nur noeb ein bloßes wobliges
ift

wobl von einer „Börperlicben XX>elt", niebt aber t>on einer „leib* Bi4>genießen bes Leibes übrig: in biefer (Öcfabr fc^webtt bie
lieben XX>elt" reben Bonnen. JDer Leib ift gebunben
bureb bie (gtymnafttf. tX>irb anbererfeits bie Leiftung niebt als IDurc^*
Beele, bie Seele ift gebunben ^^ZT^^^^^^TVI^i gangsmoment^ fonbern als le^ter Swecf bebanbelt, bann wirb
^»W* *ft~Sas leben ''oibi'"äe'^eia>egttnfl. igs gibt ein organt* ber Leib 3um Körper entwertet. JDann wirb niebt mebr ber Leib
geübt«, fonbern ber Körper im JDienfte eines 3we<fes bewegt unb

|
Vr #an ff1%ri£t n ^Tff s"gTf u fff ift f^arf" »on ber € i n * gefcbult*. 3n biefer (Sefabr febwebt bie CurnBunft. Erliegt man
! bett bes 35ewußtfeins 3u unterf4>eiben. £s ift ein un* auf bem Curnpla$ biefer töefabr, bann weicht ber (Seift ber
j ii^AiiL^^^^k.^ btt b¥fe!Tunb?wuߣ
ten €inbeitsgefübls unb ber «mfcett bes Sewußtfeins
<8>egenfa($ Srö^li^feit,bann fentt es fieb wie ein Sroft auf bie mitglieber
j ift es, ben nieber, bann wirb alles falt; unb nücbtern t>ollfübrt, unb nur
j
wir an bie Btelle bes (Segenfafces von Körper unb (Seift feften €brgei3 unb Btol3 ^abtn freie ^5abn. (ßewiß ifl bie Leiftung
« muffen. fein außerhalb bes Eurnpla^es liegenber ^weet; aber fic ift

IDer £mbett t>on Beele unb Leib


entfpriebt aueb eine einbeit* eben bo<b nur ein r e l ati v e r Swed, unb biefen relativen Bwcc!
liebe 2trt ber 23etra(btung betber, eine beftimmte «tetbobe. 3um abfohlten maeben beißt ben ZTurnpla§ als eine (Sememfcbaft
54 Sinn uni> Tluffxttt tot btutfätn Äei&sübungen Sinn unb 3tuf&<m btv teutföm Setbesübtmgcn 55
s

bef eelttt Leiber entf eelen. ^at 6iefc £ntfeelung einmal ftatt*
letztlich etwas Cluantitatives. 2(uf biefe quantitative 3ufpi$ung
gefunben, bann ift es fchwet, bie echten Leibesübungen gegen 6te ber Sportleifhmg ift bie bem Sport eigene verhängnisvolle
Syfteme ber töymnafttf $u »erledigen. SDenn biefe haben bie Sucht nach bem 2UBorb 3urücB3ufübren.
Lebenbigteitj für fich. Unb boch ift biefe Lebenbigtot abftraBt unb
arm neben bem reichen Leben eines echten Eurnpla^es.
E>er XX>ett!ampf fpielt auch auf bem Eurnplat$ eine wich*
ber Pbilofopbie ber Leibesübungen t?anbeit
tige Stolle, benn er muß überall auftreten, wo bie Leiftung auf*
£>er 3weite (Teil

vom tritt. (IDaher fehlt er bei ber (ÖymnafttB.) 2lber ber XPettfampf
von ber (Öemetnfchaft £r ianbelt, tonfret gefprochen,
pia$, vom EDettBampf unb von ber Stier. £>er pia$, ber auf bem Gebiete — abgefehen von bem volBs*
bes Sports läuft


benn bie *5alle follte ja ftets tümlichen Sußkallfport unb etwa noch v om Borfport — auf ein
Übungspla^ ober Arbeitsplan
nur als ein Surrogat betrachtet werben ift mehr als ein — abftraftes „Stchmeffen" hin^ws. IDer XX>ettfampf befteht barin,

gleichgültiges StücB Lanb. 2Der Pla§ fcat einen bejtunmten baß Leiftungen BonBurrieren, fich 3« übertreffen fuchen. i£s
Bämpft nicht ber lebenbige STtenfch gegen ben lebenbigen iften*
Charakter, ben er burch bie (Öemeinfchaft ber tftitglieber emp*
unb es ouvfyaw nicht gleichgültig, in welcher Stirn*
fchen, fonbern Leiftung gegen Leiftung, 3ahl fl
e
0 en 3>abl» £twas
fangt, ift
gan3 anberes ift ber fröhliche SDettBampf ber Sttitglieber eines
mung bie mitglieber „ihren" pia$ 3« betreten pflegen, IDer

Auszahlung ber übenben (Öemeinfchaft, Eurnplatjes untereinanber, ober £urn*


ber XX)ettBampf ber
Pla$ ift gleichfam eine
gemeinfehaf ten: hier tämpft fcftenfch gegen fcftenfch, Begabung,
unb wenn biefe (ftemeinfehaft in Sorm ift bann ift auch ihr Pl<*$
XXHlle unb <8lüd auf ber einen Seite gegen Begabung, XPille
geliebt unb geehrt. So wirb ber pia§ 3um Symbol bes ge*
unb (Slüct auf ber anbern, es fämpft Übung lebenbig gegen
mewfamen Lebens berer, bie ihn befuchen. £>ie i£ntbecBung bes
Übung. IDer XX>ettfampf ift hier eine Sorm bes (ftemeinfehafts*
Planes als bes Hummel* unb Übungspla^es einer <0emeinfchaft
lebens felbft nicht bloß ein Umweg 3um Siege in einer
ift eine ber großen Eaten griebrich Lubwig 3abns. Von bem
3abl, fonbern eher ift bie 3abl nur ein Umweg, um 3U einem
wPläfc" in biefem Sinne völlig verfchieben ift ber neutrale
ernften unb lebhaften XX>etttampf 3U gelangen, ^in XDettlampf,
Sportpla$, ber teiner beftimmten ßemeinfehaft bient, auf bem
bei bem Leiftungen ba finb, unb boch bie eigentliche XX>ir!lichBeit
nicht regelmäßig in töemeinfebaft geübt wirb, fonbern auf bem
ober (Öruppen ein beftimmtes Siel hin bas frifche (öegeneinanber ber Gräfte ift unb bies alles in
€in3elne auf
fich

„trainieren".
Sröhlichteit unb Srtun&fchaft —
bas ift bie (Öememfchaft, wie

£>as Prin3ip ber (Öemeinfchafr, bas ben ^übteübunQtn fie ber Schöpfung 3ahns entfpricht.

3ugrunbe Uegt^ läßt fich beften angefichts ber Eigenart bes nicht Leben „in Schönheit", nicht ber EDunfch, »gefunb
fich
Sports £>em Sport fehlt bas Prin3tp ber ($e*
entwicBeln. uno fchlan!" 3U erhalten ift bas Prin3ip ber Leibesübungen,
meinfehaft als ein wef entliches unb orgamfterenbes Prinsip. £>er fonbern frifches unb frohes Leben in ber (Semeinfchaft bes
Sport, ift inbivtbualifttfcb. £>ies 3eigt fich barin, baß <böchft t)oltes. IDie tägliche ZCurnftunbe, bas ^ol3hacfen, bie gymnas
leiftungen Sports grunbfä^lich außerhalb aller (öemein*
bes ftifche Übung im Schwimmer ober im (harten — bas mögen
€infamBeit »ollbracht werben Bonnen: es ge*
fchaft, in völliger nü^liche Sachen fein, aber bas finb nicht bie Leibesübungen, bie
nügt„ baß eine Stoppuhr unb ein 3ut>erläffiger Beuge ba ift £>ie ben Philofophen etwas angehen. IDas finb ^wecfhanblungen,
Übung fowohl wie bie Leifhmg Bann wohl Sufchauer fyabtn, bie ber <bygieniBer vorfchreibt. 3Das philofophifche Problem
ift jeboch grunbfätjüch ftets (EätigBeit eines €in3elnen, ober einer beginnt erft ba, wo ber oweefbegriff bahinfällt, wo nach bem
(in be3ug auf bie Leifhmg) als eine Perfon geltenben Gruppe, Sinn ber £rfcheinung gefragt wirb. XX>ir wieberholen biet
igntfeheibenb bleibt immer bie objeBtive, meßbare Leifhmg, alfo unfere frühere Unterfcheibung auf einer neuen Stufe. XPenn
5
56 Sinn unb SCuftxm btt teutfcben JCetbteübungen Sinn wib Hufbtu btv teutfc&en ZtibesübutiQtn 57

bie %anb vom Leibe getrennt wirb, bann ift fie ntebt mebr (Ölieb, bas IDafein ber (öemeinfebaft Sreube an fieb felber fyat unb fieb
fonbern ein toter Körper« Unb wenn oer £eib fic^ vom Letbe ber unbekümmert äußert.
(Sefamtbeit löft, bann ift er niebt mebr Leib, fonbern ifolterter £>er Lebrer ber Leibesübungen, ber feinen Sportplatj riebtig
JRörper. So ijt bas 3nbiDibuum nur nod> ein toter „Äörper", verjtebt, nimmt in ber Schule einen befonbers ausge3eicbneten
bas ft4> vom lebenbigen Leibe feines t>oltes löft. IDie „Äörper* pla§ ein. (Dber er follte ibn boeb einnebmen. Sein XDefen unb
fultur" b«t fein Prinjip ber (Öemeinfcbaft unb ift baber un* feine üätigfeit erleichtern es ibm, über bie ^weefgeftebtspunfte
lebenbig: benn wenn fünf 31g fcftenfcben 3ufammen tyren Äörper binaus3ugeben. i£r b«t ein unmittelbareres Verhältnis 3um
pflegen, jeber feinen eigenen, fo ift bas fein (Semeinfcbaftsleben, bloßen IDafein, 3ur beglüefenben £rfcbetnung, unb er tonnte bas
fonbern 3nbix>ibualismus in ^erbenform,
^ bobe Zmt erfüllen, bie Schule, an ber er wirft, immer wieber
WmnTxTMitffitbtt lines Pfades $üfammenfommen, um 3U 3um Leben unb 3ur (öemeinfebaft 3urücf3urufen. IDas gilt für
üben, fo \)<tt bas eine 23ebeutung niebt nur bureb bie 3wecfe, jebe Scbule, für bie Volfsfcbule nicht nur, fonbern aueb für bie
bie barmt verbunben finb, fonbern aueb bureb bie XXHrHtcbfeit unb für bie <5>ocbfcbulen. XVerben bie Leibes«
tfttttelfcbulen
biefer aufammenfunft felbjt. IDiefer le§te Sinn ber Leibes? Übungen nur als eine 2lrt angewanbter <5?g«ne aufgefaßt,
übunQtn laßt fieb vergleichen mit bem legten Sinn ber Scbule; bann ift ber Lebrer ber Leibesübungen lebiglicb ein Sß<blcbrer,
3wifcben bem piatj unb ber Scbulftube gibt es mebr als eine tPerben fie aber in ibrer 23e3iebung 3ur (Semeinfcbafr
innere 33ejiet>ung. £>ie Scbulftube ijt niebt eine erweiterte verftanben, bann ijt ber Lebrer ber Leibesübungen am aller*
&inbttftvbt ober ein vergrößertes Samilienjimmer; fie ift etwas wenigjten „Sacblebrer".
Eigenes für fid?, ber (Drt, wo bas Jlinb in eine neue XDelt Unfere Kultur febwebt feit langem in ber (Öefa^r, in lauter
eintritt, es ift bies bie XPelt ber (Dffentlicbfeit, 3ule$t bie tDelt ^wecfveranjtaltungen unter3ugeben. £>er moberne iltenfeb ijt

bes Staats, 2Cucb ber <Iurnplat$ ijt ntdjt ein erweiterter privater aufgeteilt bur# Bwecte, er fommt
mebr 3um Sein. niebt
Übungsbof, fonbern ein Pla§, ber eine 23e3iebung 3ur IDesbalb ijl unfer Leben fo freublos: t>erbüfterung ift bas Henn*
<D f f e n 1 1 i 4> l e i t b<*t. XPenigftens ijt er bas feinem urfprüng* 3eicben ber mobernen Äultur. XX>enn wir Sefte feiern, fo feblt
Udjen Sinne nacb, ben er fpäter freilicb verloren b<*t. 2Der wieb* ibnen bie §orm, bie finnlicbe l^rfcbeinung, bie unbefangene
tigjte Vergleichspunkt 3wifcben Scbulftube unb (Turnplatj febeint Sröblicbfeit. €s ijt alles „innerlicb" geworben, unb babureb
mir in folgenbem 3U liegen: 2lucb bie Scbuljhtbe ift ein (Drt ber alles „Außere" feelenlos. 3n ben Leibesübungen ift bas ent*
Übung, aueb fie ift ein (Drt, wo vielerlei 3>wecfe geltenb ge* gegengefe^te Prin3tp wirf f am. Sie jtellen inmitten unferer all3U
maebt werben. Tiber bie Scbulftube ijt boeb noch etwas anberes innerlicb, all3U geiftig geworbenen Äultur bas Prin3ip ber
als ein (Drt ber Übung unb ber Vorbereitung, bas Sufammens Sicbtbarfeit wieber ber. Unb wo ließe fieb bas XX>obltätige biefes
fein von Lebrer unb Äinb noeb etwas anberes als ein bloßes prin3ips beffer seigen als bei ber (Öelegenbeit bes Softes* Unfere
tftittel für irgenbwelcbe oweefe. IDiefes ^ufammenfein ijt Beit verfagt bei ibren S^jten, weil es fieb bei einem $eft eben
bureb f t cb felbft etwas, es ijt eine £rfcbeinung bes öffent* um ben Übergang in bie Sicbtbarfeit b<mbelt. Sie würbe
lieben Gebens, bie für fieb felbjt 23ebeutung bat 3n einer Scbul* niebt mebr verfagen, wenn es feine Scbule mebr gäbe, bie niebt
jtube wirb niebt nur gearbeitet, es berrfebt batin aueb eine wenigftens in i'ebem X)ierteljabr einmal ibre Tlngebörigen 3U
Stimmung. Unb wo bie Scbule in (Drbnung ijt, ba ijt öiefe einem §ejt ber Leibesübungen verfammelte. 15ei einem foleben
Stimmung ber eines Eumplatjes verwanbt: ernftffröbltcb nannte Sejt erbltcfte bie Scbule fieb felbjt, freute fie fieb an fieb felbft.
icb fie. t£rnjt — benn es wirb etwas geforbert unb etwas Unb fo müßte es S^e geben, bei benen eine Stabt f i cb
geteiftet, fröhlich — benn $röblicbf eit erfebeint überall ba, wo felber fiebtbar maebte, unb fcbließlicb S^jte, bei benen bas
5*
58 Sinn tmfc Aufbau btv btutfäm £eib*8übungcn ©inn unb Aufbau btt btutföm SetfKsübungcn 59

gan3e Volt fieb f elber erfcfciene. Boitze S*fte bat es einmal meinfamen Leibesübungen der titanner ertannt. (Dbne den Su* S

gegeben — bei den törteeben, in <Dl?mpia. £s ift ntcfct die üb* jajmmen fcjjtof jfreier, in jSreundf^ f

liebe Verbeugung vov den (girieren, die icb fcier mad?e: das Jänner ift der ©taat nur ein meebanifeber Äörper. £>ie 3ugend, j

Zfytma „Pbüofopbie und Leibesübungen" ift das "bit ft^tn (Öruppen 3ufammenfcb ließt, bat eine Be$iebung 311m
\

griecbif4)e üfcema, denn die (Örieeben find mebt nur das Volt der ©taate, wenn fie im (öeijte 3abns Leibesübungen treibt: niebt 1

Pbüofopbie, fondern aueb das X>olt der töymnaftit. 2lber man nur wegen der 3weete, die damit verbunden find, fondern aueb
muß an den Leib i>abei beuten, niebt an den Äörper, an den aus dem (Gründe, weil fie fieb bei diefen Übungen als ein realer
lebendigen XX>etttampf, nid?t an die abftrafte 3a#, an die Seier, Eeil des T> o 1 1 c s fiebtbar wird —
und was ift der Btaat \

niebt an die „©portseranftaltung". IDie §«ern in <Dlympia waren anderes als das in geordnete €rfebeinung tretende Volt 5

eine Peranftaltung des tytlUnxföm Voltes. JDtefe geiern waren


die einjige (Öelegenbeit, bei denen das in ©tämme und ©tabt* II
ftaattn aufgeteilte Volt der Hellenen feiner eigenen £inbett be* t>ortrö£|, gehalten vov btt ©tubentenfeböft
wüßt wurde. 2lls X>eranftaltung des VolUs war diefe S^ier ein 3enc, }z. 3uü 1932
polttifcbes Ereignis, ©ie war weder ein „Bunftwert",
noeb eine gefellf(^aftli4>4portlicbe „X>eranftaltung": fie war eine
?
Seier, äbnücb jener, als die man fi<b die großen S*fl* ^er beut*
Hennen wir das, worum es fieb bier bandelt, die Kennte* I

feben üumerfebaft beuten tonnte: niebt eine X>orfübrung vov grierung des fcttenfcben. 3ntegcr beißt ja niebt nur mvtx&sTSnb f

einer fiebernden fcltaff e, niebt eine abftratte Leiftung, niebt ein rtmTTondern audT gan3« 3Der ganje tltenfcb ift uns der $u *

Äampf um einen abftratten ©iegertitel — der ©ieg war ein feiner (Bfanjbcit 3urüctgebracbte tftenfcf?, niebt ein pbantaftifeber,

(Sefcbent ber (Öötter, der Sieger wurde in feiner t>aterjtabt eingebildeter, rein innerlicber tttenfcb, fondern der erfebeinende,

tulttfeb geebrt,wir tonnen das mit unferem ©iegerbegriff gar fic^ darftellende, den IX dum erfüllende und ergreifende fcftenfcb.

niebt Dergleichen —
fondern die Äämpfe fanden in einem un*
,
JDie ^e?3ntegrierung des tltenfcben f^liegt die XX>tedergewin*
[

mittelbaren, feelifeben Sufammenbang mit dem $ufcbauenden nung des Raumes, die tXHedereinf e^ung des tftenfeben in den \

t>olte. ©ie waren niebt «in Littel 3U irgendeiner Erregung, 2iaum in fieb. EPir waren alljulange aus dem Raunte vtt* V

3ur i£r$eugung von &pannunQ und ©enfation, fondern etwas trieben; der innere ©inn, der ©inn der 3«t, bat über den äußeren,
j

für fic^: die f eftliebe 23eftätigung einer wirtiieben, in diefem


bofcen Tlugenblict fieb f elber fiebtbar werdenden (öemeinfebaft. raumlicben Ürfc|>einung des^ltenfcben abftrabieren 3U tonnen.
|

XX>enn die Leibesübungen als ernfte, finm>olle üätigteit niebt ^Iber erfTt der im 2<aum erfcb einende unOeT"^Caum ergreifende f

losgelöft werden tonnen x>on der (Öemeinfcbaft, und wenn diefe 3föS^^ 2)er he¥ «wa(ftr©inn }

(öemeinfebaft das Volt ift, dann müffen wir den legten ©inn n^^^Bcsl^ntgBi' ßT^SIfäfcr^SOTn^ ein gefe^ie^tUe^es Pbänos
der Leibesübungen einen p o l i t i f cb e n nennen diefes VDort — men erften langes, ein Tinjeicben dafür, daß die 2fos3ntegrterung
freilicb in einem tieferen und reineren ©inne genommen als wir
des ittenfe^en, die XX>iedergewinnung des ^aWnW^t0Ofinm p(£^

gewobnt find, es 3U nebmen. XDiv müffen uns daran erinnern, 1b¥fe ÖiedergewÄ
dag aueb diefes ÖOort ein gr iecbif cbes ift. IDie Leibesübungen nünftiger geworden find, daß fie endlicb „bygienifcb" 3U deuten

find etwas t>oltstümliebes und X>oltsfreunbltebes. Die Kegie*


gelernt baben, fondern fie bedeutet melmebr eine tDende der
rungen der ^eiligen 2lllian3 \)ahtn diefes IDemofratifcbe an 3<^n Reiten. XX>ir tommen aus einem Seitalter der teebmfeben #aum*
febr riebtig perfpürt, fie baben den politifeben Cbarafter der ge*
beberrfebung, der „außerlicben" Kaumeroberung. £>as gleicbe
©inn unö Aufbau btt teutffcm Seifcöüfmngcn @inn und Tluffmu txr &utf<hm LcÜtteübunflen 6l
60

Seitalter aber, das fich tecbntfcb den Kaum unterwarf, ent3og IDie rein geizige PerföniichBeit, die nicht urfprünglich räum*
den tftenfcben ihn unmittelbar umgebenden Kaume.
feinem, erfüllend Bann auch nicht urfprünglich tftann oder XX>eib
ift,

fein, ©te wird vielmehr von Tinfang an als „fcftenfcb" vorge*


€s würbe ein Zeitalter der XX>eltwtrtfchaft und des 3nter*
ftellt, der fich männlich oder weiblich modtft3iert. JDiefes „huma*
nationalismus 6er XX>erte. 3Der BecBname für liefen XPertinter*
nationalismus wurde das urfprünglich ariftoBrattfche XPortjöil* niftifche" JDenBen ift Jusdrucf derJHbftraBtion vom~KaMne73n
dung. Unter dem eubjett öer ,,Bildung" tft 6Wef «ne reute ^xyOxtXXx^ltxt erfüllen Wann und XDeib den Kaum aufTehr
^hcrlicbBeit", eine rein „getfttge" PerföniichBeit 3U verfteben. ^rj^|^ ^Kif e7 und haben daher auch eine f ehr verfchiedenc"
3n dem eingebildeten Kaume diefer perfönltcbBett Bonnen alle ^Itungr^meTRenfchenerjiehung gibt es nicht, es gibt nur eine

XPerte eine ebenfo eingebildete t>erfcbmel3ung erfahren. %\tx männliche und eine weibliche Ziehung. „Tim Leitfaden des

ift alles unwirtlich, pbantafttfcb, und dtefe UnwirBlicbBeit er* Leibes", wie Hie^fche wir
fagt, gelangen alfo wieder 3U jener

reicht ihren ^öbepunBt, wenn $u dem allem die Jorderung der Blaren und
echten „menfchlichen" Trennung
der (Öefcblecbter, wie

„ÄörperBultur" bin3irtritt. Das reine 3nnere ftellt die S^rde* fie großen und gefunden Reiten eigen war. Und ebenfo
allen

rung der Pflege des Hörpers auf; der Leib, der doch feinen gelangen wir an diefem Leitfaden wieder 3U der Trennung der

©inn in fich felber tragt, muß vom (Stift her gerechtfertigt Lebensalter. 3m
Hebel der „3nnerlichBeit" fließt alles durch*
xverden. Vergebens müht fich die gebildete PerföniichBeit ab, einander; der gan3e tftenfch ift entweder tftann oder XX)etb,

Haltung $u gewinnen. Haltung ift nicht nur etwas „3nner* jung oder alt.

| liebes", fondern auch etwas Käumltcb*flußeritches. Haltung er* Tim Leitfaden des Leibes werden wir aber noch weiter ge*
| wächfl nur da, wo inneres und Außeres zugleich find. €ine führt. £>ie rein geiftige PerföniichBeit Bann fich einbilden, fich
Stellung Bann man „einnehmen", eine f>ctlt\mQ nicht 2Der felbft gefchaffen 3U haben, ein ungeborenes XDefen 3U fein. IDer

moderne fcttenfcb ift der tftenfch ohne Haltung, oder der tftenfch leibhafte wirBliche Sttenfcb, der fich nicht durch „reine 3nnerlich*
einer Bünftlicben, fchaufpielerhaften ^yaltunQ (Pofe). £r ift W* Bett" betrügt, ift durchdrungen von dem (Befühl, Hind 3u fein,
tungslos, weil ohne Verhältnis 3U dem ihn unmittelbar um*
er Tlhnen 3u haben, denen er leiblich und feehfeh gleicht. XDer von
gebenden Kaume tft. JDen XDeitraum h«t er erobert, den nächften der Leibfeele aus denBt, der denBt 3«gleich „erbbiologifch", der fieht ;

l
Kaum hat er verloren. IDen tftenfcben in das richtige Verhältnis fich als <$lted in der großen Äette ©ippe und feines
fetner
;

I 3u dem Kaume 3U fe$en, der ihn umgibt, nenne ich die Arbeit ^ oIEe8 * ^^Kltbrnlm und 3ndividualismus (fließen fich
| der £r3iehung. Ziehung ift alfo leibhaft und räumlich aus. IDer tftenfeh airräumerfüllendes tiefen m
| im Ö5egenfat$ 3U der rein innerlichen, über die Reiten fich aus* 3ugteicb im Kaum der (öemeinf chaf t gef eben werden. Tim
I breitenden rein „innerlichen" Bildung. Leitfaden des Leibes werden wir notwendig vom ifolierten
XT>enn man wiffen will, was Haltung ift, und was nicht, menfehen und feinen SiBtionen weggeführt, 3urücf 3um leben*
dann vergleiche man die ©tatae eines griechifchen Titbieten mit digen, wirBlichen menfehen, 3u dem tftenfeben, deffen Haltung
dem 25ilde eines modernen ©portfiegers, etwa mit der Photo* den Gräften feiner K äffe und feines VolBstums entfpricht
graphie, die fich *>or (Seifows Büchlein „IDeutfcher ©portgetft"
befindet. €in prachtvoller Äerl; aber die £rfchetnung5 hilflos,
2.
befangen, häßlich. €s wird fchlagend flar, daß fich eine Haltung
nicht „einnehmen" läßt, daß eine Haltung nichts XPillBürlicbes IDieTrennung 3wifchen einem 3nneren und einem äußeren,
/ ift, fondern das Ergebnis eines 3ufammenhängendcn Gebens*
die im (Gründe nichts miteinander 3u tun haben, ift für das
[ und ^r3tehungsfyftems. herrfchende ^5ild des menfehen, und damit für den gefamten
62 Sinn uni> "Huffou ö«r beutfcben Jfei&esübunjjen Srnn unfr Stuften btt ixutfd)en Äeibcsübungen 63

berrfcbenben £ultur3ujtan6 be3eicbnenb. XX>enn man in 6er fei. £>te (8run6lage alles ftaatlichen Rechts, 6ie X>erfaffung, wir6

XTHffenfcbaft „6ie Seftfiellung 6es rein fcatfäcblicben" über alles


Es wirb ver*
ihrem pofitiven Buchftaben nach verabfolutiert. J

febä^t, fo Hegt in tiefem Kultus 6es Saftifcben 6iefelbe 6aß ein Voll aus 6er ung ef ch r iebenen X>er*
geffen, j

Dichtung eines toten Äörp erbenfens vor, tote wir es f affung lebt, 6ie mit ihm
geboren ijt, nicht aber aus f

in 6er Lehre vom Menfchen fennen lernten, Man vergißt, 6aß einer geschriebenen X>erfaffung. Stucb 6as ftaatlicbe Leben verfällt
|

wiffenfehaftlicb arbeiten nicht beißt, einen Apparat bedienen, 6er heute in ein Außeres un6 ein 3nneres: auf 6er einen Seite fteht i

gefiederte Saften hervorbringt, fonbern 6aß wiffenfchaftlich ar* ein ftarrer Apparat 6er 3uris6ittion, 6er Verwaltung un6 6er |

beiten beißt, am <£> e i ft e 6er XDiffenfcbaft teilhaben. IDiefer (Seijt Poli3ei, auf 6er an6ern ein einfamer Menfcb, 6er jtreng auf 6en \

ift ftreng, un6 perlangt an vielen Stellen 6en fcatfacbennaebweis. Befttj 6er verfaffungsmäßigen ftaatsburgerlichen (ftefinnung ge* j

IDen ZTatfacbennacbweis aber für bas Eigentliche 6er tDiffenfcbaft prüft wirb. Es ifl 6asfelbe Schema: P^}^jS!^J^3nntxli^
3u halten, entfpriebt einer unwiffenfcbaftlicben «nö unphilofopbi* !eitsergän3ung — auf 6er einen SeiteTtn toter StaaSoirperVaitf
|

fchen X>orjtellung von 6er XPiffenfcbaft. U>ir nennen 6iefe X)ou 6er anoern Seite eine fiftive, rein innerliche (Sfefinnung. t>on 6er jj

jtellungsweife pofitivifttfeb. £>er Pofittvift glaubt, baß mit JCeijbfeele ..eiite^jniii^ vom ^L eben 6es j

Meffen wn6 gesellen 6em Tlnfprud? 6er XPiffenfchaft (Genüge "Staates h«t man feine &in febmbiger^toaTyj
X>orfte5ung.

getan fei, er (galtet 6ie JJntuition un6 6as Wagnis aus 6er etwas an6eres als ein mechanifch regierter & 6 r p er von x>oü
.

tDiffenfchaft aus. IDas^rgebms" ift jener getft* uno feelenlofe Schriften, Beamten un6 Staatsbürgern, er gehört immer nur |

Betrieb, wie er beute an unferen <*>ocbfcbulen herrfebt. emenTt^e^lftnem te^ibfgtiT^en ^>an3en $u. I

^^^eT^eralißfrlichung 6er begriffe voTT^echt un6 Staat geht


Es bleibt jeboeb nicht bei 6iefem Pofittvismus, es tommt noch parallel 6ie Entleerung 6er T>orftelhmgen von Sol6atentum un6
fcbhmmer. man weiß, was man 6er 3nnerlichfeit fdmlbtg ijt
<5eer. Kecht unb Staat wer6en als eine X)eranftaltung 3um
XXKffenfcbaft tut's nicht allein, es muß aueb Bil6ung 6a3u tont*
Schule €in3elner aufgefaßt, 6as <beer wir6 als ein bloßes
men. Un6 fo tritt 3U 6cm äußerlichen, pofttiviftifeben Betrieb
„leiber notwen6iges a mittel 3ur X)ertei6igung angefehen, ertrem
6ie £rgan$ung Bil6ungsgewinns, 6en man an*
in (ftejtalt 6es
ausge6rüdt als eine befon6ers foftfpielige Polt3eitruppe. Es wir6
geblicb bei 6er Befcbaftigung mit 6er XXHffenfcbaft mit bavon*
überfehen, baß 6as ^eer nicht nur 6ie gunftion eines mittels
trägt £>er 6eutfcben 3ugen6 ift 6iefer „Gewinn" 3wetfelhaft
hat, fonbern 6aß es aus S
0 1 6 a t e n bejteht, 6aß 6as 016at* S
gewor6en, fie wen6etfowobl vom wiffenfebaftlicben Bes
fieb
fein bei einem männlichen Volt e eine Lebensform barftellt,
trieb wie von 6er angeblich 6amit verbun6enen Bil6ung ab. Sie 6ie nicht verfümmern tann, ohne 6aß 6as X>olt felbjt mit ver*
6arf fieb aber 6urcb 6te beute berrfchen6e 2(uffaffung von 6er
fümmert. Militarismus entfteht nicht 6a, wo Sol6aten fin6, 6ie
XXHffenfchaft niebt beftimmen laffen, 6ie berotfehe Zat 6er Er*
mit Leib unb Seele 6ienen —
unfer X>olf un6 Sol6atentum ge?
tenntnis 3U mißachten. Vielmehr muß fie 6as herrfchenbe Syjtem
hören 3uf ammen — , Militarismus entjteht 6a, wo an 6ie Stelle
6es Pofitivismus mit 3nnerltcbteitsergän3ung auf allen (£>e*
6es lebenbigen leeres ein militärifcher Uppavat tritt, 6er 3U*
bieten 3U burchfehauen lernen, un6 fich 6a6urch in 6en Staub geleitet un6 verwaltet
le^t nach Jtviüjrifchen (Öefichtspunften
fetjen, ein neues, gefchloffenes Lebensfyftem auf3ubauen. wo
Sol6at herrfcht,
wir6. Militarismus gibt es nicht 6a, 6er

Pofitivijtifch wie unfere Tluffaffung von 6er XPiffenfchaft ift fonbern nur 6a, wo 6er ^ivilift mit feiner flngft, mit feinen
auch unfere 2(uffaffung vom (Semeinfcbaftsleben, insbefonbere 2lnfprüchen an Sicherheit, mit feinen Preftige* unb Erwerbs*
vom Staate. 3Das #ecbt wirb angefehen als ein Byftem felb* rücffichten 6en <E>eijt 6es leeres bejtimmt. IDen 3iviliftifch ent*

ftän6tger t>orfchriften, 6as vom dichter gleichfam 3u bebienen arteten Öolbaten nennen wir einen „Militär". Militarismus
64 Sinn uni> Aufbau btt ixutfcben Leibesübungen Sinn unJ> Aufbau tot fccutfeben Leibesübungen 65

fetjt Militärs voraus. $ür den Militär bcftc^t 6ic Gruppe aus tDir finden auf der einen Seite die ^öcbftleiftung des £m*
„fcttenfcbenmaterial"; fie ift ein nach meebanifchen (öefetjen ftcb $elnen (und der tftannfebaft), auf der anderen das Publifum als
bewegender Hör per, ni4>t ein lebendiger £eib, deffen öetle einen Raufen paffwer, mehr oder weniger fadwerftändiger 3u*
die Äameradfchaft tft. 3Der iftilitarismus ift eine Solge jener flauer. IDas (Sanse ift dann eine „X)eranftaltung". 3« liefen
pofttitnftifcben Auffaffung des IDafcins, 6ic lediglich „iDinge" Peranftaltungen gebort ein ungeheurer Apparat x>on Vereinen
und „fcatfacben", Urfacben und 3wecBe fennt — und daneben und Ausfcbüffen, eine ausgedehnte BüroBratie. Wies $ufammen*
eine baltungslofe 3nnerlicbBeit. genommen ein fittwer Bwfammenhang, in welchem fich oft genug
alles um die ^itelBeit ein$elner „Größen" dreht.
tPenn man den (öeift des Pofiturismus, verbunden mit einer
beflandlofen 3deologie in 2UinBultur tennen lernen will, dann IDcr Sportler lebt in einer XPelt fittwer Beziehungen. IDiefer
muß man die Sportbewegung unferer £age ftudieren. XPelt fehlt der £mft und die Schwere der U>irflichfeit, es fehlt
IDie Sportbewegung erfc^cint mir, gefebiebtlicb betrachtet, als ihr auch otv <$>\an$ und die Schönheit des XPirflichen. Alfred
die let$te große Bewegung, die innerhalb unferes X>olBes eine Peters (Pfychologie des Sporh», m7) fcat richtig gefeben,

falfcbe Dichtung genommen hat. IDurd? die Sportbewegung ijt daß fowohl der Spieltrieb wie der Jlampftrieb innerhalb des
ein grunddeutfeber 3nftinBt in die falfcbe Bahn gelcnft worden, Sportbetriebes sum bloßen perfönlichen 2Ui3mittel entarten. 25er
pflögen andere X>ölfer auf ihren Sport ftolj fein: wir IDeutfcben, Standort, von dem aus Peters den Sport betrachtet, ift mir
$u denen ein 3abn gefproeben bat, follten es beffer wiffen. 3n fremd. (Öegen die fritifchen Seftftellungen diefes gut gefchulten
3abns deutfeber tCurntunft finden wir feinen Pofiturismus mit Beobachters wird jedoch fchwer etwas einzuwenden fein. IDer

3nnerli#Beitsergän3ung, wie er in der Sportbewegung t>or* - Sport wird pon Peters als ein Surrogat erfannt. ent* €r
liegt 2Da ijt alles aus einem (Öuffe. 3ene Bewegung dagegen fpringt einem „im XDirffchaftsleben fchon forrumpierten J&ampf*
btbtuüt nicht einen Anfang, fondern ein i£nde. Sie ift der letzte trieb und einem fchon in ^eaftion gegen die Überfpannung des
Ausläufer der liberaltftifcben Epoche, die letjte Befundung des Pflic^tsCharafters der puritanif4>en Berufs*3öee fenfationeli tnU
f w-
Liberalismus. arteten ,Spieltrieb (,X>ergnügungstriebO

Betrauten wir, was im fcftittelpunft des Sportes ftebt: die Betätigung mit ernftem Äampf ift
IDer Vergleich fportiieher
<5öcbftleiftung des €in$elncn. U>er wollte ttvoa^ gegen die 2m* ein Unfug. £s fehlt der fportlichen Betätigung gerade das, was
fpannung, gegen die Bucht, die eine folebe geifhmg sorausfetjt, 3um echten Äampfe gehört, x>or allem das Moment der Gefahr,
fagen$ £twas ganj anderes ift es, aus ^öcbftletftungen ein der Ungewißheit, des XPagniffes. IDer fportliche „Äampf" fpielt.
Syftem su machen, eine 3deoiogie daju 3U erfinden, felbfh>er* fich ab in einer Tltmofpbäre idrllifcher
(Öemutlichteit. ©er „(Öeg*

ftändliche und nüchterne IDinge moralifcb $u »erflären. Wian ner" gar fein wirtlicher (öegner: er ift der JRonfurrent um
ift

Bommt auf diefe XDeife in ein unwahres, fich felber fteigerndes den Preis. 3n den Sailen, wo wirtlich etwas gewagt wird
IDenBen hinein, deffen BodenlofigBeit der BodenlofigBeit des (<D$eanüberquerung), handelt es fich nicht um fportliche £ei*

ganjen, auf die abftrafte iböcbftieiftung gerichteten Syftems ent* ftungen, fondern um einzelne Bühne Abenteurer, x>or denen man
fpriebt. 2Die ^öcbftleiftung ift das einige Biel. Aber diefes Biel Achtung haben fann. IDer „Äampf" aber, der mit einem Sefteffen
ift rein formal. s£s tragt feinen XPert, feinen 3nbalt in fich endet, oder mit einem erotifchen Abenteuer, der „Bampf", bei dem
felbft. Und cbarafteriftifcb ift, dag es feinen AusdrucB in einer man in jedem Salle ein ehrenvoll Unterliegender ift, und bei dem
craften Sabl findet. i£s ift dies ein Symbol für den Übergang man fein üeben etwa in der XPeife einfe^t wie jemand, der ein
in das Bereich *>er bloßen (Quantität. £uftfchiff oder die £ifenbabn befteigt

ein folcher Äampf Bann
66 6inn uni> 2lufb<TO b«r beutjVbtn JCeifKsübimgen Sinn unb "Huffxm btx beutföen Ueibtsöbungen 67

nur von einem hoffnungslofen Privatmann mit einem wirtlichen hier weber echte Äamerabfchaft noch ein echtes Symbol, eine
VDillen 3um Siege in X>erbinbung gebraut werben. Salme, fonbern höchftens eine vorübergehenbe £eiftungsEamerab*
3nbivibualismus ber fportlichen Betätigung liegt flar
£>er fchaft unb ein bisEret getragenes X>ereinsab3eichen. €s würbe
3Utage. man übt f i ch, man fucht bas Befte aus f i ch heraus* lächerlich wirEen, wenn ein Sportverein aufmarf frieren wollte:
3uholen. ber XX>ettfampf ift nur ein Wittel bes Vergleichs. jeber €in$elne vom XPillen 3ur „^öc^flleiftung" befeelt, Eörper*
„tX>illensfd;>uIung
a bie fagt Sporttbeologie $u biefem Zatbtftanb. Mö) unb geiftig bis3um^e§ten ausgebilbet —
unb fie Eönnenbo^
Sie beutet ben äußerlichen, formalen CharaEter biefer tDillens* nic^t markieren! XParum* XX>eil Privatleute nic^t markieren
fchulung ins Pofitive um* 2lber es gibt Eeine echte XPillens* tonnen. \

fchulung, abgefehen von bem Siel. <5at bas Biel nicht einen
IDem Sport entfpric|)t nid)t eine eigene Haltung. tPenn id?
tDert in fich felbft, bann ift bie gan3e XTWensfchulung nichts
mir bie jungen Männer von ^eute anfe^e, bann finbe i^> 3**>ci
wert, benn fie ftößt ins J^ccrc* IDas ift bei ber fportlichen XX>iilens*
Haltungen (von benen, bie überhaupt leine Haltung ^aben,
fchulung ber Sali, IDaraus folgt lUQkify baß 6er Sportbetrieb
brauet man nid?t 3U reben): bie eine Haltung ift bie bes Cutters
eben wegen feines Sormalismus ben (EharaEter bes €in$elnen
fol^nes, bes homme ä femmes, bes fcftannes, ber ^auptfäc^lic^
nicht in feiner vermag, nichts ift in biefer
£iefe su erfaffen
in weiblicher (Sefellfc^aft fein -Seben erfüllt unb fid> bement«
<oinficht be$eid;nenber als unb politifche
bie weltanfchauliche
fprec^enb halt. Haltung Eann in wecfcfelnben ^eitftilen
IDiefe
„neutralität" ber Sportvereinigungen. £>em prattifchen 3nter*
erfc^einen, eine Zeitlang war mübe €!egan3 Wöbe, heute bevor*
nationalismus ber (Dlympifchen Spiele entfpricht ein innerer
3ugt man bie braungebrannte €legan3, man liebt es, als porU S
3nternationalismus: neutralitat put wie üb«rall_nur bas
ift
tav alier auf3Utreten. 25as bebeutet, baß ber Sport nicht bie
JS^JfeiM JEff!? tc
,
poiWf^e Btellungna^me auf ber Smfr Äraft hftt, eine Haltung 3U prägen, baß feine Äraft vielmehr
bes geringjten XX>iberftanbes, wobei ber „tDiberftanb" 3u meffen
höchftens fo weit reicht, einer fremben Haltung eine gewiffe
Tft an oer für ben Sportbetrieb fo wichtigen „führenben"
Schattierung 3U geben.
Preffe.
X>on mannen Seiten wirb IDieuns an^emeffene £>er IDeutfche
baß ber Sport mbi*
vibualiflifc^ gerietet fei.
beflritten,
€x führe notwenbig vom 3ch jum witb im ^usianb —
bies nur als Seifpiel —
ftets als Solbat

tDir, von i£inbruct mad;en, als Zypm erfcheinen unb als folcher refpettiert
ber ^insellciftung $ur tftannfchaftsleiftung, vom
werben. 3ch fürchte, wenn er es auf anberem XX>ege verfucht,
^injelnen 3ur (öemeinfehaft. 3n ber XPettEampfmannfchaft muß
fich jeber befonbere XX>ille 3um Siege bem gemeinfamen Sieges« wirb er von einem echten Stan3ofen ober ^nglänber immer noch
willen unterorbnen. tftan überfielt bei bem lobpreis biefer ($e* fpielenb gefchlagen werben.

meinfehaft nur eines: baß es fich hier ftets nur um eine flüchtige Heben ber internationalen Sportbewegung haben wir noch
5wecEgemeinfchaft hanbelt. IDer Sweet ift bie gemeinfame 4>ö#ft* eine Bewegung, bie fpesififch beutfd? ift in ihrer 2lrt unb ihrer
leiftung, 3ur T£rreichung biefes Swecfes verbinbet man fich in Begrünbung: bie ^Ymnaflifbewegung. XX>ährenb bie Sport*
Übungsftunben; ift bieÜbungsftunbe vorüber ober ber SwecE bewegung pofitiviftifch unb rationaliftifch ift, ift bie ($ym*
im XDettfpiel erreicht, bann fällt alles wieber auseinanber. €in naftübewegung ausgefprochen irrationaliftifch« Unter einer neuen
Sportverein ift unb bkibt ein „Verein", eine bürgerliche £in* Religion tut es ber IDeutfche nicht, gan3 gleich, worum es fich
richtung, er wirb niemals bie Scftt^Bcit einer ftubentifchen J&or* hanbelt. 3Die ^ymnafti! will einer neuen 2Uligiofität Huebtud
poration ober einer Kompagnie haben. i6r befreit aus Sivitiften, geben, fie ftrebt einem neuen Äult 3«» «£s ift ein Kultus ber un*
bie fich für eine beftimmte leiftung verbunben haben. i£s gibt bewußten Gräfte, jener Äräfte, über bie ber XPille nicht £err
68 tmi> Aufbau öer btutfäm *eifK8Üf>unflcn Sinn unt> Tlufbütt btt btutfätn Äcifresübungen 69

ift, 6ie rhythmtfch unge3wungen regen, man tonnte von


fidb
un6 3ünglingen nicht ein fertig gefranstes 36eal männlicher
einem j&ultus 6er tftutter i£r6e re6en nicht 3ufällig ent* — Haltung auf3wingen 6arf, fon6ern 6aß auch 6er 3üngling un6
6ectt 6ie Theorie 6iefer Be6eutung 6er i£r6*
(Öymnaftit 6ie 6er tftann wachfen müffen. „tDachfen" freilich nicht aIlcMl nftCh

fchwere für 6te natürliche Bewegung wie6er (Bo6e). B«tgc* 6em Rhythmus 6er Hatur, fon6ern wachfen auch unter 6er
fchichtlich ift 6ie (ÖymnafUtbewegung ju »erfreuen als (Segen*
ftrengen Bucht eines T>orbil6s, unter 6en harten 2mfor6erungen

ftoß gegen eine Epoche 6et X)ermännlichung in einem ganj be*.


beftimmter Leitungen, eines IDienftes. Es ift aber 6och etwas

ftimmten Sinne. £>er tltcnf4> foll 6em Rhythmus 6es (Triebs an6eres, ob Leitungen wie ein abfoluter, geometrifcher
6ieft

lebens wieöergegel^eirwr^em Symtol oafür ift 6ie l^rfenntniö, Gahmen angefehen wer6en, 6er, gleichfam unperfönlich, alles
6^ag fetn " Sch werpuntt in 6er (Öegen6 6es Bectengürtels liegt, 3wingt, fich nach ihm aus3urichten, mag auch 6as LeJ>en 6er
un6 nicht in 6er (Öegen6 6es Schultergürtels, wohin ihn 6as Bewegung 6abei fterben —
06er ob fie 6em leben6tgen Ein*
36eal 6er übermännlichen Strammheit »erlegt hatte. 3Das Syftem 3elnen freien Spielraum laffen. (Leib gegen „Äörper".) £>ie
6er Bewegungen un6 Übungen änöert fich völlig im Licht 6iefer (Öymnaftit tann uns 6abei helfen, 6ie neue Haltung 3U ge*
Ertenntnis. Es ift nicht 3« leugnen, 6aß 6tc (Öymnaftit wie Winnen, 6ie pofitiviftifche Strammheit 6urch leben6ige Straffheit
ein £auwin6 gewirtt hat. Sie hat tommen muffen, um 6ie 3u erfetjen. IDer 3üngling foll tftann wer6en, er foll fich von

Erftarrung ju löfen, in 6ie 6ie bürgerliche Eurnerei perfallen war. 6er Butter lofen —
aber nicht fo, 6aß er )'e6e Erinnerung

3ch hoffe un6 wünfehe, 6a§ 6ie 6eutfchen Leibesübungen 6ie rieh* an6ie£ttutter verliert.

tigere Anficht vom Leibe un6 feinen Bewegungen, 6ie in 6er ^ein technifch angefehen ift vieles, was innerhalb 6es Sports
(Symnaftit vorhanöen ift, nicht mehr verlieren. IDamit ift je6och un6 6er (Symnaflit getrieben wir6, gefun6 un6 gut. nicht
in {einer XX>eife ein 3a 3U 6er Religion un6 Philofophie 6er (8ym* was gewollt wir6 —w
i e es gewollt wir6, ift falfch. S^lfch

nafttt verbunöen. 3ch Bann einen *ttenfd?en, 6er in tan$erifchem ift, 6a§ alles auf 6en eigenen „Äörper" abgeftellt wir6. IDas

Xaufch feine „Erfüllung" fucht, un6 6iefe Erfüllung als Religion 3n6ivi6uum tommt nicht von fich los. 3nnerhalb 6er mo6ernen
(für wen 5) nehmen. IDer rhythmifche IDauer*
anpreift, nicht ernft ZCan3bewegung verhöhnt man 6ie alte Anficht, 6ag 6er ZEän3er
raufch als Lebens3uftan6 fcheint mir etwas wenig befonöers — für 6cn Bufchauer 6a fei. Hbtt man tommt von 6er X)orftellung

für einen fcttann. Überhaupt fcheint mir 6ie (Öymnaftit mehr nicht los, 6ag 6ie Bewegungen 6es tCän3ers „für )'eman6" 6a

von XX>ert für 6ie Übungen 6er Stauen $u fein. 2Die <5inwen6ung fein müßten: man glaubt wer weiß was Qttan 3U haben, wenn

von Bannern $ur (Symnaftit fann ich nur als eine Slucht *> or man erfiart, 6a$ 6ie Bewegungen 6es £än3ers nur für ihn
u wer6en
6er MTannwer6ung anfehen. tfttt befon6erer 3ntenfität wenöen f e l b ft 6a feien, 6ag fie von ihm f elbft „empfun6en

6ie jettigen 6er (öymnaftit fich 3U, 6enen 6ie Loslöf ung von 6er müffen. Sur 6as X)olt ift 6iefer gan3e in6ivi6ualiftifche Sput
Butter nicht gelingt. Sie fchütjen 6as falfche, pofitunftifche „Krampf". IDas „wie" ifl falfch, be6eutet hier: Leibes*
nichts als

36eal militariftifchstumerifcher Strammheit vor, um 6efto ficherer Übungen haben nur 6ann einen Sinn, wenn fie nicht unmittel*
6em X>orbü6 6es echten Sol6aten entfliehen ju tonnen. bar „für" 6en j£in3elnen fin6, fon6ern wenn fie 6em i6in3elnen

Es ift heute we6er mehr 6ie Beit, gegen 6iefes 36eal 6er t)er* mittelbar 3Ugute tommen, unmittelbar fe6och als Ze i

gangenheit an$utampfen, noch 6ie Bett, gegen 6ie (Symnaftit eines Lehensgan3en auftreten. *>om Sinn 6er Leibes*

Pfeile 3U fließen. XX>ir fin6 fo weit, um von 6er (öymnaftit Übungen re6en etwas gan3 an6eres als man bisher
heißt 6aher

lernen 3u tonnen, un6 wir haben vor allem von ihr ju lernen, 6arunter verftanö: es heißtvon 6em Lebensgan3en re6en, in
6aß £1?annwer6ung fich nicht bei allen gleich einfach un6
6ie welchem Leibesübungen an einer beftimmten Stelle vortommen.
gera6linig voll3ieht. XX>ir haben 3U lernen, 6aß man 6en Änaben
70 ©in» «ni> Aufbau btt txutfc&m ZtibtmbxmQtn Siim unb Küfb&u btt Jxutfcbtn Ätibtsübungen 71

3* eine aufs äußerfte gefteigerte Empftn6lichteit für fich felbft, man


3n 6er hYfltenifchen Kultur 6er Gegenwart famt Sport* ift blin6 gegen 6ie Sülle 6es (Semeinfchaftslebens. IDie vergebe

bewegung un6 gfmnaftifchem betrieb lauft eine Epoche aus, 6ic liehen perfuche, 6ie jetjt innerhalb 6es £lages*Äretfes gemacht
6en ifolierten tftenfehen 3um (8egenftan6 bewußter Sorge macht, wer6en, in 6ie Sphäre 6er un6 6es Staates »orsu*
Polittf

fei es 6er Borge um 6en Körper, fei es 6er Sorge um 6en.<8eifk 6ringen, erweif en 6ie UnfruchtbarJeit 6es irrationaliftifchen 3n*

IDie „Äörperfultur" entfpringt einer fpe3ifif#en Bewußtfeins* 6u>i6ualismus nur r>on einer an6eren Seite.
Haltung, einer Einleitung auf oen 4>öchftwett 6er eigenen Per* Es gibt eine emsige Lehre t>on 6en Leibesübungen, 6ie 6en

fönlichteit, einer übertriebenen X>orftellung von 6cn Sftöglich* we6er rationaliftifch noch irrationaliftifch als X>er*
fcftenfchen

feiten bewußter Lebensgeftaltung 6es Eisernen 6ie auch 6a — ekelten nimmt, fon6ern 6as gan3e Problem 6er Leibesübungen
noch »erliegt, wo 6er Eiserne fein IDafein aus 6em „Unbe* unter 6em (Sefichtspunft 6cs MTenfchen als eines politifchen Lebe*

wußten" heraus Eine XDeltanfchauung, fo fagen


geftalten will! wefens aufrollt: 6as ift 6ie Lehre Stie6rich Lu6wig 3ahns. IDie
6ie Vertreter 6er hYgiettifch*fpottUchen J&ultur, fleht hinter uns: ein3igartige Be6eutung, 6ie 3ahn fchon wegen 6iefes 2lnfat$*
wir fetjen 6en ganzen tftenfehen wie6er in feine stechte ein. Itbtv punftes 3ufommt, fcheint mir bei weitem noch nicht genug ge*

welche TIbftraHion ifl 6iefer „gan3e" tftenfeh! Es ift nicht wür6igt — fonft wür6e man nicht heute noch 3«hn mit 6em
6er tfienfeh in 6er Sülle feiner Lebensbe3ichungen, 6er fcftenfch Ttufflarer (0uts*£TCuths in einem 2ltem nennen. 3<h fühle mich
in 6er (öemeinfehaft, 6er tftenfd? als polittfehes Lebewefen, 6em Reifte 3<*hns t>erbun6en, wenn ich nun »erfuche, einen

fon6ern es ift 6er tHenfc^ als Privatmann, Börper 6er feinen <Srun6riß 6er 6eutfchen Leibesübungen 3U geben.

pflegt un6 3U irgen6einem 3wecfe „ertüchtigt", Übungen un6 3u 6iefem 5wecte muß ich Sic 3unächft bitten, 6ie 3hnen gs*

EDettfämpfe mitmacht, fich einer gymnaflifchen Schule 3um 3wect läufigen Einteilungen un6 Begriffe fallen 3U laffen. Sie fin6

6er 2luflocferung un6 Steigerung feiner PerfönlichBeit »erfchreibt. gewohnt, 6ie Leibesübungen nach 6en technifchen S<*men ein3U*
Es ift gleichgültig, ob man 6em 3n6h>i6ualismus pofitwiftifch* teilen. Sie fprechen vom Spiel un6 vom »olBstümlichen Eurnen,

fportlich o6er irrationaliftifch*gymnafttfch hul6igt. IDie (Öym* Pom (ßeräteturnen, x>om Schwimmen, Ku6ern un6 Skiläufen,
naftiBbewegung hat 6en X>or3ug, 6aß fie auf 6em (Gebiete 6er un6 r>on 6er 2lnwen6ung 6iefer IDinge im Sport. Um meine
ZLheorie etwas geleiftet hat, was gewiß nicht 3ufällig ift. IDer Einteilung 3U »erflehen, müffen Sie 6en Hopf herum6rehen,
Dualismus 6er Sportieret: hier 6ie 3wectlofe Körperliche Leiftung un6 von etwas ausgehen, was Sie nicht 3U berücJfichtigen ge*
— 6ort eine unwahre, moralifieren6e 36eologie ift hier über* wohnt fin6, un6 was 6och 6as VX>ichtigfle ift: vom ittenf4>en
wun6en. £>er leben6ige fcftenfch, 6ie Leibfeele ift ent6ecft, 6er un6 6er Zvt 6es Bufammenfeins von tflenfchen. nicht von 6en
fcttenfch wir6 als ^aumerfcheinung, feine Bewegungen wer6en
Übungen her fehen! tltit einer ^ln6erung 6er Übungen wür6e
als ein <8an3es er!annt. 2Das gan3e (Öebiet 6er Leibesübungen ift
nichts gewonnen. IDer 3n6wi6ualismus ift t>on mir nicht nur

6urch 6ie gymnaftifche Bewegung erneuert un6 befruchtet wor* theoretifch abgelehnt wor6cn —
ich lehne ihn auch praltifch

6en, fo wie Sportbewegung in


es 6urch 6ie technifcher ^inficht ab, in6em ich bei 6er Einteilung 6er Leibesübungen nicht vom

aufgelodert un6 bereichert wor6en ift. 3u einer tieferen Er* Eisernen ausgehe, fon6ern vom Leben 6es ^fanjen, vom
neuerung tonnte je6och auch 6ie gymnaftifche Bewegung nicht Leben 6es X)ol!es un6 6es Staates. IDer „gan3e tUenfch" heißt

führen, weil fie ihrem 2wfat$ nach auf 6as Ein3elin6it>i6uum


hier alfo: 6er fcltenfch in feinen Be3tehungen 3U Volt unb Staat

gerichtet war. Ein Buch wie töläfers „Äörperfinn" laßt 6ie 3Die bisherige, rein technifche Einteilung 6er Leibesübungen
X)ereinfamung ertennen, in welche 6er fcltenfch auf 6iefe XPeife fe§t 6en beftehen6en gefellfchaftlichen 3uftan6 »oraus. IDiefer

geführt wir6. tftan laufcht nur noch m fich hinein, man h*t ^iefellfchafts3uftan6 3eigt 6en 3n6it>i6ualismus in feiner ^er*
6
72 Sinn unb ZtfHu btt bwtfätn Ucifcsübungen Sinn unfc Tfofbftit J*r txutfc&ert *<ü«8übtmgcn 73

fetymg: baber bie Pflege bes Ein3el*3cbs 6urc^ Sport unb IDeutfcbe Leibesübungen
(Byrnnaftit, baber bie politifche Heutralität beiber Bewegungen,
Voltstümlich politifcb
bie eben nur auf bem Boben bes beftebenben Suftanbes gebeten
nur möglich Jlinber, Räbchen, Stetten Jtnaben, 3ünglinge, tftänner
tonnen, Eine Deformation 6er Leibesübungen ift

unter 5er X>orausfe$ung, baß ber beftebenbe gefeit Spielf r eu6e J&ampf getft
fcbaftlicbe Suftanb fich änbert, 6er 2>uftanb, bei wel* Spiel Übung
ehern eine fleine ^Inja^l x>on Luruswefen auf Äoften 6er <£>e* £an3 tlurnen

famtbeit eriftieren, ohne Sufammenbang mit 6iefer töefamtbeit, Übung (Hummeln) XVetttampf
ohne repräfentatwe, barftellenbe jfrraft. (in (Gruppen) (in tftannfebaften)

f 3cb fc^c voraus, baß wir einer großen Vereinfachung unferes iDie Leiftung wirb nicht ängftlicb gemeffen, fie wirb bei
I Lebens3uftanbes entgegengeben. BaT'S^ ben Übungen ber 3ünglinge unb fcftänner geforbert (bas ift

mtßx>erftanben werben in 6em Sinne: tftan febräntt fich eben ein, felbfh?erftän6licb), aber fie ift nicht ber „3>wect". Sinn ber mann*
im übrigen bleibt wie es ift XOix werben yieljnjfer^mtf
alles liehen Leibesübungen ift bie Entfaltung bes tttannestums, bas
bie elementaren Äräfte in unferem X)oftT5ufü(fge|en muffen, wir männliche ^ufammenleben auf bem Hurnplatj. Unb ebenfo ift ber
werben einen tteubau von ben mwerfebrten junbamenten aus XVetttampf nicht ein fcltittel 3ur <oÖchftleiftung für ben Ein3elnen,
Itr^ytm'Saß^'XÖmn' man beute 3alm lieft, muß man über fonbern 2lus6tuct bes Lebens einer fcftannfcbaft. IDas Humen hat
Sie^teiff unS'^einbeit ftaunen, mit ber er überall auf biefe nicht ben „5wect" ber törperlichen Ertüchtigung — Bwecf
biefer
Sunbamente $urücfgegangen ift. Es ift öie große Schulb 6er wirb r»on felbft erreicht — , es foll auch nicht nur „Vorbe*
eine
IDeutfcben üurnerfebaft, baß fie 6ie hohe Verpflichtung, 6ie 5as reitung" auf ben £ltilitär6ienft fein — auch Sweet xokb
biefer
Vermächtnis 3<^)ns ibr auferlegte, niebt übernommen bat IDenn von felbft erreicht — ,
fonbern es ift reinfter 2lus6ruct männlicher
aueb fie ift im Pofitwismus erftarrt. XVir feben beute 6ie Lebensfreube, bie nur in traftooller Betätigung unb fameraö*
IDeutfcbe un6 berfebwanten, fieb allen
üurnerfebaft ratlos bin* fchaftlichem Bufammenleben fich entfaltet.
Beitjtrömungen öffnen, 6er Sportlerei fo gut wie 6er (Öym* IDen 2lus6ruct „Humen" möchte ich für bie Leibesübungen ber
naftit, wir feben fie poUtifcb unentfebieben tur3, wir feben — £ftannfcbaftett allein gebrauchen. 3m tfttttelpuntt ber Leibes*
fie untergegangen in ber heutigen (Öefellfcbaft. Äein neuer Ttnftoß Übungen ber grauen follen Spiel unb Han3 fteben. IDie Leibes*
gebt von 3DH aus, man tommt nicht einmal auf ben (8e*
ber pflege bes Räbchens unb bes Weibes fann, wenn man Spiel unb
bauten, baß B. bie Entartung bes mobernen (Öefellfcbafts*
3. £att3 richtig anlegt, auch auf biefem XVege erreicht werben. Es
tanjes auch etwas mit bem falfchen Betrieb in ber IDeutfcben ift bas Prin3ip meiner Einteilung, baß bas hygienifche Moment

Hurnerfcbaft 3« tun habe. fcltan b<*t ben Hinweis 3ahns auf bes nicht tfoliert auftritt, fonbern gebunben ift an unmittelbares
XVeibes eigene 2lrt unb Aufgabe nicht gebort. 16s gibt .grauen« Leben unb (tun. IDer Pbantafie unb ber Hätigfeit ber grauen
abteilungen in ber 1DH, bie genau bas machen, was von ben wirb ein ungeahntes gel6 eröffnet, wenn ihre Leibesübungen
Bannern gemacht wirb, nur baß bie (gewichte unb bie tftaße nichts Privates unb Zufälliges mehr finb, fonbern gebunben auf*
etwas tleiner finb. £TCan bentt nicht bavan, ben Unterfchieb treten an ben poltstümlichen Zmbvud bes grohfinns unb ber
3wifchett £Hann unb XVeib, ben natürlichen wie ben fo3talen, 3ch beute alfo nicht an t>oltstümlicbe Han3auf*
(ßfefelligfeit.

3ur (S5runblage einer Einteilung ber Leibesübungen 3U machen. führungen im Kähmen bes beftehenben ^uftanbes mit feinen
Unb boch ift 6ies 6er ein3tge XVeg, ber 3« «wer lebenbigen <8efellfcbaftstätt3en uff., fonbern ich habe einen Suftanb t?or
Syftematit ber Leibesübungen führt. Tlugen, in welchem fich bie (Öefcblecbter nur noch auf Soften
6*
74 Sinn 2luf b<ro i*r txutjVbcn Stibtsübunßen 75

begegnen, bie von Stauenorgamfationen im Kabmen 6er beut*

(eben Leibesübungen vcranjtaltet werben.

TOoltstümlicfc Politik
Sefte Skiern iDte getftesgefc^tc^tltc^e £age im Spiegel ber
Spiele unb £«n$e Aufmarfebe unb XPettfampfe
mat^emattf unb P^jiF
IDie (Sefebleebter nehmen gegenfettig an ibren Soften tmb
Sebwimmen, Kubern, Skiläufen geboren in ein Vortrag, gtbalttn vot btt ©tubmtenjVbßft
Setem teil.
unb von beiben IDrcööcn, 30. VCovmbtt }$B}
bas 3wifeben beiben Abteilungen
(Öebiet, liegt,

gemeinem organifiert wirb.


muß wieb* 3ebes ein3elwiffenfebaftlicbe Ergebnis bat eine Begebung 3U
IDie IDeutfebe Curnerfebaft ber SuEunft bie

Sie naeb Alters* bem 35ilbe, bas wir uns von ber XX>elt maeben.
3nfofern
tigjte nationalpolitiftbe ^rjiebung leiften. ijt

eebter fteeft in jebem einselwiffenjebaftlieben Ergebnis eine Deutung.


gegliebert. 3eber einjelne 23unb ijt
tlaffert
^uglcicb ein
Über biefes 33ilb („XXMtbilb"), über biefe JDeutung UnxotQ fyätiQt
3ünglings* b$xo. Wännerbunb. Heben bem fcurnwart ftebt ein

Borge für bie völ* bie


bie ^itt3elwiffenfcbaft mit ber getjtesgefebicbtlicben Lage 3U*
JDietwart. Aufgabe bes IDietwarts ijt

Heben Eurnwart unb fammen. IDie (öleiebungen bes Pbyfifers bleiben unveränbert, fie
Jifebe unb jtaatspolittfebe £r3iebung.
erfabren böebjtcns eine Komplt3terung ober eine t>ereinfaebung.
£>ietwart jtebt ber (Dbmann, bem ber gefebäftliebe Ceti zufallt
SUprafentation)! Alte brei müffen Aber biefen (Öleicbungen Eommt aueb noeb ein Sinn 3u; wir
(aber niebt bic gan3e
lefen bie woblbetannten (Öletebungen beute mit anberen Augen,
Turner fein.
^ als man fie im vorigen 3(^t^unbttt las. IDamals erfebienen fie

3eb babe niebt ein einiges tttal bie (örteeben jitiert. Hiebt best* uns als bie Sormeln ber unerbittltcben Hotwenbtgteit, wir glaub*
balb, weil icb bas für unwiebtig ober für niebt bergebörig b«lt, ten bureb fie bas (Sefebeben bis in feine f leinjren Heile binein 3U

fonbern weil teb glaube fo gefproeben 3« baben, baß ein ßrieebe beberrfeben: bie (Sleiebungen gelten noeb beute, aber fie baben
mieb verjtanben bätte. einen veränberten Sinn.
Hebmen wir an, ein (Öricebe tarne in eine frembe Stabt. tftan 16s gab vor Iur3em einen Swületonismus, oec ^m jt Vorliebe
3eigtibm bies unb bas, enbli<b fagt er: ieb fcabe viel gefeben auf tltatbematif unb PbvfiE jtü^te, um mit <5ilfe ber Analogie

unb bewunbert — aber wo ijt ber piatj, auf bem eure 3üng* alles tftöglicbe unb Unmöglicbe ba3U in Be3iebung 3U fe^en.
linge ringen* IDicfer piafc bebeutet für ben (Brieden niebt einen XX>as würbe unternommen,
niebt alles als bie Bericbte über bic
<Drt ber Körperpflege unb ber Jörperlteben €rtücbtigung, niebt Kelatwitätstbeorie in bie <£>ffenttieb!eit brangent IDa gab es eine

einen (Drt vcrgleicbbar ben labern, fonbern einen mittel* impreffioniftifebe unb eine erpreffionijtifebe PbYfiE, unb es fab
punft: einen fcffittelpunrt ber Kultur unb bes Staates. £>cnn mancbmal fo aus, als müßte j'ebe balbwegs anjlanbige 33c*
ein foleber mittelpunBt ijt ba, wo bie männliebe 3ugenb eines wegung inncrbalb ber fytil ober ber tltalerei mit einem Um*
£anbes exogen wirb, ^rjogen wirb man aber niebt bureb fhu*3 in ber PbyfiB parallel geben. XOtt fieb niebt blenben lieg,

Pflege bes Körpers unb bureb förperliebe £rtücbtigung, erlogen ber fpürte wobl, baß in biefem ptötjlicben hervortreten ber P^yfit

xvirb man nur ba, wo inmitten bes Planes ein töilb aufgeriebtet etwas lgrregenbes lag, aber es war noeb vor 3ebn 3abren niebt
tfr. XX>ir JDeutfeben baben ein folebes ^ilb^wtf wtff
en es nur möglieb, einigermaßen Har aus3ufprecben, was vorging. €s
niebt, wir \)abtn es noeb niebt aufgeriebtet. Aber wir werben es taffen fieb eben niebt Heine Seitabfebnitte mit ibren xvecbfelnbcn
eines fcages auf Hebten: bas 25ilb bes 3üngtings von £angemar<£ Stimmungen unb (öefebmäetern $u bem XX>anbel wiffenfebaft*
76 E)ic gctfleögefc&ict>tlt#e U#t 3Die gctfiesßefc^ic^tli^c 5«gc 77

lieber <örun6ar.fcbauungen in 35estebung fe^en. £>iefe 23e$tefctmg tum fübren6 war, ging aud? 6iesmal t>oran: auf 6em tDege in

ift 6a, aber fic beftebt nur swtfc^cn 6en großen geiftigen
6ic (SrunblagenErife. Bie bat 6amit ibre alte £bre be*
Syftemen, 6ie fieb niebt über 3abr3ebnte, fon6ern über 3abr* IXiuvitL €ben batte fie 6urd? tDeierftraß febeinbar ibre le$te

bunöerte binweg erftreefen. XX>enn es beute möglich ift, einen töefebloffenbeit un6 formale Strenge als 6ie XDiffenfcbaft 6er enb*

tiefergeben6en XPanoel in 6er £age 6er £in3elwtffenfebaften fejt*


lieben Größen crbalten 6a tauebte— 6ie tftengenlebre (Öeorg

3«ftellen, 6ann ift öas ein Beiden 6afür, 6aß eine neue
Cantors auf —
6ie XXHffenfebaft vom Unenblicben. IDamit war
ein Clement 6er Unrube in 6as febeinbar fieber 6afteben6e <&t*
£ p o cb e im Anbrucb ijt.

ftebt 6ie Pbilofopbie bäu6e getragen. JDiefe Unrube wuebs, als bie Antinomien 6er
Beit ibrer ^ntftebung bei 6en <8rted?en
in t>erbin6ung mit 6en XXHffenfcbaften. X>on IDescartes bis mengenlebre auftauebten, als erjte 6ie t>on 33urali*Sorti (|$cj6),

Bant btfufyt fogar wie im Altertum 6ie Perfonalunion von fpäter 6ie von #uffell*5ermelo. Hacb bem 33ericbt von Aöolf
£in3elwiffenfebaftler un6 Pbilofopb- An 6em IPerbältnis von Sraentel maebten 6iefe Antinomien auf (Seifter wie !De6e!in6
un6 Srege einen „nie6erfcbmettern6en £in6rucf".
Pbilofopbie un6 i£in3elwiffenfebaft laßt ftcb £ntfebei6en6es er*
3Die Antinomien 6er tftengenlebre fin6 feine bloß
Jennen, un6 es fin6 gera6e 6ie großen Abfebnitte, bte fieb in biefer inner*

^ejiebung markieren. 2>ie Pbilofopbie Äants ftebt, wie man matbematifebe Angelegenbeit, fie bewegen fieb auf 6er <Sren3e
feiernimmer gelben bat, in engftem Sufammenbang mit 6er von matbematif un6 logiE. IDie J^age ijt 6ie: wen6et man 6ie

pbrftf Hewtons. JDie Pbilofopbie Tegels 6agegen protestiert


(Öefe^e 6er überlieferten £ogit auf unen6licbe mengen an, „auf
gegen XPiffenfebaft ibrer Beit: <begel greift auf 6ie Pbrfi*
bie
6ie 6ie matbematiE als 6ie XPiffenfebaft x?om Unen6licben Beines*

Itepplers 3urücf. JDie X)eracbtung 6er Empirie un6 6er fcltetboben


falls t>er3iebten Bann", fo ergeben fieb oie ernfteften Bebwierig*

6er tDiffenfcbaften 6ureb £egel un6 feine Scbule batte 3ur


Beiten. Beit einem X)ierteljabrbun6ert ift man bemübt, aus
Bant Heu* 6iefen Scbwierigfeiten beraus3uBommen.
Solge, 6aß man wte6er auf 3urüetging. £>er IDie beiben 2<icbtungen,

Eantianismus febloß fieb aufs engjte an 6ie tftetboben 6er £in$el* 6ie 6abei eingefcblagen wor6en fin6, Bonne mit 6en Hamen
wiffenfebaften an, er wur6e eine Britifcbe „Cbeorie 6er £rfab* ^ogi3ismus un6 3ntuitio nismus
be3eicbnct wer6en.

rung". Seit6em ift 6as tterbältnis jwifeben Pbilofopbie un6 3Die Srage ift: foll 6ie 5ogiB 6er matytmatit untergeorönet
ungeflart geblieben« t£s wäre ein fixeres wer6en, was einer Ablebnung 6er überlieferten 5ogiB in be3ug
t£in3elwiffenfcbaftett
Bethen, 6aß tiefere Umwäl3ungen mit uns vorgeben, wenn fieb auf ibre Anwen6ung auf unen6licbe Mengen be6euten wür6e
fcftftcltcn ließe, 6aß 6as X)erbältnis 3wif<ben Pbilofopbie un6 — o6er foll 6ic tltatbematiB 6er £ogiB untergeorönet wer6en5
€in$elwiffenfcbaften in ein neues Stabium $u treten beginnt. ^rouwer, 6er 3ntuitionijt, ftellt 6en Ba§ auf: 6ie 5ogiB
Hiebt vom @ t a n6 e 6er i£in3elwiffenfcbaften re6e icb, fon6ern berubt auf matbematiB un6 ntebt umgeBebrt. 2Seifptel:
6er

»on 6er £ a g e, in 6er fie fieb befinben, unb 6ie nur ein Symptom wir t)dbm vor uns einen Raufen von Hrei6eftüeBen. ^>ier ift 6as
6er allgemeinen geiftesgefebtcbtlieben £age ift* X>om Btan6e 6isfunBtwe Urteil möglieb un6 3utreffen6: unter 6iefen treibe*

6er €in3elwiffenfcbaften reben Bann nur 6er Vertreter einer entwe6er Bein weißes o6er min6ejtens
ftücBcn befin6et fieb
e i n weißes. Hacb ^rouwer gilt nun 6iefes Urteil niebt auf
foteben ÜDiffenfcbaft. t>om Stanbe einer XXMffenfcbaft re6en,

in b*3ug auf 6ie jtille un6 ftetige £ntwieBlung bin (0run6 eines apriorifeben Prin3ips (Ba§ vom ausgefcf>loffenen
beißt fie

un6 noeb 3« IDritten, tertium non datur), fon6ern es gilt 6esbalb, weil es
betrauten, auf 6as 23leibenbe, auf 6as i£rreid?te

i£rreicbenbe bin; t>on 6er £age einer XX>iffenf<^aft re6en beißt fie möglieb ift, ein ÄreiöeftüeB nacb 6em an6ern »orsunebmen unö

betrauten in be3ug auf ibre problematiB, un6 6as beißt in be3ug auf feine §arbe 3U unterfueben, worauf fieb gans von felbft 6as

auf ibre (Örunbbegriffe. 3Die itt a t b e a t iE, 6ie febon imm Hilter* 6isj'unEtwe Urteil wie oben ergibt. £>as 6is|unBtwe Urteil bat
78 %>\t gcifUagcfc&iebtttcfc £age 79

al\o lebiglicb ben (Cbarafter einer 2luf3äblung, einer logifchen tbeorie" bereichert. Die föfung ber Bcbwiengfeiten wirb hier
Summe. Hur als flSnbrefultat einer möglichen Durchprüfung barin jgefucht, baß man bie tTtatbematif auf bie £ogif 3urücfs
ift bas Prinzip „tertium non datur" berechtigt, fcttö glich führt. 16s wirb hier alfo 3. b. bie 2>abl z als matbemattfebe

ift eine folche Durchprüfung aber nur bei endlichen ttTen* (Stöße, b. b* als etwas Uneraftes aufgehoben unb burch
gen. Auf (öefamtbeiten, beren Elemente wir niemals auch eine rein logifche Definition erfetjt. £s wirb eine £ogif auf«
nur in (Sebanfen burcbmuftern Bonnen, oarf es nicht übertragen gebaut, bie hauptfächlich folgenbe begriffe enthält: Hegatton |. bie

werben, „betrachten wir etwa, um brouwers berühmtes bei* nicht, z. bie logifchen Verfnüpfungen 3weier Bätje unb, ober,
fpiel heranziehen, bie £)e$imalbruchentwicflung ber Äreisjahl wenn — fo, 3. jeber (ober alle), es gibt, 4. ibentifeb. tftit <£>ilfe

jt=3,f4|5Cj... unb legen wir uns Srage ob in ihr


bie x?or, biefer begriffe wirb bann bie $abl z befiniert, wobei nur bie

irgenb einmal bie Siffernfequen3 öj*3...9 »orfommt, fo trifft angegebenen (örunbbegriffe »orfommen follen: „bie 2ln3abl bes
nach ber bisher üblichen Auffaffung auch hier bas btsjunftwc begriffes f ift z foll bebeuten, es gibt ein x unb es gibt ein y
Urteil $u: eine folche eequenj tritt entweber niemals ober berart, baß x nicht ibentifch mit y ift, x unter f fällt, y unter
minbejlens einmal auf. Hach brouwer ift inbes eine eriften* f fällt, unb baß für j'ebes z gilt: wenn z unter f fällt, fo ift

tielle Auslage ber Sorm ,eine folche Solge tritt minbeftens einmal z mit x ibentifch ober mit y ibentifeb".

auf finnlos, folange man eine folche Solge nicht gefunben, b. b- Die matbematifeben Bä$e finb nach biefer lehre „weber
fonftruiert hat; mit anberen XVorten: bas Urteil ,eine folche empirifch, noch fynthetifch a priori, fonbern analytifcb".

Sequen3 tritt nirgenbs in ber 3De$imalbruchentwicflung von XVas btbtuttt nun biefer Btreit um ben Vorrang ber
?t auf* ift feiner Hegatton fähig." tttathematit als eines fonftruftwen Verfahrens ober ber £ogit
€s ftehen fich hier gegenüber ein abftraftes logifches Pr«t3u>, als eines Verfahrenst XVir flößen hier auf bas
analytifeben

bas unabhängig xxm aller Durcb3äblung im einseinen gilt


— Problem, bas uns fogteich im be3irf ber Ph?fif wteber bes
unb ein „fonftruftwer" Pro3eß, burch ben bie in Srage ftebenbe fchäftigen wirb, auf bas Problem ber XVirf lieh feit. Die
©equenj wirtlich aufgefunben wirb. „Die matbemattf be* flaffifche £ogif unb fcttatbematif glaubt es mit abfoluten Bach*
fleht nach brouwer in gebanflieben fonftruftwen Pro3effen"; »erhalten 3U tun 3U haben. Die Erfahrung fptelt hierbei feine

bie (Sefetje ber £ogit finb t>on biefen gebanflieben Äonftruf* Kolle, es gibt feine ^infehräntungen, bie auf bie Hatur bes
tionen lebiglicb abgeleitet. Sie b«f>en feine urfprüngliche fcftenfcben, auf bie Hatur unferes Planeten gegrünbet finb, es
Geltung, „insbefonbere finb bie logifchen <£>efe$c für unenbliche gibt feineberufung auf bie (öre^en unferes ^rfennens als eines
(Sefamtheiten anbere als für enblicbe". menfehlichen. „€in von uns bewiefenes Theorem muß, falls
Welches ift alfo bie £age* Durch bie Mengenlehre ift bie auf einem anberen Planeten btnttnbt unb fcltatbematit treibenbt
mathematif bie XViffenfcbaft bes Unenblichen geworben. Damit XVefen eriflteren, auch für biefe richtig fein." Diefe 2lnf<hauung
bricht fie aber mit ihrer Vergangenheit: benn vorher ijt bie läßt fich retten unb behaupten auf bem XVege bes £ogi3ismus*
mathematif ftolj barauf, im näcbften Verhältnis $ur £ogif $u Bie wirb preisgegeben vom 3ntuitionismus. <£ier ifl ber je*

ftehen, je$t muß fie bie £ogif entthronen. €s gibt nun eine weilige ^tanb unferes XViffens eine entfeheibenbe 3nflan3. Vom
B ch r a n f e für bie £ogif — ein unt>orftellbarer Ö5ebanfc für bie flaffifchen Btanbpunft her gefehen btbtuttt bas eine Preisgabe
flaffifche Dentweife. aller "Mbfolutheit unb Bicherheit, es btbtuttt eine Vereinnahme
Den entgegengef e£ten XVeg $ur £öfung ber Antinomien ber „nicht*obfeftwer Bach»erhalte". 16s btbtuttt ein ^ereinfpielen bes
Mengenlehre haben 2Utffeli unb XDhiteheab cingefchlagen. Bie oufalls, bes ^aU^^ *>er Seit in ein Byftem sorbem für
haben bie flaffifche £ogif flehen gclaffen, aber burch ihre „Eypen* abfolut gehaltener <S>ültigfeiten. XVir enthalten uns febes Urteils.
80 81

2)08 Urteil liegt m. E. 6arin, 6aß wir in 6er Phfftf gleichfalls IDie Beobachtungen, um 6ie es fich hier hanöclt, fin6 6as Er*
eine XX>en6ung 6iefer Tlrt 3üm 3ntuittonismus feftftellen tonnen. gebnis tompli3tertefter Überlegungen un6 Tipparate, fühnfter
XPie man weiß, ftellt 6ie Relativitätstheorie nicht 6en Tinfang apriorifcher ^ypothefen, un6 wir fönnen von 6iefen
folglich
einerneuen Phyfif 6ar, fon6ern 6te En6phafe 6er tlaffifchen empirifchen IDaten 6asTlpriori nicht einfach abftrahieren. £rot$*

Phyfü\ 6ie hier $u ihrer legten, einfachften un6 umfaffen6ften 6em bleibt 6ie Itchtgefchwinöigfeit, 6ie Tlblentung 6es licht*
Sormulterung gelangt. £Uertwür6ig genug, 6aß fchon in 6iefer ftrahls in 6er nähe 6er ©onne ein empirifches Saturn,
Cheorie jenes beunruhigende Clement enthalten tft, 6as uns IDas Problem iftEmpirie o6er Tlpriorismus, fonöern
nicht: reine
foeben in 6er tftathematit begegnete, un6 6as uns 6ann in 6er 6as Problem ift: Tlbf olutheitsf yftem un6 XPirflich*
(Duantenmechanif entgegentritt. IDie theoretifch wichtigfte un6 teitsfyftem. Tlpriorifche Elemente fin6 auch in 6em enthalten,
fühnfte leiftung 6er Relativitätstheorie befteht in 6er Serftörung was hi« „XPirtiichteitsfYftem" genannt wir6.
6es Begriffs 6er abfoluten <£>leich3eitigteit. XPeshalb hebt Einftein IDie große Erfchütterung in 6er Ph?fit> 6ie 6er Umwälsung
6iefen begriff auf 5 Tlus einem (8run6e, 6er 6em nicht (Öefchulten in 6er iftathematit 6urch 6ie Mengenlehre entfpricht, gefchah faft
junächjt lacherlich erfcheinen muß, un6 jtpar wegen feiner Einf ach* gleichseitig mit 6iefcr im 3ahre j 9 0 0 6urch 6ie (Duantentheorie
heit 0er <örun6 ift ja le6iglich 6er,6aß wir 6ie (8leich3eitigteit von Planet. ©0 ungeheuer war 6as Ereignis, 6aß es 3ahr*
3weter Eretgniffc nicht abfolut feftftellen tonnen, weil 6ie En6* 3ehnte 6auerte, bis fein licht gan3 3U uns 6rang: erft in 6iefen
lichteit 6er lichtgefchwinöigfeit unferen Seftftellungen eine prin* 3ahren wer6en 6ie Bonfequen3en 6araus ge3ogen, un6 eine feit*
3tpielle ©chrante fe$t. Ein begriff, 6effen tftögltchfeit uns fame £ragit will es, 6aß fich gera6e 6er ehrwür6ige ©chöpfer
apriorifch ficher war, abfolute (8leich3eitigteit, löft fich in bejug 6iefer großen lehre 6en philofophifchen Jtonfequen3en aus feiner

auf 6ie phtfitatifche Beobachtung auf, weil wir ihn nicht reali* Ent6ectung verfchließt.
fieren tonnen. Es gibt feine Tipparate, 6ie uns geftatten tonnten, Es ift ein gewaltiger ©chritt von Hewtons fcltechanif 3ur
3wei Ereigniffe als gleichseitig $u bezeichnen, — weil unfer wirf* HiTech anit Einfteins — unö 6och ift 6ie letztere nur eine Poll*
liches Neffen letztlich abhängig ift von 6er lichtgefchwinöigfeit. en6ung 6er erften. IDas <$5run6artom 6er Hewtonfchen XDelt
Ein empirifches Keitum, eine XPirflichfeit, un6 6amit 3ugleich bleibt in ihr erhalten: 6aß in 6er XX>elt „alles" nach ftrengen
eine Bufälligteit ijt alfo fun6amental für uns gewor6en; nach (Sefetjen gefchah, 6aß 6as (ßefchehen bis ins Äleinfte hinein
einem unfeheinbaren IDatum, 6as früher eines unter vielen er* 6etermtniert fei. IDiefcs <0>run6ariom ift 6urch 6ie tiXuantm*
fchien, muß fich unfere phyfitalifche X>orftellung von Raum un6 phyfit erfchüttert. nicht als ob 6ie alte phyfit 6a6urch „falfch"
3cit richten. geworöen fei. 3hre Rechnungen, ihre XX>erte bleiben beftehen.
IDas empirifche IDatum erhält alfo fchon 6urch 6ie (fpesieile) Tiber 6as Bil6 6er XX>elt hat fich geän6ert: 6iefe numerifchen
Relativitätstheorie gegenüber je6em ©yftem von Bejiehungen Wtttt gehören nicht 3U einer ftreng Eaufal 6eterminierten
im abfoluten Räume un6 in 6er abfoluten Seit eine ungeheure „XPelt", fon6ern müffen fich eine Um6eutung gefallen laffen.
XX>ür6e. Unter 6em „empirtfehen IDatum" ift hier freilich nicht 3n feiner Züricher Tlntrittsre6e vom 3ahre i§zz hat ©chrö6inger
6ie nää)ftbtftt Beobachtung $u vergehen. IDie (ftröße 6er licht* 6ie Srage aufgeworfen, ob wir 6ie (Sravitationsgleichungen Ein*
gefchwin6igBeit un6 6ie ZTatfache ihrer Bonftanj 6as fin6 — fteins als Elementargefetje anfehen müffen, un6 er hat geant*
empirifche IDaten, $u öeren geftftellung 6ie Entfaltung eines ge* wortet: nein. IDas Para6ore ift, 6aß 6iefe (Gleichungen tro§*
xoalÜQtn ÜDentapparats notwen6ig war. EDenn ich hier alfo 6em beftehen bleiben Eonnen. 3hr ©inn ift nur nicht mehr 6er*
von 6er „XX>irfltchfeit" re6e, fo tue ich 6as nicht im ©inne eines jenige von abfoluten „(Sefetjen", fon6ern le6iglich 6er von
platten Empirismus, 6er meint, alles „beobachten" $u tonnen. ftatiftifchen Sotmeln. S>as Erattefte alfo, was wir Eennen,
82 3Dit gciftcögcf4>i4>tUc^c Äage 2)k getflesgeftbic&tliihe *age 83

jene (Steigungen, öic uns bie Bewegungen ber (öeflirne mit mination bis ins Jtleinfte — . aber heute wiffen wir, baß biefe
einer unglaublichen Prä3ifion auf 3a^r^)un6erte voraus bt* Determination eine gihion war. prattifcb ifl es gleich*

rechnen laffen — foll nichts anderes ausfagen als eine fc|>r hohe gültig, ob bie Haturgcfetje abfoluten ober ftatiftifchen Charatters

XPahtfcheinlichtett im mathematifchen ©innel (Örunb: finb — für bas 25 Ub ber tüelt aber mad)t es einen ge*
„tDohl teinem Haturvorgang ifl 6ic Bab* ber einzelnen
bei waltigen Unterfchieb aus. tttit&echt nennt Gichenbach bie £r*
Atome, $ufammenwtrfcn muffen, bamtt ein beobachtbarer
bie Kenntnis, „baß bie alten Grunbbegriffe ber Haturwiffenfchaft
£ffett 3uftan6e tomme, fo enorm groß wie bei ben (Sravitations* nur für mittlere Größenbereiche anwenbbar finb", bie „toperni*

erfcheinungen. 2Das würbe bie außerorbentlicbe Prä$ifion, mit fanifche XÜenbung unferer Bett".
ber ftd? oie Planetenbewegungen auf 3ahrbunberte voraus be* ©teilen wir uns genauer vor, worum es geht. €q geht um
rennen laffen, auch vom flatiflifchen ©tanbpuntte verflänblich ben ^Determinismus, um ben wiffenfehaftlichen JRaufalbegriff,
machen." mit bem tDiener Phrftfer €rner vertritt ©ebröbinger ber fich etwa fo formulieren läßt: wenn in einem abgesoffenen
Oie tUcinung: es ifl febr wohl möglich, baß bie riaturgeferje famt ©Yflem ber Buftanb in einem Augenblick genau bttannt ifl, fo ifl

unb fonbers ftatiflifchen Charatter haben. „3Das hinter bem flatiflt* burch bie Haturgefet$e ber Buflanb in jebem fpäteren Beitpuntt
fchen (Sefe$ heute noch gan$ allgemein mit SelbflverflänbUcbteit beterminiert, b. b« ich t<wn aus &em mir bekannten Buflanb bes
poftulierte abfolute Haturgefefc geht über bie Erfahrung hin* Softem in bie fem Augenblick ben Buflanb bes Syflems in
aus. £ine derartige boppelte Begründung ber (Sefe^mäßigteit jenem Augenblick berechnen. Tlnfchaulich haben wir uns bas
6er Hatur tfl an fich unwabrfcbeinlicb. IDie Beweislaft obliegt fo vor3uflellen: bie Sttecbanit hat es mit ben Bcwegun*
ben Verfechtern, nicht ben Zweiflern an ber abfoluten Äaufalität. gen materieller Punfte $u tun. „@inb für famtliche PunSte bie
IDenn baran $u sweifeln, ifl heute bei weitem bas Hatür* Staffen unb bie genauen XPerte ber Anfangslage unb ber Anfangs*
lichere." gefchwinbigteit fowic ber wäbrenb eines Beitraums auf fie ein*
tPas bebeutet bas nun unb allgemein 5 £s be?
grunbfätjlich wirtenben Äräfte" gegeben, bann „finb beliebig genau bie i£nb*
beutet, baß bie alten (Srunbbegriffc unb (Sefe^e ber Hatur* lagen unb £nbgefcbwinbigteitcn" aller biefer materiellen Puntte
wiffenfehaft einen eingefchräntten Geltungsbereich erhalten haben. 3U berechnen (v. Mtifes). JDas heißt: bie alte tftechanit fetjte vor*
Sie gelten nur noch für mittlere (Srößenbereicbe; für bie ganj aus, baß wir ben XOtQ eines fcttaffenpunttes berechnen tonnen,

große unb bie gan$ Heine XX>elt gelten fie nicht mehr. Genau weil biefer XX>eg beterminiert fei. IDie moberne Atompbffit
fo fanben wir foeben ben (Seitungsbereich ber £ogit burch ben aber hat biefe Annahme 3rrtum erwiefen: ber materielle
als einen
3ntuitionismus etngefebräntt. JDie fog. „unverbrüchliche" Ge* fcttaffenpuntt hat fich vor unferen Augen in ben tftifrotosmos bes

fe^lichteit ber Hatur gilt nur für mittlere Größenorbnungen, Atoms aufgelöft, bas (Scfchehen im Äteinen gehorcht nicht ben
unb in biefen nur beshalb, weil hier bie Bahl ber jufammen^ (Sefetjen, bie wir bafür annahmen. JDas Jlaufalgefe^ ifl nicht

wirtenben Atome fo ungeheuer groß ifl, baß wir fichere flatiflifche falfch, aber es wirb ihm an beflimmten Btellen gleichfam ber

Tinnahmen aufteilen tonnen. i£s ifl ja ein Grunbprüt3ip ber Boben entzogen, es läuft leer, es taugt (an folchen Stellen) nicht
XPahrfcheinlichJeitsrcchnung, baß wir barin um fo fixerer gehen, mehr $ur ^Sefchreibung bes wirtlichen (Sefchehens.
je größer bie Saht ber berüchtigten „Salle" ifl. £>ie alte ph?f# Hach ber Blaffifchen Wiifyaml ifl bie einfachfle Bewegung bie
glaubte abfolute Gefetje gefunben ju haben, weil fie £rfchei* eines einseinen materiellen Punftes, nach ber duantenmechanit
nungen unterfuchte, beren innere Struftur mit all ihren Un* biejenige einer einfach periobifchen XX>elle (Planet). t£ine eratte
regelmäßigsten unb Bufälligteiten fie nicht Bannte, Aus ben ^efchreibung eines einjelnen beflimmten materiellen Punttts ifl

gefunbenen flatiflifchen Gefe^en fchloß fie auf eine flrenge JDeter* nach ber XX>ellenmechanit nicht möglich. (Drt unb 3mpuls bes
84 Sie geijh8gef4>ic&tU(fc€ fctge IDic güjte8gef<£ü$>tlt4>€ *<tgc 85

£leBtrons fin6 nicht gXci<l>3cittg genau beftimmbar. Um 6en Bann t>on 6en Be6ingungen 6er Beobachtung nicht losgelöfl
(Drt 6es igleBtrons feft3uftellen, wir6 man es beleuchten; ein Sicht* weröen. €s gibt Beinen abftraBten Beobachter gegenüber einem
quant trifft 6as lgleBtron un6 verändert 6ie ©ituation: 6as i£leB* abftraBten ©Yftem, fon6ern es gibt nur einen einigen XPirBüch*

tron x>eran6ert feinen 3mpuls. „3e genauer 6ie (Drtsbeftimmung Beitsjufammenhang. 3n 6iefem U)irBlichBeitS3ufammenhang aber
ift, 6. h* je Heiner öie XXMlcnlänge 6es benu^ten dichtes ift, 6efto ift Bein TlugenblicB 6em x>orhergehen6en gleich. £s gibt 6aher
größer 6ie Gerung 6es 3mpulfes. Tllfo: 3e genauer öer (Drt be* Beine „XX>ie6erholung" im eraBten ©inne 6es XX>ortes. fluch
ftimmt wtr6, 6efto ungenauer 6er 3mpuls" (Bergmann). IDiefe 6er phTfiBalifche Beobachter fteigt nicht 3^«mal in 6enfelben
<oetfenbergfche „Unficherheitsrelation" nennt piancB „etwas für Sluß. IDas hcraBUtifche XPort erhalt 6urch 6ie mo6erne PhyfiB
6tc Blaffifche fcltechaniB gan$ Unerhörtes". „Üvoctv öaß einer je6en plötjlich wie6er einen neuen tiefen ©inn. 2luch in 6er als
tHeffung eine Unficherheit anhaftet, tft von jeher befannt; aber „unbelebt" be3eichneten ttatur Behrt nichts wieöer, je6er Hatur*
man hätte ftets angenommen, 6afj 6urch gehörige Verfeinerung Vorgang ift nur einmal 6a. €s war 6er PhyfiBer s£rnft
6er fcHeffungsmetho6en 6ie (SSenauigBeit unbefchranBt erhöht wer* iltach, 6er 6iefe (SeöanBen fchon r>or 3ahr3ehnten ausgefprochen
6cn Bann. Hun foll 6er tfteffungsgenauigBeit eine prin3ipielle hat; un6 es war 6er Philofoph Srieörich Hie^fche, 6er als
©chranBe gefetjt fein, un6 6as £fterBwür6igfte öaran ijt, 6aß 6iefe ©chüler ^eraBlits 6enfelben (8e6anBen ohne alle Kenntnis 6er
©chranBe fich nicht auf 6ie ein$elnen (8röf$en: £age o6er Ö5e* PhyfiB in feinem „Willen 3ur tftacht" erneuert hat.
fchwin6igBeit be$ieht, fon&ern auf ihre Kombination. 3eöe (Sröße 3n 6em abfoluten ©yftem 6er Hatur wir6 ein igrperiment
für fich Bann prinjipiell genommen beliebig genau gemeffen wer* genau wie 6 erholt. 3Dem tieferen ©inne nach tx>are 6ie
6en, aber ftets nur auf Soften 6er (ÖenauigBeit 6er an6ern." U>ie6erholung gar nicht nötig: ein einiges i^rperiment genügt
um „6as ^efetj" 3u fin6en. 3n 6en 2lnor6nungen
theoretifch,
XX>ie6erum flogen wir auf eine ©ehr ante, wie6erum wir6 6ts Verfuchs ftecBt eine $vaQt an 6ie Hatur, 6er TtueganQ gibt
6er £aie nichts Banaleres Bennen als 6ie Sejtftellung 6iefer „($e*
6ie Antwort. Gleichwohl h«l>en
6ie Haturforfcher ihre £r*
nauigBeitsgrenje", un6 wie6erum enthüllt fich uns 6iefe §tfu
perimente immer x?on neuem wie6erholt. IDiefes XX>ie6erholen
ftellung als ein Hinweis auf 6ie tt>ir Blich Bett un6 6en
wir6 in 6em neuen ©yftem, 6as 6en SlbfolutheitscharaBter t>er?
Zufall. IDenn 6iefe <35enauigBeitsgren3e ift ein SaBtum, ein 3U*
loren h«t, gera6e3u attfchei6en6. XX>ir wiffen: eine ftrenge
falliger XX>ert.
XVieöerholung gibt es nicht, 6. h- wir erhalten niemals genau
2lber 6ie neue PhyfiB h«t noch eine an6ere ©eite. 3n öer 6enfelben tDert. ©chon Gang hatte auf 6ie ©treuung 6er XPerte
flaffifchen PhyfiB wir6 angenommen, 6aß wir 6as ©yftem 6ie XX>ahrfcheinlichBeitsrechnung angewen6et. XX)eit 6arüber hin*
materieller PunBte an f ich beobachten Bonnen. Don 6en VOit* aus geht 6as, was 6urch ^icharö von mifes auf 6em Prager
Bungen, 6ie 6as (DbjeBt mit 6em beobachten6en ©ubjeBt t>er* Kongreß 1929 r>orgefchlagen woröen ift: „öie i^rgebniffe 6er
bin6en, glaubte man Beobachtung
abftrahieren $u Bonnen. £>ie wie6erholten tlteffung einer beftimmten phyfiBalifchen <3tö%t bei
eines ©yftems „an fich" <&tv gibt es nicht. „£>ie mo6erne 2ltom* mweränöerter t)erfuchsanor6nung bil6en ein KolleBtw." IDic
phyfiB h<*n6elt", wie ^eifenberg es ausge6rücBt h<*t, „nicht t>om Gaußfche S^hlertheorie ferjt noch voraus, 6aß wir einen „rid?*
tJOefen unb 15au 6er 2ltome, fon6ern t>on 6en Vorgängen, 6ie tigen", abfoluten tX>ert erreichen Bönnen, ihn nur nicht erreichen
wir beim Beobachten 6es Tltoms wahrnehmen." JDer Beobachter wegen 6er fich notwen6ig einfchleichen6en „Sehler". 3e$t 6a*
*>erän6ert notwen6ig 6as beobachtete ©Yftem. „fcftan Bann nur gegen ift x>on Schiern nicht mehr 6ie Xtbt; 6as Ergebnis
PhYfiB treiben mit Beobachtungsüorgängen, nicht aber mit 6em l'e6eseisernen Verfuchs wir6 als folches anerBannt, Beines ift
BcobachtungsobjeBt allein." —
IDer <Öegenftan6 6er Beobachtung geringer als 6as an6ere. 3c6es gilt fo mel wie ein tDurf beim
86 £>ie geiftesgeftfcic&tlic&e Sagt Die geiffrsgefötcbtUche £«ge 87

XPürfeln. XPir wiffen, bag nicht eine aahl burch bie wieber* IDies würbe 3U einer Umbildung bes XPabrheitsbegriffs führen
polten igrperimente befiniert wirb, fonbern eine unendliche müffen. 3ch beute bas Problem nur au. Gichenbach hat ge*
Solge verriebener Rahlen. Tluf Mcfc Solge wirb nun bte XPahr* glaubt folgern 3U muffen, bag wir nun bem XPabrfchemlich*
fcheinlichftitsrechnung angewenbet; nicht eine fijrc 3ahl, fonbern teitsbegriff, gegenüber bem XPahrheitsbegriff, eine primäre ©tels
ein tftittelwert bas £rgebnis, ober, wie es von tltifcs aus«
ift lung 3uweifen müffen. £>ie XPabrheit würbe als Ö5ren3fall ber
brüeft: „fl£me ^Theorie wirb burch ben Perfuch betätigt, wenn XX>ahrfcheinlichteit 3U befinieren fein. 3ch halte biefe Solgerung
4
ber beregnete XPert mit bem ,wahren XPert ber ifteffung, für logifch un3uläffig: bie XPahrheit geht ber XPahrfcheinuchteit

alfo ben burch tttegobjelt unb tfteganorbnung beftimmten i£r* logifch voraus. £ro$bem ijt bie rabtfale Solgerung Reichen*
wartungswert, ber jtreng genommen erjt nach unenbUch viel bachs lehrreich, fie bringt bas 3um Tlusbruct, was in ber

fctteffungen ermittelt werben !ann, übereinjtimmt." mobernen Ph?fii vorgeht: bie 2lbwenbung von bem Slbfolut*
3ch wieberhole bie S^rmel bes IDetetminismus: „XPenn ber heitsfyftem, bas $uk%t noch einmal burch bie Relativitätstheorie
(>

gerettet worben ift, unb bie Suwenbung 3ur BufälligEeit unb


'

gegenwärtige Sujtanb eines gefchloffenen Syftems in allen


25ejrimmungsjtücten genau besannt ijt, fo lagt fich ber jufünftige ECHrflichreit. Sätje mit logifcher (Öewigbett unb XPirHich*
Bufranb bes Syjtems baraus berechnen." IDie moberne PhyP ]' feitsausfagen treten auf emmal weit auseinanber. 3m Sfbfolut*

lehrt uns bas mit unerbittlicher Bedarf c ju fehen, was wir heitsfyftem ber Phvfit gibt es XX>ir!lichteitsausfagen (,,(0es
u
mit bem Charakter abfoluter Hotwenbig!eit, vergleich*
eigentlich wußten, aber in feiner Tragweite nicht richtig ein* fe§e )

fehlten, bag nämlich hier ein 3bealfa!l gefchilbert ift. IDer bar berjenigen, bie rein analytifchen ©ätjen 3u!ommt. £)ie €r*
realiftifche moberne Pbyftfer fagt: wenn ich ben 3«famb A ge* ienntnistheorie biefes ©yftems h«t Äant gegeben,
abfoiuten
nau Eenne, fann ich auf ben Suftanb B fchliegen aber ich ~ beffen ^auptleiftung es war, auf bem XX>ege ber tranf3enben?
ff e n n e ben Buflanb A niemals „genau" IDie oraus* P bentalen £>ebu!tion bie Äraft unb Unbebingthcit bes logifchen

fetjung bes allgemeinen Aaufalgefetjes Eann nicht realifiert t>erhältniffes von (Örunb unb $o\$t bem wirklichen Perhält*

werben, €s ijt höchjt parabor: unfere fcftegmethoben haben fich nis von Urfache unb tPirlung 3uf liegen 3U laffen. 3e§t fällt

verfeinert, unb gerabe weil fie fo fein geworben finb, muffen biefe Sütton bahin, unb wir müffen fagen: „€ntweber ift bie

wir fagen: fie finb nicht fein genug; fie finb an ber (Öenauig* 2lusfage mit ftrenger ^ewtgheit verbunben, bann ift fie rein

teitsgren3e angefommen; an ber Hatur ber iDinge f elber, 3. 3$. logifcher 2lrt (b. h- analytifch) unb befagt überhaupt nichts über

an ber ttatur bes £ichtjtrabls, fcheitert jeber Perfuch, auf eine bie XPirEUchEeit, ober fie btbmttt eine einfchränlenbe Slusfage
nicht beeinfluffenbe XPeife näher an bie £>tnge herankommen. von XPirElichhitsgehalt (b.h* fic ift fynthetifch), bann ijt bie 2lus*

Sällt aber bie Porausfe^ung, fo fällt auch bie Solge: wir fage nur noch mit XDahrfcheinlichfeit 3U behaupten." (Gichenbach.)
tonnen nun auf bas Eintreten bes Bujtanbes B nur noch mit XPenn ich *>on einer XPenbung 3um unb 3u*
XPirJlichen
XX)ahrfcheinlichEeit fchuegen. XPollte man fagen, bag ber fälligen rebe, fo ijt bas im p h i 1
f 0 n Binne
0ph 3U ver*
i f ch e

angenäherte %uftanb A
wemgjtens ben angenäherten Suftanb B ftehen, genau fo wie es im Sinne ber Wl<ttt>ematit 3U
bejtimmen folle, bann muffen wir mit Gichenbach erwibern: verftehen ijt, wenn ich hier von „XPahrfcheinlichfeit" rebe. IDer
wir wiffen ja nicht einmal, ob ber Sujtanb A auch nur ange* Hinweis auf bie Bufälltg!cit unb XPirllichEeit fchiiegt leineswegs
nähert realifiert ift. IDie 2lnwenbung bes Äaufalbegriffs auf bas eine (D r b n u n g aus. i£r befagt nur, bag bie (Drbnung, wie wir

(Sefchehen bebeutet fomit eine Überfpannung, wir tonnen nicht fie heute ahnen, gegenüber ber bisher bt^auptettn (Drbnung
mehr von einem allgemeinen (Sefc§es3ufammcnhang ber Hatur ftrenger (Sefe^lichEeit ben Charafter ber Bufälligfeit trägt. JDer

reben, fonbern von einem XPabrfcheinlichFeits3ufammenbang<. begriff zufällig" wirb von mir alfo etwa im Sinne von
7
83 £>ie ßeijfrsgefc&icljtKc!* JJage
3DU flcifle8gcfcbi4)tHc^e £age 89
£etbni3 gebraust, ber ben ewigen XX>ahrhetten bte 3ufälligen wartungswertes" berüetfiebtigt ift. £>te i£rfe$ung ber ftrengen
XX>ahrbeiten gegenüberftellt. faufalen ^Determination burch bie XX>ahrfcheinlichteit bringt alfo
3n philofopbifcher <btttficht heißt bem Zufall eine ©teile geben ein neues Verhältnis 3ur Seit 3um flusbruet, ein unbefangeneres
6er Seit einen Einfluß einräumen. Betrachten wir bie ange* gleichfam, ein anerfennenberes, bei bem bie Seit nicht mehr bloß
3ogenen Beifpiele aus tftathematit unb Pbyfit, fo Bommt es bienenbes Schema ift.
jedesmal auf eine 2Ualifierung an, bie nur an einem beftimmten £benfo fanben wir, baß bie Seitoorftellung mit bem 3ns
Seitpuntt erfolgen tann. Sur beterminiftifche Aftern in ber tuitionismus in bas Bereich ber Wiafytmatit einbringt: fieser*
Phyfit fl^* C8 ö * e 3eit ^QtntUd) nicht. IDer seitliche 21 b* ftört hier fogar bie Geltung ber logifchen ?lriome: bk Erfahrung,
tauf bringt nichts Heues: was bas i£rperiment einmal er* bas 2luffinben einer beftimmten ©equen3 in ber unenblichen
wiefen bat, fo meint man ^icr,
ift, unabhängig von ber Seit
gilt Siffernfolge bes JDe3imalbruchesjt, alfo ein beftimmter Seit*
unb vom (Drt, es ift „allgemein unö notwenbig". ©obalb wir augenblicf wirb entfeheibenb. tt>ir tonnen ohne Sücfftcbt
bies nicht mehr f efthalten tonnen, tvitt bie Seit, unb damit bie auf bie Seit feine Ttusfage mehr machen.
XXHrHicbteit fyttvov. i£s ift fcöcfcft cbaratteriftifcb, baß Seicbenbacb €s ift flar, baß bas Aufgeben bes ftrengen SDeterminismus
ftyon verfugt hat, ben (S5egenfat5 t>on Vergangenheit unb Su* eine XPenbung von noch unüberfehbarer {Tragweite bebeutet.
fünft unb ben Segriff bes 3et$t (freilich in einem unpfycho* *Har Born er3ählt, wie er gefragt worben fei, ob fefct bie
logifchen ©inne) in bie Pbyfit ein3ufübren. Tluch in ber Seit bes (Dtfultismus tomme? €s fcheint fchlechterbings 3u
ftreng beterminierten Welt unb ihrer t£rtenntmslebre erfcheint allem bie Eür offen 3u ftehen. Unb 3war nicht nur in ber Sich*
bie Seit 2lber hier ijt fie lebiglich, mit Äant ju reben, ein fcltittel tung nach bem (Dtfultismus hin, fonbern auch in ber entgegen*
bes Schematismus. £>as Seitfchema »erwanbelt bie logifche gefegten Dichtung, diejenigen IDenter, bie fich heute 3U 2ln*
So Ige in bie taufale. IDie Seit ift nur ein Hilfsmittel, fie bient nur walten ber neuen Pbyfit machen, »ertreten eine ftreng uns
ba3u, bie reine t>crftanbesfategorie auf bie tDirtlicbteit anwenb* metaphyfifche Philofophie. ©ie fprechen von einer l&itgötte*
bar 3U machen. Swei i£rfcbeinungen folgen nicht nur auf« rung ber Hatur, unb ber lefcte ber entthronten (Öötter heißt „bas
änanbtv, fonbern bie eine erfolgt burch bie anbere, ber fpätere CÖefe$". fluch bas (Sefetj ift anthropomorph; bas neue Bilb ber
Suftanb bes ©yftems ift x>onbem früheren „abhängig". Swifchen Hatur ift ttin „Bilb" mehr, ^ier herrfcht bie abfolute nüchtern*
ben beiben Suftänben ift Seit serfloff en, aber bas ijt im (örunbe heit, es gibt nur noch <Eatfachen unb begriffliche Snfatnmenbänge
gleichgültig: entfeheibenb ift bie 2CbbängtgBeit bes einen Su* 3wifchen ?Catfachen. i^ntfeclung unb j£nt3auberung, fo fagt
ftanbes vom anbern, genau wie im logifchen Bereich bie 3lb* ^eichenbach, (Örunbsug ber Haturforfchung, unb nicht nur
ift
hängigfeit eines ©atjes von einem anbern. £>ie Seit ift hier ber Haturforfchung, fonbern (5runb3ug ber Gegenwart. Unb
alfo ba, unb boch auch nicht ba, was fich anfehaulich barin aus? er meint, man mag ben Verluft x?on (Gefühlswerten bebauern,
brüc!t, baß ein (gleichfam 3eitlofes) t£rperiment genügt. aber man gewinnt fie baburch nicht 3urüct. Unter biefem ^es
3et$t bagegen fptelt bie Seit eine entfeheibenbe Solle: jebe fichtspunft ift es möglich, bas kennen 3u befinieren als eine
Beobachtung iyat ihren felbftänbigen XDert, jebe Beobachtung einbeutige Suorbnung von Seichen 3u (Öegenftänben. j£s ift
aber finbet 3U einer beftimmten Seit ftatt. JDic Seit tritt nicht möglich, x?on einer neuen wiffenfehaftlichen Methobe bes Philo*
mehr als bloßes ©cbema, als bloße Seitlinie auf, fonbern fie ift fophterens 3u fprechen, bie baburch geEenn3eichnet ift, baß fie nur
in jebem Etatum, bas 3ur Berechnung bes Mittelwertes bient, noch «in ber logifchen Tlnalyfe ber ©ärje unb Begriffe ber empirt*
enthalten, fo wie jeber einjelne Wurf mit bem XX>ürfel, ber 3u fchen tDiffenfchaft befteht" (Carnap). — tDir finb männern wie
einer beftimmten Seit ftattfinbet, bei ber Berechnung bes „i£rs Bchlid unb Selchenbach bantbar, baß fie uns bie methobifchen
7*
90

JLtnbm$tn 6er STtatbematiB un6 Pbyftf 6eutlicb macben, aber


6iefes Deutlicbmacben ift noeb niebt Pbilofopbie. IDie Pbilo*
Tlbfolutbeit eines (Sefetjcs tritt 6ie ICDabrfcbeinlicbBeit einer

fopbie fennt öiefe „moderne" Haltung längjh fie nennt fie 6ie
£enöen3. Diefe („naturnäbere") IDeutung könnte eine 6yna*
mifebe genannt wer6en, wobei 6as XX>ort „DynamiB" entgegen*
pofttitnfttfcbe. Hacb 6er 2lnftcbt 6er modernen Pofituriften ent*
XDenöimg tu öen Hinsel wiffenfebaften 6er igrnücbte* gefegt 3u piancfs ©praebgebraueb verwen6et ift.
fpriebt bit
rung un6 2Utionalifterung unferes Dafeins. Ittan Bönnte 6iefen XX>ir muffen 3um ©ebluß 6ie Baufale Deutung 6er tDelt in 6em
tbeoretifeben unb praBtifcben Nationalismus auf öte Soztrnl größeren £uf ammenbang Utxa^ttn^ in welcbem fie 3ur *oerr*
bringen: immer weniger 3nbalt, immer mebr Necbnung. <Dbne febaft geBommen ijt unö fieb bis beute btHupttt bat. (Dberfte
es $u abnen, verfallen öiefe modernen Pofititnjten 6em Drei* t>orausfet$ung ijt bier: alles (ßefebeben ift 6eterminiert un6 6iefe
ftufenfebema von 2lugujte Comte: 6iefer batte ein religiöfes, Determination ijt erkennbar. tDir Bonnen 6en tt>eg eines mate*
ein metapbyftfcbes un6 ein wiffenfcbaftli4>es ©tabium 6er riellen Punttes vorberfagen, feine Babn ijt genau f eftgelegt. Die
fcftenfcbbcit unterfebieben. IDie moöernen Pofititnjten unter* XPelt öamit gewiff ermaßen bis in 6en legten XOinhl bell
ift

febetben ein Zeitalter 6es teleologifcben DenBens, ein Zeitalter 6es erleu^tet. Hirgen6s gibt es etwas Unberecbenbares; 6urcb unfere
Baufalen DenBens, 6as foeben binter uns liegt, un6 6as gegen* (Biegungen beberrfeben wir 6ie Xt>elt vom Äleinjten bis 3um
wärtige Zeitalter 6es jtatijttfcben DenBens. Unter 6iefem ftatijti* (Größten.Die ^ebeutung 6es unwerfellen Äaufalgeferjes liegt
feben Kenten aber glauben fie ein unmetapbYfifcbes, ein bilb* alfo in 6rei Momenten: |. 6iefes (Öefe§ laßt 6ie XX>elt einfacb,
lofes DenBen verfteben 3U muffen. Diefc pofitwijtifcben DenBer Blar un6 überfebbar erfebeinen; 2. es fe^t 6ie (Segenwart mit
werben vor lauter Abneigung gegen 6ie fcltetapbyfiB 3U Pban* t)ergangenbeit un6 Bufunft gleicb unb ma<^t 6aber 6ie ^eberr*
tajten, fie träumen von einer <Dr6nung 6er tDelt, 6ie Beine (Drö* f<^ung 6er ^ufunft möglicb. Daraus folgt 3. 6ie abfolute @efu*
nung mebr ijt, fonöern nur noeb aus Eatfacben un6 bereeben* ritat. 16s gibt niebts Unporbergefebenes, es gibt Beinen (Srunö
baren 25e3tebungen bejtebt 3n EDabrbeit liegt es gan$ an6ers: 3U irgenbeiner §ur(bt. S^ber nannte man bief es Wtltbilb f4>lecbt*
6as J&aufalgefet$ entbält 6ie Sormel für ein <Dr6nungsfyftem. £s bin profan, ferjt erBcnnen wir mit gefebärftem 2luge, baß es aud>
ijtantbropomorpb, es entwirft ein 35H6 von 6er EÜelt — feinen ^>ott batte: 6as Jftaufalgefe$, 6em 6ie 2ltome in jtrenger
aber obne ein folebes 23il6 wir6 6er tftenfcfc niemals leben. IDie Determination 6ienten.
Pbilofopbie muß immer antbropomorpb fein. Der pofitivis* Die an6ere ©eite: in 6iefer faufal 6eterminierten XOelt lebt
mus b^t fo wenig 2lusf iebten wie 6er (DBBultismus. Das 35il6 6er autonome 5ttenf(b. tlnwerfelles Äaufalgefe^ un6 uni*
6er XX>elt, 3U 6em 6ie X)orjtellung öer ftrengen Determination
»erfelles ©ittengefe^ geboren 3ufammen. Zuf 6er einen ©eite 6er
geborte, wir6
33U66erX£>elt —
in unferen klagen abgelöft
niebt von
von einem a n 6
6er 25ilölofigBeit. 3n
e r
einer bil6*
e n materielle Puntt^ 6effen 33abn t>orgefcbrieben ijt auf 6er an* —
6ern ©eite 6as immaterielle 3cb, 6as fieb f elber 6ie ^Babn be*
lofen XDelt permag 6er £ftenf<b niebt 3U leben; er ift tftenfcb, weil jtimmt.
er ein XX>eltbil6 bat. IDie XPabrfebeinlicbBettsbetracbtung ent*
einem 6ynamifcben 33il6e 6er U>elt.
tDenn beute noeb 21tar piancf, 6er als PbrfiBer 6ie große
fpriebt
wer6en an6ers ge6eutet. Das
3Die (Sleicbungen bleiben, aber fie
Umwal3ung berbeigefubrt bat, als Pbilofopb 6as Baufale XPelt*
bil6 niebt preisgeben will, 6ann wir6 aus feinen 2(rgumen*
Deutungswort mebr Jftaufalitat, fon6ern tDabrfcbem*
beißt niebt
tationen völlig 6eutlicb, 6aß er es 6esbalb niebt tut, weil er 6as
liebteit. IDamit ift niebt 6er Übergang von 6er Baufalen IDeutung

3ur bloßen Necbnung be3eicbnet, fonöern 6er Übergang von 6er


(Öegenglie6 niebt preisgeben will: 6as abfolut freie 3cb. Die
^ebeutung Äants für bas abgelaufene Zeitalter bt\tt\)t bartn,
Baufalen IDeutung 3U einer an6eren IDeutung. %n 6ie ©teile 6er
6aß er in feiner Pbilofopbie nur 6iefes grofe ?Tbema 6er neueren
IDie gei(h8gefchi(&tH<ht ZctQt
92 93

Seit: &aufalit& —
XXHllensfreiheit gekannt hat. iDie Hachfolger abfoluten Sreiheit. 2luf 6er einen Beite 6 i e VO e 1 1 als ein 36eal*

Bants, por allem £egel, haben 6iefen <£>egenfa§ auf3uheben ge* fall — eine Sektion; auf 6er an6ern Beite 6er fcftenfch, als
fucht. Bie haben eine 6ialektifch konfluierte Einheit an feine humanus, 6er 36ealfall 6 c s tttenfehen — eine Miktion.

Stelle gefegt. IDiefe Einheit war „6ynamifch" — ^egel ge* IDiefes öoppelte Tlbfolutbeitsfyftem ift 3ufammenge*
brauet 6as VOovt 3war nicht, 6afür um fo häufiger 6er junge krochen. €ine folche Seftftellung entfpringt nicht einer Bttm*
Bchelling. IDie Zat Tegels, unter 6eren Nachwirkungen wir mung, ift nicht nur eine Meinung, fon6ern muß auf (5run6 6er
heute noch ftehen, war fchliepch, 6a§ er 6en (Seift, 6ie S«iheit tt>i6erf prüche, $u 6enen es in Mathematik un6 Phyfifl
$u etwas JDynamifchem machte. (sentwickTungsbegriffI) IDamtt führt, getroffen wer6en.
war aber 6as alte XX>eltbil6 nicht überwunöen; fiegreich behaup* Das £hema foröerte eine Sortfe^ung in 6as (Gebiet 6er be*

tete fich 6ie Hewtonfche XX>iffenfchaft un6 6er Äaufalismus fchreiben6en Haturwiffenfchaften, un6 weiter in 6as öer (Öäftes*

gegenüber einer Philofophie 6er „IDynamik", 6ie ohne t>erbin* wiffenfehaften. IDas Metho6enproblem ift hier uberall fchon ficht*

6ung mit 6en «Sinselwiffenfchaften xoav. XX>enn wir heute wie6er bar un6 3eigt 6ie große XVmbunQ an. Um 6iefer Jfage ijt eine

bm begriff 6er JDynamif in btn Mittelpunkt rücken, fo hat neue Hoffnung für 6ie Philofophie 3« fchöpfen. IDie Philofophie

feiefer begriff einen neuen Binn. i£r fchwebt nicht in 6er £uft, bt^ut)t nicht in einer Popularifierung 6er ^rgebniffe 6er tt>iffen*

er wi6erfpricht nicht 6em, was wir beobachten un6 wiffen, fon* fchaft, auch nicht aus einer Byftematifierung frommer XX>ünfche,
6ern 6ie neue X>orftellung 6cs IDynamifchen erweift ftch als fon6ern erhalt fich leben6ig in t>erbin6ung mit 6en Metho6en
wirflicfc auch auf <Srun6 6er 2ttetho6en 6er i£tn* 6er XPiffenfchaft.

3elwif f enf chaf ten. Bo fcheint fich heute 6as an3ubahnen,


was im |Cj. 3ahrhun6ert nicht möglich war: 6ie Üb er ein*
jtimmung von Philofophie unb tDif f enf ch af t.
3n 6er 3weiten Hälfte 6es jcj. 3ahrhun6erts wur6e 6iefe Obers
einjtimmung erkauft mit 6em Versieht 6er Philofophie auf fich

felber. flEinfam ftan6 6aher 6er größte Philofoph 6iefer oeit,

Hie^fche, 6er im „tDillen 3ur stacht" eine 6ynamtfche Philo*


fophic entwickelt h<*t.

^egel fuchte noch 6en <8egenfa$ eines unwerfellen abftrakten


(8efe£es un6 einer ebenfo unwerfellen abjtrakten Sretbeit 6urch
eine „Bynthefe" 3U überwin6en. IDiefe Überwin6ung blieb inner*

halb 6es Umkreifes 6es huntaniftifchen TCDeltbil6es, 6as 6ie 25e*


griffe 6er Baufalität un6 6er Sretheit in fich fchloß. <Srun6ge6anfe
6es humaniftifchen XX>eltbil6es H b f 0 1 u t h e i t 6es menfeh*
ift 6ie

liehen (Öetftes. IDiefem abfoluten(Öeifte entfpricht eine abfolute


XX>elt. £rkenntnistheoretifch jtellt fich 6as 6ar in 6em (Ölauben
an Unbe6ingt gültige allgemeine Batje formaler un6 materialer
Hatur. 3u 6en le$teren gehört 6er £aufalfa$. iDem ^umanis*
mus entfpricht alfo ein 6oppeltes Tlbfolutbeitsfyjtem: 6ie mate*
rielle XDelt 6er abfoluten Determination un6 6te i6eelle XX>elt 6er
E>tr #<oretifche und öcr politifchc ttUnfcb 95
94

Unter der <?>errfcbaft der Station des -„theoretifchen fcftenfcben"


werden heute unglaublich primitive Urteile über politifche XDtxU
liebkeiten gefallt. Bum (gebildeten r>on heute gehört geradeju
ein gewtffes Vornebmtun gegenüber der Politik, tftan tut fo,

iDer t^eoretif3>e unb ber polttifd>e iKenfc^) als bedürfe der politifche "Jlttwismus unferer ?tage einer s£nt*
fcbuldigung. Slber einer ^ntfchuldigung bedürfen durchaus nur
ttortrag, geölten vcv btt Stttbentenfchaft diejenigen, die ju träge find, ihren Segriff x>om fcttenfchen an
Straten* 27. Sebrucr 1933 der gefchichtlichen Wirklichkeit 3U prüfen. 3ch halte biefe Prüs
fung für die erfle Aufgabe bes Philofophen in diefer Beit. 3ch
£s liegt tiefer XVtberfprucb im XVefen unferer Bett: unfere halte es für die erfte Aufgabe des Philofophen, mit Hictjfche

tDertungen unb begriffe finb be3ogen auf das Bild eines rein 3U reden, das Verhältnis der Autorität der XVerte 3ur Tlutort*
theoretifchen tftenfeben, unfere XVirtlicbEett dagegen ift im tat der wirkenden Gräfte richtig ab$ufchä^en. Qenfetts von (Gut
höcbften trtage aftwiftifeb. 2Der fcftenfcb unferer Bett ift 6er und Böfe, 2lph. 224.)
attit>fte, 5er je gelebt bat. tftan darf dtefe Slttitutat nicht abtun £>urcb feinen politifchen Tlttwismus $eigt unfer Volk in
mit flüchtigen Bemerkungen über die „Unraft" unferer Beit. diefer Beit, daß es ;u den lebendigen Gräften und 3U den ge*
€ine 2tttwttät, die fich felbft noch nicht vtvftanbtn hat, tritt fchichtltchen Wirklichkeiten ein richtigeres Verhältnis hat als der
eben als „Unraft" auf« ]Die Aufgabe ift nicht, biefe Zttivität Äreis der (Gebildeten, die, durch jenes XX>ahnbild vom tbeoreti*
3U fchmahen, fondern fie als Tlusdruc! eines Cteferliegenden ju fchen fcHenfchen geblendet, hochmütig auf elementare Bewegungen
ernennen. Unmöglich ift es, aus der berrfdjenden Begriffs* berabblicken. IDie Berftörung jenes Wahnbildes vom fcttenfchen
weit heraus den arbeitenden fcftenfcben, den fcHenfcben 6er tftübe tft die t>orausfet$ung für den Bufammenfcbluß der Heile unferes
unb des Truftes 3U »erftehen, unmöglich ift es, aus diefer Voltes, die fich heute als „(Gebildete" und „Ungebildete" fremd
Begrtffswelt heraus öen politifchen tftenfeben ju begreifen. 3ch gegenüberflehen.
werde hier nicht das relative 2<echt des theorettfehen und des JDie httmaniftifch*ibeaUftifche Philofophie der Bildung geht
politifchen fcftenfcben feftftellen, ich werbe nicht 3wei pfycbo* von der Vorftellung aus, daß fich über einem Unterbau x>on
logifche „Eypen" einander entgegenfe^en, unb eine„©vntbefe" Hot unb Tlrbett, von Wtberfprucb unb ©treit ein Überbau
ober einen Ausgleich »erfuchen, fonbern ich werbe folgende bes (Öeiftes erhebe, bie lichte Welt des Bewußtfeins, eine XX>elt

£befe begründen und entwickeln: über dem „(Öraus der Beiten", in der nicht geftritten und gerun?
3Der theoretische tftenfcb, auf den fich die umlaufenden tDerts gen wird, fondern wo die ftille Betrachtung, das Vergeben und
begriffe bejiehen, ift eine S*fti°n. £s gibt keinen theoretifchen kennen ihren Ort fyctbtn. Und bie Vorausfe^ung ift: es f 0 1 1 1 e
fcftenfcben — was nicht heißt, wie ich aeigen werde, „es gibt jenen jRampf, jene Hot des Slrbeitens, jene ^ntjweiung des

leine tDiffenfcbaft". ÜDer fcftenfcb tft wefentlich ein poütifches politifchen Äampfes n i ch t geben. Hur da fei der fcttenfch

XDefen, b. b- er ift nicht ein TVefen, das juerft fontempliert, gans tUenfch, wo er fpiele. Sern liegt die Srage, ob er nicht ba
Werte betrachtet, und dann handelt, er ift nicht EOcfen, ein gan3 fcftenfcb werbe, wo er fich emfetje. IDer ^enfeh ift 3um
deffen ©ein dadurch beftimmt ift, baß er teilnimmt an einer (0eifte beftimmt: bas wirb dort fo ausgelegt: 3ur „Teilnahme"
höheren „getftigen XVelt" —
dann waren die meiften tftenfeben an geiftigen XOerten, 3ur Kontemplation einer XX>elt des (Seiftes,
vom tftenfehfein ausgcfchloffen — , fondern er ift ein ur* und fchließltch 3« einer „^ealifierung" geifriger XVerte. ^am
fprün glich handelndes XVefen. dein ift aber Bein ^ealtfiercn ernannter XVerte. ©o leicht ift es
96 2>« ttKoretifc&e unb btv poiitifc&c Wltnfä IDtv tbeortHfcfce unb öer politifcbt ittenftb 97
öem tftenfchen nicht gemacht. wahrhaft ^anöelnöe fteht
IDer
fchen („fachlichen") Verhalten angefeben. 16s liegt »on Anbe*
immer im Ungewiffen, er ift „wiffenlos", wie Hiettfche fagt. ginn ein t>eröacht auf öem politifchen tftenfeben. £He Bpbäre
IDas macht gerade öas ^anöeln junt ^anöeln, öaß es ntc^t ge« öes ^anöelns ift »erfemt. Politifch heißt „parteipolitifcb", unö
öectt ift öurch einen EDert. IDer %anbtlnbt erponiert fich, fein parteipolitifch heißt „unfachlich".
(Teil ift niemals öie securitas, fonöern öie certitudo. Auf öiefe IDiefer circulus vitiosus ift un»ermeiöbar, folange man an*
Ungewißheit unö Ungeöecttheit möchte ich mit öem XX>orte £in* nimmt, öaß öie XX>iffenfchaft eine Schöpfung öes reinen Be*
fatj »erweifen. wußtfeins ift. 3m
©yftem öes theoretifchen fcftenfchen gilt öas
3m Softem öes „theoretifchen" tttenfchen wirö öie (Öeiftig* Bewußtfein als öer fefte Pxmtt außerhalb öer XX>irtlichtdt, als
feit in 6er ^teilhabe gefugt fl£s ift biet menfchenwüröig, es ift öer archimeöifche Puntt, »on öem aus öie XPirtlichteit „un*
»ornebm, an 6er geifttgen XÜtlt teilhaben. IDie Kontemplation intereffiert" ertannt $u weröen »ermag. S)em theoretifchen iHen*
ift »ornebm, öie rein „geiftige" proöutthntät. IDcr arbeitenöe öem öes reinen 25ewußtfeins entfpricht öer
fchen als fcTtcnfchen
tm6 6er b<M6elnöe tftenfcb gelten in öiefem ©yftem für fcttenfchen theöretifche (Segenftanö, öer unangetaftet öurch ein Subjeft aö*
Stetten langes. IDas ift 6er törunö, weshalb eine iöealifttfcbe äquat ertannt wirö. ©urch öas XPort !$txou$tftm foll öer
Päöagogtf mit 6er XXHrtlicbteit 6es Arbeitslagers nicht fertig fcttittelpuntt eines ^5e$ugsfYftems bejeichnet weröen, öas abfolute
weröen wirö. IDtcfe päöagogif fiebt nicht 6ie (öeiftbeftimmtbeit Heutralität garantiert, ein ^ejugsfyfhm, öas teinen Einfluß
6es arbeitenöen, 6es polittfeb banöelnöen £Han erblicft fcltenfcben.
auf öas su Beobachtenöe unö Seftjuftellenöe ausübt, tgtwas ift
ihre eigentümliche (Öeifttgteit nur, wenn man nicht mehr öurch
„wiffenfchaftlich" feftgeftellt heißt fyuv: es ift auf nichts belogen
6ie X>orftellung 6er „Ceübabe" abgelentt ift, wenn man 6ie (£>eu als auf öas reine Bewußtfein. IDas heißt: es ift auf nichts
ftigtett 6es i£mfat$es ertennt, 6ie unabhängig ift »on 6em (öraöe be3ogen, öenn öas reine Bewußtfein leöiglich eine Swnttion,
ift
6er biftorifeben Bilöung; unabhängig »on 6er angeborenen o6er tein ©tanöort. 3m reinen Bewußtfein ift öer tftenfeh als
erworbenen Sabigteit $ur Kontemplation. lebenöiger intereffierter tftenfeh gleich Hüll gefetjt „XX>iffen*
IDas ©yftem öes theoretifchen tftenfeben ift öurch folgen6en Bejugsfyftems reöen,
fehaftiieh" reöen heißt alfo, innerhalb eines
@at$ 3U tennjeiebnen: 6er tbeoretifebe tftenfcb »erhält fich fach? öeffen Zentrum gleich Hüll ift. XX>eil öas Bewußtfein uninters
lieh, 6er politifche tftenfeh »erhält fich „unf a cb lieb". XXHe effiert, unperfönlich, unmenfehlich ift, genießt es im SSyfteme
tommen wir 3U öiefer £ntgegenfet$ung: fachlich*unfachlicb5 £Do* öes theoretifchen iltenfchen öas höchfte Vertrauen, öenn es ift
ran wirö 6enn 6ie Sacblicbteit gemeffen? i£ine Abfcbätjung ebenöeshalb „unparteiifch" unö „neutral". (Dhne weiteres wirö
menfehlicher IDinge unter 6em (Öeficbtspuntt abfolutcrBacb* »orausgefe^t, öaß öas Bewußtfein ein ausgezeichnetes T)tx*
licht eit ifr. nur 6ann möglich, wenn es einen abfoluten hältnis $ur tPahrheit habe, öaß nicht öer fcftcnfch als ganzer fich
Stanöort, ©tanöort außerhalb 6er TXKrtlichteit
6. b. einen 3ur tPahrheit »erhalte, fonöern leöiglich **r 3ntellett, öer fefts
gibt, 6ie beurteilt weröen
foll. IDenn folange wir innerhalb 6er
jtellt, was eine „Eatfache" ift.
ECHrtficbteit ftehen, tonnen wir nicht „abfolut" fachlich fein* @o man tein
Cheoretifch fich »erhalten heißt alfo fo tun, als of>
»erhält es fich nun in 6er Hat: 6as Syftem öes theoretifchen lebenöiger, intereffierter *1tenfch wäre, als ob es öem tftenfdjen
tltenfchen gibt »or, öaß wir einen feften ©tanöort gegenüber
möglich wäre, öas reine nichts öes reinen Bewußtfeinö
fich in
aller EDtrflichfeit, alfo auch gegenüber öem hanöelnöen fcttenfchen t)or anöerthalb 3ah«n fprach ich «n öiefer Btelle über
3ü ftellen.
haben — öas ijt eben öer Btanöort öes bloß betrachtenöen, öes öie geiftige Situation in öen €injelwiffenfchaften. HO'xt Reifen*
theoretifchen tftenfdjen. IDas politifche Verhalten wirö als eine
bergfehe „Unficherheitsrelation" erinnert heute auch öen Phfftfer
Abweichung »on öem öes tftenfehen allein würöigen tbeoreti* öaran, öaß unabhängig »on einem finnlich organifierten
fich
98 2>cr tfcoretiföe vmb bei poUttfc&e tttenfcfc 3D«r theoretifthe uni> öer.pofitifte menfefr
99

©ubjelt ein Vorgang nicht einmal btobafyttn läßt. Äleinig* IDamit ift das Bewußtfein als Sunttion nicht geleugnet. i£s
leiten, die unter 6er <?>errfchaft des Sil6es vom theoretifchen ift lediglich gefagt: 3m mittelpunft des Be3ugsfyftems, das wir
menfehen nicht beamtet wurden, führen uns heute gerade in den wiffenfchaftliche i£rlenntnis heißen,
Eann nur der gan3c menfeh
fogenannten „eralten" tDiffenfchaften 3ur Revifion unferer Vor* ftehen, der Bewußtfein
hat, nicht aber lann in diefer
ftellungen von der XViffenfchaft. nicht nur das Bewußtfein, mitte ein „reines" Bewußtfein ftehen, das nebenbei, $um Be*
fondern das ©ubjelt ift immer mit dabei. XVobl
ertennende ©ubjeEt eine iDiftanj $u dem,
das
was
W
ertannt werden
dienen von Apparaten, 3um ©chreiben und 3um Rechnen auch
noch ein tftenfeh mit fänden und Süßen ift.
foll, aber diefe IDiftanj
als Bewußtfein,
ift

dann Ratten wir


leine unendliche. XPären wir nichts
eine unendliche 3Diftan$ su den
3Der belehrte, der Sorfcher, der XViffenfchaftler — fie find
nicht identifch mit dem „theoretifchen menfehen". ^erlömmlich
©ingen. €ine folch* unendliche IDiftanj wurde dafür garan*
denlt man fich sie ©ache fo: es gibt einen theoretifchen tften*
tieren, daß wir das (Dbjeft abfoiut, unangetaftet, d.
h» ohne fchen (einen „wahrheitfindenden und der (Belehrte, der
2lft"),
Ziehung auf uns als lebendige tftenfeben, erlennen. (Säbe es
Sorfcher find befondere Sormen, und 3war die altiven Sormen
ein reines Bewußtfein, dann gäbe es auch ein nicht „entftellen* des „theoretifchen mtnffytn überhaupt". Aber Sorfcher fein, (Se*
des", abfolutes s£rlennen. Unfer wirtliches £rlennen ift aber
lehrter fein bedeutet nid^U die tftodif itation eines allgemein
nicht das tgrfennen eines reinen Bewußtfetns. 16s ift auch nicht
theoretifchen Verhaltens fein, fondern es meint etwas ©pe3tfi*
das getrübte Erlennen eines abfoluten Bewußtfeins. IDie
fches. iDie XVtffenfcbaft ift das Ergebnis einer fpe3ififchen
IDiftanjierung vom (Dbfelt ins tinendliche ift nicht nur praf* Tlttivität. ©ie ift nicht ein Produtt lontemplierenden Ver*
tifch unmöglich,
ift nicht nur eine uns anhaftende „Unvoll*
haltens, niö)t £r3eugms eines abfoluten Bewußtfeins, fondern
fommenheit", fondern das £rtennen befteht von feinem Ur*
ein Zeugnis des wif f e nf chaf tlichen (Seiftes. JDas
ift
fprung an in etwas anderem als in einer bloßen Bewußtfeins*
leine Tautologie. XVenn ich oie XVtffenfcbaft auf den
wiffen*
relatton 3u den IDingen. £s ift ein durch nichts 3U begründendes fchaf tlichen (Seift als auf ihren Urfprung 3urüdführe, fo drüere
Vorurteil, daß das Bewußtfein in einem ausgezeichneten Ver*
ich oamit aus, daß die XVtffenfcbaft in einer fpe3ififchen 2tftivität
hältnis 3ur XVabrheit ftehe. JDer lebendige fcftenfch trübt das i£r*
ihren Urfprung i)at.
lennen nicht, macht das kennen allererft möglich,
fondern
terlennender und €rtanntes find nicht durch eine unendliche manlann von der XVtffenfcbaft nicht reden, ohne von der
3Diftan3 gefchieden; 3wifd?en ihnen liegt eine endliche IDiftan3, eine £>enlweife (Äant: „£>entungsart") 3U reden, aus der fie hervor*
£> ift an 3 in der Seit ^wifchen ihnen liegt nicht die 2>iftan3,
lommt. IDie Rehabilitation des <&ei{u& ift das erfte, was heute
die 3wifchen dem Seitlofen und dem fettigen beftebt, fondern notwendig ift. IDer (Seift ift nicht mit Unrecht in Verruf ge*
fie find beide in der Seit, im wirllichen oufammenhang der tommen, feitdem er auf den 3ntelleEt herabgeEommen ift. (Seift
JDinge aufeinander be3ogen. fluch der wiffenfehaftlich kennende ift nicht identifch mit 3ntellelt oder mit Bewußtfein. Rudolf
fleht nid)t in einem 3enjeits, fondern im IDiesfetts. £rlennen <oiidebrand belehrt uns in einem berühmten flrttfel des (Srimm*
heißt nicht, das IDiesfetts fchen XVörterbucbs,
daß das XVort „(Seift" erft im ja. 3abr*
auf ein 3enfeits be3iehen, mag fich
diefes 3enfeits auch bis 3Ueinem „tranf3endenten ©ollen" ver* hundert auf das „JDenEende in uns" angewandt worden ift.
haben, fondern i£rf ernten beißt urfprünglicb: fich für
flüchtigt Urfprünglich be3eichnet er das lebendige, £ebengebende, £en*
etwas mtereffieren. XVer gän3lich unintereffiertes „reines" Be* tende und tDirlende in uns — alfo das Zttivtl (voltstümlich:
wußtfein wäre, der vermochte nicht mehr im menfeh liehen „tDas für ein (Seift ift in IDich gefahren, daß JDu das tuft?").
©inne 3u erlennen. Hiebt das reine Bewußtfein ift der Urfprungsort der XViffen*
100 £xt tfcoretifcbe unb ber potttifcfce *ttenf<b IDtt tbecretifebe unb btt politiftbc *tfcnf<b 101

f4>aft, fonbern etwas Umfaffenbes unb Urfprüngliebes, eben IDer „tbeoretifebe menfeb" —
bas bebeutet: „wiffenfebaftliebe
6 e r (S e i ft. 2>er (Seift ift es, ber ben 3ntellekt 3ur ^eroor* Haltung", „wiffenfebaftliebe (Öefinnung", „XXHlle 3ur tDabr*
bringung 6er XX>iffcnfc^aft 3wingt. 2lucb bie XX>iffenfcbaft bat beit". £>ie Erkenntnis 6er Xt>abrbeit auf 6en tDillen 3ur XDabr*

ibren Urfprung in 6er Begeiferung, ©er eebte Sorf4>er unb 6er beit grünben ift aber gerabe fo wie bie ©cböpfung eines JEunft*
eebte (Selebrte ftnb von 6er wiffenfebaftlicben Begeiferung er* wertes auf ben XDillen 3um Jtunftwerk, o6er 6ie Er3eugung eines
füllt, niebt aber finö fie Vertreter einer aUgemeincn „tbeoreti« Äinbes auf 6cn Willen 3um Äin6e 3urüef3Ufübren. Es gibt fo
feben Haltung"« Es ift ein kübner, ein wagenber (Seift, 6er öie wenig eine wiffenfebaftliebe „Haltung" wie es eine Eünftlerifcbe
XXHffenfcbaften berüorgebracbt bat. ©erfelbe (Seift bat 6ie £ecb* „Haltung" gibt. Es gibt nur Sorfeber unb Äünftler; aueb in 6er
nik erzeugt, r>on 6er wir allzuoft nur 6ie $erftören6e Seite XXHffenfebaft kommt es auf 6as Äonnen an. Äünftlerifcbe f>aU
feben, bie aber in ibrem XX>efen burebaus pofitit», aufbauenb, tung ift an6eres XX>ort für 3mpoten3. U>enn
ein von einem
„konftruktw" ijt. Hiebt jebe 2foffe, niebt je6es Volt bat 6iefen (Se6iebt gefagt wirb, es fei „tief empfunben", fo
. ift bas bie
pfeift;manebe Waffen unb X>ölker serfteben biefen (Seift übers ÄritiJ 6es Pfufebers. XX>enn t>on einer wiffenfebaftlicben Arbeit
baupt niebt, fonbern meinen immer nur 6en 3nteltett. Es fin6 gefagt wirb, es fpreebe aus ibr ein „ebrltcber XX>ille 3ur tt>abr*
»orjüglicb 6ie Völht 6es Horbens, 6ie germanifeben Völker, beit", fo ift bas bas £ob 6es £aien — o6er eines, 6er fieb als
6ie in 6er XViffenfcbaft probuktip geworben finb. IDte (Sriecben, Uit ftellt. häufiger wir6 freiließ t>on 6er entgegengefe^ten
6ie 6en noeb beute gültigen Begriff 6er tDiffenfcbaft tyevvov* mögliebfeit (Sebraucb gemaebt, in6em man erklärt, 6er XDille
gebraebt baben, finö 6ie (Sermanen 6es tftittelmeeres. Hiebt 3ur XX>abrbeit fei niebt »orbanben.
3ufällig kennen wir 6ie (Sermanen als eine kriegerifebe Stoffe, ©er bem BOillen 3ur XDabr*
wirkliebe Äritiker fragt niebt nad?
©ie fin6 Volt 6er Entbeckungen un6 6er Eroberungen. Hiebt
ein beit. Er fragt:
ift was
berausgekommen? 3ft es riebtig ge*
zufällig fpreeben wir x>on wiffenfebaftlicben Entbeckungen unb maebt? 3ft es faeblicb in (Drbnung? JDas XX>ort „faeblicb"
Eroberungen. 2tlle wirHieben Entbeckungen fetjen 6en Wtut 3um meint bier niebt: erfüllt bie 2lrbeit 6ie 2lnfor6erungen einer
flußerften voraus. Es etwas Äriegerifcbes im t>erbalten 6es
ift myftifeben abfoluten 6as XVovt bat bier
©acbliebkeit, fon6ern
wiffenfebaftlieb erkennenben (Seifhs. XX?as ift ein Problem? Ein einen x>iel einfacberen, nücbterneren, fo3ufagen banbwerlsmäßt*
(Segner, beffen Verfolgung 6er (Seift alsbalb aufnimmt, tfttt gen Sinn. Es btbtuttt: entfpriebt bie Arbeit ben Tlnforberungen,
einem Problem ringt man, man fuebt es $u bewältigen. 3*6e bie „wir" an ein wiffenfebaftücbes Xt>erl ftellen, ift ber X)tv*
Erkenntnis ift ein ©ieg, jebes Ergebnis eine gewonnene ©cblacbt; faffer auf ber £öbe ber febon geleifteten Arbeit, Eur3, beberrfebt
wer fieb 3u 6en Problemen niebt triegerifeb serbält, wer niebt ber tterfaffer bie wiffenfebaftliebe Cecbnik? IDiefe Sragen weifen
mit oäbigteit unb £ift, mit Entfcbloffenbeit unb fcftut „binter auf ein ©yftem r>on Pvattihn bin, beren Beberrfcbung bie erfte
ibnen b«r" ift, 6er foll niebt vom Ernennen reben. tftan macbe un6 X>orausfe$ung wiffenfebaftlicber Tätigkeit ift.
unerläßliebe
Ernft mit bem alten XDort: sapere audel XÜtt EDiffenfcbaft in Unter biefen PtattUtn ift niebt nur bie Äunfl ber Bibliotbeks*
großem ©ttl treiben will, 6er muß auf 6ie IDinge losgeben, benu^ung ufw. 3u »erfteben, fonbern weit mebr: ein gan3es
6er muß einen (Sriff für 6ie IDinge baben. tftan muf§ einesj ©yftem »on ^anblungen unb Griffen. Hiebt wer ben „VDillen
Problems geworben fein, um barauf losgeben 3U
anfiebtig 3ui XVabrbeit" fein eigen mnnt fonbern wer biefes ©yftem
f

können? (Sewig! Tiber wer jagt uns benn, ob wir niebt nur beberrfebt, ift für bie tDiffenfcbaft ba.
besbalb biefes Problems anfiebtig geworben finb, weil wir £>te Ztecbnik in biefem ©inne ift es, bie bas Material erfebließt
barauf losgeben wollten? Es gibt kein Erlernten obne ben unb bereitftellt. man Unn bie Ceebnik beberrfct>en, obne *>om
tftut ^um Erkennen. (Seift ber XT>iffenfebaft ergriffen 3U fein. f>itv liegt ber Unter*
102 £>«r tbeoretifcfce unb öer politijVfce *ftenf<b ID*r t^oretifebe unb btt politifcfcc «tenfeb 103

fc^U6 x>on XPiffenfcbaft unö Bunft. £>ie Eechnit öer XPiffen* tigJett in be3ug auf eine gewiffe 2ln3abl »on ,,^atfact)en a, 6ie fie
fc^xtft ift noch in einem gan3 anöeren fcttaß erlernbar als öie in einen Sufammenfcang bringt. IDer wiffenfcbaftlic^e ©treit gebt
fcecbnü 6er Jftunft. — S»>tf4>en
(Seift unö Secbntf fteben öie um 6ie S™ge: weiche ^beorie ift 6en Zatfaö)tn gegenüber 6ie
fcBetboöen.©ie finö 6er (Seift öer XPiffenfchaft in actu. ©ie be* maebttgereJ IDie 2fbfcbä$ung 6er ^Tbeorien gegeneinan6er in be3ug
3eicbnen öie 2Ucb tun q tri, in welchen öer (Seift fich bewegt. auf ibre ^aebtigf eit ift öie J&rittf.
igrEannt wirö nicht mit <oilfe einer allgemeinen „ertennenfcem 3Die (Sefcbicbte öer XDiffenfcbaften ift geglieöert entfprecbenö
Haltung", fonöern ernannt wirb mit <büfc ber fcttethoöen. IDie 6er €rfinöung öer metboöen: Parmeniöes, <5eraBUt, ©ofrates,
fcltetboöe ift es, öie öie £atfacben „geitenö" macht. Zn fid? finö Piaton, Tlriftoteles, IDescartes, Äant, £egel, Hie^fcbe eben* —
6te ftumm, wie öer Kecbtsfatj ftumm ift, öer nicht
«Eatfacben foDiele Hamen als metboöen. Unö fo aud) in öen eisernen
öureb eine fcftacbt 3ur Leitung gebracht wtrö. 34) weife auf XPiffenfcbaften. 3cb erinnere befonöers an öie Beöeutung bes
öen IDoppelfinn öes 2lusöructs „geitenö machen" hin: theoretifefc metboöenftreites in öer moöernen (Sefcbicbtswiffenfcbaft unö in
((Seltung) unö praftifch (geitenö). öer HationaloEonomie.
XPas ift fruchtbar in öen XX>iff enfe^aften, was wirtt reso« IDas <>auptEenn3eicbett öes t^eoretifc^cn «tenfe^en ift feine
lutionierenö, was ftiftet eine ©cbule unö hält eine ©chule 3«* „Unfcbulö". JDieBegriffe „tbeoretif4>" unö „faebiieb" tragen
fammen? Hiebt öie „fcatfacben" finö es, auch nicht eiserne einen moraiif eben Cbarafter. 3Dem, öer öie XX>abrbeit er*
^eorien, fonöern öie tftetboöen. Um öen fcftetboöen geben erfl fennen will, ift Beobachtung unö Seftftellung
3weierlei erlaubt:
öie (Theorien fytvvov. IDas XPort Sttetboöe be3eicbnet nicht etwa x>on „fcatfacben" —
unö öer (Sebraucb öer SogiL 3eöe anöere
bloß eine formale TSXtivitat öes 3ntellefts. JDiefe formale Zltivu ?EätigEeit als Beobachten unö Schlußfolgern trübt oöer Dernicbtet
tat ift mit öem XPorte £ecbniE febon mit anerkannt. 2Die fcftetbos öie „Unfcbulö". 3m ©yftem öes tbeoretifeben menfehen
t>erfucht
öen finö öie Äußerungen einer f Töpfer if eben SlEtwitat; in man tDiffenfcbaften rein „öeöuftw" auf^ubaum. 3ch erinnere
Urnen lebt 6er (Seift öes i£ntöccfers fort, fie entfteben nur öureb an mathemat« unö ^echtswiffenfehaft. m<tn flüchtet fich in
öen £infa$ öes gan3en tftenfeben. IDie großen metboötfchen öie Unfchuiö öer reinen JJogi! als einer Tochter öes reinen Be*
Dichtungen in 6er (Sefcbicbte 6er XPiffenfchaften be3eicbnen 3U* wußtfeins. ^lus öer Bubierei öiefer reinen £ogiE mit öer foges
gleicb „getftige" Strömungen, Feinheit in 6er XPiffenfcbaft be« nannten Erfahrung entfleht öann öie XX>iffenfchaft. Bie wirt*
öeutet niebt Unintereffiertbeit, fonöern es beöeutet fchöpferifche liehe €ntftehung öer tPiffcnfchaft aus öen großen
methoöifchen
Jtraft, Proöufthrität. ieinfa§en wirö ignoriert; es gibt nur Empirie unö ÄogiB.
JDer £ate meint, eine ^Cb^orie fei um fo beffer, von je „böserer' XX>arum gilt öer theoretifche menfeh für unfehulöig* XPeil
XX>atte
u ilaienmeinung bangt mit 6er
fie aufgehellt fei. JDiefe er neutral („tolerant") weil er nach allen Beiten
ift, fich hin
Stftton öes „tbeoretifeben tftenfehen" eng 3ufammen. XPer in auffchließt, weil feine Unintereffiertheit für fo^iei gilt wie
6er XPiffenfcbaft lebt, 6er lacbelt über 6iefe Meinung, un6 wenn „unit>erfales 3ntereffe". £>ie Porftellung öiefer Unfcbulö beruht
6ann eben öesbalb, weil er 6em
er es nicht öffentlich ausörüett, auf öer anöeren Porftellung, öaß Neutralität unö (DbfeBtwität
allgemeinen Porurteil unterliegt. £ine Ebeorie ift ibrem XPerte öasfelbe feien. £s t>ertannt, öaß
ift es €bjtttwität nur innerhalb
nacb niebt öaöurcb cbaraiterifiert, öaß fie „mögltcbft r>iel" o6er methoöe geben fann. XPenn man alles gelten laßt, Jann
einer
gar „alles" umfaßt oöer erflärt. 3mmer bleiben €rfcb einungen man geraöe nicht „objehw" fein im wiffenfebaftiiehen ©inne.
außerhalb einer Theorie, feine {Theorie erHärt alle fcatfacben. XPiffenfchaftliche (Dbjettitutät gibt es nur öa, wo ttxxxts methos
XHelmebr fyat jeöe ZTbeorie eine befttmmte tftäcbtigteit. £ine öifch 3«r (Bettung gebracht wirö. IDas gefchieht aber ftets in
C^eorie fpiegelt nxä)t wiöer, fon6ern fie hat eine heftimmte $Hac^* einer beftimmten Dichtung. XPiffenfchaftlich relevant
finö „ZaU
8
104 3D«r tfcorctifc&e unb btv politifche Jltenfcb 105

fachen" nur innerhalb eines töeltungsfyftems. Solange eine


wir biefe Dichtung Stil, beim wiffenfehaftlicben ^anbeln nennen
Eatfacbe nicht in einem folgen Syrern einen feften (Drt b<*t, wir fie tftetbobe, beim politifcben <5anbeln nennen wir fie
erifttert nur als Problem. Sachlicbfeit, (Dbfeftuntät höben
fie
Pavtcu Politifch h^nbeln heißt Partei ergreifen. XPenn man
mit Heutralttät gar nichts $u tun; wirf liebe Sachlicbfeit gibt es einem Polittfer Sachlichfeit naebfagt, fo fann bas 3weierlei be«
nur innerhalb eines Ttfttonsfyftems, b. b. innerbalb einer beuten: einmal, baß er fein Polittfer ift; 3um 3weiten, baß bte
XPer etwas febaffen will, auch in 6er XPiffenfcbaft, ber
fcttethobe. Dichtung, bte er etnfeblägt, eine große fcftäcbtigfeit über bie
fann nicht „über" ben EHngen fchweben. IDer i£rfennenbe lebt „Bachen" befttjt. Politifche Sachlichkeit gibt es nur i nn e r h a l b
nicht auf einem hoben £urme; täte er bas, bann würbe er niebts eines Tlftionsfyftems, b. b* innerhalb einer Partei, ^anblungen,
erfennen. XPer ftch gegen bie ganje XPelt auffchlteßt, ber wirb bte losgelöft finb von einem folchen tfftionsfyftem, fyabtn bie«
bie XPiffenfcbaft um leine i£rfenntnts bereichern. IDer wahrhaft felbe 232beutung wie „fcatfacben" außerhalb eines methobifchen
£rfennenbe fcbließt ftch nur bem auf, was er erlernten will.
(Seltungsfaftems. XPenn ein Staatsbeamter täglich feine Pflicht
Tille großen £etftungen ber XPiffenfchaft finb, gemeffen an tut, fo hanbelt er noch nicht hßnbelt
politifch. Politifch er,
ben 3ot<tkn bes „theoretifeben tftenfeben", „etnfeitig" unb baher wenn er alle feine^anblungen einem beftimmten Slfttonsfyftem
fcbulbbclaben. 3ebe eiserne fcttetbobe ift gleicbfam fcbulbbaft, einorbnet. <)anblungen im wahren Sinne bes XPortes
weil fie nicht „unwerfal" ijt. Hur eine Unix>erfal«£ttetbobe gibt es nur innerhalb eines 2lfttonsfyftems, bas fie 3ur (Geltung
wäre frei von Schule. 3ft es aber ber S i nn ber fcftetboben, baß bringt, ober in bem fie politifch ef feit tu werben.
nur£eile einer Unit>erfal«£Hethobe barftellen 5 Gebeutet XPiffen« m mus
fie 2Das Syftem bes P ar l a e nta r i s ift bas ber S^tion
febaft, baß fid? alle fcltetboben $u einer Unwerfakfcftethobe „er* bes theoretifeben fcftenfchen entfprcchenbe politifche Syftem: es be«
gän3en", baß bie i£rgebntffe aller fcftetboben 3ufammengenommen beutet bte Unfchulb in ber Polttif. 3m fonf eementen parlamen«
gleicbfam eine ibeale, abfolute XPiffenfcbaft ergeben würben 5 tarifchen Syftem erreicht bie tftyfttf ber abfoluten Sachlichfeit
Heini j£s gibt feine „l^rganjung" ber tftethoben 3u einem ab« ihren 3Das
<5)öhepunft. parlamentarifche Syftem fingiert ein
foluten XPtffen. 3n jebergroßen fcftethobe ift bie XPiffenfchaft politifches ^e3ugsfyftem, in beffen mittelpunft eine reine, un*
gan3 anwefenb. IDurcb bte fcftetboben perbält ftch ber wiffen« fchulbige Äörperfchaft fteht. ÜDas Parlament befteht in ber
febaftliche (Öetft 3ur XPahrbeit. Bobalb man eine fcltetbobe bureb ZEhtorie aus lauter €in3elnen, aus ben ,/Hbgeorbneten bes beut«
bie anbere 3U „ergäben" fuebt — bas ift bas eigentümliche <35e«
fchen Polfes". (Zvt zo WO.) 3eber btefer £tn3emen ift ein €r«
fetj ber tSrfenntms — gebt bas Perbältnis 3ur £iefe ber XPirf« fennenber, ber nach beftem XPiffen unb (Sewiffen h^nbelt, ein
liebfeit verloren, bas in jeber wahrhaften tttetbobe fixiert ift.
Sachmann. IDte 23efchlüffe ber aus lauter S«chleuten beftehmben
3ebe tftethobe be3eichnet ein Perbältnis 3ur gan3en XPirf Ucb* Äörperfchaft tragen ben (CharaEter abfoluter Sachlichfeit. 3Das
feit; raubt man ihr biefen Knfpruch, fo nimmt man ihr ihren Parlament hat im Softem bes theorett«
alfo bie Stelle inne, bie
Sinn. fchen tftenfehen bem ^ewußtfcin 3ufommt. IDas fltoment ber
3n tiefer i£igentümlicbfett bes j£rfennens erfcheint ein allge« ^lerichtetheit ift uollfornmen verleugnet. iDiefe Perleugnung
meines <£>efet$ unferes iDafeins. 3Der lebenbige tHenfcb ift ein
Trennung
liegt fchon in ber ber ^egtslatit>e unb ber £reEutu>e.
intereffiertes, aftwes XPefen. £eben unb <^anblung ohne ,,£en« £)ie ^egtslatwe repräfentiert bte Pemunft, bie ierefutit)e ben x>on
a
ben3 gibt es nicht. £ebenbtges IDafein ift bem XPefen nach ten« ber Pemunft abhängigen, lebigltch „realifierenben" XPillen. 2)er
ben3tös. i£s gibt fein richtungslofes Banteln, ^anbeut, ob fünft« XPille, bie Perwaltung, tf* gebeeft. €inen ursprünglichen XPillen,
lerifches, ober wiffenfebaftliches ober politifches, erfolgt ffcts in ein urfprüngliches ^anbeln unb XPagen gibt es nicht. i£s gibt
einer beftimmten Dichtung, #etm fünftlerifchen Banteln nennen feine unabhängig hanbelnbe, rein politifche tltacht, es gibt lebig«
8*
106 ID-er tfreoretifc&e unb btt poUtifcfce £tt*nf<$ 2*r t^orcttf4>e unb btt politif^c tttenfcfc 107

lieh eine nach allgemeiner Anficht befc^ liegende itörperfchaft, muffe. £s ifl 6iefelbe Vorftellung pon 6er Verpflichtung 3ur
6eren 33efchlüffe pon
nur ausführenden stacht im Ver*
einer Uniperfalität wie auf 6em (Öebiete 6es €rBennens. 3a, 6er
waltungswege „perwtrEUcht" wer6en. Bonfequente Parlamentarismus ubertrifft noch 6ie igrEenntnis*
IDiefes B^ftem ijt 6er Zusbvud 6er igntpolitifierung unferes theorie 6er Heutralität un6 Uniperfalität, inöem er über 6em
gefamten £>afeins. i£s gibt Beine etn6rucBsPOllere Catfache als angeblich unpolitischen, aus €in3elnen beftehen6en Börper 6er
6ie, 6aß 6te 6ie XVtrBlichBeit beberrfchen6e politifche Catfacbe 6er Legislatipe noch einen PunBt pollBommener tteutralität außer*
Partei in 6er Verfaffung überhaupt nicht erwähnt voivb. Bie er* halb anerBennt: 6en Biaatsgerichtshof.
fcheint erft in 6er „(öefchäftsorönung" 6es Reichstages, alfo an £ine uniperfale PolitiE gibt es fowenig wie ein uniperfales
einer harmlos*,,fachUchen" Stelle, Bie iffc in 6er IXT), nicht 3U* kennen. JRein Sorfcher perfügt über 6ie
Wahrheit, fein Polt*
fällig perfchwiegen, fon6ern mit innerer Hotwen6igEeit aus* tiEer perfügt über 6as <£>an3e 6es VolBes. XVer 6ie
Verfügung
gefchloffen. £)as Parlament ijt, 6er ZTbeorte nach, nicht aus über 6ie XVahrheit in 6er XViffenfchaft wie in 6er PolitiE
für
Paxttkn sufammengefetjt, fon6ern aus j£m$elnen, 6ie nach Ktt. z\ 6as uns angemeffene 36eal halt, 6er beuge fein Unie un6 laffe
Vertreter 6es gan3en VolBes fin6, nur ihrem (Öewiffen unter* XXHffenfchaftun6 PolitiE. fl£r unterwerfe fich 6er Autorität,
worfen un6 an Auftrage nicht gebun6en. £fttt 6iefem 2lrt. 2?, 6er 6ie über 6ie
XVahrheit perfügt —
o6er er überlaffe fich 6er Ver*
6ie gan$e Philofopbie 6es Liberalismus in fid? enthält, wir6 3weiflung. tVeoer 6er Sorfcher noch 6er PolitiEer fin6 6eshalb
geleugnet, 6afj in 6er politif chen XVirEUchE eit 6er £in* „unpollBommen", weil fie nicht über 6as <3an3e per fügen.
3elne fein XViffen un6 fein XVollen immer nur innerhalb Bolange man 6en Vorwurf 6er UnpollEommenheit gegen fie in
eines TlEtionsfaftems 3ur Geltung bringen Bann. Bo unum* 6iefem Binne erhebt, folange legt man 6as falfche 36eal 6er
fchränBt herrfcht 6as 23il6 6es unfchul6igen, theoretifchen tften* Uniperfalität un6 Heutralität 3ugrun6e. „£infeittgBeit" im Binne
fchen, 6aß man 6en fchreien6en XVi6erfpruch 3wifchen 6iefem 6iefer 36eale gehört 3um XVefen 6es <5an6elns wie 6es £r*
35tI6e un6 6em S*<tftions3wang f<hweigen6 hinnimmt, obwohl Bennens, weil fie 3um XVefen 6es tftenfehen gehört, berichtet*
es nieman6em perborgen ift, 6aß auch 3» 25* 6tf Verwaltung nicht heit ift 6as (Öefefc je6er Sorm pon TlEtipität. Hicht „^infeitig*
unpolitifch fein B a n n, 6af es immer 6arauf anBommt, wer feit", fonöern (Berich teth eit müffen wir 6aher fagen. IDas
„perwaltet". Un6 mit 6er Unfchul6 6es Parlaments fteht es ^ragifche unferer ^pifrens liegt nicht 6arin, 6aß wir nicht uni*
fo, 6a§ man fie mit §ug un6 Recht 6er Unfchul6 einer 3ung* perfal fein Bonnen, o6er 6aß wir uns 6er Uniperfalität nur „an*
frau mit etwa elf Binöern pergleichen Bann. 3$ weife aus6rücB* nähern" Bonnen, fon6ern es liegt piel tiefer un6 bat einen gan3
lieh 6arauf hin, 6a§ ich ttin moralifches Urteil ausfpreche, an6eren Binn als 6en 6es Verfagens o6er 6en einer moralifchen
fon6ern ein Byftem charatterifiere: 6ie 3Un6er fin6 6ie Parteien, Bchul6. 3e6es ^an6eln, in 6er Wiffenfchaft wie in 6er PolitiE,
6ie6as Parlament h«t, ohne 6aß 6as Btaatsgrun6gefet$ etwas ijt ein CÖriff nach 6em <8an$tn. IDie Srage, 6ie an je6e Epoche
6apon weiß. geftellt ift, lautet: wer foll 6as (San3e p er treten* IDie
Srage
3n 6er Praris erfennt man 6as Vorhan6enfein 6er Parteien nach 6em XV er ift 6ie eriftentielle Srage, ihr Bann man nicht
an — aber auch 6a noch bleibt 6ie Vorftellung 6es theoretifchen, entgehen. i£s gibt Beine PolitiE ohne Hamen, ebenfowenig
tftenfehen beftimmen6.Bte fommt 3um Vorfchein in 6er fcttei* wie eine XViffenfchaft ohne Hamen, kennen un6 ^an6eln
nung, 6aß 6er Staatsbürger 3ur Uniperfalität perpflichtet fei, in unterfchei6en fich nicht wie fixeres Vorgehen un6 egoijtifches
6er Meinung, 6ag alle Parteien 3ufammen gleichfam 6ie 2(nfichrei§cn, fie fallen 3ufammen unter 6en begriff
auch nicht
politifche XVahrheit hatten, un6 6afj man 6aher als „fachlich" „fachmännifchen" ?Cuns,
fie fon6ern
flehen 3ufammen unter
6enBen6er politifcher alle Parteien „gelten
a 6em begriff 6es XVagniffes. Von 6em ierBennen6en wie 6em
tftenfeh laffen
108 £)« tfcorctiföe unfc btt polttifcbe ttttnfö IDcr tfcoretifcfce un& ber potttiföe tttenfcb 109

£anbelnben wirb bas (Öan$c gewagt, bie großen tftetboben haftet. 2lber es gibt feine Sacblicbfeit an fieb, auf bie bann eine
wie bte großen Deiche tragen bie Hamen berer, bie fie gewagt £ntfcbeibung folgt; es gibt wiffenfcbaftlich relevante „Eat*
haben. fachen" unb „Schlußfolgerungen" nur innerhalb eines
2(us gutem (Srunbe fyabt ich früher £infafc gefagt, nicht Syftcms metbobifcher littiv'xtäu Hiebt ber ^anbelnbe macht fieb

„£ntfcheibung". £>er Sorfcber, fo meinte mar XPeber, fei ein fchulbig, fonbern ber nicht ^anbelnbe. £>tc Feinheit liegt nicht
Sacbmann mit einer £ntfcbeibung für eine XDeltanfcbammg. 2Das in ber Burücfhaltung, nicht in ber Porficbt, fonbern in ber %rt
ift betrieb mit XPeltanfchauungsergä^ung. mar XPebcr trennte ber ZttxvitäU IDie beutige IDisfuffion mit ihrer Unter*
rein logtfcb sSrfcbließbares unb rein empirifebe Sacbperbalte febeibung pon politifcb unb partetpolitifcb, geiftig unb ungeiftig,
einerfeite von praftifeben, etbifchen ober weltanfcbauungsmäßigen fachlich unb tenbensiös bewegt fieb in einer Sacfgaffe, benn fie
XDertungen anberfetts. fe$t Poraus, baß ein rein tbeoretifebes Perbalten bem tftenfeben
Dein tbeoretifebes Perbalten auf ber einen Seite Slttuntät — überhaupt möglich fei. IDie IDisfuffion fann fieb nicht barum
auf 6er anberen. iDiefe Trennung ift falfcb, was bavan naebsu* brehen, ob gewollt unb gebanbelt werben foll, fonbern immer
weifen wäre, baß auf ber „anderen" Seite gar feine wahre nur um ben 3nhalt bes XPollens unb ^anbelns; fie fann
Tlfttpität vorliegt. Wies ^anöeln wirb hier als eine Partei* fieb nicht bavum breben, o b \>attti ober nicht, fonbern nur
nähme $ugunften beftimmter XPerte betrachtet. £>iefe XPerte barum, in welcher Dichtung Partei genommen wirb. 3n biefem
finb irgendwie gegeben, erfannt. £s finb bie J&ulturwerte, Sinne bejeiebne icb bie igntgegenfetjung pon politifcb unb fach*
XPerte, bie an „Kulturgütern" haften. XPas ift bie £ntfcbeibung lieb als im böcbften (örabe unfaeblicb, b. b. bem XPefen bes

für folebe Äulturwerte anbers als bie i£ntfcbeibung für menfeben unangemeffen. IDiefe Unfacblicbfeit enthüllt bie £?bris,
eine £ntfcfmbung5 nämlich für eine f rüber gefallene, von bie Überbebung, bie in ber Annahme eines rein tbeoretifeben
anbmn ponogene j£ntfcbeibung. IDie Jtulturwerte finb aber Witnfötn liegt. XPir finb nicht anfehauenbe XPefen, bie fieb burch
in XPirf liebfeit igr3eugniffe aftiper Kraft, niebt wieberum £r* ^anbeln unb tginfatj fchulbig machen, fonbern wir finb aftwe,
3eugniffe ber Tlnerfennung von XPerten. 3Der probuftipe menfeb banbelnbe XPefen unb machen uns fchulbig, tnbem wir biefes
ift bier völlig pergeffen! Rubeln beißt niebt: fieb entfebeiben unfer XX>efen perleugnen, fchulbig burch Heutralitat unb ^oleranj.

für..., benn bas fetjt voraus, baß man wiffe, wofür man IDenn Heutralität unb ?Coleran3 Bonnen immer nur bie XDirf*

fieb entfebeibet, fonbern ^anbtln beißt: eine Dichtung ein* lichfeit unferes Suftanbes perfcbleiern. Unter ihrer IDecfe be*
fcblagen, Partei nebmen, traft eines febieffatbaften Auftrags, ftehen bie Dichtungen fort. Unfere Aufgabe ift nicht ju per*
traft „eigenen obne bie möglicbtett einer IDecfung».
Decbts", fchleiern, fonbern ju offenbaren. 3n ber (Offenbarung 3eigt febe
&anbeln beißt: fieb einfetten obne Sicherheit, nur mit (Öewiß* Dichtung, was an ihr ift, fie ruft ben (Segenftoß berpor, unb
hett. €s ift fpracblicb möglicb, für biefes ^anbeln aueb bas unterliegt sulet^t bem Scbicffal, bas fie gerufen bat. 3Das ift

XPort igntfcbeibung ju gebraueben. Zbtv ich permetbe bas XX>ort unfer Los — man fann ihm nicht entgehen babut^ baß man
jgntfeheibung, weil es heute ausfcblicßUcb im Sinne mar XPebers fieb weigert, bas Scbicffal $u rufen. i£s fommt boeb. Nolentem
gebraucht wirb. JDie j£tttfcbeibung für etwas, bas ich er fata trahunt, volentem dueunt.
Bannt babe, ift febon fehmbär. €in gerabe3U flaffifcbes ^eifpiel für bie berrfebenbe 3Denf*
€ntfcbeibung als notwenbiges Übel ift ber lernte begriff bes weife bietet bie €ntfcbließung ber Deftorenfonferen3 3U ^alle
Liberalismus. (Dbwobl bie f£ntfcbeibung für er fann te XPerte anläßlieb ber Porgänge in 23raunfcbwetg Pom 4. !De3ember
erfolgt, wirb fie boeb noeb bem Sünbenfall gleicbgefe^t. €nt* 1032. IDarin beißt es: „i€s liegt ben bmtf^m ^ochfcbulen. unb
febeibung ift hier immer mit bem mafel ber Unfacblicbfeit be* ihren Deftoren fern, ber ftubkvmbm 3ugenb bie 23efcbäftigung
110 2Xr tfcorctijVbe unb btv politifcfct Jltenfcb Der tb«orctif<^e unb ö«r potttif<be tftenfft 111

mit ben Problemen des politifcben Gebens 3U »erwehren. Bie XX>elt aus ijt. PraEtifcb aBtw fein beißt bie XDelt verändern, beißt
erbtet es tnelmebr für felbjh>erftänblicb, baß £ebrer unb bie IDinge antaften, angreifen; bas tbeoretifcb*attit>e 3ntereffe
Btubenten mit Reißern ^erjen Anteil nehmen am (öefebiet bes dagegen läßt bie JDinge unverändert. Tiber dtefes Unverändert*
beutfeben X)aterlanbes. ^Dagegen lehnen fie mit bem Hacbbruct laffen ift niebt ibentifcb mit unintereffiert fein. XDer gän3li<b
if?rer t>erantwortlicbBeit gegenüber Btaat unb tXHffenfcbaft bas unintereffiert ijt, ber erEennt niebt mebr.
hineintragen ber ParteipoltttB in 6ie <5ocbfcbule grunbfät$licb ab." JDer grundlegende TIEt ift: bie XDelt fein laffen. (IDer begriff
IDieBtubenten dürfen fieb alfo mit bem X>erftanbe unb mit „Beinlaffen" in biefem Binne ftammt von Heidegger.) 3m X>er*
bem ^er3en mit PolitiB befebäftigen aber fie dürfen niebt— gleicb mit bem ^>anbelnben läßt der Betracbtenbe bie tüelt fein.

PolitiB treiben. 3a unb nein vereinigt! Bie, meine Herren, Tiber es ift ein fcttißperftättbnis biefes TIEtes, wenn man biefem
dürfen fieb nur mit einem imaginären beutfeben ^taat bt* Beinlaffen eine abfolute Kontemplation unterfebiebt. IDiefes Beins
febäftigen, n\d)t für einen wirBlicb gewollten einfeuern XPabrltcb laffen b<*t Beine ^ejiebung $ur Cenbens ber Unwerfalität, es
ein 2$eifptel für bie Itb^retifierung unferes IDenEens! Tiber aueb erforbert niebt bie £rtötung bes lebendigen 3ntereffes, es per*
ein 33eifpiel für bie £ntpolitifierung unferes IDenEens? (Sewiß langt niebt bie fcTCortifiEation ober bie ^lf!efe. XX>ir tun fym
nicbtl X)ielmebr ijt biefe £ntfcbneßung ausgefproeben politifeb. einen ^3licE auf einen großen gefebiebtlicben ^uf ammenbang:
IDie i£ntbaltung von PolittE, bie Heutralität Bann einen yooit* bas wiffenfc^aftlicbe BubjeEt foll fieb gänjlicb aus ber XX>elt
facben politifcben Binn b<*ben, unb einen von beiben fyat fie 3urücE$ieben wie ber fcftönd? bes Mittelalters, ber bie XX>elt
immer: entweber bient fie ber £rbaltung bes politifcben status babinten laßt, um fieb g<W3 ber vita contemplativa 3U weiben.
quo, ober fie ijt gegen eine aufEommenbe politifebe iftaebt ge* iDer tbeoretifebe fcftenfcb ijt ber fäEularifierte iltöneb: ferne pon
riebtet unb fuebt biefer bie Btabilifierung 3U erfebweren. ber XX>elt in abfoluter (Seborgenbeit fübrt er ein 5eben ber
U>enn ber tftenfcb ein aBtwes, politifebes XPefen, wenn er ^IsEef e, bas f reilicb ftets in <öef abr ijt, in ein i b y 11 i f d; e s
gerietet, tenbenjiös bann überbaupt XX>iffenf4>aft
ift, wie ijt üeben um3ufcblagen. seiner foleber ^»eborgenbeit entfpriebt ni^t
mogiieb? XPelcbes ift bie wif f enf d?af tlicbe S<>vm ber eine aus großen Antrieben lebenbe Sorfcbung. niemals wäre
SlEtuntät? JDies 3U erklären ift Aufgabe einer Ebeorie ber XX>iffen* in ben ibyllifeben tftöncbswinBeln bie XX>iffenf<baft gefebaffen
febaft, in beren tfttttelpunBt niebt begriffe wie „fcatfacben" unb worben. £>em iltönebstyp ber XX>iffenf4>aft entfpriebt eine pofi*
„logifcbe Bcblüffe" fteben, fonbern ber begriff ber tftetbobe. tipijtifcb geriebtete Sorfcbung, bie am eisernen haftet, bie nic^t
IDas Prinjip b«be icb entwicBelt. i£s fyanbtlt fieb barum, an neue tftetboben finbet, bie niebt wagt.
welcber Btelie ber Bcbnitt gelegt wirb. 3m Buttern bes tbeore* Hiebt bas gän3licbe „Beinlaffen" ijt bie X)orausfetjung ber
tifeben tftenfeben ijt ber Bcbnitt 3wifcben bie Kontemplation unb Kontemplation unb bie fcftorti*
XX>iffenfcbaft, niebt bie abfolute
bie flBtimtät gelegt. IDer „tbeorerifebe tttenfe^" ift ber an* fiEation, fonbern ber lebenbige, aEtwe ^eijt. 16s foll niebt be?
erBennenbe, fieb paffiv verbaltenbe tftenfeb. 2lber bas tltoment jtritten werben, baß es ben tHöncbstyp in ber XXMffenfcfwft
ber Kontemplation unb ber Paffurität Bommt fowobl beim €r* gibt unb geben wirb. XPas bejtritten wirb ijt, baß wir bas
fennen wie beim %anbtln vov. tfueb ber ^anbelnde muß eine XX>efen ber XDiffenfcbaft aus biefem (Typ \)tvam perjteben
Bituation auffaffen unb beurteilen. JDer Bcbnitt wirb falfd? ge* Eönnen. £s b<tubelt fieb bier niebt um bie Bonberung 3wcier
legt, wenn man eine aftwe 3ntereffiertbeit von einer Bontem* pfycbologifcber ICypen, fonbern um
25ejtimmung bes XX>efens
bie
platwen Uninterefftertf?eit trennt. Das praBtifcbe 3ntereffe — icb ber XDiffenfcbaft aus ibrem II r f p r u n g. Hur ber (ßeijt, ber
begebe mieb bicr auf eine ungedrucEte Arbeit Ulbert ^olfelders bie XX>iffenfcbaft berx>orgebraebt bat, unb ber fie wieber berr>or*
— ijt babureb geBenn3eicbnet, daß es auf das X>tx anb ern ber bringen würbe, falls fie verloren ginge, nur er Bann ber (öeijt
112 3Dcr tfcotcttfd?e unb bcr polittftfce tttenfö 113

6er lOOiffcnft^aft Reißen, nur er fann 6ie rOiffcnfcbaft auf ibrer


großen 35abn erhalten. XPas tDiffenfcbaft fei, fann man niebt
naeb irgen6einer einjelnen Erfebeinung beftimmen.
3bre 25e*
griffsbeftimmung muß gerase fo im Tlnfebluß an 6ie Ztüvität
oes wiffenfebaftlicben (Öenius erfolgen wie 6ie Begriffsbeftim*
5>as t>oIf unb bk (Bebilbeten
mung £unft im 2lnfcbluß an 6as (Senie. Um 6en (Öeift 6er
6er 2fomi>funtoortrac|, 3. "Upril |933

SDiffenfebaft 3U ernennen, genügt es niebt, 6aß man eine beliebige riocb tiefer un6 Trennungen seigt
t>erbängnist>oller als an6ere
Arbeit hernimmt 06er 6en Blief in ein £abor wirft. XOas eins Trennung 3wifd?en Ö5ebil6eten
fteb im £eben unfercs X>olfes 6ie
mal gefebaffen ift, fann naebgeabmt weröen. Bo folgt 6em un6 Ungebilöeten. 3Der Unterfebie6 3wifcbcn 6en <£>ebil6eten un6
(Senie 6as Talent, un6 auc^ 6ie TPerfe 6es Talents un6 noeb
6em „X>olfe" ift in feiner an6eren Hation fo febroff ausgeprägt
6ie 6es Hacbabmers 6es Talents b«ben einen gewiffen XOttt.
wie bei uns. ©er <3ebil6ete ift bei uns niebt polfstümlicb; 3U*
Zbtv niemand wir6 6ie Äunft naeb 6em Talent, gefebweige 6enn gleicb aber gilt 6er (Öebü6ete beinah alles. IDaraus ergibt fieb
naeb 6em Haebabmer 6es Talents beftimmen. i£benfo fann 6ie ein XXHöerfprucb, un6 $u 6en Aufgaben, 6ie uns beute geftellt
XXHffenfcbaft niebt naeb 6em Typus 6es mönebs beftimmt fin6, gebort es aueb, 6er St<*ge nacbBuforfcben, warum „<£iebtl6et*
werben, weil 6iefer Typus fie ntebt gefebaffen bat. (Schaffen uns noeb immer be6eutet: t>om X>olfe getrennt fein un6
fein" bei
bat fie 6er Typus 6es friegerifeben tftenfeben, wie ibn 6er in einem x>erbangnist>olien @inne etwas „an6eres" fein als 6ie
<5ried?e in 6er tX>irfficbfeit tm6 in feiner £tbif 6arftellt. an6ern.
IDie 6eutfebe <ooebfebule, 6ie naeb 6em dufter 6er berliner 3cb febe 6en tieferen <0run6 6iefer Trennung 6arin, 6aß 6as
Unwerfität von j$jö gcftaltet ift, ift gegrün6et auf 6as 23il6 Urbil6 6es (Öebil6eten bei uns 6er tbeoretifebe menfeb ift, 6. b-
6es tbeoretifeben auf 6en 6es
fcftenfeben, Begriff unix>erfalen, 6er wefentlieb paffw fieb x>erbalten6e, alles perfteben wollenöe,
abfoluten U>iffens. JDiefe £ocbfcbule wir6 niebt von einigen alles x>on „bober XParte", aus £>tftan$ un6 Entfernung be*
beute politifiert, fon6ern fie ift t>on Anbeginn politifiert, 6. b- tracbten6e menfeb —
ein Typus alfo, 6en 6as X)olf fieb einfacb
fie bat niemals 6as fein tonnen, was fie ju fein vorgab. Poli* niebt vorftellen fann. IDenn 6as t>olf »erflebt nur 6en $1tens
fann nur §un6amenten ge* feben, 6er tatig ift, 6er ttvoas vöv bßt; es »erftebt nur 6en aftwen
tifiert eine <?>ocbfebule fein, 6ie auf
grünöet ift, 6ie 6em wirflieben menfeben niebt entfpreeben. t)Pir menfeben, weil es fieb felber aftw un6 niebt betracbten6 $um
for6ern beute 6ie politifebe ^oebfebuie: nur 6ie politifebe £oeb* Itbtn uerbält. 3Der arbeiten6e un6 fämpfen6e menfeb ift 6em
fcbule fann niebt „politifiert" wcr6en. t>olfe x>erftän6licb, 6er bloß wrfteben6e, 6er „tbeoretifebe" Menfeb
niebt. von Männern 3U*
XX>enn unfer X)olf beute einer eebar
jubelt, 6ie von einem aftwen menfeben böcbften Kanges 6urcb

febwere Hampfe bin6urcb 3« einem großen Siege gefubrt wor6tn


fin6, 6ann ift 6as ein Beieben 6afür, 6aß es in 6iefen Männern
un6 ibrem Swbrer fieb felber wie6erfin6et.
3Der tbeoretifebeMenfeb, 6er in 6er (Seflalt 6es (S>ebil6eten 6em
)0olfe gegenübertritt, wir6 vom X>olh abgelebnt. man 6arf 6iefe
Tlblebnung niebt mitSein6fcbaft gegen 6ie tDiffenfcbaft un6 ibre
Vertreter perwecbfeln. X>on einer foleben §ein6febaft ift im t>olfe

niebt 6ie 2^e6e, fie fommt eigentümlicb er weife nur unter <£>e*
114 Etas T>ott unb bk (ßtbilbtttn Das Voll unb bk (SkbÜbtttn 115

bildeten vor. IDas Volt ift gegenüber 6er XX>iffenfchaft von einer trachtend, verjtehend, Eontemplierend. i£s gibt Eontemplative
dunflen Verehrung erfüllt. IDer und 6er Sorfcher find
(Seiehrte Haturen, es gibt 2lugenblicEe der Betrachtung in jedem fcHenfcben*
volEstümlicbe (Öeftalten, was febon daran $u erfennen ift, daß leben, aber danacb Bann man das ©ein des fcttenfcben niebt be«
fie Pom ^umor des VolEes umgeben find. IDer Gebildete hin* jtimmen. IDas (Örunbgefetj diefes ©eins ijt ein (Sefetj der Zttivu
gegen ift lediglich (Öegenftanb des tX>i$es von Gebildeten, nicht tat. 3eder ein3elne fcHenfcb „ift" ein gan3es ©yjtem von Rand*
(Öegenftanb des Rumors des Voitze. 3u ihm verhält das Volt lungen, und er ift nichts weiter.
fieb n£4>t humorvoilsanerEennend, fondern fajt fetndfeligs3urücE* IDaraus folgt, daß der fcltenfcb immer fcheitern wird, wenn
faltend. t£s fpürt in der tbeoretifeben Bildung etwas Sremb* er fieb außerhalb des SlEtionsfyftems, bas wir «eben nennen, einen
artiges, das es wobl ab3ulebnen, aber nicht 3u beEämpfen die abfoluten ©tandort fuebt. j£s gibt für feinen fcTCenfcben einen <Drt,
IDas Volt btQtQntt dem £yp des „von bober XX>arte"
fcftacbt hat.
wo er niebt mebr poiitifebes XX>efen wäre, wo er des Kampfes
urteilenden menfeben mit refpeEtvotlem, aber mißtrautfebem entboben wäre. Hur als Rändelnder innerhalb eines ©yjtems
©cbweigen. €s ift erfebötternb, dem jtummen 2lbwebrEampf un* von Rand lungen und XXHberftänden Eann er eriftieren. XVo diefer
feres gefund gebliebenen VoiEes gegen den volEsfremben £?p des politifebe (SrundcbaraEter das iDafeins niebt ernannt wird, wo
rein tbeoretifeben tflenfcben 3U3ufeben. man den fcftenfcben nach einem XVertbegriff fonjtruiert, da rächt
2lngeficbts diefer i£nt3wetung geben fieb noeb immer viele da* ftch die vergewaltigte XVirBUcbEeit: der fcftenfeb wäbnt dann,
mit 3ufrieden, 3U fagen: das tjt nun einmal wir unfer ©chicffal, über den IDingen 3U febweben, er wabnt, fieb ber Partetnabme
find nun einmal dureb bumaniftifebe Pbilofopbie und Bildung entjieben 3U tonnen, er fingiert einen neutralen (Drt, auf dem er
geworden, was wir find. j£ine folebe mutlofigEeit febeint mir angeblieb ftt\)t — und verfallt damit dem XDillen eines andern,
der beutigen Sage in «eben und XViffenfcbaft niebt angemeffert. der fieb foleben 3llufionen nicht bingibt.
ÖPenn in einer Seit poiitifchsr ertlicher und wirtfcbaftlicb4o3taler IDas XX>ort politifcb dient uns biet alfo da3U, den urfprüng*
Umwal3ungen 3«öleicb im Cetebe des (Seiftes lang vorbereitete liehen tyatatttt alles menfehliehen £)afeins 3U be3eichnen. tt>ir
Revolutionen fieb vollen, wenn in der Arbeit 3eitgenöffifcber h«ben 3U diefer Verwendung des EDortes ein Recht, weil in der
IDenEer ein neues, wabreres Bild vom tftenfeben fiebtbar ge* eigentlich politifchen ©phäre diefer (Srundcharafter des Witn*
worden ift in demfeiben 2lugenblicf,
da das deutfebe Volt neue feben am Eräftigjten hervortritt. ©phare des eigentlichen
£>ie
U>ege befreitet, fo wird 3uglcich Umfang und Etefe
politifche
politifchen Randeins ijt alfo nichtSphäre neben anderen,
eine
der gegenwartigen EDenbc erkennbar. untergeordnete gegenüber der Sphäre der geiftigert
wohl gar eine
man fann €ntdecEung, weiche die deutle Pbilofopbie im
die Zttt und (Süter, fondern fie ijt die 3entrale, bie eigentlich „menfeh*
llnfcbiuß an niefcfcbe gemaebt b<*t, mit einem einigen XPorte liehe" ©phäre. IDer ittenfeh, heißt das, ijt nicht ein tDerte
bt$eid)mn. £s ijt die lentdectung, daß der tftenfeh ein poiitifebes „anerEennendes" und fodann diefe XX>erte „reagierendes" XX>efen,
XX>efen ift IDas befagt niebt, daß der Htenfcb u. a. fieb auch polu fondern er ein XPerte fchaffendes, ein planendes und ent*
ift
tifcb vergalten tonne — das wäre Eaum eine f£ntbecfung; es be* Werfendes, ein arbeitendes und herrfchendes, d. h* tbtn ein poiiti*
fagt aueb nicht nur das, was die alte Definition des ^riftotelcs' fehes XX>efen.
febon enthält, wonach der Utenfcb ein poiitifebes, d. b. ein ge* €s ijt nicht möglich, hier aus3uführen, welche Solgen diefe
felliges XT>efen ift. Vielmehr btbmttt hier der Sa$: der menfeb Anficht in den politifchen (SrundcbaraEter des menfehen für die
ijt tiefen fo viel wie: der tftenfeb ift feinem tiefen
poiitifebes «ehre vom €rEennen h«t. t>as wiffenfchaftliehe i^rEennen wird
nach aftiv, arbeitend, gestaltend, auf etwas geriebtet, „tenden* uns nur durch biefe Porjtellung gan3 verftändlich. VX>ir be*
u
3ios , wenn man fo will —
jedenfalls nicht wefentltcb be* greifen in ihrem «ichte die hohe Bedeutung, die im wiffenfehaft*
116 &08 Dott unb öit (ßtbitbtten Jbas Volt uni> bte (ßebilöeten 117

liehen s£rtennen ben X>erfuchsanorbnungen unb leitenben <8t* wenigftens nachtraglich noch Biarmacht, baß lein SXstftann,
fichtspuntten, ben ^ypothefen un*> Vorwegnahmen, überhaupt fein Eitler junge unb hin Stubent in ben vergangenen 3ahren
ben fcttethoben im tieferen Sinne 3uEommt. Und) ein wtffenfchaft* (Dpfer einer „politifchen Schlagerei" gewefen ift, fonbern baß
lichesVerfahren ift nichts anderes als ein Softem von <*>anb* jeber von ihnen als politifcher tftenfeh uns vorgelebt hat,
Inngen. £ier wollen wir lebigiieh bie Vorftellung bes theore* ber hat nicht bas Recht, %u €hren IDeutfchlanbs bie <?>anb 3U
tifchen tftenfehen in feiner politifchen (Öeftalt, b. h« sie f al f ch e erheben unb bas £ieb ber Befreiung ju fingen.
Vorftellung oes politifchen tftenfehen einer J&rttiE unterbieten, €s ift ein (£>egenfat$ $wifchcn bem, ber fich für bie €hre feines
inbem wir ihr bas heute fxc|> geftaltenbe #ilb bes wirtlichen Voltes einfetjt, unb bem, ber in ftaatsbürgerlicher E*i{tan$ bas
poiitif^en fcttenfchen gegenüberftetlen. tut, was feinen 3ntereffen unb einer sufatjiichen „(Seftnnung"
3Der po l i t i f ch e tlt e n f ch, wie wir ihn heute entfielen fehen, entfpricht! Politisches <^>anbein bem Staatsbürger als
gilt
ift bem Staatsbürger, als einer sSrfchemungsweife oes etwas, was 3u feinem übrigen Sein, bas von ber PolitiE
theorettfehen tftenfehen entgegengeferjt. £>ie Übertx>inöung bes gan3lich unabhängig ift, noch hin3«^ommt. €s tann auch fehlen,
fcheinbar politifchen tftenfehen in 6er (Seftalt bes Staatsbürgers ja es ift gut, wenn wie begannt, Politif verbirbt
es fehlt, benn,
war wohl größte unb fchwierigfte £eiftung
bte im Sufammen* ben Charafter. (Ifyatalttt haben tarnt man nur als Privatmann.
hang ber nationalen Revolution. Hur als Privatmann glaubt ber Staatsbürger feine Unfchulb
Erinnern wir uns, baß ber JRampf uno bie Hebung ein bewahren 3U tonnen. XX>enn ber iltenfeh 3U h^nbeln beginnt,
XVerE oes VolEes uno feiner Sührer gewefen finb, baß bie Schicht fo meint er, bann verbrieft er fich auch f<hon in Schulb, benn
ber (Öebilbeten als folche fid? ab^its hielt unb baß nur wenige bann wirb er „einfeitig", tenben3iös. Hur wenn ber tftenfeh
einzelne aus
biefer Schicht fich beteiligt haben. i£s ift noch einen feften Stanbort außerhalb ber fchulbbelabenen polis
gar nicht lange her, ba tonnte von (Sebtlbeten in einem offiziellen tifchen XX>irflichteit habe, fei er gan3 ^Itenfch, fei er gan3 geiftig.
Schrtftftücf über einen Stubenten, ber unter ben Äugeln ber Unb wenn es uns auch nid)t gelingen follte, einen folchen Stanb*
Rommuniften gefallen war, gefagt werben: IDer Stubterenbe ort ein3unehmcn, fo müßten wir boch wenigftens banach ftreben.
Bchaffelb ift in einer
Schlägeret getötet worben.
politifchen 35ei biefem Streben verfallt ber fich über ben Äämpfen wäh*
tiefes fich Reben von „politifchen Schlägereien"
neutral nennenbe nenbe iltenfch natürlich ber PolitiE — entweber ohne es su
xjat bas VolB nie verftanben. £>w Volt fah unb erlebte ben ahnen, ober aber er treibt bewußt PolitiE mit fchlechtem (£>e*

Rampf swif4>en bem erwachenben Beutfchtanb unb feinem wiffen. Hub ber falfchen £ehre, baß ber ^Itenfch urfprünglich ein
unbarmherzigen Seinbe, es wuchs in biefen Äampf hinein, es geifHges, b. h» tPerte anertennenbes unb XPerte „realifierenbes"
tahm 3uerft innerlich unb $ulerjt fichtbar Partei. Unter ben unpolitifches XDefen fei, folgt in ber Praris notwenbig ber
ßebilbeten galt biefe parteinatme bis $uU%t für unvornehm, VO i b e r f p r u ch, inbem ber fcheinbar unpolitifche ^Uenfch wiber
oier verfielt man fich als „Staatsbürger", nicht als politifcher feinen XXHllen fich als hochpolitifch erweijt. 3Das trat in ber
Zttenfch, unb Staatsbürger fein heißt neutral fein, es heißt bie legten Vergangenheit barin in i6rfcheinung, baß ber übers
(Sefefce gan$
achten, gleich wie fie finb, wie fie ausgelegt unb parteiliche Staatsbürger praEtifch ben Parteien ber J£inEen 3ur
angewenbet werben. ^errfchaft verhalf.
IDiefer fcheinbar politifche tftenfeh ohne Parteinahme ift noch 3Der ftaatsbürgerlichen 3beologie liegt eine falfche ^(uffaffung
\mmer eine (Öefahr unter uns. (B>ar manche fehen auch heute nur von bem, was (Seift ift, 3ugrunbe. (Öeiftig verhalt fich nicht
J>en (Ölanz biefer Eage unb meinen, im Schimmer bes Heuen ihr ber jenige, ber mit geiftigen (Sütern ju tun hat, ber irgenbwie
tftes IDafein weiterführen $u !önnen. XDer fich aber nicht geiftige EPerte erlebt ober betrachtet, fonbern berjenige, beffen
118 0(ts Volt unö 6te (fobilöeten £>4S X>o\l unb 6ie (Sebifoeten
119
JDafein cjeiftbeftimmt ift, 6crjenige, 6er fein gan3es Sein für ein 6ie $ittion eines reinen, theoretifchen fcftenfchen 3ur XXHrtltchteit
großes Biel w emf etjt.
i l Ii ch
fleht, 6ürfen in ihrer 33e6eutung für unfer gefamtes öffentliches
IDer Staatsbürger Bann wegen feiner Tlbftmft vom theore* £eben nicht unterfchätjt wer6en. IDie fcheinbare Entpolitifierung
tifchen tftenfehen niemals verftehen was Einf atj ift. Er meint, unferes IDafeins ift nicht ein (Gewinn, fon6ern ein i)erluft, weil
6aß je6er <?>an6lung eine Überlegung vorhergehen müffe, un6 6aß es immer ein X>erluft ift, wenn 6er fcftenfch fich *>ie Sun6amentat*
6iefe Überlegung um fo langer 3u 6auern habe, je ausgebreiteter punete feiner Eriften3 verfchleiert. Sich nichts vor3umachen ift
6ie Solgen feines Entfchluffes fin6. Unverftän6lich bleibt ihm eine 35e6ingung 6er (öröße. IDie Einficht in 6en politifchen
oafcer 6te pohtifche Parteinahme 6es jungen tftenfehen, 6em ja, (5run6charatter 6es fcftenfchen ift JEenn3eichen eines verheißungs*
fo meint man, 6ie t)orausfe§ungen einer richtigen Stellung* vollen Beginns.
nähme fehlen muffen. Erft Bommt 6er überlegenoe un6 übers 3n 6en Stürmen 6iefer 3ahre wirö 6as zo. 3<*hrh«n6ert ge*
legene urteilen6e (öeift, oann 6er Entfchluß, 6ie Entfchei6ung, boren. Es wir6 6as Zeitalter 6es politifchen fcftenfchen fein.
6er Etnfatj. IDas heißt: 6er Einfatj fommt 6ann eben nicht. XXHe immer in folchen XPen6e3eiten ertönt 6ie Älage, 6aß nun*
£>er junge politifche tftenfeh hat leinen Sinn für 6ie 25ehaup* mehr alles 3U En6e gehe. Tiber nur 6erjenige, 6er von 6er Siftion
tung, er müffe fich „3unächft einmal" jenes getftige Tiüföeug 6es rein theoretifchen fcftenfchen nicht losfommt, 6er 6ie gewal*
erwerben, 6as ihn in 6cn Stan6 fe$t, fich fpäter „irgenöwie" tigen ^töglichreiten nicht fieht, 6ie 6er tttenfeh als politifches
(aber natürlich richtigt) 3U entfchei6en. Er fieht fich von 2m* XPefen hat, wir6 in 6iefe Älage einftimmen. natürlich geht
fang an als <8lie6 feines X>olfes un6 6amit als politifch. ©ein bei 6em Umbruch manches verloren. Stellen wir aber einmal
Mißtrauen gegenüber 6em Tinfinnen, 6ie Entfchei6ung hinaus* 6ie (Segenfrage: was h<*t uns 6ie S^tion 6es theoretifchen ^Iten*
Sufchicben, ift unbefieglich, 6enn er ahnt, 6aß Entfchluß un6 Ein* fchen getoftet* Hicht weniger als 6ie XX>ahrhaftigfeit unferes
fat$ niemals aus Erwägungen hervorgehen, 6aß Erwägungen gan3en privaten un6 öffentlichen IDafeins. Unter 6er <berrfchaft
vielmehr ein Richen 6afür fin6, 6aß es an 6er Sähigteit 3um 6iefer S^tion fin6 6ie ^ebensnotwen6igfeiten unferes Volhs in
Einfa§ fehlt. 3n 6iefer inftinrtiven Errenntnis begegnet fich X)ergeffenheit geraten, ift 6er leben6ige tämpferifche iltenfeh 3U
6er junge tftenfeh mit 6en Einfielen 6es X)oKes, 6as auch nur einem langes gemacht wor6en, ift 6ie Bluft
3weiten
fcttenfchen
6enen vertraut, von 6enen es rücfhaltlofen Einfatj un6 rücfhalt* 3wifchen 6em X>olt un6 6em <S»ebil6eten aufgeriffen, 6er 3nftinft
lofe Ereue erwartet. 3n 6iefer Übereinftimmung 3wifd?en 3ugen6
verfemt un6 6er Sinn für 6ie wirtlichen <Dr6nungen unferes £)a*
un6 t>oll ift 6ie Hoffnung begrün6et auf eine X>otfsemheit, 6ie
feins 3erftort wor6en. tttan h«t fich 6aran gewöhnt, 6en h«n*
6cn fr)ertgegenfa<3 3wifchen (Öebil6cten un6 UngebiI6eten in 6er 6eln6en ^Itenfchen, fchon 6eshalb, weil er attiv ift, für egoiftifch
alten XX>eife nicht mehr tennt. 3U h^ten, wahren6 6er fich 3urüc!halten6e ^Itenfch, 6er bloß be*
IDie
geifttg*politifche Sage, 6ie übrigens leineswegs auf ein trachten6e un6 gemeßen6e, fchon 6eshalb, weil er entfprechen6
bloßes „(Senerationsproblem" jurüctgeführt wer6en fann, ließe 6em 3oeal 6es theoretifchen ^Itenfchen fich paffiv verhält, für
fich älfo folgenöermaßen charatterifieren: 3ugen6 un6 t>ol! haben reiner un6 getftiger angefehen wir6. Von 6iefer XPertung 6es
heute ein tieferes un6 richtigeres 23il6 vom tftenfehen als 6ie paffiven un6 6es attiven ütenfehen, gleichfam als 6es vornehmen
gebil6eten Schichten.
un6 6es unvornehmen, geht eine wahrhaft lähmen6e tDirtung
Es ift nicht gleichgültig, ob man ein richtiges o6er ein falfches aus. iDas Voll ift mit
Schätzung 6es aktiven ^Itenfchen
feiner
25il6 vom fcftenfchen hat. IDie t>orffrllung eines unpolitischen 6er tPahrheit un6 tX>irHichteit näher. Unfere Aufgabe ift es
fcftenfchen, 6ie 6em £ebens3ufammenhang, wie er nun einmal ift, nicht, ein 36eal 6es (Öebil6eten auf3urichten, 6as 6em 6es X>ol!es
nicht entfpricht, 6ie Solgen 6es XV i 6erfpruchs, in welchem wi6erfpricht, fon6ern unfere Aufgabe ift es, 6ie ^Itaßfläbe 6er
120 Bas X>c\l unb bk (Skbtibttm
Das Volt unb bk <$>tb\lbtttn 121

(große nicht 5U verlieren. Äultur beftc^t 6arin, baß tftaßftäbe wie 6er ^ochfchullehrer. Hation
fchulmeifter fo gut fl£me ift 6a,
6er (öröße r>orhan6en fin6 un6 gebraucht wer6en. 3Der tftaßftab wo ein gemeinfamer iltaßftab 6er (Stoße ift, ein t>olf ift 6a,
6es „gebil6eten tttenfeben", wonach 6er XX>ert 6cs ein$clnen wo ein tftaßftab 6er (öröße ift, 6er für alle gilt. «£s 6arf nicht
6anacb bemeffen wir6, wieweit er teilbat an 6en „getfttgen 6aß 6er höchfte XX>ertbegriff nur auf einen fleinen Äreis
fo fein,
<£>ütern", fann nie ein volkstümlicher wer6en, weil an 6iefen Anwenbung finben Bann, für alle übrigen aber ohne (Geltung
(Sutern ftets nur eine tieine 3>abl teilhaben fann. €ine IDemos nicht 3wei gefon6erte Äreife nebeneinan6er, bie nichts mit*
ift.
fratifierung 6er Bil6ung ift unmöglich. IDesbalb 6arf fcijtorijtye
einanber 3u tun höben, fon6ern in fon3entrifchen Greifen ein
23tl6ung niemals 3um allgemeinen tftaßftab gemalt wer* t>olf, beftebenb aus tatigen fcttenfchen, un6 6ie Feinheit 6es
6en. Tille nur 6en (Öegenfa^ 3wifcbcn
folebe t>erfucbe febaffen i£infat$es, 6ie EDeite 6es %ovi$ont8 3ule$t allein entfeheibenb!
(8ebÜ6eten un6 Ungebildeten immer wieöer neu. XX>ir wollen JDaß es 3wci ©orten fcHenfcben geben foll, »erfteht 6as Volt
Äunft un6 tt>iffenfcbaft fo verehren, wie fie von allen großen nicht; wohl aber perfteht es, 6aß es eine Kangor6nung gibt.
Voltttn 6er tPeltgefcbichte verehrt wor6en fin6. IDas bebeutet XX>irwer6en in 6iefen lEagen oft an 6as XPort x>on 6em Voll
aber nicht, 6aß wir ben Eypus 6es <Öebil6eten als all* 6er dichter un6 IDenter erinnert, 6as wir fein f ollen. Gemeint
gemeinen fcftaßftab erhalten wollen. fl£s ift nicht wahr, 6aß 6er ift nicht, 6aß wir große un6 Philofophen hcrüor*
^Dichter
immer „6arüber u
paffix>c, neutrale tftenfcb, 6er will, b e e r fein ff gebracht haben, fon6ern 6aß wir Träumern un6
ein X)olE x>on
als 6er aftive! (£>era6e 6er jenige, 6er fieb 6er angeblichen
fei theoretifchen fcHenfcben fin6. Cieferblicten6e haben 6as immer be*
Bcbul6 6es ^>an6elns entziehen will, macht fich fcbulbig, 6enn er
ftritten, fie h^ben uns ein Volt von ©ol6aten genannt. IDer
perlest bas <£>runbgefet3 unferer €riften3. Sol6at träumt un6 betrachtet nicht, er ift 6er ^typus 6es aftwen
2ln 6ie ©teile 6er i£ntgegenfet$ung eines paffiv*tbeoretifcbcn JITenfchen. XX>ir waren alfo ein Voll von 2lftmiften. ©aß wir
un6 eines aftivspolittfeben fcTCenfcben muß eine Unterfcbeibung 6ies fin6, wir6 auch *>wrcb unfer Verhalten 3ur tX>elt 6er
treten, 6ie für alle (Gebiete 6es ^anbetns gilt — fowobl für 6as 2lrbeit bewiefen. (Öera6e angefichts 6es 6eutfchen fol6atifchen
(Sebiet 6es wiffenfcbaftlicben wie 6es funftlerifcben wie 6es 2l!twismus aber ift 6ie Srage erlaubt: Jlann aus einem Volt
politifchen. Iber ^ortjont 6es ^>an6elns, 6ie tDeite 6es von ©ol6aten i'emals ein X>oll von politifchen tftenfeben weröen?
llmfreifes, in 6em gebanbelt wir6, ift entfeheibenb. <5s gibt
Politifche 2lftir>ität ift t>on gan3 anöerer 2lrt als folöatifche, aus
tbeoretifebe t£goiften fo gut wie politifche, 6enn ^goift ift jeber, 6en fol6atifchen ?Tugen6en allein baut fich ber politifche tftenfeh
6effen ^anblungsrabius nur bis an 6ie Peripherie feines empi* nicht auf. i£in folbatifches Volt waren wir auch in ben Reiten
rifc^en iDafeins reicht. Cgotft ift nicht berjenige, 6er hobelt, ber politifcher (Dhnmacht unb ^erriffenheit. XX>orauf grünben wir
fich ins politifche (Sewübl ftür3t, fonbern ber fcftenfcb ohne bie Behauptung, baß eben hente aus bem folbatifchen 7lttit>ismus
großen ^orijont, gan3 gleich ob er fich mit Büchern befchaftigt 6es beutfehen 6er 6eutfche politifche TlEtiüismus geboren wer6e?
o6er mit praftifchen Aufgaben. 3Der iltaßftab 6er (Öröße aber, nichts fchwieriger als i^rfenntnis 6es
ift 6ie fymbolifchen
6er 6urch 6ie begriffe ZEathori$ont un6 i£infat$ beseich* (Behalts 6effen, was man im Tlugenblicf erlebt. Tin 6en
felber
net ift, finbet unabhängig von aller biftorifeben 2ttlbung %m großen i£reigniffen aber tonnen wir gleichfam ablefen, was wirt*
wen6ung auf feben ein$elnen, 6er 6ie (£>ren3en überfchreitet, 6ie lieh mit uns un6 in uns gefchieht. IDas politifche (Öefchehen
bloß empirtfehe IDafeinsfürforge um fich siebt. IDer politifche 6iefes 3ahres lann nur 6ann richtig beurteilt wer6en, wenn man
tftenfcb von weitem ZTathorijont — 6as ift 6as ^iel 6er es im 3uf ammenbang mit 6em tDettfrieg fieht. IDas 3ufammen*
fünftigen Ziehung. IDiefes Biel gilt für all e. Unfer £>ort3ont gebrochene Byftem war gegrün6et auf 6en XX>elt!rieg als
heißt JDeutfchlan6; in ihm lebt 6er BA.**Ttann, lebt 6er IDorf* politifches Ereignis, 6. h- auf 6ie Anerkenntnis 6er Hie6erlage.
9*
Das unb bk 123
122 X>oVt (öeMIfceten

£>as neue IDeutfchland gründet fich auf das f oldattf che s£r*

eignis des Ärieges, es gründet fich auf die XX>irfUchfeit des


großen Jtrieges als öes <?>öhepunttes deutfeher 2(ttivität. IDer
^ntrittsvorlefung in Berlin
3Deutfd>e würde 3um politifchen £Henfchen in dem 2lugenbltcf,

in dem er die gewaltigen Energien, die er als Boldat ge3etgt hat, (Behalten am |ö. *ftai 3933

als Politzer ein3ufet$en lernte, nicht die Verleihung öes alU


gemeinen tDahlrechts uns ju einem politischen Volte ge*
h<*t
h
macht, wir find es geworden im Stmv des XVeltfrieges und in
IDie Revolution, die durch den Gag von Potsdam und durch

der (Ölut des politifchen XVillens, der fich an diefem Seuer e«t*
den Gag der nationalen Arbeit feftlich gefront worden ift, wird
3ündct h<*t.
fich in 3wei Birten nur langfam durchfetjen. IDer eine ift der*

IDer Gag von Potsdam iffc nicht $u Dergleichen mit dem Gag
j'enige, in dem wir uns tytx befinden, der andere ift der der XVirt*

IDas Volt hat ihn miterlebt und ver* fchaft. IDie politifche Revolution im engeren Binne ift faft voll*
in Verfalles | $71«

ftandenl von ?$7J ift niemals in


IDer Btaatsaft in X)erfailles
endet, die geiftige und die fo$ialeRevolution dagegen find noch
des Voltes eingegangen. £>er |$. Januar
im beginn. IDie geiftige Revolution wird durch die 3ugend voll*
die Vorftellungswelt
endet werden; die Vollftrecter der fo3talen Revolution find die
|$7} Hieb ein Setertag föt oie forden und die (gebildeten,
das Volt feierte mit uralten Symbolen den Gag des Bteges, dauern und Arbeiter. Heben dem dauern und dem Arbeiter fleht
heute der Btudent als ein revolutionäres Clement.
den Bedantag. IDie politifche Gat, bei deren Vollbringung unfer
t>tx Btudent fteht heute alfo nicht da, wo man ihn erwartet.
groger Staatsmann von allen Betten gehemmt wurde, war nicht
3um Erlebnis des Voltes geworden. €s ijt dies der letzte fym*
€r fteht nicht bei den (Gebildeten, er fteht beim Volte, und 3war
nicht nur „innerlich", gefinnungsmaßig wie jeder „gute Patriot",
Zusbtud des Behuf fals der igntmächtigung und i£nU
bolifche
3weumg, das uns feit dem i£nde der großen germamfehen Jftaifer* fondern als wirtlicher ttfcenfch beim wirtlichen Volte, und er fühlt
fich dem BX4ltann näher als irgendeinem Vertreter der afade*
politit durch die 3ahrhunderte »erfolgt hat.
Volt Bereinigung von foldatifcher und mifchen Berufe, der durch die ^ochfchule der Vergangenheit htu*
3etjt erft hat unfer die

ftaatsmännifcher (Größe in S^rid? »erfanden. IDeshalb war durchgegangen ift. IDer Btudent trägt ein neues 33ild von der

der Gag von Potsdam mehr als eine Btaatsattion: IDas deutfehe
deutfehen ^ochfchule in fich. vermag diefem töilde noch

Volt wo der (Gründer des Reichs beftattet


nicht XX>ort 3U verleihen, und trotjdem muß er an diefem 3$tlde
felber 30g dorthin,
liegt. 2)enn der 2tttivift, in dem Boldat und Btaatsmann fi<h
die (Gegenwart me f f e n. IDarin befteht die Bchwterigf eit feiner

vereinigen, ift der geiftige Gründer des Geichs. £age. Von feinen lehrern erwartet er, daß fie dem unfichtbaren

XVer den Gag von Potsdam nicht vergehen will, wer heute tftaßftab in ihm EDort und und er mißt fie
(Geftalt verleihen,
fchließlich nur noch daran, ob fie das vermögen, können fie
noch fo redet, wie man im 3ahre jcjjö redete, der verleugnet
das nicht, dann wendet er fich utit Bcham und 2>orn und
die deutfehe Revolution, die mit dem XVeltfrteg begann, der ver?

leugnet das (Dpfer derer, die für ein größeres und freieres Beutfehs
Bchmer3 von ihnen, und auf dem 3oden der ^ochfchule ereignen
fich jene Vorfälle, die noch bis vor fu^em unter der Rubrifi
land gefallen find. IDer Gag von Potsdam h«t oem ftummen
Erlebnis des großen Krieges $oxm und Bprache verliehen. Radau, Btandai, ^wifchenfälle gingen, oder es Bommen „£nt*
gieifungen", „Übertreibungen", „€infeitigfeiten
a „tttaßlofig*
3m 15ilde des großen Königs h<*t das deutfehe Volt fich felbft ,

erf annt und in diefer €rtenntnis hat es fich für die Aufgaben der leiten-* ufw. vor. XPürde der Qtubmt aber nicht aftiv werden,
dann würde er feinem revolutionären Auftrag untreu, bann
Sutunft gerüftet.
124 2lntntts»orI«fung in Berlin •2lntritte»ovkfung in Berlin 125

wäre öas nichts anöeres als ein Beiden öafür, baß es ihm nicht Es unmöglich, baß öie öeutfehe hochf<h«le heute noch von
ift

heiliger €rnft gewesen ift mit öem 23ilöe einer neuen Univer* (öeöanBen leben Bann, öie $u einer Seit geprägt wuröen, als es
fität. IDenn öas ift öas Eigentümliche 6er Silber unferer ©eele, Staat noch nicht gab. Tlls öie Univerfität 3erlin
einen öeutfehen
baß fic öen i£infa$ von uns »erlangen, 3n einer gewiffen hohe gegrunöet wuröe, gab es einen preußifc^en ©taat, öer jcöo4>
ift nur ein ©chritt vom Erhabenen jum Lächerlichen, unö
wenn nic^t me^r öer ©taat S^ric^s öes (großen war. $üv uner*
öer lltenfc^ ftd? ganj einf e$t, öann f ann öer 3 f ch
u a u e r nicht f(i>ütterlic^ ^at man
Swnöamente gehalten, auf öenen 3wif4>en
öie

wiffen, ob öies nun höchfter Ernft unö gerichtliche Zat ifl l$$o unö |$|$ in Preußen öie neue Univerfität errichtet wuröe.
ober bloßer „Raöau". IDas weiß nur derjenige, öeffen ©eele 34) fe^e in öem 3öealismus SWes «nö Tegels einen öer Bühnen
mttfehwingt, öer öas 25ilö öes J&ommenöen unö die unbedingte Votftößt öes öeutf4>en ^»elftes gegen jeöe von außen auf*

t>erpftichtung felber in fich trägt. erlegte ^inöung, ein hervorbrechen jmes (StyibelHnentums, öas

XÜtnn 5er ©tuöent in öiefer äußerften £age öie ^ofyföuU als uns fo tief im 2$lute fi^t, unö öas öen ©c&recBen jeöer Priefter*
Ganses angreift unö verwirft, fo ^eift öas nicht, öaß er alles ^errfc^aft beöeutet. Tiber es ift nidjt öeutfcf), es ift nic^t g^ibellif

verwirft, was hier geflieht. Es heißt nur, baß er aufs <£>an3e nifcfc, einem (öeöanBen su verharren. Sickte würöe heute nicht
bei

geht, öaß er öas ($5 e ficht öer ho<hf4mle veränöern will, nicht mehr fo reöen, wie es in öen Reöen an öie öeutfeh* Hation
aber bebeutet es, baß er öie wiffenfehaftliche Arbeitabraffen gefchrieben fteht. Xüiv neigen uns heute voll RefpeBt unö Vit*
möchte. *tteine Herren ! 34> vertraue öarauf, baß ©ie nicht ehrung vor öen fcttännem, öie öie Univerfität Berlin fchufen,
ausgesogen finö, weil Sie öie ftrenge wiffenfehaftliche Tlrbeit aber wir gehen aus öemfelben ghibellinifchen Reifte heraus, öer

fürchten, fonöern nur öeshalb, weil ©ie in öiefer Arbeit Beinen fie trieb, anöere XPege.
Sinn mehr fanöen, weil ©ie öiefe Arbeit nur tun wollen in einer IDie fyftematifche BritiB an öer iöealijtifchen Überlieferung ge*

©dmle, öie 3hrer X>orftellung von öer (öröße unö Einheit öes hört mit 3U unferer Bünftigen Arbeit, heute hebe ich nur einen
öeutfehen X)olfes entfpricht. IDie ftille, 3ähe Arbeit, öas XXHffen PunBt hervor. IDie jenigen, öie in öiefen (lagen öie Sreiheit
unö können, öas an öen öeutfehen hochfchulen noch immer $u* öes ^leiftes gegen uns glauben verteiötgen su muffen, berufen fich
häufe ift, wirö von 3h«en, ich weiß es, geartet ©ie waren nur wohl manchmal auf öie philofophie öes öeutfehen 3öealismus,
polttifche fcltenfchen genug, um fich nicht öurch öen Hinweis auf öie ja eine Philofophie öes (5 e i ft e s gewefen ift. Tiber wenn
öiefe Arbeit von öer gefdnchtlich notwenöigen Zat 3urücBhalten Sichte unö hegel Sreiheit foröerten, fo foröerten fie nicht Sreiheit
3U laffen. IDmn Cat, öie t>;ränöerung öes (Sefichts unferer
öiefe für jeöe Meinung, auch nicht für jeöe gut begrünöete fcttemung.
hochfchule, mußte gefchehen. Unö hier liegt öer le^te (Srunö öes ©ie foröerten Sreiheit für i h r e Philofophie, für ihren (ÖeöanBen,
£onfUBts: wenn man von 3hnen immer wieöer öie TlnerBen* öer ihnen öer abfolute (SeöanBe war. Si^tes Univerfitätsplan
nung öer ftillen Arbeit perlangte, öann war in öiefer $oröerung fah vor, baß jeöer ©tuöent in öie Philofophie S^tes eingeweiht
fchließlich öoeh öer (Öeöanfe »erborgen, baß es einer tiefer gehen« weröen mußte. 2Der Philofoph bestimmte alfo praBtifch, wer
öen Peränöerung öes (gfefichts unferer %od)föu\t nicht be* ©taatsöiener wuröe unö in welchem (Seifte er als ©taatsöicner
öürf e. mußte mit öem Ttusbruch öer Revolution
£>er BonfliBt 3U öenBen hatte. Hach S^tes Plan war, wie es tftar £en3
auf öen h°hepunBt Bommen, öenn nun tauchte in vielen ihrer hier in feiner Reöe 311m Tintritt öes KeBtorats im 3ahre jcjj|
t ehrer öer XX>unfch unö öie Hoffnung auf, es würöe nun wieöer ausgeörücBt h^t, öie ^acht in öie %anb öer Sreiheit, öer ©taat
wie vor öem 3at?re |Cj|$. Tiber öie (Öefchichte Bennt Bein %utü& in öie f>anb öes Philofophen gelegt, öenau öas Gegenteil von
— weöer vor öas 34>r nod) $um 3ahre |$|$, in welkem öem, was man heute für iöealiftifch oöer wohl gar fichtifch aus*
hegel an öiefer ©teile feine t>orlefungen eröffnete. gibt, hat öer imperiale IDenBer Si^te gewollt. nicht fein —
126 2lntrftt8t>odefim$ in Berlin Ttntrittsporkftmg in Berlin 127

Plan, fonbern ber Plan Schleiermachers ijt von XVtlhelm von ijt burchaus nicht gleichgültig, ob man fagt: Eitler ober: bie
4>umbolbt »erwirtlicht worben. Schleiermacher will von bem 3bee. Überall, wo man „<8eift" unb „3bee" fagt fchlechthin,

philofophifchen Tlbfolutismus Sicktes nichts wiffen. ©ein Plan bürfen wir auf bie Philofophie bes bilblofen 3bealismus fchließen,
fe$t 3 w
ei Pole: bie XViffenfchaft unb ben Staat, das £ehrwefen auf jene philofophie, bie ba meint, bie 3bee an fich fei mehr
unb ben Staatswillen, ben (Öeijt unb bie stacht. Bwtfchen ihnen als ein iftenfeh, mehr als eine Verwirtlichung. Bis vov turzem
ijt £ampf , aber bte Ü b e r w
i n b u n g b e r *tt a ch t ift bie Tluf # tonnte man noch hören: es heißt ^eil IDeutfchlanb, nicht

gäbe, 6er Stiebe ift bas Biel, ein Biel freilich in unenbiieher {$erne. £eil Eitler, ©er allgemeinere begriff: IDeutfchlano btbtutt
— man tann biefe Schleiermacherfcbe £öfung gegenüber ber mehr als ber inbwibuelle begriff: Eitler, unb es fei parteiifch
Sichtefchen tealijtifch nennen, weil fie bie fcftacht anertennt. Tiber unb engftirnig, wenn man nicht ,,^eil IDeutfchlanb" fage. Tüs
es ift bod> nur ein Scbeinrealismus, benn bie Tlnertennung ber ob wir nicht, wenn wir &>til Eitler fagen, <^eil IDeutfchlanb
fcftacbt wirb ja fogleicb wteber jurüdgejogen, bie „Überwinbung" meinten! Tiber wir meinen es tontret, wir meinen es einbeutig,
ber fcTCacbt als Biel gefegt wir meinen es politifch» Eitler ijt nicht weniger als bie 3bee
IDas XVort für ein feiges fernes Biel, wie es bie Über* — er ift mehr als bie 3bee, benn er ijt wirklich.

winbung ber tftaebt bebeutet, ijt 3 b ee. Bis in Tegels Philo* IDie Unangemeffenheit 3wifchen ber nationalfo$ialiftifchen

fopbie bes abfoluten (öetjtes hinein erhält fich bie Vorftellung, Stubentenfchaft unb ben Tinhangern bes bilblofen 3bealismus
baß ber 3bee niemals eine XVittlichtett angemeffen fein Unn, beruht barauf, baß ber Hationalfojialismus t?on ben geiftigen
Hur ber Prozeß, bas Werben, eine logifche Solge von £r* Pofitionen ber Vergangenheit aus nicht mehr »erftanben werben
Meinungen ijt ber 3bee angemeffen, Selbjt ber Philofophie tann. £r ijt wirtlich revolutionär, er ijt etwas Heues, üt läßt

bes tontreten 3bealismws fehlt bie Vorjtellung bes S? mbols fich mit ben Gegriffen Stentes nicht geiftig begrünben. Eitler

als ber jeweils erf Kopfenden iDarjtellung einer hat bas wirtliche beutfehe Volt 3u einer Einheit 3ufammenge*
3bee. 3n einer Bunbgebung von hersorragenber atabemif eher Seite fchloffen. Sickte hat nicht ben wirtlichen tftenfehen t>or Tlugen

war tur3lich bie TUbe von ber „Sübrung burch (Stift unb 3bee". gehabt, fonbern ben fcftenfchen als Tiepräfentanten ber Vernunft,
£>ie fcftänner, bie biefe Äunbgebung »erfaßt unb unterzeichnet ben abfoluten ^enfehen; er ging nicht t>om wirtlichen 2Deut*
haben, haben bie *oochfchule ber Vergangenheit als „politifch" fchen aus, fonbern er nannte ben abfoluten ittenfehen eben ben
bezeichnet. %o chf chule, bie felbjt im 3ahre
Tiber eine IDeutfchen. Unfer Begriff vom Utenfchen ift nicht ein abfoluter,
ber Revolution nur von ber Rührung burch (öeift fonbern ein gerichtlicher, rcaüftifcher. £s liegt im Begriff
unb 3bee, nicht von ber Jührung burch Tlbolf bes fcftenfchen, baß er einer beftimmten T^affe, einem befttmmten
Eitler unb ^orjt XVeffel rebet, ift unpol ittfeh. £s Voltstum $ugehört. iDaß wir barum ben Mtenfchen nicht „natu*
hanbelt fich hier nicht um ein perf örtliches Verfagen; hi*r jtößt raliftifch" vergehen, werbe ich 3« zeigen höben.

ein IDentfyftem an feine (Srenje, 3n zahlreichen Sailen finb IDas eigentliche Verhängnis bes jcj. 3ahfhunberts war, baß
wir nicht auf unfähige ober böswillige tftenfehen geftoßen in bie hwmaniftifche Philofophie unb bie fchweigenbe Philofophie ber

bem Bampf ber legten 3abre, fonbern auf bas iDentf yftem Solbaten bes preußifchen ^eneralftabs nicht sufammenftimmten.
bes bilblofen 3bealismus. IDic (Öefolgfchaft Tlbolf Saft gleichseitig mit ber Berliner Unimrfität ift bas Syftem
Hitlers tennt bas Symbol, bie IDarjtellung ber 3bee in einem ber allgemeinen XVehrpfltcht entftanben. IDas neue Unwerfitäts*
tftenfehen, in einer S<*h«e. Bas Sührerprin3ip unb bie Symbole fyjtem Unb bas neue XVehrfyjtem hätten auf ben gleichen £v*
bes nationalfo$ialismus haben ben begriff ber 3bee neu ge* jiehungsgebanten gegrünbet werben müffen. IDas ift nicht ges

prägt, <5ier hanbelt es fich nicht um einen XVortftrcit. t£s fchehen. 3m i^eere würbe ber £ft a n n exogen, an ber Unwerfität
128 3Cntrftt8X>ortefung in Berlin •Äntrittsxjorlefunö in Berlin 129

würbe ber fcftenfcfc gebildet. IDer preußtfcfce töeneraljtab er3og päbagogtf 6agegen ftellt eine unehliche Aufgabe vor 6en Slten*
Solbaten, bie tmiverfität brachte (öebilbete hervor. IDer t^eo* feben bin — wenn es fieb aber um 6en tftaßftab 6er €rs,
retifebe tftenfcb, 6en fie groß 303, fannte wol?l 6ie geifti* füllung banöelt, 6ann febweigt fie. @ie bat feinen foleben
gen (Süter feiner Hation, aber er wußte nichts von öer *£rbe maßftab, fie überlaßt 6as Urteil über fieb felbjt 6em €in3elnen.
un6 von 6er fcfcweren fcftübe 6es Alltags, er war 6em dauern eie perfebmäbt 6en begriff 6es ^ypus, 6en Begriff 6er §or*
un6 6em Arbeiter fremo, er hielt fieb für ein abfolutes 3cb unter mung nacb einem ZTypus, 6er mit 6em §ü^rerprin3ip verbunben ijt.
hochmütiger Verachtung bes PoIEes, 6er Butter, bie ihn geboren 3m XPiberfprucb mit fici felbft bringt fie bann 6ocb einen lEypus
hatte. IDer fämpfen6e fcttenfch, 5er polittfebe tftenfcb, ber Sol6at, bervor, 5en Zypm 6es Öebil6eten. Wiit einem EDorte läßt fieb
6er 25auer un6 6er Arbeiter waren 6iefem nur noch „verftebens bier fagen, was nationalfo3talismus geiftig beöeutet: 6ie €v*
6en" (öebtlbeten fern un6 un3ugänglicb* ÜDiefer tbeoretifche fe^ung 6es (Öebilbeten 6urc^> 6en ^Eypus 6 es ©ol6aten.
tftenfcb, 6iefer (Öebilbete lebte in einer 2(tmofpbäre 6er Unwirfs 3ener Cypus ift bas Pro6uft eines £r3tebungsfyftems gewefen,
liebfett. €v hatte 6as 36eal 6er Selbftvollenbung über fieb, 6enn bas uneinbeitlicb war un6 im XX>i6erfprucb mit fieb felbjt: es
6as htbmttt „23ilbung" im letjten Sinne, bas 36eai 6er b<*r« wollte 3tt6h>i6ualitäten bervorbringen unb braebte neutral fieb
monifeben Perfönlicbfeit, er hatte ben poutifchen <£barafter bes per^altenbe ATittelmäßigf eiten hervor, ©er neue £ypus wir6 g e *
fcftenfchen un6 6er XXMt vergeffen. (Segen 6iefen 3n6ivi6ualis« wollt: er entfpriebt 6er neuen €in^eit 6es Polfes.
mus haben bie Stubenten lei6enfcbaft*
6er 33il6ungsphilofophie Solange 6er (£>ebil6ete, 6. b* 6er t^eoretifebe menfeb als

lieb protejtiert. wenbet ibnen ein: aber wir finb gar


fcftan böcbjter ICDert galt, mußte 6er @ol6at als ungebilbet, als un*
nicht 3nbivi6ualiftenl ICDir meinen 6ie (Sfemetnfchaft, tx>ir Propaganba 6er legten 3abre
geiftig erfebeinen. IDie pa3ifijtifcbe
wollen sur (Semeinfcbaft, wir perurteilen 6ie £ebre vom abfo* fonnte fieb nur besbalb fo bemmungslos verbreiten, weil 6er
luten i£igenrecbt bes 3nbiviöuums, vom Sicbausleben 6er Per* fol6atifcbe ^typus in unferem geiftigen Syftem feinen feften <Drf
fönlichfeit uff. Tiber X)olfsgemeinfcbaft bebeutet etwas anberes als ^atte. Oie eigentümlicbe ^eijtigfeit 6es Sol6aten, @ol6aten*
X)erbun6enbeit in (Öefinnung un6 XXHIle. EDer legt 6iefe (öes tum als Lebensform war niebt erfannt. 2)as £eer galt nur als
finnung, 6iefen ttHllen aus 5 £Der richtet 6ie ^injelnen aus, wer ein Littel im IDienjte 6er Politif. Hur inoffiziell war es als 6ie

bezeichnet 5as Biel fonfret* £>ie patriotifche (Öefinnung wir6 nicht eigentliche Scbule 6er .
männltcben ier3iebung bef annt. IDie

bezweifelt, aber mit patriotifeber (Sefinnung fann man nicht Sc^lacbten 6es XPeltfriegs fin6von 6enen gefcblagen worben^
fämpfen un6 6ie fcftacht ergreifen. lDa$u bebarf es bes unbebing* 6ie 6urcb @yftem 6es preußifeben (ßeneralftabs er3ogen
6as
ten £tnfat$es für fonfrete Symbole. Hur ein folcher i£tnfat$ ijt waren. So wie bas Keic^ niebt gegrün6et wor6en ijt von ben
potittfeh, 5. b« bewirf en6. IDte bloße (öefinnung bewirft nichts. 4$ern, fonöern von Bismarcf un6 ittoltfe, fo ift 6ie geiftige
Wiv wollen 6ie (Sefinnung immer votausfetjen nacb 6em ICDorte Äraft, 6ie uns befähigte, ben tDeltfrieg öurc^3ufecbten, nic^t
bes alten X>tfcber: 6as tftoralifche verjteht fich immer von felbjt. entwicfelt worben 6ur# 6ie neuhumaniftifchn6ealiftifc^e P^ilo^
igrft wenn 6as vorausgefetjt ift, beginnt 6as Problem. fopbie, fonöern 6urc^ öie immanente P^ilofopbie unferer fol*

IDie €r3iebung 3um Solbaten reebnet niebt mit 6er (öefinmmg. batifeben £r3ie^ung.
IDas ijt für fie bünner begriff. IDiefe i£r3iebung wenöet
ein 3U U>ir baben für ben ^Typus, 6er uns als 35il6 vorfc^webt, ben
fieb an 6en gan3en fcftenfcben, an 6en gan3en Berl, fie fennt fein Hamen bes politif eben Solbaten gefunben. IDer neuge*
allgemeines 35eal, fonbern nur boebft fonfrete Sorberungen (beim grünbete Le^rjtubl, ben icb hiermit in Befi§ ne^me, trägt ben
£eiblicben beginnenb) — aber fie verlangt, baß 6iefe Sorberungen fcitel:für politifebe Päbagogif. 16s tonnte babureb ber €inbrucf
bun6ertpro3entig erfüllt wer6en. IDie i6ealiftifcbe (Öeftnmmgs* entjteben, wenigjtens bei benen, 6ie unfere Symbole nic^t vers
130 2tntrttt8»orUfun3 in 23erlin
#ntEtttst>or!efun<g in Serlin 131

ftehen, tag einem allgemeinen Politifieren Züt unb tümiiehen Heimat 3" genießen. Hun, nachbem biefer Sturm
fich
Zov geöffnet werben foll, baß bie Sonberung ber Aufgaben,
ber tVirtlichteit gebrochen worben ift unb bie beutfehe Hation
bte ^Trennung 6er Äompeten3fphären bes Politzers, bes Sol*
überhaupt ihre Hationalitat, ben (Örunb alles lebenbigen Gebens,
baten, bes XX>iff enfct>af tlers aufgehoben werben folle.
ift bann bie Zeit eingetreten, baß in bem &taatt
gerettet h«t, fo
XVenn ich eine „Politif" vortragen werbe, fo hat bas nicht ben neben bem Regiment ber wirtlichen ttMt auch bas freie Reich
Sinn, baß ich vom Batheber herab politifieren ober 3um Polt* bes (öebanfens felbjtänbtg emporblühe." XX>ir teilen ben (glauben
tifieren auf f orbern möchte« 3ch werbe an bie Stelle bes neu* an bie stacht ber Philofophie, ber aus Tegels Rebe fpricht; aher
humaniftifchen Bilbes bes tftenfehen bas wahre Bilb vom es ijt bas Schief fal Tegels felber, bas uns baran
nicht 3ule£t
werbe bas Verhältnis von Theorie
politifchen fcftenfchen fe§en, ich erinnert, baß ber „Sturm ber XVirflichfeit" niemals aufhört,
unb Praris neu beftimmen, ich werbe bie £ebensorbnungen be* baß ber fcttenfch immer politifch bleibt, baß es fein Reich bes ab*
fchreiben, in benen wir wirtlich leben, ich werbe meine i£r* foluten (Öebanfens losgelöjt von ber Zeit gibt. £egel glaubt an
fenntniffe vermitteln, aber ich werbe nicht in Politif bilettieren. ein Reich bes abfoluten töebantens — aber bie XVirflichfeit

IDas Bilb bes politifchen, b. h. bes wirtlichen tftenfehen


3U 3wang politifch Stellung 3« nehmen, unb er nahm
ihn,
jeichnen ijt meine Aufgabe, nicht Äatheberpolitif ju treiben. Stellung gegen bie 3ugenb feiner Zeit. Das war feine Partei*

Politif f ö nnennurb emache n, biefieauch3uver*


i nähme für ben abfoluten (Öetft, bas war bie Parteinahme
antworten haben. €s gibt wohl eine Philofophie unb für bie Reftauration, bie mit bem XViener Kongreß be*
XPiffenfehaft ber Politif, aber nicht eine wiffenfehaftliche Politik gönnen hatte. XPir tonnen heute nicht mit bem herrlichen
unb ebenfowenig eine politifche XDiffenfchaft. 2Der (Sebanfe muß (Sebanfenpathos eines Sickte unb eines <^egel vor bie atabemifche
ftch vor bem (öebanten verantworten. 3ugenb treten. IDas Bifb bes tftenfehen, bas wir haben, ijt
gebrochener, aber wahrer. Unfer Bejtreben wtrt> es fein, baß
2lber ber <8tbanh ijt nichts Zettlofes. ^r fämpft fich in uns
als seitlichen XVefen ans licht. 3n ben <5tbanttn felber treten
wir benfenb uns nicht in XViberfpruch fe§en 3U unferer WitU
lieh feit. XX>irnehmen teil an ber politif, an bem Schicffal
bie Zeitalter einanber gegenüber, unb jebes Zeitalter hat bie Stuf*
gäbe, unferes Voltes unb unferes Vaterlanbes, wir wiffen feinen Ort
ftch felber fo rein als möglich aussprechen. Zxvifchen ben
ber Betrachtung, auf bem man über biefem Schicffal ftehen
Zeitaltern finbet ein Jft a mpf unb
großen flbfchmtte
ftatt, bie

tonnte aber biefe unfere XPirfiichfeit werben wir im £icht
ber <2>ebanfentämpfe fallen jufammen mit ben großen Zbfdynxttm
ber politifchen Revolutionen, IDtefen tiefen, fchwer ju erfennen* bes Gebaut ens rechtfertigen unb bewähren.
ben Zufammenhang swifchen Philofophie unb Politik fo fcharf
als möglich 3" bezeichnen, betrachte ich als eine meiner 2luf*
z.
gaben, nicht bie Politif bes Eages 3U rechtfertigen ijt biefc
Aufgabe, fonbern ben politifchen Bujtanb, in bem wir traft 3lufbem Boben ber <bochfchtile ijt man gewohnt, jeben tften*
fchen un^ febe igrfcheinung banach 3« bemeffen, wie weit fie
ber stacht bes Schief fals leben, 3u erfennen.
bes tVortes mächtig finb, wie weit fie $um XVorte gelangt
2lm zz, (Dftober ?$|S eröffnete *5egel hier feine Vorlefungen was
fin*>. Hur bas, was logifch geltenb gemacht ijt, geformt
mit einem Hinweis auf bie politifchen £reigniffe ber nächften ijt, fur3 was XVort unb Begriff geworben ift, hat hier €riften3*
Vergangenheit. „IDer XVeltgetft", fagte „in ber XVirflichfeit
er,
berechtigung. IDer IDienjt am tDorte führt fchließlich 3« einer
fo fehr befchäftigt unb nach außen geriffen, war abgehalten, 3arten unb feinen, 3« einer „äfthetifchen" j£inftellung unb fchließ*
fich nach innen unb auf fich felbjt 311 lehren unb tn feiner eigen* Sinn verliert für bas, was noch
lieh ba3U, baß ber tttenfeh ben
132 TlntrittsporXtfung in Berlin •Hntrittsportefung in Berlin 133

nicht (Seflalt hat, was noch nicht $u XX>ort getommen ift, aber was biefe Seit im Diefflen fchon überwunben hatte. £s ift

was pielletcht geftaltenträchttg, baß er ben Sinn perliert für einfach nicht möglich gewefen, über bas XDort hinweg $um
bas Urfprüngliche, für bas Chaos, bas einen Stern aus fich X)erftänbnis bes nationalfo$ialismus 3U gelangen, benn unfere
gebären wirb. Seit ift eine Seit ber €ntmächtigung bes XDortes.
IDas tDort ifl berebt, es beutet fich felbfl unb ben (Öegenftanb* Tille unb Tlusfprachen tonnten uns nicht barüber
Vorträge
X>on anderer Tlrt ift bas Symbol. JDas Symbol ift fchweigenb, hinwegtäufchen, baß bie r>erflänbigungsmöglichtetten burch bas
fein X>crfle^cn erfolgt unmittelbar. Wo bas urfprüngliche t>er* tX>ort immer geringer geworben waren. IDer Verfall ber
hältnts $u ihm fehlt, ba hilft feine 3nterpretation. IDer t>erflanb fprachlichen Tlusbrucfsform, ber fo oft betlagt würbe, ift nur
permag es nicht ju begreifen, nur bas ^erj finb et öen XPeg ein Symptom. IDiefcn Verfall tann man nicht burch X>erfchär*
3U ihm. £>arum aber ift bas Symbol nicht etwa ungeiflig. fung ber Beftimmungen für ben beutfehen Ttuffa$ aufhalten.
fähig, Pom (Seifte gebeutet 3U werben, ja es
ift Vielmehr muß bas XX> o r t neu geboren werben. Tlus ben Sym*
perlangt banach, unb bie fchwerfle Arbeit bes (Setfles ift bolen, in benen wir uns perflehen, wirb bas bichterifche unb
nichts anberes als ^Deutung pon Symbolen. bas philofophifche XDort neu hervorgehen, in bem wir uns
2m bie Stelle ber überlieferten l^ntgegenfetjung geiflig — bann geiftig auf eine neue Tlrt, 3arter, bifferen3ierter, mannig*
ungeiftig muffen wir ben richtigeren <Öegenfat$ fetjen: Symbol faltiger wieber »erflehen werben. t>om Symbol 3um XDort führt
unb ICD ort. IDicfcr (Segenf at$ erhellt uns bie (Gegenwart : wir ber XDeg ber Äultur. €in X)olf hat bann eine Äultur, wenn es
finb uns einig ben Symbolen in wir finb uns — fi(jh in gemeinfamen Sprache perfteht. IDas bloße X)or*
einer
noch nic^t einig im SD ort. XX>as uns hmbernb entgegen* hanbenfein einer gemeinfamen Sprache genügt noch nicht. XDir
böfer XT>Ule, fonbern ift bas alte tPort, bas
fleht, ift nicht haben es erlebt, fchmer3lich erlebt, baß man in einer gemein*
OOort, bas ben gegenwärtigen Symbolen nicht mehr angemeffen famen Sprache auch anemanber porbetreben tann. IDer XDeg ber
ift.IDas macht ben feigen ^»uftanb fo mühevoll: baß wir in Hultur ift ber XX>eg 3«nt XX>ort, aber bas echte XDort, bas bie
jebem Tlugenblict bas alte XX>ort hinwegräumen müffen, baß fcftenfchen perbinbet unb nityt trennt, blüht nur ba auf, .wo bas
wir in jebem Tlugenbltct in Gefahr geraten, uns falfch 3U per* Symbol lebenbig ift
ftehen, weilwir bas XX>ort, bas 3u uns gehört, noch nicht haben. JDie gan3e Hation ifl aufgerufen, bie Symbole 3U beuten,
Tille Bemühungen, uns 3U perflänbigen, finb vergeblich, wenn bas XDort 3u finben. IDer freie Äampf ber Gräfte ift entfeffelt.

wir nicht feftwurjeln in ber VOtlt bes Symbols, aus ber IDas ifl freilich nicht jener angeblich freie £ampf ber Äräfte,
heraus allein wir uns Tfot holen tonnen, in ber allein wir jenes laissez faire, laissez aller bes Liberalismus, benn bie X)or*
uns wirtlich Perftehen. tDir perftehen uns heute nicht mehr, ausfetjung ift ja, baß bie s£inigteit in einem Symbol ba ift. i£s
wenn wir im Xeich ber »orhanbenen XDorte weitergehen, wir ifl bies bie entfeheibenbe ttorausfetjung, bie ber Liberalismus
reben über bie tDirflichfeit weg, wenn wir nicht immer überfehen hatte. Tiber biefe wortlofe iginigteit porausgefetjt, tritt
wieber untertauchen in bie XX>elt bes Symbols. IDas ift bas ber JUmpf ber Gräfte ein um bie wahr unb t i e f fl e 1D e u *
fl e
größte Ereignis biefer Seit: baß inmitten einer Epoche, in ber tung beffen, was je$t unb hier geflieht. £>as XOovt tann unb
bas XDort wertlos geworben war, bas Symbol auftvftanb wirb nicht im Verwaltungswege perorbnet werben» tftit bem
unb uns 3ufammenfübrte. XX>er nicht ergriffen würbe von ber Symbol ifl bas XX>ort noch nicht ba, es muß neu gefchaffen,
Äraft bes Symbols, ber hörte nur „leere XX>orte", b. h- bas, neu erfämpft werben, unb wir haben bie fcftöglichfeit unb ben
was er gewohnt war, ber meinte, alles fei „Agitation". Tiber tftut, biefen Äampf fr e i 3 ug eb e n, ba wir ber Einigt eit ge*
bannt übertrug er nur bie Signatur ber Seit auf etwas* wiß finb im Symbol.
134 ^ntrittsporkfimg in Berlin TlnttittSDorlefung in Berlin 135

3wei<8cfahten örohen: von öenen, öle öas XVort 31t wegt fich öie Äultur. nicht 3wifchen Ungetfl unö (Öetfl be*

haben »ermeinen, unö »on öenen, öie öas XVort fcbmähen. XVer wegt ^>enn öie wortlofe macht öes Symbols ift nicht
fie fich*

heute öas XVort fchon 3U haben »ermeint, ifl ein Keaftionär. iöentifch mit öer ftummen (Sewalt IDas Symbol ift ftumm,
Seien wir auf 6er laffenwirunsnicht»erführen,
<?>ut, aber ftumm nur »erglichen mit öem XV o r t, fo wie es „forma
Anleihen $u machen beim XVort 6er Vergangenes los" ift »erglichen mit öer geizigen Sorm. 2lber öiefe Stumm*
b e t, werben wir nicht müöe, um öas uns angemeffene XVort 3U
i heit unö öiefe gormlofigfeit, fie finö nicht öie Sinflernis öer
ringen, XVas öeutfeh unö groß war in öer Vergangenheit, wollen naeften Gewalt, fonöern öie feierliche Stummheit öes Ur*
wir »erebren, wir wollen öas XVort öer Vergangenheit fluöieren, fprungs.
aber öiefe Verehrung entbindet uns nicht öer Pflicht, wieöer etwas XVenn man (Öemeinfamf eit in S<M>ne unö (Sruß nicht »er*
öie
3U f ch a f f e n„ was
öeutfeh unö groß ifl. XVir Bonnen unö wollen fleht, »erfleht man öas (Öan3e nicht. IDann wirft man uns »or,
nicht $urM —
wir wollen vorwärts, auch im (Seiftigen. XVir öaß wir eine „Sonöeranfchauung" »erpflichtenö machen wollten
finö feine 2SomanttEer, wir gehen öen XVeg 3um XVorte, unb öer für alle, öann legt man uns öen XVillen 3ur Eyrannis unter unö
XVeg 3um XVort ift öer XVeg 3ur Älafftf* XVir laffen uns nicht wirft uns tät Verleugnung öer Humanität »or. Wtv wenn
»erweebfetn mit öenen, öie öen (S>eifl unö öas XVort 3U »er* man uns »orwirft, öaß wir nicht 3ur mannigfaltigfeit Bommen,
ctd)tm »orgeben. XVir finö nicht 3rrationaliflen, wir fchwelgen öann fragen wir fie, wie fie $uv i£tntgfeit Bommen
nicht in (Gefühlen, nicht mit öem (öegenfa$ »on (Öefübl unö wollen* £>en Verfuch, auf öem Verorönungswege 3ur t£img*
XVort, oöer ^er3 unö Äopf ufw. habe ich begonnen, fon* feit3U fommen, haben wir nicht gemacht Vor öiefem 3rrweg
öern mit öem (8egenfa$ »on Symbol unö XVort IDas Symbol fchu^t uns öas Symbol. XVer unter Humanität eine politifebe
aber ift fchon ein (Geformtes, »erglichen mit öem (Sefübl* unö geiflige (Drganifation alles öeffen, was menfehenantlifc trägt,
hat noch nicht öie Normung öes (Öetftes, es hat eine eigene »erfleht, öem erwiöern wir: wir finö nicht human. IDenn wir
Sorm, aber es hat eine $orm, es ift nicht nur ein äußerliches wiffen, öaß es ein Bufammenleben »on menfehen auf höherer als
Reichen für »erfließenöe 3nnerlicbBeit. §ür ein Symbol Bann man nur öfonomifcher 23afis nicht geben fann ohne öie Äon3entration
leben unö flerben, es ift eine XVirElicbEeit, Bein bloßes Reichen. öiefer menfehen um öas ihnen angemeffene Symbol, tiefes
IDas Symbol gehört niemals einem i£in3elnen 3U, es gehört Symbol »ollbringt eine Scheiöung, es fe$t, was #echt unö
einer (Semeinfchaft, einem XVir. tiefes XVir ift nicht ein XVir Unrecht, was wahr unö unwahr ift £>as Symbol begren3t,
öes gefinnungsmäßigen Sufammenfcbiuffes V on PerfönlicbBeiten, es fchließt aus, es ift ein Symbol nur für öiejenigen, öie es aus
ift nicht ein nachträgliches XVir, fonöern ein urfprüngliches. 3m öem (Örunöe unö öie es mit 23egciflerung erfüllt. Das
»erflehen,
Symbol finö €in3elner unö (Semeinfchaft eins. IDas Symbol ift imfer begriff »on Humanität: Humanität ift öa, wo men*
ift unerfchöpflich, in ihm erfennt fich fowohl öer i£in3elne wie fchen an ein Symbol glauben unö fich einfetten, wo ein Symbol
öie (Öemeinfcbaft IDas reale XVir, öas in einem gemeinfamen begeiflert unö fortreißt 3« ßeflaltungen unö £aten. Humanität
Rhythmus fchwingt, ift es, öas in öen Symbolen fich ifl uns ein begriff nicht öer 2lusöehnung, fonöern ein begriff,
wieöerfinöet öer auf eine beflimmte Höhenlage hinweifl. „menfehlich"
Unö öiefes XVir ift wie öas Symbol felber als eine XVirf* ifl ein Volf nicht öann, wenn es alle Waffen öulöet, wenn es
lichteit auch eine macht IDas echte XVort, öas XVort, öas Sremöen öie politifebe unö geiflige <berrfcbaft über fich 3«gefleht,

noch stacht hat, trägt öiefe macht »om Symbol $u £ehen. fonöern menfehlich ifl es öann, wenn es fich mit aller feiner Äraft
Zxoifötn öer wortlofen macht öes reinen urfprünglicben Sym* bemüht, fich felber in menfehlich große Jorm 3« bringen. Tluf öem
bols unö öem machtlofen XVort öes 3i»ilifations3uflanöes be* XVege öer £>ulöung würöe es nur öas Chaos »ermehren; unö
10
136 ^ntrittePorXcfung in Berlin
•tfntriütöüorfeftmg in Berlin 137

felbft ein3elne, in6it>i6uelle JRulturleiftungen fcofcen langes tonnen auf öie (Brieden 3U re^tferttgen verfugt Tiber gera6e bie (Brieden
öiefen XX>eg ni<$t annehmbar machen. 3e6es X)olf bat 6en 2luf* 3U barmonifd?en 3n6wi6ualitaten exogen. Wtan
fcaben mcfct
trag, 6ie XPelt in feinem Greife »on aus neu 3U organi*
febe fi# tyr größtes £r3tefcungsbucb an, platons Staat: es
fieb
fteren. Äein Volt tann fieb ötefen Auftrag von einem an&em ab* Un6elt von Eypen, niebt von 3n6wi6ualitäten. IDer XHeifetttg*
nehmen laffen. Uno traft 6iefes Auftrags fließt es 6ie von teit fe^en wir öie (Öefcbloffenbeit gegenüber, 6er Harmonie 6ie
feinen großen Aufgaben aus, öie an feinen Symbolen nic^t aus Äraft, 6er Seinbett 6ie Scblicbtbeit, 6er tomp^ierten 3nnerli<$>*
tiefftem (örunbe teilhaben tonnen,
teit 6ie Sicberbeit 6er <^tung. Mieles banhn wir 6en Wännttn,
«£s gibt 3wet XPeifen, wie 6te Symbole eines X)olfes fieb «uts*
öie auf 6em t£>ege 6er Pbilologie, 6es X>erftcbens 6es XPortes,
legen: 6ie Hat unb das XX>ort. IDie £an6eln6en legen 6urd> öie 6er Bil6ung 3U 6en (Öriec^en uns 3urü(fgefübrt ^aben. Hun
Hat aus, was wir £cbrer 6urcb öas XX>ort. £at unö
6eutfcb ift,
wir felber 3U 6en (Sriecben, un6 wir \)abtn 6ie (St*
aber geben
XX>ort, Polititer unb £ebrer fallen niebt 3ufammen. JDas ergäbe
wißbeit, i|)nen näfcer 3U tommen als wir es je waren, wenn wir
6en IDilettantismus 6er Hat unb btn IDilettantismus 6es XPortes.
na^ 6em öefe§ unferes eigenen XX>efens uns erstehen*
£s ift ni#t möglich, baß fie 3ufammenfallen. IDenn jeber von XX>enn 6as £eben, 6as t>or uns liegt, ein £eben im Staate, ein
u?nen, 6er Sorftyer un6 6er £el;rer fowobl wie 6er ^anbelnbe ift, politifebes ^eben fein wirb, 6ann ift aud? 6as griec^if(|>. IDas neu*
wenn er fein 2tmt redtf x>erftef?t, auf 6as <$>an$t belogen. tt)er bumaniftifc^e Bit6 6er ^rieeben war t?on 6er Äunft un6 6er
fi# in 6er ü?m eigenen XX>eife auf 6as <0an3e U$\t% 6er brauebt mo6ernes Bil6 vom <8xitd)tn
tt>iffenfd?aft ^er beftimmt, unfer
es niefct no# in einer anbtvtn. <D6er, um es mit 6em XX>orte ift 6urcb 6ie Polis beftimmt. J^in X)orbil6 tann uns 6iefe Polis
eines geiftreieben f£nglänbers 3U fagen: man tann nic^t auf 3wei niefct fein, aber als Beifpiel tann fie 6ienen 6afür, 6a§ $vti\)tit
XX>egen 3«gleicb ins Para6ies einbringen. 3eber foll auf feine
nuv ba gebeizt, wo €inigfeit in 6en Symbolen beftebt
Xt>eife fiefr 3um (Öan3en »erhalten, Politifiert 6er £ebrer, bann
€ine neue £pod?e beginnt. IDie s^po4>e 6es Mittelalters, 6te
entftebt »erantwortungslofes (0ere6e, lebrt 6ie Bürokratie, 6ann £po4>e 6er Seelcnbin6ung un6 Seelenfü^rung liegt hinter uns.
entfielt t>eror6nete (Öefinnung.
tPir ertennen feine tltacbt an, 6ie geiflig un6 politif4) $UQltiih
IDer bumaniftifefce 3öealismus bat an eine (Öemeinfamfeit ofcne
ift wir ^aben nit^t einen Papft fon6ern einen Jübrer. £Der
Symbol geglaubt, üt bat beim begriff angefangen. Wir nic^t mit uns leben un6 fterben tann, 6er wirb nid?t als Äe^er
fraben ertannt, 6ag es 3wecflos
ift, fi<^ in tX>ort un6 Begriff
»erbrannt. £r bleibt unbebelligt, wenn er uns nxtyt angreift,
3u einigen, wenn öie Einigung im Symbol feblr. XX>ir baben hinter uns Hegt aber aueb 6ie €pocbe 6er He^eit, 6ie €podbe
ertannt, tag ein Bil6ungsfyftem nur 6ann fruchtbar fein tann, ber Öewiffensfrei^eit, bes 3n6it)i6ualismus. XX>ir ftellen es
wenn es auf einem €r3iebungsfyftem aufruft tDir föließen
6em €in3elnen niebt frei, 6ie Symbole an3ugreifen un6 3U vtu
6ie XX>eite nid?t aus, aber 6ie falföe
Unit>erfalität. fcenn es werfen, in 6enen fic^> unfere i£inigteit offenbart. Sie 3te^en
ift wenn 6ie töeföloffen*
uerbängnisDOll, in 6ie XX>eite 3U gefcen,
je^t hinaus, um Bücher 3« verbrennen, in 6enen ein uns
l?eit fefclt. Hur wo ein Cypus 6a
ift. ein feftes Syftem von <8t* frem6er (Seift fi<$ 6es 6eutfcben VDortes be6ient b<tt, um uns
wö^nungen, ein fl^iefcungsfyftem, 6as mit 6em iteibe beginnt,
3U befämpfen. Tluf 6em S4>eiterbaufen, 6en Sie errichten, \»erben
nur 6a tut 6ie XOtxtt 6er geiftigen U>elt obne Scba6en für 6en ni(^t Äe^er »erbrannt. IDer politif4>e (gfegner ift fein &e$er, ibm
«tenfeben fid? auf. IDie i6ealiflifc^^umaniftif4>e Pbtlofopbie 6er
flellen wir uns im Kampfe, er wir6 6er €bte 6es Kampfes teil*
Bü6ung, 6ie 6iefe Hebung 3um Eypus 6er „€infeitigfeit" ge*
baftig. tDas wir |>eute von uns abtun^ fin6 (Siftftoffe, 6ie fieb
3ieben bat, bat gewännt, 6en r n 3U Sie bat
nafyt in 6er Bett einer falfcben !Dul6ung angefammelt baben. €s ift
<S> i e e fein.
6te Sor6erung auf unwerfale Bilbung gera6e 6en Hinweis
burefc unfere Aufgabe, 6en 6eutfcben ^eift in uns fo maebtig wer6en
10*
138 Tlntrfttsporfefung in 35ertitt
139
3U laffen, baß fich folche Stoffe nicht mehr anfammeln Bonnern
XDir öürfen nicht auf Verbote bauen. Zm
uns felber heraus
muffen wir ben unbeutfchen (Seift überwittben. £>as XXMtalter,
bas vor uns liegt, bas politifcbe tt>eltalter, bas
XPeltalter bes Sozialismus, f>oc|>fc^ttle unb &taat
es wirb nicht ein XVelt*
alter bes CäfarosPapismus fein. IDie beutfche Umverfität wirb Vtad) Vortragen, Qefyaltzn »or bm Sttt6entcnf<h<*ftcn in iftünfitn

niemals bas geiftige IDurchfübrungsinftrument eines außer ihr vnt> <£>öttmg«n, Wied unb 3unt jgss

felber liegenben Hillens werben. Sie hat i^rc eigene 23e*


EDelches ift ber Buftanb ber beutfehett <^ochfchule in biefem
Biegung sum töanjen. PolitiB unb pfeift finb v er einigt in
Augenblick IDie $x<tQt ift fchwerer $u beantworten, als man
ben Symbolen, aber getrennt in ben Organen. 3n gemeinhin annimmt, tftan fetjt voraus, bie ^ochfchule habe
ber IDeutung ber Symbole finb wir frei.
einen beftimmten Ort unb polittfchen
in ben geizigen
kämpfen unferer Seit im im negativen Sinne.
pofitiven ober
Sie hat leinen! IDie <oochfchullehrer, bie für bas Syftem von
Weimar entfehteben Stellung genommen Ratten, waren immer
nur Ausnahmen. IDie tftehrsahl ber beutfehett ^ochfchullehrer
wahrte bie Crabition. Hur von biefer fcatfache aus verfteht man
bie beiben charaEteriftifchctt Momente ber heutigen £age: 3uerft

bie Verwirrung unb ^atloftgBeit. tttau hatte geglaubt, jetjt

fei ber Augenblick für bie ungeteilte XXHeberaufnabme ber alten


fcrabition geEommen. Unb es 3eigt fich, baß ber Augenblick
revolutionär ift, baß bie 3ugenb bas 23ilb einer neuen *s>od?f#ule

in fich tragt. KatlofigBeit unb Verwirrung finb bie S<>l£ cn: »

wenn wir von ber t r a g e n b e n 3 b e e fcer urteilen, bann gibt


es in biefem Augenblick feine beutfche ^ochfchule. IDamit hangt —
bas jweite Moment 3ufammen: bie tragifche Situation ber
Profefforen. Sie verfielen ihre Bett nicht mehr, fie galten für
Zufall unb XDillBür, was Ausbruck eines notwenbigen (Sefchehens
ift. IDie Sübruug ift im Augenblick auf bie Stubentenfchaft über*
gegangen. Stürmtfch forbert biefe ben Einbau ber <5ochfchttle in
ben Staat. Sie fieht vielleicht bie Schwierigkeit ber Aufgabe
nicht, aber fie erlennt bie 23ebeutung bes Augenblicks. IDie Uni*
verfitat ift alt, ber Staat ift jung, unb nicht nur biefer Staat
ift jung, f Ottbern jeber Staat, benn im Stach bes ^anbelns breht
bas #ab fich rafch^r um im Stach bes i6r!cnnens. £me
als
Schule Bann lange $eit hmburch von ber ^Trabition leben unb
Bann boch gut fein; ein Staat, ber bloß noch von ber Crabition
lebt, geht unter.
140 £otbfd)ute unb Staat 141

£>te Univerfität ift getrögen worben in tbrer erflen Pbafe faftauf öie Minute hun6ert 3abre nach Goethes Hobt begonnen
von 6er Ätrcbe. 3bre (Ölieberung erfolgte nicht nach tDiffen* bat, wir wiffen von 6tefem 20. 3abrbunbert noch nicht viel,
febafien, fonoern nach berufen: 6em tbeologtfcben, juriftifeben aber eines wiffen wir: es wirb 6as 3abrbun6ert 6er Politit
unb ältlichen. IDie pb ilof opbif che nur vor«
Satttltat hatte fein. XVirb 6er Menfd? noch eine wif f enf cbaf t*
polittfehe
bereitenden Cbarafter. — Über bie Berufe hinweg bemächtigte liehe ^ochfchule höben tonnen? —
6as ift 6ie Srage.
fieb im Spätmittelalter ber £erritortalftaat 6er Univerfität; 5er Unter 6em Einfluß 6er Univerfität Berlin (gegrünöet ?$|0)
Lan6esfürft brannte Geologen, 3uriften un6 tt$tt. 3n3wifcben fin6 aus 6en 6eutfchen Hocbfcbulen im Laufe 6es !Cj.3abrbun6erts
war oer Humanismus gekommen, unb öte pbilofopbifcbe Jatultät, 6ie ftärtften Hochburgen 6es Liberalismus in €uropa geworben.
6ie Satultät öer Philologen unö betören, wuchs an Bedeutung. 3Dte auf 6ie 36ee 6es „abfoluten XViffens" gegrünbete Univerfität
3m abfohlten Staat 6er TlufHärung fommt 6er Lanbesfürft auf befinbet fich heute in ber Jtrife. Man barf nicht annehmen, baß
6ie Höbe feiner macht; 3ugletcb fämpft 6ie XViffenfcbaft in 6er 5iefe J&rife fchon befeitigt wäre, fobalb bie S<*berung erfüllt ift,
juriftifeben unb in 6er pbtlofopbtfcben $alu\tät 6en großen Be* bie heute (mit gutem Äecht) nachbrüetlich erhoben wirb: auch 5i<
fretungslampf. Schließlich tritt öte Pb ilofopbie in 6en ^ochfchule hat fich 5em Lcbcnspro3efj bes Voltes ein3uglte5ern.
Mittelpunkt 6es Kosmos 6er XVtffenfcbaften. Sie verbünbet fich IDaf eine von 6en Vorurteilen 6es Liberalismus befreite
mit 6er pbtlologifcb*biftorifcben tftetbobe, un6 heute gibt es, quer öeutfehe ^ochfchule 3- ^ «er 6eutfchen Vorgefchichte unö 6er
bureb 6ie alten Pier gafultäten bin5urcb, in XVirrlicbteit nur noch ^affenlehre einen an6ern pia$ einräumen wir6 als 6ie „buma*

3wei S^ultäten: 6ie gefebiebtss o6er geifteswiffenfcbaftltcbe un6 nifttfeh" begrünbete Univerfität, verfteht fteb t>on felbft. Kbtx
6ie naturwiffenfebaftUebe, 6enn auch für 6en Geologen un6 6en bas ©chictfal ber ^ochfchule hängt 6avon ab, welche Vorftellung
3urtften ift öie biftorifcb4rittfcbe fcltetbobe grun6legen6 gewor6en. von %tt XX>iff enf chaft ihr 3ugrun6e liegt. €ine falfche Vor*
Witt 6iefer mit öem Swwacbfen 5er
Vereinheitlichung, 6ie ftellung von 6er tPiffenfchaft wir6 ihr toblich. XX>enn aus be*
pbilofopbiftben Satultät 3ufammengebt, ift öie Verfelbftänbtgung rechtigter Abneigung gegen humaniftifche 3lltfk>mn nicht nur
6er XViffenfcbaft vertnüpft. JDic Stelle, 6ie früher 6ie JRircbe, bie liberale (öefamtauffaffung von ber XViffenfchaft verworfen
6ann 5er Lanbesfürft eingenommen hatte, nimmt im Zeitalter wirb, fonbern 6ie XPiff enf chaft felbft, bann ift bie Hoch*
6er fonftitutionellen Monarchie 6ie „autonome" XX>iffenf4>aft. fchule in Lebensgefahr.
felbft ein. £s wirö eine %tt (Sletcbgewicbtsverbältnis 3wifcben 3Die Prin3ipien ber Steiheit 6er XDiffenfchaft un6 6as befon*
XViffenfcbaft unb Staat, 3wifcben 6em Kollegium 6er Pro* bere beutfehe Prin3ip ber X)erbinbung von S<*fcbung unb Lehre
fefforen un5 6em tttirnftertum fonftituiert, bas feinen liwbtud im fin6 in ihrem tiefen un6 in ihrer Geltung nicht abhängig von
Berufungsverfabren ftnbet. ber XPeltanfchauung 6es Liberalismus. „Liberal" ift lebiglich 6ie

freute erleben wir 6en Übergang von 6er „autonomen" 36entifi3ierung von grei^eit un6 Ztoleran3* ((£>an3 beifeite bleibe
XViffenfcbaft un6 6er Btlbung jur Politik mit einer gans neuen hier bie Perfonenfrage. IDie Löfung biefer Srage hat bas Staats*
fcftäcbttgfett tritt 6er Staat, nun ni(bt mebr fonftitutionelle gtun6gefet$ vor3unehmen. 16s ift nicht 3U be3weifeln, 6a§ 6ie

Monarchie o6er „2fcpubli!", fon6ern wirtlicher Voltsftaat, vor beutfehe ^ochfchule als 3nftitution bes Staates allein fchon
uns bin« IDie Hocbfcbule fte^t vor 6em Problem, ob fie von wegen ber Be6eutung, 6ie ihr für 6en Lebenspro3e§ bes Volles
<8run6 auf poütifcb fein tann. £s ift ibre Lebensfrage, ein %u&* 3utommt, nur beutfehen Voltsbürgern bas #ecbt 3U lehren er*
weichen gibt es nicht s£s ift beffer, wenn man nichts anberes teilen fann.) IDie wiffenfehaftliche Sorfchung ift alles anbere,
tun fann, hier 3U v e r 3 w e i f e l n, als etwa von einer neuen als „tolerant". 3n allen wefentlichen gragen tft 6ie XViffenfchaft,
„Vertiefung" 3U re6en. tVtr wiffen von 6em 3ahrhun6ert, 6as ungeachtet ihres immanenten Prin3ips 6er Äritit, intolerant,
142 ^of^ebuüc tmb Staat 143

3. 23. allem priefterlicben IDogmatismus gegenüber. 3bren Cb<** Schöpfung


leiftung öes oberflächlichen 3ntelle!ts, fonöern eine
rafter erhalt öte XXHffenfcbaft burcb tyvtn (Seift, öer ein gegrünbeten Natio.
(Seif* öer in öer «liefe beroifcber 23egeifterung
öer Unabhängigkeit unö öes männlichen tftutes, öas beißt ein Unter öer „ttücbternbeit" öer XXHffenfcbaft ift nicbt öie fcbwung*
beroifcber (Seift ift. Älemlrämer $u serftcben, fonöern
lofe S«gb«t pofitwiftifcber
XXHe vertragt ficb nun aber öiefc 3ntoleran3, öiefer Unab* Segeifterung für öie XX>abrbeit
öie ftrenge Bucht, öie ficb öie
bängigftits* unö XX>abrbeitsanfprucb öer XX>tffcjif<^aft mit öem auferlegt.
felbft
flbfolutbeitsanfprucb öes Staates?
j&ne X>erftaatlicbung öer €ine Generation, öie öas betoifcbe 33ilö öes Btaates in öer
XXHffenfcbaft, öas beißt eine t?erwanölung öer Profefforen unö
Beele trägt, wirö öen aus öer Xtosweiflung geborenen £)oh
Stuöenten in Sunttionäre unö Sttpenöiaten jerftört öas £eben in a abfagen unö
trinen eines „3rrationalismus ficb ben b c r 0 i *
öer XXHffenfcbaft, gan$ gleich unter welchem Eitel
f eben Nationalismus
fie erfolgt. öer XPiffenfcbaf ten 3um 25un*
XX>er aber lebiglicb in btv Sorm öer Wternatipe öenft: „Sreibeit" öesgenoffen wäblen. 3ft öiefer ^unö in öen Beelen x>oll$ogen,
(im liberalen Sinne) ober
„X>erftaatUcbung" öer XXHffenfcbaft, öann ift öie wirllicbe X)erbinöung t>on Staat unö XDtffenfebaft
ift noch vom liberaltftifcben IDenfen abhängig, felbft bann, 06er
in öem gleicben beroifcben Reifte ein lösbares Problem geworben.
geraöe öann, wenn einem antiliberalen Binne antwortet
er in
SDer Geift öer eebten tDtf f enf cbaf t ift ftaatsver*
Obwohl XXHffenfcbaft unö &aat
btibt öen tfnfprucb auf Unbe* w a n ö t. IDie junge Generation wirö öas Bebwert öief es (Seiftes
öingtbeit erbeben, fönnen fie „in 6er £at" jufammen befteben, sor*
nicbt noeb einmal 3« einem Spiel3euge bumaniftifeber „^ilöung"
ausgefegt, baß öer (Seift öer XXHffenfcbaft öem öes Staates per*
macben wollen — fie öarf es aber aueb nicbt 3« bloßen
wanöt ift. IDer Liberalismus bat öte XXHffenfcbaft e n t m a n n t; er Jammer ober 3U einer Siebet macben.
bat aus Sorföung unö Lehre eine barmlofe, neutrale „33efcbäfti*
^ebauptung, baß öie XXHffenfcbaft unatyanQXQ fei, ift nicbt
3Die
gung" gemacht. Zusbxud biefer XPenöung ins Unfcbäölicbe ift öer 3U »erwecbfeln mit öer liberalen Vot\t von öer „Autonomie" öer
wiffenfcbaftlicbe Po f itix> tsmus, an öem öie ^ocbfcbulen XXHffenfcbaft. 3Dte liberale XDiffenfcbaftsauffaffung bilöet einen
beute $u erftiden broben, unö öer bit männliche 3ugenö *>on €eil öer liberalen Äulturpbilofopbie. JDanacb gren3t ficb öas Neicb
ibnen faft fcbon »ertrieben bat. IDie pofititnftifcbe X>erflacbung autonome
öer Äultur als ein autonomes Neicb, geglieöert in
»ertragt ficb »ortrefflicb mit öer Praxis öes politifeben Ctuietis?
Sacbgebiete wie XXHrtfcbaft, Necbt, Jlunft, Xt>iffenfcbaft ufw.
mus. mit ibr ftimmt eine lgrfenntnistbeorie uberein, öie öie gegen öas irgenöwie „öarunter" liegenöe Neieb öer Hatur ab.
XXHffenfcbaft lebiglicb auf öie Eätigfeit öes X)erftanöes 3urücf*
Kultur unö (Seift finö bier frei febwebenö geöaebt, ftanöortlos.
führt. £s ift fo weit gekommen, öaß man meint, 3ntelleBt unö
Sur öie ^ebauptung, ba% alle Äultur an ^lut unö 23oöen, an
wiff enfcbaftlicber (Seift feien öasfelbe. 3 n t e U e Et u a U s m u Naffe unö X>ollstum gebunöen fei, b^tte öie Pbilofopbie öer
tritt aber nur öa ein, wo öer (Seift öer XXHffenfcbaft erftorben autonomen Hulturgebiete immer nur ein mitteiöiges Läcbeln; es
ift. £>er 3ntelle!t ift eine conditio sine qua non, nicht öie
fübrt 3U feltfamen G eficbtst)er3errungen,
t
wenn aueb öiefes
conditio per quam öer XXHffenfcbaft.
Läcbeln beute „gleicbgefcbaltet" wirö.
Uifyt bit Perwiffenfcbaftlicbung öes fonöern öie £nU
(Seiftes, IDie 5ebre x>on öer Autonomie öer XDiffenfcbaften b«t einen
geiftung öer XXHffenfcbaft ift öie Urfacbe öer
&rife. XX>er es Sinn nur innerbalb einer Lebre x?on öer Autonomie öes ttlen*
beute nietjfcbe nacbtun möd)tt in öer J&ritü „öer"
XXHffenfcbaft, feben unö öer Hultur. XX)enn wir öagegen x>on öer Unab*
öer »ergißt öas Xtfort Hie^fcbes: „3cb will es
öabin bringen, bängigteit öer XPiffenfcbaft reöen, fo bßben wir nicbt öas
öaß esberoif eben Stimmung beöarf, um ficb
öer
öer Proöutt eines frei febwebenöen 3ntelleEts ober eines fcttenfcben
XXHffenfcbaft 311 ergeben." IDie XXHffenfcbaft ift nicbt eine an ficb im 2luge, fonöern öie unabhängige XX>iffenfcbaft inner*
144 <5>o4tf4>uIc unö Start 145

halb des ©fftems der nationalen Itultur. «tan begebt einen nationales £r$ie*
3n dem ttugenblicB, in dem wir ein
fcrugfchluß, xx>enn man
meint: die Liquidierung des Begriffs
hungsfyftem aufrichten, muß au# 3dee der XXHffenfchaft in
die
einer „autonomen" Kultur btbmttt die Aufhebung 6er
Unab* neuem (8lan3e vor uns aufleuchten. £>iefe 3dee gehört $u uns,
hängigBeit der XPiffenfchaft. ©ie bebeutet nur oie Aufhebung des
fie geboren aus der mnerften ©ubftan3 unferer Raffe. £>ie
ift
Begriffs der angeblich autonomen
ICDiffenfchaft. IDas elftem ^ochfchule der SuBunft wird politifch fein, weil fie
gegründet
unferer nationalen Kultur »erlangt oie unabhängige XPiffen* tftauf den politifchen CharaBter der XPiffenfchaft, der XXHffen*
fchaft als einen integrierenden Beftandteil. €ine fogenannte anderen
föaft, die durch fich felber politifch ift, infofern fie fich
autonome XX>iffenf4>aft hat in diefem ©vftem Beine ©teile; eben* entgegenftellen wird, und infofern
geiftigen mächten immer fie
fowemg jedoch oie X>erftaatlichung des <8ttfm.
ihres XX>efens 3um unabhängigen
durch diefes (£>efe$
3Die XX>if f enf chaft, wie wir fie Bennert, ift eine ©chöpfung ©taa t e in eine notwendige Beziehung tritt.
germanifchen ttnabhängigBeitsfumes. mit fixerem 3nftmBt Tille echte XXHffenfchaft gründet im XXHffen, und diefes XXHffen
hat Hiefcfche den Bühnen nordifchen ihren ©inn
der fich fetbft. £>ie XXHffenfchaft empfängt
(Seift vorfoBrati* rechtfertigt
fchen Philofopbie wieder entdecBt —
eine £at, die ebenfo
und ihre Rechtfertigung alfo nid?t durch etwas, was nicht
bedeutungsvoll ift wie die £rfchließung der grtechifchen mar* Wies XXHffen
XXHffenfchaft ift, durch einen „(Ölauben" außer ihr.
morBunft durch tDincBelmann, €ine andere i£ntdecButtg um in der XPelt.
ftebt ift 3ule$t ein tDiffen des menfehen fich felbft
uns noch bevor: die mediterranifierte XXHffenfchaft der kriechen
£s ift dies das XXHffen um die gefährlichfte Pofition, die es
wurde im 37. 3abrbundert durch einen neuen i£infa$ nordifchen XXHffen, das nur der
im Sufammenhang der IDinge gibt, ein
überwunden durch
(Öeiftes die moderne XXHffenfchaft. nicht mutige erträgt. IDenn was ift XXHffenfchaft im legten Grunde
Epigonen und Berftörer find
anderes als eine hohe 3rt, die Ungewißheit der menfehüchen
die IDescartes, (Salilei und Heppler,
fondern tfeufcböpfer der XXHffenfchaft aus dem Buhnen, unter*
€riftenj 3U ertragen 5
nehmenden (Öeifte der PölBer des Hördens.
t£s Bommt darauf an, den £rnft der XXHffenfchaft wieder $u
Sie moderne XXHffenfchaft geriet fogleich bei ihrer Geburt in ©timmung von uns abjutun,
gewinnen, die alerandrintfche
einen ©treit mit der geiftigen iltacht, die bis Über*
dahin das 2lbend* in der man die XXHffenfchaft nur als ttxxxts X)orhan,denes,
land beherrfcht hatte, mit der totalen Äulturmacht der dann
Priefter* lief ertes auffaßt, XX>enn die XXHffenfchaft einmal da ift.
Birche. IDiefer ©treit ift bis heute noch nicht
ausgetragen, er muß Bann jeder fie mit dem bloßen t>erftande nachdenBen. €s ent*
in dem TlugenblicB wieder auflodern, wo die einem mit hohen
XXHffenfchaft fich auf fteht die Gefahr des frivolen t>erhältniffes 3U
ihren Urfprung befinnt. IDie angeblich autonome XXHffenfchaft
(Opfern erBauften (£ut. XXHr werden aus diefem Tllerandrinismus
im ©yftem der angeblich autonomen JRultur hat fich 3ule$t mit Aufgabe der
nur herausBommen, wenn wir die gewaltige
diefer geiftigen macht alljugut »ertragen. IDie X)erBümmerung unabhängigen XXHffenfchaft in diefem 3a^rhundert erBennen.
diefer tDiffenfchaft ju einem geiftlofen Betrieb beruht $ule$t
3Der TIBademiBer ift nicht ein Priefter der Wahrheit, der im
mit darauf, dag die großen und gefährlichen Srageftellungen Tempel der Bildung dem „(öeifte an fich" Stent; die Unwerfität
mit dem Bann belegt wurden, weil wiffenfehaftsfremde
getftige ift aber auch nicht ein Büro, das eine
nur fachliche ©chulung für
mächte nur «och harmlofe ^inselunterfuchungen erlaubten. £>ie das £ager der XXHffenfchaft,
gewiffe Berufe vermittelt; fie ift
UnabhängtgBeit der wfffenf4>aftlichen Sorfchung entfchlummerte und 3ugleich heiteren
eine pfian3ftätte fenes männlich*ernften
in der securitas des Pofttivtsmus; wo die heroifche certitudo ^eiftes, wie er den riordvölBern eigen ift. XVo immer männer
fich regte, wurde
verfemt oder feBretiert
fie IDas ift der ©inn im lager 3ufammenBommen, da ift dachen und Übermut, da
des ©chicBfals Hie§f ches.
findet fich ©pottrede und ©cher3 auf dem (Srunde
Bameradfchaft*
146 $c4>f4>uk tmb Staat $ochf<hufe unb Staat 147

licher fcreue. Sog 6ie Statte 6er Wiffenfchaft noch etwas an. 6eutfche 3ungmannfchaft, 6ie fich berufen fühlt, 6ie erfte ju fein,
6eres ift als ein Laboratorium un6 ©eminar, 6aß fie ein
ein wenn es auch traft 6es heiligen Rechts 6er
gilt, fühlt fich
(Drt ift, an 6em 3ugen6 unferes Golfes 3U gemeinfamer reiner
6ie 3ugen*> berufen, über 6er inneren (Sröße 6es Staate $u wachen.
EätigEeit 3ufammenftromt, ein (Drt 6es Lebens un6 6es (Öeijtes Hicht bei allen VölEern hat 6er 3üngling 6ie ©tellung wie bei
— das ift 6ie j£mficht, auf 6te die *?>ochfchule 6er SuEunft ge* uns. befleht eine feltfame Übereinftimmung 3wifchen 6em
£s
gründet fein muß. Mythus von ©iegfrie6 un6 6em *%thus von Schill. Btvifchen
X>teUei4)t war es 6er Ö>run6irrium 6er uns un6 6en (kriechen, von 6enen 6ie %?pter, 6as alte Priefter*
Vergangenheit, 3U
meinen, 6aß XViffenfchaft eine Sache 6es Alters ^aQtm f 6aß ewig Kin6er blubt^ gibt noch
fei, un6 6aß auch volE, fie es ein
6er ©taat nur ©ache 6es Liters fei. i£s gehörte 6iefe
eine innigeres Ban6 als 6as, 6as 6urch 6as ©tu6ium 6er ©prache
Meinung 3U 6em 2tteran6rmismus 6er vergangenen Epoche. 2(ls geEnüpft wir6: wir verftehen uns im 3üngling. 3a, ich wage
ob 6ie XViffenfchaft nicht auch von jugen61ichen 6ie Vermutung, 6 aß gemeinfame Verehrung
es nicht sulc^t 6ie
<5üfttm in ihrer
ganäcn £iefe erfaßt wer6en tonnte! €s gibt eine 6es männlich^'ugenölichen ^nthufiasmus gewefen ift, 6ie uns
Weisheit 6es
Liters beim XViffenfcbaftler wie beim Staatsmann.
Wtv gera6e 6urch XVincEelmann un6 Hier^fche 3« oen kriechen 3urücE*
„XVeifen" fin6 bis ins Wter jung, revolutionär, ©ie
6iefe
geführt hat.
haben j

nichts gemein mit jenem „Wter", 6as 6er 3ugen6 gewobnheits* IDie Literatur Eeines an6eren VolEes Eennt eine folche 2*eihe
mäßig auf 6ie ©chulter Elopft: Laffen ©ie 6as, junger reiner 3ünglingsgeftalten wie 6ie unfere. ©iegfrie6 lebt wie6er
tftann, 6as
verftehen ©ie noch nicht. <Dt> 6iefes „noch nicht" als ob 6as — auf im tumben £oren Par3ival XVolframs von Achenbach.
tiefere Vergehen 6ann immer wirElich
nachEäme! £>er! €nthufias* €t erfcheint wie6er in 6en herrlichen 3ünglingsgeftalten <?>öl6er*;
mus, mit 6em 6ie junge ©eele ein Problem anpacEt, Uns un6 3ean pauls, in 6en tln3eitgemäßen Betrachtungen
ift etwas
gan3 an6eres als ein bißchen ,,©timmung u . £r 3üngling, von 6em an6eren VöIEer
ift 6k (Duelle, Hietjfches. IDiefer 6eutfche 6ie
aus 6er 6ie XViffenfchaft felber flammt. Wie Achtung Eaum etwas wiffen, 3üngling von LangemarcE, 6er eben
vor 6em, 6iefer
6er 6te wiffenfehaftliche fcectmiE
beherrfcht, alle Achtung vor vor 6em Kriege — tieffinniger Zufall! o6er vielmehr Eein %vp
mühe un6 Arbeit —
fie follen3bnen, meine jungen §reun6e,
nicht fall! — 6ie fpäten %ymntn *5öl6erlins wie6er ent6ecEt hatte,
erfpart bleiben —
aber ein wenig ^efignation, ein wenig *Uü6tg* ihn hat 6ie 6eutfche Unwerfität 6er nachEriegs3cit wie6er ju
Eeit un6 Kleinmut in Verbin6ung u
miit technifcher Virtuofität, einem ,,©tu6ieren6en machen wollen, 6er tvft einmal 3U lernen
6as ift nicht XVeisheit 6es Alters! XVe6er im SejirE habe. 3a, 6iefer 3üngling will lernen, aber lernen, was
6er XViffen*
fchaft, noch im ^ejirE 6es Staates. IDer
3üngling, 6er in XXHffenfchaft für piaton un6 Hie^fche war, nicht aber will er
feiner Begeiferung „reif" genug ift, für 6as Vaterlan6 als erfter pofitwiflifche Ergebung in 6en „Lauf 6er Welt" lernen.
3U fterben, 6arf 3U Eeiner Seit aus 6em leben6igen Staatt aus* £)er wiffenfehaftliche ^eift 6rängt, gans an6ers als 6er Eünft*
gehaltet iltan Eann 6tefen „jugen6lichen ^eift" nicht
fein,
lerifche, 3ur Vereinigung, 3ur männlichen Korporation. Bit
nur
6ann rufen, wenn man ihn gera6e braucht, un6
ihn 6ann wie6er wiffenfehaftliche „2(Ba6emie" ift faft fo alt wie 6ie aben6län6ifche
„nach ^aufe" fehlen. IDiefer (Seift vom Großen ©ie be6eutet mehr als eine bloße XVertftatt*
ift Kriege XViffenfchaft felbft.
gerufen wor6en, er hat fich gefteilt, un6 echte (Semeinfchaft,
er ift nicht wie6er nach gemeinfehaft o6er einen 3u>ectx>erban6, fiei ift

^aufe gegangen. €v hat begriffen, 6aß 6er Staat Vereinigung <öleichftreben6er. innerhalb einer ZCra6ition, ein
mehr ift als eine
ein technifcher Tlppatat 3ur
Verforgung einer BevölEerung, er 35un6 von Männern, vereinigt 6ur4) einen gemeinfamen IDienft,
hat begriffen, 6aß „Staat" 6as höchfte Wort
ift für 6ie 3lus* vereinigt 6urch gemeinfame *1tetho6e. 3m Bereich 6er
eine
k$un& 6ie ein VolE feiner gefchichtlichen Lage jeweils gibt. —
XViffenfchaften hat 6as tltcificr ©chüler^Verhältnis einen an?
2Die
148
149
6eren Sinn als im Bereif 6er Zunft. Jtünftlertum faßt niebt ju*
fammen, es tfoliert IDer EDert öer Eünftlerifefcen Scbülerleifhmg
liegt 3ule§t, tro$ aller 23e6eutung 6er Scbülerfebaft,
6ocb in 6er
Originalität. i£s gibt innerhalb 6er mobernen Äultur Baum noeb:
Eünftlerifebe 2lufgaben, bie bureb Sufammenfebluß gelöfi: werben
2>t politifebe @tut>ent
tonnen. 3m wiffen.febaftlicb.en 35ereicb bagegen, wo bie tflefyobt VovttcsQ, gehalten vov 6er Stittetttenft&aft

berrfebt, gibt es bie tftögiiebBeit, 3ur £öfung gemeinfamer


Gfcarlottenburg, z(>. 3um 1933

Aufgaben ft4> 3u »erbinben. 3n einer wiffenf4>aftUc^cn Scbule 2Den politifeben Stubenten Bann nur 6crjenige yerfteben, 6er
lebt 6er (Öeift 6er Äamera6f4>aft. £s ijt tief ftmbolifcb, 6af 6ie gefcbicbtlicbe £age »erftc^t Hur wer eine Xtorftellung 6a*
Piatons pbilofopbifeb*pabagogtfebes ^auptwerB 3ugletcb vom
von bat, 6aß es fieb beute niebt um et^elne $n6erungen un6
XX>efen 6er XXHffenfcbaft unb vom XT>efen bes Briegerifeben
Reformen 6rebt, fonbern baß eine neue €poebe angebroeben ijt,
Staates l?an6elt
»erjtebt ben 2(nfprueb, ber in bem XX>ort poiitifeber &tubmt
2lus bem (fceijte 6er J&amerabfcbaft muß 6ie
f>od)föuU als ftecJt. IDenn ber politifebe ©tubent ift 6er politifebeiltenfeb
lebensgemeinfebaft erneuert werben. ?lls beutfebe <s>ocbfcbullebrer
auf ber ^ocbfebule bes zo. 3abtb«nberts. £>as j$. 3abrbunbert
werben wir uns täglich 6ie §rage 3u gellen baben: was wirb tannte ben Untertan; bas 19. 3abrbunbert ben Staatsbürger;
aus 6en jungen tftan,nern in 3*>an3tg 3abrcn gewor6en
fein 5 bas zo. 3abrbunbert fennt ben politifeben fcftenfeben* So wie
Stnb fie Zentner geworben, „23efi$er" 6er materte ober
bes man im 3abrbunbert ben begriff bes Untertans befampft
19.
(Öeiftes, Verbitterte,
3wecflos Umberjtebenbe, »etnebfame, §unB*
bat, fo bie 3ungen beute ben begriff bes &taate*
befampfen
tionäre irgen6einer fcltaebt —
o6er fin6 fie lebenbtg geblieben, bürgers. IDer politifebe Stubtnt unferer ZCage ift ba völlig un*
finb fie Scanner geworben, 6ie 6en Cntbuftasmus ibrer 3ugen6
beEannt, wo man Um für einen Keinen aufgeregten Patrioten
fieb btwa^tt baben 5 Wiv werben unfere 2lufmerBfamBeit triebt nimmt, unb erwartet, bas politifebe Sieber in tbm werbe fieb
auf 6ie mannigfaltigBeit 6er 3ttbimbualttäten; fon6ern auf bie
febon wieber einmal legen, tftanebe glauben im £rnjt, bie
^etnbeit 6es E?pus ju riebten baben. £>ie j£mfceit 6es X)olEes
Stubenten »erftünben unter ber Politifierung ber ^oebfebuie fo
erfebeint in 6er £inbeit ber Sübrung un6 6er ^errfäwft, bie £in* etwas wie jtaatsbürgerlieben Unterricbt an ber <?>oebfebule. 3a,
beit 6er <berrfebaft erfebeint pfycbologifcb in 6er £inbeit bes* es gibt fogar folebe, 6ie 6iefen (£>e6anten beBampfen mit 6em
£?pus. Tille großen Seiten Hbtn Eypen erlogen. XOit bvaud)tn Hinweis, 6aß foleber Unterriebt 6oeb nur auf ber boberen Scbule
uns um 6ie 3n6ipi6ualität niebt 3u forgen; fie wirb fieb bureb* einen pia§ b<tbe! <0an3 3U febweigen t>on benen, bie in ibrer
fe$en, um fo fieberer, je weniger fie abficbtlteb gepflegt wirb. »..
(Öreuelpropaganba
tX>eife treiben, inbem fie ben politifeben
„XX>iffenfcbaft un6 ^rjiebung" jtebt über 6em Eor 6er neuen Stubenten als Wann ber (Gewalt unb ber <&tun.
6eutfcben ^oebfebule, un6 niebt mebr: „IDem gebübeten Staats*
Poiitifeber tltenfeb ijt man 6ureb (Seburt un6 6urcb £r3iebung.
bürger". mit 6em fol6atifcben un6 teialijtifcben (Öeijte t>on tltan ijl es als <8lkb 6er 6eutfeben Scbietfalsgemeinfcbaft, als
Potsbam t>erbinbet fieb 6er mannlicbe (Seift 6er XPiffenfebaft.
Dolfsgenoffe, unb man ijt es als Rubrer ober (Sefolgsmann
Un6 6as IDatum 6es Mäv$ btbmtet bier, in 6er Unwerfität: innerbalb bes jtaatlieben 2lttions3ufammenbanges. IDer »ölfifcbt
wir fublen uns auef> bier 6em beroifeben (Seifte Sriebricbs 6es Staate ber naeb bem §übrerprin3ip ausbaut ijt, bejtebt niebt
(Sroßen naber als 6em genießenben (Seifte X*>ilbelm x?on aus ein3elnen Staatsbürgern, bie irgenbwie 3ufammenwirBen,
<bumbolbts.
fonbern aus VoiBsgenoffen, bie fieb um ben Sübrer gruppieren,
tiefer Staat wir6 niebt x?on beute auf morgen 6ureb ^n6erung
£xr politifche Btuocnt 151
150 IDer politifc&e Stimmt

Bau bie Auf* nicht,baß ber junge politifche tftenfcb gar nicht Staatsbürger
ber getriebenen Verfaffung eingeführt; fein tft
werben will. i£r hat ein urfprüngliches Verhältnis 3U feinem
gäbe einer ober mehrerer (Generationen, IDenn er ift erft bann
Volt unb 3um Staat, nicht nur ein Verhältnis, bas burch bie
»orhanben, wenn auf allen (Gebieten Sübter «n6 (Gefolgfchaft in
Samilie unb ben Beruf »ermittelt ift. Hoch mehr: er weiß, baß
bas Verhältnis sueinan&er gekommen finb. £r ift teines*
richtige
nur berjenige, ber fich unmittelbar unb unvermittelt 3um (Gan3en
wegs fchon bann »orhanben, wenn ber Staatsbürger ben ^errn
»erhält, allein im richtigen Verhältnis 3um Staate fteht. XVie
2Uichstan3ler plötzlich gührer nennt unb ihm fein unbefchränttes
leicht läßt fich oer ein3elne burch allsu große Sorge in Samilie
Vertrauen ausfpricht mit ben XVorten: Hilter wirb es fchon
ma^en — unb Hoffnung hegt: auf biefe XVeife
oabei bte ftille
unb Beruf erbrücten unb untauglich machen für ben Blict auf
bas (0an3e. iDer politifche ittenfeh tritt mit bem BUct auf bas
geht alles unb wirb vielleicht einmal noch
weiter wie bisher
bem war. Aber ber national* <Gan3e ber ew3emctt Aufgabe gegenüber. Wer heute mit jungen
fo, wie es »or .Kriege
fcftenfchen 3u tun hat, bem fällt wohl manchmal bie Sou»e*
io3ialismus btbtuttt nicht bie Keftaur ation! 3Dic
geboren aus ber Äon3eption
ränität auf, mit ber fie ihre Aufgaben löfen. IDarin äußert fich
nationalfo$ialijtifche Bewegung ift
nicht bie Überheblichteit ber „jungen (Generation", fonbern bas
eines neuen beutfchen Staates, aus bem Bilbe einer neuen (Drb*
ift eine §olge ihrer politifchen Ausrichtung. Sür ben politifchen
nung, bas in ber Seele eines einzelnen im Augenblict ber tiefften
ber jettige, ber bas Btlb
ittenfehen werben alle Aufgaben einfach, womit nicht gefagt ift,
Schmach fich formte. Hationalfosialift ift
baß fie „leicht" werben. 3Dic 3tompli3iertheit bes mobernen
biefer neuen (Drbnung in fich trägt unb alles, was er tut, nach
Staat wirb Gebens beruhte auf feiner tttaßftablofigteit. JDer politifche fcttenfch
biefem Bilbe ausrichtet. JDer nationalfo3ialiftifche
bringt in bie »erwirrte bürgerliche XVelt ben fcftaßftab feiner
nichtvon oben gemacht, fonbern von unten her aufgebaut. €r
Sielfetjung. JDiefe Bielfetjung tann fchon »om jungen fcftenfchen
Bann nur aufgebaut werben burch politifche tftertfchen,
aus eigener in ihrer gan3en (Größe unb Feinheit erfaßt werben. Auch oas
b. h* folche, bie an ihrer Stelle unb auf ihre XVeife

Deutung unb Verantwortung heraus ben Auftrag erfüllen, ben


B i l b bes neuen Staates, bas »or ber jungen Seele fchwebt,

ift tauglich, Wiafätab 3U fein, ja, es ift in her»orragenbem tftaße


ber Sührer vom Schictfal erhalten hat unb ben er an fie
tauglich.
Weitergibt.
bem Schiet* IDer Staatsbürger »erftebt ben uni»erfalen Sinn nicht,
Der politifche fcttenfch, ber beutfche Sttettfch unter
ben bas XVort politifch für bie junge (Generation hat. §ür ihn
fal, ift ein b?namifcher begriff, »ollig unterfchieben »on bem
ift Politit bas XVort für einen engen Be3irf »on ^anblungeni,
ftatifchen begriff Staatsbürger. Politifcher menfeh fatm fchon
mit bem er nichts 3U tun hat unb nichts 3U tun haben will.
ber junge tftenfeh fein, ber ergriffen ift von ber (Größe unb
„Politit" Sache ber Polititer, Sache eines beftimmten Berufs.
ift
(Gewalt bes beutfchen Schictfals; Staatsbürger bagegen tonnte
XVer nicht 3u biefem Berufe gehört, fo meint er, ber politifierti.
ber junge tftenfeh nicht fein. Staatsbürger würbe man in bem
IDer Staatsbürger wagt fich nicht ein3ugeftehen, baß ber £Henfch
fcftaße, als man hineinwuchs in jenes ftetifche Syftem, bas
»on (Grunb auf ein politifches tiefen ift, baß auch feine eigene
man bürgerliche (Gefellfchaft nannte, inbem man Berufspflichten
€rtften3 burch unb burch politifch ift. IDas politifche Verhalten
erfüllte unb eine Samilie grünbete unb, was bie ^auptfache war,
tritt nicht 3U anbern Verhaltungsweifen bes tftettfeben bm3u,
bamit fich einfügte in bas Syftem ber Befit3»erhältmffe. Von
es ift nicht ein Verhalten, bas er haben fann ober nicht, fonbern
ber Sozietät ber Staatsbürger aus gefehen, gehört ber Stubent
es ift bas (Grunb»erbalten. IDer Staatsbürger insbefonbere
einfach $u bem noch eintommenslofen Ztil bes Voltes, unb fein
ertennt nicht, baß feine Teilnahme am Vermögen bes (Gefamt*
Aufprud? politifcher tfteitfch 3« fein, ift lächerlich, ba er es ja
»oltes, bie ihm burch Befitj ober €inf ommen gewährleiftet ift,
noch nicht einmal 3um Staatsbürger gebracht hat. man »erfleht
n
152 ©er politiföe 6tu6mt 2xr politiftbc Stiröcnt 153

febon ein PolitiBum barfhllt i£r verehrt bas „autonome" Sacb* geachtet worben fein, ^eute wiffen junge fcttenfcben febon bie
gebiet „XPirtfebaft" wie einen Göthen. €s gibt noch anbere folebe £rBenntnis $u entwicBeln, baß feböpferifebe Arbeit auch inner?
Görjen: ben Beruf, bie XPirtfebaft, bas #ecbt, bie „Kultur". §ür halb ber autonomen Sachgebiete nur pon benjenigen geleiftet
bie liberale JRulturpbüofopbie bejfcbt bie ganje J&ultur aus auto* werben Bann, bie eine ^ntfeheibung, einen fcHaßftab mitbringen.
nomen Sachgebieten. XPenn feilte gegen ben poUtif4>en tftenfeben 2Die „autonomen Sachgebieten"
s£ntgegenferjung 3wifcben ben
argumentiert wirb, bann gefebiebt es mit ben Gegriffen ber unb wirb aus ber 3ugenb felber heraus febon
ber „PolitiB"
liberalen Äulturpbüofopbie, öie fic^> alle nicht auf ben wirBlicben überwunben. WXan begreift bie politifebe Haltung als ben Ur*
BonBreten, b. b- ben politifeben tftenfeben besiegen, fonbern auf fprungsort ber Pr obuBtipität
auf ben ein3elnen Sacb*
einen fiBtipen, „tbeoretifeben" tftenfeben. IDief er tbeoretifebe fcttenfcb gebieten, infofern por ber boffnungslofen Ausbreitung
fie allein

ijt babmö) geBennseicbnet, baß er in feinem Eun fieb nach ben in £in3elbeiten, por ber Spe3talifierung 3U bewahren permag
formen autonomen Sachgebiete rietet €t fennt Beine
ber unb eine Horm über allen normen aufrichtet.
anbere 3nftart5 als biefe normen, er perbält ftcb ftets „fachlich" XPenn ein Stubent heute es ablehnt, fieb ber politifeben Horm
Polittfcbes Perbalten liegt außerhalb biefer SacblicbBeit unb er* 3U unterjtellen, es 3. 25. ablehnt, an einem Arbeits* ober XPebr*
febeint als „unfaeblicb". €s berrfcht b«r eine pon 6er Politik fportlager teilnehmen, weil er bamit Bett für fein Stubium
gan$licb losgelöfte Perebrung bes abjlraBten Berufs: erfülle bie perfäume, bann 3etgt er bamit, baß er nichts pon bem begriffen
Pflicbten beines Berufs fo gut bu Bannjt, forge für bieb unb hat, was um ihn gefchicht. Seine Bett Bann er nur bei einem
beine Samilie, unb bu btenjt bem Gan3en. „XPenn bie #ofe abftraBten, ricbtungslofen Stubium perfäumen. XPenn er polt*

felbft fieb fcbmücBt, fcbtnücBt fie aueb ben harten." %\tt liegt tifcher Stubent geworben ift, wenn er gelernt bat, feinem
ber (glaube an bie Harmonie 3ugrunbe, bie fieb von felber Stubium unter einer BonBreten Bieif erjung gegenüber3Utreten,
junge Generation, bie ben garten bes £tacbBriegs*
berftellt. JDie bann wirb er für biefes Stubium unenblich Ptel Bett g e s

lebens ungefebürjt gegenüberjtebt, Bann biefen .Hinberglauben niebt Winnen, benn bann weiß er, was er bvaud)t — unb was er
mehr teilen. 6ie perjtebt bie liberale SorglofigEeit gegenüber bem n i ch t braucht. IDas 25efteben eines i£ramcns ijt nur bann eine
(San^tn niebt mehr. Sie nimmt wahr, baß bie fo$iale (Drbnung BonBrete Bielf erjung, wenn es mehr bebeutet als ben Erwerb
fieb niebt „von felber" berjtellt, fie bat ben Primat ber PolitiB eines 23erecbtigungsfcbemes — unb bas ift nur bann ber Sali,
erEannt, ben untperfalen Sinn bes PoUtifcben, fie bat erBannt, wenn febon bas Stubium Bonfret ausgerichtet war.
fraß jebe ^ntfebeibung auf poutifebe i£ntfcbeibungen 3urücEfübri, 3n feiner fchärfjten Bufptrjung tritt uns bas Problem: PolitiB
unb baß nur berj'enige an allen wichtigen Stellen bes Staates — autonomes Sachgebiet ba entgegen, wo es fieb um bie
unferem PolEe 3U bienen permag, ber aus bem Bilbe bes Bünf* XPif f enf cbaft banbelt. £>ie Unterorbnung ber anbntn Sacb*
tigen Staates beraus politifebe i£ntfcbeibungen fällen Bann. Sie gebiete unter bie PolitiB mag perjtänbUcb werben, wo es um
bat fieb getrennt pon bem £raumbilb, baß man eine politifebe praBtifche Sragen gebt 3Die XPiffenfchaft aber läßt fieb nicht
Haltung aus ben Sachgebieten ber Bultur beraus „langfam" ge* einfach unterorbnen, fie bat ihr eigenes (Seferj, ihre eigene Sr^ s
Winnen müffe, benn fie bat beobachtet, baß man auf biefem 3bre i^ntwicBlung Poll3iebt
heit. fieb fcheinbar PÖllig unabhängig
XPege in SacblicbBeit untergebt unb für ben Äampf bes eigenen pon ben Bewegungen ber Bett. 2llfo, fchließt man, ift bie Beit
Pottes unbrauchbar wirb. pon ber XPiffenfchaft fern3ubalten, unb h«t bie ^cbfcbule lebig*
£>icfe junge politifebe Generationim begriffe, n o eh m e h r
tffc. lieh bie Stätte „ftiller S^rfchung" 3U fein. IDie XPiffenfchaft,
$u erBcnnen. 3m erjten Anjturm ber Bewegung mag bas rela* fäbtt man fort, Bommt aus alten Beiten unb gebt bureb bie
tix>e Kecht ber „autonomen Sachgebiete" manchmal $u gering Gegenwart hinbureh in bie 'Butunit weiter. IDief e €ntwicBlung
11*
154 3Der potftifche etubent 155

x>oll3teht fich gleichfam x>on felbfr, unb wir fabelt genug $u tun, unb ber ^ochfchule 3U »erteibigen, unb »ertetbigt boch nur bie
wenn wir mit biefem Gange ber XXHffenfchaft mttfommen XXHffenfchaft einer abfuvbtnbtn Bett. IDenn es ift nicht
wollen. Probleme haben ihre eigene £ogtt, unb wenn 6ic
£>ie wahr, baß bie XPiffenfchaft „autonom" über ben
Probleme nicht reif geworben finb, bann nütjt alle Tlnftren* B e i t e n f ch w e b t. IDer etanb ber XXHffenfchaft ift unabhängig
gung unb Bewegung nichts. r»on ber (Gegenwart, ein Ergebnis ber Vergangenheit; aber bie
IDaß hier etwas XX>icbtiges ausgebrochen wirb, fann fein XXHffenfchaft felbft, bie lebenbige XXHffenfchaft, wenn fie mehr
£inf ichtiger bejweifeln. IDer 6 1 a n b einer XXHffenfchaft ift etwas fein foll als ein Betrieb, ift Don ber Gegenwart nicht unab*
objettw Gegebenes. XX>iffctifc^aftIt^ arbeiten heißt nicht 3«l^t, hängig. X>on ber Gegenwart, r>on unferen 3ntereffen hängt es
ben etanb ber XXHffenfchaft nicht ignorieren. XXHffenfchaft ift ab, waswir wiffen wollen, unb ohne biefen lebenbigen
nicht möglich ohne Erabition, ohne Schule, ohne 3Dif3iplin. £rieb nach XXHffen, als bloße fcrabition alfo, gibt es feine wahre
Chcmifche lgntbectungen werben nicht in ber Buche gemacht. 2Die XXHffenfchaft. XXHr müffen unterfcheiben 3wifchen ber 3bee ber
Problemftellung jeboch, bie Dichtung, nach ber bas XXHffenfchaft, bas heißt ber 3bee bes XXHffens, bem &tanbt ber
XXHffcn brängt, ift nicht fchon im jeweiligen ©tanbe ber XXHff en* XXHffenfchaft unb ber wirtlichen XXHffenfchaft, wie fie von jeber

fchaft enthalten. ein folches IDrängen, ein richtunggebenbes Generation neu gefchaffen wirb aus ihrer 3bee ber XXHffenfchaft
Moment, bann erftarrt bie XXHffenfchaft in ftch felbft. €s gibt heraus unb unter Vorausfetjung bes gegebenen &tanbte. IDer
bann fcbließltch noch einen etanb ber XXHffenfchaft, aber feine (tharafter ber jeweiligen wirtlichen XXHffenfchaft ergibt fich

XXHffenfchaft mehr. £He XXHffenfchaft hat ihre Besiehung auf ein aus ber Ztrabition in Perbinbung mit ben Tlnfprüchen, bie man
urfprünglicbes Sragen unb XXHffen perloren, fie löft fich in aus ber 3bee ber XXHffenfchaft heraus an bie XXHffenfchaft ftellt.
„Sächer" auf, beren ^inseiheiten felbft bem Sachmann räum noch Bie ein3ige Gefahr, bie ber XXHffenfchaft broht, befteht barin,
beherrfchbar finb. baß man an fie feine Sorberungen mehr ftellt. IDte anbere
IDtefer ^uftanb ift wohl berannt unb vkl beflagt. Srüher würbe Gefahr, baß bie 3bee ber XXHff enfehaft überhaupt verloren gehe,
r>on Beit 3U Seit noch ber X>erfuch unternommen, bie verlorene halte ich unter uns JDeutfchen nicht für afut. Sür uns ift es felbft*
einneinheit wieber3ufinben, $m „e?nthcfe" 3U gelangen, man perftänblich,baß £rfenntnis unb XX>iffen ihr Biel in fich felber
»erfuchte ber @pe3ialifierung babuxd) entgegen3uwirfen, baß tragen. IDie XXHffenfchaft fann feine frembe 3nftan3 in ihren
man irgenbwie auf bie „Totalität" bt^ann. 2lber es 3«£te
fich Bereichen bulben. Tiber baraus folgt nicht, baß bie ^ochfchulen
ftch, baß biefer X>erfuch niemals weiterführte, baß eine
immanente autonom feien. Hn ben <£>ochfchulen tritt bie SorfäHmg in Be*
©ynthefe innerhalb ber gefächerten XXHffenfchaft aus ber XXHffen* rührung mit ber Beit unb ihren Aufgaben. XX>er heute bie

fchaft felber heraus nicht 3« gewinnen war. SDie <Tenben3 3«t Tlutonomie ber ^ochfchule su »erteibigen glaubt, ber t>ertetbigt
epe3ialifierung erwies fich als ftärrer als alle X>erfucbe 3ur in XXHrflichfett ben Buftanb ber Tlnfpruchslofigfeit, ber wehrt
@ynthefe. — Harbern ©ynthefe aufgehört
bie X)erfuche 3«r fich gegen bie Tlnfprüche, bie bie Beit an bie XX>iff enfehaf

haben, herrfcht völlige ^efignation. XDobin bie €ntwicrlung ftellt, alfo gegen jene Tlnfprüche, bie neues £eben aus ber alten
führen foll, weiß niemanb. £inig ift man fich nur in ber Über* XXHffenfchaft entfpringen laffen tonnen.
3eugung, baß bie XXHffenfchaft in fich felber ruhe, man will es €ine ©chwiertgfeit liegt freilich bavin f baß bas £eben heute
nicht 3«geben, baß eine Bewegung, bie außerhalb ber XXHffen* p 0 1 i t i f ch e s £eben ift, baß ber menfeh, ber mit 2(nfprüchen an
fchaftunb ber ^ochfchule ihren Urfprung hat, auch XXHffenfchaft bie XXHff enfehaf t herantritt, polttifd?er menfeh ift. Tiber nur von

unb ^ochfchule neu gcftalten tonne. IDas IDogma ber Autonomie ber humaniftifchen Ttuffaffung bes menfehen her als eines uns
ift nicht 3U erfchüttern. man glaubt bie XX>ürbe ber XXHffenfchaft politifchen XX>efens fann man hier eine unüb erwinbliche @chwie*
JDer potitiifdje @tufcmt 157
156

rtgEeit fehen. <Sewi& 6ie Situation tft für uns £>eutfche neu.
Tiber es fommt le6iglich auf 6ie (Öröße un6 6ieSpannweite 6er
Tlnfprüche an, 6ie geftellt werben; nicht aber begründet fchon 6ie
ZTatfache, 6af$ es 6er po litif 4>e tftenfeh ift, btt 6iefe Tin? 35etr @ott>at von feilte
fprüche fteilt, 6ie Unmöglichfeit einer £öfung. XX>enn öer fcftenfcfr
Xtottrag, gehalten in btv rocfcrtDiffenf<fcaftUcf*n 2trfcritsgenmttf<#aft
aufs <8an$t ge^t — un6 6er poUttf4>e ittenfeh geht aufs Berlin, 3uni
^ an5C _ öantt xvitb bei einem wtffenfchaftlich veranlagten
X>olte, wie wir es fin6, auch etwas (Örofjes für 6ie tDiffen* €inen Sol6aten von h*ute, fagen manche, gibt es nicht. n£s

fchaft herausfpringen. 3e6enfalls fpringt nichts 6abei heraus,


gibt nur einen So 16 aten, un6 6er ift 6er gleiche, ob es nun
6er Sol6at Strichs 6es (Sroßen, 6er Sol6at 6er Befreiungs*
wenn man fich im Hamen 6er Era6ition lediglich weigert,
Eriege, 6er Sol6at fcfrolttes 06er 6er Sol6at 6es XXMtfriegs ift.
aufs <öan$e 3« gehen.
JDer politische Stu6ent geht aufs (Öan3e. €& ftc^t heute fo Sol6at ift Sol6at. £>er Sol6at von heute ift 6er Sol6at von
geftern. IDie ^eit hat feinen Einfluß auf fein EDefen, 6er Sol6at
aus, als ftehe er 6er XXHffenfchaft feinölich gegenüber/ Tiber nicht

6er XXHffenfchaft, fon6ern nur ihrem heutigen 3uftan6e, 6er 3u* ift 3eitlos. HechniE un6 üafttt wechfeln —
6er Sol6at ift immer

frie6enheit mit 6em heutigen 3uftan6e ift er fein6lich gefinnt,. 6er gleiche. —Tiber 6as ift ein fchwerer 3rrtum. £>er Ärieg

fe$t fich nicht äußerlich 3«fammen aus 6er Betätigung eines


IDie Tlufrechterhaltung 6er Cra6itton erfor6ert ]£ntfagung; aber
£ntfagung XX) if f enf chaf t noch nicht ge* 3eitlofen Sol6aten an fich un6 einer mit 6en Sortfehritten 6er
mit 6iejer ift 6ie

geben. £>ie X)erabfolutierung 6er <Era6üion, 6ie Meinung, 6ie


Chemie wechfeln6en ZLcchnif, fon6ern er ift jeweils eine ge*j

fchloffene gerichtliche i^rfcheinung, eine (Seftalt, unb fo ift auch


XX>tffenfchaft laufe von felber weiter, erzeugt 6en Betriebe
(gegenüber 6iefem Betrieb macht 6er politische Stu6ent 6as 2fcd?t
6er Sol6at immer ein an6erer, eine (Seftalt. 3e6e Seit, fagt

er vernichtet 6amit nicht 6ie XPiffen* (Daufewitj, hat ihre eigenen Briege. 3e6e Seit, füge ich hin3U,
6es Gebens geltcn6, un6
im Porgefühl einer neuen i£pod?e. hat auch ihten eigenen @ol6aten. IDer Ärieg ift fein ifoliertes
fchaft, fon6ern ^an6elt
2>ie tPiffenfchaft tann fi4> nicht aus fich felber erneuern. €\>t töefchehen. Äriege wer6en erflärt, unternommen un6 6urch*

nicht gefragt ift, Antworten geben. IDer poii*


tann es feine geführt von &taatm 3um ^weefe 6er Belbfterhaltung 06er 6er

tifche Stu6ent lernt wefentliche ftellen, un6 nur 6amit


Sragen ©ichfelbft6urchfe§ung. IDer Ärieg fteht im £)ienfte gefchichtlicher

lernt er auch, wefentliche Antworten 3u geben. i£in neues <Se* Sieife^ungen, er tann nur *>om Staate -her begriffen wer6en.

fehlest wächft heran, ein töefchlecht, 6as nicht mehr ahnungslofe


3Der ilrieg ift un6 bleibt 6er Politif eingeor6net. „€r hat frei*

(Srammatif, aber nicht feine eigene u


feine eigene J[ogif. t>it
muH 3ur ^o^fchule fehiett, fon6ern junge, exogene Kämpfer, lieh

6ie wiffen, worauf es antommt. nicht anEommt, um Barriere


^rammatif 6es Krieges unterliegt 6er fogif 6es Staates. 3ch
in 6er bürgerlichen (Sefellfchaft 3« machen, fon6ern worauf es
wer6e im 2lnfchlu§ an 6iefes Claufewitjwort 3U 3«Ö^n vtt*
6em großen Schicffalstampf unferes Voltes. fuchen, 6aß 6ie ^rammatif 6er militärifchen 7fusbil6ung, 6ie
antommt in
Tlusbil6ung für 6cn Jtrieg, 6te Jjogif 6er fol6atifchen i^r3iehung
vorausfe^t.
Solöatifche T(usbil6ung etwas an6eres als eine allgemeine
ift

Tlbrichtung für 6en Urieg, fol6atifche £r3iehung ift nicht mili*


tärifche 2lusbil6ung plus Staatsbürgerfun6e. iltilitarifch aus*
bil6en tann man 6ie heterogenften Elemente. 3n 6er ^ufammen*
£*r Soldat von txute IDer SoUxtt von b<ute 159
158

fcbweißung ber t>erfe&iebenften Elemente 3U einem auf 35efel?l baten »erfteben wir ben ©olbaten, ber niebt nur geborest, fon*
einbeitlicb banbelnben Körper Hegt 6er böebfte Uttum?}) rein bern ber au# weiß, wem er geborgt; ber niebt nur fämpft,
„milttärifefcer" flusbtlbung. S«r biefe Tlusbilbung ift 6er £in* fonbern aueb weiß, wofür er tampft. 2lucb bas wieberum niebt

Seine lebiglicb „material", bas ein eigenes töefefc, einen eigenen inbwibualiftifet; serftanben: ber fieb (Öebanfen über bie ißigen*

XTHllen ntebt in fieb tragt, material, bas bureb ben bärteften art feiner Porgefetjten maebt, fonbern ber fieb als ©olbat
Zugriff in eine Som gebraut wirb. 3n 6er militärifeben Tins* einer fontret bärge ft eilten 3b ee, eines gefebiebtlicben

bilbung ift von „menfebenmaterial" bte #ebe. IDer folbatifefcen Auftrags fül?lt. —
derjenige, ber für bie militärifebe 2lus*

ier$ie^ung ift tiefes XOovt unangemeffen. JDenn btefe £r* bilbung bes tytevts für ben Ärieg an irgenbeiner ©teile vtv*
3iebung findet nur ftatt, wo eine (Semeinfefcaft ift unb eine antwortlicb ift, unb ber biefe Verantwortung in ibrer ganzen

btefe (Semeinfebaft erfüllenbe unb belebenbc 3bee. £ine folebe ©cbwere empfinbet, gerät leiebt in £>erfucbung, nur noeb „miti*
u 3u benfen, unb bie
(Semeinfebaft ift aber fein „material" mefcr. tärifcb Sr<*ge 3« überbören, bie ber mann

IDie t>erteibiger bes 3eitlofcn ©olbaten werben fagen: gerabe ftumm unb febwetgenb täglich an itjn ftellt: t>on wem empfängt
material muß es fein, womit wir $u tun baben. Unfere Unier* bas gefcbloffene ^efe^lsfyftem feine #efeble5 ^r ift t?on ber Sülle

gebenen bürfen Beinen eigenen XPillen tennen, ber eigene XVillt Probleme gleic^fam überwältigt, bie 2luf*
ber rein tmlitärtfcfcen

ber Untergebenen bebt bas 33efeblsfYftem auf. 3Das 23efeblsfyftem gaben bes £ages unb ber ©tunbe nebmen ibn gan3 in 2lns
aber ift ber t>erle$licbfte Punft bes ^eercs, bas gesoffene fprueb, unb es entftebt ber (Öebanfe: gan3 gleicb, welches ber

25efeblsf?ftem muß um jeben Preis erhalten werben. XX)enn ferne ©inn unb Bwect bes (San3en i]t — „bie©acben müffen
bie Leitung niebt gewiß fein rann, baß feber 33efebl bureb* boc^ gemaebt werben". IDas p o l i t i f cb e Problem, bie Srag«
bringt unb befolgt wirb, bann bas <beer niebt gefebwäcbt
ift nac^ bem, ber 3ulet$t befiehlt, wirb bamit auf bie lange 25anf
ober »erminbert, fonbern es ift überhaupt nic^t mebr. mit ben gefeboben; es entftebt ber militärifebe Pofitwismus. jftenn3eieb*
tDorten fcreitfebtes: „^ätte bas <beer einen eigenen XPillen, nenb für biefen pofitwismus ift bie €ntfrcmbung Pom mann.
fo borte alle politifefce ©icberfceit auf/* daraus wirb bie S^lge* 3Dcrmann bentt einfacb unb gerabe, er fann bie SvaQt nacb
rung gebogen, baß bie Pflege ber folbarifeben Eugenben, baß bem: wer befieblt? niebt in ber ©cfcwebe laffen. Unb mit biefer
bie foibatifefce ißrjiebung obne 23e3ter;ung <*«f bie Polt* Srage naeb bem, ber befiehlt, ober in beffen Hamen befohlen
tif fieb 3U »olljie^en t;abe. 3Die ©idjerbeit bes Staates, fo wirb, ift er politifeb.
febeint es, forbert bie abfolute Neutralität, bie XXMllenlofigfeit IDiefe von benen nic^t überfein wer*
Ztatfacbe feilte gerabe

bes ^eeres. Hvmtt noeb gefannt baben. IDer ©olbat ber


ben, bie bie alte

IDer ©olbat von beute ift ber politiföe ©olbat. £>as beißt alten 2lrmee war feine swegs unpolitifc^. €r war
niebt ber rafonieren.be, ber polittfierenbe ©olbat. ©er politifie* auf bie Perfon bes oberften Kriegsherrn »erpfliebtet. ©ie ©pi^e
renbe ©olbat ift ber ein3elne mann, ber fieb feine Meinung bes leeres unb bas fyaupt bes ©taates waren eins, ber monareb

bilbet,unb ber auf biefem Xt>ege febließlicr; einmal ba$u tommen war ber ©taat unb 3ugleieb bas ^eer. ©as ^>eer war 3ugleieb
fann, auf (Srunb felbftänbtger Ttnfiebten einen 2Sefebl, ben er ber Staat, unb wer im ^eere biente, wer bem Honig ben s£ib

erbält, niebt aus3ufübren. ©er politifierenbe ©olbat bekämet geleiflet batte, ber biente 3ugleieb einem fontreten politifeben
bas £nbe, bie fluflofung bes ^eeres. Unter bem „politifeben — 'Suftanb, ber biente 3ugleie^ ber 3bee, bte im monareben x>er*

©olbaten" aber t>erfteben wir jeboeb niebt ben einjelnen mann lorpert war.
mit eigener meinung, fonbern einen Eypus: bie gefebicbtlicbc 3n einem gewiffen ©inne allerbings war ber ©olbat in ber
(Öeftalt bes ©olbaten von beute. Unter bem politifeben ©ol* monarebie „unpolitifefc". i6r ftanb i'enfeits ber Parteien, weil
l6ö 3Der Boföat von heute 161

6iePerfon 6es Monarchen über allen Parteien war. 3Der Sol6at fie be6eutete 6ie £iberalifterung 6es Sol6aten. £>iefe £iberalis
war alfo 3ugteich politifch un6 „unpolitifch" (im Parteifinne). fierung fällt notwen6ig mit 6er i^ntpolitifierung 3ufammen,
Staat un6 Politif waren für 6en Angehörigen 6er Armee hin 6enn liberalifieren heißt eben igntpolitifieren. Politifch 6enten
Problem, fotange 6em Monarchen 6er i£i6 geletftet wur6e. 3m heißt tontret 6enten, liberal 6enBen heißt in Allgemeinheiten
Schutze 6iefer poUtifchen Situation hat 6ie Armee fich 3U einem 6enten (weshalb 6er liberale ftets im btfun Salle eine un*
gletchfam f elbjtgenugfamen £eil 6es Staates ausgebilöet. Sie glüetliche £iebt jur tontreten Hation hat).
war un6 „unpolitisch" 3ugleich, fie tonnte fich ganj
politifch XX>ir fchulöen 6 en fcftännew IDant, 6ie 6as V>eer über 6ie
6er milttarifchen Ausbildungwi6men. Politit war verfemt, fie fchwere 3eit nach 6em Bufammenbruch hinweggerettet haben*
roch nach Auflehnung, Politit war Sache Sr. fcftajeftät. £nU £>iefe Rettung war nur möglich 6urch eine bewußte un6 tonfe*
fprechcn6 war in 6er 3nftruttionsftun6e x>on 6er £iebe $um quente igntpolitifierung. 3m X>ielsParteiensStaat, 6<er felb.fl
angejtammten <berrfcherhaus un6 6er £iebe jum X>attt\anb 6ie heeress un6 jtaatsfein6liche Parteien 6ul6ete, war 6ie politifte*
2U6e. Solange 6as Vattvlanb 6urch 6ie geheiligte Perfon 6es rung einfach nicht möglich. 3Das %ttt 3U entpolitifieren war
tltonarchen repräfentiert war, war 6as noch immer eine poli* um fo leichter, als man 6amit
einbar ja fch nur 6te £ra*
t i f ch e Erstehung, eine Ziehung, 6ie freilich fchon unter 6er 6ition fortfetjte. Auch 6as alte ^eer war ja „über" 6,en
€ntfrem6ung litt, 6ie $wifchen Monarch un6 X>olt beftanö. Parteien; aber es war gebun6en an 6k Perfon 6es Monarchen
Hach 6em Sufammenbruch 6es monarchifchen Staates blieb nur un6 infofern alles an6ere als unpolitifch. 3e§t 6ageg en mußte
(

noch 6as X>aterlan6 an fich übrig un6 mancher meinte, un6 6as fyttt 6er abftraften X>erfaffung an fich unterteilt
meint es wohl noch heute, man fönne einen Sol6aten jum wer6en, 6amit es nicht r>on 6en Parteien jerriffen wur6e. So
t>aterlan6 an fich erstehen. Aber €rjiehung fin6et nur ftatt mtftanb eine höchft fchwierige un6 gefahrliche Situation: aus
unter einer bil6haf ten 36ee. JDas XX>ort X)aterlan6, wenn ich politifchen (0rün6en mußte 6as ^>eer entpolttifiert wer6en. iDem
nicht fage, wer un6 was 6as Vattvlanb ijt, hat noch teinen liberalen Kenten blieb 6er po l i t i f ch e Ö5run6 6iefer €nU
Übergang machen 3U
bil6haf ten tyavatttv. IDiejenigen, 6ie 6en politifierung »erborgen, es nahm
Autonomie 6es leeres als 6ie
tonnen glaubten t>on 6er tontreten Perfon 6es Monarchen ju etwas lDauern6es. 3Das ^>eer wur6e 3u einem Bing an fich.
6em allgemeinen begriff t>atedan6, glaubten zugleich 6en un* Aber fo wenig es einen Staat an fich gibt, einen pfeu6onymen
politifchenSol6aten fchaffen 3U tonnen, 6en Sol6aten, 6,er nur Staat, einen Staat ohne Hamen un6 ohne 33il6, fo wenig gibt
noch 6em wer 6as t>ater*
„t)aterlan6e" 6iente, ohne $u fragen, es ein ^>eer an fich. Staatst>erfaffung un6 <beeresperfaffung fin6
lan6 repräfentiert. Sie gaben 6as Stichwort 6er £ntpoUtifies von ihrem Urfprung her aufeinan6er besogen. IDie fchweren
rung 6es leeres aus, 6as Schließlich fo ausgelegt wer6en tonnte; 3ahre y 6ie hinter uns liegen, be6euten eine Ausnahme3eit, eine
6er Sol6at fließt auf Befehl —
auf wen, 6as wir6 er fünf 5wifchen3eit. Hur bei einem fo r>on ^frun6 auf fol6atifchen
Minuten vorher erfahren. Aber 6er Sol6at, 6er fein £eben X)olte wie 6em unfern war es möglich-, über 6iefe ^eit ohne
hat, will wiffen, wofür
einjufe^en er fein £eben etnfetjt. Scha6en hinweg3utommen. t>ie irren, 6ie an 6iefer Ausnahme*
€r will wiffen, wo 6er Setn6 fleht, un6 6as heißt: Seit fich orientieren, un6 meinen, 6ie entpolitifierte Armee tonne
«r will am Sta<ttt Anteil haben, 6enn 6er Staat ijt es, ein 3D au er 3ufr an 6 für ein großes X>olt fein. t>ie 6as meinen,
£er bejtimmt, wer 6er §ein6 ift. überfehen, 6aß 6ie neue (Öeftalt 6es Sol6aten fchon 6 a tft
£>te £rfet$ung 6er tontreten Perfon 6es ittonarchen 6urch 6en 6ie (Öejtalt, 6ie 6em X> o l B s ft aa t e entfpricht. £>*r Übergang
Allgemeinbcgriff „X>aterlan6" be6eutete nicht 6en Obergang x>on von Monarchie 3«m X)oltsftaat
6er ooll3teht fich ja nicht x>on
6er monarchischen Armee $um <^eer 6es T>oltsftaates, fon6ern heute auf morgen, er t>oll3ieht fich nicht 6urch Annahme einer
162 3D<r Selkat von fcute SDer Sofoat von beute 163

neuen t>erfaffung. tSrft in ben inneren kämpfen ber legten ber man $u ber Perfon bes Monareben aufblicfte, mtfebte fieb

14 3abre bat unfer junger t)olfsftaat fieb gebilbet.


2ln Mefen mit einem ungewiffen ^efpeft t>or bem unpersönlichen, allge«
kämpfen tonnte unb durfte bas <5eer nicht teilnehmen. £s b«t meinen „Staatswefen", unb biefe untlare Mifcbung erfe§te unb
fie mit waebfenber innerer (Teilnahme begleitet» Hirn ift 6er erfebwerte alles naebbenten über ben Staat unb bie politifebe
r>olfsftaat XPirflicbfeit geworben, unb bamit wanbelt fieb auch £r$iebung. Bie Perfon bes Monareben gab bem Solbaten
bas £eer. i£s ift fein bloßes formales 3nftrument mehr, es er* eine gewiffe Gewähr, fie war fonfret. 3ft bie Perfon bes

füllt fich mit XX>ille unb töeift, es tvitt in ein lebenbiges T)tt< Monareben bureb bie t>erfaffung erfe§t, bie bas freie X>olt fieb

bältnis $um Staate. f elber gibt, bann bat niebt ein


bloßer tDecbfel, fonbern ein

IDie (Teilnahme bes fytttts am £ e an ben Bielen bes e b n, tiefgreifenber XO anbei ftattgefunben. £>enn bie abftrafte, ge*

Staates ift unerläßlich Mit 3eitlofcm Militarismus unb 3«t* febriebene X)erfaffung bietet bem Solbaten f einerlei (Bewähr; es
lofer Moral läßt fich eine Tlrmee auf bie iDauer nicht fcblagfertig f ommt barauf an, w e r f i e b <* nb b ab t, wer unb was „binter

unb einfa^bereit galten, Äein ^eer fann ohne poUttfcbe <£>runb* ibr ftebt", b. b* bie t>erfaffung muß fonfretifiert werben, unb
Überzeugungen befteben. Unb unter poUtifcber (Örunbuberjeu* biefe Äonfretif ierung bebeutet $UQ\ti<fy bie Politifie*
gung »erftebe ic^> hier bas tfngefcbloffenfein bes ^eeres an ton? rung bes Kenntnis ber gefebriebenen t)erfaffung
Solbaten.
trete politifebe Stele, an einen Sübrer. IDer (Sebanfe allein: „IDas unb „ftaatsbürgeriieber Unterriebt" genügen ba niebt. Dielmebr
t>'aterlanb muß irgenbwte serteibigt werben" reicht auf bie muß ber Solbat x?on ben entfebeibenben (E>runbtenben3en
IDauer nicht aus. £s gibt ja auch teine X)erteibigung an ftc&, bes Staates ergriffen fein. Man glaube niebt, baß 3« 23.
fonbern nur immer eine X)erteibigung innerhalb eines beftimm* bie Sr<*8e» ob So3talismus ober niebt, r>om ^>eere auf bie Bauer
ten politifc^en <5ori3onts. tiefer ^orijont fann nicht unbeftimmt ferngehalten werben fann.
bleiben; ber fonfrete «Staat fann nicht bureb eine bloße gefebrie* IDer politifebe Solbat als £ypus bebeutet: bas ^>eer als

bene t>erfaffung erfe$t werben. IDurcb ben Mangel an großen <8 a n 3 e s ift politifiert, t>on einer politifeben 3bee erfüllt. IDas
Bielen wirb auch ein militärifcb hochwertiges ^eer von innen <5>eer fann niemals bie Politif bes (Tages mitmacben; aber bem
heraus ausgehöhlt IDie Sorge ift »erftänblicb, baß bureb bie großen gefebiebtlicben XX>ellengang, ber ein X>olf erfaßt, fann es
Sfftems in Unorbnung
Politif bie (Srammattf bes militärifeben fieb niebt ent3«ben. €s ift Sacbe feiner Sübrcr, bie fieine IDünung
gebracht werben fönne. 2lber noch febwerer wiegt bie Sorge, r>on ber großen XPelle 3U unterfebeiben. Bern Ttugenbticf b«t
baß bie Pflege ber (Srammatit um ihrer felbft willen, bas bas ^>eer fieb niebt bin3ugeben, aber vom gefebiebtlicben
X>ergeffen ber poUtifcben £ogif ins nichts führen fann. Tlugenblicf fann es niebt abftrabieren. IDer Übergang x>on ber
t£s gibt alfo fein Tlusweicben »or bem Problem ber Politi* Monarchie 3um t>olfsflaat ift ponogen; ein 5wifchen3uftanb
fierung: bie $iuii)t in ben tabellofen Betrieb^ bie Slucbt in ben liegt hinter uns. €rft je^t, nachbem ber X)olfsftaat (ötftalt $t*

Pofitwismus btbmttt nur bie X>erlangfamung bes £nbes. £s worben ift, fann auch ber Solbat (Seftalt werben. IDer #ütf*
ge^t ni^t ohne XV e It a nf cb au ung, ohne flare, fonfrete tritt ber Männer, bie bas ^>eer über bie gefährliche B^ifcben*
politifcb* Grundlinien. IDer Solbat, ber für bas X>aterlanb 3eit hinweggerettet haben, ift fein 3ufälliges, burch perfönliche

ftirbt, will auch wiffen, was bas t>aterlanb ift. Mit t>erhältniffe x>erfchulbetes Ereignis, fonbern ein Ereignis von
<?>ilfc Pofitwismus haben wir uns über bie gefährliche
bes fvmbolifcher töebeutung.
Bwifchen$eit weggerettet. Hun aber fteben wir uor einer neuen XX>ir alleh^hen ben fluguft jcj|4 erlebt. IDamals würbe ber
Aufgabe. IDie unantaftbare Perfon bes Monareben b<*t früher politifebe Solbat geboren. ^Damals fah bas Voll ftumm feinen
bas politifebe Problem gleicbfam wrbüllt. £>ic Pietät, mit Sührern in bie ZuQm unb fagte: ich bin bereit wohin geht —
164 lD*t Sofoat »on heute IDcr Sofeat von fcute 165

6et XX>eg5 £>aß 6ie Antwort tner 3ahre lang ausblieb, war mit er in 6as <£>eer eintritt, 6ie technifch*militärifche 2lusbil6ung no ch
ein (Srun6 6es aufammenbruchs. un6 6ie geiftige
IDie politifche hin3u. Aber fchon t>orher er in 6er Haltung 6es
ift politifchen
2toolution, 6te im Auguft |9?4 begann, un6 6ie in liefern ©ofoaten er3ogen. 2Das ^>eer bleibt weiter ein gefchloffener
3ahre in ©ymbolen un6 Perfonen <5zft<tlt gewonnen hat, wir6 Äorper; aber 6as €r3ie^ungsprin3ip 6es leeres ift nun nicht
auch 6en ©ol6aten neu formen» mehr etwas 3foliertes, fon6ern etwas Allgemeines, ^emeinft
Heben 6em ©0I6 aten 6es leeres un6 6er £ra6ttion fteht heute fames. £s tann je^t 3. ^3. jene Derhättgnispolle Äluft nicht
6er tra6itionslofe ©ol6at 6er 2ta?olution, 6er ©2l*fcHann. €r ift mehr beftehen 3wifchen <Dffi3ier un6 Ata6emiler, 3wifd?en ^enes
nicht militarifch ausgebil6et —
nicht nur weil 6as uns auferlegte ralflab un6 Unwerfitat, wie fie in 6er Vergangenheit beftan6.
(Sefe$ es »erbietet; er ift auch feiner Haftung, feinem Stil, feiner iDie militarifche 2lusbil6ung fe^t auf einer allgemeinen £r*
Sprache nach oom ©ofoaten 6es leeres t>erfd?ie6en. i£r ift 6em 3iehung 3um ©ol6aten auf als eine Spe3ialausbil6ung genau
X>olfe unmittelbar näher, er ift ein £eil 6«s X>olfes felbft, nicht wie an6ere Bpe3ialausbtl6ungen. IDie €r3iehung 3um @ol*
fo
militarifch, aber politifch mobilif iertes Volt JDiefer X>tu 6aten wir6 fich notwenöig gewiffer müttarifcher formen be*
fchie6enheit ungeachtet 6ürfen fich 6er ©ol6at 6er Kex?olution 6ienen muffen, aber fie wir6 nicht im technischen ©inne „mili*
un6 ©ol6at 6es ^eeres nicht frem6 gegenüberftehen. £s tft
6er tarifch" fein.
notwen6ig, 6aß fie einen gemeinfatmn Henner haben. Un6 IDer politifche ©ol6at — 6as ift 6er fltann unferes t>olfes,
6iefer Henner ift 6er politifche ©ol6at. fcttan trifft 6as Problem gan3 wo 6er weiß, worum
gleich er fteht, es geht £>er
nicht, wenn man 6as Verhältnis 6es leeres un6 6er ©21 ©ol6at wir6
politifche nicht erft 6urch 6as ^>eer hervor*
unter 6em (Öeftchtspunft: <?>eer un6 £ltilt3 betrachtet. IDiefe milU geb o us
r a ch t, er ift 6ie X> r a f e § u n g 6es leeres. XDenn wir
tärtechmfehe 23etrachtungsweife ift 6em Cßegenftan6e unanges alle 6en uns gemäßen fol6attfchen ^ebensftil gefunöen haben
meffen. €s mag an fich notwen6ig fein, 6ie $vctQt nach 6em wer6en, 6ann wir6 6as £eer nichts S^cm6cs unter uns fein.
Hampfwert milt3ähnlicher (Truppen 3t* fallen. f>kx aber ift es £s wir6 in fich gefchloffen fein, mit eigener ?Era6ition un6 mit
notwen6ig, 6ie $v<t$t nach 6em umfaffen6en nationalen £r* eigenen Aufgaben, un6 es wir6 6och 3«gleich eingeglte6ert fein
3iehungsfyftem $u ftellen, in welchem fowohl 6er ©ol6at 6es in 6en IfyyfymM r»omich*gefchichtlichen Gebens. IDann wir6
leeres wie 6er ©A**1tann feinen piatj hat. es ni^t mehr einen Zv$t an fich geben, fon6ern nur einen Ar3t,
Un6 nicht nur 6iefe bei6enl £>as folöatifche j£r3ie|mngsfyftem 6er fich »erantwortlich weiß für 6en (Senerationssufammen*
muß je6en iDeutfchen erfaffen, gan$ gleich wer er ift, gan$ gleich hang 6es 6eutfd?en t>olfes, es wir6 feinen dichter mehr an fich
wo er arbeitet. 3*6 er ift politifcher ©ol6at, 6er 6urch 6iefes geben, fon6ern nur noch einen dichter, 6effen oberftes (Sefe§ 6te
€r3iehungsfipftem hin6urchgegangen ©ol6at 6es leeres
ift; 6er €hre un6 6ie öerechtigteit 6es 6eutfchen X>olfes ift, un6 es wtr6
unterfchet6et fich von 6en an6ern 6a6urch, 6aß er eine fpe3ielle leinen©ol6aten an fich mehr geben, 6er le6iglich in einem ab*
2lusbil6ung erhalten hat. ftraften ^efehlsfyftem fteht, fon6ern nur noch einen ©ol6aten,
£>amit habe ich 6ie völlige Umwan6lung unferes £r3iehungsü 6er, in6em er mitttn im ftrengften militarifchen ^efehlsfyftem
fyftems bezeichnet, in 6er wir fchon mitten inne ftehen. XX>ir fteht, 3ugteich fich getragen fühlt un6 weiß x?on 6en gefchicht*
erfüllen nur 6as <£>efc^ unferes XX>efens, wenn wir 6en Eypus liehen ^ielfe^ungen 6es ^taatts, in welchem 6er auf IDauer
6es ©ol6aten $um 5iel unferer ^rjiehuitg machen. 2Der ©ol6at un6 ^»röße gerichtete XX>tlle feines X)ol!es fich manifeftiert.
wäre alfo nicht mehr 6as Ergebnis einer rein technifch*milis

tarifchen Ziehung, fon6ern umgefehrt: 6er fol6atifch exogene


junge tttann empfangt als X)ollen6ung 6iefer €r$iehung, wenn
166 Anmerfungen -Jc57

perfchwommenen „3bee" an fich, fo geht er fchließlich in perfonlichen ^ie*


bungen, Sentimentalitäten, £iferfüchteleien unb (ßefchwä§ unter. £s i|t bies
bas notwenbige Schidfal berer, bie rein „bünbifcb" leben wollen: fie erliefen
in einem pripaten (Stauben an eine pripate £lite. (Segen bas i£nbe ber
3wan3iger 3ahre muß ber 3üngling ben Anfchlu§ an beftimmte fo3iale,
2tnmet£ungen getftige ober politifche Aufgaben im engeren Sinne gefunben haben.
3ft
bas nicht ber Sali, bann tritt bie Überftanbigfett ein, unb wir jteben por ber
SDie Vorträge finb mit einigen £ür$ungen unb mit ©treidjungen, bie fieb feltfamen €rfcbeinung bes überalterten 3ugenbführers, ber ben tt>eg 3um
aus bernotwendigen Küctficbt auf Vermeibung pon XVieberbolungen er* Staat, 3ur Äamerabfchaft bes 0ienftes nicht finbet, unb fich in frucbtlofen
gaben, nach bem manuftript atejeoructt. £ine Ausnahme macht nur bas 3U* Bemühungen feine Leute beifammcnsuhalten per3ebrt.
fammengefetjte Stüct Hr. $. 0ie Ärife im Verhältnis sum Bunb tritt notwenbig ein, fobalb ber junge
Wann bie (Srünbung einer Samilie ernfthaft erwägt. 3Der pon ber bürgers
Heben Äultur geleugnete (Segcnfa$ ber Lebensformen, ben uns bas unperglcid;*
Allgemeine Vorbemerfung ju ben Vorträgen unter |— Buch Pon ^einrieb
liebe Schürf: A 1 1 e r s t la f f e n unb männer«
„militariftifcb" in kern Sinne, wie uns früber von unferen Gegnern por«
es bunbe macht fich bann mit aller triebt gcltenb. IDer unper*
erfcbloffcn hat,
geworfen würbe, b. b. ftärter gerüftet als bie anberen, finb wir nie gewefen. meibliche unb eebte Anfpruch bes Xüeibes auf ben Wann, fein tDille, bas
3e folbatifcber ein Volt lebt, je ftrenger es feine 3ugenb halt, befto weniger £>afetn bes Wannes ber Samilie einsuorbnen, führt notwenbig 3U BonfliEten.
milttarifttfeb wirb es fein. Militarismus perträgt fieb febr gut mit gänslicb 3n ber £rtenntnis ber (Sefe^lichleit biefer Äonf litte fehe ich einen großen
unfokatifeben Lebensformen. 2>ie beutfebe Lebensform aber ift bie folbatifebe. Sortfehritt unb bie t>orausfe^ung einer gerechten Löfung. IDie Spannung
3d> befiniere baber ben militarismus als Entartung eingeborenen Solbaten* wirb 3war immer bleiben; aber auf ber (Grundlage ber bisherigen 3liufionen
tums bem Einfluß bürgerlicher Lebensformen.
unter t|l überhaupt feine Löfung möglich. Seinem tiefen entfprechenb muß bas
IDte £ntgegenfe^ung pon „Wann" unb „tpeib" ift nicht als eine pffcbo* XPetb ftets Hüterin berjenigen t>erbänbe fein, auf benen bas Leben bes (Se*
logifebe auf $uf offen. £s wirb hier nicht pfycbologifcb »ergletcbenb „ber" fcblechts unb ber (Sefcblecbrer beruht, während ber mann 3U einem EJafein
iltann „bem" XVeibe gegenüfergeftellt, fonbern es ift pon 3wei gefebiebtlicben ftrebt, bas „(gleiches mit (gleichem su erhöhter Kraftentfaltung unb gef^ei*
Bulturen bie &ebe, pon benen bie eine wefentlicb bureb ben ihr 5"9<* gertem Lebensbewußtfein pereinigt". 3eh füge biefen fchönen TCDorten pon
hörigen Wann, bie anbere wefentlicb bas ihr sugebörtge XVetb fe*
burch Heinrich Schürf noch ben ausgeseiehneten polfsrunblichen Sat3 hmsu, ber bar*
fttmmt ift. £s wirb alfo niibt baß bie eine nicht aueb tapfere
beflritten, auf unmittelbar folgt. „£ier liegt ein tiefer, räum überbrüclbarer (Segenfaft
männer, bit anbere nid>t aud) anmutige Stauen haben fönnc. Tiber es wirb 3wtfchen mann unb tSeib, ber fich in tragifeben Bonfliften äußern Bann, aber
gefagt, baß bie beutfebe §rau bie Pariserin nicht erreichen Eann, weil fie bie auch bas greifen bes Alltags burchsieht unb in JDeutfehfanb porwiegenb in bem
(örensen, bie ihr burd; unfere Art unb unferm Lefens3uftanb gesogen finb, ewigen Swtefpalt 3wtfeben Stammtifch unb Sömifienlcben auftritt, um im
niemals 3U überfebreiten permag. i£s finb bies jene (Sre^cn, bie wir erfennen Äampf um ben <5,«"affcblüffcl öm iUinliä)tt Äomit Ju crrcic n<« ^
muffen, wenn wir im £rnft pon einer beutfeben §rau reben wollen. Ber (AltersElaffen unb männerbünbe, Berlin }$oz. S.
(glaube an „bie" $rau ber europäifeben Äultur ift ein perbängnispoller 3rr* m
£s bas intimfte beutfehe Problem, bas hiermit berührt wirb. €s temt
ijt

tum. XX>enn bie Lüge ber bürgerlichen Äultur pon uns abgefallen fein wirb, in bte XX>orte gefaßt werben: wie entgehen wir bem pbiHj*ertum5 ©er
unb nicht früber, wirb auch bie beutfebe §rau bie unferem Lefenssuftanb an* Stammtifch (teilt eine Entartung bes männerbunbes bar, bie babureb charafs
gemef fene Haltung haben. 3Der lßmansipatton bes Cannes pon ber bürger* tenfiert ift, baß biefer „Bunb" bas Bilb bes 3ünglings nicht
mehr
lieben (Sefetlfebaft, bie fieb im Bunb pollsiebt, wirb bie wahre i£man3ipation m fich trägt. 3Di* 4,errfchaft ber Sote ift bafür ber fd>lagcn*ft:e Beweis.
bes XVeibes notwenbig folgen. Schaffung bes Bunbes, ber bas Bilo bes 3ünglings auch auf ber Stufe bes
3d> gebrauche grunbfätjücb bas XX>ort „männerbunb" als sufammen« mannesalters noch fcftbält, ift bie Aufgabe ber SuEunft. Solche Bünbe würben
faffenben Ausbruct aueb ba, wo eigentlich ber 3ünglingsbunb gemeint ift, ben oufammenbang 3wifchcn ber älteren, politifch unb geiftig führenben
ba es mir unswedmäßig erfebeint, bas TX>ort Wann im Sinne bes Begriffs Schicht mit ber 3ugenb wieber herftellen, ber beute noch burd? bie gefellfcbaft*
„tnannesalter" einsufebränf en. heben (Duerperbinbungen abgefchnitten wirb. 3hr bloßes £>afein würbe ber
£Tacb meiner Anficht follten bie Änaben bis 3um |4. Lebensjahre in ihren familiären t>erfimpelung £inhalt gebieten —
sugleich aber würbe burch fie
3ungenbünben moglicbft piel fieb felbf* überlaffen werben. £s ift burebaus ber Samilie unb bem <?>«ufe ü>r urfprüngltcber Sinn unb OOert
surücEgegeben
nicht notwenbig, bie politifche iSrsiebung 3U perfrüben. XX>enn bie Stufe ber werben.
Seuers unb Sabrtenromantif in freiem Schwung burcblaufen ift, wirb bic
bann einfetjenbe ftrengere 3ud;t unb Schulung erft richtig empfunben unb |. E)er Sinn bes (großen Ärieges
gewürbigt werben. €s wirb einem aufmertf amen Beobachter nicht entgehen tonnen, baß bie
3Die hob« Bett bes Sunbes liegt etwa 3wifcben bem J5. unb bem 25. Lebens« gefcbiehtsphilO'fophifchen (Srunbgebanten biefes ertfen biefer Vorträge mannigs
fabre. 3n biefer Lebensepotbe fcbliefjt fid> ber junge ütenfcb an ben Alters* fach abgewanbelt unb entftellt feit 3abren in ben %tftm einer oeitfebrift 3U
genoffen unb an ben Sübrer' an. Sugleid; wirb er pon ber politifd>en lefen ftnb, bie unter bem gitel „XXJioerflanb" erfebeint. 3<b muß wohl ober übel
3bee ergriffen, ber ber 23unb bient. £>te £rijlen3 biefer politifeben 3bee ift feftftellen, baß b