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MIRJAM

Von Torsten Schwanke

Der Stamm Levi und die Familien von Aaron und Mose

57 Der Stamm Levi bestand aus den Sippen Gerschon, Kehat und Merari. 58-61 Kehat war der
Vater Amrams. Dieser Amram heiratete Jochebed, die ebenfalls dem Stamm Levi angehörte und
noch in Ägypten geboren worden war. Sie gebar Amram zwei Söhne: Aaron und Mose, und dazu
eine Tochter Mirjam. Aaron hatte vier Söhne: Nadab und Abihu, Eleasar und Itamar. Nadab und
Abihu starben, als sie ein Räucheropfer darbrachten, ohne dabei die Weisung des Herrn zu
beachten.

Moses Gesetzgeber, Aaron Priester, Mirjam Prophetin, Aarons Söhne Priester. Kennt ihr auch
solche Familien?

2.Mose 2

Israels künftiger Retter wird aus dem Wasser gerettet

1 Ein Mann aus der Nachkommenschaft von Levi heiratete eine Frau, die ebenfalls zu den
Nachkommen Levis gehörte. 2 Sie wurde schwanger und brachte einen Sohn zur Welt. Als sie sah,
dass es ein gesundes, schönes Kind war, hielt sie es drei Monate lang versteckt. 3 Länger konnte sie
es nicht verbergen. Deshalb besorgte sie sich ein Kästchen aus Binsen, dichtete es mit Pech ab,
sodass es kein Wasser durchließ, und legte das Kind hinein. Dann setzte sie das Kästchen ins Schilf
am Ufer des Nils. 4 Die Schwester des Kindes versteckte sich in der Nähe, um zu sehen, was mit
ihm geschehen würde. 5 Da kam die Tochter des Pharaos an den Nil, um zu baden. Ihre
Dienerinnen ließ sie am Ufer zurück. Auf einmal sah sie das Kästchen im Schilf. Sie schickte eine
Dienerin hin, um es zu holen. 6 Als sie es öffnete, fand sie darin einen weinenden Säugling, einen
kleinen Jungen. Voller Mitleid rief sie: »Das ist einer von den Hebräerjungen!« 7 Die Schwester des
Kindes kam aus ihrem Versteck und fragte: »Soll ich eine hebräische Frau rufen, die das Kind
stillen kann?« 8 »Ja, tu das!«, sagte die Tochter des Pharaos. Da holte das junge Mädchen die
Mutter des Kindes, 9 und die Tochter des Pharaos sagte zu ihr: »Nimm dieses Kind und stille es für
mich! Ich werde dich dafür bezahlen.« So kam es, dass die Frau ihr eigenes Kind mit nach Hause
nehmen und stillen konnte. 10 Als der Junge groß genug war, brachte sie ihn wieder zurück. Die
Tochter des Pharaos nahm ihn als ihren Sohn an. Sie sagte: »Ich habe ihn aus dem Wasser
gezogen.« Darum gab sie ihm den Namen Mose.

Drei Frauen haben Moses das Leben gerettet, seine Mutter Jochebed, die Tochter des Pharao und
seine Schwester Mirjam. „Hinter jedem großen Mann steht im Hintergrund eine große Frau“. Ist es
vielleicht das Wese der Frau, mehr im Hintergrund zu wirken und dennoch so Großes zu tun?
*

2.Mose 15

Der Siegesreigen der Frauen

19 Die Pferde und Streitwagen des Pharaos samt allen Wagenkämpfern waren also hinter dem Volk
Israel ins Meer hineingezogen, und der Herr hatte das Wasser über sie zurückfluten lassen. Aber die
Leute von Israel waren trockenen Fußes ans andere Ufer gelangt. Darum sangen sie dieses Lied. 20
Die Prophetin Mirjam, die Schwester Aarons, nahm ihre Handpauke, und alle Frauen schlossen sich
ihr an. Sie schlugen ihre Handpauken und tanzten im Reigen. 21 Mirjam sang ihnen vor und sie
antworteten im Chor: »Singt, alle, singt, dem Herrn zu Ehren, denn er hat siegreich seine Macht
gezeigt: Ins Meer geworfen hat er Ross und Mann!«

Mirjam die Prophetin. Mirjam die Lobpreissängerin. Mirjam die Tänzerin zur Trommel. Kennt ihr
prophetisch begabte Frauen? Was hat Lobpreisgesang mit Prophetie zu tun. Gibt es einen
christlichen Tanz zu Ehren Gottes?

4.Mose 12

Mirjam und Aaron lehnen sich gegen Mose auf

1 Mirjam und Aaron machten Mose Vorwürfe wegen der kuschitischen Frau,1 die er geheiratet
hatte. 2-3 Zu den Israeliten sagten sie: »Darf Mose behaupten, dass nur er den Willen des Herrn
kennt? Hat der Herr nicht auch zu uns gesprochen?« Mose unternahm nichts dagegen; denn er war
der bescheidenste Mensch, der je auf der Erde gelebt hat. Aber der Herr hörte, was sie sagten. 4 Er
forderte Mose und Aaron und Mirjam auf: »Geht hinüber zum Heiligen Zelt, ihr drei!« Als sie dort
waren, 5 kam der Herr in der Wolkensäule herab und stellte sich an den Eingang des Zeltes. Er rief
Aaron und Mirjam, und die beiden traten vor. 6 Dann sagte er zu ihnen: »Hört her! Wenn ich
Propheten zu euch sende, offenbare ich mich ihnen in Visionen und spreche zu ihnen in Träumen. 7
Mit meinem Bevollmächtigten Mose aber halte ich es anders. Ihm habe ich mein ganzes Haus
anvertraut. 8 Deshalb rede ich zu ihm wie ein Mensch zu einem andern, in klaren, eindeutigen
Worten. Er darf sogar mich selbst sehen. Wie könnt ihr es wagen, ihm etwas vorzuwerfen?« 9 Voll
Zorn ging der Herr weg. 10 Als die Wolke verschwunden war, war Mirjam von Aussatz befallen
und ihre Haut war weiß wie Schnee geworden. Aaron sah es 11 und sagte zu Mose: »Verzeih, wir
haben im Unverstand gehandelt und Unrecht getan. Lass uns nicht dafür büßen! 12 Soll Mirjam wie
eine Totgeburt aussehen, deren Fleisch schon halb verwest ist, wenn sie aus dem Mutterschoß
kommt?« 13 Mose schrie zum Herrn: »O Gott, lass sie doch wieder gesund werden!« 14 Der Herr
antwortete: »Sie muss sieben Tage lang aus dem Lager ausgesperrt werden, dann könnt ihr sie
wieder in eure Gemeinschaft aufnehmen. Wenn ihr Vater ihr ins Gesicht gespuckt hätte, müsste sie
sich ja auch sieben Tage lang schämen.« 15 So wurde Mirjam für sieben Tage aus dem Lager
ausgesperrt. Das Volk aber zog nicht weiter, bis Mirjam wieder aufgenommen werden durfte. 16
Dann verließen sie Hazerot und schlugen ihr Lager in der Wüste Paran auf.

Mose als Prophet steht über den Propheten Aaron und Mirjam. Auflehnung gegen den obersten
Hirten des Gottesvolkes wird von Gott bestraft. Gott spricht mit Moses von Angesicht zu Angesicht,
mit Mirjam und Aaron durch Visionen und Träume. Hat Gott schon einmal zu euch durch Visionen
und Träume geredet? Aaron und Mirjam protstieren – aber warum wird Mirjam allein gestraft und
Aaron nicht?

4.Mose 20

1 Im ersten Monat des Jahres kamen die Israeliten, die ganze Gemeinde, in die Wüste Zin. Längere
Zeit blieben sie in der Oase Kadesch. Während dieser Zeit starb Mirjam und wurde dort bestattet.
Kadesch heißt „Heilig“. Nur von wenigen Menschen in der Bibel wird ihre Begräbnisstätte erwähnt.
Auch Mirjams Tod ist heilig. „Selig, die im Namen des Herrn sterben von nun an!“ (Offenbarung)
Wie möchtet ihr gerne sterben?

Koran Sure 3

35
Damals sagte die Frau Amrans: "Mein Herr, siehe, ich gelobe Dir, was in meinem Leibe ist, zu
weihen; so nimm es von mir an; siehe, Du bist der Allhörende, der Allwissende."
36
Und als sie es geboren hatte, sagte sie: "Mein Herr, siehe, ich habe es als Mädchen geboren." Und
Allah wusste wohl, was sie geboren hatte; denn der Knabe ist nicht wie das Mädchen. "Und ich
habe sie Mirjam genannt, und siehe, ich möchte, dass sie und ihre Nachkommen bei Dir Zuflucht
nehmen vor dem gesteinigten Satan."
37
Und so nahm sie Allah gnädig an und ließ sie in schöner Weise in der Obhut des Zacharias
heranwachsen. Sooft Zacharias zu ihr in den Tempel hineintrat, fand er Speise bei ihr. Da sagte er:
"O Mirjam, woher kommt dir dies zu?" Sie sagte: "Es ist von Allah; siehe, Allah versorgt
unbegrenzt, wen Er will."
42
Und damals sprachen die Engel: "O Mirjam, siehe, Allah hat dich auserwählt und gereinigt und
erwählt vor den Frauen der Welten.
43
O Mirjam, sei vor deinem Herrn voller Andacht und wirf dich nieder und beuge dich mit den Sich-
Beugenden."
44
Dies ist eine der Verkündungen des Verborgenen, die Wir dir offenbaren. Denn du warst nicht bei
ihnen, als sie ihre Lose warfen, wer von ihnen Mirjam pflegen sollte. Und du warst nicht bei ihnen,
als sie miteinander stritten.
45
Damals sprachen die Engel: "O Mirjam, siehe, Allah verkündet dir ein Wort von Ihm; sein Name ist
der Messias, Jesus, der Sohn der Mirjam, angesehen im Diesseits und im Jenseits, und einer von
denen, die Allah nahestehen.
46
Und reden wird er in der Wiege zu den Menschen und auch als Erwachsener, und er wird einer der
Rechtschaffenen sein."
47
Sie sagte: "Mein Herr, soll mir ein Sohn geboren werden, wo mich doch kein Mann berührte?" Er
sprach: "Allah schafft ebenso, was Er will; wenn Er etwas beschlossen hat, spricht Er nur zu ihm:
»Sei!« und es ist."
48
Und Er wird ihn das Buch lehren und die Weisheit und die Thora und das Evangelium.

Sure 19, „Mirjam“

16
Und gedenke im Buch Mirjams, als sie sich von ihren Angehörigen an einen östlichen Ort
zurückzog.
17
Sie nahm sich einen Vorhang vor ihnen. Da sandten Wir Unseren Geist zu ihr. Er stellte sich ihr als
wohlgestaltetes menschliches Wesen dar.
18
Sie sagte: „Ich suche beim Allbarmherzigen Schutz vor dir, wenn du gottesfürchtig bist.“
19
Er sagte: „Ich bin nur der Gesandte deines Herrn, um dir einen lauteren Jungen zu schenken.“
20
Sie sagte: „Wie soll mir ein Junge gegeben werden, wo mich doch kein menschliches Wesen berührt
hat und ich keine Hure bin.“
21
Er sagte: „So wird es sein. Dein Herr sagt: ‚Das ist Mir ein leichtes, und damit Wir ihn zu einem
Zeichen für die Menschen und zu einer Barmherzigkeit von Uns machen‘. Und es ist eine
beschlossene Angelegenheit.“
22
So empfing sie ihn und zog sich mit ihm zu einem fernen Ort zurück.
27
Dann kam sie mit ihm zu ihrem Volk, ihn mit sich tragend. Sie sagten: „O Mirjam, du hast da ja
etwas Unerhörtes begangen.
28
O Schwester Aarons, dein Vater war doch kein sündiger Mann, noch war deine Mutter eine Hure.“
29
Da zeigte sie auf ihn. Sie sagten: „Wie können wir mit jemandem sprechen, der noch ein Kind in
der Wiege ist?“
30
Er sagte: „Ich bin wahrlich Allahs Diener; Er hat mir die Schrift gegeben und mich zu einem
Propheten gemacht.
31
Und gesegnet hat Er mich gemacht, wo immer ich bin, und angeordnet hat Er mir, das Gebet zu
verrichten und die Almosen zu geben, solange ich lebe,
32
und gütig gegen meine Mutter zu sein. Und Er hat mich weder gewalttätig noch unglücklich
gemacht.
33
Und der Friede sei auf mir am Tag, da ich geboren wurde, und am Tag, da ich sterbe, und am Tag da
ich wieder zum Leben auferweckt werde.“
34
Das ist Jesus, der Sohn Mirjams: Es ist das Wort der Wahrheit, woran sie zweifeln.

*
Wir sehen, dass Mohammed einige Dinge ganz schön durcheinander gebracht hat: Mirjam, die
Tochter von Amram und Jochebed und die Schwester von Moses, wird als Mädchen von Zacharias,
dem Priester und Vater von Johannes dem Täufer erzogen, und wird dann vom Heiligen Geist
schwanger und gebiert Jesus!

Evangelische Theologie:

Mirjam - Schwester, Prophetin, Siegestänzerin


Mirjam führt nach dem Auszug aus Ägypten als Prophetin den Freudentanz der Frauen an. Sie ist
eine der drei Führungsgestalten aus der zentralen Befreiungsgeschichte des Volks Israel - die
tanzende Prophetin.

Ein weiterer Hinweis, wie wichtig die Frau Mirjam für die Geschichte Israels war, ist der Satz aus
dem Propheten Micha, der im 8. Jahrhundert vor Christus seine Hörer und Hörerinnen an die
schützende Begleitung Gottes durch die Wüstenzeit folgendermaßen erinnert: "Ich habe dich doch
aus Ägypten heraufgeführt und dich freigekauft aus dem Sklavenhaus. Ich habe Mose vor dir her
gesandt und Aaron und Mirjam."

In der jüdischen Tradition gibt es noch Legenden, wie Gott Mirjam im Traum erschien und die
Geburt des Bruders, seine spätere Rolle und ihre Aufgabe als schwesterliche Beschützerin
voraussagt.

Mirjam als Lobpreis-Leiterin

Nach dem Wunder am Schilfmeer, das zur Geschichte von der Befreiung aus Ägypten gehört, wird
erzählt, wie Mirjam die Pauke nahm und ein Loblied für Gott sang. Mit ihr sangen viele, sie leitete
die Anbetung und den Lobpreis an. Dieses Mirjamlied in 2. Mose 15, 20-21 gilt als einer der
ältesten Texte des Alten Testaments. Mit diesem Lied deutet sie Geschichte: Sie ruft und singt es in
die Seele Israels hinein, dass die Befreiung aus Ägypten Gottes gute Tat am Volk Israel war.

Mirjam wird als Prophetin bezeichnet. Aber es sind keine prophetischen Sprüche von ihr bekannt.
Ihr Tanz und Gesang kann allerdings auch als ihre individuelle und die ihr eigene Weise des
prophetischen Diensts verstanden werden. In Israel gab es eine Tradition, die Musik und Prophetie
miteinander verbindet. Ein Beispiel steht im 1. Samuelbuch: Als der Prophet Samuel Saul zum
ersten König in Israel salbt, gibt er ihm folgende Worte mit auf den Weg: "… und wenn du dort in
die Stadt kommst, wird dir eine Schar von Propheten begegnen, die von der Höhe herabkommen,
und vor ihnen her Harfe und Pauke und Flöte und Zither, und sie werden in Verzückung sein. Und
der Geist des Herrn wird über dich kommen, dass du mit ihnen in Verzückung gerätst; da wirst du
umgewandelt und ein anderer Mensch werden. Wenn bei dir nun diese Zeichen eintreffen, so tu,
was dir vor die Hände kommt; denn Gott ist mit dir" (1. Samuel 10, 5-7).

Mirjam als Prophetin

Diese Schilderung der Gruppe von Propheten verdeutlicht, was es heißt, Prophet oder Prophetin zu
sein, nämlich unmittelbar von Gottes Geist berührt zu werden und zu tun, was in diesem Moment zu
tun ist. Gottes Geist weht, wo er will, Gottes Geist lässt sich nicht in vorgeformte Strukturen
einzwängen, Gottes Geist schenkt unerwartete neue Einsichten und Erkenntnisse. Vielleicht war
Mirjam mit ihrer Pauke solch eine Prophetin: vom Geist Gottes berührt und verzückt.

Nach dem Wunder am Schilfmeer, das zur Geschichte von der Befreiung aus Ägypten gehört, wird
erzählt, wie Mirjam die Pauke nahm und ein Loblied für Gott sang. Mit ihr sangen viele, sie leitete
die Anbetung und den Lobpreis an. Dieses Mirjamlied in 2. Mose 15, 20-21 gilt als einer der
ältesten Texte des Alten Testaments. Mit diesem Lied deutet sie Geschichte: Sie ruft und singt es in
die Seele Israels hinein, dass die Befreiung aus Ägypten Gottes gute Tat am Volk Israel war.

Mirjam als Frau mit eigener Meinung


Wir haben zwar nur einzelne Mosaiksteine, die wir von Mirjams Leben in der Bibel finden, aber sie
funkeln aus dem Raum der Zeit zu uns herüber und lassen eine intelligente, eigenwillige,
glaubensstarke Frau erkennen. Die prophetische Tradition der Mirjam ließ sich aus der biblischen
Botschaft nicht auslöschen. Ihr Lied klingt bis in unsere Zeit herein. Sie singt und tanzt uns voraus.
Mirjam ist Prophetin, eine Frau mit einer eigenständigen religiösen und politischen Meinung.
Gemeinsam mit ihren Brüdern Aaron und Mose ist sie für das Schicksal des Volks Israel
verantwortlich, das aus der ägyptischen Herrschaft befreit wird und unterwegs ist auf dem langen
und mühsamen Weg durch die Wüste bis ins verheißene Land. Die Figur der Mirjam erinnert uns
immer wieder daran, dass es eine Gemeinschaft von Männern und Frauen war, die das Volk leitete
und in die Freiheit führte.

NAME: Nach jüdischer Tradition bedeutet der Name "bitteres Meer". Es gibt neben dieser
Erklärung aber noch viele andere Übersetzungsversuche: die Erhabene, die Erhöhte, die
Widerspenstige oder Ungezähmte, die Geschenkte, die Fruchtbare.