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MUSPILI

NACHDICHTUNG

VON TORSTEN SCHWANKE

Dann kommt der Tag, / da kommt der Mensch zu Tode.


Wenn dann die Seele / den Sarg des Körpers verlässt
Und ihren Weg beginnt / zur Wonne des Himmels,
Kommt ein himmlisches Heer / von den Höhen der Sterne
Und ein anderes Heer / aus den Feuern der Hölle,
Sie werden um der Seele / Seligkeit oder Unheil kämpfen.
In Schrecken muss / die schöne Seele warten,
Bis die Entscheidung getroffen / im Spruch des Gerichts,
Von welcher Macht / sie mitgenommen wird.
Denn wenn Satans Sklaven / die Seele in die Hände bekommen,
Wird sie zum Ort geführt, / den man den Orkus nennt,
An dem das ewige Leid im Feuer / ohne Licht ihn erwartet.
Das ist wirklich ein schrecklicher / Spruch des Gerichts!

II

Wenn aber die Engel, / die von oben gekommen,


Die Seele nehmen / und sie den Seligen übergeben,
Dann führen die Heiligen / die Seele in den Himmel.
Dort wird sie das Leben / ohne Leid und Tod finden,
Das Licht des Vaters / ohne Finsternis,
Einen Ort, wo man ohne Sorgen / selig leben kann,
Da gibt es keine Krankheit mehr / des Körpers und der Seele.

III

Aber wehe der Seele, / die für ihre Sünden


In der Dunkelheit / der Verdammnis bezahlen muss
Und in den ewigen Flammen / des höllischen Feuers brennen,
Das ist wirklich ein schreckliches / ewiges Schicksal!
Dann schreit die Seele / zum seligen Gott,
Erhält aber keine Hilfe / oder Antwort vom Himmel.
Die glücklose Seele / hofft auf Gnade,
Aber sie lebt nicht mehr / in Gottes Liebes-Gedanken,
Weil sie zur Zeit ihres Lebens / auf Erden gezeigt,
Dass sie unwürdig war / des ewigen Lebens.

IV

Ich habe wahrlich vernommen, / was die Weisen


Im Gesetz der Welt / von diesen Dingen wahrsagen:
Der Antichrist wird / mit Elias kämpfen.
Der Böse ist bewaffnet, / ein bitterer Kampf findet statt.
Die Krieger sind so mächtig, / der Einsatz der Männer ist hoch.
Der Vater Elias kämpft / für das ewige Leben
Und möchte den Seelen, / die Gerechtigkeit suchen,
Das Königreich / und die Krone sichern.
Darum wird ihm der helfen, / der den Himmel beherrscht.
Der Antichrist aber / steht neben dem alten Feind,
Neben dem schlimmen Satan, / der ihn zerstören wird.
Denn er wird verwundet / auf der Walstatt fallen
Und wird dort liegen / als der ewige Verlierer.

Aber viele Männer Gottes / meinen zu wissen,


Dass Elias wird / verwundet in der Schlacht,
So dass sein edles Blut / auf die Erde rinnt,
Dann werden die Berge / in Brand geraten,
Keine Eiche wird mehr / auf der Erde stehen,
Das Wasser vertrocknet / wie in der Wüste,
Das Sumpfland wird / ersaufen,
Der Himmel mit Flammen / in Feuer stehen,
Der Mond wird bleich / und die Erde wird brennen.
Kein Stein wird da / noch stehen bleiben,
Dann kommt der Tag / des Gerichtes über die Toten
Und Feuer wird / auf die Menschen fallen.
Dann wird kein Bruder / seinem Bruder helfen,
Wenn Muspili kommt / mit Macht von Gott.
Dann wird der bittere Schwefelregen / alles verbrennen,
Das Feuer und die Luft / werden alle Länder säubern.
Was bleibt von den unbedeutenden / Auseinandersetzungen,
Da miteinander streiten / und sich schlagen Väter und Söhne?
Die Landschaft wird / verbrennen im Licht
Und die trübe Seele steht / voller Trauer da,
Der Gerechte wird nicht wissen, / wie er sich retten kann.
Die Sünder und Frevler / gehen in die finstere Hölle.

VI

Der untreue Mann weiß / nie mit Gewissheit,


Wer seine Seele beschützt, / wenn er versucht,
Mit Bestechung / das Gesetz zu schänden.
Der kluge Teufel / schaut immer verkleidet zu,
Und erinnert sich stumm / an alles,
Was der törichte Mann / zuvor und danach getan hat,
Damit er den Beweis / wissend vorbringen kann,
Wenn er beim ewigen Gericht / als Ankläger auftritt.
Aus diesem starken Grunde / lasse sich niemand bestechen!
VII

Tönt das himmlische Horn, / erhebt sich der Richter.


Er wird über den Toten / und den Lebenden thronen,
Umgeben von der größte Armee, / die je zu bemerken war,
So mächtig und stark, / dass ihm niemand widerstehen kann.
Dann zieht er an den Ort des Gerichts / mit Gerechtigkeit.
Engel bewegen sich / über das wüste Land
Und rufen die Toten alle / zum ewigen Gericht.
Dann wird jeder aus dem Staube / auferstehen
Und die lästige / Last des Grabes abschütteln,
Sein Leib wird ihm / im Licht zurückgegeben,
Damit er auf die Anklagen / Antwort geben kann
Und er entsprechend seiner Werke / gerichtet werde.

VIII

Dort kann kein Denker / seine Gedanken verbergen.


Und wenn er einen Mord / an Menschen begangen hat,
Seine Hände klagen ihn an, / er wird nicken mit dem Kopf,
Jedes einzelne Glied / wird der Wahrheit Antwort geben,
Bis auf den kleinen Finger / und seinen Fingernagel.
Bei diesem Gericht ist es sinnlos, / Tricks zu versuchen,
Ein Verbrechen zu bestreiten, / vergangene Taten zu verbergen,
Sie werden dem himmlischen König / alle kund sein.
Wenn der Ungerechte nicht / zu Lebzeiten schon bereute,
Wird er durch Fasten und Almosen / oben gereinigt.
Dann wird das Kreuz gezeigt, / an dem der Christus starb.
Die Seele sieht mit Wonne / die heiligen Wunden,
Die Jesus aus Minne / zur Menschheit empfangen.