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Grimoald schenkt dem Bischof Rimagilus und den Mönchen der Klöster

Stavelot/Malmedy den Ort Germigny im Gau von Reims, den er von König Sigibert
(III.) erhalten hatte, mit allem Zubehör, worunter zwei Mühlen an der Suippe und ein
Weinberg in Beterio sind, und mit anderem Zubehör in Terron sur Aisne, den er von
Godetrud gekauft hatte.

(um 650, Abschrift 714 August1)

Original (A) verloren. Kopie (wahrscheinlich von 714, siehe unten)(B) verloren. Abschrift im
Chartular Staatsbibliothek Bamberg Misc. Hist. 161, fol. 116v, 117-118, Ende des 10. Jh. (C).
Danach oder nach Vorlage von C Ms.Brüssel, Bibl. Royale 2757-65 fol. 84, 85, 11. Jh. (C1),
die Hs. A1 von Halkin-Roland. Aus C oder der Vorlage von C, nicht aber aus C1
abgeschrieben (entsprechend einer Notiz von K. Pertz in Ms. Brüssel 8577 von 1874) die
Kopie Wiltheims, Ms. Brüssel, Bibl. Royale 8564-81 fol. 263, 17. Jh. (C2), die Hs. A2 von
Halkin-Roland. Aus C1 abgeschrieben die sehr fehlerhaften Urkundenkopien in einer aus
Stavelot von 1654 datierten Abschrift des Benedictus delle Rive mit den Urkunden Chlodwigs
III. (DM 62), Childerichs II. (DM 29), Grimoalds und Sigiberts III. (DM 23), Ms. Brüssel,
Bibl. royale 7827-74, fol. 387 (C3) (genannt von Debus siehe unten), 17. Jh., diese
Überlieferung nicht bei Halkin-Roland. Von einer weiteren, von Halkin Roland genannten
Überlieferung, einem Dossier des 17. Jh. zu Germigny mit dem Titel Documenta pro villa
Germiniaci wurden weder in Düsseldorf noch in Lüttich Spuren aufgefunden.

Henschenius S. 98.- Miraeus 3 S. 281 (ohne Herkunftsangabe, ohne Datierungszeile).-


Bréquigny Diplomata S. 207f. Nr. 126 (mit Berufung auf Henschenius und Miraeus). =
Pardessus 2 S. 92 Nr. 316 (ohne Datierungszeile, für die auf Henschenius und briefliche
Mitteilungen Reiffenbergs verwiesen wird).- Pertz S. 91 Nr. 1.- Halkin-Roland 1 Nr. 3.

Foy 1 S. 71. - Bréquigny, Table 1 S. 58 (nach Miraeus). - Wauters 1 S. 45 (um 650; ohne die
Datierungszeile, für die er auf Henschenius verweist). - BM 3. - Heidrich, Titulatur, A 1, S.
236f.

Die Edition folgt C. Der Wiedergabe des Urkundentextes geht in dieser Hs. wie in allen
anderen (direkt oder indirekt von ihr abhängigen) ein Kopfregest voraus, das dieser Urkunde
wie denen der Merowingerkönige, Ludwigs d. Fr. und der Ottonen vorausgestellt ist. In
diesem Rubrum in Unziale heißt es fol. 116v: Confirmatio Grimoaldi ducis facta de villa
Germiniaco ad eundem sanctum virum (entsprechend in C1). Der folgende Passus Domino
sancto et in Christo patri Rimagilo episcopo steht wie das Kopfregest in Unziale, ist jedoch
mit schwarzer Tinte geschrieben (entsprechend in C1, aber episcopo in neuer Zeile und nicht
mehr in Capitalis), wobei das D von domino als Initiale geschrieben ist, dann geht es in
Minuskel mit vel omni congregationi monasterio malmundario seu stabelau consistentium
weiter. Die Verwendung der Initiale und der Wechsel der Tintenfarbe trennen Regest und
Text. Die Verwendung der gleichen Schrifttype für Regest und Beginn des Textes
kennzeichnet C als Abschrift eines Chartulars (also nicht Abschrift des Originals). Durch die
verwendete Bezeichnung confirmatio ist der Text in C als Wiedergabe einer bestätigten
Abschrift des (verlorenen) Originals gekennzeichnet; die einleitenden Regesten der
Königsurkunden bezeichnen diese jeweils als exemplar. Das Datum des verlorenen Originals
A kann nur nach den Lebensdaten Grimoalds geschätzt werden. Das in den
Chartularabschriften angegebene Datum kann nur das der verlorenen Abschrift B sein.

Die Urkunde und ihre Datierung haben eine wichtige Rolle in der Diskussion um den sog.
Staatsstreich des Hausmeiers Grimoald d.Ä. und eine erste Regierungszeit Dagoberts II.
gespielt vgl. Krusch, Staatsstreich, Himly, Les plus anciennes chartes, S. 287f, Dupraz,
Contribution, S. 117-150, Fischer, Ebroin, S. 21f., Gerberding S. 53f. Debus, Studien 2, S.
102ff hat endgültig den Beweis erbracht, daß von einer ersten Regierungszeit Dagoberts II.
nicht auszugehen ist, und im übrigen darauf hingewiesen, daß die Grimoaldurkunde schon
deswegen nicht als Teil eines Dossiers zur Vorlage für die Urkunde Dagoberts II. bestätigt
worden sein kann, weil beide Urkunden nirgends gemeinsam in der handschriftlichen
Überlieferung überkommen sind. Die Urkunden Childerichs II. (Pertz DM 27, Neuedition
Kölzer Nr. 112) und Dagoberts II. (Pertz DM 45, Neuedition Kölzer Nr. 117), die Sigibert III.
und nicht Grimoald als Gründer Stavelots bezeichnen (Dupraz S. 145f), hält Kölzer,
Merowingerstudien I S. 40-57 für Fälschungen, wie auch die König Sigibert als Schenker
Germignys nennende Bestätigung Papst Leos IX. eine Fälschung ist. Im übrigen sind in
Germigny mehrere Besitzer nachweisbar (vgl. die Einl. zum Regest bei Heidrich). Germigny,
die beiden Mühlen und der Weinberg mögen von Grimoald verwaltetes Königsgut gewesen
sein und das, was er von Godetrud gekauft hatte, sein eigenes Schenkungsgut an Stavelot.
Weitere Argumente für die aktive Beteiligung Grimoalds bei der Gründung von Stavelot vgl.
Werner, Der Lütticher Raum S. 360-363. Semmler, Episcopi potestas S. 388 mit Anm. 56
versteht Stavelot als Eigenkloster der pippinidischen Gründer.- Neuerdings hat Becher, Der
sogenannte Staatsstreich, den so apostrophierten Staatsstreich Grimoalds überhaupt in Frage
gestellt.
Der Datierungsvorschlag für die Abschrift von Heidrich, Titulatur S. 236, scheint nach wie
vor am plausibelsten (vgl. auch Gerberding): bezieht man den König Dagobert der Datierung
auf Dagobert III., ist die Beglaubigung der Abschrift am 1. August 714 erfolgt, zur Zeit als
Pippin d.M. bereits krank war (vgl. Nr. 6) aber wahrscheinlich noch vor der Ermordung
Grimoalds d.J. Die Beglaubigung würde somit zu den Herrschaftssicherungsmaßnahmen der
Plectruddeszendenz gehören. Daß Grimoald d. J. ein Interesse daran hatte, in
Stavelot/Malmedy die Erinnerung an die Begünstigung des Klosters durch seinen
gleichnamigen Großonkel lebendig zu erhalten, ist einsichtig. Traditioneller Bezug des
Datums der Abschrift auf die Regierungszeit Dagoberts II. und damit Einordnung zum 1.
August 679 bei Gauthier, L'évangélisation S. XXVIII, 263 und ohne Diskussion auch bei
Weidemann, Chronologie S. 197.

Zu anderen Besitzungen Grimoalds im Gebiet von Reims vgl. die Einleitung zum Regest bei
Heidrich. Zu den Ortsnamen vgl. Ortsnamenindex. Nicht identifiziert ist Beterio. Terron sur
Aisne ging Stavelot früh verloren. 1153 ist es nach Halkin Roland im Besitz der Reimser
Abtei Saint-Nicaise bezeugt. Germigny, heute verschwunden, lag nach den Urkunden
Grimoalds, Childerichs II. (DM 29, nach Kölzer, Merowingerstudien I S. 23-29 im
wesentlichen echt, Neuedition Kölzer Nr. 108 - interpoliert -) und der Fälschung auf Dagobert
II.(so Kölzer, Merowingerstudien I S. 40-57) im pagus Remensis. Sein Besitz wurde dem
Kloster Stavelot/Malmedy in der angeblichen Urkunde Papst Leos IX. vom 3. Sept. 1049
(Halkin-Roland Nr. 111, JL 4172), deren ausführliche, den Besitz benennende Fassung Ewald
in NA 4 (1879) S. 184-198 als Fälschung aufgrund der älteren Klosterurkunden erwies,
gefolgt von Oppermann S. 205f , bestätigt unter ausdrücklicher Nennung der beiden Mühlen
an der Suippe und der Weinberge in Betherio, wobei die auf den Namen Leos IX. gefälschte
Urkunde diesen Besitz auf eine Schenkung König Sigiberts III. zurückführt. Germigny wurde
dem Kloster Stavelot während der Amtszeit Abt Wibalds von den Päpsten Coelestin II.
(Halkin-Roland Nr. 178), Lucius II. (ebd. Nr. 179), Eugen III. (Nr. 182) und Hadrian IV. (Nr.
248) in den Jahren 1143, 1144, 1146 und 1154 mit den beiden Mühlen an der Suippe (aber
ohne die Weinberge in Berterio) aufgrund der damals schon vorliegenden, angeblichen Leo-
Urkunde bestätigt. Dessen ungeachtet muß es seit dem 11. Jh. um das weit von Stavelot
entfernte Germigny Besitzstreitigkeiten gegeben haben. 1104 restitutiert ein Rigoldus Stavelot
die villa Germigny, die seine Vorfahren dem Kloster ungerechterweise genommen hatten
(Halkin-Roland Nr. 135) vgl. Ewald in NA 4 (1879) S. 196. 1130 stellt der Eb. Raginald von
Reims eine Urkunde für die Mönche des Remaclus-Klosters (Stavelot) in parrochia nostra
villa Germiniaco commanentes aus (Nr. 149). 1146 überläßt die Kongregation von Stavelot
ihrem Abt Wibald auf Lebenszeit zur persönlichen Nutzung und unabhängig von seiner
Staveloter Abtswürde zwei Besitzungen, darunter auch Germigny, iam a longis temporibus
nobis non solum inutilia, sed etiam gravissimis sumptibus dampnosa (Nr. 181, vgl. dazu auch
Kölzer, Merowingerstudien I S. 41f.). Nach Wibalds Tod (1158) gab dessen Nachfolger Abt
Erlebald im Jahr 1160 Germigny dem Kloster St. Remi von Reims gegen einen Jahreszins
(Halkin-Roland Nr. 252). Schon 1163 (Nr. 255) kam es zu Streitigkeiten um die Einkünfte
aus Germigny. Obwohl das Kloster Stavelot bis zum 15. Jh. im Besitz des von St. Remi zu
zahlenden Jahreszinses von Germigny nachweisbar ist, entstanden doch nach Aussage der
Urkunden wiederholt Streitigkeiten um diesen Zins (Nr. 321 von 1238, Nr. 409 von 1319, Nr.
422 von 1335, Nr. 442, 443 von 1343, Nr. 561, 562, 564 von 1418).
Einer Anmerkung bedürfen schließlich Namensform und Titel des Empfängers. Die
Namensform Rimagilo ist für den Empfänger nur in der Bamberger Hs. und dort auch nur in
diesem Text überliefert, geht aber vielleicht gerade wegen ihrer Ungewöhnlichkeit auf die
Vorlage zurück. Mit dem Titel episcopus allein wird Remaclus nur in der Grimoald-Urkunde
und der Bestätigung Childerichs II. (Pertz DM 29, Kölzer Nr. 108) genannt, während er sonst
als abbas (Pertz DDM 21, 22, Kölzer Nr. 80, 81), ohne Titel (Pertz DM 45, nach Kölzer,
Merowingerstudien I S. 40f, 92 eine Fälschung, Kölzer Nr. 117) oder als episcopus et abbas
(Pertz DDM 23, 27 beides Fälschungen nach Kölzer, Merowingerstudien I S. 92, Kölzer Nr.
84, 112) bezeichnet wird. Episcopus als Vorsteher einer Mönchsgemeinschaft (congregatio,
monasterium) ist aus Echternach (Wampach Nr. 3, 6, 8, 9 usw.) und Honau (Nr. 19) bekannt,
aus Echternach auch die zusätzlichen Anredeformeln domino sancto et in Christo patri. Dies
alles sind Echtheitskriterien. Der Aussteller Grimoald führt im Kontext von Nr. 1 keinen
Titel, während das Kopfregest der Bamberger Hs. ihn dux nennt. Die Remaclus-Vita aus dem
Anfang des 9. Jh. gedenkt seiner Rolle als Mitgründer des Klosters und nennt ihn dux und
maior domus (SS rer. Merov. 5 S. 106). Wir wissen aus der Fredegarchronik (IV, 88), daß
Grimoald nicht unmittelbar die Nachfolge seines Vaters Pippin d. Ä. in der Stellung des
austrischen Hausmeiers antrat, sondern erst nach längerer Auseinandersetzung mit Otto, ohne
daß wir den Zeitpunkt genau bestimmen könnten. Ob der mangelnde Hausmeiertitel ausreicht,
Nr. 1 in die Zeit vor der Hausmeiererhebung Grimoalds zu datieren, ist nicht sicher zu
entscheiden.

Domino sancto et in Christo patri Rimagiloa episcopo vel omni congregationi monasteriob
Malmundarioc seu Stabelaud consistentium. Grimoalduse recogitans molem peccaminum
meorum qualiter veniam optineref merear, dono vobis donatumque esse volo pro compendiis
ipsorum servorum Dei qui in ipsa monasteria conversare videntur loco cognominante
Germiniaco in pago Remensi, quem domnus gloriosus Sigibertus rex nobisg concessit. Ipsam
villam Germiniaco cum omni integritate sua, domos, aedificiis, mancipiis, acolabus, pecuniis,
campis, aquis cum omni soliditate, appendiciish, id esti duos molendinosj in Supiak, cum area
et terra, vinea una in Beterio, et alia appenditial quae dicitur Terune iuxta fluviolum Axina
quem de Godetrudem dato pretio comparavin domoso, mancipiis, campis, pratis vineis,
aquisp aquarumve decursibus cumq omni integritate ad se pertinente concedo vobis a die
presente perpetualiter, ut ipsam villam Germiniaco velr appendiciis suis superius
cognominatis teneatis, possideatis, vel quicquids inde facere volueritis, liberam et
firmissimam habeatis potestatem. Et si sane quod fieri non credot aliquis de heredibus meis
vel aliqua opposita persona contra hanc firmationem de parva munuscula quae in ara summi
Dei omnipotentisu offerre non dubito venirev temptaveritw, inferat in sacro fisco auri
libram .I.x argenti pondera Vy et nihilominus facta mea irrumpere non valeat.
Facta exemplaria sub die kalendis augusti, anno IIIIz regni domini nostri Dagoberti regis.
1.
a) Remaclo C1, C3, Miraeus
b) manasterio C1
c) Malmuldario C1
d) StabulauC1, C3
e) Grimoaldus steht in C am Anfang der 6. Zeile und G ist in den Rand gerückt. Dies ist der
Grund für die gewählte Interpunktion. Grimoaldus ist zwischen Punkte gesetzt in C1. In C2
Komma vor Grimoaldus, in C3 Punkt nach Grimoaldus.
f) obtinere C2, C3
g) rex nobilis nobis C1, C3
h) so in allen Hss.; et appendiciis bei Halkin-Roland
i) id mit waagerechtem Kürzungsstrich durch das d in C. C2 übernimmt diese Kürzung und
löst am Rand mit id est auf. C1, C3 und die Drucke haben id est
j) molendinos duos C1
k) die drei letzten Buchstaben in C2 verschmiert
l) über den Schlußbuchstaben von alia appenditia jeweils ein o in C, C1, wahrscheinlich
angedeutete Korrektur
m) In C korr. aus Godetrudo. Nachzeichnung der korr. Form von C in C2. dego de trude C1,
C3
n) comparavit C3
o) so alle Hss., Pertz korr. cum domibus
p) aus aquas in C korr.
q) et statt cum C3
r) so alle Hss., Pertz korr. cum
s) quidquidC2
t) danach Rasur in C
u) Dei omnipotentis Dei C, C2
v) fehlt C3, stattdessen 6 Punkte, d.h. die Anzahl der Buchstaben nicht aber diese selbst
wurden vom Kopisten erkannt
w) tentaverit C2
x) unam C3. In dieser Hs. sind alle Zahlzeichen ausgeschrieben
y) quinque C3, davor pondera am Rand nachgetragen
z) quarto C3