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Orgelspiel um 1500

mitgewirkt hat; Anlaß hierzu gaben große Festlichkeiten, wie

Fürstenhause, Besuch eines Königs.


40 Au 3 diesen
Hochzeit im
Zeugnissen ergibt sich, daß unser Codex nur den

liturgischen Teil der Organistenpraxis darstellt,


nämlich das Spiel zum cantus gregorianus.
Bei dieser ausgedehnten' Tätigkeit der damaligen Organisten
ist es nicht zu verwundern, wenn mancher Musikus vergaß, daß
seine Kunst nur der Liturgie dienen solle. Schon das Nürnberger
Leitbuch aus dem 14. Jahrhundert stellt fest: „Wann wenn man

dez orgels zu vil macht, so habn die leut ein uerdrizzen dor gnn.“
In Ulm bekommt 1507 der Bürgermeister den Auftrag, mit dem
Organisten zu reden, damit dieser „ein rechtes mass mit seinem

schlagen“ scheinen nicht wenige


41 Auch in
mache. Augsburg
der sein; denn die Augs-
Ueber-griffe Organisten vorgekommen zu

burger Synode von 1567 klagt: „Organorum usus multis in locis


est irnmodicus atque corrigendus.“fi*2

Persönliche Musizierfreude und liturgisches stießen oft


Gesetz
hart zusammen. Das gab den Leuten, die es mit kirchlichen.
der

Disziplin ernst nahmen, immer wieder zu Bedenken Anlaß, ob der


kultische Gebrauch dieses Instrumentes zu rechtfertigen sei. Nicht
nur Felix H-emmerlin, seit 1428 Cantor am Chorstift zu Zürich,
mußte die Orgel contra qaorundam hypocrz'tarurn garrulationem in
Schutz nehmen, sondern noch hundert Jahre später hatte die Orgel
1557 vermachte der Geistliche Hildebrand in Düren
heftige Gegner.
in fabricam ecclesiae St. Martini sec!uso signanter organo 600 fl. 43
Und die Cassinensische Kongregation verordnete 1578 in ihren Korn—"'
stitutionen: „Prohibemus fieri organa in posterum de novo in mo«
congregationis.“ In Süddeutschland jedoch hatte
44
nasteriis nostrae

.
40 L. B u r g e m e i s te r Orgelbau in Schlesien, Straßburg 1925, S. 8 ff.
,

A (I. Ab e r , Pflege der Musik unter den Wettinern, 1920, S. 81. Im Kon-
stanz-er Münster wurde 1507 in Anwesenheit des Kaisers und seiner Gemahlin

„nach dem Salve regina ain köstlich ampt“ gesungen „in organis, busonen‚
trumeten, geiggen und allerleg saitenspil.“ Zeitschr. i. M. W. XII, S. 455.
Der „planus gregorianus cantus“ wurde im Konstanzer Münster nur beim
0fficiuh1 an den Ferialtagen gebraucht. (Stiftungsurkunde von 1502 mitge—
Diözesanarchiv 1915, S. 75.)
>

teilt im Freiburger
41
Moser O. S. 85.a. a.
42
Gerbert a. a. 0. II. S. 185. Navarrus (l. c. S. 194) klagt,
daß „viele“ Organisten durch ihr Spiel die Messe um ein-e voll-e Stunde
verlängerten.
43
]. P olius , Exegeti-con—historicum
St. Annae, Leipzig 1640, S. 552.
44
Gerbert a. a. 0. II. S. 190.

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