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Wie das kleinste Kunsthaus punktet

Es ist winzig und richtet an wie die Grossen: Das Kunsthaus 9a im Breitenrain funktioniert seit zehn Jahren mit Fantasie, Engagement und Kunstverstand – Geld ist Nebensache.

Mittwoch 6. Februar 2019 12:10 von Tina Uhlmann, (Berner Zeitung)

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1/10 Das kleine Kunsthaus am Stauffacherplatz mit den Machern Alexander Lehmann und Stefan Hofmann.

Bild: Beat Mathys

Abends ist es besonders schön, am kleinen Kunsthaus 9a vorbeizukommen. Oft leuchtet einem das dreigeteilte Fenster schon von weitem entgegen und verheisst wie ein grosser Guckkasten eine Überraschung.

Tritt man heran, weicht die Strasse der Eiligen mit Geschäften, Verkehr und Baustellen für einen Moment zurück, und man schaut. Auf eine Skulptur, eine Videoprojektion oder Papierkleider, die an Bügeln hängen. Oder auf ein Bett, das als Leuchtkörper durch einen magischen Überwurf strahlt – Letzteren hat die französische Künstlerin Myriam Kachour aus mehreren Tausend über Jahre gesammelten Teebeuteln zu einem Werk «von Wasser, von Träumen, von Licht und Dunkel» gefügt.

Im finsteren Januar zeigt das kleine Kunsthaus oft eine Installation, bevor im Februar jeweils die erste Ausstellung des Jahres eröffnet wird. Diesmal war es eine schwere, rostige Kugel, die der Eisenplastiker Ferroluc an einem Drahtseil von der Decke hängen liess und die mit einem Hebel von aussen in Bewegung gesetzt werden konnte.

Interessant zu beobachten war, wie einige Leute dies mehrmals wiederholten und so lange völlig selbstvergessen am Fenster stehen blieben, bis die Kugel im Innern des Kunstraums wieder zum Stillstand kam.

Riskante Experimente

«Manchmal bin ich es, die sagt, wir sollten wieder mal eine Verkaufsausstellung machen», bemerkt augenzwinkernd Therese Ryser, 9a-Mitgründerin, am Tisch in ihrer Wohnung nebenan, wo der Verein 9a meist tagt. Denn die Installationen sind zur puren Freude da, wenn hingegen Bilder oder Objekte verkauft werden, bekommt das kleine Kunsthaus dreissig Prozent vom Preis in die Kasse, in der oft Ebbe herrscht.

Weder erhält das 9a Subventionen wie ein Museum, noch verfolgt es kommerzielle Ziele wie eine Galerie. «Einfach selbsttragend muss es sein», erklärt Alexander Lehmann, ebenfalls seit Anbeginn dabei. Dabei unterstützen Gönnerinnen und Gönner die neunköpfige Programmgruppe, die das Haus ehrenamtlich betreibt. Auflagen gibt es keine. Stefan Hofmann, der dritte Mitgründer, freut sich: «Wir müssen keinen Gewinn erwirtschaften und können etwas riskieren.»

Riskant ist es zum Beispiel, Bilder eines Künstlers zu zeigen, der nicht mehr lebt, wie dies bei Albrecht Lösener der Fall ist, dessen filigrane Schraffuren als Nächstes im 9a zu sehen sein werden.

Ein Risiko ist es auch, in wilder, dichter Hängung «verhinderte Meisterwerke» zu präsentieren, wie dies 2017 gemacht wurde. Und wenn Bianca, Kim, Manon und Sophie vor der Tür stehen, vier elfjährige Mädchen, die im 9a ausstellen möchten, dann weiss man erst einmal auch nicht, wie das herauskommt. «Aber genau diese Installation letzten Sommer war ein Highlight für mich», sagt Stefan Hofmann und beschreibt den langen, teils harzigen Prozess, in dem die Mädchen mit gewohnter Professionalität begleitet wurden.

Es lohnte sich: Am Ende liessen sich die jungen Kreativen nicht mehr dreinreden und wiesen auch Eltern, die helfen wollten, freundlich ab.

Wohnen, Arbeiten und mehr

Alles ist mit allem verbunden rund ums 9a. Weil das über hundertjährige Häuschen einst als «Blumenkiosk Brönnimann» den Betrieb aufnahm, findet im Sommer auf dem Vorplatz des Kunsthauses jeweils ein Wildpflanzenmarkt statt. Im Haus, zu dem es gehört, hat die Fotografin Lisa Schäublin, die im Verein mitarbeitet, ihr Atelier, Therese Ryser betreibt dort ihre Möbelpolsterei, und in der Kellerwerkstatt erledigt Alexander Lehmann Handwerksarbeiten für das kleine Kunsthaus.

Man lebt als Hausgenossenschaft zusammen und mietet das «Schöpfli» mit dem Einverständnis aller Beteiligten zu einem moderaten Preis. Alex Lehmann spricht von «Lebenszeit», in der Wohnen, Arbeiten und Freizeit nicht getrennt sind, sondern ineinandergreifen. Er selbst ist Lehrer, Stefan Hofmann ist in interkulturellen Projekten tätig.

Die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler diskutiere man an den fünf bis sechs Vereinssitzungen pro Jahr zuweilen heftig, erzählen sie, wobei die Qualität der Kunst an erster Stelle stehe, aber aus ganz unterschiedlichen Perspektiven argumentiert werde.

Und wie bestellt klingelt es nun, zur Runde stösst der Kunsthistoriker Mathias Kobel, der gekommen ist, um Details der Februarausstellung zu besprechen. Als vielseitig engagierter Kunstvermittler der jüngeren Generation verfügt Kobel über ein internationales Netzwerk. Er hat dem 9a etwa den japanischen Künstler Taka Kagitomi vermittelt, der 2014 die audiovisuelle Installation «Hunting Own Shadow» einrichtete.

Installation «Hunting Own Shadow» einrichtete. Taka Kagitomis Installation «Hunting Own Shadow». Ein

Taka Kagitomis Installation «Hunting Own Shadow».

Ein Flipperkasten? Ein Laufsteg? Gegenwartskunst jedenfalls, die auch einem der grossen Häuser auf dem Platz Bern gut anstehen würde und Publikum von weit her ins Berner Quartier Breitenrain lockte.

Vom Pop-up zur Institution

Gestartet ist das 9a vor zehn Jahren als Pop-up-Projekt. Heute ist das kleine Kunsthaus aus Berns Kulturszene nicht mehr wegzudenken und bietet jedes Jahr mindestens zehn Ausstellungen an. Im Jubiläumsjahr will man «noch näher zu den Leuten», so Alex Lehmann: Mit einem temporären Vorbau soll das kleine Kunsthaus bis an den Trottoirrand erweitert werden und beispielsweise Performances zum Geschehen im Innern ermöglichen.

Auch eine Beteiligung an den Aktivitäten des Off-Space- Netzwerks Kollektiv Bern sei in Zukunft denkbar, ergänzt Stefan Hofmann. Doch vor allem will sich das 9a treu bleiben als singulärer Kunstort, der sich selbst genügt. Vielleicht ist gerade das seine Stärke.

Das «Schöpfli» und seine aufregende Geschichte

1911: Neben dem Wohnhaus an der Stauffacherstrasse 9 wird ein

Holzhaus gebaut und als Blumenkiosk in Betrieb genommen. Es dient

später als Schuhsohlerei, Lager und Brockenstube.

2004: Die grosse Tanne wird gefällt, in deren Schatten das Häuschen

stand. – 2009: Am 2. Januar um 3 Uhr morgens setzen Betrunkene

das Häuschen in Brand. Die äussere Holzkonstruktion wird restauriert;

im ausgebrannten Innenraum wird die gefällte Tanne als Riemenboden

verlegt. Auf dem Vorplatz weist eine Installation mit Ginkoblättern von

Viktor Näf auf die künftige Bestimmung des Hauses hin.

Am 12. Dezember öffnet die erste Ausstellung mit Guckkästen von 25

Kunstschaffenden.– 2014: Der Verein 9a feiert fünf Jahre Kunstbetrieb

auf zwölf Quadratmetern Ausstellungsfläche.– 2019: Das kleine

Kunsthaus wird zehn Jahre alt, blickt auf über hundert Ausstellungen

zurück und plant eine Jubiläumsaktion im Sommer. (tu)

Die nächste Ausstellung ist eine Schweizer Premiere

«Indem ich die Hand einfach laufen lasse

Karte zur nächsten 9a-Schau auf einen Künstler hin, der zu erklären

suchte, was er tat. Albrecht Lösener (1930–2006),in Schleswig

geboren, später Richter, dann freischaffender Künstler in Köln, schuf

kleinformatige Tuschzeichnungen in eigenwilliger Kurzstrichtechnik.

Aus Distanz betrachtet wirken sie wie Luftaufnahmen kultivierter

»

Mit diesem Zitat weist die

Landschaften oder wie Mikroskopien organischer Struktur.

Albrecht Lösener pflegte regen Austausch mit zeitgenössischen

Künstlerfreunden, doch einem breiteren Publikum öffnete er sein Werk

erst spät in einigen wenigen Ausstellungen. Postum wurde es in einer

doppelbändigen Monografie aufgearbeitet. Das kleine Kunsthaus 9a

zeigt erstmals in der Schweiz eine Auswahl aus seinem

umfangreichem Werk. (tu)

Quelle: Berner Zeitung

Mittwoch 6. Februar 2019 12:10 von Tina Uhlmann, (Berner Zeitung)

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